Ratschläge für Neulinge in der katholischen Kirche (und solche, die es werden wollen)

Ich möchte mich heute mal an alle wenden, die mit dem Gedanken spielen, sich katholisch taufen zu lassen, oder in die katholische Kirche überzutreten, oder diesen Schritt gerade eben hinter sich haben, oder die anfangen, den katholischen Glauben, zu dem sie offiziell schon gehören, erstmals näher anzuschauen (so wie ich vor sieben Jahren). Es gibt nämlich ein paar Sachen, auf die es ganz gut ist, zu achten, wenn man sich an diesen Schritt wagt. Hier also ein paar Tipps, die vielleicht hilfreich sind:

1) Konzentriert euch, bevor ihr eine Entscheidung für oder gegen den Katholizismus trefft, auf die zentralen Fragen. Diese lauten: Ist der historische Jesus von Nazareth wirklich der Sohn Gottes, des allmächtigen, allgütigen und allwissenden Schöpfers und Erhalters der Welt, der vom Himmel herabgekommen ist, nicht nur, um uns eine Offenbarung zu bringen, sondern auch, um uns zu erlösen und einen Bund mit uns einzugehen? Ist die katholische Kirche wirklich die von Ihm begründete Kirche, deren Haupt Er noch immer ist und die den Beistand des Heiligen Geistes hat und daher nicht in Irrtum verfallen kann? Sobald man diese beiden Fragen eindeutig mit Ja beantworten kann, ist die Sache klar: Man wird katholisch. Man hat eine Pflicht, die Wahrheit zu suchen und zu der Kirche Gottes zu gehören und sich an ihre Gebote zu halten, wenn Gott eine solche Kirche gestiftet hat.

2) Geht aber auch untergeordneten Fragen und Zweifeln nach. Wenn ihr etwas in der Lehre der Kirche nicht versteht, sucht nach Antworten! Die gibt es nämlich. Seid nicht entmutigt, wenn ihr nicht gleich welche findet; etliche Christen sind schlecht über ihren Glauben informiert, und auch Pfarrer wissen nicht alles und erzählen manchmal den reinsten Blödsinn. Unten an diesem Post füge ich noch eine Liste mit hilfreichen Quellen und Links für diese Suche an. Man kann zwar auch katholisch sein, wenn man einfach von dem Prinzip überzeugt ist, dass etwas, das die Kirche (als unfehlbares Dogma) lehrt, verlässlich sein muss, und sich dann darauf verlässt, ohne die Gründe für dieses spezielle Dogma zu kennen; prinzipiell genügt das; aber langfristig ist es doch besser, auch die Gründe zu kennen. Fragen zu haben ist absolut in Ordnung; Gott ist logos, die Vernunft in Person; die Lehre Seiner Kirche muss also Sinn machen. Es ist manchmal nötig, auch seine eigenen unbewussten Vorannahmen im Lauf dieser Suche nach der Wahrheit zu hinterfragen (weil sie vielleicht von unlogischen Vorurteilen des 21. Jahrhunderts geprägt sind), aber grundsätzlich ist es wichtig, sich seine Schwierigkeiten einzugestehen und Antworten zu suchen, die man akzeptieren kann.

3) Besorgt euch Ludwig Otts „Grundriss der Dogmatik“, um zu lernen, die Gewissheitsgrade bei den verschiedenen Lehren der Kirche zu unterscheiden. Ist etwas „De fide“, also eine mit voller Unfehlbarkeit ausgestattete offizielle Lehre? Oder vielleicht nur „sentitia communis“, eine von der Mehrheit der Theologen der Kirchengeschichte vertretene Ansicht, der man als Katholik aber auch widersprechen darf? (Oh, und wenn ihr die Lehren in Otts Dogmatik kennenlernen wollt, dann lest auch das Kleingedruckte – sonst kann es u. U. missverständlich werden.)

4) Erwartet nicht zu viel von Klerikern und anderen Katholiken. Ich habe in den letzten paar Jahre zwar einige unglaublich nette, fromme, geniale oder witzige Katholiken kennengelernt – aber es gibt auch in der Kirche immer wieder die Idioten, die Zicken, die Unzuverlässigen, die Selbstsüchtigen, die Halbherzigen, die Arroganten, die Ahnungslosen… Dass jemand durch diese oder jene Fügung des Schicksals von der richtigen Weltanschauung überzeugt ist, sagt noch nicht viel über ihn aus. Und dass er sich entschieden hat, Priester zu werden, und später vielleicht auf einen Bischofsstuhl gekommen ist, auch nicht. Ach ja, und stellt euch schon mal auf innerkatholische Grabenkämpfe ein.

5) Idealisiert nicht irgendein Vorbild zu sehr. Klar kennt man oft mal einen begeisternden Bischof, einen genialen Theologen, eine hilfsbereite Nonne voller toller Einsichten, die einen zum Glauben gebracht haben – aber verlasst euch nicht zu sehr auf solche Vorbilder im Glauben. Sie sind auch nur Menschen; wahrscheinlich werden sie irgendwann Fehler machen und einen enttäuschen. In einzelnen Fällen kann es sogar sein, dass man sich sehr gewaltig in einem Menschen täuscht. So ging es den Mitgliedern der Legionäre Christi und von Regnum Christi, als sie erkennen mussten, dass ihr Gründer ein Kinderschänder war, der seine Taten hinter seiner heiligen Fassade versteckt hatte. Aber ob es jetzt nur um gewöhnliche Fehler oder um schlimme Verbrechen geht: Wir sind nicht wegen irgendeines Menschen katholisch, sondern wegen Gott.

6) Glaubt nicht, man dürfte als braver Katholik nichts mehr in der Kirche kritisieren – im Gegenteil, gerade weil wir zur Kirche gehören und die Kirche lieben, dürfen wir da, wo die Leute in ihr nicht Gott folgen, Kritik üben.

7) Lasst euch nicht diesen Unsinn einreden, nach dem Glaube und Vernunft (oder Glaube und Wissenschaft) zueinander im Widerspruch stünden. Es gibt zwar sogar Christen, die meinen, „Glaube“ hieße, etwas nicht genau wissen zu können oder etwas Widervernünftiges zu akzeptieren; aber das ist falsch. Die Kirche hat dieses Glaubensverständnis immer klar zurückgewiesen, siehe z. B. hier oder hier.

8) Erwartet niemals, dass Gott, wenn ihr brave Christen seid und zu Ihm betet, alle eure Probleme lösen, alle eure Bitten erhören, alles Leid von euch fernhalten wird. Gott ist kein Automat, und so funktioniert das nicht. Erwartet auch nicht, dass es immer einfach sein wird, Seine Stimme zu hören oder Seine Gegenwart zu spüren. Wird es nicht.

9) Passt darauf auf, dass ihr euch nicht eigene Gottesbilder konstruiert und die für Gott haltet. Man kann sich alle möglichen falschen Gottesbilder machen – Gott als unerbittlicher Richter, vor dem man keine Chance hat, zu bestehen; Gott als desinteressiert und fern; Gott als willkürlicher Herrscher; Gott als gleichmütiger Typ, dem es egal ist, ob wir gut sind oder nicht… Wenn man dann irgendwann Gott ablehnt, muss man sich fragen: Lehne ich Gott ab oder nur mein eigenes Gottesbild? Gott ist der „Ich bin“. Er ist, der Er in sich ist, nicht der, als den wir Ihn uns vorstellen.

10) Wenn sich andere Katholiken auf Privatoffenbarungen berufen, um euch zu irgendwelchen speziellen Andachten oder Sühnegebeten oder Weltuntergangspanik zu überreden: Nichts davon müsst ihr glauben, selbst dann nicht, wenn die Privatoffenbarung kirchlich erlaubt (anerkannt) sein sollte, und oft sind diese Offenbarungen nicht mal das.

11) Geht zur Sonntagsmesse, wenn ihr nicht gerade krank seid oder arbeiten müsst oder so. Auch wenn ihr noch nicht katholisch seid und es somit nicht tun müsst, und auch noch nicht die Kommunion empfangen könnt: Es ist unglaublich hilfreich, in Jesu Gegenwart zu sein. Und sucht am besten auch sonst den Kontakt zur Ortspfarrei – vielleicht findet da ja mal ein Alphakurs/Jugendalphakurs statt, oder es gibt einen Gebets- oder Bibelkreis, dem man sich anschließen kann, oder es wird eine Wallfahrt ins Heilige Land oder zum nächsten Marienwallfahrtsort veranstaltet, bei der man mitkommen möchte, oder man kann bei einem sozialen Projekt helfen – oder was auch immer. Auf jeden Fall ist es gut, andere Katholiken kennenzulernen und in der Kirche dabei zu sein. (Auch wenn in der Pfarrei nicht alles ideal laufen sollte.)

12) Haltet euch, wenn ihr der Kirche näherkommt, schon mal an die allgemeinen Gebote Gottes – auch in Bezug auf solche unbeliebten Dinge wie „keine Lügen“ oder „kein Sex außerhalb der Ehe“. Das hat noch keinem geschadet. (Ich finde ja, dass es, selbst wenn man sich noch überhaupt nicht sicher sein sollte, wie sich das mit Gott verhält, mehr Sinn macht, so zu leben, als ob es Gott gäbe und das Leben einen Sinn und eine Ordnung hätte, anstatt so, als ob ihn nicht gäbe.)

13) Lest in der Bibel, um Gott kennenzulernen. (Und wenn da was unklar ist, hab ich hier ein paar Artikel über die „schwierigen“ Bibelstellen, die vielleicht ein paar Fragen klären könnten.)

14) Ohne regelmäßiges Gebet (am besten morgens, abends & vor dem Essen) geht gar nichts.

 

Hilfreiche Quellen:

Links (deutsch) :

Links (englisch) :

  • Die „Catholic Encyclopedia“ ist ein absolut großartiges Lexikon aus dem frühen 20. Jahrhundert.
  • „The Papal Encyclicals Online“ hat Lehrschreiben aus mehreren Jahrhunderten Kirchengeschichte, die man sonst oft schwer findet.
  • „The belief of Catholics“ ist ein Buch des ziemlich genialen englischen Konvertiten, Priesters, Schriftstellers und Bibelübersetzers Ronald Knox aus dem Jahr 1927, das es leider nicht in deutscher Übersetzung, dafür aber gratis online gibt.
  • „Word on Fire“ ist ein Medienapostolat des US-amerikanischen Bischofs Robert Barron – da findet man etliche Artikel oder Videos zum Glauben. Etwas Ähnliches bietet Ascension Press – Videos, Artikel, Podcasts. „Catholic Answers“ ist eine von professionellen Laien betriebene Seite – umfangreich, hilfreich, beantwortet unzählige praktische Fragen zum katholischen Leben.
  • Dieser Blog eines ehemaligen Seminaristen bietet besonders gute Informationen über die Geschichte der Kirche, die Unterschiede zwischen Katholizismus & Protestantismus, aber auch etliche andere Themen, etwa, warum der Atheismus falsch liegt.
  • Über in den Kreisen der „New Atheists“ geläufige Geschichtsmythen über das Christentum informiert dieser (von einem Atheisten betriebene) Blog. Sehr spannend.

Bücher (deutsch) :

  • „Youcat. Jugendkatechismus der katholischen Kirche“ / „Youcat for kids“ (plus: „Youcat. Update! Beichten!“, „Youcat. Jugendgebetbuch“, „Docat. Was tun?“, „Youcat. Firmbuch“)
  • Den „Katechismus der katholischen Kirche“ sowie das „Kompendium des Katechismus der katholischen Kirche“ gibt es natürlich auch in Buchform. (Der „Katholische Erwachsenenkatechismus“, den nicht Rom, sondern die deutsche Bischofskonferenz herausgegeben hat, ist allerdings absolut nicht zu empfehlen.)
  • Alles von Joseph Ratzinger, besonders aber „Jesus von Nazareth“ (3 Bände) und „Einführung in das Christentum“
  • Josef Bordat: „Von Ablasshandel bis Zölibat. Das ‚Sündenregister‘ der katholischen Kirche“
  • Michael Hesemann: „Die Dunkelmänner. Mythen, Lügen und Legenden um die Kirchengeschichte“
  • Ludwig Ott: „Grundriss der Dogmatik“
  • Heinrich Denzinger und Peter Hünermann (Herausgeber) : „Enchiridion symbolorum definitionum et declarartionum de rebus fidei et morum / Kompendium der Glaubensbekenntnisse und kirchlichen Lehrentscheidungen“ (Anders als auf der Webseite des Vatikans, die nur die neueren Dokumente (so ab dem späten 19. Jh.) hat, findet man in diesem Buch Lehrschreiben aus 2000 Jahren Kirchengeschichte. Wenn man durch die Lehrdokumente blättert, muss man aber drauf aufpassen, eine Liste verurteilter Ketzereien nicht aus Versehen für eine Liste kirchlicher Dogmen zu hälten, und vice versa…)
  • Alles von Gilbert Keith Chesterton, besonders „Orthodoxie“
  • Alles von C. S. Lewis, besonders „Pardon, ich bin Christ“ – unter dem Vorbehalt, dass sich bei dem Anglikaner Lewis einige protestantische Fehler einschleichen.
  • Ich fühle mich zwar nicht ganz wohl dabei, Bücher zu empfehlen, die ich selbst noch nicht gelesen habe, aber Frank Sheeds „Theologie für Anfänger“ und Josef Bordats „Credo. Wissen, was man glaubt“, sollen sehr gut sein.

Bücher (englisch) :

  • Fulton Sheen: „Life of Christ“ (Es gäbe eine ältere deutsche Übersetzung des Buches, aber die ist sehr frei und damit furchtbar – der Übersetzer formuliert Sätze oft beliebig um.)
  • Trent Horn: „Hard sayings. A Catholic approach to answering Bible difficulties“
  • Peter Kreeft: „You can understand the Bible“

Franz von Sales über geduldige Bekehrung

Hier mal wieder ein Tipp vom hl. Franz von Sales aus dem Kapitel über die Läuterung der Seele in der „Philothea“ (Hervorhebungen von mir):

 

Der hl. Paulus wurde in einem Augenblick und vollständig geläutert; ebenso die hl. Katharina von Genua, Magdalena, Pelagia und einige andere. Eine derart plötzliche Läuterung ist ein Wunder und in der Gnadenordnung so außergewöhnlich, wie etwa die Erweckung eines Toten in der Ordnung der Natur; wir dürfen sie also nicht anstreben. Gewöhnlich geschieht die Genesung des Leibes wie der Seele nur allmählich, Schritt für Schritt, von Stufe zu Stufe, mit großem Aufwand an Mühe und Zeit.

 Die Engel auf der Jakobsleiter haben Flügel, sie fliegen aber nicht, sondern steigen die Stufen auf und ab, eine nach der anderen. Eine Seele, die von der Sünde zur Frömmigkeit emporsteigt, wird mit der Morgenröte verglichen (Spr 4,18), die nicht plötzlich, sondern nur allmählich die Finsternis vertreibt. Eine Heilung, die nur langsam vor sich geht, bezeichnet der Volksmund als die sicherste. Die Krankheiten der Seele wie des Leibes kommen wie zu Pferd im Galopp, ziehen aber zu Fuß und im Schritt ab.

 Bei diesem Beginnen musst du also Mut und Geduld haben. Wie bedauernswert sind doch Menschen, die nach anfänglichem Bemühen um die Frömmigkeit merken, dass sie noch mit verschiedenen Unvollkommenheiten behaftet sind, darüber unruhig, verwirrt und mutlos werden und nahe daran sind, alles aufzugeben und sich wieder der Sünde zu überlassen!

 Andererseits ist für manche Menschen eine entgegengesetzte Versuchung gefährlich; sie reden sich selbst ein, dass sie schon vom ersten Tag an von allen Unvollkommenheiten frei seien; sie glauben fertig zu sein, ehe sie richtig angefangen haben; sie setzen zum Flug an, bevor ihnen Flügel gewachsen sind. In welcher Gefahr eines Rückfalls schweben doch solche Menschen, weil sie sich zu früh den Händen des Arztes entzogen haben! „Steh nicht auf, bevor es Tag geworden“, sagt der Prophet; „steh erst auf, nachdem du ausgeruht“ (Ps 127,2). Er hielt sich selbst daran; da er schon gewaschen und gereinigt war, betete er darum, es noch mehr zu werden (Ps 51,4).

 Das Bemühen um die Reinigung unserer Seele kann und soll nur mit unserem Leben ein Ende finden. Regen wir uns also nicht auf über unsere Unvollkommenheiten: unsere Vollkommenheit besteht eben darin, dass wir die Unvollkommenheiten bekämpfen. Wir können sie aber nicht bekämpfen, wenn wir sie nicht sehen; wir können sie nicht überwinden, wenn wir ihnen nicht begegnen. Unser Sieg besteht nicht darin, dass wir sie nicht wahrnehmen, sondern darin, dass wir uns ihnen nicht beugen. Der aber beugt sich ihnen nicht, der sie unangenehm empfindet. Zur Übung der Demut müssen wir wohl manchmal in diesem geistlichen Kampf verwundet werden; besiegt wären wir aber erst dann, wenn wir das Leben oder den Mut verloren hätten. Unvollkommenheiten und lässliche Sünden zerstören nicht das geistliche Leben; es geht nur durch die Todsünde verloren. Eines ist also notwendig: den Mut nicht verlieren! „Befreie mich, Herr, von Feigheit und Mutlosigkeit“ (Ps 55,17f), betete David. Es ist ein Glück für uns, dass wir in diesem Krieg immer Sieger sind, solange wir nur kämpfen wollen.