Lasst uns froh und triumphalistisch sein!

Viele Christen sind vorsichtig dabei, zu selbstsicher oder „triumphalistisch“ aufzutreten; teilweise ist das auch sehr gut. Es ist gut, wenn man daran denkt, dass man vollkommen von Gottes Gnade abhängt, dass man einige Sünden begangen hat und es auch in Zukunft nicht sicher ist, ob man treu bleiben wird, dass man sich bemühen und an Gottes Gericht denken muss, usw. Aber man darf auch die andere Seite nicht vergessen. Daher ein paar Dinge zur Erinnerung:

Ja, wir hängen von Gottes Gnade ab, aber Er wird sie uns nicht entziehen; Er wird uns immer genug Gnade geben, und meistens viel mehr als genug. Und wir sind im Moment schon mal grundsätzlich auf der Seite Gottes; auch wenn wir etwas Falsches tun, bitten wir Ihn wieder um Seine Hilfe dabei, umzukehren. Selbst wenn wir Ihn wirklich durch eine schwere Sünde verraten, wissen wir zumindest: Er wartet auf uns. Und das Gewissen drängt uns zurück. Das ist nicht dasselbe, wie wenn man grundsätzlich auf Gottes Gebote scheißt. Der fromme Durchschnittskatholik begeht keine zehn Todsünden pro Woche, und in die Hölle kann man nur kommen durch eine unbereute Todsünde. Auch vor der Beichte wird durch Liebesreue (Reue aus Liebe zu Gott, den man beleidigt hat) und Vorsatz zur Beichte jede Sünde schon getilgt. (Auch wer Gewohnheitssünden hat, sich aber bemüht, sie zu bekämpfen, ist grundsätzlich auf Gottes Seite, und seine Schuldhaftigkeit ist vermindert.)

Ja, wir sind wirklich Gotteskinder, wir gehören zu seinem Heerlager. Gott ist mit uns. Jeder, der im Stand der Gnade ist, kann sagen: Gott ist auf meiner Seite, und alles andere kann mir nichts anhaben. Uns umgeben Heerscharen von Engeln; wovor sollten wir uns fürchten?

Kann man sich über den eigenen Gnadenstand täuschen? Freilich kann man das, einige selbstgerechte Menschen werden das auch tun. Aber wenn man sich immer wieder ehrlich prüft, anhand von objektiven Kriterien, z. B. mit Zuhilfenahme eines Beichtspiegels oder indem man Rat bei anderen sucht, die ehrlich zu einem sind, kann man dieses Risiko jedenfalls minimieren. Es hilft auch, zu beten: „Wer merkt die Sünden alle? Von meinen verborgenen Sünden reinige mich“ (Ps 19,13) Denn Gott erhört Gebete, und wird einem bewusst machen, was einem unbewusst war.

Gott ist auch auf unserer Seite gegenüber den Leuten, die uns Böses wollen; im Idealfall sollen die sich bekehren, und dafür beten wir auch, aber ob sie es tun oder nicht, Gott ist es nicht egal, was sie uns antun, und er wird sie zur Rechenschaft ziehen. Wir dürfen beten wie die Psalmisten, deren Worte in jeder heiligen Messe nach dem alten Ritus der Priester betet: „Schaff Recht mir, Gott, und führe meine Sache gegen ein unheiliges Volk; von frevelhaften, falschen Menschen rette mich.“ „Wie könnte ich dem Herrn all das vergelten, was Er an mir getan hat! Den Kelch des Heiles will ich nehmen und anrufen den Namen des Herrn. In frohem Jubel rufe ich zum Herrn und werde sicher sein vor meinen Feinden.“ Gott wird uns Recht verschaffen gegenüber Leuten, die uns hassen oder verhöhnen.

Man sollte nicht allzu sehr zagen vor dem Gericht nach dem Tod. Gott wird uns über alle noch so kleinen Sünden richten, aber dabei auch jede noch so kleine gute Tat anerkennen. Es gilt beides: „Ich sage euch aber: Über jedes unnütze Wort, das die Menschen reden, werden sie am Tage des Gerichtes Rechenschaft geben müssen.“ (Mt 12,36) Und: „Und wer einem von diesen Kleinen nur einen Becher frischen Wassers zu trinken reicht wegen seines Jüngernamens, wahrlich, ich sage euch: Er wird seinen Lohn nicht verlieren.“ (Mt 10,42) Lässliche Sünden werden schnell begangen, aber auch schnell getilgt durch gute Werke und Gebet; „die Liebe deckt eine Menge Sünden zu“ (1 Petr 4,8). Gott sieht jedes noch so kleine Opfer, auch wenn es jetzt erbärmlich und zaghaft wirken kann.

Der Hölle zu entgehen ist nicht allzu schwer; und selbst dem Fegefeuer kann man entgehen durch Sühne und insbesondere Ablässe (hier die aktuelle Ablassordnung; Vorbedingung für den vollkommenen Ablass sind normalerweise Beichte, Kommunion und Gebet in der Meinung des Hl. Vaters). Die Kirche ist z. B. sehr großzügig dabei, einen Ablass in der Todesstunde zu vergeben. Einen vollkommenen Ablass in der Todesstunde gibt es für:

„Empfang der Sterbesakramente von einem Priester, zusammen mit dem apostolischen Segen.

Wenn in der Sterbestunde kein Priester da sein kann, gewährt die Kirche jedem Gläubigen, der in seinem Leben regelmäßig gebetet hat, einen vollkommenen Ablaß. Die Kirche ersetzt dabei die sonst für einen solchen Ablaß erforderlichen drei Bedingungen. Dazu soll man sich, wenn möglich, einem Kreuz oder Kruzifix zuwenden.“

Für vollkommene Ablässe ist natürlich außerdem gefordert, dass man sich von jeder Sünde, auch jeder lässlichen Sünde, abwendet; aber diesen Willensakt zu erwecken wird für viele einigermaßen machbar sein. Es kommt auf den guten Willen an.

Wenn fromme Menschen mit dem Empfang der Sterbesakramente oder dem Gebet sterben, ist es jedenfalls gut möglich, dass sie direkt in den Himmel kommen, auch wenn man natürlich für sie beten soll, falls sie doch noch etwas im Fegefeuer abzubüßen haben. Und auch wenn sie ins Fegefeuer kommen: Das ist irgendwann vorbei, und dann wird man unendliches Glück in unendlicher Dauer erleben in der vollkommenen Vereinigung mit Gott.

Wir können uns unmöglich vorstellen, wie schön der Himmel sein wird. Da wird man vollkommen angenommen sein, umhegt sein, sicher sein, über Gottes Größe jubilieren, die Wahrheit erkennen. Man wird Gott sehen, wie Er ist, und das kann kein Mensch beschreiben. Man wird auch vereint sein mit all den Menschen, die man geliebt hat, und sehen, wer alles für einen gebetet und einem auf diese Weise geholfen hat, und auch sehen, was das eigene Gebet anderen geholfen hat. Man wird vereint sein mit den Menschen, die auf Erden nicht sichtbar ganz auf unserer Seite waren, aufgrund von Vorurteilen und Täuschungen, und wird zu ihnen sagen können: Na, siehst du, es ist doch so, lass uns jetzt gemeinsam Gott preisen, den wir beide doch lieben! Alle Missverständnisse und Streitigkeiten werden Vergangenheit sein.

Das Leid auf dieser Erde kann extrem schlimm sein. Aber Gott hat uns versprochen, dass der Himmel all das unendlich aufwiegen wird, und Gott neigt dazu, Seine Versprechen zu halten. Gerade weil es oft so extrem schlimm ist, kann man sich denken, wie groß das Glück im Himmel dann erst sein muss.

Die Modernisten hassen es, wenn andere Christen triumphalistisch auftreten. Sie sind sich selber eigentlich nicht sicher, was Gott jetzt macht und haben kein besonderes Vertrauen in Ihn, vor allem sind sie duckmäuserisch gegenüber einer Welt, die nicht will, dass Gott triumphiert. Aber wir dürfen das, denn wir wissen, dass Er existiert und verlässlich ist, und können daher fest alles glauben, was Er versprochen hat, und Er hat versprochen, uns all das zu geben, wenn wir uns nur nicht entschlossen von Ihm abwenden. Kopf hoch, Brust raus, gerade Haltung. Wir können darüber lächeln, wenn Atheisten keifen oder Muslime über die Schwäche der Christenheit spotten. Denn Gott siegt am Ende. Er hält sich jetzt noch zurück, prüft, wer zu Ihm hält, solange es wenig greifbare Vorteile bringt, aber dann wird Er sich zeigen, und jedem geben nach seinen Werken, denn Er liebt uns.

„Fürchte dich nicht, du kleine Herde! denn es hat eurem Vater gefallen, euch das Reich zu geben.“ (Lk 12,32)

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