Schwierige Bibelstellen: Updates

Ich habe an der Reihe über schwierige Bibelstellen innerhalb der letzten Monate (z. T. auch schon vor längerer Zeit) einige Updates vorgenommen (und dazu in den ersten Teilen (etwa bis Teil 15) die Zitate aus der alten Einheitsübersetzung, die ich zuerst verwendet hatte, durch Zitate aus der neuen Einheitsübersetzung ersetzt, und ab und zu ein paar neue Bilder hinzugefügt, wo ich schon mal dabei war); mit dieser Reihe habe ich ja schon vor längerer Zeit angefangen, und mir ist eben aufgefallen, dass manche Dinge doch etwas verkehrt oder verkehrt ausgedrückt oder unvollständig waren.

Gutenberg-Bibel. Bildquelle hier.

Daher hier eine grobe Zusammenfassung der einzelnen Änderungen:

Teil 1: Die Problemstellung

Hier nur ein paar Kürzungen bei persönlichem Vorgeplänkel.

Teil 2: Das katholische Schriftverständnis

Hier muss ich zugeben, dass in der ersten Fassung ein grober Fehler drin war, wenn es bei der Erklärung der Irrtumslosigkeit der Bibel hieß, dass die Bibel in Fragen des Glaubens und der Moral irrtumslos ist. Ein korrigierter Absatz:

„Die Bibel ist als Ganzes irrtumslos; die Lehre, dass sie nur in Fragen des Glaubens und der Moral irrtumslos wäre, und nicht auch in historischen Fragen u. Ä., wurde von mehreren Päpsten deutlich abgelehnt. Aber: die historischen Bücher sind nicht zwangsläufig irrtumslos in Bezug auf jedes kleine Detail, zum Beispiel, aus wie vielen Soldaten die assyrische Armee bestand oder in welchem Monat Esra nach Jerusalem kam. Der Grund dafür ist ganz einfach, dass solche Detailgenauigkeit nicht automatisch der Aussageabsicht dieser Schriftsteller entsprochen haben muss. In der antiken Geschichtsschreibung war Wahrhaftigkeit zwar im Groben erwartet, aber kleine Ausschmückungen bei den Details absolut üblich (insbesondere z. B. bei Reden der Protagonisten).“

Im Endeffekt ist das bei der Schlussfolgerung über die historischen Bücher kein Unterschied, aber die Grundlage sollte trotzdem klar sein.

Wahrscheinlich habe ich aber auch vom Ton des ganzen Artikels her die Irrtumslosigkeit der Bibel zu sehr heruntergespielt; u. a. habe ich diesen Absatz jetzt noch eingefügt.

„Die Bibel ist göttlich inspiriert und vom Heiligen Geist vor Irrtum bewahrt, d. h. alles, was in ihr steht, ist unfehlbar; die Frage ist nur, wie man verschiedene schwer verständliche Stellen miteinander in Einklang bringt. Sog. „missliebige“ oder „schwierige“ Stellen gehören alle dazu und für alle kann man irgendeine Erklärung finden und sollte sie nicht einfach ignorieren. Und manchmal kann es einem tatsächlich passieren, dass sich Schwierigkeiten von selbst auflösen, wenn man von ein paar säkularen Vorurteilen weggekommen ist.“

So ging es mir nämlich: Einige Stellen, die mir vor ein paar Jahren noch Kopfzerbrechen bereitet haben, finde ich jetzt überhaupt nicht mehr schlimm.

Nachträge zu Teil 2

Keine großen Änderungen.

Exkurs: Etwas Grundsätzliches über Gottes Gutheit

Keine Änderungen.

Teil 3: Über Historizität, Genres und „wörtlich gemeint“

Kleinere Änderungen v. a. gegen Ende, wenn es um die Geschichtlichkeit der frühen Geschichtsbücher (5 Bücher Mose usw.) geht, aber keine Änderungen an den grundsätzlichen Aussagen.

(Anbei: Ich möchte noch mal einen eigenen Artikel über die Autorschaft und Geschichtlichkeit dieser Bücher schreiben, weil mir in den letzten Jahren die Argumente gegen die „traditionelle“ Sicht immer schwächer und die dafür immer stärker erschienen sind, und ich ein bisschen mehr zu diesem Thema gelesen habe.)

Teil 4: Schöpfung, Urknall, Evolution, Sündenfall usw. – zur Bedeutung von Genesis 1-11

Ein paar Kürzungen bei diesem überlangen Artikel (er ist leider immer noch überlang).

Außerdem habe ich auch zur Sintflut und zum Turmbau zu Babel näher ausgearbeitet, wovon ich inzwischen überzeugt bin: Dass sie – wie es beim Sündenfall sowieso so sein muss – nur Sinn machen, wenn man sie als (teilweise bildliche/zusammenfassende) Darstellungen realer historischer Ereignisse versteht, und nicht nur als allgemeine Aussagen über den Zustand der sündigen Menschheit. Auch bei Adam und Eva habe ich klarer ausgedrückt, dass es eigentlich nicht geht, sie sich nicht als zwei Personen, sondern als Gruppe von Urmenschen vorzustellen.

Exkurs zu Teil 4: Was sagt der Katechismus zu Sündenfall und Erbsünde?

Keine Änderungen. (Offensichtlicherweise.)

Teil 5: Was in der Bibel steht – was die Bibel lehrt

Ein paar kleinere Kürzungen und Änderungen bei der Bewertung einzelner Stellen, keine Änderung an der zentralen Aussage.

Teil 6: Das Fortschreiten der Offenbarung – Wie wir das Alte Testament lesen sollen

Ich muss sagen, dass ich in der ersten Fassung dieses Artikels die eine Seite (die sonst selten betont wird), nämlich dass die Offenbarungsgeschichte heute ziemlich fortgeschritten ist, wir in mancher Hinsicht mehr von Gott wissen können als die alttestamentlichen Israeliten, und Gott uns nicht ferner ist als damals, überbetont, oder nein, eher die andere Seite vernachlässigt oder ein paar Unterscheidungen nicht gemacht. Denn: Natürlich wissen wir in einiger Hinsicht mehr als z. B. die Israeliten, die beim Exodus dabei waren. Wir wissen von der Dreifaltigkeit, das wussten sie noch nicht; wir haben den Neuen Bund, sie hatten erst den Alten, vorläufigen. Andererseits hatten aber natürlich trotzdem die Propheten, und erst recht Moses selbst, einen direkten Kontakt zu Gott, den keiner von uns hat. Das Volk, das von ihnen und Gott erst noch vorbereitet wurde, ist wieder etwas anderes. Aber Mose hat selbst Gott geschaut, in seinem irdischen Leben, was bei uns erst nach dem Tod der Fall sein kann.

Im Verlauf des Alten Testaments kamen neue Offenbarungen hinzu, und dann auch wieder mit dem Neuen Testament; Gott zeigte noch nicht alles gleich und bereitete das Volk erst vor. Aber es waren eben direkte Offenbarungen von Gott, ein direkter Kontakt mit Ihm.

Außerdem habe ich ein paar Absätze über Beispiele für das Fortschreiten der Offenbarung umgeschrieben (Kurzfassung: 1. Es stimmt, dass im AT erst mal nur der Monotheismus gelehrt wird und erst im NT der Monotheismus mit Dreifaltigkeitslehre kommt, aber die Ansicht vieler moderner Theologen, dass Israel zuerst von der Monolatrie zum Monotheismus, d. h. von der Verehrung nur eines Gottes zum Glauben, dass es überhaupt nur diesen einen Gott gibt, gekommen wäre, macht letztlich keinen Sinn; 2. die Idee vom Scheol, einer Art Unterwelt, in der die Toten sind, war nichts Falsches, das aufgegeben werden musste, der Scheol ist einfach der Limbus Patrum, der Zustand der Gottferne ohne zusätzliche Strafen, in dem die Seelen der Gerechten sich bis zur Erlösungstat Christi befanden; dass es einen Ausweg aus diesem Zustand gibt, dass die Toten zu Gott gelangen können, war dann eine neue Offenbarung.):

„Während das Alte Testament geschrieben wurde, und vom Alten zum Neuen Testament, kamen wirkliche neue Offenbarungen hinzu, und das konnte auch ein bisschen dauern. Das heißt nicht, dass die vorigen Offenbarungen falsch waren – aber sie waren oft noch unvollständig.

Gott hat sich den Menschen nach und nach offenbart. Das offensichtlichste Beispiel sind Monotheismus und Dreifaltigkeitslehre. Zu den ersten Dingen, die den Patriarchen und dem Volk Israel unter Mose und dann den Propheten immer wieder eingehämmert wurden, gehörte: Gott ist einer. (Unter heutigen Theologen findet sich sehr oft die Meinung, dass den Israeliten zuerst die Monolatrie offenbart wurde, d. h. dass sie nur einen Gott, den, der mit ihnen einen Bund geschlossen hatte, verehren sollten, während sie weiterhin glaubten, dass die Götter der anderen Völker an sich existierten; und dann erst der Monotheismus. Allerdings ist diese Meinung letztlich nicht überzeugend. Alle Texte im AT, die ausführlicher von ihnen reden, behandeln die anderen Götter als Pseudogötter, als Nichtse, als Götter, die nur in der Fantasie ihrer Verehrer bestehen (oder bestenfalls Dämonen sind, die sich den Menschen gegenüber als Götter ausgegeben haben – so jedenfalls wurde der Psalmvers „Alle Götter der Heiden sind Dämonen“ von den Kirchenvätern gedeutet).) Und auch solche kurzen Verse wie „Denn ein großer Gott ist der HERR, ein großer König über allen Göttern“ (Ps 95,3) lassen nicht auf Monolatrie statt Monotheismus schließen. Natürlich ist Gott über allen Göttern; die sind ja nur leblose Götzenbilder, hinter denen kein richtiger Gott steht, oder bestenfalls „vergöttlichte“ menschliche Könige, oder böse Dämonen ohne viel Macht.)

Wie auch immer: Im AT wurde der Monotheismus immer wieder betont: Es gibt nur einen einzigen allmächtigen guten Gott, der die Welt aus dem Nichts erschaffen hat, keine Vielzahl von mehr oder weniger mächtigen, mehr oder weniger guten Göttern, die sich in der Welt herumtreiben und sich gegenseitig Konkurrenz machen. Davon, dass Gott in einem drei ist, dass Er in Seinem einen Wesen eine Gemeinschaft von drei Personen vereint, gibt es nur ein paar dunkle Andeutungen. Im AT wird nirgends gesagt, Gott sei nicht dreifaltig; aber die Dreifaltigkeit wird auch nicht gelehrt, und wenn man die Israeliten damals gefragt hätte, hätten sie aller Wahrscheinlichkeit nach damit nichts anfangen können.

Als Jesus dann auf die Erde kam, fiel Er auch nicht gleich mit der Tür ins Haus, sondern ließ Seine Jünger langsam erkennen, was Er war; dass Er nicht nur ein Mensch war. Es muss wirklich verwirrend gewesen sein, mit jemandem umherzuziehen, der so vollkommen gut, weise und anders war als alle Menschen; der unbeschränkte Macht über Krankheiten, Dämonen, Tod und Naturgewalten zeigte; der Vollmachten wie die des Sündenvergebens für sich in Anspruch nahm. Die Botschaft, dass Er eins mit dem Vater ist, konnte er den Jüngern erst langsam vermitteln; und der erste, der Ihn wirklich „Mein Herr und mein Gott!“ nannte, war nicht Er selbst, sondern der Apostel Thomas nach Seiner Auferstehung.

Außerdem hatte Jesus quasi nebenbei geschickt noch den Heiligen Geist in Seiner Lehre eingeführt, und die ersten Christen beteten dann Gottvater, Jesus und den Heiligen Geist weiterhin an und behielten gleichzeitig den Monotheismus bei und begannen nach und nach zu definieren, wie die drei sich zueinander verhielten, und was es bedeutete, dass Gott vollkommen einer war und doch einen Sohn hatte. Das funktionierte aus einem Grund: Weil das auserwählte Volk über tausend Jahre lang auf Monotheismus gedrillt worden war. Wenn Gott, sagen wir, 1500 v. Chr. gleich mit der Tür ins Haus gefallen wäre und sich als dreifaltig offenbart hätte, wären die Israeliten wahrscheinlich zu Tritheisten geworden und hätten eine kleine Götterfamilie aus Vater, Sohn und Heiligem Geist angebetet statt den einen, dreifaltigen Gott.

Sicher hätten die Autoren des AT, wenn man sie gefragt hätte, verneint, dass Gott aus drei Personen bestehe; aber das hat man sie nicht gefragt und das haben sie nicht in ihre Texte geschrieben.

Es gibt in der Bibel auch andere Erkenntnisse, die erst nach und nach kamen. Zum Beispiel:

  • Dass man die Liebe, die man zu anderen Menschen haben soll, speziell auch den Feinden schuldet.
  • Dass Leid nicht notwendigerweise immer eine Strafe Gottes ist, sondern dass auch Unschuldige leiden können.
  • Dass es eine Auferstehung der Toten geben wird, dass sie nicht für ewig in einer dunklen Unterwelt sein werden. (Gerade in frühen AT-Texten ist oft vom „Scheol“, der Unterwelt, dem Ort, an dem die Väter sind, die Rede. Das ist keine falsche Idee, die aufgegeben werden musste; in der Bibel steht nichts Falsches, und die Christen, die das heutzutage behaupten, haben leider nur keine Ahnung von der katholischen Lehre vom limbus patrum: Alle Toten, auch die Gerechten, konnten vor dem Tod Christi am Kreuz nicht zu Gott gelangen und mussten in einem Zustand zwar ohne Leiden und möglicherweise mit natürlicher Glückseligkeit, aber ohne die übernatürliche Glückseligkeit, die die Anschauung Gottes gewährt, ausharren, bis Christus, „hinabgestiegen in das Reich des Todes“, sie befreite und in den Himmel (Anschauung Gottes) führte. In späteren Texten des AT (z. B. den Makkabäerbüchern) erscheint die Hoffnung auf eine zukünftige Auferstehung der Toten (auch auf die leibliche Auferstehung, die noch immer aussteht; am Ende der Zeiten wird Gott auch die Körper wieder auferwecken und mit den Seelen vereinen, damit alle wieder als ganze Menschen aus Körper und Seele in der neuen Welt, die Er schaffen wird, leben können). Aber ganz deutlich wird diese Hoffnung erst im NT. Noch zur Zeit Jesu glaubten die Sadduzäer nicht an eine zukünftigeAuferstehung der Toten: „Am selben Tag kamen zu Jesus einige von den Sadduzäern, die behaupten, es gebe keine Auferstehung. Sie fragten ihn: Meister, Mose hat gesagt: Wenn ein Mann stirbt, ohne Kinder zu haben, dann soll sein Bruder dessen Frau heiraten und seinem Bruder Nachkommen verschaffen. Bei uns lebten einmal sieben Brüder. Der erste heiratete und starb, und weil er keine Nachkommen hatte, hinterließ er seine Frau seinem Bruder, ebenso der zweite und der dritte und so weiter bis zum siebten. Als letzte von allen starb die Frau. Wessen Frau wird sie nun bei der Auferstehung sein? Alle sieben haben sie doch zur Frau gehabt. Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Ihr irrt euch; ihr kennt weder die Schrift noch die Macht Gottes. Denn nach der Auferstehung heiratet man nicht, noch wird man geheiratet, sondern die Menschen sind wie Engel im Himmel. Habt ihr im Übrigen nicht gelesen, was Gott euch über die Auferstehung der Toten mit den Worten gesagt hat: Ich bin der Gott Abrahams, der Gott Isaaks und der Gott Jakobs? Er ist nicht der Gott von Toten, sondern von Lebenden. Als das Volk das hörte, geriet es außer sich vor Staunen über seine Lehre.“ (Matthäus 22,23-33))

Auch bei den anderen beiden Beispielen handelt es sich um Erkenntnisse, die nicht erst im NT als etwas völlig Neues auftauchen. Im Buch der Sprichwörter heißt es „Hat dein Feind Hunger, gib ihm zu essen, hat er Durst, gib ihm zu trinken“ (Sprichwörter 25,21), und das ganze Buch Ijob handelt von einem „leidenden Gerechten“. Dennoch waren diese Themen zur Zeit Jesu noch irgendwie umstritten. Jesus sagt jetzt zum Thema Feindesliebe: „ Ihr habt gehört, dass gesagt worden ist: Du sollst deinen Nächsten lieben und deinen Feind hassen. Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde und betet für die, die euch verfolgen, damit ihr Kinder eures Vaters im Himmel werdet; denn er lässt seine Sonne aufgehen über Bösen und Guten und er lässt regnen über Gerechte und Ungerechte. Wenn ihr nämlich nur die liebt, die euch lieben, welchen Lohn könnt ihr dafür erwarten? Tun das nicht auch die Zöllner? Und wenn ihr nur eure Brüder grüßt, was tut ihr damit Besonderes? Tun das nicht auch die Heiden?“ (Matthäus 5,43-47)* Und zum Thema Leid heißt es im Johannesevangelium: „Unterwegs sah Jesus einen Mann, der seit seiner Geburt blind war. Da fragten ihn seine Jünger: Rabbi, wer hat gesündigt? Er selbst oder seine Eltern, sodass er blind geboren wurde? Jesus antwortete: Weder er noch seine Eltern haben gesündigt, sondern die Werke Gottes sollen an ihm offenbar werden.“ (Johannes 9,1-3; Jesus heilt dann den Blinden)

Ich hatte in dem Artikel auch eine Katechese von der Karl-Leisner-Jugend verlinkt, in der das AT als eine mit Rauschen überlagerte Botschaft dargestellt wird, weil der Kontakt noch nicht richtig eingestellt gewesen sei; ihm würde die richtige Botschaft Gottes zugrundeliegen. Dem würde ich jetzt nicht mehr so ganz zustimmen. Dazu habe ich noch geschrieben:

„Das trifft den Sachverhalt doch nicht ganz und ist außerdem unnötig verkompliziert, denn: Die Bibel ist mit allen ihren Teilen Gottes Wort. Das ist Lehre der Kirche. Man kann nicht sinnvollerweise entscheiden, dass von Passage X Satz 1 und 3 so gemeint, aber Satz 2 ein Störsignal ist. Statt zu proklamieren, dass die ersten AT-Autoren Gott irgendwie nicht ganz teilweise missverstanden hätten, macht es mehr Sinn, ganz einfach zu sagen:

Gott hat sich ihnen so gezeigt, wie sie Ihn fassen konnten, hat ihnen zuerst mal das von sich gezeigt, was sie fassen konnten, und mit anderen Offenbarungen noch gewartet. Jede Aussage der Bibel muss angenommen werden; auch wenn sie manchmal noch Ergänzung braucht.

Oft wird, wenn man schwierige Stellen mit anderen Stellen im AT oder im NT vergleicht, klar, wie man sie verstehen soll und wie nicht. Weitere Beispiele und verschiedene Möglichkeiten zu ihrer Auslegung in den folgenden Teilen.

Regel Nummer 13: In frühen Stadien der Offenbarung sind Gottes Botschaften manchmal noch unvollständig.“

Teil 7: Ein Beispiel – die rachsüchtigen und selbstgerechten Psalmen

In der ersten Fassung dieses Artikels hatte ich nur C. S. Lewis‘ Essay über die Fluchpsalmen stehen. Ich habe ihn stehen lassen, weil er mance Dinge gut auf den Punkt bringt, aber eine Einleitung hinzugefügt, bzgl. der Dinge, die ich jetzt nicht mehr so sagen würde:

„Zunächst: Lewis behandelt das Alte Testament teilweise wie etwas, das nicht so ganz Heilige Schrift ist, jedenfalls nicht wie das Neue; und dabei redet er teilweise von den alttestamentlichen Israeliten wie von Wilden, die man nicht ganz für voll nehmen kann (trotz der im Allgemeinen antikolonialistischen und antirassistischen Einstellung, die er hatte). Er redet von den Psalmen an manchen Stellen wie von etwas, das einem etwas über diese Beter beibringen soll, das man sich aber nicht selbst als eigenes Gebet zu eigen machen kann. Dabei müssen wir im Stundengebet genau das; und das können wir auch.

Hier sind, denke ich, drei Dinge wichtig:

1) Die Psalmen sind Gebete: weniger Aussprüche Gottes, sondern eher an Gott gerichtete Aussprüche, freilich aufgeschrieben von von Gott inspirierten Verfassern, denen Gott die Einsicht gab, welche Gebete er annimmt, welche Gebete ihm gefallen. Und beim Beten lässt Gott uns, wie uns die Psalmen offenbaren, sogar schlechte Gefühle, die wir nicht ganz willentlich bejahen dürfen, vor ihn bringen; Gefühle der fast völligen Verzweiflung und einen Wunsch nach übermäßiger Vergeltung beispielsweise.

2) Lewis ist hier trotz allem ein wenig beeinflusst von der gleichzeitig pessimistischen und übermäßig idealistischen protestantischen Ansicht, dass alle Menschen eigentlich von Grund auf nicht nur schlecht, sondern alle gleich schlecht seien, und man sich nie wirklich mal ganz und gar im Recht fühlen dürfe, und deshalb auch nie nach Vergeltung gegen andere verlangen dürfe, auch nicht nach maßvoller, gerechter, wenn einem Schlimmes angetan worden ist; Vergeltung wäre immer böse. Dabei darf man das. Der Wunsch, dass die, die einen gequält, tyrannisiert, gefoltert, verhöhnt, im Stich gelassen, verraten, vergewaltigt (oder was auch immer) haben, ihre gerechte Strafe bekommen ist ein gerechter, den auch Gott bejaht. Es gibt wirklich Menschen, die aus freiem Willen anderen Böses antun, weil es ihnen Spaß macht, weil andere sie nicht kümmern, und die das nicht bereuen, und die am Ende ihre Strafe verdienen.

3) Wir sollen uns, wie gesagt, die Psalmen im Gebet zu eigen machen, und das gilt auch für die Stellen, an denen die Feinde verflucht werden, selbst wenn wir selber gerade gar keine menschlichen Feinde haben, und sogar für die, an denen die Feinde nach dem wörtlichen Sinn unmäßig verflucht werden. Denn: Gott hat noch einen tieferen Sinn in die Psalmen gelegt als den, der den Psalmisten vielleicht bewusst war (wobei man nicht ausschließen kann, dass den Psalmisten dieser tiefere Sinn auch bewusst war). Was wir hier vor allem hassen und verfluchen sollen, wenn wir uns diese Gebete zu eigen machen, sind die Sünde und die Dämonen, die uns zur Sünde bringen und in die Hölle herabziehen und quälen wollen. Die Sünde ist der eigentliche Feind, viel mehr als irgendein menschlicher Sünder. Ich habe beispielsweise einmal gehört, dass ein Kirchenvater Psalm 137,9, den Vers, in dem es darum geht, dass Babylons Kinder am Felsen zerschmettert werden sollen (die neue Version der Einheitsübersetzung hat: „Selig, wer ergreift und zerschlägt am Felsen deine Nachkommen!“) so interpretiert hat, dass die Kinder Babylons die sündigen Gedanken sind, die am Fels des Glaubens zerschlagen werden müssen, bevor sie groß werden und zu Taten werden können. (In diesem Psalm geht es generell um die Babylonische Gefangenschaft, und auch wir befinden uns ja alle seit dem Sündenfall in einer Art Babylonischen Gefangenschaft, gefangen im Reich der Sünde und des Todes, fern vom Gelobten Land, und erbitten von Gott die Zerstörung dieses „Babylonischen“ Reiches mit allem, was zu ihm gehört.)

Teil 8: „Ich aber will das Herz des Pharao verhärten“

Grundsätzlich geht es in diesem Teil ja um die Unterscheidung des direkt verursachenden und des nur zulassenden Willens Gottes; darum, dass im AT trotzdem solche Formulierungen gewählt werden, die es klingen lassen, als wäre Gott direkt für Böses verantwortlich, um deutlich zu machen, dass letztlich nichts ohne Gottes Willen geschehen kann, dass kein anderer Gott oder Mensch Seine Pläne durchkreuzen kann; und darum, dass zuerst gesagt wird, dass der Pharao selbst sein Herz verhärtet, und dann erst, dass Gott es verhärtet (d. h. die weitere Verhärtung zulässt.). Außer ein paar kleineren Änderungen habe ich folgende Abschnitte hinzugefügt:

„Der Kirchenvater Origenes interpretiert diese Stellen übrigens so, dass nicht Gott beabsichtigtermaßen Herzen ‚verhärtet‘, sondern dass diese Verhärtung davon kommt, wie unterschiedlich gute und schlechte Menschen auf Gottes (Wunder)Taten reagieren; die einen werden dadurch offener für Gott, die anderen verhärten sich nur umso mehr, je mehr Gott sich ihnen eigentlich offenkundig zeigt:

‚Vielleicht können wir durch ein Beispiel, das der Apostel im Briefe an die Hebräer gebraucht, klar machen, wie Gott mittelst einerlei Wirkung des Einen sich erbarmt, den Andern verstockt: nicht weil er die Verstockung vorherbestimmt hat, sondern im Sinne einer gütigen Vorherbestimmung, vermöge welcher, bei einigen die Verstockung erfolgt, weil Bosheit die Grundlage des Bösen in ihnen ist, heißt es von ihm, er verstocke den, der verstockt wird. ‚Das Land, sagt er (Hebr. 6, 7. 8.), das den auf dasselbe fallenden Regen trinkt, und denen, die es bauen, nützliche Pflanzen erzeugt, empfängt Regen von Gott; das aber Dornen und Disteln trägt, ist werthlos, und dem Fluch nahe, seine Frucht kommt ins Feuer.‘ Nun ist aber die Wirksamkeit im Regen nur Eine; bei einer und derselben Wirksamkeit des Regens also trägt das angebaute Land Früchte, das ungebaute und wüste aber Dornen. Nun mag es eine harte Rede scheinen, wenn der, welcher regnen läßt, spricht: ‚Ich habe die Früchte und die Dornen auf der Erde geschaffen.‘ Hart ist sie, aber wahr. Denn wäre kein Regen gekommen, so wären weder Früchte, noch Disteln gewachsen; weil aber dieser zur Zeit und in gehörigem Maaße kam, so wuchs beides. Nun wird das Land, das, nachdem es oft den fallenden Regen getrunken, Dornen und Disteln trägt, werthlos und dem Fluch nahe; es, kam ja doch die Wohlthat des Regens auch auf das schlechtere Land; aber die Grundlage war vernachlässigt und ungebaut, deßwegen trug es Dornen und Disteln. So sind nun auch die von Gott gewirkten Wunder, wie der Regen, die verschiedenen Willensrichtungen dagegen, sind das angebaute oder vernachläßigte Land, das als Land an sich von gleicher Beschaffenheit ist.

Es ist gerade, wie wenn die Sonne, Falls sie reden könnte, spräche: schmelze und verhärte. Da doch Schmelzen und Verhärten einander entgegengesetzt ist. Allein in Beziehung auf den Gegenstand würde sie recht haben; indem von derselben Wärme das Wachs schmilzt, der Leimen verhärtet. So hat Eine Wirksamkeit Gottes durch Moses Verhärtung bewirkt bei Pharao, wegen seiner Bosheit; Gehorsam bei den übrigen Aegyptern, die mit den Hebräern zugleich auszogen.‚ (Origenes, Über die Grundlehren der Glaubenswissenschaft III,1,10f.)

Außerdem überlässt Gott manchmal Menschen auch für längere Zeit der Sünde, damit sie sich dann wirksam und langfristig bekehren, wenn sie merken, wie schlecht ihr Zustand wirklich ist:

‚So wird also der, den Gott dahin gehen läßt, dem göttlichen Gericht überlassen: und gegen einige Sünder übt Gott Langmuth, nicht ohne Absicht, vielmehr soll das der Unsterblichkeit und ewigen Fortdauer ihrer Seele heilsam seyn, daß sie nicht schnell für ihre Rettung gewonnen, sondern langsam und durch die Erfahrung vieles Ungemachs dahin geführt werden. Wie manchmal die Aerzte zwar auch schneller heilen könnten, aber wenn sie merken, daß ein verborgenes Gift in dem Körper stecke, gerade daß Gegentheil von der Heilung thun, um diese selbst desto sicherer zu bewirken, in der Ueberzeugung, daß es besser sey, wenn einer längere Zeit mit Schwellen und Schmerzen behaftet ist, um eine desto dauerhaftere Gesundheit zu erhalten, als wenn er zwar schneller zu genesen scheint, nachher aber wieder rückfällig wird, und die schnellere Genesung, bloß für den Augenblick war. […]

Denn unergründlich, möcht’ ich sagen, sind die Seelen, und unergründlich ihre Neigungen, unzählig ihre Bewegungen. Vorsätze, Absichten und Triebe. Und der einzige und beste Führer derselben, der die Zeiten und die angemessensten Mittel der Wege und Stege kennt, ist der Allvater Gott. Er wußte auch, warum er den Pharao durch so vieles und selbst durch die Ersäufung durchführen mußte, mit welcher jedoch Pharao’s Führungen nicht endeten.‘ (Origenes, Über die Grundlehren der Glaubenswissenschaft III,1,13f.)“

Teil 9: Gericht, Verdammnis, und: Was war so schlimm an „Götzendienst“?

Ich bin mir nicht mehr ganz sicher, wie dieser Teil in seiner ersten Fassung aussah. In diesem Artikel geht es grundsätzlich darum, dass göttliche Strafen einfach „den Fluch der bösen Tat“, die natürlichen Folgen einer falschen Handlung bedeuten können; dass aber auch anderweitig verhängte Strafen in der Bibel gerecht sind, weil die entsprechenden Taten wirklich böse waren (dazu kommen Beispiele dazu, dass etwa der Götzendienst z. B. Kinderopfer, Totenbeschwörung, Tempelprostitution etc. einschließen konnte; dass Gott auch öfter solche Dinge wie die Ausbeutung der Armen bestraft; und dass eben auch Dinge wie Ehebruch wirklich schlecht sind); und dass, wenn es um Strafen geht, die neben den Schuldigen auch Unschuldige trafen (z. B. die Zerstörung von Sodom und Gomorrha oder die Sintflut, wobei auch kleine Kinder umkamen), Gott eben einfach wusste, wieso Er dieses Leid in Bezug auf diese Unschuldigen aus anderen Gründen zuließ, Er ordnet ja Sein Schicksal so, dass jeden das Richtige trifft, und Leid ist nicht zwangsläufig eine Strafe, sondern hat auch andere Zwecke; zudem können z. B. diese Kinder jetzt eben im Himmel sein.

Hinzugefügt habe ich außerdem diese Absätze:

„Das muss nicht einmal nur für die völlig Unschuldigen gelten. Auch die Schuldigen aus Sodom, oder die Schuldigen unter den bei der Sintflut Getöteten müssen jetzt nicht in der Hölle sein. Dafür haben wir auch einige biblische Hinweise:

  • In Ezechiel 16 spricht Gott an Jerusalem gerichtet: ‚So wahr ich lebe – Spruch GOTTES des Herrn: Deine Schwester Sodom, sie und ihre Töchter haben es nicht so getrieben, wie du und deine Töchter es trieben. Siehe, dies war die Schuld deiner Schwester Sodom: In Hochmut, Überfluss an Brot und in sorgloser Ruhe lebte sie mit ihren Töchtern, ohne die Hand des Elenden und Armen zu stärken. Sie wurden hochmütig und begingen Gräuel vor meinen Augen. So habe ich sie verstoßen, als ich sie sah. Samaria hat nicht die Hälfte deiner Sünden begangen. Du hast mehr Gräueltaten verübt als sie und du lässt deine Schwestern gerecht erscheinen durch all deine Gräueltaten, die du begangen hast. […] Aber ich werde ihr Schicksal wenden, das Schicksal Sodoms und ihrer Töchter, das Schicksal Samarias und ihrer Töchter und das Schicksal deiner Gefangenen in ihrer Mitte, damit du deine Schande tragen kannst und dich schämen musst über all das, was du getan und wodurch du sie getröstet hast. Deine Schwester Sodom und ihre Töchter werden in ihren früheren Zustand zurückkehren, Samaria und ihre Töchter werden in ihren früheren Zustand zurückkehren. Du aber und deine Töchter, auch ihr werdet in euren früheren Zustand zurückkehren. […] Ich aber, ich werde meines Bundes mit dir aus den Tagen deiner Jugend gedenken, und ich werde einen ewigen Bund für dich aufrichten. Du wirst deiner Wege gedenken und dich schämen, wenn du deine Schwestern aufnimmst, deine älteren mitsamt deinen jüngeren. Und ich gebe sie dir zu Töchtern, aber nicht deines Bundes wegen. Ich selbst richte meinen Bund mit dir auf, damit du erkennst, dass ich der HERR bin. So sollst du gedenken, sollst dich schämen und wirst vor Scham den Mund nicht mehr öffnen können, weil ich dir Versöhnung gewähre für alles, was du getan hast – Spruch GOTTES, des Herrn.‘ (Ezechiel 16,48-51.53-55.60-63)
  • Jesus selbst sagt: ‚Und du, Kafarnaum, wirst du etwa bis zum Himmel erhoben werden? Bis zur Unterwelt wirst du hinabsteigen. Wenn in Sodom die Machttaten geschehen wären, die bei dir geschehen sind, dann stünde es noch heute. Das sage ich euch: Dem Gebiet von Sodom wird es am Tag des Gerichts erträglicher ergehen als dir.‚ (Matthäus 11,23f.) Das kann man jetzt so interpretieren, dass die Sodomiter in weniger tiefe Höllenkreise kommen als die hier gemeinten Leute aus Kafarnaum; aber auch so, dass mehr von den Sodomitern es noch ins Fegefeuer und schließlich den Himmel schaffen.
  • Petrus schreibt über die bei der Sintflut Getöteten: ‚Denn auch Christus ist der Sünden wegen ein einziges Mal gestorben, ein Gerechter für Ungerechte, damit er euch zu Gott hinführe, nachdem er dem Fleisch nach zwar getötet, aber dem Geist nach lebendig gemacht wurde. In ihm ist er auch zu den Geistern gegangen, die im Gefängnis waren, und hat ihnen gepredigt. Diese waren einst ungehorsam, als Gott in den Tagen Noachs geduldig wartete, während die Arche gebaut wurde‚ (1 Petrus 3,18-20) Mit den ‚Geistern, die im Gefängnis waren‘ sind wohl die Seelen im limbus patrum (nicht der „richtigen“ Hölle, denn dahin ging Christus nicht) gemeint, die jetzt im Himmel sind.

Der Kirchenvater Origenes schreibt über solche und weitere Stellen (an die gnostischen Sekten gerichtet, die meinten, dass der Gott des Alten Testaments, der Schöpfer der Welt, ein anderer, schlechterer Gott wäre als der Gott des Neuen Testaments):

‚Auch lesen sie nicht, was von den Aussichten derer geschrieben steht, die in der Fluth umkamen, wovon Petrus in seinem ersten Brief spricht (3, 18. 19. 20. 21.) Wegen Sodom und Gomorrha aber sollen sie uns sagen, ob sie glauben, daß die Weissagungen vom Weltschöpfer kamen, von dem also, der Schwefel auf jene Städte regnen ließ. Wie spricht von diesen nun Ezechiel? Sodom, sagt er, soll wiederhergestellt werden, wie es war. Hat sie nun der, der sie zerstörte, nicht um des Guten willen zerstört? Ferner spricht er zu Chaldäa: Du hast Feuerkohlen, setze dich darauf; sie werden deine Hülfe seyn (Jes. 46, 14.). Auch über die in der Wüste Gefallenen mögen sie den 78. Psalm, mit der Ueberschrift Assaph, vernehmen: Wenn er sie erwürgete, suchten sie ihn. Nicht sagt er, wenn Einige erwürgt würden, suchten andere ihn: sondern der Untergang der Erwürgten selbst war von der Art, daß sie noch im Tode Gott suchten.‘ (Über die Grundlehren der Glaubenswissenschaft II,5,3)

Gott straft, um die Bestraften zur Einsicht zu bringen, ihnen klarzumachen, was sie Böses tun, und sie so zu sich zurückzuführen, wenn es möglich ist.“

Dazu kommen ein paar anderweitige kleine Veränderungen, z. B. dass ich bzgl. der Hölle die Erklärung hinzugefügt habe, dass auch die Hölle nicht für alle gleich ist, sondern unterschiedlich schlimm gemessen an ihrer Schuld, dass es sozusagen verschiedene „Höllenkreise“ gibt.

Teil 10: Bestrafung für die Sünden der Eltern? Über die Erbsünde und Ähnliches

Hier sind ein paar kleinere Änderungen drin; ich glaube, der Absatz dazu, dass Gott den Tod nicht ursprünglich gewollt hat, aber mit einer gefallenen Menschheit jetzt auch mit dem Tod arbeitet, war in der vorigen Fassung noch nicht drin. Außerdem habe ich noch ein Zitat vom hl. Thomas eingefügt, das eine Auslegungsmöglichkeit bietet, die ein paar Stellen plötzlich in einem komplett anderen Licht erscheinen lässt:

„Was aber der Herr spricht: ‚Ich werde die Sünden der Eltern heimsuchen an den Kindern bis in das dritte und vierte Geschlecht‘; scheint mehr der Barmherzigkeit anzugehören wie der Strenge; da der Herr demgemäß nicht gleich straft, sondern wartet, damit wenigstens die Nachkommen sich bessern, wogegen, wenn die Bosheit dieser letzteren wächst, es gleichsam notwendig ist, die Rache walten zu lassen.“ (Summa Theologiae II/II,108,4)

Teil 11: Über das auserwählte Volk; und: „Bereut“ Gott?

Soweit ich mich erinnere, sind hier nur kleinere Änderungen drin.

Teil 12: Das Gesetz des Mose

Erstens habe ich hier einen Absatz geändert, der die harten Strafen für Vergehen gegen die Eltern, schwerere sexuelle Vergehen und Götzendienst unzureichend erklärt hatte. Der neue Absatz lautet:

„Und, wie im Alten Testament sehr deutlich wird, wurden Ehebruch, Inzest, Verfluchung der Eltern, Totenbeschwörung oder die Verehrung anderer Götter eben als schwerwiegende, tatsächlich todeswürdige Verbrechen betrachtet. Man kann das utilitaristisch betrachten: Der Abfall von Gott galt als schwerwiegend, weil er einen Treuebruch mit demjenigen bedeutete, der die Existenz des ganzen Volkes garantierte; die Familie oder Sippe war extrem wichtig und daher galt auch Verhalten, das sie schädigte, wie Ehebruch, Inzest oder Verfluchung der Eltern, als schwerwiegend. Aber diese Betrachtung trifft doch die damalige Betrachtungsweise nicht ganz. Der Bund mit Gott ist einfach heilig; Gott ist aus sich heilig und verdient Anbetung und Treue; die Familie ist heilig und verdient Ehrfurcht und Treue. Es ist falsch, deinen Eltern z. B. den Tod zu wünschen oder sie zu schlagen; es ist sogar extrem böse. Es ist falsch, deinen Ehemann mit einem anderen zu hintergehen; sehr, sehr falsch.“

Die größte Änderung kommt am Ende des Artikels. Ich zitiere wieder:

„Es gibt die Lesart, dass diese Gesetze, ganz genau so, wie sie sind, von Gott gegeben wurden und damals aus diversen Gründen (um die Israeliten erst einmal auf den richtigen Weg zu bringen; um deutlich zu machen, wie schlimm diese Vergehen sind; um die gesellschaftliche Ordnung der damaligen Zeit zu erhalten, o. Ä.) nötig waren, es heute aber nicht mehr sind, auch wenn die genannten Vergehen an sich immer noch ebenso schlecht sind wie damals. Wie Vergehen bestraft werden, kann sich ändern; hier kann auch Gott mal dies, mal jenes befehlen, wie er auch im Alten Bund am Sabbat verehrt werden wollte, und im Neuen Bund am Sonntag (dem Tag der Auferstehung).

Diese Lesart ist gut christlich, und inzwischen folge ich ihr.

In der vorigen Fassung dieses Artikels habe ich vor allem eine andere Lesart präsentiert; ich stelle sie noch mal dar, und sage dann, was ich inzwischen gegen sie einwenden würde. Sie lautet:

‚Als Jesus mit einer konkreten Frage zum Gesetz des Mose konfrontiert wird, sagt er: ‚Nur weil ihr so hartherzig seid, hat er euch dieses Gebot gegeben.‘ ‚Er‘ ist hier Mose, nicht Gott – es handelt sich bei den Vorschriften, um die es geht, um das Gesetz des Mose; woraus man schließen könnte, dass es ein Gesetz ist, das dieser sich sicher nicht einfach aus den Fingern gesogen, sondern mindestens in einem echten Hinhören auf Gottes Willen verfasst hat, aber das ihm vielleicht auch nicht wortwörtlich vom Himmel herab diktiert wurde, sondern das eben er selbst verfasst hat. Die Bibel zeigt ja auch, wie das Verständnis um Gottes Wesen im Lauf der Zeit zunimmt; sie zeigt nicht nur das Ergebnis, das gesammelte Wissen, das am Ende steht, sondern auch den Prozess, der zu diesem Wissen geführt hat. Sie erzählt eine Geschichte, und hier erzählt sie, welche Gesetze Mose den Israeliten gegeben hat. […]

Die Menschen, die diese Gesetze erlassen und Exodus, Levitikus, oder Deuteronomium verfasst haben, hatten bereits einige sehr wichtige Erkenntnisse über Gott und das Gute gewonnen: Das moralische Gesetz ist etwas Absolutes. Gerechtigkeit ist wichtig. Ehebruch oder Okkultismus oder Mord sind wirklich schwerwiegende Sünden, die Wiedergutmachung verlangen, konkreten Menschen schaden, und der Gesellschaft im Ganzen ebenso. ‚Du sollst das Böse aus deiner Mitte wegschaffen‘ – das ist an sich keine falsche Aussage. Das Böse muss weggeschafft werden, ganz radikal, ohne Kompromisse. Aber dass das nicht immer am besten durch das Wegschaffen des Menschen, der das Böse tut, geschieht, das hatten die Autoren dieser Texte eben noch nicht erkannt. Die Unterscheidung zwischen Sünder und Sünde, die Erkenntnis, dass das Böse manchmal eher in der Seele des Einzelnen weggeschafft werden muss als in der Gesellschaft, fehlte noch. Die Gnade kommt zu kurz. Nicht, dass sie im Alten Testament gar nicht vorkäme; im Gegenteil, in anderen Texten kommt sie wieder und wieder und wieder zum Ausdruck. Aber hier fehlt sie ein wenig. Und genau deswegen lässt Jesus die Ehebrecherin eben nicht steinigen, sondern sagt zu ihr, ‚Auch ich verurteile dich nicht. Geh und sündige von jetzt an nicht mehr.‘ (Johannes 8,11).

‚Gott ist die Liebe‘, sagt der hl. Johannes (1 Johannes 4,8), und die Liebe, die sich in Jesus Christus offenbart hat, bringt die Gerechtigkeit und die Gnade zusammen.‘

Diese Lesart ist halb richtig. Das Gesetz des Mose war noch unvollständig; aber ich denke nicht mehr, dass der Grund dafür ist, dass Mose Gott nicht ganz verstanden hat oder etwas in der Art. In der Bibel – auch im AT – ist ebenso wie im NT jeder Satz und jedes Wort wahr und von Gott so und nicht anders inspiriert, das ist einfach katholische Lehre. Und in der Bibel heißt es klar, dass Gott Mose diese Worte sagte, ihm diese Rechtsvorschriften vorgab. Aber die einfache Erklärung ist, dass Gott Mose nur das offenbarte, was er und die Israeliten bisher fassen konnten: Er zeigte ihnen einen Teil der Wahrheit, den sie zu diesem Zeitpunkt nötig hatten und hob den Rest für später auf. Er zeigte ihnen Rechtsvorschriften, die ihnen jetzt helfen würden, und hob Wahrheiten, die sie einmal mildern würden, für später auf.

Es gibt ja keinen Widerspruch zwischen Mose und Jesus; Jesus erfüllt und ergänzt Mose.“

Außerdem habe ich besser erklärt, dass die Todesstrafe an sich nicht nur als kollektive Notwehr, sondern auch einfach als Strafe gerechtfertigt sein kann.

Teil 13: Die Landnahme

Mit der Landnahme hatte ich früher größere Probleme; ich muss sagen, dass sie mir jetzt viel weniger Kopfzerbrechen bereitet. Auch hier die wichtigsten korrigierten Absätze:

„Eine modernere Lesart, die die Stellen eher wegerklären will, bringt diese Erklärung: Die (geplante / versuchte) Ausrottung der Kanaaniter habe nicht Gottes Willen entsprochen, und diese Stellen müsse man so interpretieren, dass die Führer der Israeliten, wie Mose, begriffen hatten, dass die Taten der Kanaaniter tatsächliche „Gräuel“ waren, die man am besten ausrotten sollte, und daraus schlossen, dass es Gottes Wille sein musste, die Kanaaniter auszurotten; dabei wird auf die Unterscheidung zwischen Gottes direktem und Seinem indirekten Willen zurückgegriffen, also dem, was Er bewirkt, und dem, was Er bloß zulässt (s. dazu Teil 8).

In einer der oben zitierten Stellen wird auch von anderen Völkern erzählt, und davon, wer dort früher einmal von wem vertrieben wurde: ‚Auch dieses gilt als Land der Rafaïter. Einst saßen die Rafaïter darin. Die Ammoniter nennen sie die Samsummiter, ein Volk, das groß, zahlreich und hochgewachsen war wie die Anakiter. Der HERR vernichtete die Rafaïter, als die Ammoniter eindrangen. Diese übernahmen ihren Besitz und setzten sich an ihre Stelle. Das war das Gleiche, was der Herr für die Nachkommen Esaus getan hat, die in Seïr sitzen. Als sie vordrangen, vernichtete er die Horiter. Die Nachkommen Esaus übernahmen ihren Besitz und setzten sich an ihre Stelle. So blieb es bis heute.‘ (Deuteronomium 2,20-22)

Hier wird also Gott auch die Verantwortung dafür zugeschrieben, welche anderen Völker, die nicht von Ihm erwählt sind, einander besiegten – kurz gesagt, wenn jemand Erfolg im Krieg hat, oder überhaupt, wenn irgendetwas auf der Welt geschieht, schlussfolgert man, dass das dem Willen Gottes entsprechen muss. Der Herr spricht durch das Schicksal, und das muss man irgendwie interpretieren. Wenn wir siegen, hat der Herr uns den Sieg verliehen, also muss er auch wollen, dass wir diese Völker bekämpfen und besiegen. So hätten die Israeliten eventuell ihre Erfolge interpretiert. Umgekehrt, wenn wir verlieren, straft der Herr uns für unsere eigenen Sünden. Dieses Verständnis von Glück und Leid als Lohn oder Strafe durch Gott sieht man auch in späteren Büchern des AT sehr oft, z. B. bei den Propheten. Ein nuancierteres Verständnis des Schicksals und des göttlichen Willens braucht noch ein bisschen; z. B. haben noch Jesu Jünger Schwierigkeiten damit, zu sehen, dass die Blindheit eines Mannes nicht automatisch eine Strafe für seine Sünden oder die seiner Eltern ist (Johannes 9,1-3).

Laut dieser Lesart sah, was damals abgelaufen ist, etwa so aus: Die Israeliten wussten, dass Gott sie auserwählt hatte, und dass Er ihnen das Gelobte Land versprochen hatte. Aus ersterem schlossen sie, dass er logischerweise in ihren Kriegen an ihrer Seite stehen würde, und aus letzterem, dass sie dieses Land mit militärischer Gewalt erobern sollten. Wenn Gott ihnen dabei Erfolg verleihen würde, musste Er mit ihren Unternehmungen einverstanden sein, und Er verlieh ihnen den Sieg wohl, um ihre Feinde zu strafen. Sie wussten, dass einiges in deren Gesellschaften vor dem Herrn ein ‚Gräuel‘ war, und daraus schlossen sie, dass das ausgelöscht werden musste – und zwar, womit sonst, mit Gewalt, mit radikaler Gewalt. Und hier durfte man keine Kompromisse machen, weil man vielleicht doch irgendwie das Gefühl hatte, dass ja an den Göttern der Kanaaniter doch etwas dran sein könnte, oder dass ihre Wahrsagemethoden doch ganz nützlich sein könnten.

(Interessanterweise war übrigens gerade König Saul, der in der oben zitierten Stelle vom Propheten Samuel so energisch zurechtgewiesen wird, weil er das Vieh der Amalekiter geplündert und ihren König als Trophäe mitgenommen hatte, anstatt das mit dem Bann voll und ganz durchzuziehen, auch anderweitig für solche ‚Halbherzigkeiten‘ anfällig: Nachdem er selbst die Totenbeschwörer und Wahrsager aus dem Land vertreiben hatte lassen, ging er in 1 Samuel 28 zu einer Totenbeschwörerin nach En-Dor, um den inzwischen verstorbenen Samuel heraufzubeschwören und so über eine bevorstehende Schlacht Auskunft zu erhalten.) Die Frage war für die Israeliten damals nicht: Lassen wir Zivilisten am Leben? Sondern: Akzeptieren wir diese andere Religion und Kultur? Leben wir mit dieser Kultur in dem Land, in dem wir leben wollen? Einer Kultur, die Götter verehrt, die Kinderopfer verlangen?

Ich folge dieser Interpretation inzwischen nicht mehr; und ich weiß nicht, ob sie mit der Lehre von der Irrtumslosigkeit der Bibel vereinbar ist. Angesichts der ganzen Darstellung der Exodus-, Wüstenwanderungs- und Landnahmegeschichte liegt sie nicht gerade nahe; dort scheint Gott mit Mose recht direkt und deutlich zu kommunizieren, so dass für ihn kein Zweifel mehr möglich ist, dass er es mit Gott zu tun hat, und auch das Volk sieht genug Wunder; und bei allem, was Mose (auf welche Weise auch immer) von Gott erfährt und weiterverkündet, geht es doch um eine Offenbarung Gottes; die Anweisungen zur Landnahme sind recht zentral und werden öfter wiederholt.

Sind diese Anweisungen also wirklich so gemeint, was sagen sie dann über Gott? Nun hier muss man einfach folgendes sagen:

Gott hat den Menschen das Leben gegeben und hat das uneingeschränkte Recht, das Leben eines jeden Menschen zu beenden (siehe dazu auch Teil 9 und 10 dieser Reihe.); irgendwann beendet Er es sowieso, und zwar dann, wenn es für diesen Menschen gut ist. Menschen dürfen das normalerweise nicht; sie dürfen nicht einfach so Gott spielen, sondern haben nur im Fall von Notwehr (und ggf. Todesstrafe und einem gerechten Krieg) das Recht, andere Menschen zu töten. Sie dürfen also normalerweise nur in ernsten Notfällen schuldige Menschen töten, keine unschuldigen Menschen.

Es gibt allerdings keinen prinzipiellen Grund, aus dem Gott Seine Vollmacht, in anderen Fällen Leben zu beenden, theoretisch nicht auch an Menschen delegieren könnte, wenn er wollte.

Das klingt, wenn man es zum ersten Mal hört, grausam und erschreckend, auch wenn man die Logik des Gedankengangs nicht bestreitet. Aber man muss sich fragen, ob es an sich so erschreckend ist, oder deswegen, weil man seine Maßstäbe unterbewusst aus einer Kultur hat, für die es nichts Schrecklicheres gibt als den Tod und die nicht wirklich an etwas nach dem Tod glaubt.

Man muss es sich immer vor Augen halten: Die Kanaaniter können schließlich jetzt – seit über dreitausend Jahren – im Himmel sein, Gott schauen, der die Quelle allen Glücks ist. Wenn man z. B. an kleine Kinder denkt, die bei der Eroberung Kanaans getötet wurden, ist es eine Tatsache, dass sie jetzt in vollkommenem Glück leben. Alles, was man im Leben an Leid erlebt, ist begrenzt, auch die schlimmste Angst, die schlimmsten Schmerzen, der schlimmste Todeskampf, sind irgendwann vorbei; die Ewigkeit ist ewig, und Gott kann alles wiedergutmachen, was man an Leid erlebt hat. Mir selber wäre es lieber, in einem Krieg getötet zu werden, wenn ich dann in vollkommenem Glück wäre.

Man könnte nun einwenden: Aber befiehlt Gott denn tatsächlich manchmal einem Menschen, einen anderen unschuldigen Menschen zu töten? (Unter den Kanaanitern waren freilich genug schuldige Menschen; aber die ein oder anderen Unschuldigen muss es auch gegeben haben.) Gibt Er Sein ‚Vorrecht‘, unschuldiges menschliches Leben zu beenden, so leicht aus der Hand? Die Landnahme ist ein vereinzelter Fall in der biblischen Geschichte; sonst sieht man Gott das nicht tun.

[…]

Man kann sicherlich sagen, dass so etwas im Lauf der Heilsgeschichte ein Ausnahmefall war; aber man kann es nicht von vornherein ausschließen.

Dazu kommen die Wundererzählungen. Laut der Bibel hat Gott auch ein paar Wunder gewirkt, um Israel seine Siege zu ermöglichen. Hätte er das getan, wenn diese Siege nicht wirklich Sein direkter – im Unterschied zu seinem indirekten, bloß zulassenden – Wille gewesen wären?

[…]

Gott arbeitete im Kontext der damaligen Zeit mit seinem Volk – und wir sollten von der heute so weit verbreiteten Ansicht wegkommen, dass der Tod das Schlimmste ist, was einem passieren kann.

Man kann noch tiefer bohren und sich fragen, inwiefern eine solche Anweisung Gottes, die Kanaaniter vollständig auszurotten, gerade im damaligen Kontext Sinn gemacht haben könnte. Dazu kann man sich gerade die Folgen ansehen, die daraus resultierten, dass die Israeliten dieser Anweisung nicht vollständig nachkamen.

Das Endergebnis war nämlich, dass viele Israeliten sich mit den Kanaanitern vermischten, ihre Götter neben Gott verehrten (vielleicht aus dem Gefühl heraus, dass es sie möglicherweise auch geben könnte und man sie dann besänftigen müsste), und ihre Bräuche übernahmen. Da haben wir dann Herrscher wie Ahas von Juda, über den es heißt: ‚Er ließ sogar seinen Sohn durch das Feuer gehen [d. h. für einen der kanaanitischen Götter als Menschenopfer verbrennen] und ahmte so die Gräuel der Völker nach, die der HERR vor den Israeliten vertrieben hatte.‘ (2 Könige 16,3), oder wie Ahab von Israel und dessen Frau Isebel, die ‚die Propheten des HERRN ausrottete‘ (1 Könige 18,4) und auch den Propheten Elija verfolgte.

Gott wusste vermutlich auch: Wenn Er den Israeliten keinen solchen Befehl geben würde, würde es trotzdem auf Kriege mit den Kanaanitern hinauslaufen, weil sie Israel auch nicht so einfach Land überlassen würden; vielleicht nicht auf so viele Tote, vielleicht auf irgendwelche Friedensabkommen am Ende – aber damit auch auf die besagte Vermischung mit den schrecklichen kanaanitischen Kulturen; und trotzdem auf Krieg und einige Tote. Man kann auch infragestellen, ob es z. B. für die kanaanitischen Frauen und Kinder denn wirklich angenehmer gewesen wäre, von den Israeliten (wie es damals in Kriegen üblich war und wie sie es vermutlich getan hätten) versklavt zu werden als einfach umgebracht, wie es dem Befehl beim ‚Bann‘ entsprach. Zudem verhinderte Gott durch den einfachen Befehl des ‚Banns‘ auch andere Sünden durch die Israeliten – z. B. Kämpfe um die Verteilung der Beute (die ja nach diesem Befehl zerstört werden musste); und da Er es befohlen hatte, sündigten sie nicht, wenn sie die Kanaaniter töteten. Insofern kann man den Befehl des „Banns“ auch als kluge Strategie Gottes sehen, um die Seelen aller Beteiligten zu schützen.

Diese Interpretation wird übrigens auch nahegelegt durch folgende Stelle in einem späteren Buch des Alten Testaments:

‚Darum bestrafst du die Sünder nur nach und nach; du mahnst sie und erinnerst sie an ihre Sünden, damit sie sich von der Schlechtigkeit abwenden und an dich glauben, Herr. Du hast auch die früheren Bewohner deines heiligen Landes gehasst, weil sie abscheuliche Verbrechen verübten,/ Zauberkünste und unheilige Riten; sie waren erbarmungslose Kindermörder/ und verzehrten beim Kultmahl Menschenfleisch und Menschenblut; sie waren Teilnehmer an geheimen Kulten und sie waren Eltern, die mit eigener Hand hilflose Wesen töteten – sie alle wolltest du vernichten durch die Hände unserer Väter; denn das Land, das dir vor allen anderen teuer ist, sollte eine seiner würdige Bevölkerung von Gotteskindern erhalten. Doch selbst jene hast du geschont, weil sie Menschen waren; du sandtest deinem Heer Wespen voraus, um sie nach und nach zu vernichten. Obgleich du die Macht hattest, in einer Schlacht die Gottlosen den Gerechten in die Hand zu geben oder sie durch entsetzliche Tiere oder ein Wort mit einem Schlag auszurotten, vollzogst du doch erst nach und nach die Strafe und gabst Raum zur Umkehr. Dabei wusstest du genau, dass ihr Ursprung böse und ihre Schlechtigkeit angeboren war und dass sich ihr Denken in Ewigkeit nicht ändern werde; sie waren schon von Anfang an eine verfluchte Nachkommenschaft. Keine Furcht vor irgendjemand hat dich dazu bestimmt, sie für ihre Sünden ohne Strafe zu lassen. Denn wer darf sagen: Was hast du getan?/ Wer vermag sich deinem Urteilsspruch zu widersetzen? Wer könnte dich anklagen wegen des Untergangs von Völkern, die du selbst geschaffen hast? Wer wollte vor dich treten als Anwalt ungerechter Menschen? Denn es gibt keinen Gott außer dir, der für alles Sorge trägt; daher brauchst du nicht zu beweisen, dass du gerecht geurteilt hast. Kein König und kein Herrscher kann dich zur Rede stellen wegen der Menschen, die du gestraft hast. Gerecht, wie du bist, verwaltest du das All gerecht und hältst es für unvereinbar mit deiner Macht, den zu verurteilen, der keine Strafe verdient. Deine Stärke ist die Grundlage deiner Gerechtigkeit und deine Herrschaft über alles lässt dich alles schonen. Stärke beweist du, wenn man an deine unbeschränkte Macht nicht glaubt, und bei denen, die sie kennen, strafst du die anmaßende Auflehnung.‘ (Weisheit 12,2-17)

(Vgl. dazu auch Teil 10 über göttliche Gerichtstaten im Allgemeinen und diesen Exkurs zum Ringen mit und Hinterfragen von Gott.)“

Teil 14: Die Opferung Isaaks

In diesem Teil habe ich stärker herausgearbeitet, dass m. E. eigentlich die Interpretation, dass Abraham darauf vertraute, dass Gott das Menschenopfer doch noch verhindern oder Isaak sogar von den Toten auferwecken würde, da Er ihm versprochen hatte, er würde durch Isaak Nachkommen haben und Gott Seine Versprechen nicht zurücknimmt, die naheliegendste ist und sich praktisch zwingend aus dem Hebräerbrief ergibt: „Aufgrund des Glaubens hat Abraham den Isaak hingegeben, als er auf die Probe gestellt wurde; er gab den einzigen Sohn dahin, er, der die Verheißungen empfangen hatte und zu dem gesagt worden war: Durch Isaak wirst du Nachkommen haben. Er war überzeugt, dass Gott sogar die Macht hat, von den Toten zu erwecken; darum erhielt er Isaak auch zurück. Das ist ein Sinnbild.“ (Hebräer 11,17-19)

Dazu kommen ein paar kleinere Änderungen.

Exkurs: Über das Ringen mit Gott (und der Bibel) – Weisheit 12 vs. Genesis 32

Es ist schon länger her, dass ich diesen Teil geupdatet habe; soweit ich mich erinnere, waren es hier mehrere kleinere Änderungen.

Teil 15: Sklaverei (und Kindererziehung und ungerechte Regierungen) in der Bibel

In der neuen Fassung dieses Artikels habe ich einige alttestamentliche Stellen aus Sirach und Sprüche genauer erklärt. Außerdem habe ich eine neutestamentliche Stelle, die ich vorher übersehen hatte, in die Sammlung der die Sklaverei betreffenden Stellen aufgenommen, nämlich 1 Tim 1,10, wo Paulus „Menschenhändler“ unter „Gesetzlose und Ungehorsame, […] Gottlose und Sünder, […] Menschen ohne Glauben und Ehrfurcht“ zählt. Und ich habe vor allem am Ende einige Absätze eingefügt um genauer zu erklären, wieso man im Lauf der Kirchengeschichte vonseiten der Kirche zwar so einige starke Verurteilungen von Versklavung und Sklavenhandel findet und Maßnahmen gegen die Sklaverei kirchlicherseits begrüßt wurden (wie bei Paulus, s. 1 Tim 1,10), man aber Sklavenbesitzer in die Kirche aufnahm, ohne von ihnen kategorisch die Freilassung ihrer Sklaven zu verlangen (auch wie bei Paulus).

Außerdem ist mir bei der Ersetzung der alten Bibelzitate mit denen aus der neuen Einheitsübersetzung aufgefallen, dass die neue Version endlich einen sehr groben Übersetzungsfehler korrigiert hatte, wo es in 1 Kor 7 heißt, wenn Sklaven frei werden könnten, sollten sie lieber Gebrauch davon machen, und in der alten Übersetzung diese Stelle sehr frei interpretiert so übersetzt wurde, dass sie lieber Sklaven bleiben sollten, statt einfach die wörtliche Übersetzung zu nehmen. (Auf den Übersetzungsfehler war ich allerdings auch in der alten Version des Artikels schon eingegangen.)

Teil 16: Was in den Apostelbriefen (und in der Genesis) über (Ehe)Frauen und die Rolle der Frau in der Kirche gesagt wird

An diesem Teil habe ich mehrfach (zuletzt erst heute) einiges geändert. Ich habe festgestellt, dass ich mit einigen Stellen selber jetzt weniger Probleme habe als vorher – erstens, weil ich weniger Probleme mit Konzepten wie „Unterordnung“ an sich habe, und zweitens, weil ich weniger Probleme damit habe, auch mal über typische Fehler von Frauen statt nur typische Fehler von Männern zu reden.

Ich habe einiges gekürzt und ein paar Dinge hinzugefügt und genauer formuliert; z. B. auch, dass man das Drumherumgerede oder peinlich berührte Schweigen mancher Kirchenleute nicht so interpretieren kann, dass die ältere Lehre zur Ehe (Mann als Familienoberhaupt etc.) nicht mehr gelten würde.

Zu dem speziellen Thema Eva & Sündenfall habe ich, glaube ich, am meisten geändert und in der neuesten Version (ziemlich am Ende des Artikels) folgendes stehen:

„Da wäre ja auch noch die Stelle aus dem 1. Timotheusbrief: ‚Eine Frau soll sich still und in aller Unterordnung belehren lassen. Dass eine Frau lehrt, erlaube ich nicht, auch nicht, dass sie über ihren Mann herrscht; sie soll sich still verhalten. Denn zuerst wurde Adam erschaffen, danach Eva. Und nicht Adam wurde verführt, sondern die Frau ließ sich verführen und übertrat das Gebot.

Einfach ignorieren kann man das nicht; das ist Heilige Schrift. Und der Sündenfall lief nun mal so ab, dass zuerst Eva verführt wurde. Und Paulus sagt hier offensichtlich, dass Frauen demnach generell leichter zu verführen wären und sich deshalb eher unterordnen müssten.

Und wenn man „verführen“ im Sinn von täuschen versteht, stimmt das nun mal einfach. Frauen neigen mehr zur Verträglichkeit und dazu, Konflikte zu vermeiden, während Männer sich weniger leicht beeindrucken lassen und öfter gerade bewusst dagegen sind. Beide Eigenschaften können sich positiv oder negativ auswirken; mit beiden Eigenschaften kann man zu unterschiedlichen Sünden verführt werden und sich unterschiedlichen Sünden entgegenstellen, aber auf Führungspositionen wirken sich die weiblichen Eigenschaften tendentiell schlechter aus. Weil man, auch wenn man ursprünglich weiß, dass jemand nicht vertrauenswürdig ist, dem vielleicht doch mal zuhören will, „auch die andere Seite sehen“ will, und sich nicht so leicht damit tut, etwas als Unsinn oder Lüge zu verlachen und lieber doch sagt „irgendeinen Punkt hat der ja“. Es hat schon seinen Grund, wieso eher Frauen zu Esoterik und „Alternativmedizin“ neigen als Männer. (Dazu passt auch die oben erwähnte Petrusstelle: Frauen können auch in diesem Sinne „schwächer“ sein als Männer.)

Beim Sündenfall war es wohl so, dass Eva, die sich dazu bringen ließ, der Schlange zuzuhören, wirklich überredet wurde; Adam machte dann wohl wider besseres Wissen mit, weil seine Frau es wollte. Über ihn heißt es nur: „sie gab auch ihrem Mann, der bei ihr war, und auch er aß“ (Genesis 3,6) – sein Problem scheint eher zu sein, dass er einfach Eva nachgibt, als dass er sich von den falschen Versprechungen der Schlange einlullen hat lassen. Ich denke, es ist so, dass Frauen im Allgemeinen, wenn sie etwas Falsches tun, sich eher vorher einreden müssen, dass es notwendig oder gut ist, und dabei auch sehr kreativ werden können und leichter falsche Erklärungen annehmen. Beides falsch, aber auf unterschiedliche Weise.

Interessanterweise wird übrigens – bei Paulus an anderer Stelle und bei Theologen wie Thomas von Aquin – immer Adam als der eigentlich Verantwortliche für den Sündenfall genannt, wenn es darum geht, wer der Menschheit nun die Erbsünde vererbt hat: Eva hat mit der Sache angefangen, aber letztlich trug die eigentliche Verantwortung ihr Mann. Das spricht freilich einfach für die Überzeugung besagter Theologen, dass Adam – der erste Mann – einfach das Oberhaupt des Menschengeschlechts war, und Eva eben nicht.

Und das zeigt eben, was beim Sündenfall auch noch falsch lief: Eine Verkehrung der Geschlechterrollen. Adam wird passiv, versucht nicht, seine Frau vor der Schlange zu warnen oder zu schützen oder ihr etwas entgegenzusetzen, und damit handelt er falsch, gibt seine Rolle als Oberhaupt ab.

Schon Aristoteles (der freilich auch frauenfeindliche Äußerungen getätigt hat, die man nicht übernehmen muss) hat Männern den öffentlichen und Frauen den privaten Raum zugeordnet. Das passt auch: Verträglichkeit und der Wunsch nach Harmonie tun der Familie gut, wo man miteinander auskommen muss, und Prinzipienfestigkeit und Dagegensein sind eher in der Öffentlichkeit mal nötig, wo man mit Fremden oder fremden Gruppen zu tun hat, die einen nicht unbedingt so respektieren, wie es Familienmitglieder immerhin meistens noch tun.

Das heißt nicht, dass es keine Frauen gäbe, die für Führungsrollen geeignet wären; es handelt sich hier um Tendenzen. Außerdem gibt es auch so etwas wie delegierte Führungsrollen. In der Kirche geht die grundsätzliche Macht vom rein männlichen Klerus aus und muss das auch, aber der kann auch Aufgaben an Laien delegieren, auch an Frauen – z. B. das Lehren als Religionslehrerin oder Theologieprofessorin. Die brauchen freilich weiterhin den Klerus als Orientierungspunkt. Was das öffentliche Beten, prophetische Reden etc. angeht, so sollte es auch eher die Ausnahme als die Regel sein, wie aus der Zusammenschau der Paulusstellen klar wird – und vor allem sollte es im Einklang mit dem Klerus erfolgen, nicht gegen ihn. Auch in der Familie hat nicht nur der Vater die Führungsrolle, sondern die Mutter hat auch eine eigenständige Autorität gegenüber den Kindern, freilich dem Vater untergeordnet, wie z. B. eine Gemeinde in vielen Dingen eigenständig, aber auch in gewissem Maß der Landesregierung untergeordnet ist. Was ist mit der Politik? Nun, ich denke, hier sollte es tatsächlich auch so sein, dass tendentiell die meisten Ämter von Männern eingenommen werden. (Dafür kann man nicht nur christliche Prinzipien anführen, sondern auch die einfache Tatsache, dass es keine anständigen politischen Debatten mehr im Bundestag gibt, und z. B. die bisherigen Verteidigungsministerinnen eher suboptimal waren. (Entschuldigung.)) Aber hier kann es sicher auch Frauen geben, die eben doch für die Politik geeignet ist; ich denke an Frauen wie Ellen Ammann. In Kirche und Familie, wo es darum geht, dass Männer Christus nachstellen sollen, können Frauen nie einfach die Aufgaben von Männern übernehmen (sondern höchstens eine Art Ersatz sein, wenn z. B. eine Frau nach dem Tod ihres Mannes als Familienoberhaupt fungieren muss, oder Frauen Gebet und Caritas in Gemeinden organisieren, in die kaum je ein Priester kommen kann), aber in der Politik sind Staatsoberhäupter und Abgeordnete nicht „in persona Christi“; daher kann es hier einige Ausnahmen geben.

Einige Christen von der protestantischen Christian-Patriarchy-Bewegung legen die Timotheus-Stelle tatsächlich so aus, dass Frauen generell keine Männer irgendetwas (Theologisches) lehren dürfen; also dürfen Frauen ihrer Meinung nach z. B. auch keine Vorträge vor einem gemischten Publikum in der Gemeinde halten. Sonntagsschullehrerinnen gehen gerade noch, denn die lehren nur Kinder, aber sobald die Jungs über achtzehn sind, ist definitiv Schluss. Jüngere Frauen dürfen natürlich von älteren Frauen etwas gelehrt werden, weil, Titus 2,3-5, aber Männer lehren, das geht nicht. (Man lese zum Beispiel diesen interessanten Artikel einer Bloggerin dieser Bewegung, in dem sie vehement erklärt, dass sie mit ihrem Blog keine Männer lehre. Solche Ansichten sind in freikirchlich-evangelikalen Kreisen einflussreicher, als man manchmal erwarten würde; vgl. auch hier auf einer deutschen Seite.) Das entspricht nicht der katholischen Lehre.

Also: Ja, es ist okay, wenn irgendein Mann von einer Frau mal etwas lernt, ja, auch Frauen können gut dazu geeignet sein, zu lehren, Vorträge zu halten, Führungspositionen einzunehmen, etc., aber wenn zu viele Frauen auf höheren Positionen sind und die allgemeine Meinung prägen können, ist das nicht gut.

Ein Geschlecht ist nicht an sich sündhafter als das andere oder so etwas – beide haben den gleichen freien Willen und die gleichen Gebote bekommen. Wir haben nicht weniger weibliche als männliche Heilige. Aber die Geschlechter sind auf unterschiedliche Weise sündhaft, und es ist leider eine Tatsache, dass Frauen leichter zu täuschen sind.

Da muss man nicht geschockt oder beleidigt reagieren. Es ist doch so: Über typische Männerfehler zu reden ist völlig normal. Wieso sollte man also nicht auch über typische Frauenfehler reden dürfen?“

Teil 17: 1 Korinther 7 – von den ehelichen Pflichten und dem Vorrang der Jungfräulichkeit

Hier eher kleinere Änderungen und Ergänzungen.

Teil 18: Der Töpfer und der Ton – was sagt Paulus über Prädestination?

Dieser Artikel wurde ziemlich stark geändert, worauf ich auch schon mal eigens hingewiesen hatte. Einfach den ganzen Artikel lesen – vor allem geht es darum, dass Röm 9-11 eben nicht von der endgültigen Erlösung oder Verdammnis handelt, sondern das endgültige Schicksal aller Beteiligten offen lässt und Hoffnung für sie ausdrückt, dass sie trotz ihrer jetzigen Verwerfung wieder zu Gott kommen.

Teil 19: Irritierende Aussagen und Taten Jesu – einige gesammelte Stellen

Eher kleinere Änderungen bzw. Ergänzungen.

Nachträge zu Teil 19 – weitere irritierende Aussagen Jesu

Auch hier nur kleinere Änderungen.

Teil 20: Die Forderungen der Bergpredigt

Hier auch eher kleinere Änderungen; v. a. habe ich die Zitate aus Härings Moraltheologiebuch mit detaillierteren von Jone ergänzt.

Teil 21: Wunder und Dämonenaustreibungen

Auch eher kleinere Änderungen.

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