Was ist Rassismus? Teil 1: Ein paar Probleme mit dem Intersektionalismus

Rassismus ist: Jemanden wegen seiner Rasse/Ethnie/Hautfarbe zu hassen, zu verachten oder ungerecht zu behandeln; den moralischen Wert eines Menschen an seiner Rasse/Ethnie/Hautfarbe festzumachen; jemanden ausschließlich als Exemplar seiner Rasse/Ethnie/Hautfarbe zu behandeln anstatt als Individuum. Ungefähr so würden das viele wahrscheinlich definieren.*

Die an den Unis dominierenden – besser gesagt, tyrannisierenden – Theorien (Intersektionalismus, „critical race theory“ und wie das ganze Gelump noch so genannt wird) definieren das lange nicht mehr so. Allein diese Definition sehen sie schon als rassistisch. Und mittlerweile bleiben sie nicht mehr nur an den Unis, daher hier mal ein paar Anmerkungen zu ihnen; zu ihren schlimmsten Auswirkungen komme ich ein gutes Stück weiter unten.

 

Diese Theorien gehen grundsätzlich davon aus, dass „das System“, das gegenwärtig existiert, Unterdrückung bedeuten muss, und man diese Unterdrückung abbauen, zerlegen muss, aus Strukturen ausbrechen muss (ich muss bei diesem Bild an entgleißende Züge und von Stahl durchbohrte Tote denken); Dekonstruktion und Problematisierung sind die Stichworte. Zum Intersektionalismus gehört eine gewisse Opferhierarchie: Schwarze haben es schwerer als Weiße, Frauen schwerer als Männer, Homosexuelle schwerer als Heterosexuelle, „Transpersonen“ schwerer als „Cisgender“, Muslime schwerer als Christen, Behinderte schwerer als Nicht-Behinderte, und müssen deshalb besonders bevorzugt werden; besonders trifft das zu, wenn mehrere Unterdrückungsmerkmale zusammentreffen (die chronisch kranke schwarze lesbische Muslima z. B. steht relativ weit oben). In der Theorie ist diese Theorie anfangs noch nicht so schlimm, wie sie dann wird. Sie sagt auch nicht, dass jeder Schwarze es schlechter hat als jeder Weiße, sondern dass es ein Weißer, der es schlecht hat, in derselben Situation noch schlechter hätte, wenn er schwarz wäre, also nicht, dass ein schwarzer Millionär es schlechter hat als ein weißer Obdachloser, sondern dass ein schwarzer Obdachloser es schlechter hat als ein weißer Obdachloser und ein schwarzer Millionär immer noch mit mehr Vorurteilen zu kämpfen hat als ein weißer Millionär. Diese Theorie ist oft falsch, denn in vielen Situationen gibt es gerade einen gewissen Minderheitenbonus; aber selbst wenn sie in der Theorie wahr wäre, wird sie in der Praxis extrem falsch: Denn die Intersektionalisten handeln so, als würden sie glauben, dass z. B. ein weißer heterosexueller Mann kein Opfer mehr  sein kann und auch kein Mitleid und keine Aufmerksamkeit verdient. Sie sehen zuerst die Gruppenzugehörigkeit eines Menschen an, und erst dann den Menschen selbst, wenn sie ihn überhaupt noch ansehen.

Rassismus gilt dabei als „gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit“, weshalb es auch einen „antimuslimischen Rassismus“ geben kann, obwohl Muslime gerade eine Gruppe sind, die sich durch gemeinsame Überzeugungen statt durch unveränderliche Merkmale wie die Abstammung definiert; es gibt ja sowohl indonesische als auch albanische als auch kenianische als auch „biodeutsche“ Muslime. Dass diese Definition nicht konsistent durchgehalten wird, ist eh klar; gegen eine „gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit“ gegen AfD-Wähler haben Linke überhaupt nichts. Ich sage das nicht, weil Linke selbst sich vom Vorwurf der Heuchelei und Inkosistenz beeindrucken ließen, denn das tun sie nicht; sie sind von Hass auf das, was ist und ihnen als dominant erscheint, getrieben, nicht von logisch konsistenten Überzeugungen; ich sage es für die Leser, die diesen Ideologien noch nicht verfallen sind.

Die Denkweise hinter dem „Anti-Rassismus“ dieser Leute ist einfach:

Weiße haben so lange Schwarze immer nur unterdrückt, jetzt ist es mal an der Zeit, dass Schwarze Weiße unterdrücken.

(Dass der erste Halbsatz historisch eigentlich nicht ganz richtig ist (nein, ist er tatsächlich nicht), dazu in einem kommenden Beitrag.**)

„Weiße“ und „Schwarze“ können oft auch durch andere Gruppen ersetzt werden, wie „Heterosexuelle“ und „Homosexuelle“, aber ich will mich in diesem Beitrag mal auf das Thema Rassismus konzentrieren, weil das gerade dominant ist.

Zum Intersektionalismus gehört grundsätzlich die Leugnung, dass es „reverse racism“ („Umkehr-Rassismus“) geben kann. Schwarze könnten nicht rassistisch gegenüber Weißen sein, weil es zu Rassismus gehöre, dass derjenige, der feindselig oder ungerecht sei, institutionelle Macht habe, und Weiße würden grundsätzlich institutionelle Macht haben. Wenn also z. B. tausende weiße Farmer in Südafrika ermordet werden, weil sie weiß sind, dann ist das nicht Rassismus, und eigentlich auch irgendwie verständlich; wenn „biodeutsche“ Kinder in mehrheitlich „Migrationshintergrund habenden“ Klassen gemobbt werden, dann ist das nicht Rassismus, und eigentlich auch irgendwie verständlich.

Das ist eigentlich eine etwas seltsame Sichtweise, wenn man bedenkt, dass sich Feindseligkeit, historisch gesehen, oft gegen angebliche oder wirkliche Unterdrücker, gegen angeblich oder wirklich privilegierte Eliten gerichtet hat – die Tutsi oder die Armenier sind Beispiele für Opfer einer ins Extreme getriebenen solchen Feindseligkeit. Nun kann man sagen, „aber in Wirklichkeit waren die eine unterdrückte oder zumindest angefeindete Minderheit“. Waren sie das mehr als, sagen wir, die Weißen im heutigen Südafrika? Die politische Macht haben letztere verloren; rechtlich haben sie keine Vorteile mehr (in einzelnen Fällen sogar Nachteile, weil Schwarze z. B. bei der Vergabe von Studienplätzen offiziell bevorzugt werden, damit angenommene Nachteile ausgeglichen werden sollen); vermögensmäßig sind sie durchschnittlich besser aufgestellt, aber das, nun ja, waren auch andere angefeindete Minderheiten; und es gibt Parteien, die offen dazu aufrufen, sie zu ermorden. (Ja, richtig gelesen. Bei Parteiführern wie Julius Malema (Economic Freedom Fighters, EFF; die drittgrößte Partei in Südafrika) findet man Aussagen wie „Wir rufen nicht zur Abschlachtung der Weißen auf, jedenfalls nicht vorerst“. „Kill the farmer, kill the boer“ ist auch so ein beliebter Spruch bei diesen Leuten. (Die Buren/Afrikaaner (boers) sind die Nachfahren der calvinistischen niederländischen Siedler, die schon seit dem 17. Jahrhundert Südafrika besiedelten und später die Apartheid einführten.) Die Farmmorde werden mit unglaublicher Brutalität ausgeführt. Bei den derzeitigen „Protesten“ in den USA und anderswo, bei denen Statuen gestürzt werden usw., wird ja auch ganz gern so was wie „Kill whitey“und „Kill all whites“ an die Sockel hingesprüht. Denkt man, das würde nur Gerede bleiben? Das tut es schon jetzt nicht.)

Wer weiß ist, ist nach diesem Denken schuldig; wächst mit Rassismus auf, profitiert von Rassismus, verinnerlicht rassistisches Denken; und ist daher Rassist. Darum müssen Weiße alles tun, um „allies“ zu sein, um jetzt POC (people of color) nach vorne zu bringen, selbst zurücktreten, und ihre eigene „Whiteness“ zu bekämpfen. Wer das nicht tut: Rassist. „White silence is violence“, „weißes Schweigen ist Gewalt“. Aber selbst die, die es tun, sind keine guten Menschen, sondern höchstens weniger schlechte.

Von Kritikern der Linken wird diese Unveränderlichkeit des Rassist-Seins gern mit der Erbsünde verglichen; dieser Vergleich ist Schwachsinn. Erstens geht es bei der Erbsünde um etwas Reales, zweitens gibt es von ihr Erlösung, drittens sind reuige Sünder im Christentum willkommen. Ich sage euch: Ebenso wird im Himmel mehr Freude herrschen über einen einzigen Sünder, der umkehrt, als über neunundneunzig Gerechte, die keine Umkehr nötig haben.“ (Lk 15,7) In der Linken herrscht keine Freude über „allies“, eher eine „jetzt bildest du dir auch noch was drauf ein, dass du nicht mehr ganz so scheiße bist, was?“-Einstellung.

Ein schönes Beispiel für den Umgang der Weißen und Nicht-Weißen in der linken Szene untereinander kann man in diesem Facebookbeitrag sehen:

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„Deine Aufgabe ist es, ein Körper zu sein.“ Wie oben gesagt: Weiße haben so lange Schwarze immer nur unterdrückt, jetzt ist es mal an der Zeit, dass Schwarze Weiße unterdrücken. 

Es gibt natürlich eine Idee, die solche „Leitlinien“ attraktiv machen kann: Wenn es um die Belange, Probleme, Rechte einer bestimmten Gruppe geht, soll man die lieber selber zu Wort kommen lassen, statt für sie zu reden. Aber hier wird daraus gefolgert, dass andere ihr „zu allen Zeiten“ zu gehorchen haben, dass sie nichts bedeuten, dass sie nichts zu sein haben als Werkzeuge, als Körper. Kann sich irgendwer vorstellen, dass die schwarzen und weißen Organisatoren solcher Proteste miteinander befreundet sein könnten? Ehrlich Freunde sein, sich gegenseitig mögen könnten? Ich mir nicht.

Man halte so was bitte nicht für einen Einzelfall; solche Äußerungen kann man tausendfach finden, ohne lange suchen zu müssen. Um mal ein anderes Beispiel für den Wunsch, die Unterdrückung umzukehren, zu nehmen: Da gäbe es einen neuen Film aus den USA namens „Cracka“, der nur aus einer sadistischen Phantasie des „reverse racism“ besteht, in der Schwarze Weiße als Sklaven halten.

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(„Ihr habt unsere Töchter vergewaltigt, was, wenn wir eure vergewaltigen würden?“ „Was, wenn“? Bei einem Afroamerikaner ist es fünf Mal so wahrscheinlich, dass er eine Vergewaltigung begeht, wie bei einem weißen Amerikaner (und acht Mal so wahrscheinlich, dass er einen Mord, und drei Mal so wahrscheinlich, dass er einen Einbruch begeht).)

Es ist auch immer ganz lustig, wie darum gerungen wird, wer als unterdrückte Minderheit gelten darf, wieder v. a., wenn man die amerikanischen Linken so beobachtet. Dürfen Juden als unterdrückt zählen, oder sind sie schon wieder Unterdrücker, und die Palästinenser von ihnen unterdrückt? Dürfen „white-passing“ Leute (Leute mit dunkelhäutigeren Vorfahren, die aber selbst „als weiß durchgehen“) sich unterdrückt fühlen oder profitieren sie wieder von Unterdrückung und sind darum Unterdrücker? Wie sieht es mit weißen Frauen aus? Einerseits ist man in diesen Kreisen auch sehr feministisch eingestellt, was heißt, dass Frauen Opfer sind, andererseits wurden früher Schwarze gelyncht, wenn sie weiße Frauen vergewaltigt hatten oder dessen verdächtigt wurden, also zählen weiße Frauen zu den Unterdrückern. „White women’s tears“ gelten als Rassismus gegen schwarze Männer.

Ein weiteres Merkmal der Rassismus-Theorien der heutigen Linken ist, dass es nicht darauf ankomme, wie etwas gemeint sei, sondern darauf, wie es auf das Gegenüber wirke. Wenn ich etwas nicht rassistisch meine, es aber einen Schwarzen verletzt, ist es rassistisch.

Das ist wieder halb richtig. Die, die von etwas getroffen werden, wissen besser, wie es sich anfühlt. Aber dann ist wieder das Problem: Wer genau entscheidet? Ein Afrikaner wird sich wegen etwas überhaupt keine Gedanken machen, das ein anderer Afrikaner beleidigend findet. Wenn es immer der einzelne definieren soll, dann gibt es gar keine Anhaltspunkte mehr, wie man sich verhalten soll, und jede Interaktion wid ein Minenfeld, und es wird für Menschen, die es genießen, auf anderen herumzutrampeln (und solche gibt es in jeder Gruppe), sehr leicht, andere einer „Mikroaggression“ zu beschuldigen. Was es hier braucht, sind natürlich objektive Höflichkeitsregeln, die dem Empfinden der großen Mehrheit entsprechen. (Zum Beispiel: Die Mehrheit der Betroffenen wird nicht darauf bestehen „person/people of color“ genannt zu werden statt „schwarz“, „dunkelhäutig“, „schwarzafrikanisch / afroamerikanisch / afrodeutsch / afrikanischer Herkunft“ o. Ä., aber das Wort „Neger“ gilt praktisch bei 100% als beleidigend, auch wenn es noch einzelne alte Leute gibt, die aus ihrer Kindheit gewohnt sind, es als neutrale Bezeichnung zu verwenden (vor 50 Jahren haben ja auch die Schwarzen selbst es noch als neutrale Bezeichnung verwendet), und das Wort „Nigger“ wurde eigentlich immer als irgendwie beleidigend verstanden, und ist es jetzt erst recht.) Und genau das haben wir nicht, sondern sich ständig verschiebende Torpfosten.

Verschiedene Empfindungen gibt es ja nicht nur bei Rassismus, sondern auch bei Feminismus oder „Ableismus“. Ich fühle mich als psychisch gestörte Frau überhaupt nicht beleidigt, wenn jemand keine Gendersprache verwendet oder „Der gehört doch ins Irrenhaus“ sagt.

Und es kommt auch nicht nur darauf an, wie etwas ankommt, sondern sehr wohl darauf, wie etwas gemeint ist. Es gibt immer Leute, die etwas Harmloses missverstehen wollen und sich wegen allem gleich beleidigt fühlen. („Schatz, sollen wir zur Feier des Tages mal Essen bestellen? Dann musst du dir auch nicht die Mühe mit dem Kochen machen.“ – „Dir schmeckt wohl mein Essen nicht, was?“)

Wenn man sagt, dass nur die Betroffenen etwas beurteilen können, kann man auch bei „Wer nicht Soldat war, darf auch nicht darüber urteilen, ob etwas ein Kriegsverbrechen ist“ landen, oder bei „Wer nie im Gefängnis war, darf auch nicht behaupten, dass ich nur meine gerechte Strafe für meine Betrügereien bekommen habe“.

Und es geht ja nicht nur darum, was man tun oder lassen sollte, sondern auch um die Schuld derer, die etwas getan oder gelassen haben. Und wenn jemand etwas freundlich meint, aber dabei etwas unsensibel oder gedankenlos ist oder vielleicht einfach ohne jede Schuld nie gehört hat, dass es unfreundlich sein könnte, dann kann man den nicht wie jemanden behandeln, der gegenüber einem Afrikaner Affenlaute macht.

Dieses „Die Absicht zählt nicht, es zählt, wie es ankommt!“-Denken führt zu den absurdesten Konsequenzen. In einem Park in Oakland wird ein Seil in einem Baum gefunden, irgendjemand meint, das sollte eine Schlinge sein, die jemand hingehängt habe, um Schwarzen zu drohen und sie an die Lynchmorde erinnern, die es bis vor einigen Jahrzehnten gab; ein Schwarzer meldet sich und erklärt, er habe das Seil als Teil einer Schaukelkonstruktion aufgehängt; die Bürgermeisterin erklärt, es werde trotzdem weiter wegen eines Hassverbrechens ermittelt, weil die Absicht nicht zähle. Hm.

Dann wird manches vielleicht Rassismus zugeschrieben, das nicht von Rassismus kommt – z. B. wenn manche Weiße einfach Schwarzen an die Haare fassen, um zu wissen, wie sich das anfühlt. Solche Menschen fassen auch in einen Kinderwagen, um das (weiße) Baby an der Wange zu streicheln, oder fassen einer (weißen) Schwangeren an den Bauch; das Problem (und es ist ein Problem) ist hier Übergriffigkeit wegen Neugier/Faszination, nicht Rassenhass oder Verachtung. Auch diese Übergriffigkeit geht allerdings nicht über eine lässliche Sünde hinaus.

Oder nehmen wir die Beschuldigung, dass Ärzte oft die Klagen von „südländischen“ Patienten über Schmerzen nicht ernst nehmen und das verächtlich als „morbus mediterraneus“ (mediterrane Krankheit) oder Ähnliches bezeichnen. Nun ja, als chronisch kranke Biodeutsche kann ich sagen, dass Ärzte (mit ein paar rühmlichen Ausnahmen) Schmerz- und Symptombehandlung meistens gar nicht ernst nehmen und ihnen das alles relativ egal ist. Aber dass sie eine eigene Beleidigung für bestimmte Patienten haben, zeigt schon eine gewisse Verächtlichkeit. Freilich kann die aus Erfahrungswerten kommen, dass manche Patienten mehr klagen als andere – wobei Studien darauf hinweisen, dass die aus biologischen Gründen ein höheres Schmerzempfinden haben könnten. Medizinische Unterschiede zwischen Ethnien und Rassen gibt es ja; z. B. auch bei der Anfälligkeit für Laktoseintoleranz oder Sichelzellenanämie, und auch wenn sich Ärzte damit wenig auskennen, vielleicht, weil sie einfach in einem Land leben, das bis vor kurzem ethnisch relativ homogen war, ist das schlecht für Minderheiten. Aber statt dass man vernünftig darüber redet, endet man dabei, das wieder als Beweis für eine durchgängige, überall präsente Unterdrückung zu nehmen. Dabei könnte man solche „Beweise“ bei allen Gruppen finden. Ein Beispiel: Männer gelten allgemein als privilegiert, aber sie haben ein höheres Risiko für Obdachlosigkeit, eine kürzere Lebenserwartung und bekommen seltener vor Gericht das Sorgerecht zugesprochen. Ist das ein Beweis für ein gegen Männer gerichtetes System? Jede Gruppe ist irgendwo mal benachteiligt; es müsste darum gehen, herauszufinden, wie häufig das der Fall ist und was die Ursachen sind. Und dann darum, die Sache konkret zu verbessern, soweit es möglich ist.

Das System ist böse: Das ist das Grunddogma, auf dem alles beruht. Das System ist rassistisch, irgendwo muss immer Rassismus drinstecken, muss unterschwellig Rassismus gelehrt werden, in Kinderbüchern, in der Schule, in der Werbung. Im Ernst? Diese Biodeutsche hier ist mit Jim Knopf aufgewachsen (sehr gutes Buch) und mit Lesebuchtexten darüber, wie Leute ihre Vorurteile gegenüber türkischen Nachbarn und Mitschülern verlieren (cringe). In der Werbung würden nur weiße Körper als schön gelten? Wieso sehen wir dann überdurchschnittlich viele dunkelhäutige Models in der Werbung?

Die Intersektionalisten behaupten, dass manche Gruppen systematisch von Macht, Teilhabe, Wohlstand usw. ausgeschlossen werden; das müssen sie beweisen. Woran sieht man es, dass POC systematisch daran gehindert werden, etwas zu erreichen, und nicht gerade besonders gefördert werden?

Klischees werden in ihren Theorien grundsätzlich als böse behandelt, inklusive positive Klischees. Ob man annimmt, Afrikaner wären gute Basketballer oder Tänzer oder Asiaten wären erfolgreich und gut in der Schule, es ist böse. Nun ist es natürlich so, dass es ziemlich nerven kann, wenn man als Einzelner als Exemplar eines Klischees behandelt wird. Aber Klischees entstehen nun mal überall, wo verschiedene Gruppen miteinander zu tun haben – über Männer, Frauen, Boomer, Millenials, Norddeutsche, Rheinländer, Franzosen, Beamte, Hartz-IV-Empfänger, Ärzte – und die sind nicht einfach beliebig entstanden, sondern oft genug ein erworbener Ruf. (Über Gruppen, die sich praktisch gar nicht von anderen unterscheiden, wie, sagen wir, Linkshänder oder Menschen mit großen Ohrläppchen, gibt es gar keine Klischees.) Vielleicht manchmal ein verzerrter, von Gerüchten und nicht repräsentativen Erfahrungen geprägter Ruf, vielleicht sogar ein von böswilligen Verleumdungen geprägter Ruf (man bedenke, dass in der Antike über Christen das Klischee verbreitet war, sie würden kleine Kinder fressen), aber auch das nicht immer.

Wenn man immer wieder die Erfahrung macht, dass Frauen untereinander mehr zu Zickigkeit neigen als Männer untereinander oder als Frauen und Männer in gemischten Gruppen, ergibt sich eben dieses Klischee. Natürlich sollte man den Einzelnen nicht als jemanden sehen, der sowieso dem Klischee entsprechen wird, aber es ist nichts Böses, generell den Ruf einer Gruppe einzukalkulieren, bevor man persönliche Entscheidungen trifft (z. B., wenn man entscheiden muss, ob man seine Tochter wirklich auf eine Mädchenschule schicken will). Man kann nicht immer alle einzelnen Leute kennen, und muss vernünftig abwägen. Genauso ist es z. B. vollkommen legitim, es sich vorher zu überlegen, ob man wirklich das Risiko einer Beziehung mit jemandem eingehen will, der aus einem sehr anderen Kulturkreis kommt; denn ja, das kann große Probleme geben.

Man darf bei so einer Abwägung nicht gegen ein göttliches Gebot verstoßen; aber weder hat die Schule einen Anspruch darauf, dass man seine Tochter dahin schickt, noch hat ein Typ einen Anspruch darauf, dass man mit ihm ausgeht. In den USA wird manchmal „white flight“ kritisiert, also dass Weiße aus innerstädtischen Gebieten, in die mehr Schwarze gekommen sind, in die Vorstädte gezogen sind. Nun ist es leider so, dass Afroamerikaner überdurchschnittlich kriminell sind (inzwischen sind ein Drittel aller schwarzen Männer einmal vor Gericht wegen eines Verbrechens verurteilt worden; ein Anteil, der in den letzten Jahrzehnten stark gestiegen ist, während Rassismus weniger geworden ist) und viele dieser Innenstädte zu No-Go-Areas geworden sind; und niemand hat einen Anspruch darauf, dass ein anderer in seiner Nachbarschaft wohnen bleibt. Bei Einstellungen für einen Job ist es natürlich komplizierter, denn Menschen brauchen Arbeit; aber hier kann man schließlich auch den einzelnen Bewerber ansehen.

(Es ist übrigens auch nicht böse, einfach mal nicht-feindselige Witze über Klischees zu machen, über die ein Betroffener auch selber lachen kann.)

Auch dass man andere „exotisiert“, sie als faszinierende fremdartige Touristenattraktionen behandelt, ist nichts, was auf Weiße gegenüber Schwarzen beschränkt wäre. Ich war mal mit einer Trachtengruppe an einer bayerischen Touristenattraktion (nicht Schloss Neuschwanstein übrigens), als zwei Reisebusse mit Japanern angekommen sind; die Japaner sind sofort hergekommen und haben angefangen, die kleinen Kinder in Tracht zu fotografieren; die selber sind auch hergelaufen und haben den Japanern gezeigt, wie sie schuhplatteln können. Ist das „othering“ und „dehumanizing“? Meine Güte.

Eins der bösesten Dinge ist für Linke inzwischen cultural appropriation, „kulturelle Aneignung“, also wenn z. B. Weiße Rastalocken haben oder von chinesischer Mode inspirierte Kleider anziehen. Für sie bedeutet das immer, eine Kultur in den Staub zu ziehen, egal, wie sehr derjenige diese Kultur wertschätzt. Eine Kultur wird als Besitz einer Gruppe behandelt, der ihr weggenommen wird, wenn andere sie imitieren. Begegnung zwischen Gruppen, gegenseitige Inspiration? Alles böse. (Nicht, dass ich besonders viel von Rastalocken halten würde.)

Es geht ihnen ständig um zwei Dinge: Macht und Identität, ohne dass die Macht einen objektiv guten Zweck oder die Identität einen objektiv guten Inhalt hat. Und ihr Gebaren ist oft genug ein einziges „Teile und herrsche“, bei dem sie andere Gruppen gegeneinander ausspielen.

Aber eins der größten Probleme bei den heutigen Anti-Rassisten ist, dass sie einerseits von „Mikroaggressionen“ und unbewusstem, „systemischen“ Rassismus reden, also von Dingen, die dann kleine, nicht-sündhafte Fehler bis lässliche Sünden sein müssten, das aber trotzdem als schwere, genauer gesagt sehr schwere, und auch nicht wirklich vergebbare Sünden behandeln.

Überhaupt ist ihre ganze Theorie ein „Motte-and-bailey“-Trick („Bergfried und Vorhof“) in Aktion: Wenn man angegriffen wird, zieht man sich auf den leicht zu verteidigenden Bergfried zurück („andere wegen ihrer Hautfarbe zu hassen ist schlecht“), wenn die Angriffe nachlassen, besetzt man wieder den schwer zu verteidigenden Vorhof („wer seine Kinder sich im Fasching als Indianer verkleiden lässt, ist ein böser Mensch“), und dann tut man so, als wären Bergfried und Vorhof identisch. Wer seine Kinder sich im Fasching als Indianer verkleiden lässt, begeht ein Hassverbrechen gegen amerikanische Ureinwohner, wer gegen Rassenhass ist, muss auch dagegen sein, seine Kinder sich im Fasching als Indianer verkleiden zu lassen.

Die Linken rufen oft naiven übertriebenen Anti-Rassismus (eine „Zu den Ausländern muss man besonders nett sein“-Einstellung, die zugegebenermaßen für alle Beteiligten nervig und peinlich sein kann) hervor, und nennen den dann auch wieder rassistisch. Einerseits kommen sie mit „Wenn du ’nicht mehr weißt, was du noch sagen darfst‘, zeigt das nur, dass du nicht mit den Leuten gesprochen hast, die es betrifft“; und darauf, dass Leute dann ihre einzige schwarze Bekannte schüchtern fragen „Du, Michaela, ist ’schwarz‘ eigentlich beleidigend, soll man lieber ‚dunkelhäutig‘ sagen???“, heißt es wiederum „POC sind nicht verpflichtet, für dich emotionale Arbeit zu erledigen und dir beizubringen, wie du nicht rassistisch bist, informier dich selber!“, als wäre das etwas anderes, als wenn Leute bei Problemen mit ihrem Excel-Programm erst mal dem einzigen Informatiker, den sie kennen, auf WhatsApp schreiben, anstatt einfach zu googeln. (Vielleicht kommt die Reaktion gegen solche Fragen aber auch aus dem Bewusstsein heraus, dass Michaela einiges nicht rassistisch finden wird, das die Infoseiten darüber, wie man ein guter Anti-Rassist ist, für rassistisch erklären?)

Diese Leute verlangen von Weißen, dass sie anerkennen sollen, dass sie Rassisten sind – und zwar jeder, denn es sei nicht möglich, als Weißer nicht von Rassismus geprägt und damit kein Rassist zu sein – , dass sie Geständnisse vorbringen, wo sie rassistisch waren. Und das führt zu den abstrusesten Selbstkritiksitzungen wie im maoistischen China. Wenn jemand sich nicht selbst als Rassist anklagen will, gilt das als white fragility, als neuer Beweis für Rassismus; hier ist jemand, der privilegiert ist und gar nicht sehen will, wie andere leiden, sofort beleidigt, wenn er ihr Leid sehen soll, wird behauptet. Der Intersektionalismus ist sehr praktisch für seine Befürworter, denn er ist nicht falsifizierbar, alles zählt als Beweis für ihn und nichts als Beweis gegen ihn.

Das alles ist eigentlich eine einzige Verschwörungstheorie: Der Westen ist böseböseböse, komplett vom Bösen durchdrungen, also muss man ihn überall angreifen, alles hier muss einfach böse sein und irgendwo von white supremacy kommen. Das hat die abstrusesten Folgen. Ich erinnere mich an einen Linken, der sich auf Twitter beschwert hat, er könne im Internet nichts zum rassistischen Ursprung des Begriffs „schwarzfahren“ finden. Spoiler: Dieser Begriff hat keinen rassistischen Ursprung. Er kommt nicht mal von einer Farbe, sondern von einem jiddischen Wort, das „arm“ bedeutet. Gerade werden überall von „Demonstranten“ und „Aktivisten“ Statuen gestürzt oder beschmiert, einfach, weil es Statuen von weißen Männern sind, egal, ob das Männer waren, die z. B. gegen die Sklaverei gekämpft haben oder wie der spanische Schriftsteller Miguel de Cervantes, der von muslimischen Piraten nach Algier verschleppt und ein paar Jahre lang als Sklave gehalten wurde, bevor er fliehen konnte, selbst Sklaven waren. Jep. Leute halten sich für Kämpfer für eine gerechte Welt, indem sie eine Statue von Cervantes beschmieren. Auch ein Kriegerdenkmal für schwarze Freiwillige der Unionsarmee im Sezessionskrieg wird da schon mal beschmiert.

Lustig ist auch die Geschichte mit dem Stadtwappen der Stadt Coburg, das einen Mohr enthält, dessen Entfernung seit neuestem vehement gefordert wird; lustig deshalb, weil es sich um den hl. Mauritius handelt, der schon von den Nazis aus dem Wappen entfernt und durch Schwert und Hakenkreuz ersetzt wurde. (Das Wort „Mohr“ war übrigens nie dasselbe wie das Wort „Neger“ oder gar das Wort „Nigger“.) Ob Nazi oder Intersektionalist: Schwarze Heilige wollen sie uns nicht verehren lassen. Ähnliches gilt ja für den Mohrenkönig bei den Sternsingern: Deutsche Linke haben irgendwie von amerikanischen Linken die Ansicht vermittelt bekommen, dass es Rassismus ist, wenn Weiße sich als Schwarze verkleiden („blackfacing“); in den USA ist das gar nicht so falsch, weil man dort die Geschichte der sich über Schwarze lustig machenden „minstrel shows“ aus früheren Zeiten hat, aber wenn deutsche Kinder sich als ein heiliger König verkleiden, der dem Sohn Gottes Geschenke gebracht hat, wird man das wohl kaum zur Verächtlichmachung deklarieren können. Die Legende, dass die Weisen aus dem Morgenland aus den drei im Mittelalter bekannten Erdteilen – Asien, Afrika und Europa – gekommen wären, hat gerade einen anti-rassistischen (im guten, normalen Sinn) Ursprung, nämlich die Überzeugung, dass alle Völker der Welt zu Christus gerufen sind. (Auch in den USA führt Anti-Blackface-Panik inzwischen freilich zu abstrusesten Ergebnissen, z. B. dass Folgen einer TV-Serie gestrichen werden, in denen weiße Figuren Schlammmasken im Gesicht haben, weil das ja als blackfacing verstanden werden könnte.)

Das könnte man alles nur für Dummheit und Übereifer halten, aber es ist nicht nur das, es ist Paranoia und Bosheit. Und schlimmer zeigt sich das bei anderen Themen.

Eins der beliebtesten Beispiele für „Alltagsrassismus“, das „südländische“ (arabische, türkische, nordafrikanische) oder schwarze Männer in deutschen Talkshows vorbringen, ist, dass Frauen, wenn sie sie sehen, ihre Handtasche enger an sich ziehen, sich in der Straßenbahn nicht neben sie setzen, oder sogar vor ihnen die Straßenseite wechseln. Und dieses Beispiel ist einfach nur völlig verdreht: Wenn eine Gruppe Männer sich tendenziell so verhält, dass Frauen tendenziell vor ihnen Angst haben, wer soll dann sein Verhalten ändern, die Männer oder die Frauen? „Aber der und der ist ja vielleicht ein sehr netter Mensch und kann nichts dafür“ Und? Auf wen soll er dann wütend sein, auf die nervöse Frau abends auf der Straße, die sich nach ihm umschaut, oder auf die anderen Männer, deren Verhalten dafür sorgt, dass sie nervös ist? Vorsicht ist nichts, wofür man sich rechtfertigen muss. Andere haben keinen Anspruch darauf, dass man unvorsichtig ist, damit sie sich besser fühlen. Wer hat hier die Macht? Der Mann oder die Frau? Wer hat hier Schlimmeres zu befürchten? Der Mann oder die Frau?

Machen wir das Ganze mal an einem Gedankenspiel deutlicher: Du stehst als junge Frau nachts um 11 Uhr an einem verlassenen ländlichen Bahnhof und musst noch zwanzig Minuten auf deinen Zug warten, Handy und Pfefferspray hast du zuhause liegenlassen, und jetzt kommt ein Mann auf den Bahnsteig. Du musst dir aussuchen, was für einer es sein soll: Ein Biodeutscher, ein Deutschtürke, ein Nigerianer oder ein Afghane. Die Herkunft ist das einzige Merkmal, das du weißt; kein Linker wird von deiner Wahl erfahren, aber du musst mit dieser Wahl leben.

Ich denke, ich habe gezeigt, was ich zeigen wollte. Und ich denke, es sollte klar, sein, dass das kein Rassismus ist.

Manchmal sind „Vorurteile“ gerade keine vorher gefällten Urteile. Ein Klischee kann, wie gesagt, ein selbst erworbener Ruf sein Ich habe sicherlich heute mehr Angst vor gewissen Asylbewerbern als im Jahr 2014. Der Unterschied? Die sind inzwischen seit Jahren im Land. Es gibt inzwischen leider viele Beispiele von Frauen und teilweise sehr jungen Mädchen, die von der linken Willkommenspropaganda geförderte Beziehungen mit (teilweise pseudo-„unbegleitet minderjährigen“) Flüchtlingen eingegangen sind und dann ein böses Erwachen bzgl. gewisser kultureller Unterschiede erlebt haben.

Es ist einfach eine Tatsache, dass manchmal gerade die, die eine Minderheit kennen, die größeren „Vorurteile“ haben. Europäer werfen weißen Amerikanern ihre Klischees bzgl. Afroamerikanern vor, Amerikaner können auf die Klischees der Europäer bzgl. der Roma hinweisen.

Besonders der Polizei wird gern „racial profiling“ vorgeworfen. Aber wenn die Polizei weiß, dass in einer Gegend der Drogenhandel in den Händen von Schwarzafrikanern liegt, und sie dann öfter Schwarzafrikaner kontrollieren, weil die sich öfter verdächtig verhalten, dann ist das einfach nur vernünftig. Es ist die Arbeit der Polizei, Verbrechen zu bekämpfen; und wenn eine Gruppe mehr Verbrechen begeht als andere, ist das deren Schuld und nicht die der Polizei. Der unbescholtene Schwarze, der öfter an dem Bahnsteig ist, an dem andere Schwarze mit Drogen dealen, weil er von da aus zur Arbeit fährt, und dann auch mal kontrolliert wird, weil die Polizei sein Verhalten falsch interpretiert, sollte nicht zornig auf die Polizei sein, sondern lieber auf die anderen Schwarzen, die ihm diesen Ruf einbringen. Auch hier wird wieder an einem Beispiel deutlich, dass die Polizei eben nicht einfach Rassenvorurteile hat: Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie einen Schwarzen mit Anzug und Aktentasche kontrollieren wird, der sie freundlich grüßt, oder eine schwarze Erzieherin, die mit einer Gruppe Kindergartenkinder unterwegs ist? Die Polizei geht nach Merkmalen, die ein Verbrechen wahrscheinlicher machen, und dazu gehören auch Kleidung, Geschlecht, Alter etc., was keine Ungerechtigkeit bedeutet. Und für den, der nichts zu verbergen hat und nicht gewalttätig wird, bedeutet eine Polizeikontrolle in Deutschland nichts anderes als eine kurzfristige Störung, wie jedem bewusst ist.

Wer nicht sehen will, dass „gewisse Gruppen“ objektiv krimineller sind (aus welchen Gründen auch immer), muss sich darüber beschweren, dass die Polizei rassistisch ist; und das bedeutet, dass die Polizei in Zukunft gefälligst nicht nach Verbrechen, sondern nach Rassenquoten kontrollieren und verhaften soll. Dabei kommen dann solche Sachen heraus wie die aus Pakistanis bestehenden „Grooming gangs“ von Rotherham, die sich jahrzehntelang sehr junge englische Mädchen gefügig gemacht und sie zur Prostitution gezwungen oder in Gruppen vergewaltigt hatten; die Polizei hatte die ganze Zeit über weggesehen. Oder man denke an die Kölner Silvesternacht, die ca. eine Woche lang von den Medien verheimlicht wurde. Weil nicht sein kann, was nicht sein darf.

Natürlich werden gerade dadurch Probleme verfestigt und es ändert sich nichts. Kriminalität ist ja nichts Angeborenes, sondern eine Entscheidung; freilich manchmal eine von Kulturen geförderte Entscheidung.

Aber zu verlangen, dass Gruppen sich kollektiv ändern können (und sollen), ist natürlich ein lupenreines Beispiel für Rassismus aus Sicht der Linken. Bei diesen Linken werden dann eben Pünktlichkeit, Vorausplanung und Höflichkeit als „white culture“ bezeichnet, die nachzuahmen man von POC gefälligst nicht erwarten sollte.

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(Nicht, dass alles in dieser Grafik gut wäre. Einiges ist zu typisch amerikanisch.)

Das objektiv Richtige ist hier natürlich völlig für einen Kulturrelativismus aufgegeben worden, also darf man auch von Leuten nicht erwarten, sich objektiv richtig zu verhalten. Diese Leute merken gar nicht, wie beleidigend ihr Getue gegenüber den Leuten ist, denen sie „helfen“ wollen.

Dafür kann man unzählige Beispiele sammeln. Von Angestellten Verlässlichkeit und Loyalität zu erwarten ist Rassismus, weil Schwarze das anscheinend nicht können:

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Mathematik ist rassistisch, weil Schwarze anscheinend nicht begreifen können, dass 2+2=4:

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Das sind keine extremen Äußerungen bei Einzelnen; dass Mathe und Naturwissenschaft rassistisch sind, weil sie zu westlich und „rationalistisch“ wären und „andere Formen von Wissen und Erkenntnis nicht als gültig ansehen würden“, ist inzwischen bei vielen dieser Leute anerkannt.

In anti-rassistischen Trainingseinheiten (wie sie in den USA in Firmen, Behörden, Unis schon üblich sind) werden alle möglichen Behauptungen aufgestellt und Erwartungen vorgegeben, damit man ein guter Verbündeter für POC sein kann:

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Wieso genau nochmal ist „körperliche Sicherheit“ aufzugeben?

Weiße haben „bedingungslose Solidarität“ zu zeigen. Wenn jemand sagt „Weiße machen mich so wütend, die würde ich am liebsten alle umbringen“, darf man also nicht sagen „Also, jetzt warte mal“.

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Als am unterdrücktesten gelten ja weltweit die Schwarzen, aber lustig sind auch immer Türken und Araber, die auch ein Stück vom Kuchen abhaben wollen und verfolgte Minderheiten spielen – und die Linken, die dabei mitmachen. Für westliche, v. a. amerikanische, Linke ist es ganz klar: Es gibt „white people“, „black people“, und „brown people“, die erste Kategorie ist schlecht, die letzteren beiden sind praktisch gleich (beide zusammen „people of color“), nur wird die dritte vielleicht etwas weniger unterdrückt. Das sollten sie mal den philippinischen Gastarbeitern erzählen, die von extrem reichen Saudis wie Sklaven gehalten werden (beide „brown“), den schwarzafrikanischen Migranten, die in Libyen, seitdem dort nach Gaddafis Tod Anarchie herrscht, wieder auf realen Sklavenmärkten landen, oder den von den hellhäutigeren, aus höheren Kasten stammenden verachteten dunkelhäutigeren Unberührbaren in Indien. Der Rassismus der Nordafrikaner oder Chinesen gegenüber den Schwarzafrikanern oder der der hellhäutigeren Inder gegenüber den dunkelhäutigeren Indern ist ja etwas, das nicht so wirklich bekannt, aber sehr groß ist. Und die Türkei beispielsweise ist gerade kein unterdrücktes Dritte-Welt-Land, sondern ein etwas heruntergekommenes völkermordendes und versklavendes Imperium.

Lächerlich ist z. B. auch, wie gerade auf „weißen“ Darstellungen Jesu herumgehackt wird. Antike ägyptische Ikonen sehen übrigens so aus:

(Christus Pantokrator, aus dem Katharinenkloster auf dem Sinai. Gemeinfrei.)

Besonders dunkelhäutig sind auch heutige Juden (oder Libanesen oder Syrer…) nicht, sogar den ein oder anderen Braunhaarigen oder Blonden findet man im Nahen Osten.

Aber natürlich sind auch solche ganz europäisierten Bilder vollkommen legitim:

(Bildquelle hier. Gemeinfrei.)

Solche Bilder sind es ja auch:

Chinese Madonna. St. Francis' Church, Macao.jpg

(Bildquelle hier. Gemeinfrei.)

„Inkulturation“, wie man so sagt. Der Herr ist eben tatsächlich für alle gekommen, sogar für blonde blasse blauäugige Europäer.

 

Und viel zu wenige etwas gegen all das. Man will nicht als Rassist gelten, natürlich; aber auf solche Verleumdungen darf man einfach möglichst nichts mehr geben, und wenigstens ein bisschen etwas sagen kann man oft. Wir wissen ja ungefähr, was kommt, wenn den Linken nichts entgegengehalten werden wird. Man sieht das teilweise jetzt schon.

Der Vorwurf des Rassismus ruiniert Leben, zurzeit besonders in den USA; man könnte unzählige Beispiele von Doxxing, Entlassungen, Todesdrohungen und Gewalt wegen angeblichem oder tatsächlichem „Rassismus“ und „Mikroaggressionen“ aufzählen. Der derzeitige Anti-Rassismus sorgt dafür, dass es für die Buren kein Asyl in Europa oder Amerika gibt, weil sie eine Gruppe sind, der kein Opferstatus zusteht, er sorgt dafür, dass Verbrechen von zertifizierten Opfergruppen nicht benannt werden dürfen, und da haben wir noch gar nicht von der ganzen generellen Gewalt geredet, die der Vorwurf gegen „DAS SYSTEM“ gerade hervorbringt – die Randale, die Plünderungen, die zusammengeschlagenen oder sogar getöteten Leute, die zufällig zur falschen Zeit am falschen Ort waren, die Gewalt gegen Polizisten. (Wenn der BBC Überschriften wie „27 Polizisten bei größtenteils friedlicher Demonstration verletzt“ schreibt, weiß man nicht mehr, ob man lachen oder weinen soll. Wie sähe denn eine unfriedliche Demonstration aus?) In Berlin gibt es seit neuestem ein Antidiskriminierungsgesetz, das bei Beschwerden gegen die Polizei etc. die Beweislast umkehrt (§ 7 LADG: „Werden Tatsachen glaubhaft gemacht, die das Vorliegen eines Verstoßes gegen § 2oder § 6 wahrscheinlich machen, obliegt es der öffentlichen Stelle, den Verstoß zuwiderlegen.“) und damit natürlich kriminellen Clans ein gutes Instrument an die Hand gibt, die Polizeiarbeit zu erschweren. Und Berlin ist zwar linksextremistisch regiert, aber noch nicht ganz so linksextremistisch, wie es möglich wäre; für etwas, das näher an das Traumbild der Linken herankommt, lohnt sich ein Blick auf die kurzzeitig existierende Autonome Zone in Seattle (CHAZ/CHOP), die von einer Art Warlord, dem Hip-Hop-Künstler Raz Simone, übernommen wurde und mit diversen Schießereien geendet hat, deren Opfer schwarze Teenager waren. Ach ja, eine Art Segregation wurde dort auch eingeführt (für Weiße verbotene Zonen).

Anti-Rassismus scheint manchmal so harmlos und selbstverständlich. „Black Lives Matter“, „schwarze Leben sind von Bedeutung“ – welcher Mensch würde gegen einen solchen Slogan argumentieren? Aber die Mitglieder der Organisation BLM und die Demonstranten, die ihnen folgen, wollen eben nicht einfach sagen, dass schwarze Leben von Bedeutung sind, sondern dass für alle, die nicht genau ihrer politischen Einstellung folgen, schwarze Leben nicht von Bedeutung sind.

Screenshot (647)

Und BLM ist eine marxistische Organisation, die auf ihrer Website auch erstaunlich viel darüber redet, LGBTQ-Zeug zu fördern (v. a. in Bezug auf Transpersonen), die Kernfamilie durch eine Art Kollektivismus ersetzen will, und die Polizei reduzieren oder gleich ganz abschaffen und durch Sozialarbeiter o. Ä. ersetzen („defund the police“ / „abolish the police“) will. Ich denke mir das nicht aus. Etliche Linke sind inzwischen wirklich überzeugt, dass, wenn man nur ihre Lieblingspolitik umsetzen würde, es keine Einbrüche und Überfälle mehr gäbe und es keine Polizei mehr bräuchte. Viele US-Linke machen sehr klar, dass sie keine reformierte, gute Polizei wollen, sondern dass sie die Existenz der Polizei an sich als Problem sehen. (Und das schwappt rüber nach Deutschland, wo wir nicht mal das Problem mit Polizeigewalt haben, das in den USA gibt, sondern nur eins mit Gewalt gegen Polizei.***)

Man unterstellt Linken immer so gute Motive. Sie wollen ja nur das Beste; sie wollen Unterdrückten helfen. Das ist falsch.

Linke – nicht alle, aber einige, vor allem die Radikaleren und die Anführer – sind unfähig, etwas zu lieben, das da ist, und etwas aufzubauen. Sie können Strukturen nur abbauen, nur dekonstruieren; nicht ohne Grund klingen Dekonstruktion und Destruktion so ähnlich. Man liebt seine Familie oder seine Heimat? Ab ins Gulag. Linke erklären ihre Liebe für das Ferne und Abstrakte, nie für das Nahe und Reale; sobald etwas nahe und real wird, hassen sie es wieder.

(Das sieht man auch schön daran, wie schnell sie ihre Familien hassen. Ich bin mir in vielen Dingen mit Familienmitgliedern uneinig, und würde nie auf die Idee kommen, sie deswegen so zu hassen.)

Bild

Sie haben ein Problem mit Autorität und erklären deshalb alle Autorität für böse. (Natürlich wird die Sache dadurch verkompliziert, dass Autoritäten manchmal böse sind; aber eine Gesellschaft ohne sie wird ein reines Chaos, in dem Macht für Recht gilt, und sich sehr viel bösere neue Autoritäten herausbilden.) Sie fühlen sich überlegen, indem sie für etwas scheinbar Gutes kämpfen, das aber nie da sein wird und nie da sein kann, und weil das nie da sein wird und nie da sein kann, können sie immer weiter kämpfen und gegen ihre Feinde als gegen Feinde der Menschheit vorgehen und ihren Sadismus gegen sie ausleben. Einerseits erklären Linke, dass Einbrecher und Schläger keine bösen Menschen wären und nur traumatisiert oder in Not wären, andererseits sind alle Nicht-Linken für sie das fleischgewordene Böse; denen wird keine schwere Kindheit angerechnet.

In etwas lustigerer Form ausgedrückt (ja, das ist ernst gemeint):

Bild

Es wird so gern propagiert, dass die „Rebellen“ und „Revolutionäre“ die Guten sind; dabei sind sie meistens fanatische Terroristen und machtgierige Putschisten.

Das Ironische ist, dass Linke nicht mal denen helfen, denen sie zu helfen vorgeben. Wo machen „Menschen mit Migrationshintergrund“ häufiger Schulabschluss und Ausbildung oder Studium? Im linksextremen Berlin oder im nicht ganz so linken Bayern? Eben. Wo leiden Leute mit weniger Einkommen in den Vierteln, in denen sie leben müssen, eher unter Kriminalität und Arbeitslosigkeit? In Berlin oder in Bayern? Eben. Selbst in den USA ist es ja so, dass es mit Gewaltkriminalität in von Demokraten regierten Städten am schlimmsten ist.

 

Zuletzt:

Es ist in Ordnung, für sich selbst einzustehen, und erst recht in Ordnung, für seine Freunde einzustehen. Es ist in Ordnung, zu sagen: „Ich habe mir nichts vorzuwerfen, ich entschuldige mich nicht bei euch, ich distanziere mich nicht in vorauseilendem Gehorsam von Freunden oder Bekannten oder auch Unbekannten, von denen ich mich distanzieren soll, weil sie angeblich unsensibel gewesen sein sollen, ich gehe bei Rassismusvorwürfen nicht von ’schuldig bis zum Beweis der Unschuld‘ aus, sondern gerade nach diesen vielen falschen Vorwürfen gehe ich von ‚unschuldig bis zum Beweis der Schuld‘ aus, und ich behandle solche Dinge in keinem Fall als unvergebbar.“ (Und wenn man doch was hat, wofür man sich wirklich zu entschuldigen hat? Dann macht man das erstens (wenn nötig) in der Beichte und zweitens mit den direkt Betroffenen aus, nicht vor einem Mob, den man nie zufriedenstellen können wird. Linke sind wie ein missbräuchlicher Partner oder ein Erpresser: Man kann es ihnen nie recht machen, egal wie sehr man sich anstrengt; und je mehr man nachgibt, desto mehr tyrannisieren sie einen. Selbst wenn man einen Fehler gemacht hat, es bringt nichts, das vor ihnen zuzugeben; von ihnen muss man nur wegkommen.)

Als Hobbykasuistin will ich keine moralischen Verpflichtungen behaupten, die nicht da sind. Was gut und vorbildlich wäre, ist nicht immer verpflichtend; und es ist nie eine Sünde, etwas nicht Verpflichtendes nicht zu tun, weil man es einfach nicht will. Es ist nicht immer verpflichtend, alles zu sagen, was man sich denkt, und manchmal kann es erlaubt sein, „an sich wahre Dinge“ zu sagen, die in eine falsche Richtung gehen, weil man sonst entsprechende Nachteile zu befürchten hätte, z. B. im Beruf, oder seine Familie von sich entfremden würde; manchmal ist das sogar aus Klugheit notwendig und gut. Aber generell ist es nicht gut, und zwar auch nicht gut für einen selber. Man mag sich selbst irgendwann nicht mehr. Man sollte so wahrhaftig sein, wie man eben kann, und mit erhobenem Haupt vor anderen stehen. Kriecherei ist keine Demut, Selbstachtung kein Hochmut. Es ist gut, zu sagen, was man sagen kann, und andere zu unterstützen, die sich mehr zu sagen trauen, als man sich selbst traut. Auf keinen Fall sollte man anderen auf der eigenen Seite in den Rücken fallen; auch wenn sie es übertreiben, sollte man das nie mehr verurteilen, als man gleich große Übertreibungen auf linker Seite verurteilt. Es ist gut, die Wahrheit zu wissen über den Wahnsinn, der gerade abgeht, sogar, wenn man nichts daran ändern kann; man fühlt sich sehr erleichtert, wenn man alles einordnen kann und nicht mehr bei Lügen und Verdrehungen beteiligt sein muss.

Man sollte keine allgemeinen „Rassismus ist böse, wir sind alle gegen Rassismus“-Statements abgeben, gerade nicht als größere Organisation, gerade nicht als katholische Organisation. Denn diese Statements werden nicht im Sinn von „Rassismus ist böse, wir sind alle gegen Rassismus“ verstanden, sondern im Sinn von „Ja, es stimmt, dass es bei uns furchtbaren, alles durchdringenden Rassismus gibt und alle Weißen sich für gewöhnlich im gewohnheitsmäßigen Zustand der schweren Sünde befinden, erst recht aber jene, die nicht uneingeschränkt die Ziele von BLM unterstützen, also geht alle zu den entsprechenden Protesten, wählt links und sagt auf keinen Fall etwas gegen Gewalt bei besagten Protesten“. Wenn man unter kommunistischer Herrschaft allgemeine „Ausbeutung ist schlecht“-Phrasen von sich gibt, um seine Herren zufriedenzustellen, wird das als „Ich bin für den Sozialismus“ verstanden. Das muss man sich vor Augen halten.

 

* Kurze Anmerkung zum Begriff „Rasse“: Die Verwendung dieses Begriffs ist nicht rassistisch. (Witzigerweise etwas, wobei die US-Linken mit mir übereinstimmen; es sind die deutschen Linken, die ein unerklärliches Problem damit haben.) Der Begriff „Rassismus“ (ungerechte Behandlung wegen der Rasse) setzt gerade den Begriff der „Rasse“ voraus, wie der Begriff „Sexismus“ (ungerechte Behandlung wegen des Geschlechts) den Begriff des „Geschlechts“ (Englisch „sex“) voraussetzt. Die Bezeichnung der Menschheit als „menschliche Rasse“ ist übrigens irreführend; die Menschheit ist eine Spezies, womit man in der Biologie die Gesamtheit der Individuen bezeichnet, die miteinander fruchtbare Nachkommen zeugen können. Rassen sind nur Untergruppen innerhalb einer Spezies mit gewissen Gemeinsamkeiten, wobei die Übergänge zwischen ihnen fließend sind und es immer „Mischlinge“ gibt. (Pferde sind eine Spezies, Haflinger eine Rasse.) Ethnien (ethnos = Volk) sind noch kleinere Untergruppen der menschlichen Spezies, die sich nicht nur durch Abstammung, sondern auch durch eine gemeinsame Identität bestimmen. Igbo und Bamiléké sind verschiedene Ethnien, gehören aber zur selben Rasse; dasselbe bei Belgiern und Franzosen.

** Hier mal nur so viel: Es wird hier meistens an die Schlagworte Sklaverei und Kolonialismus gedacht; die in Verbindung zu bringen ist allerdings ziemlich blöd, denn die Sklaverei in Afrika wurde erst durch den Kolonialismus abgeschafft, und das war tatsächlich ein Anliegen, das den Kolonialherren wichtig war und für das sie einigen personellen und finanziellen Einsatz aufwandten. Wenn Schwarzafrikaner heute nicht mehr auf den Märkten von Sansibar, Mekka und Istanbul landen, ist das nur den europäischen Schutztruppen mit ihren Tropenhelmen zu verdanken.

*** Zu den USA auch nochmal ein eigener Post; hier sei nur kurz angemerkt, dass es da sicherlich ein gewisses Problem mit Polizeigewalt gibt, die aber ziemlich gerecht unter den Rassen aufgeteilt ist, wenn man die Statistiken ansieht.

6 Gedanken zu “Was ist Rassismus? Teil 1: Ein paar Probleme mit dem Intersektionalismus

  1. „Zum Intersektionalismus gehört eine gewisse Opferhierarchie: Schwarze haben es schwerer als Weiße, Frauen schwerer als Männer, Homosexuelle schwerer als Heterosexuelle, „Transpersonen“ schwerer als „Cisgender“, Muslime schwerer als Christen, Behinderte schwerer als Nicht-Behinderte, und müssen deshalb besonders bevorzugt werden“

    Hier stellen sich für mich einige Fragen:
    Was passiert, wenn zwei Personen jeweils über ein Unterdrückungsmerkmal und ein Merkmal einer dominierenden Gruppe verfügen? Beispiel: der weiße Homosexuelle und der schwarze Heterosexuelle. Wer hat es schwerer? Hautfarbe vs. sexuelle Orientierung: Welches Merkmal ist ausschlaggebender für einen höheren Grad an Diskriminierung? (Man könnte diese Frage auch bei vielen anderen Kombinationen stellen, z.B. bei Hautfarbe vs. Geschlecht, Hautfarbe vs. Religion, sexuelle Orientierung vs. Religion etc…)

    Außerdem ist es interessant, zu sehen, wie die Tatsache ausgeblendet wird, dass Christen es in einigen Ländern schwerer haben als Muslime. Dies führt mich zu einer Frage, die ich schon seit längerer Zeit habe: Warum mögen so viele Linke den Islam?

    Der Aussage, dass Behinderte es schwerer haben als Nicht-Behinderte, würde ich zustimmen. Immerhin werden viele behinderte Kinder noch vor der Geburt abgetrieben. Nun stellt sich aber eine entscheidende Frage: Kritisieren die Linken, die sich über den „ableism“ in der Gesellschaft beschweren, die weitverbreitete Praxis der massenhaften Abtreibung von behinderten Kindern (z.B. Kindern mit Down-Syndrom)? Wenn Linke konsequent wären, müssten sie die Entscheidung von Müttern, ihre behinderten Kinder abzutreiben, anprangern.

    Mit freundlichen Grüßen,
    I love BXVI

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    1. Tja, die Diskriminierungshierarchie muss dann eben ausgefochten werden. Ich würde sagen, zurzeit gilt der schwarze Heterosexuelle als diskriminierter als der weiße Homosexuelle.

      Sie mögen den Islam natürlich nur insofern, als er nicht westlich ist, und sie ihn in ihrem Kampf gegen den Westen benutzen können. Tja.

      Abtreibungsbefürworter sind Heuchler und schlechte Menschen, eine kompliziertere Erklärung muss man nicht suchen.

      – LG, Crescentia.

      Liken

      1. „…weiße Homosexuelle…“

        Hierzu vielleicht noch eine kleine Anmerkung.

        Es gibt inzwischen eine Reihe von soziologischen Studien, die die ‚weißen Homosexuellen‘, was den gesellschaftlichen, beruflichen und wirtschaftlichen Status anbelangt, zu dem am meisten privilegierten Gruppen in der westlichen Welt zählen.

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    2. „Außerdem ist es interessant, zu sehen, wie die Tatsache ausgeblendet wird, dass Christen es in einigen Ländern schwerer haben als Muslime.“

      Weil wir es im Grunde mit ausgesprochener Blindheit unter all den Intersektionalisten zu tun haben. Manchmal habe ich den Eindruck, dass man da qua Herkunft dieses Schwachsinns aus den USA unter „Christen“ nur WASPs (White Anglo-Saxon Protestants) versteht. Darüber vergisst man dann die ganzen eingewanderten italienischen und irischen Katholiken, die es ja nun alles andere als leicht in den USA hatten, die katholischen Latinos, die Christen in Afrika, die Christen im Vorderen Orient, die am Rande der Auslöschung stehen usw. usf. Man will quasi weltläufig sein, sieht aber anscheinend das eigene Milieu. (Sarkasmus an) Man muss sich quasi in Sack und Asche kleiden, sich an die Brust schlagen und sich die Haare raufen, weil die Welt nur aus weißen Amis besteht, die für ihre Privilegien büßen müssen (Sarkasmus aus).

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