Der Synodale Weg und die „Sexualmoral“

Der Schismatische Weg hat mal wieder eine neue Etappe zu Ende gebracht, und zwar eine mit vielen Lächerlichkeiten und, wie soll man sagen, Idiotien. Man will in der Synodalversammlung Enthaltungen als Nein-Stimmen zählen, um nicht von Evangelisierung reden zu müssen (das nennt sich Demokratie!) und eine knappe Mehrheit stimmt dafür, zu diskutieren, so wörtlich „ob es das Priesteramt überhaupt braucht“. (Woran man mal wieder sehen kann, dass z. B. auch die Befürworter des Frauenpriestertums kein Frauenpriestertum wollen, sprich keine zölibatären Frauen, deren wichtigster Lebensinhalt es ist, das Messopfer darzubringen.) Am Ende wird die Versammlung beschlussunfähig, weil so viele schon gegangen sind.

Was ich mich hauptsächlich bei alldem frage, ist: Was machen eigentlich die guten Bischöfe, Voderholzer und Oster usw.? Vermutlich meinen sie noch, durch Mitmachen und Abstimmen einen guten Einfluss auszuüben und Schlimmes zu verhindern. Aber damit verleihen sie dem Ganzen eine Grundlegitimität, und geben der ganzen Öffentlichkeit den Eindruck: Offensichtlich kann man in der katholischen Kirche über das alles diskutieren, die kann sich wohl doch ändern. Wenn ein paar gute Bischöfe einfach erklären würden, dass sie das ganze – an sich illegale und unbedeutende – Getue des sog. Synodalen Weges nicht anerkennen, in ihrem Bistum nichts davon umsetzen werden, und sich keinen Petitionen an den Papst anschließen, wäre das sehr viel nützlicher als jede Mitwirkung.

Aber jetzt zu einem speziellen Thema: Die Synodalversammlung hat auch mit großer Mehrheit einen sehr hochtrabenden Text über die „Sexualmoral“ angenommen, und es lohnt sich, den ein bisschen genauer anzusehen. Am Anfang beginnen die Synodalen damit, so halb einzugestehen, dass sie nichts zu sagen haben, aber dann doch wieder zu erklären, dass sie gefälligst Macht wollen:

„Die Synodalversammlung ist sich bewusst, dass viele der vorgeschlagenen Neuakzentuierungen wesentlich in die Lehrkompetenz des Bischofs von Rom fallen und deshalb nicht von der Kirche in Deutschland vorgenommen werden können. In diesem Sinne legt sie dem Papst die nachfolgenden Überlegungen und Voten vor und bittet ihn eindringlich, sie als ortskirchlichen Ausdruck der Mitverantwortung aller Getauften und Gefirmten für das Wohl der einen Kirche Christi zu prüfen und aufzugreifen. Die Synodalversammlung ist sich aber auch bewusst, dass die vom Papst letztzuverantwortende Lehre ihre Plausibilität und Sinnhaftigkeit wesentlich in den kirchlichen Gemeinden und Gemeinschaften vor Ort und vor allem im Leben jedes einzelnen Menschen unter Beweis stellen muss. Von dieser Verantwortung kann niemand dispensieren oder dispensiert werden. Der Synodale Weg versucht, die diesbezüglichen Erfahrungen und Überlegungen für die katholische Kirche in Deutschland zu bündeln. In diesem Sinne nimmt die Ortskirche in Deutschland verbunden mit den Ortskirchen weltweit und dem Bischof von Rom ihre Verantwortung für das dreifache Amt Christi wahr: im Amt des Heiligens, im Amt des Leitens und im Amt des Lehrens (LG 32).“

Sprich: Ja, wir wissen, entscheiden darf eigentlich nur der Papst (wobei sie wissen könnten, dass auch der Papst die Lehre nicht ändern darf), aber eigentlich sind wir doch die Ortskirche, und alle Macht geht vom Volke aus, also haben wir eigentlich mehr zu sagen. (Dass niemand sie gewählt hat, ist natürlich irrelevant.)

Es ist der übliche Modus operandi seit knapp sechzig Jahren: Wir tun so, als hätten wir noch den katholischen Glauben und würden Rom irgendwie anerkennen, aber machen in der Praxis einfach, was hier gerade üblich ist, und reden wortreich drumherum. Das hatten wir schon mit der Königsteiner Erklärung von 1968.

Ein Problem an diesen Kirchenleuten: Sie wirken zuerst mal sehr lebensfern – in etwa so lebensfern wie eben die deutschen Bischöfe von 1968, die entgegen der Enzyklika Humanae Vitae verlautbaren ließen, manchmal müssten sich Ehepaare vielleicht eingehend prüfen, ob sie in Notsituationen die Verwendung von künstlichen Verhütungsmitteln nicht doch mit ihrem Gewissen vereinbaren könnten, während in den Kommunen schon die sog. freie Liebe zelebriert wurde. Aber dann scheint diese Lebensferne wieder nur eine Tarnung zu sein und sie scheinen nicht viel anderes zu wollen als Pornoproduzenten. Es gibt Leute, die sich an die Lehre halten, und Leute, denen sie egal ist; es gibt wenige, die sich so halb an sie halten.

Gehen wir doch mal ein paar Abschnitte durch:

„Im falsch verstandenen Bemühen, die kirchliche Lehre hochzuhalten, kam es in der Pastoral immer wieder zu unbarmherzigen Haltungen, die Leid über Menschen gebracht haben, insbesondere über ledige Mütter und außerehelich geborene Kinder, über Menschen in vorehelichen und nichtehelichen Lebensgemeinschaften, über homosexuell orientierte Menschen und über Geschiedene und Wiederverheiratete.“

Die Grundthese ist hier: Es sorgt für Leid, die Lehre aufrechtzuerhalten; und im Umkehrschluss: es kann für kein Leid sorgen, die Lehre aufzugeben. Und genau das ist falsch. Die Lehre, dass Sex & Kinder zusammengehören und in die Ehe gehören, hat gerade viel Leid verhindert, das wir jetzt haben.

Unehelich geborene Kinder oder Kinder geschiedener Eltern haben immer darunter zu leiden, dass sie mit ihren Eltern keine wirkliche Familie bilden und sie von Wohnung zu Wohnung gereicht werden, und ihre Eltern dann auch irgendwelche neuen Partner anbringen. Und weil Scheidung nicht mehr etwas für Notfälle und skandalbehaftete Filmstars ist, hat jeder normale Grundschüler irgendwo die Angst: Was wenn sich meine Eltern scheiden lassen? Auch die Ehepartner selber müssen immer die Angst haben, dass der andere sie verlassen könnte, weil es für ihn irgendwie nicht mehr passt. Wenn Scheidung von vornherein keine Option ist, ist einfach ein anderes Vertrauensverhältnis da. Der Punkt ist ja der: Nach katholischem Verständnis entsteht durch die Eheschließung eine neue Familie, und die ist mindestens so unauflöslich wie die leibliche. Unter schlimmen Umständen kann man sein Kind weggeben müssen – z. B. in eine Schule für verhaltensauffällige Kinder, oder zu Pflegeeltern oder Verwandten, weil man selbst zu krank ist, um für es zu sorgen – oder den Kontakt zu seinen Eltern abbrechen, aber das ist das letzte Mittel, sie bleiben trotzdem die eigenen Kinder bzw. Eltern und man kann sich nicht einfach irgendwen anders zu Kindern/Eltern erklären, und idealerweise ist die Trennung nicht von Dauer. Ebenso sollte eine Trennung von Eheleuten das letzte Mittel sein, z. B. weil der eine den anderen betrügt oder misshandelt, und auch dann bleibt er der Ehepartner, und niemand anders kann diese Stelle einnehmen.

Jungen stoßen im Durchschnitt mit 11 Jahren auf Internetpornos, und die sind wirklich nicht harmlos. Ekelhafte und gesundheitlich gefährliche Sexualpraktiken, von denen unsere Großeltern noch gar nicht gewusst hätten, sind heute viel normalisierter. Jedes Jahr erklären sich neue Rekordzahlen von Jugendlichen für transgender, weil das bei aller Verwirrung irgendwie eine Identität und etwas Besonderes bietet, und wenn sie nach ein paar Jahren wieder detransitionieren wollen, ist ihr Körper schon ruiniert durch Hormone und vielleicht schon verstümmelnde Operationen.

Wie sollte/könnte/würde eine ideale katholische Gesellschaft z. B. damit umgehen, wenn eine Frau unehelich schwanger wird oder ein Paar unehelich zusammenlebt? Nun, m. E. ungefähr so, wie sie damit umgehen sollte, wenn jemand kleinkriminell wird, oder aus Faulheit arbeitslos ist, oder wegen seines unverschämten Benehmens in der Probezeit aus seinem Job rausgeschmissen wird. Es ist absolut unstrittig, dass man das nicht zu tun hat, man tut auch ihm gegenüber nicht so, als würde man es irgendwie gutheißen, aber vor allem, wenn es in der Vergangenheit liegt, hält man es ihm nicht andauernd vor, und es ist kein das Leben ruinierender Weltuntergang.

Und wenn wir mal ehrlich sind, auch eine Frau, die 1920 im ländlichen Bayern unehelich schwanger wurde (was gar nicht so selten war), hatte noch eine ganz gute Chance, dass, wenn der Kindsvater sie nicht heiratete, sie irgendwann noch einen anderen Mann fand, und musste nicht ihr ganzes Leben lang schief angesehen werden. Das hier war nie Afghanistan.

Und man muss nun mal auch sagen, dass die Menschen damals auch Verantwortung für ihr eigenes Leben hatten und wussten, was sie taten. Einer Frau damals war bewusst, dass es billig und verantwortungslos ist, sich vor der Ehe herzugeben. (Was Leute heute überhaupt nicht realisieren, wofür sie freilich meistens nichts können. Heute müssen sich ja eher die rechtfertigen, die Sex vor der Ehe verweigern. Aber heute hätten z. B. auch noch die allermeisten Leute, vorsichtig ausgedrückt, Hemmungen, in Pornos mitzuspielen oder sich auf Gruppensex einzulassen. Dass bei diesem Thema nicht alles gleichgültig ist, spürt man schon.) Übrigens war es auch damals keineswegs so, dass nur den Frauen ihre Vergehen angelastet wurden – z. B. konnte eine Frau Schadensersatzansprüche geltend machen, wenn ein Mann sie mit einem falschen Heiratsversprechen verführt hatte.

Konnte es vorkommen, dass jemand ungerecht war zu einer ledigen Mutter? Natürlich konnte es das. Aber sicher nicht so oft, wie es heute vorkommt, dass Leute ungerecht sind zu Kindern von geschiedenen Eltern, denen implizit oder explizit klargemacht wird, dass sie sich nicht über das Auseinanderreißen ihrer Familie zu beklagen haben, weil ihre Eltern nun mal eine Selbstfindungsphase brauchen. Bei der Durchsetzung aller gesellschaftlichen Ansprüche und Tabus kann es zu Ungerechtigkeiten kommen; die Frage ist, welche Ansprüche an sich gerecht sind und wie man die auf möglichst gerechte Weise durchsetzt.

Und eine extreme Ungerechtigkeit, besser gesagt ein extremes Verbrechen, sollte man nicht außer Acht lassen: Abtreibung. Vor 100 Jahren gab es auch schon einige Ärzte, die (oft sogar legalerweise) Abtreibungen aus medizinischen oder sog. eugenischen Gründen vornahmen, oder die heimlich Geld mit illegalen Abtreibungen an unehelich Schwangeren verdienten. Aber es wurden nicht 100.000 Kinder im Jahr allein in Deutschland abgetrieben.

Und was ist jetzt mit den Homosexuellen? Nun, hier muss man einfach klipp und klar sagen: Solche Handlungen sind nicht natürlich. Auch die Neigung ist nicht natürlich, wobei für die jemand nichts kann – sie ist eher wie eine ungewollte Verletzung. Homosexualität ist noch anti-natürlicher als Inzest, bei dem heute noch die meisten Leute irgendwo sehen, dass „Liebe“ ihn nicht rechtfertigen kann und er sowieso keine gesunde Liebe sein kann. Homosexualität schließt notwendigerweise die Offenheit für neues Leben aus, und zumindest Schwule (anders als Lesben) haben meistens extrem viele Partner und führen, auch wenn sie „verheiratet“ sind, in aller Regel eine offene Ehe. Die Liberalen in der Kirche tun immer so, als ginge es um reine, überirdische Liebe, wenn sogar die, für deren Liebe sie sich einsetzen wollen, eher ein Recht auf Sex wollen.

Aber weiter im Text:

„Insbesondere die Lehre die den Geschlechtsverkehr nur im Rahmen einer rechtmäßigen Ehe und nur in der ständigen Offenheit zur Zeugung von Nachkommen für ethisch legitim erachtet, hat zu einem weitgehenden Bruch zwischen Lehramt und Gläubigen geführt.“

Man beachte: An solchen Stellen wird immer „Nachkommen“ o. Ä. gesagt, nie einfach Kinder. Es soll ja irgendwie kalt-mechanisch klingen, wie die Phrase von „Gebärmaschinen“ (als gäbe es irgendetwas weniger Maschinenhaftes als Mutterschaft). Dabei ist die katholische Lehre sehr einfach einsichtig: Liebe sollte offen für Kinder sein (wenn ein Ehepaar Kinder von vornherein komplett ausschließen will, ist ihre Ehe ungültig), Kinder sollten aus Liebe entstehen (und nicht z. B. als Unfall bei einem One-Night-Stand oder im Labor durch künstliche Befruchtung). Unterschlagen wird natürlich auch die Erlaubtheit von NFP, sprich, dass Ehepaare, die gerade aus einem guten Grund mit dem nächsten Kind warten wollen und sich dabei einig sind, vorerst nur in den unfruchtbaren Zeiten des weiblichen Zyklus miteinander schlafen können, weil Gott für die menschliche Natur auch solche unfruchtbaren Zeiten festgelegt hat.

„Damit drohen andere wichtige Akzente der Frohen Botschaft Gottes vollends verdunkelt zu werden, die für die menschenwürdige Gestaltung der Sexualität befreiend wirken könnten.“

Menschenwürde nach katholischer Lesart schließt freilich die Unzucht gerade aus, weil das etwas dem Menschen Unwürdiges ist. Was entspricht mehr der Würde und Vernunftbegabung des Menschen: seine Triebe, die auch mal entarten können, zu kontrollieren und nur mit einem Menschen, dem man wirklich vertraut und an den man sich gebunden hat, zu schlafen, oder mit jedem ins Bett zu gehen, wenn man gerade Lust drauf hat? „Wer aber Unzucht treibt, versündigt sich gegen den eigenen Leib. Oder wisst ihr nicht, dass euer Leib ein Tempel des Heiligen Geistes ist, der in euch wohnt und den ihr von Gott habt? Ihr gehört nicht euch selbst; denn um einen teuren Preis seid ihr erkauft worden. Verherrlicht also Gott in eurem Leib!“ (1 Kor 6,18-20)

„Nimmt man heute die kirchliche Sexuallehre in den Blick, tritt eines ihrer Grundprobleme unübersehbar zu Tage: ihre tiefe Umstrittenheit.“

Im alten Rom war es auch „umstritten“, ob man Kinder nicht doch auf der Müllkippe aussetzen darf.

Nachdem zusammengefasst wird, was alles von der Kirche verurteilt wird, heißt es:

„In der Logik dieser Verurteilung sind diese sexuellen Handlungsweisen als sündhaft anzusehen und potentiell mit der Bedrohung der christlichen Heilszusage und des Gnadenstandes verbunden.“

Sprich: Es stellt sich gar nicht die Frage, ob Gott hier vielleicht irgendwas zu verurteilen haben könnte, nein; alle Warnungen, die andere Christen aussprechen, sind eigenmächtige Drohungen, hinter denen keine Realität steht. Die Synodalen sind eigentlich funktionale Atheisten, oder besser gesagt Götzendiener. Ihr Gott befindet sich letztlich in ihrem Gehirn und tut und denkt genau das, was sie wollen.

Es wird sodann gesagt, die kirchliche Lehre sei nicht „nachvollziehbar“ – als ob der Durchschnittsmensch je die Begründungen dafür gehört hätte – und „Erkenntnisse der Human- und Sozialwissenschaften“ werden erwähnt – welche das sein sollen, bleibt offen.

Sexualmoral wird als „Kontrolle“ bezeichnet:

„Die kirchliche Sexualmoral wird in der Wahrnehmung vieler Gläubiger als Instrument eingesetzt, um subtile oder offensichtliche Macht über die Lebensführung von Menschen ausüben zu können. Subtil verläuft die Macht, wenn sie etwa über die Fokussierung der Beichte auf das Sexualleben erheblichen Druck auf die Beichtenden ausübt und ein lehramtskonformes Sexualleben gleichsam zum Schlüssel der Erfahrung sakramentlicher Vergebung und Versöhnung stilisiert.“

Blöde Frage, aber: Was genau für eine Macht hat mein Beichtvater über mich dadurch, dass ich zum Beispiel schmutzige Fantasien meide? Als eine, die, im Gegensatz zu den Synodalen vermutlich, regelmäßig beichtet, habe ich übrigens noch bei keinem Priester irgendwelche unschicklichen Fragen zum Thema „Sexualmoral“ erlebt.

„Offensichtliche Macht wird ausgeübt, wenn von kirchlichen Dienstnehmer:innen die Einhaltung der Sexualmoral als Lackmustest für ihre Loyalität zum kirchlichen Dienstgeber gewichtet und ihre gravierende Verletzung mit schweren Sanktionen bis hin zur Kündigung des Dienstverhältnisses geahndet wird.“

Denn die Kirche kann natürlich nicht von einer Pastoralreferentin oder einem Religionslehrer verlangen, dass sie das vorleben, was sie anderen im Auftrag der Kirche beibringen sollen, wofür sie sie bezahlt wrden.

Um noch so zu tun, als würden sie der kirchlichen Lehre wenigstens für „früher“ eine gewisse Berechtigung zugestehen, schreiben sie dann:

„Menschheitsgeschichtlich war und ist die Ehe eine überlebenswichtige Institution: Sie regelte die Zugehörigkeit zu einer Familie und damit elementare Versorgungsansprüche und Versorgungspflichten. Darin lag und liegt die Bedeutsamkeit eindeutig zuordenbarer Kinder. Der Einbruch in solche elementaren Solidarbeziehungen durch die außereheliche Zeugung hätte erhebliche Konsequenzen. Schon von daher muss das strikte Verbot des Ehebruches eine Grundnorm einer Gemeinschaft sein, die ein auskömmliches und verlässliches Leben ihrer Mitglieder absichern will. In diesem Sinne sind nicht nur das grundsätzliche Verbot des Ehebruchs im Dekalog (Ex 20,14; Dtn 5,18), sondern auch die zahllosen biblischen Verurteilungen von Unzucht und ähnlichem aus der besonderen Bedeutung der Ehe unmittelbar einsichtig.“

Hier fragt man sich doch, ob diese Leute jemals irgendwelche normalen Menschen kennengelernt haben. Ich wage zu behaupten, dass auch heutige Männer nicht gerne ein Kuckuckskind untergejubelt bekommen, und zwar nicht vor allem, weil sie pragmatischerweise genau wissen wollen, für wessen Unterhalt sie verantwortlich sind. Wie kann man in Ehebruch nicht einen absolut grundsätzlichen Vertrauensbruch sehen?

Übrigens ist die katholische Sexualmoral auch heute eigentlich noch lebenswichtig für die Menschheit. Man sieht ja, was für soziale Probleme auf eine Gesellschaft zukommen, wenn keiner mehr Kinder kriegt. Wenn die Rentner heute schon Flaschen sammeln, was machen sie dann erst in dreißig Jahren?

„So wird verständlich, dass sich in der biblischen Tradition nur wenige ausdrückliche Aussagen zu konkreten sexuellen Handlungen finden. Das gilt gerade auch für Jesus Christus. Er sieht sich voll und ganz in der Tradition seiner jüdischen Glaubensgemeinschaft, die sich deutlich gegen andere altorientalische Fruchtbarkeitskulte mit ihrer teilweisen Vergötterung der Sexualität absetzt.“

Es ist zwar schön, dass man eine halbherzige Verurteilung der Tempelprostitution noch schafft, aber es könnte auch bekannt sein, dass Jesus zur Tempelprostitution nie ein ausdrückliches Wort gesagt hat, aber sehr wohl ganz ausdrücklich Unzucht und Ehebruch beide unter die schweren Sünden zählt (Mk 7,21f.) schon Gedankensünden gegen die Ehe verurteilt (Mt 5,27-30), und dass es ihm wohl kaum um reinen Pragmatismus ging, wenn er das pragmatische Gesetz des Mose verschärfte und Scheidung mit Wiederheirat für grundsätzlich falsch erklärte (Mk 10,2-12; Mt 5,31f.; Mt 19,3-12).

Sie versuchen sich anschließend an Gelaber über die Gottebenbildlichkeit des Menschen und die Arten der Liebe, das wohl schön hochgestochen-theologisch klingen soll und in dem auch ein paar altgriechische Begriffe untergebracht werden. „Ihrer Würde entspricht es, auch in der sexuellen Kommunikation einen voll-personalen Selbstausdruck zu vollziehen und den der anderen Person empfangen zu können. Es begegnen sich nie nur Leiber oder Seelen. Sondern ein leibseelisches Ich und ein leibseelisches Du zeigen einander, wie sehr sie je mit und für die andere Person da sein wollen.“ Usw. Natürlich könnte man auch aus solchem umständlichen Gelaber die korrekte Moral ableiten, aber das will man ja nicht; man braucht es einfach als Ablenkungsmanöver.

Dann geht es an den Teil mit den eigentlichen Voten. Das erste Thema lautet „Sexualität als Geschenk und als Gestaltungsauftrag Gottes“, und erst einmal kommt wieder viel Gelaber über Freiheit, die nicht beliebig sei, usw., und man ahnt, wo die Reise hingeht: „Die Gebote Gottes sind nicht beliebig – für keinen Lebensbereich -, auch nicht für die lebensdienliche und darin Gott gefällige Gestaltung menschlicher Sexualität. Das je konkret zu erkennen und in die Erfordernisse der persönlichen Lebensgestaltung zu übersetzen, bedarf es aber der höchstpersönlichen Einsicht. […] In unserer Kirche
werden freilich die Akzente, worin diese verantwortliche Freiheit von Christ*innen konkret be-
steht, unterschiedlich gesetzt.“

Votum 1 lautet dann im Endeffekt:

„Wir verstehen menschliche Sexualität als von Gott geschenkte, grundsätzlich positive Lebenskraft. Sie ist wesentlicher Teil der personalen Identität jedes Menschen und seiner Lebensgestaltung. Die Frohe Botschaft Gottes umfasst das ganze Menschsein. Deshalb ist auch die Sexualität von ihrer Verheißung erfasst. Wir wollen daher alle Getauften und Gefirmten ermutigen, die Gestaltung ihrer Sexualität aus dem neuen Sein in Christus (vgl. 2 Kor 5,17) zu leben. Das kann – je nach Lebensstand und Lebensphase – Unterschiedliches bedeuten: Zölibatär oder allein lebende Menschen werden ihre Sexualität legitimer Weise anders gestalten als Jugendliche, homosexuelle Paare oder Eheleute. Die verantwortungsvolle Gestaltung ist Ausdruck menschlicher Freiheit und wichtiger Teil der personalen Identität. Sie mindert die Gefahr von Missbrauch und Gewalt, vor der gerade auch die Gestaltung menschlicher Sexualität steht. Für alle Sexualität gilt: Sie muss immer die Würde der betroffenen Personen als Ausdruck der Ebenbildlichkeit Gottes achten. Zur Würde gehört das Recht auf sexuelle Selbstbestimmung. Sie zu unterstützen und in ihrer Bindung an das moralisch Gute zu stärken gehört ebenso zum Grundauftrag der Kirche wie die Achtung der sexuellen Identität – unabhängig des Alters oder der jeweiligen sexuellen Orientierung.“

Mit anderen Worten: Langwieriges Gerede um ein „ich will das aber anders“ zu verpacken.

Im nächsten Votum geht es um „geschlechtliche Identität“ und „sexuelle Orientierung“:

„Jede personale Identität ist in Entwicklung. Auch die Sexualität entwickelt sich über die Lebensspanne hinweg. Unverzichtbares Gestaltungsprinzip von Sexualität ist die wechselseitige, liebende Achtung der Würde des Gegenübers wie der Würde der eigenen Person. Eine solche Achtung gilt es auch jeder Form geschlechtlicher Identität und sexueller Orientierung entgegenzubringen. Sowohl sexuelle Orientierung als auch geschlechtliche Identität sind das Ergebnis eines höchstpersönlichen Wachstumsprozesses, den festzustellen der betreffenden Person obliegt. Deshalb verbietet sich alle Formen von Diskriminierung und Forderungen ihrer nicht medizinisch indizierten Manipulation, z.B. durch Konversionstherapien.“

Mit anderen Worten: Du darfst jede „sexuelle Identität“ haben; aber wenn du sie wieder ändern willst, hast du Pech gehabt.

Votum 3 zum Thema „Die Vielseitigkeit menschlicher Sexualität ernstnehmen“ lautet dann:

„Sexualität gehört zu den leiblichen und geistigen Sprachen des Menschen. Sie macht Liebe und Zuneigung mit ihren unterschiedlichen Gestalten des leiblichen Berührens und sinnlichen Spürens konkret erfahrbar und weist nicht selten über sich hinaus auf das Transzendente und Göttliche menschlicher Existenz. Sie ist vielstimmig: Sie umfasst die lustvolle Erfahrung der eigenen wie der anderen Person, ist Quelle neuen Lebens sowie Ausdruck vertrauensvoller Beziehungen, die Freude am Anderen und Geborgenheit vermitteln. Genitale Sexualität ist eine sehr wichtige, keinesfalls aber die einzige Gestalt sexueller Berührung. Auch das Umarmen, das Küssen, das Streicheln, das Liebkosen oder die erregende Zärtlichkeit angenehmer Berührungen sind wichtige Ausdrucksformen menschlicher Sexualität. Alle Ausdrucksformen und Dimensionen prägen die Identität jedes Menschen mit.“

Wie man halt so drum herum redet, wenn man Blowjobs und Selbstbefriedigung rechtfertigen will.

Als nächstes geht es darum, dass Fruchtbarkeit nicht nur biologisch sei, sondern sich auch in anderem zeige, und es geht darum, wieso nicht nur NFP (jetzt wird NFP schließlich erwähnt), sondern auch Pille etc. zu rechtfertigen seien:

„Dem wird entgegengehalten, dass die Sexualisierung in manchen Teilen der Gesellschaft kaum auf die Entkopplung von Fruchtbarkeit und Geschlechtsakt zurückgeführt werden können. Diese hätten vielmehr ihre Wurzeln in einer sozial-ökonomischen Fehlentwicklung, die selbst den Menschen zur Ware macht. Gerade die Verpflichtung auf sogenannte natürliche Methoden der Verhütung könne die Zahl ungewollter Schwangerschaften und damit das Risiko der Tötung menschlichen Lebens durch Schwangerschaftsabbruch dramatisch in die Höhe treiben.“

Mit anderen Worten, sexuelle Objektivierung liegt in Wahrheit am Kapitalismus, und brave katholische Paare treiben ja sicher ständig ihre Kinder ab, wenn NFP mal nicht funktioniert, was Paare, die sich auf die Pille verlassen, nie tun. Angesichts dieser Chuzpe weiß man nicht mehr so ganz, was man noch sagen soll.

Als nächstes wird behauptet „Das Untrennbarkeitsdiktum hat sich in der Lehre der katholischen Kirche erstmals in der Enzyklika Humanae vitae (1968) geltend gemacht“ – mit anderen Worten, es wird offen gelogen, als ob es keine vorherigen Verurteilungen von Kondomen und coitus interruptus gegeben hätte. Votum 4 lautet am Ende:

„Sexualität ist in vielfacher Hinsicht eine lebensspendende Kraft. Ein besonderer Aspekt dieser Fruchtbarkeit ist die Zeugung neuen Lebens. Die Fruchtbarkeit menschlicher Sexualität besitzt immer auch eine soziale Dimension. Sie konkretisiert ihre Offenheit für neues Leben in der Übernahme von persönlicher Verantwortung für die Erziehung und Förderung aufwachsender junger Menschen. Zweifellos besitzen auch gleichgeschlechtliche und weitere Paare, die zwar kein neues Leben zeugen können, aber Kinder aufziehen, das Potenzial für ein Leben, das auch in dieser Hinsicht fruchtbar ist. Auch zölibatär lebende oder alleinstehende Personen verfügen grundsätzlich über dieses Potential.
Die christlich gelebte Ehe ist ein angemessener, ja bevorzugter Ort, alle Dimensionen der Fruchtbarkeit zu integrieren. Sie selbst schöpft aus der Offenheit für diese Fruchtbarkeit. Das bedeutet aber nicht, dass ausnahmelos jede geschlechtliche Vereinigung diese Offenheit biologisch realisieren muss. Die Eheleute selbst stehen vor der Aufgabe, die grundsätzliche Offenheit in ihre verantwortete Elternschaft gewissenhaft zu integrieren.“

Jetzt sagt halt einfach, wir wollen Kondome.

Thema Nr. 5 hat als Überschrift „Die Fruchtbarkeit homosexueller Partnerschaften“. Der kirchlichen Lehre gegenüber „wird geltend gemacht, dass sich die ‚natürliche Finalität‘ menschlicher Sexualität nicht in der biologischen Zeugung neuen Lebens erschöpfe, sondern gerade in der leiblichen Ausdruckhandlung personaler Liebe bestehe“. Wie sagt man es am besten: Nicht alles, was Menschen aus Triebhaftigkeit heraus tun, hängt auch mit Liebe zusammen, und nicht jede Weise, wie Menschen ihre Geschlechtsorgane irgendwohin stecken, ist Ausdruckshandlung von Liebe.

„Zudem stelle sich die Frage, welche sexuellen Ausdrucksformen homosexueller Liebe unter das Verdikt des ‚objektiv ungeordnet‘ fallen (nur genitale oder auch alle anderen Sprachformen) und ob man ernstlich das Einfrieren eines zentralen Identitätsmerkmals einer Person fordern könne, nur weil sie bestimmte normativen Erwartungen nicht erfülle, ohne dabei sich oder eine andere Person zu schädigen.“ Die Frage ist ganz einfach zu beantworten: Ja, auch das homosexuelle Verliebtsein ist ungeordnet, weil Verliebtsein auf die Ehe vorbereiten soll; die tiefe, freundschaftliche, geordnete Liebe, die es auch zwischen zwei Männern geben kann, ist von vollkommen anderer Art.

Die Synodalen verweisen auf die Unterscheidung zwischen Neigung und Handlung durch das Lehramt und schreiben dann: „Andere hingegen werten die Unterscheidung zwischen Veranlagung und Handlung als eine unzulässige Spaltung der betreffenden Person und verweisen auf die große Bedeutung gelebter Sexualität für die meisten Menschen, die keinesfalls per se diskreditiert und unterbunden werden dürfe.“ Mit anderen Worten: Ohne Sex fällt man quasi tot um. Dementsprechend dürfte man auch Leuten, die sich in verheiratete Menschen vergucken, nicht das Ausleben ihrer Liebe verbieten, und Leuten, die sich in ihre Schwestern vergucken, nicht den Inzest. Das ist gar nicht so hypothetisch; den meisten Leuten fällt es inzwischen tatsächlich schwer, ihre instinktive Ablehnung von Inzest theoretisch zu begründen, denn wenn das beide Seiten so wollen und sich lieben… Aber Inzest zerstört gesunde Familienverhältnisse, wie Homosexualität das gesunde Verhältnis zum eigenen und anderen Geschlecht zerstört.

Am Ende versucht man es noch mit einer scheinheiligen Geste in Richtung der Konservativen: „Der Respekt gebührt freilich auch jenen Menschen, die gleichgeschlechtlich empfinden, die zugleich aber nach der kirchlichen Lehre leben wollen und ebenfalls Begleitung durch die Kirche wünschen. Eine solche Begleitung soll gewährt werden. Sie zielt nicht auf therapeutische Konversion, sondern auf Akzeptanz einer selbstbestimmten Lebensentscheidung des geistlich begleiteten Menschen. Die seelsorgliche Begleitung von homosexuellen Gläubigen soll grundsätzlich auf die positive Integration der sexuellen Orientierung in die Person abzielen und nicht das Verdrängen oder Unterdrücken der sexuellen Orientierung fördern. Der Verzicht auf bestimmte Formen sexueller Praxis kann bei Menschen aller sexuellen Orientierungen Ausdruck einer bewusst entschiedenen zölibatären Lebensform sein – unabhängig von den unterschiedlichen Motiven, die zu dieser Entscheidung führen oder sie erforderlich machen. Als christlicher Lebensentwurf beinhaltet Enthaltsamkeit notwendig das Moment der Freiheit.“

Mit anderen Worten: Wenn irgendwelche Schwulen jetzt unbedingt zölibatär leben wollen, wollen wir ihnen das ja gar nicht verbieten – sie sollen aber bitte nichts versuchen, was ihre Neigung ändern würde, und auf keinen Fall so ganz auf Sexualität verzichten („Verdrängung“); ein bisschen muss man sich schon noch über solche Neigungen definieren, auch wenn man die Imitation des Geschlechtsakts nicht vollzieht. (Kurze Anmerkung zu Konversionstherapien: Solche Therapien haben offenbar, wo das probiert wird, sehr unterschiedliche Erfolge, und können manchen – je nach Ursache der Neigung – sehr wohl helfen. Allerdings lässt sich wohl nicht viel Sicheres dazu sagen, weil ja jede ergebnisoffene Forschung in dieser Richtung ein absolutes Tabu ist. Nun sind solche Therapien nicht nötig, um als homosexueller Katholik lehramtstreu zu leben, man kann auch mit ungeänderter Neigung enthaltsam leben; aber es ist grausam, schon den Versuch verbieten zu wollen, wenn solche Therapien manchen homosexuellen Katholiken den Weg zu einer glücklichen heterosexuellen Ehe bahnen könnten.)

Votum 5 lautet am Ende:

„Die Grundsätze und Kriterien einer christlich gelebten Sexualität – Achtung der Selbstbestimmung und verantwortlich gelebte Sexualität sowie Treue, Dauerhaftigkeit, Ausschließlichkeit und Verantwortung füreinander in Beziehungen – gelten auch für homosexuelle Menschen. Homosexualität ist kein Ausschlusskriterium für den Zugang zu Weiheämtern. Ein prinzipieller Ausschluss zeugt von einer Defizitorientierung, die keinen sachlichen Anhalt hat. Sogenannte Konversionsbehandlungen und ähnliche Angebote, die auf die Desintegration der personalen Identität in Bezug auf die geschlechtliche Identität oder die sexuelle Orientierung abzielen und somit die Gesundheit und den Glauben von homosexuellen sowie transgeschlechtlichen Menschen gefährden, sind strikt abzulehnen und zu unterbinden.“

Man beachte auch die Wortwahl bzgl. der Kriterien: Dauerhaftigkeit wird noch genannt, Unauflöslichkeit nicht mehr. Ausschließlichkeit wird interessanterweise auch noch genannt; man fragt sich, wie sich wohl die Menschen, die Polyamorie betreiben, mit dieser Ausgrenzung fühlen?

Die Überschrift zu Thema Nr. 6 lautet „Sexuelle Lust in ihrer Schönheit lebensdienlich gestalten“, und ich glaube, man muss nicht so prüde sein, wie ich das bin, um ein bisschen peinlich berührt zu sein. Ich glaube, viele Menschen würden lieber alles mögliche andere tun, als Gremienkatholiken aus der Boomergeneration langatmig über Lust reden zu hören, als wären sie verhinderte Softpornoschreiber. Kostprobe gefällig?

„Lust lässt sich als sinnliche Antriebskraft menschlichen Lebens auffassen, die einerseits ein motivationsförderliches und darin lebenswichtiges Wohlgefühl stimuliert, sich andererseits nur bedingt bewusst gestalten und in ihrem innewohnenden, überschießenden Potential begrenzen lässt. […] Lust und mit ihr Sexualität werden weniger als triebgebundene Erregung wahrgenommen, deren überschießendes Potential durch Triebabfuhr entlastet werden müsste, sondern als Vollzug einer leiblich erfahrbaren Energie, die sich der Anziehungskraft des Eros verdankt und damit dem Wohlgefühl leiblich erspürter Nähe Ausdruck verschafft.“

Die Erotik ist bei diesen Herrschaften ja quasi mit Händen zu greifen.

Ein bisschen vorsichtig sind die Damen und Herren noch:

„Wie alle Sinngehalte menschlicher Sexualität ist auch die sexuelle Lust nicht frei von Ambivalenz. Sie kann durch das stimulierte erotische Wohlgefühl Anerkennung und Geborgenheit vermitteln. Sie kann zum bloßen Objekt eigener Lusterfahrung instrumentalisiert werden, etwa durch einen ungezügelten Konsum von Pornographie.“

Wer wird denn hier die Pornosüchtigen diskriminieren wollen? Ich meine, wenn man den Grundsätzen des Synodalen Weges folgen würde, müsste man es auch für zu verbietende Konversionstherapie halten, Pornosüchtigen zu helfen, damit aufzuhören.

Die Überschrift zu Punkt Numero 7 lautet dann „Sexualität als Beziehung zu sich selbst wie zu Anderen“, und man denkt sich schon: oh weia. Dementsprechend heißt es dann auch: „Wie jede Form sexueller Beziehung und Praxis ist auch die selbststimulierende Sexualität (Masturbation) ambivalent. Sie eröffnet einerseits die Möglichkeit, sich in der Leiblichkeit selbst zu entdecken, zu erleben und die Dimensionen der Sexualität von Lust, Identität und Transzendenz zu erfahren. Dieser Erfahrungsraum ist über die ganze Lebensspanne bedeutsam. Für den psychosexuellen Reifungsprozess ist er bei nahezu jedem Menschen eine wichtige graduelle Entwicklung. Selbststimulierende Sexualität ist keine Form reiner Selbstverliebtheit, sondern eine weitere wichtige Form menschlicher Sexualität neben zwischenmenschlichen Beziehungen. Es ist Aufgabe jeder Person, die lustvolle Selbstbezüglichkeit menschlicher Sexualität nie zu verabsolutieren. Sie ist aber Ausdruck menschlicher Sexualität noch diesseits von Paar-Beziehungen. […] Für alle Menschen kann die selbststimulierte lustvolle Erfahrung des eigenen Körpers ein wichtiger Baustein der Annahme ihrer selbst sein.“

Thema Nr. 8 nennt sich dann „Christlich gelebte Ehe und verbindliche Partnerschaften aus dem Zuspruch Gottes gestalten“. Nach dem üblichen einleitenden Gelaber kommt natürlich die Sprache auf die Wiederverheiratet-Geschiedenen, die man zur Kommunion zulassen solle. „Es stellt sich weiterhin die Frage, wie die Kirche Menschen in solchen neuen Partnerschaften, von denen sich viele aus ihrem Glauben heraus danach von Herzen sehnen, die barmherzige Zuwendung Gottes durch seinen Segen erfahrbar machen kann.“ Mit anderen Worten: Ob Gott selbst das segnen will, muss gar nicht mehr diskutiert werden; Er ist ein Automat, bei dem sich jeder seinen Segen abholen kann. Das gleiche natürlich in Bezug auf unverheiratete und homosexuelle Paare.

Dann kommt Thema Nr. 9, „Gewissenhafte Gestaltung eigener Sexualität inmitten der Gemeinschaft der Glaubenden“, wobei sich als allererstes auf die Königsteiner Erklärung berufen wird. Gewissensfreiheit und so. Das Gelaber erspare ich mal meinen Lesern. Nr. 10, „Zur Freiheit des Wagnisses unbedingter Liebe befreit“, redet von Brüchen, und Wagnissen, und noch mehr Schlagworten, und warnt vor einer sog. Idealisierung (die natürlich im Verlauf dieses Textes gar nirgends zu finden war).

Was sollen wir nun dazu sagen? Tja, manche Menschen können sehr viel labern, wenn sie ihre absolute Ablehnung der kirchlichen Lehre in kirchliche Begriffe kleiden wollen, um sich endlich bei der Welt beliebt zu machen, und mal erklären wollen, dass sie ja wohl gefälligst Sex haben und das schön finden, jawoll! Und in all dem Gelaber bringen sie kein einziges Argument dafür unter, was z. B. der Vorteil für manche dabei sein soll, schon vor der Ehe miteinander zu schlafen.

Letztlich zeigt ja schon ihr Symbol, wohin es geht: Weg vom Kreuz, weg von Jesus.

2 Gedanken zu “Der Synodale Weg und die „Sexualmoral“

  1. Dass Sie sich die Mühe machen, diese unsäglichen Texte vollständig zu lesen und zu analysieren, hätte eigentlich so eine Art Verdienstorden verdient …

    „Ich glaube, viele Menschen würden lieber alles mögliche andere tun, als Gremienkatholiken aus der Boomergeneration langatmig über Lust reden zu hören, als wären sie verhinderte Softpornoschreiber.“

    Das ist quasi nur einer der, ääähm, multiplen Höhepunkte Ihrer Abhandlung, bei dem ich ganz neue Dimensionen meiner Identität und der Transzendenz erfahre, oder so ähnlich… 😅😅😅

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  2. „….wobei sich als allererstes auf die Königsteiner Erklärung berufen wird.“

    Mein Jugendpfarrer hat in den siebzigern seinen Bischof zur Weißglut gebracht, als er ihm über die verhängnisvolle Königssteiner Erklärung den Kopf gewaschen hat. Er sagte mir: Bei einem Pastoralbesuch in unserer Gemeinde, wäre der Bischof nach einem Gespräch mit ihm, „am liebsten aus dem Fenster gesprungen!“ Geholfen hat es nix. Zumindest mein Pfarrer hatte einen leichteren Stand beim persönlichen Gericht, würde ich mal vermuten.

    „Und in all dem Gelaber bringen sie kein einziges Argument dafür unter, was z. B. der Vorteil für manche dabei sein soll, schon vor der Ehe miteinander zu schlafen.“

    Na ja….nach der Königssteiner Erklärung ist die letzte und entscheidende Instanz das persönliche Gewissen. Wenn dieses Gewissen zu dem Schluss kommt, dass Schwarz nun Weiß und Weiß Schwarz ist, schwupp fertig ist der persönliche Freifahrtschein ins sexuelle Glück.

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