Sittsamkeit, meine Damen!

Durch eine Bekannte bin ich auf Facebook auf diesen Artikel auf der Seite der „Katholischen Jugendbewegung“, einer Jugendorganisation der Piusbrüder, aufmerksam gemacht worden. Er ist von einem gewissen Pater Udressy verfasst worden und befasst sich mit dem Thema Kleidung. Hauptsächlich Frauenkleidung. Und was soll man sagen: Er erfüllt sämtliche Tradi-Klischees so gut, dass man ihn auch für gegnerische Satire halten könnte. Hier ein paar Perlen aus dem ziemlich langen Text, dessen Überschrift übrigens „Sage mir, was du trägst, und ich sage dir, wer du bist!“ (kein Witz! Anscheinend ist es seit neuestem christlich, „nach dem Augenschein zu urteilen“) lautet:

„Je­doch muss besonders die Frau auf ihre Klei­dung achten, damit sie keine Leidenschaft er­regt. (…) Die Erfah­rung zeigt, dass der Mann viel mehr Schwie­rigkeiten hat, die Reinheit zu bewahren, und es liegt in seiner Natur, dass bei ihm – ob er will oder nicht – das sinnliche Begehren sehr schnell geweckt wird, wenn er eine zu leger gekleidete Frau sieht. Erinnert euch an König David, der in schwere Sünde fiel bis hin zum Mord, weil er seine Augen nicht beherrscht hatte.“

Jungs, passt auf. Ein Blick zu viel und ihr werdet zu Mördern.

„Während beim Mann der Naturtrieb (der Drang nach Befriedigung der Sinneslust) stark entwic­kelt ist, schweigt er quasi beim reinen Mäd­chen. Bei ihr ist vielmehr der Seelentrieb (der Wunsch, zu lieben und geliebt zu werden) vor­herrschend. Sie sehnt sich nach einem Mann, bei dem sie Geborgenheit und Schutz fühlen kann. Deshalb ist es für sie schwer zu verste­hen, wie sehr der Mann um die Reinheit zu kämpfen hat und dass ihre Kleidung für ihn ein Problem sein kann.“

Dieser Absatz macht mich sauer. Junge Mädels werden diesen Text lesen, und was wird die Folge sein? Wenn sie irgendwann feststellen, dass auch sie so etwas wie Hormone haben, werden sie meinen, mit ihnen stimme irgendetwas nicht, weil beim „reinen Mädchen“ der „Naturtrieb“ ja quasi schweigen sollte. Laut Pater Udressy jedenfalls. Und er muss es ja wissen.

Diese scheinbare Idealisierung der Frauen läuft letztlich nur darauf hinaus, Unkeuschheitssünden bei Männern als etwas nicht so Schlimmes darzustellen (denn sie neigen ja mehr dazu), während sie bei Frauen quasi unverzeihlich werden. Alle normalen Frauen sind ja von Natur aus keusch. Dabei spricht die Bibel ganz anders über das Thema: In 1 Korinther 7 behandelt Paulus die Unkeuschheit als eine Gefahr für Männer und Frauen gleichermaßen.

Ja: Wenn wir z. B. darauf schauen, auf welche Kunden Prostitution und Pornographie vor allem ausgerichtet sind, dann lautet die Antwort: eher auf das männliche Geschlecht. Aber das heißt weder, dass die Männer dieser Art von Sünde hilflos ausgeliefert sind, noch, dass die Frauen da gar keine Versuchungen erleben. (Und an welches Geschlecht richtet sich z. B. „Fifty Shades of Grey“ und ähnlicher Schund? Eben.)

„Die Opfer, die mit der Wahl einer am Ideal der Reinheit ausgerichteten Klei­dung verbunden sein können, sind ein wirkli­ches Werk (und Gebot) der Nächstenliebe. Die­se Gedanken sollen vor allem Euch Mädchen helfen, wenn sich jemand anfangs vielleicht schwertut, alte Gewohnheiten umzustellen oder etwas einzusehen und zu ändern, was für Euch selbst zwar keine bemerkbare Verände­rung bringt, aber den Jungen und Männern in Eurer Umgebung sehr helfen wird.“

Also wirklich. Als ob es gar so schwer wäre, in einem gewöhnlichen Laden z. B. T-Shirts zu finden, die nicht das Dekolleté freigeben. Aber gut – natürlich stellt sich dann die Frage, was genau man denn unter „anständiger“ Kleidung versteht…

„Der Rock muss so lang sein, dass auch beim – Sitzen die Knie vollauf bedeckt sind. Es wäre nicht schicklich, die Wirkung zu beschreiben, die eine solche Haltung sonst bei einem ge­genüber, daneben oder dahinter sitzenden Mann hervorrufen kann. Es geht hier um ein Minimum an Schamhaftigkeit.“

Es gibt schließlich nichts Erotischeres als Knie.

Der Rock soll keinen hohen Schlitz haben – (logischerweise nicht höher als die Knie), sonst wirkt er unbewusst auf die Fantasie des Betrachters. Aus demselben Grund sind auch die Wickelröcke zu meiden, die sich beim Ge­hen öffnen.“

Wickelröcke sind sittenlos! Ich bin mir sicher, die zwei oder drei Damen über fünfzig, die noch Wickelröcke tragen, werden sehr dankbar für diese Info sein.

„Ein Ausschnitt darf nie (d. h. bei allen Hal­- tungen) den Brustansatz freigeben.“

Also so wie hier wohl eher nicht?

(Jean Fouquet, Jungfrau und Kind, etwa 1450; Quelle: Wikimedia Commons.)

„Die Ärmel sollen lang genug sein, sodass sie – die Schultern gut bedecken und den Arm um­schließen.“

Nicht nur Knie, auch Schultern: Der Inbegriff der erotischen Verführung.

„Zu vermeiden sind eng anliegende T-Shirts, – Pullover, Blusen und Hosen oder schmale, enge Röcke (ob kurz oder lang), welche die Formen des Körpers zu sehr betonen.“

Der Teufel liegt hier im Detail: Bei manchen Frauen lassen sich die Körperformen leicht komplett verhüllen, bei anderen dagegen nicht so leicht. Der Unterschied? Die einen haben Körbchengröße A, die anderen Körbchengröße D.

„Es ist also immer die Frage, was man durch die Kleidung erreichen will: Will man auf sinnliche Weise anziehend, ‚attraktiv‘ sein und dadurch eigentlich zum Lustobjekt von Männerblicken werden oder will man vor allem durch seine Tugenden und innere Schönheit auch nach außen hin ‚leuchten‘, ‚etwas ausstrahlen‘.“

Ich möchte Pater Udressy etwas verraten: Tugenden zeigen sich nicht so einfach im Aussehen. Ich kann mir eine hübsche Flechtfrisur machen und einen langen geblümten Rock anziehen (mache ich sogar manchmal), und mich damit weder zum Lustobjekt machen noch Tugenden ausstrahlen. Das ist schlichtweg hübsch; nett anzusehen; nichts weiter. Von meiner Seele zeigt sich da wenig. Und ich kann auch tugendhaft sein, wenn ich vergessen habe, mir die Haare zu kämmen und eine Jogginghose trage. Doch, wirklich.

Aber es wird noch besser. Hosen gehen nämlich für Mädels gar nicht:

„Der erste Grund, warum ein Mädchen – ohne Not – einen Rock und keine Hose tragen soll, betrifft die Schamhaftigkeit. Die Hosen bedecken zwar den Leib, aber wie wir gesehen haben, soll die Kleidung nicht nur den Leib bedecken, sondern auch die Formen. Nun be­tonen aber die Hosen gerade, vor allem, wenn sie eng sind – was meistens der Fall ist –, die Formen. Wie kann man sagen, dass z.B. das Tragen von Jeans (die um die Taille besonders eng sind) bei einer jungen Dame schamhaft sei?

Der zweite und wichtigere Grund, warum die Hosen sich für die Frau nicht ziemen, liegt im Unterschied der Geschlechter. Gott hat den Menschen als Mann und Frau erschaf­fen. Das männliche und das weibliche Ge­schlecht sind zwei (nicht ein und nicht drei – was heute manchmal behauptet wird!) ver­schiedene Geschlechter. Deshalb muss auch die Kleidung – genauso wie das Verhalten –, um moralisch gut zu sein, dem jeweiligen Geschlecht entsprechen. Die Hl. Schrift sagt: ‚Keine Frau darf Männerkleidung tragen, und kein Mann ziehe Frauenkleider an. Denn wer solches tut, ist dem Herrn, deinem Gott, ein Gräuel‘ (Deut 22,5). Obwohl es damals kei­ne Hosen gab, war die Kleidung der Männer also offenbar anders als die der Frau. Es gibt natürlich eine Entwicklung in der Kleidung, jedoch sollte immer ein Unterschied zwischen männlicher und weiblicher Kleidung bestehen bleiben.

Während die Hosen heute Männerkleidung sind, ist dagegen der Rock eine Frauenklei­dung (da er die Formen im Gegensatz zu den Hosen verhüllt). Würdet ihr es normal finden, wenn ein Junge im Rock herumlaufen wür­de? Das Tragen von Hosen seitens der Frau hängt in der Tat mit der Emanzipation der Frau zusammen: ‚Die Frauenhosenbewegung ging Hand in Hand mit der Emanzipations­bewegung‘ (wörtlich so in Wikipedia!). Der hl. Vinzenz Ferrier sagte (am 13.9.1403) vor­aus: ‚Die Frauen werden sich so anziehen wie die Männer und werden sich nach deren Gelü­sten verhalten; und die Männer werden sich wie die Frauen anziehen‘. Deshalb sagte Mgr. de Castro Mayer, es sei für eine Frau irgend­wie schlimmer, Hosen zu tragen, als einen Minirock, denn letzterer betrifft die Sinne, die Hosen dagegen betreffen den Geist, indem sie das Wesen der Frau angreifen. Eine Frau, die Hosen trägt, verkündet bewusst oder unbe­wusst die Botschaft der Ideologie der Eman­zipierung der Frau und der Vermischung der Geschlechter, sie wirkt an dieser Revolution mit. Eine Frau hingegen, die einen Rock trägt, legt bewusst oder unbewusst Zeugnis für ihre Fraulichkeit, die sittliche Ordnung und die Mutterschaft ab. Wenn alle Frauen sich (deut­lich erkennbar) als Frauen kleiden würden, würde bei den Menschen immer mehr das Bewusstsein dafür zurückkehren, dass jedes Geschlecht anders ist und auch andere, ihm eigene Aufgaben zu erfüllen hat.“

Wie wir alle wissen, betonen Röcke nie die Taille, Hosen aber immer, gibt es keine Unterschiede zwischen Frauen- und Männerhosen, und werden Hosen noch im Jahr 2018 von der Gesellschaft mit einem feministischen Statement gleichgesetzt.

Am Ende tut Pater Udressy genau das, was ich vor zwei Tagen hier kritisiert habe: Die Erwartungen hochsetzen und verunklaren und damit den Leuten unnötige Skrupel wegen an sich harmloser Dinge einreden:

„Wenn Kleidung unkeusch ist, dann ist jedem klar, dass ihr Tragen Sünde ist. Das Problem liegt mehr bei den ‚Grauzonen‘. ‚Herr Pater, man muss es nicht übertreiben. Mit den Ho­sen, das ist doch nicht so schlimm … Sind meine Ärmel jetzt wirklich 2 cm zu kurz? Sooo eng ist das T-Shirt jetzt auch wieder nicht … Und beim Ausschnitt geht’s doch nicht um ein paar Zentimeter … Das ist doch keine Sün­de?!‘

Ich denke, man sollte solche Fragen nicht immer nach dem Standpunkt Sünde oder nicht Sünde beurteilen – wie weit kann man gehen, ohne dass es zu schlimm ist –, sondern man sollte sich um die Vollkommenheit bemühen. Es ist eine Frage der Einstellung: Bemühe ich mich, nach einem Ideal und nach der Heiligkeit zu streben? Oder versuche ich nur, gerade eben Sünden zu vermeiden und mit knapper Not in den Himmel zu kommen?“

Also, Ausschnitt so hoch, wie’s nur geht, Rock und Ärmel so lang, wie’s nur geht, sonst strebt man nicht nach dem Ideal, oder wie jetzt? Das ist schlimmer als die Regeln von oben: Mit klaren Regeln kann sich ein Mädchen immerhin sagen: Okay, kein Brustansatz, und bis zum Knie reicht der Rock, passt. Aber so kann der Einwand kommen: Ja, aber er reicht ja nur gerade so bis zum Knie. So richtig Mühe willst du dir anscheinend nicht dabei geben, die Männer vor unkeuschen Gedanken zu bewahren. Und so hochgeschlossen ist der Ausschnitt nun auch nicht. Meinst du nicht, dass er immer noch die Fantasie anregen könnte? Außerdem hättest du auch noch ein etwas weiteres T-Shirt im Schrank.

Am Ende erklärt Pater Udressy noch einmal, was seiner Meinung nach den großen Unterschied zwischen der Sittsamkeit des männlichen und der Sittsamkeit des weiblichen Geschlechts ausmache:

Eine gute Kleidung soll bei den Jungen dem Anstand und dem Christsein entspre­chen (z. B. der Sonntagsanzug) und keine Un­ordnung reflektieren (schlampige Kleidung, ausgewaschene Jeans, T-Shirts mit hässlichen Motiven). Bei den Mädchen soll sie beson­ders die Reinheit ausdrücken, ein Bekenntnis für die Tugend sein, für die Sittlichkeit und für die Morallehre der Kirche, was gerade in der heutigen unsittlichen Welt wichtiger ist, denn je“

Am Ende werden noch die Mütter aufgerufen, auf die Sittsamkeit ihrer Töchter zu schauen, und es wird das Vorbild der Gottesmutter angeführt.

Also, jetzt mal zum Grundsätzlichen: Die Regeln darüber, was anständige und unanständige Kleidung ausmacht, sind in unterschiedlichen Kulturen ganz unterschiedlich. Und damit werden auch unterschiedliche Dinge als erotisch empfunden.

(Ist diese Himba-Frau unanständig angezogen? Quelle: Wikimedia Commons.)

Brüste oder Knie oder Schultern oder Haare werden nicht von Natur aus als sexuell erregend empfunden; es kommt darauf an, wie eine Gesellschaft solche Körperteile beurteilt und präsentiert. (Und auch auf die individuelle „Präsentation“ kommt es vermutlich an: Ein dezidiert sexy posierendes Model auf einer Werbetafel kommt vielleicht anders rüber als eine stillende Mutter auf einer Parkbank, auch wenn beide gleich viele Quadratzentimeter Brust zeigen sollten.) Und jetzt stellt sich die Frage: Sollte man Jungen, die in unserer Gesellschaft aufwachsen, eher beibringen, sich an den Anblick von Knien zu gewöhnen, oder ihnen beibringen, sie als erotische Körperteile zu empfinden, die anzusehen sie meiden müssen, weil sie sonst bestimmt sexuelle Gedanken bekommen und in Sünde verfallen würden? Doch, man kann sich an den Anblick von Körperteilen gewöhnen. Es gibt sogar Männer, die den Beruf des Gynäkologen ergreifen und sich Tag für Tag weibliche Geschlechtsteile ansehen und daran gewöhnt sind. Wenn ein Sanitäter einer Frau Erste Hilfe leistet und eine Herzdruckmassage macht, muss er ihre Brust anfassen. Und so weiter. Man muss bestimmte Körperteile nicht zwangsläufig sexuell betrachten.

Ich sage nicht, dass es so etwas wie anständige und unanständige Kleidung nicht gäbe. Aber die ist eben mehr so definiert wie Pater Udressy sie für Jungen definiert: Man achtet gesellschaftliche Höflichkeitsregeln. Z. B. werden hierzulande Hotpants, die nicht einmal das Hinterteil bedecken, als provokant und unanständig (und damit auch irgendwo als aufreizend) empfunden, längere Hosen, die noch ein wenig über dem Knie enden, aber nicht. Am Badesee zieht man sich anders an als in der Kirche, bei einer Firmenfeier anders als in der Freizeit. Und so weiter.

Was auch gern vergessen wird: Niemand wird sein Leben lang vor sexuellen Gedanken bewahrt bleiben, weil um ihn herum alle anständig angezogen sind. Die kommen aus dem Menschen selber. Manchmal hilft ein Anstoß von außen nach, aber auch ohne werden genügend kommen. Wir Frauen könnten alle in Burkas herumlaufen und trotzdem hätten wir keine wunderbar keusche Gesellschaft.

Ich bin auch der Ansicht, dass Pater Udressy die Geschichte von Adam und Eva, die er am Anfang erwähnt, etwas falsch interpretiert: Moses berichtet uns, dass Adam und Eva nach ihrer ersten Sünde den Bedarf verspür­ten, sich zu bekleiden: ‚Da gingen beiden die Augen auf, und sie merkten, dass sie nackt waren. Sie flochten Blätter vom Feigenbaum zusammen und machten sich Schurze‘ (Gen 3,7). Aus diesem Text geht der Hauptgrund der Kleidung hervor: die Sittlichkeit. Wir be­kleiden uns nicht in erster Linie zum Schutz vor Kälte, sondern zum Schutz vor der Begier­lichkeit. Die Kleidung soll uns die Keuschheit erleichtern und den Blick auf das Geistige statt auf das Sinnliche lenken.“

Nun waren Adam und Eva aber miteinander verheiratet; wozu also so viel „Schutz vor der Begierlichkeit“? Ich denke, hier geht es eher um die Schamhaftigkeit: Ich schäme mich, wenn jemand meinen nackten Körper sieht, weil es mich irgendwie verletzlich macht; so ist die Situation seit dem Sündenfall, wo die Menschen nicht mehr einfach im gegenseitigen Vertrauen leben.

Abschließend: Ich denke, es ist besser, sich nicht ganz so viel Kopf zu machen wegen ein paar Zentimetern Rocklänge mehr oder weniger.

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16 Gedanken zu “Sittsamkeit, meine Damen!

  1. Adam und Eva verheiratet? Wie, wo, wann……? Sicher nicht im Paradies, so viel steht schon mal fest. Zum Schurz würde ich sagen: Sie erkannten, dass sie nackt waren, sie erkannten, dass sie Sch….gebaut haben, also gesündigt hatten und dann erkannten sie, dass sie plötzlich ihren Gegenüber ganz anders anschauten als es noch keinen Apfel gegeben hat. Im Paradies war falsche oder richtige Schamhaftigkeit nämlich kein Thema, es war nämlich „alles sehr gut“!

    Zum Thema Kleiderordnung: Grundsätzlich(!) hat der Pater Udressy recht, mit allem was er geschrieben hat. Es wäre allerdings ein Wunder, wenn er damit nicht anecken würde. Es geht ihm wohl nicht um die Zentimeterangabe von Röcken und Hosen, sondern um die Einstellung zu diesen Kleidungsstücken und wie und wann man dieselben trägt. Dass Sie z.B. in einer Jogginghose tugendhaft sein können ist ja nicht das Thema von Pater Udressy. Wenn sie allerdings als Lektorin vor der Gemeinde in derselben auftauchen (hatten wir schon alles) würden, könnten Zweifel an ihrer Tugendhaftigkeit genährt werden. Und Zweifel sind in dieser Sache nicht hilfreich und ich würde zweifeln ob sie noch alle Latten am Zaun hätten. Bauchfrei auf einer Firmung zu erscheinen, (in unserer Gemeinde hatten wir mehrere solcher Fälle), lässt genau welche Schlussfolgerung auf die Tugendhaftigkeit der jungen Damen schließen? Richtig, sie wissen mit dem Begriff Tugend gar nix anzufangen. Dann wäre Pater Udresseys Aufsatz hilfreich, besonders für die Mütter, die ihre Mädels mit knappem Top vor dem Bischof flanieren lassen.

    Sie schreiben abschließend: „Ich denke, es ist besser, sich nicht ganz so viel Kopf zu machen wegen ein paar Zentimetern Rocklänge mehr oder weniger.“
    Da musste ich schmunzeln, sucht doch meine Frau seid Wochen vergebens einen Rock, der über das Knie hinausreicht. Nicht weil ich das verlangen würde, sondern weil sie den einfach haben will aber nicht fündig wird. Bis es soweit ist, wird sie weiter Hosen tragen. Tugendhaft versteht sich…..;-)

    1. „Gott, der HERR, baute aus der Rippe, die er vom Menschen genommen hatte, eine Frau und führte sie dem Menschen zu. Und der Mensch sprach: Das endlich ist Bein von meinem Bein und Fleisch von meinem Fleisch. Frau soll sie genannt werden; denn vom Mann ist sie genommen. Darum verlässt der Mann Vater und Mutter und hängt seiner Frau an und sie werden ein Fleisch. Beide, der Mensch und seine Frau, waren nackt, aber sie schämten sich nicht voreinander.“ Ja, das ist noch im Paradies. Genesis 2,22-24.

      Dieser Absatz aus meinem Artikel ist Ihnen wohl entgangen: „Ich sage nicht, dass es so etwas wie anständige und unanständige Kleidung nicht gäbe. Aber die ist eben mehr so definiert wie Pater Udressy sie für Jungen definiert: Man achtet gesellschaftliche Höflichkeitsregeln. (…) Am Badesee zieht man sich anders an als in der Kirche, bei einer Firmenfeier anders als in der Freizeit. Und so weiter.“

      Sie wollen mir nicht ernsthaft erzählen, dass man keine langen Röcke findet. Röcke mit Taschen oder warme Röcke sind schwierig zu finden. Lange Röcke an sich? Einfach. Sehr einfach. Ich hab mal eine Minute für eine Suche auf Amazon aufgewendet. Nur ganz wenige ausgewählte Ergebnisse:

      https://www.amazon.de/Homedecoam-T%C3%BCllrock-Falten-Taille-Organza/dp/B01ELG0TX6/ref=sr_1_2_sspa?ie=UTF8&qid=1532007183&sr=8-2-spons&keywords=lange+r%C3%B6cke&psc=1

      https://www.amazon.de/DJT-Elastische-Einfarbig-Sommerrock-Schwarz/dp/B01G6XOK9Q/ref=sr_1_4?ie=UTF8&qid=1532007183&sr=8-4&keywords=lange+r%C3%B6cke

      https://www.amazon.de/Frauen-b%C3%B6hmische-Baumwolle-elastische-RockMaxi/dp/B01N0AT6K3/ref=sr_1_8?ie=UTF8&qid=1532007183&sr=8-8&keywords=lange+r%C3%B6cke

      https://www.amazon.de/DJT-Gefalteter-Rock-Elastischer-Taillen-Rock-Schwarz/dp/B07B4WFKJK/ref=sr_1_10_sspa?ie=UTF8&qid=1532007183&sr=8-10-spons&keywords=lange+r%C3%B6cke&psc=1&smid=A35Z9ZRKDA7AH

      https://www.amazon.de/Abollria-Chiffon-Linien-Maxirock-Unterrock/dp/B073VH6L16/ref=sr_1_12?ie=UTF8&qid=1532007183&sr=8-12&keywords=lange+r%C3%B6cke

      1. „Sie wollen mir nicht ernsthaft erzählen, dass man keine langen Röcke findet.“

        Ich suche keine Röcke sondern meine Frau, und die tut sich da sehr schwer, zumindest wenn sie ihrem Grundsatz treu bleiben will nix bei Amazon zu bestellen, sondern im gut sortierten Einzelhandel solange es den noch gibt.

        Zu Genesis: Wie Sie mit dieser Schriftstelle eine eventuelle Heirat von Adam und Eva begründen, bleibt erst mal ihr Geheimnis. Ich kann das nicht erkennen. Dort wird explizit beschrieben wie Gott der Herr den Menschen erschaffen hat, nicht wie er die beiden verheiratet, wie Sie es in ihrem Artikel behaupten.

        “ Aber es ist schon wirklich lächerlich, wie übertrieben da geredet wird – als würden draußen auf der Straße bloß noch Nackerte herumlaufen.“

        Wenn es nur um die übertriebene Ausdrucksweise des Herrn Udressy geht, dann frage ich mich wieso die Aufregung? Wenn sie selber sagen, dass es unanständige Kleidung gibt, dann tun sie jetzt was genau anders als Pater Udressy? Sie drücken es etwas weniger übertrieben aus? Damit kann man ja leben, aber einen Verriss eines „unsäglichen Artikels“ halte ich dann doch für fehl am Platz. Fakt ist, dass es genügend Beispiele für unanständige Kleidung gibt, wenn man nur sein Haus verlässt und in eine beliebige Fußgängerzone in Deutschland unterwegs sein muss. Man(n) sollte sich nicht wundern, dass ausschließlich das weibliche Geschlecht bis hinunter ins Kindesalter, einen regelrechten Wettkampf ausficht, wer noch knapper bekleidet die Flaniermeilen entlang schlendern könnte. Da geht es schon lange nicht mehr um einige Zentimeter weniger oder mehr.

      2. Amazon war nur ein Beispiel; auf der Internetseite von Orsay kann man mit einer kurzen Suche zum Beispiel das alles finden:

        http://www.orsay.com/de-de/produkte/kleider/maxikleider/

        http://www.orsay.com/de-de/maxi-rock-in-wickeloptik-744030322000.html

        http://www.orsay.com/de-de/rock-mit-hohem-bund-723020566000.html

        http://www.orsay.com/de-de/asymmetrischer-rock-724135526000.html

        http://www.orsay.com/de-de/tuellrock-mit-schmucksteinchen-722168312000.html

        Bei C&A gibt es immerhin das hier:

        https://www.c-and-a.com/de/de/shop/maxirock-1089072/1?q=Maxirock

        Wow, bei h&m gibt es richtig viele Treffer für Maxiröcke! Und da sind richtig schöne dabei:

        https://www.hm.com/de/products/search?q=maxi%20rock

        Lesen Sie die Stelle bitte noch mal genau.

        Ich habe diverse Aussagen des Artikels kritisiert – z. B. dass der Anblick von gewissen Körperteilen automatisch zur Sünde führen würde. Ich bin der Ansicht, dass es in unserer Kultur nicht unbedingt angebracht ist, z. B. im Bikini in die Kirche zu kommen; das verstehe ich unter „anständiger Kleidung“. Ich glaube, wenn Sie meinen Artikel noch mal genau lesen, wird meine Ansicht und der Unterschied zu Pater Udressys Ansicht sehr klar.

        Meine Güte. Sehen Sie sich das weibliche Geschlecht in den Fußgängerzonen doch noch mal genau an.

      3. Frauen und Klamotten. Ich hatte den Verdacht, dass ich damit eine Lawine lostrete. Der Verdacht hat sich bestätigt. Momentan sehe ich in den Fußgängerzonen meist knappe Höschen anstatt lange Röcke. Obwohl die Auswahl letzterer ja riesig ist.

      4. Pater Udressy: „Ein Ausschnitt darf nie (d. h. bei allen Hal­- tungen) den Brustansatz freigeben.“

        Sie „kontern“ mit einem Gemälde aus dem 15. Jahrhundert. Das soll jetzt redlich sein? Ist aber, meine ich, am Thema vorbei. Von der theologischen Aussage des Bildes ganz zu schweigen, die mit dieser Diskussion nix zu tun hat.

  2. Pater Udressy kennt doch sicher Tit. 1, 15: „Für den Reinen ist alles rein; für die Unreinen und ungläubigen aber ist nichts rein, sogar ihr Denken und ihr Gewissen sind unrein.“

    Vielleicht sagt der Text ja mehr über die schmutzige Phantasie des Autors als über ein angebliches sittliches Problem.

    1. Na ja, Paulus hat auch vom Schweigen der Frauen in der Gemeinde gesprochen. Man sehe den Zusammenhang oder auch nicht. Steinbruch-Exegese hilft hier nicht weiter.

      1. @Gerd: »Steinbruch-Exegese hilft hier nicht weiter.«

        Ja, schon klar. Der Kontext der Stelle ist die Auseinandersetzung mit judaisierenden Christen und Gnostikern und irgendwelchen abstrusen Speisegesetzen etc. pp.

        Aber das Zitat hat durchaus eine nicht ganz fernliegende Wirkungsgeschichte, nämlich in „Wilhelm Meisters Wanderjahre“ III, 3, wo es um die künstlerische Auseinandersetzung mit der Nacktheit geht, so wie der Mensch von Gott geschaffen ist („der Mensch ohne Hülle ist eigentlich der Mensch, der Bildhauer steht unmittelbar an der Seite der Elohim, als sie den unförmlichen, widerwärtigen Ton zu dem herrlichsten Gebilde umzuschaffen wußten; solche göttliche Gedanken muß er hegen, dem Reinen ist alles rein, warum nicht die unmittelbare Absicht Gottes in der Natur?“). In diesem Sinne kann man also von dem ‚reinen‘ Christen schon verlangen, völlig *unabhängig* von möglichen Intentionen des-/derjenigen, die sich ‚unzüchtig‘ kleidet, sich an Gottes Schöpfung zu freuen oder wegzuschauen, sich selbst also im Griff zu haben und nicht die Verantwortung für sich selbst abzugeben – worauf @nolitetimere ja hinaus will.

    2. So weit würde ich jetzt nicht gehen wollen. Im Tradi-Umfeld kommen solche Fragen halt auf, und sind solche Antworten standardmäßig verbreitet. Wir kennen Pater Udressy ja schließlich auch nicht.

      Und was die Interpretation von Tit 1,15 angeht: Den Vers sollte man auch vorsichtig verwenden, finde ich, und zwar weil man, wenn man ihn aus dem Kontext reißt, halt auch leicht Dinge rechtfertigen könnte, die wirklich Sünde sind.

      Aber es ist schon wirklich lächerlich, wie übertrieben da geredet wird – als würden draußen auf der Straße bloß noch Nackerte herumlaufen.

      1. @Sokleidas

        Was sie geschrieben haben steht da erst einmal. Jemanden eine schmutzige Phantasie zu unterstellen, der sich vielleicht nur „übertrieben“ ausdrückt, ist schon ein starkes Stück. Das sollte nicht sein. Argumente werden allerdings immer gerne gelesen.

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