Vollkommene Liebe vertreibt die Furcht, Teil 8: Skrupulosität und Gott

Alle Teile hier: https://nolitetimereweb.wordpress.com/reihe-vollkommene-liebe-vertreibt-die-furcht-skrupulositaet/

 

Entscheidend ist immer, den Mut nicht zu verlieren, und vor allem: Sich immer neu zum Vertrauen auf Gott aufzuraffen. Lest die Bibel: Besonders die Evangelien. Das Gleichnis vom verlorenen Sohn, vom verlorenen Schaf, die Abschiedsreden bei Johannes. Auch der erste Johannesbrief oder einige Kapitel bei Propheten wie Hosea (Kapitel 11!) können sehr hilfreich sein. Betrachtet das Kreuz, verbringt Zeit vor dem Tabernakel, wo Gott selbst in ein paar Stückchen Brot da ist.

Bei solchen Beschäftigungen kann man zu der Einsicht gelangen, dass Gott irgendwie ein anderes Wesen zu haben scheint, als man es sich unterbewusst wohl vorgestellt hat. Versucht, das Wesen des menschgewordenen Gottes zu entdecken, aus der Art, wie Er spricht und sich verhält. Betrachtet die Art, wie Er in die Welt gekommen ist: In einem Stall geboren, in einer Zimmermannsfamilie aufgewachsen. Die Wunder, die Er vollbrachte, waren Heilungen und Totenerweckungen – nie ließ Er Feuer und Schwefel vom Himmel regnen. Er weinte um seinen Freund Lazarus. Hört euch an, wie Er mit den Menschen sprach, die zu Ihm kamen: mit Maria und Marta, mit Petrus, Zachäus oder den Blinden und Gelähmten, und stellt euch vor, dass Er dieselben Worte zu euch sagt. „Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt, und jeder, der lebt und an mich glaubt, wird auf ewig nicht sterben. Glaubst du das?“ (Joh 11,25-26) Glauben wir Ihm doch!

Betrachtet euren König: „Sagt der Tochter Zion: Siehe, dein König kommt zu dir. Er ist friedfertig, und er reitet auf einer Eselin und auf einem Fohlen, dem Jungen eines Lasttiers.“ (Mt 21,5) Müssen wir vor diesem König wirklich Angst haben? Wird er nicht mehr Geduld mit uns haben, als wir ihm vielleicht zutrauen? Wie stellen wir uns unseren König vor: wie Aragorn aus „Der Herr der Ringe“, oder wie Sultan Schahriyar aus „Tausendundeine Nacht“? „Ich habe doch kein Gefallen am Tod dessen, der sterben muss – Spruch Gottes des Herrn.“ (Ezechiel 18,32)

Sehr hilfreich ist für mich persönlich das Stundengebet. Die vorgegebenen Texte, die man z. B. morgens und abends beten kann, führen einem immer wieder die Liebe Gottes vor Augen. (Es gibt das Stundenbuch übrigens als App!)

Wir Skrupulanten müssen es uns immer wieder in Erinnerung rufen: Gott ist nicht unser Feind. Gott ist nicht darauf aus, uns in die Hölle zu werfen. Er will uns bei sich haben, und er wird uns nicht so einfach verloren geben. Sicher sollen wir nicht einfach passiv dasitzen. Aber wir wissen, dass wir seinen Geboten nie vollkommen genügen werden. Die Sache mit der Rechtfertigung durch Werke des Gesetzes hat noch nie funktioniert, soweit hatte Luther Recht. Es geht immer nur durch Gottes Gnade (auch wenn gewisse Werke dazu kommen sollten), und Er ist jederzeit bereit, sie uns zu schenken. Wenn wir ihn darum bitten, herrscht „bei den Engeln Gottes Freude“ (Lukas 15,10). Der ganze Himmel jubelt über die Rettung einer Seele.

Gott ist gütig und barmherzig, langmütig und reich an Huld und Treue. Er ist gütig und von Herzen demütig.

Haben wir Vertrauen darauf. Wir können wieder Freude am Glauben finden, es geht. Konzentrieren wir uns auf Gott und auf das, was er Großes an uns getan hat. Fürchtet euch nicht, wie Gottes Wort es an so vielen Stellen sagt. „Furcht“, so sagt uns Johannes, „gibt es in der Liebe nicht, sondern die vollkommene Liebe vertreibt die Furcht.“ (1 Joh 4,18)

Anmerkung: Keins der Beispiele, die ich erwähnt habe, ist erfunden. Einige habe ich selbst erlebt, von anderen habe ich gelesen. Teilweise habe ich Details geändert oder ausgestaltet. Ausgedacht habe ich mir keins.

Tipps für weitere Lektüre:

  • Raphael Bonelli: „Perfektionismus. Wenn das Soll zum Muss wird“
  • Susanne Fricke u. Iver Hand: „Zwangsstörungen verstehen und bewältigen. Hilfe zur Selbsthilfe“
  • Thomas Santa CSSR: „Understanding Scrupulosity. Questions, Helps, and Encouragement“
  • Joseph W. Ciarrocchi: „The Doubting Disease. Help for Scrupulosity and Religious Compulsions“
  • William van Ornum: „A Thousand Frightening Fantasies. Understanding and Healing Scrupulosity and Obsessive Compulsive Disorder“
  • www.scrupulousanonymous.org Auf dieser Webseite finden sich u. a. die sehr hilfreichen „Ten Commandments for the Scrupulous“ (10 Gebote für Skrupulanten).
  • https://thescrupulouscatholic.wordpress.com/blog/
  • http://www.rhondaortiz.com/
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7 Gedanken zu “Vollkommene Liebe vertreibt die Furcht, Teil 8: Skrupulosität und Gott

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