Die frühen Christen (bis 200 n. Chr.), Teil 5b: Die Kirche – Ortskirchen und Weltkirche

Wer wissen will, was es mit dieser Reihe auf sich hat, möge bitte diese kurze Einführung hier lesen; knapp gesagt: ich habe Zitate aus christlichen Schriften vom Jahr 95 bis ca. 200 n. Chr. gesammelt, um einen Eindruck von der frühen Kirche zu vermitteln. (In der Einführung findet sich eine Liste mit allen herangezogenen Werken mitsamt ihrer Datierung.)

Alle bisher veröffentlichten Teile gibt es hier.

Bibelstellen zum Vergleich (Auswahl): Apg 8-28; 1 Kor 1,1f.; 1 Kor 16; 2 Kor 1; 2 Kor 8-9; 2 Kor 11,7-10; 2 Kor 13; Röm 16; Gal 1; Phil 2,19-30; Phil 4; Kol 4; 1 Thess 1-3; 2 Thess 1,1-3; 2 Tim 4; Tit 1,5; Tit 3,12-15.

Heute nur ein kurzer Beitrag dazu, was man davon hört, wie die einzelnen Ortskirchen miteinander verbunden waren und wie weit die Kirche bereits ausgedehnt war.

Die Rolle Roms klammere ich hier wieder aus, weil dazu ein eigener Beitrag kommt.

Auch die Ortskirchen werden, wie gesagt, Kirche genannt. So schreibt beispielsweise Papst Clemens im Jahr 95 n. Chr.:

„Die Kirche Gottes, die zu Rom in der Fremde lebt, an die Kirche Gottes, die zu Korinth in der Fremde lebt, den Berufenen, nach dem Willen Gottes durch unseren Herrn Jesus Christus Geheiligten, Gnade sei euch und Friede in reicher Fülle von dem allmächtigen Gott durch Jesus Christus.“ (1. Clemensbrief, Anrede)

Polykarp von Smyrna schreibt in einem Brief, der kurz nach den Ignatiusbriefen geschrieben wurde:

„Polykarp und seine Presbyter an die Kirche Gottes, die in Philippi weilt; Erbarmen und Friede sei mit euch von dem allmächtigen Gotte und unserem Erlöser Jesus Christus in reicher Fülle.“ (Brief Polykarps an die Philipper, Anrede)

Auch bei Ignatius heißt es (um ein Beispiel herauszunehmen):

„Ignatius, der auch Theophorus (heißt), der Kirche Gottes des Vaters und des geliebten Jesus Christus, die Erbarmen gefunden in jeglicher Gnadengabe, die vollendet ist in Glaube und Liebe, die keiner Gnadengabe ermangelt, der gotteswürdigen und Mutter von Heiligen, die zu Smyrna in Asien ist, herzliche Grüße in untadeligem Geiste und Werke Gottes.“ (Brief des Ignatius an die Smyrnäer, Anrede)

Man beachte: Hier wird die Kirche auch als „Mutter“ bezeichnet.

Davon, wie die einzelnen Gemeinden durch Briefe und Gesandtschaften verbunden waren, bietet Ignatius‘ Geschichte Anschauungsmaterial. Als er von Antiochia nach Rom gebracht wurde, damit ihm dort wegen seines Christseins der Prozess gemacht wurde (römische Bürger hatten ein Recht darauf, dort vor Gericht gestellt zu werden), schickten die Gemeinden auf seinem Weg durch Kleinasien und Griechenland Gesandte zu ihm, die ihn trafen und ihn teilweise ein Stück begleiteten, und er schrieb auf späteren Stationen seines Weges Briefe zurück an die Gemeinden, durch die er gekommen war (und außerdem einen voraus nach Rom), und bat sie, auch noch Gesandte zu seiner Gemeinde in Syrien zu schicken. Er schreibt an Bischof Polykarp von Smyrna:

„Da die Kirche von Antiochien in Syrien, wie mir mitgeteilt wurde, auf euer Gebet hin Friede hat, wurde auch ich freudiger gestimmt in sorglosem Vertrauen auf Gott, wenn ich nur durch meine Leiden zu Gott gelange, damit ich bei der Auferstehung als euer Jünger erfunden werde. Es wäre angebracht, gottseliger Polykarp, dass ihr eine gottgefällige Versammlung veranstaltet und einen Mann wählet, den ihr gar sehr liebet, einen unermüdlichen, den man Gottesläufer nennen kann; dass ihr diesen beehret, nach Syrien zu reisen, damit er eure unverdrossene Liebe kund tue zur Ehre Gottes. […]

Da ich nun allen Kirchen nicht mehr schreiben konnte wegen der plötzlichen Abreise von Troas nach Neapel, wie es (Gottes) Wille gebietet, so schreibe du, da du mit Gottes Gesinnung ausgestattet bist, den vorderen Kirchen, dass auch sie das gleiche tun, dass nämlich die einen, denen es möglich ist, Gesandte, die anderen aber durch die von dir abgeordneten Boten Briefe schicken, damit ihr verherrlicht werdet durch ein bleibendes Werk, wie du es ja verdienst. Ich grüße alle bei Namen, besonders die Frau des Epitropus mit ihrem ganzen Hause und ihren Kindern. Ich grüße meinen geliebten Attalus. Ich grüße den, der die Ehre haben wird, nach Syrien zu reisen. Die Gnade soll mit ihm sein in allem und mit Polykarp, der ihn abschickt. Ich sage euch für immer Lebewohl in unserem Gott Jesus Christus, in dem ihr verharren möget, geeint mit Gott und unter seinen Augen. Ich grüße Alke, den mir lieben Namen. Lebet wohl im Herrn!“ (Brief des Ignatius an Polykarp 7-8)

Polykarp schreibt dann später an die Philipper:

„Sowohl ihr habt mir geschrieben als auch Ignatius, dass, wenn jemand nach Syrien reise, er auch euren Brief mitnehmen solle; das werde ich besorgen, wenn ich günstige Zeit habe, sei es persönlich oder durch einen Boten, den ich auch in eurem Namen abordnen werde. Die Briefe des Ignatius, die er an uns geschickt hat, und andere, die wir bei uns haben, schicken wir euch zu, wie ihr verlangt habt; sie sind diesem Briefe beigefügt; ihr werdet großen Nutzen aus ihnen ziehen können. Denn sie handeln von Glaube, Geduld und jeglicher Erbauung, die auf unseren Herrn abzielt. Auch möget ihr, was ihr über Ignatius selbst und seine Begleiter Sicheres erfahren habet, (uns) kund tun.“ (Brief Polykarps an die Philipper 13)

Aus dem kirchlichen Leben des späteren 2. Jh. findet man Zeugnisse bei dem Kirchenhistoriker Eusebius von Cäsarea, der um 300 schreibt. Da schreibt er z. B. über den Umgang mit dem Montanismus (einer Abspaltung von der Kirche, deren Anhänger einen gewissen Montanus für einen Propheten hielten – auch zwei Frauen namens Priscilla und Maximilla traten als montanistische Prophetinnen auf – und sehr streng in ihrer Glaubenspraxis waren, z. B. die Wiederheirat von Witwen & Witwern ablehnten):

„Die Schriften des Apollinarius, die gegen die genannte Sekte gerichtet sind, werden von Serapion erwähnt, der nach der Überlieferung zu jener Zeit nach Maximinus Bischof der Kirche von Antiochien war. Er gedenkt dessen in seinem Briefe an Karikus und Pontius, worin auch er dieselbe Sekte behandelt und dabei also spricht: ‚Damit ihr aber wißt, daß das Treiben dieser lügenhaften Genossenschaft, welche sich als neue Prophetie bezeichnet, von allen Brüdern der Erde verachtet wird, übersende ich euch Briefe des Klaudius Apollinarius, des heiligen Bischofs von Hierapolis in Asien.‘ In diesem Briefe des Serapion finden sich auch Unterschriften verschiedener Bischöfe. Einer derselben unterzeichnet sich also: ‚Ich, Aurelius Quirinius, Märtyrer, bete, daß es euch gut gehe.‘ Eine andere Unterschrift lautet: ‚Älius Publius Julius aus der Kolonie Debeltus in Thrazien, Bischof: so wahr Gott im Himmel lebt, hat der selige Sotas in Anchialos1 den Dämon der Priscilla austreiben wollen, aber die Heuchler haben es nicht zugelassen.‘ Auch noch von mehreren anderen Bischöfen, welche mit diesen Männern übereinstimmten, finden sich eigenhändige Unterschriften in dem erwähnten Briefe.2 Soviel über die Frage des Montanismus.“ (Eusebius, Kirchengeschichte V,19)

An einer anderen Stelle schreibt er:

„Was Dionysius betrifft, ist zunächst zu bemerken, daß er den bischöflichen Thron der Kirche in Korinth erhalten hatte und daß er an seinem gottbegeisterten Eifer nicht allein seine Untergebenen, sondern neidlos auch bereits fremde Diözesanen teilnehmen ließ. Besonders nützlich machte er sich allen durch seine katholischen Briefe an die Kirchen. Von diesen Briefen ist einer an die Lacedämonier gerichtet; in demselben lehrt er den rechten Glauben und mahnt zu Friede und Einigkeit. Ein anderer Brief wendet sich an die Athener. In diesem sucht er Glauben und evangelisches Leben zu wecken und macht er den Athenern den Vorwurf, daß sie dies vernachlässigt haben und fast von der Lehre abgefallen seien, seitdem ihr Bischof Publius — es war zu seiner Zeit — den Martertod erlitten hat. Er gedenkt (daselbst) des Quadratus,1 der nach dem Martyrium des Publius ihr Bischof geworden war, und stellt ihm das Zeugnis aus, daß die Athener dank seinem Eifer sich wieder gesammelt haben und zu neuem Glaubensleben erwacht seien. Ferner teilt er (daselbst) mit, daß Dionysius der Areopagite, der nach dem Berichte der Apostelgeschichte2 von dem Apostel Paulus für den Glauben gewonnen worden war, zum ersten Bischof der Kirche in Athen erwählt wurde. Ein weiterer, noch vorhandener Brief des Dionysius ist an die Bewohner von Nikomedien gerichtet. In demselben bekämpft er die Häresie des Marcion und stellt sich auf den Boden des wahren Glaubens. In einem Briefe, der an die Kirche zu Gortyna und zugleich an die übrigen Kirchen auf Kreta gerichtet ist, belobt er deren Bischof Philippus, daß sein Sprengel sich durch blühendes Tugendleben auszeichne, und warnt vor Verführung durch die Häretiker. In dem Briefe, den er an die Gemeinde in Amastris und zugleich an die Gemeinden des Pontus geschrieben, gedenkt er des Bacchylides und Elpistus, sofern sie Anlaß des Schreibens waren, und gibt darin Erklärungen zu Bibelstellen und erwähnt ihren Bischof namens Palmas. Auch richtet er an sie zahlreiche Mahnungen bezüglich der Ehe und Jungfräulichkeit und fordert sie auf, alle jene, welche sich von irgendeinem Falle, einem Irrtum oder selbst von einer Häresie bekehren, wieder aufzunehmen.“ (Eusebius, Kirchengeschichte IV,23)

(Marcion war ein Sektengründer, der, grob gesagt, das Alte Testament ablehnte und lehrte, dass der Gott des AT und der Gott des NT verschiedene Götter seien, d. h. der Gott des AT eigentlich nur ein untergeordnetes böses Wesen.)

Über die Ausdehnung der Kirche schreibt Ignatius:

„Denn auch Jesus Christus, unser untrennbares Leben, ist der Wille des Vaters, wie auch die Bischöfe, die bis an die Grenzen der Welt aufgestellt sind, im Willen Jesu Christi sind.“ (Brief des Ignatius an die Epheser 3,2)

Darüber, wie weit die Apostel herumgekommen waren, liest man etwas bei Eusebius:

„Markus soll als erster in Ägypten das von ihm niedergeschriebene Evangelium gepredigt und in Alexandrien selbst als erster Kirchen gegründet haben. […]

Im achten Jahre der Regierung Neros übernahm Annianus als erster nach dem Evangelisten Markus die Leitung der Kirche in Alexandrien.“ (Eusebius, Kirchengeschichte II,16 u. 24)

„Die heiligen Apostel und Jünger unseres Erlösers aber hatten sich über die ganze Erde zerstreut. Nach der Überlieferung hatte Thomas Parthien (als Wirkungskreis) erhalten, Andreas Scythien, Johannes Asien, wo er nach längerem Aufenthalt in Ephesus starb. Petrus hatte offenbar im Pontus, in Galatien, Bithynien, Kappadozien und Asien den Diasporajuden gepredigt;1 schließlich kam er auch noch nach Rom und wurde seinem Wunsche entsprechend mit dem Kopfe nach unten gekreuzigt. Was soll ich von Paulus sagen, der ‚von Jerusalem bis Illyrien das Evangelium Christi verkündet hatte‘2 und später in Rom unter Nero gemartert wurde? So berichtet wörtlich Origenes im dritten Buche seiner Erklärungen zur Genesis.3(Eusebius, Kirchengeschichte III,1)

Datei:Roman-Empire-39BC-sm.png
(Hier eine Karte, damit man die Namen der Regionen einigermaßen zuordnen kann; sie zeigt allerdings das Römische Reich noch ein paar Jahrzehnte v. Chr. Das Partherreich lag östlich des Römischen Reiches (hier rot) und dehnte sich weit nach Osten aus. Illyrien war auf dem Balkan, mit Asien ist immer nur Kleinasien (heutige Türkei) bzw. auch nur ein Teil davon gemeint, die Skythen lebten nördlich des Schwarzen Meeres. Bildquelle: Wikimedia Commons, eingestellt von Borsanova.)

Ihre Nachfolger:

„Daß Paulus durch seine Predigt an die Heiden den Grund zu den Kirchen ‚von Jerusalem und dessen Umgebung bis nach Illyrien‘1 gelegt hat, dürfte sich aus seinen eigenen Worten sowie aus dem Berichte des Lukas in der Apostelgeschichte ergeben. In wievielen Provinzen Petrus denen aus der Beschneidung die frohe Botschaft von Christus gebracht und die Lehre des Neuen Bundes überliefert hat, dürfte sich deutlich aus den Worten Petri, nämlich aus dem erwähnten, allgemein anerkannten Briefe desselben ergeben, in welchem er an die Hebräer der Diaspora im Pontus, in Galatien, Kappadozien, Asien und Bithynien schreibt.2 Wieviele und welche Personen zu den rechtmäßigen Nachfolgern von Paulus und Petrus gehörten, so daß sie würdig befunden wurden, die von diesen gegründeten Kirchen zu weiden, ist nicht leicht zu bestimmen, abgesehen von ausdrücklichen Angaben des Paulus. Zahlreich waren ja dessen Mitarbeiter und, wie er sie selber nannte,3 Mitstreiter. Die meisten derselben hat er eines Andenkens gewürdigt, das nicht vergessen werden wird; ein unverfängliches Zeugnis hat er über sie in seinen Briefen niedergelegt. Doch auch Lukas erwähnt in der Apostelgeschichte die Schüler des Paulus und nennt sie mit Namen. Wie berichtet wird, wurde Timotheus zum ersten Bischof der Kirche von Ephesus4 und Titus zum ersten Bischof der Kirchen von Kreta5 ernannt. Lukas, der aus Antiochien stammte und von Beruf Arzt war, lebte meist in der Gesellschaft des Paulus, verkehrte aber auch eifrig mit den übrigen Aposteln. Beweise der Seelenheilkunde, welche er von den Aposteln erlernt hatte, hinterließ er uns in zwei inspirierten Schriften. Die eine ist das Evangelium, welches er nach seiner Versicherung entsprechend den Überlieferungen ausgearbeitet hat, die ihm die ersten Augenzeugen und Diener des Wortes gegeben haben, denen er allen, wie er sagt, von Anfang an gefolgt ist.6 Die andere Schrift ist die Apostelgeschichte, in welcher er nicht mehr Gehörtes, sondern persönlich Erlebtes aufgezeichnet hat. Wenn Paulus den Ausdruck gebraucht ’nach meinem Evangelium‘7 und damit den Schein erweckt, als hätte er selbst ein Evangelium geschrieben, dann soll er auf das Evangelium nach Lukas verweisen wollen. Von den übrigen Schülern des Paulus reiste Krescens, wie der Apostel erklärt,8 nach Gallien, Linus aber, von dem er im zweiten Briefe an Timotheus erzählt,9 daß er sich bei ihm in Rom befinde, erhielt zunächst nach Petrus den bischöflichen Stuhl der Kirche in Rom, wie ich schon oben10 gesagt habe. Klemens, der dritte Bischof der Kirche in Rom, wird von Paulus selbst als sein Mitarbeiter und Mitkämpfer erklärt.11 Ferner war der bekannte Areopagite, namens Dionysius, von welchem Lukas in der Apostelgeschichte12 schrieb, daß er nach der von Paulus auf dem Areopag an die Athener gehaltenen Rede zuerst den Glauben angenommen habe, der erste Bischof der Kirche von Athen, wie einer von den Alten, ein anderer Dionysius, der Hirte der Kirche von Korinth, berichtet. Die weiteren im Laufe der Jahre sich ablösenden Nachfolger der Apostel werden wir im Verlaufe unserer Kirchengeschichte bei Gelegenheit erwähnen. Gehen wir nun auf das Folgende über!“ (Eusebius, Kirchengeschichte III,4)


(Noch eine Karte, die eine späteren Zustand des Reiches zeigt. Bildquelle: Wikimedia Commons, eingestellt von Andrei nacu, deutsche Version von Furfur.)

„Zu gleicher Zeit machten sich noch mehrere andere einen Namen, welche den ersten Rang unter den Nachfolgern der Apostel einnahmen. Diese bauten als gottesfürchtige Schüler so großer Männer auf dem von den Aposteln überall gelegten kirchlichen Grunde weiter, mehr und mehr ihre Predigttätigkeit ausdehnend und weithin auf dem ganzen Erdkreis den heilbringenden Samen vom Reiche Gottes ausstreuend. Sehr viele von den damals lebenden Jüngern zogen nämlich, nachdem sie, vom göttlichen Worte zu heißer Liebe für Philosophie2 begeistert, in Befolgung eines Erlöserwortes3 ihr Vermögen an die Armen verschenkt hatten, in die Ferne und waren als Evangelisten tätig und eifrig bemüht, denen, die noch gar nichts von der Glaubenslehre gehört hatten, zu predigen und ihnen die Schriften der göttlichen Evangelien zu bringen. Nachdem sie auf fremdem Boden nur erst den Grund des Glaubens gelegt hatten, stellten sie andere Männer als Hirten auf, um diesen die Pflege der Neubekehrten anzuvertrauen. Sodann zogen sie wieder in andere Länder zu anderen Völkern, von Gottes Gnade und Kraft unterstützt; denn damals wirkten noch in ihnen zahlreiche Wunderkräfte des göttlichen Geistes, so daß ganze Scharen gemeinsam schon bei der ersten Predigt bereitwillig den Glauben an den Weltschöpfer von Herzen annahmen. Da es uns nicht möglich ist, alle jene Männer namentlich aufzuzählen, welche am Anfange der nachapostolischen Zeit irgendeinmal in den Kirchen des Erdkreises als Hirten oder Evangelisten aufgetreten sind, so erwähnen wir in unserer Geschichte füglich nur die Namen derer, deren apostolische Lehre uns bis auf den heutigen Tag in Denkmälern überliefert ist.“ (Eusebius, Kirchengeschichte III,37)

„Damals taten sich in der Kirche hervor: Hegesippus, den wir oben kennengelernt haben, Dionysius, Bischof von Korinth, Pinytus, Bischof auf Kreta, ferner Philippus, Apolinarius, Melito, Musanus, Modestus und schließlich Irenäus. Diese haben uns die wahre Lehre des gesunden, von den Aposteln gepredigten Glaubens in Schriften überliefert.“ (Eusebius, Kirchengeschichte IV,21)

Über die Ausdehnung der Kirche im späten 2. Jahrhundert berichtet Eusebius:

„Damals leitete ein wegen seiner Gelehrsamkeit sehr berühmter Mann, namens Pantänus, die Schule der Gläubigen in Alexandrien. Alter Sitte gemäß sollte dort eine Anstalt für den Unterricht in den heiligen Wissenschaften bestehen, die bis in unsere Tage sich erhalten und, wie wir wissen, mit guten philosophischen und theologischen Kräften besetzt war. Unter diesen soll sich damals Pantänus ganz besonders hervorgetan haben. Er war aus der Philosophenschule der sog. Stoiker hervorgegangen. Wie man erzählt, zeigte er solchen Feuereifer für die göttliche Lehre, daß er als Verkünder des Evangeliums Christi unter den Völkern des Ostens auftrat und sogar bis Indien zog. Es gab nämlich tatsächlich damals noch Wortverkündiger die Menge, die das Verlangen hatten, ihren göttlichen Eifer, die Apostel nachzuahmen, in Ausbreitung und Vermehrung des göttlichen Wortes zu betätigen. Zu ihnen gehörte Pantänus, der nach Indien gekommen sein soll, wo er, wie berichtet wird, bei einigen dortigen Bewohnern, die von Christus Kenntnis hatten, das schon vor seiner Ankunft dorthin gelangte Matthäusevangelium vorgefunden habe. Bartholomäus, einer der Apostel, soll diesen gepredigt und ihnen die Schrift des Matthäus in hebräischer Sprache hinterlassen haben, die denn damals noch erhalten gewesen sei. Auf Grund zahlreicher Verdienste wurde Pantänus schließlich Vorsteher der Katechetenschule in Alexandrien,1 wo er mündlich und schriftlich2 die Schätze der göttlichen Lehren auslegte.“ (Eusebius, Kirchengeschichte V,10)

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