Über schwierige Bibelstellen, Teil 20: Die Forderungen der Bergpredigt

„Ihr habt gehört, dass gesagt worden ist: Auge für Auge und Zahn für Zahn. Ich aber sage euch: Leistet dem, der euch etwas Böses antut, keinen Widerstand, sondern wenn dich einer auf die rechte Wange schlägt, dann halt ihm auch die andere hin! Und wenn dich einer vor Gericht bringen will, um dir das Hemd wegzunehmen, dann lass ihm auch den Mantel! Und wenn dich einer zwingen will, eine Meile mit ihm zu gehen, dann geh zwei mit ihm! Wer dich bittet, dem gib, und wer von dir borgen will, den weise nicht ab!

 Ihr habt gehört, dass gesagt worden ist: Du sollst deinen Nächsten lieben und deinen Feind hassen. Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde und betet für die, die euch verfolgen, damit ihr Kinder eures Vaters im Himmel werdet; denn er lässt seine Sonne aufgehen über Bösen und Guten und er lässt regnen über Gerechte und Ungerechte. Wenn ihr nämlich nur die liebt, die euch lieben, welchen Lohn könnt ihr dafür erwarten? Tun das nicht auch die Zöllner? Und wenn ihr nur eure Brüder grüßt, was tut ihr damit Besonderes? Tun das nicht auch die Heiden?

 Seid also vollkommen, wie euer himmlischer Vater vollkommen ist!“ (Matthäus 5,38-48)

 

Über solche Forderungen der Bergpredigt wurde in zweitausend Jahren Kirchengeschichte viel geschrieben und viel gestritten. Die andere Wange hinhalten, Feindesliebe, „Seid also vollkommen, wie euer himmlischer Vater vollkommen ist“ – die Reformatoren, allen voran Luther, hielten diese Forderungen für so unerfüllbar, dass sie erklärten, dass Jesu Worte hier nur dazu da seien, uns vor Augen zu führen, dass wir sie nicht erfüllen könnten. Er sagt uns, wir sollen vollkommen sein, damit wir beim Versuch, es zu sein, erkennen, wie unvollkommen wir sind.

Der hl. Thomas von Aquin, knapp drei Jahrhunderte vorher, sah das anders. Gegen die Ansicht, niemand könnte in diesem Leben Vollkommenheit erreichen, erklärte er mit völliger Selbstverständlichkeit*:

„Sed contra est quia lex divina non inducit ad impossibile.“ – „Dagegen steht, dass das göttliche Gesetz nicht das Unmögliche verlangt.“ (Summa Theologiae II/II 184,2; http://www.unifr.ch/bkv/summa/kapitel700-2.htm; die dt. Übersetzung auf dieser Seite kommt mir übrigens wenig wortgetreu vor, hier gibt es eine bessere englische Übersetzung: http://dhspriory.org/thomas/summa/SS/SS184.html#SSQ184OUTP1)

Thomas sagte, dass die Vollkommenheit in der Liebe bestehe, und unterschied dann verschiedene Arten der Vollkommenheit – eine Vollkommenheit, die nur Gott möglich ist (so zu lieben, wie es tatsächlich angemessen ist); eine Vollkommenheit, die die Seelen im Himmel haben (so zu lieben, wie es ihnen mit ihren begrenzten Kräften als Geschöpfe überhaupt möglich ist); und eine Vollkommenheit, die den Menschen auf Erden möglich ist, und die darin besteht, die Hindernisse, die der Liebe entgegenstehen, aus ihrem Leben wegzuräumen. (Diese Vollkommenheit ist auf zwei Arten möglich: Erstens, das, was wirklich der Liebe entgegensteht (Todsünden) zu beseitigen, und zweitens, das Übrige, was einen auch noch dabei behindert, ganz auf Gott ausgerichtet zu sein, zu beseitigen.) Diese dritte Art der Vollkommenheit, sagt er, ist den Menschen auf Erden möglich.

Man könnte diese Stelle auch etwas anders interpretieren und einfach sagen, Jesus gibt uns, wenn Er uns sagt „Seid also vollkommen“, das Ziel vor, das wir anstreben müssen; dieses moralische Ziel braucht es, so, wie man sich auch beim Rechnen vornehmen muss, bei jeder einzelnen Rechnung richtig zu rechnen; und man kann theoretisch dahin gelangen, auch wenn man in der Praxis wohl nicht dahin gelangen wird, so, wie man sicher auch mal einen Rechenfehler machen wird. Trotzdem braucht es dieses klare Ziel; es wäre falsch, zu sagen „Man muss ja nicht immer das Richtige machen“, so, wie es falsch wäre, zu sagen „Man muss ja nicht immer richtig rechnen“.

 

Aber dann stellt sich ja nicht nur die Frage nach der Erfüllbarkeit, sondern auch die nach der Richtigkeit solcher Vorschriften. Kommen wir von „Seid also vollkommen“ zu „wenn dich einer auf die rechte Wange schlägt, dann halt ihm auch die andere hin“. Ist es denn richtig, ist es gerecht, wenn man immer die andere Wange hinhalten soll, immer klein beigeben soll, denen, die einen ungerecht behandeln, ihren Willen lassen soll? Schließlich ist Gerechtigkeit auch ein unerlässlicher Wert, sie wird auch zu den vier Kardinaltugenden gerechnet und ist eine zentrale Eigenschaft Gottes. Insbesondere die Psalmen rühmen Gott als den gerechten Richter, der den Unterdrückten Recht verschaffen wird. Muss man wirklich alles mit sich machen lassen? Verbietet Jesus hier Notwehr? Verbietet Er jede Art von „vergeltender“ Gerechtigkeit (inklusive etwa Strafen für Mobbing in der Schule, oder Strafen für Raubüberfälle durch den Staat)?

Nein, ich denke, das tut Er nicht; aber was will Er dann?

Es kennt wahrscheinlich jeder irgendwelche schwierigen Menschen. Ich habe eine etwas schwierige Beziehung zu jemandem aus meiner Familie; das ist schon lange so; wir haben heute immerhin nicht mehr so viel Kontakt wie früher. Jedenfalls haben wir uns schon ziemlich heftig gestritten. Die eine tut irgendetwas, die andere ist deswegen empört und wird zickig, die eine beleidigt sie auf passiv-aggressive Art, die andere beleidigt zurück, die eine wird noch beleidigender, die andere schreit sie an, die eine provoziert die andere, indem sie noch irgendetwas tut, die andere provoziert zurück… und das Ende ist nie schön. Ich denke, ich kann sagen, dass sie sich oft unvernünftig verhält, wenn ihr etwas gerade nicht passt; aber wenn ich immer reagiere, indem ich mein Recht einfordere oder Wiedergutmachung für etwas will, das sie getan hat, kommen wir auch nicht weiter; da habe ich genügend schlechte Erfahrungen gemacht. Wenn ich dagegen diejenige bin, die einen Schritt auf sie zugeht oder einfach mal etwas kommentarlos hinnimmt (was ich oft nicht hinkriege), wird es manchmal besser. Dann beruhigt sich die Situation eher, man kann miteinander reden und kommt eventuell zu einer vernünftigen Lösung. Da kennt wahrscheinlich jeder ähnliche Situationen.

Paulus macht Jesu Aussage im Römerbrief deutlicher: „Vergeltet niemandem Böses mit Bösem! Seid allen Menschen gegenüber auf Gutes bedacht! Soweit es euch möglich ist, haltet mit allen Menschen Frieden! Übt nicht selbst Vergeltung, Geliebte, sondern lasst Raum für das Zorngericht Gottes; denn es steht geschrieben: Mein ist die Vergeltung, ich werde vergelten, spricht der Herr. Vielmehr: Wenn dein Feind Hunger hat, gib ihm zu essen, wenn er Durst hat, gib ihm zu trinken; tust du das, dann sammelst du glühende Kohlen auf sein Haupt. Lass dich nicht vom Bösen besiegen, sondern besiege das Böse durch das Gute! (Römer 12,17-21)

Es geht darum, das Böse durch das Gute zu besiegen, indem man jemandem, der es mit seinem Verhalten gerade nicht verdient hat, etwas Gutes tut, und ihn so vielleicht zum Nachdenken und zur Einsicht bringt. Man soll souverän reagieren und nicht selbst aggressiv werden. Jemand, der einem das Hemd wegnimmt, und dem man es dann nicht wegreißt, sondern ihm auch noch den Mantel reicht, wird vielleicht beschämt das Hemd wieder zurückgeben.

Das funktioniert nicht immer und es gibt Situationen, in denen man sich anders verhalten kann/sollte/muss. Man muss nicht alles mit sich machen lassen; wenn man z. B. in einer Partnerschaft permanent schlecht behandelt wird, ohne dass der Partner sich ändern würde, ist es eindeutig das Beste, sich der Situation zu entziehen; man tut jemandem langfristig nichts Gutes, wenn man seine Sünden einem gegenüber ständig duldet und/oder entschuldigt. Es gibt auch alltägliche Situationen, da hilft es mehr, jemanden direkter zu konfrontieren, als ihm auf die obige Weise entgegenzukommen. Und die Kirche hat aufgrund dieser Stelle nie die Notwehr oder gerechte Strafen verboten.

Eine Sache ist auch sehr wichtig: Notwehr, wenn man selbst angegriffen wird, ist erlaubt, aber nicht verpflichtend; Nothilfe, wenn andere angegriffen werden, kann dagegen unter Umständen sehr wohl eine Pflicht sein (es ist zwar nicht nötig, aber auch nicht unmoralisch, sich nicht zu wehren, wenn man selbst zusammengeschlagen wird; aber wenn man jemand anderem, der zusammengeschlagen wird, nicht helfen würde, wäre das schlichtweg feige und falsch). Und insbesondere Autoritäten sind dazu da, die Gerechtigkeit durchzusetzen. Wenn Anna-Lena ihrer kleinen Schwester Marie-Louise ihre Legosteine wegnimmt, hat die Mutter, zu der Marie-Louise läuft, dafür zu sorgen, dass Anna-Lena die Steine zurückgibt und sich entschuldigt (mindestens; bei wiederholtem gemeinen Verhalten sollten Disziplinarmaßnahmen folgen). Sie hat nicht zu Marie-Louise zu sagen, dann soll sie doch ihrer Schwester was abgeben. Barmherzigkeit geht über die Gerechtigkeit hinaus; aber sie bedeutet nicht Ungerechtigkeit, vor allem nicht von oben herab verordnete Ungerechtigkeit. Im Idealfall würde Marie-Louise vielleicht am Ende sagen „Hier kannst du doch ein paar abhaben“ – aber das wäre dann Marie-Louises Sache. Und ja, Marie-Louise hat ein Recht darauf, Gerechtigkeit einzufordern (wenn auch kein Recht darauf, ihrer Schwester z. B. aus Rache eine reinzuhauen).** Es gibt Dinge, die in der Bibel sehr empfohlen werden, die verdienstvoll und oft praktisch sind, aber nicht in jeder Situation anwendbar und allgemein verpflichtend sind.

In einem Moraltheologie-Handbuch aus den 50ern habe ich übrigens diese Stelle zur Erläuterung der Bibelstelle gefunden: „Die Mahnung des Herrn, dem Feinde, der uns auf die eine Wange schlägt, auch noch die andere hinzuhalten [Lk 6,27ff.], verlangt immer die innere Fassung und geduldige Gesinnung der Liebe, die äußere Bereitschaft und Verwirklichung dieser Hochforderung aber nur, wenn dies zur Bekehrung des Feindes notwendig oder wenigstens nützlich sein kann. Keineswegs aber wäre dies gefordert oder auch nur erlaubt, wenn dadurch nur die Frechheit und Unversöhnlichkeit des Feindes bestärkt würde.“ (Bernhard Häring, Das Gesetz Christi, 5. Aufl., Freiburg im Breisgau 1958, S. 834f.)

Der Heiland hat übrigens auch nicht alles Unrecht in der Welt einfach hingenommen; gegen die Händler im Tempel ist Er recht rabiat vorgegangen: „Er machte eine Geißel aus Stricken und trieb sie alle aus dem Tempel hinaus samt den Schafen und Rindern; das Geld der Wechsler schüttete er aus, ihre Tische stieß er um und zu den Taubenhändlern sagte er: Schafft das hier weg, macht das Haus meines Vaters nicht zu einer Markthalle!“ (Johannes 2,15f.) Für seine Gegner hatte Er manchmal scharfe Worte übrig. Paulus versuchte selbstverständlich, sich mit juristischen Mitteln gegen seine ungerechte Gefangenschaft zu wehren, indem er also z. B. darauf bestand, als römischer Bürger in Rom gerichtet zu werden (was übrigens nach hinten losging – „Und Agrippa sagte zu Festus: Dieser Mensch könnte freigelassen werden, wenn er nicht an den Kaiser appelliert hätte“ (Apostelgeschichte 26,32)). Und dann sollten wir auch das Alte Testament berücksichtigen, das schließlich noch immer seine Gültigkeit hat. Sicher, man kann an vielen einzelnen Stellen anführen, dass eine Begebenheit, die in einer Geschichte erzählt wird, nicht haargenau nach Gottes Willen passiert sein muss, aber nehmen wir mal die Bücher der Makkabäer als Beispiel: In beiden Büchern ist das Hauptthema, um das sich alles dreht, der Aufstand gegen die griechischen Unterdrücker, die die jüdische Religion verfolgen; und man müsste diese Bücher schon sehr verdrehen, um zu sagen, der ganze Aufstand wäre gegen den Willen Gottes gewesen.

Gerechtigkeit und Barmherzigkeit sind keine Gegensätze, sondern sollten zusammengebracht werden; die Gerechtigkeit aufgrund einer falsch verstandenen Barmherzigkeit ganz abschaffen zu wollen, würde nur zu Ungerechtigkeit führen (siehe Marie-Louise). Jesus sagt auch nicht, dass „Auge um Auge“ ein absolut böses Prinzip ist***; Er will aber offensichtlich sagen, dass es gut ist, es unter Umständen mal beiseite zu stellen, über die reine Gerechtigkeit hinauszugehen und barmherzig zu sein, auch wenn jemandem die Barmherzigkeit nicht zusteht. Das ist in unserer Welt einfach deshalb sinnvoll, weil wir alle uns gegenseitig oft genug verletzen und Barmherzigkeit nötig haben.

Die allgemeine Vorschrift zur Feindesliebe nun bedeutet an sich sowieso noch keinen Verzicht auf Notwehr oder gerechte Strafen. Sie bedeutet, den Feind als Menschen, als von Gott geliebtes Geschöpf, anzuerkennen, und grundsätzlich das Gute für ihn zu wollen, also etwa auch darauf zu hoffen, dass man einmal mit ihm gemeinsam im Himmel sein wird, und dafür zu beten. Sie kann durchaus zusammengehen mit dem Wunsch, dass ein Feind, der, sagen wir mal, einen betrogen oder ausgeraubt hat, ins Gefängnis kommt, damit a) die Gerechtigkeit erfüllt ist und b) er zur Einsicht kommt und sich bessert. Der hl. Johannes Paul II. besuchte seinen Attentäter im Gefängnis, wollte aber nicht, dass der nicht ins Gefängnis kommt, soweit ich weiß.

Häring schreibt übrigens über die Feindesliebe:

Die Feindesliebe ist ein verpflichtendes Gebot.

Schon im AT ist sie wiederholt eingeschärft [Lev 19,17; Job 31,29f.; Spr 25,21; Sirach 28,1-10]. Herrliche Beispiele der Feindesliebe sind der ägyptische Josef gegenüber seinen Brüdern, und David gegenüber Saul. Es steht im AT nirgends ‚Du sollst deinen Feind hassen’ (vergleiche Mt 5,43), aber die Rabbiner hatten die Stellen des AT, die die Feindesliebe aussprechen, als bloßen Rat hingestellt, so daß sie zur Erklärung kamen: ‚Du sollst deinen Nächsten lieben, deinen Feind magst du hassen!’ […]

Die Hauptpflichten, die das Gebot der Feindesliebe an uns stellt, sind vor allem folgende:

1) Man muß immer wieder von Herzen verzeihen, auch wenn der Beleidiger nicht um Verzeihung bittet. […]

2) Man darf die Wiedergutmachung an Ehre, beziehungsweise gutem Namen und an zeitlichen Gütern verlangen, aber in ständiger Hut vor dem Geist des Hasses und der Rachsucht. […]

3) Man muß alles Gute am Feinde gern anerkennen und ihm aufrichtig alles Gute, besonders das ewige Heil wünschen. […]

4) Die wohlwollende Gesinnung muß man wenigstens durch die gewöhnlichen, allen Menschen geschuldeten Zeichen der Achtung und Liebe erweisen […]

5) Der Beleidigte muß unter allen Umständen um die innere Bereitschaft ringen, dem Feinde in der Not zu helfen (so verlangt es schon das AT Exodus 23,4f.) und ihm auch besondere Zeichen der Liebe zu erweisen, wenn dies zur Rettung seiner Seele notwendig sein sollte. […]

6) Der Beleidiger oder Hauptschuldige ist zwar auf Grund der Gerechtigkeit zuerst verpflichtet, sich um die Versöhnung zu bemühen […]. Jedoch auf Grund des Gebotes der Feindesliebe muß sich auch der Beleidigte die Beilegung der Feindschaft nach Möglichkeit und zur rechten Zeit angelegen sein lassen.“ (Das Gesetz Christi, S. 837-840)

 

* An dieser Stelle noch ein Dankeschön an meinen Leser Nepomuk für den Hinweis auf die Stelle in der Summa!

** C. S. Lewis führt in einem Buch über die Psalmen übrigens ein ganz ähnliches Beispiel an (wobei es da erst um einen anderen Aspekt der Gerechtigkeit geht) und schreibt am Ende: „Noch schlimmer wär’s, wenn sie [die Eltern] sagen wollten, Tommy solle den Bleistift, ob er ihm nun gehöre oder nicht, Karl überlassen, weil er damit seinen guten Charakter unter Beweis stelle. Das mag wahr sein, aber es wäre eine Wahrheit zur Unzeit. Liebe sollte nicht gefordert werden, wo Gerechtigkeit versagt wird. Wahrscheinlich würde es Tommy für den Rest seines Lebens die Überzeugung einpflanzen, daß Liebestätigkeit nur eine scheinheilige Ausrede sei, um Diebstahl zu entschuldigen und ungerechte Bevorzugung zu beschönigen.“ (C. S. Lewis, Gespräch mit Gott. Gedanken zu den Psalmen, Zürich u. Düsseldorf 1999, S. 45)

*** Dieses Prinzip stellt eigentlich nur exemplarisch die (noch nicht von der Barmherzigkeit abgemilderte) Gerechtigkeit heraus; wirklich böse wäre das Prinzip des Lamech: „Lamech sagte zu seinen Frauen: Ada und Zilla, hört auf meine Stimme, ihr Frauen Lamechs, horcht meiner Rede! Ja, einen Mann erschlage ich für meine Wunde und ein Kind für meine Strieme. Wird Kain siebenfach gerächt, dann Lamech siebenundsiebzigfach.“ (Genesis 4,23f.)

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Ein Gedanke zu “Über schwierige Bibelstellen, Teil 20: Die Forderungen der Bergpredigt

  1. Das alttestamentarische „Auge um Auge“ wird von Bibelkritiküssen auch gern so verstanden (und allen Juden und Christen besserwisserisch unter die Nase gerieben), als hätte es als Strafe für schwere Körperverletzung die gleiche schwere Körperverletzung gefordert. Hat es aber nicht, sondern das AT bietet hier ein Strafrecht, das Verhältnismäßigkeit wahrt. Der Absatz bedeutet „Wer jemandem das Auge bzw. den Zahn ausschlägt, hat eine dem Auge oder Zahn entsprechende Wiedergutmachung zu zahlen, nicht weniger und nicht mehr“. Wie die Höhe solcher Leistungen angesetzt wurde, geht nicht daraus hervor; ich vermute, ein Richter (oder Dorfältester, oder Sippenoberster…) hatte darüber zu entscheiden. Jedenfalls bedeutet es auch das Ende der Blutrache (ein Leben für ein Leben, nicht wildes Hin- und Hermorden).

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