Christliche Kultur am Sonntag: „Trotz Folter und Strick“

Bei christlichen Sachbüchern findet man bekanntlich relativ leicht gute Sachen; bei Romanen, Filmen oder Kinderbüchern sieht es allerdings manchmal schwieriger aus, auch wenn einige vermutlich gern mehr davon besäßen. Dabei gibt es eigentlich auch hier viel Gutes, wenn man näher hinschaut, und weil nicht allen alles bekannt ist, dachte ich, ich stelle meinen Lesern hier mal jede Woche kurz ein Werk vor – hauptsächlich katholische Sachen, aber wenn es von guter Qualität ist, auch mal was aus anderen Konfessionen; nicht nur Hochkultur, sondern auch eher Populärkultur (aber halbwegs gut gemacht soll es sein); und sowohl solches mit explizit religiösen Inhalten (im Einzelfall auch mal, wenn es von persönlich nicht sehr frommen Menschen kommt), als auch Werke von überzeugten Christen ohne explizite Botschaft. Viele werden bestimmte Klassiker schon kennen, aber andere vielleicht noch nicht.

Und weil ich ja auch nicht alles kennen kann: Wer ein katholisches Lieblingsbuch, einen Film o. Ä. hat, von dem er schon immer mal mehr Leuten erzählen wollte, darf mir gern über die „Contact“-Seite schreiben und vielleicht ergibt sich ein Gastbeitrag.

 

Heute: Robert Hugh Benson: „Trotz Folter und Strick“ (Originaltitel: „Come rack! Come rope!“)

Robert Hugh Benson (1871-1914), Konvertit vom Anglikanismus und katholischer Priester, war seinerzeit ein ziemlich bekannter Schriftsteller, der heute leider oft mehr oder weniger vergessen scheint; sein noch bekanntester Roman ist „Der Herr der Welt“, ein apokalyptischer Zukunftsroman (auf den ich übrigens aufmerksam geworden bin, weil der Papst ihn vor Jahren einmal in einer Predigt empfohlen hat – unironisch eins der sehr wenigen Dinge, für die ich Papst Franziskus dankbar bin).

Monsignor R. H. Benson in Oct. 1912, Aged 40.jpg

(Msgr. Robert Hugh Benson. Gemeinfrei.)

Mein (bisher; ich habe noch zu wenig von ihm gelesen) liebstes Buch von ihm ist allerdings der historische Roman „Come rack! Come rope!“, der im 16. Jahrhundert spielt. Es gibt eine deutsche Übersetzung von 1926 dazu, die den Titel „Trotz Folter und Strick“ trägt, die ich aber nicht bewerten kann, weil ich ihn im Original gelesen habe; und wer genug Englisch versteht, dem kann ich das nur empfehlen, denn die Sprache in Msgr. Bensons Buch ist wunderschön. Der Titel ist ein Zitat vom hl. Edmund Campion, der eine Nebenrolle im Buch spielt.

Der Roman beginnt Ende des Jahres 1577 im Norden Englands. Der siebzehnjährige Katholik Robin Audrey, der einzige Sohn eines verwitweten niederen Adeligen, reitet zu der gleichaltrigen Marjorie, mit der er sich vor kurzem verlobt hat (noch ohne ihren jeweiligen Eltern etwas davon zu sagen). Unter Elisabeth I. ist die anglikanische Kirche seit langem Staatskirche, und alle, die nicht am anglikanischen Gottesdienst teilnehmen wollen, also insbesondere die Katholiken, müssen hohe Geldstrafen zahlen; Priester reisen verkleidet umher, um den Katholiken hin und wieder heimliche Messen bieten zu können, und wenn sie gefasst werden, werden sie gehängt, ausgeweidet und gevierteilt (so beispielsweise – Spoiler – mit dem hl. Edmund Campion geschehen); Katholiken, die Priester verstecken, werden ebenfalls manchmal hingerichtet. Nun hat Robins Vater beschlossen, dass er genug davon hat, und an Ostern zur anglikanischen Kirche übertreten wird. Als Robin sich mit Marjorie bespricht, sind sie sich einig, dass Robin dabei nicht mitmachen kann, wissen aber noch nicht, wie es dann weitergehen soll…

Auf eines muss man sich bei diesem Buch einstellen: Es geht nicht so weiter, wie die meisten modernen Leser erwarten würden. Die Gnade/Übernatur zählt hier letztlich mehr als die Natur, und das Ende ist für Katholiken ein Happy End, für andere aber vermutlich weniger.

Robert Hugh Bensons feinsinniger Humor ist wunderschön. Eine Kostprobe aus dem ersten Kapitel:

„Robin Audrey was no more religious than a boy of seventeen should be. Yet he had had as few doubts about the matter as if he had been a monk. His mother had taught him well, up to the time of her death ten years ago; and he had learned from her, as well as from his father when that professor spoke of it at all, that there were two kinds of religion in the world, the true and the false—that is to say, the Catholic religion and the other one. Certainly there were shades of differences in the other one; the Turk did not believe precisely as the ancient Roman, nor yet as the modern Protestant—yet these distinctions were subtle and negligible; they were all swallowed up in an unity of falsehood.“

(Meine Übersetzung: „Robin Audrey war nicht religiöser als ein siebzehnjähriger Junge sein sollte. Aber er hatte so wenige Zweifel in Bezug auf diese Angelegenheit, als ob er ein Mönch gewesen wäre. Seine Mutter hatte ihn gut unterrichtet, bis zum Zeitpunkt ihres Todes vor zehn Jahren; und er hatte von ihr gelernt, wie auch von seinem Vater, wenn dieser Bekenner überhaupt davon sprach, dass es zwei Arten von Religion in der Welt gab, die wahre und die falsche – das hieß, die katholische Religion und die andere. Sicherlich gab es Nuancen von Unterschieden bei der anderen; der Türke glaubte nicht genau dasselbe wie der antike Römer, noch wie der moderne Protestant – aber diese Unterschiede waren subtil und vernachlässigbar; sie gingen alle in einer Einheit des Irrtums unter.“)

Außer dem hl. Edmund Campion kommen noch mehr historische Figuren vor – u. a. Maria Stuart, Anthony Babington, der hl. Nicholas Owen – und es ist sehr schön, wie gut recherchiert der Roman ist, und wie die Figuren tatsächlich wie Menschen des 16. Jahrhunderts wirken.

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