Schwere – lässliche – keine Sünde: Beispiele

Ich arbeite ja immer noch an meiner ausführlichen Artikelreihe zur Moraltheologie, die den Lesern dabei helfen soll, zu unterscheiden, was Sünde ist und was nicht, was schwere und was lässliche, und wieso überhaupt die jeweiligen Prinzipien gelten. Aber weil es immer relativ lang dauert, bis ich wieder den nächsten Artikel fertig habe, dachte ich, ich mache zwischendurch mal einen kleinen Überblicksartikel, der nichts weiter tun soll, als anhand von Beispielen (kein Anspruch auf Vollständigkeit) ein Gefühl dafür zu vermitteln, was (nach Ansicht der Kirche oder zumindest der Mehrheit der früheren rechtgläubigen Moraltheologen) schwere Sünden sind, was lässliche, und was keine Sünden. [Hier geht es nur darum, ob es sich um schwere Materie handelt; im Einzelfall kann trotz schwerer Materie eine lässliche Sünde vorhanden sein, weil jemand wegen Unwissenheit, Zwang, Sucht o. Ä. so handelt, d. h. weil Wissen oder Wille nicht voll da ist.]

Wer genauere Fragen zu einzelnen Sünden hat (z. B. im Bereich des 6. und 7. Gebots), kann auch gerne in diesem hier zu herunterladenden Buch schauen.

Mose und die 10 Gebote, Jusepe de Ribera.

1. Gebot: Keine anderen Götter haben; allgemeiner: Glaube, Hoffnung, Gottesliebe, und rechte Gottesverehrung

Schwere Sünden:

  • Atheismus, Agnostizismus, religiöser Indifferentismus, totales Desinteresse an Gott
  • Apostasie (Glaubensabfall)
  • Häresie (Ketzerei = Leugnung einer Glaubenswahrheit, aber nicht des ganzen Glaubens)
  • Schisma (Kirchenspaltung)
  • Glaubensverleugnung
  • Starke Gefährdung des eigenen Glaubens
  • Willentliche Zweifel am Glauben, nachdem man ihn angenommen hat und um die Grundsätze, wegen denen er glaubhaft ist, und Gottes Verlässlichkeit weiß (Schwierigkeiten mit Glaubenslehren haben, die man erst noch klären muss, aber ohne deswegen zu zweifeln, dass es dafür am Ende eine Lösung geben wird, ist keine Sünde)
  • Verzweiflung (jede Hoffnung auf den Himmel aufgeben)
  • Vermessenheit (Präsumption; sich einbilden, auf jeden Fall ohne weiteres in den Himmel zu kommen)
  • Willentlicher Hass auf Gott
  • Idolatrie (Götzendienst, z. B. Poly- und Pantheismus, Satanismus)
  • Schwerere Formen von Aberglaube, z. B. Geisterbeschwörung
  • Nie beten oder sehr lange nicht beten (z. B. einen Monat lang)
  • Schwerere liturgische Missbräuche (z. B. ungültige Absolutionsformel verwenden)
  • Schwere Sakrilegien (Sakrilegien sind Verbrechen gegen heilige Personen, Orte oder Sachen, schwere Sakrilegien z. B. die Kommunion im Stand der Todsünde empfangen, in der Beichte wissentlich und willentlich eine sicher schwere Sünde verschweigen, eine Reliquie aus einer Kirche stehlen)
  • Gott ernsthaft auf die Probe stellen wollen
  • Den eigenen Glauben ernsthaft gefährden
  • Simonie

Lässliche Sünden:

  • Mangel an Vertrauen in Gott, leichte Undankbarkeit, leichter Überdruss und Unaufmerksamkeit beim Gebet
  • Leichte Formen von Aberglaube aus Naivität/Dummheit (z. B. Glücksbringer ernst nehmen), abergläubische Dinge halbernst nehmen
  • Leichte liturgische Missbräuche
  • Vernachlässigung des Gebets (nicht täglich zumindest ein bisschen beten)
  • Leichte Sakrilegien (z. B. schlechtes Benehmen in der Kirche, wie Essen, Trinken, lautes Reden)
  • Nachlässigkeit dabei, sich über Glaubenswahrheiten zu informieren, sodass man nicht so gut erklären kann, was man glaubt
  • Eine gewisse Leichtgläubigkeit gegenüber noch nicht anerkannten Privatoffenbarungen

Keine Sünden:

  • Heiligenbildchen (solche, die nicht gesegnet sind) wegwerfen, die man nicht mehr gebrauchen kann
  • Nicht jeden Tag den Rosenkranz beten
  • Sein Horoskop lesen, um sich darüber lustig zu machen
  • Als Journalist oder Wissenschaftler bei den Machenschaften von Geisterbeschwörern anwesend sein, um zu entdecken, was dahintersteckt
  • In Zeiten der Verfolgung verstecken, dass man Christ ist (aber ohne es zu verleugnen, wenn man wirklich dazu aufgefordert werden sollte)

2. Gebot: Den Namen Gottes in Ehren halten

Schwere Sünden:

  • Meineid (eine eidliche Aussage machen, die falsch ist, oder ein eidliches Versprechen ablegen, das man nicht halten will) und Eidbruch (Bruch eines eidlichen Versprechens)
  • Bruch eines unter schwerer Sünde abgelegten Gelübdes (z. B. Ordensgelübde)
  • Blasphemie (Gotteslästerung)

Lässliche Sünden:

  • Bruch eines unter lässlicher Sünde abgelegten Gelübdes oder eines Gelübdes in unwichtiger Sache
  • Unehrfürchtiger Gebrauch heiliger Namen
  • Unüberlegte Blasphemie aus starken Gefühlsbewegungen heraus (z. B. bei einem Schicksalsschlag unbewusst rufen „Wie kann Gott nur so grausam sein!“)
  • Unüberlegtes (aber nicht falsches!) Schwören aus einem nichtigen Anlass

Keine Sünden:

  • Dinge nicht einhalten, die man nicht gelobt, sondern sich bloß vergenommen hat
  • Ein Gelübde brechen, das man im Zustand der Unzurechnungsfähigkeit abgelegt hat
  • Um Dispens von einem unüberlegten, schwer machbaren Gelübde bitten
  • Ein eidliches Versprechen, mit dem man sich dazu verpflichten wollte, eine Sünde zu begehen, nicht einhalten

3. Gebot: Den Tag des Herrn heiligen

Schwere Sünde:

  • Ohne guten Grund an Sonntagen und gebotenen Feiertagen nicht zur Messe gehen (z. B. weil man ausschlafen will)
  • Ohne sinnvollen Grund am Sonntag mehrere Stunden lang arbeiten
  • Aus Nachlässigkeit die Hälfte der Messe versäumen

Lässliche Sünde:

  • Aus Nachlässigkeit fünf Minuten zu spät zur Messe kommen
  • Fünf Minuten vor Schluss die Messe verlassen
  • Eine gewisse Unaufmerksamkeit und Ablenkung bei der Messe
  • Kürzere Arbeiten am Sonntag erledigen, die man auch verschieben könnte

Keine Sünde:

  • Von der Messe zu Hause bleiben, weil die Fahrt dorthin mehr als eine Stunde dauern würde; oder weil man krank ist (z. B. Grippe, Bauchschmerzen, Migräne genügt); oder weil die Straßenverhältnisse extrem schlecht sind; oder weil dringende familiäre Pflichten dazwischen kommen; oder weil man niemanden hat, der einen fahren könnte)
  • Notwendige Arbeiten am Sonntag erledigen (z. B. Kochen, Küche aufräumen)
  • Einen Job annehmen, bei dem man regelmäßig sonntags arbeiten muss (z. B. Krankenschwester, Verkäufer an der Tankstelle)
  • Einen Teil der Messe versäumen, weil man mit einem unruhigen Kind vor die Tür gehen musste
  • Aus Protest wegen schwerer liturgischer Missbräuche die Messe verlassen

4. Gebot: Vater und Mutter ehren; allgemeiner: Pflichten in Familie und Staat ggü. Autoritäten und Untergebenen

Schwere Sünden:

  • Als Kind: In schwerwiegender Weise gegen Ehrfurcht, Liebe oder Gehorsam gegenüber den Eltern verstoßen (z. B. die Eltern schlagen; ihnen starken Hass zeigen; Ungehorsam bei einem wirklichen Befehl in wichtigen Dingen, solange man noch minderjährig ist; die alten Eltern in schwerer Not vernachlässigen; nie für die Eltern beten)
  • Als Eltern: In schwerwiegender Weise die Pflicht zu Liebe, Fürsorge und guter Erziehung verletzen (z. B. ein Kind gewohnheitsmäßig deutlich vorziehen; nie mit den Kindern zum Arzt gehen; ein ernsthaftes Risiko einer Fehlgeburt ohne guten Grund eingehen; sich nicht dafür interessieren, dass das Kind gemobbt wird; es den Kindern einfach durchgehen lassen, dass sie andere Kinder mobben; sie so sehr verwöhnen, dass sie sich für den Mittelpunkt der Welt halten; sich überhaupt nicht darum kümmern, dass sie über Gott Bescheid wissen, Antworten für ihre religiösen Fragen bekommen und die Sakramente empfangen)
  • Als Staatsbürger: Ungehorsam gegenüber gerechten Gesetzen in wichtigen Dingen; Steuerhinterziehung in größerem Ausmaß; illegales Agitieren gegen die Staatsgewalt ohne extremen Grund; Hass auf das Vaterland
  • Als Teilhaber an der Staatsgewalt: In schwerwiegender Weise gegen das Gemeinwohl handeln (z. B. als Abgeordneter für ein schlechtes Gesetz stimmen, um sich in der Partei nicht unbeliebt zu machen; als Richter bestechlich sein und Schuldige laufenlassen; sich überhaupt keine Mühe geben, seinen Job zu machen, z. B. indem man als Abgeordneter im Parlament entweder ständig fehlt oder nicht aufpasst)

Lässliche Sünden:

  • Als Kind: In leichter Weise gegen Ehrfurcht, Liebe oder Gehorsam gegenüber den Eltern verstoßen (z. B. geringfügige Beleidigungen; unnötige Streitereien; Ungehorsam in wenig wichtigen Dingen)
  • Als Eltern: In leichter Weise gegen die Pflicht zu Liebe, Fürsorge und guter Erziehung verstoßen (z. B. ein bisschen ungeduldig mit den Kindern sein; sie ein bisschen verwöhnen oder ein bisschen inkonsequent mit ihnen sein)
  • Als Staatsbürger: Ungehorsam gegenüber gerechten Gesetzen in wenig wichtigen Dingen, Wahlenthaltung aus Desinteresse am Staat, ohne dass man dadurch schuld ist, dass eine schlechte Regierung ins Amt kommt
  • Als Teilhaber an der Staatsgewalt: In leichter Weise gegen das Gemeinwohl handeln (z. B. leichte Nachlässigkeit bei der Wahrnehmung der Pflichten als Abgeordneter)

Keine Sünden:

  • Als Kind: Seinen Eltern nicht gehorchen, wenn man schon erwachsen ist; anderer Meinung sein als die Eltern; versehentlicher Ungehorsam aus Vergesslichkeit
  • Als Eltern: Nicht immer für alle Kinder gleichermaßen da sein können, weil z. B. ein kleineres Kind einen dringender braucht; zwischendurch auch mal ungesundes Essen auf den Tisch bringen; nicht die absolut besten Fördermöglichkeiten für das Kind suchen; nicht extra umziehen, um dem Kind die bestmögliche Schule zu bieten
  • Als Staatsbürger: Passiver Widerstand gegenüber ungerechten Gesetzen; aktiver Widerstand in Extremfällen, wenn dieser Widerstand nicht noch mehr Schaden anrichtet; Wahl einer schlechten Partei, um eine noch schlimmere zu verhindern
  • Als Teilhaber an der Staatsgewalt: Einem schlechten Gesetz zustimmen, um ein noch schlimmeres zu verhindern

5. Gebot: Nicht morden; allgemeiner: Leben, körperliche Unversehrtheit und Gesundheit von sich und anderen achten, nicht hassen und verletzen

Schwere Sünden:

  • Direkte Tötung eines unschuldigen Menschen (Mord, Totschlag, Abtreibung, Euthanasie…)
  • Indirekte Tötung eines unschuldigen Menschen (d. h. etwas tun, bei dem sein Tod nicht gewollt ist, aber in Kauf genommen wird) ohne schwerwiegenden Rechtfertigungsgrund
  • Verstümmelung ohne medizinische Notwendigkeit
  • Duell
  • Selbstmord
  • Bedeutende Schädigung der eigenen Gesundheit ohne vernünftigen Grund (z. B. durch harte Drogen)
  • Sich so sehr betrinken oder mit Drogen zudröhnen, dass man den Vernunftgebrauch nicht mehr hat
  • Selbstverstümmelung ohne medizinische Notwendigkeit
  • Hungerstreik, Selbstverbrennung aus Protest
  • Riskieren des eigenen Lebens ohne guten Grund (z. B. bei Russian Roulette oder extremen Mutproben)

Lässliche Sünden:

  • Nachlässigkeit bei verhältnismäßigen Vorsichtsmaßnahmen gegen die Verbreitung von Krankheiten
  • Leichte Unvorsichtigkeit im Straßenverkehr
  • Leichtere Schädigung der eigenen Gesundheit ohne vernünftigen Grund (z. B. zu viel essen, häufiger Zigaretten rauchen)
  • Einem Tier unnötige Schmerzen zufügen

Keine Sünden:

  • Töten oder Verletzen im Fall von Notwehr oder Nothilfe gegen einen gegenwärtigen Angriff auf bedeutende Rechtsgüter (d. h. gegen einen Angreifer, der einen töten, vergewaltigen, verletzen, foltern oder etwas Wertvolles rauben will; generell darf man dabei den Angreifer nur so sehr schädigen, wie es zur Verteidigung notwendig ist, aber im Akutfall wird es nicht immer so leicht sein, darauf abzuzielen, den Angreifer z. B. nur zu verletzen statt zu töten, und man muss nicht extrem darauf achten, jemandem nur ins Bein zu schießen, wenn man in der Zwischenzeit schon von ihm umgebracht werden könnte)
  • Beteiligung an einem sicher gerechten Krieg oder an einem zweifelhaft gerechten Krieg, wenn man durch Wehrpflicht o. Ä. dazu verpflichtet wird
  • Verhängung oder Ausführung der Todesstrafe aus einem gravierenden Grund
  • Herausholen eines Embryos im Fall einer Eileiterschwangerschaft, ohne ihn direkt zu zerstückeln o. Ä., z. B. durch Entfernung des ganzen Eileiters (da man hier seinen Tod nicht will, sondern nur in Kauf nimmt, und sonst Mutter und Kind beide sterben müssten)
  • Im Fall einer tödlichen Krankheit als Schwangere ein Medikament nehmen, das dem Kind schaden oder es töten könnte; bei einer nicht direkt lebensgefährlichen Krankheit ein Medikament nehmen, das nur selten eine Fehlgeburt verursacht
  • Andere Fälle von indirekter Tötung aus gravierenden Gründen, z. B. Bombenangriff auf eine Munitionsfabrik in einem gerechten Krieg, wobei man nicht ausschließen kann, dass auch Unschuldige sterben werden
  • Sich aus einem gewichtigen Grund (z. B. sehr belastende Krankheit) den Tod wünschen, sich dabei aber Gottes Vorsehung unterwerfen
  • Sein Leben riskieren, um einen anderen zu retten
  • Übernahme einer gesundheitsschädlichen Arbeit, die an sich legitim ist und gemacht werden sollte
  • Unverhältnismäßige Vorsichtsmaßnahmen bzgl. der Verbreitung von Krankheiten nicht einhalten
  • Tierversuche in der medizinischen Forschung

6. & 9. Gebot: Nicht die Ehe brechen, nicht nach der Frau eines anderen verlangen; allgemeiner: Keuschheit und Schamhaftigkeit

Hier wird eigentlich alles im Bereich der Unkeuschheit (sexuelle Erregung oder Befriedigung suchen außerhalb der Ehe oder der natürlichen Ordnung) unter die schwere Sünde gezählt, auch wenn es innerhalb des Bereichs der schweren Sünde noch viele Abstufungen gibt, während es bei der Unschamhaftigkeit (zu offenes Zurschaustellen und Umgehen mit Sexualität/Nacktheit) auf den Grad ankommt, darauf, ob sie leicht für sexuelle Erregung sorgt oder nicht, dafür, ob sie schwer oder lässlich ist. (Es gibt verschiedene Gründe, warum die Moraltheologen hier so streng waren; u. a. wohl deshalb, weil Unkeuschheitssünden doch diejenigen Sünden sind, die Menschen gerne stark verstricken und zu weiteren Sünden führen, die sie stark prägen und bei denen viel auf dem Spiel steht; die Kraft, mit der neue Menschen gemacht werden, ist nun mal einfach etwas Bedeutsames. Mehr zu diesem Thema z. B. hier und hier. Außerdem kommt man an der Aussage Jesu in der Bergpredigt über Ehebruch im Herzen auch nicht einfach vorbei.)

Schwere Sünden:

  • Gewollt unkeusche Fantasien und Gefühle erwecken, darin schwelgen (delectatio morosa)
  • Zärtlichkeiten, die auf sexuelle Erregung abzielen (Herummachen, Hände unter dem T-Shirt des anderen, Zungenküsse, Petting…)
  • Unzucht (Sex außerhalb der Ehe)
  • Ehebruch
  • Masturbation
  • Inzest
  • Homosexuelle Handlungen
  • Widernatürliche oder perverse Praktiken auch in heterosexueller Konstellation (z. B. Penetration & Samenerguss in unnatürliche Körperöffnung (Analsex, Oralsex – orale Zärtlichkeiten als bloßes Vorspiel dürften wohl an sich keine Sünde sein) oder Sadismus)
  • Künstliche Verhütungsmittel (Pille, Kondome, Spirale, coitus interruptus…)
  • Sterilisation
  • Voyeurismus
  • Konsum oder Herstellung von Pornographie
  • Schwere Unschamhaftigkeit, z. B. sich halbnackt präsentieren, sodass Brüste und Hintern raushängen, oder vor anderen sehr explizit über sexuelle Praktiken reden, oder Romane mit expliziten Sexszenen lesen, ohne die zumindest zu überblättern
  • Vergewaltigung, Missbrauch von Kindern oder Unzurechnungsfähigen (nicht nur sehr schwere Sünde gegen die Keuschheit, sondern auch sehr schwere Sünde gegen die Gerechtigkeit)

Lässliche Sünden:

  • Leichte Sünden der Unschamhaftigkeit (z. B. bei Kleidung (T-Shirt, das ein wenig eng ist o. Ä.) oder Gesprächen, die noch keinen großen Einfluss darauf haben, sexuelle Gefühle zu erregen)
  • Sich aus zu großer Neugier mit sexuellen Dingen beschäftigen, ohne ein großes Risiko von sexueller Erregung
  • Unkeuschheitssünden ohne vollen Willen oder Bewusstsein (z. B. im Halbschlaf, oder aus einer Sucht heraus – wobei es wohl auch eine schwere Sünde wäre, gar nicht zu versuchen, die Sucht zu bekämpfen, aber bei der Einzelsünde wäre die Schuld gemildert)

Keine Sünden:

  • Gedanken, Gefühle oder körperliche Reaktionen, die man nicht kontrollieren kann und die man einfach ignoriert (oder von denen man sich irgendwie ablenkt, wenn sie stark belastend werden)
  • Nächtliche Pollution
  • Unkeusche Träume
  • Kurze Küsse und Umarmungen vor der Ehe
  • Sich aus medizinischen Gründen Gebärmutter, Eierstöcke o. Ä. entfernen lassen
  • Aus einem vernünftigen Grund NFP (Natürliche Familienplanung) verwenden, um die Kinderzahl zu begrenzen
  • Sich sachlich über Sexualität informieren, z. B. weil man eine medizinische oder moraltheologische Frage klären will
  • Sich vor dem Arzt ausziehen

7. & 10. Gebot: Nicht stehlen; nicht nach dem Gut eines anderen verlangen; allgemeiner: der richtige Umgang mit Eigentum

Schwere Sünden:

  • Diebstahl von größeren Summen (z. B. 200 €) oder serienmäßige kleine Diebstähle
  • Schwere Sachbeschädigung
  • Schwerer Betrug
  • Eindeutig weniger zahlen als den gerechten Familienlohn (d. h. den Lohn, mit dem ein Vollzeitangestellter als Alleinverdiener eine mittelgroße Familie ernähren kann)
  • Wucher (stark überhöhte Preise oder Zinsen)
  • Einen Vertrag nicht einhalten, indem man sehr schlechte Ware oder Arbeit liefert

Lässliche Sünden:

  • Diebstahl von geringen Summen (z. B. 5€) oder Diebstähle unter mildernden Umständen (z. B. etwas von Familienmitgliedern „ausleihen“, ohne zu fragen, oder am Arbeitsplatz Stifte und Kopierpapier mitgehen lassen…)
  • Geliehenes verspätet zurückgeben
  • Mit öffentlichem Eigentum nicht sorgfältig umgehen (z. B. Büchereibücher fahrlässig beschädigen)
  • Ein bisschen Faulheit bei der Arbeit

Keine Sünden:

  • Mundraub (Essen oder andere lebenswichtige Dinge stehlen, weil man weder durch Arbeit noch Betteln etwas bekommen kann)
  • Etwas heimlich an sich nehmen, das einem rechtmäßig sicher gehört, das einem aber vorenthalten wurde und man nicht auf andere Weise bekommen kann

Beim 7. Gebot sei angemerkt, dass für Schaden am Eigentum grundsätzlich eine Wiedergutmachung gegenüber dem Geschädigten moralisch verpflichtend ist; wenn es praktisch nicht gut möglich ist, sie zu leisten, muss man stattdessen den jeweiligen Betrag den Armen spenden.

8. Gebot: Kein falsches Zeugnis ablegen; allgemeiner: Wahrheit, Ehre, Treue, rechter Umgang mit Worten

Schwere Sünden:

  • Lüge, die jemand anderem stark schadet
  • Jemandem eine wichtige Information vorenthalten, die zu erfahren er ein Recht hat
  • Schwere Ehrabschneidung (durch Offenbaren wirklicher Sünden, die zu offenbaren weder notwendig für das Privatwohl noch für das Allgemeinwohl ist)
  • Schwere Verleumdung (durch Verbreiten falscher Behauptungen)
  • „Ohrenbläserei“ bei wichtigen Dingen (d. h. negative Informationen weitertragen („der da hat dich beleidigt“), um Streit zu stiften)
  • Wichtige Geheimnisse ohne guten Grund verraten
  • Schwerwiegende Beschimpfung (=ungerechterweise die Ehre eines anderen angreifen)
  • Völlig grundlos über andere hart urteilen (sog. freventliches Urteil)

Lässliche Sünden:

  • Notlüge, Scherzlüge
  • Jemandem eine unwichtige Information vorenthalten, die zu erfahren er ein Recht hat
  • Ein bisschen Lästern über Kleinigkeiten, ohne dass dabei jemandes Ruf stark geschädigt werden kann
  • Verrat eines unwichtigen Geheimnisses
  • Leichte Beschimpfung
  • Unzureichend begründeten Argwohn hegen

Keine Sünden:

  • Die sog. Mentalrestriktion (nicht die ganze Wahrheit sagen), wenn man einen hinreichenden Grund hat und der andere kein Recht hat, die Wahrheit zu erfahren (z. B. wenn ein Priester über Dinge befragt wird, die er nur aus der Beichte weiß, und dazu sagt „Ich weiß nichts“, mit dem gedanklichen Zusatz „…das ich sagen könnte“)
  • Jemandem, der kein Recht hat, eine Information zu bekommen, diese Information vorenthalten
  • Etwas Schlechtes über jemand anderen öffentlich machen, um jemand anderen vor Schaden zu bewahren, oder wenn derjenige sich um ein Amt bewirbt, für das er unwürdig ist; oder etwas Schlechtes über jemand anderem einem Freund erzählen, um sich bei ihm Rat zu holen…
  • Verrat eines Geheimnisses aus gutem Grund (z. B. um andere vor Schaden zu bewahren)
  • Im Umgang mit anderen vorsichtig sein, weil man nie genau wissen kann, was wirklich in jemandem steckt; hier liegt kein unbegründeter Argwohn oder freventliches Urteil vor, auch nicht, wenn man z. B. speziell bei einer bestimmten Gruppe von Menschen besonders vorsichtig ist; hier wird ja kein Urteil über einen einzelnen gefällt

Kirchengebote – in der Osterzeit die Kommunion empfangen, 1x im Jahr die schweren Sünden beichten, die Fast- und Abstinenztage einhalten, die Kirche finanziell unterstützen

Schwere Sünden:

  • In der Osterzeit nicht die Kommunion empfangen, obwohl es machbar wäre
  • Die schweren Sünden nicht mindestens einmal im Jahr beichten
  • Ohne Entschuldigung am Freitag weder Abstinenz (Fleischverzicht) halten noch ein Ersatzopfer bringen
  • Ohne Entschuldigung die Fasttage (Aschermittwoch und Karfreitag) nicht einhalten
  • Die Kirche überhaupt nicht materiell unterstüzen, obwohl man nicht arm ist (in Deutschland ist diese Sünde schwer begehbar, da die Kirchensteuer sowieso automatisch eingezogen wird)

Lässliche Sünden:

  • An Fasttagen zwar Verzicht üben, aber ein klein wenig mehr essen, als man dürfte
  • Sich aus einem zwar nicht ganz frivolen, aber nicht ganz ausreichenden Grund für vom Fasten entschuldigt halten

Keine Sünden:

  • Nicht fasten, weil man schwanger oder krank ist
  • Das Freitagsfasten aus Zerstreutheit vergessen
  • Nicht beichten, weil man nur lässliche Sünden zu beichten hat
  • Nicht öfter als einmal im Jahr beichten und die Kommunion empfangen

Dazu, was gilt, wenn jemand sich in eine größere Versuchung, eine größere Gefahr, eine bestimmte Sünde zu begehen, begibt, und was gilt, wenn jemand an der Sünde eines anderen mitwirkt, wann das alles Sünde ist und wenn ja, wie schwer, habe ich auch schon mal etwas geschrieben. Kurz gesagt: Es kommt auf die Größe der Gefahr bzw. der Mitwirkung und den verhältnismäßigen Grund dazu an.

3 Gedanken zu “Schwere – lässliche – keine Sünde: Beispiele

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.