Aber hätte nicht Paulus das Christentum verfälschen können?

Wenn es darum geht, was man über Jesus wissen kann, ist ein Eindruck weit verbreitet: Dass man eigentlich kaum was wissen könnte. Jesus – eine schattenhafte Gestalt, die hinter Mythen und Propaganda verschwindet. Manche wollen ihn zu einem Weltuntergangsprediger, zu einem Moralphilosophen oder gar zu einem jüdisch-nationalistischen Zeloten (lol) machen.

Das ist eigentlich eine seltsame Sichtweise; denn über Jesus haben wir bessere Informationen als über die allermeisten antiken Personen. Wir haben vier frühe Biographien über Ihn (die Evangelien, deren Genre dem der antiken Vita entspricht, die von Herkunft, Taten, Tod und Nachleben großer Männer berichtete) und zahlreiche Briefe von mehreren Seiner Anhänger; dazu kommen Erwähnungen bei Leuten, die nicht Seine Anhänger waren, wie dem römischen Historiker Tacitus und dem jüdischen Historiker Flavius Josephus. Aus deren Berichten kann man freilich nicht viel mehr erfahren als dass Jesus in Judäa unter Pontius Pilatus gekreuzigt wurde, dass Er die Gruppe der Christen begründete, dass Er ein großer Mann gewesen sein soll, der Wunder vollbracht haben sollte, und den die Christen für den Messias hielten.

Viele meinen dann, es wäre sinnlos, sich die Zeugnisse der Christen für genauere Informationen anzusehen; das wäre ja eh nicht glaubwürdig, weil es eben parteiisch sei. Das ist allein schon aus Historikersicht Unsinn; so etwas wie eine nicht parteiische Quelle gibt es nicht, das trifft auch auf Tacitus etc. zu.

Aber vor allem muss man sich ja fragen: Wieso wurden Matthäus, Lukas, Markus, Johannes, Paulus, Jakobus usw. zu Anhängern Jesu? Was brachte sie zu ihren Überzeugungen?

Da ist ein Mann, der eine neue Bewegung begründet, von Leuten, die sich für ihre Überzeugungen sogar umbringen lassen und die ihn extrem verehren; also kann Er offensichtlich nur ein unbedeutender Wanderprediger gewesen sein, über den sich nix Genaues nicht sagen lässt und in den nur alles hineinprojiziert wurde.

Bei den Leuten, die sich tatsächlich daran machen, zu belegen, wieso die biblischen Berichte über Jesus und/oder der Glaube der Kirche verfälscht sein sollen, gibt es ja so einige Theorien, und als Verfälscher besonders hoch im Kurs stehen eine sehr frühe und eine eher späte Gestalt im antiken Christentum: Der Apostel Paulus (gest. um 64) und Kaiser Konstantin (gest. 337). In beiden Fällen ist die Annahme nicht nur falsch, sondern völlig abwegig.

Heute zunächst mal nur zu Paulus.

Grabplatte mit Petrus und Paulus aus der Hippolyt-Katakombe in Rom, 4. Jh. Gemeinfrei.

Wie allgemein bekannt ist, war Paulus von Tarsus, auch unter dem Namen Saulus bekannt, ein strenggläubiger Jude, der Christen verfolgte, und sich dann nach einer Vision, in der Jesus ihn fragte „Saulus, Saulus, warum verfolgst du mich?“, bekehrte und taufen ließ. Er unternahm dann einige Missionsreisen im ganzen Mittelmeerraum, gründete zahlreiche Gemeinde, und wurde schließlich in Rom geköpft.

Die Behauptung ist nun z. B.: Die Vorstellung, dass Jesus für die Sünden der Menschen gestorben und dass Er nicht nur ein Mensch, sondern als Gottes Sohn eins mit Gott sei, stammt nicht von Jesus oder denen, die ihn kannten, sondern wurde erst von Paulus erdacht. Immer wieder werden auch von Christen, die an die Erlösung durch den Kreuzestod und an die Göttlichkeit Jesu glauben, andere unbeliebte Lehren als paulinische Erfindung gedeutet. Hier finden sich mehrere offensichtliche Probleme:

1. Wieso sollte Paulus sich das ausdenken? Wo ist sein Motiv? Woher kam so eine Idee?

Die Juden waren strenge Monotheisten. Kein Jude wäre einfach so auf die Idee gekommen, einen Prediger, auch einen offensichtlich heiligen Propheten, einfach so auf eine Stufe mit Gott zu stellen; dafür musste dieser Mensch schon ein sehr außergewöhnlicher gewesen sein und Anlass dazu gegeben haben. Paulus selbst hatte die Christen für diese mutmaßliche Blasphemie noch verfolgt.

2. Am wichtigsten: Wieso sollten die anderen Christen sich das gefallen lassen?

Paulus kam verspätet zum Christentum. Er war kein Jünger Jesu gewesen. Er schreibt selbst, dass er die Kirche verfolgt hatte, und war laut Lukas‘ Apostelgeschichte ein bekannter und ein eifriger Christenverfolger. Welche Gruppe lässt sich von einem frisch bekehrten Feind ihren ganzen Glauben umstülpen?

Als Paulus zum Christentum kam, war die Kreuzigung Jesu schon einige Jahre her, und Jesu Jünger – nicht nur die Zwölf, sondern hunderte und bald tausende – hatten Ihn weiterhin verehrt, nachdem das Grab leer gewesen und der Auferstandene ihnen erschienen war.

(Und wenn Jesus mächtig genug ist, um von den Toten aufzuerstehen, sollte Er auch mächtig genug sein, um Seine Kirche in der Wahrheit zu bewahren, aber das nur anbei.)

3. Wie wurden die anderen Gemeinden auf Linie gebracht?

Paulus reiste nicht überall hin; er kam nie nach Alexandria oder Karthago, beispielsweise. In Rom bestand eine Gemeinde, ehe er es überhaupt betrat.

4. Was ist mit den nicht-paulinischen Texten im NT?

Das Neue Testament besteht aus 27 Schriften, von denen höchstens 14 vom Apostel Paulus stammen. (Ob der Hebräerbrief von ihm stammt oder nicht, war immer schon umstritten, und einige Exegeten wollen mehrere der anderen Briefe nicht als echt paulinisch gelten lassen, aber diese Frage ist hier unerheblich.) Damit hätten wir also mindestens (!) 13 Schriften, die nicht von Paulus stammen, darunter alle Evangelien und die Apostelgeschichte. Nun kann man sagen, dass, wenn es korrekt ist, das Lukasevangelium und die Apostelgeschichte einem Begleiter des Paulus, nämlich Lukas, zuzuschreiben, man diese beiden noch einklammern sollte; aber auch dann hätten wir noch das Markusevangelium (und Markus gilt als Begleiter des Apostels Petrus), das Matthäusevangelium, das Johannesevangelium, die drei Johannesbriefe und die Offenbarung des Johannes, die beiden Petrusbriefe, den Jakobusbrief und den Judasbrief. Ich will mich hier gar nicht auf Streitigkeiten um die genaue Zuschreibung einlassen, und darüber, ob die Überlieferung bzgl. der Autoren verlässlich ist; klar ist jedenfalls, dass das alles keine paulinischen Schriften sind, und nicht aus dem Umfeld des Paulus stammen. Sie unterscheiden sich in der Schreibweise und im Fokus von seinen Briefen. Und gerade sie enthalten deutlich mehr über „den historischen Jesus“ als die Paulusbriefe. Die ersten Evangelien – Markus, Matthäus – wurden ohne Bezug zu Paulus geschrieben, und aller Wahrscheinlichkeit nach etwa zur selben Zeit wie seine Briefe, sind also nicht erst irgendwann später unter deren Einfluss entstanden.

(Lukas beendete seine Apostelgeschichte höchstwahrscheinlich Anfang der 60er, da er sie abrupt abbricht, als Paulus als Gefangener in Rom ist, und dessen Martyrium, immerhin ein sehr wichtiges Ereignis für die antike Christenheit, nicht mehr erwähnt; sein Evangelium schrieb er zuvor, also vielleicht um 60. Nach den klassischen Theorien war Matthäus das erste Evangelium, nach den neueren Theorien Markus; in jedem Fall war es nicht Lukas, der in seinem Vorwort auch die Schriften anderer über Jesu Leben erwähnt. Markus und Matthäus müssten also in die 50er oder vorher datieren.)

Ausgangspunkt einer These von der paulinischen Verfälschung müsste sein, dass man deutliche Unterschiede zwischen dem, was man von Jesus wissen oder vermuten kann, und dem, was man von Paulus wissen oder vermuten kann, feststellt. Vergleichen wir daher mal die Quellen, die wir von Paulus haben, d. h. die ihm zugeschriebenen Briefe, mit denen, in denen Aussagen Jesu wiedergegeben werden, d. h. den Evangelien (keine vollständige Auflistung!).

Hier eine kleine Tabelle.

ThemaJesusPaulus
Erlösung durch den Kreuzestod, AuferstehungJesus kündigt in den synoptischen Evangelien dreifach Sein Leiden, Seinen Tod am Kreuz und seine Auferstehung an (Mt 16,21-26; Mt 17,22f.; Mt 20,17-19; Lk 9,22f.; Lk 9,43-45; Lk 18,31-34; Mk 8,31-34; Mk 9,30-32; Mk 10,32-34).

An anderen Stellen macht Er auch den Zweck dieses Leidens deutlich (z. B. Mt 20,28: „Wie der Menschensohn nicht gekommen ist, um sich dienen zu lassen, sondern um zu dienen und sein Leben hinzugeben als Lösegeld für viele.“; Joh 3,14-17: „Und wie Mose die Schlange in der Wüste erhöht hat, so muss der Menschensohn erhöht werden, damit jeder, der glaubt, in ihm ewiges Leben hat. Denn Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren geht, sondern ewiges Leben hat. Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, damit er die Welt richtet, sondern damit die Welt durch ihn gerettet wird.“)

Sein Leiden ist beabsichtigt: „Deshalb liebt mich der Vater, weil ich mein Leben hingebe, um es wieder zu nehmen. Niemand entreißt es mir, sondern ich gebe es von mir aus hin. Ich habe Macht, es hinzugeben, und ich habe Macht, es wieder zu nehmen. Diesen Auftrag habe ich von meinem Vater empfangen.“ (Joh 10,17f.)

Er sagt, dass durch Sein Leiden die Schrift erfüllt wird, z. B. in Mt 26,53-56 und Lk 24,25-27.45-47.

Die Evangelisten widmen der Kreuzigung und Auferstehung alle mehrere Kapitel.
Paulus spricht sehr oft vom Kreuz, der Erlösung, der Auferstehung – z. B. in 1 Kor 1,18-2,16, 1 Kor 15, Röm 4,24f., Röm 5-6, 2 Kor 5,14-21, Gal 1,1-5, Eph 2, 1 Thess 1,10. Da gibt es so wunderschöne Stellen wie etwa Kol 2,13-15: „Ihr wart tot infolge eurer Sünden und euer Fleisch war unbeschnitten; Gott aber hat euch mit Christus zusammen lebendig gemacht und uns alle Sünden vergeben. Er hat den Schuldschein, der gegen uns sprach, durchgestrichen und seine Forderungen, die uns anklagten, aufgehoben. Er hat ihn dadurch getilgt, dass er ihn an das Kreuz geheftet hat. Die Fürsten und Gewalten hat er entwaffnet und öffentlich zur Schau gestellt; durch Christus hat Gott über sie triumphiert.“ Oder 1 Thess 9f.: „Denn Gott hat uns nicht für das Gericht seines Zorns bestimmt, sondern dafür, dass wir durch Jesus Christus, unseren Herrn, die Rettung erlangen. Er ist für uns gestorben, damit wir vereint mit ihm leben, ob wir nun wachen oder schlafen.“
Jesus als Sohn Gottes, selbst Gott, eins mit Gott dem Vater und dem Heiligen GeistJesus sagt:

Noch ehe Abraham wurde, bin ich.“ (Joh 8,58) Man beachte hier: Nicht „war ich“, sondern „bin ich“. Das ewige zeitlose Sein ist nicht nur das Wesen Gottes, sondern „Ich bin“ ist auch die Bedeutung des Gottesnamens Jahwe.

„Ich und der Vater sind eins.“ (Joh 10,30)

„Alles ist mir von meinem Vater übergeben worden; niemand erkennt, wer der Sohn ist, nur der Vater, und niemand erkennt, wer der Vater ist, nur der Sohn und der, dem es der Sohn offenbaren will.“ (Lk 10,22)

„Mir ist alle Vollmacht gegeben im Himmel und auf der Erde.“ (Mt 28,18)

Ich bin vom Vater ausgegangen und in die Welt gekommen; ich verlasse die Welt wieder und gehe zum Vater.“(Johannes 16,28)

„Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater außer durch mich. Wenn ihr mich erkannt habt, werdet ihr auch meinen Vater erkennen. Schon jetzt kennt ihr ihn und habt ihn gesehen. […] Wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen. Wie kannst du sagen: Zeig uns den Vater? Glaubst du nicht, dass ich im Vater bin und dass der Vater in mir ist? Die Worte, die ich zu euch sage, habe ich nicht aus mir selbst. Der Vater, der in mir bleibt, vollbringt seine Werke. Glaubt mir doch, dass ich im Vater bin und dass der Vater in mir ist; wenn nicht, dann glaubt aufgrund eben dieser Werke!“ (Joh 14,6-7.9-11)

Jetzt verherrliche du mich, Vater, bei dir mit der Herrlichkeit, die ich bei dir hatte, bevor die Welt war! […] Alles, was mein ist, ist dein, und was dein ist, ist mein; in ihnen bin ich verherrlicht. […] Heiliger Vater, bewahre sie in deinem Namen, den du mir gegeben hast, damit sie eins sind wie wir!“ (Johannes 17,5.10-11)

Er antwortet laut Matthäus auf die Frage des Hohenpriesters, ob er der Christus, der Sohn Gottes ist: „Du hast es gesagt“ (Mt 26,64) Bei Markus sagt er „Ich bin es“ (Mk 14,62), bei Lukas „Ihr sagt es – ich bin es“ (Lk 22,70).

Er beansprucht z. B. in Mk 2,2-12 und Mt 9,6 die Vollmacht, Sünden zu vergeben (bzw. dann später diese Macht an andere als Seine Stellvertreter, die Apostel, weiterzugeben (Joh 20,22f.)), also etwas, das Gott allein zukommt.

Für sich selbst beansprucht Er Sündenlosigkeit: „Wer von euch kann mir eine Sünde nachweisen?“ (Joh 8,46)

Man nehme außerdem die Reaktionen der Menschen auf Ihn: „Und es geschah, als Jesus diese Rede beendet hatte, war die Menge voll Staunen über seine Lehre; denn er lehrte sie wie einer, der Vollmacht hat, und nicht wie ihre Schriftgelehrten.“ (Mt 7,28f.)

Thomas sagt nach Seiner Auferstehung zu Ihm: „Mein Herr und mein Gott!“ (Joh 20,28)

Bei der Verklärung Jesu (Mt 17,5; Mk 9,2-8; Lk 9,35) und bei Seiner Taufe (Mt 3,17; Mk 1,11; Lk 3,22) nennt Gott selbst Ihn Seinen geliebten/auserwählten Sohn.

Selbst ein Römer bezeugt das: „Als der Hauptmann, der Jesus gegenüberstand, ihn auf diese Weise sterben sah, sagte er: Wahrhaftig, dieser Mensch war Gottes Sohn.“ (Mk 15,39)

Ebenso Johannes der Täufer: „Und ich habe es gesehen und bezeugt: Dieser ist der Sohn Gottes.“ (Joh 1,34)

Der Johannesprolog (Joh 1,1-18) macht den Glauben an die Göttlichkeit Jesu sehr deutlich: „Im Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott und das Wort war Gott. […] Niemand hat Gott je gesehen. Der Einzige, der Gott ist und am Herzen des Vaters ruht, er hat Kunde gebracht.“ (Joh 1,1.18)

Er ließ es bei vielen Gelegenheiten zu, dass man Ihn „Herr“ nannte, s. z. B. Mt 8,2f.
Paulus schreibt u. a. folgendes über Jesus:

„Er war Gott gleich, hielt aber nicht daran fest, Gott gleich zu sein, sondern er entäußerte sich und wurde wie ein Sklave und den Menschen gleich. Sein Leben war das eines Menschen; er erniedrigte sich und war gehorsam bis zum Tod, bis zum Tod am Kreuz. Darum hat ihn Gott über alle erhöht und ihm den Namen verliehen, der größer ist als alle Namen, damit alle im Himmel, auf der Erde und unter der Erde ihr Knie beugen vor dem Namen Jesu und jeder Mund bekennt: Jesus Christus ist der Herr zur Ehre Gottes, des Vaters.“ (Phil 2,6-11)

„Dankt dem Vater mit Freude! Er hat euch fähig gemacht, Anteil zu haben am Los der Heiligen, die im Licht sind. Er hat uns der Macht der Finsternis entrissen und aufgenommen in das Reich seines geliebten Sohnes. Durch ihn haben wir die Erlösung, die Vergebung der Sünden. Er ist Bild des unsichtbaren Gottes, der Erstgeborene der ganzen Schöpfung. Denn in ihm wurde alles erschaffen im Himmel und auf Erden, das Sichtbare und das Unsichtbare, Throne und Herrschaften, Mächte und Gewalten; alles ist durch ihn und auf ihn hin erschaffen. Er ist vor aller Schöpfung und in ihm hat alles Bestand. Er ist das Haupt, der Leib aber ist die Kirche. Er ist der Ursprung, der Erstgeborene der Toten; so hat er in allem den Vorrang. Denn Gott wollte mit seiner ganzen Fülle in ihm wohnen, um durch ihn alles auf ihn hin zu versöhnen. Alles im Himmel und auf Erden wollte er zu Christus führen, der Frieden gestiftet hat am Kreuz durch sein Blut.“ (Kol 1,12-20)

„Dadurch sollen sie getröstet werden, verbunden in der Liebe, um die tiefe und reiche Einsicht zu erlangen und das Geheimnis Gottes zu erkennen, das Christus ist. In ihm sind alle Schätze der Weisheit und Erkenntnis verborgen.“ (Kol 2,2f.)

„Denn in ihm wohnt die ganze Fülle der Gottheit leibhaftig. Durch ihn seid auch ihr davon erfüllt; denn er ist das Haupt aller Mächte und Gewalten.“ (Kol 2,9f.)

„Denn: Einer ist Gott, Einer auch Mittler zwischen Gott und Menschen: der Mensch Christus Jesus, der sich als Lösegeld hingegeben hat für alle, ein Zeugnis zur vorherbestimmten Zeit“ (1 Tim 2,5f.)
Gottes- und NächstenliebeJesus macht deutlich, dass alle Gebote aus dem Gebot der Gottes- und Nächstenliebe resultieren und die Liebe das Höchste ist in Mt 22,34-40; Mk 12,28-34; Joh 13,34f.; Joh 15,12-17 (vgl. auch die Goldene Regel in Mt 7,12).Paulus macht deutlich, dass alle Gebote aus dem Gebot der Gottes- und Nächstenliebe resultieren und die Liebe das Höchste ist in Röm 13,8-10, 1 Kor 13, Kol 3,14, 1 Thess 4,9f.
Ehescheidung und EhelosigkeitJesus verurteilt die Ehescheidung mit Wiederheirat und rät zur Ehelosigkeit für die, die es fassen können, in Mt 19. (Vgl. zu Jesus und der Ehescheidung auch noch Mk 10,1-12; Lk 16,18; Mt 5,31f.)Paulus verurteilt die Ehescheidung und rät zur Ehelosigkeit für die, die es fassen können, in 1 Kor 7.
Staat, SteuernJesus fordert zum Gehorsam gegenüber den staatlichen Autoritäten und insbesondere zum Zahlen der Steuern auf in Mt 22,15-22; Mk 12,13-17; Lk 20,20-26.Paulus fordert zum Gehorsam gegenüber den staatlichen Autoritäten und insbesondere zum Zahlen der Steuern auf in Röm 13,1-7.
SexualmoralJesus vertritt eine strenge Sexualmoral; auch schmutzige Gedanken beurteilt er als Sünde. „Ihr habt gehört, dass gesagt worden ist: Du sollst nicht die Ehe brechen. Ich aber sage euch: Jeder, der eine Frau ansieht, um sie zu begehren, hat in seinem Herzen schon Ehebruch mit ihr begangen.“ (Mt 5,27f.)

Er lehnt nicht nur Ehebruch ab, sondern auch „Unzucht“ ganz allgemein; in einer Aufzählung der Sünden nennt Er beides getrennt: „Denn aus dem Herzen kommen böse Gedanken, Mord, Ehebruch, Unzucht, Diebstahl, falsche Zeugenaussagen und Lästerungen.“ (Mt 15,19) Vgl. auch die Parallelstelle in Mk 7,21f.: „Denn von innen, aus dem Herzen der Menschen, kommen die bösen Gedanken, Unzucht, Diebstahl, Mord, Ehebruch, Habgier, Bosheit, Hinterlist, Ausschweifung, Neid, Lästerung, Hochmut und Unvernunft.“
Paulus sieht die Unzucht (außerehelichen Sex) als Sünde gegen den eigenen Körper, der ein Tempel Gottes sein soll. „Der Leib ist aber nicht für die Unzucht da, sondern für den Herrn und der Herr für den Leib. Gott hat den Herrn auferweckt; er wird durch seine Macht auch uns auferwecken. Wisst ihr nicht, dass eure Leiber Glieder Christi sind? Darf ich nun die Glieder Christi nehmen und zu Gliedern einer Dirne machen? Auf keinen Fall! Oder wisst ihr nicht: Wer sich an eine Dirne bindet, ist ein Leib mit ihr? Denn es heißt: Die zwei werden ein Fleisch sein. Wer sich dagegen an den Herrn bindet, ist ein Geist mit ihm. Meidet die Unzucht! Jede Sünde, die der Mensch tut, bleibt außerhalb des Leibes. Wer aber Unzucht treibt, versündigt sich gegen den eigenen Leib. Oder wisst ihr nicht, dass euer Leib ein Tempel des Heiligen Geistes ist, der in euch wohnt und den ihr von Gott habt? Ihr gehört nicht euch selbst; denn um einen teuren Preis seid ihr erkauft worden. Verherrlicht also Gott in eurem Leib!“ (1 Kor 6,13-20)

Er zählt „Unzucht, Unreinheit, Ausschweifung“ zu den Werken des Fleisches (Gal 5,19). Er sieht sie als schwere Sünden, die vom Himmel ausschließen: „Von Unzucht aber und Unreinheit jeder Art oder von Habgier soll bei euch, wie es sich für Heilige gehört, nicht einmal die Rede sein. Auch Sittenlosigkeit und albernes oder zweideutiges Geschwätz schicken sich nicht für euch, sondern vielmehr Dankbarkeit. Denn das sollt ihr wissen: Kein unzüchtiger, schamloser oder habgieriger Mensch – das heißt kein Götzendiener – erhält ein Erbteil im Reich Christi und Gottes.“ (Eph 5,3-5)

Er schreibt: „Das ist es, was Gott will: eure Heiligung – dass ihr die Unzucht meidet, dass jeder von euch lernt, mit seiner Frau in heiliger und achtungsvoller Weise zu verkehren, nicht in leidenschaftlicher Begierde wie die Heiden, die Gott nicht kennen“ (1 Thess 4,3-5)
Wiederkunft ChristiJesus spricht vom Weltgericht und Seiner Wiederkunft am Ende der Zeiten z. B. in Mt 24-25 (und in mehreren Gleichnissen in den vorangehenden Kapiteln); Mk 13; Lk 21; Lk 17,22-36; Mt 13,40-43; Lk 12,35-48.Paulus spricht von der Wiederkunft Christi z. B. in 1 Thess 4,13-5,9; 2 Thess 1,6-10; 2 Thess 2,1-12; 1 Tim 6,14-16; 2 Tim 4,1.
HölleJesus warnt vor der Hölle, dem Ort, an dem „Heulen und Zähneknirschen“ herrscht, z. B. in Mt 8,12; Mt 13,41-42.49-50; Mt 22,13; Mt 24,51; Mt 25,30; Mt 5,29f.; Mk 9,42-48; Lk 13,22-30; Lk 14,24. Er beschreibt die Hölle auch im Gleichnis von Lazarus und dem Reichen in Lk 16,19-31.Paulus warnt vor der Hölle z. B. in 2 Thess 1,5-10; Gal 5,21; Gal 6,8; Eph 5,5f.
KircheJesus gibt schon vor Seiner Kreuzigung und Auferstehung Seinen Jüngern Anweisungen für den Aufbau Seiner Kirche.

Zu Petrus sagt Er: „Ich aber sage dir: Du bist Petrus und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen und die Pforten der Unterwelt werden sie nicht überwältigen. Ich werde dir die Schlüssel des Himmelreichs geben; was du auf Erden binden wirst, das wird im Himmel gebunden sein, und was du auf Erden lösen wirst, das wird im Himmel gelöst sein.“ (Mt 16,18f.)

Zu allen 12 Aposteln sagt Er: „Wenn dein Bruder gegen dich sündigt, dann geh und weise ihn unter vier Augen zurecht! Hört er auf dich, so hast du deinen Bruder zurückgewonnen. Hört er aber nicht auf dich, dann nimm einen oder zwei mit dir, damit die ganze Sache durch die Aussage von zwei oder drei Zeugen entschieden werde. Hört er auch auf sie nicht, dann sag es der Gemeinde! Hört er aber auch auf die Gemeinde nicht, dann sei er für dich wie ein Heide oder ein Zöllner. Amen, ich sage euch: Alles, was ihr auf Erden binden werdet, das wird auch im Himmel gebunden sein, und alles, was ihr auf Erden lösen werdet, das wird auch im Himmel gelöst sein.“ (Mt 18,15-18)

Zu den 72 Jüngern sagt Er: „Wer euch hört, der hört mich, und wer euch ablehnt, der lehnt mich ab; wer aber mich ablehnt, der lehnt den ab, der mich gesandt hat.“ (Lk 10,16)

Nach Seiner Auferstehung gibt Er den 12 die Vollmacht zur Sündenvergebung an Seiner Stelle: „Jesus sagte noch einmal zu ihnen: Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch. Nachdem er das gesagt hatte, hauchte er sie an und sagte zu ihnen: Empfangt den Heiligen Geist! Denen ihr die Sünden erlasst, denen sind sie erlassen; denen ihr sie behaltet, sind sie behalten.“ (Joh 20,21-23)
Paulus nennt die Kirche „Säule und Fundament der Wahrheit“ (1 Tim 3,15).

Er spricht über die Einsetzung, Aufgaben und Eignung von Bischöfen und Diakonen z. B. in 1 Tim 3,1-13; 1 Tim 4,14; 1 Tim 5,17-22; 2 Tim 1,6; Tit 1,5-9.
Rechtfertigungslehre; Gnade, Glaube, WerkeJesus spricht von der Wichtigkeit des Glaubens z. B. in Joh 3,17f.: „Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, damit er die Welt richtet, sondern damit die Welt durch ihn gerettet wird. Wer an ihn glaubt, wird nicht gerichtet; wer nicht glaubt, ist schon gerichtet, weil er nicht an den Namen des einzigen Sohnes Gottes geglaubt hat.“ oder Mk 16,15f: „Dann sagte er zu ihnen: Geht hinaus in die ganze Welt und verkündet das Evangelium der ganzen Schöpfung! Wer glaubt und sich taufen lässt, wird gerettet; wer aber nicht glaubt, wird verurteilt werden.“, oder auch in Mt 8,10 und Mt 9,22. In Joh 6,47 sagt Er: „Amen, amen, ich sage euch: Wer glaubt, hat das ewige Leben.“ Außerdem sagt Er: „Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt, und jeder, der lebt und an mich glaubt, wird auf ewig nicht sterben.“ (Joh 11,25f.)

Er preist oft den Glauben derer, denen Er hilft (z. B. in Mk 5,34; Lk 7,9; Lk 17,19) und sagt zu Seinen Jüngern „Wenn ihr Glauben habt wie ein Senfkorn, dann werdet ihr zu diesem Berg sagen: Rück von hier nach dort! und er wird wegrücken.“ (Mt 17,20)

Er betont außerdem aber sehr oft, dass jeder nach seinen Werken gerichtet wird; z. B. in Mt 7,21-23: „Nicht jeder, der zu mir sagt: Herr! Herr!, wird in das Himmelreich kommen, sondern wer den Willen meines Vaters im Himmel tut. Viele werden an jenem Tag zu mir sagen: Herr, Herr, sind wir nicht in deinem Namen als Propheten aufgetreten und haben wir nicht in deinem Namen Dämonen ausgetrieben und haben wir nicht in deinem Namen viele Machttaten gewirkt? Dann werde ich ihnen antworten: Ich kenne euch nicht. Weg von mir, ihr Gesetzlosen!“

Oder auch Mt 16,27: „Der Menschensohn wird mit seinen Engeln in der Herrlichkeit seines Vaters kommen und dann wird er jedem nach seinen Taten vergelten.“

In Mt 19,17 sagt Er: „Wenn du aber in das Leben eintreten willst, halte die Gebote!“

In Mt 25 wird das Heil als davon abhängig dargestellt, ob man etwas für „einen meiner geringsten Brüder getan“ (Mt 25,40) hat oder nicht.

Vgl. auch Lk 10,25-28: „Und siehe, ein Gesetzeslehrer stand auf, um Jesus auf die Probe zu stellen, und fragte ihn: Meister, was muss ich tun, um das ewige Leben zu erben? Jesus sagte zu ihm: Was steht im Gesetz geschrieben? Was liest du? Er antwortete: Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit deinem ganzen Herzen und deiner ganzen Seele, mit deiner ganzen Kraft und deinem ganzen Denken, und deinen Nächsten wie dich selbst. Jesus sagte zu ihm: Du hast richtig geantwortet. Handle danach und du wirst leben!“

In Joh 5,29 sagt Jesus: „Die das Gute getan haben, werden zum Leben auferstehen, die das Böse getan haben, werden zum Gericht auferstehen.“
Paulus spricht von der Notwendigkeit von Gottes Gnade und dem Glauben z. B. in Röm 3-6, Röm 10,8-13, Gal 2-3, Eph 2,8, Phil 3,9, Tit 3,5; 2 Tim 1,9f. („Er hat uns gerettet; mit einem heiligen Ruf hat er uns gerufen, nicht aufgrund unserer Taten, sondern aus eigenem Entschluss und aus Gnade, die uns schon vor ewigen Zeiten in Christus Jesus geschenkt wurde; jetzt aber wurde sie durch das Erscheinen unseres Retters Christus Jesus offenbart.“)

Über den allgemeinen Heilswillen Gottes sagt er: „er will, dass alle Menschen gerettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit gelangen“ (1 Tim 2,4) und „Denn die Gnade Gottes ist erschienen, um alle Menschen zu retten.“ (Tit 2,11).

(Über die Kraft des Glaubens meint er: „Alles vermag ich durch den, der mich stärkt.“ (Phil 4,13))

Über die Notwendigkeit, den Glauben zu bewahren, sagt er: „Jetzt aber hat er euch durch den Tod seines sterblichen Leibes versöhnt, um euch heilig, untadelig und schuldlos vor sich hintreten zu lassen. Doch müsst ihr im Glauben bleiben, fest und in ihm verwurzelt, und ihr dürft euch nicht von der Hoffnung des Evangeliums, das ihr gehört habt, abbringen lassen.“ (Kol 1,22f.)

Von den Werken und der Möglichkeit, das Heil durch schwere Sünden zu verlieren, spricht er z. B. in 1 Kor 10,12 („Wer also zu stehen meint, der gebe Acht, dass er nicht fällt.“), 2 Kor 5,10 („Denn wir alle müssen vor dem Richterstuhl Christi offenbar werden, damit jeder seinen Lohn empfängt für das Gute oder Böse, das er im irdischen Leben getan hat.“), Gal 6,8f. („Denn wer auf sein eigenes Fleisch sät, wird vom Fleisch Verderben ernten; wer aber auf den Geist sät, wird vom Geist ewiges Leben ernten. Lasst uns nicht müde werden, das Gute zu tun; denn wenn wir darin nicht nachlassen, werden wir ernten, sobald die Zeit dafür gekommen ist.“), 2 Tim 2,11f. („Wenn wir nämlich mit Christus gestorben sind, werden wir auch mit ihm leben; wenn wir standhaft bleiben, werden wir auch mit ihm herrschen; wenn wir ihn verleugnen, wird auch er uns verleugnen.“)

Er stellt den Weg des Christen mehrfach als Kampf oder Wettkampf dar, der gewonnen werden will, vgl. Eph 6,10-18, 1 Tim 6,12, 2 Tim 4,7f. oder auch Phil 3,11-14: „So hoffe ich, auch zur Auferstehung von den Toten zu gelangen. Nicht dass ich es schon erreicht hätte oder dass ich schon vollendet wäre. Aber ich strebe danach, es zu ergreifen, weil auch ich von Christus Jesus ergriffen worden bin. Brüder und Schwestern, ich bilde mir nicht ein, dass ich es schon ergriffen hätte. Eines aber tue ich: Ich vergesse, was hinter mir liegt, und strecke mich nach dem aus, was vor mir ist. Das Ziel vor Augen, jage ich nach dem Siegespreis: der himmlischen Berufung Gottes in Christus Jesus.“

Das Zusammenwirken von Gottes Gnade und den eigenen Bemühungen fasst er so zusammen: „Wirkt mit Furcht und Zittern euer Heil! Denn Gott ist es, der in euch das Wollen und das Vollbringen bewirkt zu seinem Wohlgefallen.“ (Phil 2,12f.)

Über die verlorenen Seelen sagt er: „denn sie haben sich der Liebe zur Wahrheit verschlossen, durch die sie gerettet werden sollten“ (2 Thess 2,10)
Mosaisches Gesetz: Speisegebote, Sabbat etc.Jesus erklärt sich zum Herrn über den Sabbat (Mt 12,8; Mk 2,28; Lk 6,5) und heilt am Sabbat (s. z. B. Mt 12,9-14; Mk 3,1-6; Lk 6,6-11; Lk 13,10-17; Lk 14,1-6; Joh 9). Er sagt über die Speisegebote: „Nicht das, was durch den Mund in den Menschen hineinkommt, macht ihn unrein, sondern was aus dem Mund des Menschen herauskommt, das macht ihn unrein.“ (Mt 15,11) An der Parallelstelle in Mk heißt es: „Dann rief er die Leute wieder zu sich und sagte: Hört mir alle zu und begreift, was ich sage! Nichts, was von außen in den Menschen hineinkommt, kann ihn unrein machen, sondern was aus dem Menschen herauskommt, das macht ihn unrein. Er verließ die Menge und ging in ein Haus. Da fragten ihn seine Jünger nach dem Sinn dieses rätselhaften Wortes. Er antwortete ihnen: Begreift auch ihr nicht? Versteht ihr nicht, dass das, was von außen in den Menschen hineinkommt, ihn nicht unrein machen kann? Denn es gelangt ja nicht in sein Herz, sondern in den Magen und wird wieder ausgeschieden. Damit erklärte Jesus alle Speisen für rein.“ (Mk 7,14-19)Paulus erklärt, dass das Mosaische Gesetz nicht mehr gilt, z. B. in Gal 4 oder ausführlich im Römerbrief.
EucharistieDie Einsetzung der Eucharistie wird berichtet in Mt 26,26-29; Mk 14,22-25 und Lk 22,14-20. Außerdem spricht Jesus über die Eucharistie in Joh 6. Ein Ausschnitt: „Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel herabgekommen ist. Wer von diesem Brot isst, wird in Ewigkeit leben. Das Brot, das ich geben werde, ist mein Fleisch für das Leben der Welt. Da stritten sich die Juden und sagten: Wie kann er uns sein Fleisch zu essen geben? Jesus sagte zu ihnen: Amen, amen, ich sage euch: Wenn ihr das Fleisch des Menschensohnes nicht esst und sein Blut nicht trinkt, habt ihr das Leben nicht in euch. Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, hat das ewige Leben und ich werde ihn auferwecken am Jüngsten Tag. Denn mein Fleisch ist wahrhaft eine Speise und mein Blut ist wahrhaft ein Trank. Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, der bleibt in mir und ich bleibe in ihm. Wie mich der lebendige Vater gesandt hat und wie ich durch den Vater lebe, so wird jeder, der mich isst, durch mich leben. Dies ist das Brot, das vom Himmel herabgekommen ist. Es ist nicht wie das Brot, das die Väter gegessen haben, sie sind gestorben. Wer aber dieses Brot isst, wird leben in Ewigkeit.“ (Joh 6,51-58)Paulus schreibt über die Eucharistie in 1 Kor 10,16f. („Ist der Kelch des Segens, über den wir den Segen sprechen, nicht Teilhabe am Blut Christi? Ist das Brot, das wir brechen, nicht Teilhabe am Leib Christi? Ein Brot ist es. Darum sind wir viele ein Leib; denn wir alle haben teil an dem einen Brot.“) und 1 Kor 11,23-29 („Denn ich habe vom Herrn empfangen, was ich euch dann überliefert habe: Jesus, der Herr, nahm in der Nacht, in der er ausgeliefert wurde, Brot, sprach das Dankgebet, brach das Brot und sagte: Das ist mein Leib für euch. Tut dies zu meinem Gedächtnis! Ebenso nahm er nach dem Mahl den Kelch und sagte: Dieser Kelch ist der Neue Bund in meinem Blut. Tut dies, sooft ihr daraus trinkt, zu meinem Gedächtnis! Denn sooft ihr von diesem Brot esst und aus dem Kelch trinkt, verkündet ihr den Tod des Herrn, bis er kommt. Wer also unwürdig von dem Brot isst und aus dem Kelch des Herrn trinkt, macht sich schuldig am Leib und am Blut des Herrn. Jeder soll sich selbst prüfen; erst dann soll er von dem Brot essen und aus dem Kelch trinken. Denn wer davon isst und trinkt, ohne den Leib zu unterscheiden, der zieht sich das Gericht zu, indem er isst und trinkt.“)
TaufeJesus trägt seinen Jüngern auf, zu taufen: Mt 28,19f.; Mk 16,16.

Schon vorher taufen Seine Jünger: „Darauf kam Jesus mit seinen Jüngern nach Judäa. Dort hielt er sich mit ihnen auf und taufte.“ (Joh 3,22) „Jesus erfuhr, dass die Pharisäer gehört hatten, er gewinne und taufe mehr Jünger als Johannes – allerdings taufte nicht Jesus selbst, sondern seine Jünger – ; daraufhin verließ er Judäa und ging wieder nach Galiläa.“ (Joh 4,1-3)
Paulus schreibt über die Taufe folgendes:

„Mit Christus wurdet ihr in der Taufe begraben, mit ihm auch auferweckt, durch den Glauben an die Kraft Gottes, der ihn von den Toten auferweckt hat. Ihr wart tot infolge eurer Sünden und euer Fleisch war unbeschnitten; Gott aber hat euch mit Christus zusammen lebendig gemacht und uns alle Sünden vergeben.“ (Kol 2,12f.)

„Wisst ihr denn nicht, dass wir, die wir auf Christus Jesus getauft wurden, auf seinen Tod getauft worden sind? Wir wurden ja mit ihm begraben durch die Taufe auf den Tod, damit auch wir, so wie Christus durch die Herrlichkeit des Vaters von den Toten auferweckt wurde, in der Wirklichkeit des neuen Lebens wandeln. Wenn wir nämlich mit der Gestalt seines Todes verbunden wurden, dann werden wir es auch mit der seiner Auferstehung sein.“ (Röm 6,3-5)

„Durch den einen Geist wurden wir in der Taufe alle in einen einzigen Leib aufgenommen, Juden und Griechen, Sklaven und Freie; und alle wurden wir mit dem einen Geist getränkt.“ (1 Kor 12,13)

Er erwähnt sie auch in Tit 3,5 (hier nennt er sie das „Bad der Wiedergeburt“).
Auferstehung der TotenJesus erklärt in Mt 22,23-33, Mk 12,18-27 und Lk 20,27-40 den Sadduzäern, dass es eine Auferstehung der Toten geben und wie sie aussehen wird.Paulus macht in 1 Kor 15 deutlich, dass es eine Auferstehung der Toten geben wird; auch in Phil 3,20f. und 1 Thess 4,13-18 erwähnt er sie.
MartyriumJesus kündigt seinen Jüngern das Martyrium an, z. B. in Mt 10 (Mt 10,17-18.21-22.28-33: „Nehmt euch aber vor den Menschen in Acht! Denn sie werden euch an die Gerichte ausliefern und in ihren Synagogen auspeitschen. Ihr werdet um meinetwillen vor Statthalter und Könige geführt werden, ihnen und den Heiden zum Zeugnis. […] Der Bruder wird den Bruder dem Tod ausliefern und der Vater das Kind und Kinder werden sich gegen die Eltern auflehnen und sie in den Tod schicken. Und ihr werdet um meines Namens willen von allen gehasst werden; wer aber bis zum Ende standhaft bleibt, der wird gerettet. […] Fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten, die Seele aber nicht töten können, sondern fürchtet euch eher vor dem, der Seele und Leib in der Hölle verderben kann! Verkauft man nicht zwei Spatzen für einen Pfennig? Und doch fällt keiner von ihnen zur Erde ohne den Willen eures Vaters. Bei euch aber sind sogar die Haare auf dem Kopf alle gezählt. Fürchtet euch also nicht! Ihr seid mehr wert als viele Spatzen. Jeder, der sich vor den Menschen zu mir bekennt, zu dem werde auch ich mich vor meinem Vater im Himmel bekennen. Wer mich aber vor den Menschen verleugnet, den werde auch ich vor meinem Vater im Himmel verleugnen.“)

Vgl. auch Mk 8,34-38; Mk 13,9-13; Lk 12,1-12; Lk 21,12-19; Joh 15,18-25.

Außerdem Joh 16,2f.: „Sie werden euch aus der Synagoge ausstoßen, ja es kommt die Stunde, in der jeder, der euch tötet, meint, Gott einen heiligen Dienst zu leisten. Das werden sie tun, weil sie weder den Vater noch mich erkannt haben.“
Paulus wurde zum Märtyrer. Er erwähnt auch in seinen Briefen die gegenwärtige Gefahr und die bereits von ihm erduldeten Leiden. „Wie geschrieben steht: Um deinetwillen sind wir den ganzen Tag dem Tod ausgesetzt; wir werden behandelt wie Schafe, die man zum Schlachten bestimmt hat.“ (Röm 8,36) „Sie sind Diener Christi – jetzt rede ich ganz unvernünftig – , ich noch mehr: Ich ertrug mehr Mühsal, war häufiger im Gefängnis, wurde mehr geschlagen, war oft in Todesgefahr. Fünfmal erhielt ich von Juden die vierzig Hiebe weniger einen; dreimal wurde ich ausgepeitscht, einmal gesteinigt, dreimal erlitt ich Schiffbruch, eine Nacht und einen Tag trieb ich auf hoher See. Ich war oft auf Reisen, gefährdet durch Flüsse, gefährdet durch Räuber, gefährdet durch das eigene Volk, gefährdet durch Heiden, gefährdet in der Stadt, gefährdet in der Wüste, gefährdet auf dem Meer, gefährdet durch falsche Brüder. Ich erduldete Mühsal und Plage, viele durchwachte Nächte, Hunger und Durst, häufiges Fasten, Kälte und Nacktheit.“ (2 Kor 11,23-27) Vgl. auch 2 Kor 4,7-18 und 2 Kor 6,4-10.

Er schrieb einige seiner Briefe aus dem Gefängnis, s. z. B. Phil 1,13-14 „Denn im ganzen Prätorium und bei allen Übrigen ist offenbar geworden, dass ich meine Fesseln um Christi willen trage, und die meisten der Brüder sind durch meine Gefangenschaft zuversichtlich geworden im Glauben an den Herrn und wagen umso kühner, das Wort furchtlos zu sagen.“

Auch seine Gemeinden hatten es nicht immer leicht: „Denn, Brüder und Schwestern, ihr seid dem Beispiel der Gemeinden Gottes in Judäa gefolgt, die in Christus Jesus sind. Ihr habt von euren Mitbürgern das Gleiche erlitten wie jene von den Juden.“ (1 Thess 2,14) Vgl. auch 2 Thess 1,4.
Nicht-christliche JudenJesus trauert darum, dass viele Juden Ihn nicht anerkennen z. B. in Lk 13,34f.; Lk 19,41f. und Mt 23,37f.Paulus trauert darum, dass viele Juden Jesus nicht anerkennen in Röm 9-11.
FeindesliebeJesus fordert zur Feindesliebe auf in Mt 5,38-48 und Lk 6,27-35.Paulus fordert zur Feindesliebe auf in Röm 12,14-21 und 1 Thess 5,15.
Gebet, weltliche Sorgen, innerer FriedeJesus betont die Wichtigkeit des vertrauensvollen Gebets z. B. in Mt 7,7-11; Mk 11,24; Lk 11,5-13; Lk 18,1-8; Joh 15,7; und sagt Seinen Anhängern, dass sie sich keine Sorgen um Weltliches zu machen brauchen, z. B. in Mt 6,19-34 und Lk 12,22-34. (Vgl. auch Lk 10,41f.: Die Geschichte von Maria und Marta.) Er verheißt ihnen Seinen Frieden: „Frieden hinterlasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch; nicht, wie die Welt ihn gibt, gebe ich ihn euch. Euer Herz beunruhige sich nicht und verzage nicht.“ (Joh 14,27)Paulus betont die Wichtigkeit des vertrauensvollen Gebets und sagt den Christen, dass sie sich keine Sorgen um Weltliches zu machen brauchen, z. B. in Phil 4,6 und 1 Thess 5,17. Die Christen werden inneren Frieden finden: „Und der Friede Gottes, der alles Verstehen übersteigt, wird eure Herzen und eure Gedanken in Christus Jesus bewahren.“ (Phil 4,7) „Und der Friede Christi triumphiere in euren Herzen.“ (Kol 3,15)
Weltlich kluge Menschen und das EvangeliumJesus sagt „Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, weil du das vor den Weisen und Klugen verborgen und es den Unmündigen offenbart hast.“ (Mt 11,25) Vgl. auch Lk 10,21.Paulus schreibt: „Seht doch auf eure Berufung, Brüder und Schwestern! Da sind nicht viele Weise im irdischen Sinn, nicht viele Mächtige, nicht viele Vornehme, sondern das Törichte in der Welt hat Gott erwählt, um die Weisen zuschanden zu machen, und das Schwache in der Welt hat Gott erwählt, um das Starke zuschanden zu machen. Und das Niedrige in der Welt und das Verachtete hat Gott erwählt: das, was nichts ist, um das, was etwas ist, zu vernichten, damit kein Mensch sich rühmen kann vor Gott.“ (1 Kor 1,26-29)
Falsche Propheten bzw. FalschlehrerJesus warnt vor falschen Propheten und Irrlehrern z. B. in Mt 24,24f.; Mk 13,6.22.Paulus warnt vor falschen Propheten und Irrlehrern z. B. in Gal 1,6-9; Kol 2,8-23; 1 Tim 1,3-7; 1 Tim 4,1-5; 1 Tim 6,3-10; Tit 1,10-16; Tit 3,9-11.
ReichtumJesus ermuntert den reichen Jüngling, der mehr tun will als nur die allgemeinen Gebote zu erfüllen, seinen Reichtum an die Armen zu verteilen und sagt, dass es Reiche schwer haben werden, in den Himmel zu kommen (Mt 19,16-26; Mk 10,17-28; Lk 18,18-27).

Er sagt „Gebt Acht, hütet euch vor jeder Art von Habgier! Denn das Leben eines Menschen besteht nicht darin, dass einer im Überfluss seines Besitzes lebt.“ (Lk 12,15) und erzählt ein Gleichnis über einen reichen Mann, der nur an seinen irdischen Besitz denkt, aber plötzlich sterben muss (Lk 12,16-21).

Er mahnt Seine Jünger: „Verkauft euren Besitz und gebt Almosen! Macht euch Geldbeutel, die nicht alt werden! Verschafft euch einen Schatz, der nicht abnimmt, im Himmel, wo kein Dieb ihn findet und keine Motte ihn frisst!“ (Lk 12,33)

Er sagt außerdem „Selig, ihr Armen, denn euch gehört das Reich Gottes. […] Doch weh euch, ihr Reichen; denn ihr habt euren Trost schon empfangen.“ (Lk 6,20.24).

Über den richtigen Umgang mit Geld sagt Er: „Wer in den kleinsten Dingen zuverlässig ist, der ist es auch in den großen, und wer bei den kleinsten Dingen Unrecht tut, der tut es auch bei den großen. Wenn ihr nun im Umgang mit dem ungerechten Mammon nicht zuverlässig gewesen seid, wer wird euch dann das wahre Gut anvertrauen? Und wenn ihr im Umgang mit dem fremden Gut nicht zuverlässig gewesen seid, wer wird euch dann das Eure geben? Kein Sklave kann zwei Herren dienen; er wird entweder den einen hassen und den andern lieben oder er wird zu dem einen halten und den andern verachten. Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon.“ (Lk 16,10-13)

Vgl. auch das Gleichnis von Lazarus und dem Reichen in Lk 16,19-31.

Dann wäre da die Geschichte mit dem korrupten Zöllner Zachäus, bei dem Er einkehrt und der sich dann bekehrt, und zwar nicht auf seinen ganzen Besitz verzichtet, aber viele Almosen gibt und Unrecht wiedergutmacht: „Zachäus aber wandte sich an den Herrn und sagte: Siehe, Herr, die Hälfte meines Vermögens gebe ich den Armen, und wenn ich von jemandem zu viel gefordert habe, gebe ich ihm das Vierfache zurück. Da sagte Jesus zu ihm: Heute ist diesem Haus Heil geschenkt worden, weil auch dieser Mann ein Sohn Abrahams ist. Denn der Menschensohn ist gekommen, um zu suchen und zu retten, was verloren ist.“ (Lk 19,8-10)
Paulus ermahnt Reiche dazu, freigiebig zu sein und ihren Reichtum zu teilen und sich nicht darauf zu verlassen, sondern auf Gott (1 Tim 6,17-19: „Ermahne die, die in dieser Welt reich sind, nicht überheblich zu werden und ihre Hoffnung nicht auf den unsicheren Reichtum zu setzen, sondern auf Gott, der uns alles reichlich gibt, was wir brauchen! Sie sollen wohltätig sein, reich werden an guten Werken, freigebig sein und, was sie haben, mit anderen teilen. So sammeln sie sich einen Schatz als sichere Grundlage für die Zukunft, um das wahre Leben zu erlangen.“).

Er stellt die Habgier an mehreren Stellen als schwere Sünde dar und vergleicht sie auch mit Götzendienst, s. z. B. Eph 5,3.5: „Von Unzucht aber und Unreinheit jeder Art oder von Habgier soll bei euch, wie es sich für Heilige gehört, nicht einmal die Rede sein. […] Denn das sollt ihr wissen: Kein unzüchtiger, schamloser oder habgieriger Mensch – das heißt kein Götzendiener – erhält ein Erbteil im Reich Christi und Gottes.“
Jesus reconstruction test phases from Turin Shroud.jpg
Rekonstruktion des Gesichts Jesu nach dem Turiner Grabtuch. Gemeinfrei.

Manche sehen einen Unterschied bei der Rechtfertigungslehre. Wenn man z. B. die Aussagen „Nicht jeder, der zu mir sagt: Herr! Herr!, wird in das Himmelreich kommen, sondern wer den Willen meines Vaters im Himmel tut. Viele werden an jenem Tag zu mir sagen: Herr, Herr, sind wir nicht in deinem Namen als Propheten aufgetreten und haben wir nicht in deinem Namen Dämonen ausgetrieben und haben wir nicht in deinem Namen viele Machttaten gewirkt? Dann werde ich ihnen antworten: Ich kenne euch nicht. Weg von mir, ihr Gesetzlosen!“ (Mt 7,21-23; man beachte: „ihr Gesetzlosen“) und „denn wenn du mit deinem Mund bekennst: Herr ist Jesus – und in deinem Herzen glaubst: Gott hat ihn von den Toten auferweckt, so wirst du gerettet werden. […] Denn jeder, der den Namen des Herrn anruft, wird gerettet werden.“ (Röm 10,9.13) einander gegenüberstellt, wirken sie erst einmal widersprüchlich.

Aber oben in der Tabelle wurde schon deutlich, dass Jesus und Paulus eben beide den Glauben und die Werke betonen. Sie sagen auch beide, dass die Erlösung etwas ist, das von Gott kommt, ohne die Sühne durch den Kreuzestod Jesu wäre nichts gegangen. Zuerst kommt die Gnade Gottes, die in den Menschen wirkt und sie ruft; dann sollen sie darauf antworten. Erstens, wenn sie von Jesus erfahren – also wirklich merken, wer und wie Er ist, nicht nur Seinen Namen irgendwann mal gehört haben -, mit dem Glauben an Ihn; wer Ihn dann bewusst ablehnt, lehnt Gott ab. Aber es gehören auch Werke dazu, der Mensch muss sich auch praktisch bewähren. Ohne Werke ist der Glaube tot.

Die zitierten Stellen meinen einfach folgendes: Wer glaubt, der wird gerettet werden, aber es muss ein wirklicher Glaube sein, aus dem auch Werke folgen; ein Pseudoglaube, ein toter Glaube, nützt nichts.

Es gibt sicher Einzelfragen, über die Jesus spricht und Paulus nicht; oder über die Paulus spricht und Jesus nicht (z. B. die Götzenopferfleischfrage, die irgendwann in den christlichen Gemeinden aufkam; vgl. Röm 14). Das sind aber eher konkrete, praktische Randfragen. Wenn Paulus über Spendensammlungen oder seine Reisepläne spricht: Was ist daran aufsehenerregend? In den Evangelien kommt manches vor, über das Paulus nicht ausführlich spricht, einfach weil die Evangelien auch Ereignisse berichten, nicht nur Jesu Lehre weitergeben: Da wären die vielen Stellen, an denen Heilungen, Totenerweckungen und Dämonenaustreibungen berichtet werden, die Taufe und Verklärung Jesu, die Tempelreinigung, die Hinrichtung von Johannes dem Täufer, die Segnung der Kinder usw. usf. Paulus wiederholt das alles in seinen Briefen nicht; dazu hat er auch keinen Anlass.

Manche Leute konstruieren andere Unterschiede, die nicht da sind. Z. B. ging Jesus während Seines irdischen Lebens nur zu den „verlorenen Schafen des Hauses Israel“ (Mt 10,6), aber nach Seiner Auferstehung sandte Er Seine Jünger ausdrücklich zu allen Völkern, also den Heiden (s. z. B. Mt 28,19: „Darum geht und macht alle Völker zu meinen Jüngern“, oder Mk 16,15: „Geht hinaus in die ganze Welt und verkündet das Evangelium der ganzen Schöpfung!“; vgl. auch Lk 24,47), um deren Missionierung sich Paulus so verdient machte. Das jesuanische Christentum war keine rein auf Juden begrenzte Religion und schloss sehr wohl auch die Heiden ein, genau wie das paulinische.

Ist Paulus irgendwie „politisch nützlicher“? Oben wurde demonstriert, dass Jesus und Paulus beide gleich gehorsam bzw. ungehorsam gegenüber dem Staat waren: Man gehorcht an sich und zahlt seine Steuern, erkennt die Autorität des Staates als legitim an, aber wenn der Staat etwas verlangt, das Sünde ist, ist man bereit, sich für seine Überzeugungen umbringen zu lassen.

Was ist mit dem Thema Sklaverei? Paulus erwähnt es an mehreren Stellen: Er zählt Sklavenhändler zu den Gottlosen (1 Tim 1,10), fand nichts daran, Sklavenbesitzer in die Kirche aufzunehmen, lehrte, dass Sklaven ihren Herren gehorchen und Herren ihre Sklaven gerecht behandeln sollen, da es vor Gott kein Ansehen der Person gebe (vgl. Eph 6,5-9), die Freilassung von Sklaven behandelt er als gutes Werk (Phlm), aber verlangt sie nicht kategorisch von jedem, der Christ werden will. Das entspricht ziemlich genau der Position, die die Kirche in ihrer Geschichte eingenommen hat: Die (gewaltsame) Versklavung von Menschen wird scharf verurteilt; der Sklavenhandel sehr stark kritisiert und man will ihn einschränken oder ganz abschaffen; die Sklaverei als bereits bestehender Zustand wird nicht als ideal gesehen und Sklaven werden als Menschen mit gewissen Grundrechten gesehen, die freilich in ihrer Arbeit nicht frei sind, aber eben z. B. nicht straflos getötet oder vergewaltigt werden dürfen und das Recht haben, eine Familie zu gründen; Sklavenbesitzer werden an sich nicht aus der Kirche ausgeschlossen, aber die Freilassung von Sklaven als gutes Werk gesehen; gewaltsame Sklavenaufstände begrüßt man definitiv nicht, aber sonstige Maßnahmen zur Abschaffung oder Linderung der Sklaverei absolut, wobei gerade einige frühe Theologen in der Antike die Sklaverei eher noch als eine nicht zu ändernde Folge des Sündenfalls sahen; im Hoch- und Spätmittelalter und der Neuzeit stellte sich die Kirche in der Praxis stärker dagegen als noch in Antike und Frühmittelalter. Und diese ganze Position (von dem abgesehen, dass manche sich anfangs keine generelle Abschaffung der Sklaverei vorstellen konnten) hat nun mal ihre guten Gründe. (Mehr zu Bibel und Kirche und der Sklaverei hier; außerdem ein (wahrscheinlich oberflächlicher und unvollständiger; es ist Wikipedia) Überblick über Maßnahmen gegen die Sklaverei im Lauf der Geschichte, die v. a. ab dem Mittelalter getroffen wurden, hier.)

Aber wir waren bei Paulus und Jesus: Und hier gibt es keinen Widerspruch, denn Jesus sagt schlicht gar nichts zum Thema Sklaverei. Er benutzt sie vielleicht mal bei einem Vergleich in seinen Gleichnissen, aber das ist keine Aussage über die Sklaverei. In seinen überlieferten Aussagen findet man weder eine Billigung noch eine Verurteilung. Er war kein Sklavenbesitzer wie Propheten aus anderen Religionen (z. B. Mohammed), und er rief zu keiner Sklavenrevolte auf.

Was ist mit dem Umgang mit Frauen? Paulus schreibt, dass Ehefrauen sich ihren Männern unterordnen sollen, s. Eph 5,21-33: „Einer ordne sich dem andern unter in der gemeinsamen Furcht Christi! Ihr Frauen euren Männern wie dem Herrn; denn der Mann ist das Haupt der Frau wie auch Christus das Haupt der Kirche ist. Er selbst ist der Retter des Leibes. Wie aber die Kirche sich Christus unterordnet, so sollen sich auch die Frauen in allem den Männern unterordnen. Ihr Männer, liebt eure Frauen, wie auch Christus die Kirche geliebt und sich für sie hingegeben hat, um sie zu heiligen, da er sie gereinigt hat durch das Wasserbad im Wort! So will er die Kirche herrlich vor sich hinstellen, ohne Flecken oder Falten oder andere Fehler; heilig soll sie sein und makellos. Darum sind die Männer verpflichtet, ihre Frauen so zu lieben wie ihren eigenen Leib. Wer seine Frau liebt, liebt sich selbst. Keiner hat je seinen eigenen Leib gehasst, sondern er nährt und pflegt ihn, wie auch Christus die Kirche. Denn wir sind Glieder seines Leibes. Darum wird der Mann Vater und Mutter verlassen und sich an seine Frau binden und die zwei werden ein Fleisch sein. Dies ist ein tiefes Geheimnis; ich beziehe es auf Christus und die Kirche. Indessen sollt auch ihr, jeder Einzelne, seine Frau lieben wie sich selbst, die Frau aber ehre ihren Mann.“ Vgl. dazu auch Kol 3,18f., Tit 2,3-5. In 1 Kor 11 sagt Paulus, dass der Mann das Haupt der Frau ist und in 1 Kor 14,33-35, dass die Frauen in der Versammlung, d. h. beim Gottesdienst, schweigen sollen. In 1 Tim 2,11-14 schreibt er: „Eine Frau soll sich still und in aller Unterordnung belehren lassen. Dass eine Frau lehrt, erlaube ich nicht, auch nicht, dass sie über ihren Mann herrscht; sie soll sich still verhalten. Denn zuerst wurde Adam erschaffen, danach Eva. Und nicht Adam wurde verführt, sondern die Frau ließ sich verführen und übertrat das Gebot.“ (Zur Frage, wie diese Stellen zu verstehen sind, hier.)

Jesus hatte Frauen unter seinen Anhängern, die Er auch schätzte, von denen einige unter Seinem Kreuz standen oder später zu Seinem Grab gingen. Er wählte allerdings keine Frau in den Zwölferkreis. Über Gehorsam in der Ehe sagt er schlicht und einfach nichts. Das einzige, was über Jesu Verhalten zu Familienstrukturen generell gesagt wird, ist, dass Er als Kind Seinen Eltern gehorsam war (Lk 2,51).

Mit anderen Worten: Am ehesten kann man einen Widerspruch in der Rechtfertigungslehre deklarieren, aber auch dazu muss man einige Stellen ignorieren; Jesus und Paulus lassen sich auch hier gut vereinen. Eine gewisse Plausibilität hätte es auch noch, zu sagen „Aber Jesus hätte feministischer als Paulus sein können, was die Beteiligung der Frauen in den Gemeinden und ihre Stellung in der Ehe angeht“, aber das ist eben Spekulation; Jesus widerspricht Paulus‘ Sicht nirgends. Ansonsten kommt man nicht umhin, eine sehr deutliche Übereinstimmung zuzugeben.

Mit anderen Worten: Die ganze Theorie ist Wunschdenken.

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2 Gedanken zu “Aber hätte nicht Paulus das Christentum verfälschen können?

  1. „Viele meinen dann, es wäre sinnlos, sich die Zeugnisse der Christen für genauere Informationen anzusehen; das wäre ja eh nicht glaubwürdig, weil es eben parteiisch sei. Das ist allein schon aus Historikersicht Unsinn…“

    Genau so ist das und nicht anders.
    🙂

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