Über schwierige Bibelstellen, Teil 17: 1 Korinther 7 – von den ehelichen Pflichten und dem Vorrang der Jungfräulichkeit

Und wieder zur Erinnerung: „Das hat euch auch unser geliebter Bruder Paulus mit der ihm geschenkten Weisheit geschrieben; es steht in allen seinen Briefen, in denen er davon spricht. In ihnen ist manches schwer zu verstehen und die Unwissenden, die noch nicht gefestigt sind, verdrehen diese Stellen ebenso wie die übrigen Schriften zu ihrem eigenen Verderben.“ (2 Petrus 3,15f.)

Ich glaube, ich führe noch eine Regel ein: Regel Nummer 19 Paulus ist manchmal schwer zu verstehen, und das sagt sogar die Bibel selber.

 

Im ersten Korintherbrief schreibt Paulus:

„Nun zu dem aber, was ihr geschrieben habt: Es ist gut für den Mann, keine Frau zu berühren. Wegen der Gefahr der Unzucht soll aber jeder seine Frau haben und jede soll ihren Mann haben. Der Mann soll seine Pflicht gegenüber der Frau erfüllen und ebenso die Frau gegenüber dem Mann. Die Frau verfügt nicht über ihren Leib, sondern der Mann. Ebenso verfügt aber auch der Mann nicht über seinen Leib, sondern die Frau. Entzieht euch einander nicht, außer im gegenseitigen Einverständnis und nur eine Zeit lang, um für das Gebet frei zu sein! Dann kommt wieder zusammen, damit euch der Satan nicht in Versuchung führt, weil ihr euch nicht enthalten könnt. Das sage ich als Zugeständnis, nicht als Gebot. Ich wünschte, alle Menschen wären unverheiratet wie ich. Doch jeder hat seine eigene Gnadengabe von Gott, der eine so, der andere so. Den Unverheirateten und den Witwen sage ich: Es ist gut, wenn sie so bleiben wie ich. Wenn sie aber nicht enthaltsam leben können, sollen sie heiraten. Es ist nämlich besser zu heiraten, als sich in Begierde zu verzehren. […] Was aber die Unverheirateten betrifft, so habe ich kein Gebot vom Herrn. Ich gebe euch nur einen Rat als einer, den der Herr durch sein Erbarmen vertrauenswürdig gemacht hat. Ich meine, es ist gut wegen der bevorstehenden Not, ja, es ist gut für den Menschen, so zu sein. Bist du an eine Frau gebunden, suche dich nicht zu lösen; bist du ohne Frau, dann suche keine! Heiratest du aber, so sündigst du nicht; und heiratet eine Jungfrau, sündigt auch sie nicht. Freilich werden solche Leute Bedrängnis erfahren in ihrem irdischen Dasein; ich aber möchte sie euch ersparen. Denn ich sage euch, Brüder: Die Zeit ist kurz. Daher soll, wer eine Frau hat, sich in Zukunft so verhalten, als habe er keine, wer weint, als weine er nicht, wer sich freut, als freue er sich nicht, wer kauft, als würde er nicht Eigentümer, wer sich die Welt zunutze macht, als nutze er sie nicht; denn die Gestalt dieser Welt vergeht. Ich wünschte aber, ihr wäret ohne Sorgen. Der Unverheiratete sorgt sich um die Sache des Herrn; er will dem Herrn gefallen. Der Verheiratete sorgt sich um die Dinge der Welt; er will seiner Frau gefallen. So ist er geteilt. Die unverheiratete Frau aber und die Jungfrau sorgen sich um die Sache des Herrn, um heilig zu sein an Leib und Geist. Die Verheiratete sorgt sich um die Dinge der Welt; sie will ihrem Mann gefallen. Dies sage ich zu eurem Nutzen: nicht um euch eine Fessel anzulegen, vielmehr, damit ihr euch in rechter Weise und ungestört immer an den Herrn haltet. Wer sich gegenüber seiner Verlobten ungehörig zu verhalten glaubt, wenn sie herangereift ist und es so geschehen soll, der soll tun, wozu es ihn drängt, nämlich heiraten, er sündigt nicht. Wer aber in seinem Herzen fest bleibt, weil er sich in der Gewalt hat und seinem Trieb nicht ausgeliefert ist, wer also in seinem Herzen entschlossen ist, seine Verlobte unberührt zu lassen, der handelt gut. Wer seine Verlobte heiratet, handelt also gut; doch wer sie nicht heiratet, handelt besser. (1 Korinther 7,1-9.25-38)

Hier gibt es zwei Aussagen, die den heutigen Leser stören könnten:

  • Die Ehe ist nur ein Zugeständnis für die, die nicht enthaltsam leben können und ist minderwertig gegenüber der Jungfräulichkeit?
  • Das mit den ehelichen Pflichten – Sex als „Pflicht“?

Zum ersten Thema. Es ist wichtig, hier genau zu lesen, was Paulus schreibt. Er spricht in einigen seiner Briefe – 2 Korinther ist das beste Beispiel – sehr persönlich zu seinen Gemeinden; auch hier spricht er wieder darüber, was seine persönliche Idealvorstellung wäre, was er aber nicht zu einem allgemeinen Gebot erklären kann (und das ist ihm dabei sehr wohl klar) : „Ich wünschte, alle Menschen wären unverheiratet wie ich. Doch jeder hat seine eigene Gnadengabe von Gott, der eine so, der andere so.“ Dann ist es wichtig, zu sehen, dass Paulus hier keinen versteckten moralischen Druck aufbauen will, à la „Na ja, also… so richtig sündigen tut ihr jetzt nicht, wenn ihr heiratet, aber ihr solltet euch das lieber mal gut überlegen, es wäre schon besser, wenn ihr das nicht machen würdet…“. Nein, wenn er sagt, „Heiratest du aber, so sündigst du nicht“ oder „Wer seine Verlobte heiratet, handelt also gut“ oder „Was aber die Unverheirateten betrifft, so habe ich kein Gebot vom Herrn. Ich gebe euch nur einen Rat“, dann meint er das auch. Was nicht Sünde ist, darf man machen; hier lässt Gott uns jede Freiheit, und er nimmt es uns nicht übel, wenn wir uns für das an sich „Minderwertigere“ entscheiden. Denn noch eins sollte hier klar sein: Minderwertig heißt für Paulus eben nicht „schlecht“, wie wir das Wort oft verwenden, sondern „wertvoll, nur von minderem Wert gegenüber etwas noch Besserem“. Die Ehe ist gegenüber der Jungfräulichkeit für ihn so etwas wie die Arbeit eines Krankenpflegers gegenüber der eines Arztes; beides wichtig, beides gut (Gnadengaben vom Herrn), beides sogar unersetzlich, das eine eben für den einen Menschen geeignet, das andere für den anderen. Und ja, das ist immer noch offizielle Kirchenlehre: Die gottgeweihte Jungfräulichkeit bzw. Enthaltsamkeit steht an sich über der Ehe, wie z. B. Engel über Menschen stehen oder Apfelsaft nahrhafter ist als Leitungswasser. Man darf trotzdem Leitungswasser vorziehen.

Und was ist mit den Versen Ich wünschte aber, ihr wäret ohne Sorgen. Der Unverheiratete sorgt sich um die Sache des Herrn; er will dem Herrn gefallen. Der Verheiratete sorgt sich um die Dinge der Welt; er will seiner Frau gefallen. So ist er geteilt. Die unverheiratete Frau aber und die Jungfrau sorgen sich um die Sache des Herrn, um heilig zu sein an Leib und Geist. Die Verheiratete sorgt sich um die Dinge der Welt; sie will ihrem Mann gefallen.“? Heißt das, man kann als Verheirateter nicht so gut dem Herrn dienen wie als Unverheirateter? Man kann als Verheirateter sehr wohl sehr gut dem Herrn dienen, manchmal wohl auch besser als mancher Unverheiratete; vor allem natürlich indirekt, indem man sich um die einem anvertrauten Menschen und seine anderen weltlichen Aufgaben kümmert. Das gottgeweihte Leben ist hier wohl ein direkterer Dienst; man hat ohne Familie natürlich auch mehr Zeit für Gebet, karitative Aufgaben etc. (Allerdings ist das gottgeweihte Leben auch die Berufung, die zu allen Zeiten weniger Christen betraf als die typischen Laienberufungen. So, wie es mehr Hausärzte als Neurochirurgen braucht, braucht es in der Kirche auch mehr Laien.) Aber ja, Paulus spricht auch die ganzen Alltagssorgen an, die mit einer Familie kommen, und den Wunsch, dem Partner zu gefallen, was alles (z. B. auch bei Menschen mit nichtchristlichen Partnern) vielleicht auch mal dazu führen kann, dass jemand den Glauben vernachlässigt. Paulus meint hier schlicht und einfach, dass es mit weniger weltlichen Sorgen einfacher ist, sich auf Gott zu konzentrieren – was auch Jesus im Gleichnis vom Sämann in gewisser Weise anspricht: „In die Dornen ist der Samen bei dem gefallen, der das Wort hört, und die Sorgen dieser Welt und der trügerische Reichtum ersticken es und es bleibt ohne Frucht.“ (Matthäus 13,22). Das ist eine Erkenntnis, die nicht dazu führen muss, dass jeder Christ sich sämtliche weltlichen Sorgen sparen soll – das wäre weder möglich noch sinnvoll –, sondern dazu, dass die, die aufgrund ihrer Lebensumstände viele weltliche Sorgen haben, besonders darauf achten sollten, Gott im Alltag nicht zu vergessen. Sowohl die Ehe als auch das gottgeweihte Leben haben ihre eigenen Schwierigkeiten, aber sie haben eben beide auch ihre ganz praktischen Vorteile; in der Ehe ist es leichter, sich an das sechste Gebot zu halten, wie Paulus hier erwähnt, im gottgeweihten Leben ist es leichter, sich auf Gott zu konzentrieren. (Das gilt wohl vor allem, seitdem wir Klostergemeinschaften mit festem Tagesablauf aus Gebet und Arbeit haben.)

Okay, jetzt zum zweiten Thema: Die ehelichen Pflichten. Nun könnte man es hier einfach komisch finden, ehelichen Sex im Sinne gegenseitiger Pflichten regeln zu wollen; man könnte in der Kritik aber auch noch weitergehen und sagen (was ich auf manchen atheistischen Seiten schon gelesen habe), dass, wenn man ein solches Konzept annehmen würde, man Vergewaltigung in der Ehe nicht mehr wirklich verurteilen könnte. Wenn die Frau ihre Pflicht gegenüber dem Mann erfüllen muss, na…

Dieser Kritik liegt allerdings schon mal grundsätzlich eine völlig falsche Vorstellung von dem Begriff „Pflicht“ zugrunde. Wenn jemand anderer eine Pflicht mir gegenüber hat, dann heißt das nicht, dass ich ihn automatisch dazu zwingen darf, sie zu erfüllen. In Canon 1151 des Codex des Kanonischen Rechts heißt es zum Beispiel „Die Ehegatten haben die Pflicht und das Recht, das eheliche Zusammenleben zu wahren“ (http://www.vatican.va/archive/DEU0036/__P45.HTM); aber das bedeutet nicht, dass eine Frau, deren Mann sie verlassen will, das Recht hat, ihn in der Wohnung einzusperren. Sollte klar sein, oder?

Dann sollte man beachten, dass der katholischen Moraltheologie nach grundsätzlich keine positive Pflicht vollkommen ausnahmslos gilt. Positive Pflichten (Gebote, die eine bestimmte Handlung befehlen, im Unterschied zu Geboten wie „Du sollst nicht töten“, die eine Unterlassung befehlen) müssen für den jeweiligen Menschen überhaupt erst mal erfüllbar sein. Wenn also z. B. jemand die Grippe hat, oder ein krankes Kind pflegen muss, oder als Ärztin oder Feuerwehrmann im Schichtdienst arbeiten muss, oder kein Auto hat und die Kirche zu weit entfernt ist, um zu Fuß zu gehen, dann kann der seine Sonntagspflicht nicht erfüllen und ist damit von ihr entschuldigt. Ein anderes Beispiel: Auch im oben erwähnten Canon heißt der zweite Teil des Satzes „…außer ein rechtmäßiger Grund entschuldigt sie davon“. Mögliche rechtmäßige Gründe für eine Trennung vom Ehepartner werden dann in den nächsten Canones aufgeführt (Ehebruch, „Wenn einer der Gatten eine schwere Gefahr für Seele oder Leib des anderen Gatten oder der Kinder herbeiführt oder auf andere Weise das gemeinschaftliche Leben unerträglich macht“). Genauso kann es auch alle möglichen legitimen Gründe geben, die „ehelichen Pflichten“ nicht zu erfüllen.

Ach ja, übrigens war es in der Antike keineswegs so, dass mit der Vorstellung von den ehelichen Pflichten hauptsächlich die Frauen auf Linie gebracht werden sollten – eher war die Vorstellung verbreiteter, Frauen bräuchten Sex und die Männer müssten ihnen gegenüber die Pflicht erfüllen. Daher zum Beispiel die alttestamentliche Regelung „Nimmt er sich noch eine andere Frau, darf er sie [eine erste Frau, die ursprünglich als Sklavin gekauft wurde] in Nahrung, Kleidung und Beischlaf nicht benachteiligen“ (Exodus 21,10) oder die Stelle im Koran, wo es heißt „Und jene [Ehefrauen], von denen ihr Widerspenstigkeit befürchtet, ermahnt sie, lasst sie allein in den Betten und straft sie“ (Sure 4,34; wobei „straft“ in den meisten Übersetzungen eher mit „schlagt“ wiedergegeben wird, aber darum geht es hier nicht). Die Vorstellung drehte sich eher im viktorianischen 19. Jahrhundert, wo die Ansicht populärer wurde, dass hauptsächlich Männer Sex wollen und Frauen asexuelle Engelchen (oder aber im Ausnahmefall verführerische böse femme fatales) sind. Paulus hält offensichtlich beide Ansichten für zu einseitig; jedenfalls ist der Text hier geprägt von Gegenseitigkeit: „Der Mann soll seine Pflicht gegenüber der Frau erfüllen und ebenso die Frau gegenüber dem Mann. Die Frau verfügt nicht über ihren Leib, sondern der Mann. Ebenso verfügt aber auch der Mann nicht über seinen Leib, sondern die Frau.“

Okay, die schlimmsten Einwände wären damit abgehakt. Aber trotzdem bleibt noch das Argument: Was soll dieser Ausdruck überhaupt? Wieso Pflicht? Sollte es hier nicht um Liebe gehen?

Erst einmal, denke ich, sollten wir bestimmte Ausdrucksweisen der damaligen Zeit nicht überbewerten. Man könnte Paulus’ Aussage auch ganz einfach verstehen als „bestraf deinen Partner nicht ohne Grund mit Liebesentzug“. Ich denke, dem Apostel geht es hier auch um so etwas wie normale Beziehungspflege und Rücksichtnahme (er redet ja auch von Dingen wie „gegenseitige[m] Einverständnis“) – und natürlich sorgt er sich um die „Gefahr der Unzucht“. Und dann spielt da natürlich die Vorstellung hinein, dass man in der Ehe, wo man „ein Fleisch“ ist, in gewissem Sinne nicht mehr „sich selbst gehört“ – diese romantische Vorstellung von „Ich bin jetzt dein“ sozusagen ins Praktische übersetzt. Das gilt ja auch für andere Situationen: Wenn man verheiratet ist, lebt man eben nicht nur für sich selbst, sondern wenn der Partner z. B. Probleme hat, unterstützt man ihn, wenn er Erfolg hat, freut man sich mit ihm, etc. Man nimmt an ihm Anteil und geht auf seine Gefühle ein.

Und dann sollten wir natürlich die grundsätzliche Vorstellung loswerden, dass Liebe und Pflicht miteinander unvereinbar wären. Wir sollen Gott lieben, oder? Trotzdem reden wir beim Besuch der Messe auch von der Sonntagspflicht. Natürlich geht man normalerweise nicht nur deshalb zur Sonntagsmesse, weil das halt so Pflicht ist; aber manchmal, wenn man sich am Sonntagmorgen eigentlich eher nach Ausschlafen fühlt, bietet der Gedanke an die von der Kirche festgeschriebene Sonntagspflicht die restliche benötigte Motivation. Und wenn man dann da ist, ist die Messe jedes Mal – na ja, einfach die Messe, wunderschön. Auch in einer Beziehung geht es nicht immer ohne Pflichten – ganz allgemein gesprochen, meine ich. Klar liebt man sich, aber manchmal tut man etwas für den Partner (z. B. zum Besuch bei den Verwandten des anderen mitkommen) auch eher deshalb, weil es so ausgemacht war und man in einer Beziehung eben etwas füreinander tut, als weil man sich gerade so liebevoll fühlt.

Ich fühle mich gerade an eine Folge von The Big Bang Theory erinnert, in der Penny Sheldon zu einer Vorstellung ihres Schauspielkurses einlädt, woraufhin der sofort ablehnt („Das klingt furchtbar, wieso sollte ich da hingehen?“ – Sheldon ist Autist oder etwas in der Art, jedenfalls wirkt er so). Nachdem Sheldon von seinem Mitbewohner Leonard darauf aufmerksam gemacht wurde, dass Freunde nun einmal so etwas füreinander tun, geht er wieder nach gegenüber zu Penny und sagt doch zu. Sie ist beleidigt und erklärt, dass sie wollte, dass er mitkommt, weil er mitkommen will, nicht weil er mitkommen soll. Sie reden ein wenig aneinander vorbei („Darf ich mitkommen, weil ich mitkommen wollen soll?“) und schließlich sagt Penny genervt „Ach, komm einfach mit!“, worauf Sheldon antwortet „Okay – nicht, dass ich will, aber so klingt’s sinnvoll“ und geht. Die Szene ist schon gut.

Hier wird jedenfalls zweierlei klar: Wenn es von Anfang an für Sheldon klar gewesen wäre, dass man einfach für gewöhnlich zu Veranstaltungen, die Freunden wichtig sind, mitgeht, weil sich das so gehört (Freundschaftspflichten, könnte man sagen), hätte es kein Problem gegeben. Aber: Man will, auch wenn man es irgendwie von ihnen erwartet, eigentlich auch nicht, dass die Freunde bloß gezwungenermaßen mitkommen, wie man an Penny sieht. (Das Sinnvollste ist dann natürlich, ein gutes Theaterstück auf die Bühne zu stellen, zu dem sie gern kommen. Sie ständig zu langweiligen Veranstaltungen mitzuschleppen, verstößt auch wieder gegen den guten Ton. Am besten findet man was, was alle genießen können.)

Worauf ich hinauswollte: Die grundsätzliche Annahme, dass Liebe und Pflicht völlige Gegensätze wären, ist falsch. Auch wenn man Paulus’ Formulierungen hier vielleicht seltsam finden kann.

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7 Gedanken zu “Über schwierige Bibelstellen, Teil 17: 1 Korinther 7 – von den ehelichen Pflichten und dem Vorrang der Jungfräulichkeit

  1. Ehrlich gesagt finde ich, daß so richtig „Regel 19“ an sich ist, dies hier kein wirklicher Anwendungsfall ist…

    Paulus drückt sich hier eigentlich sehr klar aus.

    (Und sagt so ziemlich, was Du sagst, dass er sagt…)

  2. Funfact:

    Übrigens steht auch im deutschen staatlichen BGB was von „Die Gatten schulden einander die eheliche Lebensgemeinschaft“; nach einhelliger Auslegung ist damit insbesondere Sex gemeint. Die ZPO jedenfalls sieht ausdrücklich vor, daß dieser Anspruch nicht zwangsvollstreckt werden kann…

  3. Übrigens halte ich die Stelle

    >>Der Unverheiratete sorgt sich um die Sache des Herrn; er will dem Herrn gefallen. Der Verheiratete sorgt sich um die Dinge der Welt; er will seiner Frau gefallen. So ist er geteilt. Die unverheiratete Frau aber und die Jungfrau sorgen sich um die Sache des Herrn, um heilig zu sein an Leib und Geist. Die Verheiratete sorgt sich um die Dinge der Welt; sie will ihrem Mann gefallen.

    für nicht nur sehr eingängig, sondern auch von einem außerordentlichen Realismus geprägt.

    Wenn man die Stelle gekonnt mit richtig gesetzten Betonungen (auf „Herrn“, „Welt“, „Frau“, „Mann“) vorliest, wird man in der Regel zustimmende Lacher in der Zuhörerschaft hören, nach dem Motto „ja genau so isses“. (Ähnlich wie bei dem berühmten „Wenn das die Stellung des Mannes in der Ehe ist, ist es nicht gut zu heiraten.)

    Was übrigens ein durchaus allgemein harmonisches Familienleben annimmt. Schön, nicht?

    Paulus waren natürlich die Predigtgewohnheiten späterer Generationen und insbesondere der nichtkatholischen Teile späterer Generationen, das Piesacken hin zu einem gewünschten Verhalten usw. nicht bekannt, können ihm also auch nicht vorgehalten werden. Wenn Er sagt „wer heiratet, sündigt nicht“, dann meint er – wie Du sehr richtig bemerkt hast – genau das.

    Und wenn man in derselben Unvoreingenommenheit einmal diese Sätze so anschaut, dann ist offensichtlich, daß Paulus hier eine offensichtliche und menschlich sehr nachvollziehbare Tatsache beschreibt (von der es Ausnahmen geben mag – insbesondere ist die Frage, ob bei den Männern der verlobte sowie der auf Brautschau befindliche Mann wirklich zu den „Unverheirateten“ in diesem Sinne gehören). Mit sich selbst ist eben leicht aus religiösen Gründen Opfer weltlichen Komforts zu bringen (d. h. vergleichsweise leicht); aber seiner Frau will der Mann nicht zumuten, einen zwar mit nur Wenigem zufriedenen, aber auch nur Weniges habenden religiösen Sonderling und das Gegenteil eines Mannes von Welt zum Gatten zu haben; und umgekehrt.

    Und nun sagt Paulus nicht „sich um Weltliches kümmern ist verboten“ – für den Klang des Wortes „weltlich“ in neuzeitlichen Kreisen kann man ihn nicht verantwortlich machen -; sondern er sagt: „sich um Weltliches kümmern bedeutet Streß; geht lieber ins Kloster, das ist bequemer“[*] („freilich werden solche Leute Bedrängnis erfahren“), ach ja und den Herrn verehren könnt er, wenn ihr frei seid, ohnehin besser, nämlich direkter. (Freilich, auch wenn Paulus das nicht sagt, ist auch der Dienst am Ehegatten ein verdienstvoller Gottesdienst, aber es ist eben um eine Ecke herum und nicht direkt.)

    [* Mir scheint, er ist in puncto „Aufnahmekriterien fürs Kloster“ weit laxer als heutige Äbte, geschweige denn heutige Motivationsprediger.]

    (Mir ist bewußt, daß Du das alles im Grunde schon geschrieben hast, ich will nicht eine Lücke schließen, sondern bloß noch eigene Gedanken ausbreiten^^)

    1. Wobei er im 1. Timotheusbrief bei den Kriterien für die gottgeweihten Witwen wieder strenger ist, muss man sagen.

      Die Einstellung „geht lieber ins Kloster, das ist bequemer“ kann ich übrigens gut verstehen 🙂 Familienleben ist Stress, vor allem mit Kindern…

      1. Stimmt. Ein Erklärungsansatz könnte sein, daß eine „Witwe“ (wie man tatsächlich öfter hört) dasselbe wie eine andernorts so genannte Diakonisse und diese wiederum eine Amtsträgerin (einer heutigen Kirchenpflegerin oder Pfarrgemeinderatsvorsitzenden vergleichbar?) der Ortskirche war…

      2. Macht Sinn. Die Witwen, um die es hier geht, wurden ja anscheinend auch von der Kirche versorgt, da ist es logisch, dass er strenger ist. Im Korintherbrief klingt es ja, anders als dort, auch nicht so, als hätte er was gegen junge gottgeweihte Frauen.

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