Wie viele werden gerettet werden? Ein paar Bemerkungen

Es handelt sich hier um ein Thema, das viele Christen ziemlich beunruhigen kann; und das nicht nur, wenn es um die eigenen Chancen auf den Himmel geht, sondern auch, wenn es um die anderer geht. Man kann sich manchmal sehr damit quälen.

Aus der göttlichen Offenbarung selbst wissen wir nichts über die Anzahl der Erlösten und der Verdammten; es handelt sich hier also immer um Spekulationen. Aber es ist ein Thema, über das man spekulieren darf.

Die Lehre der Allerlösung wurde verurteilt: Die Hölle ist eine reale Möglichkeit, Christus warnt davor. (Lustigerweise findet man bei Christus mehr Warnungen vor der äußersten Finsternis und dem Heulen und Zähneknirschen als in den Apostelbriefen.) Aber Er sagt nicht, wie groß genau die jeweiligen Anteile der Erlösten und Verdammten sein werden. Es gibt hier, grob gesagt, folgende rechtgläubige Ansichten:

  1. Die Mehrheit der Menschheit und die Mehrheit der Katholiken gehe verloren.
  2. Die Mehrheit der Katholiken werde erlöst, aber die Mehrheit der Menschheit insgesamt gehe verloren.
  3. Die Mehrheit der Menschheit werde erlöst; die Verdammten seien insgesamt eine Minderheit.

Alle Ansichten finden sich bei rechtgläubigen Theologen im Lauf der Kirchengeschichte; die dritte Ansicht ist in der Minderheit, aber vor allem für die zweite findet man schon so einige Autoritäten. Und es steht einem vollkommen frei, sich für irgendeine davon zu entscheiden; auch diejenigen Kirchenväter beispielsweise, die meinten, nur eine relativ kleine Minderheit werde erlöst, sagen das als ihre Meinung und nicht als Lehre der Kirche.

Vasnetsov-Savior
(Viktor Vasnetsov, Der Erlöser. Gemeinfrei.)

Der französische Thomist Reginald Garrigou-Lagrange OP (1877-1964) hat einige gute Ausführungen dazu (von mir aus der englischen Ausgabe von „Life everlasting“ – online hier – übersetzt; der Ausschnitt ist aus dem letzten Kapitel):

„Manche bestehen auf der Gnade, andere auf der Gerechtigkeit Gottes. Weder die eine noch die andere Seite gibt uns Gewissheit. Und die Angemessenheitsgründe, die jede anführt, unterscheiden sich sehr von den Angemessenheitsgründen, die für ein Dogma angeführt werden, das schon sicher feststeht durch die Offenbarung, während wir hier von einer Wahrheit sprechen, die nicht gesichert ist.

Die Theologen neigen generell dazu, das, was uns die Schrift und die Tradition sagen, auszufüllen, indem sie die Heilsmittel, die Katholiken gegeben sind, von denen unterscheiden, die Menschen guten Willens jenseits der Grenzen der Kirche gegeben sind.

Wenn wir die Frage auf Katholiken beschränken, finden wir die Lehre, allgemein vetreten vor allem seit Suarez, dass, wenn wir nur Erwachsene in Betracht ziehen, die Zahl der Erwählten die der Verworfenen übertrifft. Wenn erwachsene Katholiken an diesem oder jenem Punkt eine Todsünde begehen, können sie dennoch vor dem Gerichtshof der Beichte wieder aufstehen, und es gibt relativ wenige, die am Ende ihres Lebens nicht bereuen oder sich sogar weigern, die Sakramente zu empfangen. [Anmerkung: Mit Erwachsenen sind hier alle gemeint, die den Vernunftgebrauch erlangt haben, also fähig zu Todsünden sind, d. h. auch Kinder ab einem gewissen Alter; jüngere getaufte Kinder sind des Himmels sicher.]

Aber wenn wir von allen Christen sprechen, von allen, die getauft worden sind, katholisch, schismatisch, protestantisch, ist es wahrscheinlicher, sagen die Theologen im Allgemeinen, dass die große Menge gerettet wird. Erstens ist die Zahl der Kleinkinder, die im Stand der Gnade sterben, bevor sie das Alter des Vernunftgebrauchs erreichen, sehr groß. Zweitens können viele Protestanten, da sie heutzutage guten Glaubens sind, mit Gott durch einen Akt der Reue versöhnt werden, besonders in Todesgefahr. Drittens können Schismatiker [hier sind wohl v. a. die Orthodoxen gemeint] eine gültige Absolution empfangen.

Wenn von der ganzen menschlichen Rasse die Rede ist, muss die Antwort unsicher bleiben, aus den oben angeführten Gründen. Aber selbst wenn die absolute Zahl der Erwählten weniger groß ist [als die der Verworfenen], kann die Herrlichkeit von Gottes Vorsehung nicht darunter leiden. Die Qualität siegt über die Quantität. Eine erwählte Seele ist ein spirituelles Universum. Außerdem geschieht kein Übel, das nicht um eines höheren Gutes willen zugelassen wird. Außerdem gibt es unter Nicht-Christen (Juden, Mohammedanern, Heiden) Seelen, die erwählt sind. Juden und Mohammedaner bekennen sich nicht nur zum Monotheismus, sondern haben auch Fragmente primitiver Offenbarung und der Mosaischen Offenbarung beibehalten. Sie glauben an einen Gott, der auf übernatürliche Weise [das Gute und das Böse] vergilt, und können so, mit der Hilfe der Gnade, einen Akt der Reue setzen. Und selbst den Heiden, die in unüberwindlicher, unfreiwilliger Unwissenheit der wahren Religion leben, und die trotzdem versuchen, das natürliche Sittengesetz zu beachten, werden übernatürliche Hilfen geboten, auf Wegen, die Gott bekannt sind. Diese können, wie Pius IX. sagt, zur Erlösung gelangen. Gott befiehlt nie das Unmögliche. Dem, der tut, was in seiner Macht steht, verweigert Gott die Gnade nicht.

Wir können in dieser Frage keine Gewissheit erreichen. Es ist besser, unsere Unwissenheit einzugestehen, als die Gläubigen mit einer Lehre zu entmutigen, die zu rigide, oder sie der Gefahr auszusetzen mit einer Lehre, die zu leichtsinnig ist.

Das Wichtige ist, die Gebote Gottes zu beachten. Der hl. Augustinus sagt, und das Konzil von Trient wiederholt: ‚Gott befiehlt nie das Unmögliche. Aber er mahnt uns, das zu tun, was wir können, und von Ihm die Gnade zu erbitten, das zu leisten, was wir aus uns heraus nicht können, und Er hilft uns, zu vollbringen, was Er befiehlt.‘

Lasst uns unser Vertrauen in Jesus Christus setzen, ‚das Sühnopfer für unsere Sünden‘, ‚das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt hinwegnimmt‘. ‚Lasst uns also voll Zuversicht hinzutreten zum Thron der Gnade, damit wir Erbarmen und Gnade finden und so Hilfe erlangen zur rechten Zeit!‘

Die Zeichen der Erwählung

Das Konzil von Trient hat erklärt, dass wir auf Erden keine Sicherheit unserer Bestimmung haben können ohne spezielle Offenbarung. Ohne diese spezielle Offenbarung kann kein Mensch wissen, ob er in guten Werken ausharren wird bis ans Ende. Dennoch gibt es Anzeichen der Bestimmung, die eine Art moralischer Sicherheit geben, dass man ausharren wird. Die Väter, vor allem der hl. Chrysostomus, der hl. Gregor der Große, der hl. Bernhard, der hl. Anselm, haben einige dieser Zeichen aufgezählt, wobei sie der Richtung der Schrift folgten.

Die Theologen zählen acht Zeichen der Bestimmung auf. Erstens, ein gutes Leben; zweitens, das Zeugnis eines guten Gewissens; drittens, Geduld in Widrigkeiten aus Gottesliebe; viertens, Behagen am Licht und Wort Gottes; fünftens, Erbarmen mit denen, die leiden; sechstens, Liebe zu den Feinden; siebtens, Demut; achtens, eine besondere Verehrung der Seligen Jungfrau.

Geduld in Widrigkeiten zeigt, wie Ungleichheit in natürlichen Bedingungen von der göttlichen Gnade kompensiert wird. Das ist die Wahrheit, die in den Seligpreisungen ausgedrückt wird: Selig die Armen im Geiste, selig die Sanftmütigen, selig die Weinenden, selig die hungern und dürsten nach der Gerechtigkeit, selig die Barmherzigen, selig, die reinen Herzens sind, selig, die Frieden stiften, selig, die Verfolgung leiden um der Gerechtigkeit willen. Diese besitzen das Reich Gottes. Ein schweres Kreuz geduldig und standhaft zu tragen ist ein großes Zeichen der Bestimmung.

[…]

Wir möchten hier den Leser an das große Versprechen des Heiligsten Herzens an die erinnern, die die Kommunion an neun aufeinanderfolgenden ersten Freitagen [im Monat] gut empfangen. […]

Niemand ist im Himmel, außer wenn er im Stand der Gnade gestorben ist. Niemand kann in die Hölle kommen außer durch seine eigene Schuld. Wir sind Erben Gottes, Miterben Christi, wenn wir mit ihm leiden, auf dass wir mit ihm verherrlicht werden.“

Gott will tatsächlich für jeden einzelnen, dass er gerettet wird, und das bedeutet, dass Er jedem eine reale Chance dazu gibt: „er will, dass alle Menschen gerettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit gelangen“ (1 Tim 2,4) (Zur Erkenntnis der Wahrheit wird man dann spätestens im Himmel gelangen, wenn man vorher in unüberwindlicher Unwissenheit war.) Sicher können Menschen es anderen Menschen leichter oder schwerer machen, gerettet zu werden, Gott lässt zu, dass wir durch unsere Bemühungen anderen helfen und lässt uns in Seinem Plan mitwirken; aber Gott gibt jedem auch so eine Mindestchance und verlangt nichts, was nicht machbar wäre. Das ist der Punkt, den man immer wieder betonen muss: Gott verlangt nicht das Unmögliche.

Es lohnt sich, den Punkt „unüberwindliche Unwissenheit“ noch genauer anzusehen: Gott rechnet es, wie oben gesagt, einem Menschen nicht an, wenn er ohne eigene Schuld nicht weiß, was richtig und falsch ist, wenn er gutgläubig irregeführt wird und z. B. mit dem Islam oder dem Evangelikalismus aufwächst. Und was bedeutet unüberwindlich hier? Nicht absolut unüberwindlich.

„Wer es schuldbarerweise vernachlässigt, den wahren Glauben kennenzulernen, sündigt leicht oder schwer, je nachdem seine Nachlässigkeit leicht oder schwer ist. – Solange aber jemand an seiner bisherigen Religion noch keinen vernünftigen Zweifel hat, besteht auch keine schwere Pflicht, weiter nachzuforschen. – Sind jemand die Glaubenswahrheiten hinreichend zu glauben vorgestellt, so ist Unglaube immer eine schwere Sünde.“ (Heribert Jone OFMCap, Katholische Moraltheologie auf das Leben angewandt unter kurzer Andeutung ihrer Grundlagen und unter Berücksichtigung des CIC sowie des deutschen, österreichischen und schweizerischen Rechtes, 17. Aufl., Paderborn 1961, Nr. 121, S. 93.

„Vincibilis [überwindlich] wird die Unwissenheit genannt, wenn sie abgelegt werden könnte unter Anwendung der moralischen Sorgfalt, entsprechend den näheren Umständen der Person und der Sache. Kann sie mit Anwendung einer solchen Sorgfalt nicht abgelegt werden, dann heißt sie invicibilis [unüberwindlich], auch wenn sie bei noch größerer Sorgfalt abgelegt werden könnte.“ (Ebd., Nr. 16, S. 27)

D. h. ein gutgläubiger Evangelikaler, der keinen Grund sieht, an seiner Kirche zu zweifeln, ist in „unüberwindlicher Unwissenheit“, obwohl er sich rein theoretisch im Internet über den Katholizismus informieren könnte.

Freilich: Wenn er aus stichhaltigen Gründen den Verdacht bekommt, dass der Katholizismus wahr sein könnte, aber dann lieber nicht weiter nachforscht, weil er entschlossen ist, nicht zu konvertieren, ist das keine unüberwindliche Unwissenheit mehr.

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(Gustave Doré, Darstellung von Dante und Beatrice, die in den höchsten Himmel blicken. Gemeinfrei.)

Oft wird diese Bibelstelle angeführt, wenn jemand belegen will, dass die Erlösten in der Minderheit oder sogar deutlich in der Minderheit – ein kleiner Rest – seien: „Geht durch das enge Tor! Denn weit ist das Tor und breit der Weg, der ins Verderben führt, und es sind viele, die auf ihm gehen. Wie eng ist das Tor und wie schmal der Weg, der zum Leben führt, und es sind wenige, die ihn finden.“ (Mt 7,13f.)

Aber hier sind zwei Sachen zu bedenken:

Erstens geht es um den Weg, der dann zu einem endgültigen Ziel führt. Es wird aber noch manche geben, die erst auf dem Weg zum Verderben laufen, ihn aber vor dem Ziel noch rechtzeitig verlassen.

Zweitens, auch wenn man davon ausgeht, dass „viele“ verlorengehen, muss das nicht zwangsläufig eine Mehrheit bedeuten; wenn aus einer Familie mit sechzehn Kindern und Enkelkindern sieben bei einem Autounfall sterben, würde man auch sagen „die Familie hat viele ihrer Mitglieder verloren, jetzt sind nur noch wenige da“. Gott ist jedes seiner Kinder wichtig, und daher ist es ihm auch leid, wenn nur eine Minderheit verloren gehen sollte.

Es kann kaum einer leugnen wollen, dass es numerisch gesehen viele sein werden, die in die Hölle kommen. Es werden viele sein. Vielleicht auch eine gewisse Mehrheit; das müsste aber auch dann keine übergroße Mehrheit sein.

Es wird in der Tradition der Kirche gesagt, dass ein Drittel der Engel gefallen ist (abgeleitet aus Offb 12,4: „Sein Schwanz [des Drachen] fegte ein Drittel der Sterne vom Himmel und warf sie auf die Erde herab.“). Vielleicht ist das Verhältnis bei der Menschheit nicht ganz so anders: Etwa ein Drittel Verdammte, zwei Drittel Erlöste. Man hört auch die Interpretation, dass zum Ausgleich für die gefallenen Engel ein Drittel der Menschheit erlöst (und dann zwei Drittel verdammt) seien. Beides ist m. E. nicht unplausibel.

Die Verdammnis ist ein reales Risiko für den Normalmenschen, nicht etwas, das bloß Hitler und Stalin angeht; aber die Erlösung ist auch kein Privileg für die größten Heiligen à la Franz von Assisi, sondern auch etwas dem Normalmenschen Zugedachtes.

Gott liebt Seine Kinder. Er liebt uns wirklich, das ist keine Phrase: Jeden einzelnen.

Es gibt auch die Interpretation dieser Bibelstelle, dass Jesus hier speziell zu seinen Zeitgenossen spricht. Garrigou-Lagrange zitiert Monsabre, einen Verfechter einer milderen Ansicht: „Wenn Jesus will, dass wir an die Zukunft denken, spricht Er auf andere Weise. So sagt Er zu Seinen Jüngern: ‚Wenn ich über die Erde erhöht bin, werde ich alle zu mir ziehen‘ ‚Die Pforten der Hölle werden (meine Kirche) nicht überwältigen‘.“

Er zitiert Monsabre weiter: „Man beachte, dass Er uns nicht definitiv die Zahl der Guten und der Bösen sagt. Denen gegenüber, die eine klare Festlegung wollten, genügte es ihm, zu antworten: ‚Bemüht euch mit allen Kräften, durch die enge Tür zu gelangen; denn viele … werden versuchen hineinzukommen, aber es wird ihnen nicht gelingen.‘ Die Rigoristen sagen mir, dass Jesus hier vielleicht das Mysterium Seiner Gerechtigkeit verbirgt, um furchtsame Seelen nicht zu ängstigen. Was mich angeht, ich ziehe es vor, zu denken, dass Er hier das Mysterium Seiner Gnade verbirgt, sodass wir die Vermessenheit meiden mögen.“

Auch andere Bibelstellen werden manchmal angeführt; z. B. der Satz „Denn viele sind gerufen, wenige aber auserwählt“, der in einzelnen Handschriften in Mt 20,16 auftaucht und dann generell noch mal in Mt 22,14. Die vorkonziliare Stuttgarter Kepplerbibel gibt zu Mt 20,16 in den von Prof. Dr. Peter Ketter verfassten Anmerkungen an: „Der Satz ‚Denn viele sind berufen, wenige aber sind auserwählt‘, fehlt in den meisten griechischen Handschriften. Er bedeutet nicht, die Mehrzahl der Menschen komme in die Hölle. Aus den berufenen Juden fanden nur wenige das Heil.“ Jesus spricht hier von der Undankbarkeit derer, die eigentlich eine bevorzugte Behandlung erhalten hätten (was nicht nur auf die damaligen Juden zutreffen muss, aber erst mal schon sie meint): dafür werden dann andere hereingerufen. In Mt 22,14 steht der Satz ja gerade am Ende des Gleichnisses vom Hochzeitsmahl, in dem haargenau das passiert. Die zuerst geladenen Gäste haben keine Lust und bringen sogar diejenigen um, die sie zu dem Fest beim König einladen wollten (nicht gerade eine lässliche Sünde). Dann lässt der König alle möglichen Leute hereinbringen, wie er sie gerade findet: Und nur einer von diesen vielen wird am Ende noch hinausgeworfen. (Wofür? Weil er „kein Hochzeitsgewand anhatte“. Damals wurden die Gewänder den Gästen aber von der Gemeinschaft gestellt, er hätte sehr leicht eins anziehen können, wenn er den mindesten Respekt vor der Hochzeitsgesellschaft gehabt hätte.)

Nicholas Walsh SJ, ein Vertreter einer sehr milden Meinung, schreibt in einem kleinen Buch über diese Frage aus dem Jahr 1898 über die Bibel und die mildere Sicht:

„Die Autoren, aber vielleicht noch mehr die Prediger, die die strengen Meinungen vertreten, berufen sich auf die Schrift oder benutzen sie wenigstens, als ob sie voll und ganz auf ihrer Seite wäre. Sie sehen Vorbilder oder Zeichen der Verlorenen und Geretteten in den wenigen Trauben oder Oliven oder Getreideähren, die nach einer sorgfältigen Lese und Ernte übrig bleiben (Jesaja, Kapitel 17 und 24); in nur acht bei der Sintflut Geretteten, in Abraham, der allein von der übrigen Welt abgesondert wurde, darin, dass nur drei aus den bösen Städten [Sodom und Gomorrha] gerettet wurden, darin, dass Hiob der einzige Gerechte in seinem Land war, und die drei Kinder die einzigen Unschuldigen in Babylon, darin, dass nur einer Witwe während der Hungersnot in Israel geholfen wurde und nur ein Leprakranker von vielen in den Tagen von Elischa dem Propheten geheilt wurde. Eine sehr zufriedenstellende Antwort könnte gegeben werden, und wird gegeben, auf jedes der oben erwähnten Vorbilder. Ich beschränke mich auf eine allgemeine. Diese Vergleiche würden zunächst, wenn man sie konsequent weiterdenkt, zu einer Schlussfolgerung führen, die so düster, so verzweifelnd, ’so hart und Gott entehrend‘ ist, dass sie fast unglaublich ist: Schlussfolgerungen, die keine Person akzeptieren sollte, wenn sie nicht wirklich bewiesen sind. Sie werden vor allem, aber nicht ausschließlich, von Predigern benutzt, die in Schrecken versetzen wollen, und die zu diesem Zweck oft die Heilige Schrift in einer sehr freien und weit hergeholten Weise an ihre Sicht anpassen. […]

Die Vertreter der zwei milden Meinungen haben auch einige Vorbilder in der Schrift, die sie als Ausgleich zu denen ihrer Gegner zitieren. Es wird gemeinhin gesagt, dass nur ein Drittel der Engel, oder allenfalls eine Minderheit von ihnen, fiel. Die weisen und törichten Jungfrauen waren gleich an Zahl; in einem einigermaßen gepflegten Feld übertrifft der Weizen das Unkraut; und im Fang des Fischers übertreffen die guten Fische in der Regel die schlechten. Im Gleichnis der Talente werden zwei belohnt – nur einer verurteilt. Von dem Hochzeitsfest, zu dem ‚die Guten und die Schlechten versammelt wurden‘ wurde nur einer ausgestoßen. Alle Arbeiter im Weinberg erhielten denselben Lohn, der nach einer sehr wahrscheinlichen Interpretation das ewige Leben meint, aber in unterschiedlichen Graden von Verdienst und Glorie. Diese, wenn sie Argumente genannt werden können – ich rechne sie nicht als solche – sind sicherlich so stark wie die auf der anderen Seite erbrachten.“ (Nicholas Walsh SJ, The comparative number of the saved and lost. A study, Dublin 1898, S. 107f. und 112)

Auf die Argumente, dass bei der Sintflut nur acht Menschen gerettet wurden oder Lot der einzige Gerechte in Sodom war, könnte man natürlich noch antworten, dass bei der Sintflut und in Sodom die Menschen so extrem und ungewöhnlich böse geworden waren, dass Gott mit einem besonderen Strafgericht antwortete; den Nachbarstädten Sodoms wurde nichts getan. Und selbst bei der Sintflut kamen nicht alle Getöteten in die Hölle; der Apostel Petrus schreibt: „Denn auch Christus hat einmal für die Sünden gelitten, der Gerechte für die Ungerechten, damit er euch zu Gott führte; er ist getötet nach dem Fleisch, aber lebendig gemacht nach dem Geist. In ihm ist er auch hingegangen und hat gepredigt den Geistern im Gefängnis, die einst ungehorsam waren, als Gott in Geduld ausharrte zur Zeit Noahs, als man die Arche baute, in der wenige, nämlich acht Seelen, gerettet wurden durchs Wasser hindurch.“ (1 Petr 3,18-20) D. h. auch die Toten der Sintflut waren zumindest zum Teil zunächst im „Limbus der Väter“ („Gefängnis“), einem Ort ohne Strafen, aber auch ohne Anschauung Gottes, wo die Seelen der Gerechten, die vor dem Kreuzestod Jesu gestorben waren, warten mussten, bis ihre Erlösung gewirkt war, und von wo Jesus sie herauf in den Himmel führte.

Auch auf die anderen Beispiele kann man etwas entgegnen: Dem ausgesonderten Abraham wird versprochen, dass in ihm alle Geschlechter der Erde Segen erlangen sollen. Dass Gott manchen ein Wunder (wie eine Heilung von Lepra) schenkt und anderen nicht, beweist nichts: Denn er hat niemandem ein Wunder versprochen, aber Er hat uns sehr wohl das Heil versprochen, wenn wir die entsprechenden Bedingungen erfüllen. Auch in Lourdes beispielsweise werden heute nur wenige geheilt.

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(Gustave Doré, Himmelsdarstellung. Gemeinfrei.)

Die Leute, die in den Gleichnissen Jesu in die Hölle kommen, sind dort nicht grundlos. Dives zum Beispiel, der reiche Mann, der den armen Lazarus mit seinen Geschwüren, der direkt vor seiner Tür lag, sein Leben lang ignoriert hat: Ist er etwa grundlos da?

Lazarus wird dann im Jenseits getröstet; man kann damit rechnen, dass Gott für viele, die auf der Erde viel leiden mussten, Trost vorgesehen hat. Das heißt nicht, dass jemand, der viel leiden muss, nicht trotzdem ein schlechter Mensch sein oder werden kann, auch davon gibt es mehr als genug Beispiele; es soll nur sagen, dass Gott es ihm nicht extra schwer machen will.

Natürlich muss man auch sehen:

Garrigou-Lagrange und die anderen hier zitierten Theologen gehen von einer weniger krisengeschüttelten Kirche aus. In den meisten Zeiten der Kirchengeschichte empfingen die meisten Katholiken, wie er es beschreibt, am Ende ihres Lebens die Sterbesakramente, wobei man davon ausgehen kann, dass sie zumindest nach einer Zeit im Fegefeuer im Himmel gelandet sind; für die Vergebung in der Beichte genügt schon die Furchtreue. Sicher verweigerten manche die Sterbesakramente oder starben unerwartet; aber das war eine Minderheit und die unerwartet Sterbenden konnten auch Liebesreue erwecken. Dazu war die Kindersterblichkeit ziemlich hoch, und getaufte Kinder sind sicher im Himmel. (Ungetaufte Kinder sind entweder im Himmel oder im Limbus puerorum; auch wenn man davon ausgeht, dass sie in letzterem sind, haben sie dort vollkommene natürliche Glückseligkeit, wenn auch keine übernatürliche; in jedem Fall geht es ihnen uneingeschränkt gut. Aber die meisten katholischen Kinder wurden schon im Alter von einem oder zwei Tagen getauft.)

Diese Situation hat sich in der derzeitigen Kirchenkrise grundlegend geändert, und auch Katholiken haben viel weniger Resistenz gegenüber dem Säkularismus, synkretistischen Einstellungen, Gleichgültigkeit gegenüber Gott und dergleichen. Wir reden natürlich von der gesamten Menschheit über alle Zeitalter hinweg; aber andererseits ist die Menschheit heute ein gutes Stück gewachsen und überproportional viele Menschen müssen mit dieser Krise klarkommen. Das bedeutet nicht, dass heutige verwirrte oder säkularisierte Katholiken automatisch verloren sind; aber sehr wohl, dass sie es schwerer haben, nicht nur deswegen, weil sie nicht immer wissen, was richtig und falsch ist, sondern auch, weil ihnen die größere Motivation, die der Glaube und die Gnadenmittel geben, das zu tun, was man als richtig erkannt hat, fehlt.

Ein paar letzte Punkte, die vielleicht zu bedenken sind:

1) Dass etwas nicht mühelos zu bekommen ist, heißt nicht automatisch, dass wenige es schaffen; der Schulabschluss ist auch nicht mühelos zu bekommen, trotzdem schaffen ihn die meisten.

2) Das Böse ist oft auffälliger als das Gute; und man weiß oft nicht, ob jemand etwas Böses später bereut hat. Der Zustand der Welt, wie man ihn so sieht, ist schlimm genug; aber man weiß nicht, wie Gott die Menschen ihn ihren letzten Stunden bewegt. Und selbst wenn man sich den Zustand der Welt rein äußerlich ansieht, gibt es immer noch viel Gutes: Liebe in Familien zum Beispiel. Die missbräuchlichen, zerbrochenen Familien sind nicht gerade extrem selten, aber auch nicht die Mehrheit. Freilich muss man zugestehen, dass es Dinge gibt, die auf eine höhere Anzahl von Verdammten hindeuten: Z. B. wie weitverbreitet offensichtliche Verbrechen gegen die Schwächsten wie Abtreibung und Kindesaussetzung im Lauf der Menschheitsgeschichte waren. Aber auch hier gibt es immer noch viele Menschen, die so etwas nicht tun oder taten, selbst wenn es als eher normal gilt oder galt.

3) Man wird sehr viele Christen finden, die um die Erlösung von anderen besorgt sind, die sich Sorgen um diejenigen machen, die Christus nicht kennen, die sich bemühen, ihren Freunden zu helfen, gewohnheitsmäßige Sünden zu überwinden, o. Ä.: Nun, wird Gott weniger besorgt um Seine Geschöpfe sein? Wird Er sich nicht auch bemühen, ihnen Hilfe zu geben? Der gute Hirt ging dem verlorenen Schaf nach.

4) Das Fegefeuer wird in der Tradition der Kirche generell für eine relativ schwerwiegende, schmerzhafte Läuterungszeit gehalten; ist es da nicht logisch, dass Gott hierdurch noch viele Seelen rettet, die in ihrem Leben viele (lässliche) Fehler gemacht oder mit einer relativ unvollkommenen Reue noch die Kurve bekommen haben?


(Guter Hirte. Gemeinfrei.)

Ich behaupte nicht, zu wissen, dass eine Mehrheit erlöst sein wird. Ich halte die Sicht, dass eine Mehrheit der Katholiken aller Zeiten erlöst wird, für sehr wahrscheinlich; und die Sicht, dass eine Mehrheit der Menschheit erlöst wird, für möglich, kann mir aber auch vorstellen, dass die Verdammten überwiegen, wenn auch vielleicht nicht dermaßen stark. Wenn ich mich beim Spekulieren auf Zahlen festlegen müsste, würde ich alles zwischen 80/20 so herum und 20/80 andersherum für wahrscheinlich halten. Aber das alles sind Spekulationen. Ich behaupte nur, dass manche Leute aufhören sollten, zu reden, als müssten gute brave Tradi-Katholiken glauben, die allermeisten Menschen kämen in die Hölle.

Eine Anmerkung noch: In manchen Internetkreisen wird seit neuestem eine Predigt aus dem 17. Jahrhundert von Leonard von Port Maurice verbreitet mit dem Titel „The little number of those who are saved“; darin erzählt Leonard von einer Vision, die der hl. Vincent Ferrer gehabt haben soll; ein Erzdiakon sei ihm erschienen und habe erzählt, er sei zur selben Stunde wie der hl. Bernhard und 33.000 andere Menschen gestorben; er und Bernhard seien in den Himmel gekommen, drei andere in das Fegefeuer und der Rest in die Hölle. Diese Vision ist buchstäblich unmöglich:

  1. In einer Stunde dürften bei der damaligen Weltbevölkerung keine 33.000 Menschen gestorben sein. (Nach meinen Schätzungen eher ein Hundertsel dieser Zahl. Selbst heute, bei einer um vieles größeren Weltbevölkerung, sterben jährlich 50-60 Millionen, was ca. 6000 in der Stunde macht.)
  2. Die Vision ist – soweit ich herausfinden konnte – erst bei Leonard bezeugt, obwohl Vincent Jahrhunderte vorher lebte.
  3. In jeder großen Menge von Toten müssen getaufte Kleinkinder dabei gewesen sein, die automatisch in den Himmel gekommen wären (bei Kindern nahe dem Vernunftgebrauch, die schon zu lässlichen Sünden fähig gewesen wären, aber noch nicht zu Todsünden, u. U. noch ein wenig ins Fegefeuer).
  4. Dabei müssen in einem mittelalterlichen Kontext auch große Mengen von Toten gewesen sein, die die Sterbesakramente empfangen hatten, und Furchtreue zu erwecken, die für eine gültige  Beichte genügt, ist sehr leicht. Für wie ineffektiv muss man Gottes Gnadenmittel halten, wenn man das für glaubwürdig hält?

Die Ansicht, dass z. B. 10%, oder auch nur 5%, der Menschheit erlöst werden, kann eine gewisse Plausibilität beanspruchen. Eine solche Behauptung ist lächerlich und unhaltbar.

Vielleicht war Leonard – wie so viele Katholiken – einfach der Überzeugung, dass man strenger predigen müsste, um die Leute anzuspornen, aber nach meiner Erfahrung – nach dem, was ich von anderen Katholiken mitbekommen habe – funktioniert das nicht. Die Leute verfallen so in Verzweiflung und denken sich „eh schon alles egal“: Man stürzt sie nur in die Sünde, wenn man alles so schwer wie möglich erscheinen lässt. (Was übrigens auch der hl. Alphons sagt: Ich kann auch meine Heiligen zum Proof-Texting anführen.)

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(Guter Hirte. Gemeinfrei.)

Zuletzt: Viele Leute, die sich hier so viele Gedanken machen, sind gläubige, traditionelle Katholiken, und die haben es am einfachsten, erlöst zu werden. „Durch den richtigen Gebrauch des Gebets, durch das ehrfürchtige Hören der Messe, durch den würdigen Empfang der Sakramente, besonders derer der Buße und der Eucharistie, und durch den frommen Gebrauch einiger der approbierten Frömmigkeitsübungen […] können Katholiken immer die Gnade herbeirufen, durch deren rechten Gebrauch sie Versuchungen überwinden, die Gebote beachten, ihre Standespflichten erfüllen, bereuen, wenn sie sündigen, und ihre Seelen retten können.“ (Nicholas Walsh SJ, The comparative number of the saved and lost. A study, Dublin 1898, S. 84f.)

Gott ist nicht darauf aus, denen, die sich schon bemühen, zu sagen: „Ah, na schau mal, da kann ich dir ja noch ein paar Extrahindernisse in den Weg legen, hehe“.

Aber heißt es nicht Wem viel gegeben wurde, von dem wird viel zurückgefordert werden, und wem man viel anvertraut hat, von dem wird man umso mehr verlangen. (Lk 12,48)? Ja: Aber der Kontext ist folgender: „Der Knecht, der den Willen seines Herrn kennt, sich aber nicht darum kümmert und nicht danach handelt, der wird viele Schläge bekommen. Wer aber, ohne den Willen des Herrn zu kennen, etwas tut, was Schläge verdient, der wird wenig Schläge bekommen.“ (Lk 12,47f.) D. h. für diejenigen, die Sünden unter mildernden Umständen begehen, gibt es mildernde Umstände; für die, die genau wissen, was Sünde ist und was nicht, gelten keine mildernden Umstände. Aber deswegen ist für uns auch nur das Todsünde, was Todsünde ist; uns werden nicht noch zusätzlich Extralasten auferlegt.

Ja, es gibt Prüfungen. Aber Gott hat seine Gründe, wieso Er Prüfungen zulässt, und jeder, ob Katholik oder nicht, muss irgendwelche Prüfungen bestehen; wir haben es dabei einfacher, weil uns mehr Gnadenmittel zur Verfügung stehen.

Immer dran denken: Wenn man eine Todsünde begangen hat, kann man sofort den Stand der Gnade wiedererlangen, indem man Liebesreue erweckt, wobei der Vorsatz eingeschlossen ist, beizeiten zu beichten (man muss sich nicht vornehmen, baldmöglichst zu beichten; die Beichte ist sogar nur einmal im Jahr streng vorgeschrieben). Und Gott will, dass man sofort zu Ihm zurückkehrt; man muss nicht das Gefühl haben, es wäre irgendwie ungebührlich, direkt nach einer Sünde gleich bereuen zu wollen. Das gilt auch bei Gewohnheitssünden. Sinnvoll ist es (auch wenn man nur lässliche Sünden auf dem Gewissen hat), jeden Abend einen Akt der Reue zu setzen:

„Mein Gott, aus ganzem Herzen bereue ich alle meine Sünden, nicht nur wegen der gerechten Strafen, die ich dafür verdient habe, sondern vor allem, weil ich dich beleidigt habe, das höchste Gut, das würdig ist, über alles geliebt zu werden. Darum nehme ich mir fest vor, mit Hilfe deiner Gnade nicht mehr zu sündigen und die Gelegenheiten zur Sünde zu meiden. Amen.“

Dann noch alle ein, zwei Monate zur Beichte, das regelmäßige Gebet niemals aufgeben, und es wird schon alles werden.

Бог_Саваоф
(Von Viktor Vasnetsov. Gemeinfrei.)

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13 Gedanken zu “Wie viele werden gerettet werden? Ein paar Bemerkungen

  1. „Ungetaufte Kinder sind entweder im Himmel oder im Limbus puerorum; auch wenn man davon ausgeht, dass sie in letzterem sind, haben sie dort vollkommene natürliche Glückseligkeit, wenn auch keine übernatürliche; in jedem Fall geht es ihnen uneingeschränkt gut.“

    Ich bin davon überzeugt, dass auch ungetaufte Kinder im Himmel sind. Kinder, die durch Abtreibung oder Fehlgeburt sterben, sind vollkommen unschuldig und verdienen die übernatürliche Glückseligkeit im Himmel. Warum sollte Gott diese unschuldigen Kinder in einen „Limbus puerorum“ stecken und ihnen eine minderwertigere Form von Glückseligkeit geben? Aus meiner Sicht ergibt die Theorie des „Limbus puerorum“ keinen Sinn. Soweit ich mich richtig erinnere, hat auch die Theologenkommission, die von BXVI eingesetzt wurde, festgestellt, dass das Konstrukt des „Limbus puerorum“ abgeschafft werden sollte.

    Zum Thema „Gott liebt uns“ habe ich noch folgenden Kommentar gefunden:

    „Antony Flew contended that statements made by typical believers fail to qualify as genuine assertions, on the ground that their adherents modify them, without limit, in order to accommodate apparently countervailing evidence.

    Thus, for example, Flew alleged that when the believer’s assertion that ‘God loves us’ is challenged by the observation that a loving, omnipotent, and omniscient God would surely not permit horrors like childhood leukaemia, the typical believer replies that God’s love is of a special divine kind that we cannot necessarily understand; and similar challenges are met in the same way.

    According to Flew, the original assertion suffers ‘death by a thousand cuts’: anyone who is willing endlessly to qualify the content of his/her assertion so as to accommodate no matter what evidence to the contrary is ultimately shown to have made no genuine assertion at all: for (s)he is not really committing her/himself to anything that her/his opponent denies.

    In response to this challenge, Hare suggested that religious statements are better understood not as assertions of fact, but rather as what he called ‘bliks’.[…]. Religious language consists of expressions of ‘bliks’, as opposed to ordinary assertions that are responsive to empirical evidence. A blik has meaning, for its subject, in that it has an important influence on how (s)he views the world and how (s)he behaves.

    Even so, a blik (according to Hare) does not stand in need of evidence-based justification; nor will it (normally) be rejected on the basis of empirical evidence (no matter how strong) against it. A blik is (roughly) an article of faith: it is a belief, or an attitude, that isn’t answerable to evidence or reason, but that plays an important role in the life of a person who has it.“

    Was kann man dazu sagen?

    Mit freundlichen Grüßen,
    I love BXVI

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    1. Zunächst mal kann man dazu sagen, dass das nichts weiter als Rhetorik ist. Wenn ein Kater sich denken würde „wie kann mein Frauchen diese schrecklichen Tierarztbesuche erlauben“, würden wir das auch nicht für einen schlagenden Beweis dafür halten, dass das Frauchen einfach sadistisch ist.

      Liebe heißt: Jemandem Gutes wollen. Das geht nicht immer auf einfache Weise ohne Umwege. Das ganze menschliche Leid ist ja erst durch die Schuld von Menschen gekommen.

      (Später mehr.)

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    2. Jetzt also:

      Zum Limbus: Die Theologenkommission hat gesagt, dass der Limbus eine theologische Theorie, keine Kirchenlehre ist; sie hat ihn nicht „abgeschafft“. Man muss nicht dran glauben, aber man kann schon; und ich meine, man sollte von dem Denken wegkommen, dass „minderwertig“ = „schlecht“. Ich meine, auch im Himmel gibt es unterschiedliche Grade von Glorie. Klar, das ist nochmal ein qualitativer Unterschied. Ich halte es auch für gut möglich, dass sie im Himmel sind, aber ich fände den Limbus wirklich nicht schlimm.

      Dann nochmal kurz zum anderen Punkt: Das ist halt wirklich nur ein Sophismus, um ganz normale Differenzierungen als special pleading darzustellen. Wir reden ja auch nicht nur von „Gottes Wege sind unergründlich“, wir können stichhaltige Gründe angeben, wieso Gott Leid um eines höheren Gutes willen zulassen kann. Aber grundsätzlich gilt ja auch: Wir können logisch beweisen, dass Gott ist, und dass Er vollkommen gut sein muss, also auch uns Gutes will, und das war es dann. Wenn ein Ergebnis/eine These bereits unzweifelhaft bewiesen ist (Gott ist gut), und dann Schwierigkeiten auftauchen (wieso gibt es trotzdem Leid?), verwirft man das Ergebnis die These nicht, sondern schaut, wie sich die Schwierigkeiten auflösen und mit der These vereinbaren lassen.

      – LG, Crescentia.

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  2. Auch wenn dieser Kommentar etwas flach daher kommt. Wir sollten es Gott überlassen (wenn wir es nicht schon tun) wer gerettet wird und wer nicht. Es gibt nun mal Dinge und Einsichten die der Schöpfer uns vorenthält und er wird wohl seine Gründe dafür haben. Wenn es uns nicht zusteht Fristen und Zeiten zu erfahren, die der Allerhöchste festgesetzt hat, dann dürfte dieser Hinweis wohl genügen um sich nicht mit der Frage der Anzahl von Geretteten herum zu schlagen. Trotz allem ein sehr informativer Artikel.

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  3. Der Übersichtlichkeit halber hier als eigener Kommentar, die Antwort auf @I love BXVI’s kommentier, und zwar hier zunächst zum Thema Limbus (auch wenn ich da noch einmal dasselbe wiederhole, wie im wesentlichen Crescentia schon gesagt hat)…

    >>Ich bin davon überzeugt, dass auch ungetaufte Kinder im Himmel sind. Kinder, die durch Abtreibung oder Fehlgeburt sterben, sind vollkommen unschuldig und verdienen die übernatürliche Glückseligkeit im Himmel. Warum sollte Gott diese unschuldigen Kinder in einen „Limbus puerorum“ stecken und ihnen eine minderwertigere Form von Glückseligkeit geben? Aus meiner Sicht ergibt die Theorie des „Limbus puerorum“ keinen Sinn. Soweit ich mich richtig erinnere, hat auch die Theologenkommission, die von BXVI eingesetzt wurde, festgestellt, dass das Konstrukt des „Limbus puerorum“ abgeschafft werden sollte.

    Lassen wir die Theologenkommission einmal weg und kommen später auf sie zu sprechen.

    Zunächst einmal: der Limbus puerorum ist (anders, übrigens, als der Limbus patrum) „nur eine Theorie“, ja. Aber Theorien sind Antworten auf Fragen, und Fragen werden gestellt, weil Sachverhalte zu ihnen Anlaß geben. Sie sind nur Theorien; aber sie sind zu ersetzen nur durch andere Theorien.

    Es ist hier nun einmal so: diese Kinder sind nicht getauft und dadurch nicht auf dem ordentlichen Heilsweig. Sie haben andererseits keine persönliche Schuld, also verdienen sie nicht gestraft zu werden – seinerzeitige Theorien etwa des hl. Augustinus, dass sie im auch schmerzhaften, eigentlichen Sinne des Wortes in der Hölle seien (wenn sie dort auch *sehr wenig* und gewissermaßen „nur der Form halber“ gepeinigt würden), hat die Kirche glücklich überwunden. Ich denk, daß der Limbus, *wenn* es ihn denn in realisierter gibt, *nicht schmerzhaft* ist, darf man mittlerweile als Kirchenlehre betrachten.

    Nun ist klar, daß es bei Erwachsenen (d. h. ab 7, Vernunftgebrauch) die (realisierte) Taufe nicht unbedingt nötig ist (keine moderne Erfindung, sondern das steht in bezug auf Leute, die sich für das Gute gegen das Böse entscheiden, beim hl. Thomas, in bezug auf Katechumenen beim hl. Ambrosius). Also: Gott *kann* das (das sowieso) und *tut* es auch. (Dante, der natürlich Fiktion geschrieben hat, schickt in der Commedia übrigens hat von den unschuldigen Ungetauften auch die Erwachsenen in den Limbus, mit ein paar Ausnahmen – aber in der Literatur braucht man ja nicht immer die reale Welt abbilden.) Aber daß er das in bezug auf ungetaufte Kinder im Moment ihres Todes tut, hat Er halt nirgendwo gesagt. (Begierdetaufe haben wir uns immer als eine, wenn auch noch so verhüllte und unbewußte, aber jedenfalls Willensentscheidung eines Menschen vorgestellt – für Willensentscheidungen aber muß man im Sinne des theologischen Sprachgebrauchs erwachsen sein…)

    >>Kinder, die durch Abtreibung oder Fehlgeburt sterben, sind vollkommen unschuldig und verdienen die übernatürliche Glückseligkeit im Himmel.

    Unschuldig (persönlich), ja. Deswegen verdienen sie weder persönliche Strafen noch bekommen sie welche – *das* ist von vornherein klar. Aber die übernatürliche Glückseligkeit im Himmel verdienen sie (auch *das* ist klar; selbst wenn sie sie doch bekommen sollten) eben nicht. Die verdienen strenggenommen nicht einmal die *getauft* verstorbenen Kinder (bei denen niemand bezweifelt, daß sie im Himmel sind) – es sei ein großes Geheimnis, sagt die Theologie, daß diese ohne persönliches Verdienst im Himmel sind. Kein Erwachsener kommt da ohne zumindest irgendeine geringfügige Art von Verdienst hinein; und dieser Verdienst ist ja übrigens auch nur möglich, weil der Heiland uns das durch sein Opfer schon erworben und die Möglichkeit des Verdienstes zum Geschenk gemacht hat. An und für sich schuldet der Herrgott keinem Menschen die übernatürliche Glückseligkeit, nicht einmal wenn er sündelos wäre. Adam und Eva wurden ohne Sünde geschaffen, aber Gott war auch damals nicht verpflichtet, ihnen übernatürliche Gnade zu gewähren. So.

    Und dann ist natürlich natürliche Glückseligkeit (sagen wir etwas salopp und, wohlgemerkt, noch ***weitaus*** *unter*treibend: ein ewiges Oktoberfest ohne Kater und Besinnungsverlust) auch nicht wertlos und auch wirklich etwas Gutes.

    Es ist nachvollziehbar anzunehmen, daß Gott das Gebet von Eltern erhört, die selber im Himmel sind und ihre Kinder gern bei sich haben (aber, wenn sie die Taufe für nicht wichtig hielten und über Gebühr oder gar aus der falschen Ansicht heraus, ihre Kinder einmal frei entscheiden zu lassen, verschleppten, werden sie das zumindest explizit oder implizit bereuen müssen). Gilt das auch für Kinder, deren Eltern verdammt sind und auch niemals als Getaufte dem Gottesvolk angehört haben? Gilt das auch für Embryonen vor der Einnistung, die, falls ja, wahrscheinlich die große Mehrheit der menschlichen Seelen des Himmels ausmachen? *Kann sein*. Wenn es so ist, wollen wir es ihnen durchaus gönnen.

    Eine Offenbarung darüber liegt nicht vor.

    Und wie oben gesagt, Theorien kann man nur mit Theorien ersetzen. Es gibt die Theorie, daß Gott *alle* diese Kinder in den Himmel aufnimmt; es gibt die Theorie; daß Gott das vielleicht bei einigen tut, aber die anderen in den Limbus kommen; die beiden dürften vertretbar sein (man könnte sich daneben auch noch unvertretbare ausdenken): und am Ende des Tages wird man nur sagen können, daß man das nicht entscheiden kann. Wie es der Katechismus tut:

    >>Was die ohne Taufe verstorbenen Kinder betrifft, kann die Kirche sie nur der Barmherzigkeit Gottes anvertrauen, wie sie dies im entsprechenden Begräbnisritus tut. Das große Erbarmen Gottes, der will, daß alle Menschen gerettet werden‘, und die zärtliche Liebe Jesu zu den Kindern, die ihn sagen läßt: „Laßt die Kinder zu mir kommen; hindert sie nicht daran!“ (Mk 10,14), berechtigen uns zu der Hoffnung, daß es für die ohne Taufe gestorbenen Kinder einen Heilsweg gibt. Die Kirche bittet die Eltern eindringlich, die Kinder nicht daran zu hindern, durch das Geschenk der heiligen Taufe zu Christus zu kommen.

    Die Theologenkommission – man lese ihr Dokument selbst und nicht Zusammenfassungen aus den Medien (die von „der Limbus ist überholt“ sprechen). Die entscheidende Passage dürfte die sein:

    >> Neben der Theorie des Limbus (die eine mögliche theologische Meinung bleibt) kann es daher andere Wege geben, die in der Schrift gegründeten Prinzipien des Glaubens miteinander in
    Einklang zu bringen und zu wahren: die Erschaffung des Menschen in Christus und seine Berufung zur Gemeinschaft mit Gott; der universale Heilswille Gottes; die Weitergabe und die Folgen der Ursünde; die Notwendigkeit der Gnade, um in das Reich Gottes einzugehen und die Gottesschau zu erlangen; die Einzigkeit und Universalität der Heilsmittlerschaft Jesu Christi; und die Notwendigkeit der Taufe zum Heil.

    Also: die Frage ist *jedenfalls schwierig*; es *kann* andere Wege geben; die Theorie des Limbus *bleibt* eine mögliche theologische Meinung.

    (Der Vollständigkeit halber: Die Theorie der natürlichen Glückseligkeit der Menschen im Limbus, wenn denn welche drin sind, ist, so sagt das Dokument, *auch* nur das.

    Wer aber bestreiten wollte, daß so eine überhaupt möglich sei – auch das hört man in der Diskussion ja oft [„ohne Gott zu schauen glücklich sein, das geht ja gar nicht“] – bestreitet, denke ich, eine wesentliche Dimension des Menschseins. Gratia supponit naturam.)

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    1. Danke für den schön ausführlichen Kommentar 🙂

      Noch kurz zu der Ansicht „ohne Gott schauen glücklich zu sein geht ja gar nicht“:

      Ich denke, das Besondere am Limbus puerorum ist/wäre halt, dass man etwas von Gott bekommt und eigentlich nicht wirklich in Feindschaft mit ihm lebt (trotz vorhandener Erbsünde) und vielleicht auch irgendeine natürliche Gotteserkenntnis hat, aber halt auch nicht dieses Von-Angesicht-zu-Angesicht-Schauen hat – also eigentlich nicht viel anders als es ein vollkommenes Leben auf der Erde ohne Sünde und Leid sein könnte. Den Verdammten in der richtigen Hölle fehlt ja nicht nur die Gottesschau, sie leben in positiver *Feindschaft* zu Gott.

      Aber man muss, denke ich, auch sagen, dass man das Konzept nicht unterschlagen sollte, dass die Verdammten in der richtigen Hölle eben ihre zusätzlichen dem Einzelfall angepassten weiteren Strafen haben werden und die Hölle nicht „nur“ in der Gottesferne besteht. Vielleicht ergeben sich diese Strafen ja auch gleich direkt aus der spezifischen Sorte von Feindschaft zu Gott, die sie haben, aber jedenfalls ist die Hölle nicht nur das Fehlen der Gottesschau, und es ist kontraproduktiv, wenn Prediger so reden.

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  4. So, jetzt mit ziemlich viel Verspätung zum wichtigeren, zweiten Teil des Kommentars von @IloveBXVI:

    Zunächst einmal ist „Gott liebt uns“, wie wir festhalten wollen, natürlich eine Aussage und als Aussage gemeint. Dennoch würde es ein wenig den Druck herausnehmen, denke ich, wenn man sich ein bißchen von Predigtmoden und Predigttopoi emanzipieren würde; es geht ja gar nicht darum, jeden einzelnen Satz, den ein Prediger sagt, weil er (übrigens nicht notwendig zu Recht – ich persönlich habe es lieber, wenn mir Dinge bewiesen werden, but that’s just me) meint, daß es natürlich zum einen wahr ist und zum anderen seine Zuhörerschaft emotional einnimmt. Eine Begründung hört man dafür ja leider selten, obwohl es hilfreich ist, etwas zu glauben, wenn man es begründet bekommt. Natürlich ist die Tradition als Argument ausreichend, aber „ich habe noch keinen rechtgläubigen Prediger in der heutigen Zeit, der etwas anderes behauptete“ ist als Argument ja trotzdem noch nicht wirklich tragfest.

    Wir sind ja Laien, wir haben erstmal nur die Hl. Schrift, den Katechismus und den Ott (etwas vereinfacht gesagt). Der Ott enthält die Aussage „Gott liebt uns“ tatsächlich nicht. – Der Katechismus (wenn wir einmal das Kompendium des Weltkatechismus heranziehen) beschäftigt sich in einer Frage (der Nr. 42 – kein Witz, es ist wirklich die 42) mit „Gott ist die Liebe“ (und *das* steht ja auch in 1 Joh 4,8 klar drin). Daß er „uns liebt“ steht sicherlich in vielen, vielen Sachen impliziert mit drin, deutlich in Frage 64 (Er liebt alle Geschöpfen – uns also wohl auch), Frage 94 („was bedeutet das Herz Jesu?“ – „Jesus hat uns mit einem menschlichen Herzen geliebt“, Frage 158 „er hat die Kirche geliebt“, Frage 337 „er hat die Menschen aus Liebe erschaffen“, Frage 420 (soll die Nummer jetzt ein Witz sein??) „er hat uns geliebt“ im Rahmen einer Erklärung des Doppelgebots, wir sollten einander lieben, wie Christus uns geliebt hat [Anmerkung: dahinter steht natürlich Joh 13,34; 15,12 – der Katechismus bestätigt mithin die Auslegung, daß das auf alle Christen ausgedehnt werden kann, jedenfalls *primär* sind im Johannesevangelium ja die zwölf Apostel angesprochen]. – Die Hl. Schrift enthält natürlich in Joh 13,34 und Joh 15,12 die Aussagen, die den Katechismus dazu veranlassen, das Doppelgebot als „den Nächsten lieben, wie Christus uns geliebt hat“ auszulegen; primär freilich richtet sich die Aussage an die anwesenden Apostel. Die Autorität der Kirche bestätigt im Katechismus, daß die naheliegende Auslegung, daß damit alle Christen gemeint sind, tatsächlich stimmt. Am deutlichsten dann 1 Joh 4,10: „nicht darin besteht die Liebe, daß wir Liebe zu Gott in uns gefaßt haben, sondern darin, daß Gott uns von vornherein liebte und seinen Sohn sandte“. (Ich tue mal so, als könnte ich Griechisch und übersetze etwas ausführlicher, um den Unterschied zwischen dem Perfekt bei „wir“ êgapêkamen und dem Aorist bei „Gott“ êgapêsen irgendwie zum Ausdruck zu bringen.) – Schön, offenkundig liebt Er uns also wirklich 🙂 (Das war jetzt übrigens tatsächlich auch für mich persönlich eine interessante Übung.) Aber überall kommt das so nebenher, im Hintergrund, meistens als Erklärung von etwas anderem („was isn das, Liebe, eigentlich?“, „Nächstenliebe, was heißt das so wirklich?“) vor.

    Wenn ich vom (bloßen) „Predigttopos“ oben gesprochen habe, muß ich das also wohl etwas revidieren (Katechismus nach „lieb“ durchsuchen, interessante Übung), aber *der* Knaller an Botschaft ist etwas derart Subtiles und zunächst, wie durchaus zugegeben werden darf, bisweilen Kontraintuitives dann doch nicht; das ist vielmehr so etwas wie „Christus ist für unsere Sünden gestorben gemäß der Schrift und ist begraben worden. Er ist am dritten Tag auferstanden, gemäß der Schrift, und erschien dem Kephas“, etc.

    Die richtige Einordnung würde dann wohl etwas Druck wegnehmen.

    Also: natürlich ist „Gott liebt uns“ eine *Aussage*, und als solche „wahr“. Zu behaupten, sie sei falsch – Hiob kommt dem manchmal relativ nahe (aber entscheidendermaßen *nur* nahe) – wäre aber wohl immer noch besser, als sich mit einem „blik“ – was soll das überhaupt sein! – aus einer gar nicht existenten Affaire zu ziehen. Wie Crescentia andernorts gesagt hat, wir wollen ja nicht alleweil auf Argumente von Atheisten antworten, was bilden sich die überhaupt ein. Wenn der Herr in Seinem unerforschlichen Ratschluß uns eine Wohltat schenkt, nehmen wir das dankbar an, aber zu beweisen hat Er uns nichts. Beweise gibt es *auch*, aber *an anderer Stelle* und immer schön an ihrem Platz. Ein Beweis für die Wahrheit des christlichen Glaubens ist z. B., daß Christus nachweislich auferstanden ist.

    Der vernünftige Mensch, der durch einen hieb- und stichfesten Beweis oder, besser noch, durch die Transformation eines zwar hieb- und stichfesten, aber doch nur menschlich vernünftigen Beweises in übernatürliche Glaubenssicherheit *weiß*, daß etwas *stimmt*, muß natürlich alle *anderen* Dinge, an denen er genauso wenig zweifeln kann, weil er sie z. B. mit eigenen Augen sieht, irgendwie damit in Einklang bringen – und wenn es durch ein „diesen Zusammenhang kann ich nicht erklären“ ist. Auf englisch nennt man das „saving the phenomena“. Das macht z. B. auch ein Physiker, der (meines Wissens etwa von der Hintergrundstrahlung her) weiß, daß sich das Universum ausdehnt, und dann die Existenz dunkler Materie (was gar nicht so weit von „diesen Zusammenhang kann ich anderweitig nicht erklären“ weg ist) postuliert, damit das Modell noch läuft. Mit dem Unterschied, daß das Modell tatsächlich eine wenig sichere Wahrheit ist als die Dogmen des Glaubens.

    Und es ist ja so, daß die Aussage „Gott liebt uns“ eben präzise eine innere Haltung Gottes gegen uns beschreibt, die mit alledem, auch mit Leukämie im Kindesalter (wo sich übrigens fragen läßt, warum akk’rat die so schlimm ist – „heimzurufen im [sechsten] Lebensjahre, auf daß ihr erspart werde viel Kummer und leid, so anderst den ferneren Lebensweg hätten gekreuzet“) durchaus logisch vereinbar sind.

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    1. Das Wortspiel im vorletzten Absatz, an das ich noch gedacht hatte, das ich aber dann vergessen hatte unterzubringen:

      Und wenn das ganze einmal hieb- und stichfest ist, dann können ihm Hiebe und Stiche (per definitionem) auch nichts anhaben.

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