Was der IS, die Hitlerjugend und die katholische Kirche gemeinsam haben…

…und was sie unterscheidet:

Es ist wohl mittlerweile allgemein bekannt, dass der IS seine Kämpfer nicht nur aus irgendwelchen jungen Irakern rekrutiert, die nie etwas anderes als fundamentalistischen Islam zu hören bekommen haben und wütend auf den Westen sind, der seine Drohnen und Soldaten in den Mittleren Osten schickt, sondern auch aus Männern aus diesen westlichen Ländern selbst, und nicht nur aus Männern „mit Migrationshintergrund“, sondern genauso aus jungen Deutschen, Franzosen, Amerikanern, die irgendwann zum Islam konvertiert sind. Und auch genügend europäische Mädchen bieten sich IS-Kämpfern als Ehefrauen an und verlassen ihr Land Richtung Syrien, und jetzt initiieren sie auch eigene Terroranschläge und laufen mit Niqab und Maschinengewehren gleichzeitig herum.

Vor ein paar Tagen habe ich in einer Tageszeitung einen Artikel über den von Frauen geplanten Terroranschlag in Paris und die aus Frauen bestehende Al-Chansaa-Brigade in Al-Rakka, allgemein eben über weibliche Terroristen, gelesen. Dieser Artikel strotzte schlichtweg vor Unverständnis gegenüber diesem Phänomen – und ich frage mich, ob es bloß ein Nicht-Verstehen-Wollen, oder tatsächlich ein Nicht-Verstehen-Können war. Da hieß es zum Beispiel, dass der IS bei Frauen Erfolg hat, und zwar „trotz seines mittelalterlichen, frauenfeindlichen Rollenbildes“. (Ich übergehe hier mal die Frage, wie viel der Artikelschreiber wohl vom tatsächlichen Mittelalter weiß. Leider gilt „mittelalterlich“ ja mittlerweile als Standardschimpfwort.) Und dieses Rollenbild wird u. a. dadurch definiert, dass „die Männer Modegeschäfte, Schönheitssalons, ja alles Westliche für Teufelszeug halten“. Lassen wir uns das mal auf der Zunge zergehen. Beispiel für das „Westliche“, für unser großartiges neuzeitliches Frauenbild, für weibliche Emanzipation und Freiheit, sind Modegeschäfte und Schönheitssalons. Da sage noch einer, der Westen hätte Frauen nicht mehr zu bieten als der IS. Der Autor des Artikels scheint tatsächlich nicht zu verstehen, dass es Frauen geben kann, denen Modegeschäfte und Schönheitssalons völlig egal sind im Vergleich zu anderen Dingen.*

Ich denke, eine Gesellschaft, der die Leute zu einer fleißig bombenden, enthauptenden und versklavenden Terrormiliz davonlaufen, sollte sich mal fragen, was bei ihr eigentlich falsch läuft.

Seien wir ehrlich: „Unsere freiheitlich-demokratische Grundordnung“, „Rechtsstaatlichkeit“, „Meinungsfreiheit“, usw. – das alles sind gute und wichtige Sachen, und wir merken wahrscheinlich gar nicht mehr, wie dankbar wir dafür sein können, aber sie bieten keinen Sinn für das Leben des einzelnen. Sie langweilen einen, wenn man sie im Sozialkundeunterricht oder im nächsten Leitartikel zum fünfzigsten Mal vorgekaut bekommt. Sie sind Rahmenbedingungen für ein einigermaßen geordnetes Zusammenleben, und das war’s auch schon. Der Rahmen ist da, aber er ist leer. Deutschland hat eine wunderbare Verfassung (nicht zuletzt dank gewisser Inspirationen durch die katholische Soziallehre), aber kein Mensch liest die Verfassung, wenn er Krebs hat oder verlassen wird oder die Ungerechtigkeit auf der Welt sieht oder sich einfach fragt, wofür er eigentlich da ist – was sich auch junge Frauen schon mal fragen können, so blöd sind wir ja nicht. Deswegen ist es lächerlich, wenn Politiker auf Koranverteilungsaktionen damit reagieren wollen, das Grundgesetz zu verteilen. Unsere Gesetze bieten einigermaßen vernünftige, wenn auch von Menschen aufgestellte Grenzen, innerhalb derer das Leben im Namen des öffentlichen Friedens stattfinden soll. Sie bieten keine Orientierung für dieses Leben. Noch schlimmer ist es natürlich, wenn den Leuten auch Freiheit und Recht und Gleichheit eigentlich nichts mehr bedeuten und „westliche Werte“ eher als Chiffre für „Vollbeschäftigung, RTL II und Stripclubs“ dienen – oder wenn eben weibliche Emanzipation nicht dadurch definiert wird, dass Frauen selbst entscheiden, wen sie heiraten, dass sie wählen gehen, studieren oder im Parlament sitzen, sondern dadurch, wie knapp ihre Strandbekleidung ausfällt. Das scheint mir allgemein ein Problem im Umgang mit dem Islam zu sein. Der Westen scheint sich nicht ganz entscheiden zu können, ob Frauenrechte nun darin bestehen, möglichst wenig anzuziehen und möglichst viel Sex zu haben (was meiner Meinung nach das genaue Gegenteil von Emanzipation ist, nämlich ein Ausgenutztwerden), oder vielleicht doch eher in irgendetwas anderem.

Der Mensch braucht etwas Höheres, für das er leben kann, er braucht einen Sinn und ein Ziel und Regeln für sein Leben. Er ist auf den wahren Gott ausgerichtet; also kann er ohne Ihn nicht leben, und wenn er ohne Ihn leben muss, sucht er sich falsche Götter als Ersatz. Und das tun nicht nur arbeitslose Jugendliche ohne Freunde und Selbstbewusstsein. Auch wenn man Bildung, Arbeit, gutes Aussehen, eine funktionierende Beziehung, nette Bekannte und eine schöne Eigentumswohnung hat, kann man sich irgendwann mal fragen: War das schon alles? Vielleicht nicht so früh, wie wenn man das nicht hat, aber irgendwann taucht die Frage doch auf: Gibt es nicht auch mehr? Was ist Wahrheit? Gibt es Wahrheit? Was soll ich tun? Worauf kann ich bauen? Was kann ich hoffen?

Die Menschen suchen nach Sinn und Antworten für ihr Leben, und unsere Gesellschaft bietet keine. Den Vertretern ihrer anerkannten Elite (besonders solchen, die Zeitungsartikel und Schulbücher schreiben) fällt zu dieser Frage meistens nichts Besseres ein als „da gibt es keine so einfachen Antworten“, wenn sie tatsächlich überhaupt keine Antworten haben oder über manche möglichen Antworten von vorn herein nicht nachdenken wollen. Und wenn dann die Salafisten die ersten sind, die Antworten anbieten… zuerst findet man klare Regeln, ein größeres Ganzes anstelle des eigenen Ich, Gehorsam gegenüber dem göttlichen Willen, und irgendwann soll dann der Dschihad diesem Willen entsprechen.

Ich denke, dass es mit der Nazi-Bewegung, die ja auch eine Art politische Religion war, sehr ähnlich gewesen ist. Auch in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, obwohl die Kirchen noch irgendwie fester im Sattel saßen als heute, herrschte eine große Unsicherheit, viele Menschen fanden im Glauben keine Orientierung mehr – er war irgendwie langweilig, bürgerlich geworden. Gefährliche Ideen kursierten – Eugenik, Sozialdarwinismus, Wettstreit der Nationen; das Denken in allen diesen Kategorien war in Europa und Nordamerika schon lange vor Hitler weiter verbreitet, als uns heute oft bewusst ist. Diese Ideen waren aufregend, neu, und beriefen sich doch auf ewige Gesetze. Dann kam ein Führer, der sich vom Schicksal berufen sah, formierte eine Bewegung, forderte Gehorsam – und natürlich liefen ihm die jungen Leute begeistert hinterher.

Das soll jetzt bitte schön in keiner Weise als Verharmlosung der Nazizeit oder des IS verstanden werden. Ich bin überzeugt, dass Menschen nie nur aus fehlgeleitetem Idealismus zu SS-Männern und islamistischen Terroristen werden. Solche gewaltbereiten Gruppen sprechen die besten und die schlimmsten Seiten im Menschen an. Man kann sich überlegen fühlen, hat ein klares Feindbild, und kann vor allem seine Agressionen ungehemmt ausüben, beim IS vielleicht auch ein paar Sex-Sklavinnen kriegen – und sich dabei auch noch dazu gratulieren, dass man zu den Guten gehört und etwas Tolles leistet, da man ja schließlich sein Leben einsetzt. (Dass man es ehrlich im tiefsten Innern glaubt, dass einem keine Zweifel daran kommen, kann ich mir schwer vorstellen.) Perfekte Mischung sozusagen. Und genau deswegen brauchen wir die Kirche Jesu Christi als Gegengift.

Falsche Religion kann man nur mit richtiger Religion bekämpfen. Wenn Menschen Gott folgen wollen, muss man ihnen zeigen, wie der richtige Gott ist, dass er keine Menschenopfer fordert, auch keine Menschenopfer durch den Dschihad. Ich bezweifle, dass „Das ist doch finsteres Mittelalter!“ da viel Erfolg hat. Gehorsam, Opferbereitschaft, Treue, Demut, ein höheres Ziel; das alles ist nichts, was wir hinter uns lassen sollten oder auch nur könnten. Das ist gerade das, was wir brauchen, aber richtig. Gerade das liebe ich an der katholischen Kirche. Es macht Freude, dem Papst und dem eigenen Bischof gehorsam zu sein, es bringt wirkliche, ehrliche Freude. Es macht Freude, sich zu überwinden und zur Beichte zu gehen und diesem Menschen zu helfen und jenes zu tun und zu beten im Versuch, der Liebe zu Jesus Christus näher zu kommen.

Ich denke, es ist vielleicht jetzt schon ein bisschen klar geworden, wieso die wahre Religion anders ist als die vielen falschen Religionen (zu denen auch die vielen politischen Religionen wie der Kommunismus oder eben der Nationalsozialismus zählen). Ihr Gesetz ist Liebe; Liebe zu unserem Gott und Liebe zu allen seinen Geschöpfen. Sie bringt Klarheit, Licht und Frieden. Man möge Videos vom Weltjugendtag mit Videos von Enthauptungen durch den IS vergleichen – ich denke, der Unterschied wird deutlich. Zwischen den Menschen dort liegen Welten. Und das ist wohl auch der Grund dafür, dass gerade jetzt so viele Muslime zum Christentum finden; und zwar trotz der Probleme, die sie sich damit schaffen, und zu denen u. a. Todesdrohungen und Verstoßung durch die Familie ja schon standardmäßig dazu gehören.

Ich finde es furchtbar schlimm, wenn Christen suchenden Menschen keine klaren und tiefen Antworten bieten können. In seinem Buch „Inside IS – 10 Tage im Islamischen Staat“ beschreibt der Journalist Jürgen Todenhöfer, wie er über das Internet Kontakt zu IS-Terroristen aufnahm und von ihnen die Erlaubnis erhielt, für zehn Tage in ihr Gebiet zu reisen, um darüber zu berichten. Im Lauf der Vorbereitungen traf er sich auch mit der Mutter eines dieser deutschen IS-Terroristen und sie schilderte ihm, wie aus ihrem Sohn ein Islamist geworden war. Ihre Geschichte beginnt folgendermaßen:

 

„Seit frühester Kindheit war Christian extrem wissbegierig. ‚Was ist der Tod, Mama?’, fragte er sie zum Beispiel. Er stellte Fragen, auf die sie sich die Antworten oft lange überlegen musste. Sie verbrachten während seiner Kindheit viel Zeit mit Lesen. Bücher wie Was ist was? waren heiß begehrt. Was man nicht wusste, musste man in Büchern nachlesen. Auch seinen Lehrern und dem evangelischen Pfarrer fiel auf, wie viele Fragen Christian hatte. Doch in der Kirche bekam Christian nie Antworten auf seine Fragen. Christian fand das so enttäuschend, dass er kurz vor seiner Konfirmation beschloss, auf die Feier zu verzichten. Auch auf die Konfirmationsgeschenke. Er suchte lieber weiter nach Antworten.“

 

In der Kirche bekam Christian nie Antworten auf seine Fragen.

Ja, das kann ich mir vorstellen. Bei den deutschen Lutheranern ist es ja generell noch schlimmer als bei den Katholiken, aber auch bei uns gibt es genug, die eigentlich gar nicht recht wissen, was sie glauben, und irgendwie auch gar nicht mehr recht glauben. Jedenfalls können sie kein klares Zeugnis mehr davon ablegen, was sie eigentlich glauben. Sie sind nicht bereit, „jedem Rede und Antwort zu stehen, der nach der Hoffnung fragt, die euch erfüllt“ (1 Petrus 3,15), und das ist das Problem.

Nach 1945, als der nationalsozialistische Traum vom Tausendjährigen Reich zusammengebrochen war, lebte der christliche Glaube in Deutschland übrigens zeitweise wieder sehr stark auf. (Dank der erneuten Rückschläge in den 60ern ist uns das nicht mehr so bewusst. Aber heute scheint sich das Blatt ja wieder langsam zu unseren Gunsten wenden.) Entwicklungen sind nicht unumkehrbar. Und das Christentum hat immer noch gesiegt; es hat sehr viele Verfolger überlebt, nicht wenige davon in den letzten 200 Jahren. Es wird auch noch da sein, wenn der Islamische Staat zusammengebrochen ist. Und das ganz einfach deswegen, weil es den wahren Gott verkündigt – wenn es denn ordentlich verkündigt -, der gütig und barmherzig ist und allen seine Liebe und Vergebung schenken und sie zu seinen Kindern machen will, auch die, die seine Kinder jetzt gerade verfolgen. (Ein Beispiel wäre der Christenverfolger Saulus, der zum Völkerapostel Paulus wurde.)

Unser erster Papst schreibt: „Seid stets bereit, jedem Rede und Antwort zu stehen, der nach der Hoffnung fragt, die euch erfüllt; aber antwortet bescheiden und ehrfürchtig, denn ihr habt ein reines Gewissen. Dann werden die, die euch beschimpfen, weil ihr in (der Gemeinschaft mit) Christus ein rechtschaffenes Leben führt, sich wegen ihrer Verleumdungen schämen müssen. Es ist besser, für gute Taten zu leiden, wenn es Gottes Wille ist, als für böse. Denn auch Christus ist der Sünden wegen ein einziges Mal gestorben, er, der Gerechte, für die Ungerechten, um euch zu Gott hinzuführen; dem Fleisch nach wurde er getötet, dem Geist nach lebendig gemacht.“ (1 Petrus 3,15-18) So geht das. Unser Gott hat es eben nicht nötig, dass wir für ihn Bomben werfen. Denn es geht ihm darum, Seelen zu gewinnen, nicht Länder.

 

*Ich habe übrigens nichts gegen Modegeschäfte und so weiter. So weit bin ich dann doch westliche Frau. Aber es gibt halt auch mehr.

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