Die frühen Christen (bis 200 n. Chr.), Teil 12: Engel

Wer wissen will, was es mit dieser Reihe auf sich hat, möge bitte diese kurze Einführung hier lesen; knapp gesagt: ich habe Zitate aus christlichen Schriften vom Jahr 95 bis ca. 200 n. Chr. gesammelt, um einen Eindruck von der frühen Kirche zu vermitteln. (In der Einführung findet sich eine Liste mit allen herangezogenen Werken mitsamt ihrer Datierung.)

Alle bisher veröffentlichten Teile gibt es hier.

Bibelstellen zum Vergleich (Auswahl): Lk 1-2; Mt 1-2; Mt 4,11; Mt 18,10-11; Mt 13,49; Jud 1,9; Tob 12; Gen 16,7-12; Gen 19; Gen 21,17f.; Gen 28,12; 1 Kön 19,5-7; 2 Kön 19,35; Ps 34,8; Dan 3,49f.; Dan 14,34-39; Apg 10; Apg 12; Offb.

In den letzten Teilen ging es schon um Endzeit, Auferstehung, Himmel, Hölle usw; und zu den Bewohnern des Himmels zählen ja nicht nur die erlösten Menschen, sondern auch die Engel, reine Geistwesen, die schon vor den Menschen erschaffen wurden. Das Wort „Engel“ bedeutet „Gesandter, Bote“ und zeigt an, was die Engel in Bezug auf uns manchmal sind, nämlich Gesandte Gottes. In der Bibel tauchen sie immer wieder in dieser Rolle auf, und auch bei den frühen Christen ist der Engelglaube eine Selbstverständlichkeit. Es gibt auch von Gott abgefallene Engel, die Dämonen, zu denen auch der Teufel gehört (er ist kein ebenbürtiger Gegner Gottes, sondern nur ein abtrünniges Geschöpf); aber zu ihnen im nächsten Teil. Hier erst einmal ein paar Beispiele für den Glauben an die gut gebliebenen Engel.

Angel with a lamp, 1885 - 1896 - Viktor Vasnetsov - WikiArt.org
(Viktor Vasnetsov, Engel mit einer Lampe.)

Athenagoras von Athen schreibt um 176/177 n. Chr., dass die Engel über die Schöpfung wachen:

„Doch bleibt der theologische Teil unserer Lehre nicht dabei stehen, sondern wir lehren auch eine Menge von Engeln und Dienern, welche Gott, der Schöpfer und Bildner der Welt, durch sein Wort verteilt und aufgestellt hat, damit sie über die Elemente und die Himmel, über die Welt, die Dinge in der Welt und deren Ordnung wachen.“ (Athenagoras, Bittschrift für die Christen 10)

Im „Hirten des Hermas“ (spätestens Mitte des 2. Jh.s) spielen Engel eine zentrale Rolle. Der römische Christ Hermas erhält Offenbarungen von einem Engel der Buße, außerdem wird einmal ein Engel der Strafe erwähnt, und in mehreren Visionen helfen Engel dabei, die Kirche aufzubauen. Dann kommt auch eine Stelle, an der Hermas gesagt wird, dass ein guter und ein böser Engel den Menschen gute bzw. schlechte Eingebungen bringen:

„‚So höre mich denn‘, fuhr er weiter, ‚an über den Glauben. Zwei Engel sind bei dem Menschen, einer der Gerechtigkeit und einer der Schlechtigkeit.‘ ‚Wie nun‘, unterbrach ich, ‚wie nun soll ich, o Herr, ihre Wirkungen erkennen, da doch beide Engel in mir wohnen?‘ ‚Höre‘, erwiderte er, ‚und lerne sie kennen. Der Engel der Gerechtigkeit ist zart, schamhaft, milde und ruhig; wenn nun dieser in deinem Herzen sich regt, spricht er sogleich mit dir über Gerechtigkeit, Keuschheit, Heiligkeit, Genügsamkeit, über jegliche gerechte Tat und über jede rühmliche Tugend. Wenn all dies in deinem Herzen sich regt, dann wisse, dass der Engel der Gerechtigkeit mit dir ist. Denn das sind die Werke des Engels der Gerechtigkeit, diesem also vertraue und seinen Werken. Betrachte nun auch die Werke des Engels der Schlechtigkeit. Er ist vor allem jähzornig, verbittert und unverständig, seine Werke sind böse und verführen die Diener Gottes; wenn also dieser sich in deinem Herzen regt, dann erkenne ihn an seinen Werken.‘ ‚Ich verstehe nicht, o Herr, wie ich ihn erkennen soll.‘ ‚So höre‘, sprach er. ‚Wenn ein Jähzorn an dich kommt oder eine Erbitterung, dann wisse, dass er in dir ist; ferner wenn Begierden kommen, allerlei zu treiben, und mannigfache Ausgaben für reichliche Tafelgenüsse, häufiges und übermäßiges Trinken, für allerlei Leckerbissen und unnötige Dinge, Begierden nach Frauen und Reichtümern; ein übermäßiger Stolz und Prahlerei, und alles, was diesen verwandt und ähnlich ist: wenn also derlei Gedanken in deinem Herzen aufsteigen, dann wisse, dass der Engel der Schlechtigkeit in dir ist. Wenn du dann seine Werke erkannt hast, dann sage dich los von ihm und vertraue ihm nicht, weil seine Werke schlecht und den Dienern Gottes schädlich sind. Nun hast du die Wirkungen beider Engel. Lerne sie kennen und vertraue dem Engel der Gerechtigkeit.“ (Hirte des Hermas 2,6,2,1-6)

Auch der Barnabasbrief (vor 130 n. Chr.) unterscheidet zwischen guten und bösen Engeln:

„Nun wollen wir aber übergehen zu der anderen Erkenntnis und Lehre. Es gibt zwei Wege der Lehre und der Macht, nämlich den des Lichtes und den der Finsternis Der Unterschied zwischen den beiden Wegen aber ist groß. Auf dem einen sind nämlich aufgestellt lichttragende Engel Gottes, auf dem anderen aber Engel des Teufels. Und jener ist Herr von Ewigkeit zu Ewigkeit, dieser aber ist der Fürst dieser gegenwärtigen, gottlosen Zeit.“ (Barnabasbrief 18)

Auch Irenäus von Lyon schreibt um 180 n. Chr. etwas über die Engel. Es gibt eine klare Abgrenzung zwischen den Engeln und ihrem Schöpfer:

„Daß nämlich Engel und Erzengel, Throne und Herrschaften von dem allerhöchsten Gott durch sein Wort geschaffen und gemacht sind, das hat Johannes deutlich kundgetan. Denn nachdem er von diesem Worte Gottes gesagt hat, daß es im Vater war, fügt er hinzu: ‚Alles ist durch dasselbe gemacht worden, und ohne dasselbe ist nichts gemacht worden.‘ […] Daß er aber alles aus freiem Willen und nach seinem Gutdünken gemacht hat, bezeugt wiederum derselbe David, indem er sagt: ‚Unser Gott hat oben im Himmel und auf Erden alles gemacht, wie er es wollte.‘ Schöpfer aber und Geschöpfe, Ursache und Wirkung sind verschiedene Dinge. Er nämlich ist unerschaffen, ohne Anfang und ohne Ende, gebraucht nichts und genügt sich selbst und verleiht allem übrigen das Dasein. Was aber von ihm erschaffen worden ist, hat einen Anfang genommen. Was aber einen Anfang genommen hat, kann auch wieder aufgelöst werden, ist untergeordnet und bedarf dessen, der es erschuf. Also muß auch bei denen, die sich wenn auch nur ein geringes Unterscheidungsvermögen bewahrt haben, ein verschiedener Ausdruck gebraucht werden, so daß der Gott, welcher alles gemacht hat, samt seinem Worte allein rechtmäßig Gott und Herr genannt wird, das Erschaffene aber an diesem Ausdruck keinen Anteil haben noch darauf Anspruch erheben darf, da er allein dem Schöpfer zukommt.“ (Irenäus, Gegen die Häresien III,8,3)

Die Engel dienen immerzu Gott, aber nicht, weil Er sie nötig hätte, und auch unter ihnen gibt es gewisse Hierarchien:

„Die Welt nun aber wird von sieben Himmeln umgeben, in denen die Mächte, die Engel und die Erzengel wohnen und die Pflicht des Dienstes gegen Gott den Allmächtigen, den Schöpfer aller Dinge, erfüllen; nicht als bedürfte er sie, sondern sie sollen nicht untätig, ohne Nutzen und Segen sein. Reichlich ist deswegen das Innewohnen des Geistes Gottes, und vom Propheten Isaias werden sieben Formen Seines Dienstes aufgezählt, welche ruhen auf dem Sohn Gottes, d. h. auf dem Wort bei seiner Ankunft als Mensch. Er sagt: ‚Es wird auf ihm ruhen der Geist der Weisheit und des Verstandes, der Geist des Rates und der Stärke und der Frömmigkeit, es wird ihn erfüllen der Geist der Gottesfurcht.‘ Somit ist der erste Himmel von oben her, der die andern umschließt, die Weisheit, der zweite hernach der des Verstandes, der dritte der des Rates, der vierte, von oben gerechnet, der der Kraft, der fünfte der der Wissenschaft, der sechste jener der Frömmigkeit, der siebente ist die Feste über uns, die voll ist von der Furcht des Geistes, der die Himmel erleuchtet. Als ein Bild davon ließ Moses den siebenarmigen Leuchter immer im Heiligtum strahlen, gemäß dem, was das Wort geoffenbart hatte: ‚Du sollst ihn genau nach dem Urbild herstellen, welches du auf dem Berge gesehen hast.‘

Nun wird dieser Gott verherrlicht von seinem Worte, welches sein ewiger Sohn ist, und vom Heiligen Geist, welcher die Weisheit des Vaters von allem ist. Und ihre Mächte, die des Wortes und der Weisheit, die Cherubim und Seraphim genannt werden, preisen Gott mit unaufhörlichem Lobgesang, und jegliches Geschöpf, das nur im Himmel ist, bringt Gott, dem Vater von allem, Lobpreis dar. Er hat die ganze Welt durch das Wort gebildet — und auf der Welt sind auch die Engel — und der ganzen Welt schrieb er die Gesetze vor, bestimmte für jedes seinen festen Stand, dessen gottgesetzte Grenze es nicht überschreiten darf, und so vollführt ein jedes die ihm übertragene Aufgabe.

Den Menschen aber bildete er mit eigener Hand. Er verwandte dazu den feineren und zarteren Stoff der Erde und verband in [weisem] Maße miteinander die Erde und seine Macht. Denn er hat dem Geschöpfe seine Form gegeben, damit es in seiner Erscheinung Gottes Bild sei. Als Abbild Gottes setzte er den von ihm erschaffenen Menschen auf die Erde. Damit er Leben empfange, hauchte er in sein Angesicht den Lebensodem, auf daß der Mensch sowohl seiner ihm eingehauchten Seele nach und in seiner Leibesbildung Gott ähnlich sei. Er war folglich frei und Herr über sich selbst durch Gottes Macht, damit er über alles, was auf Erden ist, herrsche. Und dieses große Schöpfungswerk der Welt, das alles in sich barg, von Gott schon vor der Schöpfung des Menschen zubereitet, wurde dem Menschen zum Wohnsitz gegeben. Und es fanden sich an ihrer Stelle und mit ihren Arbeitsleistungen die Diener dieses Gottes, der alles schuf. Und ein Hauswalter hatte als Schützer dieses Gebiet inne, der über die Mitknechte gesetzt war. Die Knechte waren die Engel, der Walter und Schützer aber der Fürst der Engel [ein Erzengel]. (Irenäus, Erweis der Apostolischen Verkündigung 9-11)

Rose Briar // acheiropoietos: Archangel Victor Vasnetsov | Archangels,  Archangel michael, Christian art
(Viktor Vasnetsov, Erzengel.)

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