Liebe Muslime: Wenn schon Propaganda, dann bitte richtig!

Muslimische Apologetik ist irgendwie… interessant. Aufschlussreich, könnte man auch sagen.

Doch, ja, bei den muslimischen Apologeten in diesem Internet hier kann man interessante Sachen lernen. Zum Beispiel, dass der Koran bloß Verteidigungskriege erlaubt, weshalb die arabischen Heere offenbar in den hundert Jahren zwischen ca. 630 und 732 durch eine Reihe reiner Verteidigungskriege von der Arabischen Halbinsel über ganz Nordafrika und Spanien bis ins heutige Zentralfrankreich gelangten. Oder solche interessanten Fakten wie: „Der Gesandte Allahs (salla-llahu alayhi wa sallam) heiratete sie [Safiyya bint Huyaiy], um ihrem gebrochenen Herzen Trost zu spenden, nachdem ihr Vater, Onkel und Ehemann getötet wurden.“ (wobei dezent verschwiegen wird, dass Safiyyas Vater, Onkel und Ehemann von Mohammeds Truppen getötet wurden).

Besonders interessant ist, wie oft in der muslimischen Apologetik entweder die Behauptung „Bei den Christen gab/gibt es das auch!“ oder die Behauptung „Die Christen sind da viel schlimmer!“ verwendet wird. Der Dschihad wird aufgebracht – sofort kommt ein „Ja aber die Kreuzzüge“ (ähem, die Kreuzzüge waren die Antwort auf den Dschihad). Hier mal ein kleines Sammelsurium des Absurdesten, was dabei zum Beispiel zum Thema Frauen & Ehe herauskommt.

  • Eine Fatwa zum Thema Polygamie auf einer deutschen Fatwa-Infoseite informiert die Leser: „Auch die christliche Kirche erlaubte die Polygamie und erhob keinen Einwand dagegen.“ Doch, das steht da wirklich. Das habe ich mir nicht ausgedacht.
  • Eine englische Infoseite behauptet, um den Vorwurf loszuwerden, der Islam sei frauenfeindlich, und die angebliche Frauenfeindlichkeit des Christentums herauszustellen: „The theologians even gathered at the Council of Macon to discuss whether a woman was merely a body or a body with a soul. They thought it most likely that women did not have a soul that could be saved, and they made an exception only in the case of Mary (Maryam – peace be upon her).“ (Wer wissen will, wie diese glatte Lüge ursprünglich entstand, wird hier oder hier fündig; man könnte sich aber auch einfach die hunderten weiblichen Heiligen vor Augen führen, die damals im Jahr 585, als das Konzil von Macon stattfand, schon verehrt wurden…)
  • Auf derselben Seite: „Until 1805, English law allowed a man to sell his wife, and set a wife’s price at six pennies.” (Bei dieser Behauptung steht wahrscheinlich dieser ab dem späten 17. Jahrhundert manchmal in der englischen Unterschicht beobachtete und vom Gesetz verbotene Brauch im Hintergrund; jedenfalls kann ich nichts anderes finden, worauf es sich beziehen könnte.)

Gerne taucht dieser mit, ähem, „alternativen Fakten“ behaftete „Wir sind da nicht da die einzigen, die Christen haben früher auch…“-Whataboutism auch beim Thema Aischa bint Abi Bakr auf, etwa in einem Pamphlet mit dem Titel  „Die junge Ehe der Aischa (radiya-llahu anha) Mutter der Gläubigen“, das von „Muslim Answers“ herausgegeben, von jemandem namens Abu Iman Abd ar-Rahman Robert Squires verfasst, und von Edin Husein für die deutsche Seite moslem.de übersetzt und ergänzt worden ist. (Ich habe es hier gefunden.) Für alle, die nicht wissen, wer Aischa war: Sie war die Tochter eines wichtigen Anhängers Mohammeds (Abu Bakr), und Mohammed heiratete sie, als sie sechs Jahre alt war, nachdem ihm angeblich im Traum gezeigt worden war, dass sie seine Frau werden sollte, und hatte Geschlechtsverkehr mit ihr, als sie neun war. Die muslimische Standard-Apologetik geht hier ungefähr so: „Mit neun war sie bestimmt schon in der Pubertät und dann ist das voll okay, das haben alle anderen Kulturen damals auch so gemacht, die Juden und die Christen auch“ (während bei antiken Juden, Christen und Römern das Mindestheiratsalter tatsächlich zwölf Jahre war (was man als Christ auch zu jung finden kann, schließlich hat nicht jemand, den wir als sündenloses Vorbild verehren, eine Zwölfjährige geheiratet), aber von Fakten muss man sich ja nicht stören lassen). Da heißt es zum Beispiel: „Außerdem folgte diese Heirat den Normen aller semitischen Völker, einschließlich derer des biblischen Zeitalters.“ Eine englische Infoseite wird in diesem Artikel von einer Konvertitin namens Theresa Corbin noch etwas dreister: „This kind of marriage was common practice in both the East and the West during a time when people died very young. If people then waited to marry like we do in our time, the species would have died out. Besides, people only estimated their ages back then. They didn’t have birth records or birthday parties at Chili’s. Five centuries after Muhammad’s marriage to Aisha, 33-year-old King John of England married 12-year-old Isabella of Angoulême. The only difference is that in Islam the bride-to-be had to (and still has to) give her approval of the marriage before it was (is) valid. Whereas, a woman’s consent in the West was not even considered!“ (Interessanterweise stellt eine andere, anscheinend sehr populäre islamische Infoseite klar, dass alle islamischen Rechtsschulen darüber übereinstimmen würden, dass ein Mädchen vor der Pubertät (also etwa als Sechsjährige) ohne ihr Einverständnis von ihrem Vater verheiratet werden kann, während für Mädchen ab der Pubertät sowohl ihr eigenes Einverständnis als auch das ihres Vaters notwendig sei. (Sieh hier und hier.) Was die mittelalterliche Kirche zum Ehekonsens sagte (knapp gesagt: die Ehe entsteht überhaupt erst durch das Einverständnis von Braut und Bräutigam, Zwangsehen sind ungültig), habe ich hier schon mal anhand diverser Quellezitate ausgeführt. Und die Behauptung, dass die Leute sich in früheren Zeiten gar nicht mehr hätten fortpflanzen können, wenn sie nicht mit neun damit begonnen hätten, ist so lächerlich, dass sie es kaum verdient, kommentiert zu werden (es gab eine hohe Kindersterblichkeit, aber wer die Kindheit überlebte, konnte auch sehr alt werden; Aischa zum Beispiel überlebte Mohammed um knapp fünfzig Jahre)…)

Aber jedenfalls: Lieber Abu Iman Abd ar-Rahman Robert Squires, lieber Edin Husein, liebe Theresa Corbin, liebe Leser: Da geht noch was! Das können wir doch besser! Ich mach euch mal vor, wie man einen richtigen Apologetik-Artikel über Aischa schreiben könnte:

„Auch Christen kritisieren den Propheten (Allahs Segen und Heil sei auf ihm) wegen dieser Ehe gerne und schrecken nicht einmal davor zurück, ihn einen ‚Pädophilen’ oder ‚Kinderschänder’ zu nennen. Dabei vergessen sie, dass die Ablehnung früher Ehen erst von der säkularen atheistischen Kultur des heutigen Westens stammt. Noch in den Fünfzigerjahren des 20. Jahrhunderts verheiratete die katholische Kirche Kinder in Aischas (Allah habe Wohlgefallen an ihr) Alter. Auf diesem Foto etwa sehen wir einen frommen Katholiken an seinem Hochzeitstag mit seiner etwa neunjährigen Braut (links steht seine Erstfrau):

Und dann vergessen sie auch Isa (Friede sei auf ihm), den sie unter dem Namen Jesus als den Gründer ihrer Religion verehren und sogar an die Seite Gottes stellen. Woher stammen wohl die vielen christlichen Zeichnungen und Gemälde, die Isa (Friede sei auf ihm) am Bett eines sehr jungen Mädchens zeigen? Die heutigen Christen fertigen keine solchen Gemälde mehr an, aber sie sind noch da, in ihren Kirchen und ihren alten Büchern.

File:Christ sits at the bedside of Jairus's sickening daughter. E Wellcome V0034923.jpg

Was für eine Antwort haben die Christen also darauf? Ihnen wird keine einfallen. Sie folgen nur gottlosen Ideen, die sich Atheisten erst vor kurzem ausgedacht haben.“

Ich weiß, ich weiß, ich werde albern. Vielleicht schreib ich auch mal noch eine ausführlichere ernsthafte Erwiderung auf dieses ganze Zeug. Gerade bin ich dazu nicht aufgelegt.

 

Da man mit Ironie im Internet bekanntlich sehr vorsichtig sein muss, hier und hier vorsichtshalber noch mal meine Bildquellen. Ich musste mir schon Mühe geben, bis ich ein Bild gefunden hatte, auf dem Jairus‘ Tochter nicht ganz so tot aussieht, und die Eltern und Trauergäste nicht drauf sind.

 

(Und ja, bevor sich jemand beschwert: ich weiß, nicht alle muslimischen Apologetikseiten sind so. Aber Schönfärberei in Bezug auf die islamische Geschichte ist schon auf auffällig vielen Seiten vorhanden. Auch, wenn es darum geht, was weggelassen wird – so erwähnen manche Seiten unangenehme Fakten wie Aischas genaues Alter nicht einmal.)

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