Die allumfassende Kirche, Teil 3: Die Kulturen und das Gute und das Böse

Alle Teile hier: https://nolitetimereweb.wordpress.com/reihe-die-allumfassende-kirche/

 

Allumfassend – griechisch katholikos –  ist die Kirche nicht nur in Bezug auf Raum und Zeit, sondern auch in noch anderer Hinsicht. Man könnte sie mit dem koboldgearbeiteten und basiliskengiftgetränkten Schwert Godric Gryffindors in „Harry Potter und die Heiligtümer des Todes“ vergleichen: Sie nimmt nur auf, was sie stärkt.

Goethe hat in „Faust I“ seinen Mephistopheles (also den Teufel) etwas polemisch über die Kirche sagen lassen (Mephisto paraphrasiert hier einen Pfarrer) „Die Kirche hat einen guten Magen, / Hat ganze Länder aufgefressen, / Und doch noch nie sich übergessen; / Die Kirch allein, meine lieben Frauen, / Kann ungerechtes Gut verdauen.“, und hat das auf ihre große Bereitschaft zur Annahme von Spenden bezogen, um es höflich zu formulieren. Aber in einer anderen Hinsicht ist dieser Satz ganz passend. Die Kirche kann aus jedem Land, aus jeder Kultur, aus jeder Kunst und jeder Wissenschaft alles aufnehmen, was gut und wahr und schön ist, so wie sie während der Völkerwanderung die Werke der antiken heidnischen Autoren wie Vergil, Cicero oder Homer in ihren Klöstern bewahrte und im Mittelalter die Philosophie des Aristoteles in die scholastische Theologie aufnahm. Sie wird ablehnen, was das Gute und Wahre und Schöne beeinträchtigt; die Kindesaussetzung bei den Römern und die Polygamie in Afrika ebenso wie die Blutrache bei den Germanen oder die Verheiratung von Kindern unter den Japanern oder die zweiten und dritten und vierten Ehen nach einer Scheidung bei den heutigen Europäern.

Viele Christen sahen in den vorchristlichen Mythen eine praeparatio evangelii, eine Vorbereitung für das Evangelium, weil darin schon gewisse Einsichten enthalten waren, und ebenso auch in der vorchristlichen Philosophie. Sokrates, Platon, Aristoteles, die Stoiker, Vergil, Cicero, Homer: Die Werke all dieser sind uns erhalten und bekannt und haben unsere Kultur beeinflusst, weil Kirchenväter wie Augustinus (Anhänger des Neuplatonismus), Scholastiker wie Thomas von Aquin (Aristoteles) oder die christlichen Humanisten und Künstler der Renaissance darin Gutes und Bewahrenswertes fanden, das in einer christlichen Kultur seinen Platz finden kann – vor allem in den Werken Vergils. Natürlich nicht alles. Es gibt z. B. auch bei Platons Sokrates-Dialogen manches, wo man sich denken kann, also ja, hm, das ist jetzt, ähm, eher nicht so toll (ich denke da z. B. an die leicht totalitären Elemente in der Politeia). Im 16. Jahrhundert waren die Jesuiten-Missionare in China ganz begeistert von Konfuzius.

Kurz gesagt: Die Kirche nimmt alle guten Früchte und entfernt nur die verfaulten Stellen.

Denn das Böse ist immer nur eine Verderbnis des Guten; es hat in sich keine eigenständige Existenz, kein eigenes Wesen.

„Man kann allein um der Güte willen gut sein“, schreibt C. S. Lewis in „Mere Christianity“, „aber beim Bösen geht das nicht. Wir können etwas Gutes tun, auch wenn uns nicht danach zumute ist und wir keinen Nutzen davon haben; einfach weil das Gute recht ist. Aber niemand hat je eine Grausamkeit begangen, einfach weil Grausamkeit schlecht ist, sondern vielmehr weil sie Vergnügen bereitet oder Nutzen bringt. Mit anderen Worten: Dem Bösen gelingt es nicht einmal, auf die gleiche Weise böse zu sein, wie das Gute gut ist. Das Gute ist sozusagen ‚es selbst’. Das Böse ist nur das verdorbene Gute. Und es muss zuerst etwas Gutes geben, ehe es verdorben werden kann. […]

 Noch einfacher ausgedrückt: Um schlecht zu sein, muss die Macht des Bösen existieren, muss sie Verstand und Willen besitzen. Existenz, Verstand und Wille aber sind an sich gut. Also muss sie diese von der Macht des Guten empfangen haben. Um überhaupt schlecht sein zu können, muss sie bei ihrem Widersacher borgen oder ihn sogar bestehlen.

 Verstehen wir jetzt, warum das Christentum schon immer behauptet hat, der Teufel sei ein gefallener Engel? Das ist kein Ammenmärchen. Dahinter steht die Erkenntnis, dass das Böse ein Schmarotzer, nicht etwas Ursprüngliches ist.“

Das ist keine Verharmlosung des Bösen, ganz im Gegenteil: Zu behaupten, dass das Böse in sich eine Existenz hätte, hieße, es zu verharmlosen, indem man ihm einen legitimen Platz zugesteht. Das ist das Problem mit manchen Philosophien, die Gut und Böse als sich gegenseitig ergänzende notwendige Seiten des Lebens, als Yin und Yang sehen. Das Christentum ist da ganz anders. Das Böse ist einfach nur eine Perversion, das heißt wörtlich übersetzt eine Verdrehung des Guten, es ist eine Verschmutzung also muss es beseitigt werden, restlos, damit das Gute wieder in seinem Glanz erstrahlen kann.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s