Ein Tag der Freude für die Ungeborenen

Gestern war das Fest des Heiligsten Herzens Jesu, das vor Liebe für alle Menschen brennt, und gleichzeitig das Fest des hl. Johannes des Täufers, der schon als Fötus im Mutterleib den Heiland, der als Zygote im Mutterleib zu ihm kam, erkannte.

Robert Anning Bell, Treffen der hl. Jungfrau und der hl. Elisabeth. „Denn siehe, in dem Augenblick, als ich deinen Gruß hörte, hüpfte das Kind vor Freude in meinem Leib.“ (Lk 1,44)

Und passend dazu gab es zwei Nachrichten, eine schlechte und eine sehr sehr gute.

Zuerst die schlechte: Der deutsche Bundestag beschließt, § 219a StGB, also das Werbeverbot für Abtreibungen, abzuschaffen. (Wobei sie natürlich weiter herumlügen und behaupten, es ginge nur um „Informationen“, während der Paragraph ausdrücklich Werbung wegen des Vermögensvorteils unter Strafe stellte; aber offene Lügen sind wir von dieser Seite her ja gewohnt.) Jetzt können wir uns also darauf freuen, auch in Deutschland solche Plakate wie in Österreich…

… oder den USA zu sehen:

Unsere lieben Abgeordneten sind auch ziemlich begeistert darüber, Abtreibungen zu erleichtern und die Zahlen hochzutreiben; und hier kann man nicht nur die Banalität, sondern auch die pure Infantilität des Bösen sehen:

Aber kurz danach kommt eine wahnsinnig großartige Nachricht, auf die wir seit Jahrzehnten gewartet haben: In den USA kippt der Oberste Gerichtshof das Urteil im Fall Roe v. Wade von 1973. Dieses Urteil hatte erklärt, die amerikanische Verfassung schließe implizit ein Recht auf Privatsphäre ein, was wiederum ein Recht auf Abtreibung einschließe; und so war es in den USA wahnsinnig schwierig geworden, noch irgendwelche Gesetze mit Abtreibungsbeschränkungen zu erlassen, die nicht wieder von Gerichten gekippt werden würden. Über 60 Millionen Kinder wurden seitdem in den USA abgetrieben. Mississippi erließ 2018 ein Gesetz, das die meisten Abtreibungen ab 15 Wochen verbat; sofort klagte eine Abtreibungsklinik dagegen und schließlich landete der Fall vor dem Obersten Gerichtshof, der nun erklärt hat, dass die Verfassung kein Recht auf Abtreibung enthält und die Bundesstaaten frei sind, Gesetze dagegen zu erlassen. 13 Staaten hatten schon Gesetze vorbereitet, die Abtreibung verbieten, sobald Roe gekippt wird, und die sie jetzt nach und nach in Kraft setzen:

HURRA. HURRA, HURRA, HURRA.

Abtreibungsaktivisten hatten vorher schon Gewalt angekündigt, und in den letzten Wochen schon einige Schwangerschaftskrisenzentren (die Frauen helfen, die ungeplant schwanger sind, z. B. Beratung und Babyausstattung bieten) und Kirchen angegriffen, teilweise „nur“ Fenster eingeschlagen und Wände beschmiert („wenn Abtreibung nicht sicher ist, seid ihr es auch nicht“), teilweise Gebäude in Brand gesteckt; die Polizei hatte Diözesen und die Diözesen ihre Pfarreien gewarnt, auf extreme Gewalt nach der Gerichtsentscheidung vorbereitet zu sein. Seit gestern gab es jetzt auch Proteste, und Gewaltausbrüche, und Abtreibungsbefürworter sind fleißig dabei, Mordpläne gegen die Richter im Internet anzukündigen; das Schlimmste scheint aber – vorerst – noch auszubleiben. [Update: Es gibt jetzt weitere Berichte von (versuchten) Angriffen; Aktivisten haben u. a. versucht, das Parlament in Arizona zu stürmen.] Gleichzeitig sind sie wieder fleißig dabei, Lügen zu verbreiten, z. B. dass, wenn Abtreibung verboten sei, Frauen nach einer Fehlgeburt von der Polizei verfolgt werden könnten. (Was schlicht nicht passiert; wenn solche Leute versuchen, Beispiele heranzuziehen, kommen sie z. B. auf einen Fall aus El Salvador, wo eine Frau verurteilt wurde, deren Kind tot mit Wunden am Hals in einer Tasche versteckt gefunden wurde, und die behauptete, es wäre schon tot geboren worden und sie hätte ihm die Wunden aus Versehen zugefügt, als sie die um den Hals gewickelte Nabelschnur durchschneiden wollte, oder einen anderen Fall aus demselben Land mit einer Frau, deren Kind tot in einer Klärgrube gefunden wurde; auch sie behauptete, es wäre tot geboren worden, während die Gerichtsmediziner meinten, es hätte da noch gelebt. Diese Fälle würden in Deutschland oder den USA ebenso gerichtlich verfolgt werden, da es eben um Tötung nach der Geburt ging.)

Aber der Teufel tobt eben, wenn er eine Niederlage einstecken muss, kann man sagen.

Dass dieses Urteil gekippt wurde, ist nun einzig und allein den drei Richtern zu verdanken, die Ex-Präsident Trump an den Obersten Gerichtshof gebracht hat: Brett Kavanaugh, Amy Coney Barrett und Neil Gorsuch, die zusammen mit den von den beiden Bushs ernannten Richtern Clarence Thomas und Samuel Alito dafür stimmten; der ebenfalls von einem Bush ernannte Richter Roberts stimmte dafür, das Gesetz aus Mississippi aufrecht zu erhalten, aber dagegen, Roe v. Wade zu kippen, während die drei von Clinton und Obama ernannten Richter Breyer, Sotomayor und Kagan gegen beides stimmten. (Die 9 Richter werden auf Lebenszeit ernannt; und weil sie das letzte Wort in den USA haben, spielt die Aussicht darauf, dass einer von ihnen sterben und der neue Präsident einen anderen Kandidaten ernennen könnte, eine so große Rolle in den US-Präsidentschaftswahlen.)

Vor den letzten und vorletzten Wahlen gab es ja in den USA viele heftige Diskussionen unter Katholiken; die meisten konservativen Katholiken waren grundsätzlich dafür, die Republikaner zu wählen, weil die nun mal (zumindest irgendwie und halbherzig) pro life sind, und weil das Thema Abtreibung wichtiger sei als alle anderen, und weil Trump neue Richter an den Obersten Gerichtshof bringen könnte, die Roe v. Wade kippen könnten. Mehr politisch links geneigte Katholiken behaupteten dagegen immer wieder, die Republikaner würden in der Praxis sowieso nichts gegen Abtreibung tun, der Supreme Court werde auch unter konservativen Richtern Roe v. Wade nicht abschaffen, also solle man eher die Demokraten wählen, die (angeblich) für eine sozialere Politik sorgen würden und damit mittelbar für weniger Abtreibungen, was erst wirklich pro life wäre. Diese Katholiken spielten sich gerne als die Gemäßigten auf, die fähig zur Differenzierung seien, die sich nicht mit der Korruption in der Politik gemein machten.

Aber die Konservativen haben Recht behalten. Ja, die Republikaner haben in den letzten Jahren mehr gegen Abtreibung getan, haben Gesetze auf der Ebene der einzelnen Bundesstaaten erlassen, die schließlich dazu führten, dass das Thema wieder vor den Obersten Gerichtshof kam. Und wenn 2016 Hillary Clinton statt Donald Trump gewählt worden wäre, wäre dieser Gerichtshof mit großer Mehrheit mit abtreibungsfreundlichen Richtern besetzt gewesen, die ein „Recht auf Abtreibung“ noch einmal bekräftigt hätten. Und letztlich kann keiner leugnen, dass der legale Mord an Millionen Menschen das wichtigste Thema ist, wenn Wahlen die Chance bieten, bei diesem Thema wirklich etwas zu ändern; egal, wie man über Sozialhilfe oder illegale Migration aus Lateinamerika oder sonst ein Thema denken mag. (Wenn wir mal davon absehen, dass die Demokraten hier eben keine gute soziale Politik machen; dass in von ihnen kontrollierten Städten und Staaten wie Kalifornien Kriminalität und Obdachlosigkeit ihren Höhepunkt erleben.)

Ich glaube auch nicht, dass diese linken Katholiken immer ganz ehrlich mit sich selbst waren; sie wollten gegenüber ihren säkularen Freunden und der gehobenen Gesellschaft nicht als tumbe Hinterwäldler dastehen, sie wollten sich auch etwas beliebt machen; und auch wenn ihr Gewissen ihnen keinen offensichtlichen Bruch mit der Kirchenlehre bzgl. Abtreibung erlaubte, spielten sie das Thema eben herunter. Und auch ihre Abgrenzung von Trump hatte etwas Heuchlerisches; denn sie hatten kein Problem damit, für extrem korrupte Politiker zu stimmen, die eine respektablere Fassade boten (auch wenn sie wahrscheinlich durch Verleumdungen und Trump Derangement Syndrome beeinflusst waren). Man muss sich tatsächlich auch kein schlechtes Gewissen machen, wenn man für schlechte Politiker stimmt, die immer noch am meisten Gutes und am wenigsten Schlechtes bewirken; das ist eine entfernte materielle Mitwirkung am Bösen, die erlaubt ist; und dieses Prinzip gilt eben bei Demokraten wie bei Republikanern, nur dass die Demokraten eben tatsächlich die wesentlich Böseren sind. Sie sind für Abtreibung bis zur Geburt oder zumindest bis zur Lebensfähigkeit des Kindes (24. Woche) ohne Einschränkungen (und außerdem sind sie auch sonst für vieles Böse, z. B. haben sie politische Gewalt durch Black Lives Matter befeuert und befürworten Geschlechtsumwandlungen bei Kindern).

Gott hat Humor, und ich vermute, Er hat alle diese Never-Trumper ein bisschen getrollt, als Er es so fügte, dass ausgerechnet der vulgäre, mehrfach geschiedene, orangegesichtige Millionär Trump, vor dem sie alle die Nase rümpften, für das Ende von Roe v. Wade sorgte. Ich denke, wir schulden Trump ein paar Gebete für seine Seele; denn wir können ihm wirklich dankbar sein, und er kann sie wahrscheinlich gebrauchen. Und natürlich schulden wir das auch den Richtern, die tatsächlich einiges riskiert haben; vor kurzem erst wurde ein Mann festgenommen, der einen Mord an Richter Kavanaugh geplant hatte, und Aktivisten haben im Vorfeld der Entscheidung ihre Adressen veröffentlicht und ihre Häuser belagert. Aber vielleicht war Kavanaugh, Coney Barrett, Gorsuch jetzt auch klar, dass sie es den Linken nie recht machen können würden und man nicht mehr vor ihnen einknicken darf.

Manche Pro-Lifer sind jetzt quasi der Meinung, wir könnten uns nicht wirklich freuen, weil es immer noch Gründe gäbe, die Frauen zur Abtreibung bewegen, usw., aber doch: Wir können uns freuen, wir sollten uns freuen, wir sollten jubeln und feiern. Die totale Rechtlosigkeit der Ungeborenen in Amerika ist beendet, und vielleicht wird es in absehbarer Zeit sogar möglich sein, Abtreibung per Bundesgesetz oder Verfassungszusatz im ganzen Land zu verbieten, wenn bei den nächsten Wahlen die Demokraten verlieren. Die Pro-Life-Bewegung wird weiterhin Frauen/Eltern in Not helfen, und Frauen/Eltern, die unter vergangenen Abtreibungen leiden, wie sie das die ganzen letzten Jahrzehnte getan hat, und das wird auch nötig sein; aber erst einmal können wir uns freuen. Wir können ein paar Mal „Großer Gott, wir loben dich“ schmettern und eine Flasche Sekt rausholen. Die Leute, die die Ungeborenen zu rechtlosen Nichtmenschen machen wollen, haben erst mal verloren. ÄTSCHI-BÄTSCH.

Transpersonen, TERFs und ihre Fehler

Ich weiß nicht, wie viel meine Leser davon mitbekommen haben, aber: Das Thema Transgenderismus wird mittlerweile ja immer schlimmer. Die zuständigen Aktivisten beteuern, schon Vierjährige könnten und sollten ihr Geschlecht frei wählen; sich in der Pubertät in seinem Körper unwohl zu fühlen, könne ein Zeichen sein, dass man trans wäre; und es wäre Kindesmissbrauch, Zwölfjährigen keine Hormone zu geben, die irreparable Schäden in ihrem Körper anrichten, oder sie sich nicht die Brüste abschneiden zu lassen. Währenddessen wird es zur Strategie von Sexualstraftätern, egal ob sie sich „als Frau fühlen“ oder nicht, sich vorübergehend als Transfrau zu identifizieren, um ins Frauengefängnis verlegt zu werden. Immerhin gibt es ein paar kleine Siege der Gegenbewegung; in Florida ist es jetzt nicht mehr erlaubt, Minderjährigen Pubertätsblocker und Hormone zu verabreichen.

Zu dieser Gegenbewegung gehören nicht nur Konservative und Personen, die sich früher selbst als trans identifiziert und dann darunter gelitten haben (Detransitionierer), sondern auch gender-kritische Radikalfeministinnen, u. a. lesbische Radikalfeministinnen, die von Transaktivisten gern als TERFs (Trans exclusionary radical feminist) beschimpft werden. (Ich übernehme den Begriff jetzt einfach mal für diesen Artikel, als Abkürzung, nicht als Schimpfwort; denn es ist ja eigentlich keins.) Einige dieser TERFs sind Frauen oder Exfrauen von Männern, die einen autogynophilen Fetisch haben, also sexuell von der Vorstellung von sich als Frau erregt werden und z. B. Unterwäsche von weiblichen Familienmitgliedern stehlen, um damit zu masturbieren, und die sich dann plötzlich als „Transfrau“ identifiziert haben. Andere wurden von „Transfrauen“ attackiert, weil sie keine „lesbische“ Beziehung mit ihnen wollen. Wieder andere machen sich vor allem Sorgen darum, wie sich in manchen Gegenden und Schulen plötzlich ganze Gruppen von Kindern und Jugendlichen als trans identifizieren (Rapid Onset Gender Dysphoria).

Wenn TERFs gegen all das argumentieren, kommen immer wieder solche Aussagen:

  • „Vor vierzig Jahren haben wir Mädchen gesagt, dass sie keiner stereotypen Mädchenrolle entsprechen müssen. Heute sagen wir Mädchen, wenn sie nicht genau einer stereotypen Mädchenrolle entsprechen, wären sie vielleicht tatsächlich Jungen.“
  • „Viele Jugendliche, die jetzt transitionieren, würden diese Phase überwinden und einfach homosexuell werden, wenn Transaktivisten sie nicht überzeugt hätten, sie wären trans.“
  • „Transfrauen sind als Männer im Patriarchat sozialisiert und daran gewöhnt, dass sie sich alles nehmen können, was sie wollen; deswegen drängen sie jetzt in geschützte Frauenräume wie Frauenhäuser, Krankenzimmer, Frauengefängnisse usw.“
  • „Wir haben früher immer gesagt, dass man sich nicht aussuchen kann, zu wem man sich sexuell hingezogen fühlt, um für Homosexuellenrechte zu kämpfen; heute sagen Transfrauen uns Lesben, wir könnten uns dazu trainieren, uns auch zu ‚Frauen‘ mit Penis hingezogen zu fühlen. Das ist Homophobie im neuen Gewand.“

Sie sehen in der Genderideologie einen Rückschritt für Homosexuellenrechte und den Feminismus und klagen das ominöse Patriarchat an. Tatsächlich sind Transaktivisten/Transpersonen aber nur auf dem selben Weg etwas weitergegangen als klassische Feministen und Homosexuelle (wobei da natürlich einige Selbstwidersprüche auftauchen), und wenn sie sich dann umwenden und ihre Vorgänger zerfleischen wollen, kann man attestieren: Die Revolution frisst ihre Kinder. Und die Girondisten sind nicht um so vieles besser als die Jakobiner – auch wenn sie hoffentlich eher wieder zur Vernunft kommen, je verrückter die Jakobiner werden.

Während noch das böse „Patriarchat“ an der Macht war, gab es (jedenfalls in christlichen Ländern; in heidnischen Ländern konnte es anders aussehen) keine sonderlich große Toleranz für sexuelle Abweichungen. Gut, die Meinungen dazu, wenn Eheleute coitus interruptus praktizierten, waren gespalten. Aber viel weiter ging man nicht. Statt Pornovideos gab es bloß unter der Hand gehandelte anzügliche Fotos, und es wären die wenigsten Männer auf die Idee gekommen, von ihrer Frau zu verlangen, bei Oralsex, Analsex oder Fesselspielchen mitzumachen, falls ihnen denn bewusst war, dass es solche Sexpraktiken gibt. Man mochte es notgedrungen tolerieren, wenn junge Männer zu Prostituierten gingen, aber niemand hielt es für gut. Homosexualität war eine Sachen von wenigen Gruppen von Männern, die sich nachts zum anonymen Sex im Park trafen. Transsexualität/Transvestismus war wenig bekannt. Sex war nicht etwas, das von normalen Regeln zu Ehrlichkeit, Treue und Rücksichtnahme ausgenommen war, und als natürlich sah man den normalen Geschlechtsverkehr in der Ehe, zwischen einem Mann und einer Frau, die sich aneinander gebunden haben, und die die Kinder, die aus ihrer Verbindung entstehen können, in Liebe empfangen.

Es gehörte auch zum allgemeinen Konsens, dass Frauen einen gewissen Schutz brauchen, dass es Frauenbereiche braucht. Auch ein Verehrer sollte nicht unbedingt allein mit einer Frau sein, was einen Schutz vor Date Rape bot. Frauenumkleidekabinen, -toiletten und dergleichen waren Orte, wo sich kein Mann hineintraute. Man wäre auch nie auf die Idee gekommen, Frauen in den Krieg zu schicken.

Das alte Patriarchat war offensichtlich nicht so drauf, dass es Männern jeden Schutz bot, ihre sexuellen Neigungen auszuüben, auch wenn Frauen darunter leiden sollten. Wenn ein Mann seiner Frau eröffnet hätte, dass er eigentlich schwul oder trans sei, hätte man nicht von ihr erwartet, gefälligst zu lächeln und bei dem Spielchen mitzumachen und ihn sein „wahres Selbst“ sein zu lassen, sondern hätte empört darauf reagiert, dass er das vor ihr verheimlicht und sie trotzdem geheiratet hatte oder sich nicht wenigstens bemühte, seinen Neigungen nicht nachzugeben.

Das alles hat sich mit der Sexuellen Revolution drastisch geändert (und die kam nicht erst in den 60ern, sondern in einigen Schichten schon viel früher – im Berlin der 1920er sieht man das z. B. gut, bei Magnus Hirschfeld usw.), und hier haben die meisten Feministinnen unkritisch mitgemacht. Hier wurde die allgemeine Einstellung verbreitet, dass noch so ungewöhnliche Fetische und Neigungen ausgelebt werden müssen, und es quasi psychisch krank machen würde, das nicht tun zu können. Sex wurde als lebensnotwendig definiert, und das war eine gefährliche Sache, denn so ein starker natürlicher Trieb kann auch in falsche Bahnen gelenkt werden – ebenso wie es Essstörungen gibt, gibt es schädliche sexuelle Verhaltensweisen. (Und das gilt auch, wenn Leute ehrlich glauben, nur glücklich sein zu können, indem sie solchen Neigungen nachgeben, und niemandem etwas Böses wollen.)

Dann haben Feministinnen sich auch mit Enthusiasmus daran gemacht, „Geschlechterrollen zu dekonstruieren“. Deren Zuschreibung sei eigentlich willkürlich, und Mädchen sollten sich männlicher und Jungen sich weiblicher verhalten. (Denn auch wenn behauptet wurde, jeder könne genau so sein, wie er wolle, erwarteten diese Feministinnen doch, dass die Mädchen sich gefälligst wünschen sollten, weniger mädchenartig, und die Jungen, weniger jungenartig zu sein.) Hier könnte man – wie die TERFs das tun – denken, das wäre eigentlich die Antithese zum Transgenderismus, aber tatsächlich war es deren Vorläufer.

TERFs sehen ja selbst, dass es bedeutende biologische Unterschiede zwischen Männern und Frauen gibt, dass Männer z. B. stärker und aggressiver sind. Aber dann erklären sie im nächsten Atemzug, dass mit diesen biologischen Unterschieden gefälligst keine sozialen und psychologischen einhergehen sollten, dass es keine Männerrollen und Frauenrollen geben solle, dass beispielsweise Frauen und Männer gleich viel Zeit auf ihre Kinder bzw. auf den Beruf verwenden sollten wie der andere (und tendenziell beide mehr Zeit auf den Beruf als auf die Kinder), und beide die gleichen Berufe lernen sollten (und tendenziell eher Männerberufe). Aber die allermeisten Frauen und Männer suchen Rollen als Frauen oder Männer, in denen sie sich wohl und anerkannt fühlen können. Mädchen wollen irgendwann eine „richtige Frau“ sein und Jungen ein „richtiger Mann“, und nicht geschlechtsneutral. Kein Mensch behauptet, dass das für alle ganz klischeehaft aussehen muss, aber auch Mädchen, die z. B. mathematisch begabt sind und gerne Fußball spielen, werden irgendwann irgendwie fraulich sein wollen. Und gerade Kinder brauchen konkrete Vorbilder, nicht ein „Du kannst alles sein, was du dir vorstellen kannst“. Man will eine Identität, eine Gemeinschaft mit anderen.

Die Verwirrung dazu, was das Geschlecht sozial bedeuten soll, trug tatsächlich dazu bei, dass man dahingehend verwirrt wurde, ob es biologisch noch etwas bedeuten soll. (Und tatsächlich ist es ja vor allem so, dass Frausein Mütterlichkeit nach dem Vorbild der hl. Jungfrau Maria (auch bei Nichtmüttern) und Mannsein Väterlichkeit nach dem Vorbild des hl. Joseoph (auch bei Nichtvätern) bedeuten soll.)

Der klassische Feminismus und die Homosexualität sind auch nicht die großartige Alternative zur Genderideologie. Eine 13jährige, die sich unwohl damit fühlt, dass ihr Brüste wachsen und Jungs sie jetzt als sexuelles Wesen sehen könnten, und die irgendwie linkisch ist und kein rechtes Modegespür hat, sollte weder dazu gebracht werden, zu glauben, sie könnte eigentlich ein Junge sein, noch dazu, sie wäre vielleicht lesbisch.

(Und, das ist ein untergeordneter Punkt, aber Feministinnen haben auch sehr gerne die Rolle der „starken Frau“ propagiert, die z. B. auch Kriegerin wird, weswegen in Filmen gerne mal so getan würde, als hätten 1,70 große dünne Schauspielerinnen tatsächlich eine Chance gegen Männer in einer Prügelei oder einem Kampf. Erst jetzt entdecken diese Feministinnen wieder, dass das so nicht klappt, weil Transfrauen in den Frauensport drängen und logischerweise die tatsächlichen Frauen, die ihnen körperlich unterlegen sind, abdrängen.)

Das eigentliche Problem, die Wurzel des Ganzen ist aber der Relativismus, der der Sexuellen Revolution schon voranging, und erst ihre Grundlage war. „Wenn das für dich so ist, dann ist es so“, „Dir deine Wahrheit, mir meine Wahrheit“. Um ehrlich zu sein, ich habe nie im Ansatz verstanden, wie man so weit gehirngewaschen sein kann, dass man das auch nur ernstnimmt, aber offensichtlich sind die Leute das.

Sie huldigen einer Tinkerbell-Weltsicht: Tinkerbell lebt, wenn die Kinder an Feen glauben, und stirbt, wenn sie es nicht tun – als wäre es irgendwie tugendhaft, an Märchenfiguren zu glauben, weil man es gern hätte, dass es sie gäbe. [Hier darf man sich auch nicht verwirren lassen: Leuten zu vertrauen, die man als vertrauenswürdig kennt, ohne für jede Einzelheit, die sie einem erzählen, misstrauisch Beweise zu verlangen, ist sehr wohl eine Tugend (und so in etwa stellt sich auch der religiöse Glaube da); Wunschdenken ist etwas völlig anderes.] Ebenso sagt man uns jetzt, wenn wir nur ganz fest glauben, dass Männer im Kleid Frauen sind, sind sie es auch. (Sogar die Negativseite ist hier da: Man erzählt uns auch, wenn wir Trans“frauen“ nicht mit Lob überhäufen, sind wir schuld, dass sie Selbstmord begehen; eine ziemlich perverse Form der Erpression, bei der auch nie gefragt wird, wo denn früher die Massen an Transpersonenselbstmorden waren, und wieso die Selbstmordrate bei Transpersonen auch nach „geschlechtsangleichenden“ OPs nicht sinkt.)

Die Welt ist einfach nichts, was wir uns erschaffen. Sie tritt an uns heran, ob wir es wollen oder nicht, und es ist Gott, der sie gemacht hat (und böse Menschen und gefallene Engel, die sie teilweise verdorben haben). Auch ein Mann, der gern eine Frau wäre, vielleicht, weil er das Gefühl hat, kein richtiger Mann sein zu können, wird immer ein Mann sein.

Und auch die Homosexuellenideologie war da schon dasselbe wie die Genderideologie; auch die ignorierte schon, wie die menschlichen Geschlechtsteile eigentlich zusammenpassen, und führte zu selbstschädigenden Lebensweisen.

(Dein Körper ist nicht dazu gemacht, Reißnägel zu verdauen, Mann. – Haha, netter naturalistischer Fehlschluss!)

Auch dass dieser Trend Kindern und Jugendlichen aufgedrängt wird, damit sich Erwachsene mit solchen Neigungen bestärkt fühlen, ist nichts Neues; zuerst wurde eben Homosexualität und dann Transgenderismus in die Lehrpläne aufgenommen. Drag Queen Story Hours im Kindergarten sind da zu erwarten.

Aber Kinder haben ein Recht auf das Wirkliche und das Natürliche.

Sie müssen generell nicht allzu früh mit Infos über Sex überhäuft werden, aber ihnen in der 4. Klasse zu erklären, woher die Babies kommen und was sich in der Pubertät bei ihnen verändern wird, ist sinnvoll. Bei der Genderideologie dagegen ist es nicht so, dass Schulkinder dafür einfach zu jung wären; sie ist zwar besonders schädlich für sie, weil sie so jung sind, aber sie ist auch noch schädlich für Ältere. Natürlich müssen sie irgendwann davon erfahren, dass es sie gibt – im selben Sinn, wie sie irgendwann erfahren müssen, dass es Scientology und Wahrsager gibt. Man muss sie irgendwann darüber aufklären, was die Genderideologie tatsächlich ist, und sie davor warnen. Aber eine Zeitlang können sie auch einfach davor geschützt werden.

Das Sein ist auch das Gute. Wir haben eine bestimmte Natur, und der kann man nie wirklich entkommen; man kann sich bei dem Versuch nur selber zerstören.

Die Gefahren des „linken“ Katholizismus

Es ist ein wiederkehrendes Phänomen in der Geschichte der Kirche: Katholiken, die sich irgendwie von der für sie langweiligen Kirche abgrenzen, aber trotzdem (vorerst) noch gute Katholiken bleiben wollen, die in gewissem Maße zeittypischen beliebten Strömungen verfallen, und die in ein gewisses utopistisch-idealistisches Denken verfallen. Seit 200 oder 300 Jahren sind das eben diese Leute, die man gemeinhin „links“ nennt. Und das ist kein harmloses Phänomen, vor allem, weil diejenigen unter Umständen nicht mehr für längere Zeit Katholiken bleiben.

Linke Christen geraten einfach sehr leicht in eine der folgenden typischen linken Fallen (auch wenn sie erst mal aus guten Motiven links werden) :

  • Man denkt, dass die Sache mit dem Jenseits nur als Vertröstung verwendet wird (auch wenn sie an sich vielleicht wahr sei), und dass es vor allem drauf ankomme, jetzt die Welt zu verbessern, wofür dann immer mehr Mittel den Zweck heiligen sollen.
  • Man will besonders radikal und konsequent sein oder erscheinen und sich von den „verbürgerlichten“ Christen abgrenzen, also muss man sich dafür irgendwelche Methoden suchen. Das wird dann z. B. radikaler Pazifismus, den man damit begründet, man würde endlich die Bergpredigt ernst nehmen, oder Zusammenleben in Gütergemeinschaft auch bei Familien statt nur bei ledigen, unabhängigen Personen in Ordensgemeinschaften. Dorothy Day zum Beispiel (die sicher eine sehr fromme und idealistische Frau war) trieb diesen Pazifismus in ihrer Gemeinschaft so weit, dass sie es ablehnte, irgendetwas gegen Mitglieder zu tun, die andere bestahlen und die Gemeinschaft ausnutzten. Damit stellt man sich aber früher oder später gegen das, was die Kirche 2000 Jahre lang verkündet und gelebt hat. Notwehr z. B. ist völlig legitim und gut; und ein normales „bürgerliches“ Leben mit Bürojob, Einfamilienhaus, vier Kindern und einmal im Jahr Urlaub in Italien ist ebenfalls gut und passend für Laien und keine Sünde. Die sind dadurch nicht schlechte Christen und können auch so in ihrer Familie ein starkes Gebetsleben aufrecht erhalten und die Nächstenliebe füreinander und für andere pflegen, und die Kirche hat sie nie für verurteilenswert gehalten, auch wenn man vielleicht noch heiliger leben könnte. Und so entfernt man sich nach und nach, zuerst vielleicht unbewusst und nur gefühlsmäßig, immer mehr von der Kirche. Irgendwann kommt der Punkt, an dem man sagt: Ok, die Kirche lehrt das als angeblich unveränderliche Lehre, aber nein, das nehme ich nicht an.
  • Man wird arrogant, weil man für das große Ganze, den Weltfrieden, die Beendigung aller Armut und Unterdrückung eintreten will, und dabei leicht vergisst, dass man ein konkreter Mensch mit konkreten Verantwortlichkeiten für andere konkrete Menschen ist. Linke halten es oft für wichtiger, auf die richtigen Demos zu gehen (egal, ob die was bewirken oder nicht), als ihre Familie zu lieben. Ein Beispiel dafür wäre Ulrike Meinhof, die in ihrer Jugend- und Studentenzeit evangelische Christin war, bevor sie sich zum Kommunismus bekehrte.
  • Man gewinnt an Beliebtheit bei den Medien und der Öffentlichkeit, die selber links sind und denen erst mal alle Christen sympathisch sind, die sich von der bösen Kirche abgrenzen. Diese Beliebtheit kann einem leicht zu Kopf steigen, oder man wird sich einfach daran gewöhnen und sie nicht mehr verlieren wollen, und deswegen dazu neigen, Aspekte des Glaubens, die die Linken ablehnen, nicht so sehr zu betonen, sondern eher peinlich berührt zu verstecken, und sich sehr schnell und auf übertriebene Weise von weniger linken Christen abgrenzen; wer nicht links sei, wäre gar kein „wirklicher“ Christ mehr. Ein gutes Beispiel dafür ist Thomas Merton. Er konvertierte 1938 zum Katholizismus, wurde Mönch in einem amerikanischen Trappistenkloster, und bald sehr bekannt für seine geistlichen Schriften, die Konversionen und Ordenseintritte inspirierten. Nach und nach wurde er jedoch immer „linker“, suchte Kontakt zu den bekannten Köpfen der Pazifisten und Sozialisten der 60er, wurde seine Klostergemeinschaft leid, und zog sich in eine „Eremitage“ auf dem Klostergelände zurück, was er statt zur Zurückgezogenheit einfach dazu nutzte, Kontakte nach außen aufzubauen. Er hatte eine kurze Affäre mit einer halb so alten Krankenschwester, wurde recht ruhmsüchtig und eitel, und interessierte sich für östliche Religionen.
  • Es ist eine gewisse Zerstörungswut da, die sich als Radikalität tarnt. Man ist irgendwie missmutig, will was kaputt machen, und sagt sich, dass es eben nötig sei, bestehende Realitäten radikal zu zerschlagen, um dann irgendetwas Besseres aufbauen zu können. Dabei vergisst man leicht, dass Zerstören viel leichter ist als Aufbauen, und es nicht garantiert ist, dass nach der Zerstörung etwas Besseres aufgebaut wird.
  • Man übernimmt das Narrativ, dass Hierarchie dasselbe wie Unterdrückung und Gleichheit dasselbe wie Gerechtigkeit sei. Jede Art von Herrschaft gilt als ungerecht. Das steht in einem ziemlichen Kontrast zur klassisch-christlichen Vorstellung, dass verschiedene Hierarchien notwendig und gut sind, und auch der Gehorsam gegenüber anderen – das Hintanstellen des eigenen Willens – oft etwas Gutes ist (im richtigen Maß und im richtigen Zusammenhang natürlich).

Dabei ist es einfach nur sinnlos und unnötig, sich irgendwie an Linken zu orientieren.

Nehmen wir das traditionelle Thema der sozialen Gerechtigkeit. Marx baut auf lauter Fehlannahmen auf und seine Ideologie war nie erfolgreich; wieso sollte man bei ihm Inspiration suchen? Der traditionelle Katholizismus gibt schon genug Grundlagen dafür, z. B. gegen Zins- und Preiswucher zu sein, einen gerechten Familienlohn (also einen Lohn, mit dem ein Vollzeitarbeiter eine mittelgroße Familie ernähren kann) als striktes Recht zu sehen, Pflichten der Arbeitgeber gegenüber den Arbeitnehmern zu sehen, für Solidarität bei der Sicherstellung des Lebensunterhalts für Alte, Kranke, Behinderte, Arbeitslose zu sein, und die Ansammlung von extremem Reichtum in den Händen weniger zu kritisieren. Der Katholizismus sagt auch, dass die Güter der Erde eigentlich für das Wohl der gesamten Menschheit bestimmt sind; es muss nicht jeder genau gleich viel haben, aber es ist kein gutes System, wenn viele Leute zu wenig haben. Aber gleichzeitig sagt der Katholizismus eben auch, dass es gut ist, dass die Güter der Erde als Privateigentum aufgeteilt sind; dass es ein natürliches Recht ist, sich Privateigentum zu erwerben; dass gewaltsame Änderungen normalerweise sehr viel mehr schaden als nützen und Klassenkampf falsch ist; dass nicht alles vom Staat zentral geplant werden soll, weil es besser ist, Dinge vor Ort selbstständig zu erledigen, solange das praktisch möglich ist; dass nicht genaue Gleichheit herrschen muss, sondern es völlig ok ist, wenn manche mehr haben, als sie benötigen, solange sie dabei nicht andere ungerecht behandeln. Auch sehr „rechte“ Christen haben für soziale Verbesserungen gesorgt, z. B. Engelbert Dollfuß in Österreich oder (um ein heikleres Beispiel zu nehmen) Antonio Salazar in Portugal, und natürlich auch „mittige“ Christen wie Konrad Adenauer. Nicht nur der Sozialismus hatte Ideen für soziale Gerechtigkeit, sondern auch Korporatismus, Distributismus, soziale Marktwirtschaft.

Auch die Kritik an schlechten Herrschern ist nichts, was Linke erfunden haben; zu allen Zeiten haben unsere Heiligen den Herrschern gepredigt, dass sie sich damit, wie sie mit ihrer Verantwortung umgehen, entweder ewige Glückseligkeit oder ewige Strafen verdienen, und dass Gott nicht auf die Person sieht. Und im christlichen Mittelalter war man auch nicht der Ansicht, dass man sich von Tyrannen alles gefallen lassen muss. Freilich sah man immer auch die Gefahren bei gewaltsamen Umsturzversuchen, die am Ende meistens nur zum Putsch eines neuen Tyrannen werden, daher gab man sich eher damit zufrieden, wenn ein König nach einem Verbrechen öffentlich Buße tun und Besserung geloben musste.

Aber soziale Gerechtigkeit ist ja nicht das einzige Thema, auf das sich Linke konzentrieren. Heute sind es in viel größerem Ausmaß: Migration, Kriminalität, Feminismus, LGBTQ. Und dabei wird es manchmal noch deutlicher, wie sehr sie sich vom Christentum entfernen.

Thema Migration: Hier ist es noch nicht gleich so klar. Migration ist etwas, worüber die Kirche wenig Vorschriften macht, und das sehr vom Kontext abhängig ist. Sie sagt dazu grundsätzlich sogar: Die Erde ist als Ganze für die ganze Menschheit da, und deshalb sollen Staaten für Einwanderer in Not da sein, und ihnen Möglichkeiten zur Ansiedlung und Arbeit bieten. Das ist allerdings nicht absolut; so schreibt Papst Pius XII in „Exsul Familia“ (Hervorhebungen von mir): „Deshalb darf die Grundherrschaft der einzelnen Staaten, wenn sie auch zu achten ist, nicht so gesteigert werden, dass, während die Erde ringsum eine Fülle von Lebensmitteln für viele darbietet, aus ungenügenden und unbilligen Gründen den anderswo geborenen und wohlgesitteten Bedürftigen der Zutritt verweigert wird, sofern dies dem gerecht abgewogenen öffentlichen Interesse nicht widerspricht. Daraus ergibt sich: Kein Staat ist verpflichtet, Kriminelle aufzunehmen oder weiter zu beherbergen; es kann gerechte Gründe des Gemeinwohls geben, bestimmte Migranten nicht aufzunehmen, oder allgemein wenig Migranten aufzunehmen; und ein Recht auf Aufnahme kann es nur für wirklich Bedürftige geben. Und solche gerechten Gründe des Gemeinwohls sind offensichtlich da vorhanden, wo die Migranten aus einem völlig anderen Kulturkreis kommen, sich normalerweise nicht anpassen, den sie aufnehmenden Staat oft verachten, überdurchschnittlich oft kriminell sind, und oft über ihre Herkunft lügen, und auch andere Alternativen haben und sicher nicht dem Tod ausgeliefert sind, wenn man sie abweist. Nächstenliebe gilt auch für die eigenen Leute; in unserem Fall z. B. für deutsche Kinder, die zur gemobbten Minderheit an sog. „Brennpunktschulen“ werden, oder für Verbrechensopfer wie Maria Ladenburger. Und dann ist die sog. „Hilfe vor Ort“ ja oft auch effektiver; und wenn man die ganze Dritte Welt aufnähme, würde man nur selber zu Dritten Welt. Und es entspricht auch – besonders in einer Demokratie, wo das Volk herrschen soll – dem Gemeinwohl, dass die Zusammensetzung des Volkes nicht einfach so drastisch geändert wird, sodass es plötzlich zur Hälfte aus Leuten besteht, die zwar auf schnellem Weg eine Staatsbürgerschaft erwerben konnten, aber sich kaum mit dem Volk identifizieren. Das ist im Endeffekt eine Art Putsch. Mit Exsul Familia lässt es sich sehr gut begründen, z. B. Flüchtlinge vor dem Ukrainekrieg großzügig aufzunehmen, aber keine Wirtschaftsmigranten aus Nigeria oder Marokko.

Bei diesem Thema ist nicht so sehr die Einstellung „linkerer“ Christen verstörend, sondern vor allem, wie hasserfüllt sie auf Christen reagieren, die mit solchen Abwägungen zu einem eher migrationskritischen Fazit kommen; denen wird sofort vorgeworfen, keine Nächstenliebe zu haben und keine wirklichen Christen mehr zu sein. Niemand leugnet, dass Migranten Rechte haben; aber wer leugnet, dass es manchmal völlig legitim ist, Leuten nur temporär Asyl zu gewähren, bis sie in ihr Heimatland zurückkehren können, oder dass man Leuten nicht Asyl gewähren muss, die schon in einem anderen sicheren Staat untergekommen sind, stellt sich einfach blind, und der Grund hierfür wird vor allem der sein, dass man sich bei den herrschenden Linken nicht unbeliebt machen will, dass man als „die Guten“ gelten will (statt es zu sein).

Thema Kriminalität: Hier wird es schon etwas deutlicher, und hier sind Linke ja vor allem bekannt dafür, für gewöhnliche Kriminelle immer geringere Strafen [und für politische Gefangene in kommunistischen Ländern immer höhere] gewollt zu haben. Manche amerikanische Linke sind mittlerweile so weit, dass sie dafür eintreten, Polizei und Gefängnisse ganz abzuschaffen; mit genug Sozialarbeitern und dem, was sie unter sozialer Gerechtigkeit verstehen, werde schon alles gut werden, und die Leute würden gar keinen Anreiz mehr sehen, Verbrechen zu begehen. Hier sieht man eine typische linke Verdrehung. Typisch für Linke ist eine arrogante Überheblichkeit gegenüber dem Gewöhnlichen und Geordneten; die normalen Bürger, die z. B. Opfer von Einbrechern werden, werden verachtet. Auch typisch für Linke ist eine Neigung, die Ausgegrenzten zu Wort kommen zu lassen, was an sich eine sehr gute Neigung ist, aber hier dazu führt, dass Kriminelle, weil sie (zu Recht) ausgegrenzt werden, als die Unterdrückten gelten – und wer unterdrückt ist, muss laut linker Lehre gut sein – und daher alle Aufmerksamkeit bekommen. Also hat der Einbrecher eben keinen Anschluss gefunden, und muss rehabilitiert werden; man tritt ihm mit dem festen Glauben gegenüber, er wolle eigentlich lieb sein. Dass es einfach Menschen gibt, die auf eine dumme, gewöhnliche Weise brutal, gehässig, gierig sind, wird nicht mehr registriert. Eine solche Barmherzigkeit wird aber interessanterweise gewöhnlichen „Bürgerlichen“, die die falsche politische Einstellung (z. B. gegenüber Kriminellen) haben, nicht entgegengebracht; das sind die eigentlich Bösen.

Hier sieht man jedenfalls einen ziemlich klaren Unterschied zu dem, was früher im Christentum üblich war. Auch früher begleiteten Priester jeden Verurteilten noch bis zum Schafott, redeten ihm gut zu, brachten ihn oft dazu, zu bereuen und zu beichten. Aber sie redeten ihm auch zu, seine Strafe als Sühne zu akzeptieren, und lehnten die strafende Gerechtigkeit des Staates nicht im geringsten ab, auch wenn sie unter Umständen für Milderungen und Begnadigungen eintraten. Ich will hier nichts gegen humane Gefängnisse sagen; auch ein serienmäßiger Einbrecher muss nicht im finstersten Kerker bei einem halben Stück Brot auf einem fauligen Strohhaufen sitzen. Aber er braucht auch keinen Fernseher im Zimmer und keine Bewährung nach einem halben Jahr. Schön sieht man den Unterschied zwischen linken Katholiken und traditioneller eingestellten Katholiken beim Thema Todesstrafe, besonders in den USA, wo linke Katholiken seit Jahrzehnten Aktivismus gegen die Todesstrafe betreiben, und rechten Katholiken vorwerfen, sie wären nicht konsistent, weil sie für die Todesstrafe sind, aber sich gegen Abtreibung einsetzen – als wäre es nicht völlig konsistent, für die Todesstrafe für Serienmörder zu sein, aber gegen das Töten von unschuldigen ungeborenen Kindern. Und wie auch immer man zur praktischen Anwendung der Todesstrafe steht (nach traditioneller katholischer Lehre muss ein Staat sie nicht anwenden, sie ist aber grundsätzlich legitim, und auch Papst Franziskus kann daran nichts ändern): es ist schon ein Zeichen eines kaputten Gewissens, keinen Unterschied zu sehen zwischen der Hinrichtung von fünf Mördern im Jahr nach einem sehr langen Prozess, in dem sie sämtliche Instanzen anrufen konnten, und dem Töten von hunderttausenden ungeborenen Kindern im Jahr auf Auftrag ihrer Mütter. Sich hauptsächlich gegen ersteres einzusetzen und sich damit über andere zu erheben, die sich hauptsächlich gegen letzteres einsetzen, ist jedenfalls nicht katholisch.

Beim Feminismus wird es auch deutlicher. Während man bei Migration leichter verschiedene Meinungen finden kann, wird man im Lauf der katholischen Geschichte kaum Theologen oder Heilige finden, die irgendetwas für den Feminismus übrig hatten. Nicht dass jede einzelne Idee von Feministinnen von der Kirche verdammt wurde; aber die Grundsätze, die Grundstimmung des Feminismus wurden immer abgelehnt. Nein, die Geschlechter sind nicht genau gleich/austauschbar; die Mutterrolle als zentrale Rolle für die Mehrheit der Frauen ist nichts zu Überwindendes; Frauen sind nicht automatisch die besseren Menschen; und es hat auch seine Gründe, wieso die Kirchenhierarchie nur aus Männern besteht und der Mann in der christlichen Familie das Familienoberhaupt ist. Das ist ok, das ist absolut auszuhalten.

Und es ist einfach nicht hilfreich, wenn christliche Feministinnen z. B. behaupten, Abtreibung sei ein Werkzeug des Patriarchats – damit übernimmt man nur das Framing des Gegners und ordnet sich seinen Wertungen unter.

Richtig klar sieht man es aber beim Thema LGBTQ. Linke gehen davon aus, dass die Buchstabensuppenleute eine unterdrückte Minderheit sind, und dass sie deshalb verteidigt werden müssen. Nun sind sie das schlicht und einfach nicht – sog. „Homophobie“ zählt mittlerweile als ziemliches Verbrechen, und die Leute hüten sich davor, Dinge zu sagen, die so ausgelegt werden könnten, und Teenager identifizieren sich mittlerweile gerne als bi, wenn sie irgendwie Anteil am Prestige der LGTBQ-Leute haben wollen, ohne besonders tiefe homoerotische Neigungen zu haben, oder als trans, wenn sie Probleme haben, eine Identität zu finden. Aber auch für früher gilt: Es hatte seinen Grund, wieso die Leute nicht viel von Transvestismus hielten, oder es nicht so toll fanden, wenn Männer „vom anderen Ufer“ sich im Park oder auf der Bahnhofstoilette zum anonymen Sex trafen. All dieses Zeug bedeutete immer, natürliche Geschlechterrollen zu verdrehen und naturwidrigen sexuellen Neigungen nachzugeben. Betroffenen müsste man eher helfen, mit ihrem Geschlecht zurechtzukommen und eine gesunde Identität zu finden und falsche sexuelle Neigungen zu ignorieren, wie man einem Mädchen mit Magersucht helfen müsste, mit seinem Körper zurechtzukommen, statt an ihm eine Fettabsaugung vorzunehmen. Und hier ist die Kirchenlehre nun mal sehr klar, da gibt es noch weniger herumzudeuteln als beim Feminismus. Auch Christen, die z. B. auf die Idee kommen, man solle eben auch in homosexuellen Beziehungen Treue praktizieren und eine unauflösliche kirchliche Homo-Ehe einführen, stellen sich gegen die Kirchenlehre, und wissen auch, dass die Kirche jede homosexuelle Handlung immer verurteilt hat.

(Linkskatholisches Marienbild)

Und ja, es kann natürlich nicht nur Gefahren des „linken“, sondern auch Gefahren des „rechten“ Christentums geben – z. B. dass man die Religion einfach als einen Teil der „abendländischen Kultur“ behandelt, die vor allem deswegen wertvoll ist, weil sie unsere ist, und nicht, weil sie auf der objektiven Wahrheit aufbaut. Rechte Katholiken kommen manchmal in die Gefahr, den Glauben nur als eine Art untergeordnetes identitätsstiftendes Brauchtum zu behandeln (wobei er natürlich identitätsstiftendes Brauchtum entwickelt hat, auch unterschiedliches Brauchtum in unterschiedlichen Ländern). Aber man muss nun mal sagen, dass mehr Ideen, die gemeinhin als „links“ gelten, kirchlich verurteilt oder aus katholischer Sicht sehr problematisch sind als Ideen, die gemeinhin als „rechts“ gelten.

Das Grundproblem ist dasselbe: Es beginnt immer dann, wenn man die Lehre der Kirche (natürlich immer zu unterscheiden von den Meinungen mancher Heiliger oder Theologen) nicht mehr als das Hauptkriterium behandelt, als den Rahmen, in dem man sich bewegt, sondern als eine Richtlinie unter anderen, eine interessante und beeindruckende Tradition, etwas, das vielleicht zum Teil göttlich inspiriert ist, aber doch nicht unfehlbar. Vielleicht hängt es auch damit zusammen, dass man eben irgendwie ungewöhnlich, irgendwie ein Freidenker sein will. Es ist aber völlig ok, ein ganz gewöhnlicher Katholik zu sein, und auch in diesem Rahmen kann man radikal sein (wie die Heiligen eben), kann mitdenken, und wird ab und zu wahrscheinlich sogar zu Meinungen im Rahmen der Kirchenlehre gelangen, die nicht alle anderen Katholiken teilen.

Abtreibung und Selbstbestimmung

Vorbemerkung: Das ist KEIN Kommentar zum Ukrainekrieg. Zu diesem Krieg fällt mir nicht mehr ein, als dass wir beten und Ukraineflüchtlingen nach Möglichkeit helfen müssen, was anderes können wir eh nicht tun.

Das hier ist ein kleiner Gastbeitrag von einem lieben Freund von mir, entstanden aus einer Unterhaltung zwischen uns über einige neulich bekannt gewordene besonders brutale Fälle von Spätabtreibungen. Dieser Freund meinte dazu sehr passend, wenn man dieselbe Argumentation, die Abtreibungsaktivisten verwenden, auf anderen Gebieten anwenden würde, könnte z. B. so etwas herauskommen:

„Putin geht doch nur seinen Rechten nach, als Diktator muss man doch frei sein, über seine Gebiete herrschen zu dürfen, ohne durch ungewollte Bewohner, die eh für ihn keine Menschen sind, eingeschränkt zu werden durch Gesetze, die nur dazu dienen Diktatoren zu unterdrücken.

Diese Diktatorenhasser wollen nur kontrollieren, was Diktatoren mit ihrer Macht tun.

Das geht aber niemanden etwas an. Es ist nur eine Sache zwischen einem Diktator und seinen Soldaten.

Kein Soldat darf das Recht haben, sich gegen die Entscheidung eines Diktators zu stellen, der das Recht hat, mit seinen Gebieten zu machen, was er will.

Er hat nicht zugestimmt, dass es unabhängige Bewohner mit eigenem Existenzrecht gibt, und selbst wenn, hat er jederzeit das Recht, sich umzuentscheiden.

Keiner hat das Recht, die Freiheit von Diktatoren einzuschränken. Diktatorenrechte sind Menschenrechte.

Wenn ein Diktator sagt, dass ihm ein Gebiet gehört, dann gehört es ihm auch. No Ukraine, no Opinion.“

Und besser kann man es meiner Meinung nach nicht ausdrücken.

Freut euch und jubelt!

Der Papst wird Russland (und die Ukraine) dem Unbefleckten Herzen Mariens weihen, wie es die Gottesmutter in Fatima 1917 von den Seherkindern Lucia, Jacinta und Francisco gewünscht hat, und wie es jetzt viele Katholiken wieder gewünscht haben; wahrscheinlich hat das inzwischen jeder mitbekommen. Das ist so ziemlich das Beste – und eins der wenigen guten Dinge überhaupt -, die seit 2013 aus Rom gekommen sind (und es zeigt auch, dass Gott noch die allerschlimmsten Kleriker wie diesen Papst zu seinen Werkzeugen machen kann). Ich freue mich schon wahnsinnig, und wahrscheinlich realisiere ich nicht mal wirklich, wie sehr ich mich freuen müsste; man realisiert so etwas kaum, wenn man mittendrin ist. Es musste zwar erst ein Krieg passieren – und davor eine Mehr-oder-weniger-Pandemie und ein paar halbe Diktaturen -, aber es wird passieren, Russland wird Maria geweiht werden.

Ja, schon Johannes Paul II. hat 1984 die Welt dem Herzen Mariens geweiht, und dabei im Stillen hinzugefügt: „insbesondere Russland“ (nur im Stillen aus diplomatischen Gründen). Und laut der Seherin Lucia hat der Himmel das anerkannt, und wenig später begann Gorbatschow mit „Glasnost und Perestroika“, der Ostblock brach zusammen, die Christenverfolgung dort hatte ein Ende, und viel Leid war vorbei. Das war extrem unerwartet, und lässt sich eigentlich nur durch ein Eingreifen des Himmels erklären.

Aber es ist doch noch einmal etwas anderes, ob man es noch einmal ganz ausdrücklich so macht, und jedes Bemühen, dem Wunsch Mariens besonders direkt zu folgen, und nicht aus diplomatischen Gründen zurückhaltend zu sein, wird der Himmel sicher gern sehen. Manche Leute sind jetzt schon wieder etwas pessimistisch, weil es auch wieder nicht genau so gemacht würde, wie Maria es wollte, aber ich denke, dass es vor dem Himmel sehr viel wert sein wird. Es ist groß angekündigt worden, sodass sämtliche Bischöfe die Gelegenheit haben, mitzumachen, und zwar unter ausdrücklicher Erwähnung Russlands; und die Hinzufügung der Ukraine bedeutet doch, eher mehr zu machen, als gefordert, nicht weniger?

Ich glaube, wir können von jetzt an ein bisschen optimistischer in die Zukunft sehen. Vielleicht ist es schon zu spät, um manches abzuwenden, vielleicht auch nicht; aber auf jeden Fall ist es eine gute Nachricht. Und hoffentlich wird es wenigstens der Ukraine bald den Frieden bringen.

Übrigens: Bischof Athanasius Schneider hat ein Novenengebet veröffentlicht, für das Anliegen, dass die Bischöfe alle mitmachen, und das Ganze auch wirkungsvoll ist – denn natürlich hängt die Wirkung auch von den Gebeten aller ab. Also ab heute jeden Tag bis zum nächsten Freitag beten:

PS: An dieser Stelle vielleicht noch eine Erklärung für nichtkatholische Mitleser, die sich fragen könnten, wieso Gott (durch seine Heiligen) Forderungen stellt, die man erst erfüllen muss, bevor er eingreift, und noch dazu Forderungen nach Gebeten an Ihn? Nun, ganz einfach: Gott will unsere Mitwirkung an allem, Er gibt uns Macht, wirklich etwas in dieser Welt zu bewirken, durch zwei Mittel, nämlich Taten und Gebet, und Er will, dass wir für die ganze Welt, besonders unsere Nächsten und unsere Feinde, beten, und sie Ihm anempfehlen. Und er fordert (in diesem Fall) nicht mal große Heldentaten, sondern wirklich bloß das Gebet und den Gehorsam bzgl. der Art dieses Gebets, und hat uns dafür viel versprochen. Allgemeines zum Bittgebet hier.

Die Piusbruderschaft und Corona

Pater Davide Pagliarani, der Generalobere der Piusbruderschaft, hat im Dezember nach einem Vortrag in den USA auf Nachfragen spontan einiges zum Umgang mit Corona gesagt, speziell dazu, wieso die Piusbruderschaft so vorsichtig dabei ist, sich hier zu positionieren. An meiner Kapelle hat heute der Priester ein wenig darüber gepredigt, und den Text am Eingang ausgelegt. Ich dachte, das könnte für einige Leser ganz interessant sein – vielleicht gehen ja auch ein paar meiner Leser wie ich zu Pius-Kapellen, oder interessieren sich einfach nur dafür, was die Piusbrüder dazu zu sagen haben, auch wenn es nur ein paar spontane Gedanken des Generaloberen waren. Von der Seite des Papstes und der meisten deutschen Bischöfe hört man ja zurzeit immer nur: „Impfenlassen! Impfenlassen!“ Und das fast schon mit Höllendrohungen gegen Ungeimpfte.

Die Piusbruderschaft hat sich ja schon länger einmal zur moralischen Seite der Corona-Impfungen geäußert: Die Testungen an Zelllinien von abgetriebenen Kindern waren absolut illegitim und unmenschlich, aber es ist aus einem ernsthaften Grund erlaubt, an solchen Zelllinien getestete Medikamente zu nehmen. (Um das vielleicht für zweifelnde Leser noch einmal deutlicher zu machen: Man stelle sich vor, China entwickelt ein Medikament und testet es dabei an politischen Gefangenen und macht auch Experimente mit deren Leichen. Nun ist das Medikament bereits auf dem Markt, und es gibt einen ernsthaften Grund, es zu nehmen (z. B. dass man sonst einem großen medizinischen Risiko ausgesetzt ist, aber z. B. auch, dass man wegen einer staatlichen Vorgabe seinen Job verlieren würde, wenn man es nicht nimmt). Darf man es nehmen? Ja. Man war nicht beteiligt an diesen Grausamkeiten und dieser Leichenschändung, man hätte sie verhindert, wenn man es könnte. Aber nun ist das Medikament nun mal da, man kann nichts an der Situation ändern. Manchmal darf man es in Kauf nehmen, von den Schandtaten anderer Menschen zu profitieren – das kann man auch nicht immer ganz verhindern.) Es wäre freilich etwas anderes, sich direkt mit embryonalen Stammzellen, also Leichenteilen, behandeln zu lassen – das wäre quasi Kannibalismus. Hier wäre man selbst es, der etwas Böses täte. Natürlich darf man es aber auch bei diesen Impfungen weiterhin ablehnen, sich auf irgendeine Verbindung zu dieser Leichenschändung einzulassen. Aber eine Sünde ist das Impfen nicht. (Auch wenn ich einen einzelnen FSSPX-Priester an einer Nachbarkapelle schon mal in dieser Weise habe predigen hören. Der Pater an meiner Kapelle hat heute noch einmal betont, Jesus werde uns nicht nach dem Impfstatus beurteilen.)

Aber zur medizinischen Seite und zur Frage nach einer Impfpflicht war von offizieller Seite der FSSPX bisher nicht viel zu hören. Daher jetzt zu Pater Pagliaranis Antwort.

Er erkennt einige Probleme ausdrücklich an:

„Dahinter steckt ein großes Geschäft. Die Nebenwirkungen einer noch nicht genügend erforschten Impfung sind nicht ausreichend bekannt. Das ist ein Problem. Aber es gibt ein weiteres. Es scheint, dass die Impfung nicht lang genug wirkt, nicht ausreichend schützt. Wir haben also hier eine medizinische Seite des Problems und damit verbunden eine politische Seite. […]

Man spricht ja jetzt schon viel über die dritte Impfung und dann über eine jährliche Booster-Impfung. Wie lange wird das Problem dauern? Ist das alles kompliziert? Ja! Ist das alles etwas verrückt? Ja! Ist der Stress, der auf der ganzen Menschheit lastet, verständlich? Ja! Ist es erlaubt, über all diese Probleme Fragen zu stellen? Ja! Ist es legitim, gegen verpflichtende Impfungen zu sein? Ja! Aber …!

Aber dieses große Problem ist mit einem medizinischen Thema verbunden. Das ist der Hauptgrund, warum die Bruderschaft sich nicht direkt zu diesem Thema äußert. Natürlich kann jeder Priester einen Rat geben. Aber die Priesterbruderschaft St. Pius X. als solche wird sich auf diese Debatte nicht einlassen. Die Mission der Bruderschaft liegt nicht in der Behandlung medizinischer Fragen, nicht darin, Antworten zu geben zu den möglichen gesundheitlichen Folgen der Impfung. Das gilt nicht nur für Covid, sondern für alle anderen Arten von Medikamenten. […] Nehmen wir an, es wäre ein Medikament gegen Erkältung entwickelt worden, das anscheinend kein Problem darstellte. Stellen wir uns vor, die Bruderschaft würde dieses Medikament empfehlen und man würde anschließend feststellen, dass dieses Medikament allergische Reaktionen hervorriefe – in diesem Fall wäre die Bruderschaft verpflichtet, Antworten zu diesen Allergien zu geben. Was wäre der Fehler hier gewesen? Die Bruderschaft hätte sich selbst in eine drückende Situation gebracht und müsste auf eine Frage antworten, die nicht zu ihrer Mission gehört. Das ist der Hauptgrund, warum wir uns nicht direkt äußern.“

Das ist ja tatsächlich eine gut verständliche Vorgehensweise; erhält sicher auch leichter einen gewissen Frieden.

Dann geht er darauf ein, dass manche Leute jetzt hier kritischer gegenüber der Politik geworden sind, geeinte Kräfte am Werk sehen, die weltweit dieselbe Impfung verpflichtend machen wollen. Und hier sagt er interessanterweise nicht „alles Quatsch“ – sondern weist darauf hin, „dass die Verschwörung gegen die Kirche schon vor dreihundert Jahren begann. Was ist denn der Globalismus? Es ist die Idee, das Projekt, die Absicht, die katholische Kirche durch eine andere universale Autorität zu ersetzen. Sie wissen alle sehr gut, wovon ich spreche. Wir dürfen nicht vergessen, wo der Ursprung dieser Verschwörung gegen die Kirche liegt, die die ganze Menschheit betrifft. Wir müssen diese aktuellen Probleme in diesem größeren Rahmen sehen. Wir können das ganze Bild aber nicht sehen, wenn wir uns auf das aktuelle Problem fokussieren.“

Hier werden sich jetzt einige wahrscheinlich abwenden, weil es so „verschwörungstheoretisch“ klingt. Aber ich denke nicht, dass hier unbedingt ein Geheimclub aus Bill Gates und Xi Jinping gemeint sein muss, sondern es ist einfach eine (mehr oder weniger) geeinte, „verschworene“ Bewegung gemeint, die seit dem 18. Jahrhundert die Kirche bekämpft, Gottesleugnung oder Gotteshass verbreitet, für eine angebliche Autonomie der menschlichen Welt von Gott eintritt, für eine selbergemachte Moral. Und diese Bewegung hat immer und immer wieder in der Praxis für wahnsinniges Unrecht gesorgt („der Zweck heiligt die Mittel“), und für das Auftauchen von geld- und machtgierigen Eliten, die nicht viele Skrupel hatten, weil sie nicht mehr an Gott glaubten. Natürlich gab es auch Spaltungen in dieser Bewegung – z. B. von Liberalismus und Kommunismus. Aber eine solche Bewegung gab und gibt es, diesen grundsätzlichen Wunsch, autonom sein zu wollen von Gott.

Und heute hat man es hier auch nicht mehr nötig, allzu viel geheim zu halten, auch wenn politische Eliten natürlich immer ihre vertraulichen Absprachen und kleinen Geheimnisse haben, und es solche geheimniskrämerischen liberalen Karrierenetzwerke wie die Freimaurer auch immer noch irgendwo gibt. Der Liberalismus und seine Tochterideologien sind tonangebend genug geworden, um ziemlich offen operieren zu können. (Und auch wenn die einzelnen Menschen sich nicht absprechen, sprechen die Dämonen, die sie zu beeinflussen versuchen, sich sicherlich auch ab, sodass auch Leute, die einander nicht kennen, in ähnliche falsche Richtungen gelenkt werden. Satan will ja lieber eine geeinte Attacke führen als viele widersprüchliche.)

Politiker wie Klaus Schwab („The Great Reset“), die davon träumen, die Welt umzuformen, muss man jedenfalls nicht toll finden, um kein „Verschwörungstheoretiker“ zu sein. Dass Politiker sich an massenhafte Kontrollmaßnahmen gewöhnen und sie auch nach dieser Pandemie wohl noch weiter einsetzen wollen könnten (dann mit dem Vorwand „des Klimas“ o. Ä.), sogar in Richtung eines chinesischen Social-Credit-Systems gehen wollen könnten, damit man Bürger aus unliebsamen politischen Richtungen und mit unliebsamen Verhaltensweisen von vornherein klein hält, ist auch nicht gerade weit hergeholt. Menschen, die Macht haben, werden von Macht korrumpiert, und vor allem korrumpierte Menschen suchen nach Macht und arbeiten sich in Parteienintrigen hoch. Und diese Menschen verhalten sich entsprechend, wollen die Macht für sich sichern. Und das alles passt schon auch in deren politische Agenden, die sie seit langem verfolgen. Dazu müssen sie keine übermächtigen, dämonenhaften James-Bond-Schurken sein.

Weiter meint Pater Pagliarani dazu interessanterweise:

„In diesem Jahr konnten – da die Aufmerksamkeit aus verschiedenen Gründen auf der ganzen Welt auf das Impfthema gerichtet war – in sehr, sehr vielen Ländern die schlimmsten Gesetze gegen die sittliche Ordnung erlassen werden. In Westeuropa ist jetzt fast überall die ‚Ehe‘ unter Personen gleichen Geschlechts eingeführt. In einem Land wird darüber noch ‚debattiert‘. Aber unser Fokus liegt nicht darauf, sondern woanders. Daher ist es viel einfacher, solche staatlichen Gesetze einzuführen und voranzutreiben. Der Hauptausdruck des Globalismus, nämlich die Zerstörung des natürlichen Sittengesetzes und der Ordnung, die die Kirche bewahrt und geschützt hat, ist die Schaffung einer neuen ‚Welt‘ mit neuen ‚Gesetzen‘, mit einer neuen Autorität. Mit oder ohne Covid, mit oder ohne Impfung. Dieser Globalismus begann nicht erst vor einem Jahr. Er ist viel älter.“

Das ist sicher auch bedenkenswert. In Deutschland z. B. soll ja jetzt ein „Selbstbestimmungsgesetz“ durchgepeitscht werden, das es jedem jederzeit erlauben wird, sein Geschlecht ohne irgendwelche Vorgaben rechtlich zu ändern (was heißt, dass wir uns, wie schon in England, auch hier auf Männer mit speziellen sexuellen Vorlieben in Frauenkrankenzimmern, auf Frauentoiletten und in Frauengefängnissen gefasst machen dürfen). Eine weitere Lockerung des Abtreibungsrechts steht uns auch bevor. Ich kann mir schon vorstellen, dass das unter normalen Umständen evtl. mehr Aufmerksamkeit bekommen und mehr Widerstand erzeugen hätte können (soweit die Deutschen eben zu Widerstand fähig sind). Da ist Corona eine willkommene Ablenkung für die Politiker.

Außerdem betont Pater Pagliarani aber, dass man auch die übernatürliche Seite des Geschehens sehen müsse. Und hier spricht er ein von anderen Theologen selten angesprochenes Thema an: Leid als Strafe.

„Ein anderer Punkt, der sehr wichtig ist: Bewahren wir einen übernatürlichen Blick auf die Realität. Man wird einwenden: ‚Ja, ihr Priester sprecht ständig über die Übernatur, aber hier geht es um die Impfung. Hier geht es um eine Flüssigkeit, nicht um das Übernatürliche.‘ Vorsicht, so antworte ich: Covid ist wie jede andere Krankheit in der Geschichte eine Strafe, die durch die göttliche Vorsehung erlaubt wird, um uns zu reinigen. Es gibt eine Gefahr, die ich in meinem Vortrag vorhin erwähnt habe. Wir haben zwar die Tradition bewahrt, wir sind aber deshalb noch keine besseren Menschen als die anderen. Wir sind nur arme Sünder. Wenn es eine universale Züchtigung gibt, dann auch für uns. Wenn Gott Covid erlaubt hat, dann nicht nur wegen der Sünden der anderen, sondern auch wegen unserer Sünden. Auch Traditionalisten und traditionstreue Katholiken sterben an Covid!“

Natürlich ist es so, dass irdisches Unglück oft auch mehr und anderes ist als eine Strafe. Aber Gott kann es – zumindest für viele Menschen – auch als Strafe nutzen, die sie natürlich auch bessern und zur Einsicht bringen soll. Und wer es annimmt, für den wird es zur Sühne, die reinigt. Ich finde es gar nicht schlecht, dass das auch mal gesagt wird.

Dann spricht Pater Pagliarani noch einen anderen Punkt an, nämlich dass die FSSPX sich auch wegen der Allianz der Impfgegner zurückhalte, unter denen in einigen Ländern auch Linksextreme seien. Und bei seinen Ausführungen hier kann ich ihm teilweise nicht zustimmen. Er sagt:

„Wenn solche gegen die Impfung sind, dann in welchem Namen? Im Namen von individueller Freiheit, von Menschenwürde und Menschenrechten. In einem Satz: ‚Mein Körper gehört mir!‘ Mit meinem Leben mache ich, was ich will. Deshalb entscheide ich selbst, ob ich mich impfen lassen will oder nicht. Wir finden dieselben Slogans der 60er und 70er Jahre des vorigen Jahrhunderts – ‚Mein Bauch gehört mir‘ – bei einer gewissen ‚Frauenbewegung‘. Die Prinzipien der ’neuen Weltordnung‘ finden wir aber schon 300 Jahre vorher im Namen der ‚Menschenrechte‘ und ‚Menschenwürde‘. Seien wir vorsichtig! Auf der anderen Seite des Spektrums, bei den Impfbefürwortern, finden wir sie aber auch. Ich glaube, es ist nicht schlecht, wenn wir auf diesen Punkt hinweisen. Es scheint paradox, aber sie kämpfen im Namen der gleichen Prinzipien, im Namen der ‚Menschenrechte‘ und im Namen der ‚Freiheit‘. Die Prinzipien sind die gleichen, aber nicht die Schlussfolgerungen. Sie wollen eine Impfflicht, um zur ‚Normalität‘ zurückzukehren. Die Impfbefürworter fühlen sich durch die Impfgegner in ihrer Freiheit verletzt und eingeschränkt. Durch diese Leute werde man jetzt am Reisen und am Urlaub, am Geldverdienen und am Genuss des Lebens gehindert.  Wegen ‚der anderen‘ müsse man noch Maske tragen oder vielerlei Einschränkungen auf sich nehmen. Deshalb fordert man im Namen der ‚Menschenrechte‘ die Zwangsimpfung. Keine Einschränkung meiner Freiheit durch andere! Deshalb müssen wir alle geimpft werden. Es ist, wie gesagt, ein scheinbares Paradox: Im Namen der gleichen Prinzipien steht man auf der einen oder der anderen Seite.“

Hier muss man m. E. unterscheiden. Es gibt eine grundfalsche Idee von Freiheit, die etwa so aussieht: „Die Menschheit soll selber entscheiden, was sie tun will und welche Rechte und Freiheiten Menschen haben sollen, von Gott kommt da nichts, sondern wir erklären zu Recht und Gerechtigkeit, was wir wollen. Und vor allem darf jeder alles tun, womit er nicht diese vereinbarten Freiheiten anderer verletzt, er darf sich auch selbst zerstören, oder jemand anderen zur Selbstzerstörung überreden, alles in Ordnung – es ist ja sein Problem. Überhaupt sind wir keine Gemeinschaft, sondern navigieren eben so aneinander vorbei und maximieren unsere jeweilige Freiheit.“ Das ist die falsche Idee des Liberalismus, die die Kirche immer verurteilt hat.

Aber es gibt auch viel ältere, kirchliche Ideen von Rechten und Freiheiten, von „natürlichen Rechten“, die Gott in unsere Natur gelegt hat, weil wir als Menschen eine hohe Würde haben. Dass die Begriffe „Menschenrechte“ und „Menschenwürde“ von eingebildeten Libertins des 18. Jahrhunderts gekapert wurden, sollte uns als Tradis nicht dazu bringen, sie ihnen kampflos zu überlassen; sie gehören eigentlich uns. Und im Bereich der Medizin sieht es jetzt mit Rechten und Pflichten erst mal so aus:

Jeder Mensch hat sein Leben von Gott erhalten und soll normale, vernünftige Sorgfalt darauf anwenden, es zu erhalten – er darf sich z. B. nicht selber umbringen, auch nicht durch einen Hungerstreik o. Ä., oder durch Russian Roulette sein Leben riskieren, oder sich seine Gesundheit total mit Drogen ruinieren. Er hat auch die Pflicht, anderen gegenüber Rücksicht zu nehmen, sie nicht auf unvernünftige, unnötige Weise in Gefahr zu bringen. Diese Pflichten können es in einigen Fällen zumindest sehr empfehlenswert, vielleicht auch moralisch verpflichtend machen, sich sichere Impfungen geben zu lassen. Aus katholischer Sicht kann man sogar sagen, dass ein Staat aus gewichtigen Gründen theoretisch eine Impfpflicht einführen könnte – aber eben doch nur aus wirklich gewichtigen Gründen, bei Abwägung aller Risiken und mit wirklichen Ausnahmen für Gefährdete. Bei einer so unwirksamen und nebenwirkungsreichen Impfung wie der Coronaimpfung ist es angesichts der vergleichsweise geringen Gefahr durch Corona natürlich auf den ersten Blick ersichtlich, dass keine staatliche Impfpflicht in Frage kommen könnte.

Denn eins muss man eben doch sagen: Es ist im Normalfall der einzelne, der abwägen muss, was vernünftige Sorge für seinen Körper ist, und welche unter den übermäßig gefährlichen oder anstrengenden oder nicht unbedingt notwendigen Maßnahmen er auf sich nehmen oder ablehnen will. Auch wenn sein Leben ihm nur anvertraut ist, es ist eben vorrangig ihm anvertraut, nicht anderen oder dem Staat. Nur in sehr ernsten Fällen sollten andere eingreifen. Dass für medizinische Eingriffe die informierte Zustimmung des Patienten nötig ist – außer in sehr seltenen Fällen, sagen wir mal, er ist schwer depressiv, hat versucht, sich umzubringen, und will lieber sterben, als sich eine Bluttransfusion geben zu lassen – gehört auch zur katholischen Medizinethik; erst recht, wenn es um Menschenversuche mit einem unerprobten Medikament geht, wo keiner eine Pflicht zur Teilnahme hat. Man hat eben eine Freiheit, besonders eine Freiheit gegenüber dem Staat. (Es wäre auch da, wo es nicht an sich falsch wäre, doch für gewöhnlich sehr gefährlich, medizinische Entscheidungen, die Menschen zutiefst betreffen, dem Staat zu überlassen.)

Und was das schlechte Gefühl bei dem Slogan „Mein Körper gehört mir“ angeht: Die Abtreibungsbefürworter, die damit argumentieren, lügen ja gerade, weil sie eben nicht über ihren, sondern vor allem über den Körper des Kindes entscheiden. Natürlich könnte man auch in ähnlichen Zusammenhängen „Mein Körper gehört mir“ falsch verwenden – z. B. wenn man für Sterilisation oder Kondome argumentieren würde, was die Kirche ja auch ablehnt [Operationen, die als Nebeneffekt die Sterilisation haben, z. B. eine medizinisch notwendige Entfernung einer von Krebs befallenen Gebärmutter, sind nicht mitgemeint]. Hier kommt natürlich wieder das Prinzip ins Spiel: Für seinen Körper soll man sorgen, ihn nicht verstümmeln; die natürlichen Kräfte seines Körpers soll man nicht künstlich kaputt machen. Mit seinem Körper darf man auch nicht alles machen. Insofern verstehe ich schon, wenn man als Katholik diesen Slogan nicht mag. Er wäre aber an sich zumindest keine Werbung für Abtreibungen, sondern zeigt eher auf, wie heuchlerisch und verlogen Abtreibungsbefürworter sind.

Das Bestehen auf der eigenen Freiheit und Selbstbestimmung muss jedenfalls nicht egoistisch und liberal sein; das ist es, was ich damit sagen will, und ich finde, man sollte darauf achten, es nicht so klingen zu lassen.

Zuletzt: Ich fände es tatsächlich besser, wenn die FSSPX sich wegen dieser medizinethischen Abwägungen ein bisschen eindeutiger auch offiziell als Gemeinschaft gegen die Impfpflicht (nicht gegen die Impfung selbst) positionieren würde, und auch gegen solche sicher unverhältnismäßigen und schädlichen Maßnahmen wie weitgehende Besuchsverbote in Krankenhäusern oder die Kündigung ungeimpfter Pflegekräfte. Sich in allen politischen Fragen, wo Katholiken theoretisch unterschiedlicher Meinung sein können, auch wenn die in der Praxis korrekte Meinung sich einem sehr deutlich zeigt, irgendwie durchzuwurschteln und auf Neutralität zu machen ist gute kirchliche Tradition – so scheint sich die Kirche z. B. bei den meisten Kriegen zwischen christlichen Ländern verhalten zu haben -, aber vielleicht kann man es mit dieser Tradition auch mal übertreiben.

Andererseits, als Laiin hat man da leicht reden. Ich muss ja keine Priesterbruderschaft leiten. Und diese Neutralität hat auch ihre definitiven Vorteile, z. B. erlaubt sie einen gewissen Frieden zwischen Laien, die unterschiedliche Meinungen haben, und man verketzert andere nicht zu schnell.

[Kleines Update: In einem Kommentar hat mich jemand gefragt, ob ich in derselben Kapelle war wie er/sie (?) heute. Ich habe den Kommentar nicht freigeschaltet, weil er ein bisschen verklausuliert den Ortsnamen enthielt, und ich in diesem Internet vielleicht etwas übertrieben auf Anonymität bedacht bin. Aber ja, lieber/liebe L. S.: Das war dieselbe Kapelle. In Zukunft würde ich mich über so was aber lieber über die Contact-Seite austauschen 🙂 ]

Täter vs. Mitläufer

Es ist ja in Mode, sich bei Verbrechen nicht so sehr über die wenigen eigentlichen Täter, sondern eher über die vielen Mitläufer, Zuschauer, Wegschauer aufzuregen, die das Verbrechen der Täter möglich machen. So ganz kann ich dabei nicht zustimmen.

Nehmen wir mal die jetzige politische Situation. Die Täter im eigentlichen Sinne wären z. B. Leute, die Fotos von Querdenker-Demonstranten machen und versuchen, deren Arbeitgeber herauszufinden, um sie zu denunzieren; Leiter von Krankenhäusern und Altenheimen, die 2G-Regeln für Besucher einführen, sodass manche alte Menschen allein ohne Angehörige dahinvegetieren müssen; Leute, die gehässig darauf warten, ob irgendein Ungeimpfter an Corona stirbt oder sich in gehässigen Fantasien darüber ergehen, womit man Impfpassfälschung bestrafen sollte; Politiker, die manche Berufsgruppen oder die ganze Bevölkerung zu diesen unseligen Impfungen zwingen wollen, die sogar schon vorschlagen, Ungeimpfte nicht nur mit Bußgeld, sondern mit Verlust des Arbeitsplatzes oder der Rente zu bestrafen; Ärzte, die Impfnebenwirkungen ignorieren und die Leute damit alleinlassen; CEOs dubioser Pharmakonzerne, die schon früher öfter einige Klagen am Hals hatten und sich jetzt Haftungsausschluss für ihre neuen Produkte sichern konnten, deren Wirkungsdauer sich alle zwei Tage zu ändern scheint, usw. Die Taten solcher Leute sind abstoßend, und lassen die Opfer hilflos zurück. Die normalen Leute, die sich brav impfen und boostern lassen, ab und zu ihre ungeimpften Angehörigen in Diskussionen herablassend behandeln oder damit nerven, wann sie sich jetzt endlich impfen lassen wollen, und meinen, wenn Politiker die Impfpflicht beschließen würden, werde das schon seinen Sinn haben, sind etwas ganz anderes. Die sind vielleicht politisch kurzsichtig, wollen es sich bequem machen, sind es einfach nicht gewohnt, sich vorzustellen, dass wir in einem Land leben, in dem Recht und Gesetz nicht eingehalten werden, oder kennen wichtige Informationen nicht, weil die Tagesschau die einfach nicht bringt und sie das Internet höchstens für Google Maps benutzen. Sie haben vielleicht auch einfach dem Gruppendruck nachgegeben und wollen auf der Seite der „Guten“ stehen. Aber sie sind nicht böswillig, genießen es nicht, sich einen Sündenbock zu suchen, gehen vielleicht auch mal auf einen ein – „bei dir mit deiner Gesundheit verstehe ich es ja, dass du bei der Impfung vorsichtig sein willst, aber diese ganzen radikalisierten Querdenker…!“.

Irgendwie fällt es mir jetzt auch leichter, Verständnis für die Mitläufer in anderen, um einiges schlimmeren Diktaturen aufzubringen. Wenn man mitten in der Situation ist, fällt es einem wahrscheinlich oft nicht so leicht, zu sehen, wie schlimm etwas ist, und manches wird ja auch verborgen gehalten, als Feindpropaganda oder Verschwörungstheorie abgetan – und wer will schon Verschwörungstheoretiker sein? (Wieder ein Beispiel aus unserer Zeit: Als es z. B. noch in Mode war, es für eine Verschwörungstheorie zu halten, dass das Coronavirus aus dem Labor käme, waren sogar kritisch denkende Menschen vorsichtig dabei, diese Behauptung in Betracht zu ziehen. Man will ja keinem hohen Herrn in der Volksrepublik China irgendetwas Böses unterstellen, oder gar noch eine Lüge.) Und dann: Selbst wenn man nicht wirklich auf die Propaganda hereinfällt, nicht wirklich „mitläuft“, sich der Beteiligung enthält, sagen sich eben viele: Was soll ich als Einzelner denn dagegen tun? Jetzt und hier hat man zwar noch die Möglichkeit, auf Demos zu gehen, aber z. B. Einzelhändler hätten wahrscheinlich schon Angst davor, die 2G-Regel einfach zu brechen und alle Kunden unkontrolliert in ihr Geschäft zu lassen, nicht gerade wegen KZ-Haft, aber die drohende Schmähung und die Geldstrafen reichen schon als Abschreckung, und man versteht das irgendwie. Und wenn das schon bei so vergleichsweise mildem staatlichem Unrecht wie hier der Fall ist, dann sind die Leute in der DDR (deren Leben von der Stasi zerstört werden konnte) oder die Leute unter Hitler (die in Dachau im KZ verschwinden konnten) sehr viel leichter verstehbar. Ja, was hätte irgendein einzelner Bauer oder ein Student oder eine Hausfrau denn gegen Hitler oder Ulbricht machen sollen? Man muss auch unterscheiden: Manche Arten der Beteiligung muss man immer verweigern, bei anderen gibt es keine moralische Pflicht dazu, das Heldenhaftere zu tun.

Die Standardantwort darauf ist: Aber wenn alle dagegen aufstehen würden…! Aber es stehen nie alle gleichzeitig auf. Irgendjemand muss den Anfang machen, und vielleicht wird er andere nach sich ziehen, vielleicht auch nicht, vielleicht auch einfach nur eine geringe Anzahl. Und solange es nicht viele sind, sind Repressionen leicht. Wenn eine größere „Widerstandsbewegung“ existiert, ist es schon einfacher, sich ihr anzuschließen.

Ich denke, am ehesten sieht man, was in jemandem steckt, wenn der selber in eine Situation gerät, in der er sich entscheiden muss: Soll er den Einzelhändler anzeigen, der einen ungeimpften Kunden reingelassen hat, oder die ungeimpfte Großfamilie, die einfach endlich wieder zusammen Weihnachten feiern wollte? Soll er als Arzt jemandem attestieren, dass er sich wegen einer Vorerkrankung nicht impfen lassen muss, oder wie so viele Ärzte das einfach arrogant verweigern? (Bei diesen Beispielen wäre es sogar ziemlich leicht, das Richtige zu tun und das Falsche zu lassen.)

Das soll jetzt keine Entmutigung für die sein, die sich wirklich einsetzen. Die tun auf jeden Fall das Bessere, und schaffen es vielleicht auch, auf manche Mitläufer zum Guten einzuwirken. Ich bin auch davon überzeugt, dass kein noch so scheinbar sinnloser ehrlicher Einsatz je vergebens ist – und wenn man nur anderen Leuten helfen kann, ihre inneren Überzeugungen über eine schlimme Zeit hinweg zu bewahren. Ich bin sehr froh um jeden, der gerade auf die Demos geht, und würde selber wahrscheinlich anfangen, hinzugehen, wenn ich gerade etwas gesünder wäre. Ich kann mir auch denken, dass es für Verbrechensopfer schlimm ist, zu sehen, wie viele sich für sie einfach nicht interessieren, oder es zumindest nicht wagen, das zu zeigen. Ich denke mir, dass es für alte Menschen in Krankenhäusern, die ihre Angehörigen nicht sehen dürfen, wahnsinnig schlimm sein muss, wenn keiner für sie eintritt. Andererseits, könnte man wirklich von einer Krankenschwester verlangen, die Angehörigen regelmäßig reinzuschmuggeln und damit arbeitsrechtliche Konsequenzen zu riskieren?

Ich will einfach versuchen, jeden auf gerechte Weise zu sehen.

PS: Das soll jetzt aber mal fürs erste genug Politik und Moral sein. Jetzt können wir uns erst mal alle über das Jesuskind freuen, das uns lieb hat und am Ende alles gut machen wird.

Albert Edelfelt - Madonna (1895).jpg

Was ist ein Unrechtsstaat?

Ich werde hier ja nur gelegentlich politisch; meistens will ich hier eher Dinge schreiben, die immer gültig und wichtig sind, und die einen Unterschied im Leben von einzelnen machen können. Aber irgendwann muss man sich auch mal Luft über das Politische machen.

Im Lauf dieser Corona-Zeit ist so viel Unrecht passiert, so viel unglaubliches Unrecht. Menschen mussten allein sterben, manchmal wurden (gesetzwidrigerweise) nicht einmal Priester zu ihnen gelassen, Altenheimbewohner haben monatelang ihre Familien nicht zu sehen bekommen, Existenzen wurden ruiniert, Leute in die Depression getrieben, manche Ärzte haben Ungeimpften eine Behandlung verweigert und in manchen Ländern haben Ungeimpfte ihre Jobs verloren, Menschen wurden generell zu Impfungen gedrängt, die dann bei Schwangeren zu Fehlgeburten und bei Jugendlichen zu Herzmuskelentzündungen geführt haben, und auf Ärzte wurde Druck ausgeübt, Impfnebenwirkungen und Impftote nicht zu melden. Und man fragt sich am Ende: Wozu? Schweden ist gut durch diese Zeit gekommen, ohne solche Maßnahmen, in Afrika ist es ähnlich. In dieser Zeit ist Unrecht passiert, das im Mittelalter nicht einmal zu Pestzeiten passiert wäre; damals wäre niemand auf die Idee gekommen, einen Priester nicht zu einem Sterbenden zu lassen. Menschen haben eine Kaltherzigkeit gezeigt, die ihresgleichen sucht.

Nein; manches ist es einfach nicht wert.

Und das Schlimme ist: Viele Menschen bekommen all das nur so halb mit, sind von den schlimmsten Nachrichten abgeschottet, und reden sich ein, dass – wir sind ja in einem guten Land, wo alles seinen geregelten Gang geht, nicht wahr – die Verantwortlichen schon wissen werden, was sie tun, oder man es ihnen jedenfalls nicht übel nehmen darf, wenn sie mal ein paar Fehler machen, und dass auf jeden Fall alles gut wäre, wenn sich alle hundertprozentig an die Maßnahmen halten und sich impfen lassen würden. Die Politik hat es gut geschafft, einen Keil durch die Leute zu treiben; und manche Leute, die eine boshafte Ader haben, genießen es jetzt, einen Sündenbock – die Ungeimpften, die „Querdenker“, die „Coronaleugner“ (als ob jemand Corona leugnen würde) – zu finden, dem sie die schlimmsten Übel an den Hals wünschen können. Und das alles, während die Politik dafür verantwortlich ist, dass Krankenhausbetten abgebaut wurden und Personal vertrieben wurde.

Ich hatte an sich kein Problem mit dem Prinzip von Notverordnungen und dergleichen; aber mittlerweile frage ich mich, ob es nicht besser gewesen wäre, wenn man der Politik das von vornherein nie erlaubt hätte. Politiker genießen es, Macht auszuüben, und gewöhnen sich gerne daran. Dafür muss man keine Verschwörung postulieren; Machtgier und Beharren auf dem einmal eingeschlagenen Kurs genügt. Und natürlich kann man so die Bürger an Grundrechtseinschränkungen gewöhnen, die man vielleicht als nächstes um des Klimawandels willen einführen will, und an eine ständige Überwachung, die sich leicht zu einem social credit system à la China erweitern ließe. Ist es wirklich so seltsam, zu glauben, dass Politiker nicht immer engelsgleiche Menschen sind, und ideologische Ziele verfolgen können, oder einfach nur von Pfizer-Lobbyisten beeinflusst werden? (Die Verträge über die Lieferung der Impfstoffe sind übrigens immer noch streng geheim; sogar EU-Parlamentsabgeordnete bekommen nur eine fast vollständig geschwärzte Version zu sehen.)

Und als nächstes soll jetzt wohl eine Impfpflicht kommen. Zuerst mit Bußgeldern und Erzwingungshaft als Druckmitteln, aber es wurden auch schon andere Mittel ins Spiel gebracht. Das alles bei einer Impfung, die nur sehr eingeschränkt wirkt, mit einer völlig neuen Technologie, und bei der bisher in den USA um die 10.000 Impftote und in Deutschland 1800 Impftote gemeldet wurden, wesentlich mehr als bei sämtlichen anderen Impfungen zusammen im Lauf von Jahrzehnten, und das, obwohl Ärzte sehr, sagen wir, zögerlich dabei sind, einen Tod als durch die Impfung verursacht oder mitverursacht anzuerkennen. Das Rechtsgut der körperlichen Unversehrtheit und Selbstbestimmung ist hier nachrangig; Hauptsache, man kann seinen Kurs durchziehen, auch wenn jetzt neue Varianten kommen, die sehr milde verlaufen und gegen die die Impfung nicht einmal wirken soll. Auch die schon Geimpften sind nicht gefeit; die Impfung hat ein schnelles Ablaufdatum, und wenn alles so kommt wie geplant, kann sich jeder alle sechs Monate seine Spritze abholen, um an der Gesellschaft teilhaben zu dürfen.

Die Sache ist die, kein Unrechtsstaat kommt und kündigt sich an. Unrechtsstaaten kommen auch nicht immer schnell und abrupt. Rechtsstaatlichkeit kann verloren gehen und Minderheiten können unterdrückt werden, auch während es noch Wahlen und andere mit „Demokratie“ assoziierte Verfahrensweisen gibt (diese natürlich beeinflusst durch die Medien). Länder können auch nur in manchen Bereichen zu Unrechtsstaaten werden, vorerst einmal. (Und unserer ist das ja in anderen Bereichen schon sehr lange, spätestens seit den 70ern, seit Kinder hunderttausendfach mit staatlicher Billigung getötet werden dürfen.)

Die Sache ist die, ich habe mich mittlerweile mehr oder weniger darauf eingestellt, in diesem Land keine wirklichen Rechte zu haben, die noch vorhandenen Rechte nur bedingt zu haben, solange nichts Neues beschlossen wird, mich hoffentlich mit Glück durchwursteln zu können, und allgemein von diesem Staat kaum noch toleriert zu werden. Ich wäre nicht überrascht, wenn es in ein paar Wochen oder Monaten heißt: Keine ärztliche Behandlung oder kein Krankenversicherungsschutz für Ungeimpfte mehr. Ich weiß auch nicht, was man jetzt am besten tun soll. Wohl am besten solange Widerstand leisten, wie es am besten geht, gegen Bescheide erst mal klagen, auf die klassischen Totimpfstoffe hoffen, evtl. bei den Gruppen mitmachen, die sich gegen die Grundrechtsverstöße einsetzen, wie AfD und Querdenker. Es wird ja nicht besser, je mehr man gehorcht. Erpresser gehen immer weiter, wenn sie keinen Widerstand spüren. Und auch, wenn man sich selber impfen lässt, kann man dagegen sein, dass den Ungeimpften ihre Rechte genommen werden.

Das Leben geht irgendwie weiter, auch in Unrechtsstaaten, wie es auch in der DDR immer weitergegangen ist, ich weiß. Aber hoffentlich geht es mit etwas weniger Unrechtsstaat weiter.

Koalitionsvertrag aus der Hölle

Wenn man will, kann man versuchen, sich mit den wenigen Lichtblicken zu trösten: Abtreibung soll (noch) nicht komplett für die ganze Schwangerschaft legalisiert werden, Online-Anonymität soll (vorerst) erhalten bleiben, und ein Lippenbekenntnis, dass Abschiebungen manchmal notwendig sind und freiwillige Ausreise auch eine gute Idee sein kann, findet sich noch. Die Erhöhung des Mindestlohns auf 12 Euro ist sinnvoll. Aber sonst gibt es wenig halbwegs Positives. Der Koalitionsvertrag von SPD, Grünen und FDP ist vor allem eins: Eine konsequente Fortsetzung der Unmenschlichkeit und Selbstzerstörung.

Ich habe ihn nur grob überflogen, und habe auch nicht vor, noch mehr Zeit damit zu verschwenden, aber hier nur mal einige Perlen:

Thema Lebensschutz:

Werbung für Abtreibung soll durch die Abschaffung von § 219a StGB legalisiert werden. Außerdem heißt es: „Schwangerschaftsabbrüche sollen Teil der ärztlichen Aus- und Weiterbildung sein.“ Da Medizinstudenten das Kindertöten bereits lernen dürfen, heißt das wohl, es soll verpflichtend werden – in Zukunft wird man nicht mehr Frauenarzt oder vielleicht nicht einmal mehr Arzt werden dürfen, ohne im Studium ein paar Kinder getötet zu haben. „Sogenannten Gehsteigbelästigungen von Abtreibungsgegnerinnen und Abtreibungsgegnern setzen wir wirksame gesetzliche Maßnahmen entgegen.“ Die Verfasser dieses Satzes haben so sehr gegeifert, dass sie nicht einmal gemerkt haben, dass sich ihr „sogenannt“ hier auf „Belästigungen“ bezieht, und sie eher hätten schreiben müssen „sogenannte Gehsteigberatungen“ oder nur „Gehsteigbelästigungen“. Und wo kämen wir denn da hin, wenn man für Frauen beten und sie ansprechen darf, um ihnen Hilfe anzubieten und sie vielleicht doch noch zu überzeugen, ihr Kind nicht töten zu lassen? Außerdem sollen Embryonenspenden legalisiert werden, und die Kosten für Präimplantationsdiagnostik, die dazu dient, behinderte Embryonen auszusortieren, sollen übernommen werden. (Wie wird sich ein Kind wohl fühlen, wenn es weiß, dass es von seinen Eltern „gespendet“ wurde wie bei der Altkleidersammlung, oder dass seine behinderten Geschwister aussortiert wurden?) Damit noch nicht genug: „Wir setzen eine Kommission zur reproduktiven Selbstbestimmung und Fortpflanzungsmedizin ein, die Regulierungen für den Schwangerschaftsabbruch außerhalb des Strafgesetzbuches sowie Möglichkeiten zur Legalisierung der Eizellspende und der altruistischen Leihmutterschaft prüfen wird.“ Mit anderen Worten, die totale Legalisierung von Abtreibung kann auch irgendwann kommen, und Elternschaft wird noch mehr aufgespalten und zerstört – nach der sog. altruistischen sicherlich auch bald mit der kommerziellen Leihmutterschaft.

Ungeborene Kinder sind aber nicht die einzigen, die getötet werden sollen: „Wir begrüßen, wenn durch zeitnahe fraktionsübergreifende Anträge das Thema Sterbehilfe einer Entscheidung zugeführt wird.“

Thema Quoten und Demokratieumgehung:

„Wir wollen die Entscheidungsfindung verbessern, indem wir neue Formen des Bürgerdialogs wie etwa Bürgerräte nutzen, ohne das Prinzip der Repräsentation aufzugeben. Wir werden Bürgerräte zu konkreten Fragestellungen durch den Bundestag einsetzen und organisieren. Dabei werden wir auf gleichberechtigte Teilhabe achten.“ Das heißt im Klartext: Das parlamentarische System, bei dem die Bürger immerhin noch geringen Einfluss haben, wird ergänzt und teilweise ersetzt durch ein Sowjetsystem mit Quoten (wahrscheinlich für Frauen, Schwule und Migranten).

Auch die Zusammensetzung des Parlaments soll beeinflusst werden: „Die Kommission wird sich mit dem Ziel einer paritätischen Repräsentanz von Frauen und Männern im Parlament befassen und die rechtlichen Rahmenbedingungen erörtern.“ Ganz ehrlich, bei der Sorte Frauen, die in den Bundestag will, reichen mir schon die, die drin sind.

Und auch sonst soll es mit Quoten usw. weitergehen: „Für mehr Repräsentanz und Teilhabe werden wir ein Partizipationsgesetz vorlegen mit dem Leitbild ‚Einheit in Vielfalt‘ und die Partizipation der Einwanderungsgesellschaft stärken (etwa durch Einführung eines Partizipationsrates).“

Thema Zensur und Bekämpfung politischer Gegner:

Es ist interessant, auf welche Weise die Parteien ihr Lippenbekenntnis „gegen jeden Extremismus“ ablegen: „Wir treten allen verfassungsfeindlichen, gewaltbereiten Bestrebungen entschieden entgegen – ob Rechtsextremismus, Islamismus, Verschwörungsideologien, Linksextremismus oder jeder anderen Form des Extremismus.“ Interessant ist hier die Erwähnung von „Verschwörungsideologien“ – heißt das, dass in Zukunft der vage Vorwurf, etwas sei eine Verschwörungstheorie (auch wenn es nicht mal eine groß angelegte Verschwörung erfordert) genügt, um eine Idee oder Bewegung als verfassungswidrig einzustufen? Und selbst wenn es um wirkliche Verschwörungstheorien gilt: Inwiefern sind z. B. Flacherdler staatsgefährdend?

Natürlich heißt es: „Rechtsextremismus ist derzeit die größte Bedrohung unserer Demokratie.“ Wenn man Anschläge, Getötete und vom Verfassungsschutz beobachtete Gefährder zählt, könnte man evtl. zu einem anderen Ergebnis kommen; aber es muss ja politisch korrekt zugehen.

Und auch wenn man Onlineanonymität erst mal noch garantieren will, soll natürlich der Kampf gegen falsche Meinung, als Hassrede verleumdet, weitergeführt werden: „Wir schaffen die rechtlichen Rahmenbedingungen für elektronische Verfahren zur Anzeigenerstattung und für private Verfahren und ermöglichen richterlich angeordnete Accountsperren.“

Thema Migration:

Generell sind die Parteien natürlich für mehr Einwanderung, v. a. für mehr Arbeitskräfteeinwanderung, aber nicht nur. Und da geht es keinesfalls um etwas Vorübergehendes; der Erwerb der Staatsbürgerschaft soll stark vereinfacht werden. „Eine Einbürgerung soll in der Regel nach fünf Jahren möglich sein, bei besonderen Integrationsleistungen nach drei Jahren.“ Im Ernst: Wer, bitteschön, wenn er im Jahr 2018 in ein Land einwandert, identifiziert sich im Jahr 2021 so sehr mit ihm, dass er sich als Teil eines neuen Volkes sieht?

Auch für geduldete Flüchtlinge – also solche, die kein Asyl bekommen haben, aber momentan nicht abgeschoben werden – soll es sehr leicht werden, eine reguläre Aufenthaltsgenehmigung zu bekommen:

„Wir werden das komplizierte System der Duldungstatbestände ordnen und neue Chancen für Menschen schaffen, die bereits ein Teil unserer Gesellschaft geworden sind: Gut integrierte Jugendliche sollen nach drei Jahren Aufenthalt in Deutschland und bis zum 27. Lebensjahr die Möglichkeit für ein Bleiberecht bekommen (§ 25a Aufenthaltsgesetz, AufenthG). Besondere Integrationsleistungen von Geduldeten würdigen wir, indem wir nach sechs bzw. vier Jahren bei Familien ein Bleiberecht eröffnen (§ 25b AufenthG). Der bisherigen Praxis der Kettenduldungen setzen wir ein Chancen-Aufenthaltsrecht entgegen: Menschen, die am 1. Januar 2022 seit fünf Jahren in Deutschland leben, nicht straffällig geworden sind und sich zur freiheitlichen demokratischen Grundordnung bekennen, sollen eine einjährige Aufenthaltserlaubnis auf Probe erhalten können, um in dieser Zeit die übrigen Voraussetzungen für ein Bleiberecht zu erfüllen (insbesondere Lebensunterhaltssicherung und Identitätsnachweis gemäß §§ 25 a und b AufenthG).“

Und dann gibt es noch diese Perle: „Wir werden die Klärung der Identität einer Ausländerin oder eines Ausländers um die Möglichkeit, eine Versicherung an Eides statt abzugeben, erweitern und werden hierzu eine gesetzliche Regelung im Ausländerrecht schaffen.“ Das heißt, wenn ein Algerier an Eides statt versichert, er ist Syrer, ohne irgendeinen Nachweis zu haben, muss man ihm das wohl glauben. Das wird garantiert nicht missbraucht werden. Wer käme auch darauf, dass jemand jemals lügen oder betrügen könnte, um eine Aufenthaltsgenehmigung zu bekommen?

Thema Familienpolitik:

Im Zusammenhang mit dem Fachkräftemangel heißt es: „Erstens streben wir eine höhere Erwerbsbeteiligung von Frauen an. Diesem Ziel dient unsere Arbeitsmarkt-, Gleichstellungs- und Familienpolitik.“ Und da dachte ich, Familienpolitik sollte der Familie dienen, nicht der Wirtschaft. Auch weiter unten wird noch einmal betont, dass man mehr „frühkindliche Bildung“ und „Ganztagsbetreuung“ erreichen will – sprich, Kinder sind noch immer zu viel bei ihren Familien und zu wenig in staatlicher Betreuung.

Überhaupt soll der Staat mehr Zugriffsmöglichkeiten bekommen, ganz im Sinne von Bald-Bundeskanzler Scholz, der ja auch mal gefordert hat, der Staat müsse die „Lufthoheit über den Kinderbetten“ gewinnen: „Kinder haben eigene Rechte, die wir im Grundgesetz verankern wollen. Außerdem wollen wir den Kinderschutz stärken.“ Natürlich haben Kinder schon ihre Menschen- und Bürgerrechte; zusätzliche Kinderrechte sollen nur die Elternrechte zugunsten des Jugendamts aushöhlen.

Außerdem soll es eine verkappte Form von Polygamie geben: „Wir werden das Institut der Verantwortungsgemeinschaft einführen und damit jenseits von Liebesbeziehungen oder der Ehe zwei oder mehr volljährigen Personen ermöglichen, rechtlich füreinander Verantwortung zu übernehmen.“ Mohammed freut sich.

„Wenn ein Kind in die Ehe zweier Frauen geboren wird, sind automatisch beide rechtliche Mütter des Kindes, sofern nichts anderes vereinbart ist. Die Ehe soll nicht ausschlaggebendes Kriterium bei der Adoption minderjähriger Kinder sein.“ Wen interessiert schon, ob das Kind in einer gesunden Beziehung aufwächst, oder ob es ein Recht hat, seinen Vater zu kennen.

Thema Umwelt und Klima:

„Ziel ist, die Fahrgastzahlen des öffentlichen Verkehrs deutlich zu steigern.“ Das wird übrigens unabhängig davon gefordert, dass die Parteien auch bald nur noch E-Autos wollen – nicht mal das E-Auto genügt wirklich; es bietet ja noch Unabhängigkeit vom Staat.

„Wir richten unser Erneuerbaren-Ziel auf einen höheren Bruttostrombedarf von 680-750 TWh im Jahr 2030 aus. Davon sollen 80 Prozent aus Erneuerbaren Energien stammen.“ Sollen. Irgendwie halt. Atomkraft will man natürlich nicht.

„Wir setzen auf einen steigenden CO2-Preis als wichtiges Instrument, verbunden mit einem starken sozialen Ausgleich und werden dabei insbesondere Menschen mit geringeren Einkommen unterstützen.“ Der Ausgleich wird Gerede bleiben, die steigende Steuer („Preis“) natürlich kommen. Dann heizt man eben im Winter nicht mehr, sondern hockt im Skianzug im Wohnzimmer.

Verschiedenes:

„Wir werden das Transsexuellengesetz abschaffen und durch ein Selbstbestimmungsgesetz ersetzen. Dazu gehören ein Verfahren beim Standesamt, das Änderungen des Geschlechtseintrags im Personenstand grundsätzlich per Selbstauskunft möglich macht, ein erweitertes und sanktionsbewehrtes Offenbarungsverbot und eine Stärkung der Aufklärungs- und Beratungsangebote. Die Kosten geschlechtsangleichender Behandlungen müssen vollständig von der GKV übernommen werden.“ D. h. jeder, der in Zukunft sagt, er sei eine Frau, hat als Frau zu gelten. Freuen wir uns also auch in Deutschland darauf, dass Vergewaltiger einfach per „Selbstauskunft“ in Frauengefängnisse verlegt werden, wie das in den USA und Großbritannien schon üblich ist.

„Wir werden die Strafausnahmen in § 5 Abs. 2 des Gesetzes zum Schutz vor Konversionsbehandlungen aufheben und ein vollständiges Verbot auch von Konversionsbehandlungen an Erwachsenen prüfen.“ Es nennt sich Selbstbestimmung, wisst ihr. Man kann schon alle möglichen sexuellen Vorlieben haben, nur sie wieder ändern wollen darf man nicht.

„Wir stärken pflanzliche Alternativen und setzen uns für die Zulassung von Innovationen wie alternative Proteinquellen und Fleischersatzprodukten in der EU ein.“ Kann man die Leute nicht wenigstens beim Essen endlich in Ruhe lassen? Und nachdem schon Mehlwürmer usw. erlaubt wurden, was soll denn noch kommen?

„Das Blutspendeverbot für Männer, die Sex mit Männern haben, sowie für Trans-Personen schaffen wir ab, nötigenfalls auch gesetzlich.“ Wen interessiert schon Patientensicherheit. Dass mal ein Patient HIV bekommen könnte, weil der Virus beim Testen des Bluts noch nicht gleich nachgewiesen werden konnte, muss wohl in Kauf genommen werden für das höhere Ziel, Schwulen ein gutes Gefühl zu geben.

Zu Kriminalität und innerer Sicherheit heißt es: „Das Sanktionensystem einschließlich Ersatzfreiheitsstrafen, Maßregelvollzug und Bewährungsauflagen überarbeiten wir mit dem Ziel von Prävention und Resozialisierung.“ Sprich, jetzt bekommen Vergewaltiger immer Bewährung statt nur oft?

„Deutschland wird sein Engagement für die Menschen in Afghanistan fortsetzen. Die Anerkennung der Regierung knüpfen wir an ihre Inklusivität und an die Bewahrung der Menschenrechte.“ Dazu kann man nur sagen: LMAO. Die Taliban werden beeindruckt sein und sich sicher gleich um Quotenregelungen zur Inklusivität bemühen. Aber gut; das ist wenigstens nur absurd, nicht böse.

Aber was soll man noch sagen. Das alles war zu erwarten. Und am Ende ist Christus trotzdem König.

Abtreibung nach Vergewaltigung: Wenn zwei Opfer gegeneinander ausgespielt werden

Bolivien: Im sechsten Monat ist eine Elfjährige schon schwanger, als entdeckt wird, dass sie von ihrem Stiefgroßvater, bei dem sie lebte, vergewaltigt wurde. Das Mädchen und ihre Mutter wollen zunächst eine Abtreibung, dann bietet die Kirche Hilfe an, und sie entscheiden sich um. Das Mädchen, das offenbar aus ziemlich schwierigen Familienverhältnissen kommt, wird in einer kirchlichen Unterkunft untergebracht. Feministen protestieren.

Die FAZ berichtet:

„‚Die einzige Lösung ist es, die beiden Leben mit Liebe zu retten, zu schützen und zu unterstützen‘, sagen sie [Kirchenvertreter]. Niemand dürfe zu einer Abtreibung gezwungen werden, auch nicht angesichts des Missbrauchs, lässt die bolivianische Bischofskonferenz mitteilen. Aktivistinnen sind da anderer Meinung.“

Nur ein Formulierungsfehler der FAZ oder wollen die Aktivistinnen wirklich sagen, dass jemand zu einer Abtreibung gezwungen werden darf, wenn andere entscheiden, es wäre das Beste für sie? Vermutlich wollen sie das, weil sie denken, dass eine Elfjährige nicht reif genug ist, zu entscheiden, ihr Kind nicht zu töten; aber in ihrem Denken ist es sowieso Gewalt und kann nicht mit rechten Dingen zugehen, wenn es jemandem gelingt, jemanden (ob das Mädchen in diesem Fall oder eine erwachsene Frau im Normalfall) zu überreden, nicht abzutreiben. In England hat man gesehen, wohin das führt, als Gerichte einer lernbehinderten Nigerianerin, die schwanger geworden war, eine Abtreibung vorschreiben wollten, die sie selbst ablehnte. (Am Ende entschied ein anderes Gericht noch zu ihren Gunsten.)

Abtreibung nach einer Vergewaltigung wird generell als human gesehen, als etwas, das vielleicht nicht schön ist, das man aber nicht ohne Grausamkeit verweigern könnte, als die einzige Lösung, um einer noch schlimmeren Traumatisierung des Opfers entgegenzuwirken. Das ist falsch. Man kann nicht genug betonen, dass das falsch ist.

Eine der Grundannahmen ist schon, dass Vergewaltigungsopfer in dieser Situation fast immer abtreiben würden. Laut einer US-amerikanischen Studie entscheiden sich allerdings 50% in dieser Situation gegen eine Abtreibung. (Ein paar davon hatten dann eine Fehlgeburt, ein paar gaben das Kind später zur Adoption frei, aber die Mehrheit behielt es sogar selbst.) Und das alles, obwohl sie dann als verrückt gelten und evtl. infrage gestellt wird, ob es überhaupt eine wirkliche Vergewaltigung war. Auch die Behauptung, dass eine Abtreibung bei der Heilung von dem Trauma der Vergewaltigung helfe, ist sehr fraglich; manche Frauen und Mädchen berichten, dass eine Abtreibung sie nur noch mehr traumatisiert hat.

Man muss es sich mal vorstellen: An dem Kind aus Bolivien wird eine Abtreibung – im 6. Monat wohlgemerkt – vorgenommen; sie erwacht vielleicht etwas früher aus der Narkose und sieht die halb zerstückelte Leiche eines Kindes, das groß genug war, dass es mit etwas Glück und der modernen Medizin schon außerhalb ihres Körpers hätte überleben können. Wie sehr wird ihr DAS helfen, jemals über die Sache hinwegzukommen? Und ein „aber das kann man ja normalerweise vor ihr verstecken“ ist nicht hilfreich; die Wahrheit ist ja trotzdem da, und eine Elfjährige ist keine Fünfjährige; sie weiß, was eine Schwangerschaft ist, hat sicher schon Bilder von ungeborenen Kindern gesehen, und hat wahrscheinlich schon öfter ihr ungeborenes Kind sich bewegen gefühlt.

Ich will mir gar nicht vorstellen, wie es ist, vergewaltigt zu werden, vor allem, wenn man selber erst ein Kind ist. Aber ich will mir auch nicht vorstellen, wie man sich dann fühlt, wenn man das resultierende Kind hat beseitigen lassen, wenn der Täter es auch noch geschafft hat, dass man selber aus Verzweiflung und Verwirrung und weil alle meinten, das wäre das Beste für einen, zur Täterin geworden ist.

Man muss auch immer betonen: Die moderne Medizin existiert, und ein Mädchen, das mit elf schwanger werden kann, ist wahrscheinlich rein körperlich schon weiter entwickelt als die allermeisten anderen Elfjährigen. (Ich wurde mit elf auch schon mehrere Jahre älter geschätzt.) Eine Schwangerschaft stellt hier keine Lebensgefahr dar; bei Problemen wie Beckenenge usw. kann man ohne Probleme einen Kaiserschnitt durchführen. Und umgekehrt wäre auch eine Spätabtreibung – nicht nur in diesem Fall, sondern auch in vielen anderen liefe es auf Spätabtreibungen hinaus, weil Schwangerschaften in solchen Fällen oft erst spät entdeckt werden – nicht ohne medizinische Risiken. Die wenigsten Schwangerschaften sind besonders angenehm, aber die allerwenigsten sind lebensgefährlich.

Das ungeborene Kind ist hier nun mal kein Angreifer. Es ist da; es ist selber ein Opfer und wurde durch jemand anderen gewaltsam in dieser Situation in die Welt gesetzt. Eine Mutter kann ihr Kind – es ist ja IHR Kind – als ein zweites Opfer sehen, das zu ihr gehört, und mit ihr zusammen gegen den Vergewaltiger steht. Das ist nicht hypothetisch; gerade erst gab es einen Fall in den USA, in dem eine Frau, die schon vor einigen Jahrzehnten durch Vergewaltigung gezeugt wurde, dafür gesorgt hat, dass der Vergewaltiger ihrer Mutter – die damals erst 13 war und ihre Tochter zur Adoption freigab – vor Gericht und ins Gefängnis kam. Vergewaltiger von jungen Mädchen wollen ja normalerweise – wenn sie vor anderen von der Schwangerschaft ihrer Opfer erfahren – schnell für eine Abtreibung sorgen, damit kein Kind geboren wird, das ein wandelnder Beweis für den Missbrauch ist. Und Vergewaltigungskinder sind keine Monster, sie sind Menschen. Wenn ein solches Kind erst mal geboren ist, haben sogar Prochoicer – die es vorgeburtlich schon mal als Verbrecherbrut bezeichnen – Schwierigkeiten dabei, es nicht als Mensch zu sehen. Irgendwie steckt die alttestamentliche Erkenntnis, dass die Söhne nicht für die Verbrechen ihrer Väter bestraft werden sollen, doch noch in den Leuten drin, zum Glück.

Man muss es sich z. B. mal vorstellen: Eine Schwangerschaft bei einem missbrauchten Mädchen bleibt unentdeckt bis in den 7. Monat o. Ä. (solche Fälle kommen vor, wenn einfach keiner mit einer Schwangerschaft rechnet, und sie z. B. schon etwas übergewichtig ist und unregelmäßige Perioden hat), dann hat das Mädchen plötzlich Wehen, und das Kind kommt bei einer Frühgeburt zur Welt, kaum, dass sie überhaupt realisiert hat, dass da ein Kind da ist. Wer würde sagen, das Kind darf jetzt noch getötet werden? Selbst wenn niemand anderer da wäre, um sich um es zu kümmern, wenn es keine Kinderheime und Adoptivfamilien gäbe, selbst wenn das missbrauchte Mädchen sich selber kümmern müsste, würden die wenigsten sagen, sie darf es zerstückeln oder in einen Fluss werfen. Und das nicht aus Mitleidlosigkeit mit dem Mädchen, sondern weil manche Mittel zum Zweck einfach undenkbar sind.

Man könnte hier jetzt noch langwierig darauf eingehen, dass bei dem Fall in Bolivien die Kirche nicht die Macht gehabt hätte, das Mädchen und ihre Familie zu zwingen, keine Abtreibung vornehmen zu lassen; sie konnten nur Hilfe anbieten und Überredungskünste aufwenden. Und offensichtlich war es für das Mädchen so, dass sie, als sie Hilfe hatte, nicht mehr den einzigen Ausweg in der Abtreibung sah. Aber diese Argumentation ist nicht völlig zielführend. Denn in einem katholischen Staat wäre es ja wirklich verboten, eine Abtreibung auch nach einer Vergewaltigung durchzuführen. Natürlich würde kein Staat ein solches Kind bestrafen, das sowieso für kein Verbrechen strafmündig ist, aber den Abtreiber würde man wohl bestrafen, auch in diesem Fall. Aber das ist nicht anders, als wenn man einem Kind nicht nur gut zureden würde, damit es nicht Selbstmord begeht, sondern es auch wirklich daran hindern würde, und jemanden bestrafen würde, der ihm Gift zur Verfügung stellt. Jemanden davon abzuhalten, sich selbst und andere zu schädigen, ist legitim, ohne Frage. Natürlich würde man gleichzeitig auf jede mögliche Weise helfen, aber wir kommen hier nicht drum herum. Und bei der Argumentation sollte man sich nicht verstellen.

Ich habe nie Missbrauch erlebt, ich weiß nicht, wie das ist. Aber wenn ich jetzt als erwachsene Frau vergewaltigt werden und schwanger werden würde, ich könnte mein Kind nicht abtreiben. Kinder aus einer Vergewaltigung sind Menschen.