Vorsatz zum nächsten 1. April:

Meinen Aprilscherzbeitrag (https://nolitetimereweb.wordpress.com/2017/04/01/zum-reformationsjahr-vatikan-hebt-verbot-von-luther-schriften-auf/) vorher planen und nicht wieder erst abends um halb elf posten.

Die Ironie mit der Piusbruderschaft kam aber schon rüber, oder?

 

PS: Und keine Sorge, der Index ist tatsächlich ganz und gar aufgehoben. Jeder darf die reformatorischen Schriften lesen, auch der Katholik. Ich würde es sogar sehr empfehlen. Hier (eine kleine Auswahl) :

https://www.luther2017.de/de/martin-luther/texte-quellen/lutherschrift-von-der-freiheit-eines-christenmenschen/

https://www.heiligenlexikon.de/Literatur/Martin_Luther_unfreier_Willen.htm

http://gutenberg.spiegel.de/buch/martin-luther-sonstige-texte-270/1

http://gutenberg.spiegel.de/buch/von-der-babylonischen-gefangenschaft-der-kirche-269/1

http://gutenberg.spiegel.de/buch/predigten-durch-ein-jahr-271/1

http://www.calvin-institutio.de/display_dokument.php?elementId=2

 

Werbeanzeigen

Zum Reformationsjahr: Vatikan hebt Verbot von Luther-Schriften auf

Anlässlich des 500-jährigen Reformationsjubiläums hat die Kongregation für die Glaubenslehre das in der Bulle „Exsurge Domine“ (1520) und im Dekret über die Rechtfertigung des Konzils von Trient (1545-1563) ausgesprochene Verbot sämtlicher Schriften des Reformators und ehemaligen Augustinermönchs Martin Luther (1483-1546) aufgehoben. „Wir sehen die Aufhebung des Verbots, Luthers Schriften zu lesen oder zu verbreiten, als wichtigen Schritt für die Ökumene“, sagte Kardinal Gerhard Ludwig Müller, der Präfekt der Kongregation, auf dessen Initiative die Aufhebung des Verbots zurückgeht, auf einer eigens einberufenen Pressekonferenz des Heiligen Stuhls am Morgen.

Obwohl der Index der verbotenen Bücher, der sämtliche Schriften auflistete, die Katholiken nicht zu lesen erlaubt waren, bereits 1967 abgeschafft wurde, hatten Verbote einzelner Bücher, die vor der Einführung des Index (1559) erlassen worden waren, bisher weiterhin Geltung – darunter auch Schriften der bedeutendsten Reformatoren wie Martin Luther, Johannes Calvin und Huldrych Zwingli. Nebst anderen sind auch Calvins und Zwinglis Schriften durch den neuen Erlass offiziell erlaubt worden. „Bis jetzt waren nicht nur Katholiken daran gehindert, Luthers 95 Thesen, seine Abhandlungen ‚Von der Freiheit eines Christenmenschen‘, ‚Vom unfreien Willen‘, ‚An den christlichen Adel deutscher Nation‘, usw. oder auch Calvins ‚Institutio‘ zu lesen“, so Müller weiter. „Auch für Nichtkatholiken waren sie angesichts der strengen Position des Vatikans in dieser Frage oft schwer zu bekommen. Man bedenke, welches Gewicht kirchliche Verbote immer noch haben. Wir wissen, wie nahezu unmöglich es in Ländern mit nennenswertem katholischen Bevölkerungsanteil ist, etwa Kondome oder die Anti-Baby-Pille käuflich zu erwerben. Ebenso war es bisher in Bezug auf die Schriften der Reformatoren.“ Das soll sich laut dem Kardinal nun jedoch ändern.

Müller hegt angesichts seines Schritts große Erwartungen für den interkonfessionellen Dialog. „Noch ist die Ansicht, Martin Luther habe irgendetwas mit Meinungs- und Religionsfreiheit, Menschenrechten, Demokratie und Moderne zu tun gehabt, erstaunlich weit verbreitet“, meint der Kardinal. „Gleichzeitig denkt man, die Kirche habe seine ihr gefährlichen Thesen unterdrückt, um das gemeine Volk in Dummheit und Ohnmacht zu halten und es weiter mit dem Ablasshandel ausbeuten zu können. Überlegen Sie nur, wie schnell sich das ändern würde, wenn alle Protestanten und alle mit dem Protestantismus sympathisierenden Katholiken Luthers Schriften lesen würden. Wir könnten uns vor Konvertiten kaum noch retten! Was Luther allein über die menschliche Vernunft schrieb, die er als ‚in allen Worten und Werken Gottes blind, taub, töricht, gottlos und gotteslästerlich‘ bezeichnete, oder auch über den freien Willen (ich zitiere: ‚So ist der menschliche Wille […] wie ein Lasttier; wenn Gott darauf sitzt, will er und geht er, wohin er will […] Wenn der Satan darauf sitzt, will er und geht er, wohin Satan will. Und es liegt nicht in seiner freien Wahl, zu einem von den beiden Reitern zu laufen und ihn zu suchen, sondern die Reiter selbst kämpfen darum, ihn festzuhalten und ihn in Besitz zu nehmen.‘), oder auch über die aufständischen Bauern im Bauernkrieg, die Juden, oder Frauen, die sich ihren Ehemännern verweigern – wer kann sich bessere Werbung für uns vorstellen? Die Kongregation ist der Überzeugung, dass die Einheit der Christenheit durch die Rückkehr einer großen Menge der Protestanten zur heiligen Mutter Kirche in Reichweite liegen könnte, sobald diese Leute merken, dass es Luther darum ging, dass gute Werke nicht nötig sind, um in den Himmel zu kommen, sondern dass allein Gottes Gnade vorherbestimmt, wer in den Himmel und wer in die Hölle kommt (wie auch Calvin dann bekanntlich ganz ausdrücklich lehrte), und an keiner Stelle um Religionsfreiheit oder Meinungspluralismus oder irgendetwas in der Art. Ob unsere Hoffnung gerechtfertigt ist, wird die Zeit zeigen.“ Auch Papst Franziskus setze große Hoffnungen in das neue Konzept, so Müller.

Kritik erntete der Schritt der Glaubenskongregation u. a. von der Piusbruderschaft. „Es ist nach den allgemeinen Prinzipien der katholischen Morallehre nie gerechtfertigt, Schlechtes zu tun, damit Gutes daraus entsteht“, so Generaloberer Fellay. „Luther war dem Heiligen Stuhl ungehorsam und wurde dafür exkommuniziert. Es ist eine Schande für alle, die der katholischen Tradition treu sind, dass seine Schriften nun erlaubt sein sollen, auch wenn das für die Kirche am Ende von Vorteil sein könnte. Hier können wir Roms Entscheidung wieder einmal weder nachvollziehen noch akzeptieren.“

Der Schurke in den Filmen und Serien meiner Kindheit: Ein Steckbrief

Ziel:

I. d. R.: Die Weltherrschaft an sich reißen.

(Ausnahmen von dieser Regel sind allerdings zulässig, etwa: Das Erringen der Herrschaft über ein bestimmtes Land; oder: von Unsterblichkeit; oder: eines ganz bestimmten sehr wertvollen Gegenstandes (magischer Stein, wertvollster Diamant der Welt, o. Ä.). Sonstige Alternative: Rache an der/den Hauptfigur(en) für ein empfundenes Unrecht / das Scheitern eines früheren bösen Plans.)

 

Geschlecht:

Häufig männlich, aber ab und zu auch weiblich.

 

Aussehen:

Männlich:

Typus 1 „Böser Zauberer“: bedrohlich-fremdländisch; schwarzer/roter Umhang, Zauberstab, Spitzbart o. Ä.; tritt häufiger in Zeichentrickfilmen auf. (Beispiel: Jafar aus „Aladdin“.) Typus 2 „Böser Geschäftsmann“: kalt-elitär-unauffällig; grauer oder schwarzer Anzug, schwarze, sehr blank geputzte Schuhe, gepflegte, kurze Frisur, glattrasiertes Gesicht, schmieriges Lächeln; tritt häufiger in Filmen mit realen Schauspielern auf. (Beispiel: Die Bösen in der Serie „Allein gegen die Zeit“. Kennt das noch jemand?)

Weiblich:

Dünn. In der Regel sehr dünn und groß. Außerdem zu stark geschminkt, in ihrer Kleiderwahl häufig zu aufgedonnert (Federboa o. Ä.). Die drei sich gelegentlich auch überschneidenden Typen „Böse Hexe“, „Böse Stiefmutter“ und „Böse Geschäftsfrau“ unterscheiden sich manchmal – nicht immer – dadurch, dass die letzteren beiden tatsächlich noch einigermaßen jung sein und einigermaßen gut aussehen können, wenn auch auf ihre kalte, böse Art, während Exemplare des ersten Typus so gut wie immer auf eine lächerlich erfolglose Weise versuchen, ihre Hässlichkeit und ihr hohes Alter zu verdecken. Wenn sie in einem höheren Alter sein sollte, dann kann das kein Typus des weiblichen Bösewichts ertragen. Die böse Stiefmutter und vor allem die böse Geschäftsfrau sind außerdem manchmal etwas weniger auffällig und exzentrisch, dafür etwas eleganter und unauffälliger gekleidet als die böse Hexe. (Beispiele für die böse Geschäftsfrau: Medusa aus „Bernhard und Bianca“, Cruella De Vil aus „101 Dalmatiner“; Beispiel für die böse Hexe: Rabia aus „Bibi Blocksberg“; Beispiele für die böse Stiefmutter: Die Stiefmütter aus sämtlichen Aschenputtel-Verfilmungen, selbstverständlich! Außerdem zum Beispiel die Freundin des Vaters in allen Adaptionen von „Das doppelte Lottchen“.)

 

Besonderes Merkmal:

Böses Grinsen/Lachen. Obligatorisch.

 

Charaktereigenschaften:

Selbstsüchtig, hinterhältig, grausam, rachsüchtig, etc. (Selbsterklärend.)

Außerdem: geschwätzig, süchtig nach Aufmerksamkeit, zögerlich, wenn es hart auf hart kommt. Wenn ein Feind gefangen genommen wurde, muss erst einmal der ganze böse Plan vor diesem ausgebreitet werden, während er (scheinbar) hilflos gefesselt vor einem sitzt. Der klassische Schurke heischt stets Bewunderung für seine Genialität. Am Ende zögert er außerdem mit dem tödlichen Schuss / Schwerthieb / whatever stets genau so lange, bis aus dem Nichts ein (evtl. totgeglaubter) Verbündeter seines gefangenen Feindes eintrifft und ihm von hinten eins über den Schädel ziehen kann, oder bis es dem gefangenen Feind überraschenderweise gelingt, sich zu befreien. So einen richtig entschlossen und schnell handelnden Schurken habe ich noch nie gesehen.

 

Herkunft und Familie:

I. d. R. mysteriös/unbekannt/nicht erwähnt.

 

Tritt auf mit:

1-2 treuen Helfern (bei einem komplizierten politischen Plan auch mehr), i. d. R. etwas weniger böse und oft deutlich weniger intelligent als der Schurke selbst. Helfer treten hauptsächlich in zwei Varianten auf. Typus 1: „Der Hin- und Hergerissene“. Hilft dem Schurken widerwillig, hat Zweifel, sagt sich am Ende zumindest von ihm los oder stellt sich sogar vollkommen auf die Seite der Guten. (Beispiele: Die Fledermaus aus „Anastasia“, Kronk aus „Ein Königreich für ein Lama“.) Typus 2: „Hirnloser Brutalo“. Schlägertypen mit Muskelmasse und ohne Verstand und Gewissen. (Beispiel: Horace und Jasper aus „101 Dalmatiner“.) Typus 2 tritt im Allgemeiner öfter auf als Typus 1.

Seltener ist eine Art Mischvariante, der Typus „Enttäuschter Verbündeter“. Nachdem dieser (oft klassisch dumme, brutale) Helfer vom Schurken fallengelassen wurde, als es dem gerade nützte, wendet er sich aus Rache gegen ihn, ohne damit aber zum Guten zu werden. (Beispiel: Die Hyänen aus „Der König der Löwen“.)

 

Kann oft nur noch aufgehalten werden durch:

Eine kleine Gruppe von Kindern/Teenagern/Tieren/Ausgestoßenen der Gesellschaft, die unerwarteterweise zusammengewürfelt wurden, obwohl sie sich vorher nicht kannten/mochten, und die Wind vom geheimen Plan des Schurken bekommen haben. Wenn es sich um Kinder oder Teenager in einem Nicht-Zeichentrickfilm handelt, gibt es unter ihnen i. d. R. einen sehr schlauen, aber nicht sonderlich beliebten oder gut aussehenden Nerd/Streber, und zum Kontrast einen cool-sportlich-beliebten Typen. Der Nerd/Streber wird eingeführt als hochbegabter Elfjähriger, hat aber nicht das Wissen eines hochbegabten Elfjährigen, sondern das eines hochbegabten vierzigjährigen Atomphysikers, und außerdem Wissen, das kein Mensch haben kann, weil die Dinge, auf die es sich bezieht, in sich unlogisch und einfach unmöglich sind, was jeder wissen sollte, der in der siebten Klasse in Physik nicht gepennt hat (Funktionsweise einer Zeitmaschine oder eines Perpetuum mobile, o. Ä.). Am Ende jedenfalls lernen alle, ihre Differenzen zu überwinden und zusammenzuarbeiten. Yay!

Eltern und Polizei fallen als potentielle Hinternisse für den Schurken im übrigen aus, da sie entweder nicht an seine finsteren Pläne glauben, wenn man ihnen davon erzählt, gerade nicht zu erreichen sind, oder (im Fall der Polizei) bereits von den Helfern des Schurken unterwandert wurden.

Ich hab’s ja schon immer gewusst…

Nun sagt es auch Der Postillon, allgemein schließlich als das verlässlichste Presseorgan der Republik bekannt: „Umfrage: Martin Schulz so beliebt wegen seiner hervorragenden Beliebtheitswerte“:

„Endlich ist sein Geheimnis gelüftet: In einer aktuellen Umfrage hat das Meinungsforschungsintitut Opinion Control herausgefunden, warum Martin Schulz trotz bislang nur weniger konkreter politischer Vorschläge derzeit so hohe Beliebtheitswerte in Umfragen erzielt. Demnach ist der SPD-Kanzlerkandidat vor allem deshalb so beliebt, weil er so beliebt ist. […] Offenbar sind die Befragten der Meinung, dass jemand, der beim Volk derartig beliebt ist, wohl kaum ein schlechter Mensch sein kann.

Die einzige Möglichkeit, wie Martin Schulz vor der Bundestagswahl noch an Boden verlieren könnte, so Geiwasser weiter, wären Umfragen, in denen er schlecht abschneiden würde. Dies sei bei seinen derzeitigen Beliebtheitswerten allerdings nur schwer vorstellbar.“

(http://www.der-postillon.com/2017/03/martin-schulz-beliebtheit.html)

Ich meine, jetzt mal ganz ernsthaft… glaubt denn irgendjemand, dass Meinungsbildung im Allgemeinen anders funktionieren würde?

(Wobei ich persönlich ja sowieso nicht nachvollziehen kann, weshalb irgendjemand eine Partei, die mit der umbenannten SED koalieren will, überhaupt für wählbar halten könnte… aber das ist wiederum ein anderes Thema.)

Rum, Romanism and Rebellion!

Heute mal etwas irische Musik – „Another Irish Drinking Song“ von Da Vinci’s Notebook:

 

„Gather ‚round ye lads and lasses, set ye for a while
and harken to me mournful tale about the Emerald Isle.
Let’s all raise our glasses high to friends and family gone
and lift our voices in another Irish drinkin‘ song.

Consumption took me mother and me father got the pox
me brother drank the whiskey ‚till he wound up in a box.
Me other brother in The Troubles met with his demise
me sister has forever closed her smilin‘ Irish eyes.

Now everybody’s died, so until our tears are dried
we’ll drink and drink and drink and drink and then we’ll drink some more.
We’ll dance and sing and fight until the early mornin‘ light
then we’ll throw up, pass out, wake up and then go drinkin‘ once again!

[…]

Someday soon I’ll leave this world of pain and toil and sin
the Lord will take me by the hand to join all of me kin.
Me only wish is when the Savior comes for me and you –
He kills the cast of Riverdance and Michael Flatley too!

Now everybody’s died, so until our tears are dried
we’ll drink and drink and drink and drink and then we’ll drink some more.
We’ll dance and sing and fight until the early mornin‘ light
then we’ll throw up, pass out, wake up and then go drinkin‘ once again
then we’ll throw up, pass out, wake up and then go drinkin‘ once again
then we’ll throw up, pass out, wake up and then go drinkin‘ once again!“

 

PS: Der Titel dieses Beitrags stammt nicht aus dem Lied; das ist ein Zitat von einem gewissen Reverend Dr. Samuel Burchard, der im Jahr 1884 auf einem Treffen der republikanischen Partei eine Woche vor der Präsidentschaftswahl die Demokraten als die Partei von „Rum, Romanism and rebellion“ charakterisierte (sollte heißen: die werden bloß von trunksüchtigen papistischen irischen Immigranten (und rebellischen Südstaatlern) gewählt). Dieser Kommentar kostete den republikanischen Kandidaten Blaine dann im Endeffekt vor allem in New York entscheidende Stimmen in der Wahl gegen Grover Cleveland. Das hat jetzt nicht so wiiirklich was mit dem Lied zu tun, ich fand das Zitat nur gerade so passend. (Wer hat denn hier was gegen „Rum, Romanism and rebellion“?)

(Amerikanische Karikatur, 1913, Wikimedia Commons)

PPS: Zum besseren Verständnis einiger Zeilen über Tod, Kartoffeln, Engländer, Waffenschmuggel und Troubles, siehe z. B. hier: https://de.wikipedia.org/wiki/Gro%C3%9Fe_Hungersnot_in_Irland , http://www.irlandfan.de/geschichte/chronologie/teil-3/ , http://www.irlandfan.de/geschichte/chronologie/teil-4/ , https://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_Irlands , https://en.wikipedia.org/wiki/The_Troubles

PPPS: Was Riverdance und Michael Flatley angeht – das scheint den Iren meinen kurzen Recherchen zufolge ungefähr das zu sein, was uns Bayern/Österreichern Musikantenstadl und Hansi Hinterseer sind – NICHT unsere Kultur!!!

Pünktlichkeit – die feinen Unterschiede

Preußische Pünktlichkeit: Man kommt zwei Minuten vor der verabredeten Zeit an und erntet von den anderen fragende Blicke – wo ist man denn so lange gewesen?

Bayerische Pünktlichkeit: Ach mei, mal fünf Minuten später als verabredet, das geht schon noch.

Afrikanische Pünktlichkeit: Was, du hast dir Sorgen gemacht, weil wir vor einer Stunde verabredet waren und ich nicht angerufen habe?

Grammatik, Rechtschreibung und Zeichensetzung sind dazu da, verwendet zu werden: Ein Manifest

Angesichts des Trümmerfeldes, zu dem die Schulpolitik der vergangenen Jahrzehnte geführt hat, und eingedenk der Tatsache, dass alles Sein, Leben, Schaffen und Ordnen Widerstand gegen die Kräfte des Chaos, des Zerfalls und der Zerstörung ist, rufe ich alle Menschen guten Willens auf:

  1. Grammatik, Rechtschreibung und Zeichensetzung dienen einem Zweck. Sie ordnen Sätze und machen sie verständlich. Daher sind sie zu verwenden.
  2. Die Groß- und Kleinschreibung ist einzuhalten. Groß werden Substantive und Eigennamen geschrieben. Tipp: Wenn man „der“, „die“ oder „das“ vor ein Wort setzen kann, oder wenn es eine Person, eine Stadt, ein Land o. Ä. bezeichnet, wird es großgeschrieben. Zusätzlich wird jedes Wort am Satzanfang großgeschrieben.
  3. Wenn man sich mit einem Artikel auf ein Wort beziehen kann, ist es wirklich immer großzuschreiben, da es dann entweder ein Substantiv oder ein substantiviertes Adjektiv oder Verb ist. „Der Kobold“, „das Grün der Bäume“, „das Rennen ermüdete ihn“. Das gilt auch in Bezug auf Wörter wie „Anderes“. „Alles Andere (das Andere) ist falsch.“ Dagegen: „Die andere Möglichkeit sollte auch in Betracht gezogen werden.“ Hier ist „Möglichkeit“ das Substantiv. „Der Andere“ – „der andere Mensch“. Alles klar?
  4. Auch die Anrede „Sie“ wird großgeschrieben. Und zwar immer. Sie ist zu unterscheiden von dem kleingeschriebenen Pronomen „sie“ (dritte Person Plural), das eine Mehrzahl von nicht direkt angesprochenen Personen oder Dingen umschreibt (z. B. „die Galeerensklaven“, „die Erzengel“, „die Evangelisten“, „die Pflaumenkuchenrezepte“).
  5. Wo wir schon dabei sind: „dass“ und „das“ sind zwei verschiedene Wörter. Ersteres ist eine Konjunktion und leitet einen Nebensatz ein, letzteres ist ein bestimmter Artikel im Neutrum oder ein Demonstrativpronomen. Unterscheidung: Wenn das fragliche „das(s)“ sich direkt auf ein Wort oder einen Sachverhalt bezieht, ist es mit einem s zu schreiben. Wenn es einen Nebensatz einleitet, in dem ein Verb am Ende steht, ist es mit zwei s zu schreiben. Beispiele: „Das Kind kommt.“ „Ich weiß, dass das Kind kommt.“ „Dass (Konjunktion) das (Artikel) Kind kommt, das (Demonstrativpronomen) ist eine Tatsache.“ Tipp: Kann „das(s)“ mit „dies“, „jenes“ ersetzt werden, ist es Artikel oder Demonstrativpronomen – also „das“. Geht das nicht, ist es eine Konjunktion: „dass“.
  6. In der deutschen Sprache werden zusammengesetzte Substantive auch tatsächlich zusammengesetzt; entweder direkt oder mit einem Bindestrich. Es heißt daher „Tischdecke“, „Waschmaschine“ und „Donaudampfschifffahrtskapitänsmützenknopfloch“. Es heißt „Studentenwohnheim“ und nicht „Studenten Wohnheim“. Es heißt auch „Das Zur-Schau-Stellen von Gefühlen“ und nicht „Das Zur Schau Stellen von Gefühlen“. Letzteres wäre im ENGLISCHEN richtig. Es gibt UNTERSCHIEDE zwischen der englischen und der deutschen Sprache. Im Deutschen heißt es: „Das Zur-Schau-Stellen“, „das Schwarz-Weiß-Denken“, „das Schlappohr-Kaninchen“.
  7. Ach ja, und wenn ein Wort mit Bindestrichen zusammengesetzt wird, dann haben Leerzeichen da nichts verloren. Anders bei Einschüben in einem Satz. „Er – der Kapitän – stand dort drüben.“ Hier hat sowohl vor als auch nach dem Strich ein Leerzeichen zu stehen.
  8. Kommas dürfen nicht nur verwendet werden, sondern müssen es an den gegebenen Stellen sogar. Sie werden erstens dazu gebraucht, Nebensätze abzutrennen. („Ich weiß, dass das Kind kommt.“ „Ich sehe jemanden, der dort hinten steht.“ „Ich bin katholisch, weil alles Andere Unsinn ist.“) Sie werden zweitens in Aufzählungen gebraucht: „Lourdes, Fatima, Loretto und Guadeloupe.“ Sie werden drittens dazu gebraucht, Einschübe in Sätzen abzutrennen, was man, wenn man möchte, auch mit Klammern oder Strichen erledigen kann: „Gegebenenfalls sollte man, das ist wichtig, die korrekte Schreibung von Wörtern im Duden nachschlagen.“ Die Kommas müssen in diesem Fall vor und hinter dem Einschub stehen und der Satz hat auch ohne diesen Einschub (grammatikalisch) Sinn zu machen. Das Leerzeichen steht übrigens grundsätzlich hinter dem Komma. Davor steht keins.
  9. Kommas werden NICHT verwendet, um einen attributiven Satzteil am Anfang eines Satzes abzutrennen. In dem Satz „Während des Abendessens unterhielten sie sich über den Kriegsverlauf“ hat nach „Abendessens“ KEIN Komma zu stehen. Es heißt auch: „Sie unterhielten sich während des Abendessens über den Kriegsverlauf“ – ebenfalls ohne Komma. In diesem Fall DÜRFTE man es aber dann auch anders machen, wenn „während des Abendessens“ ein Einschub im Sinne von „und zwar während des Abendessens“ wäre: „Sie unterhielten sich, [und zwar] während des Abendessens, über den Kriegsverlauf.“ Dann haben hier aber vorne und hinten Kommas zu stehen. Wenn aber dieser Satzteil tatsächlich, wie im ersten Beispiel, am Anfang des Satzes steht, darf dahinter NIE ein Komma stehen. Nie, nie, nie. „Ebenso wie Petrus liegt auch Paulus in Rom begraben.“ – Kein Komma nach „Petrus“. „Zusammen mit seinen Freunden und voll von Vorfreude machte er sich an die Aufgabe.“ – Nirgendwo ein Komma!!!
  10. Ein vollständiger Satz hat ein Verb zu enthalten und ist am Ende mit einem Punkt, Ausrufezeichen oder Fragezeichen abzuschließen.
  11. Der Genitiv darf gebraucht werden. Es heißt „Die Not des Bettlers.“ Nicht: „Die Not von dem Bettler.“ Letzteres wäre zwar streng genommen grammatikalisch nicht falsch, klingt aber scheiße.
  12. Das Genitiv-s wird in aller Regel ohne Apostroph verwendet. „Martins Mantel“, „Marias Gebet“. Die einzige Ausnahme ist, wenn der entsprechende Name bereits auf -s endet: „Arius’ Häresie“, „Augustinus’ Bücher“. Wieder gilt: DEUTSCH IST NICHT ENGLISCH.

 

So. Das musste ich einfach mal loswerden. =)

 

Und nein, ich habe übrigens nichts gegen Englisch. Ich liebe diese Sprache sogar. Aber, um ein Zitat der hl. Teresa abzuwandeln, „Wenn Englisch, dann Englisch, wenn Deutsch, dann Deutsch“.

 

Update: Da habe ich doch glatt vergessen, meine allerliebste Monty-Python-Szene am Schluss noch einzubringen:

 

Wissen, das die Welt nicht braucht

Wusstet ihr schon, dass…

 

  • …es auf der Welt zwei katholische Bischöfe gibt, die gleichzeitig Staatsoberhäupter sind? Der eine wäre natürlich der Bischof von Rom, das Oberhaupt des Vatikanstaats, der andere der Bischof der spanischen Diözese Urgell, der, zusammen mit dem französischen Präsidenten, Kofürst und damit Staatsoberhaupt von Andorra ist.
  • …der Vatikanstaat die einzige absolute Wahlmonarchie der Welt ist? Es gibt noch ein paar wenige andere absolute Monarchien, aber das sind dann eben Erbmonarchien.
  • …wir einen Heiligen haben, der ein Urenkel eines Papstes war? Francisco de Borja, der dritte General der Jesuiten und früher ein so beliebter Heiliger, dass zu Beginn des 20. Jahrhunderts bayerische Kinder gerne mal den Vornamen „Franz Borgias“ erhielten, stammte von dem berühmt-berüchtigten Renaissance-Papst Alexander VI. ab. Wenn es in „Die Borgias“ um ihn ginge, ließe sich die Serie wahrscheinlich nicht so gut vermarkten…
  • …die Abkürzung CSSR nicht nur für die ehemalige Tschechoslowakei steht, sondern auch für den Redemptoristenorden? Okay, eigentlich lautet das Ordenskürzel CSsR mit kleinem s, für Congregatio Sanctissimi Redemptoris (Gesellschaft des heiligsten Erlösers), aber manchmal wird auch CSSR verwendet.
  • …da wir schon bei Ordenskürzeln sind, das Kürzel FMI gleich für sechs verschiedene Orden steht?
  • …1644 in England unter Oliver Cromwell das Feiern von Weihnachten verboten wurde? (Ich sage nur: Protestanten!)
  • …es auch heute noch so etwas wie Gegenpäpste gibt, obwohl im Allgemeinen „Felix V.“ (1383-1451; Gegenpapst 1439-1449) als letzter Gegenpapst gezählt wird? Zum Beispiel wäre da David Bawden, ein Laie aus Kansas, der sich „Papst Michael“ nennt und so ungefähr 30 Anhänger hat.