Über schwierige Bibelstellen, Teil 8: „Ich aber will das Herz des Pharao verhärten“

Alle Teile hier: https://nolitetimereweb.wordpress.com/reihe-ueber-schwierige-bibelstellen/

Zu den schwierigen Bibelstellen im Alten (und teilweise im Neuen) Testament gehören auch solche, die es so aussehen lassen, als ob Gott direkt verantwortlich für Böses sei, als ob er sogar in Versuchung führe oder auf den freien Willen von Menschen einwirke. Die in dieser Hinsicht problematischsten Stellen sind wahrscheinlich die folgenden aus dem Buch Exodus:

 „Der Herr sprach zu Mose: Wenn du gehst und nach Ägypten zurückkehrst, halte dir alle Wunder vor Augen, die ich in deine Hand gelegt habe, und vollbring sie vor dem Pharao! Ich will sein Herz verhärten, sodass er das Volk nicht ziehen lässt.“ (Exodus 4,21)

 „Ich aber will das Herz des Pharao verhärten und dann werde ich meine Zeichen und Wunder in Ägypten häufen. Der Pharao wird nicht auf euch hören. Deshalb werde ich meine Hand auf Ägypten legen und unter gewaltigem Strafgericht meine Scharen, mein Volk, die Israeliten, aus Ägypten führen. Erst wenn ich meine Hand gegen die Ägypter ausstrecke, werden sie erkennen, dass ich der Herr bin, und dann werde ich die Israeliten aus ihrer Mitte herausführen.“ (Exodus 7,3-5)

„Aber der Herr verhärtete das Herz des Pharao, sodass er nicht auf sie hörte. So hatte es der Herr dem Mose vorausgesagt.“ (Exodus 9,12)

„Der Herr sprach zu Mose: Geh zum Pharao! Ich habe sein Herz und das Herz seiner Diener verschlossen, damit ich diese Zeichen unter ihnen vollbringen konnte und damit du deinem Sohn und deinem Enkel erzählen kannst, was ich den Ägyptern angetan und welche Zeichen ich unter ihnen vollbracht habe. Dann werdet ihr erkennen, dass ich der Herr bin.“ (Exodus 10,1f.)

„Der Herr aber verhärtete das Herz des Pharao, sodass er die Israeliten nicht ziehen ließ.“ (Exodus 10,20)

„Der Herr verhärtete das Herz des Pharao, sodass er sie nicht ziehen lassen wollte.“ (Exodus 10,27)

„Der Herr verhärtete das Herz des Pharao, sodass er sie nicht ziehen lassen wollte. Der Pharao sagte zu Mose: Weg von mir! Hüte dich, mir jemals wieder unter die Augen zu treten. Denn an dem Tag, an dem du mir unter die Augen trittst, musst du sterben.“ (Exodus 10,27f.)

„Mose und Aaron vollbrachten alle diese Wunder vor den Augen des Pharao, aber der Herr verhärtete das Herz des Pharao, sodass er die Israeliten nicht aus seinem Land fortziehen ließ.“ (Exodus 11,10)

„Ich will das Herz des Pharao verhärten, sodass er ihnen nachjagt; dann will ich am Pharao und an seiner ganzen Streitmacht meine Herrlichkeit erweisen und die Ägypter sollen erkennen, dass ich der Herr bin. […] Der Herr verhärtete das Herz des Pharao, des Königs von Ägypten, sodass er den Israeliten nachjagte, während sie voll Zuversicht weiterzogen.“ (Exodus 14,4.8)

Ähnlich klingt z. B. auch eine Stelle im 1. Buch Samuels: „Der Geist des Herrn war von Saul gewichen; jetzt quälte ihn ein böser Geist, der vom Herrn kam.“ (1 Samuel 16,14) [Mit dem bösen Geist wird entweder eine psychische Krankheit oder aber dämonische Besessenheit gemeint sein.] Und in den Klageliedern heißt es sogar ganz grundsätzlich: „Geht nicht hervor aus des Höchsten Mund das Gute wie auch das Böse?“ (Klagelieder 3,38) Sogar im Vaterunser (!) beten wir ja immer noch: „Und führe uns nicht in Versuchung.“ (Matthäus 6,13)

Alldem entgegen stehen ziemlich deutlich u. a. der Jakobusbrief und der 1. Johannesbrief:

Keiner, der in Versuchung gerät, soll sagen: Ich werde von Gott in Versuchung geführt. Denn Gott kann nicht in die Versuchung kommen, Böses zu tun, und er führt auch selbst niemand in Versuchung. Jeder wird von seiner eigenen Begierde, die ihn lockt und fängt, in Versuchung geführt. Wenn die Begierde dann schwanger geworden ist, bringt sie die Sünde zur Welt; ist die Sünde reif geworden, bringt sie den Tod hervor. Lasst euch nicht irreführen, meine geliebten Brüder; jede gute Gabe und jedes vollkommene Geschenk kommt von oben, vom Vater der Gestirne, bei dem es keine Veränderung und keine Verfinsterung gibt. Aus freiem Willen hat er uns durch das Wort der Wahrheit geboren, damit wir gleichsam die Erstlingsfrucht seiner Schöpfung seien.“ (Jakobus 1,13-18)

„Das ist die Botschaft, die wir von ihm gehört haben und euch verkünden: Gott ist Licht und keine Finsternis ist in ihm.“ (1 Johannes 1,5)

Und auch schon im Alten Testament gibt es bekanntlich unzählbare Stellen, die betonen, dass Gott gerecht und gut ist und jedes Unrecht hasst.

Okay, wie harmonisieren wir das jetzt?

Zunächst einmal muss ich erklären, dass ich beim obersten Beispiel, der Exodusgeschichte, ziemlich selektiv zitiert habe.

Das Thema der Sturheit des Pharao wird zum ersten Mal in Kapitel 3, am brennenden Dornbusch, aufgebracht. Dort sagt Gott zu Mose: „Ich weiß, dass euch der König von Ägypten nicht ziehen lässt, es sei denn, er würde von starker Hand dazu gezwungen. Erst wenn ich meine Hand ausstrecke und Ägypten niederschlage mit allen meinen Wundern, die ich in seiner Mitte vollbringe, wird er euch ziehen lassen.“ (Exodus 3,19f.) Die nächste Stelle ist dann die erste oben zitierte in Exodus 4 (Mose zieht in diesem Kapitel nach Ägypten zurück), in der Gott schon voraussagt, das Herz des Pharao „verhärten“ zu wollen. Die nächste Stelle, nach den ersten erfolglosen Verhandlungen zwischen Mose, Aaron und dem Pharao in Kapitel 5 und 6, ist dann die zweite oben zitierte in Kapitel 7. Im selben Kapitel heißt es aber auch: „Das Herz des Pharao aber blieb hart und er hörte nicht auf sie. So hatte es der Herr vorausgesagt. Der Herr sprach zu Mose: Das Herz des Pharao ist ungerührt und er ist nicht bereit, das Volk ziehen zu lassen. […] Sag zum Pharao: Jahwe, der Gott der Hebräer, hat mich zu dir gesandt und lässt dir sagen: Lass mein Volk ziehen, damit sie mich in der Wüste verehren können. Bis jetzt hast du nicht hören wollen.“ (Exodus 7,13-14.16) Dann kommen die ersten Plagen – das Nilwasser verwandelt sich in Blut und eine Froschplage kommt übers Land. Der Pharao bittet Mose, das Land wieder davon zu befreien, Mose betet zu Gott, und die Frösche verschwinden. „Als der Pharao sah, dass die Not vorbei war, verschloss er sein Herz wieder und hörte nicht auf sie. So hatte es der Herr vorausgesagt.“ (Exodus 8,11) Dann kommt die Stechmückenplage. „Da sagten die Wahrsager zum Pharao: Das ist der Finger Gottes. Doch das Herz des Pharao blieb hart und er hörte nicht auf sie. So hatte es der Herr vorausgesagt.“ (Exodus 8,15) Dann kommt Ungeziefer über das Land, Mose und der Pharao verhandeln noch einmal, der Pharao gibt nach, das Ungeziefer verschwindet auf Moses Gebet hin. „Der Pharao aber verschloss sein Herz auch diesmal und ließ das Volk nicht ziehen.“ (Exodus 8,28) Als nächstes kommt eine Seuche über das Vieh der Ägypter. „Doch der Pharao verschloss sein Herz und ließ das Volk nicht ziehen.“ (Exodus 9,7) Die nächste Plage sind Hautgeschwüre bei den Ägyptern. Dann ist wieder die Rede davon, dass „der Herr […] das Herz des Pharao [verhärtete]“ (Exodus 9,12, s. o.) Als nächstes kommen Unwetter und schwerer Hagel über Ägypten. „Da ließ der Pharao Mose und Aaron rufen und sagte zu ihnen: Diesmal bekenne ich mich schuldig. Jahwe ist im Recht; ich aber und mein Volk, wir sind im Unrecht. Betet zu Jahwe! Die Donnerstimme Gottes und der Hagel, das ist zu viel. Ich will euch jetzt ziehen lassen; ihr müsst nicht länger bleiben. Mose antwortete ihm: Sobald ich außerhalb der Stadt bin, werde ich meine Hände vor Jahwe ausbreiten; der Donner wird aufhören und es wird kein Hagel mehr fallen. So wirst du erkennen, dass das Land Jahwe gehört. Du und Deine Diener aber, das weiß ich, ihr fürchtet euch noch immer nicht vor dem Gott Jahwe. […] Doch als der Pharao sah, dass Regen, Hagel und Donner aufgehört hatten, blieb er bei seiner Sünde; er und seine Diener verschlossen wieder ihr Herz. Das Herz des Pharao blieb hart und er ließ die Israeliten nicht ziehen. So hatte es der Herr durch Mose vorausgesagt.“ (Exodus 9,27-30.34-35) Gleich im nächsten Vers – 10,1 – heißt es dann jedoch wieder, Gott habe das Herz des Pharao und seiner Diener verschlossen. Dann kommen noch Heuschrecken und eine dreitägige Finsternis, der Pharao ändert wieder mehrmals seine Meinung, und wieder ist zweimal die Rede davon, dass Gott sein Herz verhärtete (10,20; 10,27). Nach der Ankündigung der letzten Plage (des Todes der Erstgeborenen) heißt es noch einmal zusammenfassend: „Mose und Aaron vollbrachten alle diese Wunder vor den Augen des Pharao, aber der Herr verhärtete das Herz des Pharao, sodass er die Israeliten nicht aus seinem Land fortziehen ließ.“ (Exodus 11,10, s. o.) Dann kommt diese letzte Plage und die ganze Geschichte mit dem Passahmahl, der Pharao und die Ägypter verjagen die Israeliten schließlich sogar selber aus ihrem Land und sie ziehen bis zum Schilfmeer. Hier findet sich noch einmal die Aussage: „Als der Pharao hart blieb und uns nicht ziehen ließ, erschlug der Herr alle Erstgeborenen in Ägypten, bei Mensch und Vieh.“ (Exodus 13,15) Dann kommen die oben zitierten Stellen über die Herzensverhärtung aus Kapitel 14, in dem die ägyptische Streitmacht die Israeliten verfolgt und im Schilfmeer ertrinkt, nachdem die Israeliten trockenen Fußes hindurchgezogen sind.

Okay, langer Rede kurzer Sinn: Hier ist abwechselnd die Rede davon, dass der Pharao selbst hart bleibt oder „sein Herz verschließt“, was Gott vorausgesehen (nicht verursacht) hat, und davon, dass Gott „das Herz des Pharao verhärtet“. Das liegt daran, dass zwischen diesen beiden Aussagen, recht verstanden, kein Widerspruch besteht.

https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/9/92/Tissot_Moses_Speaks_to_Pharaoh.jpg

(James Tissot, Moses speaks to Pharaoh, Wikimedia Commons)

Besonders im Alten Testament ist häufig die Rede davon, dass Gott etwas tut, wenn man genauer gesagt sagen müsste, dass Er es geschehen lässt.

Hier hilft es vielleicht weiter, sich mal den biblischen Sprachgebrauch näher anzuschauen. Eine Stelle, die hier weiterhilft, wäre 2 Samuel 12,7-12, wo der Prophet Natan zu David spricht, nachdem David mit Batseba Ehebruch begangen und den Tod ihres Mannes arrangiert hat: „Da sagte Natan zu David: Du selbst bist der Mann. So spricht der Herr, der Gott Israels: Ich habe dich zum König von Israel gesalbt und ich habe dich aus der Hand Sauls gerettet. Ich habe dir das Haus deines Herrn und die Frauen deines Herrn in den Schoß gegeben und ich habe dir das Haus Israel und Juda gegeben, und wenn das zu wenig ist, gebe ich dir noch manches andere dazu. Aber warum hast du das Wort des Herrn verachtet und etwas getan, was ihm missfällt? Du hast den Hetiter Urija mit dem Schwert erschlagen und hast dir seine Frau zur Frau genommen; durch das Schwert der Ammoniter hast du ihn umgebracht. Darum soll jetzt das Schwert auf ewig nicht mehr von deinem Haus weichen; denn du hast mich verachtet und dir die Frau des Hetiters genommen, damit sie deine Frau werde. So spricht der Herr: Ich werde dafür sorgen, dass sich aus deinem eigenen Haus das Unheil gegen dich erhebt, und ich werde dir vor deinen Augen deine Frauen wegnehmen und sie einem andern geben; er wird am hellen Tag bei deinen Frauen liegen. Ja, du hast es heimlich getan, ich aber werde es vor ganz Israel und am hellen Tag tun. Ich denke, es ist ziemlich deutlich, dass in diesen letzten Sätzen nicht wirklich die Rede von etwas ist, was Gott selbst tun würde, sondern von etwas, was er geschehen lassen würde.

Na ja, Natan hat David mit seiner Strafpredigt tatsächlich dazu gebracht, zu bereuen, und die Geschichte geht dann erst einmal so weiter: „Darauf sagte David zu Natan: Ich habe gegen den Herrn gesündigt. Natan antwortete David: Der Herr hat dir deine Sünde vergeben; du wirst nicht sterben. Weil du aber die Feinde des Herrn durch diese Sache zum Lästern veranlasst hast, muss der Sohn, der dir geboren wird, sterben. Dann ging Natan nach Hause. Der Herr aber ließ das Kind, das die Frau des Urija dem David geboren hatte, schwer krank werden.“ (2 Samuel 12,13-15) [Zur Frage nach dem Tod von Batsebas Kind, ebenso wie zur Frage nach den ägyptischen Erstgeborenen, in einem anderen Teil dieser Reihe.] Allerdings gibt es dann im Lauf dieses Buches dennoch tatsächlich noch viele, ähem, Unstimmigkeiten in Davids Familie. Gleich im nächsten Kapitel wird geschildert, wie Amnon, einer von Davids Söhnen, seine Halbschwester Tamar vergewaltigt, woraufhin Abschalom, Tamars Bruder, Amnon tötet. Abschalom flieht dann, wird aber schließlich doch wieder von seinem Vater in Jerusalem aufgenommen. Dennoch zettelt er dann ein paar Jahre später einen Aufstand gegen David an. David flieht aus Jerusalem, wobei er seine zehn Nebenfrauen zurücklässt, und Abschalom nimmt die Stadt ein. „Ahitofel sagte zu Abschalom: Geh zu den Nebenfrauen deines Vaters, die er hiergelassen hat, um das Haus zu bewachen. So wird ganz Israel erfahren, dass du dich bei deinem Vater verhasst gemacht hast, und alle, die zu dir halten, werden ermutigt. Man errichtete für Abschalom ein Zelt auf dem Dach, und Abschalom ging vor den Augen ganz Israels zu den Nebenfrauen seines Vaters. Ein Rat, den Ahitofel gab, galt in jenen Tagen so viel, als hätte man ein Gotteswort erbeten. So viel galt jeder Rat Ahitofels, bei David wie bei Abschalom.“ (2 Samuel 16,21-23) So erfüllte sich letztendlich Natans Prophezeiung.

Davids Heer gewann dann übrigens den Bürgerkrieg, aber als David hörte, dass Abschalom im Kampf getötet worden war, trauerte er zutiefst: „Da zuckte der König zusammen, stieg in den oberen Raum des Tores hinauf und weinte. Während er hinaufging, rief er (immer wieder): Mein Sohn Abschalom, mein Sohn, mein Sohn Abschalom! Wäre ich doch an deiner Stelle gestorben, Abschalom, mein Sohn, mein Sohn!“ (2 Samuel 19,1) Wie gesagt, was Natan über das Unheil, das sich aus Davids eigenem Haus erheben würde, vorausgesagt hatte, erfüllte sich damit letztendlich, und das ist irgendwie auch kein Wunder – Davids Söhne waren offensichtlich von klein auf an Dinge wie Polygamie, Krieg und Mordkomplotte gewöhnt, ihr Vater bot ihnen nicht gerade ein leuchtendes Beispiel. Aber man kann bei dieser ganzen Geschichte eben auch kaum behaupten, Abschaloms (oder vorher: Amnons) Taten entsprächen irgendwie Gottes Willen. Das ist eindeutig; aber sie wurden von Gott zugelassen und waren letztlich mehr oder weniger das natürliche Resultat von Davids eigenem Handeln.

https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/0/00/Desolation_of_Tamar_by_J.Tissot.jpg

Dieses Prinzip – Gott ist nie der Verursacher von Bösem, lässt Böses aber manchmal zu, damit Gutes daraus entsteht – wird auch wunderbar deutlich im Buch Ijob. Dort gibt Gott dem Satan freie Hand, gegen Ijob vorzugehen. Ijob sagt nun zu seinem Leid, das Satan über ihn gebracht hat: Der Herr hat gegeben, der Herr hat genommen; gelobt sei der Name des Herrn.“ (Ijob 1,21) Und: „Nehmen wir das Gute an von Gott, sollen wir dann nicht auch das Böse annehmen?“ (Ijob 2,10) Es wird letztendlich nicht erklärt, wieso genau Gott Ijobs Leid zulässt; bei den beiden Reden Gottes in Kapitel 38-41 erklärt Gott Ijob nichts – Er sagt ihm eigentlich nur, dass Ijob nicht wissen kann und Gott ihm nicht sagen wird, weshalb er so viel leiden musste. Man könnte, anhand der Gespräche mit Satan in Kapitel 1 und 2, vermuten, dass es geschehen ist, um Ijob zu prüfen; aber auch das wird eigentlich nicht ausdrücklich gesagt. Gott gibt Satan die Erlaubnis, Ijob Leid zuzufügen, sagt dabei aber nicht, weshalb. Ijobs Leid ist jedenfalls durch Satan direkt verursacht; durch Gott nur indirekt durch Seine Erlaubnis, und für diese Erlaubnis wird Gott seine Gründe haben, worauf Ijob letztlich vertraut.

Hier helfen andere Sprachen vielleicht auch weiter: Im Französischen zum Beispiel ist „faire faire“ (wörtlich: machen machen) etwas anderes als „laisser faire“ (machen lassen). Eine Mutter, die ihre Kinder zum Fußballspielen ermuntert und sie jede Woche zum Training fährt, „macht“ sie Fußball spielen; eine Mutter, die zwar zu ihren Kindern sagt, sie sollen in ihren Zimmern Ordnung halten, aber sie seien selbst verantwortlich dafür, hinter ihnen herräumen werde sie nicht, die „lässt“ sie in ihrem Zimmer im Chaos leben. Regel Nummer 14: Es gibt einen Unterschied zwischen dem direkt verursachenden und dem bloß zulassenden Willen Gottes.

Die Stellen, die Gott für Schlechtes verantwortlich zu machen scheinen, wollen letztlich vor allem eins aussagen: Nichts auf der Welt kann gegen Gottes Willen geschehen. Gott ist allmächtig; Er herrscht über die ganze Welt; wenn etwas Schlechtes geschieht (z. B. dass der Pharao die Israeliten nicht freilassen will, oder dass die Babylonier Jerusalem plündern), dann muss das auch in irgendeiner Weise nach Gottes Willen geschehen sein. Gott ist kein minderer Gott, dem andere Götter oder Geister einen Strich durch die Rechnung machen könnten. Diese Stellen sagen letztlich: Gott hält alles in der Hand. Wenn es Israel schlecht geht, dann nicht deshalb, weil die Götter anderer Völker mächtiger wären als Israels Gott. (Deshalb finden sich solche Stellen auch hauptsächlich im Alten Testament, wo die Propheten noch deutlich machen mussten: Es gibt nur einen Gott.) Das wird an manchen anderen Stellen noch deutlicher als hier im Buch Exodus (obwohl da ja auch immer wieder betont wird, dass die Ägypter erkennen sollen, dass Jahwe der Herr ist). Im 2. Buch der Makkabäer zum Beispiel sagt einer der sieben Bruder, die durch Antiochus Epiphanes das Martyrium erleiden: „Du aber, der sich alle diese Bosheiten gegen die Hebräer ausgedacht hat, du wirst Gottes Händen nicht entkommen. Denn wir leiden nur, weil wir gesündigt haben. Wenn auch der lebendige Herr eine kurze Zeit lang zornig auf uns ist, um uns durch Strafen zu erziehen, so wird er sich doch mit seinen Dienern wieder versöhnen. Du Ruchloser aber, du größter Verbrecher der Menschheit, überheb dich nicht und werde nicht durch falsche Hoffnungen übermütig, wenn du deine Hand gegen die Kinder des Himmels erhebst.“ (2 Makkabäer 7,31-34) Wenn Gottes Volk leidet, dann nicht, weil Gott machtlos ist.

Dieses Prinzip kann man jetzt auch auf das Buch Exodus anwenden. Der Pharao verschloss sein Herz schon selbst; Gott sah voraus, wie er sich entscheiden würde, und ließ zu, dass sein Herz immer härter wurde; aber Er wirkte nicht auf seinen freien Willen ein. (Dass man, wenn man sich immer wieder vor dem Guten verschließt, sich irgendwann fast unfähig macht, sich noch so einfach wieder zu ändern – sprich, dass man sein Herz durch Gewöhnung an das Böse verhärtet und zur Aufnahme des Guten unfähig macht –, ist wohl auch eine Erkenntnis aus dieser Geschichte, der wahrscheinlich alle Menschen zustimmen können. Jemand, der achtzig Jahre lang Rassist war, wird sich in seinem Altersstarrsinn auch nicht mehr so leicht ändern. C. S. Lewis hat das in „Das Wunder von Narnia“ einmal so ausgedrückt: „Und je länger und schöner der Löwe sang, desto mehr redete Onkel Andrew sich ein, dass es nur Gebrüll war, was er da hörte. Und wenn man versucht sich selbst dümmer zu machen, als man ist, dann gelingt einem das blöderweise auch meistens. So ging es jetzt Onkel Andrew. Schon nach kürzester Zeit hörte er tatsächlich nur noch Löwengebrüll. Ein kleines Weilchen später hätte er das Lied auch dann nicht mehr gehört, wenn er gewollt hätte.“)

Okay, soweit mal zu diesem Thema. Zuletzt, weil es gerade so gut passt, noch ein schönes Video aus einem der wenigen Bibelfilme, die ich wirklich mag. Auch wenn „Prince of Egypt“ an sich ebenso zur Verharmlosung neigt wie alle Bibelfilme für Kinder – dieses Lied hier ist schon rein musikalisch wirklich genial. Thus saith the Lord!

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