Jesus Christus und der Sinn des Kreuzes

„Every other person who ever came into this world came into it to live. He came into it to die. Death was a stumbling block to Socrates – it interrupted his teaching. But to Christ, death was the goal and fulfillment of His life, the gold that He was seeking. Few of His words or actions are intelligible without references to His Cross. He presented Himself as a Savior rather than merely as a Teacher. It meant nothing to teach men to be good unless He also gave them the power to be good, after rescuing them from the frustration of guilt.“

(Jede andere Person, die jemals in diese Welt kam, kam in sie, um zu leben. Er kam in sie, um zu sterben. Der Tod war ein Hindernis für Sokrates; er unterbrach sein Lehren. Aber für Christus war der Tod das Ziel und die Erfüllung Seines Lebens, der Schatz, den er suchte. Wenige seiner Worte oder Taten sind verständlich ohne Bezugnahme auf Sein Kreuz. Er präsentierte sich eher als ein Erlöser denn bloß als ein Lehrer. Es bedeutete nichts, die Menschen zu lehren, gut zu sein, wenn Er ihnen nicht auch die Kraft gab, gut zu sein, nachdem Er sie von der Frustration der Schuld gerettet hatte.)

(Fulton Sheen, Life of Christ)

 

Das Kreuz scheint einerseits allgegenwärtig zu sein – in Klassenzimmern, an Straßen, auf Friedhöfen, in den Kirchen – aber gleichzeitig wird es in der Regel übersehen. Es ist so allgegenwärtig, dass man es oft kaum noch bemerkt. Und selbst wenn man es bemerkt, weiß man oft nicht mehr, was es eigentlich bedeutet. Klar, Jesus ist am Kreuz gestorben, schade, ja, aber er ist dann ja wieder auferstanden oder so… Nun, darin erschöpft sich der Sinn des Kreuzes nicht, auch wenn man, wie ich, sich beinahe ein Jahrzehnt lang katholischem Religionsunterricht unterziehen kann, ohne etwas darüber beigebracht zu bekommen, dass Jesu Tod kein bedauerlicher Unfall war.

Der Sinn des Kreuzes ist dieser: Gott (genauer: die zweite Person der göttlichen Dreifaltigkeit) hat menschliche Natur angenommen – wirklich menschliche Natur, Körper und Seele, Er ist nicht bloß in menschlicher Gestalt erschienen, sondern Mensch geworden, ohne dabei jedoch irgendetwas von seiner göttlichen Natur zu verlieren – und hat sich von den Menschen töten lassen, um den Preis für ihre Sünden zu bezahlen.

„Sünde“ ist nicht die Übertretung irgendeines willkürlichen Kirchengebotes. Sünde meint Schuld, Verletzung, eine Verletzung, die da ist und nicht mehr ungeschehen gemacht werden kann. Wenn man durch Lügen, Neid oder Gleichgültigkeit das Verhältnis zu Familie oder Freunden zerstört hat, dann ist das erstmal kaputt. Wenn man betrunken Auto gefahren ist und jemanden dabei totgefahren hat, ist der tot. Wenn man jemanden, den man nicht leiden kann, durch Verachtung oder Mobbing verletzt hat, ist diese Verletzung da. Da ist eine Schuld, die bezahlt, die gesühnt werden muss, und die wir aus eigener Kraft nicht sühnen können. Und deswegen hat Gott  das selbst für uns übernommen. „Er hat den Schuldschein, der gegen uns sprach“, schreibt Paulus, „durchgestrichen und seine Forderungen, die uns anklagten, aufgehoben. Er hat ihn dadurch getilgt, dass er ihn an das Kreuz geheftet hat.“ (Kol 2,14)

Gott ist gerecht; Er kann Unrecht nicht einfach zulassen und schönreden. Aber Er ist auch gnädig, und liebt auch den, der Unrecht tut; an Seiner Liebe kann sich durch nichts etwas ändern. Und deshalb hat Er selbst uns eine Möglichkeit des Auswegs aus dem Kreislauf von Schuld und Sünde – denn Sünde trägt oft genug die Züge von Sucht – geebnet.

Seht, mein Knecht hat Erfolg, er wird groß sein und hoch erhaben.
Viele haben sich über ihn entsetzt, so entstellt sah er aus, nicht mehr wie ein Mensch, seine Gestalt war nicht mehr die eines Menschen.
Jetzt aber setzt er viele Völker in Staunen, Könige müssen vor ihm verstummen. Denn was man ihnen noch nie erzählt hat, das sehen sie nun; was sie niemals hörten, das erfahren sie jetzt.
Wer hat unserer Kunde geglaubt? Der Arm des Herrn – wem wurde er offenbar?
Vor seinen Augen wuchs er auf wie ein junger Spross, wie ein Wurzeltrieb aus trockenem Boden. Er hatte keine schöne und edle Gestalt, sodass wir ihn anschauen mochten. Er sah nicht so aus, dass wir Gefallen fanden an ihm.
Er wurde verachtet und von den Menschen gemieden, ein Mann voller Schmerzen, mit Krankheit vertraut. Wie einer, vor dem man das Gesicht verhüllt, war er verachtet; wir schätzten ihn nicht.
Aber er hat unsere Krankheit getragen und unsere Schmerzen auf sich geladen. Wir meinten, er sei von Gott geschlagen, von ihm getroffen und gebeugt.
Doch er wurde durchbohrt wegen unserer Verbrechen, wegen unserer Sünden zermalmt. Zu unserem Heil lag die Strafe auf ihm, durch seine Wunden sind wir geheilt.
Wir hatten uns alle verirrt wie Schafe, jeder ging für sich seinen Weg. Doch der Herr lud auf ihn die Schuld von uns allen.
Er wurde misshandelt und niedergedrückt, aber er tat seinen Mund nicht auf. Wie ein Lamm, das man zum Schlachten führt, und wie ein Schaf angesichts seiner Scherer, so tat auch er seinen Mund nicht auf.
Durch Haft und Gericht wurde er dahingerafft, doch wen kümmerte sein Geschick? Er wurde vom Land der Lebenden abgeschnitten und wegen der Verbrechen seines Volkes zu Tode getroffen.
Bei den Ruchlosen gab man ihm sein Grab, bei den Verbrechern seine Ruhestätte, obwohl er kein Unrecht getan hat und kein trügerisches Wort in seinem Mund war.
Doch der Herr fand Gefallen an seinem zerschlagenen (Knecht), er rettete den, der sein Leben als Sühnopfer hingab. Er wird Nachkommen sehen und lange leben. Der Plan des Herrn wird durch ihn gelingen.
Nachdem er so vieles ertrug, erblickt er das Licht. Er sättigt sich an Erkenntnis. Mein Knecht, der gerechte, macht die vielen gerecht; er lädt ihre Schuld auf sich.
Deshalb gebe ich ihm seinen Anteil unter den Großen und mit den Mächtigen teilt er die Beute, weil er sein Leben dem Tod preisgab und sich unter die Verbrecher rechnen ließ. Denn er trug die Sünden von vielen und trat für die Schuldigen ein.

 

Diese Zeilen sind eine Prophezeiung über den Messias beim Propheten Jesaja (Jes 52,13-53,12). Man spricht hier auch vom Vierten Lied vom Gottesknecht. Dieser stellvertretend leidende Gottesknecht zeigte sich schließlich Jahrhunderte nach Jesaja in Jesus Christus.

 „Die Juden fordern Zeichen, die Griechen suchen Weisheit“, schreibt der Apostel Paulus im 1. Korintherbrief.Wir dagegen verkündigen Christus als den Gekreuzigten: für Juden ein empörendes Ärgernis, für Heiden eine Torheit, für die Berufenen aber, Juden wie Griechen, Christus, Gottes Kraft und Gottes Weisheit.“ (1 Kor 1,22-24)
 Christus ist für uns gestorben, und durch die Taufe bekommen wir Anteil an Seinem Opfer! Durch die Taufe werden wir von aller Schuld erlöst und Ihm ähnlich gemacht und bekommen Seine Gnade, um ein neues Leben zu leben; nicht mehr nur als Geschöpf, sondern als Kind Gottes. Jesus ist der Sohn Gottes, alle Getauften Seine Adoptivgeschwister. „Wir verkündigen“, schreibt Paulus weiter hinten in diesem Brief, „wie es in der Schrift heißt, was kein Auge gesehen und kein Ohr gehört hat, was keinem Menschen in den Sinn gekommen ist: das Große, das Gott denen bereitet hat, die ihn lieben.“ (1 Kor 2,9)

 

Nach seinem stellvertretenden Tod ist Christus auferstanden: Weil die Liebe den Tod besiegt.

In „Der König von Narnia“ stirbt der Löwe Aslan einen solchen stellvertretenden Tod wie Christus, und auch ihn kann der Tod nicht festhalten. „Wenn sich einer, der nichts verbrochen hat, freiwillig für einen Schuldigen opfert, dann bricht der Steintisch entzwei und der Tod weicht zurück“, sagt Aslan zu Lucy und Suse, als er vom Tod zurückgekehrt ist.

 

PS: Fulton Sheens Buch, aus dem ich oben zitiert habe, ist übrigens sehr, sehr, sehr empfehlenswert. Je mehr ich von Fulton Sheen lese, desto begeisterter bin ich. Es gibt es übrigens auch auf Deutsch, Titel: „Das Leben Jesu“. Ich habe nur aus der englischen Version zitiert, weil ich erst gemerkt habe, dass es eine deutsche Übersetzung gibt, als ich mir die englische Version schon bestellt hatte. Aber gut, ich lese Bücher gern mal im Original.

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