„Den Himmel überlassen wir den Engeln und den Spatzen“

„Ein kleines Harfenmädchen sang.
Sie sang mit wahrem Gefühle
Und falscher Stimme, doch ward ich sehr
Gerühret von ihrem Spiele.

Sie sang von Liebe und Liebesgram,
Aufopfrung und Wiederfinden
Dort oben, in jener besseren Welt,
Wo alle Leiden schwinden.

Sie sang vom irdischen Jammertal,
Von Freuden, die bald zerronnen,
Vom jenseits, wo die Seele schwelgt
Verklärt in ew’gen Wonnen.

Sie sang das alte Entsagungslied,
Das Eiapopeia vom Himmel,
Womit man einlullt, wenn es greint,
Das Volk, den großen Lümmel.

Ich kenne die Weise, ich kenne den Text,
Ich kenn auch die Herren Verfasser;
Ich weiß, sie tranken heimlich Wein
Und predigten öffentlich Wasser.

Ein neues Lied, ein besseres Lied,
O Freunde, will ich euch dichten!
Wir wollen hier auf Erden schon
Das Himmelreich errichten.

Wir wollen auf Erden glücklich sein,
Und wollen nicht mehr darben;
Verschlemmen soll nicht der faule Bauch,
Was fleißige Hände erwarben.

Es wächst hienieden Brot genug
Für alle Menschenkinder,
Auch Rosen und Myrten, Schönheit und Lust,
Und Zuckererbsen nicht minder.

Ja, Zuckererbsen für jedermann,
Sobald die Schoten platzen!
Den Himmel überlassen wir
Den Engeln und den Spatzen.

Und wachsen uns Flügel nach dem Tod,
So wollen wir euch besuchen
Dort oben, und wir, wir essen mit euch
Die seligsten Torten und Kuchen.

Ein neues Lied, ein besseres Lied!
Es klingt wie Flöten und Geigen!
Das Miserere ist vorbei,
Die Sterbeglocken schweigen.“

(aus: Heinrich Heine, „Deutschland. Ein Wintermärchen“, Caput I; http://gutenberg.spiegel.de/buch/deutschland-ein-wintermarchen-383/2)

Mit Heinrich Heine verbindet mich ja so eine Art Hassliebe. Seine schriftstellerische Genialität ist offensichtlich, sein Humor ebenso, Balladen wie „Loreley“ oder „Belsazzar“ sind toll; die inhaltliche Seite seiner politischen/weltanschaulichen Gedichte ist wieder was anderes. Wenn er etwa in „Zur Beruhigung“ bedauernd feststellt, dass die Deutschen zu wenig gewalttätig und revoluzzermäßig veranlagt seien, dann macht er das auf sehr (sehr!) witzige Weise, aber die Botschaft… na ja. Man hat oft große Sympathie für seine Anliegen, aber seine Lösungen kann man nicht immer so ganz annehmen.

Ähnlich hier. Diese Art der Religionskritik, die man bei einem mit Marx befreundeten Dichter wohl erwarten kann, ist einem ja mittlerweile sattsam bekannt: Die Religion vertröstet auf ein besseres Jenseits, stellt die Erde als ein Jammertal dar, das man eben ertragen, nicht verbessern muss, und zementiert damit die Herrschaft der heuchlerischen Kirchenfürsten über das geplagte Volk.

Heine hat keine Ahnung von Bibel und Christentum, das ist das Problem, oder er verdreht einfach die Fakten.

Aquarellkopie des Basler Totentanzes von 1806 (Johann Rudolf Feyerabend) ()

(Aquarellkopie des Basler Totentanzes von 1806 (nach dem Fresko von ca. 1440), Quelle: Wikimedia Commons)

Das Lied von den „Freuden, die bald zerronnen / Vom Jenseits, wo die Seele schwelgt / Verklärt in ew’gen Wonnen“, kurz, von der Endlichkeit des irdischen Lebens und der eigentlichen Wichtigkeit des ewigen Lebens, ist gerade eine Mahnung an Leute wie jene, die Heine als „die Herren Verfasser“ darstellt. Es enthält nämlich eigentlich nicht nur die Verheißung vom ewigen Lohn, sondern auch die Verheißung der ewigen Strafen, kurz, die Verheißung vom Gericht. Diese Welt hat nicht das letzte Wort; ein höherer Richter wird am Ende die Gerechtigkeit wiederherstellen, die Hochmütigen und Mächtigen und Heuchler vom Thron stürzen und die Niedrigen erhöhen. Das ist die Botschaft des Magnificats, die Botschaft von Jesu Gerichtsreden, die Botschaft des Jakobusbriefs, die Botschaft von Propheten wie Amos, Hosea, Jesaja… Die Bibel wurde eben nicht von den Mächtigen geschrieben. Und speziell das Mittelalter, obwohl auch die Mächtigen in dieser Zeit dann Christen waren, erinnerte übrigens alle weltlichen oder kirchlichen Mächtigen ständig daran: Auch euer Leben wird enden. Seht euch vor, was ihr tut. In sämtlichen Totentanzdarstellungen führt der Tod unterschiedslos auch Päpste, Könige, Kardinäle, Adlige mit sich; der Schriftsteller Dante steckt Päpste in seine Hölle. Ja, ich weiß, Heine konzentriert sich in seiner Kritik auf die Frohbotschaft, nicht auf die Drohbotschaft des Christentums. Vielleicht vernachlässigte der Klerus letztere zu seiner Zeit. Aber natürlich gehören Frohbotschaft und Drohbotschaft zusammen: Wenn ihr euch gut verhaltet (also z. B. eure Macht recht gebraucht), kriegt ihr dafür die ewigen Wonnen, wenn ihr dagegen zu schlecht seid… na ja. (Etwas platt dargestellt.) Heine scheint diese Botschaft komplett verpasst zu haben; diese völlige Unkenntnis des christlichen Gottes kommt etwa auch in „Die schlesischen Weber“ (http://www.literaturwelt.com/werke/heine/weber.html) zum Vorschein. (Ein ansonsten tolles Gedicht mit Gänsehautfaktor und einer Botschaft, die ein alttestamentlicher Prophet nicht besser hätte formulieren können: Ungerechte Herrschaftsausübung wird zu eurem Untergang führen.)

(Fragment eines Totentanzes aus Tallinn, Replik nach dem Lübecker Totentanz, um 1500; Quelle: Wikimedia Commons)

Zu seiner eigentlichen Kritik. Verhindert die Lehre des Christentums Versuche, die Welt zu verbessern? Nö, richtig verstanden tut sie das gerade nicht. Wenn mittelalterliche Mönche gegen Zinswucher wetterten und Adlige dazu bewegten, in ihren Testamenten Spitäler zu stiften, um sich Zeit im Fegefeuer zu ersparen, veränderten sie ja wohl etwas. Und das Christentum ist natürlich dafür, die Welt so weit zu verbessern, wie es möglich ist. Es sieht dafür nicht alle Mittel als zulässig an, und es hält das irdische Wohl nicht für das höchste Ziel, aber ja, selbstverständlich ist es auch für rein materielle Weltverbesserung, und hat in der Hinsicht auch einiges erreicht. Wurden christliche Lehren im Lauf der Geschichte irgendwann mal in falscher Weise dafür gebraucht, Änderungen an ungerechten Systemen zu blockieren? Ja, natürlich. So wie zu allen Zeiten an sich gute Ideen oft dafür verdreht wurden, falsche politische Zustände zu rechtfertigen oder falsche politische Ziele durchzusetzen. Christliche Ideen wurden auch schon (trotz deren genereller Religionsfeindlichkeit) von Sozialisten zitiert, oder heute von Putin. Auch die Fürsten früherer Zeiten bedienten sich ihrer, gerne etwa der Paulusstelle, in der es heißt „Jeder ordne sich den Trägern der staatlichen Gewalt unter. Denn es gibt keine staatliche Gewalt außer von Gott; die jetzt bestehen, sind von Gott eingesetzt“ (Römer 13,1). Aber Paulus schrieb sie nicht als einer, der Wasser predigte und Wein trank und im Dienst der Obrigkeit von solchen Lehren profitierte, sondern als Angehöriger einer verfolgten Minderheit, der von der Obrigkeit hingerichtet werden sollte, und er schrieb sie auch nicht, um Ungerechtigkeiten zu rechtfertigen. (Und ja, seine Lehre hat grundsätzlich sehr wohl ihre Berechtigung – die staatliche Gewalt hat ihren Platz in der göttlichen Ordnung, da Anarchie der Gerechtigkeit entgegenstehen würde. Aber genauer dazu vielleicht ein andermal.)

Ach ja, was ist eigentlich mit denjenigen Herren Verfassern (ich nehme mal an, hier ist kollektiv der Klerus gemeint), die nicht heimlich Wein tranken? Heine muss von ihnen gewusst haben, von den Priestern, die während der Französischen Revolution Hinrichtung oder Deportation in die Kolonien auf sich nahmen, anstatt den Verfassungseid zu leisten oder ihr Priesteramt niederzulegen, den für ihre Weigerung, ihr Ordensleben aufzugeben, guillotinierten Nonnen von Compiègne, oder meinetwegen auch von all den Heiligen früherer Zeiten, die Klöster gegründet und Arme versorgt und asketisch gelebt hatten. Zählen die so gar nicht? Vor allem, da das Lied an sich schon gedichtet wurde, als die ursprünglichen Herren Verfasser eben so gar keine weltliche Macht hatten, sondern eher unter weltlicher Verfolgung litten, ganz am Anfang der Christenheit?

Guillaume Repin

(Darstellung des sel. Märtyrers Guillaume Répin (1709-1794) bei der Zelebration einer illegalen Messe im Wald, in einem Kirchenfenster in Saint-Louis-du-Champ-des-Martyrs of Avrillé, Quelle: Wikimedia Commons)

Das Problem hier ist wirklich, dass Heine einige Fakten entweder nicht kennt oder aber bewusst ignoriert. Vor allem folgende:

  • Es gibt Leid, an dem man nichts ändern kann, jedenfalls nicht durch die Umverteilung von Gütern. Etwa Krankheiten, für die noch keine Heilmittel gefunden wurden, oder auch Leid in zwischenmenschlichen Beziehungen, das unter Umständen schlimmer sein kann als materielles Leid (Einsamkeit, Verluste, Enttäuschungen durch andere Menschen, Mobbing…). Und, ich will nicht übermäßig pingelig werden, aber zu manchen Zeiten der Weltgeschichte wären die Leute sogar bei einer vollkommen gerechten Verteilung der Güter auch noch so einigem materiellen Leid ausgesetzt gewesen, zum Beispiel einfach deswegen, weil es nicht genug Güter gab. Vor der Neolithischen Revolution etwa, als die Menschen Jäger und Sammler waren und es noch wenig soziale Ungleichheit gab, gab es sicher mehr Leid durch Hunger, Durst, Kälte, Hitze, Verletzungen, Krankheiten als, sagen wir mal, im Deutschland des 21. Jahrhunderts. Wenn Heine schreibt „Es wächst hienieden Brot genug / für alle Menschenkinder“ dann hat er zwar sowohl für seine als auch für unsere Zeit wahrscheinlich schon Recht; hier ist tatsächlich bloß ungerechte Verteilung das Problem, wenn Leute hungern. (Und übrigens, entgegen anderslautender Gerücht, nicht Überbevölkerung! Entschuldigung, ich sollte beim Thema bleiben.) Aber wenn er dann auch noch „Schönheit und Lust“ erwähnt – da wird es eben schwieriger. Ich nehme das mal als Chiffre für ein angenehmes, genüssliches Leben. Das wird leider durch Wohlstand nicht garantiert. Eine Depression, ein manipulativer Partner, ein schwer behindertes Kind, oder auch eine persönliche Sinnkrise und Unzufriedenheit können da einen Strich durch die Rechnung machen.
  • Der Versuch, durch eine gewaltsame Revolution eine gerechte Welt zu erschaffen, ist in der Regel nicht erfolgreich oder schafft zumindest erst einmal viel Leid, bevor er irgendwelche Erfolge aufweisen kann. Heine hätte schon wissen können, dass auf die Französische Revolution zuerst Chaos und Gewalt und die „Schreckensherrschaft“, dann eine Militärdiktatur, und dann die Rückkehr des alten Königshauses folgten, auch wenn er die ganzen späteren Revolutionen des 20. Jahrhunderts noch nicht erlebt hatte. Ja, ich weiß, in diesen Versen speziell werden keine Methoden zur Erschaffung der besseren Welt erwähnt, aber anderswo wird deutlich, dass Heine nicht bloß für friedliche Reformen und gewaltlose Proteste war. Und das hat nicht funktioniert, wie wir heute sehr genau wissen. Die grundsätzliche Erwartung, eine völlig leidfreie Welt erschaffen zu können, hat natürlich niemals funktioniert, egal auf welchem Weg, wie schon oben gesagt. „Wir wollen hier auf Erden schon / das Himmelreich errichten.“ Funktioniert nicht. Mehrmals erprobt, funktioniert nicht.
  • ES GIBT DEN TOD. Oh, ja, Heine erwähnt den Tod schon. Ihm ist irgendwo bewusst, dass er existiert. Er meint nur, dass wir ihn zu ignorieren hätten. Aber er schreibt davon, ein Himmelreich zu errichten, und sein Himmelreich würde noch das Leid enthalten, das durch den Verlust eines Kindes, den Verlust der Eltern, den Verlust von Freunden, oder auch einfach durch die Aussicht auf die eigene Endlichkeit entsteht. Ich definiere „Himmelreich“ anders.

Die Existenz des Todes bedeutet noch etwas. Das kann ich wohl am besten mit einer Stelle aus G. K. Chestertons „Ballad of the White Horse“ (https://www.gutenberg.org/files/1719/1719-h/1719-h.htm) ausdrücken. Hier gerät König Alfred bei einer Begegnung mit einer armen Frau (die ihn, der in den schweren Zeiten der Wikingerangriffe des 8. Jahrhunderts allein im Wald unterwegs ist, nicht erkennt, und deren Brote er später aus Versehen verbrennen lässt) ins Grübeln. Er denkt sich Folgendes:

„But in this grey morn of man’s life,
Cometh sometime to the mind
A little light that leaps and flies,
Like a star blown on the wind.

„A star of nowhere, a nameless star,
A light that spins and swirls,
And cries that even in hedge and hill,
Even on earth, it may go ill
At last with the evil earls.

„A dancing sparkle, a doubtful star,
On the waste wind whirled and driven;
But it seems to sing of a wilder worth,
A time discrowned of doom and birth,
And the kingdom of the poor on earth
Come, as it is in heaven.

„But even though such days endure,
How shall it profit her?
Who shall go groaning to the grave,
With many a meek and mighty slave,
Field-breaker and fisher on the wave,
And woodman and waggoner.

„Bake ye the big world all again
A cake with kinder leaven;
Yet these are sorry evermore—
Unless there be a little door,
A little door in heaven.“

Selbst wenn der Traum von Gerechtigkeit auf Erden jemals wahr werden sollte, fragt sich König Alfred, was wird es all denen nützen, die gelitten haben und gestorben sind, ohne diese Gerechtigkeit je erlebt zu haben? „Yet these are sorry evermore – / Unless there be a little door, / A little door in heaven.“ Heine scheint seine Botschaft tatsächlich für eine tröstende Botschaft zu halten („Ein neues Lied, ein besseres Lied! Es klingt wie Flöten und Geigen!“); dabei ist sie eher ein verzweifelter Notfallplan. Wenn es niemanden gibt, der am Ende die Gerechtigkeit für alle Menschen wiederherstellen und barmherzig alles zum Guten führen und Leben über diese Welt hinaus bieten wird, dann versuchen wir eben, aus dieser Scheißwelt hier das Beste zu machen und für die Menschen, die jetzt oder in Zukunft noch leben, so viel Glück wie möglich herauszuschlagen. Ich kann da keinen besonderen Anlass zur Freude entdecken.

Ein weiterer Punkt. Ich finde es sehr interessant, Heines Gedicht mit dem zweiten Kapitel aus dem Buch der Weisheit zu vergleichen: „Sie tauschen ihre verkehrten Gedanken aus und sagen: Kurz und traurig ist unser Leben; für das Ende des Menschen gibt es keine Heilung und man kennt keinen, der aus der Unterwelt befreit. Durch Zufall sind wir geworden und danach werden wir sein, als wären wir nie gewesen. Rauch ist der Atem in unserer Nase und das Denken ein Funke beim Schlag unseres Herzens; verlöscht er, dann zerfällt der Leib zu Asche und der Geist verweht wie dünne Luft. Unser Name wird mit der Zeit vergessen, niemand erinnert sich unserer Werke. Unser Leben geht vorüber wie die Spur einer Wolke und löst sich auf wie ein Nebel, der von den Strahlen der Sonne verscheucht und von ihrer Wärme zu Boden gedrückt wird. Unsere Zeit geht vorüber wie ein Schatten, unser Ende wiederholt sich nicht; es ist versiegelt und keiner kommt zurück. Auf, lasst uns die Güter des Lebens genießen und die Schöpfung auskosten, wie es der Jugend zusteht! Erlesener Wein und Salböl sollen uns reichlich fließen, keine Blume des Frühlings darf uns entgehen. Bekränzen wir uns mit Rosen, ehe sie verwelken. Keine Wiese bleibe unberührt von unserem Treiben, überall wollen wir Zeichen der Fröhlichkeit zurücklassen; denn dies ist unser Anteil und dies das Erbe. Lasst uns den Gerechten unterdrücken, der in Armut lebt, die Witwe nicht schonen und das graue Haar des betagten Greises nicht scheuen! Unsere Stärke soll bestimmen, was Gerechtigkeit ist; denn das Schwache erweist sich als unnütz.“ (Weisheit 2,1-11)

Hier wird aus der Grundeinstellung, dass man das jetzige Leben genießen sollte, gerade geschlossen, dass man nicht für eine bessere Welt für andere kämpfen, sondern andere ausnutzen sollte. Schließlich, was hat man am Ende davon, für andere gelitten zu haben oder vielleicht sogar gestorben zu sein? Keinen ewigen Lohn, nada. Auf „das alte Entsagungslied“, das „Auferopferung“ empfiehlt, braucht man also nicht zu hören. So kann Heines Botschaft auch verstanden werden.

Aber jetzt zu meinem eigentlich wichtigsten Kritikpunkt: Heine stellt sich nie die Frage, ob „das Eiapopeia vom Himmel“ eigentlich wahr sein könnte. Was, wenn es so ist? Wenn wir wirklich auf unsere wahre Heimat hoffen können? Es ist ihm gleichgültig. Es mag ja so sein; wenn, dann wäre das ja ganz nett, aber für jetzt braucht es uns nicht kümmern. „Und wachsen uns Flügel nach dem Tod, / So wollen wir euch besuchen / Dort oben, und wir, wir essen mit euch / Die seligsten Torten und Kuchen.“ (Wieso habe ich nur schon wieder den Eindruck, dass die Pfarrer, mit denen er zu tun hatte, die Fire-and-Brimstone-Predigten von den letzten Dingen eindeutig vernachlässigt haben?)

Und Heine verlangt dieselbe Gleichgültigkeit, die er hegt, vom Rest der Menschheit. „Den Himmel überlassen wir / Den Engeln und den Spatzen.“ Ja, aber wenn jemand das nicht will? Wenn jemand wissen will, ob es den Himmel gibt, ob es Gott gibt; wenn er sich für das Jenseits interessiert, und nicht nur für diese Welt? Dann ist bei Heine kein Platz für ihn. Wenn die Menschen einfach nicht damit zufrieden sind, sich einfach nur eine behagliche diesseitige Existenz einzurichten, sondern beharrlich nach mehr verlangen, dann passen sie nicht ins Bild.

Wir Christen haben uns unsere Überzeugungen vom ewigen Leben ja auch nicht aus den Fingern gesogen, und das ist auch nichts, was es schon immer in allen Religionen gegeben hätte. Die alten Griechen rechneten nur mit dem Hades, und auch die alttestamentlichen Israeliten glaubten zuerst nur an eine dunkle Unterwelt, den Scheol. Noch die Sadduzäer zu Jesu Zeit glaubten nicht an eine Auferstehung der Toten. Seine Auferstehung begründete dann den Glauben der Christen. Er beruht auf einem historischen Faktum, auf Gottes Offenbarung.

Okay. Zusammenfassend möchte ich hauptsächlich sagen: Manchmal ist die Welt einfach ein Jammertal, und dann ist es okay, sie auch so zu bezeichnen. Und es ist okay, auf die bessere Welt, unsere eigentliche Heimat, den Himmel, zu hoffen, weil es ihn gibt. In diesem Sinne:

 

I’m just a poor, wayfaring stranger,

Travelling through this world below.

There’s no sickness, no toil or danger

In that bright light to which I go.

 

I’m going there to see my father

And all my loved ones who’ve gone on.

I’m just going over Jordan,

I’m just going over home.

 

I know dark clouds will gather round me,

I know my way is hard and steep.

But beautious fields arise before me

Where God’s redeemed their vigils keep.

 

I’m going there to see my mother,

She said she’d meet me when I come.

I’m just going over Jordan,

I’m just going over home.

 

I’m just a poor wayfaring stranger,

Travelling through this world below.

There’s no sickness, no toil or danger

In that bright light to which I go.

 

I’m going there to see my father

And all my loved ones who’ve gone on.

I’m just going over Jordan,

I’m just going over home.

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9 Gedanken zu “„Den Himmel überlassen wir den Engeln und den Spatzen“

  1. Man muß Heinrich Heine allerdings als mildernden Umstand anrechnen lassen,

    1. daß er zwar im Rheinland geboren ist, aber, von seinem Exil in Paris abgesehen (das eben Exil war) in Berlin und Göttingen gelebt hat und mithin wohl nie die Chance bekam, den katholischen Glauben, in dem nun einmal Wein nicht nur getrunken, sondern auch gepredigt wird, als die wahre Ausprägung oder auch nur einen ernstzunehmenden Anwärter auf eine solche kennenzulernen,

    2. daß seine protestantische Landeskirche ihn zur Taufe zugelassen hat, obwohl er (woraus er kein Geheimnis gemacht haben wird) darin nicht viel mehr als einen Assimilationsakt gesehen hat, und auch

    3. daß die Situation so war, daß ihm ein solcher Assimilationsakt nötig erschien,

    und, ganz andere Geschichte,

    4. daß er seinen Punkt, selbst wenn es einer auf der Gegenseite ist, wenigstens offen und mit poetischer Schönheit und Klarheit herüberbringt.

  2. Übrigens: Die Sitte ist ja ganz schön, Lieder im Original zu zitieren…

    aber wenn sie von Johnny Cash gecovert worden sind, kann man eine Ausnahme machen:

    1. Wars auch nicht, ich dachte das nur, weil ich es von Johnny Cash kannte und der alles gecovert hat, was nicht bei drei aufm Baum war, und dabei in der Regel das Original übertroffen hat 😉 (Sogar die Bridge over troubled Water ist von Johnny Cash schöner als von Simon & Garfunkel)

      Tatsächlich ist es ein traditionelles amerikanisches Lied. Das unter anderem von Johnny Cash eingesungen wurde.

      1. Und da merke ich mal wieder, wie wenig ich eigentlich von den bekannten Sängern kenne. Aber jetzt habe ich mir „Bridge over troubled Water“ mal angehört, schönes Lied 🙂

      2. Kann übrigens nur:

        „The Man Comes Around“ von Johnny Cash empfehlen…

        der astrein missionarische Song, den man sich jederzeit in einer Rockkneipe beim DJ wünschen kann^^

        Oder natürlich Walk the line.

      3. Und „I see a darkness“. Sowie „It ain’t me, Babe“. Und das ganze Album „At Folsom Prison“ mit insbesondere seinem Schlußlied „The Greystone Chapel“. 🙂 ja, Johnny Cash ist schon super.

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