Ähm, ne, das ist nicht romantisch

Eine unvollständige Liste von Liebesfilm- und Liebesromanklischees, die sich niemals hätten etablieren dürfen:

 

1) Den falschen Partner vor dem Altar stehen lassen, um zum richtigen zu rennen

Auch wenn zwei Drittel aller Romantic Comedies auf diese Szene nicht mehr verzichten mögen: Das ist nicht romantisch! Aus dem einfachen Grund, dass es ziemlich fies gegenüber dem stehengelassenen Partner ist. Ist jemand, der sich so gegenüber jemand anderem aufführt, mit dem er eine längerfristige Beziehung geführt hat, wirklich ein begehrenswerter Partner, den man unbedingt nehmen muss, wenn er/sie noch in Smoking/Hochzeitskleid angerannt kommt? Für mich klingt das eher nach wankelmütig und unberechenbar. Wenn einem wirklich erst vor dem Altar bewusst wird, dass diese Ehe eine ganz arg schlechte Idee wäre, dann würde ich dessen Denk- und Urteilsvermögen irgendwie anzweifeln. Hat er seinen Partner bis jetzt nicht gekannt? Und muss ich noch erwähnen, dass es ganz besonders keine gute Idee ist, Braut oder Bräutigam stehen zu lassen, weil man in den letzten paar Tagen jemanden kennengelernt hat, zu dem es eben einfach eine ganz besondere Verbindung gibt – Liebe auf den ersten Blick? Das klingt nach einer ebenso tragfähigen Beziehung wie das andere Klischee, „Wieder mit dem Exfreund zusammenkommen, den man nach langen Jahren zum ersten Mal wiedertrifft“. Vermutlich gab es Gründe, aus denen man mit dem Ex nicht mehr zusammen ist. Und selbst wenn das schlechte Gründe gewesen sein sollten, konnte man nicht früher drauf kommen? Leute, bitte: Verlobungen kann man lösen, bevor die Hochzeitsgäste anreisen, die Tische gedeckt sind und der Pfarrer bereit steht.

Aber mei. Wenigstens hat dieses Klischee dem nächsten eine Sache voraus: Es ist immer noch bloß eine Sache der Filme.

 

2) Öffentliche Heiratsanträge

Die sind zu meinem Entsetzen etwas, das sich nicht mehr nur in Filmen findet. Tut mir leid, aber Heiratsanträge macht man nicht im Restaurant, und nicht vor einem extra engagierten Streicherquartett, und erst recht nicht vor einem gefüllten Footballstadium. Und man stellt sie auch nicht auf Youtube, damit jeder bewundern darf, was man sich Tolles für seine Liebste ausgedacht hat. Das ist kein romantisches Setting, sondern ein sehr, sehr… unangenehmes.

Da gibt es nämlich vor allem ein klitzekleines Problemchen: Was, wenn sie, na ja… „Nein“ sagen möchte? Oder: „Ich glaube, dass wir noch warten sollten“. Oder: „Das kommt jetzt etwas überraschend…“ Tja, wenn die Welt zuschaut, während er auf die Knie fällt und die kleine quadratische Schachtel herauszieht, bleibt ihr leider nur eine Möglichkeit:

  • Verzückt die Hände vor den Mund schlagen.
  • „Ja! Ja, ich will dich heiraten!“ (Entweder hauchen oder rufen.)
  • Sich den Ring anstecken lassen.
  • Nachdem er aufgestanden ist: Leidenschaftlicher Kuss.

Oder so ähnlich.

Ich bin ja ein tendenziell unromantischer Mensch. Ich hätte auch kein Problem damit, wenn die Frau den Antrag macht. Oder wenn es keinen Antrag mit Ringschächtelchen und Kniefall gibt, sondern man einfach gemeinsam bespricht, wie weit die Beziehung ist. Aber wer Kniefall und Diamantring mag, gerne. Vielleicht ist man sich auch zu absolut-hundert-Prozent sicher, dass sie annehmen wird. Aber dann muss man das trotzdem nicht vor der neugierigen Familie am Nachbartisch und den versammelten Kellnerinnen erledigen. Ist für alle Beteiligten besser. Heiratsanträge sind was Privates.

Ein besonders erschreckendes Beispiel: Dieser Antrag eines venezolanischen Politikers an seine Freundin vor dem Papst:

Sind wir hier bei Germanys-next-most-romantic-proposal? Und ernsthaft: Was macht man bei so was, wenn man ablehnen möchte?

 

3) Stalking und Kontrolle

I’m looking at you, Twilight.

Ich weiß gar nicht, was ich an den Büchern mal so gut fand. (Die Filme fand ich schon immer entsetzlich. Dafür gibt es vor allem zwei Gründe: Kristen Stewart und Robert Pattinson. Erstere kennt nur einen Gesichtsausdruck – bekifft – und Letzterer ist zu absichtsvoll gruselig und braunhaarig für seine Rolle. Ja, ich finde, dass Figuren in Filmen so aussehen sollten, wie sie in den zugehörigen Büchern beschrieben werden. Und „bronzefarben“ heißt „bronzefarben“ und nicht „hässlich dunkelbraun“.) Ich mochte „Seelen“ zwar schon immer lieber als Twilight, aber, na ja, wie blödsinnig manches in diesen Büchern ist, fällt einem erst auf, wenn man genauer drüber nachdenkt.

Ein Beispiel: Wenn der Junge aus dem Biologiekurs, den du vor ein paar Tagen oder Wochen kennengelernt hast und mit dem du noch nicht mal zusammen bist, sich nachts ohne dein Wissen in dein Zimmer schleicht und dich beim Schlafen beobachtet, dann würde jeder normale Mensch das eher, na ja, gruselig finden. Und zwar unabhängig davon, ob dieser Junge ein Vampir ist.

Und man folgt dem Mädel, in das man sich verliebt hat, auch nicht heimlich, wenn sie in die Nachbarstadt zum Shopping fährt. Sie hat siebzehn Jahre ohne dich überlebt. (Ja, in dem Fall war es ein glücklicher Zufall, dass jemand da war, aber das ändert am Prinzip nichts.) Und man verbietet ihr auch nicht, ihre Freunde zu treffen, nachdem man dann mit ihr zusammen bist. Dass die Werwölfe sind, ist keine Entschuldigung – jedenfalls, wenn du ein Vampir ist, dann hat das nämlich was von Doppelmoral.

In der Praxis wäre so was keine gesunde Beziehung.

Ich meine, ja, die Bücher sind spannend geschrieben und lesen sich flüssig, aber das ist wirklich kein gutes Vorbild. Bellas übertriebene Minderwertigkeitskomplexe sind zwar auf den ersten Blick auffälliger und nerviger und auch kein gutes Vorbild, aber ehrlich… man sollte die Jungs halt wirklich nicht auf den Gedanken bringen, ohne das Wissen ihrer Angebeteten durch deren Schlafzimmerfenster zu steigen.

 

4) Selbstmord nach dem (vermeintlichen oder echten) Tod des/der Geliebten

Ebenfalls (bloß als vermeintlicher Tod und versuchter Selbstmord) in der Twilight-Serie zu finden, aber bekanntermaßen auch schon bei „Romeo und Julia“. Wenn Romeo etwas Hilfe von der Notfallseelsorge gekriegt hätte, hätten beide ein Happy End bekommen können. Aber ne. Wieso ist das eigentlich Shakespeare’s beliebtestes Stück? „Macbeth“ ist so viel besser. Wahrscheinlich könnte ich das auch noch über sämtliche seiner anderen Stücke sagen, wenn wir in Englisch noch etwas anderes als „Romeo and Juliet“ und „Macbeth“ gelesen hätten.

„Ohne dich kann ich nicht leben.“ – Doch. Kann man. Muss man vermutlich irgendwann auch. Bei zwei Leuten ist es relativ wahrscheinlich, dass einer vor dem anderen stirbt. Und, na ja, so was wie Trennungen gibt es auch. Das kann ein psychisch gesunder* Mensch überleben. Auch wenn es nie schön ist.

 

So, jetzt habe ich hier mal die ganzen Gedanken von einer, die nicht so viel mit Romantik und so anfangen kann, auf die Welt losgelassen. Ob man’s glaubt oder nicht, ich lese tatsächlich gerne Jane Austen. Und für Harry und Ginny habe ich mich gefreut. Aber bitte verschont mich mit der nächsten Braut, die aus der Kirche rennt, und Heiratsanträgen vor dem Papst.

 

* Nichts gegen psychisch Kranke, ich bin auch psychisch krank. Ich meine ja nur, Verzweiflungstaten aus Trauer sollte man sich nicht zum Vorbild nehmen.

 

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Wegen was man in der Werbung so alles Angst ums Seelenheil hat

Heute während der Werbepause auf Pro7:

Auf dem Bildschirm tanzende Frauen in Partykleidung, herumspritzende Getränke, dunkler Hintergrund, und dazu erklärt eine Stimme: „Wir lesen InTouch. Und wir lästern manchmal. Und ja, vielleicht kommen wir dafür in die Hölle. Aber dann mit VIP-Bändchen und Freigetränk.“

Das habe ich mir nicht ausgedacht. Das ist eine Werbung für eine Frauenzeitschrift.

Keine Angst, Leute. Frauenzeitschriften sind nicht so gefährlich, dass sie euer Seelenheil aufs Spiel setzen. Wirklich nicht. (Selbst dann nicht, wenn sie euch auf irgendeine Weise Freigetränke beschaffen sollten.) Ihr braucht keine Angst haben. Man lernt wohl nie aus; ich hätte immer gedacht, nicht einmal die skrupulöseste Katholikin könnte darauf kommen, in der Hölle zu landen, weil sie zweifelhafte Abnehm-Tipps liest oder sich über die Hosen der Saison informiert. (Gleich nach diesem einleitenden Text erfährt man nämlich Genaueres darüber, was in der hier beworbenen nächsten Ausgabe kommt: Die Tipps der Stars zum Abnehmen ohne Diät und ein Special über Denim-Jeans.) Und sogar beim Lästern müsste man eigentlich was Schwerwiegendes ansammeln, bis das in die Kategorie der schweren Sünde („üble Nachrede“) fallen könnte. Worauf ich hinauswollte: Keine Angst, Leute. So gefährlich sind eure Produkte gar nicht, ihr könnt aufhören, eure Kundinnen vor der Sünde zu warnen.

Ach ja, Pralinen sind übrigens auch keine Sünde. Und rote Unterwäsche auch nicht. Und kalorienreiche Fleischwaren auch nicht. Und Schokoladentafeln auch nicht. Und Kuchen auch nicht. Und Plätzchen auch nicht. Und Cupcakes auch nicht. Und Maccarons auch nicht. Und Waffeln mit Sahne auch nicht. Also bitte hört auf, liebe Werbeleute, unsere theologischen Begriffe für eure guten oder auch nicht so guten Produkte zu klauen.

#Begriffekorrektverwenden

Das Video ist ja wirklich sehr witzig (also sehr sehr witzig!), aber…

…in der Filmversion von Disney ist Claude Frollo kein Kleriker! Was ich übrigens gar nicht schlecht gemacht finde, da meiner Erfahrung nach Laien immer wieder die größeren Fanatiker sein können als jeder Priester oder Bischof. Wieso bitteschön halten so viele Leute einen katholischen Fanatiker in einer schwarzen Robe so automatisch für einen Priester? Noch dazu, wenn er ausdrücklich als Richter bezeichnet wird? Leute, merkt euch das: Laien können das auch.

Und außerdem ist der weiße Streifen am Kragen (der Kollar) zu breit.

[Spoiler alert am Ende, was die Romanversion von „Der Glöckner von Notre Dame“ angeht!]

 

Hier übrigens zum Vergleich noch das Originalvideo aus dem Disneyfilm:

Einführung in die Scholastik: Wie Syllogismen funktionieren (oder auch nicht)

„She arrived at this astonishing conclusion by the following process of thought. It may be presented in the form of a syllogism.

All girls who are in love regard the beloved as a spotless, reproachless hero.

Maggie Deronais did not regard Laurie Baxter as a spotless, reproachless hero.

Ergo. Maggie Deronais was not in love with Laurie Baxter.“

(Robert Hugh Benson, The Necromancers, 1909; https://www.gutenberg.org/files/14275/14275-h/14275-h.htm)

 

Wir merken uns: Nur wenn Obersatz und Untersatz (= 1. und 2. Prämisse) vollkommen stimmen, kommt auch die richtige Konklusion heraus.

(Zur weiteren Info gerne hier: https://de.wikipedia.org/wiki/Syllogismus)

 

Häresien kurz erklärt: Der Modernismus

Die zentrale Lehre des Modernismus ist, dass der heute lebende Mensch extrem viel dümmer als seine Vorfahren sei. Diese Lehre wird für gewöhnlich hinter der jedoch nur scheinbar von Modernisten vertretenen Lehre versteckt, dass der heute lebende Mensch extrem viel klüger als seine Vorfahren sei.

Lieblingssätze des Modernisten sind z. B: „Das kann man doch heute nicht mehr vermitteln!“, oder: „Wie soll man das denn Menschen des 19./20./21. Jahrhunderts vermitteln?“ (Bei dem nicht Vermittelbaren handelt es sich für gewöhnlich um äußerst einfach zu verstehende Lehren wie etwa die Gottesbeweise des heiligen Thomas oder die Lehre von Auferstehung und Himmelfahrt des Herrn.)

 

Der Kopp-Verlag informiert! – Von Außerirdischen und Apokalypsen

Vor zwei Tagen hatte ich unerwartete Post im Zeitungskasten: Einen Katalog vom Kopp-Verlag. Woher die meine Adresse bekommen haben, ist mir schleierhaft, aber vielleicht sollte ich ihnen trotzdem dankbar sein; schließlich bieten sie mir „Bücher, die Ihnen die Augen öffnen“. Brauche ich. Unbedingt. Worüber die Augen öffnen? Na, darüber natürlich, was alles an schröcklichen Dingen in der Welt vor uns Normalbürgern geheimgehalten wird!

Auf der Titelseite des Katalogs etwa wird dem geschätzten Kunden ein Werk präsentiert, das bezeugt, „[w]ie Hellseher weltweit seit Jahrhunderten eine 3-tägige Finsternis für unsere Zeit vorhersehen“. Besagte Finsternis soll während eines Weltkriegs auftreten, der beinahe – aber dann doch nicht ganz – zu einem Atomkrieg eskalieren wird (verhindert werden wird letzeres durch das Eingreifen „eine[r] kosmische[n], nicht irdische[n] Kraft“, so der Kopp-Verlag, und ausgelöst werden wird die Finsternis durch ein Himmelsphänomen). Aber keine Bange: Man kann sich vorbereiten. Mit den Handbüchern der Selbstversorgung und Krisenvorsorge, und mit den praktischen Primuskochern und Wasserfiltern, die ebenfalls im Katalog zu finden sind, sind Sie für Atomkriege, verheerende Meteoriteneinschläge und Alienangriffe gleichermaßen gerüstet. Gut gewarnt ist halb überlebt, oder so.

Ach ja, Aliens! Sie wussten noch nicht, dass die Götter der griechischen Mythologie ebenso wie die biblischen Engel in Wahrheit Außerirdische sind, die seit Jahrtausenden heimlich Kontakt mit der Menschheit haben? Jetzt wissen Sie’s. Geheimgehaltene archäologische Funde beweisen es!!! Ein anderer Autor wiederum kann aufzeigen, dass die US-amerikanische Regierung schon seit Kennedy zu denjenigen gehört, die den Kontakt mit den Außerirdischen halten (ob es dieselben Außerirdischen sind wie beim ersten Autor, weiß ich allerdings nicht; aber das Universum ist schließlich groß).

Die US-amerikanische Regierung – die sollte man allgemein nicht unterschätzen. Schließlich unterstützt sie auch den IS mit Militärberatern und so, um in Syrien ihre finsteren Pläne zu verwirklichen. Irgendwie gehört sie wohl auch zur globalen Finanzelite, die die Neue Weltordnung [großgeschrieben] herbeiführen will.

Irgendwann, wenn man so durch den Katalog blättert, fragt man sich, wo bei alldem eigentlich die Juden, die Freimaurer und die Jesuiten abgeblieben sind. Bringen die gar nichts mehr auf die Reihe? Okay, ich weiß nicht genau, ob die Juden vielleicht schon zur globalen Finanzelite zählen, und immerhin wird Israel unter den Ländern genannt, die Terroristen „Unterschlupf“ gewähren – ja, Sie haben richtig gelesen, Israel gewährt islamistischen Terroristen Unterschlupf, nein, nicht etwa, weil es auf einmal nationale Selbstmordpläne hegt, nein, das ist alles Teil des großen bösen Plans – , aber die Freimaurer tauchen praktisch nicht auf und die Jesuiten auch nicht. Ich bin allmählich schwer enttäuscht von unseren Leuten. Wenn man zu bedeutungslos wird, um in Verschwörungstheorien aufzutauchen, obwohl man da vor nicht allzu langer Zeit noch ganz vorne dabei war, sollte man eventuell mal die Ordensführung überdenken.

Man könnte sich ein Beispiel an den „Schulmedizinern“ nehmen: Die sind die Bösen einer ganzen Sparte angebotener Werke. Wir lernen: Wir müssen alle nur unsere Vitamine und Öle und unser Johanniskraut zu uns nehmen und den Buchweizen, die Chiasamen und die „Wunderwurzel Kurkuma“ nicht vergessen, und dann brauchen wir auch kein Kortison, keine Antibiotika und keine Antidepressiva mehr, denn schließlich leben die „Schulmedizin“ und die „Pharmaindustrie“ nur davon, uns krank zu halten, während die unterdrückten und verfolgten Homöopathen nur unser wahres Heil im Auge haben. Für nur 4,95 Euro („Preis-Hit“!) erhalten Sie ein kleines Handbuch zum richtigen Einsatz sämtlicher Schüßlersalze, und für 19,95 Euro erfahren Sie alles über die Heilkraft der Kokosnuss. Wenn Sie „Borreliose natürlich heilen“ wollen, müssen Sie annähernd dasselbe aufbringen, 19,90 Euro.

Auch ansonsten findet sich noch allerlei Nützliches beim Kopp-Verlag: Man kann von Vorahnungen, Reiki und Astralreisen lernen, von der „heilsame[n] Kraft des Segnens“, und von „Lichtbotschaften von den Plejaden“. Aber keine Angst, es ist nicht nur Esoterik da. Der Katholizismus kommt tatsächlich auch mal vor – kommt allerdings auch irgendwie zweischneidig weg. Auf Seite 12 wird ein Buch über „Das letzte Geheimnis von Fatima“ angepriesen, und es wird sogar ein Zitat von Papa emeritus Benedikt über den Marienerscheinungsort über der Buchbeschreibung angeführt, um die Autorität dessen zu untermauern, was auch immer in dem Buch dann geschrieben sein wird. Offenbar geht es darum, eine „prophezeite Katastrophe“ zu verhindern. In Fatima wurden nämlich nicht, wie man bisher glaubte, die Verfolgungen von Christen durch den Kommunismus im 20. Jahrhundert und das Attentat auf Johannes Paul II. prophezeiht, sondern irgendeine noch kommende Katastrophe, die irgendetwas mit dem IS zu tun haben muss – ich meine, wo kämen wir denn hin, wenn wir keine Katastrophen für die Zukunft mehr hätten, zu denen wir unheilvolle Prophezeiungen finden könnten.* Wie gesagt, soweit auf Seite 12. Auf Seite 46 dann erfahren wir von einem „Evangelium, das nicht in der Bibel steht“, kurz gesagt, dem Evangelium des Thomas, das, „[v]on der Kirche verfemt und unterdrückt“, doch die „ursprünglichsten, reinsten Worte Jesu“ beinhaltet, und hier nun übersetzt und kommentiert zu erwerben ist. (Wer will, kann es allerdings auch einfach online hier herunterladen: http://www.meyerbuch.de/pdf/Thomas-Evangelium.pdf Aber Vorsicht! Wer auf diesen Link klickt, den werde ich zu finden wissen (ich besitze nicht nur überlegene Hacker-Fähigkeiten, müssen Sie wissen, sondern auch überirdische Eingebungen, und ich WERDE SIE FINDEN KÖNNEN!!!), und den werde ich bei der Heiligen Inquisition melden, und in spätestens zwei Wochen wird er auf dem Petersplatz auf dem Scheiterhaufen brennen! [Man stelle sich an dieser Stelle bitte ein entsprechend schurkisches Lachen vor.])

Na ja, gut, im Katalog findet sich auch normales Zeug. Sogar in der Sparte „Medizin & Gesundheit“ finden sich ein paar Bücher, die aus mehr bestehen könnten als Warnungen vor den fürchterlichen Folgen von Impfungen und Besuchen bei Ärzten mit wissenschaftlicher Ausbildung. (Nein, an sich habe ich übrigens nichts gegen gesundes Essen und den Einsatz von Hausmittelchen, solange man keine Medikamente braucht. Da hat auch kein Arzt was dagegen.) Ein paar gewöhnliche trashige Historienromane mit Titeln wie „Die Ketzerbraut“ gibt es auch, gewöhnliche Bestseller aus dem Bereich Politik ebenso, und sogar einen Schulatlas oder Martin Luthers „95 Thesen. Lateinisch – Deutsch“. Tatsächlich hat der Katalog auffallend viel im Angebot, was nicht beim Kopp-Verlag selbst erschienen ist, sondern bei Heyne oder Droemer oder Knaur oder anderswo. Irgendwie muss man die 146 Seiten ja voll kriegen.

Was haben wir also gelernt: Glauben Sie nicht alles, was Sie hören und lesen. Glauben Sie nur, was in dem Enthüllungsbuch steht, das Sie gerade vor sich haben. Für 22,95 Euro beim Kopp-Verlag erhältlich.

 

PS: Na ja, vielleicht bestelle ich mir ja „Die Ketzerbraut“. Das dürfte für mindestens fünf klugscheißerische Blogartikel reichen, in denen ich mich über Vergangenheitsklischees und mangelnde Geschichtskenntnisse der deutschen Bevölkerung aufregen kann.

 

* Für alle, die sich mit der katholischen Position zu Fatima etc. nicht auskennen: Diese Botschaften zählen zu den „anerkannten“, d. h. von der Kirche erlaubten, Privatoffenbarungen – es ist den Katholiken freigestellt, an die Botschaften, die 1917 von der Gottesmutter Maria an drei Kinder aus dem portugiesischen Dorf Fatima überbracht worden sein sollen, zu glauben, aber wir müssen es nicht.

Vorsatz zum nächsten 1. April:

Meinen Aprilscherzbeitrag (https://nolitetimereweb.wordpress.com/2017/04/01/zum-reformationsjahr-vatikan-hebt-verbot-von-luther-schriften-auf/) vorher planen und nicht wieder erst abends um halb elf posten.

Die Ironie mit der Piusbruderschaft kam aber schon rüber, oder?

 

PS: Und keine Sorge, der Index ist tatsächlich ganz und gar aufgehoben. Jeder darf die reformatorischen Schriften lesen, auch der Katholik. Ich würde es sogar sehr empfehlen. Hier (eine kleine Auswahl) :

https://www.luther2017.de/de/martin-luther/texte-quellen/lutherschrift-von-der-freiheit-eines-christenmenschen/

https://www.heiligenlexikon.de/Literatur/Martin_Luther_unfreier_Willen.htm

http://gutenberg.spiegel.de/buch/martin-luther-sonstige-texte-270/1

http://gutenberg.spiegel.de/buch/von-der-babylonischen-gefangenschaft-der-kirche-269/1

http://gutenberg.spiegel.de/buch/predigten-durch-ein-jahr-271/1

http://www.calvin-institutio.de/display_dokument.php?elementId=2

 

Zum Reformationsjahr: Vatikan hebt Verbot von Luther-Schriften auf

Anlässlich des 500-jährigen Reformationsjubiläums hat die Kongregation für die Glaubenslehre das in der Bulle „Exsurge Domine“ (1520) und im Dekret über die Rechtfertigung des Konzils von Trient (1545-1563) ausgesprochene Verbot sämtlicher Schriften des Reformators und ehemaligen Augustinermönchs Martin Luther (1483-1546) aufgehoben. „Wir sehen die Aufhebung des Verbots, Luthers Schriften zu lesen oder zu verbreiten, als wichtigen Schritt für die Ökumene“, sagte Kardinal Gerhard Ludwig Müller, der Präfekt der Kongregation, auf dessen Initiative die Aufhebung des Verbots zurückgeht, auf einer eigens einberufenen Pressekonferenz des Heiligen Stuhls am Morgen.

Obwohl der Index der verbotenen Bücher, der sämtliche Schriften auflistete, die Katholiken nicht zu lesen erlaubt waren, bereits 1967 abgeschafft wurde, hatten Verbote einzelner Bücher, die vor der Einführung des Index (1559) erlassen worden waren, bisher weiterhin Geltung – darunter auch Schriften der bedeutendsten Reformatoren wie Martin Luther, Johannes Calvin und Huldrych Zwingli. Nebst anderen sind auch Calvins und Zwinglis Schriften durch den neuen Erlass offiziell erlaubt worden. „Bis jetzt waren nicht nur Katholiken daran gehindert, Luthers 95 Thesen, seine Abhandlungen ‚Von der Freiheit eines Christenmenschen‘, ‚Vom unfreien Willen‘, ‚An den christlichen Adel deutscher Nation‘, usw. oder auch Calvins ‚Institutio‘ zu lesen“, so Müller weiter. „Auch für Nichtkatholiken waren sie angesichts der strengen Position des Vatikans in dieser Frage oft schwer zu bekommen. Man bedenke, welches Gewicht kirchliche Verbote immer noch haben. Wir wissen, wie nahezu unmöglich es in Ländern mit nennenswertem katholischen Bevölkerungsanteil ist, etwa Kondome oder die Anti-Baby-Pille käuflich zu erwerben. Ebenso war es bisher in Bezug auf die Schriften der Reformatoren.“ Das soll sich laut dem Kardinal nun jedoch ändern.

Müller hegt angesichts seines Schritts große Erwartungen für den interkonfessionellen Dialog. „Noch ist die Ansicht, Martin Luther habe irgendetwas mit Meinungs- und Religionsfreiheit, Menschenrechten, Demokratie und Moderne zu tun gehabt, erstaunlich weit verbreitet“, meint der Kardinal. „Gleichzeitig denkt man, die Kirche habe seine ihr gefährlichen Thesen unterdrückt, um das gemeine Volk in Dummheit und Ohnmacht zu halten und es weiter mit dem Ablasshandel ausbeuten zu können. Überlegen Sie nur, wie schnell sich das ändern würde, wenn alle Protestanten und alle mit dem Protestantismus sympathisierenden Katholiken Luthers Schriften lesen würden. Wir könnten uns vor Konvertiten kaum noch retten! Was Luther allein über die menschliche Vernunft schrieb, die er als ‚in allen Worten und Werken Gottes blind, taub, töricht, gottlos und gotteslästerlich‘ bezeichnete, oder auch über den freien Willen (ich zitiere: ‚So ist der menschliche Wille […] wie ein Lasttier; wenn Gott darauf sitzt, will er und geht er, wohin er will […] Wenn der Satan darauf sitzt, will er und geht er, wohin Satan will. Und es liegt nicht in seiner freien Wahl, zu einem von den beiden Reitern zu laufen und ihn zu suchen, sondern die Reiter selbst kämpfen darum, ihn festzuhalten und ihn in Besitz zu nehmen.‘), oder auch über die aufständischen Bauern im Bauernkrieg, die Juden, oder Frauen, die sich ihren Ehemännern verweigern – wer kann sich bessere Werbung für uns vorstellen? Die Kongregation ist der Überzeugung, dass die Einheit der Christenheit durch die Rückkehr einer großen Menge der Protestanten zur heiligen Mutter Kirche in Reichweite liegen könnte, sobald diese Leute merken, dass es Luther darum ging, dass gute Werke nicht nötig sind, um in den Himmel zu kommen, sondern dass allein Gottes Gnade vorherbestimmt, wer in den Himmel und wer in die Hölle kommt (wie auch Calvin dann bekanntlich ganz ausdrücklich lehrte), und an keiner Stelle um Religionsfreiheit oder Meinungspluralismus oder irgendetwas in der Art. Ob unsere Hoffnung gerechtfertigt ist, wird die Zeit zeigen.“ Auch Papst Franziskus setze große Hoffnungen in das neue Konzept, so Müller.

Kritik erntete der Schritt der Glaubenskongregation u. a. von der Piusbruderschaft. „Es ist nach den allgemeinen Prinzipien der katholischen Morallehre nie gerechtfertigt, Schlechtes zu tun, damit Gutes daraus entsteht“, so Generaloberer Fellay. „Luther war dem Heiligen Stuhl ungehorsam und wurde dafür exkommuniziert. Es ist eine Schande für alle, die der katholischen Tradition treu sind, dass seine Schriften nun erlaubt sein sollen, auch wenn das für die Kirche am Ende von Vorteil sein könnte. Hier können wir Roms Entscheidung wieder einmal weder nachvollziehen noch akzeptieren.“

Der Schurke in den Filmen und Serien meiner Kindheit: Ein Steckbrief

Ziel:

I. d. R.: Die Weltherrschaft an sich reißen.

(Ausnahmen von dieser Regel sind allerdings zulässig, etwa: Das Erringen der Herrschaft über ein bestimmtes Land; oder: von Unsterblichkeit; oder: eines ganz bestimmten sehr wertvollen Gegenstandes (magischer Stein, wertvollster Diamant der Welt, o. Ä.). Sonstige Alternative: Rache an der/den Hauptfigur(en) für ein empfundenes Unrecht / das Scheitern eines früheren bösen Plans.)

 

Geschlecht:

Häufig männlich, aber ab und zu auch weiblich.

 

Aussehen:

Männlich:

Typus 1 „Böser Zauberer“: bedrohlich-fremdländisch; schwarzer/roter Umhang, Zauberstab, Spitzbart o. Ä.; tritt häufiger in Zeichentrickfilmen auf. (Beispiel: Jafar aus „Aladdin“.) Typus 2 „Böser Geschäftsmann“: kalt-elitär-unauffällig; grauer oder schwarzer Anzug, schwarze, sehr blank geputzte Schuhe, gepflegte, kurze Frisur, glattrasiertes Gesicht, schmieriges Lächeln; tritt häufiger in Filmen mit realen Schauspielern auf. (Beispiel: Die Bösen in der Serie „Allein gegen die Zeit“. Kennt das noch jemand?)

Weiblich:

Dünn. In der Regel sehr dünn und groß. Außerdem zu stark geschminkt, in ihrer Kleiderwahl häufig zu aufgedonnert (Federboa o. Ä.). Die drei sich gelegentlich auch überschneidenden Typen „Böse Hexe“, „Böse Stiefmutter“ und „Böse Geschäftsfrau“ unterscheiden sich manchmal – nicht immer – dadurch, dass die letzteren beiden tatsächlich noch einigermaßen jung sein und einigermaßen gut aussehen können, wenn auch auf ihre kalte, böse Art, während Exemplare des ersten Typus so gut wie immer auf eine lächerlich erfolglose Weise versuchen, ihre Hässlichkeit und ihr hohes Alter zu verdecken. Wenn sie in einem höheren Alter sein sollte, dann kann das kein Typus des weiblichen Bösewichts ertragen. Die böse Stiefmutter und vor allem die böse Geschäftsfrau sind außerdem manchmal etwas weniger auffällig und exzentrisch, dafür etwas eleganter und unauffälliger gekleidet als die böse Hexe. (Beispiele für die böse Geschäftsfrau: Medusa aus „Bernhard und Bianca“, Cruella De Vil aus „101 Dalmatiner“; Beispiel für die böse Hexe: Rabia aus „Bibi Blocksberg“; Beispiele für die böse Stiefmutter: Die Stiefmütter aus sämtlichen Aschenputtel-Verfilmungen, selbstverständlich! Außerdem zum Beispiel die Freundin des Vaters in allen Adaptionen von „Das doppelte Lottchen“.)

 

Besonderes Merkmal:

Böses Grinsen/Lachen. Obligatorisch.

 

Charaktereigenschaften:

Selbstsüchtig, hinterhältig, grausam, rachsüchtig, etc. (Selbsterklärend.)

Außerdem: geschwätzig, süchtig nach Aufmerksamkeit, zögerlich, wenn es hart auf hart kommt. Wenn ein Feind gefangen genommen wurde, muss erst einmal der ganze böse Plan vor diesem ausgebreitet werden, während er (scheinbar) hilflos gefesselt vor einem sitzt. Der klassische Schurke heischt stets Bewunderung für seine Genialität. Am Ende zögert er außerdem mit dem tödlichen Schuss / Schwerthieb / whatever stets genau so lange, bis aus dem Nichts ein (evtl. totgeglaubter) Verbündeter seines gefangenen Feindes eintrifft und ihm von hinten eins über den Schädel ziehen kann, oder bis es dem gefangenen Feind überraschenderweise gelingt, sich zu befreien. So einen richtig entschlossen und schnell handelnden Schurken habe ich noch nie gesehen.

 

Herkunft und Familie:

I. d. R. mysteriös/unbekannt/nicht erwähnt.

 

Tritt auf mit:

1-2 treuen Helfern (bei einem komplizierten politischen Plan auch mehr), i. d. R. etwas weniger böse und oft deutlich weniger intelligent als der Schurke selbst. Helfer treten hauptsächlich in zwei Varianten auf. Typus 1: „Der Hin- und Hergerissene“. Hilft dem Schurken widerwillig, hat Zweifel, sagt sich am Ende zumindest von ihm los oder stellt sich sogar vollkommen auf die Seite der Guten. (Beispiele: Die Fledermaus aus „Anastasia“, Kronk aus „Ein Königreich für ein Lama“.) Typus 2: „Hirnloser Brutalo“. Schlägertypen mit Muskelmasse und ohne Verstand und Gewissen. (Beispiel: Horace und Jasper aus „101 Dalmatiner“.) Typus 2 tritt im Allgemeiner öfter auf als Typus 1.

Seltener ist eine Art Mischvariante, der Typus „Enttäuschter Verbündeter“. Nachdem dieser (oft klassisch dumme, brutale) Helfer vom Schurken fallengelassen wurde, als es dem gerade nützte, wendet er sich aus Rache gegen ihn, ohne damit aber zum Guten zu werden. (Beispiel: Die Hyänen aus „Der König der Löwen“.)

 

Kann oft nur noch aufgehalten werden durch:

Eine kleine Gruppe von Kindern/Teenagern/Tieren/Ausgestoßenen der Gesellschaft, die unerwarteterweise zusammengewürfelt wurden, obwohl sie sich vorher nicht kannten/mochten, und die Wind vom geheimen Plan des Schurken bekommen haben. Wenn es sich um Kinder oder Teenager in einem Nicht-Zeichentrickfilm handelt, gibt es unter ihnen i. d. R. einen sehr schlauen, aber nicht sonderlich beliebten oder gut aussehenden Nerd/Streber, und zum Kontrast einen cool-sportlich-beliebten Typen. Der Nerd/Streber wird eingeführt als hochbegabter Elfjähriger, hat aber nicht das Wissen eines hochbegabten Elfjährigen, sondern das eines hochbegabten vierzigjährigen Atomphysikers, und außerdem Wissen, das kein Mensch haben kann, weil die Dinge, auf die es sich bezieht, in sich unlogisch und einfach unmöglich sind, was jeder wissen sollte, der in der siebten Klasse in Physik nicht gepennt hat (Funktionsweise einer Zeitmaschine oder eines Perpetuum mobile, o. Ä.). Am Ende jedenfalls lernen alle, ihre Differenzen zu überwinden und zusammenzuarbeiten. Yay!

Eltern und Polizei fallen als potentielle Hinternisse für den Schurken im übrigen aus, da sie entweder nicht an seine finsteren Pläne glauben, wenn man ihnen davon erzählt, gerade nicht zu erreichen sind, oder (im Fall der Polizei) bereits von den Helfern des Schurken unterwandert wurden.