Was ist ein Unrechtsstaat?

Ich werde hier ja nur gelegentlich politisch; meistens will ich hier eher Dinge schreiben, die immer gültig und wichtig sind, und die einen Unterschied im Leben von einzelnen machen können. Aber irgendwann muss man sich auch mal Luft über das Politische machen.

Im Lauf dieser Corona-Zeit ist so viel Unrecht passiert, so viel unglaubliches Unrecht. Menschen mussten allein sterben, manchmal wurden (gesetzwidrigerweise) nicht einmal Priester zu ihnen gelassen, Altenheimbewohner haben monatelang ihre Familien nicht zu sehen bekommen, Existenzen wurden ruiniert, Leute in die Depression getrieben, manche Ärzte haben Ungeimpften eine Behandlung verweigert und in manchen Ländern haben Ungeimpfte ihre Jobs verloren, Menschen wurden generell zu Impfungen gedrängt, die dann bei Schwangeren zu Fehlgeburten und bei Jugendlichen zu Herzmuskelentzündungen geführt haben, und auf Ärzte wurde Druck ausgeübt, Impfnebenwirkungen und Impftote nicht zu melden. Und man fragt sich am Ende: Wozu? Schweden ist gut durch diese Zeit gekommen, ohne solche Maßnahmen, in Afrika ist es ähnlich. In dieser Zeit ist Unrecht passiert, das im Mittelalter nicht einmal zu Pestzeiten passiert wäre; damals wäre niemand auf die Idee gekommen, einen Priester nicht zu einem Sterbenden zu lassen. Menschen haben eine Kaltherzigkeit gezeigt, die ihresgleichen sucht.

Nein; manches ist es einfach nicht wert.

Und das Schlimme ist: Viele Menschen bekommen all das nur so halb mit, sind von den schlimmsten Nachrichten abgeschottet, und reden sich ein, dass – wir sind ja in einem guten Land, wo alles seinen geregelten Gang geht, nicht wahr – die Verantwortlichen schon wissen werden, was sie tun, oder man es ihnen jedenfalls nicht übel nehmen darf, wenn sie mal ein paar Fehler machen, und dass auf jeden Fall alles gut wäre, wenn sich alle hundertprozentig an die Maßnahmen halten und sich impfen lassen würden. Die Politik hat es gut geschafft, einen Keil durch die Leute zu treiben; und manche Leute, die eine boshafte Ader haben, genießen es jetzt, einen Sündenbock – die Ungeimpften, die „Querdenker“, die „Coronaleugner“ (als ob jemand Corona leugnen würde) – zu finden, dem sie die schlimmsten Übel an den Hals wünschen können. Und das alles, während die Politik dafür verantwortlich ist, dass Krankenhausbetten abgebaut wurden und Personal vertrieben wurde.

Ich hatte an sich kein Problem mit dem Prinzip von Notverordnungen und dergleichen; aber mittlerweile frage ich mich, ob es nicht besser gewesen wäre, wenn man der Politik das von vornherein nie erlaubt hätte. Politiker genießen es, Macht auszuüben, und gewöhnen sich gerne daran. Dafür muss man keine Verschwörung postulieren; Machtgier und Beharren auf dem einmal eingeschlagenen Kurs genügt. Und natürlich kann man so die Bürger an Grundrechtseinschränkungen gewöhnen, die man vielleicht als nächstes um des Klimawandels willen einführen will, und an eine ständige Überwachung, die sich leicht zu einem social credit system à la China erweitern ließe. Ist es wirklich so seltsam, zu glauben, dass Politiker nicht immer engelsgleiche Menschen sind, und ideologische Ziele verfolgen können, oder einfach nur von Pfizer-Lobbyisten beeinflusst werden? (Die Verträge über die Lieferung der Impfstoffe sind übrigens immer noch streng geheim; sogar EU-Parlamentsabgeordnete bekommen nur eine fast vollständig geschwärzte Version zu sehen.)

Und als nächstes soll jetzt wohl eine Impfpflicht kommen. Zuerst mit Bußgeldern und Erzwingungshaft als Druckmitteln, aber es wurden auch schon andere Mittel ins Spiel gebracht. Das alles bei einer Impfung, die nur sehr eingeschränkt wirkt, mit einer völlig neuen Technologie, und bei der bisher in den USA um die 10.000 Impftote und in Deutschland 1800 Impftote gemeldet wurden, wesentlich mehr als bei sämtlichen anderen Impfungen zusammen im Lauf von Jahrzehnten, und das, obwohl Ärzte sehr, sagen wir, zögerlich dabei sind, einen Tod als durch die Impfung verursacht oder mitverursacht anzuerkennen. Das Rechtsgut der körperlichen Unversehrtheit und Selbstbestimmung ist hier nachrangig; Hauptsache, man kann seinen Kurs durchziehen, auch wenn jetzt neue Varianten kommen, die sehr milde verlaufen und gegen die die Impfung nicht einmal wirken soll. Auch die schon Geimpften sind nicht gefeit; die Impfung hat ein schnelles Ablaufdatum, und wenn alles so kommt wie geplant, kann sich jeder alle sechs Monate seine Spritze abholen, um an der Gesellschaft teilhaben zu dürfen.

Die Sache ist die, kein Unrechtsstaat kommt und kündigt sich an. Unrechtsstaaten kommen auch nicht immer schnell und abrupt. Rechtsstaatlichkeit kann verloren gehen und Minderheiten können unterdrückt werden, auch während es noch Wahlen und andere mit „Demokratie“ assoziierte Verfahrensweisen gibt (diese natürlich beeinflusst durch die Medien). Länder können auch nur in manchen Bereichen zu Unrechtsstaaten werden, vorerst einmal. (Und unserer ist das ja in anderen Bereichen schon sehr lange, spätestens seit den 70ern, seit Kinder hunderttausendfach mit staatlicher Billigung getötet werden dürfen.)

Die Sache ist die, ich habe mich mittlerweile mehr oder weniger darauf eingestellt, in diesem Land keine wirklichen Rechte zu haben, die noch vorhandenen Rechte nur bedingt zu haben, solange nichts Neues beschlossen wird, mich hoffentlich mit Glück durchwursteln zu können, und allgemein von diesem Staat kaum noch toleriert zu werden. Ich wäre nicht überrascht, wenn es in ein paar Wochen oder Monaten heißt: Keine ärztliche Behandlung oder kein Krankenversicherungsschutz für Ungeimpfte mehr. Ich weiß auch nicht, was man jetzt am besten tun soll. Wohl am besten solange Widerstand leisten, wie es am besten geht, gegen Bescheide erst mal klagen, auf die klassischen Totimpfstoffe hoffen, evtl. bei den Gruppen mitmachen, die sich gegen die Grundrechtsverstöße einsetzen, wie AfD und Querdenker. Es wird ja nicht besser, je mehr man gehorcht. Erpresser gehen immer weiter, wenn sie keinen Widerstand spüren. Und auch, wenn man sich selber impfen lässt, kann man dagegen sein, dass den Ungeimpften ihre Rechte genommen werden.

Das Leben geht irgendwie weiter, auch in Unrechtsstaaten, wie es auch in der DDR immer weitergegangen ist, ich weiß. Aber hoffentlich geht es mit etwas weniger Unrechtsstaat weiter.

15 Gedanken zu “Was ist ein Unrechtsstaat?

  1. Sie sprechen mir ja sowas von aus dem Herzen. Endlich mal ein Standpunkt in einem Blog der den Begriff Katholisches in seiner Überschrift führt, den ich in Sachen Corona-Wahn voll unterstütze. Was ich bei anderen katholischen Bloggerkollegen(innnen) an Hass und Häme über die sog. Querdenker (ich bevorzuge Selbstdenker) gelesen habe, war und ist mehr als rätselhaft. Was mich persönlich am Beginn der sog. „Pandemie von nationaler Tragweite“ immens gestört hat, war die Aussage der Politikerkaste es ginge um unsere Gesundheit. Das war mir Sicherheit im März 2020 gelogen und heute kommt der ganze Horror ans Tageslicht. Staaten die ihren eigenen Nachwuchs vor der Geburt ermorden, (das sind so ziemlich alle auf diesem Planeten) sind Unrechtsstaaten und scheren sich einen Dreck um die Gesundheit der geborenen Bürger. Auch wenn die korrupten und machtbesoffenen Politiker was anderes säuseln.
    Die Verwirrung in der Gesellschaft nimmt beängstigende Formen an. Es wird geimpft und dabei gelogen was das Zeug hält. Selbst Papst Benedikt hat sich aus Überzeugung impfen lassen, wie ich heute bei Kathnet gelesen habe. Also ich verstehe das nicht…. Im Vatikan herrscht eine Impfpflicht für alle die dort arbeiten. Intellektuelle, Geistliche, Wissenschaftler so ziemlich alle bis auf wenige Ausnahmen sind dem Impfwahn verfallen und die Masse der einfachen Leute hängt sehnsuchtsvoll an der Spritze. So geht Apokalypse…und wir sind live dabei. Ich persönlich gehe lieber in den Knast als mir die Impfplörre in den Arm jagen zu lassen.

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    1. Echt? Was für andere Blogs zum Beispiel? Ich hab ja in letzter Zeit nicht mehr so viele Blogs gelesen, aber mir kommen die meisten Katholiken, die ich so vom Internet her kenne, immer recht vernünftig und nett vor. Vielleicht hab ich auch nur Glück mit meiner Blase 🙂

      Das Vorgehen im Vatikan ist schon auch krass, nachdem sie selber klargestellt haben, dass Impfungen freiwillig sein müssen.

      – Crescentia

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      1. Wenn Sie schon fragen…..“Katholisch?Logisch!“ aus Berlin wäre da mein erstes Beispiel was mir auf die Schnelle einfällt. Da werde ich als Kommentator höflich ignoriert. Ich habe mich mal als ein möglicher AfD Wähler geoutet und Verständnis für die Demonstrationen der sog. Qerdenker geäußert. Danach ahnte ich was der Begriff Shitstorm beinhaltet. Mit Querdenkern redet die Blogbetreiberin nicht mehr und die AfD ist natürlich nicht wählbar. Ich habe Ihren Artikel über die AfD verlinkt, wurde natürlich nicht veröffentlicht…….

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      2. @Gerd: Was Sie beschreiben, ist mir auch aufgefallen. Letztes Jahr habe ich dort mal darauf hingewiesen, dass „Lockdowns“ und die damit verbundenen Schulschließungen erhebliche Schäden für Bildung und seelische Entwicklung von Kindern und Jugendlichen mit sich bringen. Da ist mir gehörig über den Mund gefahren worden. Wenn eigene Ängste gnadenlos und auf nicht gerade katholische Weise auf dem Rücken anderer gesellschaftlicher Gruppen ausgetragen und ihnen deswegen grundlegende Rechte verwehrt werden, dann kommt einem alles frömmlerische Gerede, was man da sonst so liest, mit einem Schlag ziemlich hohl und leer vor.

        Vielleicht noch eine Bemerkung, die ich mir – ich bitte um Nachsicht – nicht verkneifen kann. Leider muss ich mich selbst als heimatlosen Christdemokraten bezeichnen. (Nicht „heimatlos geworden“ deswegen, weil ich damit eine klassische, inzwischen tote politische Richtung meine, nicht die Parteien, die sich ohne Substanz so nennen.) Es ist mir bewusst, dass die AfD viele traditionelle CDU/CSU-Positionen übernommen hat. Aber als Katholik ist sie für mich aus einem Grund in der Tat nicht wählbar: Wenn Christliches in der Partei auftaucht, dann ist es meiner Wahrnehmung nach häufig ein sehr geprägt deutschnational geprägtes, protestantisches Christentum, das ich mit katholischem Universalismus nicht für vereinbar halte. Außerdem lehne ich in der Tiefe meines Herzens den deutschen Nationalstaat, wie er 1871 konfiguriert worden ist, ab, aber das ist noch mal eine andere Frage …

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      3. Was die AfD angeht: Keiner hält sie für eine ideale Partei des politischen Katholizismus à la BVP. Aber sie ist schlicht und einfach jetzt die vernünftigste in den Parlamenten vertretene Partei. Man sollte nicht das Bessere zum Feind des Guten machen. Da macht für mich einfach eine solche Herangehensweise, eine Partei wegen eines Mankos gleich als unwählbar zu titulieren, überhaupt keinen Sinn. Wir wollen jetzt das Beste, was für Deutschland erreichbar ist. (Und Deutschland ist jetzt nun mal ein kleindeutscher Staat geworden, damit müssen wir klarkommen, und auch gegenüber dem ist ein bisschen Patriotismus ok 😉 )

        – Crescentia

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      4. Ja, die Frau Sperlich ist in manchen Dingen schon komisch geworden… vielleicht ist das dieser Wunsch, den man manchmal hat, zumindest hier und da nicht als komisch und anders wahrgenommen zu werden, also biedert man sich an.

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      5. Werter Sokleidas,

        es geht bei der AfD in der öffentlichen Diskussion nie um christliche Inhalte in dieser Partei. Darüber sollten wir uns einig sein, wenn wir die Alternative für Deutschland näher betrachten. Es hat endzeitlichen Charakter, wie die Partei diffamiert, dämonisiert, verleugnet und in den Dreck gezogen wird. Für manche katholischen Blogger ist die AfD die Reinkarnation des Bösen. Sie sehen im Geiste schon Gauland, Höcke und von Storch in Springerstiefeln mit Fackeln und Standarten vor dem Reichstag aufmaschieren. Es wird mir regelmäßig speiübel, wenn ich höre wie die Abgeordneten dieser Partei im Bundestag aufs übelste beschimpft, gemobbt und ausgegrenzt werden. Vor der Wahl outete sich ein katholischer Blogger als „Die Grünen“ Wähler. Hallo? Geht’s noch? Der einzige Grund warum ich die AfD wählen könnte, ist der, dass diese Partei angegiftet wird, wie es der „Stürmer“ nicht hätte besser machen können und somit sehr viel Wahrheit dort vorhanden ist.
        Sie schreiben zu den Maßnahmengegnern: „Allerdings gibt es da ein Ausmaß an Irrationalität, das mir völlig unverständlich ist, sodass ich mich inzwischen auch abgestoßen fühle.“
        Es galt noch vor einem Jahr als völlig irrational über eine Impfpflicht auch nur nachzudenken.
        So tönte der Ministerpräsident in Sachsen Kretschmer auf Twitter am 5.Mai 2020: „Niemand wird in Deutschland gegen seinen Willen geimpft. Auch die Behauptung, dass diejenigen, die sich nicht impfen lassen, ihre Grundrechte verlieren, ist absurd & bösartig. Lassen Sie uns Falschnachrichten & Verschwörungstheorien gemeinsam entgegentreten.“
        Nur 3 Monate später am 26.Juli im MDR „Ich halte es für richtig, dass es keinen Impfzwang gibt. Das heißt aber auch, dass man ohne Impfung Nachteile wie das ständige Testen in Kauf nehmen muss!“
        Das bedeutet im Klartext: Ich bin gegen einen Impfpfzwang, ich bin allerdings auch für einen Impfzwang. Es ist wohl völlig klar, dass dieser Minister im Bundestag für einen Impfpflicht stimmen wird. Das nenne ich nicht irrational sondern absurd und böse. Meine Frau und ich werden uns auf keinen Fall impfen lassen wenn es verpflichtend werden soll.
        Für mich steht fest: Es ging nie um eine Impfung, es geht nicht um eine Impfung, es wird auch in Zukunft nie um eine Impfung gehen. Gerne zitiere ich hier unseren Kirchenstifter: „Ihr wisst, dass die, die als Herrscher gelten, ihre Völker unterdrücken und ihre Großen ihre Macht gegen sie gebrauchen.“ Mehr ist dazu nicht zu sagen, nur als dass es bei uns anders sein soll.

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  2. Ganz herzlichen Dank! Noch jemand, der sich nicht von Propaganda den Kopf vernebeln läßt. Sie haben auf die Frage: „Spinne ich oder die Welt?“ auch die offensichtliche Antwort gefunden.
    Wenn der Staat sich zum Herren über meinen Körper aufschwingen will, sind viele rote Linien überschritten worden, die in Deutschland, gerade in Deutschland, niemals auch nur hätten angezweifelt werden dürfen. Die übliche Salamitaktik (denke an das Diktum von Martin Niemöller) hat mal wieder funktioniert. Geschichtsvergessenheit bei aller angeblichen „Erinnerungskultur“. Für den Staat habe ich noch Hoffnung, da er sich doch als eher dysfunktional erweist und der Widerstand wächst.
    Die Kirche als Grenzwacht hat ebenfalls versagt (bis auf wenige Ausnahmen!). Statt sich der großen Heiligen zu erinnern oder dem Beispiel unseres HeRRn nachzueifern und unerschrocken Heil zu verkünden und dort Trost zu spenden, wo sich keiner mehr hintraut, Anschluß an hysterische Hygieneregeln, Propaganda für zweifelhafte Impfstoffe (Stichwort: Abtreibungslinien?) … allen voran das Oberhaupt, das den geistlichen Kehraus mit eisernem Besen vorantreibt.
    Ohne geregeltes Gebetsleben und „erdende Lektüre“ ist der weltweite Irrsinn kaum noch zu ertragen.
    In diesem Sinne:
    Hochgelobt und angebetet sei ohne End,
    Jesus Christus im allerheiligsten Sakrament!

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    1. Ich bin ja sehr froh über meine Piusbruderschaft-Gemeinde, wo die Leute und die Priester vernünftig sind und einen niemand zu was zwingen will 🙂 So was ist schon viel wert, man merkt, dass man nicht allein ist.

      – Crescentia

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      1. Ein mir bekannter Priester, der die Erlaubnis von seinem Bischof hat, die Messe nach der überlieferten Form zu feiern, hat seine Eltern am Anfang der Impfhysterie zur Impfung geraten. Das würde er heute auf keinen Fall mehr tun. Niemand ist vor der Propaganda der Pharmalobby sicher.

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  3. Liebe Crescentia, Ihre Beobachtungen, Ihren Ärger und Ihre Sorgen teile ich in vielerlei Hinsicht. Allein, wenn man sich die Entscheidungen des Bundesverfassungsgerichts aus diesem Jahr anschaut, dann muss man konstatieren, dass wesentliche staatliche Institutionen in Deutschland bis zur Unkenntlichkeit geschleift worden sind. Covid-19 ist wohl nicht ursächlich für diese Entwicklung, hat sie aber drastisch beschleunigt.

    Dennoch möchte ich aber an einer Stelle etwas Wasser in den Wein Ihres Pessimismus gießen und den Advocatus Diaboli spielen, und zwar was das Thema der Impfung anbelangt.

    Ich bin weder Virologe noch Epidemiologe. Aber ich bin publizierender Wissenschaftler an einer außeruniversitären Forschungseinrichtung. Daher meine ich ausreichend Kenntnis von den Problemen des Erkenntnisgewinns (zwei Schritte vor, einer zurück) und von den Problemen der Interpretation von Daten und Befunden zu haben, um daraus ableiten zu dürfen, dass die Impfung zwar bei Weitem kein Zaubertrank ist, aber dass sie durchaus Ihre Wirkung tut. Der Zusammenhang zwischen Impfquote, Inzidenzen, Todesraten und Krankenhausbelegung ist m.M.n. schon signifikant, auch wenn es scheint, dass Impfstoffe wie bei den Chinesen, die quasi ein ganzes deaktiviertes Virus enthalten, etwas robuster gegen potentielle Mutationen sind. Man hat es halt leider mit einem mutierendem Virus und mit einer Atemwegserkrankung zu tun, bei der es per se keine sterile Immunität geben kann. Das haben viele Leute seit letztem Herbst immer wieder gesagt, nur muss man halt relativ genau hinhören, weil sie von beiden Seiten (immer noch) überschrien werden. Für die „Wissenschaft“ ist es im Grunde eine gesellschaftliche Katastrophe, dass grob geschätzt 99,8% der Gesellschaft, Politiker eingeschlossen, plötzliche Spezialisten zu Themen geworden sein wollen, von denen kaum einer was versteht (ich auch nicht!).

    Besonders im ersten Coronajahr habe auch ich einen massiven persönlichen und finanziellen Preis bezahlen müssen, auch wenn ich zu den privilegierten Leuten gehöre, die sicherlich besser durch die Krise kommen als viele andere. Mir ist die Rede von „Coronaleugnern“, „Querdenkern“ und „Covidioten“ immer ziemlich sauer aufgestoßen. Ich fand es äußerst unpassend, dass medial ein nicht unwesentlicher Teil der Bürgerschaft derart gebrandmarkt worden ist. Allerdings gibt es da ein Ausmaß an Irrationalität, das mir völlig unverständlich ist, sodass ich mich inzwischen auch abgestoßen fühle. Hier in meiner neuen Heimat wird da teilweise gemeingefährlicher Unsinn verzapft („Ivermectin“, „Vitamin-D“, „ein gesundes Immunsystem in einem gesunden Körper“). Dass sich Demonstranten dann auch noch einen Judenstern umbinden, ist für mich eine inakzeptable Grenzüberschreitung und eine Geschichtsklitterung, die auf eine untragbare, erneute Enteignung der Opfer der Shoa hinausläuft.

    Bei allem guten Willen: Man muss schon auch wollen, dass einem zugehört wird! Auch wenn sich die Politik eine ganz gehörige Portion Schuld auf sich geladen hat und viele seelische und materielle Existenzen auf dem Gewissen hat: Man kann nicht ständig „Gesellschaftsspaltung“ schreien und selbst in oft drastischer Weise beitragen. Hier mal ein Protokoll von Beschimpfungen, die ich schon in Diskussionen an Orten eingesteckt habe, wo es nicht so gesittet wie bei unserer Gastgeberin zugeht: „Systemlemming“, „ÖVP-Zwangsimpfer“, „Lohnschreiber“, „Mensch mit einem Horizont von einem Meter Feldweg“, „Bildungsverlierer“, „Legastheniker“, „Laborratte“, „Obergscheiterl“. Ähnliches beobachte ich durchaus auch im Forum eines einschlägigen katholischen Portals. Man darf nicht glauben, Gott auf die Probe stellen zu dürfen. Beten wir Rosenkränze, selbstverständlich! Aber die Pandemie schaffen wir damit nicht aus der Welt. Für die Außenwahrnehmung eines glaubens- und lehramtstreuen Katholizismus ist es gelinde gesagt eine Katastrophe, was man da teilweise liest. Und was soll man von einer Gesellschaft halten, wo einerseits ständig gegen Pharmakonzerne geschimpft wird, andererseits aber Milliarden mit Homöopathie (in A von den KK bezahlt!), Bachblüten und Schüßlersalzen umgesetzt wird, die vielleicht seelische Unterstützung leisten, aber keinerlei empirisch nachweisbare Wirkung haben?

    Im Westen hat man keinen Sinn mehr dafür, dass es ein höheres Gut als die körperliche Gesundheit gibt, weil er metaphysisch vollkommen unbehaust ist. Da sind wir uns sicherlich alle einig. Die Leute haben eine Heidenangst vor dem Tod.(*) Zynisch gesprochen kann man das, allein, wenn man auf den Zweiten Weltkrieg schaut, wo Deutschland 6 Millionen Juden ins Gas geschickt und Feuer und Tod über die Welt gebracht hat, durchaus als moralischen ‚Fortschritt‘ ansehen. All die vollkommen irren Maßnahmen gegen Covid-19 sind m.M.n. letztlich nichts anderes ein Selbstmord aus Heidenangst vor dem Tod. Die institutionalisierte katholisch-lutherische Gremienkirche wird in D in 20, 30 Jahren tot sein (für A bin etwas optimistischer). Einen Evangelisierungsschub, der eine realistische, lebensnahe und erlöste Einstellung zum Tod mit sich bringen mag, wird es nicht geben. So ist nun mal die neuheidnische Abtreibungs-Individualismusgesellschaft, in der wir leider leben müssen.

    Die Entscheidung zur Impfung ist mir persönlich sehr schwer gefallen. Ich kann viele Vorbehalte sehr gut nachvollziehen und sehe sie auch in meiner Familie. Die Stellungnahmen der Glaubenskongregration und auch anderer katholisch geprägter Institutionen (z.B. IMABE) waren mir aber Hilfe genug, um die Entscheidung tragen zu können, und ich halte sie sowohl für mich persönlich als auch in Hinblick auf das Gemeinwohl für richtig. Vergangenes Jahr hätte ich dem widersprochen, aber inzwischen ist meine Einschätzung als Laie, dass wir ohne Impfung Covid-19 nicht in den Griff bekommen werden. Es bestehen mehrere Möglichkeiten: 1) Die Impfung wirkt bei ausreichender Impfquote wie erhofft. 2) Die Impfung wirkt trotz ausreichender Impfquote nicht wie erhofft. Dann wird das Eingeständnis kommen müssen, dass wir nicht jedes Leben um den Preis retten können, millionenfach wirtschaftliche Existenzen zu zerstören und Kindern die Lebensfreude, Möglichkeit zur Entwicklung und zur Bildung zu rauben.

    Der langen Rede kurzer Sinn: Ich halte es für sinnvoll, sich impfen zu lassen, obwohl noch kein Totimpfstoff da ist (man denke übrigens daran, dass die Impfstoffe gegen H1N1 auch Totimpfstoffe waren…), obwohl eine falsche Versprechung nach der anderen gemacht worden ist, obwohl nun die Impfpflicht am Horizont dräut. (Sie wird mit 100%iger Sicherheit EU-weit kommen.) Eine Entscheidung kann sinnvoll sein, obwohl am laufenden Band falsche Argumente dafür vorgetragen werden. Wir sollten nicht in die Rede eines „Unrechtsstaats“ verfallen, obwohl eine ganze Menge faul ist im Staate Deutschland, ganz besonders für den Katholiken. Aber genau darin sehe ich die Gefahr, dass uns überhaupt nicht mehr zugehört wird. Wir kennen alle die Rede Jesu, dass wir seinetwillen verfolgt und verspottet werden. Aber unter den Bedingungen der westlichen repräsentativen Systeme halte ich es im Moment noch besser, für seine Position zu werben als sich resigniert zurückzuziehen.

    Aber eigentlich bin ich auch ziemlich ratlos…

    (*) Genauer gesagt: Die Leute haben eine Heidenangst vor dem Tod, der gegen ihren Willen zu ihnen kommt. Der angebliche Selbstmord in Würde bei alten, schwerkranken Leuten und die Abtreibung von Kindern, die von ihrem Mutterleib abhängig sind und die ihr Bewusstsein noch entwickelt haben, wird natürlich als „freie Entscheidung“ idealisiert. Das sind halt die Tode, die den pseudo-aufgeklärten Erwachsenen, der in vollem Saft steht, nicht berühren.

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    1. Ich würde es mal so sagen: Die Schuld daran, wenn jemand es in der Ablehnung der Impfung übertreibt, liegt viel eher bei ihren Befürwortern als bei den Impfgegnern. Und sie wurden beschimpft, bevor sie andere beschimpften. Wie man in den Wald ruft, so schallt es zurück. (Und manches ist eben gerade nicht irrational – Indien hat gute Erfahrungen mit Ivermectin gemacht, das ja ein nobelpreisgekröntes Medikament ist, um ein Beispiel zu nehmen.)

      Es ist einfach so: Man weiß nicht mehr genau, worauf man sich verlassen kann, und muss erst herumsuchen, was verlässlich ist. Wer schon mal erkannt hat, dass die Medien und Politiker nicht alle verlässlich sind, ist schon mal ein Stück weit vorangekommen, auch wenn er noch nicht genau gefunden hat, was jetzt verlässlich ist.

      Und wieso nicht von einem Unrechtsstaat reden? Wir haben einen Staat, der Unrecht begeht und sich nicht an seine eigenen Gesetze und Verfassungsprinzipien hält.

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  4. Werter Sokleidas,

    Sie schreiben: „Man muss schon auch wollen, dass einem zugehört wird!“
    Na, ja ich habe es bei Katholisch?Logisch! versucht. Im folgenden kann jeder nachlesen, was man davon hat:

    Herr S. schreibt:
    2. August 2021 um 17:05

    Leute, die sich so aggressiv verhalten wie die sog. Querdenker aber auch seinerzeit sog. Linksautonome, kann ich, wie einst Sigmar Gabriel nur als „Pack“ bezeichnen und befürworte unbedingt, dass hier von Seiten des Staates gegen dieses Gesindel konsequent vorgegangen wird.

    Noch verwerflicher als die oftmals verbildeten und verblendeten sog. „Straßenkämpfer-Agressoren“ sind für mich die agitierenden Aufhetzer, die gerne bei den physischen Auseinandersetzungen im Hintergrund und oftmals ungeschoren bleiben.

    Für die hier offen geäußerten Sympathiebekundungen gerade auch des sich als „Katholiken“ bezeichnenden „gerd“ fehlt mir jegliches Verständnis – reine Scharfmacherei eines AfD-Sympathisanten.

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    gerd schreibt:
    2. August 2021 um 17:42

    Beruhigen Sie sich lieber Herr S. Es gibt auch genügend Katholiken die die Grünen wählen. Wäre mal ein neues Feindbild für Sie. Wobei ich nicht so weit gehen würde, die Grünen als Pack oder Gesindel zu bezeichnen. 😉

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    Herr S. schreibt:
    2. August 2021 um 18:26

    Pack und Gesindel sind nicht irgendwelche Parteimitglieder oder Sympathisanten per se, sondern diejenigen Menschen, die aggressiv und militante auf Krawall gebürstet sind.

    Sie, gerd, sind für mich ein schwer erträglicher Agitator und Scharfmacher, der sich eines Tages spätestens im göttlichen Gericht dafür verantworten muss.

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    Der letzte Kommentar wurde von Frau Sperlich geliked. Aber mir das katholische absprechen…..nee is klar.

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    1. Ich glaube, Sokleidas meinte nicht Sie persönlich, sondern hat das so allgemein gesagt?

      Aber solche Kommentare sind echt unerträglich, auch immer diese Versuche spiritueller Einschüchterung. Klar, fürs AfD-Wählen kommt man in die Hölle, genau.

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  5. Liebe „Nolite Timere“
    auch mir sprechen Sie aus der Seele! Es geht nicht um unsere Gesundheit, sondern um – was auch immer – anderes!
    Zum als Ungeimpfte beschimpft- und ausgegrenzt werden habe ich inzwischen eine eigene Ansicht der Dinge: „Man darf ja nichts mehr sagen“, Zitat eines Handwerkers, der mit etwas reparierte, der ganze Ärger über die multikulturelle Gesellschaft, die explodierenden Energiekosten, den Verfall der Währung usw., usw., irgendwie muß der aufgestaute Frust ja raus!
    Und endlich gibt es ein Ventil: über Ungeimpfte kann nun jeder nach Herzenslust sein Mütchen kühlen!
    Hoffen wir, daß Annalenchen und ihr Robert den Karren derartig gegen den Baum fahren….

    katholisch-logisch: Ja, die Frau Sperlich….ich glaube, sie glaubt das wirklich…

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