Der Kopp-Verlag informiert! – Von Außerirdischen und Apokalypsen

Vor zwei Tagen hatte ich unerwartete Post im Zeitungskasten: Einen Katalog vom Kopp-Verlag. Woher die meine Adresse bekommen haben, ist mir schleierhaft, aber vielleicht sollte ich ihnen trotzdem dankbar sein; schließlich bieten sie mir „Bücher, die Ihnen die Augen öffnen“. Brauche ich. Unbedingt. Worüber die Augen öffnen? Na, darüber natürlich, was alles an schröcklichen Dingen in der Welt vor uns Normalbürgern geheimgehalten wird!

Auf der Titelseite des Katalogs etwa wird dem geschätzten Kunden ein Werk präsentiert, das bezeugt, „[w]ie Hellseher weltweit seit Jahrhunderten eine 3-tägige Finsternis für unsere Zeit vorhersehen“. Besagte Finsternis soll während eines Weltkriegs auftreten, der beinahe – aber dann doch nicht ganz – zu einem Atomkrieg eskalieren wird (verhindert werden wird letzeres durch das Eingreifen „eine[r] kosmische[n], nicht irdische[n] Kraft“, so der Kopp-Verlag, und ausgelöst werden wird die Finsternis durch ein Himmelsphänomen). Aber keine Bange: Man kann sich vorbereiten. Mit den Handbüchern der Selbstversorgung und Krisenvorsorge, und mit den praktischen Primuskochern und Wasserfiltern, die ebenfalls im Katalog zu finden sind, sind Sie für Atomkriege, verheerende Meteoriteneinschläge und Alienangriffe gleichermaßen gerüstet. Gut gewarnt ist halb überlebt, oder so.

Ach ja, Aliens! Sie wussten noch nicht, dass die Götter der griechischen Mythologie ebenso wie die biblischen Engel in Wahrheit Außerirdische sind, die seit Jahrtausenden heimlich Kontakt mit der Menschheit haben? Jetzt wissen Sie’s. Geheimgehaltene archäologische Funde beweisen es!!! Ein anderer Autor wiederum kann aufzeigen, dass die US-amerikanische Regierung schon seit Kennedy zu denjenigen gehört, die den Kontakt mit den Außerirdischen halten (ob es dieselben Außerirdischen sind wie beim ersten Autor, weiß ich allerdings nicht; aber das Universum ist schließlich groß).

Die US-amerikanische Regierung – die sollte man allgemein nicht unterschätzen. Schließlich unterstützt sie auch den IS mit Militärberatern und so, um in Syrien ihre finsteren Pläne zu verwirklichen. Irgendwie gehört sie wohl auch zur globalen Finanzelite, die die Neue Weltordnung [großgeschrieben] herbeiführen will.

Irgendwann, wenn man so durch den Katalog blättert, fragt man sich, wo bei alldem eigentlich die Juden, die Freimaurer und die Jesuiten abgeblieben sind. Bringen die gar nichts mehr auf die Reihe? Okay, ich weiß nicht genau, ob die Juden vielleicht schon zur globalen Finanzelite zählen, und immerhin wird Israel unter den Ländern genannt, die Terroristen „Unterschlupf“ gewähren – ja, Sie haben richtig gelesen, Israel gewährt islamistischen Terroristen Unterschlupf, nein, nicht etwa, weil es auf einmal nationale Selbstmordpläne hegt, nein, das ist alles Teil des großen bösen Plans – , aber die Freimaurer tauchen praktisch nicht auf und die Jesuiten auch nicht. Ich bin allmählich schwer enttäuscht von unseren Leuten. Wenn man zu bedeutungslos wird, um in Verschwörungstheorien aufzutauchen, obwohl man da vor nicht allzu langer Zeit noch ganz vorne dabei war, sollte man eventuell mal die Ordensführung überdenken.

Man könnte sich ein Beispiel an den „Schulmedizinern“ nehmen: Die sind die Bösen einer ganzen Sparte angebotener Werke. Wir lernen: Wir müssen alle nur unsere Vitamine und Öle und unser Johanniskraut zu uns nehmen und den Buchweizen, die Chiasamen und die „Wunderwurzel Kurkuma“ nicht vergessen, und dann brauchen wir auch kein Kortison, keine Antibiotika und keine Antidepressiva mehr, denn schließlich leben die „Schulmedizin“ und die „Pharmaindustrie“ nur davon, uns krank zu halten, während die unterdrückten und verfolgten Homöopathen nur unser wahres Heil im Auge haben. Für nur 4,95 Euro („Preis-Hit“!) erhalten Sie ein kleines Handbuch zum richtigen Einsatz sämtlicher Schüßlersalze, und für 19,95 Euro erfahren Sie alles über die Heilkraft der Kokosnuss. Wenn Sie „Borreliose natürlich heilen“ wollen, müssen Sie annähernd dasselbe aufbringen, 19,90 Euro.

Auch ansonsten findet sich noch allerlei Nützliches beim Kopp-Verlag: Man kann von Vorahnungen, Reiki und Astralreisen lernen, von der „heilsame[n] Kraft des Segnens“, und von „Lichtbotschaften von den Plejaden“. Aber keine Angst, es ist nicht nur Esoterik da. Der Katholizismus kommt tatsächlich auch mal vor – kommt allerdings auch irgendwie zweischneidig weg. Auf Seite 12 wird ein Buch über „Das letzte Geheimnis von Fatima“ angepriesen, und es wird sogar ein Zitat von Papa emeritus Benedikt über den Marienerscheinungsort über der Buchbeschreibung angeführt, um die Autorität dessen zu untermauern, was auch immer in dem Buch dann geschrieben sein wird. Offenbar geht es darum, eine „prophezeite Katastrophe“ zu verhindern. In Fatima wurden nämlich nicht, wie man bisher glaubte, die Verfolgungen von Christen durch den Kommunismus im 20. Jahrhundert und das Attentat auf Johannes Paul II. prophezeiht, sondern irgendeine noch kommende Katastrophe, die irgendetwas mit dem IS zu tun haben muss – ich meine, wo kämen wir denn hin, wenn wir keine Katastrophen für die Zukunft mehr hätten, zu denen wir unheilvolle Prophezeiungen finden könnten.* Wie gesagt, soweit auf Seite 12. Auf Seite 46 dann erfahren wir von einem „Evangelium, das nicht in der Bibel steht“, kurz gesagt, dem Evangelium des Thomas, das, „[v]on der Kirche verfemt und unterdrückt“, doch die „ursprünglichsten, reinsten Worte Jesu“ beinhaltet, und hier nun übersetzt und kommentiert zu erwerben ist. (Wer will, kann es allerdings auch einfach online hier herunterladen: http://www.meyerbuch.de/pdf/Thomas-Evangelium.pdf Aber Vorsicht! Wer auf diesen Link klickt, den werde ich zu finden wissen (ich besitze nicht nur überlegene Hacker-Fähigkeiten, müssen Sie wissen, sondern auch überirdische Eingebungen, und ich WERDE SIE FINDEN KÖNNEN!!!), und den werde ich bei der Heiligen Inquisition melden, und in spätestens zwei Wochen wird er auf dem Petersplatz auf dem Scheiterhaufen brennen! [Man stelle sich an dieser Stelle bitte ein entsprechend schurkisches Lachen vor.])

Na ja, gut, im Katalog findet sich auch normales Zeug. Sogar in der Sparte „Medizin & Gesundheit“ finden sich ein paar Bücher, die aus mehr bestehen könnten als Warnungen vor den fürchterlichen Folgen von Impfungen und Besuchen bei Ärzten mit wissenschaftlicher Ausbildung. (Nein, an sich habe ich übrigens nichts gegen gesundes Essen und den Einsatz von Hausmittelchen, solange man keine Medikamente braucht. Da hat auch kein Arzt was dagegen.) Ein paar gewöhnliche trashige Historienromane mit Titeln wie „Die Ketzerbraut“ gibt es auch, gewöhnliche Bestseller aus dem Bereich Politik ebenso, und sogar einen Schulatlas oder Martin Luthers „95 Thesen. Lateinisch – Deutsch“. Tatsächlich hat der Katalog auffallend viel im Angebot, was nicht beim Kopp-Verlag selbst erschienen ist, sondern bei Heyne oder Droemer oder Knaur oder anderswo. Irgendwie muss man die 146 Seiten ja voll kriegen.

Was haben wir also gelernt: Glauben Sie nicht alles, was Sie hören und lesen. Glauben Sie nur, was in dem Enthüllungsbuch steht, das Sie gerade vor sich haben. Für 22,95 Euro beim Kopp-Verlag erhältlich.

 

PS: Na ja, vielleicht bestelle ich mir ja „Die Ketzerbraut“. Das dürfte für mindestens fünf klugscheißerische Blogartikel reichen, in denen ich mich über Vergangenheitsklischees und mangelnde Geschichtskenntnisse der deutschen Bevölkerung aufregen kann.

 

* Für alle, die sich mit der katholischen Position zu Fatima etc. nicht auskennen: Diese Botschaften zählen zu den „anerkannten“, d. h. von der Kirche erlaubten, Privatoffenbarungen – es ist den Katholiken freigestellt, an die Botschaften, die 1917 von der Gottesmutter Maria an drei Kinder aus dem portugiesischen Dorf Fatima überbracht worden sein sollen, zu glauben, aber wir müssen es nicht.

11 Gedanken zu “Der Kopp-Verlag informiert! – Von Außerirdischen und Apokalypsen

      1. Dann vertrittst du also einen neutralen Standpunkt bezüglich der Existenz von außerirdischen Wesen?

        Ich habe schon gehört, dass es Christen gibt, die die Existenz von Aliens eindeutig ausschließen, da sie nicht direkt in der Bibel erwähnt werden. Außerdem scheinen diese Christen einen Konflikt zwischen der Annahme, dass der Mensch die Krone der Schöpfung sei, und einer möglichen Existenz von Außerirdischen zu sehen. In diesem Kontext interessiert mich deine Meinung zum Thema Aliens.

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      2. Ja.

        Na ja, in der Bibel muss ja nicht alles erwähnt werden. Und Engel sind auch höher als Menschen. Theoretisch halte ich es schon für möglich, dass es Außerirdische gibt, die höher oder gleichrangig oder niedriger (außerirdische Tiere oder so etwas könnte es ja auch geben) als Menschen sind. Der Mensch wurde von manchen Theologen als Krone der Schöpfung in dem Sinne bezeichnet, dass er sowohl das Geistige als auch das Körperliche umfasst; aber wieso sollten wir uns diesen Platz nicht vielleicht mit menschenähnlichen Wesen teilen? Ist zwar nicht übermäßig wahrscheinlich, aber wäre doch möglich.

        Wie siehst du das denn selber?

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      3. „Ich habe schon gehört, dass es Christen gibt, die die Existenz von Aliens eindeutig ausschließen, da sie nicht direkt in der Bibel erwähnt werden.“

        Wir wollen uns doch hier nicht den üblichen protestantischen Missverständnissen hingeben. Die Trinitätslehre steht auch nicht sooo genau in der Bibel. Trotzdem glaube ich daran, weil beides aus der Kirche hervorgegangen ist.

        Aliens sind eine nette Gedankenübung. Aber selbst wenn es sie gibt und ein ganzes Bündel an Voraussetzungen erfüllt wäre (ich bin ziemlich skeptisch), sind sie wohl fern jeder Empirie.

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      4. Nicht ganz rhetorische Frage: Wo kommt eigentlich das Gerücht her, daß der Mensch nach katholischem Glauben die Krone der Schöpfung sei?

        Nicht nur Gott, sondern auch Engel sind z. B. nach einhelliger Meinung der Schultheologen von an sich von höherwertiger Natur als der Mensch, wenn auch einzelne Menschen (im wesentlichen die Gottesmutter; sonst noch wer?) auch über die Engel erhoben worden sind, was sie von Natur aus nicht gewesen wäre. (Weshalb die ihr verliehende Macht gerüchteweise dem Teufel besonders auf den Wecker geht.)

        (Sorry, wenn ich hier etwas wiederhole…)

        —–

        Zum Thema wäre erstmal die Frage aufzuwerfen, die man populär etwa so formulieren könnte: „Hatte Schmeichler doch recht?“

        (Herr Schmeichler, wer die Geschichte nicht kennt, wollte dem Elefanten B. Blümchen in Folge 40 „zieht aus“ weismachen, er sei gar kein richtiger Elefant, sondern vielmehr ein Mensch – weshalb er eine Wohnung mit Badewanne und rückfettenden Badezusätzen benötige, was er natürlich bei ihm mieten könne etc. Das hier Interessante ist, daß B. Blümchen die Kriterien der scholastischen Philosophie für „Menschsein“ *tatsächlich* erfüllt: denn das ist nämlich genau „vernunftbegabtes, sterbliches Lebenwesen sein“…)

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  1. >>schließlich leben die „Schulmedizin“ und die „Pharmaindustrie“ nur davon, uns krank zu halten

    In *gewissem* Sinn stimmt das übrigens manchmal sogar – und zwar bei neueren Errungenschaften häufiger als bei älteren:

    Wenn man gegen Pocken oder Masern impfen, gegen Scharlach, Tbc usw. Antibiotika geben kann, dann steigert das im landläufigen Sinn vmtl. tatsächlich die Volksgesundheit. Aber viele gerade der neueren Errungenschaften gehen darauf hinaus, z. B. länger mit Diabetes zu leben; einen Krebs zu überwinden unter Inkaufnahme von Behinderung; und so weiter. Das tut die Schulmedizin nun nicht aus bösem Willen, sondern aus gutem; und wir wollen nicht vergessen: sehr häufig ist das nicht schmerzliches Siechtum, sondern ein glückliches Leben; aber unterm Strich ist das Ergebnis eben schon, daß das Volk insgesamt kränker ist. (Ich kenne jemanden, der in jungen Jahren einen sehr schweren Krebs überlebt hat und ein glücklicher Familienvater und geistiger Arbeiter ohne Einschränkungen ist. Dank sei Gott und Dank sei der Schulmedizin! Schwerbehindertenausweis hat er aber schon.)

    Die, die die ohne Schulmedizin sonst halt der Tod aus der Statistik entfernt hätte, zählen mit Schulmedizin halt weiter mit.

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  2. Da es in unserem Universum Milliarden von Galaxien gibt, halte ich es für relativ wahrscheinlich, dass außerirdisches Leben in irgendeiner Form existiert. Sollte es sich dabei um menschenähnliches Leben handeln, würden sich aus theologischer Sicht interessante Fragestellungen ergeben:

    Inwiefern kann man Konzepte wie Erbsünde und Erlösung auf die Aliens anwenden?
    Haben die Außerirdischen überhaupt ein Verständnis von Religion? Ist ihnen das Konzept von Religion überhaupt bekannt?
    In welchem Verhältnis stehen die Aliens zu Gott?
    etc…

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    1. Da wäre dann vieles möglich. Aliens, die keinen Sündenfall hatten und sündenlos sind, Aliens, die einen eigenen Sündenfall hatten und denen Gott auch die Erlösung angeboten hat…

      (Um die erste Möglichkeit geht es übrigens in C. S. Lewis‘ Roman „Jenseits des schweigenden Sterns“.)

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  3. „Da es in unserem Universum Milliarden von Galaxien gibt, halte ich es für relativ wahrscheinlich, dass außerirdisches Leben in irgendeiner Form existiert.“

    Nein, vermutlich eher nicht.

    Der Hintergrund Ihrer Aussage sind ja das Fermi-Paradox und die Drake-Gleichung. Dazu gibt es ein recht neues paper (2018), publiziert bei der Royal Society London. Ich bin zwar kein Physiker/Mathematiker, aber wenn ich das richtig verstehe, werden die einzelnen Parameter der Drake-Gleichung anhand realistischer Unsicherheitsannahmen neu bewertet. Die Forscher kommen zum Schluss, dass wir damit allein in der Galaxie, wenn nicht im Universum sind. (Es ist natürlich klar, dass die Drake-Gleichung ein Modell und keine Empirie ist.)

    Hier der Link:
    https://arxiv.org/abs/1806.02404

    Wenn man es theologisch wendet: Es ist natürlich möglich, dass Gott Mensch und irgendwo anders auch noch Alien geworden ist. Vielleicht spricht aber die Tatsache, dass Gott Mensch geworden ist, vielleicht doch dafür, dass wir ziemlich alleine im Universum sind.

    Wenn ich aber ehrlich bin, halte ich Exotheologie für, naja, Schwachsinn. Halten wir uns an das, was wir empirisch erfahren können und was uns offenbart ist. Damit haben wir genug zu tun. Und wenn wir irgendwann irgendwelche Bakterien auf einem Jupiter- und Saturnmond finden (was ja durchaus im Rahmen des Denkbaren wäre), ändert das erstmal auch noch nicht so viel für uns.

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  4. Ich habe das neuere Paper zwar nicht gelesen, aber ich erinnere mich an eine Diskussion über das Fermi-Paradox (Wo sind die aliens alle?) und die Drake-Gleichung in einem Seminar Mitte/Ende der 1990er. Damals war die gängige Ansicht, dass es vermutlich einfach zu wenige erdähnliche Planeten gibt! Denn man hatte damals noch keinen einzigen haltbaren Hinweis auf Exoplaneten, schon gar nicht auf erdähnliche. Das hat sich seitdem offenbar geändert und es wurden zahlreiche Planeten „gefunden“. Ich nenne das nur als einen Hinweis auf die große Unsicherheit der Faktoren in solchen Abschätzungen. Der größte Unsicherheitsfaktor ist vermutlich aber der Unterschied zwischen Leben und intelligentem Leben. Wenn wie nach orthodoxer Ansicht ein besonderer Schöpfungsakt für menschliches/rationales Leben notwendig ist, ist unintelligentes extraterrestrisches Leben theologisch eher irrelevant. Es ist auch für „Contact“ irrelevant, da subrationale Lebensformen wohl keine Raumsonden bauen werden.

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