Wordpress, du nervst!

Aus einem mir unerfindlichen Grund hat WordPress einen neuen Beitrag von mir mit dem Titel „Das Gute: Gesetz oder Ideal?“ zwischen zwei alte Posts geschoben und beim 1. September eingeordnet. Hier also noch einmal der Link.

Advertisements

Haltet euch von den fiesen Weibern fern!

Es gibt im Katholizismus ein Prinzip, das man früher „Die Ägypter ausplündern“ (frei nach Exodus 11,35f.) nannte; gemeint ist, Dinge, die an sich gut oder zumindest teilweise gut sind, aus nichtchristlichen Kulturen aufzunehmen und sie im christlichen Sinne zu adaptieren. Diesem Prinzip sind z. B. Weihnachtsbäume, die scholastische Philosophie oder christliche Rockmusik zu verdanken. Wie man an letzterem Beispiel sieht, kann die christliche Adaption auch schiefgehen und zu einer lahmen Nachahmung werden; das Prinzip wird nicht immer richtig angewandt.

Und dann gibt es auch wieder Fälle, in denen es gar nicht angewandt werden sollte. Manchmal können die Ägypter ihren Scheiß auch behalten.

Die MGTOW-Bewegung (Men going their own way), über die der Cathwalk hier berichtet (https://www.thecathwalk.de/2018/03/08/mgtow-geschlecht-charakter/) wäre ein solcher Fall. André Thiele, der Autor dieses Artikels, möchte offensichtlich Impulse aus dieser säkularen Männerbewegung aufnehmen und im christlichen Sinne umdeuten. Leider funktioniert das nicht so ganz.

Die MGTOW-Bewegung stellt fest: Der Feminismus hat gesiegt, Frauen beherrschen die Welt, Männer werden unterdrückt, sind überall in der Gesellschaft benachteiligt, dürfen sich nicht mehr äußern, und werden für jedes Kompliment zu Vergewaltigern erklärt. André Thiele stellt fest: „Der Mann ist das Schlachtvieh der Moderne.“ Er fährt fort: „Die MGTOW-Männer reden von ‚Schlampen‘ und Schlimmerem, und das soll man nicht lieben – aber soll man es tadeln?“ Nun ist ein solcher Satz nicht gerade logisch. Wenn man etwas nicht lieben „soll“, folgt daraus, dass es nicht gut ist, und was nicht gut ist, „soll man […] tadeln“. Aber Thiele arbeitet offensichtlich nach dem Prinzip Wie du mir, so ich dir: „Ausgerechnet in einer Zeit, die kein Wort kennt, das zu brutal und zu vulgär wäre, wenn es nur gegen Männer geht?“ Die Frauen unterdrücken die Männer, die Männer dürfen sich das nicht mehr gefallen lassen. Also sollen sie sich einfach einer Welt entziehen, in der Männer und Frauen zusammenleben.

„Am schnellsten wächst die ‚going monk‘-Gruppe. Diese Männer gehen keinerlei sexuelle Beziehungen zu Frauen mehr ein und vermeiden auch zunehmend jeden gesellschaftlichen Umgang mit ihnen. Ein Teil radikalisiert sich weiter und verbindet sich mit der ‚NoFap‘-Gruppe, die ursprünglich nicht zu MGTOW gehört, und meidet auch Pornographie und Onanie.“

Na, da sind wir Frauen aber enttäuscht. Ich weiß ja nicht, wie es anderen Frauen geht, aber ich kann doch ganz gut damit leben, wenn Männer keine Pornos schauen. (Das als Radikalisierung zu bezeichnen, ist freilich etwas tragikomisch, und sagt einiges über die Normalität von Pornographie in unserer Gesellschaft aus.) Aber MGTOW ist eben eine Verschwörungstheorie: „Die“ Frau kontrolliert „den“ Mann, indem sie sich seine sexuellen Triebe zunutze macht. Sie macht ihn von sich abhängig und damit zu ihrem Sklaven. Also muss er sich von seinen Trieben lösen und kann somit endlich frei leben. Es gibt keine individuellen Menschen, sondern finstere, alles durchdringende Herrschaftstrukturen. Auf die Idee, dass Pornographie ganz im Gegenteil zum Nachteil von Frauen wirken könnte – z. B. indem Männer sich an Frauen degradierende Hardcore-Pornos gewöhnen und von ihren Freundinnen verlangen, dasselbe, was die Porno-Darstellerinnen tun, im Schlafzimmer nachzustellen – , kommt man hier offenbar gar nicht. Ebenso wenig, wie ein MGTOW-ler auf die Idee kommen würde, dass eine Frau vielleicht Besseres zu tun haben könnte, als sich ihn zu unterwerfen. Frauen sind einfach herrschsüchtige Biester, die kann man auch nicht ändern. Da kann man nur drauf hoffen, dass der technische Fortschritt sie überflüssig macht: „Wie die Mönche-Gruppe sich nach der Einführung der sog. ‚FemBots‘ genannten Gynoiden verhalten wird, die für die kommenden 10 bis 20 Jahre zu erwarten ist, wird man abwarten müssen.“ Würg.

Die MGTOW-Bewegung baut auf einem Körnchen Wahrheit auf: Es gibt tatsächlich männerfeindliche Feministinnen (auch wenn der Mainstream-Feminismus eher der Ansicht ist, dass „patriarchale Strukturen“ beiden Geschlechtern schaden, und man einfach Gleichberechtigung – oder Gleichstellung, was nicht dasselbe ist – erreichen sollte, die für alle am Ende am besten sei). Es gibt auch Frauen wie Sawsan Chebli, die es für Sexismus halten, wenn man ihnen sagt, sie seien „schön“. Aber die Männer, die durch die Metoo-Bewegung wirklich zu Fall kamen, sind eben keine Männer, die bloß einer Frau gesagt haben, sie sei schön, sondern Männer wie Harvey Weinstein, die sich in Sachen sexueller Belästigung und womöglich auch Vergewaltigung offensichtlich einiges haben zuschulden kommen lassen. Es gibt auch Bereiche der Gesellschaft, in denen Männer tatsächlich den Kürzeren ziehen – der Text erwähnt die Selbstmordrate als Beispiel (80% der Selbstmorde betreffen Männer), und die Tatsache, dass Männer wesentlich häufiger als Frauen von schweren Arbeitsunfällen betroffen sind. Aber das zweite Beispiel ist freilich ebenso lächerlich wie das Jammern auf Feministinnen-Seite über die Lohnlücke zwischen Männern und Frauen – die Lohnlücke entsteht dadurch, dass Frauen sich häufiger für schlechter bezahlte Berufe, etwa im sozialen Bereich, oder für Teilzeitjobs entscheiden, und das ist ihre freie Entscheidung; und ebenso entsteht das Ungleichgewicht bei den Arbeitsunfällen dadurch, dass Männer sich häufiger für anstrengende und gefährliche Berufe entscheiden, und es ist die freie Entscheidung eines jeden Mannes, ob er Dachdecker oder doch lieber Erzieher werden will. Hier zeigen sich nur die Nebenwirkungen natürlicher Präferenzen. Der Text erwähnt auch Selbstmorde nach Scheidung oder Trennung – und es stimmt, dass etwa in Sorgerechtsstreitigkeiten nach Scheidungen im Regelfall den Frauen das Sorgerecht zugesprochen wird. Aber andererseits stimmt es eben auch, dass z. B. Frauen, die unehelich schwanger werden, sehr leicht vom Vater des Kindes im Stich gelassen werden und oft keinen Unterhalt erhalten. Hier sind wieder die Frauen deutlich schlechter dran. Worauf ich hinaus will: Wir haben in Deutschland eine relativ gleichberechtigte Gesellschaft – anders sieht es in anderen Gesellschaften aus, wo noch Zwangsehen, Kinderehen und Genitalverstümmelung existieren – , aber auch in dieser Gesellschaft kommt es an verschiedenen Stellen mal zur Benachteiligung von Männern, mal zur Benachteiligung von Frauen. Manchen dieser Benachteiligungen lässt sich abhelfen, anderen nicht. Die Tatsache, dass Frauen mit der Fortpflanzung wesentlich mehr Mühe haben, ist biologisch gegeben und lässt sich nicht ändern. Die Tatsache, dass Frauen im Durchschnitt weniger verdienen, entsteht durch ihre eigenen Präferenzen. Die Tatsache, dass Frauen häufiger unter sexueller Belästigung leiden als Männer, entsteht nur durch das Belästigen, das die Täter auch bleiben lassen könnten. Ähnlich bei den Männern: Männer neigen von Natur aus mehr zu Extremen, also ist es vielleicht nicht allzu verwunderlich, dass sie häufiger Selbstmord begehen oder auch obdachlos sind; aber manchen Ursachen dafür könnte man vielleicht trotzdem abhelfen, ebenso, wie man drauf schauen könnte, ob in unserem Schulsystem Mädchen und Jungen pädagogisch passend gefördert werden. Die MGTOW-Bewegung sieht einige reale Nachteile von Männern, ohne sich um deren Ursachen zu kümmern, bauscht sie zu lächerlicher Größe auf, und übersieht die Nachteile der Frauen. Dass da beim ein oder anderen Anhänger der Bewegung eine Enttäuschung, dass eine Frau nichts von ihm wissen wollte, mitspielen könnte, kann man sich gut vorstellen.

Man fragt sich doch, was für eine Vorstellung haben solche Leute von funktionierenden Beziehungen (auch wenn sie meinen, heutzutage könnte man keine Frau mehr für eine solche finden)? Wie würde ihre ideale Frau, ihre ideale Beziehung aussehen? Sollte es nicht ideal sein, dass in einer Beziehung beide Partner gleichzeitig daran arbeiten, für den anderen ein guter Partner zu sein und auf ihn einzugehen, sich dabei aber auch nicht verbiegen? Wieso sollte es schlecht sein, wenn man mal was für seinen Partner tut?

Am Ende kommt Thiele darauf, was das alles nun für Katholiken heißen soll. Hier zitiere ich einen längeren Abschnitt:

„Aber vielleicht geht dieser Vorgang Katholiken einfach gar nichts an? Haben wir nicht eine klare Dogmatik, was das Verhältnis von Männern und Frauen betrifft? Sind katholische Frauen nicht immun gegen die Versuchungen der feministischen Welt?

Katholische Frauen in der Moderne sind vor allem zunächst einmal moderne Frauen und verhalten sich weit überwiegend keinesfalls anders als nichtkatholische Frauen. Vor allem aber werden katholische Männer von ihrer Kirche und ihren Gemeinden weitgehend alleingelassen bei der Wahl ihrer Partnerinnen: die Frage nach der Tugendhaftigkeit einer Frau, mit der ein seinen Glauben lebender Mann sein gesamtes Leben verbringen soll, ist ein Tabu. Wer sie stellt, ist ein Erststeinwerfer, was neben dem Pharisäer und dem Sexisten das Schlimmste ist, was ein katholischer Mann heutzutage sein kann. Der Teufel selbst genösse in der Kirche von heute hohes Ansehen, wenn er sich Frauen verstehend, sie empowernd und ihnen gegenüber ‚vorurteilsfrei‘ äußern würde, wobei ‚vorurteilsfrei‘ dasjenige Vorurteil meint, das Frauen genehm ist, während ‚vorverurteilend‘ dasjenige Urteil ist, das ihnen nicht genehm ist. Unehelich schwangere Katholikinnen erfahren genau dieselbe Vorzugsbehandlung wie Heidinnen auch, eine im Stuhlkreis sozialisierte Priesterschaft winkt das ängstlich durch und eine Armee von unverheirateten Gemeindereferentinnen erklärt sie zu weltlichen Heiligen, denen jeder katholische Mann sein Glück zu opfern hat – denn genau darin besteht nach Ansicht dieser Frauen sein Glück.

Im Zeichen von ‚Weiberaufstand‘ und hoch promiskuitiven Frauen, die sich via McBeichte und Drive-Through-Katholizismus für ihren Fall das katholische Sahnehäubchen als Distinktionsmerkmal verschaffen, kann kein Mann ‚vertrauen‘.

Richtig aber ist, daß katholische MGTOW-Männer eine andere Perspektive haben als andere: sie haben eine jahrtausendealte Tradition der innerweltlichen Keuschheit, der sie sich überantworten können. Sie müssen nicht auf den sentimentalen Quatsch des ‚white knightings‘ hereinfallen, um einen historisch erprobten Begriff von Ritterlichkeit zu haben. Und sie können ihr Geschick eben vertrauensvoll ihrem Herrn anvertrauen, in dessen Hand sie geborgener sind als selbst die Gemeindereferentinnen in denen ihrer steuersubventionierten Diözese.“

Ich muss sagen, ich finde diese Abschnitte gruselig.

Zunächst mal zu den Versuchungen der feministischen Welt, denen die katholischen Frauen angeblich verfallen: Welche genau sollen das sein? Der Feminismus kann vor allem zwei wirkliche Errungenschaften vorweisen: Erstens, dass es normal für Frauen geworden ist, einen Beruf zu lernen, und damit im Leben nicht darauf angewiesen zu sein, dass sie einen Ehemann finden; zweitens, dass Frauen in der Gesellschaft mehr Gehör finden und Einfluss nehmen – z. B. durch das aktive und passive Wahlrecht, oder dadurch, dass sie jetzt auch an Universitäten repräsentiert sind. Es ist nicht gut, wenn jeder Frau, egal, wie ihre Lebensumstände und ihre Persönlichkeit aussehen, nur die Ehe als wirklich anerkannter Lebensweg offensteht; es ist auch nicht gut, wenn die Hälfte der Bevölkerung von öffentlichen Debatten ausgeschlossen bleibt. Natürlich kamen mit einer späteren Welle des Feminismus auch andere Forderungen auf, die die ersten Feministinnen abgelehnt hätten – sexuelle Befreiung, Recht auf Abtreibung, usw. Aber was genau davon lehnt André Thiele nun als Versuchungen ab?

Anscheinend vor allem die Promuiskuität; seine Angst ist, dass katholische Männer keine angemessen tugendhafte Frau mehr finden könnten. Was er unter „Tugendhaftigkeit“ versteht, wird gleich klar: Jungfräulichkeit. Unverheiratete Mütter etwa fallen von vornherein raus. Dass das nicht mehr viel mit dem Christentum zu tun hat, sondern eher mit außerchristlichen Vorstellungen von Ehre und Unversehrtheit, ist klar; im Christentum sind Sünden erledigt, wenn man sie gebeichtet hat. Wir haben genügend bekehrte Prostituierte in unserem Heiligenkalender (z. B. die hl. Afra). Aber André Thiele sieht das offenbar anders. Er ist auch der Meinung, dass wir unverheirateten Müttern deutlicher klarmachen sollten, dass sie unerwünscht sind; eine Sache wie „Frauen, die sich für ihr Kind entscheiden, unterstützen“ oder „Alle Menschen freundlich behandeln“ mag zwar ganz nett sein, aber man muss den Weibern ja schließlich auch klarmachen, wie sie sich zu verhalten haben und wann sie nichts mehr wert sind. Etwas lächerlich auch die Klage darüber, dass die Kirche die Männer im Stich ließe; sollten die Pfarreien vielleicht Tugendhafte-Jungfrauen-Vermittlungsstellen einrichten, damit kein Mann ohne passende Gattin bleiben muss?

Aber vor allem wird hier klar: Es geht um den Mann, der wählt. Bei der Ehe geht es für Thiele nicht um Gegenseitigkeit, nicht um zwei Menschen, die schauen, ob der jeweils andere ein guter Partner ist (also auch irgendwo „tugendhaft“) und zu ihnen passt, und sich dann für ein Leben mit ihm entscheiden. Die Frage nach der Tugendhaftigkeit des Mannes wird gar nicht erst gestellt. Männer brauchen ja schließlich keinen „sentimentalen Quatsch“, keine „Ritterlichkeit“, sie müssen sich anscheinend nicht anständig verhalten, um ihrer Partnerin würdig zu sein; Frauen dagegen müssen gucken, dass sie auch ja tugendhaft und unterwürfig genug sind.

Thiele geht weit, sehr weit über den handelsüblichen katholischen Antifeminismus hinaus, der hauptsächlich darin besteht, sich (zu Recht) über die Forderung nach einem „Recht auf Abtreibung“ oder die Herabwürdigung von Hausfrauen und Müttern aufzuregen. Er postuliert eine Konkurrenz, einen unvermeidbaren Kampf zwischen den Geschlechtern. Was soll das? Wir sind keine Feinde. Männer und Frauen sind aufeinander hingeordnet und beide nach dem Abbild Gottes geschaffen – so sieht nämlich die „klare Dogmatik“ der Kirche aus. Unsere großen Heiligen hatten kein Problem mit der Ehe oder auch mit Freundschaften zwischen Männern und Frauen (man denke an Franziskus und Klara von Assisi, Franz von Sales und Johanna Franziska von Chantal, oder Hieronymus und Paula und Eustochium (ja, das ist ein Frauenname)). Wenn sie auf die Ehe verzichteten, dann nicht, weil sie dem ach so fiesen Weibsvolk entkommen wollten, sondern weil es etwas Großes ist, „um des Himmelreiches willen“ auf gute Dinge zu verzichten. Von dieser Perspektive auf das Mönchtum scheint André Thiele keine Ahnung zu haben.

Mein liebstes und gleichzeitig praktischstes Plätzchenrezept

Butterknöpfchen:

 

Zutaten:

300 g Mehl

200 g Butter/Margarine

100 g Honig (oder Puderzucker – ich finde Honig besser)

Evtl. etwas Puderzucker oder Zimt und/oder Zucker

 

Zubereitung:

Den Ofen auf 180°C vorheizen. Mehl, Butter/Margarine und Honig zusammenkneten, aus dem Teig kleine Kugeln formen, diese aufs Blech legen, in jede Kugel mit den Zinken einer Gabel hineindrücken (dann sind die fertigen Butterknöpfchen flacher, können also besser in der Dose gestapelt werden, und sehen mit ihren Streifen außerdem hübscher aus). 10-15 min backen. Fertig.

Wenn man möchte, kann man die fertigen Butterknöpfchen noch mit Puderzucker bestäuben.

 

Andere Variante:

Mehl, Butter/Margarine und Honig zusammenkneten, den fertigen Teig zu Stangen (Durchmesser etwa 3 cm) formen und diese in Zimt oder in einer Mischung aus Zimt und Zucker rollen; dann die Stangen in dünne Scheiben schneiden und diese aufs Blech legen und backen.

 

Keine Füllungen, keine Glasuren, und überhaupt so wenige Zutaten, dass das Rezept auch relativ allergikerfreundlich ist; Fruktoseintolerante können den Honig durch Puderzucker ersetzen, Laktoseintolerante sollten normalerweise Butter vertragen, und Veganer können vegane Margarine nehmen.

Und die fertigen Plätzchen sind sehr, sehr lecker.

 

Ja, ich weiß, der Advent hat noch nicht mal angefangen. Ich bin trotzdem schon in Adventsstimmung; liegt vielleicht am Wetter. Und wenn man die Plätzchen schon fertig hat, kann man sich dann ans Essen machen, wenn es wirklich auf Weihnachten zugeht.

(Und man komme mir hier nicht mit dieser Idee vom Fasten im Advent. Das ist grausam!)

Über schwierige Bibelstellen, Teil 14: Die Opferung Isaaks

In diesem Teil wage ich mich mal an die für mich schwierigste Stelle im AT: Genesis 22. Hier der vollständige Text:

„Nach diesen Ereignissen stellte Gott Abraham auf die Probe. Er sprach zu ihm: Abraham! Er antwortete: Hier bin ich. Gott sprach: Nimm deinen Sohn, deinen einzigen, den du liebst, Isaak, geh in das Land Morija und bring ihn dort auf einem der Berge, den ich dir nenne, als Brandopfer dar. Frühmorgens stand Abraham auf, sattelte seinen Esel, holte seine beiden Jungknechte und seinen Sohn Isaak, spaltete Holz zum Opfer und machte sich auf den Weg zu dem Ort, den ihm Gott genannt hatte. Als Abraham am dritten Tag aufblickte, sah er den Ort von weitem. Da sagte Abraham zu seinen Jungknechten: Bleibt mit dem Esel hier! Ich will mit dem Knaben hingehen und anbeten; dann kommen wir zu euch zurück. Abraham nahm das Holz für das Brandopfer und lud es seinem Sohn Isaak auf. Er selbst nahm das Feuer und das Messer in die Hand. So gingen beide miteinander. Nach einer Weile sagte Isaak zu seinem Vater Abraham: Vater! Er antwortete: Ja, mein Sohn! Dann sagte Isaak: Hier ist Feuer und Holz. Wo aber ist das Lamm für das Brandopfer? Abraham entgegnete: Gott wird sich das Opferlamm aussuchen, mein Sohn. Und beide gingen miteinander weiter. Als sie an den Ort kamen, den ihm Gott genannt hatte, baute Abraham den Altar, schichtete das Holz auf, fesselte seinen Sohn Isaak und legte ihn auf den Altar, oben auf das Holz. Schon streckte Abraham seine Hand aus und nahm das Messer, um seinen Sohn zu schlachten. Da rief ihm der Engel des Herrn vom Himmel her zu: Abraham, Abraham! Er antwortete: Hier bin ich. Jener sprach: Streck deine Hand nicht gegen den Knaben aus und tu ihm nichts zuleide! Denn jetzt weiß ich, dass du Gott fürchtest; du hast mir deinen einzigen Sohn nicht vorenthalten. Als Abraham aufschaute, sah er: Ein Widder hatte sich hinter ihm mit seinen Hörnern im Gestrüpp verfangen. Abraham ging hin, nahm den Widder und brachte ihn statt seines Sohnes als Brandopfer dar. Abraham nannte jenen Ort Jahwe-Jire (Der Herr sieht), wie man noch heute sagt: Auf dem Berg lässt sich der Herr sehen. Der Engel des Herrn rief Abraham zum zweiten Mal vom Himmel her zu und sprach: Ich habe bei mir geschworen – Spruch des Herrn: Weil du das getan hast und deinen einzigen Sohn mir nicht vorenthalten hast, will ich dir Segen schenken in Fülle und deine Nachkommen zahlreich machen wie die Sterne am Himmel und den Sand am Meeresstrand. Deine Nachkommen sollen das Tor ihrer Feinde einnehmen. Segnen sollen sich mit deinen Nachkommen alle Völker der Erde, weil du auf meine Stimme gehört hast. Darauf kehrte Abraham zu seinen Jungknechten zurück. Sie machten sich auf und gingen miteinander nach Beerscheba. Abraham blieb in Beerscheba wohnen.“ (Genesis 22,1-19)

Datei:Michelangelo Caravaggio 022.jpg

(Caravaggio, Die Opferung Isaaks, Quelle: Wikimedia Commons)

Ich denke, ich habe im letzten Teil deutlich gemacht, dass ich nicht der Meinung bin, dass man, wenn man meint, eine göttliche Stimme zu hören, die einem befiehlt, jemanden umzubringen, dieser gehorchen sollte, und zwar, weil ich nicht der Meinung bin, dass es sich dann um die wahre Stimme Gottes handeln wird. Aber genau hier sehen wir, wie Abraham dafür gepriesen wird, dass er zu einer solchen Tat bereit gewesen wäre, also… was machen wir daraus? Ja, Gott verhindert das Menschenopfer am Ende, aber das macht die Tatsache nicht ungeschehen, dass Abrahams grundsätzliche Bereitschaft dazu als vorbildlich hingestellt wird. Und Gott selbst erscheint hier als irgendwie grausam; als betreibt Er Psychospielchen mit einem Vater und dessen Kind. Bist du bereit, dein geliebtes Kind umzubringen, wenn ich es dir sage?

Diese Stelle ist auch im Kontext der Bibel seltsam. Die späteren Gesetze und die Geschichte der Israeliten ebenso wie Aussprüche der Propheten machen es ja mehr als deutlich, dass der Gott Israels eben keine Kinderopfer verlangt:

  • Wenn du dem Herrn, deinem Gott, dienst, sollst du nicht das Gleiche tun wie sie [die Kanaaniter]; denn sie haben, wenn sie ihren Göttern dienten, alle Gräuel begangen, die der Herr hasst. Sie haben sogar ihre Söhne und Töchter im Feuer verbrannt, wenn sie ihren Göttern dienten.“ (Deuteronomium 12,31)
  • „Der Herr sprach zu Mose: Sag zu den Israeliten: Jeder Mann unter den Israeliten oder unter den Fremden in Israel, der eines seiner Kinder dem Moloch gibt, wird mit dem Tod bestraft. Die Bürger des Landes sollen ihn steinigen. Ich richte mein Angesicht gegen einen solchen und merze ihn aus seinem Volk aus, weil er eines seiner Kinder dem Moloch gegeben, dadurch mein Heiligtum verunreinigt und meinen heiligen Namen entweiht hat. Falls die Bürger des Landes ihre Augen diesem Mann gegenüber verschließen, wenn er eines seiner Kinder dem Moloch gibt, und ihn nicht töten, so richte ich mein Angesicht gegen ihn und seine Sippe und merze sie aus der Mitte ihres Volkes aus, ihn und alle, die sich mit ihm dem Molochdienst hingeben.“ (Levitikus 20,1-5)
  • „Von deinen Nachkommen darfst du keinen für Moloch darbringen. Du darfst den Namen deines Gottes nicht entweihen. Ich bin der Herr.“ (Levitikus 18,21)
  • „Wenn du in das Land hineinziehst, das der Herr, dein Gott, dir gibt, sollst du nicht lernen, die Gräuel dieser Völker nachzuahmen. Es soll bei dir keinen geben, der seinen Sohn oder seine Tochter durchs Feuer gehen lässt, keinen, der Losorakel befragt, Wolken deutet, aus dem Becher weissagt, zaubert, Gebetsbeschwörungen hersagt oder Totengeister befragt, keinen Hellseher, keinen, der Verstorbene um Rat fragt.“ (Deuteronomium 18,9-11)
  • „Er [König Manasse von Juda] ließ seinen Sohn durch das Feuer gehen, trieb Zauberei und Wahrsagerei, bestellte Totenbeschwörer und Zeichendeuter. So tat er vieles, was dem Herrn missfiel und ihn erzürnte.“ (2 Könige 21,6)
  • „Ebenso machte er [König Joschija von Juda] das Tofet [Kultstätte] im Tal der Söhne Hinnoms unrein, damit niemand mehr seinen Sohn oder seine Tochter für den Moloch durch das Feuer gehen ließ.“ (2 Könige 23,10)
  • „Dann geh hinaus zum Tal Ben-Hinnom am Eingang des Scherbentors! Dort verkünde die Worte, die ich dir sage. Du sollst sagen: Hört das Wort des Herrn, ihr Könige und ihr Einwohner Jerusalems! So spricht der Herr der Heere, der Gott Israels: Seht, ich bringe solches Unheil über diesen Ort, dass jedem, der davon hört, die Ohren gellen. Denn sie haben mich verlassen, mir diesen Ort entfremdet und an ihm anderen Göttern geopfert, die ihnen, ihren Vätern und den Königen von Juda früher unbekannt waren. Mit dem Blut Unschuldiger haben sie diesen Ort angefüllt. Sie haben dem Baal eine Kulthöhe gebaut, um ihre Söhne als Brandopfer für den Baal im Feuer zu verbrennen, was ich nie befohlen oder angeordnet habe und was mir niemals in den Sinn gekommen ist. (Jeremia 19,2-5)
  • „Auch haben sie die Kulthöhe des Tofet im Tal Ben-Hinnom gebaut, um ihre Söhne und Töchter im Feuer zu verbrennen, was ich nie befohlen habe und was mir niemals in den Sinn gekommen ist. (Jeremia 7,31)
  • „Womit soll ich vor den Herrn treten, wie mich beugen vor dem Gott in der Höhe? Soll ich mit Brandopfern vor ihn treten, mit einjährigen Kälbern? Hat der Herr Gefallen an Tausenden von Widdern, an zehntausend Bächen von Öl? Soll ich meinen Erstgeborenen hingeben für meine Vergehen, die Frucht meines Leibes für meine Sünde? Es ist dir gesagt worden, Mensch, was gut ist und was der Herr von dir erwartet: Nichts anderes als dies: Recht tun, Güte und Treue lieben, in Ehrfurcht den Weg gehen mit deinem Gott. (Micha 6,6-8)
  • „Du [Gott] hast auch die früheren Bewohner deines heiligen Landes gehasst, weil sie abscheuliche Verbrechen verübten, Zauberkünste und unheilige Festbräuche; sie waren erbarmungslose Kindermörder und verzehrten beim Opfermahl Menschenfleisch und Menschenblut. Darum beschlossest du, mitten im Gelage die Teilnehmer und deren Eltern, die mit eigener Hand hilflose Wesen töteten, durch die Hände unserer Väter zu vernichten; denn das Land, das dir vor allen anderen teuer ist, sollte eine seiner würdige Bevölkerung von Gotteskindern erhalten. Doch selbst mit jenen gingst du schonend um, weil sie Menschen waren; du sandtest deinem Heer Hornissen voraus, um sie nach und nach zu vernichten.“ (Weisheit 12,3-8)

(Eine Darstellung des Moloch-Götzenbildes aus dem 18. Jahrhundert (aus: Johann Lund, Die Alten Jüdischen Heiligthümer); Quelle: Wikimedia Commons)

Wenn aber Gott Kinderopfer als etwas bezeichnet, „was ich nie befohlen habe und was mir niemals in den Sinn gekommen ist“ (Jeremia 7,31; ähnlich 19,5), und ausdrücklich verneint, dass man seinen „Erstgeborenen hingeben [soll] für meine Vergehen“ (Micha 6,7), was ist denn dann mit der Anweisung in Genesis 22,2, „Nimm deinen Sohn, deinen einzigen, den du liebst, Isaak, geh in das Land Morija und bring ihn dort auf einem der Berge, den ich dir nenne, als Brandopfer dar“? Eine Ausnahme? Oder was?

Es gibt auch hier verschiedene Interpretationsmöglichkeiten. Eine ist die Standardvariante „Das ist eben das Alte Testament“, die ich in den letzten Teilen dieser Reihe schon großzügig angewandt habe: Abraham hat zwar gemeint, er sollte seinen Sohn opfern, aber so war das gar nicht, und die Moral von der Geschichte ist vor allem, dass sich am Ende herausstellt, dass Abrahams Gott eben nicht so ist wie die anderen Götter: Von jetzt an also nix Menschenopfer mehr. Abraham wird zwar schon dafür gepriesen, dass er bereit war, alles zu tun, von dem er meinte, dass Gott es von ihm verlangt, aber tatsächlich können wir aus der späteren Offenbarungsgeschichte – s. o. – wissen, dass Gott dieses Opfer nicht wirklich von ihm verlangt haben muss. Es ist auch lobenswert, einem irrenden Gewissen zu gehorchen, das sagt diese Geschichte auch, aber Abrahams Gewissen irrte hier, und Gott machte ihm klar, dass er den Tod des Sohnes nicht will. Das ist eben das Alte Testament, und diese Geschichte zeigt noch ein unvollständig entwickeltes Gottesbild, das nicht 1:1 der späteren, deutlicheren Selbstoffenbarung Gottes in Jesus Christus entspricht.

Vielleicht hat das ja eh alles gar nicht so stattgefunden und ist bloß eine symbolische Geschichte. (Es wäre hier natürlich hilfreich, wenn man wüsste, in welcher Zeit diese Geschichte erstmals aufgeschrieben wurde, um mehr darüber sagen zu können, wie historisch oder nicht-historisch sie ist.)

Eine andere Interpretation ist, dass Abraham vielleicht von Anfang an darauf vertraute, dass Gott es am Ende nicht so weit kommen lassen würde, dass das Opfer wirklich durchgezogen würde. Bereits vorher hatte der Herr ihm Isaaks Geburt und eine große Zahl von Nachkommen durch ihn vorausgesagt; wenn Abraham also diesen Versprechen weiterhin vertrauen wollte, musste er praktisch davon ausgehen, dass Isaak am Leben bleiben (oder gegebenenfalls sogar von den Toten zurückkehren) würde. Man kann seine Worte an die Knechte – „dann kommen wir zu euch zurück“ (Genesis 22,5) – und seine Worte an Isaak – „Gott wird sich das Opferlamm aussuchen, mein Sohn“ (Genesis 22,8) – als Lüge und Ausweichen deuten, wenn man möchte, aber man könnte sie ebenso auch als Ausdruck seines Vertrauens interpretieren, dass Gott sich tatsächlich ein anderes Opferlamm aussuchen und er tatsächlich gemeinsam mit dem lebenden Isaak zurückkehren würde. Andererseits ergibt sich hier wieder ein potentieller Konflikt mit Vers 16: „Weil du das getan hast und deinen einzigen Sohn mir nicht vorenthalten hast…“. Dieses Lob an Abraham scheint eine reale Bereitschaft, seinen Sohn zu töten, vorauszusetzen. Oder vielleicht doch nicht? Setzt dieser Vers nur die Bereitschaft voraus, einem scheinbar widersinnigen und brutalen Befehl Gottes nachzukommen, also mit Isaak zur Opferstätte zu gehen und darauf zu vertrauen, dass sich am Ende doch alles zum Guten wenden würde, ohne dass irgendjemand getötet werden würde? Schwer zu sagen; diese Deutung ist eine mögliche Deutung. Ein paar Verse aus dem Hebräerbrief würden sie stützen: „Aufgrund des Glaubens brachte Abraham den Isaak dar, als er auf die Probe gestellt wurde, und gab den einzigen Sohn dahin, er, der die Verheißungen empfangen hatte und zu dem gesagt worden war: Durch Isaak wirst du Nachkommen haben. Er verließ sich darauf, dass Gott sogar die Macht hat, Tote zum Leben zu erwecken; darum erhielt er Isaak auch zurück. Das ist ein Sinnbild.“ (Hebräer 11,17-19) Allerdings hat sie auch noch eine andere, bedeutendere Schwäche: Abraham erscheint hier zwar in positiverem Licht, aber Gott nicht so wirklich. Er gibt ja trotzdem diesen Befehl und stürzt Vater und Sohn damit in Schmerz und Verwirrung.

Datei:Rembrandt Harmensz. van Rijn 035.jpg

(Rembrandt, Der Engel verhindert die Opferung Isaaks, Quelle: Wikimedia Commons. Bei diesem Bild muss ich mir immer denken: Pass auf! Das Messer fällt auf seinen Oberschenkel! Du sollst ihn nicht umbringen! Und dann denke ich mir wieder, wie aufwühlend und unglaublich gut getroffen die Darstellung Isaaks hier eigentlich ist – das verkrampfte Stillhalten, die Hilflosigkeit, das Ausgeliefertsein.)

Es hilft vielleicht auch, diese Geschichte dahingehend anzusehen, was sie in Bezug auf Jesus vorausdeutet (da ja sehr viele alttestamentliche Texte offene oder verborgene Vorausdeutungen auf den Messias enthalten). Gott verlangte am Ende nicht von einem Menschen, seinen Sohn zu opfern; stattdessen stieg Gottes Sohn später selbst freiwillig auf die Erde herab, um sich für die Menschen zu opfern. Der Berg Morija wird übrigens in 2 Chronik 3,1 mit dem Tempelberg in Jerusalem identifiziert, der Stadt, in der Jesus gekreuzigt wurde.

Diese Perspektive auf Jesus lässt sich mit Interpretation Nummer eins verbinden: Im Alten Testament meinte Abraham, er müsste seinen Sohn opfern, und wurde für seine Bereitschaft und seinen Glauben gelobt, auch wenn Gott ihn das Opfer nicht durchziehen ließ, aber im Neuen Testament opfert sich Gottes Sohn selbst, und damit wird klar, wo das Gottesverständnis in Genesis 22 vielleicht noch fehlerhaft und unvollständig war.

File:Rembrandt - Raising of the Cross - 95.1946.jpg

(Rembrandt, Aufrichtung des Kreuzes, Quelle: Wikimedia Commons)

Bei dieser ganzen Geschichte komme ich natürlich nicht umhin, an Isaaks Perspektive zu denken. Es ist extrem frustrierend, wie wenig man darüber erfährt – eigentlich gar nichts; weder darüber, was er tat oder dachte, als er merkte, was genau sein Vater vorhatte, noch darüber, wie sein Verhältnis zu Abraham später aussah.

Jüdische Traditionen sehen Isaak in dieser Episode schon als Erwachsenen (bei Flavius Josephus ist er fünfundzwanzig Jahre alt, im Talmud sogar siebenunddreißig). Wenn man sich dann Abraham als alten, nicht mehr besonders kräftigen Mann vorstellt, bietet sich die von manchen vertretene Interpretation an, dass Isaak sich, aus ebenso festem Glauben wie sein Vater, freiwillig der Opferung unterworfen hätte, anstatt sich zu wehren, was ihm wahrscheinlich hätte gelingen können. Aber dazu bietet die Bibel selbst wenige Informationen. Die Einheitsübersetzung bezeichnet Isaak als „Knaben“; ich kenne den Urtext nicht und kann daher nicht beurteilen, ob das verwendete hebräische Wort ein Kind bezeichnen muss oder auch einen schon erwachsenen Sohn meinen kann.

Die Frage, ob Isaak sich wehrte oder ob er sich freiwillig dem, was er auch als den Willen Gottes sah, unterwarf, ist aber eigentlich bloße Spekulation, denn die Stelle – und das hat mich an ihr immer gestört – fokussiert sich einfach ausschließlich auf Abraham: Er hat einen starken Glauben, er ist bereit, sein Liebstes zu opfern. Hallo?! Hier geht es um seinen Sohn, nicht um sein neues Kamel! Ein Kind ist doch kein Besitzstück!

Tatsächlich muss man im Hinterkopf behalten, dass Kinder damals oft genau so gesehen wurden – na ja, vielleicht nicht ganz so, aber das damalige Verständnis ging doch in die Richtung davon, Kinder als Besitztümer ihrer Eltern zu betrachten, oder zumindest dahin, die Zusammengehörigkeit der Familie und die Autorität des Vaters sehr zu betonen. Man sieht das auch an anderen Stellen der Bibel: „Du sollst keinen Vertrag mit ihnen [den Kanaanitern] schließen, sie nicht verschonen und dich nicht mit ihnen verschwägern. Deine Tochter gib nicht seinem Sohn und nimm seine Tochter nicht für deinen Sohn!“ (Deuteronomium 7,2f.) Über Kinder wird hier gesprochen wie über Tauschgüter, die bei Eheschließungen gar nicht erst gefragt werden müssen. In Ezechiel 18, wo vom Propheten über die ganze Länge des Kapitels hin dargelegt wird, wieso Kinder von Gott nicht für die Sünden ihrer Eltern bestraft werden, heißt es an einer Stelle: „Ihr aber fragt: Warum trägt der Sohn nicht mit an der Schuld seines Vaters?“ (Ezechiel 18,19) Es war das allgemeine Verständnis, dass Kinder an den Missetaten ihrer Eltern und Vorfahren mitzutragen hatten; dass ein Mensch zuallererst ein mitverantwortliches Mitglied einer größeren Gemeinschaft war und dann erst eine Einzelperson. (Und in Stellen wie Ezechiel 18 korrigierte Gott dieses Verständnis auch mal ausdrücklich.) Die damalige Welt hätte keine so großen Probleme mit dem Fokus auf Abraham und seiner Autorität über Isaak gehabt; sogar Isaak selbst hätte sich wahrscheinlich weniger als Individuum mit eigenen Rechten und mehr als der Sohn seines Vaters, der unter dessen Autorität stand, gesehen. Wir haben jetzt zum Glück ein anderes Verständnis von Gemeinschaft, Familie und Individuum. (Vielleicht waren die Fehler in diesem alten, die Familie überbewertenden Verständnis sogar einer der Gründe für Jesu Vorbehalte ihr gegenüber (Matthäus 10,35-37; Matthäus 12,46-50; Lukas 11,27f.)?) Aber dieses damalige Vorverständnis spielt natürlich in diesen Text mit hinein und muss in Betracht gezogen werden, wenn man ihn liest; daher ist es kein Wunder, dass wir nicht viel über Isaaks Sicht der Dinge erfahren, auch wenn es ärgerlich ist, und dass Abrahams Sohn hauptsächlich als Abrahams wertvollstes Besitztum, als Abrahams Garantie für eine Zukunft seines Namens gesehen wurde, nicht so sehr als eigenständige Person. (Diese Tatsache ist allerdings ganz interessant, wenn man die Geschichte auf Jesus hin deutet: Denn Gott Vater und Gott Sohn sind ja, anders als Abraham und Isaak, tatsächlich ein Wesen, nicht zwei verschiedene.)

Ich habe oben auf die wichtige Perspektive auf Jesu Kreuzesopfer hingewiesen und zwei verschiedene Interpretationsmöglichkeiten vorgestellt: Die Das-ist-Altes-Testament-/Das-ist-nur-symbolisch-gemeint-Variante und die Variante, dass Abraham auf eine zufrieden stellende Lösung ohne Tote vertraute. Natürlich gibt es aber auch die simple Interpretation, dass Gott ganz einfach von Abraham verlangte, Isaak zu töten, Abraham ganz einfach bereit war, das zu tun, und Gott dann zum Glück noch rechtzeitig Stopp rief, weil Er das ja eigentlich gar nicht wirklich wollte. Diese Interpretation beruht auf der Annahme, dass Gott an sich ja das Recht habe, dass Leben seiner Geschöpfe zu beenden (was normalerweise durch indirekte Ursachen wie Krankheiten und Unfälle geschieht; zu den Themen Gottes Wille, Schicksal, Gottes Strafen, und Tod verweise ich wieder einmal auf die Teile 8, 9 und 10: https://nolitetimereweb.wordpress.com/2017/02/19/ueber-schwierige-bibelstellen-teil-8-ich-aber-will-das-herz-des-pharao-verhaerten/, https://nolitetimereweb.wordpress.com/2017/03/14/ueber-schwierige-bibelstellen-teil-9-gericht-verdammnis-und-was-war-so-schlimm-an-goetzendienst/, https://nolitetimereweb.wordpress.com/2017/03/29/ueber-schwierige-bibelstellen-teil-10-bestrafung-fuer-die-suenden-der-eltern-ueber-die-erbsuende-und-aehnliches/) und dieses Recht damit theoretisch auch delegieren könnte.

Dabei dürfte man allerdings – siehe Teil 10 – nicht vergessen, dass der Tod ja eigentlich nicht zu Gottes ursprünglichem Plan für die Welt gehört, und damit wohl unter die Dinge fallen müsste, die Er nur zulässt, nicht aber direkt selbst verursacht oder befiehlt. Das stellt diese Interpretation vor eine bedeutende Schwierigkeit. Würde Gott jemals direkt den Tod irgendeines Seiner Geschöpfe befehlen, ob es jetzt um Isaak oder um die Kanaaniter zur Zeit der Landnahme geht? Er liebt sie doch. „Denn Gott hat den Tod nicht gemacht und hat keine Freude am Untergang der Lebenden.“ (Weisheit 1,13)

Mir erscheint diese dritte Interpretationsmöglichkeit aus den hier und in Teil 13 (https://nolitetimereweb.wordpress.com/2017/08/02/ueber-schwierige-bibelstellen-teil-13-die-landnahme/) dargelegten Gründen jedenfalls nicht sinnvoll; ich neige daher eher der ersten dargelegten Erklärungsmöglichkeit zu.

Alle Varianten sind sich darin einig, dass eine der Aussagen dieser Bibelstelle darin besteht, dass sich hier zeigt, dass Gott eben keine Menschenopfer will – und so etwas dann wohl auch in Zukunft nie mehr verlangen wird (eine Geschichte wie die mit Abraham kommt später nirgends mehr in der Bibel vor; ab da ist ja allen klar, was Gottes Wille dahingehend ist*). Ich hoffe, eine dieser Interpretationen stellt jeden Leser zufrieden. Das hier ist vielleicht, einfach durch die Berühmtheit und Bedeutung, die sie im Lauf der Geschichte des Christentums erlangt hat, eine noch schwierigere Stelle als die Landnahme-Erzählungen. Sie gehört ja zu den Stellen, die man schon in der Grundschule lernt. Und sie provoziert dann für gewöhnlich viele Fragen bei den Grundschulkindern – auf die man eben Antworten geben muss.

Hier übrigens noch ein weiterer Artikel zu diesem Thema, der die Probleme mit Interpretation Nummer drei herausstellt: https://brianzahnd.com/2013/04/god-and-genocide/, und ein Wikipedia-Artikel, der verschiedene Interpretationen jüdischer, hauptsächlich mittelalterlicher Kommentatoren vorstellt, wenn auch leider offenbar ohne ausreichende Fußnoten: https://en.wikipedia.org/wiki/Binding_of_Isaac#Jewish_views Ein wunderbares Beispiel dafür, dass die Nehmen-wir-das-mal-lieber-nicht-so-wörtlich-sonst-wirkt-Gott-irgendwie-brutal-Herangehensweise an die Bibel nichts ist, was sich erst die bösen Modernisten ausgedacht hätten!

Wenn jemand noch weitere hilfreiche Gedanken zu Genesis 22 hat, sind sie immer willkommen.

 

* Die Geschichte mit Jiftach dem Gileaditer in Richter 11 ist ganz anders als die mit Abraham; hier wird eindeutig klar, dass Jiftach, der in einer Zeit lebt, als Israel schon von einigen heidnischen Bräuchen beeinflusst und moralisch nicht in bestem Zustand ist (vgl. z. B. auch das nicht allzu vorbildliche Leben Simsons in Richter 13-16), falsch handelt. Nirgendwo wird  dort gesagt, dass Gott ein Menschenopfer von Jiftach verlangt hätte. Hier kommt ganz einfach Regel Nummer 12 ins Spiel: Es gibt einen Unterschied zwischen dem, was in der Bibel steht, und dem, was die Bibel lehrt. Man muss nicht alles gut finden, was die Patriarchen oder die Propheten oder die Könige der Bibel taten. Nicht alles, was die Personen in der Bibel tun, auch nicht alles, was die „guten“ Personen in der Bibel tun, nicht einmal alles, was die guten Personen in der Bibel aus guten Motiven tun, ist von Gott als Vorbild für uns gedacht. Im Grunde genommen besteht kein Unterschied zwischen Jiftach aus Richter 11 und Manasse aus 2 Könige 21,6 (s. o.).

 

Halbwahrheitenpresse.

Heute in der Tagesschau: „An Fronleichnam erinnern Katholiken an das letzte Abendmahl Jesu.“

Ähm. An Fronleichnam feiern Katholiken die reale Gegenwart Jesu im Allerheiligsten Sakrament (Brot und Wein). Das hat irgendwie was mit dem letzten Abendmahl zu tun, bei dem der Herr dieses Sakrament eingesetzt hat, aber an das letzte Abendmahl erinnern Katholiken am Gründonnerstag. Gründonnerstag und Fronleichnam sind zwei verschiedene Feiertage.

Nicht direkt falsch, auch nicht wirklich richtig, oberflächlich und von professioneller Ahnungslosigkeit über alle tieferen Zusammenhänge geprägt: Berichterstattung über die katholische Kirche halt.

 

Ach ja: Allen noch ein schönes Fronleichnamsfest!

Das so ziemlich nervigste Klischee über Frauen, das es gibt

Ich bekenne, dass ich nicht in die Köpfe sämtlicher weiblicher Wesen auf dieser Welt blicken kann. Es mag also Frauen geben, die auf die Frage „Sehe ich damit gut aus?“ tatsächlich keine andere Antwort als ein enthusiastisches „Absolut toll!“ hören wollen. Aber ich gehöre definitiv nicht dazu, und ich glaube auch nicht, dass ich damit ein absoluter Freak innerhalb meines Geschlechts bin.

Wenn man etwas fragt, dann normalerweise deshalb, weil man eine ehrliche Antwort hören will, die die objektive Wirklichkeit wiedergibt. Also, wenn die neue Hose dämlich aussieht, darf der Angesprochene auf die entsprechende Frage gerne antworten „Ich würde an deiner Stelle eher eine andere anziehen, die sieht nicht so gut aus“, oder wenn man weiß, dass es die entsprechende Frau nicht übel nimmt, auch gerne „Dämlich“. Klar soweit? Ja, liebe Männerwelt, auch Menschenwesen mit zwei X-Chromosomen sind fähig, ehrliche Antworten zu ertragen. Und sie wollen die vielleicht sogar, weil sie nicht unbedingt in einer dämlich aussehenden Hose aus dem Haus gehen wollen. Deshalb fragen sie vielleicht überhaupt erst.

Just sayin’.

(Ich halte die Wahrhaftigkeit übrigens für eine der wichtigsten und am meisten vernachlässigten Tugenden, die es überhaupt gibt. Dazu mal eigens noch.)

In den Weiten des Internets gefunden

Heute mal ein paar interessante Links: