Der Monogenismus und die Genforschung – Oder: Stammen wir von einem Adam und einer Eva ab?

Ich habe vor längerer Zeit ausführlich darüber geschrieben, wie sich die biblische Schöpfungs- und Sündenfallgeschichte mit der Evolutionstheorie vereinbaren lässt. Das ist im Allgemeinen ein alter Hut; auf ein spezielles Problem bin ich dabei aber nicht eingegangen, deswegen hole ich das heute nach: Ist es aus wissenschaftlicher Sicht – insbesondere aus Sicht der Genforschung – möglich, dass wir von nur einem ursprünglichen Menschenpaar abstammen? Oder muss die Population von Frühmenschen, die erstmals genuin „menschlich“ im philosophischen Sinn gewesen ist, größer gewesen sein? Was würde dann aus Adam, Eva und einem historischen Sündenfall? Dazu möchte ich einfach einen Auszug aus dem Aufsatz „Science, Theology and Monogenesis“ von Kenneth W. Kemp, der 2011 im American Catholic Philosophical Quarterly, Band 85, Nr. 2, erschienen ist und hier im Original heruntergeladen werden kann (es lohnt sich, ihn ganz zu lesen!), hier übersetzen:

Theologen, die die Frage des Ursprungs der Menschheit diskutierten, unterschieden traditionell drei logischerweise mögliche Alternativen. Diese Alternativen können verdeutlicht werden, indem man zwei Fragen unterscheidet.

Die erste lautet, ob der Mensch an einem Ort oder unabhängig voneinander an mehreren verschiedenen Orten entstand. Diese zwei möglichen Darstellungen der Anthropogenese nennen sich Monophyletismus und Polyphyletismus.

Die monophyletische Antwort auf die erste Frage bringt eine zweite Frage auf: Gab es ein einziges ursprüngliches Menschenpaar, von dem alle späteren Menschen abstammen, oder kann der Ursprung der menschlichen Rasse nur zu einer ursprünglichen Gruppe von mehr als zwei Personen zurückverfolgt werden? Diese Alternativen nennen sich „Monogenismus“ und „Polygenismus“.

 Die traditionelle christliche Präferenz des Monogenismus (und die folgende völlige Ablehnung des Polyphyletismus) hatte zwei Gründe. Für einige Christen beruht die Verteidigung der These direkt auf einigen Passagen der Schrift. In der katholischen Tradition wurde allerdings die Betonung viel mehr darauf gelegt, dass der Monogenismus die einzige Sicht sei, die mit der Lehre von der Erbsünde vereinbar sei.

[…]

Eine Darlegung der Erbsündenlehre kann mit dem beginnen, was G. K. Chesterton einmal „den einzigen Teil der christlichen Theologie, der wirklich bewiesen werden kann“ genannt hat, nämlich:

(P1) Alle Menschen leben jetzt in einem Zustand der Erbsünde – sie leiden an einer Schwierigkeit, das Richtige vom Falschen zu unterscheiden, einer Neigung zu Ungerechtigkeit, Schwäche angesichts des schwierigen Guten, und Konkupiszenz.

Aber die Lehre sagt etwas mehr als das. „Die menschliche Rasse“, wie Kardinal Newman es ausgedrückt hat, „ist verwickelt in eine fürchterliche ursprüngliche Katastrophe. Sie ist nicht mehr im Einklang mit den Absichten ihres Schöpfers.“ Das Herzstück der Lehre kommt also in der Erklärung von P1:

(P2) Gott beabsichtigte, dass der Mensch in einem Zustand der ursprünglichen Gerechtigkeit leben sollte.

(P3) Die ersten menschlichen Wesen zerstörten Gottes Absicht durch einen frei gewählten Akt, die Ursünde.

Sowohl P1 als auch P3 werden „original sin“ [im Deutschen unterscheidet man Erbsünde und Ursünde] genannt, wobei sie im Lateinischen mit mit den Ausdrücken peccatum originale originans für P3 und peccatum originale originatum für P1 unterschieden werden. Was genau ist der Zusammenhang zwischen der Ursünde unserer Vorfahren und dem Zustand der Erbsünde, in dem wir uns alle (sogar Kinder, die zu jung sind, um jemals eine eigene persönliche Sünde begangen zu haben) wiederfinden?

Der locus classicus zu dieser Frage ist der Römerbrief des heiligen Paulus (bei 5,12) […].

Diese Stelle betont klar den Schaden, den Adams Sünde uns allen angetan hat. Das heißt, sie postuliert eine historisch reale Ursünde (peccatum originale originans), um den Zustand der Erbsünde (peccatum originale originatum) zu erklären, der jeden Menschen vom ersten Augenblick seiner Existenz an befällt. Was auch immer man von dieser Stelle hält, die Lehre der Kirche wurde klar beim Konzil von Trient (1545-1563) ausgedrückt – die Schuld dieser Sünde wird von uns allen geerbt. [In der dt. Übersetzung des Dekrets heißt es genau genommen: „‚Wer behauptet, die Übertretung Adams habe nur ihm und nicht seiner Nachkommenschaft geschadet‘, die von Gott empfangene Heiligkeit und Gerechtigkeit, die er verloren hat, habe er nur für sich und nicht auch für uns verloren; oder er habe, befleckt durch die Sünde des Ungehorsams, ’nur den Tod‘ und die Strafen ‚des Leibes auf das ganze menschliche Geschlecht übertragen, nicht aber auch die Sünde, die der Tod der Seele ist‘: der sei mit dem Anathema belegt, ‚da er dem Apostel widerspricht, der sagt: ‚Durch einen Menschen ist die Sünde in die Welt gekommen, und durch die Sünde der Tod, und so ging der Tod auf alle Menschen über; in ihm haben alle gesündigt‘ [Röm 5,12]‘.“] Das Konzil sagt weiterhin:

„diese Sünde Adams, die ihrem Ursprung nach eine ist und, durch Fortpflanzung, nicht durch Nachahmung übertragen [wird], [wohnt] allen – einem jeden eigen – inne[…]“

Das gibt uns, was wir brauchen, um die Kraft des Arguments von [Papst] Pius [XII. in Humani Generis 37, dass der Polygenismus nicht mit dem katholischen Glauben vereinbar sei] zu sehen. Wenn:

(P4) „ihrem Ursprung nach eine“ bedeutet „als eine Tat begangen“; und

(P5) „durch Fortpflanzung“ bedeutet „durch biologische Abstammung“; und

(P6) der Ursprung des Menschen polygenetisch (oder polyphyletisch) wäre;

würde daraus folgen, dass

(P7) Adams Zeitgenossen (und vielleicht einige ihrer Nachkommen) Menschen frei von Erbsünde gewesen wären.

Da die Ablehnung von P7 klar vom Konzil von Trient beabsichtigt ist, und P4 und P5 immer vernünftige Interpretationen dessen zu sein schienen, was die tridentinischen Väter meinten, lehnte Papst Pius P6 als unvereinbar mit der Erbsündenlehre ab.

Theologische Schlussfolgerung. Diese katholische Darstellung der Erbsünde also, wenn nicht der Text von Genesis 2-4, schien für viele eine monogenetische Darstellung der Ursprünge der menschlichen Rasse zu erfordern.

[Es werden naturwissenschaftliche Argumente für den Monophyletismus und gegen den Monogenismus angeführt; so ganz geklärt scheint die Frage nicht zu sein, aber die Indizien deuten offenbar auf Monophyletismus und Polygenismus hin.]

[Es werden Ideen liberaler Theologen zur Neuinterpretation der Erbsündenlehre vorgestellt, um sie mit den naturwissenschaftlichen Erkenntnissen zu vereinbaren.]

Natürlich, wenn eine dieser revisionistischen Deutungen der Erbsünde haltbar wäre, würde das Problem verschwinden. Ich beabsichtige nicht, hier im Detail zu zeigen, dass sie falsch sind. Ich werde meine Besorgnis über diese Herangehensweisen darauf beschränken, zu erwähnen, dass sie das rechtgläubige Verständnis (wenn nicht die Praxis als solche) der Kindertaufe in Frage stellen. […]

Es genügt für meine Zwecke, zu zeigen, dass diese neuen Deutungen nicht nötig sind, um die Fakten der Paläoanthropologie anzunehmen. Sie müssen, wenn sie das können, durch andere Gründe überzeugen.

Eine Unterscheidung und ein Fazit. Zum Glück ist eine andere Lösung möglich. Der Grund dieser Lösung wurde von Andrew Alexander CJ gelegt, der vor einigen Jahren die Idee verteidigte, dass „während es wahr ist, dass alle Menschen von Adam abstammen, die Rasse dennoch einen breiten Ursprung hat“. Was Alexanders Analyse zu Grunde liegt, ist eine Unterscheidung, die er nie in genau diesen Begriffen trifft, zwischen dem Menschen als theologischer Spezies und dem Menschen als biologischer Spezies. Man sollte von diesen beiden unterscheiden, was Alexander nicht tut, was man die philosophische Spezies nennen könnte.

Die biologische Spezies ist die Population von Individuen, die sich miteinander fortpflanzen können.

Die philosophische Spezies ist das vernunftbegabte Wesen, d. h. eine natürliche Art, die durch die Fähigkeit zum konzeptionellen Denken, Urteilen, Vernunftüberlegungen und freien Entscheidungen charakterisiert ist. Der hl. Thomas von Aquin legt dar, dass eine bestimmte Art von Körper für Vernunftaktivität notwendig, aber nicht ausreichend sei. Vernunftaktivität erfordert darüber hinaus die Präsenz einer rationalen Seele, etwas, das mehr als die Kraft irgendeines körperlichen Organs ist, und das daher nur, in jedem einzelnen Fall, durch ein schöpferisches Wirken Gottes entstehen kann.

Die theologische Spezies ist, in Erweiterung dessen, die Ansammlung der Individuen, die für die Ewigkeit bestimmt sind. Der Katechismus der Katholischen Kirche sagt: „Gott hat den Menschen nach seinem Bilde geschaffen und in seine Freundschaft aufgenommen.“ Die menschliche Vernunftbegabung ist vermutlich eine notwendige Bedingung für eine solche Freundschaft. Es ist allerdings nicht klar, ob das Angebot einer solchen Freundschaft eine logische Konsequenz der Vernunftbegabung ist. Vermutlich ist das Angebot (ein Angebot, das in sich die Spezies theologisch distinkt macht) ein separater, freier Akt Gottes, vielleicht von seiner Gutheit gefordert, aber nicht in irgendeinem strikteren Sinne notwendig. In jedem Fall sind die beiden menschlichen Attribute zumindest dem Konzept nach voneinander unterscheidbar.

Die Unterscheidung zwischen dem biologischen Spezieskonzept und dem theologischen ist wichtig, da sie nicht notwendigerweise deckungsgleich sind. Zwei Individuen, eins im theologischen Sinne menschlich und das andere nicht, würden solange Mitglieder derselben biologischen Spezies bleiben, wie sie miteinander fruchtbare Nachkommen zeugen könnten. Während es mit Sicherheit ein theologischer Irrtum wäre, irgendwelche jetzt lebenden Mitglieder der biologischen Spezies von der philosophischen oder theologischen Spezies ausschließen zu wollen (d. h. zu behaupten, dass ihnen vernunftbegabte Seelen fehlen würden, oder dass sie nicht unter denen wären, denen Gott seine Freundschaft angeboten hat), kann es keinen theologischen Einwand gegen die Behauptung geben, dass ein (oder zwei) Mitglieder einer prähistorischen, biologisch (d. h. genetisch) menschlichen Spezies ausreichend verschieden von den anderen gemacht wurden, dass sie eine neue theologische Spezies darstellen, z. B. indem ihnen vernunftbegabte Seelen und ein ewiges Schicksal gegeben wurden.

[…]

Diese Darstellung kann mit einer Population von ungefähr 5000 Hominiden beginnen [eine Zahl, die von manchen Genforschern genannt wird], Wesen, die in vielerlei Hinsicht wie Menschen sind, aber denen die Fähigkeit zum intellektuellen Denken fehlt.

Aus dieser Population erwählt Gott zwei und stattet sie mit einem Intellekt aus, indem er ihnen rationale Seelen schafft, und gibt ihnen zum selben Zeitpunkt jene übernatürlichen Gaben, die die ursprüngliche Gerechtigkeit ausmachen. Nur Wesen mit rationalen Seelen (mit oder ohne die übernatürlichen Gaben) sind wahrhaft Menschen. Die beiden ersten theologisch menschlichen Wesen missbrauchen allerdings ihren freien Willen, um eine Sünde (die Ursünde) zu begehen, verlieren dabei die übernatürlichen Gaben, allerdings nicht das Angebot der göttlichen Freundschaft, wodurch sie theologisch (nicht nur philosophisch) von ihren lediglich biologisch menschlichen Vorfahren und Vettern unterschieden bleiben. Diese ersten wahren Menschen haben auch Nachkommen, die sich zu einem gewissen Grad weiterhin gemeinsam mit den nicht-vernunftbegabten Hominiden fortpflanzen, unter denen sie leben. Wenn Gott jedes Individuum, das auch nur einen einzigen menschlichen Vorfahren hat, mit einem eigenen Intellekt ausstattet, würden eine leidliche Rate des reproduktiven Erfolgs und ein leidlicher selektiver Vorteil leicht innerhalb von drei Jahrhunderten eine nicht-vernunftbegabte Hominidenpopulation von 5000 Individuen mit einer philosophisch (und, wenn die zwei Konzepte deckungsgleich sind, theologisch) menschlichen Population ersetzen. Während diesem Prozess würden alle theologisch menschlichen Wesen von einem einzigen menschlichen Paar abstammen (in dem Sinne, dass sie dieses Paar unter ihren Vorfahren hätten), ohne dass es je eine Flaschenhals-Situation [biologischer Fachbegriff aus dem ausgelassenen Textteil; steht für eine vorübergehende starke Reduzierung einer Population (z. B. durch Naturkatastrophen), die danach wieder wächst] in der menschlichen Spezies gegeben hätte.

[…]

Diese Theorie ist monogetisch, was die theologisch menschlichen Wesen angeht, aber polygenetisch in Bezug auf die biologische Spezies. Somit löst die Unterscheidung den Widerspruch auf.

Einwände und Antworten darauf. Lassen Sie mich kurz vier Fragen ansehen, alles Quellen möglicher Einwände.

Erstens, beleidigt diese Idee fromme Ohren? Natürlich mag es eine Folgerung aus meiner Sicht sein, dass unsere frühesten Vorfahren Sünder waren, weil sie sich weiterhin gemeinsam mit jenen vormenschlichen Wesen fortpflanzten, die, wenn sie auch nicht einer anderen biologischen Spezies angehörten, auch nicht im vollen Sinne Menschen waren. Diese Sünde wäre eher wie Promiskuität – unpersönliche sexuelle Handlungen – als wie Bestialität gewesen. Aber die Idee, dass unsere ersten Vorfahren Sünder waren, kann kaum ein Einwand gegen diese Theorie sein. Es ist eine Idee, die von allen vier großen Episoden der menschlichen Frühgeschichte aus Genesis gestützt wird – dem Sündenfall, Kains Mord an Abel, der Flut und dem Turmbau zu Babel.

[…]

Der vorrangige Zweck dieses Aufsatzes war es, zu zeigen, dass es keinen wirklichen Widerspruch zwischen einer theologisch konservativen (monogenetischen) Darstellung der Anthropogenese und den wissenschaftlichen Erkenntnissen der Evolutionsbiologie und modernen Genetik gibt. […] Manchmal müssen Widersprüche nicht durch die Ablehnung einer der scheinbar widersprüchlichen Theorien gelöst werden, sondern durch die Anerkennung einer solchen vorher übersehenen Unterscheidung.“

File:Lucas Cranach d.Ä. - Adam und Eva im Paradies (1531, Gemäldegalerie, Berlin).jpg

(Lucas Cranach der Ältere, Adam und Eva im Paradies, 1531; Quelle: Wikimedia Commons)

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18 Gedanken zu “Der Monogenismus und die Genforschung – Oder: Stammen wir von einem Adam und einer Eva ab?

  1. Zum Thema mitochondriale DNA gibt es einen Artikel in der Zeit: Mutter – Gene Die Eva in uns allen. Demnach haben alle lebenden Frauen ihre mitochondriale DNA von einer einzigen Urmutter.

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    1. Hier muss man freilich unterscheiden: Alle Menschen haben diese Frau in ihrem Stammbaum, aber das heißt nicht, dass sie die einzige Urmutter ist. (Ein Vergleich: Alle meine Cousinen väterlicherseits und ich stammen von derselben Großmutter ab, aber wir haben auch jeweils noch eine andere Großmutter im Stammbaum). Solche Forschungen sind jedenfalls echt interessant.

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      1. Hmm. Aber haben wir nicht gerade verschiedene Typen von Menschen unterschieden? ^^

        Du hast natürlich recht.

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      2. Menschlich nur im biologischen Sinne ist eben nicht wirklich menschlich. Und eine *Ehe*, die ja eine personale Beziehung ist, ist mit einem nur biologischen Menschen einfach von der Sache her nicht möglich.

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  2. Allerdings (zum Thema „kann die Zahl an ‚erforderlichen‘ inzestuösen Beziehungen reduzieren“):

    Es mag eine Menge Gründe geben, kreationistische Lesungen der ersten Genesiskapitel zurückzuweisen.

    Von unser eigenen moralischen Lage geprägte instinktive Schockreaktionen in bezug auf Inzest – so sinnvoll sie *für uns* auch sind – gehören allerdings nicht zu diesen Gründen.

    Wenn Gott es nicht verbietet, die Gefahr der Akkumulation von Schäden in der Erbinformation nicht besteht (die bei „jung und frisch von der Schöpfung weg“ naturgemäß sehr gering sein dürfte) und durch den Inzest auch nicht versäumt wird, Bande zu einer anderen Familie zu knüpfen (weil es noch gar keine andere Familie *gibt*), warum sollte man dann keine Geschwister heiraten?

    (Der Schock des modernen gutbürgerlichen Lesers kommt ja dann sowieso spätestens, wenn Abraham sagt: „Auch ist Sarah wirklich meine Schwester; die Tochter meines Vaters, nur nicht die Tochter meiner Mutter, deshalb konnte sie meine Frau werden“.)

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    1. Das Argument mit den Erbschäden ist ja sowieso nicht so wahnsinnig stichhaltig, jedenfalls sicher nicht stichhaltig genug, um Ehen, bei denen eine größere Gefahr von Erbschäden besteht, für grundsätzlich unmoralisch zu erklären. Dann müsste man ja auch Behinderten die Ehe verbieten.

      Familiäre Beziehungen sollten von romantischen unterschieden werden, darum geht es, und, wie du sagst, man sollte beim Heiraten Bande zu anderen Familien knüpfen, statt nur in der eigenen Familie zu bleiben – aber wenn die ganze Menschheit aus einer einzigen Familie besteht, dann ist das ja eine andere Situation, genau. Man kann jedenfalls sagen: Egal, ob Adams und Evas Kinder ihre Geschwister geheiratet haben oder Verhältnisse mit nicht-theologisch-menschlichen Verwandten hatten (oder vielleicht die einen es so, die anderen so gemacht haben), die moralische Variante wäre ersteres gewesen. (Und das Problem mit dem Inzest stellt sich ja auch nur für ein, zwei Generationen.)

      Ob man das mit Abraham und Sara allerdings okay finden muss, wäre wieder eine andere Frage… das war ja schon einige Generationen später in einer ganz anderen Situation.

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  3. Nebenbei:

    Mich wundert etwas, daß Du nicht auf den bekanntlich etwas rätselhaften Vers und verschiedenermaßen ausgelegten Vers eingehst, wonach „die Gottessöhne herabstiegen, weil ihnen die Menschentöchter gefielen, und sich die Menschentöchter zu Frauen nahmen“ (sinngem.).

    Die noch traditionellste Auslegung ist, daß sich die Nachkommen Seths in einer Art Kloster vor der sonst verdorbenen Welt zurückgezogen hätten und mit *denen* die Gottessöhne, mit den weiblichen Nachkommen (z. B.) Kains die Menschentöchter gemeint seien.

    Aber wenn man nun davon ausgeht, daß damals biologisch-menschliche Tiere herumliefen, dann bietet sich eventuell auch noch eine andere Auslegung an.

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    1. Lt. heidnischer Mythologie war es Heimdal, der mit menschlichen Frauen Kinder zeugte, ich war jedenfalls sehr überrascht, als ich das in der Bibel las.

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      1. Gibt es nicht in allen heidnischen Mythologien Götter, die mit Menschen Kinder zeugen? (Ich sag nur Zeus…) – Der Punkt ist ja, mit den „Gottessöhnen“ sind hier keine Götter oder irgendwas in der Art gemeint.

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      2. Mag sein, wobei ich nicht weiß, ob das da zur Schöpfungsgeschichte gehört. Umgekehrt sind in der Edda Worte die angeblich von Odin stammen, fast haargenau in den Sprüchen in der Bibel zu lesen. Meiner Meinung nach könnten da einfach Teile unterschiedlicher Religionen gemischt worden sein, zumal der Teil mit den Gottessöhnen in der Bibel für mich wie ein Fremdkörper dasteht.

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      3. Welche Worte aus der Edda meinen Sie konkret? – (Und wie soll es überhaupt zum Kontakt zwischen der nordischen Religion und dem antiken Judentum gekommen sein? Das klingt ja fast, als würde man behaupten, Jahwe sei von einem Aztekengott abgekupfert worden.) Die Edda wurde übrigens erst im 13. (!) Jahrhundert n. Chr. (über 2000 Jahre nach Genesis) von christlichen (!) Autoren niedergeschrieben, daher weiß man auch nicht so genau, wie viel sie überhaupt von der ursprünglichen heidnischen Religion wiedergibt…

        Zu „wie ein Fremdkörper dasteht“: Das Gleiche könnte man über die Verse über Lamech oder Henoch sagen. Genesis nimmt offenbar viele ältere Erzählungen auf, die dann auf manche „wie Fremdkörper“ wirken können. Das Problem ist halt auch, wir haben heutzutage Schwierigkeiten, die damalige Bedeutung der Worte zu rekonstruieren – es kann (um eine mögliche Interpretation zu nehmen) für einen Juden im 8. oder 10. oder 12. Jh. v. Chr. völlig klar gewesen sein, dass die „Gottessöhne“ Sets Nachkommen und die „Menschentöchter“ die von Kain waren; aber das müssen wir halt heute erst wieder rekonstruieren.

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      4. Nur die Ruhe, ich meine ja gerade, dass z. B. Havamal aus der Edda teilweise ziemlich biblisch klingen und angeblich war der gute Snorri ja auch Christ, vielleicht ist ihm da ja was durcheinandergeraten. Ob es in der Bibel auch andere fremd klingende Stellen gibt, übersteigt meine bescheidenen Kenntnisse, aber Göttersöhne passt für mich halt gar nicht in die Erzählung. Das die Bibel die ältere Erzählung ist, ist mir auch klar.

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