Was ist eigentlich Liebe?

Was ist eigentlich Liebe? Ach ja. Ein Begriff über den viel geredet wird, und der für allen möglichen Unsinn herhalten muss – und ein Begriff, der, richtig definiert, unheimlich wichtig ist.

Die Liebe ist die Grundlage des Christentums – und zwar zuallererst die Liebe, die Gott zu uns hat und aus der heraus Er Mensch geworden ist. Die macht uns dann erst fähig, Gott zurück zu lieben, und andere Menschen zu lieben wie uns selbst. Man müsste eigentlich viel mehr über Gottes Liebe zu uns schreiben (und dann auch über die Liebe, die wir Gott schulden), aber das versuche ich ein anderes Mal; heute will ich mich erst einmal auf die zwischenmenschliche Liebe konzentrieren. Im Evangelium heißt es: „Einer von ihnen, ein Gesetzeslehrer, wollte ihn [Jesus] versuchen und fragte ihn: Meister, welches Gebot im Gesetz ist das wichtigste? Er antwortete ihm: Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit deinem ganzen Denken. Das ist das wichtigste und erste Gebot. Ebenso wichtig ist das zweite: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. An diesen beiden Geboten hängt das ganze Gesetz und die Propheten.“ (Mt 22,35-40)

„Es gibt keine größere Liebe, als wenn einer sein Leben für seine Freunde hingibt.“ – Joh 15,13. (Buchillustration, 12. Jahrhundert. Gemeinfrei.)

Das Wort „Liebe“ wird manchmal verwendet für die Zuneigung zum Vertrauten, die Bindung zu den Menschen und Dingen, zu denen man gehört – der Familie, dem Zuhause; es wird auch verwendet für das Angezogensein von Menschen und Dingen, die man bewundert oder mag – da sind wir im Bereich von Freundschaft, romantischer Liebe, der Freude über neu entdeckte Dinge. Manchmal vermischen sich diese beiden Arten Liebe – z. B. bei der Liebe zum Ehepartner, der Familie ist und den man sich mal ausgesucht hat, weil er einem gefallen hat. Beide Arten von Liebe sind gut, und wichtig, aber sie sind noch nicht Liebe im Vollsinn und sie kommen nicht ohne diese Liebe im Vollsinn aus.

Liebe im Vollsinn, Liebe im Sinne des lateinischen „caritas“ oder des griechischen  „agape“, im Sinne dessen, was man oft als „christliche Nächstenliebe“ bezeichnet, bedeutet ganz einfach ein Bejahen der Existenz des anderen, ein grundsätzliches Wohlwollen ihm gegenüber. Diese Liebe sagt: Ich will, dass du bist. Du bist keine Platzverschwendung, du sollst sein. Sie bedeutet: Dem anderen Gutes wollen. Diese Liebe schuldet jeder Mensch jedem Menschen, anders als die beiden oben genannten Arten von Liebe – man kann und muss nicht jeden sympathisch finden oder mit jedem befreundet sein, aber man muss jeden lieben. Ja, ausnahmslos jeden. „Ihr habt gehört, dass gesagt worden ist: Du sollst deinen Nächsten lieben und deinen Feind hassen. Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde und betet für die, die euch verfolgen, damit ihr Kinder eures Vaters im Himmel werdet; denn er lässt seine Sonne aufgehen über Bösen und Guten und er lässt regnen über Gerechte und Ungerechte. Wenn ihr nämlich nur die liebt, die euch lieben, welchen Lohn könnt ihr dafür erwarten? Tun das nicht auch die Zöllner? Und wenn ihr nur eure Brüder grüßt, was tut ihr damit Besonderes? Tun das nicht auch die Heiden?“ (Mt 5,43-47)

Aber keine Angst. Die Feindesliebe ist gar nicht so schwer, wie sie auf den ersten Blick aussieht. Diese Liebe verträgt sich z. B. schon mit dem Wunsch, jemanden, der ein Verbrechen begangen hat, dafür (im rechten Maß!) bestraft sehen zu wollen. Womit sie sich nie verträgt, ist: Jemanden auf ewig in die Hölle zu wünschen; ihm für etwas, das er bereut, nicht vergeben zu wollen; ihm etwas Ungerechtes, Unverdientes zu wünschen oder anzutun.

Die Feindesliebe zu, sagen wir, (um nicht immer völkermordende Diktatoren als Beispiele herzunehmen, mit denen die meisten von uns wenig zu tun haben werden) einem Verbrecher, der einen auf der Straße brutal niedergeschlagen und ausgeraubt hat, kann sehr wohl so aussehen, dass man wünscht, dass er gefasst wird, dass er ein paar Jahre ins Gefängnis kommt, damit die Gerechtigkeit wiederhergestellt ist und er etwas draus lernt, dass er bereut und sich bessert und dass er am Ende zusammen mit einem in den Himmel kommt. Die Feindesliebe zu einem Partner, der einen immer wieder misshandelt hat, dann immer wieder beteuert hat, es käme nicht mehr vor, nur um einen dann doch wieder zu tyrannisieren und zuzuschlagen, kann sehr wohl so aussehen, dass man sich trennt, seinen Entschuldigungen nicht mehr traut und jeden Kontakt abbricht, um sich zu schützen; und dass man wünscht, dass er bereut und sich bessert und dass er am Ende zusammen mit einem in den Himmel kommt. (Auf Gerechtigkeit zu bestehen ist vielleicht sogar für den anderen in solchen Situationen am besten, weil er dann, wenn seine Opfer sein Handeln nicht mehr hinnehmen, sich wirklich gezwungen sehen könnte, sich zu ändern, was seiner Seele guttäte. Aber selbst, wenn das nicht der Fall wäre: Die Feindesliebe verbietet es nicht, eine gewisse Gerechtigkeit zu wollen oder sich selbst vor jemandem zu schützen. Die Liebe zu sich selbst verträgt sich ja auch damit – und zwar sehr gut damit – dass man, wenn man ein Unrecht begangen hat, eine gerechte Strafe dafür auf sich nimmt.) Man denke hier auch an Stephanus und Paulus, die jetzt beide als Heilige gemeinsam bei Gott sind, obwohl der eine dabei geholfen hat, den anderen zu ermorden. Im Diesseits ist noch keiner so verhärtet, dass er unwiderruflich verloren wäre und jede Hoffnung für ihn sinnlos wäre. (Wir können wohl davon ausgehen, dass der Tod für jemanden dann kommt, wenn Gott sieht, dass eine weitere Bewährungszeit nichts Grundsätzliches mehr für ihn ändern würde.)

Der Liebe entgegengesetzt ist nicht nur der Hass, sondern auch Verachtung oder völlige Gleichgültigkeit. Liebe ist etwas Positives, nicht nur ein bloßes in-Ruhe-Lassen (auch wenn sie das manchmal auch bedeutet – doch, ja), sie erfordert manchmal Anstrengung und Kraft. Sie bedeutet: über sich hinausschauen, andere wahrnehmen und achten, sehen, wer sie sind, was sie bewegt, was sie brauchen, sich selber auch mal klein machen und ihnen den Vortritt lassen, sie bedeutet Interesse an anderen und Verantwortung für sie, Hilfsbereitschaft, Großzügigkeit, Dankbarkeit.

Liebe richtet auf, statt zu zerstören. Sie ist nicht damit beschäftigt, zu dekonstruieren und zu verreißen – manchmal muss sie das in Bezug auf falsche Illusionen etc. zwar tun, aber das ist nicht das, was ihr eigentlich liegt.

Die Faustregel „Alles, was ihr wollt, dass euch die Menschen tun, das tut auch ihnen!“ (Mt 7,12) ist meistens ziemlich hilfreich, wenn man sich darüber klar werden will, was die Liebe zu anderen erfordert; außer natürlich wenn, was ja auch vorkommen kann, jemand einen destruktiven, verächtlichen Hass gegenüber sich selber hegt und auch sich selber nichts Gutes tun würde. Solcher Selbsthass ist ebenfalls der Liebe entgegengesetzt; man soll jedem Menschen mit diesem grundsätzlichen Wohlwollen begegnen, anderen und auch sich selbst.

Liebe ist nichts Widervernünftiges (und Vernunft nichts Liebloses!). Im Johannesevangelium heißt es „und das Wort war Gott“ – das hier gebrauchte griechische Wort für „Wort“, „logos“, heißt auch „Vernunft,“ – und im 1. Johannesbrief „Gott ist die Liebe“: Gott ist Vernunft und Liebe zugleich. Es entspricht der Vernunft, die Geschöpfe, die Gott gut geschaffen hat (wenn sie auch später gefallen und teilweise verdorben sind), zu lieben. Liebe bedeutet, einen anderen so zu sehen, wie Gott ihn gewollt hat; sehen, dass er etwas wert ist, dass er Gutes  an sich hat, dass er, wenn er schon kein guter Mensch ist, zumindest gut sein könnte.

Liebe will den anderen als guten Menschen sehen. Sie freut sich auch über seine sonstigen Errungenschaften oder Eigenschaften, Erfolg oder Klugheit oder von ihm geschaffene Dinge, aber vor allem will sie ihn als guten Menschen sehen. Liebe kann sich nicht daran freuen, wenn ein geliebter Mensch (zum Beispiel) glücklich dabei ist, luxuriös zu leben, indem er alte Leute mit Enkeltrickbetrug ausnimmt.

Es gibt bekanntlich die alte Formel „die Sünde hassen, den Sünder lieben“, die vom hl. Augustinus stammt. Das ist keine praktisch eh nicht durchführbare Haarspalterei, sondern die Grundlage, um überhaupt lieben zu können. Man liebt das Schlechte am anderen nicht – man liebt ihn trotz des Schlechten, und man will, auch um seinetwillen, dass das Schlechte an ihm verschwindet. Eben genau dieselbe Einstellung, die man auch sich selbst gegenüber normalerweise hegt bzw. hegen sollte.

C. S. Lewis schreibt dazu: „Lange kam mir das wie Haarspalterei vor. Wie können wir die Handlungen eines Menschen hassen, nicht aber den Menschen selbst? Jahre später erst ging mir auf, dass es einen Menschen gab, den ich schon immer auf diese Weise behandelt hatte: nämlich mich selbst. So sehr ich meine Feigheit, meine Eitelkeit oder meine Habgier auch verabscheute, ich hörte nicht auf, mich selbst zu lieben. Da hatte es nie Probleme gegeben. Mehr noch, ich verabscheute diese Dinge, gerade weil ich den Mann liebte. Eben weil ich mich liebte, tat es mir weh, immer wieder mitansehen zu müssen, zu welchen Taten ich fähig war. Das Christentum verlangt von uns aber nicht, den Abscheu über Grausamkeit oder Verrat zu unterdrücken oder auch nur im mindesten abzuschwächen. Wir sollen und dürfen beides hassen. Wir brauchen kein einziges Wort zurückzunehmen.“ (Aus: „Pardon, ich bin Christ“ (Originaltitel „Mere Christianity“), Teil III, Kapitel 7.)

Auch der hl. Thomas von Aquin schreibt: „Ich antworte, gemäß ihrer Natur, nach der sie die Seligkeit genießen können, seien die Sünder zu lieben; denn die gemeinschaftliche Grundlage der heiligen Liebe ist die ewige Seligkeit; — gemäß der Schuld aber, die ein Hindernis bildet für die Seligkeit, seien sie aus dem gleichen Grunde zu hassen; selbst wenn es Vater, Mutter etc. wäre, wie Luk. 14. geschrieben steht. Daß sie also Sünder sind, müssen wir in ihnen hassen; daß sie Menschen sind, in heiliger Liebe lieben.“ (Summa Theologiae, II/II 25,6)

Liebe ist keine bloße Emotion – und man kann sehr wohl jemanden lieben, indem man ihm praktisch Liebe zeigt, auch wenn man nicht viele nette Gefühle für ihn hegt. Gerade dann ist es wertvoll, jemandem Gutes zu tun, wenn man ihn nicht sympathisch finden kann. Wobei positive Emotionen natürlich oft hilfreich sind, wenn man zu jemanden gut sein will.

Sie ist auch nichts Gesetzloses oder Widergesetzliches – im Gegenteil, sie ist die Grundlage des göttlichen Gesetzes, nicht ein Vorwand zu dessen Umgehung. „Wenn ihr mich liebt, werdet ihr meine Gebote halten.“ (Joh 14,15). Sie bedeutet Harmonie und Ordnung, Treue und Verlässlichkeit und das Einhalten von Versprechen. Ja, dazu gehört an prominenter Stelle das Eheversprechen. („Die Gefühle sind irgendwie weg“ ist kein ausreichender Grund für eine Trennung. Man hat sich Liebe und Treue versprochen, in guten wie in schlechten Tagen, und das kann man immer noch halten. Erst recht nicht ist „Liebe“ ein ausreichender Grund, um seinen Partner mit jemand Neuem zu betrügen. (Diese Art „Liebe“ beruht meistens sowieso nicht auf mehr als Hormonen und Einbildung.))

Liebe ist nicht parteiisch und nicht blind. Liebe leugnet die Fehler eines geliebten Menschen nicht einfach und ignoriert sie auch nicht, wenn sie entsprechend groß sind.

Damit ist sie meistens genau das, was sogenannte „Liebesromane“ nicht unter „Liebe“ verstehen. Ein Beispiel aus einem der klassischen Schundromane, Band 2 der Twilight-Reihe (ich bitte alle christlichen Leser, mich nicht für meine Jugendsünden zu verurteilen!); an einer Stelle denkt sich die Hauptfigur in Bezug auf ihren Guter-Vampir-(derzeit-Ex)-Freund, dass sie ihn selbst dann geliebt hätte, wenn er ein Mörder gewesen wäre: „Aber wenn es so gewesen wäre? Wenn er sich, während ich ihn kannte, genauso verhalten hätte wie jeder andere Vampir? Wenn Menschen im Wald verschwunden wären, genau wie jetzt? Hätte ich mich dann  von ihm ferngehalten? Ich schüttelte traurig den Kopf. Liebe ist irrational, dachte ich wieder. Je mehr man jemanden liebte, desto unlogischer wurde alles.“ Nö. Genau das ist nicht Liebe. Sondern eine ziemlich abstoßende Blindheit.

Serien und Filme und Romane arbeiten ja auch gerne mit dramatischen Gewissensdilemmata, mit Situationen, in denen die Hauptfigur, erpresst durch einen Verbrecher, irgendeinem Fremden etwas antun soll, damit der Verbrecher einem geliebten Familienmitglied, das er entführt hat, nichts antut, oder etwas in der Art. Das Resultat ist dann meistens, dass derjenige das tut, weil, aus Liebe kann er halt nicht anders, oder so. Aber, doch, er könnte. Und die speziell dem Familienmitglied geschuldete Liebe berechtigt ihn nicht dazu, dem Fremden etwas anzutun. Dem schuldet er nämlich auch eine gewisse Liebe. Sicher ist man zuerst für die „Nächsten“, für die einem am nächsten Stehenden, verantwortlich, aber das heißt nicht, dass andere nicht zählen. Und wenn etwa, um ein anderes Beispiel zu nehmen, der eigene Sohn ein Verbrechen begangen hat, verbietet es die allen Menschen geschuldete Liebe zu den Opfern des Verbrechens, ihn zu decken – und die Liebe zu ihm gebietet es, ihn später im Gefängnis zu besuchen oder zumindest für ihn zu beten.

Liebe bedeutet Gerechtigkeit und Barmherzigkeit – beides. Sie bedeutet nicht einfach die Vernachlässigung der Gerechtigkeit im Namen der Barmherzigkeit – das wäre dann meistens Ungerechtigkeit. (Ein etwas banales Beispiel, das man oft in einem Kindergarten sehen kann: Kind 1 hat Kind 2 sein Spielzeug weggenommen und die erschöpfte Erzieherin fordert Kind 2 auf, doch einfach lieb zu sein und das Spielzeug Kind 1 zu überlassen; das wird Kind 2 vermutlich nicht besonders freundlich gegenüber Kind 1 stimmen und ihm nur das Gefühl geben, „Liebe“ sei ein Vorwand, um andere zu überreden, Ungerechtigkeit hinzunehmen; und auch Kind 1 wird nicht lernen, was Teilen und Liebe bedeutet.) Sie bedeutet aber auch nicht einfach nur harte Gerechtigkeit; immer wieder ist auch die Zeit da, einfach ungeschuldetermaßen barmherzig und vergebend zu sein und über das hinauszugehen, was jemand verdient. (Barmherzigkeit ist per definitionem unverdient.) Vor allem muss, bevor es Barmherzigkeit geben kann, ein Unrecht als solches anerkannt werden – wenn jemand ein Unrecht mir gegenüber zugibt, ist es an der Zeit, sich mit ihm zu auszusöhnen, aber solange er sich weigert, das zu sehen, würde immer etwas zwischen einem stehen und man könnte nur Waffenstillstände miteinander schließen statt wirklichen Frieden.

In christlichen Kreisen, besonders in amerikanischen christlichen Kreisen, ist in den letzten Jahren ja gerne davon gesprochen worden, dass Liebe nicht nur nett und duldsam ist, sondern auch „tough love“ bedeuten kann, also auch streng sein kann und harte Tatsachen nicht unter den Teppich kehren wird. Das stimmt auch. Aber Liebe wird sich trotzdem oft durch Güte, Milde, Geduld, Freundlichkeit äußern; und „tough love“ sollte nicht als Entschuldigung herhalten, um sich ekelhaft aufzuführen. Auch, wenn sie manchmal nötig sein sollte.

 

So weit mal einige Überlegungen. Aber am besten hat natürlich immer noch der hl. Paulus ausgedrückt, was Liebe ist:

„Wenn ich in den Sprachen der Menschen und Engel redete, hätte aber die Liebe nicht, wäre ich dröhnendes Erz oder eine lärmende Pauke. Und wenn ich prophetisch reden könnte und alle Geheimnisse wüsste und alle Erkenntnis hätte; wenn ich alle Glaubenskraft besäße und Berge damit versetzen könnte, hätte aber die Liebe nicht, wäre ich nichts. Und wenn ich meine ganze Habe verschenkte und wenn ich meinen Leib opferte, um mich zu rühmen, hätte aber die Liebe nicht, nützte es mir nichts. Die Liebe ist langmütig, die Liebe ist gütig. Sie ereifert sich nicht, sie prahlt nicht, sie bläht sich nicht auf. Sie handelt nicht ungehörig, sucht nicht ihren Vorteil, lässt sich nicht zum Zorn reizen, trägt das Böse nicht nach. Sie freut sich nicht über das Unrecht, sondern freut sich an der Wahrheit. Sie erträgt alles, glaubt alles, hofft alles, hält allem stand. Die Liebe hört niemals auf. Prophetisches Reden hat ein Ende, Zungenrede verstummt, Erkenntnis vergeht. Denn Stückwerk ist unser Erkennen, Stückwerk unser prophetisches Reden; wenn aber das Vollendete kommt, vergeht alles Stückwerk. Als ich ein Kind war, redete ich wie ein Kind, dachte wie ein Kind und urteilte wie ein Kind. Als ich ein Mann wurde, legte ich ab, was Kind an mir war. Jetzt schauen wir in einen Spiegel und sehen nur rätselhafte Umrisse, dann aber schauen wir von Angesicht zu Angesicht. Jetzt ist mein Erkennen Stückwerk, dann aber werde ich durch und durch erkennen, so wie ich auch durch und durch erkannt worden bin. Für jetzt bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; doch am größten unter ihnen ist die Liebe.“ (1 Kor 13)

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11 Gedanken zu “Was ist eigentlich Liebe?

  1. Chapeau! Sehr wohl gesprochen und geschrieben. Vielleicht oder ganz sicher passt dieser Ausspruch von Augustinus zum Thema: „Liebe und tu was du willst.“ Aber da erzähle ich ja nix Neues.

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  2. Leider wird der Begriff Liebe häufig verwendet, um üble Dinge zu rechtfertigen. So habe ich schon oft gehört, dass Eltern ihre Kinder, die im Mutterleib mit Down-Syndrom diagnostiziert wurden, mit folgender Begründung abgetrieben haben: „Wir haben das nur aus Liebe getan!! Wir wollten unserem Kind nur eine Menge Leid ersparen!!“

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    1. Ja. Es ist furchtbar. Solche Leute müsste man mehrere Dinge fragen:

      1) Kennt ihr eigentlich irgendwelche Down-Syndrom-Kinder? Meint ihr, dass die alle unglücklich sind?
      2) Sollte man dann auch geborene leidende Menschen töten – oder sollte man nicht lieber ihrem Leid abhelfen? Warum dann ungeborene?
      3) Seid ehrlich und fragt euch, wie sehr es euch einfach darum ging, euch die Scherereien mit einem behinderten Kind zu ersparen.
      4) Glaubt ihr an Gott und ein Leben nach dem Tod? Wenn nein: Was soll dann euer Kind davon haben, überhaupt kein Leben mehr zu haben, anstatt einem, das sowohl Freude als auch Leid bringen würde? Wenn ja: Dann solltet ihr auch an die Heiligkeit und Unantastbarkeit des Lebens glauben – und mal lieber Angst davor haben, wie Gott nach *eurem* Tod über euch richten wird.

      Der Begriff Liebe wird wirklich sehr missbraucht.

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    1. (Zur Erklärung für Mitlesende: Nepomuk hat mich mal drauf hingewiesen, dass diese Ausdrucksweise zu Beginn des 7. Harry-Potter-Bandes auftaucht, und zwar ausgerechnet im Mund von Dudley Dursley, und dass das eigentlich eine gute Definition von Liebe ist.)

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      1. Ich wollte aber keine Lorbeeren einheimsen … bzw. wenndann für Mrs. Rowling. Ich selber hätte durchaus unerwähnt bleiben dürfen (auch wenn’s stimmt). 😉

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  3. Wer einmal das Lächeln und die Freundlichkeit eines solchen Kindes erfahren durfte – in seiner ganzen hilflosen Seinsfrömmigkeit, der ist beschenkt. Nichts zeigt mehr die grausige Kälte und Verlogenheit unseser effizienzbesessenen Gesellschaft, als dieser lebensverachtende Umgang mit „behinderten“ Ungeborenen, der ja auch auch den „Überlebenden“ gegenüber ein beständiger Zynismus sein muss. In Vorfeld einer anstehenden Entscheidung über die Kassenzulassung des pränatalen Bluttests sollten sich die Abgeordneten einmal fragen, inwiefern sie sich bei einer Freigabe und deren Folgen noch von denjenigen unterscheiden, die sich 70 Jahre zuvor anmaßten, über lebenswertes und lebensunwertes Leben zu befinden. Hauptsache, es steht nicht mehr Zigeunerschnitzel auf der Speisekarte und die Kröten können ungestört von A nach B wandern…

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