Beten, ohne zu beten

Ich möchte mal wieder etwas zum Thema Skrupulosität schreiben. Für alle neuen Leser: Das ist eine Zwangsstörung im religiösen Bereich, von der ich selber betroffen bin (wenn auch nicht in allzu schlimmer Weise, und es, glaube ich, langsam besser wird). Wer genauer wissen möchte, was es damit grundsätzlich auf sich hat, den verweise ich mal hierhin: https://nolitetimereweb.wordpress.com/reihe-vollkommene-liebe-vertreibt-die-furcht-skrupulositaet/

Heute möchte ich darüber schreiben, welche Schwierigkeiten beim Gebet ich schon kennengelernt habe und für typisch für Skrupulanten halte.

 

1) Unterwürfige Unehrlichkeit:

Skrupulosität ist bekanntlich zuallererst von Angst geprägt, vor allem Angst vor der Hölle, und damit verbunden natürlich Angst vor Gott als Richter. Das ist so ziemlich das, was Skrupulanten ausmacht: Das immer wiederkehrende nagende Gefühl im Hinterkopf, dass man vielleicht nicht genug tut oder hier etwas falsch macht oder da nicht streng genug mit sich war, und dass das irgendwann zu den besagten ewigen Konsequenzen führen wird. Das größte Problem für Skrupulanten ist es, wenn sie nicht eindeutig wissen, ob etwas eine Sünde ist, oder, wenn ja, ob schwere oder leichte Sünde (letztere Unterscheidung ist dafür wichtig, ob man sie beichten muss). Die eigene Einschätzung variiert da stark; mir ist es einerseits schon passiert, dass ich das ständige Grübeln so satt hatte, dass ich Sachen eher zu locker eingeschätzt habe, als auch, dass ich ewig lang in mein Kopfkissen geheult habe, nicht schlafen konnte und in scheußliche Gewissenskonflikte gestürzt wurde, weil ich mich fragte, ob ich wegen einer eingebildeten schweren Sünde jetzt möglichst am nächsten Tag sofort versuchen sollte, irgendwo in der Stadt einen Priester wegen der Beichte aufzusuchen oder ob es genügen würde, mich bei der nächsten wöchentlichen Beichtgelegenheit meiner Pfarrei einzufinden. Ich wartete – soviel gesunden Menschenverstand besaß ich dann doch noch – und musste dann sogar noch länger warten, weil ich mir eine Krankheit einfing und länger zu Hause bleiben musste, und als ich danach das nächste Mal mit einem – übrigens sehr streng traditionell eingestellten – Priester sprach, erklärte er mir, besagte Sünde sei überhaupt keine Sünde gewesen, geschweige denn eine schwere. Hm. So kann man sich irren.

Okay, wieder zum Kernpunkt zurück: Zweifel sind eine schwierige Sache. Und da die Kirche nicht bis aufs i-Tüpfelchen genau offiziell definiert, was unter welchen Umständen Todsünde, leichte Sünde und keine Sünde ist (wie sollte sie auch), treten sie recht oft auf. Nun sagt die Kirche auch, wenn eine Sünde nicht sicher Todsünde war, kann man erstmal davon ausgehen, dass sie eine leichte war. Und Skrupulanten speziell wird immer der Grundsatz eingeschärft, im Zweifelsfall ganz grundsätzlich nicht von Todsünde auszugehen. Das ist prinzipiell ein guter Grundsatz, aber es erfordert Disziplin, sich daran zu halten. Und eine Falle lauert da immer, nämlich der Gedanke: „Vielleicht täusche ich mich unterbewusst selbst und rede mir nur ein, dass ich in dieser oder jener Hinsicht zweifle und wenn ich ehrlich mit mir wäre, müsste ich wissen, dass es Sünde / Todsünde ist.“ Dieser Gedanke ist (bei Skrupulanten), vielleicht nicht in 100% der Fälle, aber doch bestimmt in den allermeisten Fällen, vollkommener Unsinn.

Jetzt komme ich zum Gebet: Man will also sein Abendgebet verrichten und als guter Katholik hält man seine tägliche Gewissenserforschung. Dann kommt da eine gewisse Unsicherheit auf in Bezug auf irgendein Vorkommnis im Verlauf des Tages. Irgendwie ist man sich nicht sicher – war das so in Ordnung oder eher nicht? War das vielleicht sogar ein eklatanter Verstoß gegen die Nächstenliebe, von außen betrachtet vielleicht nicht so gravierend, aber innerlich vielleicht… Man hat irgendwie das Gefühl, Gott um Verzeihung bitten zu müssen dafür. Andererseits erinnert man sich an besagte Grundregel für Skrupulanten, zweifelhafte Sünden nicht zu beachten. Aber ganz vorbildlich war besagtes Verhalten vielleicht doch nicht. Jedenfalls hätte man sich allgemein den ganzen Tag über besser verhalten können. Wenn das auch nicht direkt Sünde war, dann doch auch nicht so toll. Und vielleicht war es ja tatsächlich Sünde. Vielleicht ist man nur die strengen Maßstäbe des Himmels in dieser Hinsicht nicht gewöhnt. Vorsichtshalber sollte man vielleicht doch Gottes Verzeihung erflehen. Man bemüht sich, vollkommene Reue zu erwecken (falls schwere Sünde, weil solange man nicht zur Beichte kann…), wiederholt mehrmals in Gedanken, wie leid es einem wirklich tut etc., damit Gott auch merkt, dass es einem damit ernst ist. Das Gebet beendet man dann missgelaunt und ohne große Lust auf das nächste Mal Beten am Morgen. Typisch Skrupulosität eben.

Das meine ich mit unterwürfiger Unehrlichkeit: Man wüsste eigentlich, dass man nicht so streng mit sich sein soll, weil man eher in dieser Richtung zum Irrtum neigt, aber man geht lieber auf Nummer Sicher und zeigt sich einigermaßen unterwürfig gegenüber Gott im Himmel. Und diese Art von Gebet wird Gott eindeutig nicht gerecht. Wir machen ihn unterbewusst zu jemandem, der es nicht aushalten könnte, wenn wir einen ehrlichen Irrtum begingen. Zu einem strengen, unerbittlichen Herrscher, vor dem man sich möglichst unterwürfig zu zeigen hat, auch wenn man eigentlich wüsste, dass man in dieser oder jener Hinsicht nichts falsch gemacht hat oder zumindest nichts allzu Schlimmes getan hat. Das ist so was von ungerecht ihm gegenüber. Viel sinnvoller wäre es, einfach ehrlich zu sagen: Gott, ich bin mir hier nicht sicher, ich dachte mir das so und so, vielleicht frage ich mal jemand anderen, was in dieser Art von Situation sinnvoll sein könnte oder so. Oder: Gott, ich habe das nach bestem Wissen und Gewissen gemacht, ich hoffe, das wird was. Fertig.

Ich sage nicht, dass Skrupulanten keine Sünden mehr begehen können, oder dass wir Gott nicht, wenn wir wirklich etwas getan haben, von dem wir wissen, dass es schlecht ist, um Verzeihung bitten sollten, aber es braucht hier einfach Ehrlichkeit. Und Vertrauen auf Gott, dass er mit Ehrlichkeit schon klarkommt – bzw. sie eigentlich viel lieber mag als die beschriebene unterwürfige Unehrlichkeit.

Es gibt noch andere Ausdrucksweisen dieser falschen Unterwürfigkeit. Zum Beispiel, dass man sich grundsätzlich schon nicht recht traut, mit Gott wirklich zu reden, d. h. mit ihm über das zu reden, was einen wirklich selbst beschäftigt; über seine Zweifel und Ängste und Sorgen. Damit bin ich auch schon beim nächsten Punkt.

 

2) Rede statt Gespräch:

Damit meine ich eine Art des Redens ohne wirklich etwas zu kommunizieren, ohne den Gesprächspartner anzusehen oder ihm zuzuhören. Das Gebet soll ein Gespräch mit Gott sein. Es geht darum, ihm zu erzählen, was einen bewegt und dabei darauf zu lauschen, was er einem vielleicht mitteilen möchte. Man soll dabei wirklich mit ihm reden, kein Selbstgespräch führen; man soll ihn, seinen Schöpfer und Erlöser ansprechen.

Manchmal bete ich abends rasch so ins Blaue hinein ein Vaterunser, dann noch „Danke für diesen Tag, es tut mir leid, was ich heute falsch gemacht habe, bitte beschütze mich und meine Familie, im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, Amen“, so, erledigt, ich habe den Anspruch des täglichen Gebetes hinter mir und kann ins Bett gehen. Das ist nicht wirklich eine besonders tolle Form des Abendgebets.

Es gibt mehrere Gründe, wieso man so betet. Vielleicht will man sich nicht schon wieder zu sehr in die Nähe dieses gestrengen Herrschers und Richters begeben; man geht nur so weit, wie man unbedingt muss, und dann reicht es ihm hoffentlich. Es ist nicht schön, also drückt man sich so bald wie möglich.

Dann fürchtet man vielleicht ganz einfach, speziell das auszusprechen, was man aussprechen müsste, wenn man wirklich ganz persönlich darüber reden müsste, was einen momentan wirklich beschäftigt. Zum Beispiel, dass man mutlos ist und wenig Vertrauen darauf hat, dass das Leben mit Gottes Hilfe schon klappen wird. In so einer Situation käme es eigentlich gerade erst recht darauf an, Gott um Hilfe zu bitten, aber das tut man nicht, weil man sich schämt; weil man Angst davor hat, dass Gott unzufrieden mit einem ist; dass man nicht genügt. Das ist noch so ein vollkommen verdrehter Gedanke; als ob Gott sich nicht gerade dann freuen würde, wenn wir ihm unser Innerstes mitteilen.

Man fürchtet natürlich auch, was man von diesem Gott gesagt bekommen könnte, wenn man sich wirklich auf den Versuch des Gebetes einließe; man kann es ja nicht vorhersehen, er ist leider nun mal nicht kontrollierbar. Und wenn er einem jetzt vielleicht zu verstehen geben würde, dass man sich da und da schon wieder völlig falsch verhalten hat, wo man es vielleicht gar nicht gedacht hat, und gefälligst umkehren soll… das will man einfach nicht haben, nicht schon wieder, wenn man es sich gerade erst selbst eingebläut hat. Man weicht Gottes Blick aus, weil man nicht erwartet, dass er einen freundlich anschauen könnte. Das kann ein ganz reales Ausweichen sein. Zum Beispiel in der Hinsicht, dass man in der Kirche nicht den Tabernakel anschaut, sondern sich möglichst unauffällig in die hinterste Reihe setzt und auf das Gotteslob in der Hand oder die eigenen Schuhe starrt – fast so, als könnte Jesus einen da hinten nicht genau erkennen.

Es ist eine gute Übung, sich mal vorzustellen, Jesus, er, der Gott und Mensch zugleich ist (denn er ist ja auch jetzt, nach seiner Auferstehung und Himmelfahrt immer noch wahrer Mensch), sei wirklich in seiner menschlichen Gestalt bei einem daheim im Schlafzimmer. Oder man sei 30 n. Chr. in Jerusalem oder Kafarnaum und würde ihm dort begegnen. Wie würde man dann reagieren?

Wenn ich ehrlich bin, manchmal (nicht immer – ich habe auch gesunde Phasen) habe ich das Gefühl, ich würde dann am liebsten weglaufen und mich irgendwo verbergen, wo er mich nicht sehen könnte. Solange bis er wieder weg wäre, und ich herauskommen könnte ohne Angst zu haben, jemandem gegenüberstehen zu müssen, der alle meine Gedanken kennt und… wie soll ich es nur ausdrücken… zu mir sagen und tun könnte und würde, was immer ihm gerade richtig erschiene, ohne jede Rücksicht auf irgendwelche gesellschaftlichen Regeln der Höflichkeit und Zurückhaltung und ohne jedes Hindernis dadurch, dass ich ihm etwas vormachen könnte. Ich habe Angst vor seinem Urteil über mich, anders ausgedrückt.

Es ist irgendwie lächerlich angesichts der Tatsache, dass Gott – der mich ja wohl gemacht hat – mich schließlich eh vollkommen kennt und dass ich ihm irgendwann nicht mehr ausweichen können werde (und das ist auch gut so), aber wann habe ich je behauptet, Skrupulosität wäre nicht irgendwie lächerlich? Lächerlich hier allerdings nicht immer im Sinne von: zum Lachen.

 

3) Plappern wie die Heiden:

Hier geht es mir um eine gewisse abergläubische Tendenz bei Skrupulanten. Ich habe mal erwähnt, dass Skrupulosität, wie alle solchen Störungen, von quälenden Zwangsgedanken geprägt ist. Das können ganz konkrete Vorstellungen oder „Eingebungen“ sein, zum Beispiel: Wenn ich jetzt nicht den Rosenkranz bete, könnten meine Eltern auf der Heimfahrt von den Verwandten in Köln einen Unfall haben und sterben. Ja, das klingt lächerlich, und natürlich ist es das. Darum geht es ja gerade. Das hängt auch mit dieser Erledigungs-Mentalität zusammen, die ich oben schon beschrieben habe: Genau so und so viele Gebete verrichten, damit man selber oder andere Leute geschützt sind. „Wenn ihr betet, sollt ihr nicht plappern wie die Heiden, die meinen, sie werden nur erhört, wenn sie viele Worte machen“, hat Jesus in der Bergpredigt gesagt. „Macht es nicht wie sie; denn euer Vater weiß, was ihr braucht, noch ehe ihr ihn bittet.“ (Matthäus 6,7-8) Aber genau so machen es Skrupulanten manchmal.

Ich sage ja nicht, dass es keinen Wert hat, häufig zu beten oder einen ganzen Rosenkranz zu beten (ich mag den Rosenkranz an sich übrigens sehr, wirklich sehr); überhaupt haben mündliche Gebete einen riesengroßen Wert, auch das Stundengebet beispielsweise ist einfach nur absolut toll, schließlich geben sie eine großartige Hilfestellung beim eigenen Beten und führen einen in die Welt Gottes und der Engel und Heiligen ein, es ist nur… na ja, wie so oft ist es wohl einerseits eine Frage des Maßes und andererseits eine Frage des Motivs. Der erwähnte Grund (abergläubische Angst, dass Familienmitglieder auf der Autobahn verunglücken, wenn man nicht ausreichend Ave Marias für sie betet) ist jedenfalls kein passendes Motiv. Aberglaube ist nicht christlich. (Deswegen ist die kichliche Autorität ja auch immer wieder gegen Aberglauben eingeschritten.)

Dieses „magische“ Denken ist für alle Zwangsstörungen typisch. Auch Nichtgläubige können Angst haben, dass Verwandte verunglücken, wenn sie nicht irgendein Ritual getreu ausführen. Diese Denkweise ist auch deshalb so gefährlich, weil es mit ihrer Überprüfung nicht ganz einfach ist. Wenn man das entsprechende Ritual durchführt und es passiert nichts, ist man bestätigt. Und zu wagen, es nicht zu tun, erfordert Überwindung, denn schließlich könnte dann ja etwas sein… Und dann wäre man schuld daran.

Das ist vollkommen unlogisch, natürlich. Das weiß man selber genauso. Deshalb heißt das ja auch nicht „logisches Denken“, sondern „Zwangsgedanke“.

Das kann man aber auch überwinden. Wenn man den Zwangsgedanken nicht folgt und es sich mit der Zeit auch in der Praxis beweist, dass sie unsinnig sind, ist es gleich mal viel leichter. Bei mir spielen solche abergläubischen Zwangsgedanken inzwischen keine große Rolle mehr. Mehr Probleme habe ich mit Punkt 1) und vor allem 2).

 

4) Andere Zwangsgedanken…

(Mir ist hier keine Überschrift dafür eingefallen, die nicht blöd klang.)

Ich meine folgendes Phänomen: Man betet, z. B. vor einem Heiligenbild, einer Christusstatue, oder, worst of all, Jesus im Tabernakel selbst, und dann tauchen – plopp – gewisse Arten von quälenden Zwangsgedanken im Gehirn auf; obszöne oder blasphemische Vorstellungen von der Art, wie sie sonst vielleicht eher Linksradikalen einfallen würden, die sich überlegen, was man denn beim nächsten Berliner Marsch fürs Leben so für Parolen schreien könnte, um die blöden Christen da vielleicht noch mehr zu stören als beim letzten Mal.

Diese Gedanken quälen einen wirklich – wie soll man denn irgendwie gottgefällig beten, wenn der eigene Kopf von solchen Scheußlichkeiten voll ist? Also vermeidet man es irgendwann, länger zu beten, Statuen anzuschauen oder in Kirchen zu gehen (außer zur Erfüllung der Sonntagspflicht), kurz gesagt, man vermeidet alles, was diese Zwangsgedanken auslösen könnte und so… entfernt man sich von Gott.

Das ist wirklich ein ganz, ganz typisches Zwangsstörungsphänomen, das ebenfalls nicht nur bei religiösen Menschen vorkommt. Zum Beispiel könnte ein zwangskranker Familienvater an dem Zwangsgedanken leiden, er könnte seine Tochter sexuell missbrauchen, und dann vermeidet er es vielleicht von da an, mit ihr allein zu sein, weshalb sein Verhalten bald allen in der Familie auffällt und die Tochter sich vernachlässigt vorkommt und die Ehefrau ihm Vorwürfe deswegen macht. Wichtig: Zwangskranke würden nie das machen, was ihnen ihre Zwangsgedanken vorspielen. Deshalb werden die Zwangsgedanken ja gerade als so quälend erlebt: Weil sie in allem dem widersprechen, was zu den Grundbausteinen der eigenen Existenz gehört. Ein wirklicher Pädophiler würde nicht so denken wie oben beschrieben.

Der hl. Ignatius von Loyola hat zum Thema Skrupel einmal Folgendes geschrieben, was ich hier sehr treffend finde: Wenn er zum Beispiel sieht, dass eine Seele keine tödlichen oder lässlichen Sünden in sich einlässt, noch irgend einen Schein überlegter Sünde, dann besorgt der Feind, wenn er nicht zuwege bringt, sie in etwas fallen zu lassen, was Sünde scheint, sie [wenigstens] eine Sünde sich einbilden zu lassen, dort, wo keine ist; wie etwa bei einen Wort oder einem geringsten Gedanken. Mit „dem Feind“ ist hier bekanntlich der Teufel gemeint. Die Einbildung von Sünde stammt nicht von Gott, sondern von einem, der uns übel will, der uns ungestörtes, vertrauensvolles Glück mit Gott im Gebet nicht gönnen will.

Die richtige Strategie wäre, gerade diese Gedanken im Gebet vor Gott zu bringen. Mit ihm darüber zu reden, dass man sie hat und dass sie einen so quälen. Ich denke mal, über dieses Vertrauen freut er sich und dann kann er uns auch besser helfen. Solche Gedanken können nämlich gar keine Sünden sein, da ungewollt. Sünde heißt Schuld, Schuld setzt einen Willensakt, eine Entscheidungsmöglichkeit voraus. Ich tue oder unterlasse x, obwohl ich es nicht tun oder unterlassen müsste. Wenn x einfach da ist, kann von Schuld gar keine Rede sein. Und jeder normale Mensch erlebt es, dass er Gedanken im Kopf hat, die einfach da sind, ohne dass irgendeine Art von Schuld vorliegen kann. Schon mal von Ohrwürmern gehört?

 

Alle diese Arten von Gebetsschwierigkeiten haben eben eines gemeinsam: Dass sie einen an einem wirklichen Beten hindern (oder fast schon am Beten überhaupt). Man kann sozusagen beten, ohne zu beten.

 

[Anmerkung: Vielleicht kennen auch nicht-skrupulöse Leser andere Formen von hier beschriebenen Gebetsschwierigkeiten – vor allem das Ausweichen vor Gott im Gebet ist wahrscheinlich eine allgemein-menschliche Erfahrung, und wird allgemein durch so ein Ding namens „Erbsünde“ bedingt, nicht nur speziell durch Skrupulosität. Bloß, dass es nicht immer gleich aussieht; ich habe hier eben konkret das Ausweichen aufgrund von Skrupulosität beschrieben. Nur, damit es hier nicht zu Missverständnissen kommt.]

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