Grammatik, Rechtschreibung und Zeichensetzung sind dazu da, verwendet zu werden: Ein Manifest

Angesichts des Trümmerfeldes, zu dem die Schulpolitik der vergangenen Jahrzehnte geführt hat, und eingedenk der Tatsache, dass alles Sein, Leben, Schaffen und Ordnen Widerstand gegen die Kräfte des Chaos, des Zerfalls und der Zerstörung ist, rufe ich alle Menschen guten Willens auf:

  1. Grammatik, Rechtschreibung und Zeichensetzung dienen einem Zweck. Sie ordnen Sätze und machen sie verständlich. Daher sind sie zu verwenden.
  2. Die Groß- und Kleinschreibung ist einzuhalten. Groß werden Substantive und Eigennamen geschrieben. Tipp: Wenn man „der“, „die“ oder „das“ vor ein Wort setzen kann, oder wenn es eine Person, eine Stadt, ein Land o. Ä. bezeichnet, wird es großgeschrieben. Zusätzlich wird jedes Wort am Satzanfang großgeschrieben.
  3. Wenn man sich mit einem Artikel auf ein Wort beziehen kann, ist es wirklich immer großzuschreiben, da es dann entweder ein Substantiv oder ein substantiviertes Adjektiv oder Verb ist. „Der Kobold“, „das Grün der Bäume“, „das Rennen ermüdete ihn“. Das gilt auch in Bezug auf Wörter wie „Anderes“. „Alles Andere (das Andere) ist falsch.“ Dagegen: „Die andere Möglichkeit sollte auch in Betracht gezogen werden.“ Hier ist „Möglichkeit“ das Substantiv. „Der Andere“ – „der andere Mensch“. Alles klar?
  4. Auch die Anrede „Sie“ wird großgeschrieben. Und zwar immer. Sie ist zu unterscheiden von dem kleingeschriebenen Pronomen „sie“ (dritte Person Plural), das eine Mehrzahl von nicht direkt angesprochenen Personen oder Dingen umschreibt (z. B. „die Galeerensklaven“, „die Erzengel“, „die Evangelisten“, „die Pflaumenkuchenrezepte“).
  5. Wo wir schon dabei sind: „dass“ und „das“ sind zwei verschiedene Wörter. Ersteres ist eine Konjunktion und leitet einen Nebensatz ein, letzteres ist ein bestimmter Artikel im Neutrum oder ein Demonstrativpronomen. Unterscheidung: Wenn das fragliche „das(s)“ sich direkt auf ein Wort oder einen Sachverhalt bezieht, ist es mit einem s zu schreiben. Wenn es einen Nebensatz einleitet, in dem ein Verb am Ende steht, ist es mit zwei s zu schreiben. Beispiele: „Das Kind kommt.“ „Ich weiß, dass das Kind kommt.“ „Dass (Konjunktion) das (Artikel) Kind kommt, das (Demonstrativpronomen) ist eine Tatsache.“ Tipp: Kann „das(s)“ mit „dies“, „jenes“ ersetzt werden, ist es Artikel oder Demonstrativpronomen – also „das“. Geht das nicht, ist es eine Konjunktion: „dass“.
  6. In der deutschen Sprache werden zusammengesetzte Substantive auch tatsächlich zusammengesetzt; entweder direkt oder mit einem Bindestrich. Es heißt daher „Tischdecke“, „Waschmaschine“ und „Donaudampfschifffahrtskapitänsmützenknopfloch“. Es heißt „Studentenwohnheim“ und nicht „Studenten Wohnheim“. Es heißt auch „Das Zur-Schau-Stellen von Gefühlen“ und nicht „Das Zur Schau Stellen von Gefühlen“. Letzteres wäre im ENGLISCHEN richtig. Es gibt UNTERSCHIEDE zwischen der englischen und der deutschen Sprache. Im Deutschen heißt es: „Das Zur-Schau-Stellen“, „das Schwarz-Weiß-Denken“, „das Schlappohr-Kaninchen“.
  7. Ach ja, und wenn ein Wort mit Bindestrichen zusammengesetzt wird, dann haben Leerzeichen da nichts verloren. Anders bei Einschüben in einem Satz. „Er – der Kapitän – stand dort drüben.“ Hier hat sowohl vor als auch nach dem Strich ein Leerzeichen zu stehen.
  8. Kommas dürfen nicht nur verwendet werden, sondern müssen es an den gegebenen Stellen sogar. Sie werden erstens dazu gebraucht, Nebensätze abzutrennen. („Ich weiß, dass das Kind kommt.“ „Ich sehe jemanden, der dort hinten steht.“ „Ich bin katholisch, weil alles Andere Unsinn ist.“) Sie werden zweitens in Aufzählungen gebraucht: „Lourdes, Fatima, Loretto und Guadeloupe.“ Sie werden drittens dazu gebraucht, Einschübe in Sätzen abzutrennen, was man, wenn man möchte, auch mit Klammern oder Strichen erledigen kann: „Gegebenenfalls sollte man, das ist wichtig, die korrekte Schreibung von Wörtern im Duden nachschlagen.“ Die Kommas müssen in diesem Fall vor und hinter dem Einschub stehen und der Satz hat auch ohne diesen Einschub (grammatikalisch) Sinn zu machen. Das Leerzeichen steht übrigens grundsätzlich hinter dem Komma. Davor steht keins.
  9. Kommas werden NICHT verwendet, um einen attributiven Satzteil am Anfang eines Satzes abzutrennen. In dem Satz „Während des Abendessens unterhielten sie sich über den Kriegsverlauf“ hat nach „Abendessens“ KEIN Komma zu stehen. Es heißt auch: „Sie unterhielten sich während des Abendessens über den Kriegsverlauf“ – ebenfalls ohne Komma. In diesem Fall DÜRFTE man es aber dann auch anders machen, wenn „während des Abendessens“ ein Einschub im Sinne von „und zwar während des Abendessens“ wäre: „Sie unterhielten sich, [und zwar] während des Abendessens, über den Kriegsverlauf.“ Dann haben hier aber vorne und hinten Kommas zu stehen. Wenn aber dieser Satzteil tatsächlich, wie im ersten Beispiel, am Anfang des Satzes steht, darf dahinter NIE ein Komma stehen. Nie, nie, nie. „Ebenso wie Petrus liegt auch Paulus in Rom begraben.“ – Kein Komma nach „Petrus“. „Zusammen mit seinen Freunden und voll von Vorfreude machte er sich an die Aufgabe.“ – Nirgendwo ein Komma!!!
  10. Ein vollständiger Satz hat ein Verb zu enthalten und ist am Ende mit einem Punkt, Ausrufezeichen oder Fragezeichen abzuschließen.
  11. Der Genitiv darf gebraucht werden. Es heißt „Die Not des Bettlers.“ Nicht: „Die Not von dem Bettler.“ Letzteres wäre zwar streng genommen grammatikalisch nicht falsch, klingt aber scheiße.
  12. Das Genitiv-s wird in aller Regel ohne Apostroph verwendet. „Martins Mantel“, „Marias Gebet“. Die einzige Ausnahme ist, wenn der entsprechende Name bereits auf -s endet: „Arius’ Häresie“, „Augustinus’ Bücher“. Wieder gilt: DEUTSCH IST NICHT ENGLISCH.

 

So. Das musste ich einfach mal loswerden. =)

 

Und nein, ich habe übrigens nichts gegen Englisch. Ich liebe diese Sprache sogar. Aber, um ein Zitat der hl. Teresa abzuwandeln, „Wenn Englisch, dann Englisch, wenn Deutsch, dann Deutsch“.

 

Update: Da habe ich doch glatt vergessen, meine allerliebste Monty-Python-Szene am Schluss noch einzubringen:

 

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