Christliche Kultur am Sonntag: „Quo vadis?“

Bei christlichen Sachbüchern findet man bekanntlich relativ leicht gute Sachen; bei Romanen, Filmen oder Kinderbüchern sieht es allerdings manchmal schwieriger aus, auch wenn einige vermutlich gern mehr davon besäßen. Dabei gibt es eigentlich auch hier viel Gutes, wenn man näher hinschaut, und weil nicht allen alles bekannt ist, dachte ich, ich stelle meinen Lesern hier mal jede Woche kurz ein Werk vor – hauptsächlich katholische Sachen, aber wenn es von guter Qualität ist, auch mal was aus anderen Konfessionen; nicht nur Hochkultur, sondern auch eher Populärkultur (aber halbwegs gut gemacht soll es sein); und sowohl solches mit explizit religiösen Inhalten (im Einzelfall auch mal, wenn es von persönlich nicht sehr frommen Menschen kommt), als auch Werke von überzeugten Christen ohne explizite Botschaft. Viele werden bestimmte Klassiker schon kennen, aber andere vielleicht noch nicht.

Und weil ich ja auch nicht alles kennen kann: Wer ein katholisches Lieblingsbuch, einen Film o. Ä. hat, von dem er schon immer mal mehr Leuten erzählen wollte, darf mir gern über die „Contact“-Seite schreiben und vielleicht ergibt sich ein Gastbeitrag.

 

Heute: Henryk Sienkiewicz: „Quo vadis?“

Der Titel dieses Romans des polnischen Schriftstellers Sienkiewicz, erschienen erstmals 1895, ist Latein für „Wohin gehst du?“ und bezieht sich auf eine Legende über den Apostel Petrus. Als die Christenverfolgung unter Nero (nach dem Brand Roms) begonnen habe, sei Petrus aus Rom geflohen; an der Via Appia sei er dann Jesus begegnet, und habe ihn gefragt „Domine, quo vadis – Herr, wohin gehst du?“, worauf die Antwort gelautet habe: „Nach Rom, um mich erneut kreuzigen zu lassen.“ Darauf sei Petrus, beschämt, dass er seinen Herrn so schlecht vertreten und seine Herde im Stich gelassen hatte, nach Rom zurückgekehrt, wo er dann gekreuzigt wurde.

Diese Erzählung kommt im Roman vor, und der Apostel Petrus spielt eine gewisse Rolle, ebenso der Apostel Paulus; die zentralen Protagonisten sind aber andere. Die Handlung beginnt folgendermaßen: Der reiche junge Patrizier Marcus Vinicius, der vor kurzem aus dem Krieg nach Rom heimgekehrt ist, hat sich in die schöne Lygia verliebt, nachdem er einige Tage im Haus ihrer Pflegeeltern Aulus Plautius und Pomponia Graecina zu Gast war. Sie ist eine Fürstentochter vom Volk der Lygier (die im heutigen Polen lebten), und als Geisel nach Rom gekommen, wo sie aufgewachsen ist. (Damals kam es vor, dass bei Abschlüssen von Friedensverträgen und dergleichen eine oder beide Seiten Geiseln stellen mussten, die dann lange bei der anderen Seite lebten, was verhindern sollte, dass der Frieden wieder gebrochen wurde.) Marcus Vinicius setzt von da an alles daran, Lygia zu seiner Geliebten zu machen, wobei ihn sein Onkel Petronius, der eine hohe Position an Neros Hof hat, unterstützt; Petronius bringt Nero dazu, Lygia zuerst an den Kaiserhof zu holen, woraufhin sie zu Marcus kommen soll. Lygia allerdings ist damit nicht ganz einverstanden (auch wenn sie selbst sich schon etwas in Marcus verliebt hat), und kann mithilfe ihres Sklaven Ursus fliehen. Dann findet Marcus Vinicius heraus, dass sie und ihre Pflegemutter Christinnen sind, und dass sie sich bei anderen Christen versteckt…

Man muss sich damit abfinden, dass der Protagonist des Romans erst einmal eine Zeit lang ziemlich unsympathisch ist; und die Beschreibungen der antiken Christen sind vielleicht etwas klischeehaft. (Ein Gottesdienst, dessen Beginn beschrieben wird, erinnert mich etwas zu sehr an eine evangelikale Erweckungspredigt und zu wenig an die liturgische Ordnung, von der man bei den antiken Christen selbst liest. (Und allein schon: Keine Türhüter, sodass sich zwei Heiden einfach einschleichen können!)) Aber der Roman ist sehr schön geschrieben, die Handlung ist spannend, und auch die Nebenfiguren sehr gut gemacht. Insgesamt wirklich empfehlenswert.

Poster for Quo Vadis (1913 silent film) - Original.tiff

(Poster für den Stummfilm von 1913, einer der ersten Filme nach dem Roman. Gemeinfrei.)

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