Macht man was falsch, wenn es einem gut geht?

Hier ein wunderbarer Artikel von the one and only Simcha Fisher zum Thema „Sieht Gott uns gerne leiden?“ http://www.simchafisher.com/2017/02/15/does-god-get-off-on-seeing-us-suffer/ Bitte lesen!

Ich habe bei mir selber gemerkt – und andere Skrupulanten kennen das Gefühl wahrscheinlich auch – dass es leicht passieren kann, dass ich, wenn ich es gerade bequem habe und alles gut läuft, automatisch, ohne weitere Gründe dafür, das Gefühl bekomme, dass ich irgendetwas falsch machen muss. Als Christin ist man ja schließlich zur Heiligkeit gerufen – wie uns immer wieder gesagt wird –; und kann das denn irgendwie nach Heiligkeit aussehen, wenn man nichts Besonderes macht, vielleicht sogar lange geschlafen und sich sein Lieblingsessen gekocht hat und einfach nur ein neues Buch liest oder einen Film anschaut oder über irgendwelche Youtube-Videos lacht – anstatt sich mit, was weiß ich, Fasten, Beten, Werken heldenhafter Nächstenliebe zu beschäftigen? Müsste ein richtiger Christ nicht zwangsläufig alle möglichen Werke tun und Schwierigkeiten und Leiden und Anfeindungen auf sich nehmen? (Auch wenn man im Moment keine ganz genaue Vorstellung davon hat, was man konkret genau jetzt zu tun hätte oder tun könnte.)

Wie so oft steckt in diesem falschen Gefühl ein Korn Wahrheit: Es ist etwas Gutes, besonderen Einsatz für eine gute Sache zu zeigen, und das Richtige zu tun kann manchmal schwierig sein. Aber das muss es nicht zwangsläufig sein. Manchmal macht es einen sogar glücklich. Und in manchen Dingen ist ein vernünftiges Mittelmaß, das einem nicht radikal genug für ein richtiges christliches Leben vorkommt, manchmal auf lange Sicht sogar das Beste (wenn man sich z. B. nie Ferien gönnt, hat man irgendwann keine Energie mehr für das, was man außerhalb der Ferien tut); es kann moralisch falsch sein, sich unbedachterweise zu viel auf einmal aufhalsen zu wollen.

Mrs. Fisher nimmt hier zwei Beispiele: Die Entscheidung, (vorerst oder endgültig) keine weiteren Kinder mehr zu bekommen (ja, wir reden von NFP, nicht der Pille oder Ähnlichem – alles gut katholisch), und die Entscheidung, nicht zur Sonntagsmesse zu gehen, wenn man krank ist. Sie geht darauf ein, dass es von vornherein nicht immer die beste und selbstloseste Entscheidung sein muss, ja noch ein Kind zu bekommen oder sich ja in die Kirche zu schleppen, solange es noch irgendwie geht – im ersten Fall, wenn man sich dann z. B. nicht mehr so um die schon vorhandenen Kinder kümmern könnte, wie die es bräuchten, im zweiten Fall, wenn man etwas Ansteckendes hat, das für Menschen mit schwachem Immunsystem, die man in der Kirche träfe, gefährlich sein könnte (was bei einer Grippe etwa der Fall ist). Dann spricht sie ein weiteres grundsätzliches Problem bei dieser Denkweise an (Übersetzung von mir):

 

Der „Leid=Heiligkeit“-Zugang geht davon aus, dass Gott nur wirklich zufrieden ist, wenn wir die ganze Zeit schreckliche Schmerzen leiden, und dass der einzige Weg, um zu wissen, ob wir wirklich Gott folgen, ist, ob wir zusammenbrechen. Wenn das Leben erträglich ist, müssen wir etwas falsch machen. […]

 So.

 Ist.

 Gott.

 Nicht.

 Er hasst uns nicht. Er ist nicht darauf aus, uns dranzukriegen. Er brennt nicht darauf, uns zwischen den Schraubstöcken des Folterinstruments zappeln zu sehen, das Er „Moral“ nennt. Ich weiß, dass das 21. Jahrhundert nicht voll von Katholiken ist, die zu streng mit sich sind, aber es ist auch nicht voll von Katholiken, die wirklich auf Christus als Quelle der Liebe und des Trostes in unseren Sorgen schauen.

 Gott ist kein Sadist. Gott genießt es nicht, zu sehen, dass wir uns quälen. Er lässt es manchmal zu, dass wir in Leid geraten […] Aber wenn wir in dunkle Zeiten geraten, dann springt Er zu uns nach unten in diese Grube, um uns zu helfen, unseren Weg hinaus zu graben, um uns zu helfen, stärker zu werden, und um uns Gesellschaft zu leisten, während wir dort sind. Er steht nicht am Rand und schaut spottend und johlend hinunter, während wir uns unten vor Schmerzen winden. Er ist das Lamm, das geschlachtet wurde, nicht der Ausbildungsfeldwebel, der das Leiden genießt.

 Wir müssen bereit sein, zu leiden, aber wir sind nicht verpflichtet, Leid zu suchen. Wir sind nicht verpflichtet, unser eigenes Leid ständig anzukurbeln.

 Wir sind verpflichtet, die Liebe zu suchen. Wir sind verpflichtet, unser Sehnen, Gott in allem und jedem zu sehen, ständig anzukurbeln.

 Und rate mal? Manchmal sieht Gott nach Freude aus. Manchmal sieht Gott nach Frieden aus. Manchmal sieht Gott nach Besonnenheit aus. Manchmal sieht Gott sogar nach Behaglichkeit aus.

 Also sei gehorsam, bete oft, und such Gott und Seine Liebe in Gehorsam, anstatt dich auf die Regeln an sich zu fokussieren. […]

 Überdenke deine Entscheidungen noch einmal, falls nötig. Aber nimm nicht automatisch an, dass die Sache, die dir zusagt, Gott enttäuschen muss. Gehorsam bringt nicht immer Schmerz. Manchmal bringt er Erleichterung. Sei zufrieden damit, geliebt zu werden.

 

Wenn man immer alles perfekt machen will, ist das Ergebnis oft nicht, dass alles perfekt wird. Sondern dass man an der Aufgabe verzweifelt und am Ende mutlos aufgibt. Angst und selbsterzeugter Druck stammen nicht von Gott.

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