Ein paar gute Bücher aus dem letzten Jahr

Wenn ich gute Bücher lese, habe ich irgendwie immer auch das Bedürfnis, sie mit allen zu teilen, deshalb dachte ich, hier kommt mal ein kleiner Beitrag über ein paar besonders gute Bücher, die ich im letzten Jahr entdeckt habe.

„Theologie für Anfänger“ von Frank Sheed

Sheeds Buch bietet auf etwas mehr als 200 Seiten eine grundlegende Erklärung der wichtigen Glaubenslehren, gut verständlich, aber tiefgehend: Wie sieht das innere Leben der Dreifaltigkeit aus, wie ist das Verhältnis von Körper und Geist, was bedeutet Erlösung, was kommt nach dem Tod? Ich habe durch ihn z. B. endlich besser verstanden, wie es sich mit der einen Person und den zwei Naturen in Christus verhält. Das Buch enthält keinen Satz zu viel, keinen Satz zu wenig; Sheed bringt die Dinge einfach ohne viel Gelaber auf den Punkt.

Auszüge als Beispiel:

„Diese Vermischung von Geist und Materie in den menschlichen Handlungen unterscheidet den menschlichen Geist von jedem anderen. Der menschliche Geist ist der einzige, der zugleich auch Seele ist – das heißt: Lebensprinzip in einem Leib. Gott ist Geist, aber er hat keinen Leib; die Engel sind Geister, aber sie haben keinen Leib. Nur im Menschen ist der Geist mit einem Leib vereint, belebt einen Leib, macht ihn zu einem lebendigen Leib. Jeder lebendige Organismus – der Pflanzen, der niederen Tiere, der Menschen – hat ein Lebensprinzip, eine Seele. Und ebenso wie unser Geist der einzige Geist ist, der zugleich Seele ist, so ist unsere Seele die einzige, die zugleich auch Geist ist.

Wir haben gesehen, daß der Geist auf vielerlei Weise in uns tätig ist: Er erkennt und liebt, und er belebt den Leib. Aber was ist nun schließlich Geist?

Wir können es verstehen, wenn wir uns selbst betrachten und eine der Tätigkeiten unserer Seele im einzelnen prüfen: Sie bringt Ideen hervor. Ich erinnere mich an ein Gespräch eines unserer Redner mit einem Materialisten, der behauptete, seine Idee von Gerechtigkeit sei das Resultat rein körperlicher Aktivität, durch menschliche Gehirnmasse hervorgerufen. Der Redner fragte ihn, wieviel Zoll denn die Gerechtigkeit mäße? Er: ‚Fragen Sie nicht so dumm! Ideen haben keine Länge!‘ Wieviel sie denn wöge? Er: ‚Wollen Sie mich auf den Arm nehmen?‘ Der Redner: ‚Nein. Ich nehme Sie nur beim Wort. Welche Farbe hat sie? Welches Gewicht?‘

An diesem Punkt brach das Gespräch ab, weil der Materialist sagte, der Redner rede dummes Zeug. Natürlich ist es dummes Zeug, davon zu reden, daß eine Idee Länge oder Gewicht oder Farbe oder Gestalt haben könne. Aber der Materialist hatte gesagt, daß die Idee stofflich sei, und der Redner hatte ihn daraufhin nur gefragt, was für stoffliche Eigenschaften sie denn habe. Natürlich hatte sie keine; und der Materialist wußte das ganz genau. Nur hatte er nicht die augenscheinliche Schlußfolgerung gezogen. Wenn wir beständig etwas hervorbringen, was keine stofflichen Eigenschaften hat, dann muß in uns etwas sein, was nicht Stoff ist. Und das nennen wir Geist.

Seltsam genug, hält der Materialist uns für abergläubische Leute, die an ein Phantasiegebilde namens Geist glauben, sich selbst aber für einen nüchternen Realisten, der behauptet, daß Ideen von einem körperlichen Organ, dem Gehirn, hervorgebracht werden. Er behauptet schlichtweg, daß die Materie etwas hervorbringt, was nicht eine einzige Eigenschaft mit ihr gemeinsam hat – was könnte phantastischer sein als das? Demgegenüber sind wir die nüchternen Realisten – darauf sollten wir bestehen.“ (S. 17f.)

„Wir werden noch darauf zurückkommen – aber zuerst müssen wir noch den größten aller Unterschiede betrachten: nämlich daß die Seele ihre Existenz Gott verdankt. Er rief sie ins Dasein, erhält sie, kann sie zunichte machen (aber er versprach uns, es nicht zu tun). Seine eigene Existenz nicht festhalten zu können, das ist die einschränkendste Einschränkung, die sich denken läßt; sie macht den größten Unterschied aus zwischen dem endlichen Geist, der unsere Seele ist, und dem unendlichen Geist, der Gott ist.

Bernard Shaw erzählte, daß er einmal einen Priester fragte: ‚Wer schuf Gott?‘ Der Priester, sagt Shaw, war wie vom Donner gerührt. Ob er Selbstmord beging oder bloß aus der Kirche austrat, berichtet Shaw nicht. Aber die Begebenheit ist lächerlich. Jeder Philosophiestudent hat diese Frage schon einmal gehört, und jeder weiß, daß es ein Wesen geben muß, das es nicht nötig hat, geschaffen zu werden. Wenn nichts da wäre außer Empfängern von Dasein – woher sollte das Dasein dann kommen? Damit überhaupt etwas da sein kann, muß es ein Wesen geben, das es nicht nötig hat, Dasein zu empfangen, ein Wesen, welches Dasein einfach hat. Gott kann allen anderen Wesen Dasein verleihen, eben deswegen, weil es ihm nicht verliehen wurde. Es ist seine Natur, da zu sein, zu existieren. Gott kann nicht Dasein empfangen, weil er Dasein ist.“ (S. 26)

„An die Liebe glauben“ von Pater Jean du Coeur de Jésus d’Elbée

Das Buch ist aus Predigten bei Exerzitien hervorgegangen, und der Autor bezieht sich immer wieder auf die Gedanken der hl. Thérèse von Lisieux. Es hilft einfach wunderbar dabei, sich Gottes Liebe bewusst zu werden. Ich habe immer nur ein paar Seiten am Stück gelesen, und dann etwas gebetet. Ein kurzer Auszug:

„Oft stelle ich die Frage: ‚Denken Sie, dass Sie eine Freude für Jesus sind?‘ Wie viele Male wurde mir geantwortet: ‚Daran habe ich nie gedacht.‘ Oder man entgegnet, dass so zu denken ein Mangel an Demut wäre; und man stellt seine Armseligkeit heraus. Darüber werde ich zu Ihnen noch ausführlich im Verlauf der Exerzitien sprechen. Und doch, ist es nicht die einfachste Logik, dass ein Vater und sein Kind einander eine Freude sind? ‚Jesus, Du bist meine Freude und auch ich bin Deine Freude.‘ Steht nicht geschrieben, dass ‚es seine Wonne ist, bei den Menschenkindern zu sein‘? […]

Ich sagte es Ihnen schon, dass wir in der Liebe und Barmherzigkeit geradezu gebadet werden. Wir haben alle einen Vater, Bruder, Freund, Gemahl unserer Seelen, Mittelpunkt und König unserer Herzen, Erlöser und Heiland, der sich mit unsagbarer Milde über uns neigt, über unsere Schwäche und Kinderohnmacht, der über uns wacht wie über seinen Augapfel, der gesagt hat: ‚Barmherzigkeit wünsche ich und nicht Opfer, denn ich bin nicht gekommen, die Gerechten zu berufen, sondern die Sünder.‘ Ein Jesus, besessen von dem Wunsch, uns um jeden Preis zu retten, der den Himmel unter unseren Schritten geöffnet hat.“ (S. 18f.)

„Verteidigung des deutschen Kolonialismus“ von Bruce Gilley

In diesem kurzen Buch (knapp 200 Seiten) bietet der Politikwissenschaftler Gilley einen Überblick über die Kolonien, die Deutschland für eine kurze Zeit besaß: Deutsch-Südwestafrika (Namibia), Deutsch-Ostafrika (Tansania), Kamerun, Togoland, Deutsch-Samoa, Deutsch-Neuguinea und Qingdao. Er bietet Kontext für die schlechten Seiten, stellt aber auch die vielen positiven Seiten heraus, die Vorteile für die Einheimischen, über die im Allgemeinen heutzutage brav Stillschweigen gewahrt wird (z. B. die Abschaffung der Sklaverei in Afrika, die Erforschung von Tropenkrankheiten, die Schaffung moderner staatlicher Strukturen). Er geht auch darauf ein, wie (tatsächliche oder völlig frei erfundene) koloniale Brutalitäten schon damals in Europa als Kriegspropaganda gegen andere Länder genutzt wurden, und wie später der Ostblock und speziell die DDR den Antikolonialismus zur Propaganda nutzte.

Auszüge:

„Waren die Afrikaner mit der deutschen Herrschaft zufrieden? Erachteten sie sie als legitim? Neben solchen Zeitzeugenaussagen wie denen von Martin Ganisya haben wir als Beweismittel die unverbrüchliche Loyalität dutzender großer Stämme, die nicht nur in Afrika zu den Deutschen hielten, sondern auch in China und in der Südsee. […]

Der beste Beweis für die Legitimität der deutschen Kolonialherrschaft ist die winzige deutsche Militär- und Polizeipräsenz vor Ort. Im Jahr 1904 bestand die gesamte deutsche Kolonialverwaltung in Ostafrika – einem weiträumigen Gebiet dreimal so groß wie das Deutsche Reich, mit einer Bevölkerung von fast 8 Millionen – aus 280 Deutschen und 50 eingeborenen Beamten.“ (S. 63f.)

„Während die DDR-Forschung brutalstmögliche Bewertungen der deutschen Kolonialgeschichte fabrizierte, war die DDR selbst an der brutalstmöglichen Unterdrückung von farbigen Menschen auf der ganzen Welt beteiligt. Als ein marxistisches, sowjetgestütztes Regime 1967 im Südjemen die milde britische Herrschaft vertrieb, durfte die DDR eine hausgemachte Revolution begleiten. In der Spitze waren 2000 DDR-Kader für die Errichtung von Systemen zur Massenunterdrückung und Verelendung zuständig. Polizei, Kitas, Theater und Fernsehsender wurden nach DDR-Vorbild eingerichtet. Stasi-Offiziere halfen dabei, 250 jemenitische Offiziere zu identifizieren, die dem neuen Regime gegenüber als illoyal bezeichnet wurden, und die man kurz darauf hinrichten ließ.

Der Antikolonialismus der DDR verwandelte das blühende, kosmopolitische britische Schutzgebiet Aden in einen Schutthaufen. Ein Drittel der Arbeiter floh trotz Verbot des Regimes in die Golfstaaten und nach Saudi-Arabien, um Arbeit zu finden und schickte bald 60 bis 70 Prozent der jemenitischen Auslandsdevisen nach Hause. Bis 1982 war das Pro-Kopf-Einkommen auf 450 Dollar halbiert. Nach der Bodenkollektivierung flohen die meisten Bauern in die Städte und wurden zu Bettlern.“ (S. 183)

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