Christliche Kultur am Sonntag: Dean Koontz (Leserempfehlung)

Bei christlichen Sachbüchern findet man bekanntlich relativ leicht gute Sachen; bei Romanen, Filmen oder Kinderbüchern sieht es allerdings manchmal schwieriger aus, auch wenn einige vermutlich gern mehr davon besäßen. Dabei gibt es eigentlich auch hier viel Gutes, wenn man näher hinschaut, und weil nicht allen alles bekannt ist, dachte ich, ich stelle meinen Lesern hier mal jede Woche kurz ein Werk vor – hauptsächlich katholische Sachen, aber wenn es von guter Qualität ist, auch mal was aus anderen Konfessionen; nicht nur Hochkultur, sondern auch eher Populärkultur (aber halbwegs gut gemacht soll es sein); und sowohl solches mit explizit religiösen Inhalten (im Einzelfall auch mal, wenn es von persönlich nicht sehr frommen Menschen kommt), als auch Werke von überzeugten Christen ohne explizite Botschaft. Viele werden bestimmte Klassiker schon kennen, aber andere vielleicht noch nicht.

Und weil ich ja auch nicht alles kennen kann: Wer ein katholisches Lieblingsbuch, einen Film o. Ä. hat, von dem er schon immer mal mehr Leuten erzählen wollte, darf mir gern über die „Contact“-Seite schreiben und vielleicht ergibt sich ein Gastbeitrag.

 

Heute: Dean Koontz (Autor u. a. der „Odd Thomas“-Serie)

Diesmal eine Leserempfehung, für die ich herzlich danke: Leser Oliver hat einen neueren Autor aus dem Bereich Fantasy/Thriller zu empfehlen, der übrigens auch außerhalb christlicher Kreise ziemlich erfolgreich ist (mehrfach auf Platz 1 der New-York-Times-Bestseller-Liste):

‚Eines der katholischsten Werke der Populärkultur ist die Odd Thomas Serie von Dean Koontz.
 Koontz ist Katholik, mit einem Faible für die alte Messe, und bringt seit Ende der 90er seinen Katholizismus immer mehr in seinen Werken zur Geltung.
 In seinen Büchern ist er nur selten explizit katholisch, sondern lässt seine Helden katholische Werte verkörpern.‘

Oliver hat auch auf mehrere Interviews mit Koontz und Artikel über sein Werk (u. a. hier, hier und hier) hingewiesen, die ziemlich Lust machen, seine Bücher zu lesen (ich hab mir tatsächlich gleich mal eins bestellt und bin ziemlich gespannt darauf).

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Moraltheologie und Kasuistik, Teil 7b: Sakramente und Kirchengebote – alles rund um die Kommunion

Die praktische moraltheologische Bildung der Katholiken muss dringend aufgebessert werden – ich hoffe, da werden meine Leser mir zustimmen. Und ich meine hier schon auch ernsthafte Katholiken. In gewissen frommen Kreisen wird man heutzutage ja, wenn man Fragen hat wie „Muss ich heute Abend noch mal zur Sonntagsmesse gehen, wenn ich aus Nachlässigkeit heute Morgen deutlich zu spät zur Messe gekommen bin?“ oder „Darf ich als Putzfrau oder Verwaltungskraft in einem Krankenhaus arbeiten, das Abtreibungen durchführt?“ oder „Wie genau muss ich eigentlich bei der Beichte sein?“ mit einem „sei kein gesetzlicher Erbsenzähler!“ abgebügelt. Und das ist nicht hilfreich. Gar nicht. Weil das ernsthafte Gewissensfragen sind, mit denen manche Leute sich wirklich herumquälen können. Und andere Leute fallen ohne klare Antworten in einen falschen Laxismus, weil sie keine Lust haben, sich ewig mit diesen Unklarheiten herumzuquälen und meinen, Gott werde es eh nicht so genau nehmen, und wieder andere in einen falschen Tutiorismus, wobei sie meinen, die strengste Möglichkeit wäre immer die einzig erlaubte.

 Auf diese Fragen kann man sehr wohl die allgemeinen moraltheologischen Prinzipien – die alle auf das Gebot der Gottes- und Nächstenliebe zurückgehen – anwenden und damit zu einer konkreten Antwort kommen. Man muss es sich nicht schwerer machen, als es ist. Und nochmal für alle Idealisten: „Das und das ist nicht verpflichtend“ heißt nicht, dass man das und das nicht tun darf oder es nicht mehr empfehlenswert oder löblich sein kann, es zu tun. Es heißt nur, dass die Kirche (z. B. in Gestalt des Beichtvaters) nicht von allen Katholiken verlangen kann, es zu tun.

 Zu alldem verweise ich einfach mal noch auf einen meiner älteren Artikel. Weiter werde ich mich gegen den Vorwurf der Gesetzlichkeit hier nicht verteidigen.

 Jedenfalls, ich musste öfters lange herumsuchen, bis ich zu meinen Einzelfragen Antworten gefunden habe, und deshalb dachte mir, es wäre schön, wenn heute mal wieder etwas mehr praktische Moraltheologie und Kasuistik betrieben/kommuniziert werden würde; aber manches, was man gerne hätte, muss man eben selber machen, also will ich in dieser Reihe solche Einzelfragen angehen, so gut ich kann, was hoffentlich für andere hilfreich ist. Wenn ich bei meinen Schlussfolgerungen Dinge übersehe, möge man mich bitte in den Kommentaren darauf hinweisen. Nachfragen sind auch herzlich willkommen. Wenn es an die kleinteilige Kasuistik, sprich, die Bewertungen, was verpflichtend oder nicht verpflichtend, schwere oder lässliche oder überhaupt keine Sünde ist („schwerwiegende Verpflichtung“ heißt: eine Sünde, die wirklich dagegen verstößt, ist schwer), stütze ich mich auf den Katechismus der katholischen Kirche, den hl. Thomas von Aquin, den hl. Alfons von Liguori, und/oder Theologen wie Adolphe Tanquerey oder Heribert Jone; ganz besonders aber auf letzteren. Eigene Spekulation werden i. d. R. als solche deutlich gemacht. Alle diese Bewertungen betreffen die objektive Schwere einer Sünde; subjektiv kann es immer Schuldminderungsgründe geben.

Wer nur knappe & begründungslose Aufzählungen von christlichen Pflichten und möglichen Sünden sucht, dem seien diese beiden Beichtspiegel empfohlen. Wer nach genaueren Erläuterungen zu einzelnen Stichworten sucht, dem könnte Karl Hörmanns Lexikon der christlichen Moral (Achtung: es setzt nicht das aktuelle Kirchenrecht voraus) helfen.

https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/1/19/St_Alphonsus_Liguori.jpg

 (Der hl. Alfons von Liguori (1696-1787), der bedeutendste kath. Moraltheologe des 18. Jahrhunderts. Gemeinfrei.)

Alle Teile hier.

 

Heute zum nächsten Kirchengebot, der Osterkommunion, sowie zur eucharistischen Nüchternheit, zum Umgang mit den eucharistischen Gestalten u. Ä. (Für die Grundsätze bzgl. der kirchlichen Gebote siehe Teil 7a.)

Die Eucharistiefeier, bei der das Kreuzesopfer Jesu von neuem gegenwärtig und wirksam wird, ist der Höhepunkt und die Quelle des christlichen Lebens; die Kommunion ist die innigste Vereinigung mit Jesus und schenkt einem viele Gnaden. Die eucharistischen Gestalten, also Brot und Wein, die noch ihre äußere Gestalt behalten haben, also fürs Auge, für den Tastsinn, für eine chemische Analyse wie Brot und Wein wirken, sind tatsächlich nicht mehr Brot und Wein, sondern Jesus (Transsubstantiation – die Substanz wird verwandelt, während die Akzidentien bleiben).

Man muss nicht in jeder Messe, an der man teilnimmt, kommunizieren; auch der betende Mitvollzug des eucharistischen Opfers ist schon einiges; dennoch ist die Kommunion etwas sehr Wichtiges.

„Ich bin das Brot des Lebens. Eure Väter haben in der Wüste das Manna gegessen und sind gestorben. So aber ist es mit dem Brot, das vom Himmel herabkommt: Wenn jemand davon isst, wird er nicht sterben. Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel herabgekommen ist. Wer von diesem Brot isst, wird in Ewigkeit leben. Das Brot, das ich geben werde, ist mein Fleisch für das Leben der Welt. Da stritten sich die Juden und sagten: Wie kann er uns sein Fleisch zu essen geben? Jesus sagte zu ihnen: Amen, amen, ich sage euch: Wenn ihr das Fleisch des Menschensohnes nicht esst und sein Blut nicht trinkt, habt ihr das Leben nicht in euch. Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, hat das ewige Leben und ich werde ihn auferwecken am Jüngsten Tag. Denn mein Fleisch ist wahrhaft eine Speise und mein Blut ist wahrhaft ein Trank. Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, der bleibt in mir und ich bleibe in ihm. Wie mich der lebendige Vater gesandt hat und wie ich durch den Vater lebe, so wird jeder, der mich isst, durch mich leben. Dies ist das Brot, das vom Himmel herabgekommen ist. Es ist nicht wie das Brot, das die Väter gegessen haben, sie sind gestorben. Wer aber dieses Brot isst, wird leben in Ewigkeit.“ (Joh 6,48-58)

Marienstern kommunion.jpg

(Kommunionausteilung, Buchmalerei aus einem mittelalterlichen Graduale, Kloster St. Marienstern. Gemeinfrei.)

 

Das dritte der fünf Kirchengebote ist daher:

Ab der Erstkommunion muss man mindestens einmal im Jahr, und zwar i. d. R. in der Osterzeit, kommunizieren; außerdem in Todesgefahr.

Im Katechismus heißt es im Absatz über die Kirchengebote:

„Das dritte Gebot (‚Du sollst wenigstens zur österlichen Zeit sowie in Todesgefahr die heilige Kommunion empfangen‘) gewährleistet ein Mindestmaß für den Empfang des Leibes und Blutes des Herrn. Dabei wird auf die Verbindung mit den Festen der Osterzeit, dem Ursprung und Zentrum der christlichen Liturgie, Wert gelegt [Vgl. CIC, can. 920; CCEO, cann. 708; 881,3].“

Im CIC, also dem Codex des Kanonischen Rechtes, wird das genauer ausgeführt:

 „Can. 920 — § 1. Jeder Gläubige ist, nachdem er zur heiligsten Eucharistie geführt worden ist, verpflichtet, wenigstens einmal im Jahr die heilige Kommunion zu empfangen.

2. Dieses Gebot muß in der österlichen Zeit erfüllt werden, wenn ihm nicht aus gerechtem Grund zu einer anderen Zeit innerhalb des Jahres Genüge getan wird.“

Ein „gerechter Grund“ ist leichter zu finden als etwa ein „schwerwiegender Grund“ oder gar ein „sehr schwerwiegender Grund“; das heißt in der Kirchenrechtssprache eigentlich: „nicht einfach so ohne jeden Grund, aber es muss kein drastischer Ausnahmefall sein“. Also: An sich in der Osterzeit, aber wenn es da begründetermaßen nicht klappt, eben zu einem zu anderen Zeitpunkt.

(Ein gerechter Grund könnte vielleicht so etwas sein wie „Ich müsste vorher noch beichten und der Priester, bei dem ich regelmäßig beichte, kommt erst kurz nach der Osterzeit aus der Reha zurück“ oder „ich wollte gegen Ende der Osterzeit kommunizieren und war ausgerechnet dann krank“.)

Mit der österlichen Zeit ist nicht nur die Osterwoche, sondern die Zeit zwischen Aschermittwoch und Pfingstsonntag gemeint, also eine relativ lange Zeit.

Die jährliche Kommunion ohne jeden Grund zu unterlassen ist eine schwere Sünde.

Man darf, ja, man soll sogar natürlich öfter kommunizieren; seit dem hl. Pius X. wird sogar die tägliche Kommunion empfohlen; etwa wöchentlich oder nicht viel seltener könnte das Normalmaß sein. In der kirchlichen Instruktion Redemptionis Sacramentum von 2004 heißt es: „Es ist sicherlich am besten, wenn alle, die an der Feier der heiligen Messe teilnehmen und die notwendigen Bedingungen erfüllen, die heilige Kommunion empfangen.“ (RS 83)

Allerdings ist es keine Sünde, nur einmal jährlich zu kommunizieren (ob z. B. deshalb, weil sich jemand unwürdig fühlt, oder weil er an Glutenintoleranz leidet und zu schüchtern ist, um den Pfarrer zu bitten, unter der Gestalt des Weins kommunizieren zu dürfen, oder aus sonst einem Grund). Empfehlenswert ist es aber eben auch nicht. Man braucht die Stärkung durch die hl. Kommunion nun mal; wer im Stand der Gnade ist, tut gut daran, in jeder Messe, die er besucht, auch zur Kommunion zu gehen, oder sich als Kranker ab und zu die Krankenkommunion bringen zu lassen, wenn das angeboten wird. (Wenn jemand nicht die Möglichkeit zur Kommunion hat, z. B. weil er in einem Land lebt, wo es fast keine Priester gibt, oder wenn er krank ist und die Angehörigen den Priester nicht rufen, oder der nicht kommen kann, begeht er natürlich überhaupt keine Sünde.)

In Todesgefahr (also z. B. für Schwerkranke oder jemanden, der vor einer gefährlichen Operation steht) gilt:

„Can. 921 — § 1. Gläubige, die sich, gleich aus welchem Grund, in Todesgefahr befinden, sind mit der heiligen Kommunion als Wegzehrung zu stärken.

§ 2. Auch wenn sie am selben Tag durch die heilige Kommunion gestärkt worden sind, ist es trotzdem sehr ratsam, daß jene, die in Lebensgefahr geraten sind, nochmals kommunizieren.

§ 3. Bei andauernder Todesgefahr wird empfohlen, daß die heilige Kommunion mehrmals, an verschiedenen Tagen, gespendet wird.

Can. 922 — Die heilige Wegzehrung für Kranke darf nicht allzu lange aufgeschoben werden; wer mit der Seelsorge betraut ist, hat sorgfältig darauf zu achten, daß die Kranken damit gestärkt werden, solange sie noch voll bei Bewußtsein sind.“

 

Zur Gelegenheit des Kommunionemfangs sagt der CIC:

„Can. 918 — Es wird mit Nachdruck empfohlen, daß die Gläubigen in der Feier der Eucharistie selbst die heilige Kommunion empfangen; wenn sie jedoch aus gerechtem Grund darum bitten, ist sie ihnen außerhalb der Messe zu spenden; dabei sind die liturgischen Riten zu beachten.“

Hier geht es natürlich vor allem um die Krankenkommunion, z. B. für Menschen in Krankenhäusern und Altenheimen.

Und:

„Can. 923 — Die Gläubigen können in jedwedem katholischen Ritus am eucharistischen Opfer teilnehmen und die heilige Kommunion empfangen, unbeschadet der Vorschrift des can. 844.“

Damit ist gemeint, dass man in jeder der 23 katholischen Rituskirchen, also nicht nur der lateinischen Kirche, sondern auch einer der unierten Ostkirchen (aber nicht der vom Papst getrennten Ostkirchen) die Eucharistie empfangen kann.

 

Wer nicht im Stand der Gnade ist (also noch nicht gebeichtete schwere Sünden auf dem Gewissen hat), darf im Normalfall erst dann kommunizieren, wenn er vorher gebeichtet hat. Ich zitiere noch einmal den vorigen Artikel zur Beichte:

„Wenn man sich schwerer Sünden schuldig gemacht hat, muss man, wie gesagt, vor dem Kommunionempfang beichten.

„Can. 916 — Wer sich einer schweren Sünde bewußt ist, darf ohne vorherige sakramentale Beichte die Messe nicht feiern und nicht den Leib des Herrn empfangen, außer es liegt ein schwerwiegender Grund vor und es besteht keine Gelegenheit zur Beichte; in diesem Fall muß er sich der Verpflichtung bewußt sein, einen Akt der vollkommenen Reue zu erwecken, der den Vorsatz miteinschließt, sobald wie möglich zu beichten.“

D. h. etwa, ein Priester, der die Messe feiern muss, aber vorher nicht zur Beichte gehen kann, darf die Messe feiern und kommunizieren, muss aber vorher vollkommene Reue erwecken und hinterher dann möglichst bald beichten, also z. B. wenn er dann zwei Tage später Gelegenheit hat, zur Beichtgelegenheit in der Nachbarpfarrei zu gehen oder dort einen Termin auszumachen.

Was genau heißt „sobald wie möglich“? Jone sagt dazu, dass es innerhalb von drei Tagen sein muss, sofern das ohne größere Schwierigkeiten (wie z. B. langer Anfahrtsweg zur nächsten Beichtgelegenheit) möglich ist.

Aber wie gesagt, das gilt nur, wenn man aus schwerwiegendem Grund schon kommuniziert hat.

(Ein schwerwiegender Grund für Laien könnte z. B. sein, wenn jemand, der zur katholischen Kirche konvertiert, aber schon gültig getauft ist (z. B. in der evangelischen Kirche), zu dessen Konversion also eine Beichte, nicht die Taufe, gehört, zum ersten Mal zur Beichte geht, wobei dann wenige Tage später der Gottesdienst für seine Aufnahme in die Kirche und seine Erstkommunion angesetzt ist, und zwischendrin eine schwere Sünde begeht, aber vor dem Gottesdienst keine Gelegenheit mehr zu einer weiteren Beichte hat. In diesem Fall darf er bei seiner Erstkommunion auch zur Kommunion gehen.)“

Wem allerdings nach seiner letzten Beichte eingefallen ist, dass er eine schwere Sünde zu erwähnen vergessen hat, der ist im Stand der Gnade und darf zur Kommunion gehen; er muss die vergessene Sünde erst bei der nächsten regelmäßigen Beichte noch erwähnen.

Eine Kommunion, wenn man sicher weiß, dass man im Stand der Todsünde ist (und das Gebot bzgl. des Kommunionempfangs im Stand der Todsünde kennt), ist sakrilegisch. (Wenn man zweifelt, ob man im Stand der Gnade ist, darf man die Kommunion empfangen.)

Zu alldem hat der Apostel Paulus geschrieben:

„Wer also unwürdig von dem Brot isst und aus dem Kelch des Herrn trinkt, macht sich schuldig am Leib und am Blut des Herrn. Jeder soll sich selbst prüfen; erst dann soll er von dem Brot essen und aus dem Kelch trinken. Denn wer davon isst und trinkt, ohne den Leib zu unterscheiden, der zieht sich das Gericht zu, indem er isst und trinkt. Deswegen sind unter euch viele schwach und krank und nicht wenige sind schon entschlafen. Gingen wir mit uns selbst ins Gericht, dann würden wir nicht gerichtet. Doch wenn wir jetzt vom Herrn gerichtet werden, dann ist es eine Zurechtweisung, damit wir nicht zusammen mit der Welt verdammt werden.“ (1 Kor 11,27-32)

Redemptionis Sacramentum stellt klar:

„80. Die Eucharistie soll den Gläubigen gereicht werden auch «als Gegenmittel, durch das wir von der täglichen Schuld befreit und vor Todsünden bewahrt werden»,[160] wie in verschiedenen Teilen der Messe hervorgehoben wird. Der an den Anfang der Messe gesetzte Bußakt hat zum Ziel, alle darauf vorzubereiten, die heiligen Mysterien in rechter Weise zu feiern;[161] er hat jedoch «nicht die Wirkung des Bußsakramentes»[162] und kann nicht als Ersatz für das Bußsakrament im Hinblick auf die Vergebung schwerer Sünden betrachtet werden.

Eine sakrilegische Kommunion erfüllt das Gebot der Osterkommunion nicht.

Wenn jemand im Augenblick der Kommunion abgelenkt ist oder mit einem nicht-idealen, leicht schuldbaren Motiv kommunziert (wie etwa: um nicht aufzufallen), ist das laut Jone eine lässliche Sünde, solange die Kommunion nur nicht wegen einer nicht-gebeichteten schwerern Sünde sakrilegisch ist.

 

Bei der Kommunion ist außerdem die eucharistische Nüchternheit einzuhalten. Im CIC heißt es:

 „Can. 919 — § 1. Wer die heiligste Eucharistie empfangen will, hat sich innerhalb eines Zeitraumes von wenigstens einer Stunde vor der heiligen Kommunion aller Speisen und Getränke mit alleiniger Ausnahme von Wasser und Arznei zu enthalten.

2. Ein Priester, der am selben Tag zweimal oder dreimal die heiligste Eucharistie feiert, darf vor der zweiten oder dritten Zelebration etwas zu sich nehmen, auch wenn nicht ein Zeitraum von einer Stunde dazwischenliegt.

3. Ältere Leute oder wer an irgendeiner Krankheit leidet sowie deren Pflegepersonen dürfen die heiligste Eucharistie empfangen, auch wenn sie innerhalb der vorangehenden Stunde etwas genossen haben.

Der Zeitraum sollte relativ leicht einzuhalten sein; bei sehr langsam zelebrierenden Priestern kann man sogar bis kurz vor Messbeginn noch etwas essen (es geht um eine Stunde vor dem Kommunionempfang, nicht vor Messbeginn).

Da früher eine längere Zeit der Nüchternheit vorgeschrieben war, hier die Erinnerung: Auch wenn man eine Messe im alten Ritus besucht, gelten die Nüchternheitsbestimmungen des neuen Codex des Kanonischen Rechtes. Kirchenrecht und Liturgie sind zwei verschiedene Sachen.

Die eucharistische Nüchternheit dient dazu, Respekt vor dem Herrn zu zeigen, den man empfangen wird.

Um davon befreit zu sein, genügt es, „irgendeine Krankheit“ zu haben; es muss nicht wegen der Krankheit absolut unerlässlich notwendig sein, zu dieser Zeit etwas zu essen. Kranke (und Alte und Pflegende) sollen hier quasi nicht noch weiter belastet werden.

Man bricht die eucharistische Nüchternheit, wenn man wirklich etwas Verdauliches absichtlich von außen in den Mund aufnimmt und dann schluckt – nicht, wenn man etwas schluckt, das einem noch zwischen den Zähnen gesteckt hat, oder sich mit Mundwasser den Mund ausspült und das wieder ausspuckt, oder etwas Flüssigkeit oder Staub in die Nase bekommt, oder eine Schneeflocke verschluckt. Hustenbonbons dürften als Medikamente zählen (außer jemand hat keinen Husten und kaut sie nur als Süßigkeit).

Notwendigkeit (z. B. die, die Messe zu feiern/fortzusetzen, wenn einem zerstreuten Priester verspätet einfällt, dass er vergessen hat, dass er nichts hätte essen dürfen; oder die, die Gefahr einer Profanierung des Sakraments zu vermeiden, z. B. wenn man im Fall eines Bombenangriffs auf die Stadt die Hostien in der Kirche schnell konsumiert) entschuldigt von der eucharistischen Nüchternheit.

 

Weitere Punkte zum Umgang mit der Eucharistie:

Unter Skrupulanten ist es ziemlich verbreitet, sich wegen winzigen Hostienkrümeln o. Ä. Sorgen zu machen – was wenn einer in meiner Hand zurückgeblieben ist, oder zwischen meinen Zähnen steckengeblieben und dann beim Zähneputzen herausgespült und im Abfluss gelandet ist, oder wenn dem Priester vielleicht ein Krümel heruntergefallen sein könnte, da eben sah etwas am Rand meines Blickfeldes so aus, als hätte da etwas sein können, sollte ich vielleicht nach der Messe an dieser Stelle den Boden kontrollieren? Oder oder oder. Aber auch gesunde Nichtskrupulanten können sich hier Sorgen machen und Fragen haben – etwa, wie man reagieren sollte, wenn, wie das vor einigen Jahren passiert ist, jemand eine angeblich konsekrierte Hostie auf Ebay anbietet?

Daher hier zwei Grundsätze:

1) Es kann Jesus nicht  mehr wehtun, was auch immer mit der Hostie oder dem Wein passiert. Dass wir die eucharistischen Gestalten ehrfürchtig behandeln müssen, gilt eher um unseret- als um Seinetwillen; weil es angebracht ist, vor Gott Ehrfurcht zu haben, nicht, weil wir Ihm sonst schaden könnten. Auch Gotteslästerung schadet ja nicht Gott, sondern unseren Seelen; sie ist trotzdem falsch, so wie es falsch ist, sich heimlich privat beleidigend über jemanden zu äußern, der nie davon erfahren und keinen Nachteil davon haben wird.

Wenn man also ohne weiteren Anlass fürchtet, dass der alte Priester, weil ihm die Hände öfter etwas zittern, möglicherweise Krümel fallen gelassen haben könnte, muss man nicht nach jeder Messe dableiben und dann den Boden nach möglichen Hostienkrümeln absuchen; erstens wäre das uferlos, zweitens kann man dabei evtl. Staub und Dreck nicht so leicht davon unterscheiden, und Dreck muss man sich wirklich nicht in den Mund stecken (ich spreche aus Erfahrung), und drittens ist das eben nicht nötig, um Jesus die erforderliche Ehrfurcht zu erweisen. Die erfordert vor allem, dass wir Ihn nicht ehrfurchtslos behandeln, wenn wir selber Ihn in die Hand oder den Mund bekommen. Wenn man allerdings mitbekommen würde, wie z. B. jemand sich eine Hostie in die Tasche steckt (das soll etwa bei ahnungslosen Leuten, die sich zu einer Hochzeits- oder Weihnachtsmesse in die  Kirche verirrt haben und automatisch mit vor zur Kommunion gegangen sind und dann aus irgendeinem Grund keine Lust gehabt haben, die Hostie normal zu konsumieren, schon vorgekommen sein), und sich sicher wäre, da richtig gesehen zu haben, wäre es absolut angebracht, denjenigen anzusprechen und von ihm zu verlangen, den Herrn herauszugeben. Aber man muss definitv nicht sämtliche Leute beim Kommunionempfang beobachten, um zu kontrollieren, dass so etwas nicht passiert, dafür ist man einfach nicht zuständig (wenn man dazu neigt, sich wegen so etwas Sorgen zu machen, sollte man vielleicht sogar bewusst gar nicht hinsehen; das lenkt einen nur von der eigenen Kommunion ab); genausowenig, wie man kontrollieren sollte, ob irgendwelche weißen Punkte auf dem Kirchenboden möglicherweise Hostienkrümel (oder aber Dreck, Staub, Papier, was auch immer) sein könnten. Der hl. Alphons von Liguori soll einmal zu einem in dieser Hinsicht skrupulösen jungen Priester gesagt haben, er solle gewöhnliche und vernünftige Sorgfalt dafür aufwenden, die heiligen Gefäße bei der Messe zu reinigen, und den Rest den Engeln überlassen. Jesus ist ja nicht verlassen, wenn ein Mensch Ihn schuldlos übersieht.

Zudem bzgl. Hostienkrümeln zu bedenken: Die im westlichen Ritus verwendeten Hostien krümeln normalerweise nicht, weil sie ungesäuert sind (in östlichen Riten, die gesäuertes Brot verwenden, wäre mehr Sorgfalt nötig).

Was angeblich konsekrierte Hostien bei Ebay angeht, gilt, dass man die nicht retten muss, weil es auch ein Betrug mit unkonsekrierten Backoblaten sein könnte und man solche Erpresseraktionen nicht ermutigen muss, und dem Herrn kann dabei ja nichts geschehen. (Man dürfte sie natürlich kaufen (und dann einem Priester bringen).)

2) Jesus ist solange präsent, wie die äußeren Gestalten von Brot und Wein präsent sind. Wenn also eine Hostie am Rand angeschimmelt ist, ist Er noch da, wenn da nur noch Schimmel und kein Brot mehr ist, dann nicht mehr. Es gibt spezielle kirchliche Regeln, wie man mit angeschimmelten Hostien, oder schon gewandeltem  Wein, in den eine Fliege gefallen ist, oder einem Altartuch, über das ein Priester den Wein verschüttet hat, oder einer Hostie, die ein Kranker wieder hervorgewürgt hat u. Ä. umzugehen hat; hier sind aber generell Priester zuständig. Prinzipiell muss man das nicht mehr irgendwie konsumieren, sondern es geht darum, das Ganze möglichst ehrfurchtsvoll – tut mir leid, mir fällt kein besseres Wort ein – zu entsorgen; zum Beispiel die angeschimmelte Hostie in Wasser aufzulösen (sobald die Gestalt des Brotes dann nicht mehr da ist, ist Jesus eben nicht mehr da) und das Wasser an einem speziellen Ort in der Sakristei, dem sog. Sacrarium, einem Loch, das in die Erde führt, wegzugießen.

Es gibt dafür also Regeln, aber es muss auch praktikabel sein; und Gott verlangt menschliche, keine übermenschliche Sorgfalt.

Die eucharistischen Gestalten bleiben auch im Magen bzw. im Mund, wenn da noch Krümel zwischen den Zähnen steckenbleiben, nicht ewig präsent; 10-15 Minuten nach der Kommunion kann man wieder essen, die Zähne putzen, den Mund ausspülen usw., ohne sich Sorgen wegen Entehrung der eucharistischen Gestalten machen zu müssen.

Über die Gefäße und Altartücher heißt es in Redeptionis sacramentum:

„119. Nach der Kommunionausteilung kehrt der Priester zum Altar zurück, reinigt am Altar oder am Kredenztisch über dem Kelch die Patene oder die Hostienschale, reinigt dann den Kelch gemäß den Vorschriften des Meßbuches und trocknet ihn mit dem Kelchtüchlein. Wenn ein Diakon anwesend ist, kehrt er mit dem Priester zum Altar zurück und reinigt die Gefäße. Es ist aber erlaubt, daß der Priester oder der Diakon die zu reinigenden Gefäße, vor allem wenn es viele sind, auf dem Altar oder dem Kredenztisch, angemessen bedeckt, auf einem Korporale stehen läßt und sofort nach der Messe, nachdem das Volk entlassen wurde, reinigt. Auch der rechtmäßig beauftragte Akolyth hilft dem Priester oder dem Diakon beim Reinigen und Zusammenstellen der sakralen Gefäße am Altar oder am Kredenztisch. Wenn kein Diakon anwesend ist, bringt der rechtmäßig beauftragte Akolyth die sakralen Gefäße zum Kredenztisch, wo er sie auf gewohnte Weise reinigt, trocknet und zusammenstellt.[209]

120. Die Hirten sollen dafür Sorge tragen, daß die Altartücher, besonders jene, auf die die heiligen Gestalten gelegt werden, immer sauber bleiben und gemäß überliefertem Brauch häufig gewaschen werden. Es ist zu begrüßen, daß das Wasser der ersten Reinigung, die mit der Hand vorzunehmen ist, in das Sacrarium der Kirche oder an einen geziemenden Ort auf die Erde gegossen wird. Danach kann auf gewohnte Weise eine weitere Säuberung vorgenommen werden.“

Dann zum Thema bewusste Hostienschändung. Der CIC sagt:

„Can. 1367 — Wer die eucharistischen Gestalten wegwirft oder in sakrilegischer Absicht entwendet oder zurückbehält, zieht sich die dem Apostolischen Stuhl vorbehaltene Exkommunikation als Tatstrafe zu; ein Kleriker kann außerdem mit einer weiteren Strafe belegt werden, die Entlassung aus dem Klerikerstand nicht ausgenommen.“

„Tatstrafe“ bedeutet, dass die Exkommunikation automatisch eintritt, nicht erst verhängt werden muss (sondern höchstens festgestellt). „Dem Apostolischen Stuhl vorbehalten“ heißt, dass, wenn jemand eine solche Tat beichtet, der Beichtvater erst an den Vatikan schreiben müsste, damit derjenige losgesprochen werden kann. Dieses Gesetz richtet sich z. B. gegen Satanisten, die die Eucharistie entehren.

Wer z. B. nach einer Messe meinte, irgendein winziger weißer Punkt an seiner Hose könnte möglicherweise von der Hostie kommen, weil er Handkommunion gemacht und seine Hände später daran abgestreift hat, aber möglicherweise auch nur ein Staubkorn sein, und ihn dann nicht weiter beachtet hat, der hat sich definitiv keine Exkommunikation zugezogen. Selbst z. B. ein Priester, der aus Unachtsamkeit gegen den Kelch gestoßen ist und das Blut Christi über dem Altartuch verschüttet hat, hat das nicht. Letzteres ist zwar wohl meistens eine Sünde, aber dann eine der Unachtsamkeit, nicht des bewussten Sakrilegs.

Redemptionis Sacramentum sagt zur Auslegung dieses Canons (Hervorhebung von mir):

„Jedwede Handlung, durch welche die heiligen Gestalten mutwillig und schwerwiegend entehrt werden, muß diesem Fall zugerechnet werden. Wenn daher jemand gegen die genannten Normen handelt, indem er zum Beispiel die heiligen Gestalten in das Sacrarium oder an einen unwürdigen Ort oder auf den Boden wirft, zieht er sich die festgesetzten Strafen zu.[195] Darüber hinaus sollen alle daran denken, daß nach Abschluß der Spendung der heiligen Kommunion innerhalb der Meßfeier die Vorschriften des Römischen Meßbuches zu befolgen sind; was eventuell vom Blut Christi noch übrig ist, muß vom Priester oder, gemäß den Normen, von einem anderen Diener sofort gänzlich konsumiert werden; die konsekrierten Hostien, die übriggeblieben sind, müssen entweder am Altar vom Priester konsumiert oder an den für die Aufbewahrung der Eucharistie bestimmten Ort gebracht werden.[196]“ (Redemptionis Sacramentum 107)

 

Sowohl in jeder Hostie (sogar in jedem noch als Brot erkennbaren Hostienkrümel) als auch in jedem Schluck (sogar in jedem Tropfen) Wein ist Jesus nach der Wandlung voll und ganz gegenwärtig (das ist kirchliches Dogma), weshalb es genügt, die Kommunion unter einer Gestalt zu empfangen. Manchmal, z. B. am Gründonnerstag, ist mancherorts zwar die Kommunion unter beiderlei Gestalt auch für die Laien üblich, aber sonst ist das nicht üblich und auch nicht nötig – einerseits aus praktischen Gründen, andererseits, um das Dogma einzuschärfen, damit die Leute nicht meinen, sie würden mit der Hostie nur den halben Jesus bekommen. Sicher ist es von zentraler Bedeutung, dass Brot und Wein verwendet werden; das stellt auch Jesu Tod dar, bei dem Sein Leib und Sein Blut getrennt wurden. Aber dafür genügt es, dass beides gewandelt wird und der Priester unter beiderlei Gestalt kommuniziert.

Noch einmal der CIC:

„Can. 925 — Die heilige Kommunion ist allein unter der Gestalt des Brotes zu reichen oder, nach Maßgabe der liturgischen Gesetze, unter beiderlei Gestalt, jedoch im Notfall auch allein unter der Gestalt des Weines.

[…]

Can. 927 — Auch im äußersten Notfall ist es streng verboten, die eine Gestalt ohne die andere oder auch beide Gestalten außerhalb der Feier der Eucharistie zu konsekrieren.

Und noch einmal Redemptionis Sacramentum:

„100. Um den Gläubigen die Fülle der Zeichenhaftigkeit im eucharistischen Gastmahl klarer bewußt zu machen, werden in den Fällen, die in den liturgischen Büchern erwähnt sind, auch die christgläubigen Laien zur Kommunion unter beiden Gestalten zugelassen, wobei eine entsprechende Katechese über die dogmatischen Grundsätze, die vom Ökumenischen Konzil von Trient festgelegt wurden, vorausgehen und beständig weitergeführt werden muß.[186]

101. Damit den christgläubigen Laien die heilige Kommunion unter beiden Gestalten gespendet werden kann, sind die Umstände entsprechend zu berücksichtigen, über die in erster Linie die Diözesanbischöfe zu urteilen haben. Diese Art der Kommunionspendung ist gänzlich auszuschließen, wenn auch nur die geringste Gefahr der Profanierung der heiligen Gestalten besteht.[187] Für eine eingehendere Regelung haben die Bischofskonferenzen Normen zu erlassen, die vom Apostolischen Stuhl durch die Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung rekognosziert werden müssen, vor allem im Hinblick auf «die Art, den Gläubigen die heilige Kommunion unter beiden Gestalten auszuteilen, sowie die Ausweitung dieser Befugnis».[188]

102. Der Kelch soll den christgläubigen Laien nicht gereicht werden, wo die Zahl der Kommunikanten so groß ist,[189] daß es schwierig wird, die für die Eucharistie notwendige Menge an Wein abzuschätzen und die Gefahr besteht, daß «am Ende der Feier eine Menge des Blutes Christi übrigbleibt, die über das rechte Maß hinausgeht, das konsumiert werden kann»;[190] ebenso nicht, wo der Zugang zum Kelch nur schwer geregelt werden kann oder wo eine entsprechende Menge an Wein erforderlich wird, deren sichere Herkunft und Qualität nur schwer festgestellt werden kann, oder wo keine angemessene Zahl an geistlichen Amtsträgern oder außerordentlichen Spendern der heiligen Kommunion mit geeigneter Ausbildung vorhanden ist, oder wo ein beträchtlicher Teil des Volkes aus verschiedenen Gründen beharrlich nicht zum Kelch hinzutreten will, so daß das Zeichen der Einheit in gewisser Weise verloren geht.

103. Die Normen des Römischen Meßbuches kennen die Regelung, daß in den Fällen, in denen die Kommunion unter beiden Gestalten ausgeteilt wird, «das Blut Christi direkt aus dem Kelch oder durch Eintauchen der Hostie oder mit einem Röhrchen oder mit einem Löffel getrunken werden kann».[191] Was die Kommunionspendung für die christgläubigen Laien betrifft, können die Bischöfe die Kommunion mit einem Röhrchen oder einem Löffel ausschließen, wo dies nicht örtlicher Brauch ist, wobei aber immer die Möglichkeit der Kommunionspendung durch Eintauchen der Hostie bestehen bleibt. Wenn diese Form zur Anwendung kommt, sollen allerdings Hostien verwendet werden, die nicht zu dünn und nicht zu klein sind, und der Kommunikant darf das Sakrament vom Priester nur mit dem Mund empfangen.[192]

104. Es ist dem Kommunikanten nicht erlaubt, selbst die Hostie in den Kelch einzutauchen oder die eingetauchte Hostie mit der Hand zu empfangen. Die Hostie, die eingetaucht wird, muß aus gültiger Materie bereitet und konsekriert sein; streng verboten ist die Verwendung von nicht konsekriertem Brot oder anderer Materie.

105. Wenn ein einziger Kelch zur Spendung der Kommunion unter beiden Gestalten an konzelebrierende Priester oder Christgläubige nicht ausreicht, steht dem nichts entgegen, daß der zelebrierende Priester mehrere Kelche verwendet.[193] Es ist nämlich daran zu erinnern, daß alle Priester, die die heilige Messe zelebrieren, zur Kommunion unter beiden Gestalten verpflichtet sind. Der Zeichenhaftigkeit wegen ist es zu begrüßen, daß ein größerer Kelch zusammen mit anderen kleineren Kelchen verwendet wird.

106. Es ist jedoch gänzlich zu vermeiden, daß das Blut Christi nach der Wandlung aus einem Gefäß in ein anderes gegossen wird, damit nichts passiert, was diesem so großen Mysterium unangemessen ist. Um das Blut des Herrn aufzunehmen, dürfen niemals Flaschen, Krüge oder andere Gefäße verwendet werden, die den festgesetzten Normen nicht voll entsprechen.“

 

In Redemptionis Sacramentum heißt es über den genaueren Ablauf der Kommunionspendung, über außerordentliche Spender, Mund- und Handkommunion usw.:

„88. Die Gläubigen sollen die sakramentale eucharistische Kommunion gewöhnlich während der Messe und zu dem im Ritus der Feier vorgeschriebenen Zeitpunkt empfangen, also direkt nach der Kommunion des zelebrierenden Priesters.[172] Es obliegt dem zelebrierenden Priester, eventuell unter Mithilfe anderer Priester oder Diakone, die Kommunion auszuteilen; er darf die Messe nicht fortsetzen, bevor die Kommunion der Gläubigen beendet ist. Nur dort, wo eine Notlage es erfordert, können außerordentliche Spender dem zelebrierenden Priester nach Maßgabe des Rechts helfen.[173]

89. Damit «die Kommunion auch dem Zeichen nach klarer als Teilnahme am Opfer erscheint, das gefeiert wird»,[174] ist es wünschenswert, daß die Gläubigen sie in Hostien empfangen, die in derselben Messe konsekriert wurden.[175]

90. «Die Gläubigen empfangen die Kommunion kniend oder stehend, wie es die Bischofskonferenz festgelegt hat», deren Beschluß vom Apostolischen Stuhl rekognosziert werden muß. «Wenn sie stehend kommunizieren, wird empfohlen, daß sie vor dem Empfang des Sakramentes eine angemessene Ehrerbietung erweisen, die von denselben Normen festzulegen ist».[176]

91. Bezüglich der Austeilung der heiligen Kommunion ist daran zu erinnern, daß «die geistlichen Amtsträger […] die Sakramente denen nicht verweigern» dürfen, «die zu gelegener Zeit darum bitten, in rechter Weise disponiert und rechtlich an ihrem Empfang nicht gehindert sind».[177] Jeder getaufte Katholik, der rechtlich nicht gehindert ist, muß deshalb zur heiligen Kommunion zugelassen werden. Es ist also nicht gestattet, einem Christgläubigen die heilige Kommunion beispielsweise nur deshalb zu verweigern, weil er die Eucharistie kniend oder stehend empfangen möchte.

92. Obwohl jeder Gläubige immer das Recht hat, nach seiner Wahl die heilige Kommunion mit dem Mund zu empfangen,[178] soll in den Gebieten, wo es die Bischofskonferenz erlaubt und der Apostolische Stuhl rekognosziert hat, auch demjenigen die heilige Hostie ausgeteilt werden, der das Sakrament mit der Hand empfangen möchte. Man soll aber sorgfältig darauf achten, daß der Kommunikant die Hostie sofort vor dem Spender konsumiert, damit niemand mit den eucharistischen Gestalten in der Hand weggeht. Wenn eine Gefahr der Profanierung besteht, darf die heilige Kommunion den Gläubigen nicht auf die Hand gegeben werden.[179]

93. Es ist notwendig, die kleine Patene für die Kommunion der Gläubigen beizuhalten, um die Gefahr zu vermeiden, daß die heilige Hostie oder einzelne Fragmente auf den Boden fallen.[180]

94. Es ist den Gläubigen nicht gestattet, die heilige Hostie oder den heiligen Kelch «selbst zu nehmen und noch weniger von Hand zu Hand unter sich weiterzugeben».[181] Außerdem ist in diesem Zusammenhang der Mißbrauch zu beseitigen, daß die Brautleute bei der Trauungsmesse sich gegenseitig die heilige Kommunion spenden.

95. Ein christgläubiger Laie, der «die heiligste Eucharistie schon empfangen hat, darf sie am selben Tag nur innerhalb einer Feier der Eucharistie, an der er teilnimmt, ein zweites Mal empfangen, unbeschadet der Vorschrift des can. 921 § 2».[182]

96. Zu verwerfen ist der Brauch, daß entgegen den Vorschriften der liturgischen Bücher während oder vor der Meßfeier nicht konsekrierte Hostien oder andere eßbare oder nicht eßbare Dinge nach Art der Kommunion ausgeteilt werden. Dieser Brauch entspricht nicht der Tradition des römischen Ritus und bringt die Gefahr mit sich, bei den Christgläubigen Verwirrung zu stiften bezüglich der Lehre der Kirche über die Eucharistie. Wenn an einigen Orten aufgrund einer Konzession die besondere Gewohnheit besteht, Brot zu segnen und nach der Messe auszuteilen, soll dieser Brauch durch eine gute Katechese sorgfältig erklärt werden. Es dürfen aber keine anderen ähnlichen Praktiken eingeführt und für den genannten Brauch auf keinen Fall nicht konsekrierte Hostien verwendet werden.“

Es sind also prinzipiell meistens alle Kombinationen aus stehend/kniend und Mundkommunion/Handkommunion erlaubt. Die kniende Mundkommunion wäre eigentlich die Standartvariante, aber es ist keine Sünde, wenn jemand die seit der Liturgiereform ebenfalls an den meisten Orten per Indult erlaubte stehende Handkommunion vorzieht – ob nun deshalb, weil er es nicht mag, wenn andere an seinen Mund fassen, weil er zu schüchtern ist, um mit knieender Mundkommunion auffallen zu wollen, weil er es einfach so gewohnt ist… Die Handkommunion ist erlaubt und drückt keine Verunehrung aus. (Wobei hier deutlich wird, dass die Handkommunion ein bisschen problematischer werden könnte als das Stehen (das ja immer erlaubt war für die, die nicht knien können, und das keine zusätzliche Gefahr der Entehrung des Sakraments mit sich bringt, während das bei der Handkommunion zumindest ein bisschen der Fall ist). Und freilich ist die Einstellung mancher Leute falsch, die meinen, die knieende Mundkommunion wäre quasi zu ehrfürchtig.)

Zu den Kommunionspendern, also den Personen, die die Kommunion austeilen, heißt es in Redemptionis Sacramentum außerdem, dass an sich Bischof, Priester und Diakon ordentliche Spender sind und der Akolyth (eine Beauftragung, die für gewöhnlich Priesteramtskandidaten im Lauf ihrer Seminarzeit erhalten) kraft Amt außerordentlicher Spender ist, und weitere außerordentliche Spender (die gewöhnlichen Kommunionhelfer, die man kennt) beauftragt werden können, wenn eine Notsituation es für einen begrenzten Zeitraum (ad tempus) (oder in Ausnahmefällen für eine einzelne Messe/Krankenkommunion (ad actum)) erfordert; solche Kommunionhelfer werden nicht auf unbegrenzte Zeit beauftragt und dürften eigentlich auch nicht in jeder Pfarrei beauftragt werden, nur damit die Kommunionausteilung zwei Minuten kürzer dauert oder um Laien irgendwie im Altarraum zu beteiligen; das ist, auch wenn es ständig vorkommt, an sich zumindest ein leichter liturgischer Missbrauch. Wenn die Austeilung aber sehr lang dauern würde, weil die Gemeinde groß ist, oder ein Priester schon gebrechlich ist und sich deshalb möglichst bald wieder hinsetzen muss, oder auch für die Krankenkommunion, wenn ein Priester es zeitlich nicht schafft, zu allen Kranken selbst zu gehen, wäre es etwas anderes; für solche Situationen wären außerordentliche Spender ja gedacht. Sie sind eben wirklich nur Notfallassistenz für den eigentlichen Spender, den Priester.

(Es ist keine Sünde, von einem unnötigerweise eingeteilten außerordentlichen Spender die Kommunion zu empfangen; aber man sollte sich selbst wohl eher nicht unnötigerweise dazu einteilen lassen, wenn man es vermeiden kann, auch wenn das wohl keine schwere Sünde wäre.)

„154. «Zelebrant, der in persona Christi das Sakrament der Eucharistie zu vollziehen vermag, ist», wie schon erwähnt, «nur der gültig geweihte Priester».[254] Daher kommt die Bezeichnung «Diener der Eucharistie» im eigentlichen Sinn nur dem Priester zu. Aufgrund der heiligen Weihe sind Bischof, Priester und Diakon die ordentlichen Spender der heiligen Kommunion,[255] denen es deshalb zukommt, bei der Feier der heiligen Messe den christgläubigen Laien die Kommunion auszuteilen. So soll ihr Dienstamt in der Kirche richtig und voll zum Ausdruck gebracht werden und das sakramentale Zeichen seine Erfüllung finden.

155. Über die ordentlichen Amtsträger hinaus gibt es den rechtmäßig beauftragten Akolythen, der kraft seiner Beauftragung außerordentlicher Spender der heiligen Kommunion auch außerhalb der Meßfeier ist. Wenn es ferner echte Notsituationen erfordern, kann nach Maßgabe des Rechts[256] vom Diözesanbischof auch ein anderer christgläubiger Laie ad actum oder ad tempus als außerordentlicher Spender beauftragt werden; dazu ist die für diesen Fall vorgesehene Segensformel anzuwenden. Dieser Akt der Beauftragung hat aber nicht notwendig eine liturgische Gestalt, und wenn er eine solche hat, darf er in keiner Weise der heiligen Weihe angeglichen werden. Nur in besonderen, unvorhergesehenen Fällen kann eine Erlaubnis ad actum vom Priester gewährt werden, der der Eucharistiefeier vorsteht.[257]

156. Diese Aufgabe ist streng im Sinn ihrer Bezeichnung zu verstehen, es geht also um außerordentliche Spender der heiligen Kommunion, nicht aber um «besondere Spender der heiligen Kommunion» oder um «außerordentliche Diener der Eucharistie» oder um «besondere Diener der Eucharistie»; durch solche Bezeichnungen wird ihre Bedeutung in ungebührlicher und falscher Weise ausgeweitet.

157. Wenn gewöhnlich eine Anzahl geistlicher Amtsträger anwesend ist, die auch für die Austeilung der heiligen Kommunion ausreicht, können keine außerordentlichen Spender der heiligen Kommunion beauftragt werden. In Situationen dieser Art dürfen jene, die zu einem solchen Dienst beauftragt worden sind, ihn nicht ausüben. Zu verwerfen ist das Verhalten jener Priester, die an der Zelebration teilnehmen, sich aber nicht an der Kommunionausteilung beteiligen und diese Aufgabe den Laien überlassen.[258]

158. Der außerordentliche Spender der heiligen Kommunion darf die Kommunion nur dann austeilen, wenn Priester oder Diakon fehlen, wenn der Priester durch Krankheit, wegen fortgeschrittenen Alters oder aus einem anderen ernsten Grund verhindert ist, oder wenn die Gläubigen, die zur Kommunion hinzutreten, so zahlreich sind, daß sich die Meßfeier allzusehr in die Länge ziehen würde.[259] Dies muß aber so verstanden werden, daß eine gemäß den örtlichen Gewohnheiten und Bräuchen kurze Verlängerung ein völlig unzureichender Grund ist.

159. Einem außerordentlichen Spender der heiligen Kommunion ist es niemals erlaubt, jemand anderen zur Spendung der Eucharistie zu beauftragen, wie zum Beispiel einen Elternteil, den Ehepartner oder das Kind eines Kranken, der kommunizieren möchte.

160. Der Diözesanbischof soll die Praxis der letzten Jahre in dieser Sache von neuem überdenken und gegebenenfalls korrigieren oder genauer festlegen. Wo aus einer echten Notlage heraus viele solche außerordentliche Spender beauftragt werden, hat der Diözesanbischof besondere Normen zu erlassen, mit denen er unter Berücksichtigung der Tradition der Kirche über die Ausübung dieser Aufgabe nach Maßgabe des Rechts Anordnungen trifft.“

Dem liegen diese Vorschriften des CIC zugrunde:

„Can. 910* — § 1. Ordentlicher Spender der heiligen Kommunion ist der Bischof, der Priester und der Diakon.

§ 2. Außerordentlicher Spender der heiligen Kommunion ist der Akolyth wie auch ein anderer Gläubiger, der nach Maßgabe des can.230, § 3 dazu beauftragt ist.

Can. 911 — § 1. Die Pflicht und das Recht, die heiligste Eucharistie als Wegzehrung zu den Kranken zu bringen; haben der Pfarrer, die Pfarrvikare, die Kapläne und der Obere einer Gemeinschaft in klerikalen Ordensinstituten oder Gesellschaften des apostolischen Lebens für alle, die sich im Haus aufhalten.

§ 2. Im Notfall oder mit der wenigstens vermuteten Erlaubnis des Pfarrers, des Kaplans oder des Oberen, die nachher davon in Kenntnis zu setzen sind, ist dazu jeder Priester oder andere Spender der heiligen Kommunion verpflichtet.“

 

Zur gültigen bzw. zur erlaubten Materie für die Eucharistie heißt es in Redemptionis Sacramentum:

„48. Das Brot, das für die Feier des hochheiligen eucharistischen Opfers verwendet wird, muß ungesäuert, aus reinem Weizenmehl bereitet und noch frisch sein, so daß keine Gefahr der Verderbnis besteht.[123] Daraus folgt, daß Brot, das aus einer anderen Substanz, wenn auch aus Getreide, bereitet ist, oder Brot, dem eine vom Weizen verschiedene Materie in so großer Menge beigemischt ist, daß es gemäß dem allgemeinen Empfinden nicht mehr als Weizenbrot bezeichnet werden kann, keine gültige Materie für den Vollzug des eucharistischen Opfers und Sakramentes darstellt.[124] Es ist ein schwerer Mißbrauch, bei der Zubereitung des für die Eucharistie bestimmten Brotes andere Substanzen, wie zum Beispiel Früchte, Zucker oder Honig, beizufügen. […]

50. Der Wein, der für die Feier des hochheiligen eucharistischen Opfers verwendet wird, muß naturrein, aus Weintrauben gewonnen und echt sein, er darf nicht verdorben und nicht mit anderen Substanzen vermischt sein.[127] Bei der Meßfeier muß ihm ein wenig Wasser beigemischt werden. Es ist sorgfältig darauf zu achten, daß der für die Eucharistie bestimmte Wein in einwandfreiem Zustand aufbewahrt und nicht zu Essig wird.[128] Es ist streng verboten, Wein zu benützen, über dessen Echtheit und Herkunft Zweifel bestehen: Denn bezüglich der notwendigen Bedingungen für die Gültigkeit der Sakramente fordert die Kirche Gewißheit. Es darf kein Vorwand zugunsten anderer Getränke jedweder Art zugelassen werden, die keine gültige Materie darstellen.“

Es ist also nicht möglich, für an Zöliakie leidende Personen komplett glutenfreie Hostien zu nehmen (glutenreduzierte sind allerdings möglich) oder aus Rücksicht auf Alkoholiker Traubensaft statt Wein zu nehmen; diese Materie würde einfach nicht Leib und Blut Christi werden. Dementsprechend betroffene Personen könnten also unter der Gestalt, die sie nicht vertragen, einfach nicht kommunizieren, aber dann eben unter der anderen.

Nicht mehr ganz frisches Brot, oder Brot mit geringfügigen Zusätzen, wäre aber immerhin noch gültige, wenn auch unerlaubte Materie.

Der CIC sagt ebenfalls:

„Can. 924 — § 1. Das hochheilige eucharistische Opfer muß mit Brot und Wein, dem ein wenig Wasser beizumischen ist, dargebracht werden.

§ 2. Das Brot muß aus reinem Weizenmehl bereitet und noch frisch sein, so daß keine Gefahr der Verderbnis besteht.

§ 3. Der Wein muß naturrein und aus Weintrauben gewonnen sein und darf nicht verdorben sein.

[…]

Can. 926 — Bei der Feier der Eucharistie hat der Priester gemäß der alten Überlieferung der lateinischen Kirche ungesäuertes Brot zu verwenden, wo immer er das Opfer darbringt.

 

Normalerweise dürfen nur Katholiken, die nicht mit Exkommunikation oder Interdikt belegt und im Stand der Gnade sind, nur von katholischen Spendern die Eucharistie empfangen.

Exkommunizierten (z. B. Abtreibungsärzten, die sich durch ihren Beruf die Tatstrafe der Exkommunikation zuziehen), Interdizierten, Katholiken, die beharrlich die katholische Lehre leugnen oder in einer anderen schweren offenkundigen Sünde hartnäckig verharren (z. B. Wiederverheiratet-Geschiedenen, in einer homosexuellen Partnerschaft Lebenden o. Ä.) darf (bzw. muss sogar) ein Spender, der sie kennt und von diesem Hindernis weiß, die Kommunion verweigern. Aus dem CIC:

„Can. 915 — Zur heiligen Kommunion dürfen nicht zugelassen werden Exkommunizierte und Interdizierte nach Verhängung oder Feststellung der Strafe Sowie andere, die hartnäckig in einer offenkundigen schweren Sünde verharren.“

Die schwere Sünde muss „offenkundig“, also bekannt, äußerlich wahrnehmbar sein, und derjenige muss „hartnäckig“ darin verharren, also die Sünde nicht nur einzelne Male begangen und dann bereut haben, sondern dabei bleiben. (Hier genauere Unterscheidungen und Erklärungen zu diesen Bedingungen.)

Wenn ein Priester allerdings in der Beichte die Absolution verweigern musste und der Pönitent dann trotzdem zur Kommunion vor geht, darf der Priester sie nicht verweigern (um das Beichtgeheimnis zu wahren).

Auch Nichtkatholiken muss ein Priester im Regelfall die Kommunion verweigern, und Katholiken dürfen nicht einfach in einem nichtkatholischen Gottesdienst zur Kommunion gehen. Allerdings gibt es hier für Einzelfälle Ausnahmeregelungen.

Im CIC heißt es:

„Can. 844 — § 1. Katholische Spender spenden die Sakramente erlaubt nur katholischen Gläubigen; ebenso empfangen diese die Sakramente erlaubt nur von katholischen Spendern; zu beachten sind aber die Bestimmungen der §§ 2, 3 und 4 dieses Canons sowie des can. 861, § 2.

§ 2. Sooft eine Notwendigkeit es erfordert oder ein wirklicher geistlicher Nutzen dazu rät und sofern die Gefahr des Irrtums oder des Indifferentismus vermieden wird, ist es Gläubigen, denen es physisch oder moralisch unmöglich ist, einen katholischen Spender aufzusuchen, erlaubt, die Sakramente der Buße, der Eucharistie und der Krankensalbung von nichtkatholischen Spendern zu empfangen, in deren Kirche die genannten Sakramente gültig gespendet werden.

§ 3. Katholische Spender spenden erlaubt die Sakramente der Buße, der Eucharistie und der Krankensalbung Angehörigen orientalischer Kirchen, die nicht die volle Gemeinschaft mit der katholischen Kirche haben, wenn diese von sich aus darum bitten und in rechter Weise disponiert sind; dasselbe gilt für Angehörige anderer Kirchen, die nach dem Urteil des Apostolischen Stuhles hinsichtlich der Sakramente in der gleichen Lage sind wie die genannten orientalischen Kirchen.

§ 4. Wenn Todesgefahr besteht oder wenn nach dem Urteil des Diözesanbischofs bzw. der Bischofskonferenz eine andere schwere Notlage dazu drängt, spenden katholische Spender diese Sakramente erlaubt auch den übrigen nicht in der vollen Gemeinschaft mit der katholischen Kirche stehenden Christen, die einen Spender der eigenen Gemeinschaft nicht aufsuchen können und von sich aus darum bitten, sofern sie bezüglich dieser Sakramente den katholischen Glauben bekunden und in rechter Weise disponiert sind.“

D. h. ein Katholik, der keinen katholischen Priester erreichen kann, darf z. B. bei einem russisch-orthodoxen, armenischen oder koptischen Priester die Eucharistie empfangen (wie auch die Beichte und die Krankensalbung); allerdings nie bei einem protestantischen oder anglikanischen Pastor, der ja keine gültige Weihe hat.

Ein katholischer Priester darf z. B. einem russisch-orthodoxen, armenischen oder koptischen Gläubigen, der ihn von sich aus darum bittet und ansonsten die normalen Bedingungen für den Sakramentenempfang erfüllt, die Kommunion spenden (und die Absolution und die Krankensalbung). Bei Personen aus Gemeinschaften, die keine gültig geweihten Priester und gültigen Sakramente mehr haben (also vorrangig die Protestanten) ist das dagegen nur möglich, wenn der Protestant zumindest in Bezug auf das einzelne Sakrament den katholischen Glauben teilt und in Todesgefahr oder einer anderen „schweren Notlage“ ist. (Wenn ein Lutheraner mit seiner katholischen Frau zur Kirche geht und sich ausgeschlossen vorkommt, wenn er nicht auch zum „katholischen Abendmahl“ gehen darf, ist definitiv keine schwere Notlage gegeben, und für gewöhnlich ja auch nicht der erforderliche Glaube.) Einem Ungetauften darf er nie diese Sakramente spenden.

Dieses Kirchengesetz ist übrigens nichts ganz Neues; auch der CIC von 1917 enthielt für Notfälle Bestimmungen zur Sakramentenspendung an Christen aus anderen Konfessionen, die guten Glaubens ihrer schismatischen Konfession anhängen. Hier kommt eben der Grundsatz „salus animarum suprema lex“ (das Heil der Seelen ist das oberste Gesetz) ins Spiel.

Allerdings ist es nie erlaubt, dass ein katholischer und ein orthodoxer Priester, oder gar ein katholischer Priester und ein protestantischer Pastor, gemeinsam Eucharistie feiern.

In der Enzyklika Ecclesia de Eucharistia, die der hl. Papst Johannes Paul II. 2003 veröffentlicht hat, heißt es über die Möglichkeit, jemandem die Kommunion zu verweigern, und über die nie erlaubte Konzelebration mit nichtkatholischen Klerikern:

„Es ist offensichtlich, daß das Urteil über den Gnadenstand nur dem Betroffenen zukommt, denn es handelt sich um ein Urteil des Gewissens. Aber in den Fällen, in denen ein äußeres Verhalten in schwerwiegender, offenkundiger und beständiger Weise der moralischen Norm widerspricht, kommt die Kirche nicht umhin, sich in ihrer pastoralen Sorge um die rechte Ordnung der Gemeinschaft und aus Achtung vor dem Sakrament in Pflicht nehmen zu lassen. […]

Die Eucharistie ist die höchste sakramentale Darstellung der Gemeinschaft in der Kirche. Deshalb ist es notwendig, daß sie im Kontext der Unversehrtheit auch der äußeren Bande der Gemeinschaft gefeiert wird. Weil sie in besonderer Weise »die Vollendung des geistlichen Lebens und das Ziel aller Sakramente«78 ist, müssen die Bande der Gemeinschaft in den Sakramenten wirklich bestehen, besonders in der Taufe und in der Priesterweihe. Es ist nicht möglich, einer Person die Kommunion zu reichen, die nicht getauft ist oder die unverkürzte Glaubenswahrheit über das eucharistische Mysterium zurückweist. Christus ist die Wahrheit und legt Zeugnis ab für die Wahrheit (vgl. Joh 14,6; 18,37); das Sakrament seines Leibes und seines Blutes erlaubt keine Heuchelei. […]

Die kirchliche Gemeinschaft der eucharistischen Versammlung ist Gemeinschaft mit dem eigenen Bischof und mit dem Papst. Der Bischof ist in der Tat das sichtbare Prinzip und das Fundament der Einheit in seiner Teilkirche.80 Es wäre daher ein großer Widerspruch, wenn das Sakrament der Einheit der Kirche schlechthin nicht in Gemeinschaft mit dem Bischof gefeiert würde. Der heilige Ignatius von Antiochien schrieb: »Jene Eucharistie wird als sicher erachtet, die unter dem Bischof oder dem, den er damit beauftragt hat, gefeiert wird«.81 Weil »der Bischof von Rom als Nachfolger Petri das immerwährende, sichtbare Prinzip und Fundament für die Einheit der Vielheit von Bischöfen und Gläubigen«82 ist, bildet die Gemeinschaft mit ihm in gleicher Weise eine innere Notwendigkeit für die Feier des eucharistischen Opfers. […]

44. Weil die Einheit der Kirche, welche die Eucharistie durch das Opfer und den Empfang des Leibes und Blutes des Herrn verwirklicht, unter dem unabdingbaren Anspruch der vollen Gemeinschaft durch die Bande des Glaubensbekenntnisses, der Sakramente und des kirchlichen Leitungsamtes steht, ist es nicht möglich, die eucharistische Liturgie gemeinsam zu feiern, bevor diese Bande in ihrer Unversehrtheit nicht wiederhergestellt sind. […]

45. Wenn die volle Gemeinschaft fehlt, ist die Konzelebration in keinem Fall statthaft. Dies gilt nicht für die Spendung der Eucharistie unter besonderen Umständen und an einzelne Personen, die zu Kirchen oder kirchlichen Gemeinschaften gehören, die nicht in der vollen Gemeinschaft mit der katholischen Kirche stehen. In diesem Fall geht es nämlich darum, einem schwerwiegenden geistlichen Bedürfnis einzelner Gläubiger im Hinblick auf das ewige Heil entgegenzukommen, nicht aber um die Praxis einer Interkommunion, die nicht möglich ist, solange die sichtbaren Bande der kirchlichen Gemeinschaft nicht vollständig geknüpft sind. […]

Es ist notwendig, diese Bedingungen genau zu befolgen. Sie sind unumgänglich, auch wenn es sich um begrenzte Einzelfälle handelt. Die Ablehnung einer oder mehrerer Glaubenswahrheiten über diese Sakramente, etwa die Leugnung der Wahrheit bezüglich der Notwendigkeit des Weihepriestertums zur gültigen Spendung dieser Sakramente, hat zur Folge, daß der Bittsteller nicht für ihren rechtmäßigen Empfang disponiert ist. Und umgekehrt kann ein katholischer Gläubiger nicht die Kommunion in einer Gemeinschaft empfangen, der das gültige Sakrament der Weihe fehlt.98″ (EE 37-46)

Zur Krankenkommunion heißt es in Redemptionis Sacramentum:

„132. Niemand darf die heiligste Eucharistie entgegen der Rechtsnorm nach Hause oder an einen anderen Ort mitnehmen. Außerdem muß man sich vor Augen halten, daß das Entwenden oder Zurückbehalten zu sakrilegischem Zweck oder das Wegwerfen der konsekrierten Gestalten zu den graviora delicta gehören; es ist der Kongregation für die Glaubenslehre vorbehalten, davon loszusprechen.[225]

133. Ein Priester oder ein Diakon oder ein außerordentlicher Spender, der bei Abwesenheit oder Verhinderung des ordentlichen Amtsträgers die heiligste Eucharistie zu einem Kranken für die Kommunionspendung bringt, soll von dem Ort, an dem das Sakrament aufbewahrt wird, auf möglichst direktem Weg zur Wohnung des Kranken gehen und von allen profanen Aufgaben absehen, damit jede Gefahr der Profanierung vermieden und dem Leib Christi die größtmögliche Ehrfurcht erwiesen wird. Außerdem ist immer der Ritus der Krankenkommunion zu befolgen, wie er im Römischen Rituale vorgeschrieben wird.[226]“

 

Zur Erstkommunion sagt der CIC:

„Can. 913 — § 1. Damit die heiligste Eucharistie Kindern gespendet werden darf, ist erforderlich, daß sie eine hinreichende Kenntnis und eine sorgfältige Vorbereitung erhalten haben, so daß sie das Geheimnis Christi gemäß ihrer Fassungskraft begreifen und den Leib des Herrn gläubig und andächtig zu empfangen in der Lage sind.

§ 2. Kindern jedoch, die sich in Todesgefahr befinden, darf die heiligste Eucharistie gespendet werden, wenn sie den Leib Christi von gewöhnlicher Speise unterscheiden und die Kommunion ehrfürchtig empfangen können.

Can. 914 — Pflicht vor allem der Eltern und derer, die an Stelle der Eltern stehen, sowie des Pfarrers ist es, dafür zu sorgen, daß die Kinder, die zum Vernunftgebrauch gelangt sind, gehörig vorbereitet werden und möglichst bald, nach vorheriger sakramentaler Beichte, mit dieser göttlichen Speise gestärkt werden. der Pfarrer hat auch darüber zu wachen, daß nicht Kinder zur heiligen Kommunion hinzutreten, die den Vernunftgebrauch noch nicht erlangt haben oder die nach seinem Urteil nicht ausreichend darauf vorbereitet sind.“

Nur Kinder aus östlichen Rituskirchen dürfen unter 7 Jahren, d. h. wenn sie noch nicht den Vernunftgebrauch besitzen, schon die Kommunion empfangen; lateinischen Kindern ist das vor ihrer Erstkommunion, die nach Erreichen des Vernunftgebrauchs stattzufinden hat, nicht erlaubt.

In Redemptoris Sacramantum heißt es:

„87. Der Erstkommunion der Kinder muß immer eine sakramentale Beichte und Lossprechung vorausgehen.[169] Außerdem soll die Erstkommunion immer von einem Priester gereicht werden, und zwar nie außerhalb der Meßfeier. Von Ausnahmefällen abgesehen, ist es wenig passend, die Erstkommunion bei der Messe vom Letzten Abendmahl am Gründonnerstag zu spenden. Man soll vielmehr einen anderen Tag wählen, wie etwa den 2. – 6. Sonntag in der Osterzeit oder das Hochfest des Leibes und Blutes Christi oder einen Sonntag im Jahreskreis, denn der Sonntag wird mit Recht als Tag der Eucharistie betrachtet.[170] Zum Empfang der heiligen Eucharistie sollen keine Kinder hinzutreten, «die den Vernunftgebrauch noch nicht erlangt haben» oder nach dem Urteil des Pfarrers «nicht ausreichend darauf vorbereitet sind».[171] Wenn es aber vorkommt, daß ein Kind in einer Ausnahmesituation bezüglich seines Alters für den Empfang des Sakramentes als reif erachtet wird, soll ihm die Erstkommunion nicht verwehrt werden, wenn es nur hinreichend vorbereitet ist.“

 

 

Mehr Anthropozentrismus wagen!

Auf kaum etwas reagieren grünlinke Säkularisten so allergisch wie auf die Idee, der Mensch könnte die – wie man mal so sagte – „Krone der Schöpfung“ sein. Eigentlich ist es zwar etwas seltsam, dass Leute, die jedem Abweichler von ihren Ideen gern „Menschenfeindlichkeit“ vorwerfen, selber oft Abscheu vor ihrer eigenen Spezies haben und meinen, „die Erde“ wäre ohne uns besser dran; aber gut, wer will schon Logik erwarten.

Apologetik betreibende Christen reagieren auf solche christentumsfeindlichen Grüngesonnenen dann meistens mit dem Hinweis, dass der Auftrag an Adam und Eva „Seid fruchtbar und mehrt euch, füllt die Erde und unterwerft sie und waltet über die Fische des Meeres, über die Vögel des Himmels und über alle Tiere, die auf der Erde kriechen!“ (Gen 1,28) keine Tyrannenherrschaft meine, sondern dass das Herrschaftsideal der Bibel Fürsorge einschließe, entsprechend auch Gen 2,15: „Gott, der HERR, nahm den Menschen und gab ihm seinen Wohnsitz im Garten von Eden, damit er ihn bearbeite und hüte.“ (und verwenden Begriffe wie „Krone der Schöpfung“ selber grundsätzlich nicht). Das mit der Herrschaft als Auftrag zum Behüten ist ja auch nicht falsch. Aber es ist vielleicht doch ein Schritt zu weit auf den Gegner zu, wenn man nur das betont.

Es stimmt eben wirklich, dass der Mensch der krönende Abschluss von Gottes Schöpfung ist, und mehr wert als Tiere und Pflanzen, weil er keine bloß tierische Seele, sondern eine vernunftbegabte Seele hat, einen freien Willen statt Instinkten, das Wahre, Gute und Schöne erfassen kann und nicht nur vor sich hin lebt; weil Gott ihm kein bloß natürliches Ziel – leben, trinken, fressen, schlafen, Junge zeugen – gegeben, sondern ihn zu einem übernatürlichen Ziel erwählt hat (Ihn, Gott, zu erkennen, zu lieben und Ihn ewig im Himmel zu schauen).

Für Modernisten heißt „minderwertig“ immer gleich „wertlos“. Tiere sind minderwertig, aber natürlich nicht wertlos, sie haben ihren eigenen Wert in sich. Aber sie haben eben auch einen Nutzwert für den Menschen; Gott sagt im Buch Genesis zu Noah und dessen Söhnen nach der Sintflut ziemlich deutlich: „Furcht und Schrecken vor euch soll sich auf alle Tiere der Erde legen, auf alle Vögel des Himmels, auf alles, was sich auf dem Erdboden regt, und auf alle Fische des Meeres; in eure Hand sind sie gegeben. Alles, was sich regt und lebt, soll euch zur Nahrung dienen. Das alles übergebe ich euch wie die grünen Pflanzen.“ (Gen 9,2f.) Sicher sagt er bei derselben Gelegenheit auch: „Siehe, ich richte meinen Bund auf mit euch und mit euren Nachkommen nach euch und mit allen Lebewesen bei euch, mit den Vögeln, dem Vieh und allen Wildtieren der Erde bei euch, mit allen, die aus der Arche gekommen sind, mit allen Wildtieren der Erde überhaupt.“ (Gen 9,9f.) Die Tiere sind also nicht nur zum Essen da, sondern haben auch ihre eigene Rolle in der Schöpfung und Gott bedenkt sie – aber sie sind auch zum Essen da. Tiere leben nur im Augenblick und der Verlust ihres Lebens ist für sie nicht dasselbe wie für Menschen. Metzger, Jäger und Landwirte tun mit ihrem Beruf also nichts Falsches und müssen sich nicht vor irgendwelchen „Tierschützern“ rechtfertigen. Die Herrschaft des Menschen über die Tierwelt schließt das Nutzen derselben ein; darin unterscheidet sie sich tatsächlich von anderer Herrschaft über gleichwertige Geschöpfe (z. B. staatlicher Herrschaft, oder der „Herrschaft“ von Eltern über ihre minderjährigen Kinder), die zuallererst für die Beherrschten da ist.

Klingt das kalt? Vielleicht, wenn einem nicht bewusst ist, wozu das scheinbar so nette grünliche Denken führt.

Zunächst etwas Banales: Radikale Tierschützer fordern gerne „Tierrechte“ und setzen Schlachtung mit Mord gleich. Mit so einem Denken kommen sie natürlich im Tierreich selber nicht weit. Da gibt es Raubtiere, die von anderen Tieren leben, Vergewaltigungen, Mütter, die ihre Jungen totbeißen, blutige Revierkämpfe – ohne dass sich ein Tier deswegen ein schlechtes Gewissen macht oder auch nur machen könnte. Tieren kann man keine Rechte wie Menschen geben, weil man ihnen auch keine Pflichten geben kann, weil man sie unmöglich dazu bringen könnte, Rechte anderer Tiere zu beachten. Tierschutz geht, Tierrechte nicht. Es ist gut, keine Tierquälerei zu betreiben und keine ganzen Tierarten auszurotten (um die Vielfalt von Gottes schöner Schöpfung zu bewahren); aber dieselben Rechte wie Menschen können Tiere nun mal nicht haben; auch kein individuelles, heiliges Recht auf Leben.

Jetzt aber der eigentliche Punkt: Wer Tierrechte fordert, erhöht meistens nicht die Tiere, sondern zieht die Menschen zu ihnen herab. Das Paradebeispiel, das man immer wieder hervorziehen kann, ist der australische Philosoph Peter Singer, der die (ja, nachgeburtliche, nicht nur vorgeburtliche, wie bei inkonsequenteren Leuten dieses Schlages) Tötung behinderter Kinder für gut hält, und Schimpansen mehr Rechte zuschreibt als Neugeborenen. Klar; wer keinen grundsätzlichen Unterschied zwischen unsterblichen, gottebenbildlichen Menschenseelen (auch, wenn sie in diesem irdischen Leben durch einen Gehirndefekt daran gehindert sind, die Vernunftfähigkeiten ihrer Seele auszuüben, wie das auch komatöse, schlafende und betrunkene Menschen zeitweise sind) und Tierseelen sieht, der hält Behinderte für ebenso wenig wert wie Tiere und meint, sie einschläfern zu dürfen. Es ist offensichtlich, dass es keinen Sinn macht, Tieren ein absolut heiliges Recht auf Leben, das man nur durch eigene schwere Schuld (z. B. im Fall von Notwehr gegen einen Mörder) verwirken kann, zu geben; also dürfen Menschenleben auch nicht mehr heilig sein.

Dann ist da die Tatsache, dass solche Leute oft bereit sind, Menschenleben zu opfern oder sie für nicht so wichtig zu halten, wenn es um Tierleben geht. Da wäre der Fall des Gorillas Harambe, der 2014 im Zoo von Cincinnati (USA) erschossen wurde, um einen dreijährigen Jungen zu retten, der in den Wassergraben des Geheges gelangt war, und den der Gorilla brutal am Bein mit sich durch das Wasser gezogen hatte. Man kann sich kaum vorstellen, was es weltweit für einen Aufschrei gab und wie der Zoo sich verteidigen musste, weil die Zoowärter es tatsächlich für dringend genug hielten, ein kleines Kind zu retten, um einen Gorilla zu erschießen (wobei viele nicht mal kapieren wollten, dass Betäubungspfeile zu lange gebraucht hätten, um ein 200 Kilo schweres Tier zu betäuben).

Es gibt sogar Leute, die um der „Erde“ (was auch immer sie damit genau meinen) willen bereit wären, ihre Kinder abzutreiben, weil mehr Menschen ja für mehr Klimawandel sorgen würden. (Dass das eine Milchmädchenrechnung ist, ist ein anderes Thema; ohne neue Kinder könnte es ja auch keine klugen Köpfe geben, die klimafreundliche Technologien entwickeln können; und beim Klimawandel werden sowieso eher schädliche Auswirkungen auf den Menschen als auf „die Erde“ befürchtet. Aber das am Rande, weil es nicht der Punkt ist.)

Dann ist da der unglaubliche Hass, den Leute von PETA & Co. auf diejenigen hegen können, die bei ihrer Ideologie nicht mitgehen oder gar z. B. als Metzger oder Jäger arbeiten. Der WWF hat in Afrika und Asien sogar Anti-Wilderer-Truppen finanziert, die, wie sich Anfang diesen Jahres herausgestellt hat, Wilderer systematisch gefoltert haben.

Wie Chesterton mal in etwa gesagt hat: Wo Tiere angebetet werden, gibt es Menschenopfer.

Wir müssen die grüne Misanthropie jedenfalls nicht mitmachen; es gibt keinen Grund, sich schlecht dafür zu fühlen, ein Mensch zu sein. Sicher sind Menschen zu Schlechterem fähig als Tiere – aber genau deshalb, weil sie auch zu Besserem fähig sind. Sie haben einen freien Willen, treffen Entscheidungen, für Treue oder Verrat, für Wahrheit oder Lüge. Und wie es so schön heißt: Corrutio optimi pessima; die Verderbnis des Besten ist das Schlechteste. Deswegen wäre es trotzdem an sich das Beste gewesen.

Und manche Menschenfeinde, die sich z. B. lieber Hunde anschaffen als eine Familie, ziehen Tiere doch nur vor, weil die weniger kompliziert sind als Menschen und man in die leichter hineinprojizieren kann, was einem passt. Ein Hund widerspricht einem nicht und stellt einen nicht zur Rede.

Wer Tiere liebt, muss zu Menschen keine Liebe haben; sogar Hitler liebte seinen Hund Blondi. (Godwin’s Law muss man auch mal vorzeitig erfüllen.)

(Bundesarchiv B 145 Bild-F051673-0059.)

Tiere lieben ist an sich natürlich gut – solange man sie ihrer Natur entsprechend liebt und sein lässt, wie sie sind, und keine „besseren Menschen“ aus ihnen zu machen versucht. Deswegen hier noch ein schönes Bild:

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Christliche Kultur am Sonntag: Der Herr der Ringe, Der kleine Hobbit, Das Silmarillion

Bei christlichen Sachbüchern findet man bekanntlich relativ leicht gute Sachen; bei Romanen, Filmen oder Kinderbüchern sieht es allerdings manchmal schwieriger aus, auch wenn einige vermutlich gern mehr davon besäßen. Dabei gibt es eigentlich auch hier viel Gutes, wenn man näher hinschaut, und weil nicht allen alles bekannt ist, dachte ich, ich stelle meinen Lesern hier mal jede Woche kurz ein Werk vor – hauptsächlich katholische Sachen, aber wenn es von guter Qualität ist, auch mal was aus anderen Konfessionen; nicht nur Hochkultur, sondern auch eher Populärkultur (aber halbwegs gut gemacht soll es sein); und sowohl solches mit explizit religiösen Inhalten (im Einzelfall auch mal, wenn es von persönlich nicht sehr frommen Menschen kommt), als auch Werke von überzeugten Christen ohne explizite Botschaft. Viele werden bestimmte Klassiker schon kennen, aber andere vielleicht noch nicht.

Und weil ich ja auch nicht alles kennen kann: Wer ein katholisches Lieblingsbuch, einen Film o. Ä. hat, von dem er schon immer mal mehr Leuten erzählen wollte, darf mir gern über die „Contact“-Seite schreiben und vielleicht ergibt sich ein Gastbeitrag.

 

Heute: J. R. R. Tolkien: „Der Herr der Ringe“, „Der kleine Hobbit“ & „Das Silmarillion“

„Der Herr der Ringe ist natürlich von Grund auf ein religiöses und katholisches Werk, unbewusstermaßen zuerst, aber bewusst im Rückblick“, schrieb der katholische Autor J. R. R. Tolkien (1892-1973) in einem Brief über sein bekanntestes Buch; außerdem ist es ein sehr schönes Werk und eins, das die Bezeichnung „Epos“, die man ja inzwischen gerne Fantasyromanen, die nur ausführliche Schundliteratur plus Drachen oder Werwölfe sind, gern beilegt, tatsächlich verdient hat. Die Geschichte vom scheinbar aussichtslosen Kampf gegen Sauron, der Mittelerde bedroht, von dem einen Ring, der mächtigen Waffe, die zerstört werden muss, bevor sie Sauron wieder in die Hände fällt, die aber dazu neigt, jeden, der ihr nahekommt, in ihren Bann zu ziehen, ist wirklich spannend; und die Figuren, die hier auftauchen, vom Bösen angefochten werden, zum Teil schwanken, und sich schließlich für eine Seite entscheiden müssen, sind ebenso faszinierend.

(Die Verfilmung hat ein paar kleinere Fehler (Faramir! Aragorns Krönungsszene!), ist aber trotzdem im Ganzen sehenswert.)

Das schöne Kinderbuch „Der kleine Hobbit“ erzählt die unmittelbare Vorgeschichte dazu (und die neueste Verfilmung ruiniert es ein wenig mit unnötiger Überdramatisierung und Streckung durch dazuerfundenes Zeug ohne viel Sinn dahinter); und das „Silmarillion“, nach Tolkiens Tod veröffentlicht, dann die weitere Vorgeschichte – genau genommen ab der Erschaffung der Welt. Hier erfährt man nicht nur, wer Sauron und Gandalf eigentlich sind, sondern kann auch etliche weitere mehr oder weniger zusammenhängende Geschichten über Engel, Dämonen, Elben, Orks, Zwerge und Menschen lesen; das Silmarillion ist einfach wunderschön und viel zu wenig bekannt.

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(Erstausgabe des Silmarillions von 1977 mit einer Zeichnung von Tolkien auf dem Cover. Gemeinfrei.)

Christliche Kultur, diesmal am Montag: „Pater Brown“

Bei christlichen Sachbüchern findet man bekanntlich relativ leicht gute Sachen; bei Romanen, Filmen oder Kinderbüchern sieht es allerdings manchmal schwieriger aus, auch wenn einige vermutlich gern mehr davon besäßen. Dabei gibt es eigentlich auch hier viel Gutes, wenn man näher hinschaut, und weil nicht allen alles bekannt ist, dachte ich, ich stelle meinen Lesern hier mal jede Woche kurz ein Werk vor – hauptsächlich katholische Sachen, aber wenn es von guter Qualität ist, auch mal was aus anderen Konfessionen; nicht nur Hochkultur, sondern auch eher Populärkultur (aber halbwegs gut gemacht soll es sein); und sowohl solches mit explizit religiösen Inhalten (im Einzelfall auch mal, wenn es von persönlich nicht sehr frommen Menschen kommt), als auch Werke von überzeugten Christen ohne explizite Botschaft. Viele werden bestimmte Klassiker schon kennen, aber andere vielleicht noch nicht.

Und weil ich ja auch nicht alles kennen kann: Wer ein katholisches Lieblingsbuch, einen Film o. Ä. hat, von dem er schon immer mal mehr Leuten erzählen wollte, darf mir gern über die „Contact“-Seite schreiben und vielleicht ergibt sich ein Gastbeitrag.

 

Heute, ausnahmsweise etwas verspätet: „Pater Brown“ (Kurzgeschichten und Fernsehserie)

Die Kurzgeschichten von G. K. Chesterton um den hellsichtigen Pater Brown, der immer wieder mit Kriminalfällen konfrontiert wird und sie löst, indem er sich in den Verbrecher hineinversetzt, haben ja Kultstatus in Katholikenkreisen und dürfen in dieser Serie auf keinen Fall übergangen werden. Erschienen sind Chestertons 49 Kurzgeschichten zwischen 1910 und 1935; sprachlich und erzählerisch sehr schön, enthalten sie außerdem so einige überraschende theologische Einsichten, die aber nicht holzhammerartig präsentiert werden. Die meisten Kurzgeschichten hängen nicht zusammen, aber eine zweite Figur taucht mehrere Male auf: Der Meisterdieb Flambeau, der sich bekehrt und Pater Browns Freund wird.

Die deutschen Filme mit Heinz Rühmann („Das schwarze Schaf“ und „Er kann’s nicht lassen“) haben wenig mit den originalen Geschichten zu tun; aber die österreichische Serie mit Josef Meinrad hält sich gut an sie und ist generell relativ gut gelungen (mit vereinzelten Ausnahmen – die Folge „Der Hammer Gottes“ hat das zentrale Motiv in der entsprechenden Kurzgeschichte ziemlich verdreht). (Die in den letzten Jahren produzierte BBC-Serie mit Mark Williams ist filmisch gut gemacht, basiert aber auch oft nur lose auf Chestertons Geschichten und offensichtlich konnten die Macher die meiste Theologie nicht vertragen und mussten die Titelfigur zu einem theologisch Liberalen umdichten.)

Soviel zu den Verfilmungen, die ich kenne (das sind nicht die einzigen, die produziert wurden); am lohnendsten sind aber natürlich die in mehreren Bänden erhältlichen Kurzgeschichten. Man findet übrigens auch zweisprachige Bände mit ein paar Erzählungen auf Deutsch und im englischen Original nebeneinander, z. B. hier.

Schlechte Fanfiction gibt’s auch zur Heiligen Schrift, Teil 4: Batseba

(Die bisherigen Teile hier: Teil 1, Teil 2a, Teil 2b, Teil 3.)

Mir ist aufgefallen, dass ich schon seit Ewigkeiten nicht mehr mit meiner Rezension zu dem Sammelband „Saat des Segens“ der evangelikalen Romanautorin Francine Rivers über biblische Frauengestalten aus dem Stammbaum Jesu weitergemacht habe; jetzt also endlich zum vorletzten Roman, dem um Batseba, die Frau des Urija, König Davids Geliebte und schließliche Ehefrau, Mutter Salomos und über ihn Urahnin Jesu. (Beim nächsten Mal zum eigentlich „interessantesten“ Roman, dem um Maria.)

Dieser Roman beginnt, als Batseba noch ein Kind ist und zusammen mit ihrer Familie im Lager des von König Saul verfolgten David und seiner kleinen Anhängerschar lebt, und endet mit ihrem Tod, als schon ihr Sohn Salomo auf dem Thron Israels sitzt; er umfasst damit die Ereignisse, die in der Bibel in 1 Sam 27 – 1 Kön 2 berichtet werden.

Aus dieser langen Geschichte hätte ein George R. R. Martin* vermutlich 10 Bände zu je 1000 Seiten machen können. Hollywood würde locker Stoff für eine Serie mit 5-10 Staffeln finden. Mrs. Rivers handelt alles in 134 Seiten ab. Noch mehr als in den anderen Bänden wird deutlich, dass sie sich mit diesen Büchern einfach keine rechte Mühe machen wollte. Klar: Eine Romanreihe zu biblischen Figuren kann man in christlichen Kreisen immer verkaufen.

Außerdem merkt man, wie sehr sich ihre Protagonistinnen ähneln; eine individuelle Persönlichkeit hat keine wirklich. Sie spüren alle eine gewisse Sehnsucht nach Gott, zweifeln manchmal, treffen manchmal eine falsche Entscheidung, sind dann aber wieder mutig und treu, und, tja, mehr fällt mir zu ihnen nicht ein. Aber solche Figuren haben für Autoren etwas Praktisches: Die Leser (bzw. Leserinnen) können nach Belieben ihre eigenen Gefühle auf sie projizieren.

Der Einzelband trägt auf Deutsch den Titel „Frau die Gnade fand – Batseba“, im Sammelband lautet der Titel „Batseba – Schönheit aus der Asche“, im englischen Original „Unspoken“. Wie gesagt, das Buch beginnt noch in Batsebas Kindheit; ihr Vater Eliam und ihr Großvater Ahitofel gehören beide zu Davids Gefolgsleuten. Die biblische Batseba taucht erstmals auf, als sie schon mit Urija verheiratet ist und David sich für sie interessiert, aber hier hat die Autorin sich natürlich eine Hintergrundgeschichte ausdenken müssen, und sie hat für ihre Geschichte tatsächlich zwei Verse aus der Bibel in Verbindung gesetzt: In englischen Übersetzungen wird Batseba in 2 Sam 11,3 als Tochter Eliams bezeichnet, und in 2 Sam 23,34 taucht in einer Liste von Davids Kriegshelden ebenfalls ein Eliam auf, der als Sohn Ahitofels des Giloniters bezeichnet wird. (Die lateinische Vulgata hat auch an beiden Stellen „Eliam“, in der Einheitsübersetzung steht allerdings an der ersten Stelle „Ammiel“, an der zweiten „Eliam“.) Während man in der Bibel über Eliam (Ammiel?) nichts weiter erfährt, spielt Ahitofel eine größere Rolle in all den Intrigen und Kämpfen im 2. Buch Samuel – aber dazu später.

Das erste Kapitel erzählt also im Schnelldurchlauf die Vorgeschichte zu Davids und Batsebas Verhältnis, die Mrs. Rivers sich ausgedacht hat. Sie hat hier die biblische Geschichte in ein paar Details abgeändert: In der Bibel zieht der von Saul verfolgte David ins Gebiet der Philister, verbündet sich dort (scheinbar) mit einem Philister namens Achisch, der ihm und seinen Leuten eine kleine Stadt namens Ziklag überlässt, und führt von dort aus heimlich Überfälle auf die Geschuriter, Geresitern und Amalekiter aus, während er Achisch glauben lässt, seine Überfälle würden ihn nach Juda führen. Als ein Krieg zwischen Saul und den Philistern ausbricht, zieht David mit Achisch, um sich mit anderen Philisterfürsten zu treffen, doch die fürchten, dass David in der Schlacht gegen Saul zum Verräter werden könnte, und so schickt Achisch David zurück nach Ziklag. Die Stadt ist in der Zwischenzeit von den Amalekitern überfallen worden, die die dort zurückgebliebenen Frauen und Kinder weggeschleppt haben, aber David kann sie noch einholen und alle befreien.

In diesem Roman leben Davids Leute in einem Lager aus Zelten bei En-Gedi und Adullam, Achisch kommt nicht vor, und David und seine Krieger ziehen erst zu den Philistern, weil sie sich ihnen zum Schein anschließen und sich dann in der Schlacht gegen sie wenden wollen, als sie erfahren, dass Saul gegen sie zieht, werden aber dann wie in der Bibel von ihnen abgewiesen. Zu dieser Zeit ist Batseba acht Jahre alt und schon auf ihre kindliche Art in David verliebt, der vierzehn Jahre älter ist als sie und bereits drei Frauen hat. Wir bekommen ein paar Szenen mit David und seinen Männern, Batseba, ihren Eltern und ihrem Großvater in ihrem Lager. Davids Anhänger, allen voran Ahitofel, sind David treu ergeben, weil er dem Herrn ergeben und von Ihm erwählt ist, und sind gebannt von seinen Psalmendichtungen. Man merkt, dass die Autorin es gerne mitreißend beschreiben würde, und ein guter Autor könnte das vermutlich, aber ihre Beschreibung ist ungefähr so mitreißend wie ein Neues Geistliches Lied. Die kleine Batseba ist, wie gesagt, besonders hingerissen von David, aber ihre Mutter warnt sie schon da, dass sie sich nicht in einen polygamen König verlieben solle und es „besser ist, Gott zu verehren und nicht einen Menschen“ (S. 348). Dann ziehen also die Männer zu den Philistern, und in ihrer Abwesenheit tauchen Amalekiter auf, die die zurückgebliebenen Frauen und Kinder verschleppen; das ist eine der Stellen, an denen es hätte spannend werden können, aber nach drei Seiten sind sie auch schon wieder befreit und es ist nicht viel passiert. Die Autorin hat es eben aufgenommen, um ein bisschen Action am Anfang zu haben, und weil es in der Bibel steht.

Saul, der also den Philistern allein gegenübersteht,  begeht in der Schlacht Selbstmord, als er merkt, dass eine Niederlage unausweichlich ist, und seine Söhne, darunter Davids bester Freund Jonatan, werden im Kampf getötet. David zieht mit seinen Leuten wieder ins Gebiet von Juda, nach Hebron, Sauls Haus führt weiter Krieg gegen ihn, und er heiratet ein paar weitere Frauen. Dort leben sie alle mehrere Jahre lang und dort wird Batseba als Vierzehnjährige mit einem von Davids Kriegern, dem Hetiter Urija, verheiratet (er ist Ende zwanzig). Ihre Mutter predigt ihr, dass sie froh über den für sie ausgesuchten Mann sein sollte („Uria ist freundlich, stark und anständig, und du wirst seine einzige Frau sein. David hat dich noch nie eines Blickes gewürdigt, aber Uria sieht dich an, als ob du eine kostbare Perle wärst.“, S. 358), und Batseba fügt sich, wenn auch nicht allzu begeistert: „Ich werde Uria heiraten, Mutter, und ich werde ihm den Respekt und Gehorsam erweisen, den er verdient. Aber Liebe… die kann man nicht befehlen.“ (Ebd.).

Zu ihrer Hochzeit kommt auch David, und hier haben wir erstmals Folgendes: „Schnell blickte sie sich um und begegnete wieder Davids Blick. Was für ein Blick das war! Sie begriff instinktiv, was er bedeutete, und spürte, wie ihr Hochgefühl der Verzweiflung wich. Warum sieht er mich erst jetzt als Frau, wo es zu spät ist? Warum hat er mich nicht einen Neumond eher so ansehen können?“ (S. 359f.) David verlässt die Feier schließlich, ohne weiter mit ihr zu reden.

Über Uria erfahren die Leser nur skizzenhaft etwas – er ist ein sanfter und frommer Mann, ein guter Krieger und viel fort von zu Hause, und Batseba achtet ihn und erledigt die Hausarbeit für ihn, aber mehr nicht. Und jetzt, als sie jung verheiratet ist, wird an einer Stelle – was für die spätere Geschichte ganz interessant ist – auch schon das Thema Sittsamkeit angesprochen, und zwar in typisch (wie soll man es sagen?) orientalischer Weise:

„Manchmal brachte er [Uria] Soldaten mit nach Hause; dann musste Batseba einen Schleier vor ihr Gesicht ziehen, damit die Gäste sie nicht anstarrten, wenn sie sie bediente. Er bat sie, den Schleier auch dann zu tragen, wenn sie hinausging. ‚Es sind raue Gesellen in Davids Armee – Männer, die keinen Respekt vor Frauen haben.‘
  ‚Solche Männer kenne ich mein ganzes Leben lang, Uria. Mir hat noch nie einer etwas getan.‘
‚Damals warst du noch ein Kind, Batseba. Jetzt bist du eine schöne junge Frau. Meine Frau. Hör auf mich.‘ Er hob ihr Kinn an und sah ihr in die Augen. ‚Es ist weise, sich nicht unnötig in Gefahr zu begeben.'“ (S. 361)

Zwei Jahre vergehen, in denen Batseba kinderlos bleibt. Sauls Erbe wird ermordet, David wird von den Stämmen Israels zum König erhoben, und er erobert Jerusalem. Auch Batseba und Uria ziehen jetzt in die Stadt, wo der neue Königspalast gebaut wird, und bauen ein Haus ganz in der Nähe. Die Israeliten erringen Siege über die Philister und holen die Bundeslade nach Jerusalem. Am Ende des Kapitels gibt sich die Autorin Mühe, poetisch zu sein: „Aber vor der Tür lauerte ein größerer Feind als die Feinde Israels. Ein größerer Kampf stand kurz bevor, einer, der das Volk in Stücke reißen konnte. Und dieser Krieg würde nicht in den Bergen, Tälern oder Ebenen von Israel toben. Sondern in der unwegsamen Wüste des menschlichen Herzens.“ (S. 366)

Im 2. Kapitel geht es dann an den eigentlichen Punkt der Geschichte: Batsebas und Davids Ehebruch. Israel reagiert auf eine Provokation des Ammoniter-Königs Hanun mit einem neuen Kriegszug, und die Autorin macht klar, dass sie von Davids kriegslustigen Militärleuten (u. a. seinem Heerführer Joab) nicht viel hält, aber auch der kriegsmüde König, der in Jerusalem zurückbleibt und seine Männer allein ziehen lässt, macht nicht die beste Figur. David sehnt sich nach seinem alten Leben als Hirte zurück, wo er mehr Gelegenheit fand, Gott nahe zu sein, findet in seinem polygamen Haushalt keine Ruhe, und ihm fehlen die Worte, um Psalmen zu dichten. Batseba unterdessen ist einsam, wünscht sich, endlich ein Kind zu haben und macht sich Sorgen, dass ihr Mann nicht aus dem Krieg zurückkehren könnte.

Als sie eines Nachmittgs wegen der rituellen Reinigung nach ihrer Menstruation in ihrem Hinterhof badet, sieht der König sie vom Schlossdach aus. In der Bibel heißt es an dieser Stelle: Als David einmal zur Abendzeit von seinem Lager aufstand und auf dem Flachdach des Königspalastes hin- und herging, sah er von dort aus eine Frau, die badete. Die Frau war sehr schön anzusehen. David schickte jemand hin, erkundigte sich nach ihr und sagte: Ist das nicht Batseba, die Tochter Ammiëls, die Frau des Hetiters Urija? Darauf schickte David Boten zu ihr und ließ sie holen; sie kam zu ihm und er schlief mit ihr – sie hatte sich gerade von ihrer Unreinheit gereinigt. Dann kehrte sie in ihr Haus zurück. (2 Sam 11,2-4)

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(Batseba im Bad in einer mittelalterlichen Buchmalerei.)

Hier gibt es ja einen gewissen Interpretationsspielraum für eine Nacherzählung; man kann aus Batseba ein Opfer sexueller Gewalt durch ihren Herrscher oder auch eine willige Mittäterin machen. (In der Kunst gab es auch mal den Usus, sie auf ihrem Dach badend darzustellen, um die Aufmerksamkeit des Königs auf sich zu lenken.) Mrs. Rivers stellt die Szene folgendermaßen dar:

„Plötzlich hatte sie das Gefühl, dass jemand sie beobachtete. Sie schaute nach oben. Da, auf der Mauer stand jemand. Ein Mann. Sie legte instinktiv die Arme um ihren Körper und duckte sich unter den halb durchsichtigen Baldachin. Es war mitten am Nachmittag, eine Zeit, in der die meisten Menschen vor der Hitze in den Schatten ihrer Häuser flohen. Was machte dieser Mann da oben auf dem Dach des Palastes?
  Sie merkte, dass sie wütend wurde. Sie spähte zu der Mauer hoch, um zu sehen, welcher Wächter es war, der sie da begaffte. Sie würde es Uria berichten. Und ihrem Vater und Großvater.
 Ihr Herz stolperte. Das war kein Palastwächter. Das weiße Gewand war mit Purpur verziert.
David!
Ihr Herz begann zu hämmern. […] Sie wusste, dass sie jetzt eigentlich ins Haus fliehen sollte, aber der plötzliche, wütende Schmerz war zu stark. Sollte er ruhig sehen, was er sich entgehen lassen hatte! […] Sie schaute trotzig offen zu der Palastmauer hoch. […]

 ‚Herrin?‘
 Batseba zuckte zusammen und schaute weg, die Röte schoss ihr ins Gesicht. Ihre Magd sah irritiert zur Mauer hoch. Voller Erleichterung stellte Batseba fest, dass David nicht mehr da war.“ (S. 373f.)

David, der plötzlich wie besessen von dieser Frau ist, hat sie zuerst nicht erkannt und lässt einen Wächter namens Joram nachforschen, wer in diesem Haus wohnt; als ihm klar wird, wer sie ist („die Ehefrau eines seiner besten Freunde, die Tochter eines Mannes, dem er vertraute und der ihm vertraute, die Enkelin Ahitofels, des fähigsten Militärberaters von Israel“, S. 376), ist er erst erschrocken, beschließt dann aber, zwei Palastwächter bei Einbruch der Nacht zu ihr zu schicken und sie holen zu lassen. Batseba ist zwar erschrocken, schämt sich und weiß, dass sie etwas Falsches tut, lässt sich aber trotzdem am Ende leicht verführen. Nach dieser Nacht sind beide erschrocken, David versichert Batseba, er würde dafür sorgen, dass alles geheim bleibt, und lässt sie noch vor dem Morgengrauen schnell zurückbringen.

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(Batseba erhält Davids Brief, Jan Steen. Gemeinfrei.)

Einige Wochen später merkt sie allerdings, dass sie schwanger ist, und schickt durch ihre Magd und den Wächter Joram, der sie abgeholt hat, eine Nachricht an David. David fasst den Plan, nach Uria, der noch bei der Belagerung der Stadt Rabba ist, zu schicken, damit Batseba eine Nacht mit ihm verbringen und ihm das Kind unterschieben kann.

Uria kommt also und erstattet Bericht von der Belagerung. In der Bibel heißt es: „Als Urija zu ihm kam, fragte David, ob es Joab und dem Volk gut gehe und wie es mit dem Kampf stehe. Dann sagte er zu Urija: Geh in dein Haus hinab und wasch dir die Füße! Urija verließ das Haus des Königs und es wurde ihm ein Geschenk des Königs nachgetragen. Urija aber legte sich am Tor des Königshauses bei den Knechten seines Herrn nieder und ging nicht in sein Haus hinab. Man berichtete David: Urija ist nicht in sein Haus hinabgegangen. Darauf sagte David zu Urija: Bist du nicht gerade von einer Reise gekommen? Warum bist du nicht in dein Haus hinuntergegangen? Urija antwortete David: Die Lade und Israel und Juda wohnen in Hütten und mein Herr Joab und die Knechte meines Herrn lagern auf freiem Feld; da soll ich in mein Haus gehen, um zu essen und zu trinken und bei meiner Frau zu liegen? So wahr du lebst und so wahr deine Seele lebt, das werde ich nicht tun.“ (2 Sam 11,7-11)

Hier wird zumindest nicht direkt gesagt, dass Uria etwas ahnen würde; bei Mrs. Rivers ist es anders; hier hat sie sich etwas dichterische Freiheit erlaubt, was aber nicht ganz schlecht wirkt. Der Ehebruch ist nicht ganz geheim geblieben – bei den Palastdienern jedenfalls – und Uria wird offenbar auch misstrauisch, weil David ihn bewusst zu seiner Frau schickt und ihm sogar noch ein Festessen in sein Haus bringen lässt. Als die Diener es dorthin bringen, ist nur Batseba da, die sich denkt: „Kannte David seine Männer so wenig? Hatte er das Gesetz vergessen? Ein Mann, der in den Krieg zog, hatte enthaltsam zu sein, um seine Kräfte für den Kampf gegen die Feinde Israels zu schonen.“ (S. 394)

Es findet sich zwar kein direktes derartiges Gesetz in der Bibel, aber diverse Hinweise darauf, dass in Israel damals Soldaten auf einem Kriegszug sich besonders heiligen sollten (Heiligkeit im Sinne von Aussonderung aus dem Alltäglichen, nicht im moralischen Sinn), und dass dazu die sexuelle Enthaltsamkeit gehörte. Unter anderem gäbe es diese Szene hier aus Davids früherer Geschichte: „Der Priester gab David Antwort und sagte: Gewöhnliches Brot habe ich nicht zur Hand, nur heiliges Brot ist da; aber dann müssen sich die jungen Männer von Frauen ferngehalten haben. David antwortete dem Priester: Wir haben uns schon gestern und vorgestern von Frauen ferngehalten. Als ich auszog, waren die Waffen der jungen Männer geheiligt; wenn dies auch ein gewöhnlicher Marsch ist, so wird er doch durch die Waffen geheiligt. Da gab ihm der Priester heiliges Brot, denn es gab dort nur die Schaubrote, die man von dem Angesicht des HERRN entfernt, um an dem Tag, an dem sie weggenommen werden, frisches Brot aufzulegen.“ (1 Sam 21,5-7)

Batseba ist von Reue ergriffen und mag Davids Plan, den sie jetzt begreift, ganz und gar nicht, sieht sich aber dennoch genötigt, mitzuspielen, um nicht für ihren Ehebruch die Todesstrafe zu erhalten. „Aber was war, wenn sie nicht auf Davids Plan einging? Dann würde sie sterben. Und das Kind, das sie in sich trug, auch.“ (S. 395) Sie geht daher (wie Joram, der das Festmahl gebracht hat, und noch einmal zurückkommt und ihr sagt, dass Uria am Palasttor ist, es ihr vorschlägt) zum Palasttor, wo sie merkt, dass die anderen Wächter inzwischen alle über sie Bescheid wissen, und Uria, der dann zu ihr herauskommt, auch.

„‚Sie erwarten von mir, dass ich dich auf der Stelle umbringe‘, sagte er rau.
 ‚Dann tu es doch.‘ Was hatte sie schon zu ihrer Verteidigung vorzubringen? Sie konnte die Schuld nicht allein David zuschieben. Schließlich hatte er sie nicht gerade zwingen müssen, zu ihm zu kommen. Jetzt sah sie, was dies den Mann kostete, der sie wirklich liebte. Sie ging auf die Knie und nahm einen Stein auf, der so groß war, dass er ihre Hand füllte. Sie hielt ihn ihm hin. ‚Du hast jedes Recht dazu.‘
Seine Kiefer mahlten. Tränen rannen seine Wangen hinunter in seinen Bart. Er nahm den Stein und schloss seine Hand darum. Sie sah, wie er mit sich kämpfte. Nach einem langen Augenblick schüttelte er den Kopf und ließ den Stein fallen. Er hob seine Hand und sie wartete auf den Schlag, aber er legte die Handfläche sehr sanft an ihre Wange. Dann wischte er mit dem Daumen ihre Tränen fort und sah ihr in die Augen, seine eigenen voll Schmerz und Vergebung. Sie legte ihre Hand über die seine und schloss die Augen.
 Er zog seine Hand weg und ging zurück – langsam, mit hängenden Schultern. […]
 Es war das letzte Mal, dass Batseba Uria sah.“ (S. 397f.)

David, der davon nichts mitbekommen hat, lässt Uria noch einen Tag bleiben, lädt ihn zum Essen ein und schickt ihn wieder zu seiner Frau, aber wieder schläft Uria im Tor. Also lässt David ihn kurzerhand einen Brief an den Kommandanten Joab mitnehmen, in dem er Joab anweist, Uria an die vorderste Front zu stellen, damit er fällt.

„David hielt ihm die kleine versiegelte Rolle hin. ‚Bring dies Joab.‘ Sein Herz machte zehn Schläge, bevor Uria vortrat, seine Hand ausstreckte und die Rolle entgegennahm. Seine Finger streiften flüchtig Davids, der schnell seine Hand zurückzog und dem Hetiter in die Augen schaute. Was er in ihnen sah, ließ sein Herz stolpern: Tiefe Traurigkeit. Und Resignation. Der Mann wusste, dass er sein eigenes Todesurteil in Empfang genommen hatte!
 Uria schob die kleine Rolle in seine Rüstung, genau über seinem Herzen. Dann drehte er sich um und verließ den Hof aufrecht wie ein Soldat, der erneut auszieht, um seine Treue zu seinem König zu beweisen.“ (S. 400f.)

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(Links: David reicht Uria den Brief; rechts: Uria zieht in den Kampf. Wandteppich, Gemeinfrei.)

Als nächstes erhält die entsetzte Batseba die Nachricht vom Tod ihres Mannes. Dann kommt ihre Mutter zu ihr und informiert sie, dass noch einige Männer mehr bei einem sehr riskanten Angriff auf die Mauern von Rabba gefallen sind. Ihre Mutter weiß auch, dass David seinem Heerführer Joab zuvor eine Nachricht geschickt hatte, dass der Bote, der nach dem misslungenen Angriff nach Jerusalem kam, David speziell berichtete, dass auch Uria gefallen sei, worauf David gar nicht traurig schien, hat gerüchteweise von Batsebas Besuch im Palast gehört, sich den Rest zusammengereimt, und ist voller Zorn: „Und was ist mit den dreißig Helden, die neben Uria für David gekämpft haben? […] Was werden sie jetzt von ihrem König denken? Ist er denn noch ihre Treue und ihr Blut wert? Was werden dein Vater und Großvater tun, wenn sie hören, dass David Uria ermordet hat, damit er dich haben kann? […] Du bist tot für mich – für mich und für uns alle!“ (S. 403f.) Für den Rest des Romans gibt es keine Versöhnung zwischen Batseba und ihrer Familie.

Batseba trauert und weint. Eine Woche später kommen Soldaten, um sie in den Palast zu holen, damit sie Davids Frau wird. „Der König würde die Witwe eines seiner gefallenen Helden zur Frau nehmen. […] Doch niemand ließ sich für dumm verkaufen. Außer vielleicht der König selbst.“ (S. 405) David ist froh, Batseba für sich zu haben, sie dagegen eher unglücklich. Sie wird in seinem Harem untergebracht, der Verachtung der meisten seiner anderen Frauen ausgesetzt.

Eine Ausnahme gibt es dabei: Abigail. Wie Abigail Davids Frau wurde, wird in 1 Samuel 25 erzählt; damals war David noch nicht König. Knapp gesagt brachte sie David und seine Männer kurz vor knapp noch davon ab, wegen einer groben Beleidigung durch ihren ersten Mann Nabal ihren Hof zu überfallen; nachdem Nabal, der erfuhr, was beinahe passiert wäre, vor Schreck einen Schlaganfall erlitt und starb, machte David Abigail ein Heiratsangebot, das sie annahm. Als Abigail und Batseba einander kennenlernen, bringt die Autorin wieder mal ihre Botschaft unter, indem sie Abigail ein unnötiges schlechtes Gewissen (naja, oder deuten wir es freundlicher, große Demut) andichtet:

„Abigail schüttelte den Kopf. ‚Wir sind alle Sünder.‘
Du hast nicht gesündigt. Du hast David vor einer großen Sünde bewahrt.‘ So ganz anders als sie selbst.
 ‚Ich habe meinen Mann vor Zeugen einen Narren genannt.‘
  ‚Aber du bist ihm treu geblieben.‘
‚Ich habe gewartet, bis Nabal wieder nüchtern war, damit ich ihm sagen konnte, was er angerichtet hatte. Ich wusste, dass er gierig war. Und arrogant. Und feige. Ich sprach und sah, wie der Schrecken über ihn kam. Ich sah, wie er starb und dankte Gott für meine Erlösung. Und als David nach mir schickte, um mich zu seiner Frau zu machen, packte ich sofort meine Siebensachen und ging zu ihm, weil ich so viel Gutes über ihn gehört hatte. Und als ich ihn sah, war es um mich geschehen.‘ Ihr Augen waren tränenfeucht. ‚Ich liebe ihn immer noch.‘
Es rührte Batseba tief, dass Abigail sich ihr so anvertraute. ‚Du hast nichts getan, was unrecht gewesen wäre. Alle haben deine Weisheit und Geistesgegenwart gerühmt. Du hast viele Menschen gerettet damals, Abigail‘, sagte Batseba. Aber sie war schuld an Urias Tod und dem vieler Männer.
‚Ach, lobe nicht mich. Gott sieht das Herz an, Batseba, und er wird uns alle einmal richten.“ (S. 414)

Dann wird Batsebas Sohn geboren, den sie sehr liebt, und wenig später kommt der Prophet Nathan in den Palast zu David und konfrontiert ihn mit seiner Sünde, die er jetzt erst wirklich anerkennt. Aus der Bibel:

„Darum schickte der HERR den Natan zu David; dieser ging zu David und sagte zu ihm: In einer Stadt lebten einst zwei Männer; der eine war reich, der andere arm. Der Reiche besaß sehr viele Schafe und Rinder, der Arme aber besaß nichts außer einem einzigen kleinen Lamm, das er gekauft hatte. Er zog es auf und es wurde bei ihm zusammen mit seinen Kindern groß. Es aß von seinem Stück Brot und es trank aus seinem Becher, in seinem Schoß lag es und war für ihn wie eine Tochter. Da kam ein Besucher zu dem reichen Mann und er brachte es nicht über sich, eines von seinen Schafen oder Rindern zu nehmen, um es für den zuzubereiten, der zu ihm gekommen war. Darum nahm er dem Armen das Lamm weg und bereitete es für den Mann zu, der zu ihm gekommen war. Da geriet David in heftigen Zorn über den Mann und sagte zu Natan: So wahr der HERR lebt: Der Mann, der das getan hat, verdient den Tod. Das Lamm soll er vierfach ersetzen, weil er das getan und kein Mitleid gehabt hat. Da sagte Natan zu David: Du selbst bist der Mann. So spricht der HERR, der Gott Israels: Ich habe dich zum König von Israel gesalbt und ich habe dich aus der Hand Sauls gerettet. Ich habe dir das Haus deines Herrn und die Frauen deines Herrn in den Schoß gegeben und ich habe dir das Haus Israel und Juda gegeben, und wenn das zu wenig ist, gebe ich dir noch manches andere dazu. Aber warum hast du das Wort des HERRN verachtet und etwas getan, was ihm missfällt? Du hast den Hetiter Urija mit dem Schwert erschlagen und hast dir seine Frau zur Frau genommen; durch das Schwert der Ammoniter hast du ihn umgebracht. Darum soll jetzt das Schwert auf ewig nicht mehr von deinem Haus weichen; denn du hast mich verachtet und dir die Frau des Hetiters genommen, damit sie deine Frau werde. So spricht der HERR: Ich werde dafür sorgen, dass sich aus deinem eigenen Haus das Unheil gegen dich erhebt, und ich werde dir vor deinen Augen deine Frauen wegnehmen und sie einem andern geben; er wird am hellen Tag bei deinen Frauen liegen. Ja, du hast es heimlich getan, ich aber werde es vor ganz Israel und am hellen Tag tun. Darauf sagte David zu Natan: Ich habe gegen den HERRN gesündigt. Natan antwortete David: Der HERR hat dir deine Sünde vergeben; du wirst nicht sterben. Weil du aber durch diese Tat den HERRN verworfen hast, muss der Sohn, der dir geboren wird, sterben.“ (2 Sam 12,1-14)

Wieder eine Szene, aus der ein guter Schriftsteller einiges machen könnte, aber bei Mrs. Rivers wirkt es wie schablonenartiges Nacherzählen, ohne dass sie sich wirklich Gedanken über Davids Seelenzustand gemacht hat. („Eine tiefe Reue durchschoss David.“ (S. 419) und ähnlich originelle Formulierungen.) Man hat überhaupt oft das Gefühl, dass Mrs. Rivers den biblischen David nur oberflächlich angeschaut hat; ihre Figur wirkt zusammengestoppelt und unrund. Auch wenn sehr gute Ansätze da sind.

Das Kind stirbt also, und Batseba trauert zutiefst – „Warum hat Gott meinen Sohn für meine Sünde leiden lassen? Warum?“ (S. 421). Tatsächlich ist das ja eine Frage, die bei dieser Geschichte öfter gestellt wird, und auf die man ganz einfach antworten kann, dass der Tod eines kleinen Kindes, das dann in ungestörtem Glück sein wird, tatsächlich eher eine Strafe für die Eltern und nicht für es selber ist. Mrs. Rivers legt hier auch David die Worte in den Mund: „Gott hat unseren Sohn nicht bestraft, Batseba. Er hat ihn den Händen böser Menschen entzogen.“ (S. 423)

Die folgenden Kapitel behandeln im Schnelldurchlauf die folgenden Jahrzehnte am Königshof von Israel. Batseba und David bereuen beide ihre Sünde sehr, aber Batseba bleibt Davids Frau, wobei sie noch von vielen verachtet wird; z. B. kommt in einem Gespräch Davids mit seinen Beratern das hier:

„‚Ist eine Frau je unschuldig, mein Herr und König? War es nicht schon in Eden die Frau, die den Mann in die Sünde zog?‘
 Er musterte seine Berater. Wie unbarmherzig sie waren. Wie schnell sie dabei waren, ihn freizusprechen, weil er auf dem Thron saß, und die ganze Schuld auf eine wehrlose Frau abzuwälzen!“ (S. 422)

Sie gewöhnt sich allerdings daran und an das Leben als eine unter vielen und sucht (nachdem sie sich einige Zeit lang kaum zu Ihm zu beten getraut hat) ihren Trost bei Gott; auch mit dem Propheten Nathan befreundet sie sich. Den Rest des Buches verbringt Mrs. Rivers vor allem damit, sie etwas moralisierend als vorbildliche Ehefrau, Mutter und Büßerin in Szene zu setzen, wobei sie immer wieder indirekte Zitate aus dem Buch der Sprüche unterbringt (zugegebenermaßen nicht ganz unnaheliegend, da dieses Buch von Batsebas Sohn Salomo stammen soll und darin schon am Anfang solche Sachen stehen wie „Höre, mein Sohn, auf die Mahnung des Vaters und die Unterweisung deiner Mutter verwirf nicht!“ (Spr 1,8)). Das sieht dann etwa so aus:

„Und wenn David bei ihr war, tat sie, was sie konnte, um ihm Freude, Liebe und Trost zu schenken. Sie wusste: Eine zänkische Frau war schlimmer als ein undichtes Dach in einem Wolkenbruch. Vor allem aber hörte sie ihm zu. […]
Doch das eine wusste sie: Gott hatte ihr Leben komplett umgewandelt. Jetzt wusste sie felsenfest, wie groß seine Güte und Gnade war, und sie war ihm unendlich dankbar dafür! […]
Mit nun vier Söhnen hatte sie keine Zeit für hohle Schmeicheleien oder dafür, sich über die Ränke der übrigen Frauen im Palast oder der anderen Kinder Davids den Kopf zu zerbrechen. Ihre Pflicht war klar: Ihre Söhne zu Männern Gottes zu erziehen. […]
Sie nahm jede Gelegenheit wahr, mit ihren Kindern über Buße und Verantwortung zu reden, über die Folgen der Sünde und über Gottes Größe. Sie erzählte ihnen auch von seiner großen Güte und Gnade.
(S. 431-434.)

Batseba ist allerdings nicht ganz abgehoben von der Politik; sie fürchtet schon, was nach Davids Tod aus ihr werden wird, und zu ihrer Erleichterung verspricht David ihr schließlich, Salomo zu seinem Nachfolger zu ernennen und setzt das dann nach einigem Zögern auf ihre Bitte hin auch um.

Gerbrand van den Eeckhout - David Promises Bathsheba that Solomon will be his Successor.jpg

(David verspricht Batseba, dass Salomo sein Nachfolger sein wird, Gerbrand van den Eeckhout. Gemeinfrei.)

Aber zuerst kommen noch diverse recht brutale Familienkonflikte und Palastintrigen, u. a. der fehlgeschlagene Aufstand von Davids Sohn Absalom (der übrigens zeitweise Jerusalem einnimmt und die Nebenfrauen seines Vaters vergewaltigt, wie es zu Nathans Prophezeiung passt), bei dem Ahitofel, der nun Hass auf seine Enkelin und Davig hegt, tatkräftig hilft (am Ende wird Absalom getötet, und David, der das nicht wollte, trauert sehr; Ahitofel begeht Selbstmord). Mrs. Rivers bringt unter, was in der Bibel steht, aber nur das – sie bringt es unter, um zu zeigen, dass sich Nathans Prophezeiung bzgl. des Unheils, das sich aus Davids Haus gegen ihn erheben wird, erfüllt, und dass seine diversen Söhne von seinem schlechten Vorbild gelernt haben; sie erfüllt es nicht besonders mit Leben. Manches wird nur knapp zusammenfassend berichtet (z. B. indem einer von Batsebas Söhnen ihr berichtet, was er zuletzt von dem-und-dem gehört hat), statt direkt erzählt zu werden. Das alles hätte aber wirklich einen sehr guten und auch ziemlich langen Roman abgeben können. Schließlich stirbt David und Salomo wird König; den Anfang seiner Regierungsgzeit erlebt Batseba noch.

Das Buch endet dann mit ihrem Tod; der letzte Wunsch, den sie sich denkt, ist:

„Ich weiß, dass sie sich an meine Sünden erinnern werden, Herr, aber wenn sie mein Leben betrachten, dann lass sie auch sehen, was du getan hast. Lass sie die Hoffnung sehen, die aus der Verzweiflung kam. […] Und lass sie…
 Sie seufzte tief.
 …Mut daraus schöpfen.“ (S. 471)

Einige Einfälle der Autorin in diesem Band sind gar nicht schlecht; an der Message ist auch relativ wenig auszusetzen. Liebloses knappes Heruntererzählen und öfter falsch eingesetztes Pathos lassen den Roman allerdings ziemlich mittelmäßig werden.

Beim nächsten Mal dann also zu etwas viel Interessanterem: Was eine evangelikale Autorin aus der Allerseligsten macht.

 

* Nicht, dass ich hier Empfehlungen für George R. R. Martin aussprechen wollte – dessen Bücher haben ihre eigenen Probleme.

Christliche Kultur am Sonntag: „Der Gauner und der liebe Gott“

Bei christlichen Sachbüchern findet man bekanntlich relativ leicht gute Sachen; bei Romanen, Filmen oder Kinderbüchern sieht es allerdings manchmal schwieriger aus, auch wenn einige vermutlich gern mehr davon besäßen. Dabei gibt es eigentlich auch hier viel Gutes, wenn man näher hinschaut, und weil nicht allen alles bekannt ist, dachte ich, ich stelle meinen Lesern hier mal jede Woche kurz ein Werk vor – hauptsächlich katholische Sachen, aber wenn es von guter Qualität ist, auch mal was aus anderen Konfessionen; nicht nur Hochkultur, sondern auch eher Populärkultur (aber halbwegs gut gemacht soll es sein); und sowohl solches mit explizit religiösen Inhalten (im Einzelfall auch mal, wenn es von persönlich nicht sehr frommen Menschen kommt), als auch Werke von überzeugten Christen ohne explizite Botschaft. Viele werden bestimmte Klassiker schon kennen, aber andere vielleicht noch nicht.

Und weil ich ja auch nicht alles kennen kann: Wer ein katholisches Lieblingsbuch, einen Film o. Ä. hat, von dem er schon immer mal mehr Leuten erzählen wollte, darf mir gern über die „Contact“-Seite schreiben und vielleicht ergibt sich ein Gastbeitrag.

 

Heute: „Der Gauner und der liebe Gott“ (Film)

In dieser Komödie von 1960 geht es um den Ganoven Paul Wittkowski (gespielt von Gert Fröbe), der zum wiederholten Mal wegen Einbruchs vor Gericht steht (diesmal allerdings unschuldig) und nach der Verkündung des ziemlich harten Urteils aus dem Gericht fliehen kann, durch Zufall an eine Soutane gelangt, mit der er sich als Priester verkleidet, und in dem kleinen Ort Seebrücken bei dem jungen Pfarrer Steiner landet. (Der Pfarrer wird übrigens von Karlheinz Böhm gespielt, besser bekannt als Kaiser Franz Josef aus den Sissi-Filmen; und man muss sagen, dass er als Priester eine noch bessere Figur macht als als Kaiser.) Pfarrer Steiner meint, dieser fremde Priester müsse von der Diözese geschickt worden sein, weil sich der Christbaumschmuck-Fabrikant Baumberger aus Seebrücken, der viel Geld damit macht, anderen Dorfbewohnern teure Darlehen zu gewähren, über ihn beschwert hat, nachdem er ihn (indirekt) von der Kanzel herab einen Wucherer genannt hat. Wittkowski bleibt also erst einmal im Pfarrhaus. Baumberger versucht unterdessen die junge Schlosserwitwe Holzmann, die Schulden bei ihm hat, zu erpressen und will von ihr sexuelle Gefälligkeiten. Pfarrer Steiner und Wittkowski wollen ihr helfen, und allmählich schöpft der Pfarrer auch einen Verdacht, wer sein Gast wirklich ist…

Spezieller Bonus: Vorkonziliare Kirchenszenen. ❤

Bildergebnis für der gauner und der liebe gott

Christliche Kultur am Sonntag: Der Prinz von Ägypten

Bei christlichen Sachbüchern findet man bekanntlich relativ leicht gute Sachen; bei Romanen, Filmen oder Kinderbüchern sieht es allerdings manchmal schwieriger aus, auch wenn einige vermutlich gern mehr davon besäßen. Dabei gibt es eigentlich auch hier viel Gutes, wenn man näher hinschaut, und weil nicht allen alles bekannt ist, dachte ich, ich stelle meinen Lesern hier mal jede Woche kurz ein Werk vor – hauptsächlich katholische Sachen, aber wenn es von guter Qualität ist, auch mal was aus anderen Konfessionen; nicht nur Hochkultur, sondern auch eher Populärkultur (aber halbwegs gut gemacht soll es sein); und sowohl solches mit explizit religiösen Inhalten (im Einzelfall auch mal, wenn es von persönlich nicht sehr frommen Menschen kommt), als auch Werke von überzeugten Christen ohne explizite Botschaft. Viele werden bestimmte Klassiker schon kennen, aber andere vielleicht noch nicht.

Und weil ich ja auch nicht alles kennen kann: Wer ein katholisches Lieblingsbuch, einen Film o. Ä. hat, von dem er schon immer mal mehr Leuten erzählen wollte, darf mir gern über die „Contact“-Seite schreiben und vielleicht ergibt sich ein Gastbeitrag.

 

Heute: „Der Prinz von Ägypten“

Dieser Kinderfilm von DreamWorks (veröffentlicht 1998; freigegeben ab 6 Jahren) erzählt die Geschichte von Mose und dem Auszug aus Ägypten nach; teilweise etwas frei, aber insgesamt ist die Geschichte sehr gelungen, auch wenn es Unterschiede zur Bibel gibt. Hauptsächlich ist es eine Geschichte von zwei Adoptivbrüdern.

Die Israeliten sind Sklaven in Ägypten, und Pharao Sethos, besorgt über ihr Bevölkerungswachstum, ordnet den Mord an israelitischen neugeborenen Jungen an. Moses Mutter setzt ihren kleinen Sohn, den sie retten will, in einem Körbchen im Nil aus und er wird von der Frau des Pharao gefunden, was Moses ältere Schwester Miriam noch beobachtet. Die Frau des Pharao sieht dieses Kind als Geschenk der Götter und adoptiert es.

Hier die Anfangssequenz im englischen Original mit Untertiteln:

Jahre später: Die beiden Prinzen, der ältere, ernstere Thronfolger Ramses und der jüngere, leichtsinnigere Mose, der nichts von seiner wahren Herkunft weiß, sind erwachsen. Es gibt diverse dramatische Verwicklungen, Mose erfährt, wer er ist, und verlässt schließlich überstürzt Ägypten und lebt einige Jahre in Midian – bis Gott ihn erwählt, um die Israeliten in die Freiheit zu führen, und er zusammen mit seiner Frau Zippora, die er dort geheiratet hat, zurückkehrt. Inzwischen sind seine Adoptiveltern verstorben und Ramses sitzt auf dem Thron. Zuerst ist der Pharao freudig überrascht, seinen verlorenen Bruder wiederzusehen; als der von den Sklaven anfängt, weniger freudig…

Das Besondere an diesem Film ist wirklich, wie der Antagonist, Ramses, gestaltet ist, der anfangs gar nicht unsympathisch wirkt; wie sich das Verhältnis der beiden Adoptivbrüder vom Anfang bis zum Ende des Films entwickelt. Hier z. B. das großartige Lied zu den 10 Plagen (wieder die englische Version):

Aber auch die anderen Figuren (z. B. Moses ältere Geschwister Miriam und Aaron, Pharao Sethos und seine Frau, Zippora, die beiden ägyptischen Priester am Hof…) sind sehr gut gelungen; und die Musik ist sehr schön (auch wenn die deutsche Synchronisation leider wie immer nicht ans Original herankommt).

Kleineren Kindern könnten ein paar Szenen (die 10 Plagen, der Tod der ägyptischen Erstgeborenen) vielleicht noch ein bisschen zu viel sein – auch wenn der Film einen relativ guten Job dabei macht, plausibel zu machen, wieso Gott die Plagen schickt -; am besten geeignet dürfte er etwa für 8-11-Jährige sein.