Ja, Menschen sind mehr wert als Tiere

Wenn man diesen Satz so ausdrücklich sagt, wird die Reaktion bei anderen öfter mal Unbehagen oder Protest sein. Zu sagen, dass etwas mehr wert ist als etwas anderes, wird in unserer von der Ideologie des Egalitarismus geprägten Gesellschaft sowieso schon ungern gesehen, auch wenn man beides für wertvoll hält. (Wahrscheinlich würde man sogar noch auf „Gold ist mehr wert als Silber“ ein „So einfach kannst du das doch nicht sagen!!“ als Antwort zu hören bekommen.) Aber es stimmt nun mal: Menschen sind mehr wert als Tiere.

Der erste Hinweis auf diese Tatsache ist schon, dass man sich schwer daran halten kann, das Gegenteil zu glauben und zu praktizieren; es klappt einfach nicht, wenn man versucht, Tiere wie Menschen zu behandeln. Wenn man ganz radikal sein möchte und sagen würde „alle Lebewesen sind gleich viel wert“ würde man sofort in arge Schwierigkeiten geraten, denn Bakterien tötet man automatisch ständig, und mit Stechmücken, die einem vor die Windschutzscheibe fliegen, ist es nicht viel anders. Die meisten machen daher den Wert eher an den körperlichen Gefühlen der Lebewesen fest – alle Lebewesen, die Schmerz fühlen können, sollen gleich viel wert sein. Radikale Veganer scheinen sich recht konsequent an dieses Prinzip zu halten, auf den ersten Blick. Aber auch sie geraten in gewisse Schwierigkeiten, wenn es um die Rechte von Tieren untereinander geht: Soll man Löwen davon abhalten, Gnus zu töten, weil sie damit einen Mord begehen würden? Und wie soll man sie dann ernähren? Eine mögliche Antwort darauf wäre, dass die Welt nun mal grausam eingerichtet ist und manche Wesen – evtl. auch Menschen, wenn sie nicht ausreichend pflanzliche Nahrung finden könnten – eben verhungern müssten, um nichts Böses zu tun. Der Zweck heiligt nicht die Mittel; das glauben Christen ja auch. Zum Glück ist das aber nicht nötig, da Menschen ja mehr wert sind als Tiere, und Tiere sich auch untereinander töten dürfen, ohne damit etwas Böses zu tun.

Aber das Problem zeigt sich nicht nur darin, dass man daran scheitert, Tiere wie Menschen zu behandeln. Die Konsequenz dieses Scheiterns ist nämlich oft (und das kann man halbwegs konsequent praktizieren!), dass man stattdessen Menschen wie Tiere behandelt.

Wenn man es nicht durchhalten kann, Tieren denselben Wert und dieselben Rechte zuzugestehen wie Menschen, geraten solche Leute dann in eine Situation, in der sie glauben: „Okay, Tiere kann man zumindest dann töten oder an ihnen experimentieren, wenn es für einen selber oder andere notwendig ist, oder wenn es ihnen selber schlecht geht; man darf sie auch züchten und sterilisieren. Dann sollte man das doch auch bei Menschen tun dürfen.“ Da kommt dann so etwas heraus wie bei dem australischen Philosophen Peter Singer, der meint, dass erwachsene Affen mehr Rechte haben sollten als menschliche Babies, und findet, dass man behinderte Neugeborene definitiv einschläfern sollte.

Er ist hier nur konsequent. Tatsächlich ist es für solche Leute offensichtlich schwer zu begründen, wieso z. B. ein schwer behinderter Mensch, der kaum etwas mitbekommt und nur im Bett liegt, mehr Rechte haben soll als ein lebhafter Affe, weil sie den Wert nur an Gefühlen festmachen. Für uns Christen dagegen ist es ganz leicht: Menschen sind nach dem Ebenbild Gottes geschaffen. Jeder Mensch ist mit Vernunft und Willen begabt und kann sich für das Gute oder das Böse entscheiden – auch wenn er diese Fähigkeiten, behindert durch ein krankes oder noch sehr junges Gehirn, vielleicht erst nach dem Tod entfalten kann -, wird ewig leben und kann Gott schauen. Tiere haben das nicht und können das nicht. Wir wissen nicht, ob Gott sie vielleicht am Jüngsten Tag wiedererwecken könnte, das wäre durchaus möglich, aber auch dann werden sie nicht diese innige Erkenntnis von Gott haben wie Menschen, sondern einfach ein besseres natürliches Leben ohne Schmerzen und Probleme. Tiere sind zwar auch geschaffen, damit sie da sind und ihr Leben leben, aber sie sind auch für den Menschen geschaffen. Es ist völlig legitim, wenn sie hier ihr kleines Leben leben, in dem sie bloß im Augenblick leben und keine tiefere Erkenntnis dessen haben, was um sie herum ist, und dann zum Beispiel geschlachtet werden und als Braten auf dem Tisch enden.

Als Christ wird man den Veganern zustimmen: Tieren Schmerz zuzufügen ist an sich nicht gut. Dass es Schmerzen gibt, ist überhaupt an sich nicht gut, das ist Teil der gefallenen Welt; auch die Tierwelt scheint in Mitleidenschaft gezogen worden zu sein durch den Fall der Engel und den Fall der Menschen. (Der Tod, die Tatsache, dass Tiere nur eine endliche Lebensspanne haben, ist dagegen etwas Natürliches, was Gott von Anfang an so vorgesehen haben kann, auch wenn es keine gefallenen Engel gegeben hätte, als Er diese Welt erschaffen hat, die sie zum Schlechten hin beeinflussen konnten.) Aber Tieren ein gewisses Maß Schmerzen zuzufügen lässt sich durch Notwendigkeit rechtfertigen (z. B. wenn man ein Tier schlachten muss, um zu essen zu haben, aber keine Betäubungsmittel hat). Und ein Tier zu töten eben erst recht.

Als Christ kann man praktisch gar nicht anderer Meinung sein, denn Jesus drückt sich hier sehr klar aus. Wir müssen da gar nicht ins Alte Testament (Schöpfungsgeschichte, Sintflut usw.) oder zu den Aposteln schauen, denn Jesus selber erwähnt es als etwas ganz Selbstverständliches:

  • „Seht euch die Vögel des Himmels an: Sie säen nicht, sie ernten nicht und sammeln keine Vorräte in Scheunen; euer himmlischer Vater ernährt sie. Seid ihr nicht viel mehr wert als sie?“ (Mt 6,26)
  • „Verkauft man nicht zwei Spatzen für einen Pfennig? Und doch fällt keiner von ihnen zur Erde ohne den Willen eures Vaters. Bei euch aber sind sogar die Haare auf dem Kopf alle gezählt. Fürchtet euch also nicht! Ihr seid mehr wert als viele Spatzen. (Mt 10,29-31)
  • „Verkauft man nicht fünf Spatzen für zwei Pfennige? Und doch ist nicht einer von ihnen vor Gott vergessen. Bei euch aber sind sogar die Haare auf dem Kopf alle gezählt. Fürchtet euch nicht! Ihr seid mehr wert als viele Spatzen. (Lk 12,6f.)
  • „Er aber sprach zu ihnen: Wer von euch, der ein einziges Schaf hat, wird es nicht packen und herausziehen, wenn es ihm am Sabbat in eine Grube fällt? Wie viel mehr ist ein Mensch als ein Schaf? Darum ist es am Sabbat erlaubt, Gutes zu tun.“ (Mt 12,11f.)

Bei all diesen Beispielen macht Er gerade nicht den Wert von Tieren herunter, sondern sagt: Sogar um Tiere kümmern sich Gott und Menschen, aber ihr seid noch viel wertvoller. Und Jesus hat auch das Paschalamm gegessen und mit seinen Jüngern Fische gefangen. (Und ja, in der Antike gab es schon andere Philosophen oder Sekten, die vegetarisches Essen propagierten; das war also nicht völlig undenkbar.)

Also: Menschen sind mehr wert als Tiere. Soll man uns ruhig „Spezieszismus“ vorwerfen; Spezieszismus entspricht nun einmal der objektiven Realität.

2 Gedanken zu “Ja, Menschen sind mehr wert als Tiere

    1. Das war mir jetzt viel zu lang zum Anhören (sorry, ich hab da einfach nicht die Geduld), also hab ich nur ganz kurz beim Ende reingehört, er argumentiert also eher so mit Nahtoderfahrungen von Menschen, die Tiere im Himmel gesehen haben? Klingt schon gut möglich, dass diese Erfahrungen stimmen. Ich hab da keine entschiedene Meinung und lasse mich mal überraschen!

      – LG, Crescentia.

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