Ein paar Probleme am Feminismus

Es gibt ja auch unter Christen die Tendenz, nett zu seinen Mitmenschen sein zu wollen, und deswegen zu nett zu den Ideologien zu sein, denen diese Mitmenschen unglücklicherweise verfallen sind. Besonders auffällig ist das beim Feminismus. Ich habe schon einen sehr konservativen Kaplan, der immer Soutane trug, die erste Feministinnengeneration loben hören, ohne dass er Anlass gehabt hätte, sie überhaupt zu erwähnen. Irgendwie ist der Feminismus doch so etabliert, dass man irgendetwas Gutes an ihm sehen will. (Ich nehme mich da gar nicht aus, mir ging es früher auch öfter so.) Es gibt auch Christinnen (wirkliche Christinnen, nicht Liberale, die nur aus Gewohnheit noch einer Konfession angehören), die sich als christliche Feministinnen sehen und sich z. B. in der Pro-Life-Bewegung auf ein paar frühe Feministinnen berufen, die Abtreibungen noch abgelehnt haben – wobei man es bei manchen in den letzten Jahren beobachten konnte, dass sie immer feministischer und immer weniger christlich geworden sind.

Ich finde das alles jedenfalls gar nicht so unproblematisch, denn auch in den ersten Stadien des Feminismus waren viele falsche Ideen schon angelegt. Daher mal ein paar Probleme aufgezählt, die praktisch seit seiner Gründerzeit immer wieder auftauchen. (Ach ja, das noch an alle Feministinnen: Ihr könnt mich nicht als Pick-me-girl beleidigen, weil ich nämlich weder in einer Beziehung noch für eine Beziehung offen bin, ällabätsch.)

1) Der Feminismus hat nie wirklich die Frauen vertreten. Die Mehrheit der Frauen hat die jeweils aktuelle Generation von Feministinnen immer als komisch und übertreibend gesehen, oder sich einfach nicht für sie interessiert. Man sieht das gut daran, dass z. B. immer noch die Mehrheit der Frauen bei der Hochzeit den Namen des Mannes annimmt und Gendersprache ablehnt. Sicher: Die vorige Generation der Feministinnen hat immer so weit die Deutungshoheit gewonnen, dass man sagt „ja, damals war der Feminismus ja noch gut, aber jetzt…“ (Ungefähr so, wie man das auch bei der SPD macht.) Dabei haben auch im jeweiligen „Damals“ die meisten Frauen nicht viel vom Feminismus gehalten. Auch zur Zeit der Suffragetten, die hauptsächlich das Wahlrecht wollten, waren die meisten Frauen erst mal dagegen – nicht, weil sie sich selbst für total blöd hielten, sondern z. B. aus solchen Gründen, wie dass Politik etwas Unweibliches sei, oder Frauen sich ihre Überparteilichkeit bewahren sollten. (Der Punkt war eben auch, dass sie das Wahlrecht und andere politische Rechte nicht als grundlegende Menschenrechte sahen, ohne die man erniedrigt war, sondern als bürgerliche Rechte, die je nach Nützlichkeit vergeben wurden oder nicht.) Das heißt nicht, dass man nichts gut finden kann, wofür sich Feministinnen irgendwann mal eingesetzt haben – ein blindes Huhn findet auch mal ein Korn, und keine Ideologie könnte länger bestehen und Leute anziehen, wenn sie völlig böse wäre. Es heißt nur, dass man auch ein bisschen skeptisch gegenüber den ersten Generationen von Feministinnen sein sollte. Auch die Suffragetten hatten oft unschöne Ideen (z. B. „freie Liebe“) oder haben politische Gewalt eingesetzt (zumindest in England). Und was ihre zentrale Idee angeht: Man kann schon der Meinung sein, dass auch die weibliche Perspektive in der Politik was nützen könnte, aber auch die typische Parteipolitikerin scheint keine Vertreterin der meisten Frauen zu sein.

Aber wie auch immer: die meisten Frauen haben sich eben immer eher auf ihr Privatleben konzentriert und die Feministinnen ignoriert oder sie genervt toleriert und die Feministinnen haben dadurch die Deutungshoheit gewonnen, und das ist ein Problem.

2) Der Feminismus muss zwangsläufig Kinder als Problem sehen; denn Kinder sind es, die Frauen ungleich machen. Kern des Feminismus ist es ja, dass Frauen gleich sein sollen wie Männer; was als typisch weiblich gilt, wird tendenziell als Schande empfunden, und wegen wirklicher Nachteile, die Frauen nun mal haben, ist man verbittert. Ein solcher Nachteil sind die ganzen Probleme mit Schwangerschaft, Stillen und Geburt. Männer sind nur am angenehmen Teil der Fortpflanzung beteiligt, und können sich dann auch viel leichter aus der Verantwortung stehlen, und hier stampft der Feminismus mit dem Fuß auf und sagt „will auch“. Dabei müssen zwangsläufig Kinder unter die Räder geraten. Manche Feministinnen schrecken hier zurück, aber die wirklich überzeugten lassen dann eben die Kinder unter die Räder geraten.

Es ist einfach so: Kinder erfordern Zeit und Anstrengung, und einen Teil dieser Anstrengung erfordern sie notwendigerweise von ihrer Mutter. Und weil Feministinnen es nicht dulden wollen, dass sie einen Nachteil haben, den Männer nicht haben, müssen Frauen das Recht auf Abtreibung haben. Und wenn Kinder doch geboren werden, müssen sie auch irgendwohin; also heißt es eben Kinderkrippe so bald wie möglich und dann Ganztagskindergarten und Ganztagsschule.

(Interessanterweise kommen ja von Feministinnen, die Pro-Lifer angreifen, manchmal solche Argumente wie „wenn es für Frauen keinen Ausweg aus einer Schwangerschaft geben soll, dann für Männer auch nicht“ – als ob sie keine Ahnung haben, dass die meisten Pro-Lifer ja Christen sind, die wollen, dass der Mann die Frau erst mal heiratet und dann auch sein Leben lang für sie und die Kinder da ist, oder, wenn eine Ehe für die beiden wirklich keine gute Idee wäre, sich trotzdem auch um seine unehelichen Kinder kümmert.)

Die Alternative wäre einfach, es so zu machen wie früher, und Mütter gerade für ihre Mutterrolle zu ehren, auch von Kindern Respekt für ihre Mutter zu erwarten, und ihnen andere Anstrengungen (z. B. Berufstätigkeit) eher zu ersparen, aber das wollen Feministinnen natürlich gerade nicht.

3) Der Feminismus hat eigentlich auch keinen Platz für Männer. Sie stören immer irgendwo. Und während kleine Ungleichheiten zulasten von Frauen (z. B. dass typische Frauenberufe tendentiell schlechter bezahlt sind) als Beweis der patriarchalen Unterdrückung genommen werden, werden Ungleichheiten zulasten von Männern ausgeblendet (z. B. dass mehr Männer obdachlos, Selbstmordopfer oder Opfer von Arbeitsunfällen sind). Feministinnen behaupten z. B. öfter, wenn das und das ein Männerproblem statt ein Frauenproblem wäre, hätte „die Gesellschaft“ (wer auch immer das ist) schon lange alles mögliche dagegen unternommen, wobei nicht erklärt wird, wieso die Gesellschaft dann gegen tatsächliche Männerprobleme nicht immer so viel unternimmt. Und auch als Frau, die nichts mit dem Feminismus zu tun hat (wie ich), ist man meistens doch genug von ihm beeinflusst, dass man, wenn es um solche Probleme gehen soll, immer auch betonen muss, dass es natürlich auch Frauenprobleme gibt usw. usf.

Man merkt es z. B. auch in vom Feminismus beeinflussten Filmen, dass es ständig eine starke Frau geben muss, die einen eingebildeten oder unfähigen Mann übertrumpft. Nicht, dass man das nicht mal haben kann; aber das Gegenteil (die unfähige Frau) wäre genauso legitim. Und ein paar gute männliche Figuren zum Ausgleich wären auch nicht schlecht. Auch wenn Feministinnen (manchmal) erklären, dass der Feminismus eine bessere Welt für Männer und Frauen schaffen soll, hat man am Ende doch das Gefühl, es ist eher eine gewisse Verbitterung gegenüber Männern da.

Bei ihnen merkt man eine gewisse Schizophrenie gegenüber dem anderen Geschlecht. Einerseits erklären sie, dass Männer sich mehr Weiblichkeit zutrauen, Schwäche zeigen und über ihre Gefühle reden sollen, andererseits behandeln sie Männer, die Schwäche zeigen, verächtlich und unterstellen ihnen z. B. ein kleines Geschlechtsorgan und sonstige Minderwertigkeitskomplexe. Wenn jemand eine dicke Frau beleidigt, ist das Fatshaming und sie wunderschön; wenn jemand einen dicken Mann beleidigt, ist das verdient und er ein Loser, der wahrscheinlich bei Mama im Keller wohnt (statt dass man einfach gerecht wäre und Übergewicht weder als gut und schön noch als Rechtfertigung für Beleidigungen und Mobbing sehen würde).

Auch die Männer, die sich selber als Feministen sehen und z. B. laut erklären, wie sehr sie selbstbewusste Frauen unterstützen, wirken auf mich irgendwie immer wie Außenseiter unter Feministinnen. Und ich habe nicht mal das Gefühl, dass die Feministinnen solche Männer selber besonders toll finden – eher den Eindruck, dass sie sie auch ein bisschen verachten, und im Geheimen doch männlichere Männer attraktiver finden, die sich nicht so anbiedern. Diese männlichen Feministen wirken auch manchmal ein bisschen creepy; als ob sie sich bei Frauen einschleimen, um leichter mit unschönen Verhaltensweisen durchzukommen, und z. B. auf pro-Abtreibung machen, weil sie keine Lust auf Unterhaltszahlungen im Fall der Fälle haben.

Dabei macht es der Feminismus für die große Masse der Männer schwieriger, eine ganz normale gesunde Männlichkeit zu finden. Die netten Männer neigen dann zu zu viel Nachgiebigkeit gegenüber den Feministinnen, und diejenigen, die das Gelaber von Frauen einen Scheißdreck schert, sind dann im Vergleich die, die auf einmal attraktiver und männlicher wirken, auch wenn ihr Charakter vielleicht nicht der beste ist. Es ist kein Wunder, dass in Zeiten des Feminismus „Shades of Grey“ ein Verkaufsschlager geworden ist, während unsere Urgroßmütter es mehr als abscheulich gefunden hätten, sich auf diese Weise erniedrigen zu lassen, und so ein Buch in den Kohleofen geworfen hätten. So etwas wie Väterlichkeit, Führungsstärke, Mut wird quasi als obsolet behandelt, und dann sehnt man sich am Ende nach einer extrem pervertierten Form davon.

Der Feminismus ist eine egalitäre Idee – d. h. Gerechtigkeit wird mit Gleichheit gleichgesetzt, jede Ungleichheit (auch auf derselben Ebene) wird zur Ungerechtigkeit, und Hierarchie kann man sowieso vergessen. Aber wenn keine offiziellen Hierarchien mehr zugelassen werden, entstehen nur pervertierte Hierarchien, wobei sich Soziopathen inoffiziell das Sagen aneignen, ohne Pflichten zu übernehmen.

Der Feminismus lässt es nicht mal mehr zu, dass Männer sich beschützerisch gegenüber Frauen verhalten, und dann verwechseln junge Mädchen, die sich doch nach einem beschützerischen Mann sehnen, manchmal auch das Besitzdenken aus gewissen unfeministischen „Migrationshintergrund“-Kulturen mit Schutz und Liebe.

4) Der Feminismus kann nie zugeben, dass Frauen ihre typischen Fehler haben. Da gibt es nun mal welche. Frauen lästern öfter, praktizieren mehr Zickereien hintenrum und können manipulativ sein. Frauen sind auch angepasster und konformistischer – gut, das bedeutet auch mehr Verträglichkeit. Vielleicht kommt es einfach daher, dass Frauen immer schwächer waren und sich wohl oft notgedrungen anpassen mussten. Wenn Männer eher gerade aus Trotz dagegen sind, knicken Frauen leichter ein. Aber jedenfalls gibt es nun mal typische Frauenfehler, und auch Frauen, die einfach sehr schlechte Menschen sind, egal, ob ihre Fehler typisch für ihr Geschlecht sind oder nicht. Der Feminismus stellt oft genug noch Tyranninnen als emanzipierte Powerfrauen dar, oder zumindest als tragische Figuren, denen man ihre Verbrechen auf keinen Fall so übel nehmen darf wie männlichen Tyrannen. Wahrscheinlich würden Feministinnen Herodias, die Frau des Herodes, die für die Enthauptung Johannes des Täufers sorgte, als mutige Frau sehen, die sich gegen die Stigmatisierung ihrer Patchworkfamilie wehrt.

Dieses Nichtzugebenkönnen sieht man jedenfalls auch bei Christen, gerade in der Pro-Life-Bewegung. Da betont man z. B. sehr die Fälle, in denen Frauen vom Kindsvater zur Abtreibung gedrängt werden und irgendwie hilflos und in die Enge getrieben sind. Man will schließlich jeden mit christlicher Nächstenliebe behandeln und nicht zu schnell verurteilen. Diese Fälle gibt es natürlich oft genug, das sollte man definitiv nicht unterschlagen, aber es gibt z. B. auch Fälle, in denen eine Frau gegen den Willen ihres Partners abtreibt, oder abtreibt, obwohl er ihr sagt, sie hätte seine Unterstützung, wenn sie es behalten will; und das sollte man auch nicht ganz ausblenden. Nicht nur die Frauen, sondern auch die Männer in solchen Situationen können irgendwie hilflos oder hin- und hergerissen sein. In der Beratungsarbeit bekommt man bei Pro-Life-Organisationen wahrscheinlich eher die Fälle mit, in denen die Frau eigentlich nicht wirklich abtreiben will; vielleicht liegt es daran. Aber Frauen sind generell Wesen mit eigenem Verstand, die für ihre eigenen Verbrechen verantwortlich sind, und es meistens auch besser wissen könnten. Und auch Frauen können narzisstische Psychopathinnen sein. Es gibt auch (sicher nicht oft, aber in einzelnen Fällen) Frauen, die abtreiben, weil sie sich an ihrem Exfreund rächen wollen, oder Abtreibung quasi als nachträgliches Verhütungsmittel sehen.

Männliche Ansprüche oder Erwartungen an Frauen sind für Feministinnen absolut tabu – sogar dann, wenn es um absolut grundlegende normale Erwartungen geht, z. B. dass ein Mann sich von seiner Freundin trennen würde, wenn sie ihn betrügen, ihm ein Kuckuckskind unterjubeln oder sich einen Onlyfans-Account zulegen würde, auf dem sie Nacktfotos und -videos von sich verbreitet. Da heißt es dann eher „schau mal, was in eurer Beziehung gefehlt hat, sodass sie es bei jemand anderem gesucht hat“ oder „bist du so unsicher, dass du es nicht erträgst, dass deine Freundin selbstbestimmt und selbstbewusst mit ihrer Sexualität umgeht“. Ganz heikel wird es, wenn z. B. christliche Männer eine Frau vorziehen würden, die vor der Ehe Jungfrau ist (oder wenn nicht, dann zumindest verwitwet oder so was). Aus christlicher Sicht ist das natürlich kein Muss für eine Beziehung, aber doch was Gutes, und zwar bei Männern wie bei Frauen, und es ist bei Männern wie bei Frauen normal, dass man es schön findet, wenn der jeweils andere noch nichts mit anderen hatte. (Und wie bei allen guten Eigenschaften wäre es auch legitim, wenn einer es als Kriterium für eine Beziehung nehmen würde – wie es auch legitim wäre, wenn eine Frau sagen würde „ich will keinen übergewichtigen Mann“ oder „ich will nur einen Mann, der einen stabilen Job hat und mit dem ich bald eine Familie gründen könnte“. Das schließt nicht aus, dass sie es sich doch anders überlegen würde, wenn sie sich total in einen arbeitslosen Akademiker verlieben würde, aber auch wenn sie es sich nicht anders überlegen würde, wäre das legitim. Leute dürfen ihre Präferenzen haben, und das ist auch keine Herabsetzung von Leuten, die diesen Präferenzen nicht entsprechen.)

5) Der Feminismus tut ständig so, als wären Tugenden wie Bescheidenheit, Rücksichtnahme, Zurückhaltung, Höflichkeit, Anstand, Mütterlichkeit nur Unterdrückungsmechanismen des bösen Patriarchats. Dabei sind sie schlicht und einfach gut. Es ist nichts besonders Lobenswertes daran, laut, nervig oder fordernd zu sein. Ok, manchmal muss man es sein, das schon. Aber nicht ständig. Und öfter muss man auch fest und prinzipientreu sein, ohne deswegen unverschämt und nervig zu werden. Und wenn eine Vierzehnjährige bescheiden und zurückhaltend ist, ist das etwas Gutes und nichts, das sie sich abtrainieren soll. Man kann übrigens gleichzeitig bescheiden und zurückhaltend sein und sich deswegen nicht von jedem beeinflussen oder einschüchtern lassen; das lässt sich auch üben.

Es ist auch krass, wie Feministinnen jedes Idealbild einer Mutter oder Großmutter angreifen, weil damit andere Mütter herabgewürdigt werden würden – als ob man mit dem Vorbild eines Nationalspielers die normalen Jungs im FSV daheim herabwürdigen würde.

6) Feministinnen reden oft von Wahlfreiheit, aber machen die nicht so feministisch wirkende Wahl manchmal unmöglich (und manchmal bloß verächtlich). Z. B. sind Feministinnen sehr schnell dabei, Hausfrauen als ehrgeizlose, langweilige, unselbstständige Wesen herabzustufen. In den USA wurde es wegen dieses feministischen Einsatzes früh üblich, dass beide Elternteile arbeiten gingen und Kinder sehr früh in Krippen gegeben wurden, und das Resultat war: Die Reallöhne sind so weit gesunken, dass viele Amerikaner sich die Alleinverdienerfamilie nicht mehr leisten können; Arbeitgeber konnten sich eben auf die Doppelverdienerfamilie einstellen und mussten den Vätern keinen gerechten Familienlohn mehr zahlen. In Deutschland ist diese Entwicklung auch im Gang, nur etwas verzögert. Vergleichsweise wenige 30jährige mit kleinen Kindern werden es jetzt noch wagen, nicht wenigstens Teilzeit arbeiten zu gehen, sobald das Kind im Kindergarten ist, einfach, weil man so komisch angeschaut wird.

Darauf könnten Feministinnen jetzt sagen: Dafür waren in Zeiten des Patriarchats andere Wahlen außer Hausfrau & Mutter unmöglich. Worauf ich sagen würde: Nicht so ganz. Auch in früheren Zeiten gab es Nonnen, berufstätige alte Jungfern, intellektuelle Frauen und Künstlerinnen. Gut, einiges war schwieriger; es gab lange zwar Schulen und berufliche Schulen, aber keine Universitäten für Frauen. Und natürlich: Bei verheirateten Frauen mit Kindern (zumindest solchen, die keine Dienstboten und Kindermädchen hatten) wurde es erwartet, dass sie sich um Haushalt und Kinder kümmerten und alles andere nachrangig war. Aber das war auch angemessen; Kinder brauchen jemanden, der sich um sie kümmert, und damals war der Haushalt auch sehr viel Arbeit. Dafür wurde es auch von den Männern erwartet, auf dem Feld oder in der Werkstatt zu arbeiten und das Geld für die Familie heimzubringen; das war auch nicht immer eine tolle Selbstverwirklichung. (Genauso wie heute eigentlich.) Und seien wir mal ehrlich, das Hausfrauendasein hat seine guten und schlechten Seiten. Man muss ständig Wäsche waschen und putzen, aber kann auch ein bisschen kreativ werden beim Kochen, Backen, Dekorieren und der Gartenarbeit. Und Kinder sind nun mal sehr süß.

Außerdem, sind Frauen in den typischen Frauenberufen wie Erzieherin, Krankenschwester und Altenpflegerin denn emanzipierter als Frauen, die mit ihren eigenen Kindern spielen, ihre eigenen kranken Kinder betreuen, und ihre eigenen Eltern pflegen? Interessanterweise sind laut Umfragen die Frauen allgemein auch in den letzten Jahrzehnten nicht glücklicher geworden; so viel scheint die feministischere Lebensweise nicht gebracht zu haben.

Der Feminismus über- und unterfordert Frauen auch gleichzeitig. Einerseits hieß es v. a. früher immer, Frauen könnten gleichzeitig tolle Mütter und Karrierefrauen sein. Andererseits, weil auch Feministinnen nun mal merken mussten, dass der Tag nur 24 Stunden hat, und entweder das eine oder das andere zu kurz kommt, gilt es jetzt praktisch schon als böse, irgendwelche Erwartungen an Mütter zu haben.

7) Der Feminismus hat im Bereich der Sexualität viele Hemmungen und Tabus abgebaut, die Frauen und Männer beide vor Verletzungen geschützt haben. Sexuelle Liberalisierung funktioniert einfach nicht. Z. B. waren es (auch) Feministinnen, die für die damals so genannte freie Liebe eintraten, für erleichterte Scheidung und dergleichen. Damit haben sie es aber auch für Männer leichter gemacht, z. B. ihre Frau zu verlassen, sobald sie 42 ist und Dehnungsstreifen und Krampfadern hat, und eine Jüngere sich bietet. Männer – zumindest attraktive Männer – haben auf sexuellem Gebiet natürliche „Vorteile“ (nicht wirklich Vorteile, denn die leichtere Möglichkeit, das Falsche zu tun, ist kein wirklicher Vorteil); es bringt nichts, hier mit ihnen konkurrieren zu wollen. Während Frauen, wenn sie jung sind und wirklich promiskuitiv sein wollen, sehr leicht Partner finden können, hat diese Attraktivität ein früheres Verfallsdatum; ein Mann kann dagegen auch mit 45 noch attraktiv aussehen und eine jüngere Frau finden, die es vielleicht auch ganz nett findet, dass er schon eine höhere Position und ein bisschen Geld hat.

Überhaupt macht die feministische Liberalisierung in diesem Bereich keinen rechten Sinn. Denn einerseits wird gesagt, Frauen sollen selbstbestimmt sein, Kontrolle haben, usw., andererseits geht es ja normalerweise um Sex mit männlichen Partnern, wobei man zwangsläufig Kontrolle an den Mann abgibt, der irgendwie auch der patriarchale Feind ist.

8) Es gibt ja auch die Radikalfeministinnen, die z. B. Männer so sehr ablehnen, dass sie lieber für generelles Lesbentum sind. Hier kann jeder sehen, dass das nun mal einfach nicht der menschlichen Natur entspricht, und die allermeisten Frauen nicht mitmachen werden. Es gibt auch Radikalfeministinnen, die weniger weit gehen, und z. B. Sex zwischen Männern und Frauen gestatten, aber Vaterschaft für eine böswillige und unnötige Erfindung halten. Die These ist in etwa: In der Steinzeit wussten die meisten Männer doch gar nicht, welche Kinder ihre waren (es wurde wohl einfach wild durcheinandergevögelt); die Frauen waren selbstständig und die Kinder haben ihnen allein gehört; die Männer haben bloß als Onkel ihre Schwestern unterstützt. (Diese Feministinnen sehen immerhin Mutterschaft etwas positiver, aber wollen eben das Matriarchat.) Man könnte jetzt genauer ausführen, wieso diese Anthropologie der reinste Schwachsinn ist, aber der normale Mensch wird sich das schon denken können, wenn er sieht, wie sog. „offene Beziehungen“ in der Praxis aussehen. Sex bindet Leute aneinander, allein schon hormonell, und es geht nie ohne Eifersucht und Verletzungen ab, wenn man versucht, dieses exklusive Band auseinanderzureißen. Allgemeine freie „Liebe“ hat nie funktioniert und wird nie funktionieren.

Und hier wieder: Die meisten Frauen würden dabei einfach nicht mitmachen wollen. Weil sie nun mal doch Männer anziehend finden und irgendwie Romantik wollen statt bloß anonymen Sex. So wie sie auch zumindest ein, zwei Kinder süß finden, und irgendwie weiblich sein wollen statt geschlechtslos.

Der Punkt ist ja letztlich auch der: Gott hat Männer und Frauen gemacht, und wenn Er schon zwei Geschlechter gemacht hat, ist es logisch, dass es da auch von Ihm gewollte Unterschiede geben wird. Als Christin kann man eigentlich schwer Feministin sein.

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