Vier klassische Gottesbeweise, kurz erklärt

Wenn man von Gottesbeweisen hört, wird man oft den kosmologischen zu hören bekommen. Der ist kein schlechter Anfang, aber er ist oft eine sehr vereinfachte Version von dem, was Philosophen wie Platon, Aristoteles, Thomas von Aquin und ihre Anhänger früher ausgeführt haben.

Eine vereinfachte Version ist z. B. das „Kalam“-Argument (das eher aus dem islamischen Bereich kommt). Es geht etwa so: Alles, was einen Anfang hat (also nicht ewig ist), muss eine Ursache haben; das Universum hat einen Anfang; also hat das Universum eine Ursache; diese Ursache nennen wir Gott. Das ist nicht schlecht oder falsch; das Prinzip „von nichts kommt nichts“ ist sehr einsichtig, und die Urknalltheorie deutet sehr stark auf einen Anfang des Universums hin, während Theorien wie die eines Multiversums sehr spekulativ sind. Es gibt allerdings andere Beweise, die kein Wissen über den Anfang des Universums erfordern, und die philosophisch ein bisschen komplizierter sind. (Unter den hier angeführten ist der vierte m. E. der einfachste und stärkste.)

1. Von den Teilen auf das Eine

Das wäre ein Gottesbeweis, der auf Überlegungen von Platon und antiken Platonikern zurückgeht. Man fängt mit der offensichtlichen Tatsache an, dass die Welt, in der wir leben, aus Teilen besteht. Man kann sehr weit ins Detail gehen bis zu Protonen und Quarks usw., und selbst diese kann man sich noch als „zerschneidbar“ denken, wobei das hier nicht die Frage ist. Jedenfalls: Alles, was wir wahrnehmen, besteht aus Teilen, und die müssen irgendwie zusammengehalten werden.

Die Beine und die Platte eines Tisches zum Beispiel werden von den Nägeln, der Erde mit ihrer Schwerkraft, der richtigen Raumtemperatur, etc. zusammengehalten. (Bei einer zu hohen Temperatur würde das Holz in Flammen aufgehen, die Nägel würden schmelzen; bei einer größeren Erdanziehungskraft würden alle einzelnen Bretter zu stark von der Erde angezogen werden, um zusammengehalten zu werden). So ist alles von vielen anderen Dingen gleichzeitig abhängig – der Tisch z. B. von den Nägeln, von der Erde, von den Luftpartikeln, die sich in dieser und jener Geschwindigkeit bewegen, was die Temperatur ausmacht. Diese Dinge sind wiederum von anderen Dingen abhängig (z. B. die Erde von der Sonne, die sie in ihrer Umlaufbahn hält, die Lufttemperatur ebenfalls von der Sonne).

Man kann hier lange Kausalreihen aufstellen, und das sind Kausalreihen, in denen alle Ursachen und Wirkungen gleichzeitig stattfinden. Die Nägel müssen jetzt im Tisch stecken, damit er zusammenhält, die Sonne jetzt die Erde mit genau der richtigen Temperatur erwärmen, die Erde jetzt ihre bestimmte Masse und damit ihre bestimmte Anziehungskraft haben. Es ist wie mit einem Glas, das auf einem Tablett steht, das auf einem Tisch steht, der auf dem Fußboden im dritten Stock steht, der von den Wänden gehalten wird, die vom Fundament gehalten werden etc. Wenn man ein Element aus dieser Reihe entfernt (z. B. den Fußboden im dritten Stock), stürzt alles weitere zusammen; das Glas steht nicht mehr da. Die Einzelelemente haben nur abgeleitete, keine eigene Kausalkraft. Eine solche Kausalreihe nennt man eine hierarchische Kausalreihe. Das Gegenteil dazu ist eine lineare Kausalreihe, in der die Zwischenursachen eigene kausale Kraft haben und die einzelnen Glieder zeitlich nacheinander kommen. Ein Beispiel: Herr Müller bringt Fritz das Malrechnen bei, Fritz bringt es seinem kleinen Bruder Franz bei. Oder: Abraham zeugte Isaak, Isaak zeugte Jakob. Herr Müller ist nicht mehr notwendig, damit Fritz sein Wissen weitergeben kann, und genausowenig Abraham, damit Isaak einen eigenen Sohn zeugen kann.

Eine hierarchische Kausalreihe muss ein erstes Glied haben. Bei einer linearen Kausalreihe ist die Frage schwieriger; hier waren manche Philosophen, von denen ich sehr viel halte (wie Thomas von Aquin), der Ansicht, dass sie theoretisch auch unendlich zurückreichen könnte. Ich würde das eher bezweifeln, aber das muss ich gar nicht endgültig herausfinden und auch niemanden davon überzeugen, denn hier geht es nicht um lineare Kausalreihen. Und eine hierarchische Kausalreihe muss auf jeden Fall ein erstes Glied haben, das wirkliche Kausalkraft hat und von dem die Zwischenglieder alle ihre abgeleitete Kausalkraft haben.

Wenn es um die aus Teilen bestehende Welt geht, haben wir also eine hierarchische Kausalreihe. Jedes aus Teilen bestehende Ding muss zeitgleich von einem oder mehreren anderen Dingen zusammengehalten werden, diese wiederum von anderen. In dieser Reihe kann man immer weiter zurückgehen, und irgendwann muss man zu einer Erstursache kommen, die selbst nicht mehr aus Teilen besteht, also nicht mehr zusammengehalten werden muss. Man kann diese Reihe noch über das Universum hinausführen (z. B. behaupten, dass ein sehr mächtiger Engel das gesamte physikalische Universum zusammenhält), aber dann muss dieser Engel wiederum von etwas anderem zusammengehalten werden. Am Ende muss man zu etwas kommen, das aus sich bestehen kann und nicht wieder zusammengehalten werden muss: etwas absolut Einem oder Einfachen im Sinn von „nicht zusammengesetzt“.

Könnte es mehrere „Eine“ geben, die alle Teile des Universums zusammenhalten, oder die vielleicht verschiedene Welten zusammenhalten? Das könnte es nicht. Zwei Dinge, die nicht dasselbe Ding sind, müssen etwas haben, das sie unterscheidet. Selbst wenn man sich zwei Stahlwürfel mit denselben Eigenschaften und demselben Aussehen vorstellt, unterscheiden sie sich doch dadurch, dass der eine dieses Stück Materie, diese Atome und nicht jene, beansprucht, und der andere aus einem anderen Stück Materie, anderen Atomen, besteht. Wenn es zwei vollkommen einfache Wesen gäbe, müsste das eine Wesen X + A sein und das andere Wesen X + B. Dann aber wären beide nicht mehr vollkommen einfach.

Es gibt also „das Eine“, das einzige vollkommen einfache Wesen, das die ganze Welt jetzt in diesem Augenblick im Dasein erhält. Dieses Wesen muss rein geistig sein, denn Materie bedeutet Zerteilbarkeit. Ist es geistig, muss es auch – zumindest in gewisser Weise – personal sein, denn ein Geist bedeutet immer ein konkretes Bewusstsein, etwas, das sich seiner selbst bewusst ist und Intellekt und Willen hat, und nie eine herumwabernde Kraft (genau genommen findet man so etwas gar nicht für sich; Kräfte sind immer Fähigkeiten, die in einem Geist, einer Materie oder einem Mischwesen aus Geist und Materie wie Menschen liegen, nie etwas für sich Bestehendes). Es muss auch unveränderlich sein, weil es keine Teilmerkmale hat, die es gewinnen oder verlieren könnte. Es ist kausal wirksam auf die Welt, und zwar auf alles in der Welt. Es ist also ein vollkommen einfacher, unveränderlicher, personaler Geist [eben nicht im Sinn von „Gespenst“, sondern von „Bewusstsein“], der die ganze Welt zusammenhält.

Dieses Wesen nennt man auch „Gott“.

2. Von Existenz und Wesen auf die reine Existenz

Dieses Argument ist leicht verständlich, wenn man auf dem vorigen aufbaut. Wie jedes Wesen aus materiellen Teilen besteht, besteht es auch aus metaphysischen „Teilen“, wie etwa seinem Wesen und seiner Existenz – was es ist und dass es ist. Dass das zwei verschiedene Sachen sind, sieht man leicht an folgendem Argument: Wenn man das Wesen eines Dings kennt, weiß man noch nicht, ob es auch existiert – man kann das Wesen eines ausgestorbenen Tieres oder eines Fabelwesens kennen, ohne zu wissen, ob es existiert. Wesen und Existenz sind also wirklich verschiedene Aspekte, Teile eines Dings, die kombiniert und zusammengehalten werden müssen, damit das Ding jetzt und hier da ist. Es muss eine Existenz haben und es muss ein Wesen haben, nur dann ist es da. Es muss also etwas geben, das z. B. das Wesen und die Existenz dieses Stück Eisens oder dieses Menschen zusammenhält. Diese beiden Teile kommen nicht automatisch zusammen, aus dem bloßen unverkörperten Wesen kann keine Existenz entstehen – es hat ja keine Existenz.

Das einzige Ding, das nicht auf diese Weise von etwas anderem zusammengehalten werden müsste, wäre ein Ding, dessen Wesen gleich die Existenz ist, d. h. das pure Existenz ist.

Wir können wieder eine hierarchische Kausalreihe aufstellen: Das Wesen und die Existenz dieses Menschen werden von etwas zusammengehalten. Hier könnte man eigentlich gleich Gott einsetzen, man könnte aber auch irgendein Zwischenwesen, einen Engel o. Ä. postulieren. Dessen Wesen und Existenz müssten aber auch wieder von etwas zusammengehalten werden, und so muss man zu einem ersten Glied der hierarchischen Kausalreihe kommen: Etwas, das die reine Existenz selbst ist, und deswegen für sich selbst ewig existiert und gar nicht nicht existieren könnte. Es muss ohne Ursache sein. Dieses Wesen muss einzig sein, denn wenn es zwei solche Wesen gäbe, müssten sie wiederum etwas haben, anhand von dem sie sich unterscheiden; das eine Wesen müsste Existenz + A sein, das andere Existenz + B. Dann wären beide nicht mehr die reine Existenz. Da es nur ein solches Wesen gibt, muss es die Ursache sein, die alles andere, dessen Wesen und Existenz sich voneinander unterscheidet, im Dasein hält, also die ganze Welt, nicht nur einen Teil davon. Wir haben also ein ewiges, unverursachtes, einzigartiges Wesen, das die reine Existenz ist und die ganze Welt im Dasein hält.

Dieses Wesen nennt man auch „Gott“.

3. Von Aktualität und Potentialität auf die pure Aktualität

Alles, was man in dieser Welt um sich herum sieht, besteht auch noch aus zwei anderen metaphysischen „Teilen“, nämlich Potentialität und Aktualität. (Früher sagten Philosophen auch knapper „Potenz“ und „Akt“.) Aktualität ist das, was ein Ding jetzt gerade ist – z. B. ist das Wasser im Glas aktual flüssig. Potentialität ist das, was es sein könnte – z. B. könnte das Wasser zu Wasserdampf oder Eis werden. Potentiale sind etwas Wirkliches, das jedes Ding seinem Wesen nach hat, und es hat dementsprechend nur bestimmte – z. B. könnte das Wasser nicht plötzlich laut bellen, dieses Potential hat es nicht. Man muss die Dinge in diese zwei „Teile“ unterteilen, um zu erklären, wie es Veränderung geben kann; Veränderung ist immer die Aktualisierung eines Potentials. Ein Ding muss Potentiale haben, damit es sich verändern kann, denn wenn es nur das wäre, was es aktual gerade ist, ohne Potentiale, könnte es immer nur das bleiben, was es ist.

Damit ein Potential aktual wird – also etwas Mögliches in die Wirklichkeit übergeht – muss es von etwas angestoßen (aktualisiert) werden, das selbst aktual ist – ein bloßes Potential kann nichts bewirken. Wenn z. B. das aktual flüssige Wasser sein Potential dazu, zu Dampf zu werden, verwirklich soll, muss eine Herdplatte, die jetzt aktual heiß ist, das bewirken, eine nur potentiell heiße Herdplatte brächte nichts, und das Wasser kann auch nicht von selbst verdampfen, es würde in dem Zustand bleiben, in dem es ist.

Die Aktualisierung (Verwirklichung) eines Potentials geschieht immer durch etwas anderes bereits Aktuales.

Nun ist aber schon die Existenz eines Dings die Verwirklichung eines Potentials, nämlich seines Potentials, zu existieren. (Es könnte auch nicht existieren; kein Ding in der Welt, das wir um uns herum sehen, existiert notwendigerweise.) Dieses Potential wird jetzt in diesem Moment andauernd verwirklicht, solange das Ding im Dasein bleibt. Es braucht also etwas Aktuales, das es im Dasein hält. Jedes aktuale Ding, das wir kennen, existiert aber wiederum nicht einfach aus sich selbst, sondern verwirklicht hier wieder ein Potential. Es muss selber von etwas anderem aktualisiert werden.

Und hier kommen wir wieder zu einer hierarchischen Ursachenreihe. Alles, was wir so sehen, wird von etwas anderem in der Existenz gehalten, sein Potential zur Existenz wird verwirklicht, also müssen wir zu einem ersten Glied kommen, das die anderen Dinge aktualisieren kann, ohne selbst aktualisiert zu werden, d. h. ein unaktualisierter Aktualisierer. (Man könnte auch zu allen anderen Veränderungen in der Welt solche Kausalreihen aufstellen, teilweise hiearchische, teilweise lineare Kausalreihen, und auch da endet man bei einem unaktualisierten Aktualisierer.)

Man könnte noch die Frage stellen: Können sich die Dinge nicht gegenseitig verursachen, sich gegenseitig im Gleichgewicht halten, sodass z. B. A B’s Potential aktualisiert und B A’s Potential? Das wäre nicht möglich. Wir reden hier von der Aktualisierung des Potentials zur Existenz. Alle Dinge in dieser Ursachenreihe aber geben diese Aktualisierung nur als Zwischenglieder ohne eigene kausale Kraft weiter, da wir uns in einer hierachischen Kausalreihe befinden, und da sie selbst nicht notwendigerweise existieren, sondern auch nicht existieren könnten. Irgendwo müssen wir zu einem Glied kommen, das eigene kausale Kraft hat, die es an die anderen Glieder weitergibt. Immer von A zu B und B zu A zu wechseln, führt uns zu keinem ersten Glied, keinem „Endglied“, das eigene kausale Kraft hat, und das aus sich existiert, ohne dass sein Potential zur Existenz aktualisiert werden müsste.

Der unaktualisierte Aktualisierer muss reine Aktualität sein, denn er ist eben unaktualisiert, hat keine Potentiale, die aktualisiert werden würden. Das gilt nicht nur für die Frage der Existenz; denn auch andere Potentiale müssen in einer Ursachenreihe aktualisiert werden, und am Ende dieser Ursachenreihe muss immer dieser unaktualisierte Aktualisierer stehen. Reine Aktualität (lateinisch actus purus) heißt pure Wirklichkeit.

Hier könnte man noch die Nebenfrage aufwerfen: Könnte dieser Aktualisierer nicht auch noch irgendwelche nebensächlichen Potentiale in sich haben, die einfach nicht verwirklicht werden und auch nicht verwirklicht werden müssen? Das könnte er nicht. Denn dieses Wesen ist dasselbe, auf das wir mit den vorherigen Beweisen kommen und muss daher vollkommen eins und ungeteilt sein, also nicht zusammengesetzt aus Potentialität und Aktualität, sondern reine Aktualität.

Aus der reinen Aktualität kann man nun besonders gut auf die Attribute dieses Wesens schließen. Die reine Aktualität hat keine Potentiale, ändert sich also nicht; sie ist unveränderlich. Sie hat auch nicht das Potential, zu existieren; sie ist einfach, aktual, ohne Anfang und Ende. Materielle Dinge haben immer Potentiale und sind veränderlich; dieses Wesen ist also immateriell / rein geistig. Was rein geistig ist, ist ein Bewusstsein, etwas Personales. Es aktualisiert das Potential aller Dinge, zu existieren, also ist es allmächtig.

Wenn etwas etwas anderes verursacht, muss es dieses andere in einer gewissen Weise in sich haben (Prinzip der proportionalen Kausalität). Es kann dieses andere real in sich haben: Feuer hat reale Hitze, die es an den Menschen, der vor dem Feuer sitzt, weitergibt. Es kann dieses andere virtuell (in eher potentieller Form) in sich haben: Wer Zündholzer hat, hat die Fähigkeit, Feuer zu verursachen. Dieses Wesen muss also in sich ein gewisses Bild sowohl der einzelnen Dinge haben als auch der Formen, denen diese einzelnen Dinge entsprechen (z. B. der chemischen Elemente, zu denen alle einzelnen Dinge gehören), weil es alle diese Dinge verursacht. Es ist daher allwissend.

Reine Aktualität heißt vollkommene Wirklichkeit, ohne jede Einschränkung. Nun ist das Schlechte und das Böse immer nur eine Privation, etwas Fehlendes oder Verdrehtes und hat keine Existenz in sich. (Schlechtes ist dann böse, wenn Wesen es aus freiem Willen hervorbringen. Wenn eine Katze mit nur drei Beinen geboren wird, ist das schlecht, aber nicht böse.) Etwas ist gut insofern als es seiner Natur entspricht, und insofern ihm etwas daran fehlt oder verdreht ist, ist es schlecht. Der reinen Aktualität fehlt aber nichts, also ist sie vollkommen gut.

Wir haben also ein unveränderliches, ewiges, geistiges, personales, allmächtiges, allwissendes, vollkommen gutes Wesen.

Dieses Wesen nennt man auch „Gott“.

4. Von kontingenten Dingen zum notwendig Seienden

Das ist meiner Meinung nach der am leichten einsichtigste Beweis unter den vier. In der Philosophie kennt man das „Prinzip des zureichenden Grundes“, das besagt, dass alles, was existiert, einen Grund für seine Existenz haben muss. Achtung: Ein Grund ist nicht dasselbe wie eine Ursache. Wenn etwas seinen Grund in etwas anderem hat, ist das seine Ursache. Es ist aber auch denkbar, dass etwas seinen Grund in sich selbst hat, aus sich selbst heraus notwendigerweise existiert, also keine Ursache hat. Alle Ursachen sind Gründe, aber nicht alle Gründe Ursachen. Und nicht alles muss eine Ursache haben, aber alles einen Grund – zumindest laut diesem Prinzip.

Dieses Prinzip wird zunächst einmal durch die empirische Erfahrung mit der Welt nahegelegt. Man geht davon aus, dass es Gründe gibt und die Welt verstehbar ist, und man findet auch Gründe, oder weiß zumindest, warum Gründe einem verborgen sind (z. B. wenn sie nach langer Zeit nicht mehr feststellbar sind). Es passt einfach zusammen; die Welt ist kein pures Chaos, in dem plötzlich Dinge aus dem Nichts auftauchen und wieder verschwinden usw. Und selbst Dinge, in denen der Zufall am Werk ist, haben Gründe – wenn z. B. ein Würfel, der genau auf die Kante fällt, entweder nach rechts oder links kippt, ist der Zufall am Werk, aber dafür, dass er überhaupt fällt, braucht es einen Grund, nämlich dass er geworfen wurde. [Der Physiker mag einwenden, dass selbst hier hier winzige Unebenheiten genau determinieren, wohin der Würfel fallen wird, aber man stelle sich um des Arguments willen einen idealisierten Würfel auf einer idealisierten Oberfläche vor. Jedenfalls: Selbst wenn die Ursache hier (oder in einem anderen Fall) nicht genau deterministisch wirkt und das genaue Ergebnis determiniert, ist es eine Ursache, die eines von mehreren möglichen Ergebnissen verursacht, eine indeterministische Ursache.]

Man kann das Prinzip des zureichenden Grundes aber auch überhaupt nicht kohärent leugnen; das führt ad absurdum. Denn man müsste wieder Gründe anführen, aus denen dieses Prinzip abzulehnen ist – und dabei würde man es selbst anwenden. Nun könnte man sagen „ich nehme einfach ohne Grund an, dass es nicht immer Gründe gibt, und dass vieles keinen Sinn macht, das behaupte ich einfach, und leugne, dass wir fähig sind, zu begründen und zu erkennen“ – schön, kann man machen. Aber damit schließt man sich aus jeder vernünftigen Diskussion aus, und außerdem ist die Welt einfach absolut nicht so, dass sie eine solche Position nahelegen würde.

Nehmen wir also dieses Prinzip an. Nun haben also alle Dinge einen Grund für ihre Existenz. Wenn sie ihn in etwas anderem haben, sind sie „kontingent“, sie existieren nicht aus sich heraus. Wenn etwas aus sich heraus existiert, heißt das, dass etwas in seinem Wesen macht, dass es existiert, d. h. dass es nicht nicht existieren können, denn sonst wäre sein Wesen nicht mehr das, was es ist. Es muss also existieren, es ist ein „notwendiges“ Ding/Wesen. Nun ist kein Ding in der Welt von dieser Art, und auch nicht das Universum als Ganzes. Jedes Ding und die Ansammlung aller Dinge ist kontingent. Wir müssen aber nicht einmal vom ganzen Universum ausgehen, wir können auch von einem einzelnen Ding ausgehen. Jetzt haben wir hier wieder eine Ursachenreihe, wobei man zwei aufstellen kann, eine hierarchische Ursachenreihe dafür, wieso dieses Ding jetzt in der Gegenwart im Dasein bleibt, und eine lineare Ursachenreihe dafür, wie dieses Ding in der Vergangenheit entstanden ist: Dieses Ding hat eine Ursache, diese Ursache hat eine Ursache usw. Die hierarchische Ursachenreihe muss sowieso ein erstes Glied haben, wahrscheinlich auch die lineare. Und nehmen wir an, die lineare Ursachenreihe könnte unendlich weit in die Vergangenheit zurückreichen (was ich bestreiten würde): Nun, wieso existiert dann diese ganze unendliche Reihe, die ja nur aus kontingenten Dingen besteht, überhaupt? Wie kann die Ansammlung kontingenter Dinge selbst nicht kontingent sein? Sie ist selbst kontingent, also muss etwas außerhalb von dieser Reihe notwendig sein (oder eben an ihrem Ende, und dann wäre sie nicht unendlich).

Wir haben also ein notwendiges Wesen, das aus sich selbst heraus existiert. Dieses notwendige Wesen wäre die Ursache für alles außer ihm selbst, denn alle Reihen, die man aufstellen könnte, führen zu ihm, also ist es allmächtig. Es hat die Existenz in sich selbst und ist ewig.

Dieses Wesen ist dasselbe, auf das wir schon mit den anderen Beweisen gekommen sind, und das nennt man auch „Gott“.

Fazit

Diese Gottesbeweise sagen alle nicht ganz dasselbe und kommen doch zu einem Ergebnis, das genau zusammenpasst; sie gehen quasi dieselbe Figur von unterschiedlichen Standpunkten aus an. Kurz zusammengefasst: Die Welt besteht aus Teilen, ist der Veränderung unterworfen, existiert nicht notwendigerweise / hat die Existenz nicht aus sich selbst, und muss daher jetzt in diesem Moment von etwas im Dasein gehalten werden, das notwendigerweise existiert, unveränderlich und ewig ist, reiner Geist ist und damit in gewisser Weise Willen und Intellekt hat, vollkommen einfach ist, allmächtig, allwissend, vollkommen gut, reine Aktualität, dessen Wesen einfach die Existenz ist.

Außerdem: Von den Gesetzen auf den Gesetzgeber

Man kann noch mit weiteren Überlegungen kommen, ich halte z. B. folgendes Argument für intuitiv sehr überzeugend: Die Dinge in der Welt verhalten sich nach Gesetzen, nach Regelmäßigkeiten, die ein Verstand (d. h. ein vernunftbegabter Geist) erkennen kann und nicht einfach über sie überstülpt. Sie verhalten sich erfahrungsgemäß immer nach den gleichen Gesetzen, und verschiedene Menschen können von unterschiedlichen Ausgangspunkten aus die gleichen Gesetze entdecken. Das zeigt, dass es wirkliche Wesenheiten gibt (wenn man ein Naturgesetz von der Seite aus betrachtet, dass es die inhärente Tendenz einer Substanz beschreibt, sich zu verhalten) oder wirkliche Gesetze. Das weist darauf hin, dass hinter der Welt wieder ein vernünftiger Geist stehen muss, der diese Naturgesetze in die Natur gelegt hat.

Zum Theismus im Ausschlussverfahren

Wenn man alle diese naheliegenden Schlüsse ablehnt, kommt man so langsam in die Beweispflicht. Der Atheist muss begründen, wieso er von den drei Möglichkeiten Theismus (etwas Absolutes, Schöpferisches, Ewiges steht hinter der Welt, hat sie gemacht und erhält sie), Pantheismus (dieses Absolute, Schöpferische, Ewige ist die Welt selbst, die sich ewig selbst erhält) und Atheismus (die Welt braucht nichts Absolutes, Schöpferisches, Ewiges, das sie gemacht hat und erhält) den Atheismus wählt.

Um noch einmal kurz die Frage nach dem zeitlichen Anfang der Welt zu streifen: Ein Atheist kann entweder 1) sagen, die Welt (entweder dieses Universum, ein früheres, ein Multiversum oder was auch immer; die ganze Welt eben) wäre plötzlich aus dem Nichts entstanden, quasi aufgeploppt. Das ist von vornherein als völliger Blödsinn zu erkennen und halbwegs ernstzunehmende Atheisten sollten sich damit nicht aufhalten. Das absolute NICHTS heißt, dass es nicht nur keine Materie gibt, sondern auch keinen Raum, keine Zeit und keine Naturgesetze. Ich halte nicht viel davon, wenn Laien mit Quantenphysik argumentieren, denn irgendwie wird man das nie so ganz verstehen und Fehler machen, aber dass möglicherweise kleinste Teilchen in einem Vakuum auftauchen und wieder verschwinden können, beweist gar nichts. Denn diese Teilchen entstehen (wenn sie entstehen) nicht aus dem Nichts, sondern aus einem leeren Raum, in dem bereits Naturgesetze am Werk sind, anhand derer man auch die Wahrscheinlichkeit der Entstehung soundsovieler Teilchen berechnen kann, aus einem Raum, in dem Potentiale vorhanden sein können. Wenn wir aber das absolute NICHTS haben, ist es nicht nur unwahrscheinlich, sondern völlig unmöglich, dass daraus etwas entstehen kann; denn dann gibt es auch kein Potential für eine Entstehung, und keine Naturgesetze, die seine Entstehung regeln. Das zu leugnen, heißt, den Begriff „Nichts“ nicht ernst zu nehmen.

Es gibt jetzt ETWAS; das ist klar; und das heißt auch, dass es immer ETWAS gegeben haben muss; dass IRGENDETWAS ewig sein muss, denn wenn es einmal NICHTS gegeben hätte, könnte es auch jetzt NICHTS geben.

So könnte also ein Atheist 2) sagen, die Welt wäre ewig und hätte keinen Anfang, aber ihr nicht die göttlichen Eigenschaften zusprechen, die der Pantheist ihr zusprechen würde. Das allerdings macht keinen Sinn. Denn die Welt besteht eben immer noch aus Teilen, die dann auch zusammengehalten werden müssen; sie ist immer noch kontingent, nicht notwendig; sie ist, kurz gesagt, unvollständig und anfällig für den Zerfall. Sie braucht eben doch das Absolute, Schöpferische, Ewige, ohne kommt sie nicht aus.

Und der Pantheismus macht leider deswegen auch keinen Sinn, weil die Welt eben nicht die Eigenschaften hat, die das Göttliche haben müsste. Wenn man das leugnen wollte, wenn man sagen wollte, das sei alles nur Schein, müsste man die komplette Erkenntniskraft unserer Sinne und unseres Verstandes leugnen.

Das Ausschlussverfahren ist hier eigentlich sehr praktisch; denn es bleiben nur die drei Möglichkeiten Theismus – Pantheismus – Atheismus. Und wenn zwei einfach keinen Sinn machen, bleibt nur die dritte Möglichkeit.

Das ist tatsächlich die Herangehensweise, die mir persönlich am besten gefällt.

Ein paar atheistische Gegenargumente

  • „Wenn alles eine Ursache hat, was hat dann Gott verursacht?“ Das ist ein Einwand, der am Kern der Argumente völlig vorbeigeht, und wer ihn vorbringt, sollte die Beweisketten noch einmal lesen. Die Prämisse ist gerade die, dass Dinge, die bestimmte Eigenschaften haben (z. B. kontingent sind) eine Ursache haben – nicht, dass alles eine Ursache hat. (Daher ja auch oben die Unterscheidung der zwei Begriffe „Grund“ und „Ursache“.)
  • „Ihr schlagt einen Lückenbüßer-Gott vor.“ Auch hier wird nicht auf die Beweise eingegangen. Ein Lückenbüßer-Gott wird dann vorgeschlagen, wenn es für ein Phänomen mehrere mögliche Erklärungen gibt, eine davon Gott ist, und man gleich einfach Gott nimmt, weil einem die anderen zu umständlich sind. Z. B.: Was hat diesen Blitz verursacht? Wir wissen es nicht, also sagen wir mal Gott. Bei dem, worum es hier geht, der tiefsten Zusammensetzung und dem Bestehen der Wirklichkeit, kommt man aber nicht zu mehreren möglichen Erklärungen, sondern nur zu einer Erklärung, die notwendigerweise die göttlichen Attribute haben muss und außerhalb des physikalischen Universums stehen muss, also auch nichts mit seinen Naturgesetzen zu tun hat.
  • „Wenn Gott gut sein soll, wieso hat er dann Leid zugelassen?“ Das ist bei weitem das beste der ansonsten sehr schlechten atheistischen Argumente, sowohl nach dem ersten Eindruck als auch, wenn man tiefer bohrt (auch wenn es eher Gottes Attribute als seine Existenz angeht). Zunächst ist darauf zu antworten: Hier wird eine Schwierigkeit aufgeworfen, keine Widerlegung vorgebracht. Wenn die oben angeführten Beweise schlüssig und fehlerlos sind, bleiben sie das, und beweisen Gott und Seine Attribute. Die Frage ist dann nicht, ob Gottes Güte mit der Existenz von Leid vereinbart werden kann, sondern nur noch, wie. In der Naturwissenschaft wird genauso vorgegangen. Wenn man über etwas stolpert, das zunächst nicht mit dem Gesetz der Schwerkraft zusammenzupassen scheint, verwirft man nicht dieses bereits bestens bewiesene Gesetz, sondern forscht nur danach, wie es doch zusammenpassen kann. Atheisten müssten nun beweisen, dass es überhaupt keine Möglichkeit gibt, Gott und das Leid zu vereinbaren; solange sie das nicht getan haben, beweist ihr Argument noch gar nichts. Und es sind tatsächlich mehrere Möglichkeiten denkbar. Zunächst mal kann man darauf hinweisen, dass das meiste Leid durch den freien Willen der Geschöpfe verursacht wird, und Gott das nur zulässt. Menschliche Bosheit ist die größte Katastrophe der Welt, und ohne sie würde man im Paradies leben. Wenn Gott seinen vernunftbegabten Geschöpfen aber den freien Willen nehmen würde, wären wir nur Roboter und auch nicht wirkungsvoll fähig, Gutes zu tun und zu lieben. Wenn Gott uns also zu guten Geschöpfen machen will, muss er auch die Möglichkeit zulassen, dass wir böse werden. Der stärkste Einwand darauf wiederum ist: Aber hätte Gott nicht eine Welt mit solchen Geschöpfen schaffen können, denen er den freien Willen gelassen hätte, bei denen er aber vorhergesehen (vorhergesehen, nicht verursacht!) hätte, dass sie sich immer nur für das Gute entscheiden werden, und andere Geschöpfe, die sich für das Böse entschieden hätten, einfach unerschaffen lassen können? Das hätte er natürlich tun können – vielleicht hat er auch neben unserer noch eine andere Welt erschaffen, in der das so ist. Aber in einer solchen Welt hätte es zwar Gutes gegeben, aber eine bestimmte Art von Gutem hätte nie existieren können: Z. B. Mitleid, Mut, gegenseitige Hilfe in Widrigkeiten, Treue auch wenn man bedroht wird, Vergebung für erlittenes Unrecht. Dass wir in dieser Welt durch das Böse erprobt werden, macht erst die Entwicklung dieser guten Dinge möglich. Das ist logisch notwendig; und auch Gott kann nichts Selbstwidersprüchliches tun (er könnte auch kein rundes Quadrat schaffen), weil das Selbstwidersprüchliche gar keine Existenz hat. Offensichtlich wollte Gott (auch) eine Welt schaffen, in der es diese Art von Gutem gibt und hat dafür Böses zugelassen (zugelassen, nicht verursacht; denn das würde tatsächlich dem Attribut der vollkommenen Güte widersprechen). Jetzt könnte man noch das Leid erwähnen, das nicht aus dem menschlichen Willen kommt (Naturkatastrophen, Krankheiten), aber hier ist die Behauptung zumindest einiger monotheistischer Religionen wie dem Christentum, dass es grundsätzlich eben auch aus dem freien Willen von Geschöpfen kam; dass die Welt in Mitleidenschaft gezogen wurde durch den Fall der gefallenen Engel (reiner Geistwesen, mit freiem Willen begabt, nicht allmächtig, nicht anfangslos, nicht allwissend, vor dem Menschen erschaffen, teilweise gut, teilweise böse geworden) und durch den Fall der ersten Menschen, die eine von Gott auferlegte Prüfung nicht bestanden und ansonsten ohne solches Leid hätten leben können. Hier geht es nicht darum, diese Sicht genau zu belegen: Solange sie möglich ist (und es vielleicht noch andere Möglichkeiten gibt) ist der atheistische Einwand gescheitert. Und die Sache ist nun mal die: Die Welt ist so komplex und wir haben eine so begrenzte Sicht, dass man keinen Überblick über das Gute und das Böse insgesamt hat, geschweige denn das Gute und das Böse, das es in anderen Szenarien hätte geben können. Man kann noch hinzufügen, dass viele theistische Religionen und Philosophien von einem Weiterleben im Jenseits (sozusagen nach bestandener Prüfung) reden, dessen Güter die diesseitigen Güter um vieles aufwiegen würden. Das Problem des Bösen macht also Gottes Existenz in jedem Fall nicht unmöglich; und wir haben unabhängig davon die oben genannten Beweise, die sie belegen.
  • „Ihr Theisten verwerft die polytheistischen Götter. Ich gehe nur einen Schritt weiter und verwerfe auch noch euren Gott.“ Dieses Argument ist überhaupt keine Erwiderung auf die Argumente. Es ist, wie wenn man sagen würde „ihr verwerft 5 und 3 als Antwort auf 2+2, ich gehe nur einen Schritt weiter und verwerfe auch 4“. Falsche Gottesvorstellungen zu verwerfen sagt nichts darüber aus, ob es eine richtige gibt. Zumal das Argument auch an anderer Stelle fehlgeht; denn Götter wie Zeus und Odin waren nie dasselbe wie Gott. Polytheisten gingen von ihren Göttern als mächtigen, innerweltlichen Wesen aus (vielleicht Naturgewalten verkörpernd), die nicht ewig waren und irgendwann entstanden waren, die begrenzt waren durch andere Götter. Die anfangslose Ursache des gesamten Universums ist etwas nicht nur graduell, sondern kategorisch Anderes. Die „Götter“ der Polytheisten waren Geschöpfe – nicht ohne Grund behaupteten z. B. die ersten Christen, die römischen und griechischen Götter wären alle nur vergöttlichte Menschen aus grauer Vorzeit oder Dämonen (gefallene Engel), die den Heiden erschienen wären und sich als wohlwollendere Geschöpfe ausgegeben hätten. Interessanterweise kannten aber auch viele Polytheisten jenseits ihrer mit Göttern, Halbgöttern und Geistern bevölkerten Welt noch den einen Schöpfer, bei den nordamerikanischen Ureinwohnern z. B. der „Große Geist“ genannt.
  • „Dieses philosophische Gelaber ist unwissenschaftlich, nur die Naturwissenschaft ist verlässlich.“ Das ist selbst wieder eine Ansicht, die keine wissenschaftliche These, sondern eine philosophische ist. Die Ansicht, dass nur die Naturwissenschaft Erkenntnis bringe, ist nicht selbst Naturwissenschaft, sondern mit ihr gehen manche Leute an die Naturwissenschaft heran. Und zwar, ohne sie zu beweisen. Und nicht nur dieser falsche Szientismus ist eine philosophische Behauptung, auch wahre Behauptungen, auf denen die Naturwissenschaft aufbaut, sind philosophische Behauptungen – z. B. die Behauptung, dass die Welt von allgemein gültigen Gesetzen regiert wird und kein unverständliches Chaos ist. Ohne Philosophie kommt man nicht aus. Die Naturwissenschaft ist gut bei naturwissenschaftlichen Problemen, so wie Metalldetektoren gut dabei sind, Metall zu finden. Schließe ich aus dem Erfolg der Naturwissenschaft, dass es nichts Meta-Physisches (= jenseits der Natur) gibt, ist das dasselbe, wie wenn ich aus dem Erfolg von Metalldetektoren schließen würde, dass es nichts anderes als Metall zu finden gibt – nicht mal Metalldetektoren.
  • „Wenn es Gott wirklich gäbe, müsste seine Existenz für alle offensichtlich sein.“ Hier wird nicht klar, worauf diese Behauptung basiert. Wieso müsste er das? Manche Theisten gehen oder gingen davon aus, dass Gott keine persönliche Beziehung zu seinen Geschöpfen haben will, sondern die Welt eher aufzieht wie eine Uhr und sie dann machen lässt. Nun ist es aber sogar so, dass die Mehrheit der Menschheit – besonders historisch gesehen, aber auch heutzutage – auf irgendeine Art und Weise religiös ist, und sehr viele davon (auch Polytheisten) einen höchsten Schöpfer anerkennen. Für die Mehrheit der Menschheit (auch für, historisch gesehen, so gut wie alle Philosophen) scheint Gottes Existenz relativ offensichtlich zu sein, und Hard-Core-Atheisten sind eine kleine Minderheit. Nun ist es offenbar so, dass Gottes Existenz einen nicht so direkt aus der Welt anspringt, dass es absolut unmöglich wäre, sie zu leugnen – wobei einige Menschen auch absolut Offensichtliches leugnen (z. B. entweder behaupten, dass der Geist oder dass die Materie nur Schein wäre). Vielleicht wollte Gott es so einrichten, dass er relativ leicht zu erkennen ist, aber sich Leute mit einer gewissen Verstellung, einem gewissen Blindstellen gegenüber den überdeutlichen Hinweisen, noch einreden können, es gäbe ihn nicht. Er hat nach Ansicht einiger Religionen in dieser Welt Prüfungen zugelassen, wieso nicht auch diese?

So weit mal also einige Beweise für Gott und Hinweise auf Ihn.

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10 Gedanken zu “Vier klassische Gottesbeweise, kurz erklärt

  1. Vielen Dank für die sehr nützliche und interessante Aufstellung verschiedener Typen von Gottesbeweisen!

    Meine Haltung gegenüber Gottesbeweisen war allerdings immer sehr indifferent. Warum sollte ich etwas beweisen müssen, was offensichtlich und offenbart ist? Ich muss allerdings zugeben, dass ich keine ausgeprägte philosophische Ader habe und ich in einer Diskussion damit wohl keinen Blumentopf gewinnen würde. Auch bin ich mir bewusst, dass ich damit viele hundert Jahre an Geistesgeschichte von Tisch wische.

    Ähnlich geht es mir mit der Theodizee. Ich habe nie verstanden, warum Gott zu rechtfertigen sei, egal, was in der Welt an menschlich oder natürlich verursachten Katastrophen passiert. Wenn jemand zu rechtfertigen ist, dann der Mensch gegenüber seinen Mitmenschen, gerade nach dem verheerenden 20. Jahrhundert.

    (Ihre Bemerkungen zur Theodizee unterschreibe ich natürlich.)

    Die Sache mit dem Szientismus ist meist auch eine eher amüsante Angelegenheit. Ich habe nämlich noch niemals einen Mathematiker oder Naturwissenschaftler kennengelernt (damit meine ich jetzt nicht nur, das Fach studiert zu haben, sondern es wirklich als Beruf auszuüben), der einem naiven Szientismus anhinge, wie Sie ihn hier skizzieren. Der Szientismus scheint mir eher unter ‚Laien‘ verbreitet zu sein.

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    1. Na ja, es ist halt auch so, dass die Kirche ja sagt, dass Gott allein schon mit der Vernunft bewiesen werden kann, also finde ich das Thema schon ganz interessant 😀

      Zur Theodizee: Stimmt irgendwie schon, es ist echt nicht so besonders sinnvoll, wenn Leute nur an Gott herangehen, als wäre Er hier der Angeklagte, den sie vielleicht eventuell freisprechen könnten. Aber es ist trotzdem eine wichtige Frage.

      – Crescentia.

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  2. „Ich habe nie verstanden, warum Gott zu rechtfertigen sei, egal, was in der Welt an menschlich oder natürlich verursachten Katastrophen passiert.“

    Na ja, Gott war ja auch schuld, dass Eva dem Adam den Apfel gab. „Die Frau die Du mir gegeben hast!“ Damit wird erst aufgeräumt nach dem jüngsten Gericht.

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