Christliche Kultur am Sonntag: „Du selbst bist die Antwort“

Bei christlichen Sachbüchern findet man bekanntlich relativ leicht gute Sachen; bei Romanen, Filmen oder Kinderbüchern sieht es allerdings manchmal schwieriger aus, auch wenn einige vermutlich gern mehr davon besäßen. Dabei gibt es eigentlich auch hier viel Gutes, wenn man näher hinschaut, und weil nicht allen alles bekannt ist, dachte ich, ich stelle meinen Lesern hier mal jede Woche kurz ein Werk vor – hauptsächlich katholische Sachen, aber wenn es von guter Qualität ist, auch mal was aus anderen Konfessionen; nicht nur Hochkultur, sondern auch eher Populärkultur (aber halbwegs gut gemacht soll es sein); und sowohl solches mit explizit religiösen Inhalten (im Einzelfall auch mal, wenn es von persönlich nicht sehr frommen Menschen kommt), als auch Werke von überzeugten Christen ohne explizite Botschaft. Viele werden bestimmte Klassiker schon kennen, aber andere vielleicht noch nicht.

Und weil ich ja auch nicht alles kennen kann: Wer ein katholisches Lieblingsbuch, einen Film o. Ä. hat, von dem er schon immer mal mehr Leuten erzählen wollte, darf mir gern über die „Contact“-Seite schreiben und vielleicht ergibt sich ein Gastbeitrag.

 

Erst einmal: Entschuldigung, dass in den letzten Wochen keine Beiträge gekommen sind – manchmal ist man ein bisschen im Stress. Jetzt sollte es wieder normal weitergehen.

 

Heute: C. S. Lewis: „Du selbst bist die Antwort“ (Originaltitel: „Till we have faces“)

Dieser Roman ist meiner Meinung nach eins von Lewis‘ besten Werken (auf jeden Fall besser als die Perelandra-Trilogie, und sogar besser als Narnia), und komischerweise eins der am wenigsten bekannten. (Der deutsche Titel gibt übrigens einen falschen ersten Eindruck; er klingt sehr nach „Selbstfindung“, dabei ist es ein Satz, den die Ich-Erzählerin am Ende an jemand anderen richtet.)

Der Autor beschreibt die Geschichte vor dem Beginn des Buches so:

Lewis_Du_selbst_bist_die_Antwort_klein

Es handelt sich bei dem Roman um eine Nacherzählung der griechischen Sage von Amor und Psyche, und zwar aus der Sicht von Psyches ältester Schwester. Das Ganze spielt in der Antike, in einem kleinen Fürstentum irgendwo nördlich von Griechenland. Die Ich-Erzählerin Orual beginnt ihre Geschichte aufzuschreiben, als sie alt ist und auf ihr Leben zurückblickt, und zwar als Anklage gegen die Götter. Das erste Kapitel beginnt so:

Till_we_have_faces

Orual erzählt  zuerst von ihrer Kindheit als älteste Tochter des Königs von Glome, mit ihrem jähzornigen Vater, ihrer hübschen flatterhaften jüngeren Schwester Redival und dann ihrer jüngsten Halbschwester Istra, die auf Griechisch, das ihnen ihr Erzieher, ein griechischer Sklave und Philosoph, den alle wegen seiner roten Haare nur den Fuchs nennen, beibringt, Psyche genannt wird. Istra/Psyche (um die sich vor allem Orual und der Fuchs kümmern, da ihre Mutter schon im Kindbett gestorben ist, und ihr Vater, freundlich ausgedrückt, nicht begeistert davon ist, nur Töchter zu haben), ist von Anfang an ein besonderes Kind, und als sie älter wird, beginnen die Menschen von Glome, sie zu verehren und kommen mit Krankheiten zu ihr, damit sie ihnen die Hände auflegt. Aber als dann einiges Unglück auf einmal Glome trifft, und die Priester der Göttin Ungit ein Menschenopfer verlangen und darauf kommen, dass Psyche die Götter beleidigt haben könnte, wendet sich das Blatt. Der höchste Priester setzt tatsächlich durch, dass Psyche in ein nahes Gebirge gebracht und dort als Opfer für den Gott des Berges an einen Baum gekettet zurückgelassen wird. Orual ist völlig verzweifelt, Psyche dagegen, die immer schon eine seltsame Sehnsucht nach der Welt der Götter gespürt hat, deutlich gefasster.

Ihre trauernde ältere Schwester geht einige Zeit später ins Gebirge, um zu sehen, ob sie wenigstens Überreste ihrer Schwester begraben kann. Aber sie trifft Psyche sehr lebendig an, und die erzählt ihr, dass sie mit dem Gott des Berges vermählt worden sei, und will ihr ihren Palast zeigen – den Orual nicht sehen kann. Sie sagt ihr auch, ihr Gemahl käme nur nachts zu ihr und sie dürfe ihn nicht sehen und keine Lampe in ihr Schlafgemach bringen. Orual will alles nicht glauben und kehrt schließlich nach Hause zurück. Sie überzeugt sich selbst, dass etwas Finsteres dahinterstecken müsse und schließlich kommt sie ein zweites Mal zu Psyche und droht ihr, sich selbst zu töten, wenn Psyche nicht eine Lampe, die sie ihr mitgebracht hat, nachts anzündet, um den Gott anzusehen…

In dem Buch geht es um einen gewissen Konflikt zwischen dem Kult des Priesters, für den heilige Orte dunkle Orte sind und Religion im Kern irrational ist, und den rationalen Maximen des griechischen Philosophen von der göttlichen Natur, und letzten Endes darum, wo beide Unrecht haben, aber Orual will eigentlich gar nichts mit der Welt des Göttlichen zu tun haben, und darum geht es ganz zentral.

Lewis hat ja auch in seinen theologischen Werken einiges dazu geschrieben, inwiefern es in den Legenden und Kulten des Heidentums schon Ahnungen von der wahren Religion gab, und dieser Roman führt das in einer mythologischen Weise aus, was ihn teilweise etwas seltsam macht (v. a. gegen Ende), aber letztlich passt das alles zusammen. Zwischendurch ist der Roman dunkel und traurig und hart, und das Ende ist dann wahnsinnig schön. Tatsächlich ist das eins der wenigen Bücher, bei denen ich an manchen Stellen jedes Mal heulen muss.

 

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