Zu Franziskus und McCarrick

Ich habe weder die Zeit noch die Lust, viel über die neuen Enthüllungen zu schreiben. Trotzdem ein paar Gedanken, weil es vielleicht notwendig ist.

Erstmal die groben Fakten:

Der ehemalige Nuntius für die USA, Erzbischof Carlo Maria Vigano, behauptet, Papst Benedikt habe Kardinal McCarrick (der damals schon aus Altersgründen nicht mehr Erzbischof war), 2008 oder 2009 gewisse Sanktionen auferlegt, nachdem er von McCarricks Missbrauch von Seminaristen erfahren hatte (der Missbrauch von Jugendlichen war offenbar noch nicht bekannt); McCarrick habe ein zurückgezogenes Leben in Gebet und Buße führen sollen und z. B. nicht mehr reisen oder öffentlich die Messe feiern dürfen. Papst Franziskus habe gleich zu Beginn seines Pontifikats davon erfahren und die Sanktionen trotzdem aufgehoben und McCarrick zu einem seiner engen Berater gemacht. Auch einige US-Bischöfe – wie Kardinal Wuerl – hätten von alldem gewusst und McCarrick unterstützt.

Papst Franziskus weigert sich, sich dazu irgendwie zu äußern.

Ein ehemaliger Berater der Nuntiatur bestätigt einige Anschuldigungen.

Ein paar wenige Bischöfe verlangen Antworten und Ermittlungen, Franziskus‘ größte Fans – Austen Ivereigh, Father James Martin SJ usw. – demonstrieren in der Zwischenzeit auf Twitter, dass so ein kleiner Skandal sie in ihrer Papsttreue nicht anficht.

Tja. So langsam hat man den Eindruck, dass der Papst nicht nur ein neuer Honorius I., sondern auch ein neuer Alexander VI. ist – alles in allem ein manipulativer, korrupter Mensch, der sich gerne als Heiliger feiern lässt, diejenigen kaltstellt, die ihm nicht genehm sind, und hintenrum alles Mögliche vertuscht.

Ein paar Dinge, die man im Hinterkopf behalten sollte.

  • Gott wird alle Verantwortlichen früher oder später zur Rechenschaft ziehen, und das könnte für einige nicht schön werden – nach dem, was wir bis jetzt wissen oder annehmen können, zumindest.
  • Es ist gut, wenn der ganze Dreck endlich ans Licht kommt. Es muss verhindert werden, dass es so weitergeht.
  • Die Anschuldigungen sind zwar noch nicht genau bewiesen, fügen sich aber passgenau in das Bild ein, das Franziskus in den letzten Jahren abgegeben hat. Er hat schon zu Beginn seines Pontifikats Missbrauchstäter begnadigt; da konnte man ihm noch gut gemeinte, wenn auch falsch verstandene Barmherzigkeit unterstellen; als er die Anschuldigungen gegen den chilenischen Bischof Juan Barros als Verleumdungen abgetan hat, wurde das schon schwieriger. Und nun also McCarrick.
  • Man muss Vigano nicht mögen, man muss ihm nicht mal glauben, dass er gute Motive hat, um die Anschuldigungen, die er vorbringt, für glaubwürdig zu halten.
  • Ja, Papst Franziskus ist immer noch Papst. Auch wenn es nicht so einfach ist, sich wieder an schlechte Päpste zu gewöhnen – bzw. an einen gleich so extrem schlechten.
  • Wir hatten schon andere manipulative, korrupte Päpste und die Kirche hat es überlebt, weil Gott seine Kirche nicht von Päpsten kaputt machen lässt.
  • Der Papst kann nicht gerichtet werden – aber er könnte zurücktreten. Oder umkehren, Buße tun und in Zukunft Korruption und Vertuschung nicht nur selber bleiben lassen, sondern sie überall bekämpfen. Haha, just kidding. Wahrscheinlich wird er probieren, das Ganze auszusitzen. Mal sehen, wie lange das noch klappt.

Die Anschuldigungen sind sehr detailliert und betreffen zahlreiche Männer aus Franziskus‘ innerem Kreis. Heute tue ich mal etwas, das ich noch nie getan habe: Ich empfehle meinen Lesern, einer Empfehlung von Papst Franziskus zu folgen: Lest das alles selber. Hier gibt es die elf Seiten in englischer Übersetzung. UPDATE: Hier die deutsche Übersetzung.

(John Martin, Die Zerstörung von Sodom und Gomorrha, 1852; Bildquelle: Wikimedia Commons.)

Zu guter letzt eine der vielen Bibelstellen, die sich einige unserer Kirchenmänner um ihrer eigenen Seele willen zu Herzen nehmen sollten:

„Meine Hand wird gegen die Propheten sein, die nichtige Visionen haben und falsche Orakel verkünden. Sie gehören nicht in die Gemeinschaft meines Volkes und sollen nicht im Verzeichnis des Hauses Israel verzeichnet sein; sie werden nicht in das Land Israel kommen. Dann werdet ihr erkennen, dass ich GOTT, der Herr, bin.
 Gerade deshalb, weil sie mein Volk in die Irre führen und Heil verkünden, wo es kein Heil gibt, weil das Volk eine Mauer aufrichtet und jene sie mit Tünche bestreichen,
 deshalb sag denen, die sie mit Tünche bestreichen: Sie wird einstürzen. Es kommt ein Wolkenbruch und ihr, ihr Hagelsteine, sollt herabfallen und ein Sturmwind bricht los
 und siehe, schon stürzt die Mauer ein. Wird man dann nicht zu euch sagen: Wo ist jetzt die Tünche, die ihr aufgetragen habt?
 Darum – so spricht GOTT, der Herr: Ich lasse in meinem Zorn einen Sturmwind losbrechen, in meinem Groll wird ein Wolkenbruch kommen, in meinem Zorn ein verheerender Hagelschlag.
 Ich reiße die Mauer ein, die ihr mit Tünche bestrichen habt, ich lasse sie zu Boden stürzen und ihr Fundament wird bloßgelegt. Und wenn sie einstürzt, werdet ihr darin umkommen. Dann werdet ihr erkennen, dass ich der HERR bin.
 Ich vollende meinen Zorn an der Mauer und an denen, die sie mit Tünche bestrichen haben, und ich sage euch: Die Mauer ist weg und weg sind die, die sie bestrichen haben,
 die Propheten Israels, die über Jerusalem prophezeien und ihm eine Heilsvision schauen, obwohl es kein Heil gibt – Spruch GOTTES, des Herrn.“
(Ezechiel 13,9-16)
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4 Gedanken zu “Zu Franziskus und McCarrick

    1. Es geht hier übrigens gerade darum, dass Franziskus Benedikts Sanktionen zurückgenommen hat – wie ja schon in mehreren anderen Fällen. Die beiden hier auf eine Stufe zu stellen ist demnach falsch (was nicht heißt, dass Benedikt alles richtig gemacht hat – Sanktionen müssten öffentlich sein!).

      – Crescentia.

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  1. Alexander VI.?

    Ein gewiefter Politiker, der, soweit wir es beurteilen können, ehrlichen Herzens das beste für die Kirche und natürlich die Familie Borgia wollte, ein fleißiger Arbeiter, milder Richter (siehe den Fall Savonarola) und Friedensstifter, der es zugegeben aus Familiensinn nicht auf die Reihe brachte, seinen Sohn zu disziplinieren, dessen Untaten aber immerhin nicht billigte, und der tatsächlich recht erfolgreich herrschte?

    (Gut, ich war nicht dabei, vielleicht war er ja wirklich so schlimm, wie sein Intimfeind Julius II. später behaupten würde, dessen hauptsächliche Politik es war, mit „fuori i barbari!“ nichtitalienische Herrscher vom Boden Italiens zu verdrängen, aber ich weiß ja nicht.)

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