Heidentum, Dämonen und Menschenopfer

Wenn man Säkularisten erklären will, vor was für einer Welt das Christentum uns gerettet hat, stößt man öfter auf die Schwierigkeit, dass sie es sich gar nicht richtig vorstellen können. Es hat unsere Kultur so lange geprägt, dass zu vieles zu einer Selbstverständlichkeit geworden ist; und selbst auf heidnische Regionen wie Asien hatte es über die politische Macht und die kulturelle Dominanz Europas und Amerikas mittelbar einen gewissen Einfluss. Wenn man Leuten darlegt, dass z. B. die alten Kanaaniter/Phönizier Menschenopfer und Tempelprostitution pflegten, wird das leicht zu feindlicher Propaganda erklärt (zumindest solange, bis ein Haufen geopferter Kinderleichen in phönizischen Siedlungen im Mittelmeerraum ausgegraben wird).

Überbleibsel einer phönizischen Opferstätte, Karthago, heutiges Tunesien.

Aber die Sache ist ja die: Das Heidentum existiert immer noch. In geschwächter Form, aber es existiert, und die Leute wissen es nur oft nicht. Indien ist ein gutes Beispiel; dort schafften die englischen Kolonialherren zwar z. B. die Witwenverbrennung ab, aber vieles andere bestand ungehindert fort. (Die East India Company verhinderte übrigens bis Anfang des 19. Jahrhunderts aus geschäftlichen Interessen eine christliche Mission in Indien; andernfalls wäre es vielleicht inzwischen schon besser.)

Menschenopfer existieren heute noch. Sie passieren eben z. B. in Indien, und selbst wenn die Täter zur Rechenschaft gezogen werden, gibt es einflussreiche Hindu-Politiker, die alles zur Verleumdungskampagne erklären. Auch in Afrika kommen sie vor; Uganda hat deswegen erst Anfang 2021 ein eigenes Gesetz zu ihrer Verhinderung erlassen. Das sind nicht zentral geplante Veranstaltungen in großen Tempeln, sie folgen keinen geschriebenen Regeln; eher kommt es vor, dass ein Dorfbewohner, dem ein Heiler eingeredet hat, er sei verhext worden, heimlich ein Nachbarskind entführt und in seiner Hütte auf brutale Weise umbringt, um dadurch einen bösen Geist zu besänftigen oder von ihm Macht zu erlangen. Und doch kann das Ganze einen größeren Umfang annehmen; in Ibadan, Nigeria gab es 2014 Unruhen, als im Wald ein „Haus des Schreckens“ entdeckt wurde, voller Leichen, Leichenteile und halbtoter Gefangener (übrigens wurde es nicht von der Polizei entdeckt, sondern von Motorrad-Taxi-Fahrern, die auf eigene Faust nach einem entführten Kollegen suchten). In Indien gibt es auch trotz eines staatlichen Verbots noch Tempelprostituierte – Devadasi, „Göttersklavinnen“. Junge Mädchen werden mit einer Gottheit „verheiratet“ und vollziehen für diese Gottheit Tänze und Sex; das Geld, das sie mit der Prostitution verdienen, geht teilweise an den Tempel. Früher waren diese Frauen wohl noch mächtiger, heute stammen sie vor allem aus den untersten, armen Kasten; und die halbherzigen Bemühungen der Regierung dagegen helfen nicht viel.

Devadasis um 1920.

Wenn sie an indische/südostasiatische Religion denken, haben die meisten Deutschen wahrscheinlich ein Bild von orangegekleideten Mönchen im Kopf, die im Schneidersitz sitzen und „Om“ sagen. Das ist ein geringer Teil dieser Religionen.

Das Hauptsächliche am Heidentum ist doch seine Verworrenheit. Man hat vage Vorstellungen von einer Welt der Geister und „Götter“, die man besänftigen muss, die man fürchtet. Man hat keine abgegrenzten Lehren, es muss keinen Sinn ergeben; man nimmt alles mögliche auf, was irgendein Guru verkündet, egal, welcher Tradition der angehört. Diese Geister müssen nicht rational zu verstehen sein; vielleicht wollen sie gerade, dass man Irrationales, Böses tut, um ihnen seine Gefolgschaft zu beweisen. Vielleicht sind sie Totengeister, vielleicht verkörpern sie Naturkräfte, vielleicht sind sie böse Geister, die man gerade durch die perversesten Riten gefügig machen oder beeindrucken will, vielleicht sind sie mehr oder weniger gute Geister, die einen für Gastfreundschaft belohnen und für Betrug bestrafen. Banaler Aberglaube existiert neben Philosophen, die die alten Göttergeschichten für irgendwie bildlich gemeint erklären; irgendwo im Hintergrund wird vielleicht ein höchster Schöpfer erkannt, der die ganze Welt gemacht hat, aber im Vordergrund steht ein Schwarm von „Göttern“, die innerhalb der Welt leben und miteinander konkurrieren.

Die indische Göttin Yellamma, zu deren Ehren es Tempelprostituierte gibt.

Die Christen in der Antike, die mit der verworrenen Götterwelt im Mittelmeerraum zu tun hatten (wenn auch solche Dinge wie Menschenopfer dort nicht so häufig waren wie in anderen heidnischen Kulturen), erklärten diese Dinge nicht nur mit menschlicher Dummheit, sondern auch mit einem wirklichen übernatürlichen Einfluss; dem der Dämonen. Die Dämonen sind nach christlichem Verständnis gerade keine Götter, sondern Geschöpfe Gottes, Engel, also reine Geistwesen, die aber durch ihren Hochmut von Ihm abgefallen sind, und, von Gott getrennt, sich selbst zugrunde richteten. Diese Christen waren der Ansicht, dass zumindest manchmal, wenn jemand beanspruchte, eine Vision zu haben, oder von einer Gottheit besessen zu sein, oder die Stimme einer Gottheit zu hören, nicht nur Einbildung oder Lüge, sondern diese Dämonen dahinter steckten. Sie ließen sich gerne als angebliche Götter anbeten, wollten die Menschen vom wirklichen Gott abziehen, und sie nebenbei noch zu an sich schon bösen Riten verführen. Das lässt sich auch bestätigen durch den Psalmvers „Alle Götter der Heiden sind Dämonen“ (Ps 96,5). Wie sehr diese Götter vor allem im Alten Testament verurteilt werden, wird auch verständlich, wenn man sieht, dass einige Israeliten selbst sich verleiten ließen, zu glauben, man solle sich mit ihnen verbünden und ihre Gunst erlangen. „Ja, die Söhne Judas taten, was böse ist in meinen Augen – Spruch des HERRN. Sie haben in dem Haus, über dem mein Name ausgerufen ist, ihre Scheusale aufgestellt, um es zu entweihen. Auch haben sie die Kulthöhen des Tofet im Tal Ben-Hinnom gebaut, um ihre Söhne und ihre Töchter im Feuer zu verbrennen, was ich nie befohlen habe und was mir niemals in den Sinn gekommen ist.“ (Jeremia 7,30f.)

Und wenn man so manche Vorgänge in heidnischen Ländern sieht, wirkt die Deutung mit den Dämonen schon ganz überzeugend.

Die einfache Wahrheit des Christentums ist: Es gibt nur einen Gott, Er hat alles in der Hand und Er ist vollkommen gut und will nicht, dass man Ihm seine Kinder schlachtet. Die Dämonen mögen ein wenig wüten, aber letztlich sind sie machtlos, wenn man sich Gott dem Herrn anvertraut. Und diese Wahrheit bedeutet eine große Befreiung.

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