Die allumfassende Kirche, Teil 10 – Vielfalt und Einheit. Ein paar abschließende Bemerkungen

Alle Teile hier: https://nolitetimereweb.wordpress.com/reihe-die-allumfassende-kirche/

 

Ich könnte jetzt in dieser Reihe noch über verschiedene weitere Themen reden – das Thema ist auch irgendwie allumfassend. Ich könnte von Karmelitern, Benediktinern und Jesuiten anfangen, von der franziskanischen und salesianischen und ignatianischen Spiritualität, von den charismatischen Gemeinschaften, dem Opus Dei und der Petrusbruderschaft, den Vereinen und den Dritten Orden, den verschiedenen unter dem Papst geeinten katholischen Rituskirchen (römisch-katholische, chaldäisch-katholische, assyrisch-katholische, koptisch-katholische, griechisch-katholische, melkitisch-katholische, äthiopisch-katholische usw.), von unterschiedlichen Andachtsformen, von den theologischen und philosophischen Schulen im Katholizismus. (Wer übrigens gerne etwas mehr über das Thema theologische Vielfalt im Katholizismus wissen möchte, dem könnte ich auch Fr. H. G. Hughes’ Buch „What Catholics are free to believe or not“ empfehlen. Habe es selber noch nicht gelesen, habe es aber fest vor.) In dieser katholischen – allumfassenden – Kirche gibt es Vielfalt: In gewissem Rahmen der Ansichten, aber vor allem der Lebens- und Gebetsformen. Ob ich Herz-Jesu-Verehrung oder Stundengebet oder sonst etwas lieber mag, ist letztlich einfach eins: meine Sache.

Ein Thema, über das man in diesem Zusammenhang sicherlich noch kurz reden sollte, ist die Einheit der Weltkirche, die gerade auch diese Vielfalt schützt. Ich will mit einem Vergleich deutlich machen, was ich meine: In gewissen protestantischen Kreisen, besonders im amerikanischen Bereich, kann jede Gemeinde oder jeder regionale Verband von Gemeinden beschließen, was zum Glauben gehört, was sein darf und was nicht sein darf, wie der Gottesdienst auszusehen hat und was zur Mitgliedschaft dazu gehört. Jeder macht sein eigenes Ding und stellt seine eigenen Partikularansprüche. Im Katholizismus haben wir nur einen Papst, den in Rom; und das sorgt für gewisse Mindeststandards und allgemein geltende Regeln. Kein Bischof oder Pfarrer kann seinen Untergebenen einfach befehlen, das mit, sagen wir mal, der Wallfahrt nach Lourdes oder der Charismatischen Erneuerung sein zu lassen, weil beides von weiter oben gestattet ist. Ich kann an jedem Ort, wo die katholische Kirche vertreten ist, grundsätzlich meinen Glauben auf meine Weise leben, solange die von Rom abgesegnet ist. (Natürlich gibt es auch Bereiche, deren Regelung Bischöfen oder Bischofskonferenzen überlassen ist; in dem Fall müsste ich natürlich meinem jeweiligen Bischof gehorsam sein. Eine gewisse lokale Autorität hat ja auch ihren Sinn, da sie die örtlichen Zustände besser kennt als das im weltkirchlichen Zentrum vielleicht der Fall ist. Aber es braucht eben auch die Weltkirche.)

Die Einheit der Kirche hat natürlich ganz allgemein ihre großen Vorteile. Ich kann in jede katholische Gemeinde der Welt in die Messe gehen und werde dort das grundsätzlich Gleiche erleben – die Quelle und den Höhepunkt des ganzen christlichen Lebens, wie Lumen Gentium es ausdrückt. Ich kann bei jedem katholischen Priester auf der Welt auf das Beichtgeheimnis zählen. Die Kirche spricht mit einer Stimme zu den zentralen Themen der Welt. Wir Katholiken gehören zu einer Gemeinschaft, wir glauben nicht für uns allein und sind im Glauben nicht auf uns allein gestellt. Die Einheit der Kirche – sowohl im äußeren, institutionellen Bereich als auch in allen wesentlichen Lehrfragen – ist unersetzlich.

Es ist kein Wunder, dass Jesus wollte, dass seine Jünger eins sind; darum betete Er beim Letzten Abendmahl (Joh 17,20-23). Wir glauben an die eine, heilige, katholische (=allumfassende, universale) und apostolische Kirche: Eine Kirche, die fähig ist, alle Länder und Kulturen zu umfassen und allen Arten von Menschen Heimat zu bieten (weil der Heilige Geist ihr dabei hilft). Die Einheit und die Katholizität der Kirche gehören untrennbar zusammen.

Es gibt noch andere Dinge, die ich sonst noch ansprechen könnte. Aber ich denke, das Wichtigste ist gesagt, und damit will ich es bewenden lassen und diese Reihe abschließen. Ich hoffe, ich konnte ein bisschen etwas davon herüberbringen, wieso ich diese Kirche liebe.

So, und jetzt geht es dann bald endlich mal mit der geplanten Reihe zu den „schwierigen“ Bibelstellen weiter!

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s