Liebe, Barmherzigkeit und der Traditionalismus

(Ein paar vielleicht eher unsortierte Gedanken.)

Eine Weise, auf die liberalere Christen einen heute am liebsten von konservativeren/traditionalistischen Spielarten des Christentums abhalten wollen, besteht darin, ein Schreckensbild von der Kirche der 50er, des Mittelalters oder sonst irgendeiner Zeit aus der Vergangenheit zu zeichnen: Allüberall wurde der strafende Gott gepredigt, den Leuten für den geringsten Fehler die Verdammnis angedroht, es gab keine Gnade und Barmherzigkeit, die Religion war das Mittel, die Leute niederzuhalten, sie zu kontrollieren und ihnen Geld abzupressen. Von der „wahren Botschaft Jesu“ hatten die Leute ja eh keine Ahnung, die Bibel durften sie nicht lesen und die Messe haben sie nicht verstanden.

Jetzt kann man anfangen, alle möglichen Einzelheiten zu korrigieren, z. B. aufzählen, dass es früher sehr wohl katholische Bibelübersetzungen gab, auch vor Luther, und die Kirche nur ungenehmigte und nicht katholische Übersetzungen wegen tendenziöser und falscher Übersetzungen und Kommentierungen verurteilte; dass es ab dem späten 19. Jahrhundert (als Bücher ziemlich billig geworden waren und die meisten Leute lesen konnten) unter Laien absolut üblich war, ein Volksmessbuch zu besitzen, in denen die Texte der Messe mit Übersetzung standen und mit denen man ihr folgen konnte; oder dass es, als noch Fürstbistümer und Fürststifte existierten, das Sprichwort „Unter dem Krummstab ist gut leben“ gab, und man unter der Herrschaft eines kirchlichen Fürsten oft Vorteile wie z. B. eine große Zahl an Feiertagen hatte; dass es die kirchlichen Orden waren, die für eine Armenfürsorge, Krankenversorgung und Schulbildung fürs gemeine Volk sorgten, die es in heidnischen Zeiten und Ländern absolut nicht gab, und die Armenfürsorge erst mal zusammenbrach, wenn kirchenfeindlich gesonnene Staaten Orden zwangsweise auflösten (z. B. bei der Säkularisierung 1803); dass kirchliche Prediger im Mittelalter Zinswucher und dergleichen verdammten, unter dem normale Leute litten.

Aber jetzt mal zu der eigentlichen Botschaft der Kirche, die damals gepredigt wurde. Denn eins ist klar: Das religiöse Wissen war „früher“ auf einem wesentlich besseren Stand als heute, wo zwar jeder sämtliche Bibelübersetzungen abrufen, aber oft nicht mal das Vaterunser aufsagen kann. Im Mittelalter war es besser, in der Frühen Neuzeit war es besser, und ganz besonders war es im 19. und 20. Jahrhundert besser, als jedes Bauernkind in der Dorfschule beim Katechismusauswendiglernen beim hochwürdigen Herrn Kaplan mehr über die katholische Lehre lernte als heute so manche Theologiestudenten.

Und was war denn der Inhalt dieses religiösen Wissens? Natürlich Gottes Liebe, Güte, Gerechtigkeit und Barmherzigkeit. Natürlich haben damals die Leute vom lieben Herrgott und vom lieben Heiland geredet und ihre Andachtsbildchen vom Guten Hirten und der Schmerzensmutter und dem lieben Jesuskind verteilt bekommen und „Ich will dich lieben, meine Stärke“ und „O Jesu, all mein Leben bist du“ und „O Haupt voll Blut und Wunden“ und „Näher mein Gott zu dir“ gesungen.


(Andachtsbildchen, 1895. Gemeinfrei.)

Ziemlich oft gab es sogar eher eine etwas zu verkitschte Version von Jesus Christus als das Bild vom strengen Weltenrichter. (Freilich gab es beides mal; wieso denn auch nicht.)

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(Links: Andachtsbildchen 1879. Rechts: Andachtsbildchen 1917, „Venite ad me“ (Kommt zu mir). Gemeinfrei.)

Klar hat man deswegen das Böse und das Leid nicht geleugnet; das konnte man auch weniger, weil z. B. der Tod viel präsenter war. Aber man hat es auf Gott bezogen: Christus erlöst von der Schuld und wird am Ende alle Tränen abwischen. Ein heutiger Stuhlkreis, in dem nur Banales gesagt werden darf, ist nicht tröstlicher als eine damalige Krankensalbung.

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(Andachtsbildchen mit Zitat aus den Klageliedern 1918. Gemeinfrei.)

Die Sache mit den Modernisten ist ja gerade, dass sie oft genug das christliche Brauchtum, das dem Durchschnittsmenschen Gottes Liebe für ihn vor Augen führt – die Wallfahrten mit der Bitte um Heilung, die Herz-Jesu-Verehrung, die Marienverehrung etc. – abgelehnt haben oder ihm jedenfalls sehr kühl gegenübergestanden sind. Weil Gott v. a. für die Schlimmeren unter ihnen nicht wirklich real ist, sondern eine Kraft, eine Idee, eine nette Täuschung, die einem beibringt, unter sich lieb und nett zu sein.


(Tiroler Herz-Jesu-Feuer. Bildquelle: Wikimedia Commons, eingestellt von Nutzer Noclador.)

Gerade das, worin sich Gottes Liebe für uns konkret, wirklich, zeigt, ist ihnen meistens ein Dorn im Auge: Die Eucharistie, wo Jesus sich selber mit uns vereinigt, bescheiden, unscheinbar und innig zu uns kommt.

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(Andachtsbildchen 1903. Gemeinfrei.)

Die Modernisten sind nicht besonders barmherzig: Ihr Spielchen besteht ja auch oft genug darin, implizit oder explizit zu leugnen, dass Gott alles gut machen wird. Nein, da ist zu wenig Raum für „Zweifel“ und „Ambiguität“ und das ist doch alles zu „triumphalistisch“ und einfach und zu viel Vertröstung. Nun ist es eben aber einfach so: Die tiefste Realität ist gut (das Böse hat ja gar kein Sein in sich selbst, es ist immer nur eine Perversion des Guten oder ein Mangel an Gutem) und am Ende wird alles gut. Manche Geschöpfe mögen sich Gott verweigern, aber dass sie sich schmollend zurückziehen und keinen Anteil daran haben wollen, kann nicht verhindern, dass alles gut wird.

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(Andachtsbild 1902. Gemeinfrei.)

Aber man verinnerlicht eben doch manchmal etwas von dieser Propaganda. Da kann es einem dann passieren, dass man etwas überrascht ist, wenn man von den Lebensgeschichten einiger Figuren aus der Tradi-Bewegung liest: Dass z. B. Erzbischof Lefebvre, der Gründer der Piusbruderschaft*, jahrzehntelang Missionar in Afrika gewesen war, eine recht beschwerliche Tätigkeit, bei der man sich vor allem Tropenkrankheiten einfing, und sich als Bischofsmotto das wunderschöne Bibelwort „Und wir haben an die Liebe geglaubt“ (Et nos credidimus caritati, 1 Joh 4,16) ausgesucht hatte; oder dass Pfarrer Hans Milch, der Gründer der actio spes unica**, 1987 von einem psychisch schwer kranken Mann ermordet wurde, um den er sich gekümmert hatte.

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(Links: Erzbischof Lefebvre predigt in Lille, 1976. Gemeinfrei. Rechts: Sein Bischofswappen, Bildquelle hier.)

Sogar, wenn man das alles weiß, kann man noch nervös dabei sein, wenn man sich endlich zu Tradigemeinden hinwagt; ich war gerade vor meiner ersten Beichte bei einem Priester der Petrusbruderschaft schon nervös. Im Endeffekt gab es keinen Grund dazu.

Natürlich wurde auch „früher“ von der Nächstenliebe geredet und die Nächstenliebe getan. Früher hatte jedes Kaff seine Nonnen und seine kirchlichen Wohltätigkeitsvereine und hat man den Kindern beigebracht, dass die Gottes- und Nächstenliebe die obersten Gebote sind. Natürlich war deswegen nicht alles gut, weil die Menschen nun mal ziemlich verdorben sind und das Christentum immer zu einem großen Teil mit Schadensbegrenzung beschäftigt sein wird; aber ich halte es nicht für glaubwürdig, dass es mit der Kirche und den Durchschnittskatholiken heute besser wäre.

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(Andachtsbildchen, 1899. „Ich war durstig und ihr habt mich getränkt.“)

Natürlich stimmt bei alldem auch, dass man über der Liebe die Regeln nicht verstecken darf, die sich aus der Liebe selbst ergeben und das Gute schützen. Aber selbst hier war die Kirche „früher“ – wo es klare Regeln gab – manchmal lockerer als z. B. heutige charismatischer gesonnene Katholiken (nicht dasselbe wie die Standard-Modernisten, aber trotzdem auch eine Gruppe, die oft falsche Vorstellungen von der schrecklichen früheren Rigidität verbreitet und sich davon abgrenzen will), die finden, dass man eigentlich als „wirklicher Christ“ nie genug tun kann. Damals war den Leuten viel eher klar, wann sie eine schwere Sünde begehen und wann nicht, und die schweren Sünden ist man eben durch Reue und dann Beichte losgeworden.

Die wichtigste Sache ist einfach, sich sein Vergangenheitsbild nicht von historischen Romanen zu holen, die oft genug Katholiken und Anglikaner nicht auseinanderhalten können oder die Anrede für den Bischof nicht kennen, sondern von Leuten aus der jeweiligen Zeit, von denen, um die es hier geht und die oft genug verleumdet werden.

Ein Anspruch der Tradi-Bewegung ist es ja, mehr oder weniger das christliche Leben so fortzusetzen, wie es vor „dem“ Konzil war, ohne bestimmte Änderungen, die man als schädlich und aus dem falschen Geist kommend sieht (auch ein gültiges Konzil und gültige Päpse können so was bringen), weil es eben gerade nicht so war, dass unsere Vorfahren 1960 Jahre lang gar nicht begriffen hatten, was Jesus eigentlich wollte. Fehler gab es zu allen Zeiten und man muss nicht sklavisch alles nachahmen, weil es älter ist; aber wenn es so gewesen wäre, dass die Kirche jahrtausendelang das meiste falsch gemacht hätte, wären Jesu Versprechen an sie nicht wahr und es gäbe auh keinen Grund, ihr heute zu trauen. Heute gibt es mehr Fehler als „früher“, und es macht Sinn, erst einmal bei Vorbildern anzusetzen.

Und von diesen Vorbildern kann man erstmal lernen, dass die Barmherzigkeit, die Milde und die Liebe keine Erfindung von Modernisten sind.

* Ich möchte mal eigens noch darauf eingehen, was meine Meinung zu Erzbischof Lefebvre ist und inwiefern er m. E. im Recht oder im Unrecht war; jedenfalls hat er in der nachkonziliaren Krise als einer von sehr wenigen Klerikern versucht, verwirrten Katholiken zu helfen.

** Pfarrer Milch erkannte immer die Päpste an, aber hatte am Ende Zweifel an der Gültigkeit des 2. Vatikanischen Konzils als Konzil überhaupt bzw. sah es als nicht verwirklichtes Konzil; eine theologisch problematische Meinung, die ich mir hier nicht zu eigen machen will.

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13 Gedanken zu “Liebe, Barmherzigkeit und der Traditionalismus

  1. Hallöchen,
    wir beide haben uns mal auf meinem Blog Frauen und Islam geschrieben, vielleicht erinnerst du dich. Ich schreibe dir, weil ich gerne etwas wissen würde. Jemand mit christlichem Hintergrund hat mir geschrieben, dass die katholische Kirche die Evolutionstheorie sozusagen eingeräumt, zugegeben, oder in den christlichen Glauben miteingeschlossen hat. Stimmt das?
    Liebe Grüße

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    1. Hallo 🙂 Ja, ich erinnere mich. 🙂

      Also, das ist ein Thema, bei dem Katholiken in mancher Hinsicht unterschiedlicher Ansicht sein können.

      Was man als Katholik NICHT glauben kann, ist, dass Menschen nur höher entwickelte Affen sind und es keinen kategorischen Unterschied zwischen Tieren und Menschen gibt.

      Was man glauben DARF, aber nicht MUSS, ist, dass es eine Evolution im Tierreich gegeben hat, einige Tiere nach ihrem Körperbau usw. schon relativ menschenähnlich geworden sind, und Gott an einem Punkt dann, als zwei Nachkommen (Adam und Eva) dieser Tiere entstanden sind, vernunftbegabte, menschliche Seelen in ihre Körper eingegossen hat statt Tierseelen. Mit anderen Worten, es ist ein konkreter Punkt, ab dem es Menschen gibt, und das sind keine Halbmenschen oder so was.

      Papst Pius XII schreibt im Jahr 1950 in einem Text mit dem Titel „Humani Generis“:

      „Aus diesem Grund verbietet das Lehramt der Kirche nicht, dass in Übereinstimmung mit dem augenblicklichen Stand der menschlichen Wissenschaften und der Theologie die Entwicklungslehre Gegenstand der Untersuchungen und Besprechungen der Fachleute beider Gebiete sei, insoweit sie Forschungen anstellt über den Ursprung des menschlichen Körpers aus einer bereits bestehenden, lebenden Materie, während der katholische Glaube uns verpflichtet, daran festzuhalten, dass die Seelen unmittelbar von Gott geschaffen sind. Es sollen diese Verhandlungen in der Weise geschehen, dass die Gründe für beide Ansichten, also dieser, die der Entwicklungslehre zustimmt, wie jener, die ihr entgegensteht, mit nötigen Ernst abgewogen und beurteilt, vorausgesetzt, dass alle bereit sind, das Urteil der Kirche anzunehmen, der Christus das Amt anvertraut hat, die Heilige Schrift authentisch zu erklären und die Grundsätze des Glaubens zu schützen. Einige überschreiten nun verwegen diese Freiheit der Meinungsäußerung, da sie so tun, als sei der Ursprung des menschlichen Körpers aus einer bereits bestehenden und lebenden Materie durch bis jetzt gefundene Hinweise und durch Schlussfolgerungen aus diesen bereits mit vollständiger Sicherheit bewiesen; ebenso tun sie, als ob aus den Quellen der Offenbarung kein Grund vorliege, der auf diesem Gebiet nicht die allergrößte Mäßigung und Vorsicht geböte.“

      Ob die Evolutionstheorie so weit wahr ist, ist eine wissenschaftliche Frage. Ich denke, dass sie ziemlich gut bewiesen ist, aber man kann das als Katholik auch anders sehen.

      – Liebe Grüße, Crescentia.

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      1. Das Leben sich zufällig entwickelt hat und aus den Affen irgendwann Halbmenschen wurden usw, wird strikt abgelehnt. Was den Menschen angeht, waren Adam und Eva die ersten Menschen in ihrem Garten etc.
        Das bedeutet aber nicht, dass es kein Leben oder Entwicklung auf der Erde gab. Da war einiges los, auch wegen der Djinn (Geisterwesen), die auf der Erde lebten. Das es zum Beispiel Dinosaurier gegeben haben könnte, bevor Adam und Eva auf die Erde kam, wird (meines Wissens nach) nicht ausgeschlossen.
        LG

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  2. Und das, wo doch vermutlich die Tradis von heute sogar strenger sind als die Normalkatholiken von damals…

    weil auch der Tradi nicht immun ist gegen die Annahmen, die so zeitgeistig herumschwingen. „Wir sind die, die für Ernst und Strenge einstehen, also laßt uns für Ernst und Strenge einstehen, zumal dort, wo es an sich richtig ist“ – die historischen Romane, wie Du sagt… Es wundert mich fast, daß Du das dann trotzdem so empfindest…

    Ein Zugeständnis wird man, denke ich, machen müssen. Jedes Dorf hatte seine Nonnen, in der Tat – und die waren wesentlich an der Erziehung der Dorfjugend beteiligt, und der Herr Pfarrer auch. Das ist aber entscheidend, denn zum einen sind Lehrer nun einmal Lehrer und *generell* zumindest nicht uneingeschränkt beliebt; zum anderen bestand die Erziehung damals durchaus tatsächlich zu einem nicht unwesentlichen Anteil, Watschen zu verpassen, Tatzen zu geben, Leute auf dem Holzscheitel kniegeln zu lassen und den Hosenboden zu versohlen. Das Gerücht besagt nun – und an der Stelle halte ich es nicht für reine kirchenfeindliche Fabrikation – daß früher (nicht heute; aber sehr wohl eben damals) die „Vertreter der Kirche“ („Pfarrer, Mesner, Klosterschwester“, wie Hannes Ringlstetter das an einer Stelle nennt) wenigstens bei ersterem oder vielleicht den ersteren beiden davon sogar die Nase vorn hatten. „Wenn man als Ministrant mit dem Leuchter nicht aufgepaßt hat, dann hat’s beim Aufstehen gescheppert. Und nachher in der Sakristei dann, dann hat’s aber gescheppert!“ (So verzählt das ein seinerzeitiger Ministrant mit wohlgemerkt einem gewissen begeisterten Unterton.)

    Insofern natürlich gar nicht mal so ungeschickt vom Gegner, wenn er es fertiggebracht hat, die körperliche Züchtigung (weitgehend unbegründet) so ziemlich in den Geruch des absoluten Übels zu bringen…

    Allgemein: Cooler und interessanter Artikel!

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    1. Ja, genau, das ist ja das Problem, dass die/manche Tradis *inzwischen* selber dieses Bild übernehmen und sich aneignen. Das nervt mich bei manchen schon sehr, ich hab den Punkt nur im Artikel nicht so herausgearbeitet.

      Bei den Watschn kannst du schon Recht haben. Da haben es wohl die in die eine Richtung übertrieben und wir in die andere. Ich denke mir manchmal, wenn gewisse Leute gewusst hätten, dass es jetzt manchmal so herum ist, dass Schüler ihre Lehrer schlagen, ob sie dann so eine dermaßene Abneigung gegen autoritäre Erziehung entwickelt hätten (egal mit welchen Strafen jetzt). (Irrelevanter Funfact: Letztens hab ich ein von einer Seligen geschriebenes Theaterstück von 1889 gelesen, in dem ein Mädchen zu einem Missionar sagt „Und mir erzähltest du von einem guten Könige, der die Kinder recht lieb hat und nicht will, dass man sie schlägt und schilt“. Es gab vermutlich damals schon ein paar Leute, die so eine Abneigung gegen körperliche Züchtigung hatten.)

      – Crescentia

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  3. Das Schreckensbild von der Kirche, das du im ersten Abschnitt beschreibst, wird Kindern und Jugendlichen im Geschichtsunterricht vermittelt.

    Hier ist ein Beispiel:

    Klicke, um auf Geschichte-20.pdf zuzugreifen

    Man lese sich nur den Text „Das Leben um 1500“ durch, um zu sehen, wie ein Schreckensbild von der Kirche der Vergangenheit gezeichnet wird.

    Mit freundlichen Grüßen,
    I love BXVI

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    1. Naja, der zweite und dritte Absatz stimmt ja (und ist sogar so fair zuzugeben, daß die Kirche „Armut, Knechtschaft und Arbeit“ für gottgewollt hielt, also alle diese drei Dinge und zwar als verschiedene. Nun ist Arbeit, wenn sie nicht Knechtschaft ist, auch Kampf gegen Armut.) Und für den, der sich auskennt, ist, selbst wenn es Realität wäre, die Tatsache einer ans Panische grenzenden Angst vorm Fegefeuer (!) – denn selbst die protestantische Propaganda läßt so viel noch durchblicken, daß die Leute mit dem Ablaß in erster Linie dem Fegefeuer auskommen wollten, also schon gewußt haben werden, was ja auch den Tatsachen entspricht, daß er gegen die Hölle nichts nützt – doch eher Zeichen eines gesunden, ziemlich fröhlichen und angstfreien Glaubens. Zu sehr verrät es die Selbstverständlichkeit, mit der man davon ausgeht, daß man in den Himmel jedenfalls schon kommen wird – und das ist mehr, als man von den meisten Protestanten (die das *behaupten*, aber mit der Krampfhaftigkeit, mit der sie das tun, innerliche Gefühle des Gegenteils preisgeben) und postreformatorischen Katholiken sagen kann.

      Aber klar, um das zu sehen, muß man halt ein wenig geradeaus denken können.

      Ganz was anderes: Voll kraß nervt die Aufgabe an sich, elf Sätze in zehn Sätzen zusammenzufassen.

      Gefällt 1 Person

    2. Nepomuk und Sokleidas haben ja schon geantwortet, ich würde dazu noch ein paar Sachen sagen:

      Einen Geschichtslehrer, der den Hexenwahn ins Mittelalter datiert, kann man doch sowieso nicht ernst nehmen.

      Auch schön, dass Leute noch das Wort „überspannt“ verwenden. Da fühlt man sich doch gleich wie bei bürgerlich-protestantischen Kritikern von „überspannten“ Nonnenklöstern im 19. Jahrhundert.

      Auch der Abschnitt „In der Zeit um 1500 sah sich der gemeine Mann als Sklave von Klerus und Adel. Die Bauern waren Leibeigene und selbst besitzlos“ ist ziemlich dumm. Die Leibeigenschaft war eben gerade nicht dasselbe wie die Sklaverei, und es gab große Unterschiede zwischen den Bauern. Manche waren Freie, manche Leibeigene, manche so dazwischen.

      Und wie furchtbar, dass Religion keine Privatsache war und die Kirche für „Erziehung und Schulausbildung, Armenfürsorge und Krankenpflege“ sorgte!

      Und dann noch: Manche Leute scheinen nicht zu merken, was gerade eine der wichtigen Seiten an der Vorstellung vom „strafenden Gott“ ist: Dass man sich dann sicher sein kann, dass die, die einen schlecht behandeln, von Gott zur Rechenschaft gezogen werden werden, und man selber eben bei seinen wirklich schlechten Taten Gewissensbisse bekommt. Dass der Klerus brutalen Söldnern, Wucherern oder Geizhälsen mit der Hölle drohen konnte. Man darf es einfach nicht vergessen: *Auch Fürsten, Päpste und Bischöfe rechneten mit dem göttlichen Gericht.*

      Ansonsten ist das natürlich hauptsächlich lächerliches Gefasel von einem, der nicht versteht, was Gott für Menschen, die tatsächlich an Ihn glauben, bedeutet.

      – LG, Crescentia.

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  4. Man muss echt froh sein, wenn man nicht mehr in die Schule gehen muss. Dieses Arbeitsblatt ist infantil und durch und durch ideologisiert (ganz abgesehen davon, wie das von der Kirche gezeichnete Bild zu bewerten ist). Unter Kinder als Kinder ernst nehmen verstehe ich irgendwie etwas anders, aber ich bin halt auch kein „Pädagoge“…

    Gefällt 1 Person

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