Zum kommenden Winter

Irgendein weiser Mensch (ich weiß tatsächlich nicht mehr, wer) hat einmal gesagt: Der Unterschied zwischen rechten Verschwörungstheorien und Schlagzeilen in den Mainstreammedien sind zwei Wochen. Da wir von unserer Regierung inzwischen heftige Beteuerungen bekommen, dass niemand die Absicht hat, einen Blackout zu verursachen, also die Stromversorgung ungefähr so sicher ist wie die Rente (der WDR beruhigt inzwischen schon damit, dass es statt Stromausfällen ja auch geplante Stromabschaltungen geben könnte), wäre es wahrscheinlich ganz sinnvoll, sich mal ganz unverschwörungstheoretisch die Tipps des Bundesamts für Katastrophenschutz anzuschauen, und ein bisschen vorzusorgen. Ich jedenfalls habe mir den Gaskocher besorgt und angefangen, Wasser und Essen einzulagern. Ja, unser Hauptproblem ist, dass man sich nicht klarmacht, dass es wirkliche harte Probleme in Deutschland geben kann – als wäre es ein Naturgesetz, dass die BRD wohlhabend sein und funktionieren muss.

Und wenn man damit fertig ist, schadet es wohl nicht, das ein oder andere Rosenkranzgesätz dafür zu beten, dass unsere Politiker den ein oder anderen launischen Anfall von halbwegs sinnvollen Ideen haben, und in den kommenden Monaten nicht allzu viele Menschen pleite gehen, arbeitslos werden oder in ihren Wohnungen frieren. Aber hey, vielleicht werden wir kommenden Winter Gelegenheiten für christliche Nächstenliebe bekommen – oder wenigstens anderen Anlass bieten, christliche Nächstenliebe zu üben. Und das ist gar nicht so zynisch gemeint, wie es vielleicht klingt. Wir müssen eben irgendwie durchstehen, was kommt, und hoffentlich alle nicht ganz allein.

Die Grundfehler der Moderne

Es gibt gewisse Grundsätze, die vielen falschen Ideologien zugrundeliegen, und die sich irgendwie im Kopf der Leute vermischen und als unbemerkte Axiome wieder auftauchen, als wären sie völlig selbstverständliche Fakten. Heute – bzw. seit 200 bis 300 Jahren – sind das meistens folgende:

  • Der Relativismus: Man ist gegen die Realität; man glaubt, sich die Welt selbst machen zu können. „Wenn das für dich so ist, dann ist es so“, „jedem seine Wahrheit“. Dabei funktioniert die Welt gerade nicht so. Sie tritt einem entgegen, ob man es will oder nicht, und man muss mit ihr klarkommen. Natürlich kann man seine Einstellung zu ihr ändern, aber auch die eigene Einstellung ist eine objektive Sache, nur eben eine, die man selbst im Griff hat, und sie sollte sich danach richten, ob man an der Welt wirklich etwas Gutes oder etwas Schlechtes bemerken kann. Die Wirklichkeit pfeift darauf, was man über sie denkt, sie ist einfach da; und sie rächt sich, wenn man sich über sie belügt und die falsche Einstellung zu ihr hat. Man muss natürlich mit Menschen mit anderen Einstellungen klarkommen, aber das ist so, wie man mit Unfällen klarkommen muss; Uneinigkeit über die Wahrheit wird deshalb nicht gut, und manche Konflikte lassen sich auch nicht vermeiden. Geeintsein in der Wahrheit ist das, wonach man streben muss.
  • Der Egalitarismus: Man setzt Gerechtigkeit mit Gleichheit gleich; wenn es in der Welt keine Gleichheit gibt, muss man sie zwangsweise herstellen. Dabei erfordert Gerechtigkeit oft keine Gleichheit, sondern eher „suum cuique“ („jedem das Seine“; im Lateinersinne); und solange alle genug haben, können auch manche mehr als genug haben.
  • Der Liberalismus: Man sieht die Menschen als Einzelwesen, die evtl. zusammenkommen, wobei jeder so gut wie möglich seine Unabhängigkeit bewahren soll, nicht als soziale Wesen, die von Anfang an zu einer Gemeinschaft gehören. Dabei wird kein Mensch ohne andere Menschen geboren, und kein neugeborener Mensch kann ohne andere überleben.
  • Der Humanismus: Man glaubt, dass der Mensch sich im Grund selbst gehört. Der Mensch hat in dieser Sicht keinen höheren Zweck. Er soll freilich anderen nicht schaden und seine Umgebung nicht weiter weiter stören, aber soll ansonsten einfach machen, was er will. Vielleicht soll er seine Fähigkeiten zur Entfaltung bringen, aber dabei ist er selbst im Zentrum. Dabei haben wir alle Fähigkeiten nur von Gott und hängen beständig von Ihm ab. Im Grunde genommen muss jemand, der in diesem Sinne Humanist ist, bald sehr zynisch und enttäuscht werden; denn oft genug sind wir Menschen einfach erbärmlich. Aber trotzdem liebt Gott uns eben, und mit seiner Hilfe können wir groß werden, wenn wir uns auf Ihn und andere ausrichten. Der Mensch wird wirklich groß, wenn er sich selbst vergisst und auf etwas außerhalb seiner selbst ausrichtet. Typisch für diese Sorte Humanismus ist auch, dass man nichts dagegen hat, wenn Menschen sich selbst schaden – sollen sie doch. Dabei schuldet man die Liebe auch sich selbst, weil das gut ist, und weil man nicht nur für sich selbst, sondern auch für Gott und die anderen lebt.
  • Der Nihilismus oder universale Pessimismus (ganz klar zu unterscheiden vom alltäglichen Pessimismus): Man geht irgendwie davon aus, dass das Böse und das Nichts wirklicher, tiefer seien als das Gute und das Sein, und gibt sich dabei als zynischer Realist. Dabei ist genau das Gegenteil logisch zwingend. Das Böse ist immer nur ein Mangel oder eine Verdrehung; es kann nicht in sich selber bestehen. Eine Krankheit existiert nicht für sich [auch ein Bakterium ist ja nicht die Krankheit], sondern ein gutes Wesen wird von einer Krankheit befallen. Eine böse Tat wird nicht getan, weil sie böse ist, sondern weil sie Nutzen oder Freude (also etwas Gutes) bringen soll. Das Böse ist immer nur parasitär am Guten; das Gute ist das Ursprüngliche, das sich also auch am Ende durchsetzen muss.
  • Der Materialismus: Das Materielle wird irgendwie als realer und auf jeden Fall vorrangiger gesehen als das Geistige. Dabei gibt es keinen Anlass dafür. Nur das Leben und der Geist ermöglichen es überhaupt, materialistische Gedanken zu haben.

Mit anderen Worten: Es geht vor allem darum, sich selbst zu belügen und Gott zu vergessen. Das alles zeigt sich in sehr vielen Facetten, aber am deutlichsten wahrscheinlich in der Haltung zum Tod. Er wird irgendwie möglichst ignoriert, und die Vorstellungen, was danach kommt (wenn man sich mal diese Frage stellt), sind sehr vage – wenn du meinst, du wirst auf diese und jene Weise weiterleben, dann, schön, dann ist das für dich so, oder wenn du meinst, danach kommt nichts mehr, auch gut – und irgendwie hat ja alles eh keinen Sinn.

Aber wenn man auf diese Fehler achtet, kann man viele weitere Fehlschlüsse meiden.

Was Frauen und Kinder dem deutschen Staat wert sind

Ich weiß nicht genau, wie oft ich in den letzten Jahren die Überschrift gelesen habe: „Vergewaltiger bekommt Bewährung“. Gerade eben ist wieder ein (mutmaßlich 16jähriger) Afghane wegen der Vergewaltigung einer 11jährigen zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden. Besonders beliebt scheinen diese Strafen bei Tätern mit – wie sagt man – anderem kulturellen Hintergrund zu sein.

Man muss es einfach sagen: Für den deutschen Staat sind seine Leute nichts mehr wert. Wenn auch nur ein Täter bei Vergewaltigung mit bloßer Bewährung davonkommt, ist eine Grenze überschritten. Der Staat sorgt dafür, dass brutale Triebtäter über ihn lachen, und sich weitere Opfer suchen. (Das führt auch den „Erziehungsgedanken“ im Jugendstrafrecht ad absurdum – was erzieht so jemanden eher, ein paar Jahre Gefängnis oder ein paar Gespräche mit dem Bewährungshelfer?) So etwas wie Sicherheit geht diesem Staat am Arsch vorbei; Politiker haben ja ihre Personenschützer und ihre abgeschotteten Wohnsitze. Die Verletzung und Traumatisierung eines kleinen Mädchens verdient für ihn keine Strafe. Auch im Kleinen sieht man es jeden Tag; keiner interessiert sich dafür, wie es z. B. deutschen Kindern an „Brennpunktschulen“ geht, und ob sie gemobbt oder sexuell bedrängt oder bedroht werden.

Die deutsche Gesellschaft ist da noch humaner eingestellt, aber hilft auch nicht viel. Muss irgendein Albaner oder Afghane oder Nigerianer auch nur befürchten, dass Passanten eingreifen, wenn er eine Frau belästigt, oder dass die Familie eines 14jährigen Mädchens, das er anmacht und dem er falsche Versprechungen macht, sie von ihm fernhält? Nein. Er registriert sehr gut, wie viel deutsche Mädchen ihren eigenen Leuten wert sind, und verhält sich dementsprechend. Natürlich; hier gibt es mildernde Umstände: Notwehr oder Nothilfe wird vom deutschen Staat gerne mal bestraft, und man findet oft nicht genug Leute, die helfen, wenn auf der anderen Seite die 50 Cousins auftauchen, und man traut sich nicht, Teenagern etwas zu verbieten, weil das ja böse wäre. Aber mittlerweile sollten einige Leute da klüger geworden sein und sich wenigstens teilweise anders verhalten.

Es darf so nicht weitergehen. Und wer sich nicht traut, einzugreifen, wenn „junge Männer“ ein Mädchen auf der Straße bedrängen, sollte sich wenigstens trauen, heimlich sein Kreuzchen bei der AfD zu machen, damit etwas mehr Druck für eine andere Politik gemacht wird. So viel wird man als Frau wohl gerade noch verlangen dürfen.

Werden Frauen für Fehlgeburten bestraft, wenn Abtreibung illegal ist?

Die einfache Antwort lautet: Nein. (Die umständliche Antwort auch.)

Dieses Szenario gehört zu den Schreckensszenarien, die Abtreibungsbefürworter gerne mal hervorziehen. Die Behauptung, ist, grob gesagt: „Wenn Abtreibungen erst einmal illegal sind, wird eine allgemeine Hexenjagd gegen Frauen losgehen. Wenn du eine Fehlgeburt hast, wirst du sofort unter Verdacht geraten, abgetrieben zu haben. Frauen werden unschuldig ins Gefängnis gehen.“ Das ist natürlich eine ziemlich perfide Taktik, die sogar Frauen, die pro life sind, unsicher werden lassen kann, ob ein Verbot nicht doch unerwünschte Nebeneffekte hätte. Es ist auch leichter, zu argumentieren „ich will nur Kollateralschäden durch das Verbot vermeiden“ als „ich will, dass Abtreibung aus jedem beliebigen Grund zu jedem beliebigen Zeitpunkt in der Schwangerschaft legal ist“.

Besonders hervorgetan hat sich etwa die taz im Februar mit einem Bericht über El Salvador, wobei die Autorin Sarah Ulrich sogar offen lügt und behauptet, eine Fehlgeburt würde nicht nur u. U. mit einer Abtreibung verwechselt, sondern stehe ausdrücklich unter Strafe (!!):

„Totgeburt, Fehlgeburt oder gynäkologischer Notfall – es ist egal, wie eine Schwangerschaft beendet wird, ob gewollt oder ungewollt, ob freiwillig oder unfreiwillig. Stirbt der Embryo oder Fötus, gilt es als Mord oder Totschlag.“

Gut; mit solchen offenen Lügen muss man sich nicht lange aufhalten, aber gehen wir mal nur von der Behauptung aus, dass Fehlgeburten mit Abtreibungen verwechselt werden könnten. Und sehen wir uns dafür die drei Fälle an, die Frau Ulrich heranzieht, um ihre Behauptungen zu untermauern, und die für einiges internationales Aufsehen gesorgt haben, teilweise sogar vor den Interamerikanischen Menschenrechtsgerichtshof gebracht wurden. Der erste Fall wird folgendermaßen beschrieben:

„Die Geschichte von Cinthia Marcela Rodríguez Ayala beginnt am 3. Juli 2008. Rodríguez, damals 19 Jahre alt, ist im achten Monat schwanger. Sie lebt in armen Verhältnissen am Rande von San Salvador, arbeitet als Reinigungskraft in einer Textilfabrik.

Die Schwangerschaft hatte sie nicht geplant, das Kind wollte sie trotzdem behalten. Sie sei allein zu Hause gewesen, als das Baby kam. Aber, so erzählt sie es, das Kind war tot. Vom Schock sei sie wie benebelt gewesen, blutend habe sie Hilfe bei einer Nachbarin gesucht. Die bringt sie in die Notaufnahme eines Krankenhauses. Dort wird sie betäubt. ‚Als ich wieder aufwachte, wollte ich mein Baby sehen‘, erinnert Rodríguez sich. ‚Aber ich war gefesselt.‘ Eine Krankenschwester hatte die Polizei gerufen: wegen illegaler Abtreibung.

Drei Tage verbringt sie im Krankenhaus, bevor sie in das Frauengefängnis von Ilopango gebracht wird. Dort beginnt ihre Befragung. Angezeigt ist sie nun nicht mehr nur wegen Abtreibung, sondern, so steht es in den Gerichtsakten, nach Artikel 129-1 in Verbindung mit Artikel 20 des Strafgesetzbuchs wegen ‚homicidio agravado‘. Schwere Tötung. […]

Die Prozessakten zeichnen das Bild einer Mörderin. Rodríguez habe das Neugeborene beim Durchschneiden der Nabelschnur mit einer Schere tödlich verletzt. Ein Beweis dafür sei, dass die Leiche des Babys später in einer Tasche gefunden wurde. Aber: Die Nabelschnur war bereits bei der Geburt um den Hals des Babys gewickelt. Rodríguez selbst sagt, das Neugeborene sei bereits bleich gewesen, sie habe die Schnur durchgeschnitten, um dem Kind zu helfen.

In den Akten wird sich auf die Obduktion der Leiche berufen. Demnach sei das Baby an Verletzungen am Hals durch die Schere, mit der die Nabelschnur durchtrennt wurde, verstorben.

Aber: Es gibt einen weiteren Bericht, den ein unabhängiger Gerichtsmediziner auf Anfrage von Rodríguez’ Unterstützer:innen, denn diese gibt es auch, verfasst hat. Auf Grundlage der Prozessakten und des vorliegenden Obduktionsberichts hat er den Fall erneut bewertet. Beide Berichte liegen der taz vor.

Der Verfasser, Professor und Direktor der Forensik an der Universität von Kentucky, kommt darin zum Schluss, dass die im Obduktionsbericht angeführten Gründe dafür, dass Rodríguez ihr Baby getötet haben soll, medizinisch nicht haltbar sind. Ein sogenannter Float-Test der Lunge, der klären sollte, ob das Baby bei der Geburt bereits tot war oder noch lebte, sei ‚unzuverlässig‘, so der Arzt. Der Obduktionsbericht aus El Salvador, der eine Grundlage für Rodríguez’ Verurteilung war, komme zu falschen Schlüssen.“

Rodriguez wurde dann zu 30 Jahren Haft verurteilt, später auf 10 Jahre reduziert, ist mittlerweile wieder auf freiem Fuß.

Fassen wir also die Fakten zusammen, wie sie der Polizei und dem Gericht vorlagen:

  • Eine Frau kommt ins Krankenhaus, die offenbar gerade ein Kind geboren oder abgetrieben hat; ihr Kind hat sie nicht bei sich.
  • Das Kind wird später tot in einer Tasche gefunden, mit schweren Verletzungen am Hals.
  • Laut Obduktion waren es diese Verletzungen, die seinen Tod herbeiführten, und es hat bei der Geburt noch gelebt.
  • Die Mutter behauptet, sie habe dem Kind die Verletzungen aus Versehen zugefügt, als sie die um seinen Hals gewickelte Nabelschnur durchgeschnitten habe; es sei bei der Geburt bereits tot gewesen.
  • Ein von Unterstützern der Mutter angeheuerter Gerichtsmediziner aus den USA behauptet (offenbar ohne die Leiche selbst angesehen zu haben, nur auf Grund der Aktenlage), die Obduktion stelle nicht mit hinreichender Sicherheit die Todesursache fest; er beruft sich darauf, dass der sog. Float Test, der dazu benutzt wird, zu sehen, ob ein Kind jemals geatmet hat, fehleranfällig sei. (Laut Wikipedia führt dieser Test in 2% der Fälle zu falschen Ergebnissen und in 98% zu korrekten. Das entspricht auch einer Studie von 2013, die feststellt, dass er bei 208 getesteten Neugeborenen in 204 Fällen zu einem korrekten Ergebnis geführt habe und in 4 Fällen zu einem falsch negativen. Falsch negativ heißt aber, dass der Test zum Ergebnis kam, das Kind sei tot geboren worden, obwohl es kurz noch gelebt hatte. Falsch positive Ergebnisse, also Fälle, in denen ein totgeborenes Kind als Lebengeburt diagnostiziert wurde, hat diese Studie nicht gefunden.)

Alle diese Indizien führen die Ermittler zu dem Schluss, dass die Mutter mit hinreichender Sicherheit ihr Kind lebend geboren, es mit der Schere getötet und in der Tasche versteckt hat. Also wird sie verurteilt. Klipp und klar gesagt: Ein solcher Fall hätte auch in Deutschland zu einer Anklage und wahrscheinlich zu einer Verurteilung geführt. Ist es möglich, dass der Float Test falsch positiv war UND Rodriguez das Kind aus Versehen noch schwer verletzt hat UND die Leiche dann versteckt hat, vielleicht aus Angst oder Verstörtheit? Vielleicht. Die Wahrscheinlichkeit wirkt aber sehr gering. In jedem Fall handelt es sich aber um keine Verurteilung wegen einer Fehlgeburt, auch nicht wegen einer Abtreibung, sondern wegen Tötung nach Lebendgeburt, die in buchstäblich jedem Land dieser Welt unter Strafe steht.

Sehen wir den zweiten Fall in dem taz-Artikel an:

„Manuela, der zum Schutz öffentlich ein anderer Name gegeben wurde, ist eine Frau, die aus einer armen, ländlichen Gegend kam. Sie war Analphabetin, lebte mit ihrer Familie in prekären Verhältnissen. Auch sie war zuvor wegen schwerer Tötung an ihrem Neugeborenen inhaftiert worden. Am 28. Februar 2008 hatte die Polizei die Leiche des Babys in einer Klärgrube nahe ihrem Haus gefunden. Umgebracht hatte sie es nicht, das Kind war bereits tot, als es auf die Welt kam. Dennoch wurde auch Manuela zu 30 Jahren Gefängnis verurteilt. Noch zwei Jahre lebte sie in Gefangenschaft, bevor sie 2010, mit Handschellen an das Krankenhausbett gefesselt, an Lymphkrebs verstarb.“

Auch hier: Ein Kind wird tot aufgefunden, unter noch krasseren Umständen als im ersten Fall, nämlich in einer Klärgrube (!!). Die Mutter behauptet, es sei bei der Geburt schon tot gewesen, das Gericht urteilt, es habe noch gelebt und sei dann getötet worden. Mehr erwähnt Frau Ulrich nicht.

Dann lässt der Artikel die Frauen, die wegen Tötung nach Lebendgeburt verurteilt wurden, hinter sich, und konzentriert sich auf eine dritte Frau, die wegen medizinischer Probleme während der Schwangerschaft eine Abtreibung wollte:

„Beatriz selbst lebt nicht mehr [Anmerkung: Weiter unten wird erwähnt, dass sie später einen Verkehrsunfall hatte]. Doch der Arzt, der sie behandelte, spricht bereitwillig über den Fall. Doktor Guillermo Ortiz Opas hat inzwischen das Land verlassen. Zu massiv waren die Anfeindungen gegen ihn und seine Familie, zu sehr zweifelte er an dem medizinischen Ethos im Land. Als er ein Jobangebot in den USA bekam, überlegte er nicht lange und wanderte aus. Das Interview findet per Zoom statt. In einem roten Poloshirt, mit grauem Bart und schwarzer Hornbrille sitzt er in seinem neuen Zuhause in North Carolina vor dem Computer. […]

Ob er verbotene Abtreibungen vorgenommen hat? ‚Ich habe versucht, Frauen zu helfen, egal in welcher Situation‘, sagt Ortiz. ‚Sonst wären viele Frauen gestorben.‘ Mehr will er nicht sagen. […]

2013 kam Beatriz in das Krankenhaus. Ihr eigentlicher Name ist anders, zu ihrem Schutz wird auch sie öffentlich anders genannt. Der taz liegt der richtige Name vor, ihr Facebook-Profil ist noch immer online. Inzwischen ist Beatriz an den Folgen eines Verkehrsunfalls gestorben.

Als sie zu Doktor Ortiz kommt, ist Beatriz 20 Jahre alt und in der 12. Woche schwanger. Der Fötus jedoch ist unterentwickelt, ohne Gehirn. Es ist klar, dass er außerhalb des Uterus nicht über­leben würde.

Und auch Beatriz war in Lebensgefahr. Mit 18 wurde bei ihr die Autoimmunerkrankung Lupus diagnostiziert. Ihr Körper war schwach, schon ihre erste Schwangerschaft löste bei ihr die lebensbedrohliche Erkrankung Präeklampsie mit Bluthochdruck aus. Damals überlebte ihr Sohn, doch diesmal war es anders. Ein medizinisches Komitee aus 13 Fach­ärz­t:in­nen unter der Leitung von Doktor Ortiz war sich sicher: Der Fötus würde eine Geburt nicht überleben. Und Beatriz würde während der Schwangerschaft sterben.

Aber sie wollte leben.

‚Eine geheime Abtreibung war nicht möglich, weil alle von dem Fall wussten‘, sagt Doktor Ortiz. Der juristische Weg war der einzig mögliche. Ortiz überredete den Klinikdirektor und andere Kolleg:innen, ihn zu unterstützen. Sie schrieben Briefe, an den Gesundheitsminister, an das Menschenrechtsbüro. Die einzige Antwort, so erzählt es Ortiz: ‚Wir können euch nicht helfen.‘

Deshalb riet er Beatriz, ihn auf unterlassene Hilfeleistung zu verklagen. Er und die Anwälte sahen darin den einzigen juristischen Weg, sie zu retten. Wenn das Gericht entschied, dass Dr. Ortiz ihr helfen müsse, dann müsste es auch anordnen, einen Schwangerschaftsabbruch durchzuführen. ‚Es war eine schlimme Zeit für mich‘, erzählt der Arzt heute. ‚Ich wurde angegriffen, im Krankenhaus wollte niemand mit mir sprechen, weil niemand mit dem Fall zu tun haben wollte.‘

Am 11. April 2013 reicht Beatriz die Klage ein. Sie fühlt sich immer schwächer. Die Zeit wird knapp, denn es ist klar, dass der Gesundheitszustand ab der 28. Schwangerschaftswoche noch schlechter würde. 81 Tage später die Entscheidung: Eine Abtreibung ist und bleibt illegal.

Er will ihr helfen – also entscheidet er sich für einen minimal invasiven Kaiserschnitt, um den Fötus zu entfernen. Der Eingriff gelingt. Beatriz überlebt, der Fötus stirbt fünf Stunden später. Verurteilt wird niemand. Ortiz hatte, in dem er das Baby durch Kaiserschnitt lebend zur Welt brachte, einen Weg gefunden, die Illegalität zu umgehen.“

Um das Ganze zusammenzufassen:

  • Eine Frau ist schwanger und krank; bei einer früheren Schwangerschaft war sie auch schon krank, hat aber zusammen mit ihrem Kind überlebt.
  • Ihr Arzt (der schon öfter illegale Abtreibungen vorgenommen hat) behauptet, sie würde eine Fortsetzung der Schwangerschaft nicht überleben.
  • Weil das Gericht die Abtreibung nicht erlaubt, besteht die Schwangerschaft noch einige Monate fort, bis das Kind so weit ist, dass (wäre es ansonsten gesund) es mit etwas Glück außerhalb des Mutterleibs überleben könnte; es wird legalerweise per Kaiserschnitt auf die Welt geholt und stirbt Stunden später – nicht wegen der frühen Geburt, sondern wegen seiner Fehlentwicklung.
  • Die Frau überlebt (und stirbt später an den Folgen eines Verkehrsunfalls – die taz erwähnt erst ihren Tod und versteckt ein paar Absätze weiter unten die Ursache).

Mit anderen Worten: Obwohl es der Frau wohl nicht gut ging, war eine Abtreibung nicht nötig gewesen, sondern ein völlig legaler früher Kaiserschnitt genügte, und sie überlebte. Der Arzt, der diesen Fall evtl. auch als Gelegenheit für seinen Pro-Abtreibungs-Aktivismus nutzen wollte, hatte sich verschätzt oder bewusst übertrieben, als er ihr Angst machte und behauptete, ohne Abtreibung laufe sie in den sicheren Tod. (Damit, dass das Kind an seiner Fehlbildung sterben würde, hatte er offenbar recht; aber auch hierbei kommt es ja immer wieder dazu, dass Ärzte fehlerhafte Diagnosen stellen und ein angeblich behindertes Kind sich bei der Geburt als kerngesund herausstellt.)

Und so ist es ja auch in anderen Fällen. Auch Frauen mit gesundheitlichen Problemen, mit Präeklampsie und dergleichen, sind nicht einfach dem sicheren Tod geweiht, sondern haben in vielen Fällen überlebt, wenn sie dem Drängen ihrer Ärzte auf Abtreibung nicht nachgaben. Es besteht (heutzutage freilich nur noch in seltenen Fällen) ein Todesrisiko, das Ärzte, die nicht wollen, dass man ihnen hinterher vorwirft, einer Patientin nicht genug geholfen zu haben, gern zum sicheren Tod aufbauschen. In solchen Fällen ist es (aus katholischer Sicht jedenfalls, also auch aus meiner Sicht) nicht in Ordnung, das Kind dem sicheren Tod zu überliefern; ein Risiko für A wiegt nicht den sicheren Tod für B auf. Es ist aber in Ordnung, es früher auf die Welt zu holen, wenn das Risiko für die Frau, bei der Fortsetzung der Schwangerschaft zu sterben (bzw. auch das Risiko, dass gleich beide sterben), größer ist als das Risiko für das Kind, nach einer Frühgeburt zu sterben – hier handelt es sich ja nicht um eine gewollte Tötung, sondern man nimmt nur ein Risiko, das man nicht will, aus einem verhältnismäßigen Grund in Kauf.

Ich sollte hier der Ehrlichkeit halber erwähnen, dass viele Länder mit sehr strengen Abtreibungsgesetzen – Polen oder Malta zum Beispiel – Abtreibungen bei Lebensgefahr für die Mutter noch erlauben bzw. die Einleitung einer Frühgeburt erlauben, auch wenn das Kind noch nicht lebensfähig ist, die Mutter also nicht einmal ein solches Risiko auf sich nehmen muss und die allermeisten Abtreibungen trotzdem verboten bleiben. (Und diese Länder haben eine extrem geringe Müttersterblichkeit im weltweiten Vergleich.) Ich halte es hier aber aus den genannten Gründen mit dem Totalverbot à la El Salvador. Das wird in manchen Fällen dazu führen, dass das Kind stirbt, in manchen Fällen dazu, dass die Mutter stirbt, beides wird nicht gewollt sein, und in den meisten Fällen werden beide überleben; insgesamt wird es bei dieser Regelung am wenigsten Tote geben.

Tatsächlich geht, wenn es in der zweiten Hälfte der Schwangerschaft Komplikationen gibt, ein Notkaiserschnitt sogar viel schneller und ist damit gefahrloser als eine Abtreibung, bei der das Kind erst noch umständlich vergiftet oder sonstwie getötet wird, bevor man es aus dem Mutterleib herausholt.

In der 22. Woche geborenes Kind.

Wenn man sich anschaut, welche Fälle Abtreibungsbefürworter herausziehen, um ihre Sicht zu stützen, kann man also schon deutlich sehen, dass es mit ihren Behauptungen nicht weit her sein kann. Besseres finden sie offensichtlich nicht. (Um das noch einmal zu betonen: Ich habe hier nur die Informationen genutzt, die die Abtreibungsbefürworter selbst eingestehen mussten. In anderen Fällen muss man weiter recherchieren – z. B. gab es in den USA einen Fall, in dem eine Mutter vor Gericht gestellt wurde, weil sie ihr ungeborenes Kind durch Drogenkonsum geschädigt hatte. Aber hier ist es selbst aus den Behauptungen der Aktivisten klar.) Und das kann man auch sehen, wenn man das Ganze einmal vernünftig durchdenkt.

Extrem viele Frauen erleiden Fehlgeburten; auch bei einer traditionell eingestellten katholischen Mutter, die nacheinander 6 Kinder bekommt, ist es nicht unwahrscheinlich, dass sie einmal eine Fehlgeburt hat. Das wissen Frauen, das wissen Ärzte, das weiß die Gesellschaft. Wenn man bei jeder Fehlgeburt anfangen würde, zu ermitteln, säße bald die Hälfte der weiblichen Bevölkerung zwischen 15 und 50 in Untersuchungshaft und man bräuchte hunderttausende Polizisten. (Das wissen auch die Frauen in El Salvador – Frau Rodriguez erzählt in dem taz-Artikel davon, dass sie selbst im Frauengefängnis als Kindermörderin gegolten habe und die anderen Frauen, die z. B. wegen Bandenkriminalität einsaßen, nichts mit ihr zu tun haben wollten.)

Der taz-Artikel selbst erwähnt, dass in El Salvador zwischen 2000 und 2019, also in 20 Jahren, 181 Frauen wegen Abtreibung angeklagt worden seien (also nur angeklagt, nicht einmal verurteilt, und selbst diese Zahlen stammen von der den Grünen nahestehenden Heinrich-Böll-Stiftung) – und das bei einer Bevölkerung von 6,5 Mio.

Könnte es trotzdem einmal vorkommen, dass ein Arzt wegen Verdachts auf Abtreibung Anzeige erstattet, wenn eine Frau tatsächlich eine Fehlgeburt hatte? Rein theoretisch wäre es möglich – ich könnte mir z. B. den Fall vorstellen, dass eine Frau ins Krankenhaus kommt, die sich auf irgendeine dumme Weise verletzt hat und daraufhin eine Fehlgeburt hatte, und bei der es so aussieht, als hätte sie sich die Verletzungen bewusst zugefügt, um die Fehlgeburt auszulösen (wobei Ärzte sicher wissen, welche Verletzungen typischerweise selbst zugefügt sein können und welche eher nicht). Aber auch in einem solchen Fall würde in jedem normalen Staat gelten: Im Zweifelsfall für die Angeklagte. Und bei Fällen, in denen Abtreibungen nicht von Fehlgeburten zu unterscheiden sind, würde man gar nicht erst anfangen zu ermitteln. Das Resultat ist natürlich, dass einige Frauen abtreiben und damit durchkommen werden; aber daran kann man, wie bei anderen Verbrechen, leider nichts ändern. Was nicht resultiert: Dass Frauen wegen einer Fehlgeburt als Mörderinnen verurteilt werden.

Zum Vergleich: Auch beim plötzlichen Kindstod kann man manchmal nicht ausschließen, dass die Eltern den Tod des Kindes irgendwie herbeigeführt haben. Aber im Normalfall wird es keine Ermittlungen geben; und kein Mensch würde sagen, dass Ermittlungen bei wirklichen Verdachtsfällen unterbleiben sollten, weil man hier auch gegen unschuldige Eltern ermitteln könnte. Dafür ist ja der Ermittlungsprozess da, dass Schuldige überführt und Unschuldige entlastet werden.

Abtreibungsbefürworter behaupten auch manchmal, wenn Abtreibung verboten wäre, würde damit auch die Entfernung des Kindes bei einer Eileiterschwangerschaft oder die Entfernung eines toten, aber noch nicht abgegangenen Kindes aus der Gebärmutter verboten. Auch hier handelt es sich um eine offene Lüge. Nehmen wir einmal das viel kritisierte, relativ neue Gesetz aus Texas, das Abtreibungen verbietet, sobald ein Herzschlag festzustellen ist (ca. 6. Woche). Da heißt es ausdrücklich:

„Eine Handlung ist kein Schwangerschaftsabbruch, wenn sie in der Absicht vorgenommen wird,
(A) das Leben eines ungeborenen Kindes zu retten oder seine Gesundheit zu erhalten;
(B) ein totes ungeborenes Kind zu entfernen, dessen Tod durch einen Spontanabort verursacht wurde; oder
(C) eine Eileiterschwangerschaft zu entfernen.“

(Bei einer Eileiterschwangerschaft könnte das Kind nach dem jetzigen Stand der Wissenschaft normalerweise nicht überleben, weil der Eileiter schlicht zu klein ist und irgendwann reißen wird, was normalerweise zu starken inneren Blutungen, zum Tod des Kindes und evtl. dem der Mutter führt. Es gibt nur extrem, extrem seltene Berichte davon, dass das Reißen des Eileiters nicht zu weiteren Komplikationen geführt hat und das Kind dann im Bauchraum überlebt hat, aus der Eileiterschwangerschaft also eine Bauchhöhlenschwangerschaft wurde; Ronan Ingram ist ein Beispiel. Aus katholischer Sicht ist hier das Entfernen des Eileiters erlaubt, weil man dabei ein Organ entfernt, das krank ist und Probleme machen wird, und den Tod des Kindes nicht beabsichtigt. Die Abwägung ist recht klar: Man hätte auf der einen Seite den fast zu 100% sicheren Tod des Kindes und Lebensgefahr für die Mutter und auf der anderen Seite den zu 100% sicheren Tod des Kindes und Lebensrettung für die Mutter. Also ist zwar keine direkte Tötung, aber eine indirekte Tötung erlaubt. (Keine Einigkeit unter den Moraltheologen herrscht dazu, ob evtl. auch das Entfernen nur des Kindes, solange es dabei nicht zerstückelt wird o. Ä., erlaubt wäre, statt das Entfernen des ganzen Eileiters, oder ob das schon eine direkte Tötung wäre. Aber diese Frage ist hier nicht so wichtig; beides ist durch solche Gesetze erlaubt und beides rettet die Mutter.))

Man sollte auch erwähnen, dass viele Pro-Life-Gesetze nur den Arzt, der eine Abtreibung vornimmt, mit Strafe bedrohen, und die Mutter ausdrücklich davon ausnehmen. Ich finde das nicht ideal; eine Mutter, die ihr ungeborenes Kind getötet hat, sollte genauso behandelt werden wie eine Mutter, die ihr geborenes Kind getötet hat. Aber es ist so. Und wenn Abtreibungsbefürworter mit solchen Gesetzen, die nur dem Arzt Strafe androhen, zufrieden wären, um die Möglichkeit auszuschließen, dass Mütter wegen einer Fehlgeburt belangt werden, könnten wir uns gerne vorläufig auf diesen unvollkommenen Kompromiss einigen.

PS: Bei einer ungewollten Schwangerschaft helfen in Deutschland Organisationen wie Pro Femina mit Beratung und tatkräftiger Unterstützung. Es gibt auch Beratung und Hilfe, wenn man nach einer Abtreibung mit Trauer und Reue nicht klarkommt, z. B. bei der Aktion Leben, s. hier oder hier.

Ein Tag der Freude für die Ungeborenen

Gestern war das Fest des Heiligsten Herzens Jesu, das vor Liebe für alle Menschen brennt, und gleichzeitig das Fest des hl. Johannes des Täufers, der schon als Fötus im Mutterleib den Heiland, der als Zygote im Mutterleib zu ihm kam, erkannte.

Robert Anning Bell, Treffen der hl. Jungfrau und der hl. Elisabeth. „Denn siehe, in dem Augenblick, als ich deinen Gruß hörte, hüpfte das Kind vor Freude in meinem Leib.“ (Lk 1,44)

Und passend dazu gab es zwei Nachrichten, eine schlechte und eine sehr sehr gute.

Zuerst die schlechte: Der deutsche Bundestag beschließt, § 219a StGB, also das Werbeverbot für Abtreibungen, abzuschaffen. (Wobei sie natürlich weiter herumlügen und behaupten, es ginge nur um „Informationen“, während der Paragraph ausdrücklich Werbung wegen des Vermögensvorteils unter Strafe stellte; aber offene Lügen sind wir von dieser Seite her ja gewohnt.) Jetzt können wir uns also darauf freuen, auch in Deutschland solche Plakate wie in Österreich…

… oder den USA zu sehen:

Unsere lieben Abgeordneten sind auch ziemlich begeistert darüber, Abtreibungen zu erleichtern und die Zahlen hochzutreiben; und hier kann man nicht nur die Banalität, sondern auch die pure Infantilität des Bösen sehen:

Aber kurz danach kommt eine wahnsinnig großartige Nachricht, auf die wir seit Jahrzehnten gewartet haben: In den USA kippt der Oberste Gerichtshof das Urteil im Fall Roe v. Wade von 1973. Dieses Urteil hatte erklärt, die amerikanische Verfassung schließe implizit ein Recht auf Privatsphäre ein, was wiederum ein Recht auf Abtreibung einschließe; und so war es in den USA wahnsinnig schwierig geworden, noch irgendwelche Gesetze mit Abtreibungsbeschränkungen zu erlassen, die nicht wieder von Gerichten gekippt werden würden. Über 60 Millionen Kinder wurden seitdem in den USA abgetrieben. Mississippi erließ 2018 ein Gesetz, das die meisten Abtreibungen ab 15 Wochen verbat; sofort klagte eine Abtreibungsklinik dagegen und schließlich landete der Fall vor dem Obersten Gerichtshof, der nun erklärt hat, dass die Verfassung kein Recht auf Abtreibung enthält und die Bundesstaaten frei sind, Gesetze dagegen zu erlassen. 13 Staaten hatten schon Gesetze vorbereitet, die Abtreibung verbieten, sobald Roe gekippt wird, und die sie jetzt nach und nach in Kraft setzen:

HURRA. HURRA, HURRA, HURRA.

Abtreibungsaktivisten hatten vorher schon Gewalt angekündigt, und in den letzten Wochen schon einige Schwangerschaftskrisenzentren (die Frauen helfen, die ungeplant schwanger sind, z. B. Beratung und Babyausstattung bieten) und Kirchen angegriffen, teilweise „nur“ Fenster eingeschlagen und Wände beschmiert („wenn Abtreibung nicht sicher ist, seid ihr es auch nicht“), teilweise Gebäude in Brand gesteckt; die Polizei hatte Diözesen und die Diözesen ihre Pfarreien gewarnt, auf extreme Gewalt nach der Gerichtsentscheidung vorbereitet zu sein. Seit gestern gab es jetzt auch Proteste, und Gewaltausbrüche, und Abtreibungsbefürworter sind fleißig dabei, Mordpläne gegen die Richter im Internet anzukündigen; das Schlimmste scheint aber – vorerst – noch auszubleiben. [Update: Es gibt jetzt weitere Berichte von (versuchten) Angriffen; Aktivisten haben u. a. versucht, das Parlament in Arizona zu stürmen.] Gleichzeitig sind sie wieder fleißig dabei, Lügen zu verbreiten, z. B. dass, wenn Abtreibung verboten sei, Frauen nach einer Fehlgeburt von der Polizei verfolgt werden könnten. (Was schlicht nicht passiert; wenn solche Leute versuchen, Beispiele heranzuziehen, kommen sie z. B. auf einen Fall aus El Salvador, wo eine Frau verurteilt wurde, deren Kind tot mit Wunden am Hals in einer Tasche versteckt gefunden wurde, und die behauptete, es wäre schon tot geboren worden und sie hätte ihm die Wunden aus Versehen zugefügt, als sie die um den Hals gewickelte Nabelschnur durchschneiden wollte, oder einen anderen Fall aus demselben Land mit einer Frau, deren Kind tot in einer Klärgrube gefunden wurde; auch sie behauptete, es wäre tot geboren worden, während die Gerichtsmediziner meinten, es hätte da noch gelebt. Diese Fälle würden in Deutschland oder den USA ebenso gerichtlich verfolgt werden, da es eben um Tötung nach der Geburt ging.)

Aber der Teufel tobt eben, wenn er eine Niederlage einstecken muss, kann man sagen.

Dass dieses Urteil gekippt wurde, ist nun einzig und allein den drei Richtern zu verdanken, die Ex-Präsident Trump an den Obersten Gerichtshof gebracht hat: Brett Kavanaugh, Amy Coney Barrett und Neil Gorsuch, die zusammen mit den von den beiden Bushs ernannten Richtern Clarence Thomas und Samuel Alito dafür stimmten; der ebenfalls von einem Bush ernannte Richter Roberts stimmte dafür, das Gesetz aus Mississippi aufrecht zu erhalten, aber dagegen, Roe v. Wade zu kippen, während die drei von Clinton und Obama ernannten Richter Breyer, Sotomayor und Kagan gegen beides stimmten. (Die 9 Richter werden auf Lebenszeit ernannt; und weil sie das letzte Wort in den USA haben, spielt die Aussicht darauf, dass einer von ihnen sterben und der neue Präsident einen anderen Kandidaten ernennen könnte, eine so große Rolle in den US-Präsidentschaftswahlen.)

Vor den letzten und vorletzten Wahlen gab es ja in den USA viele heftige Diskussionen unter Katholiken; die meisten konservativen Katholiken waren grundsätzlich dafür, die Republikaner zu wählen, weil die nun mal (zumindest irgendwie und halbherzig) pro life sind, und weil das Thema Abtreibung wichtiger sei als alle anderen, und weil Trump neue Richter an den Obersten Gerichtshof bringen könnte, die Roe v. Wade kippen könnten. Mehr politisch links geneigte Katholiken behaupteten dagegen immer wieder, die Republikaner würden in der Praxis sowieso nichts gegen Abtreibung tun, der Supreme Court werde auch unter konservativen Richtern Roe v. Wade nicht abschaffen, also solle man eher die Demokraten wählen, die (angeblich) für eine sozialere Politik sorgen würden und damit mittelbar für weniger Abtreibungen, was erst wirklich pro life wäre. Diese Katholiken spielten sich gerne als die Gemäßigten auf, die fähig zur Differenzierung seien, die sich nicht mit der Korruption in der Politik gemein machten.

Aber die Konservativen haben Recht behalten. Ja, die Republikaner haben in den letzten Jahren mehr gegen Abtreibung getan, haben Gesetze auf der Ebene der einzelnen Bundesstaaten erlassen, die schließlich dazu führten, dass das Thema wieder vor den Obersten Gerichtshof kam. Und wenn 2016 Hillary Clinton statt Donald Trump gewählt worden wäre, wäre dieser Gerichtshof mit großer Mehrheit mit abtreibungsfreundlichen Richtern besetzt gewesen, die ein „Recht auf Abtreibung“ noch einmal bekräftigt hätten. Und letztlich kann keiner leugnen, dass der legale Mord an Millionen Menschen das wichtigste Thema ist, wenn Wahlen die Chance bieten, bei diesem Thema wirklich etwas zu ändern; egal, wie man über Sozialhilfe oder illegale Migration aus Lateinamerika oder sonst ein Thema denken mag. (Wenn wir mal davon absehen, dass die Demokraten hier eben keine gute soziale Politik machen; dass in von ihnen kontrollierten Städten und Staaten wie Kalifornien Kriminalität und Obdachlosigkeit ihren Höhepunkt erleben.)

Ich glaube auch nicht, dass diese linken Katholiken immer ganz ehrlich mit sich selbst waren; sie wollten gegenüber ihren säkularen Freunden und der gehobenen Gesellschaft nicht als tumbe Hinterwäldler dastehen, sie wollten sich auch etwas beliebt machen; und auch wenn ihr Gewissen ihnen keinen offensichtlichen Bruch mit der Kirchenlehre bzgl. Abtreibung erlaubte, spielten sie das Thema eben herunter. Und auch ihre Abgrenzung von Trump hatte etwas Heuchlerisches; denn sie hatten kein Problem damit, für extrem korrupte Politiker zu stimmen, die eine respektablere Fassade boten (auch wenn sie wahrscheinlich durch Verleumdungen und Trump Derangement Syndrome beeinflusst waren). Man muss sich tatsächlich auch kein schlechtes Gewissen machen, wenn man für schlechte Politiker stimmt, die immer noch am meisten Gutes und am wenigsten Schlechtes bewirken; das ist eine entfernte materielle Mitwirkung am Bösen, die erlaubt ist; und dieses Prinzip gilt eben bei Demokraten wie bei Republikanern, nur dass die Demokraten eben tatsächlich die wesentlich Böseren sind. Sie sind für Abtreibung bis zur Geburt oder zumindest bis zur Lebensfähigkeit des Kindes (24. Woche) ohne Einschränkungen (und außerdem sind sie auch sonst für vieles Böse, z. B. haben sie politische Gewalt durch Black Lives Matter befeuert und befürworten Geschlechtsumwandlungen bei Kindern).

Gott hat Humor, und ich vermute, Er hat alle diese Never-Trumper ein bisschen getrollt, als Er es so fügte, dass ausgerechnet der vulgäre, mehrfach geschiedene, orangegesichtige Millionär Trump, vor dem sie alle die Nase rümpften, für das Ende von Roe v. Wade sorgte. Ich denke, wir schulden Trump ein paar Gebete für seine Seele; denn wir können ihm wirklich dankbar sein, und er kann sie wahrscheinlich gebrauchen. Und natürlich schulden wir das auch den Richtern, die tatsächlich einiges riskiert haben; vor kurzem erst wurde ein Mann festgenommen, der einen Mord an Richter Kavanaugh geplant hatte, und Aktivisten haben im Vorfeld der Entscheidung ihre Adressen veröffentlicht und ihre Häuser belagert. Aber vielleicht war Kavanaugh, Coney Barrett, Gorsuch jetzt auch klar, dass sie es den Linken nie recht machen können würden und man nicht mehr vor ihnen einknicken darf.

Manche Pro-Lifer sind jetzt quasi der Meinung, wir könnten uns nicht wirklich freuen, weil es immer noch Gründe gäbe, die Frauen zur Abtreibung bewegen, usw., aber doch: Wir können uns freuen, wir sollten uns freuen, wir sollten jubeln und feiern. Die totale Rechtlosigkeit der Ungeborenen in Amerika ist beendet, und vielleicht wird es in absehbarer Zeit sogar möglich sein, Abtreibung per Bundesgesetz oder Verfassungszusatz im ganzen Land zu verbieten, wenn bei den nächsten Wahlen die Demokraten verlieren. Die Pro-Life-Bewegung wird weiterhin Frauen/Eltern in Not helfen, und Frauen/Eltern, die unter vergangenen Abtreibungen leiden, wie sie das die ganzen letzten Jahrzehnte getan hat, und das wird auch nötig sein; aber erst einmal können wir uns freuen. Wir können ein paar Mal „Großer Gott, wir loben dich“ schmettern und eine Flasche Sekt rausholen. Die Leute, die die Ungeborenen zu rechtlosen Nichtmenschen machen wollen, haben erst mal verloren. ÄTSCHI-BÄTSCH.

Transpersonen, TERFs und ihre Fehler

Ich weiß nicht, wie viel meine Leser davon mitbekommen haben, aber: Das Thema Transgenderismus wird mittlerweile ja immer schlimmer. Die zuständigen Aktivisten beteuern, schon Vierjährige könnten und sollten ihr Geschlecht frei wählen; sich in der Pubertät in seinem Körper unwohl zu fühlen, könne ein Zeichen sein, dass man trans wäre; und es wäre Kindesmissbrauch, Zwölfjährigen keine Hormone zu geben, die irreparable Schäden in ihrem Körper anrichten, oder sie sich nicht die Brüste abschneiden zu lassen. Währenddessen wird es zur Strategie von Sexualstraftätern, egal ob sie sich „als Frau fühlen“ oder nicht, sich vorübergehend als Transfrau zu identifizieren, um ins Frauengefängnis verlegt zu werden. Immerhin gibt es ein paar kleine Siege der Gegenbewegung; in Florida ist es jetzt nicht mehr erlaubt, Minderjährigen Pubertätsblocker und Hormone zu verabreichen.

Zu dieser Gegenbewegung gehören nicht nur Konservative und Personen, die sich früher selbst als trans identifiziert und dann darunter gelitten haben (Detransitionierer), sondern auch gender-kritische Radikalfeministinnen, u. a. lesbische Radikalfeministinnen, die von Transaktivisten gern als TERFs (Trans exclusionary radical feminist) beschimpft werden. (Ich übernehme den Begriff jetzt einfach mal für diesen Artikel, als Abkürzung, nicht als Schimpfwort; denn es ist ja eigentlich keins.) Einige dieser TERFs sind Frauen oder Exfrauen von Männern, die einen autogynophilen Fetisch haben, also sexuell von der Vorstellung von sich als Frau erregt werden und z. B. Unterwäsche von weiblichen Familienmitgliedern stehlen, um damit zu masturbieren, und die sich dann plötzlich als „Transfrau“ identifiziert haben. Andere wurden von „Transfrauen“ attackiert, weil sie keine „lesbische“ Beziehung mit ihnen wollen. Wieder andere machen sich vor allem Sorgen darum, wie sich in manchen Gegenden und Schulen plötzlich ganze Gruppen von Kindern und Jugendlichen als trans identifizieren (Rapid Onset Gender Dysphoria).

Wenn TERFs gegen all das argumentieren, kommen immer wieder solche Aussagen:

  • „Vor vierzig Jahren haben wir Mädchen gesagt, dass sie keiner stereotypen Mädchenrolle entsprechen müssen. Heute sagen wir Mädchen, wenn sie nicht genau einer stereotypen Mädchenrolle entsprechen, wären sie vielleicht tatsächlich Jungen.“
  • „Viele Jugendliche, die jetzt transitionieren, würden diese Phase überwinden und einfach homosexuell werden, wenn Transaktivisten sie nicht überzeugt hätten, sie wären trans.“
  • „Transfrauen sind als Männer im Patriarchat sozialisiert und daran gewöhnt, dass sie sich alles nehmen können, was sie wollen; deswegen drängen sie jetzt in geschützte Frauenräume wie Frauenhäuser, Krankenzimmer, Frauengefängnisse usw.“
  • „Wir haben früher immer gesagt, dass man sich nicht aussuchen kann, zu wem man sich sexuell hingezogen fühlt, um für Homosexuellenrechte zu kämpfen; heute sagen Transfrauen uns Lesben, wir könnten uns dazu trainieren, uns auch zu ‚Frauen‘ mit Penis hingezogen zu fühlen. Das ist Homophobie im neuen Gewand.“

Sie sehen in der Genderideologie einen Rückschritt für Homosexuellenrechte und den Feminismus und klagen das ominöse Patriarchat an. Tatsächlich sind Transaktivisten/Transpersonen aber nur auf dem selben Weg etwas weitergegangen als klassische Feministen und Homosexuelle (wobei da natürlich einige Selbstwidersprüche auftauchen), und wenn sie sich dann umwenden und ihre Vorgänger zerfleischen wollen, kann man attestieren: Die Revolution frisst ihre Kinder. Und die Girondisten sind nicht um so vieles besser als die Jakobiner – auch wenn sie hoffentlich eher wieder zur Vernunft kommen, je verrückter die Jakobiner werden.

Während noch das böse „Patriarchat“ an der Macht war, gab es (jedenfalls in christlichen Ländern; in heidnischen Ländern konnte es anders aussehen) keine sonderlich große Toleranz für sexuelle Abweichungen. Gut, die Meinungen dazu, wenn Eheleute coitus interruptus praktizierten, waren gespalten. Aber viel weiter ging man nicht. Statt Pornovideos gab es bloß unter der Hand gehandelte anzügliche Fotos, und es wären die wenigsten Männer auf die Idee gekommen, von ihrer Frau zu verlangen, bei Oralsex, Analsex oder Fesselspielchen mitzumachen, falls ihnen denn bewusst war, dass es solche Sexpraktiken gibt. Man mochte es notgedrungen tolerieren, wenn junge Männer zu Prostituierten gingen, aber niemand hielt es für gut. Homosexualität war eine Sachen von wenigen Gruppen von Männern, die sich nachts zum anonymen Sex im Park trafen. Transsexualität/Transvestismus war wenig bekannt. Sex war nicht etwas, das von normalen Regeln zu Ehrlichkeit, Treue und Rücksichtnahme ausgenommen war, und als natürlich sah man den normalen Geschlechtsverkehr in der Ehe, zwischen einem Mann und einer Frau, die sich aneinander gebunden haben, und die die Kinder, die aus ihrer Verbindung entstehen können, in Liebe empfangen.

Es gehörte auch zum allgemeinen Konsens, dass Frauen einen gewissen Schutz brauchen, dass es Frauenbereiche braucht. Auch ein Verehrer sollte nicht unbedingt allein mit einer Frau sein, was einen Schutz vor Date Rape bot. Frauenumkleidekabinen, -toiletten und dergleichen waren Orte, wo sich kein Mann hineintraute. Man wäre auch nie auf die Idee gekommen, Frauen in den Krieg zu schicken.

Das alte Patriarchat war offensichtlich nicht so drauf, dass es Männern jeden Schutz bot, ihre sexuellen Neigungen auszuüben, auch wenn Frauen darunter leiden sollten. Wenn ein Mann seiner Frau eröffnet hätte, dass er eigentlich schwul oder trans sei, hätte man nicht von ihr erwartet, gefälligst zu lächeln und bei dem Spielchen mitzumachen und ihn sein „wahres Selbst“ sein zu lassen, sondern hätte empört darauf reagiert, dass er das vor ihr verheimlicht und sie trotzdem geheiratet hatte oder sich nicht wenigstens bemühte, seinen Neigungen nicht nachzugeben.

Das alles hat sich mit der Sexuellen Revolution drastisch geändert (und die kam nicht erst in den 60ern, sondern in einigen Schichten schon viel früher – im Berlin der 1920er sieht man das z. B. gut, bei Magnus Hirschfeld usw.), und hier haben die meisten Feministinnen unkritisch mitgemacht. Hier wurde die allgemeine Einstellung verbreitet, dass noch so ungewöhnliche Fetische und Neigungen ausgelebt werden müssen, und es quasi psychisch krank machen würde, das nicht tun zu können. Sex wurde als lebensnotwendig definiert, und das war eine gefährliche Sache, denn so ein starker natürlicher Trieb kann auch in falsche Bahnen gelenkt werden – ebenso wie es Essstörungen gibt, gibt es schädliche sexuelle Verhaltensweisen. (Und das gilt auch, wenn Leute ehrlich glauben, nur glücklich sein zu können, indem sie solchen Neigungen nachgeben, und niemandem etwas Böses wollen.)

Dann haben Feministinnen sich auch mit Enthusiasmus daran gemacht, „Geschlechterrollen zu dekonstruieren“. Deren Zuschreibung sei eigentlich willkürlich, und Mädchen sollten sich männlicher und Jungen sich weiblicher verhalten. (Denn auch wenn behauptet wurde, jeder könne genau so sein, wie er wolle, erwarteten diese Feministinnen doch, dass die Mädchen sich gefälligst wünschen sollten, weniger mädchenartig, und die Jungen, weniger jungenartig zu sein.) Hier könnte man – wie die TERFs das tun – denken, das wäre eigentlich die Antithese zum Transgenderismus, aber tatsächlich war es deren Vorläufer.

TERFs sehen ja selbst, dass es bedeutende biologische Unterschiede zwischen Männern und Frauen gibt, dass Männer z. B. stärker und aggressiver sind. Aber dann erklären sie im nächsten Atemzug, dass mit diesen biologischen Unterschieden gefälligst keine sozialen und psychologischen einhergehen sollten, dass es keine Männerrollen und Frauenrollen geben solle, dass beispielsweise Frauen und Männer gleich viel Zeit auf ihre Kinder bzw. auf den Beruf verwenden sollten wie der andere (und tendenziell beide mehr Zeit auf den Beruf als auf die Kinder), und beide die gleichen Berufe lernen sollten (und tendenziell eher Männerberufe). Aber die allermeisten Frauen und Männer suchen Rollen als Frauen oder Männer, in denen sie sich wohl und anerkannt fühlen können. Mädchen wollen irgendwann eine „richtige Frau“ sein und Jungen ein „richtiger Mann“, und nicht geschlechtsneutral. Kein Mensch behauptet, dass das für alle ganz klischeehaft aussehen muss, aber auch Mädchen, die z. B. mathematisch begabt sind und gerne Fußball spielen, werden irgendwann irgendwie fraulich sein wollen. Und gerade Kinder brauchen konkrete Vorbilder, nicht ein „Du kannst alles sein, was du dir vorstellen kannst“. Man will eine Identität, eine Gemeinschaft mit anderen.

Die Verwirrung dazu, was das Geschlecht sozial bedeuten soll, trug tatsächlich dazu bei, dass man dahingehend verwirrt wurde, ob es biologisch noch etwas bedeuten soll. (Und tatsächlich ist es ja vor allem so, dass Frausein Mütterlichkeit nach dem Vorbild der hl. Jungfrau Maria (auch bei Nichtmüttern) und Mannsein Väterlichkeit nach dem Vorbild des hl. Joseoph (auch bei Nichtvätern) bedeuten soll.)

Der klassische Feminismus und die Homosexualität sind auch nicht die großartige Alternative zur Genderideologie. Eine 13jährige, die sich unwohl damit fühlt, dass ihr Brüste wachsen und Jungs sie jetzt als sexuelles Wesen sehen könnten, und die irgendwie linkisch ist und kein rechtes Modegespür hat, sollte weder dazu gebracht werden, zu glauben, sie könnte eigentlich ein Junge sein, noch dazu, sie wäre vielleicht lesbisch.

(Und, das ist ein untergeordneter Punkt, aber Feministinnen haben auch sehr gerne die Rolle der „starken Frau“ propagiert, die z. B. auch Kriegerin wird, weswegen in Filmen gerne mal so getan würde, als hätten 1,70 große dünne Schauspielerinnen tatsächlich eine Chance gegen Männer in einer Prügelei oder einem Kampf. Erst jetzt entdecken diese Feministinnen wieder, dass das so nicht klappt, weil Transfrauen in den Frauensport drängen und logischerweise die tatsächlichen Frauen, die ihnen körperlich unterlegen sind, abdrängen.)

Das eigentliche Problem, die Wurzel des Ganzen ist aber der Relativismus, der der Sexuellen Revolution schon voranging, und erst ihre Grundlage war. „Wenn das für dich so ist, dann ist es so“, „Dir deine Wahrheit, mir meine Wahrheit“. Um ehrlich zu sein, ich habe nie im Ansatz verstanden, wie man so weit gehirngewaschen sein kann, dass man das auch nur ernstnimmt, aber offensichtlich sind die Leute das.

Sie huldigen einer Tinkerbell-Weltsicht: Tinkerbell lebt, wenn die Kinder an Feen glauben, und stirbt, wenn sie es nicht tun – als wäre es irgendwie tugendhaft, an Märchenfiguren zu glauben, weil man es gern hätte, dass es sie gäbe. [Hier darf man sich auch nicht verwirren lassen: Leuten zu vertrauen, die man als vertrauenswürdig kennt, ohne für jede Einzelheit, die sie einem erzählen, misstrauisch Beweise zu verlangen, ist sehr wohl eine Tugend (und so in etwa stellt sich auch der religiöse Glaube da, der auf dem Wissen aufbaut, dass es Gott gibt und Er sich offenbart hat); Wunschdenken ist etwas völlig anderes.] Ebenso sagt man uns jetzt, wenn wir nur ganz fest glauben, dass Männer im Kleid Frauen sind, sind sie es auch. (Sogar die Negativseite ist hier da: Man erzählt uns auch, wenn wir Trans“frauen“ nicht mit Lob überhäufen, sind wir schuld, dass sie Selbstmord begehen; eine ziemlich perverse Form der Erpression, bei der auch nie gefragt wird, wo denn früher die Massen an Transpersonenselbstmorden waren, und wieso die Selbstmordrate bei Transpersonen auch nach „geschlechtsangleichenden“ OPs nicht sinkt.)

Die Welt ist einfach nichts, was wir uns erschaffen. Sie tritt an uns heran, ob wir es wollen oder nicht, und es ist Gott, der sie gemacht hat (und böse Menschen und gefallene Engel, die sie teilweise verdorben haben). Auch ein Mann, der gern eine Frau wäre, vielleicht, weil er das Gefühl hat, kein richtiger Mann sein zu können, wird immer ein Mann sein.

Und auch die Homosexuellenideologie war da schon dasselbe wie die Genderideologie; auch die ignorierte schon, wie die menschlichen Geschlechtsteile eigentlich zusammenpassen, und führte zu selbstschädigenden Lebensweisen.

(Dein Körper ist nicht dazu gemacht, Reißnägel zu verdauen, Mann. – Haha, netter naturalistischer Fehlschluss!)

Auch dass dieser Trend Kindern und Jugendlichen aufgedrängt wird, damit sich Erwachsene mit solchen Neigungen bestärkt fühlen, ist nichts Neues; zuerst wurde eben Homosexualität und dann Transgenderismus in die Lehrpläne aufgenommen. Drag Queen Story Hours im Kindergarten sind da zu erwarten.

Aber Kinder haben ein Recht auf das Wirkliche und das Natürliche.

Sie müssen generell nicht allzu früh mit Infos über Sex überhäuft werden, aber ihnen in der 4. Klasse zu erklären, woher die Babies kommen und was sich in der Pubertät bei ihnen verändern wird, ist sinnvoll. Bei der Genderideologie dagegen ist es nicht so, dass Schulkinder dafür einfach zu jung wären; sie ist zwar besonders schädlich für sie, weil sie so jung sind, aber sie ist auch noch schädlich für Ältere. Natürlich müssen sie irgendwann davon erfahren, dass es sie gibt – im selben Sinn, wie sie irgendwann erfahren müssen, dass es Scientology und Wahrsager gibt. Man muss sie irgendwann darüber aufklären, was die Genderideologie tatsächlich ist, und sie davor warnen. Aber eine Zeitlang können sie auch einfach davor geschützt werden.

Das Sein ist auch das Gute. Wir haben eine bestimmte Natur, und der kann man nie wirklich entkommen; man kann sich bei dem Versuch nur selber zerstören.

Die Gefahren des „linken“ Katholizismus

Es ist ein wiederkehrendes Phänomen in der Geschichte der Kirche: Katholiken, die sich irgendwie von der für sie langweiligen Kirche abgrenzen, aber trotzdem (vorerst) noch gute Katholiken bleiben wollen, die in gewissem Maße zeittypischen beliebten Strömungen verfallen, und die in ein gewisses utopistisch-idealistisches Denken verfallen. Seit 200 oder 300 Jahren sind das eben diese Leute, die man gemeinhin „links“ nennt. Und das ist kein harmloses Phänomen, vor allem, weil diejenigen unter Umständen nicht mehr für längere Zeit Katholiken bleiben.

Linke Christen geraten einfach sehr leicht in eine der folgenden typischen linken Fallen (auch wenn sie erst mal aus guten Motiven links werden) :

  • Man denkt, dass die Sache mit dem Jenseits nur als Vertröstung verwendet wird (auch wenn sie an sich vielleicht wahr sei), und dass es vor allem drauf ankomme, jetzt die Welt zu verbessern, wofür dann immer mehr Mittel den Zweck heiligen sollen.
  • Man will besonders radikal und konsequent sein oder erscheinen und sich von den „verbürgerlichten“ Christen abgrenzen, also muss man sich dafür irgendwelche Methoden suchen. Das wird dann z. B. radikaler Pazifismus, den man damit begründet, man würde endlich die Bergpredigt ernst nehmen, oder Zusammenleben in Gütergemeinschaft auch bei Familien statt nur bei ledigen, unabhängigen Personen in Ordensgemeinschaften. Dorothy Day zum Beispiel (die sicher eine sehr fromme und idealistische Frau war) trieb diesen Pazifismus in ihrer Gemeinschaft so weit, dass sie es ablehnte, irgendetwas gegen Mitglieder zu tun, die andere bestahlen und die Gemeinschaft ausnutzten. Damit stellt man sich aber früher oder später gegen das, was die Kirche 2000 Jahre lang verkündet und gelebt hat. Notwehr z. B. ist völlig legitim und gut; und ein normales „bürgerliches“ Leben mit Bürojob, Einfamilienhaus, vier Kindern und einmal im Jahr Urlaub in Italien ist ebenfalls gut und passend für Laien und keine Sünde. Die sind dadurch nicht schlechte Christen und können auch so in ihrer Familie ein starkes Gebetsleben aufrecht erhalten und die Nächstenliebe füreinander und für andere pflegen, und die Kirche hat sie nie für verurteilenswert gehalten, auch wenn man vielleicht noch heiliger leben könnte. Und so entfernt man sich nach und nach, zuerst vielleicht unbewusst und nur gefühlsmäßig, immer mehr von der Kirche. Irgendwann kommt der Punkt, an dem man sagt: Ok, die Kirche lehrt das als angeblich unveränderliche Lehre, aber nein, das nehme ich nicht an.
  • Man wird arrogant, weil man für das große Ganze, den Weltfrieden, die Beendigung aller Armut und Unterdrückung eintreten will, und dabei leicht vergisst, dass man ein konkreter Mensch mit konkreten Verantwortlichkeiten für andere konkrete Menschen ist. Linke halten es oft für wichtiger, auf die richtigen Demos zu gehen (egal, ob die was bewirken oder nicht), als ihre Familie zu lieben. Ein Beispiel dafür wäre Ulrike Meinhof, die in ihrer Jugend- und Studentenzeit evangelische Christin war, bevor sie sich zum Kommunismus bekehrte.
  • Man gewinnt an Beliebtheit bei den Medien und der Öffentlichkeit, die selber links sind und denen erst mal alle Christen sympathisch sind, die sich von der bösen Kirche abgrenzen. Diese Beliebtheit kann einem leicht zu Kopf steigen, oder man wird sich einfach daran gewöhnen und sie nicht mehr verlieren wollen, und deswegen dazu neigen, Aspekte des Glaubens, die die Linken ablehnen, nicht so sehr zu betonen, sondern eher peinlich berührt zu verstecken, und sich sehr schnell und auf übertriebene Weise von weniger linken Christen abgrenzen; wer nicht links sei, wäre gar kein „wirklicher“ Christ mehr. Ein gutes Beispiel dafür ist Thomas Merton. Er konvertierte 1938 zum Katholizismus, wurde Mönch in einem amerikanischen Trappistenkloster, und bald sehr bekannt für seine geistlichen Schriften, die Konversionen und Ordenseintritte inspirierten. Nach und nach wurde er jedoch immer „linker“, suchte Kontakt zu den bekannten Köpfen der Pazifisten und Sozialisten der 60er, wurde seine Klostergemeinschaft leid, und zog sich in eine „Eremitage“ auf dem Klostergelände zurück, was er statt zur Zurückgezogenheit einfach dazu nutzte, Kontakte nach außen aufzubauen. Er hatte eine kurze Affäre mit einer halb so alten Krankenschwester, wurde recht ruhmsüchtig und eitel, und interessierte sich für östliche Religionen.
  • Es ist eine gewisse Zerstörungswut da, die sich als Radikalität tarnt. Man ist irgendwie missmutig, will was kaputt machen, und sagt sich, dass es eben nötig sei, bestehende Realitäten radikal zu zerschlagen, um dann irgendetwas Besseres aufbauen zu können. Dabei vergisst man leicht, dass Zerstören viel leichter ist als Aufbauen, und es nicht garantiert ist, dass nach der Zerstörung etwas Besseres aufgebaut wird.
  • Man übernimmt das Narrativ, dass Hierarchie dasselbe wie Unterdrückung und Gleichheit dasselbe wie Gerechtigkeit sei. Jede Art von Herrschaft gilt als ungerecht. Das steht in einem ziemlichen Kontrast zur klassisch-christlichen Vorstellung, dass verschiedene Hierarchien notwendig und gut sind, und auch der Gehorsam gegenüber anderen – das Hintanstellen des eigenen Willens – oft etwas Gutes ist (im richtigen Maß und im richtigen Zusammenhang natürlich).

Dabei ist es einfach nur sinnlos und unnötig, sich irgendwie an Linken zu orientieren.

Nehmen wir das traditionelle Thema der sozialen Gerechtigkeit. Marx baut auf lauter Fehlannahmen auf und seine Ideologie war nie erfolgreich; wieso sollte man bei ihm Inspiration suchen? Der traditionelle Katholizismus gibt schon genug Grundlagen dafür, z. B. gegen Zins- und Preiswucher zu sein, einen gerechten Familienlohn (also einen Lohn, mit dem ein Vollzeitarbeiter eine mittelgroße Familie ernähren kann) als striktes Recht zu sehen, Pflichten der Arbeitgeber gegenüber den Arbeitnehmern zu sehen, für Solidarität bei der Sicherstellung des Lebensunterhalts für Alte, Kranke, Behinderte, Arbeitslose zu sein, und die Ansammlung von extremem Reichtum in den Händen weniger zu kritisieren. Der Katholizismus sagt auch, dass die Güter der Erde eigentlich für das Wohl der gesamten Menschheit bestimmt sind; es muss nicht jeder genau gleich viel haben, aber es ist kein gutes System, wenn viele Leute zu wenig haben. Aber gleichzeitig sagt der Katholizismus eben auch, dass es gut ist, dass die Güter der Erde als Privateigentum aufgeteilt sind; dass es ein natürliches Recht ist, sich Privateigentum zu erwerben; dass gewaltsame Änderungen normalerweise sehr viel mehr schaden als nützen und Klassenkampf falsch ist; dass nicht alles vom Staat zentral geplant werden soll, weil es besser ist, Dinge vor Ort selbstständig zu erledigen, solange das praktisch möglich ist; dass nicht genaue Gleichheit herrschen muss, sondern es völlig ok ist, wenn manche mehr haben, als sie benötigen, solange sie dabei nicht andere ungerecht behandeln. Auch sehr „rechte“ Christen haben für soziale Verbesserungen gesorgt, z. B. Engelbert Dollfuß in Österreich oder (um ein heikleres Beispiel zu nehmen) Antonio Salazar in Portugal, und natürlich auch „mittige“ Christen wie Konrad Adenauer. Nicht nur der Sozialismus hatte Ideen für soziale Gerechtigkeit, sondern auch Korporatismus, Distributismus, soziale Marktwirtschaft.

Auch die Kritik an schlechten Herrschern ist nichts, was Linke erfunden haben; zu allen Zeiten haben unsere Heiligen den Herrschern gepredigt, dass sie sich damit, wie sie mit ihrer Verantwortung umgehen, entweder ewige Glückseligkeit oder ewige Strafen verdienen, und dass Gott nicht auf die Person sieht. Und im christlichen Mittelalter war man auch nicht der Ansicht, dass man sich von Tyrannen alles gefallen lassen muss. Freilich sah man immer auch die Gefahren bei gewaltsamen Umsturzversuchen, die am Ende meistens nur zum Putsch eines neuen Tyrannen werden, daher gab man sich eher damit zufrieden, wenn ein König nach einem Verbrechen öffentlich Buße tun und Besserung geloben musste.

Aber soziale Gerechtigkeit ist ja nicht das einzige Thema, auf das sich Linke konzentrieren. Heute sind es in viel größerem Ausmaß: Migration, Kriminalität, Feminismus, LGBTQ. Und dabei wird es manchmal noch deutlicher, wie sehr sie sich vom Christentum entfernen.

Thema Migration: Hier ist es noch nicht gleich so klar. Migration ist etwas, worüber die Kirche wenig Vorschriften macht, und das sehr vom Kontext abhängig ist. Sie sagt dazu grundsätzlich sogar: Die Erde ist als Ganze für die ganze Menschheit da, und deshalb sollen Staaten für Einwanderer in Not da sein, und ihnen Möglichkeiten zur Ansiedlung und Arbeit bieten. Das ist allerdings nicht absolut; so schreibt Papst Pius XII in „Exsul Familia“ (Hervorhebungen von mir): „Deshalb darf die Grundherrschaft der einzelnen Staaten, wenn sie auch zu achten ist, nicht so gesteigert werden, dass, während die Erde ringsum eine Fülle von Lebensmitteln für viele darbietet, aus ungenügenden und unbilligen Gründen den anderswo geborenen und wohlgesitteten Bedürftigen der Zutritt verweigert wird, sofern dies dem gerecht abgewogenen öffentlichen Interesse nicht widerspricht. Daraus ergibt sich: Kein Staat ist verpflichtet, Kriminelle aufzunehmen oder weiter zu beherbergen; es kann gerechte Gründe des Gemeinwohls geben, bestimmte Migranten nicht aufzunehmen, oder allgemein wenig Migranten aufzunehmen; und ein Recht auf Aufnahme kann es nur für wirklich Bedürftige geben. Und solche gerechten Gründe des Gemeinwohls sind offensichtlich da vorhanden, wo die Migranten aus einem völlig anderen Kulturkreis kommen, sich normalerweise nicht anpassen, den sie aufnehmenden Staat oft verachten, überdurchschnittlich oft kriminell sind, und oft über ihre Herkunft lügen, und auch andere Alternativen haben und sicher nicht dem Tod ausgeliefert sind, wenn man sie abweist. Nächstenliebe gilt auch für die eigenen Leute; in unserem Fall z. B. für deutsche Kinder, die zur gemobbten Minderheit an sog. „Brennpunktschulen“ werden, oder für Verbrechensopfer wie Maria Ladenburger. Und dann ist die sog. „Hilfe vor Ort“ ja oft auch effektiver; und wenn man die ganze Dritte Welt aufnähme, würde man nur selber zu Dritten Welt. Und es entspricht auch – besonders in einer Demokratie, wo das Volk herrschen soll – dem Gemeinwohl, dass die Zusammensetzung des Volkes nicht einfach so drastisch geändert wird, sodass es plötzlich zur Hälfte aus Leuten besteht, die zwar auf schnellem Weg eine Staatsbürgerschaft erwerben konnten, aber sich kaum mit dem Volk identifizieren. Das ist im Endeffekt eine Art Putsch. Mit Exsul Familia lässt es sich sehr gut begründen, z. B. Flüchtlinge vor dem Ukrainekrieg großzügig aufzunehmen, aber keine Wirtschaftsmigranten aus Nigeria oder Marokko.

Bei diesem Thema ist nicht so sehr die Einstellung „linkerer“ Christen verstörend, sondern vor allem, wie hasserfüllt sie auf Christen reagieren, die mit solchen Abwägungen zu einem eher migrationskritischen Fazit kommen; denen wird sofort vorgeworfen, keine Nächstenliebe zu haben und keine wirklichen Christen mehr zu sein. Niemand leugnet, dass Migranten Rechte haben; aber wer leugnet, dass es manchmal völlig legitim ist, Leuten nur temporär Asyl zu gewähren, bis sie in ihr Heimatland zurückkehren können, oder dass man Leuten nicht Asyl gewähren muss, die schon in einem anderen sicheren Staat untergekommen sind, stellt sich einfach blind, und der Grund hierfür wird vor allem der sein, dass man sich bei den herrschenden Linken nicht unbeliebt machen will, dass man als „die Guten“ gelten will (statt es zu sein).

Thema Kriminalität: Hier wird es schon etwas deutlicher, und hier sind Linke ja vor allem bekannt dafür, für gewöhnliche Kriminelle immer geringere Strafen [und für politische Gefangene in kommunistischen Ländern immer höhere] gewollt zu haben. Manche amerikanische Linke sind mittlerweile so weit, dass sie dafür eintreten, Polizei und Gefängnisse ganz abzuschaffen; mit genug Sozialarbeitern und dem, was sie unter sozialer Gerechtigkeit verstehen, werde schon alles gut werden, und die Leute würden gar keinen Anreiz mehr sehen, Verbrechen zu begehen. Hier sieht man eine typische linke Verdrehung. Typisch für Linke ist eine arrogante Überheblichkeit gegenüber dem Gewöhnlichen und Geordneten; die normalen Bürger, die z. B. Opfer von Einbrechern werden, werden verachtet. Auch typisch für Linke ist eine Neigung, die Ausgegrenzten zu Wort kommen zu lassen, was an sich eine sehr gute Neigung ist, aber hier dazu führt, dass Kriminelle, weil sie (zu Recht) ausgegrenzt werden, als die Unterdrückten gelten – und wer unterdrückt ist, muss laut linker Lehre gut sein – und daher alle Aufmerksamkeit bekommen. Also hat der Einbrecher eben keinen Anschluss gefunden, und muss rehabilitiert werden; man tritt ihm mit dem festen Glauben gegenüber, er wolle eigentlich lieb sein. Dass es einfach Menschen gibt, die auf eine dumme, gewöhnliche Weise brutal, gehässig, gierig sind, wird nicht mehr registriert. Eine solche Barmherzigkeit wird aber interessanterweise gewöhnlichen „Bürgerlichen“, die die falsche politische Einstellung (z. B. gegenüber Kriminellen) haben, nicht entgegengebracht; das sind die eigentlich Bösen.

Hier sieht man jedenfalls einen ziemlich klaren Unterschied zu dem, was früher im Christentum üblich war. Auch früher begleiteten Priester jeden Verurteilten noch bis zum Schafott, redeten ihm gut zu, brachten ihn oft dazu, zu bereuen und zu beichten. Aber sie redeten ihm auch zu, seine Strafe als Sühne zu akzeptieren, und lehnten die strafende Gerechtigkeit des Staates nicht im geringsten ab, auch wenn sie unter Umständen für Milderungen und Begnadigungen eintraten. Ich will hier nichts gegen humane Gefängnisse sagen; auch ein serienmäßiger Einbrecher muss nicht im finstersten Kerker bei einem halben Stück Brot auf einem fauligen Strohhaufen sitzen. Aber er braucht auch keinen Fernseher im Zimmer und keine Bewährung nach einem halben Jahr. Schön sieht man den Unterschied zwischen linken Katholiken und traditioneller eingestellten Katholiken beim Thema Todesstrafe, besonders in den USA, wo linke Katholiken seit Jahrzehnten Aktivismus gegen die Todesstrafe betreiben, und rechten Katholiken vorwerfen, sie wären nicht konsistent, weil sie für die Todesstrafe sind, aber sich gegen Abtreibung einsetzen – als wäre es nicht völlig konsistent, für die Todesstrafe für Serienmörder zu sein, aber gegen das Töten von unschuldigen ungeborenen Kindern. Und wie auch immer man zur praktischen Anwendung der Todesstrafe steht (nach traditioneller katholischer Lehre muss ein Staat sie nicht anwenden, sie ist aber grundsätzlich legitim, und auch Papst Franziskus kann daran nichts ändern): es ist schon ein Zeichen eines kaputten Gewissens, keinen Unterschied zu sehen zwischen der Hinrichtung von fünf Mördern im Jahr nach einem sehr langen Prozess, in dem sie sämtliche Instanzen anrufen konnten, und dem Töten von hunderttausenden ungeborenen Kindern im Jahr auf Auftrag ihrer Mütter. Sich hauptsächlich gegen ersteres einzusetzen und sich damit über andere zu erheben, die sich hauptsächlich gegen letzteres einsetzen, ist jedenfalls nicht katholisch.

Beim Feminismus wird es auch deutlicher. Während man bei Migration leichter verschiedene Meinungen finden kann, wird man im Lauf der katholischen Geschichte kaum Theologen oder Heilige finden, die irgendetwas für den Feminismus übrig hatten. Nicht dass jede einzelne Idee von Feministinnen von der Kirche verdammt wurde; aber die Grundsätze, die Grundstimmung des Feminismus wurden immer abgelehnt. Nein, die Geschlechter sind nicht genau gleich/austauschbar; die Mutterrolle als zentrale Rolle für die Mehrheit der Frauen ist nichts zu Überwindendes; Frauen sind nicht automatisch die besseren Menschen; und es hat auch seine Gründe, wieso die Kirchenhierarchie nur aus Männern besteht und der Mann in der christlichen Familie das Familienoberhaupt ist. Das ist ok, das ist absolut auszuhalten.

Und es ist einfach nicht hilfreich, wenn christliche Feministinnen z. B. behaupten, Abtreibung sei ein Werkzeug des Patriarchats – damit übernimmt man nur das Framing des Gegners und ordnet sich seinen Wertungen unter.

Richtig klar sieht man es aber beim Thema LGBTQ. Linke gehen davon aus, dass die Buchstabensuppenleute eine unterdrückte Minderheit sind, und dass sie deshalb verteidigt werden müssen. Nun sind sie das schlicht und einfach nicht – sog. „Homophobie“ zählt mittlerweile als ziemliches Verbrechen, und die Leute hüten sich davor, Dinge zu sagen, die so ausgelegt werden könnten, und Teenager identifizieren sich mittlerweile gerne als bi, wenn sie irgendwie Anteil am Prestige der LGTBQ-Leute haben wollen, ohne besonders tiefe homoerotische Neigungen zu haben, oder als trans, wenn sie Probleme haben, eine Identität zu finden. Aber auch für früher gilt: Es hatte seinen Grund, wieso die Leute nicht viel von Transvestismus hielten, oder es nicht so toll fanden, wenn Männer „vom anderen Ufer“ sich im Park oder auf der Bahnhofstoilette zum anonymen Sex trafen. All dieses Zeug bedeutete immer, natürliche Geschlechterrollen zu verdrehen und naturwidrigen sexuellen Neigungen nachzugeben. Betroffenen müsste man eher helfen, mit ihrem Geschlecht zurechtzukommen und eine gesunde Identität zu finden und falsche sexuelle Neigungen zu ignorieren, wie man einem Mädchen mit Magersucht helfen müsste, mit seinem Körper zurechtzukommen, statt an ihm eine Fettabsaugung vorzunehmen. Und hier ist die Kirchenlehre nun mal sehr klar, da gibt es noch weniger herumzudeuteln als beim Feminismus. Auch Christen, die z. B. auf die Idee kommen, man solle eben auch in homosexuellen Beziehungen Treue praktizieren und eine unauflösliche kirchliche Homo-Ehe einführen, stellen sich gegen die Kirchenlehre, und wissen auch, dass die Kirche jede homosexuelle Handlung immer verurteilt hat.

(Linkskatholisches Marienbild)

Und ja, es kann natürlich nicht nur Gefahren des „linken“, sondern auch Gefahren des „rechten“ Christentums geben – z. B. dass man die Religion einfach als einen Teil der „abendländischen Kultur“ behandelt, die vor allem deswegen wertvoll ist, weil sie unsere ist, und nicht, weil sie auf der objektiven Wahrheit aufbaut. Rechte Katholiken kommen manchmal in die Gefahr, den Glauben nur als eine Art untergeordnetes identitätsstiftendes Brauchtum zu behandeln (wobei er natürlich identitätsstiftendes Brauchtum entwickelt hat, auch unterschiedliches Brauchtum in unterschiedlichen Ländern). Aber man muss nun mal sagen, dass mehr Ideen, die gemeinhin als „links“ gelten, kirchlich verurteilt oder aus katholischer Sicht sehr problematisch sind als Ideen, die gemeinhin als „rechts“ gelten.

Das Grundproblem ist dasselbe: Es beginnt immer dann, wenn man die Lehre der Kirche (natürlich immer zu unterscheiden von den Meinungen mancher Heiliger oder Theologen) nicht mehr als das Hauptkriterium behandelt, als den Rahmen, in dem man sich bewegt, sondern als eine Richtlinie unter anderen, eine interessante und beeindruckende Tradition, etwas, das vielleicht zum Teil göttlich inspiriert ist, aber doch nicht unfehlbar. Vielleicht hängt es auch damit zusammen, dass man eben irgendwie ungewöhnlich, irgendwie ein Freidenker sein will. Es ist aber völlig ok, ein ganz gewöhnlicher Katholik zu sein, und auch in diesem Rahmen kann man radikal sein (wie die Heiligen eben), kann mitdenken, und wird ab und zu wahrscheinlich sogar zu Meinungen im Rahmen der Kirchenlehre gelangen, die nicht alle anderen Katholiken teilen.

Abtreibung und Selbstbestimmung

Vorbemerkung: Das ist KEIN Kommentar zum Ukrainekrieg. Zu diesem Krieg fällt mir nicht mehr ein, als dass wir beten und Ukraineflüchtlingen nach Möglichkeit helfen müssen, was anderes können wir eh nicht tun.

Das hier ist ein kleiner Gastbeitrag von einem lieben Freund von mir, entstanden aus einer Unterhaltung zwischen uns über einige neulich bekannt gewordene besonders brutale Fälle von Spätabtreibungen. Dieser Freund meinte dazu sehr passend, wenn man dieselbe Argumentation, die Abtreibungsaktivisten verwenden, auf anderen Gebieten anwenden würde, könnte z. B. so etwas herauskommen:

„Putin geht doch nur seinen Rechten nach, als Diktator muss man doch frei sein, über seine Gebiete herrschen zu dürfen, ohne durch ungewollte Bewohner, die eh für ihn keine Menschen sind, eingeschränkt zu werden durch Gesetze, die nur dazu dienen Diktatoren zu unterdrücken.

Diese Diktatorenhasser wollen nur kontrollieren, was Diktatoren mit ihrer Macht tun.

Das geht aber niemanden etwas an. Es ist nur eine Sache zwischen einem Diktator und seinen Soldaten.

Kein Soldat darf das Recht haben, sich gegen die Entscheidung eines Diktators zu stellen, der das Recht hat, mit seinen Gebieten zu machen, was er will.

Er hat nicht zugestimmt, dass es unabhängige Bewohner mit eigenem Existenzrecht gibt, und selbst wenn, hat er jederzeit das Recht, sich umzuentscheiden.

Keiner hat das Recht, die Freiheit von Diktatoren einzuschränken. Diktatorenrechte sind Menschenrechte.

Wenn ein Diktator sagt, dass ihm ein Gebiet gehört, dann gehört es ihm auch. No Ukraine, no Opinion.“

Und besser kann man es meiner Meinung nach nicht ausdrücken.

Freut euch und jubelt!

Der Papst wird Russland (und die Ukraine) dem Unbefleckten Herzen Mariens weihen, wie es die Gottesmutter in Fatima 1917 von den Seherkindern Lucia, Jacinta und Francisco gewünscht hat, und wie es jetzt viele Katholiken wieder gewünscht haben; wahrscheinlich hat das inzwischen jeder mitbekommen. Das ist so ziemlich das Beste – und eins der wenigen guten Dinge überhaupt -, die seit 2013 aus Rom gekommen sind (und es zeigt auch, dass Gott noch die allerschlimmsten Kleriker wie diesen Papst zu seinen Werkzeugen machen kann). Ich freue mich schon wahnsinnig, und wahrscheinlich realisiere ich nicht mal wirklich, wie sehr ich mich freuen müsste; man realisiert so etwas kaum, wenn man mittendrin ist. Es musste zwar erst ein Krieg passieren – und davor eine Mehr-oder-weniger-Pandemie und ein paar halbe Diktaturen -, aber es wird passieren, Russland wird Maria geweiht werden.

Ja, schon Johannes Paul II. hat 1984 die Welt dem Herzen Mariens geweiht, und dabei im Stillen hinzugefügt: „insbesondere Russland“ (nur im Stillen aus diplomatischen Gründen). Und laut der Seherin Lucia hat der Himmel das anerkannt, und wenig später begann Gorbatschow mit „Glasnost und Perestroika“, der Ostblock brach zusammen, die Christenverfolgung dort hatte ein Ende, und viel Leid war vorbei. Das war extrem unerwartet, und lässt sich eigentlich nur durch ein Eingreifen des Himmels erklären.

Aber es ist doch noch einmal etwas anderes, ob man es noch einmal ganz ausdrücklich so macht, und jedes Bemühen, dem Wunsch Mariens besonders direkt zu folgen, und nicht aus diplomatischen Gründen zurückhaltend zu sein, wird der Himmel sicher gern sehen. Manche Leute sind jetzt schon wieder etwas pessimistisch, weil es auch wieder nicht genau so gemacht würde, wie Maria es wollte, aber ich denke, dass es vor dem Himmel sehr viel wert sein wird. Es ist groß angekündigt worden, sodass sämtliche Bischöfe die Gelegenheit haben, mitzumachen, und zwar unter ausdrücklicher Erwähnung Russlands; und die Hinzufügung der Ukraine bedeutet doch, eher mehr zu machen, als gefordert, nicht weniger?

Ich glaube, wir können von jetzt an ein bisschen optimistischer in die Zukunft sehen. Vielleicht ist es schon zu spät, um manches abzuwenden, vielleicht auch nicht; aber auf jeden Fall ist es eine gute Nachricht. Und hoffentlich wird es wenigstens der Ukraine bald den Frieden bringen.

Übrigens: Bischof Athanasius Schneider hat ein Novenengebet veröffentlicht, für das Anliegen, dass die Bischöfe alle mitmachen, und das Ganze auch wirkungsvoll ist – denn natürlich hängt die Wirkung auch von den Gebeten aller ab. Also ab heute jeden Tag bis zum nächsten Freitag beten:

PS: An dieser Stelle vielleicht noch eine Erklärung für nichtkatholische Mitleser, die sich fragen könnten, wieso Gott (durch seine Heiligen) Forderungen stellt, die man erst erfüllen muss, bevor er eingreift, und noch dazu Forderungen nach Gebeten an Ihn? Nun, ganz einfach: Gott will unsere Mitwirkung an allem, Er gibt uns Macht, wirklich etwas in dieser Welt zu bewirken, durch zwei Mittel, nämlich Taten und Gebet, und Er will, dass wir für die ganze Welt, besonders unsere Nächsten und unsere Feinde, beten, und sie Ihm anempfehlen. Und er fordert (in diesem Fall) nicht mal große Heldentaten, sondern wirklich bloß das Gebet und den Gehorsam bzgl. der Art dieses Gebets, und hat uns dafür viel versprochen. Allgemeines zum Bittgebet hier.

Die Piusbruderschaft und Corona

Pater Davide Pagliarani, der Generalobere der Piusbruderschaft, hat im Dezember nach einem Vortrag in den USA auf Nachfragen spontan einiges zum Umgang mit Corona gesagt, speziell dazu, wieso die Piusbruderschaft so vorsichtig dabei ist, sich hier zu positionieren. An meiner Kapelle hat heute der Priester ein wenig darüber gepredigt, und den Text am Eingang ausgelegt. Ich dachte, das könnte für einige Leser ganz interessant sein – vielleicht gehen ja auch ein paar meiner Leser wie ich zu Pius-Kapellen, oder interessieren sich einfach nur dafür, was die Piusbrüder dazu zu sagen haben, auch wenn es nur ein paar spontane Gedanken des Generaloberen waren. Von der Seite des Papstes und der meisten deutschen Bischöfe hört man ja zurzeit immer nur: „Impfenlassen! Impfenlassen!“ Und das fast schon mit Höllendrohungen gegen Ungeimpfte.

Die Piusbruderschaft hat sich ja schon länger einmal zur moralischen Seite der Corona-Impfungen geäußert: Die Testungen an Zelllinien von abgetriebenen Kindern waren absolut illegitim und unmenschlich, aber es ist aus einem ernsthaften Grund erlaubt, an solchen Zelllinien getestete Medikamente zu nehmen. (Um das vielleicht für zweifelnde Leser noch einmal deutlicher zu machen: Man stelle sich vor, China entwickelt ein Medikament und testet es dabei an politischen Gefangenen und macht auch Experimente mit deren Leichen. Nun ist das Medikament bereits auf dem Markt, und es gibt einen ernsthaften Grund, es zu nehmen (z. B. dass man sonst einem großen medizinischen Risiko ausgesetzt ist, aber z. B. auch, dass man wegen einer staatlichen Vorgabe seinen Job verlieren würde, wenn man es nicht nimmt). Darf man es nehmen? Ja. Man war nicht beteiligt an diesen Grausamkeiten und dieser Leichenschändung, man hätte sie verhindert, wenn man es könnte. Aber nun ist das Medikament nun mal da, man kann nichts an der Situation ändern. Manchmal darf man es in Kauf nehmen, von den Schandtaten anderer Menschen zu profitieren – das kann man auch nicht immer ganz verhindern.) Es wäre freilich etwas anderes, sich direkt mit embryonalen Stammzellen, also Leichenteilen, behandeln zu lassen – das wäre quasi Kannibalismus. Hier wäre man selbst es, der etwas Böses täte. Natürlich darf man es aber auch bei diesen Impfungen weiterhin ablehnen, sich auf irgendeine Verbindung zu dieser Leichenschändung einzulassen. Aber eine Sünde ist das Impfen nicht. (Auch wenn ich einen einzelnen FSSPX-Priester an einer Nachbarkapelle schon mal in dieser Weise habe predigen hören. Der Pater an meiner Kapelle hat heute noch einmal betont, Jesus werde uns nicht nach dem Impfstatus beurteilen.)

Aber zur medizinischen Seite und zur Frage nach einer Impfpflicht war von offizieller Seite der FSSPX bisher nicht viel zu hören. Daher jetzt zu Pater Pagliaranis Antwort.

Er erkennt einige Probleme ausdrücklich an:

„Dahinter steckt ein großes Geschäft. Die Nebenwirkungen einer noch nicht genügend erforschten Impfung sind nicht ausreichend bekannt. Das ist ein Problem. Aber es gibt ein weiteres. Es scheint, dass die Impfung nicht lang genug wirkt, nicht ausreichend schützt. Wir haben also hier eine medizinische Seite des Problems und damit verbunden eine politische Seite. […]

Man spricht ja jetzt schon viel über die dritte Impfung und dann über eine jährliche Booster-Impfung. Wie lange wird das Problem dauern? Ist das alles kompliziert? Ja! Ist das alles etwas verrückt? Ja! Ist der Stress, der auf der ganzen Menschheit lastet, verständlich? Ja! Ist es erlaubt, über all diese Probleme Fragen zu stellen? Ja! Ist es legitim, gegen verpflichtende Impfungen zu sein? Ja! Aber …!

Aber dieses große Problem ist mit einem medizinischen Thema verbunden. Das ist der Hauptgrund, warum die Bruderschaft sich nicht direkt zu diesem Thema äußert. Natürlich kann jeder Priester einen Rat geben. Aber die Priesterbruderschaft St. Pius X. als solche wird sich auf diese Debatte nicht einlassen. Die Mission der Bruderschaft liegt nicht in der Behandlung medizinischer Fragen, nicht darin, Antworten zu geben zu den möglichen gesundheitlichen Folgen der Impfung. Das gilt nicht nur für Covid, sondern für alle anderen Arten von Medikamenten. […] Nehmen wir an, es wäre ein Medikament gegen Erkältung entwickelt worden, das anscheinend kein Problem darstellte. Stellen wir uns vor, die Bruderschaft würde dieses Medikament empfehlen und man würde anschließend feststellen, dass dieses Medikament allergische Reaktionen hervorriefe – in diesem Fall wäre die Bruderschaft verpflichtet, Antworten zu diesen Allergien zu geben. Was wäre der Fehler hier gewesen? Die Bruderschaft hätte sich selbst in eine drückende Situation gebracht und müsste auf eine Frage antworten, die nicht zu ihrer Mission gehört. Das ist der Hauptgrund, warum wir uns nicht direkt äußern.“

Das ist ja tatsächlich eine gut verständliche Vorgehensweise; erhält sicher auch leichter einen gewissen Frieden.

Dann geht er darauf ein, dass manche Leute jetzt hier kritischer gegenüber der Politik geworden sind, geeinte Kräfte am Werk sehen, die weltweit dieselbe Impfung verpflichtend machen wollen. Und hier sagt er interessanterweise nicht „alles Quatsch“ – sondern weist darauf hin, „dass die Verschwörung gegen die Kirche schon vor dreihundert Jahren begann. Was ist denn der Globalismus? Es ist die Idee, das Projekt, die Absicht, die katholische Kirche durch eine andere universale Autorität zu ersetzen. Sie wissen alle sehr gut, wovon ich spreche. Wir dürfen nicht vergessen, wo der Ursprung dieser Verschwörung gegen die Kirche liegt, die die ganze Menschheit betrifft. Wir müssen diese aktuellen Probleme in diesem größeren Rahmen sehen. Wir können das ganze Bild aber nicht sehen, wenn wir uns auf das aktuelle Problem fokussieren.“

Hier werden sich jetzt einige wahrscheinlich abwenden, weil es so „verschwörungstheoretisch“ klingt. Aber ich denke nicht, dass hier unbedingt ein Geheimclub aus Bill Gates und Xi Jinping gemeint sein muss, sondern es ist einfach eine (mehr oder weniger) geeinte, „verschworene“ Bewegung gemeint, die seit dem 18. Jahrhundert die Kirche bekämpft, Gottesleugnung oder Gotteshass verbreitet, für eine angebliche Autonomie der menschlichen Welt von Gott eintritt, für eine selbergemachte Moral. Und diese Bewegung hat immer und immer wieder in der Praxis für wahnsinniges Unrecht gesorgt („der Zweck heiligt die Mittel“), und für das Auftauchen von geld- und machtgierigen Eliten, die nicht viele Skrupel hatten, weil sie nicht mehr an Gott glaubten. Natürlich gab es auch Spaltungen in dieser Bewegung – z. B. von Liberalismus und Kommunismus. Aber eine solche Bewegung gab und gibt es, diesen grundsätzlichen Wunsch, autonom sein zu wollen von Gott.

Und heute hat man es hier auch nicht mehr nötig, allzu viel geheim zu halten, auch wenn politische Eliten natürlich immer ihre vertraulichen Absprachen und kleinen Geheimnisse haben, und es solche geheimniskrämerischen liberalen Karrierenetzwerke wie die Freimaurer auch immer noch irgendwo gibt. Der Liberalismus und seine Tochterideologien sind tonangebend genug geworden, um ziemlich offen operieren zu können. (Und auch wenn die einzelnen Menschen sich nicht absprechen, sprechen die Dämonen, die sie zu beeinflussen versuchen, sich sicherlich auch ab, sodass auch Leute, die einander nicht kennen, in ähnliche falsche Richtungen gelenkt werden. Satan will ja lieber eine geeinte Attacke führen als viele widersprüchliche.)

Politiker wie Klaus Schwab („The Great Reset“), die davon träumen, die Welt umzuformen, muss man jedenfalls nicht toll finden, um kein „Verschwörungstheoretiker“ zu sein. Dass Politiker sich an massenhafte Kontrollmaßnahmen gewöhnen und sie auch nach dieser Pandemie wohl noch weiter einsetzen wollen könnten (dann mit dem Vorwand „des Klimas“ o. Ä.), sogar in Richtung eines chinesischen Social-Credit-Systems gehen wollen könnten, damit man Bürger aus unliebsamen politischen Richtungen und mit unliebsamen Verhaltensweisen von vornherein klein hält, ist auch nicht gerade weit hergeholt. Menschen, die Macht haben, werden von Macht korrumpiert, und vor allem korrumpierte Menschen suchen nach Macht und arbeiten sich in Parteienintrigen hoch. Und diese Menschen verhalten sich entsprechend, wollen die Macht für sich sichern. Und das alles passt schon auch in deren politische Agenden, die sie seit langem verfolgen. Dazu müssen sie keine übermächtigen, dämonenhaften James-Bond-Schurken sein.

Weiter meint Pater Pagliarani dazu interessanterweise:

„In diesem Jahr konnten – da die Aufmerksamkeit aus verschiedenen Gründen auf der ganzen Welt auf das Impfthema gerichtet war – in sehr, sehr vielen Ländern die schlimmsten Gesetze gegen die sittliche Ordnung erlassen werden. In Westeuropa ist jetzt fast überall die ‚Ehe‘ unter Personen gleichen Geschlechts eingeführt. In einem Land wird darüber noch ‚debattiert‘. Aber unser Fokus liegt nicht darauf, sondern woanders. Daher ist es viel einfacher, solche staatlichen Gesetze einzuführen und voranzutreiben. Der Hauptausdruck des Globalismus, nämlich die Zerstörung des natürlichen Sittengesetzes und der Ordnung, die die Kirche bewahrt und geschützt hat, ist die Schaffung einer neuen ‚Welt‘ mit neuen ‚Gesetzen‘, mit einer neuen Autorität. Mit oder ohne Covid, mit oder ohne Impfung. Dieser Globalismus begann nicht erst vor einem Jahr. Er ist viel älter.“

Das ist sicher auch bedenkenswert. In Deutschland z. B. soll ja jetzt ein „Selbstbestimmungsgesetz“ durchgepeitscht werden, das es jedem jederzeit erlauben wird, sein Geschlecht ohne irgendwelche Vorgaben rechtlich zu ändern (was heißt, dass wir uns, wie schon in England, auch hier auf Männer mit speziellen sexuellen Vorlieben in Frauenkrankenzimmern, auf Frauentoiletten und in Frauengefängnissen gefasst machen dürfen). Eine weitere Lockerung des Abtreibungsrechts steht uns auch bevor. Ich kann mir schon vorstellen, dass das unter normalen Umständen evtl. mehr Aufmerksamkeit bekommen und mehr Widerstand erzeugen hätte können (soweit die Deutschen eben zu Widerstand fähig sind). Da ist Corona eine willkommene Ablenkung für die Politiker.

Außerdem betont Pater Pagliarani aber, dass man auch die übernatürliche Seite des Geschehens sehen müsse. Und hier spricht er ein von anderen Theologen selten angesprochenes Thema an: Leid als Strafe.

„Ein anderer Punkt, der sehr wichtig ist: Bewahren wir einen übernatürlichen Blick auf die Realität. Man wird einwenden: ‚Ja, ihr Priester sprecht ständig über die Übernatur, aber hier geht es um die Impfung. Hier geht es um eine Flüssigkeit, nicht um das Übernatürliche.‘ Vorsicht, so antworte ich: Covid ist wie jede andere Krankheit in der Geschichte eine Strafe, die durch die göttliche Vorsehung erlaubt wird, um uns zu reinigen. Es gibt eine Gefahr, die ich in meinem Vortrag vorhin erwähnt habe. Wir haben zwar die Tradition bewahrt, wir sind aber deshalb noch keine besseren Menschen als die anderen. Wir sind nur arme Sünder. Wenn es eine universale Züchtigung gibt, dann auch für uns. Wenn Gott Covid erlaubt hat, dann nicht nur wegen der Sünden der anderen, sondern auch wegen unserer Sünden. Auch Traditionalisten und traditionstreue Katholiken sterben an Covid!“

Natürlich ist es so, dass irdisches Unglück oft auch mehr und anderes ist als eine Strafe. Aber Gott kann es – zumindest für viele Menschen – auch als Strafe nutzen, die sie natürlich auch bessern und zur Einsicht bringen soll. Und wer es annimmt, für den wird es zur Sühne, die reinigt. Ich finde es gar nicht schlecht, dass das auch mal gesagt wird.

Dann spricht Pater Pagliarani noch einen anderen Punkt an, nämlich dass die FSSPX sich auch wegen der Allianz der Impfgegner zurückhalte, unter denen in einigen Ländern auch Linksextreme seien. Und bei seinen Ausführungen hier kann ich ihm teilweise nicht zustimmen. Er sagt:

„Wenn solche gegen die Impfung sind, dann in welchem Namen? Im Namen von individueller Freiheit, von Menschenwürde und Menschenrechten. In einem Satz: ‚Mein Körper gehört mir!‘ Mit meinem Leben mache ich, was ich will. Deshalb entscheide ich selbst, ob ich mich impfen lassen will oder nicht. Wir finden dieselben Slogans der 60er und 70er Jahre des vorigen Jahrhunderts – ‚Mein Bauch gehört mir‘ – bei einer gewissen ‚Frauenbewegung‘. Die Prinzipien der ’neuen Weltordnung‘ finden wir aber schon 300 Jahre vorher im Namen der ‚Menschenrechte‘ und ‚Menschenwürde‘. Seien wir vorsichtig! Auf der anderen Seite des Spektrums, bei den Impfbefürwortern, finden wir sie aber auch. Ich glaube, es ist nicht schlecht, wenn wir auf diesen Punkt hinweisen. Es scheint paradox, aber sie kämpfen im Namen der gleichen Prinzipien, im Namen der ‚Menschenrechte‘ und im Namen der ‚Freiheit‘. Die Prinzipien sind die gleichen, aber nicht die Schlussfolgerungen. Sie wollen eine Impfflicht, um zur ‚Normalität‘ zurückzukehren. Die Impfbefürworter fühlen sich durch die Impfgegner in ihrer Freiheit verletzt und eingeschränkt. Durch diese Leute werde man jetzt am Reisen und am Urlaub, am Geldverdienen und am Genuss des Lebens gehindert.  Wegen ‚der anderen‘ müsse man noch Maske tragen oder vielerlei Einschränkungen auf sich nehmen. Deshalb fordert man im Namen der ‚Menschenrechte‘ die Zwangsimpfung. Keine Einschränkung meiner Freiheit durch andere! Deshalb müssen wir alle geimpft werden. Es ist, wie gesagt, ein scheinbares Paradox: Im Namen der gleichen Prinzipien steht man auf der einen oder der anderen Seite.“

Hier muss man m. E. unterscheiden. Es gibt eine grundfalsche Idee von Freiheit, die etwa so aussieht: „Die Menschheit soll selber entscheiden, was sie tun will und welche Rechte und Freiheiten Menschen haben sollen, von Gott kommt da nichts, sondern wir erklären zu Recht und Gerechtigkeit, was wir wollen. Und vor allem darf jeder alles tun, womit er nicht diese vereinbarten Freiheiten anderer verletzt, er darf sich auch selbst zerstören, oder jemand anderen zur Selbstzerstörung überreden, alles in Ordnung – es ist ja sein Problem. Überhaupt sind wir keine Gemeinschaft, sondern navigieren eben so aneinander vorbei und maximieren unsere jeweilige Freiheit.“ Das ist die falsche Idee des Liberalismus, die die Kirche immer verurteilt hat.

Aber es gibt auch viel ältere, kirchliche Ideen von Rechten und Freiheiten, von „natürlichen Rechten“, die Gott in unsere Natur gelegt hat, weil wir als Menschen eine hohe Würde haben. Dass die Begriffe „Menschenrechte“ und „Menschenwürde“ von eingebildeten Libertins des 18. Jahrhunderts gekapert wurden, sollte uns als Tradis nicht dazu bringen, sie ihnen kampflos zu überlassen; sie gehören eigentlich uns. Und im Bereich der Medizin sieht es jetzt mit Rechten und Pflichten erst mal so aus:

Jeder Mensch hat sein Leben von Gott erhalten und soll normale, vernünftige Sorgfalt darauf anwenden, es zu erhalten – er darf sich z. B. nicht selber umbringen, auch nicht durch einen Hungerstreik o. Ä., oder durch Russian Roulette sein Leben riskieren, oder sich seine Gesundheit total mit Drogen ruinieren. Er hat auch die Pflicht, anderen gegenüber Rücksicht zu nehmen, sie nicht auf unvernünftige, unnötige Weise in Gefahr zu bringen. Diese Pflichten können es in einigen Fällen zumindest sehr empfehlenswert, vielleicht auch moralisch verpflichtend machen, sich sichere Impfungen geben zu lassen. Aus katholischer Sicht kann man sogar sagen, dass ein Staat aus gewichtigen Gründen theoretisch eine Impfpflicht einführen könnte – aber eben doch nur aus wirklich gewichtigen Gründen, bei Abwägung aller Risiken und mit wirklichen Ausnahmen für Gefährdete. Bei einer so unwirksamen und nebenwirkungsreichen Impfung wie der Coronaimpfung ist es angesichts der vergleichsweise geringen Gefahr durch Corona natürlich auf den ersten Blick ersichtlich, dass keine staatliche Impfpflicht in Frage kommen könnte.

Denn eins muss man eben doch sagen: Es ist im Normalfall der einzelne, der abwägen muss, was vernünftige Sorge für seinen Körper ist, und welche unter den übermäßig gefährlichen oder anstrengenden oder nicht unbedingt notwendigen Maßnahmen er auf sich nehmen oder ablehnen will. Auch wenn sein Leben ihm nur anvertraut ist, es ist eben vorrangig ihm anvertraut, nicht anderen oder dem Staat. Nur in sehr ernsten Fällen sollten andere eingreifen. Dass für medizinische Eingriffe die informierte Zustimmung des Patienten nötig ist – außer in sehr seltenen Fällen, sagen wir mal, er ist schwer depressiv, hat versucht, sich umzubringen, und will lieber sterben, als sich eine Bluttransfusion geben zu lassen – gehört auch zur katholischen Medizinethik; erst recht, wenn es um Menschenversuche mit einem unerprobten Medikament geht, wo keiner eine Pflicht zur Teilnahme hat. Man hat eben eine Freiheit, besonders eine Freiheit gegenüber dem Staat. (Es wäre auch da, wo es nicht an sich falsch wäre, doch für gewöhnlich sehr gefährlich, medizinische Entscheidungen, die Menschen zutiefst betreffen, dem Staat zu überlassen.)

Und was das schlechte Gefühl bei dem Slogan „Mein Körper gehört mir“ angeht: Die Abtreibungsbefürworter, die damit argumentieren, lügen ja gerade, weil sie eben nicht über ihren, sondern vor allem über den Körper des Kindes entscheiden. Natürlich könnte man auch in ähnlichen Zusammenhängen „Mein Körper gehört mir“ falsch verwenden – z. B. wenn man für Sterilisation oder Kondome argumentieren würde, was die Kirche ja auch ablehnt [Operationen, die als Nebeneffekt die Sterilisation haben, z. B. eine medizinisch notwendige Entfernung einer von Krebs befallenen Gebärmutter, sind nicht mitgemeint]. Hier kommt natürlich wieder das Prinzip ins Spiel: Für seinen Körper soll man sorgen, ihn nicht verstümmeln; die natürlichen Kräfte seines Körpers soll man nicht künstlich kaputt machen. Mit seinem Körper darf man auch nicht alles machen. Insofern verstehe ich schon, wenn man als Katholik diesen Slogan nicht mag. Er wäre aber an sich zumindest keine Werbung für Abtreibungen, sondern zeigt eher auf, wie heuchlerisch und verlogen Abtreibungsbefürworter sind.

Das Bestehen auf der eigenen Freiheit und Selbstbestimmung muss jedenfalls nicht egoistisch und liberal sein; das ist es, was ich damit sagen will, und ich finde, man sollte darauf achten, es nicht so klingen zu lassen.

Zuletzt: Ich fände es tatsächlich besser, wenn die FSSPX sich wegen dieser medizinethischen Abwägungen ein bisschen eindeutiger auch offiziell als Gemeinschaft gegen die Impfpflicht (nicht gegen die Impfung selbst) positionieren würde, und auch gegen solche sicher unverhältnismäßigen und schädlichen Maßnahmen wie weitgehende Besuchsverbote in Krankenhäusern oder die Kündigung ungeimpfter Pflegekräfte. Sich in allen politischen Fragen, wo Katholiken theoretisch unterschiedlicher Meinung sein können, auch wenn die in der Praxis korrekte Meinung sich einem sehr deutlich zeigt, irgendwie durchzuwurschteln und auf Neutralität zu machen ist gute kirchliche Tradition – so scheint sich die Kirche z. B. bei den meisten Kriegen zwischen christlichen Ländern verhalten zu haben -, aber vielleicht kann man es mit dieser Tradition auch mal übertreiben.

Andererseits, als Laiin hat man da leicht reden. Ich muss ja keine Priesterbruderschaft leiten. Und diese Neutralität hat auch ihre definitiven Vorteile, z. B. erlaubt sie einen gewissen Frieden zwischen Laien, die unterschiedliche Meinungen haben, und man verketzert andere nicht zu schnell.

[Kleines Update: In einem Kommentar hat mich jemand gefragt, ob ich in derselben Kapelle war wie er/sie (?) heute. Ich habe den Kommentar nicht freigeschaltet, weil er ein bisschen verklausuliert den Ortsnamen enthielt, und ich in diesem Internet vielleicht etwas übertrieben auf Anonymität bedacht bin. Aber ja, lieber/liebe L. S.: Das war dieselbe Kapelle. In Zukunft würde ich mich über so was aber lieber über die Contact-Seite austauschen 🙂 ]