Die Kongogräuel, Teil 3: Ihr Bekanntwerden, ihr Ende und das weitere Schicksal des Kongo

Hier Teil 1 (Entstehung und System des Kongo-Freistaats) und hier Teil 2 (die eigentlichen Verbrechen).

Nach und nach gelangten Berichte über die Situation nach Europa und Amerika, v. a. durch britische oder amerikanische protestantische Missionare und durch Händler, die englische Aborigines Protection Society („Gesellschaft zum Schutz der Eingeborenen“; hier sind nicht speziell die australischen Aborigines gemeint) befasste sich damit. Besonders nahm die Kampagne gegen die Verbrechen im Kongo etwa nach 1900 an Fahrt auf, erst recht 1903/1904, als der britische Konsul Casement nach einer zweieinhalbmonatigen Reise durch den Oberkongo den „Casement Report“ veröffentlichte, und auch das englische Parlament sich mit der Angelegenheit befasste und Druck auf die Regierung des Kongo-Freistaats ausübte. Der englische Publizist E. D. Morel widmete sich der Aufgabe, die Verbrechen zu bekämpfen, veröffentlichte Berichte und Fotos aus dem Kongo, und gründete 1904 die Congo Reform Association, für die er viele prominente Unterstützer fand. (Zu den heute noch relativ bekannten frühen Veröffentlichungen gehört auch Joseph Conrads Novelle „Herz der Finsternis“ aus dem Jahr 1899, in der ein Seemann erzählt, wie er einen Posten als Kapitän eines Flussdampfers auf dem Kongo fand, dort Grausamkeiten gegen Zwangarbeiter beim Eisenbahnbau und menschenleere Flussufer sah, und schließlich zu einem Posten im Hinterland gelangte, dessen Postenchef sich von den Einheimischen verehren ließ, eine Menge Elfenbein heranschaffte, seinen Gartenzaun mit Menschenköpfen dekoriert hatte und später an einer Tropenkrankheit starb. Die Novelle spielt noch vor der Errichtung des Kautschuksystems.)

„So verfolgen die Agenten des Kongo-Staates in Afrika ihren wahnsinnigen Kurs, unbeirrt von jedem Gesetz und internationalem Recht; mit den Einheimischen umgehend wie Raubtiere mit ihren Opfern; Kannibalentruppen bewaffnend und über das ganze Land loslassend, um zu plündern, zu schänden und zu morden; Hass und Zorn gegen den weißen Mann in zehntausenden dunkler Herzen heranzüchtend; unfähig, die Exzesse ihrer wilden Verbündeten zu kontrollieren; nicht zögernd, alles nur Erdenkliche gegen Europäer, die sie stören, zu tun; gleichgültig gegenüber menschlichem Leid und trunken von Selbstherrlichkeit…“, urteilte E. D. Morel über den Kongo-Freistaat. (King Leopold’s Rule in Africa, S. 219)

Karikatur von 1906 im „Punch“.

Vor allem die Fotos von abgehackten Händen sorgten für allgemeines Entsetzen. Die Regierung des Kongo-Freistaats, die ständig hochtrabend von der „materiellen und sittlichen“ Verbesserung des Lebens der Einheimischen geredet hatte, verstand darunter offenbar, sie für Kautschuk abzuschlachten, sah man in Europa.

[Wenn auch in der Praxis nicht immer eingehalten, sah man damals doch in der Theorie (vor allem von Europa aus) den Kolonialismus insbesondere auch als etwas, das humanitär sein sollte, als humanitäre Intervention plus Entwicklungshilfe – man könnte es damit vergleichen, wie heute der Bundeswehreinsatz in Afghanistan gesehen wird. So heißt es in der Generalakte der Berlin-Konferenz von 1885 in Artikel 6: „Alle Mächte, welche in den gedachten Gebieten Souveränitätsrechte oder einen Einfluß ausüben, verpflichten sich, die Erhaltung der eingeborenen Bevölkerung und die Verbesserung ihrer sittlichen und materiellen Lebenslage zu überwachen und an der Unterdrückung der Sklaverei und insbesondere des Negerhandels mitzuwirken; sie werden ohne Unterschied der Nationalität oder des Kultus alle religiösen, wissenschaftlichen und wohlthätigen Einrichtungen und Unternehmungen schützen und begünstigen, welche zu jenem Zweck geschaffen und organisirt sind, oder dahin zielen, die Eingeborenen zu unterrichten und ihnen die Vortheile der Civilisation verständlich und werth zu machen.“ Der belgische Jurist Félicien Cattier bezeichnet in seiner Studie von 1906 über die Übel im Kongo-Freistaat das in der Berlin-Akte bezeichnete Ziel als „Wesen und Grund jeder legitimen kolonialen Unternehmung. Diese muss darauf abzielen, das Leben der Einheimischen zu verbessern, nicht nur unter moralischen, sondern auch unter materiellen Gesichtspunkten. Sie strebt danach, ihnen die materielle Existenz angenehmer, leichter zu machen; sie ist darauf gerichtet, die Sicherheit der Personen und der Besitztümer zu steigern; sie bezweckt es, ihren Lebensstandard in Bezug auf Wohnung, Nahrung und Kleidung zu heben.“ (Étude sur la situation de l’État Indépendant du Congo, S. 34f.) Über den Kongo-Freistaat urteilte er kurz und knapp, er sei „kein Kolonialstaat, er ist kaum auch nur ein Staat: Er ist ein Wirtschaftsunternehmen“ (Ebd., S. 341)]

König Leopolds Reaktion und die öffentliche Meinung in Belgien

Wie reagierte Leopold auf Berichte von Gräueltaten in dem Staat, den er gegründet und dessen wirtschaftliches System allein er errichtet hatte, allerdings ohne sich für seine genaue Umsetzung zu interessieren? Anfangs anders als später.

„Aber – und das ist ein sehr wenig bekannter Aspekt – als die ersten Ankläger sich erhoben hatten, um die Missbräuche, die bei der Behandlung der Einheimischen begangen worden waren, anzuprangern, war der König darüber heftig erregt. Von 1896 bis 1900, wie es private Briefe zeigen, hat er mehrmals Zeiten von Qualen durchlaufen. ‚Wir sind aus der Zivilisation ausgestoßen‘ schreibt er im September 1896 an van Eetvelde. ‚Wenn es Missbräuche im Kongo gibt, müssen wir sie abstellen. Wenn sie fortbestehen würden, wäre das das Ende des Staates.‘ ‚Man muss diese schrecklichen Missbräuche energisch ahnden‘, die enthüllt wurden, mahnt er im Januar 1899 einen anderen seiner Mitarbeiter. ‚Diese Schrecken müssen aufhören oder ich werde mich aus dem Kongo zurückziehen. Ich werde mich weder mit Blut noch mit Dreck beschmutzen lassen und diese Schändlichkeiten müssen aufhören.‘ Und ein Jahr später wiederholt der König: ‚Ich bin es leid, mit Blut und Dreck beschmutzt zu werden.‘

Während jeder dieser Krisen von Wut und Ekel wiederholt der König strikte Anweisungen: Die Grausamkeiten gegen die Einheimischen müssen hart bestraft werden. Die Verwaltung des Kongo, an die er diese Anweisungen richtet, akzeptiert sie, buckelt, und wartet, bis der Sturm sich legt. Es ist tatsächlich die Verwaltung, die die Herrin des Spiels ist. Sie hat ein System ausgearbeitet und sie hält daran fest. Sie weigert sich, zuzugeben, dass das System selbst Missbräuche erzeugt; das zuzugeben hieße, ihren eigenen Fehler anzuerkennen. Sie ermisst auch die Gefahr dabei, das System zu schwächen, indem man es verändert; denn eine Schwächung des auf die Einheimischen aufgebauten Drucks würde notwendigerweise eine Verringerung der Einnahmen bedeuten, und in diesem Fall, das weiß sie, wäre es viel mehr als ein Sturm, den sie vonseiten des Souveräns zu erleiden hätte. Die Verwaltung, mit anderen Worten, unterscheidet zwischem dem bleibenden und grundlegenden Willen des Königs, der darin besteht, die Produktion der Domäne zu erhöhen, und seinen gelegentlichen Gewissenskrisen; sie richtet ihre Handlungsweise nach dem aus, was bleibend und grundlegend ist.

Alle, die mit dem System verbunden sind, und die bestrebt sind, sich reinzuwaschen, versuchen außerdem, Leopold II. zu überzeugen, dass die gegen den Kongo vorgebrachten Anschuldigungen ungerecht oder übertrieben sind, und dass sie zum großen Teil von Böswilligkeit kommen. Die Einstellung von Leopold II. – der, ohne Zweifel unbewusst, nur danach verlangte, sich überzeugen zu lassen – untergeht daher einer tiefen Änderung: Anstatt von den Angriffen getroffen zu sein wird er sich bald, und mit größerer und größerer Heftigkeit, über sie erzürnen. Der König dominierte fast immer stolz sein Umfeld; man kann sagen, dass er sich in diesem Fall von ihm hat einfangen lassen.

Die zunehmende Kampagne, die in England ab ungefähr 1900 gegen die Missbräuche im Kongo geführt wird, wird daher den König, die kongolesische Verwaltung und – zumindest ab einem gewissen Zeitpunkt – die überwiegende Mehrheit der belgischen Meinung vereint bei einem empörten Gegenangriff finden. In den Augen der kongolesischen Verwaltung und ihrer Führungskräfte sind die angelsächsischen Missionare, die die Missbräuche anprangern, oder Konsul Casement, der zu Lasten des Systems einen erdrückenden Bericht abfasst, nur ‚Agenten‘ Englands, die dem Kongo schaden wollen, indem sie Verleumdungen über ihn verbreiten. Die belgische öffentliche Meinung ist nicht weniger vor denen auf der Hut, die unter der Flagge des Humanitarismus die Kampagne in England selbst orchestrieren; sie hat das jüngste Erlebnis des Burenkrieges frisch im Gedächtnis und argwöhnt, dass der Humanitarismus nur die Maske der Habgier ist.“ (Stengers, Jean: L’État Indépendant du Congo et le Congo belge jusqu’en 1914, in: Ders.: Congo. Mythes et réalités, Brüssel 2005, S. 99-128, S. 118-120)

Aus damaliger belgischer Sicht schien diese Vermutung zunächst gar nicht so abwegig, und das aus mehreren Gründen:

  • Wie bereits erwähnt, achtete auch England in seinen kolonialen Unternehmungen nicht immer skrupulös die Rechte anderer; der kürzlich zu Ende gegangene Burenkrieg war im Grunde nichts als eine Aggression gegen die kleinen Republiken der niederländischen Siedler in Südafrika aus Habgier. Freilich waren die Zustände in den britischen afrikanischen Kolonien nirgends so wie im Kongo; aber im fernen Europa mochte man glauben, dass es sich bei den Verbrechen im Kongo um aufgebauschte Einzelfälle handeln könnte, die sich in anderen Kolonien auch finden würden. Schlimme Einzelfälle, die mit Zuchthaus oder Galgen bestraft gehörten, natürlich, aber eben Einzelfälle.
  • Viele, die die Gräueltaten beklagten (z. B. Konsul Casement), beklagten gleichzeitig auch, dass es im Kongo keine Handelsfreiheit mehr gab. Wegen der Monopole des Staates und der Konzessionsgesellschaften konnten einzelne Händler sich nicht mehr an Einheimische wenden, um von ihnen Kautschuk oder Elfenbein zu kaufen, sie waren völlig verdrängt worden. Der Kongo-Freistaat erwiderte auf diesen Vorwurf, der Grundsatz der Handelsfreiheit schließe ja wohl nicht aus, dass es staatliches Eigentum/Privateigentum an Grund und Boden geben dürfe, und überhaupt hätte sich jede Firma für Konzessionen bewerben können; eine sehr sophistische Antwort, denn in der Praxis lief es natürlich trotzdem auf extreme Monopole hinaus, und die Einheimischen hatten auch nicht wirklich bebautes Land bisher immer genutzt und dessen Früchte manchmal an untereinander konkurrierende Händler verkauft. Jedenfalls ging es vielen Kritikern auch um ein wirtschaftliches Prinzip, von dem sie überzeugt waren und von dem sie glaubten, dass es die Entwicklung Afrikas gefördert hätte bzw. anderswo förderte; und manche Händler, die den Kongo-Freistaat kritisierten, hatten natürlich selbst ein handfestes wirtschaftliches Interesse daran, dass er wieder für den freien Handel geöffnet wurde. Der gedankliche Schritt zu „denen geht es allen nur um Geschäftsinteressen“ schien für die Belgier nicht so abwegig. Dazu kam, dass die Kampagne vor allem in der Zeit an Fahrt aufnahm, als der Kongo-Freistaat ziemlich viel Geld abwarf. Erst seitdem er profitabel sei, fielen den Engländern die armen Einheimischen auf, um derentwillen man ihn Leopold wegnehme müsse, hieß es in Belgien. Die Kampagne schrieb man neidischen und gierigen „Liverpool-Kaufleuten“ zu (zu denen E. D. Morel tatsächlich Verbindungen hatte).
  • In England und anderswo wurden Rufe laut, den Kongo-Freistaat aufzulösen und zwischen anderen Ländern aufzuteilen; dabei wurde behauptet, die Berlin-Konferenz hätte schließlich diesen Staat errichtet, er hätte unter einer Art Aufsicht der Teilnehmerstaaten stehen sollen und eine weitere Konferenz könne über ihn entscheiden. Juristisch gesehen war das völliger Unsinn; bei der Konferenz hatte die Internationale Kongo-Gesellschaft, die bereits von Deutschland und den USA anerkannt war, einfach die Gelegenheit genutzt, mit weiteren Staaten bilaterale Verträge zu schließen; durch die Konferenz selbst war nichts errichtet worden. Das heißt nicht, dass diejenigen, die eine humanitäre Intervention befürworteten und dafür das Völkerrecht kreativ auslegten, das aus schlechten Motiven getan hätten; aber in Belgien sah man das Ganze einfach nur als ausländische Aggression.

Die Regierung des Kongo-Freistaats machte sich natürlich daran, diese Version in den Zeitungen zu verbreiten (auch international investierte sie dafür viel Geld). Sicher habe es ein paar Verbrechen gegeben, aber die würden überall geschehen und die Täter würden ja bestraft werden. Und das Zwangsarbeitssystem sei nun einmal nötig, um die Einheimischen an regelmäßige Arbeit zu gewöhnen und zu zivilisieren; aber es seien ja nur 40 Stunden im Monat, und in jedem anderen Staat würden auch Steuern verlangt, für die man arbeiten müsse.

Es gab aber eben auch tatsächliche Anhaltspunkte, bei denen sie ansetzen und die sie aufbauschen konnte. Zunächst war es im Kongo regional sehr unterschiedlich; kein Wunder, dass auch die Verteidiger des Kongo-Freistaats Berichte von Reisenden oder Missionaren vorzuzeigen hatten, die ein ganz anderes Land zeigten. Manche Gegenden waren kaum erschlossen; manche Gegenden waren nicht rohstoffreich; und manche Gegenden hatten Glück mit ihren Kolonialagenten. Wie bereits gesagt war es auf dem Staatsland meistens besser als bei den Konzessionsgesellschaften.

„Das System der Bewirtschaftung war nicht überall gleich hart; in der Psychologie der europäischen Agenten findet man, je nach den einzelnen Männern, alle Grade einer Skala, die von purer Gewinnsucht verbunden mit Brutalität zu ehrlich humanitären Empfindungen reicht; die Zwangsmittel und Repressionsmaßnahmen, die gegenüber den Einheimischen eingesetzt wurden, variierten beträchtlich je nach Zeit und Ort. Es gab zum Beispiel keine oder fast keine Gemeinsamkeiten zwischen den dunklen Wäldern der ABIR-Gesellschaft im Herzen des Kongo, die höllische Szenen stattfinden sahen, und den Savannen von Ober-Katanga, wo unparteiische Zeugen am Anfang des 20. Jahrhunderts eine in ihren Augen normale und zufriedenstellende Situation beschreiben.“ (Stengers, Jean: Les accusations anglaises contre le Congo: E. D. Morel, le fondateur de la Congo Reform Association, et la Belgique, in: Ders.: Congo. Mythes et réalités, Brüssel 2005, S. 129-158, S. 148f.)

Dazu kam, dass es Fälle gab, in denen Einheimische, die die belastenden Abgaben loswerden wollten, Europäern, die unabhängig vom Staat Nachforschungen anstellten, erfundene oder zumindest übertriebene Geschichten über Gräueltaten erzählten, weil sie meinten, diese könnten für ein Ende der Abgabenpflicht und der wirklichen Gräueltaten sorgen – eine kaum überraschende Taktik, wenn man ihre Situation ansieht.

Ein interessanter Fall ist der von Epondo, der (siehe Teil 2) im Untersuchungsbericht unter den sechs vor der Kommission vorgeführten Verstümmelten erwähnt worden ist, der eine Hand wegen eines Bisses eines wilden Tieres auf der Jagd verloren hatte, und über den es heißt, dass er in der Vergangenheit widersprüchliche Angaben gemacht hatte. Das ist derselbe Epondo, der schon im Casement Report erwähnt wird. Im Casement Report selbst wird er anonymisiert als „Junge II“ bezeichnet; in den Anhängen wird er in der Korrespondenz der englischen mit der kongolesischen Regierung unter seinem Namen erwähnt. Als Konsul Casement in sein Dorf in der Region von Coquilhatville gekommen war, hatten die Dorfbewohner und dieser Jugendliche selbst ihm seinen Arm gezeigt und einen Wächter namens Kelengo beschuldigt, die Hand abgeschnitten zu haben. Casement hatte dann eine gerichtliche Untersuchung angeregt (die Regierung des Kongo-Freistaats zitiert aus den Akten dazu), in deren Verlauf die Dorfbewohner angegeben hatten, sie hätten gelogen und Epondo habe seine Hand Jahre vorher, als er als Sklave bei einem anderen Einheimischen in einer anderen Region und mit diesem auf der Jagd war, durch einen Wildschweinbiss verloren. Epondo, der zunächst an seiner Geschichte festhielt, sagte am Ende dasselbe; die anderen Dorfbewohner hätten ihn dazu gebracht, zu lügen. Kelengo wurde freigesprochen.

(Aus Epondos Befragung durch den Staatsanwalt, englische Übersetzung. Quelle hier.)

Nun könnte man die Vermutung aufstellen, die Zeugen wären bei dieser Untersuchung eingeschüchtert worden; dass die spätere Untersuchungskommission (nachdem auch ein Arzt Epondo untersucht hatte) im Grunde zum selben Ergebnis kam, nämlich dass es ein wildes Tier gewesen war, lässt es allerdings als logischer erscheinen, dass die Geschichte tatsächlich erfunden worden war; dazu kommt ja die Bestätigung durch die Bewohner von Epondos ursprünglichem Heimatdorf Malele gegenüber Reverend Weeks, die im Untersuchungsbericht erwähnt wird. Epondo war zweimal von Engländern fotografiert worden (auch in der Collage mit Verstümmelten in Teil 2 ist er unten in der Mitte zu sehen).

Foto von Epondo (rechts) in „King Leopold’s Rule in Africa“.

Das Ende der Kongogräuel

Es kamen schon vor dem eigentlichen Ende der Kongogräuel mit der Zeit einzelne Verbesserungen – z. B. dass staatliche Agenten keine Prämien mehr für die Menge an geliefertem Kautschuk erhielten – aber das sorgte noch für kein Ende der Verbrechen. Mancherorts wurden sie sogar schlimmer, weil immer mehr Kautschuk gefordert wurde.

Als in Europa immer größere Erregung wegen der Kongogräuel herrschte und vor allem die britische Regierung Druck machte, musste Leopold im Jahr 1904 die schon erwähnte Untersuchungskommission ernennen, die im Winter 1904/1905 den Kongo bereiste, den Vorwürfen nachging, dann noch in Europa diverse Dokumente als Beweisstücke studierte und einen Bericht ausarbeitete, der Ende des Jahres 1905 veröffentlicht wurde und einige Reformen vorschlug, allerdings ohne die prinzipielle Berechtigung der „40 Stunden im Monat“ (als Maximum) infragezustellen. Die Kommission bestand aus drei Belgiern ohne Verbindungen zum Kongo-Freistaat, einem Italiener, der in der kongolesischen Justiz tätig war, und einem Schweizer. Die Ankläger des Kongo-Freistaats rechneten zuerst mit einer parteiischen Scheinuntersuchung, überzeugten sich dann aber von der weitgehenden Neutralität der Ermittler. Die belgischen Kommissionsmitglieder hatten zunächst damit gerechnet, vor Ort die Vorwürfe entkräften zu können und mussten ihre Meinung dazu ändern.

Die dicke schwarze Linie zeigt die Reiseroute der Untersuchungskommission an. Bildquelle hier.

Nach der Veröffentlichung des Berichts konnte auch in Belgien nicht mehr geleugnet werden, dass viele Beschuldigungen zumindest eine Grundlage hatten. Das belgische Parlament erkannte das geschlossen an (Abgeordnete der oppositionellen Sozialdemokraten, v. a. Émile Vandervelde, und einige Liberale hatten den Vorwürfen schon vorher eher Glauben geschenkt; die Katholiken, die die Mehrheit ausmachten, und andere Liberale erst später). Auch die öffentliche Meinung änderte sich, und ab dem Sommer 1906 musste Leopold einige Reformen zulassen, auch wenn er sich weiter gegen die Anerkennung der „Verleumdungen“ seines „Werkes“ wehrte; die Zwangsmittel („Wächter“, Militärexpeditionen) wurden beschränkt.

Die Kommission hatte das System der Arbeitspflicht von 40 Stunden pro Monat als im Prinzip legitim anerkannt, aber viele forderten tiefgreifendere Reformen: Diese Zwangsarbeit und die ganze Inbeschlagnahme aller unbewohnten Gebiete als staatliches Eigentum müssten ein Ende finden, weil sie die Verbrechen verursachten und jeder Versuch, die Arbeitspflicht humaner zu regeln, in der Praxis scheitern müsse. Die Kritiker (z. B. der Jurist Cattier) verglichen es mit der Situation in anderen Kolonien, wo die Jagd- und Sammelgebiete der Einheimischen nicht als „ungenutztes“ Land vom Staat beansprucht wurden, und wo keine Zwangsarbeit, sondern nur geringfügige Steuern existierten.

Und das eigentliche Ende der Missstände kam dann auch 1908, als der Kongo zu einer regulären belgischen Kolonie statt einem Privatunternehmen Leopolds wurde und dieses Zwangsarbeitssystem abgeschafft wurde. Die Entscheidung zur Annexion war schon im Dezember 1906 gefallen, als die britische Regierung immer mehr Druck ausübte und auch andere Länder (Deutschland, Frankreich, USA) sich anschlossen, und Leopold einsehen musste, dass es keine andere Möglichkeit mehr gab, wenn er nicht eine internationale Konferenz und womöglich den völligen Verlust des Kongo riskieren wollte. Er hatte die Annexion durch Belgien eigentlich abgelehnt, seitdem der Kongo rentabel war, und erst vorgesehen, Belgien nach seinem Tod den Kongo zu „vererben“, mit einem möglichst unveränderten System; besonders wichtig war es ihm gewesen, die „Stiftung der Krone“ zu erhalten, deren Einnahmen für seine Bauprojekte in Belgien verwendet worden waren. Die Vorbereitungen und das Hin und Her zwischen König, Ministern, Parlament und einer Kommission aus Vertretern der im Parlament sitzenden Parteien über die zukünftige Verfassung von Belgisch-Kongo dauerten einige Zeit, sodass dann erst im November 1908 der Kongo annektiert wurde.

Proklamation der Annexion des Kongo-Freistaates durch Belgien, 1908. („Ich habe die Ehre, dem Personal des Kongo-Freistaates, allen nicht-einheimischen Bewohnern der europäischen und der farbigen Rasse und allen kongolesischen Staatsangehörigen mitzuteilen, DASS AB DEM 15. NOVEMBER 1908 Belgien die Souveränität über die Territorien übernimmt, aus denen der Kongo-Freistaat besteht. Boma, am 16. November 1908. Für den abwesenden Generalvizegouverneur, der Staatsinspektor GHISLAIN.“)

„Jene, die die Missbräuche im Kongo anprangerten, erklärten lautstark, dass diese Missbräuche nur ein Ende nehmen könnten, wenn man aus der Verwaltung des Landes all jene entfernen würde, die sie begangen hatten. Tatsächlich war diese massive Säuberung gar nicht notwendig. Der Kongo-Freistaat, wie gesagt, führte ab 1906 wichtige Reformen ein, ohne allerdings auf die Zwangsarbeit zu verzichten. Nach der Annexion durch Belgien 1908 wurde die Zwangsarbeit selbst abgeschafft. Die Situation der Einheimischen verbesserte sich rapide, obwohl es das alte Personal des Freistaates war, das zu einem großen Teil im Amt geblieben war; aber es war aus dem Räderwerk des Systems entkommen.“ (Stengers, Jean: L’État Indépendant du Congo et le Congo belge jusqu’en 1914, in: Ders.: Congo. Mythes et réalités, Brüssel 2005, S. 99-128, S. 109f.)

Der Kongo-Freistaat war jetzt zu Belgisch-Kongo geworden, einer klassischen Kolonie. Außer der Abschaffung der Zwangsarbeit wurde den Einheimischen auch das Recht wiedergegeben, auf eigene Faust Produkte wie Kautschuk zu sammeln und damit zu handeln, die Regierung schaute in den folgenden Jahrzehnten darauf, die bei der Berlin-Konferenz eingegangene Verpflichtung zur Handelsfreiheit zu achten, die belgischen und kongolesischen Staatsfinanzen wurden getrennt, und in der Folgezeit wurde mehr für die Einheimischen getan. Die „Kolonialcharta“, das grundlegende Gesetz für Belgisch-Kongo, enthielt Rechte für alle Einwohner, die auch eingehalten wurden – sie entsprachen einigen, wenn auch nicht allen Rechten der belgischen Verfassung (die typischen zivilen Rechte wie Freiheit der Person, Recht auf den gesetzlichen Richter, Schutz des Eigentums, Religionsfreiheit oder Unverletzlichkeit der Wohnung waren enthalten; die politischen wie die Vereinigungsfreiheit oder das Wahlrecht nicht); Leopold regte sich bei der Ausarbeitung des Gesetzes über seine Parlamentarier, diese „Ideologen“, auf, mit „ihren Vorstellungen, den N*gern alle konstitutionellen Rechte zuzusprechen“. Das belgische Parlament erhielt einen wesentlichen Einfluss auf die Regierung der Kolonie, d. h. sie wurde nicht von König und Kolonialminister allein regiert; das sorgte allerdings auch für eine ziemliche Zentralisierung der Kolonialpolitik in Brüssel, während die Beamten vor Ort vergleichsweise wenig entscheiden konnten.

Leopold II. starb kurz darauf im Jahr 1909. „Hear how the demons chuckle and yell. / Cutting his hands off, down in Hell“, dichtete ein amerikanischer Dichter 1912 über ihn (etwa: „Hör wie die Dämonen jauchzen und johlen, während sie unten in der Hölle seine Hände abhacken“); sein Ruf war noch immer im Keller (übrigens auch wegen seines wüsten Privatlebens). In den Jahrzehnten darauf gewann er posthum allerdings wieder mehr Ansehen – jedenfalls in Belgien.

Leopold ii belgien.jpg
Letztes Foto von Leopold II.

In letzter Zeit, als das Statuenstürzen beliebter wurde, sind ja auch Leopoldstatuen, von denen v. a. in Belgien noch einige stehen, in die Kritik geraten.

Statue de Léopold II à Kinshasa.jpg
Statue von Leopold in Kinshasa, ehemals Leopoldville, im Kongo.

Einige Aktivisten in England blieben zunächst skeptisch gegenüber den Verbesserungen; aber schließlich waren auch sie überzeugt davon, dass die Situation sich grundlegend geändert hatte. Im Jahr 1913 löste sich Morels Congo Reform Association auf.

Leopolds Neffe und Nachfolger, König Albert I., und seine Frau Elisabeth auf Besuch in Belgisch-Kongo, 1928. Albert hatte den Kongo auch 1909 bereist, um die Situation dort zu sehen.

Belgisch-Kongos Schicksal nach 1908

In diesen letzten fünf Jahrzehnten der Kolonialzeit verlor der Kautschuk sehr schnell seine Bedeutung, dafür wurde der Kongo ein bedeutender Exporteur von Bodenschätzen wie Kupfer und Uran (kongolesisches Uran wurde für den Bau der ersten Atombombe verwendet). Die Zahl der im Land lebenden Belgier stieg auf über 100.000 an. Einen gewissen Arbeitszwang gab es allerdings diese ganzen Jahrzehnte noch: Die Landbevölkerung wurde ab 1917 verpflichtet, bestimmte Mengen an Lebensmitteln und Exportprodukten wie Baumwolle anzubauen; diese Produkte gehörten dann allerdings ihnen und sie verkauften sie zu ihrem eigenen Profit an die Firmen, die sie exportierten; das Ganze sollte den Lebensstandard heben. Verstöße wurden mit Geldbußen und kurzen Gefängnisstrafen geahndet. Am Ende der Kolonialzeit gab es eine heftige Reaktion gegen dieses System, das lange ohne größeren Widerstand akzeptiert worden war. In den 1920ern hatte es auch noch eine eigentlich illegale zwangsweise Rekrutierung von Arbeitern für Minen, Eisenbahnbau etc. gegeben; man hatte Häuptlinge dafür bezahlt, eine vorgegebene Zahl an Arbeitern zu stellen. Das endete dann und man bemühte sich eher um positive Anreize. Nach Art. 2 der Kolonialcharta durfte niemand mehr zur Arbeit für Privatleute oder Gesellschaften gezwungen werden.

In der späten Kolonialzeit war Belgisch-Kongo anderen afrikanischen Kolonien beim Lebensstandard und vor allem bei der medizinischen Versorgung tatsächlich überlegen, die Sozialprogramme für Minenarbeiter und deren Familien ab den späten 1920ern beispielsweise waren ziemlich gut (die großen Minengesellschaften betrieben in Zusammenarbeit mit Missionaren Schulen, Krankenhäuser, sogar Sportstätten, zahlten einen Kinderbonus, o. Ä.); bei der höheren Bildung hinkte er ein Stück weit hinterher, weil das Bildungswesen zunächst fast nur Missionaren überlassen worden war, deren Prioritäten eine breite Versorgung mit Grundschulen, Berufsbildung und Priesterseminare waren, und weil die Regierung junge Kongolesen nicht gern im Ausland studieren ließ, wo sie sich den Kommunismus einfangen konnten. Die erste Universität in Belgisch-Kongo (die katholische Universität Lovanium in Leopoldville/Kinshasa) wurde 1954 gegründet, zwei weitere Universitäten kamen kurz darauf hinzu.

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Schüler einer medizinischen Schule in Belgisch-Kongo (Yakusu).

Im Jahr 1960 wurde die lange Zeit politisch stabile belgische Kolonie, deren Führung fest in den Händen Belgiens gewesen war und in der die Einheimischen sich lange Zeit so gut wie gar nicht für politische Partizipation interessiert hatten und ziemlich loyal zu Belgien gewesen waren (auch wenn sie vielleicht rassische Diskriminierung z. B. bei ihren Löhnen beklagt hatten), nach einem zwar ziemlich unblutigen, aber auch ziemlich unvorhergesehenen und abrupten Prozess der Dekolonialisierung unabhängig und zur „Republik Kongo“, dann „Demokratische Republik Kongo“ (unter dem Diktator Mobutu zwischenzeitlich in „Zaire“ umbenannt); einem leider bald exrem dysfunktionalen Staat, auch im afrikanischen Vergleich, der unter mehreren Bürgerkriegen litt.

(Zur kongolesischen Unabhängigkeitsbewegung: Sie ist ein erstklassiges Beispiel dafür, wie ohne viel äußeren Druck eine interne „Radikalisierungs“spirale ablaufen kann. Erst 1956 kamen unter kleinen Gruppen von gebildeten Kongolesen erste Rufe nach einer langsamen, sich voraussichtlich über Jahrzehnte hinziehenden politischen Emanzipation auf, an deren Ende der Kongo seine eigenen demokratischen Institutionen haben, aber immer noch in einer Föderation mit Belgien verbunden sein sollte (grob derselbe Plan, den die Belgier hatten, auch wenn die meisten keine Fristen dafür setzen wollten); bereits 1958 wurde dann von denselben Gruppen die totale Unabhängigkeit, und zwar so schnell wie möglich, gefordert, politische Gruppierungen bildeten sich. Noch blieb aber alles friedlich, die Radikalisierung war auf kleine Gruppen beschränkt. Eine kleine überparteiliche belgische Arbeitsgruppe von Politikern entschied, dass der Weg zur Unabhängigkeit – die jetzt schon andere Kolonien anderer Länder erlangten – unvermeidbar wäre; man sollte demokratische Institutionen im Kongo schaffen und den Kongolesen am Ende die Wahl zwischen einer teilweisen Autonomie und einer völligen Unabhängigkeit lassen. Im Januar 1959 gab es dann unvorhergesehene, heftige Krawalle in Leopoldville, die die Force Publique aber wieder in den Griff bekam. Die Regierung versprach die zukünftige Unabhängigkeit, aber man wollte sich zuerst noch die Zeit nehmen, um im Kongo die politischen Strukturen aufzubauen. Dann aber verlief im Lauf dieses einen Jahres 1959 alles immer schneller, im Kongo gründeten sich Parteien, die Massen fingen an, sich heftig für die sofortige Unabhängigkeit zu begeistern, im Niederkongo verlor die koloniale Verwaltung schnell jede Autorität. In Belgien hielt keiner die Zeit wirklich für reif, die Kongolesen für gut vorbereitet auf die Unabhängigkeit; aber die öffentliche Meinung in Belgien war auch gegen den Einsatz von Gewalt und wollte ein freundschaftliches Auseinandergehen, das zeigte, dass die Kolonialgeschichte ein Erfolg gewesen war. Schließlich sagte man die Unabhängigkeit schon für das kommende Jahr, 1960, zu. Anfang 1960 fand ein runder Tisch zwischen kongolesischen Delegierten (darunter Patrice Lumumba, Joseph Kasavubu und Moise Tschombé) und belgischen Politikern statt. Eine neue Verfassung wurde ausgearbeitet, es gab Wahlen, und am 30. Juni 1960 wurde der Kongo unabhängig.)

Unterzeichnung des Dokuments, das dem Kongo Unabhängigkeit gewährt, durch Patrice Lumumba und Gaston Eyskens.

Die Kongogräuel wurden seitdem wieder bekannter in Afrika, weit über den Kongo hinaus, und auch die „10 Millionen“-Zahl wurde jetzt öfter verbreitet, während das alles in Europa eher in Vergessenheit geriet – erst in letzter Zeit scheint es wieder mehr Interesse daran zu geben.

An dieser Stelle sei noch kurz eine Fälschung erwähnt, die heutzutage in Afrika verbreitet wird; mir hat sie vor ein paar Jahren ein Afrikaner gezeigt, der sie aus der Schule in seinem Heimatland kannte. Es handelt sich um eine Rede, die Leopold II. angeblich im Jahr 1883 vor den ersten in den Kongo gesandten Missionaren gehalten haben soll.

Die englischen Untertitel sind ein bisschen fehlerhaft, aber man bekommt das Wichtigste mit. Grober Inhalt: Die Missionare sollen vor allem den Interessen Belgiens dienen; die Einheimischen würden Gott und Moral ja wohl schon kennen; sie seien daher nur dafür da, ihnen einzureden, dass Armut gut sei, damit sie sich nicht mehr für die Reichtümer des Landes interessieren; dass sie die andere Wange hinhalten sollen, wenn Weiße mit Gewalt gegen sie vorgehen; wenn sie fragen sollten, wieso die Weißen nicht das täten, was sie predigten, sollten sie antworten „richtet euch nach dem, was wir sagen, und nicht nach dem, was wir tun“ und sagen, die Schwarzen sollten glauben, ohne etwas infragezustellen.

Die Rede ist schlichtweg eine Erfindung aus dem späten 20. Jahrhundert, die zuerst in den 1970ern im Kongo verbreitet wurde; mal wurde sie Leopold im Jahr 1883 zugeschrieben, mal einem späteren Kolonialminister namens Jules Renkin im Jahr 1920. (Renkin war nun wirklich kein böswilliger Tyrann, und im Jahr 1920 war nicht einmal er Kolonialminister, sondern Louis Franck.) Ihre Erfindung fällt in die Zeit, als unter Diktator Mobutu die kongolesische Regierung den christlichen Glauben als ausländisch, unauthenisch, als von den Kolonialherren übergestülpt bekämpfte und z. B. kirchliche Schulen verstaatlichte und Propaganda v. a. gegen die katholische Kirche (die bedeutendste Konfession im Kongo; heute sind die Hälfte der Kongolesen katholisch) machte. Auch unabhängige, afrikanisierte Kirchen wie die relativ große Sekte der Kimbanguisten machte sich daran, sie zu verbreiten. In Ruanda verbreiteten manche sie mit ein paar Änderungen: Die Missionare werden angewiesen, sich auf die Volksgruppe der Tutsi zu stützen. Später wurde sie in kamerunischen Zeitschriften weiterverbreitet, gelangte schließlich ins Internet, und hier hat sie offenbar irgendein Afrikaner – der Akzent klingt eher afrikanisch – als Tonaufnahme aufgenommen.

Der Inhalt ist schlicht Unsinn: Kein Missionar hätte in dieser Weise geredet oder gedacht; selbst wenn irgendeiner mal eher den Mund zu Verbrechen hielt, um keine Probleme mit seiner Regierung zu bekommen, war er eigentlich gekommen, weil er den Einheimischen etwas Gutes bringen wollte. Aber schon Details zeigen die Fälschung: Da wäre z. B. die Tatsache, dass „Leopold“ den Ausdruck „Belgisch-Kongo“ verwendet, als noch nicht einmal der Kongo-Freistaat, geschweige denn eine belgische Kolonie existierte; außerdem scheint der Redner die Missionare im Land willkommen zu heißen: Leopold war aber nie im Kongo. Nicht einmal das Jahr der angeblich ersten Entsendung der Missionare stimmt.

Das jedenfalls war letztlich das Ende von Leopolds großem Projekt, seinem „Werk“, auf das er so stolz gewesen war.

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Ehemalige Residenz des Generalgouverneurs in Boma, Foto von 2008. Bildquelle: Wikimedia Commons, eingestellt von Nutzer PClement.

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