Was ist Rassismus? Teil 2a: Geschichtsmythen: Afrika vor dem Kolonialismus und der Sklavenhandel

Hinter dem heutigen „Anti-Rassismus“ der Linken steckt ein bestimmtes Weltbild, ein bestimmtes Geschichtsbild. Unter vielen Afrikanern ist (verstärkt durch panafrikanische Propaganda oder „black nationalism“) die Sichtweise verbreitet: Wo es Afrika/Schwarzen schlecht geht, ist das der Unterdrückung durch Weiße zu verdanken; wenn diese Unterdrückung nicht gewesen wäre, wäre Afrika haushoch überlegen. Quasi Wakanda. Und im Grunde genommen wollen Weiße Schwarze immer noch unterdrücken, wo sie können; dass es jetzt nicht mehr so schlimm wie früher ist, verdankt sich nur dem geeinten Widerstand der Schwarzen, ohne den käme praktisch die Sklaverei wieder. Unter Weißen wiederum wird es immer mehr verbreitet, zu glauben, die eigene Geschichte sei eine einzige Ansammlung von Gräueltaten und Überlegenheitsdünkel; es gäbe hier nichts, worauf man irgendwie stolz sein könnte. Das natürliche, erwartbare Resultat davon ist Hass und Paranoia unter Schwarzen (und die hat Folgen), und Scham, Minderwertigkeitsgefühle und Selbsthass unter Weißen.

Daher will ich hier mal ein paar Fakten aufzählen, um die Perspektive etwas zurechtzurücken. Öfter geht es wirklich um eine Umkehrung des allgemein verbreiteten Bildes, manchmal auch nur um eine Abmilderung; aber auch „mildernde Umstände“ sollte man erwähnen. (Wenn jemand einen Einbruch begangen und dabei eine Person leicht verletzt hat, ist es auch falsch, ihm einen geplanten Doppelmord vorzuwerfen; dasselbe gilt für Verbrechen von historischen Persönlichkeiten. Die Wahrheit ist ein Wert an sich.)

Der zentrale Punkt, den ich meinen Lesern einhämmern möchte, ist: Sklaverei und Kolonialismus waren zwei verschiedene Epochen in der afrikanischen Geschichte, und der Kolonialismus und nur der Kolonialismus hat die Sklaverei beendet.

Der transatlantische Sklavenhandel fällt in die Zeit, als Afrika unabhängig war und Afrikaner aus eigenem Willen ihre Nachbarn verkauften; es waren die Europäer, die beschlossen, ihn zu beenden, und es waren auch sie, die etwas später, als sie Afrika kolonialisierten, den so oft vergessenen Sklavenhandel mit der islamischen Welt unterdrückten, der im Lauf der Jahrhunderte locker 20 Millionen Opfer gefordert hatte (im Vergleich zu 11-12 Millionen beim transatlantischen Sklavenhandel). Der Kolonialismus hat einige sehr große Übel beendet, von denen das schlimmste der Sklavenhandel war; und er hat neben manchem Schlechten auch viel Gutes gebracht. (In späteren Artikeln will ich auf den Kolonialismus und einige Geschichtsmythen und Fälschungen diesbezüglich eingehen, die v. a. unter Afrikanern verbreitet werden, wie die „Charta des Imperialismus“.)

Aber jetzt der Reihe nach einige Fakten zur afrikanischen Geschichte vor dem Kolonialismus.

Manche Leute, die nur vage Geschichtskenntnisse haben, machen den Fehler, wenn sie über afrikanische Geschichte reden, nicht zu beachten, dass man von einem Kontinent spricht, der zweigeteilt ist durch die Sahara: Afrika nördlich der Sahara, mit seinen hellhäutigeren Bewohnern, die nicht wirklich anders aussehen als Spanier und Griechen, war immer in den Mittelmeerraum eingebunden; es war der Sitz von Reichen wie Ägypten und Karthago, später Teil des Römischen Reiches, früh christianisiert, Heimat von solchen Heiligen wie Augustinus, Clemens von Alexandria, Athanasius, Antonius. Dieser Teil Afrikas wurde im 7. Jahrhundert von arabischen Muslimen erobert und war später teilweise Teil des Osmanischen Reiches (heutige Türkei); freilich wurde der Anteil der christlichen Bevölkerung auch unter muslimischer Herrschaft nur langsam kleiner. Afrika südlich der Sahara, mit seinen schwarzen Bewohnern, bestand größtenteils aus sehr dezentralisierten Gesellschaften und war sehr lange größtenteils heidnisch (polytheistisch, animistisch). Auch die größeren Reiche dort (Dahomey, Kongo, Buganda etc.), waren meistens technologisch ziemlich wenig entwickelt.

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(Links: Ehemaliger Königspalast, später ein Königsgrab, von Buganda. Bildquelle: Wikimedia Commons, eingestellt von Nutzer not not phil. Rechts: König (Eze) Obalike von Nri, 1913. Gemeinfrei.)

(Die größte Ausnahme bildet Äthiopien, das über den Nil viel Kontakt zu Ägypten hatte, dessen König im 4. Jahrhundert das Christentum annahm, und das eine Schriftkultur und ein paar ganz beeindruckende Kirchen und Paläste hatte (und das leider zusammen mit den Ägyptern der monophysitischen Häresie verfiel, nach der Christus nur eine Natur, die göttliche, hat).)

Bete Abba Libanos.jpg ET Gondar asv2018-02 img03 Fasil Ghebbi.jpg Aethiopisch orthodoxer Moench.jpg(Bilder aus Äthiopien: Felsenkirche in Lalibela, Palast in Gondar, Mönch mit einer Bibelhandschrift. Bildquelle: Wikimedia Commons, Fotos von Nutzern Bernard Gagnon, A. Savin, Klemens Reidlinger.)

Wenn man an afrikanische Geschichte denkt, denkt man sofort an das Stichwort Sklaverei. Daher eine Klarstellung: Vor 2000 Jahren gab es auf der ganzen Welt Sklaverei. Korea, Indien, Afrika, Rom, Germanien, Irland: Man wird kein Land finden, in dem es keine Sklaverei gab. Die Sklaven stammten nicht aus einer bestimmten Rasse, und Afrika spielte nicht die Rolle eines Sklavenexporteurs für den Rest der Welt. Nachdem manche Länder (vorrangig das Römische Reich) das Christentum annahmen, ging die Sklaverei dort sehr langsam zurück oder nahm mildere Formen an; noch verschwand sie allerdings nicht.

Die ganze Situation änderte sich ab dem 7. Jahrhundert, als eine neue, recht militante Religion entstand, nämlich der Islam. Die islamischen Reiche führten massiv Kriege und importierten massiv Sklaven, teils durch Raubzüge, teils durch Handel. Sie waren nicht wählerisch bei deren Ursprung: Sklaven aus Franken wurden ebenso genommen wie Sklaven aus Osteuropa oder aus Indien (der Name „Hindukusch“ bedeutet übrigens „Hindu-Tod“, da beim Marsch über dieses Gebirge so viele indische Sklaven zu Tode kamen) – oder eben auch aus Afrika.

Die muslimischen Herrscher in Nordafrika bauten militärischen Druck auf die weiter südlich lebenden (schwarzen) Völker auf und zwangen sie dazu, Sklaven als Tribut zu liefern, um nicht selbst versklavt zu werden; die gingen also in der Sahelzone auf Menschenjagd und lieferten die gewünschte Ware nach Norden. Teilweise machten sich die Araber auch selbst einen Spaß an der Sklavenjagd, und teilweise wurde Handel von einzelnen Schwarzafrikanern aus schlichter Geldgier ohne fürstlich organisierte Sklavenjagden betrieben. In Westafrika waren es eher schwarze Fürsten, die auf Sklavenjagd gingen; an der ostafrikanischen Küste legten die Araber selbst Städte an.

„Im 15. Jh. gab es zwischen Kilwa und Mogadischu 37 regelmäßig angelegte Städte mit eigenen Moscheen und raffiniertem persischem Dekor. Alle dienten sie als Exporthäfen für Sklaventransporte in den Irak, nach Persien, auf die arabische Halbinsel, nach Indien und sogar nach China. […] Die Sklaven wurden teils von Händlern im Landesinnern erworben, zusammen mit Elfenbein, welches sie zur Küste tragen mussten; teils wurden sie durch die Raubzüge der Emire erbeutet. So vermerkt der Schriftsteller Ibn Battuta, welcher 1331 Kilwa besuchte, dass der Sultan jährlich zu Sklavenjagden auszog. […] Als Oman im 16. Jh. Seemacht wurde, importierte der Sultan in manchen Jahren 20.000 Schwarzafrikaner.“ (Egon Flaig, Weltgeschichte der Sklaverei, 3. Auflage, München 2018, S. 101-103)


(Schwarzafrikanische Sklaven in Sansibar, 1889. Gemeinfrei.)

Die niedrigste Schätzung für die von den Muslimen zwischen dem 7. und dem 20. Jahrhundert aus Afrika importierten Sklaven beträgt 17 Millionen; dabei sind aber die beim Transport gestorbenen und in den Versklavungskriegen getöteten Menschen nicht mitgerechnet; und selbst diese Schätzung ist höchstwahrscheinlich zu niedrig. Man wird von 20 Millionen und noch mehr auf den arabischen Märkten angekommenen Sklaven ausgehen können.


(Sklavenmarkt im Jemen, Illustration aus dem 13. Jahrhundert. Gemeinfrei.)

In Nordwesteuropa (England, Frankreich, Deutschland etc.) verschwand im Hochmittelalter die Sklaverei, in Südeuropa (Italien, Spanien, Portugal) blieb sie etwas länger erhalten, war aber nicht sehr bedeutend. Europa blieb allerdings in dieser Zeit noch (wenn auch in geringerem Maße als Afrika) ein Herkunftsgebiet für Sklaven: Die muslimischen Kaperfahrer aus den sog. Barbareskenstaaten wie Algier und Tunis erbeuteten im Lauf der Jahrhunderte mehr als eine Million Europäer von Schiffen oder aus Küstendörfern; in einzelnen Fällen fuhren sie bis Irland und sogar Island, aber hauptsächlich konzentrierten sie sich auf das Mittelmeer und die Mittelmeerstaaten: Italien, Malta, Frankreich, Spanien (das die christlichen Spanier langsam von den Arabern zurückeroberten, die von Nordafrika aus dort eingefallen waren) usw. Diese Sklavenjagden dauerten bis ins frühe 19. Jahrhundert; im mittelalterlichen Europa wurden Orden wie die Mercedarier gegründet, die in muslimische Länder gingen, um dort Sklaven freizukaufen. Zu den berühmten Personen, die einige Jahre lang Sklaven der Muslime waren und dann fliehen konnten, gehören der spanische Schriftsteller Miguel de Cervantes und der hl. Vincent de Paul. Der Großteil der Sklaven konnte allerdings weder freigekauft werden noch fliehen. Osteuropa und Russland litten ebenfalls stark unter muslimischen Sklavenjagden.*


(Linkes Bild: Mönche kaufen europäische Sklaven in den Barbareskenstaaten frei. Gemeinfrei. – Rechtes Bild: Kaufmann aus Mekka (rechts) mit seinem tscherkessischen Sklaven (links), ca. 1888. Gemeinfrei.)

Aber zurück zu Afrika: Die Muslime importierten, wie gesagt, besonders viele Sklaven aus Schwarzafrika und in Ländern wie Marokko bildete sich nach und nach eine „color-line“ zwischen hellhäutigeren und dunkelhäutigeren Bevölkerungsschichten: Bei einem Schwarzen war es typisch, dass er Sklave war. Für die Versklavung von Schwarzen wurde als Rechtfertigung manchmal Noahs Fluch über Ham (der u. a. als Stammvater von Kusch, also Äthiopien, gilt) herangezogen, der aus der Bibel stammt (Gen 9,24-27), aber den auch der Islam kannte. Diese Interpretation war etwas vom Islam, nicht vom Christentum Erfundenes; im Christentum wurde sie erst deutlich später von einzelnen übernommen.

Unter muslimischen Gelehrten finden sich sehr viele sehr unfreundliche Äußerungen über Schwarze; hier ein paar Kostproben:

„Ein Anonymus aus dem Irak (um 902) führt die Entstehung unterschiedlicher Rassen von defizienten Untermenschen auf das Klima zurück; in der heißen Klimazone würden die Kinder im Mutterleib zu lange ‚gekocht‘:

’so daß das Kind zwischen schwarz und dunkel gerät, zwischen übelriechend und stinkend, kraushaarig, mit unebenmäßigen Gliedern, mangelhaftem Verstand und verkommenen Leidenschaften, wie etwa die Zanj, die Äthiopier und andere Schwarze, die ihnen ähneln‘.

Eine persische geographische Abhandlung (928 n. Chr.) behauptet:

‚Was die Länder des Südens angeht, so sind alle ihre Einwohner schwarz … Es sind Leute, die dem Maßstab des Menschseins nicht genügen‘.

Desgleichen notiert der Geograph Maqdisi (10. Jh.) über Schwarzafrikaner:

‚Es gibt bei ihnen keine Ehen; das Kind kennt seinen Vater nicht; und sie essen Menschen … Was die Zanj (Ostafrikaner südlich Äthiopiens) angeht, so sind es Menschen von schwarzer Farbe, flachen Nasen … und geringem Verstand oder Intelligenz‘.

Interessanterweise handelt es sich zumeist nicht um einen dichotomischen Rassismus (Schwarz-Weiß), sondern um einen trichotomischen: Zwei minderwertige Rassen (Schwarz und Weiß), beheimatet in den extremen Klimazonen, stehen einer hochwertigen (Rot oder Hellbraun) in der ‚mittleren‘ Zone gegenüber. Demgemäß gelten auch Türken, Slawen und Chinesen als minderwertige Rassen. Die große arabische Philosophie übernahm diesen Hautfarbenrassismus. So untermauert der große Avicenna (Ibn Sina, gest. 1037) die aristotelische Theorie des Untermenschen klimatheoretisch; extremes Klima produziere Sklaven von Natur: ‚denn es muß Herren und Sklaven geben‘; und im Liber Canonis behauptet er, die Schwarzafrikaner seien intellektuell minderwertig. Auch im islamischen Spanien grassierte diese Rassentheorie: Sa’id al-Andalusi (gest. 1070) lehrt eine klimatologisch begründete Minderwertigkeit der Schwarzafrikaner; desgleichen tat der jüdische Philosoph Maimonides (gest. 1204) aus Córdoba, der sowohl Schwarzafrikaner als auch Türken zwischen Menschen und Affen einstuft. Ebenso lässt der große Gelehrte Ibn Khaldun (1332-1406) keinen Zweifel am Untermenschentum der Schwarzen:

‚Daher sind in der Regel die schwarzen Völker der Sklaverei unterwürfig, denn (sie) haben wenig Menschliches und haben Eigenschaften, die ganz ähnlich denen von stummen Tieren sind, wie wir festgestellt haben‘.“ (Flaig, Weltgeschichte der Sklaverei, S. 128f.)

Jetzt werden sich manche Leser fragen: Wieso gibt es dann heute keine schwarze Minderheit mehr in Saudi-Arabien, dem Iran oder der Türkei? Die Gründe sind recht einfach: Erstens wurden Sklaven (z. B. auf den Zuckerrohrplantagen oder in den Minen) stärker verheizt als z. B. später in den Südstaaten der USA; sie arbeiteten sich zu Tode, ohne Nachkommen zeugen zu können. Zweitens vermischten sich die hellhäutigeren Herren leichter mit schwarzen Sklavinnen als das in christlichen Gesellschaften der Fall war, wo die Monogamie erwartet wurde und es keine Harems gab. Drittens, und das ist ein noch wichtigerer Grund: Die männlichen Sklaven wurden vor ihrem Import für gewöhnlich kastriert.

Dann kam eine neue Entwicklung. Die Iberische Halbinsel wurde von den Arabern befreit (abgeschlossen war die Reconquista 1492); Europa insgesamt wurde technologisch, wirtschaftlich und militärisch stärker, neue, bessere Schiffe wurden gebaut; die Portugiesen und die Spanier (und später die Hollländer, Franzosen und Engländer) begannen einige Entdeckungsfahrten. Die Portugiesen waren die Vorreiter. Sie segelten schon mal ein Stück auf den Atlantik hinaus und die afrikanische Küste entlang; entdeckten schon im 14. Jahrhundert die Kanarischen Inseln; umrundeten Ende des 15. Jahrhunderts das Kap der Guten Hoffnung, die Südspitze Afrikas. Und die Portugiesen waren die ersten Europäer, die schwarzen Stammesfürsten in Westafrika Menschen abkauften.

Beim transatlantischen Sklavenhandel waren es nicht die europäischen Sklavenhändler, die in Westafrika auf Menschenjagd gingen; diese Mühe mussten sie sich gar nicht machen. Sie kauften Afrikanern ihre Gefangenen aus anderen Stämmen ab; manche der Fürstentümer an der westafrikanischen Küste (z. B. Dahomey, Asante) waren richtiggehend auf das Sklavenjagen spezialisiert.


(Sklavenhändler in Gorée, Senegal, 18. Jh. Gemeinfrei.)

„Welche Modalitäten des Versklavens gab es? 1594 nennt Alvares de Almada für das Gebiet am Gambia-Fluss drei: Krieg und Gefangenschaft, dann die Verstoßung von Straftätern, schließlich Entführungen. König Eyo Honesty, der am Ende des 18. Jhs. am Calabar-Fluß (Bucht von Biafra) als großer Menschenverkäufer agierte, fügt noch zwei Arten hinzu: den Selbstverkauf von Schuldnern, und den Verkauf von entfernten Verwandten. Der Missionar S. W. Koelle befragte 1834 in Sierra Leone angesiedelte Ex-Sklaven und erhielt folgendes Bild: 34% waren Kriegsgefangene, 31% gewaltsam Entführte, 7% Schuldner, 11% Straftäter, 7% von Verwandten und Behörden Verkaufte. Der letzte Punkt indiziert ein bedenkliches Ausmaß von Entsolidarisierung […] Doch eine solche Haltung ist ein historisches Resultat; sie kann sich ergeben aus der unablässigen Erfahrung, den Angriffen überlegener Feinde wehrlos ausgesetzt zu sein, ohne jegliche Aussicht, diese Situation politisch verändern zu können. Dann zerbröckelt der Zusammenhalt, zunächst eines Stammes, schließlich auch der Verwandtschaftsgruppen selber.

Die Eliten der afrikanischen Raubstaaten begingen keine ‚Kollaboration‘; denn man kollaboriert mit einem Überlegenen, um ihm gefällig zu sein. Diese Eliten waren ebenbürtige Partner im Spiel und diktierten den Europäern normalerweise die Marktbedingungen […]. Alle Forts an der Küste des afrikanischen Festlandes waren gemietet gegen einen Tribut an die einheimischen Herrscher; zeigten sich die Europäer widerspenstig, zerstörten die Afrikaner das jeweilige Fort. Ferner legten die Afrikaner fest, wie viele Sklaven sie verkaufen wollten, an wen und in welcher Zeit, ja sogar, welche Sklaven nicht exportiert wurden: das Königreich Benin verhängte ein Ausfuhrverbot für männliche Sklaven und hielt es durch, von 1516 bis tief ins 18. Jh. hinein. […]

Afrikaner versklavten andere Afrikaner, sie deportierten ihre Opfer, und sie verkauften diese an der Küste wie Vieh an europäische Händler. Warum? Weil sie überhaupt keine Gemeinsamkeit zwischen sich und ihren versklavten Opfern sahen. […] Eine ‚afrikanische Solidarität‘ oder gar ‚Identität‘ ist niemals entstanden. Die Täter handelten ihren Zwecken und Interessen gemäß – völlig ‚rational‘. […]

Die Europäer bezahlten ihren Einkauf keineswegs mit Tand oder minderwertiger Ware, sondern mit einem breiten Sortiment hochwertiger Güter: Mit Kaurimuscheln, Silbermünzen, Waffen, mit europäischen Stoffen und indischen Textilien, mit Perlen und mit schwedischen Eisenbarren. Ab 1670 stiegen die Preise kontinuierlich. In Wydah (Dahomey) kostete um 1730 ein Sklave 25 Gewehre oder 40 Leinenballen, um 1750 kostete er 40 Gewehre, bzw. 70 Ballen. […] Josef Inikori spricht von einem Gewehr-Sklaven-Zyklus: Die Afrikaner kauften Gewehre, um noch mehr Sklaven zu machen, um noch mehr Gewehre zu kaufen usw. […]. Diese These ist inzwischen widerlegt: Man benutzte nämlich in weiten Teilen Afrikas bis tief ins 19. Jh. fast nie Gewehre, um Sklaven zu erbeuten. Schnell operierende Reiterverbände gebrauchten blanke Waffen, keine Gewehre; als Fernwaffen blieben die Giftpfeile viel gefährlicher. Die militärische Stärke des Yorubastaates Oyo stützte sich auf die Schlagkraft seiner Reiter und Bogenschützen; weiter nördlich waren Angriffsoperationen vollständig auf das Pferd angewiesen. Daraus folgt, daß es keinen Zyklus Gewehr-Sklaven gab, im Gegensatz zum Zyklus Pferd-Sklaven in der Savannen-Region. Wozu dann aber die 19 Millionen importierten Gewehre? Überwiegend dienten sie den großen Versklaverstaaten als Statusdemonstration für ihre militärischen Apparate, vor allem bei Festen. Ferner taugten sie hervorragend, um Städte und befestigte Dörfer zu verteidigen; und dieser defensive militärische Gebrauch der Musketen war politisch entscheidend: Diese Waffe half staatlichen Gebilden, sich gegen mächtige Nachbarn zu behaupten. Solche Staaten überlebten länger; nicht verwunderlich also, dass die Hauptimporteure von Gewehren zu den größten Lieferanten von Sklaven gehörten.

Die Überfahrt nach Amerika war gefürchtet; sie dauerte auf der Strecke Angola-Brasilien 30 bis 40 Tage, von Guinea zur Karibik zwei Monate. […] Es starben insgesamt etwa 15% der Verschleppten bei der Überfahrt, anfangs durchschnittlich 20%, im 18. Jh. anfangs 15%, um 1750 noch 10%, um 1800 noch 8%. In der zweiten Hälfte des 18. Jhs. bedeutete jeder gestorbene Sklave eine durchschnittliche Einbuße von 0,67% des Gewinns; starben mehr als 15% lohnte das Unternehmen kaum noch. Da jedem Sklaven unter Deck nur etwa 0,5m² zustand, zwang man sie, sich tagsüber an Deck zu bewegen, sogar zu tanzen, ferner zu täglichem Waschen und Mundpflege. Für alle Verschleppten war die Überfahrt ein tiefer biographischer Einschnitt, welcher ihnen jegliche Hoffnung auf Heimkehr raubte, und ein weiteres traumatisches Ereignis, welches ihre frühere Identität entwertete und sie gefügiger machte, eine neue anzunehmen.

Die Todesrate war – im Vergleich mit anderen Transporten – nicht sehr hoch; sie ‚lag im 18. Jh. nicht über jener, die bei transatlantischen Truppen- oder Sträflingstransporten ermittelt worden ist‘. Die Sklavenschiffe transportierten allerdings überwiegend junge, gesunde Männer. Maßgeblich war einerseits, wie lange die Überfahrt dauerte, anderseits, aus welchen Regionen die Sklaven stammten, denn sie waren auf unterschiedlichste Weise epidemiologisch anfällig. Die Tropenkrankheiten sind auch der Grund für einen weiteren Umstand: die höchste Sterberate auf Sklavenschiffen betraf nämlich die europäischen Seeleute; auf französischen Transportern des 18. Jhs. betrug sie durchschnittlich 15%, auf englischen oft 25%. Besonders gefährlich waren die Liegezeiten vor der afrikanischen Küste; hierbei verloren mehrere Liverpooler Transporter um 1770 etwa 45% ihrer Mannschaften. Aus diesem Grunde benötigten die Sklaventransporter, obwohl sie so klein waren, so dermaßen viele Matrosen. Die Kapitäne erhielten 2-5% Provision und waren – unter finanziellen Gesichtspunkten – eher daran interessiert, daß Sklaven überlebten als Matrosen.“ (Flaig, Weltgeschichte der Sklaverei, S. 172-177)

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(Karte aus: Flaig, Weltgeschichte der Sklaverei, S. 181.)

„Der Augenblick des Ablegens war traumatisch. ‚Die Sklaven die ganze Nacht in Aufruhr‘, heißt es im Bordtagebuch eines Seemanns. ‚Sie spürten, wie sich das Schiff in Bewegung setzte. Ein Geheul, schrecklicher als ich es je zuvor gehört hatte, wie bei den armen Irren im Bedlam Hospital. Die Männer rüttelten an ihren Ketten, was einen ohrenbetäubenden Lärm verursacht.‘

Diese Angst rührte zum Teil daher, daß viele Westafrikaner glaubten, Europäer seien Meereslebewesen, Kannibalen aus dem Land der Toten, das schwarze Leder ihrer Schuhe sei die Haut von Afrikanern, der Rotwein, den sie tranken, das Blut von Afrikanern, und ihr Schießpulver bestehe aus verbrannten und zermahlenen Knochen von Afrikanern. Ähnliche Ängste gab es in Mosambik und bei den Völkern, die dem transsaharischen Sklavenhandel ausgesetzt waren.“ (John Iliffe, Geschichte Afrikas, übers. von Gabriele Gockel und Rita Seuß, München 1997, S. 183)

Nicht in allen amerikanischen Kolonien gab es Sklaven. In spanischen Kolonien gab es sie weniger; ins portugiesische Brasilien wurden Millionen importiert. In den englischen Kolonien in Nordamerika bildeten sich sklavenhaltende (im Süden) und sklavenfreie Gebiete (im Norden) heraus; im Allgemeinen brauchte man da Sklaven, wo man Plantagen (für Zuckerrohr, Tabak, Baumwolle usw.) anlegte. Die Freilassungsquoten waren unterschiedlich hoch (in Nordamerika geringer als in Südamerika); aber praktisch überall bildete sich neben der Schicht der Sklaven eine mehr oder weniger große Schicht aus freien Schwarzen und „Mulatten“ heraus. Auch das Ausmaß der Rassenvermischung war verschieden; in Südamerika höher als in Nordamerika.

Anfangs wurden weiße Schuldknechte (die z. B. als verurteilte Kriminelle aus Europa in die Kolonien gebracht worden waren) und aus Afrika hergebrachte Schwarze manchmal ähnlich behandelt; sie mussten mehrere Jahre arbeiten und wurden dann freigelassen. Erst nach und nach ging die Zufuhr an weißen Schuldknechten zurück.

„Die Geschichte der Karibikinsel Barbados zeigt exemplarisch, welche Dynamik nun einsetzte: Ab 1628 übernahmen Kapitalgesellschaften große Teile der Insel, legten binnen zweier Jahre 120 Plantagen mit durchschnittlich 115 ha an. Sie importierten mehrere tausend englische Sträflinge oder Verarmte, von denen etwa 20% auf der Überfahrt starben und die angesichts der expandierenden Plantagen keine Aussicht mehr hatten, eine eigene Parzelle zu erhalten. 1634 machten die Schuldknechte einen Aufstand, den 800 Milizionäre erstickten. Danach verschlechterte sich ihre Lage; 1647 kamen die Pflanzer einem Aufstand zuvor und exekutierten die Anführer. Von 1648 bis 1655 wurden 12 000 irische politische Gefangene nach Barbados geschickt. Die Schuldknechte wurden nicht nach englischem Recht behandelt, sondern nach lokalem Gewohnheitsrecht. Gemäß dem 1661 erlassenen ‚Act for Ordaining of Rights between Masters and Servants‘ konnte man sie verkaufen, vermieten und verpfänden, ihren Dienst bei Vergehen um ein bis zwei Jahr verlängern und sie auspeitschen. Der Fall Barbados dokumentiert, wie leicht ein sklavistisches System auf der Basis weißer Sklaven hätte entstehen können. Warum geschah das nicht? Erstens weil die Zufuhr fast völlig versiegte; die Betroffenen taten alles, um ihre Strafen anderswo abzubüßen oder sich anderweitig zu verdingen; ihnen boten sich inzwischen viele Alternativen an; hatte doch mittlerweile die europäische Besiedlung Nordamerikas begonnen. Zweitens waren die Kosten der ständigen Repression zu hoch: Menschen, die als öffentliche Sträflinge oder als Verarmte bestimmte Erniedrigungen hinzunehmen bereit waren, wehrten sich verbissen dagegen, in eine private Quasi-Sklaverei hineingepresst zu werden. Drittens gab es Arbeitskräfte, von denen ein viel höherer Prozentsatz die Tropenkrankheiten überlebten: afrikanische Sklaven.“ (Flaig, Weltgeschichte der Sklaverei, S. 167f.)

Übrigens gab es auch freie Schwarze, die selbst Sklaven besaßen; ein bekanntes Beispiel wäre Anthony Johnson, ein Schwarzer aus Angola, der 1621 nach Virginia gebracht worden war, nach mehreren Jahren freikam, sich einigen Wohlstand erwarb, und vor Gericht um das Recht stritt (und es erhielt), einen anderen Schwarzen namens John Casor lebenslang in seinem Dienst zu halten statt nur begrenzte Zeit als Schuldknecht.

Sklaverei war eine Sache der Kolonien; in den europäischen Mutterländern existierte sie in aller Regel nicht, und Sklaven wurden frei, sobald sie europäischen Boden betraten (die Ausnahme bildeten Portugal und italienische Städte). Die Menschen in Europa sahen die Sklaverei für gewöhnlich nicht als gut, sondern als eine unschöne Angelegenheit in Übersee, wie man heute Kinderarbeit oder Lohndumping in Fabriken der Dritten Welt sieht, in denen Subunternehmer europäischer Unternehmer produzieren. Erst recht nicht mochten sie den Sklavenhandel, der dafür sorgte, dass ständig immer weitere freie Menschen in die Sklaverei geführt wurden (ab dem 16. Jahrhundert schon findet man übrigens päpstliche Verurteilungen dieses Handels; z. B. hier eine von 1537, hier eine von 1838; auch wenn das Sklavenhalten nicht als in sich falsch kirchlich verurteilt wurde). (Für mehr dazu, was Bibel und Kirche zu Versklavung, Sklavenhandel und Sklaverei sagen bzw. sagten, siehe diesen (ein wenig geupdateten) Artikel hier.)

Die rechtlichen Bestimmungen, denen Sklaven unterworfen waren, variierten. „Als die karabischen Besitzungen Frankreichs immer mehr zu Sklavenkolonien wurden, erachtete es die Krone für nötig, die im Mutterland so verabscheute Sklaverei rechtlich zu regeln; im März 1685 erließ Ludwig XIV. den ‚Code Noir‘. Wie jedwedes Sklavenrecht leidet der Code Noir unter dem Widerspruch, daß Sklaven als Besitz und nicht als Rechtspersonen gelten sollen, anderseits aber Menschen sind, für deren Seelenheil der König höchste Sorge trägt (Artikel 2). Sklaven sind zwar weder als Zeuge noch als Ankläger gerichtsfähig, doch bei schweren Vergehen werden sie nicht vom Herrn bestraft, stattdessen spricht ein Gericht über sie das Urteil. Somit begrenzt der Code Noir die Strafgewalt des Herrn erheblich: Zwar kann der Herr widerspenstige Sklaven ketten, sie mit Ruten oder Seilen schlagen lassen; doch es ist ihm untersagt, sie zu foltern oder zu verstümmeln, andernfalls werden die Sklaven konfisziert. Tötet er einen Sklaven, droht ihm eine Anklage wegen Mordes. Die Arbeit ruht sonntags und an katholischen Feiertagen. Sklaven können nur mit Erlaubnis ihres Herrn heiraten, es ist anderseits verboten, wenn eine Ehe besteht, die Ehegatten und die vorpubertären Kinder getrennt zu halten oder zu verkaufen. Art. 58 erklärt, daß Freigelassene ihren ehemaligen Herrn Respekt zu bekunden haben, aber frei von jeglichen Dienstleistungen sind. Sie gelten automatisch als eingebürgerte Untertanen, mit gleichen Rechten und Pflichten. Falls der verheiratete Herr eine Sklavin als Konkubine hält, so wird diese mitsamt den gemeinsamen Kindern konfisziert, und sie erhält kene Aussicht auf Freilassung. Hingegen darf der unverheiratete Herr eine Sklavin, welche damit automatisch frei wird, ehelichen; die Kinder sind freie Franzosen. […] Die Rechtspraxis der englischen Sklavenregionen folgte nicht dem Code Noir; sie anerkannte keine Sklavenehe, erschwerte die Freilassungen, zog zwischen Freigelassenen und den Weißen eine scharfe politische und soziale Demarkationslinie.“ (Flaig, Weltgeschichte der Sklaverei, S. 182f.)

(Eine englische Übersetzung des Code Noir findet man übrigens hier. U. a. enthält er auch Bestimmungen, die Ansammlungen von Sklaven verbieten, Herren befehlen, ihren Sklaven eine bestimmte Menge an Nahrung und Kleidung zur Verfügung zu stellen, die Todesstrafe für Sklaven festlegen, die ihre Herren ins Gesicht schlagen, und festlegen, dass Herren kranke Sklaven pflegen oder einem Hospital für ihre Pflege eine bestimmte Summe zahlen müssen.)

Die Südstaaten der USA zählen zu den bekanntesten Sklavenhalterregionen der Neuen Welt. Die Sklaverei dort war, wenn auch in rechtlicher Hinsicht schlimmer als die Sklaverei in französischen Kolonien, in mancher Hinsicht nicht so schlimm wie andere Sklavensysteme (z. B. im islamischen Machtbereich) – vielleicht gerade „nicht so schlimm“ genug, dass die Südstaatler, denen bewusst war, dass man anderswo auch ohne Sklaverei leben konnte, sich sagen konnten, dass sich am System eigentlich nichts ändern müsste.

Sklaven waren nicht völlig rechtlos und wurden gut genug behandelt, dass sie sich relativ stark vermehren konnten, was in anderen Sklavenhaltergesellschaften der Weltgeschichte, die auf ständigen Nachschub von Sklaven von außerhalb angewiesen waren, nicht der Fall war. Es war verboten, ihnen lesen und schreiben beizubringen, sie durften sich nicht ohne schriftliche Erlaubnis von ihrer Plantage entfernen, und das Schlimmste war natürlich, dass Familien legal getrennt werden konnten; zwar war das nicht so häufig, wie manchmal angenommen wird, aber es kam vor, vor allem, wenn beim Tod eines Sklavenbesitzers sein Erbe zu Geld gemacht und verteilt wurde, und es gab keinen Schutz dagegen. Für die Vergewaltigung von Sklavinnen gilt dasselbe: Sie war nicht so häufig wie manchmal gedacht, aber es gab keinen wirklichen Schutz dagegen. Ein großer Vorteil für Sklaven in den Südstaaten war allerdings, dass ihre Herren oft keine abwesenden Großunternehmer waren, sondern auf der Plantage lebten und ihren Sklaven öfter eine gewisse paternalistische Fürsorge angedeihen ließen. Die Sklaven waren relativ gut ernährt; lebten nicht in großen Baracken, sondern in einzelnen Hütten für eine Familie; wurden versorgt, wenn sie krank waren; oft wuchsen ihre Kinder mehr oder weniger zusammen mit denen ihrer Herren auf. (Einen ganz guten direkten Eindruck von der Sklaverei bekommt man übrigens in den sog. „Slave narratives“, Interviews aus den 1930ern mit Afroamerikanern, die in ihrer Kindheit noch die Sklaverei erlebt hatten.)

Es gibt manchmal eine gewisse Südstaatenschwärmerei, vor allem in den konservativen Kreisen der Südstaaten. Da wird dann die Bedeutung der Sklaverei heruntergespielt – sie wäre mit der Industrialisierung sowieso verschwunden, beim Bürgerkrieg sei es nicht vorrangig um die Sklaverei gegangen – oder auf die Fehler des Nordens verwiesen – den Arbeitern in den Industriestädten des Nordens sei es viel schlimmer gegangen; während der Sklavenhalter des Südens für seine Sklaven gesorgt habe, hätte der Fabrikherr des Nordens seine Arbeiter einfach entlassen können; und überhaupt hätten die Nordstaaten im Bürgerkrieg keine humanen Motive gehabt und es wäre ihnen nicht um die Sklaven gegangen.

Hier ist einiges Wunschdenken dabei. Während man im 18. Jahrhundert in den Südstaaten die Sklaverei noch als etwas Unschönes, als ein Übel, wenn auch vielleicht ein notwendiges Übel, gesehen hatte, das im Lauf der Zeit verschwinden müsste, hatte man sich dort Mitte des 19. Jahrhunderts an sie gewöhnt, wollte sich nicht mehr eingestehen, dass man oder seine Vorfahren die Sklaverei hätten abschaffen können oder sollen. Wer sagt, dass man Sklaven nicht auch als Fabrikarbeiter eingesetzt hätte? Der Süden war sehr überzeugt von dieser Institution. Die Südstaaten haben in ihren Abspaltungserklärungen überdeutlich klargemacht, dass es ihnen um die Sklaverei ging und wie wichtig ihnen diese Institution war; auch die „Cornerstone Speech“ des konföderierten Vizepräsidenten, in der er die Sklaverei als „Eckstein“ der Konföderation bezeichnet, ist aufschlussreich. Das war der Grund der Abspaltung, nichts anderes; und die Abspaltung führte zum Krieg.

Natürlich gab es dann im Norden einige Politiker die mit „wir sind jetzt auch keine so radikalen Abolitionisten, uns geht es jetzt im Krieg erst mal darum, die Union zu bewahren, nicht um die Sklavenbefreiung“ kamen, um auf die öffentliche Meinung einzugehen, denn auch im Norden war die Frage der Sklavenbefreiung keineswegs allen einen Krieg wert. Aber insgesamt war man im Norden doch gegen die Sklaverei und schaffte sie dann ja auch ab. Es stimmt, dass die prakischen Folgen nicht sofort gut waren; dass es im Chaos der Nachkriegszeit den befreiten Sklaven zunächst manchmal schlechter ging als vorher auf den Plantagen. Aber dass der Norden die Befreiung schlecht geplant und durchgeführt hatte, heißt nicht, dass er sie nicht aus wirklicher Empörung über einen schlimmen Missstand beschlossen hatte. Auch die Tatsache, dass es den Fabrikarbeitern im Norden manchmal praktisch schlechter ging, ändert nichts daran; manchmal lenkt man sich ja von eigenen Fehlern damit ab, dass man sich gegen Unrecht anderswo einsetzt, und dieses Unrecht anderswo existiert trotzdem. Und dass die Situation nach den Wirren der Nachkriegszeit besser wurde, wird auch kaum jemand bestreiten wollen.

(Was übrigens die Religion angeht: Norden und Süden waren gleichermaßen religiös (größtenteils protestantisch), und verteidigten ihre Ansichten zur Sklaverei gleichermaßen mit der Bibel.)

Soweit zur Sklaverei in Amerika; am Rande seien hier noch die „Kammermohren“ oder „Hofmohren“ in Europa erwähnt: Schwarze, die auf irgendwelchen Umwegen (oft durch Sklavenhändler) nach Europa gelangten und dort zu Dienern von Fürsten wurden. In Europa war die Situation ganz anders als in den amerikanischen Kolonien; Schwarze waren keine niedere Klasse, sondern als faszinierend gesehene vereinzelte Exoten, die die Fürsten gern um sich haben wollten, denen sie oft Bildung und hohe Gehälter oder Erbschaften zukommen ließen und als deren Taufpaten sie selbst fungierten: der „Hofmohr“ in den Salons von Wien oder Salzburg war etwas ganz anderes als der „Negersklave“ auf der karibischen Zuckerplantage. Auch wenn die Kammermohren (oft als Kinder) als Sklaven nach Europa gebracht worden waren, das europäische Recht kannte, wie oben schon gesagt, eigentlich keine Sklaverei und dementsprechend wurden die Hofmohren im Endeffekt als normale Diener und Höflinge behandelt. Ehen mit Europäerinnen waren nichts Außergewöhnliches.

Einige Kammermohren erlangten eine gewisse Bekanntheit. Anton Wilhelm Amo war ein Philosoph und Jurist, der gegen Ende seines Lebens nach Ghana zurückkehrte; Angelo Soliman ein Prinzenerzieher beim Fürst von Liechtenstein (und leider ein Freimaurer); Abraham Petrowitsch Hannibal erreicht in Russland sehr hohe Stellungen in Politik und Militär und wurde Großgrundbesitzer, außerdem ist er der Urgroßvater des russischen Dichters Puschkin; Ignatius Fortuna war ein typischerer Kammerdiener ohne besondere sonstige Leistungen, allerdings war er recht wohlhabend und wurde er von seiner Fürstin mit einer hohen Erbschaft bedacht und auf ihren Wunsch hin in der Nähe ihres eigenes Grabes bestattet.

(Links: Fürstäbtissin Franziska Christine von Pfalz-Sulzbach mit Ignatius Fortuna, von Johann Jakob Schmitz, 1772. Gemeinfrei. Rechts: Angelo Soliman. Gemeinfrei.)

Aber jetzt zur Abschaffung der Sklaverei.

Der ab dem 15. Jahrhundert neu entstandene transatlantische Sklavenhandel war, wie schon gesagt, keineswegs allgemein gern gesehen. Ab dem 18. Jahrhundert entwickelte sich eine stärkere Bewegung für die Abschaffung (Abolition) der Sklaverei; in englischsprachigen Gebieten geprägt von Freikirchlern – Methodisten, Quäkern, usw. England beschloss 1807 ein Verbot des Sklavenhandels; kurz darauf untersagten auch die USA den Import neuer Sklaven. Die Sklaverei selbst blieb im Britischen Empire noch ein wenig länger erhalten, aber relativ bald lief es auf ihre Abschaffung zu, während dieser Weg in den US-Südstaaten schwieriger war. Diese Bemühungen waren nicht auf die englischsprachigen Gebiete beschränkt; in ganz Europa entwickelte sich Empörung über die Grausamkeiten des Sklavenhandels und es entstanden Organisationen, um ihn zu bekämpfen.


(Logo britischer Abolitionisten. „Bin ich nicht ein Mensch und ein Bruder?“ Gemeinfrei.)

Dass v. a. die Briten es ernst mit der Unterdrückung des Sklavenhandels meinten, zeigt sich an einer einfachen Tatsache: Sie steckten Geld und Einsatz hinein.

„Nachdem in Europa 1814 der Friede wiederhergestellt war, versuchte die britische Regierung, über internationale Verträge den Sklavenhandel lahmzulegen, um die Sklaverei auszutrocknen. Denn das interne britische Verbot hatte nicht verhindert, daß die transatlantischen Überfahrten neue Rekordziffern erreichten. Den ersten bilateralen Vertrag zur Abschaffung des Sklavenhandels unterzeichneten 1814 Großbritannien und Frankreich; im Februar 1815 gaben auf dem Wiener Kongreß acht europäische Monarchien eine Erklärung ab, sie seien entschlossen, den Sklavenhandel zu unterdrücken. 1817 und 1823 folgten bilaterale Verträge mit Portugal und Spanien, um die gegenseitige Durchsuchung von Schiffen zu legalisieren, danach zahlreiche andere. Englische Kapitäne, die man beim Transportieren von Sklaven ergriff, wurden gehenkt. Den ständigen Druck der britischen Marine empfanden freilich andere Länder als Bruch des internationalen Rechts und der nationalen Souveränität. In der Tat drängten die Abolitionisten auf direkte imperiale Intervention, wobei die Quaker in Gewissensnot gerieten, da sie Gewalt ablehnten. Jahrzehntelang leisteten britische Kriegsschiffe humanitäre Interventionen und machten Großbritannien zum Weltpolizisten.

1823 verbot das Parlament das Auspeitschen und begrenzte den Arbeitstag der Sklaven auf 9 Stunden; das Zwangssystem begann zu wanken. Es vervielfachten sich die Revolten, welche jedoch niedergeschlagen werden mussten, da das System immer noch legalerweise bestand. 1833 beschloß das Parlament, die Sklaverei im gesamten Empire abzuschaffen; die Sklavenhalter wurden mit insgesamt 20 Mio Pfund entschädigt, die Sklaven sollten noch 7 Jahre als ‚Lehrlinge‘ bei ihren Herren arbeiten. 1841 kam es zu einem multilateralen Vertrag, welcher den Sklavenhandel auf eine Stufe mit Piraterie stellte und vorsah, die Weltmeere zu überwachen und Seeblockaden zu verhängen – im Dienste der Humanität. Danach patrouillierten regelmäßig bis zu 60 Kriegsschiffe in afrikanischen Gewässern, zuvorderst britische, aber auch französische und US-amerikanische. Im Februar 1848 brach in Frankreich die Revolution aus; am 27. April erklärte ein Dekret in allen französischen Besitzungen die Sklaverei mit sofortiger Wirkung für aufgehoben; nach alter Tradition bestimmte Artikel 7, jeder Sklave werde frei, ’sobald er französischen Boden betritt‘. Ab 1849/50 setzte die britische Marine eine weitgehende Blockade der westafrikanischen Küste durch und erdrosselte tatsächlich den dortigen atlantischen Sklavenhandel. Von 1807 bis 1867 fing man insgesamt 1287 Sklavenschiffe ab. Den Sklavenhandel zu unterbinden war teuer; 90% der gesamten Last trugen die Briten, deren Marine zu diesem Zweck 15% ihrer Schiffe verwandte. ‚Insgesamt wendeten die Briten ein halbes Jahrhundert lang rund 250.000 £ (Pfund) pro Jahr oder … rund 2 bis 6% ihres gesamten Marinebudgets auf.‘ Von 1816 bis 1862 kostete die Unterdrückung des Sklavenhandels ebensoviel wie die britischen Händler von 1760 bis 1807 am Verkauf Versklavter verdient hatten.“ (Flaig, Weltgeschichte der Sklaverei, S. 206-208)

„‚Sie nahmen uns die Fesseln von den Füßen und warfen sie ins Wasser‘, erinnerte sich ein befreiter Sklave, ’sie gaben uns Kleider, um unsere Blöße zu bedecken, sie öffneten die Wasserfässer, damit wir unseren Durst stillen konnten, und wir aßen, bis wir satt waren.'“ (Iliffe, Geschichte Afrikas, S. 199.)

HMS Brisk and Emanuela.jpg Captain Sir George Ralph Collier.jpg
(Links: Darstellung eines britischen Marineschiffs, das ein Sklavenschiff aufbringt. Rechts: Sir George Ralph Collier, erster Commodore der ‚West Africa Squadron‘. Gemeinfrei.)

Man muss kein Freund der Briten des 19. Jahrhunderts sein; in ihrem eigenen Land schufteten Kinder in Minen und Fabriken, sie nahmen den Hungertod etlicher Iren billigend in Kauf und mit China begannen sie Krieg, um den Chinesen weiterhin Opium verkaufen zu können; aber in Bezug auf den Sklavenhandel muss man schlicht sagen: Ohne sie würde wahrscheinlich immer noch weltweit Sklavenhandel betrieben.

Von Schiffen befreite Sklaven wurden oft in eigens angelegten Städten in Afrika angesiedelt; dazu gehören Libreville im heutigen Gabun und Freetown im heutigen Sierra Leone. Abolitionistischen Bemühungen verdankt sich auch die Existenz der einzigen amerikanischen Kolonie in Afrika, einer Kolonie besonderer Art: Liberia (von lateinisch liber = frei), gegründet im Jahr 1822 von der „American Colonization Society“, die freigelassenen Afroamerikanern, die auf den Heimatkontinent ihrer Vorfahren zurückkehren wollten, einen Platz zur Ansiedlung verschaffen wollte. (Liberia wurde 1847 unabhängig.)

West Virginia slaves for settlement in Liberia 1837.png
(Ausschnitt eines Zeitungsberichtes im ‚African Repository‘ von 1837 über einen Sklavenbesitzer aus Virginia, der zwölf Sklaven freilassen und für die Reise nach Liberia ausstatten will. Gemeinfrei.)

Sklaverei endete nie von selbst; es brauchte immer die Entscheidung dazu, und den Willen, diese Entscheidung durchzusetzen. In Europa und europäischen Kolonien brachten Aktivismus und Gesetzesänderungen meistens viel; um die muslimische Sklaverei zu beenden, waren militärische Interventionen von außen nötig; diplomatischer Druck tat nur wenig, und aus muslimischen Gesellschaften heraus kam kein Wille zur Veränderung. Sklavenaufstände waren derweil für gewöhnlich zum Scheitern verurteilt. Der einzige größere erfolgreiche Sklavenaufstand der Weltgeschichte fand von 1791 bis 1804 auf Haiti statt; und den Siegern gelang nach ihrem Sieg kein wirklich erfolgreicher Aufbau eines Staates.


(Pétion und Dessalines, zwei Anführer der Haitianischen Revolution, Bild von Guillon-Lethière. Gemeinfrei.)

Das Vorgehen gegen den Sklavenhandel zur See zeigte gewisse Erfolge, wobei immer noch eine gewisse Anzahl an Sklaven von gewinnsüchtigen Kapitänen geschmuggelt wurde (ihr Preis war unter diesen Umständen natürlich gestiegen); die Nachfrage in Amerika verschwand dann erst, nachdem in den USA der Bürgerkrieg (1861-1865) zu Ende und die Sklaverei abgeschafft war, und zuletzt Brasilien sie 1888 abschaffte. Dennoch beendete das Versklavungsprozesse nicht: Dann verkauften westafrikanische Versklaver ihre Sklaven eben in andere afrikanische Reiche, oder (da die Europäer den „legitimen Handel“ mit Gütern wie Palmöl förderten) setzten sie selbst auf Palmölplantagen in Westafrika ein, um das Palmöl dann den Europäern zu verkaufen. Die Sklavenjagden der Araber in Afrika, v. a. Ostafrika, wurden im 19. Jahrhundert unterdessen immer schlimmer; und hier befinden wir uns am Vorabend der Kolonialisierung Schwarzafrikas.

Aber zur Kolonialisierung und der großflächigen Abschaffung von Sklavenhandel und Sklaverei innerhalb Afrikas im nächsten Artikel.

* Im Frühmittelalter gab es noch mehr Versklavungsprozessse und Europa war stärker gefährdet: „Es lassen sich 4 wichtige Routen ermitteln: auf der ersten importierten friesische Händler Sklaven irischer und englischer Herkunft aus London, um sie in den Binnenhäfen Westeuropas und Deutschlands zu verkaufen; auf der zweiten verbrachte man Sklaven aus den noch heidnischen slawischen Gebieten durch Bayern über die Alpen nach Venedig, von wo aus sie zu den islamischen Märkten verfrachtet wurden; auf der dritten kamen verschleppte Slawen durch Deutschland über Verdun, das als Sammellager und Kastrationsanstalt diente, das Rhône-Tal abwärts nach Arles und Marseilles, von wo aus sie ins moslemische Spanien gelangten, um die Mamlukenschaft des Kalifats zu ergänzen; die vierte Route führte von England zum islamischen Spanien, welches die meisten importierten Sklaven absorbierte und einen Teil nach Nordafrika und Ägypten weiterverkaufte.

Es war im fränkischen Reich untersagt, Versklavte in andere ‚Staaten‘ oder Christen an nichtchristliche Händler zu verkaufen. Das Verbot wurde ständig missachtet. Wiederholt versuchten kirchliche Synoden diesen Handel zu stoppen, schlugen sogar vor, daß französische Christen die Sklaven kaufen sollten, damit diese nicht in die Hände der Muslime fielen, vergebens.

Es blieb nicht beim Sklavenhandel. Zwischen 827 und 972 schienen die verbliebenen funktionierenden Königreiche zu kollabieren: Seit 825 griffen die Wikinger die Küsten an, drangen entlang der Flussläufe ins Innere, plünderten, zerstörten und verschleppten gefangene Menschen. Ihre Ausgriffe reichten bis tief nach Russland, wo sie 882 das Reich der Waräger gründeten; sie verschifften ihre Opfer von Irland bis ins moslemische Spanien, aber auch nach Osten, entweder über Nowgorod zur oberen Wolga, dann wolgaabwärts bis Bulgar, wo die Händler der moslemischen Niederlassung die Sklaven einkauften und sie über einen weiten Landweg zu den großen Sklavenmärkten und Kastrationszentren von Buchara und Samarkand verschleppten; oder über die Düna-Dnjepr-Linie bis nach Kiew; von dort führte ein Transportweg über das Schwarze Meer nach Konstantinopel und bis Ägypten, ein anderer nach Osten, den Don aufwärts, hinüber zur Wolga bis nach Itil im Norden des Kaspischen Meeres, wo ein riesiger moslemischer Sklavenmarkt die Opfer empfing, um Persien und den Irak zu beliefern. Ab 845 zahlten die Franken Tribute, um dieses Übel abzuwenden (Danegeld), was nur beding half. Gefährlicher war der Angriff aus dem Süden: 827 setzten nordafrikanische Emire nach Sizilien über, 840 besetzten sie Tarent, 846 richteten sie in Bari ein Emirat ein; ihre ständigen Razzien führten 846 zum ersten, 878 zum zweiten Angriff auf Rom; von Bari fuhren die Sklavenschiffe regelmäßig nach Tunis und Ägypten. 890 setzten sich die Truppen des Emirats von Córdoba im südfranzösischen Fraxinetum fest und unternahmen von dort ihre Feldzüge in das obere Rhonetal. 940 sperrten sie die westlichen Alpenpässe. Der südliche Rand Europas drohte zur okkupierten Lieferzone für die militärisch weit überlegene islamische Welt zu werden. Dazu kamen die Invasionen aus dem Osten: Seit 886 machten die Ungarn, ein Reitervolk der eurasischen Steppe ihre Raubzüge tief nach Mitteleuropa; auch sie zerstörten Siedlungen und deportierten Gefangene; 899 traf es Pavia, 911 Köln. Wohin kamen die Versklavten? Wen die Ungarn nicht benötigten, wurde wahrscheinlich donauabwärts verfrachtet, um übers Schwarze Meer nach Konstantinopel zu gelangen; da die Byzantiner nicht mehr die Mittel hatten, große Sklavenmengen zu importieren, dürfte der Großteil zu Schiff nach Syrien, dem Irak und Ägypten verschleppt worden sein. Erst 955 konnte Otto I. mit dem Sieg auf dem Lechfeld dieses Ausbluten der Bevölkerung im ostfränkischen Reich beenden. Die Invasionen der Wikinger endeten, als der westfränkische König 911 ihre Ansiedlung in Nordfrankreich akzepierte; 972 vertrieb das westfränkische Reich die Araber aus Südfrankreich. Angenommen, die fränkischen Reiche wären politisch zusammengebrochen, was wäre geschehen? Das christliche Resteuropa wäre eine ständig heimgesuchte Zone für mehrere kriegerische Versklaver geworden, welche ihre nicht zu absorbierenden Sklavenüberschüsse an das islamische Weltreich lieferten. Wäre Europa eine Lieferzone – vielleicht afrikanischen Typs – geworden, hätte die Weltgeschichte einen anderen Lauf genommen.“ (Flaig, Weltgeschichte der Sklavere, S. 154-157)

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