Der heilige Antonius über die Unterscheidung der Geister

Ich bin gerade dabei, ein paar Arbeiten für die Uni zu schreiben, für die ich u. a. die Vita Antonii gelesen habe, die Biographie des heiligen Antonius (251-356 n. Chr.), die der heilige Athanasius von Alexandria (ca. 300-373 n. Chr.), der Antonius noch persönlich kannte, verfasst hat (hier online). Und was soll ich sagen: Dieses kurze Buch ist wirklich spannend. Und kann einem auch im eigenen geistlichen Leben weiterhelfen.

In einer längeren Rede, mit der Antonius, der ja einer der allerersten ägyptischen Wüstenmönche war, sich an andere Mönche richtet, um ihnen zu erklären, wie man den geistlichen Kampf gegen die Dämonen kämpft, findet sich eine Stelle, an der er erklärt, wie man dämonische Erscheinungen von Erscheinungen unterscheidet, die von Gott, den Engeln oder den Heiligen stammen. Jetzt ist es zwar bei uns weniger wahrscheinlich als bei einem Heiligen, dass wir es mit Visionen zu tun bekommen; aber man kann das, was er sagt, auch gut auf die alltäglichen Gedanken/Eingebungen anwenden, die einem z. B. beim Gebet kommen.

Also übergebe ich das Wort jetzt mal ohne weiteres Drumherumgerede an den heiligen Antonius bzw. seinen Biographen:

 

„[D]enn es ist leicht und gar wohl möglich, die Anwesenheit der Guten und Bösen zu unterscheiden, da Gott diese Gabe verleiht. Denn der Anblick der Heiligen bringt keine Verwirrung mit sich: ‚Nicht wird er streiten noch schreien noch wird jemand hören seine Stimme‘. Ihre Erscheinung erfolgt so ruhig und sanft, daß sogleich Freude und Fröhlichkeit und Mut in die Seele kommt. Denn mit ihnen ist der Herr, der unsere Freude ist, die Kraft aber ist die Gottes, des Vaters, die Gedanken der Seele aber sind ohne Verwirrung und Erregung; daher erblickt sie, von jener erleuchtet, die Erscheinungen. Sehnsucht nach dem Göttlichen und Zukünftigen überkommt sie, und sie will sich durchaus mit ihnen vereinigen, um mit ihnen von hier zu gehen. Wenn aber manche als schwache Menschen sich vor dem Gericht der Guten fürchten, dann nehmen die Erscheinenden rasch die Angst von ihnen durch ihre Liebe. So machte es Gabriel mit Zacharias, und der Engel, der am göttlichen Grabe den Frauen sich zeigte, und jener, der im Evangelium zu den Hirten sprach: ‚Fürchtet euch nicht!‘ Denn die Furcht vor ihnen entsteht nicht aus der Mutlosigkeit der Seele, sondern aus der Erkenntnis von der Gegenwart der Besseren. So verhält es sich mit der Erscheinung der Heiligen.

Der Ansturm und das Gesicht der Bösen aber ist voll Verwirrung, er erfolgt unter Getöse, Lärm und Geschrei wie das Getümmel von ungezogenen Jungen und Räubern. Daraus entsteht sogleich Furcht in der Seele, Verwirrung und Unordnung in den Gedanken, Scham, Hass gegen die Asketen, Sorglosigkeit, Schmerz, Erinnerung an die Verwandten, Furcht vor dem Tode; und dann Begierde nach dem Schlechten, Nachlässigkeit in der Tugend und Verschlechterung des Charakters. Wenn ihr ein Gesicht habt und euch fürchtet, die Furcht aber sogleich schwindet und dafür unaussprechliche Freude entsteht, Wohlbehagen und Mut und Erquickung, Ordnung in Gedanken und all das andere, von dem ich eben sprach, Mannhaftigkeit und Liebe zu Gott, dann seid frohen Mutes und betet; denn die Freude und der ruhige Zustand der Seele zeigen die Heiligkeit des Anwesenden. So frohlockte Abraham, als er den Herrn sah, und Johannes hüpfte vor Freude, als die Stimme der Gottesgebärerin Maria ertönte. Wenn aber bei manchen Erscheinungen Verwirrung entsteht, Lärm von außen, weltlicher Trug, Drohung mit dem Tode und dergleichen, was ich vorher nannte, so erkennt daran, daß der Angriff von Bösen kommt.

Auch dies soll euch ein Kennzeichen sein: wenn die Seele in Furcht verharrt, so ist das ein Beweis für die Gegenwart der Feinde. Denn die Dämonen nehmen die Furcht davor nicht weg, wie es der große Erzengel Gabriel bei Maria und Zacharias tat, und der, welcher in dem Grabe den Frauen erschien.“

(Vita Antonii, aus Kapitel 35-37)

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Über schwierige Bibelstellen, Teil 21: Wunder und Dämonenaustreibungen

Alle Teile hier: https://nolitetimereweb.wordpress.com/reihe-ueber-schwierige-bibelstellen/

 

Die Bibel berichtet immer wieder von Wundern; hier stechen besonders die Evangelien mit ihren Berichten von Wunderheilungen durch Jesus heraus. (Dazu Totenerweckungen, Dämonenaustreibungen, Brotvermehrungen, das Weinwunder zu Kana, der Gang auf dem Wasser… ach ja, und Seine eigene Auferstehung.) Hier stellen sich mehrere Fragen. Zunächst einmal gibt es Menschen, die ganz grundsätzlich davon ausgehen, dass Wunder nicht geschehen können. Dann stellt sich aber auch die Frage: Wenn Wunder geschehen können, wieso sind sie dann so ungleich, so scheinbar ungerecht verteilt? Wieso wird einzelnen Menschen ein Wunder durch Gott zuteil, und anderen nicht?

 

Zur ersten Frage zuerst: Die Ansicht, dass Wunder nicht geschehen könnten, ist keine naturwissenschaftlich begründete Überzeugung, sondern ein philosophisches Dogma. Die Naturwissenschaft geht einfach davon aus, dass die Welt nach immer gleichen Regeln funktioniert und führt dann Experimente durch, um herauszufinden, was genau diese Regeln sind, was wir aufgrund dieser Regeln erwarten können, wenn wir etwas tun, usw. Man stößt auf Dinge, die man nicht versteht (z. B. Krankheiten mit unentdeckter Ursache), ist sich aber von vornherein sicher, dass sie nach bestimmten Regeln funktionieren müssen, und forscht dann so lange, bis man diese herausgefunden hat. Dass die Welt nach immer gleichen Regeln funktioniert, ist also eine philosophische Grundüberzeugung, die der Naturwissenschaft vorausgeht und ihr zugrunde liegt – und die übrigens gerade auch zum Christentum gehört. Wir glauben schließlich an einen vernünftigen Schöpfergott, der eine geordnete Welt eingerichtet hat; das macht Naturwissenschaft möglich. Der Glaube etwa der antiken Griechen, wonach jede Naturerscheinung die direkte Manifestation eines Gottes sei (wenn es auf dem Meer einen Sturm gibt, ist Poseidon sauer, wenn es blitzt, steckt Zeus dahinter), würde keine solche Forschung zulassen. Aber wir sind ja Christen und keine Heiden.

Aber wie sieht es dann mit den Wundern aus? Na ja, ich klaue mir mal einen Vergleich von den Deisten (der so seine Tücken hat*, aber hier trotzdem ganz nützlich ist): Gott ist wie ein Uhrmacher, der eine Welt einrichtet, die dann nach bestimmten Regeln vor sich hin läuft. Jedoch würde nichts den Uhrmacher daran hindern, noch einmal in die fertige Uhr einzugreifen – z. B. die Zeiger für eine halbe Stunde anzuhalten und sie dann hinterher so weit vorzustellen, dass die Uhr wieder die richtige Zeit anzeigt. Wenn man – quasi als Naturwissenschaftler – das Räderwerk studiert hätte, könnte man voraussagen, welche Zeit die Uhr soundsoviele Stunden und Minuten in der Zukunft oder der Vergangenheit anzeigen wird oder angezeigt hat – es sei denn jedoch, der Uhrmacher hätte irgendwann eingegriffen und die Zeiger umgestellt oder angehalten. Wenn der Naturwissenschaftler darauf stoßen würde, dass die Uhr eine unpassende Zeit anzeigt, müsste er im Endeffekt sagen „Durch die Funktionsweise des Räderwerks nicht erklärbar“, was einen Eingriff von außen als einzige andere Möglichkeit offenlassen würde.

Nun ist das, wie gesagt, kein perfekter Vergleich; bei einer Uhr bringt es nichts, sie einfach mal anzuhalten. Ein anderer Vergleich wäre vielleicht ein Sparkonto, auf dem seit Jahren ein bestimmtes Vermögen vorhanden ist, das sich nach dem immer gleichen Zinssatz vermehrt. Mithilfe der Rechenregeln kann man die Höhe des Vermögens voraus- bzw. zurückberechnen. Das funktioniert erst dann nicht mehr, wenn von außen jemand etwas einzahlt – z. B. ein netter Onkel, der ein Geldgeschenk macht – oder etwas abhebt.

Regel Nummer 20 Wenn wir davon ausgehen, dass ein allmächtiger Schöpfer der Welt existiert, können wir nicht ausschließen, dass Er durch außergewöhnliche Zeichen, Wunder genannt, in die Welt eingreift.

Ein solcher Eingriff lässt sich per definitionem nicht mit den Naturgesetzen vorhersagen oder erklären, genau darum geht es ja. Und das haben nicht erst die Menschen der Neuzeit entdeckt, als die Naturgesetze besser erforscht wurden. Auch den antiken Juden war sehr wohl klar, dass es gewisse Gesetzlichkeiten in der Natur gibt – z. B. dass Jungfrauen nicht schwanger werden. Wieso wollte Joseph sich wohl in aller Stille von Maria scheiden lassen? Weil er genau wusste, dass Jungfrauen für gewöhnlich nicht schwanger werden. Der Engel erklärte ihm dann, dass ein Wunder geschehen war, etwas, das durch die Naturgesetze nicht erklärt werden kann, und Joseph akzeptierte diese Erklärung (immerhin kam sie, wie gesagt, von einem Engel).

Wenn ein Wunder naturwissenschaftlich erklärbar wäre, wäre es kein Wunder.** Ein Wunder ist gerade etwas naturwissenschaftlich nicht Erklärbares, das sich nur durch einen übernatürlichen Eingriff erklären lässt. Nur deshalb können Wunder überhaupt Zeichen Gottes sein.

Okay, könnte man sagen, Wunder sind für Gott also möglich. Aber ist denn die Vorstellung, dass Gott eine Welt erschafft, um dann immer wieder an ihr herumzudoktern und ihre Regeln außer Kraft zu setzen, Gott angemessen? Darauf gibt es zweierlei Entgegnungen:

Zunächst einmal hat Gott bestimmten Geschöpfen in seiner Welt (Engeln, Menschen) auch einen freien Willen gegeben und die haben damit die Welt aus ihrer ursprünglichen Bahn gebracht. Die Welt ist also keine perfekt vor sich hin laufende Maschine mehr, sondern eine kaputte, die Reparaturmaßnahmen erfordert.

Dann gehört zu diesen Reparaturmaßnahmen auch, dass Gott sich den Menschen offenbart. Dabei ist es angemessen, dass Er ihnen zeigt, dass wirklich Er es ist, und kein Scharlatan oder Verrückter. Das geht am besten durch Dinge, die einem Scharlatan oder Verrückten nicht möglich wären – Wunder. Das im NT verwendete Wort für „Wunder“ bedeutet übrigens eigentlich „Zeichen“.

Soweit dazu, was Gott tun könnte und was Ihm angemessen wäre. Wenn wir nun wissen wollen, ob Gott in der Praxis tatsächlich Wunder tut, müssen wir einfach auf konkrete Berichte schauen. Gibt es glaubwürdige Hinweise darauf, dass früher Dinge geschehen sind, die naturwissenschaftlich nicht erklärbar sind, oder dass solche Dinge heute noch geschehen? Die gibt es offensichtlich – ich nenne nur mal exemplarisch das 1917 von 30.000 Menschen beobachtete Sonnenwunder in Fatima und die von einer unabhängigen Ärztekommission geprüften Heilungen in Lourdes. Wenn wir in die Bibel schauen, berichten die Evangelien von Jesus unzählige Wunder; dazu kommt natürlich Seine Auferstehung, auf der der ganze christliche Glaube aufbaut. Ich will mich nicht lange bei den Belegen für einzelne Wunder aufhalten, nur so viel zur Auferstehung: Das leere Grab wurde von niemandem geleugnet und wir haben die Berichte von den Erscheinungen des Auferstandenen vor bis zu 500 Menschen gleichzeitig (vgl. 1 Korinther 15,6). Die Apostel hätten nichts davon gehabt, sich so etwas auszudenken; im Gegenteil, sie starben den Märtyrertod für ihren Glauben. Aber zu alldem ein anderes Mal ausführlicher…

 

Aber dann wäre ja noch die Frage: Sind Wunder denn nicht sehr ungerecht verteilt? Okay, Jesus heilte offenbar alle, die zu Ihm kamen (zumindest ist nicht überliefert, dass Er irgendjemandem eine Heilung verweigerte), aber Er konnte auch nicht überall sein. Jemand, der zu Seiner Zeit in Alexandria oder Ephesos lebte, hatte offenbar Pech. Und schauen wir auf die Situation heute – so viele Kranke pilgern nach Lourdes, und so wenige kommen von dort geheilt zurück.

Hierzu ist eine Stelle aus dem Lukasevangelium interessant. Hier predigt Jesus in der Synagoge in Nazareth, seiner Heimatstadt, nachdem er schon anderswo, z. B. in Kafarnaum, aufgetreten ist und Wunder getan hat: „Wahrhaftig, das sage ich euch: In Israel gab es viele Witwen in den Tagen des Elija, als der Himmel für drei Jahre und sechs Monate verschlossen war und eine große Hungersnot über das ganze Land kam. Aber zu keiner von ihnen wurde Elija gesandt, nur zu einer Witwe in Sarepta bei Sidon. Und viele Aussätzige gab es in Israel zur Zeit des Propheten Elischa. Aber keiner von ihnen wurde geheilt, nur der Syrer Naaman. Als die Leute in der Synagoge das hörten, gerieten sie alle in Wut. Sie sprangen auf und trieben Jesus zur Stadt hinaus; sie brachten ihn an den Abhang des Berges, auf dem ihre Stadt erbaut war, und wollten ihn hinabstürzen. Er aber schritt mitten durch sie hindurch und ging weg.“ (Lukas 4,25-30)

Regel Nummer 21 Niemand hat einen Anspruch auf ein göttliches Wunder.

Es stimmt nun mal leider: Die Wege des Herrn sind unergründlich. „Meine Gedanken sind nicht eure Gedanken und eure Wege sind nicht meine Wege – Spruch des HERRN. So hoch der Himmel über der Erde ist, so hoch erhaben sind meine Wege über eure Wege und meine Gedanken über eure Gedanken.“ (Jesaja 55,8f.) Wir können nicht wissen, wieso Gott in der einen Situation eingreift und in der anderen nicht, dazu ist unsere Perspektive einfach zu begrenzt auf unsere Erlebnisse, unsere Zeit, unsere irdische Welt. Gott sieht das Gesamtbild und weiß, welche Auswirkungen es insgesamt hat, wenn jemand z. B. geheilt oder nicht geheilt wird. Das Leid hat einen Sinn (worüber ein anderes Mal ausführlich zu reden wäre; aber auch der Gottmensch Jesus selbst hat gelitten); und dass Gott in manchen Fällen auf die Bitten der Menschen hin beschließt, es auf außergewöhnliche Art und Weise zu lindern, muss auch einen Sinn haben.

 

Dann stellt sich noch die Frage nach einer speziellen Art von Wundern: Exorzismen, d. h. Dämonenaustreibungen. Immer wieder wird in den Evangelien davon erzählt, dass Jesus Besessenen half:

  • „Man brachte alle Kranken mit den verschiedensten Gebrechen und Leiden zu ihm, Besessene, Mondsüchtige und Gelähmte, und er heilte sie.“ (Matthäus 4,24)
  • „Dann brachte man zu ihm einen Besessenen, der blind und stumm war. Er heilte ihn, sodass der Stumme wieder reden und sehen konnte.“ (Matthäus 12,22)
  • „In ihrer Synagoge war ein Mensch, der von einem unreinen Geist besessen war. Der begann zu schreien:Was haben wir mit dir zu tun, Jesus von Nazaret? Bist du gekommen, um uns ins Verderben zu stürzen? Ich weiß, wer du bist: der Heilige Gottes. Da drohte ihm Jesus: Schweig und verlass ihn! Der unreine Geist zerrte den Mann hin und her und verließ ihn mit lautem Geschrei. Da erschraken alle und einer fragte den andern: Was ist das? Eine neue Lehre mit Vollmacht: Sogar die unreinen Geister gehorchen seinem Befehl. Und sein Ruf verbreitete sich rasch im ganzen Gebiet von Galiläa.“ (Markus 1,23-28)
  • „Sie kamen an das andere Ufer des Sees, in das Gebiet von Gerasa. Als er aus dem Boot stieg, lief ihm sogleich von den Gräbern her ein Mensch entgegen, der von einem unreinen Geist besessen war. Er hauste in den Grabstätten. Nicht einmal mit einer Kette konnte man ihn bändigen. Schon oft hatte man ihn mit Fußfesseln und Ketten gebunden, aber er hatte die Ketten zerrissen und die Fußfesseln durchgescheuert; niemand konnte ihn bezwingen. Bei Tag und Nacht schrie er unaufhörlich in den Grabstätten und auf den Bergen und schlug sich mit Steinen. Als er Jesus von Weitem sah, lief er zu ihm hin, warf sich vor ihm nieder und schrie laut: Was habe ich mit dir zu tun, Jesus, Sohn des höchsten Gottes? Ich beschwöre dich bei Gott, quäle mich nicht! Jesus hatte nämlich zu ihm gesagt: Verlass diesen Menschen, du unreiner Geist! Jesus fragte ihn: Wie heißt du? Er antwortete: Mein Name ist Legion; denn wir sind viele. Und er flehte Jesus an, sie nicht aus diesem Gebiet fortzuschicken. Nun weidete dort an einem Berghang gerade eine große Schweineherde. Da baten ihn die Dämonen: Schick uns in die Schweine! Jesus erlaubte es ihnen. Darauf verließen die unreinen Geister den Menschen und fuhren in die Schweine und die Herde stürmte den Abhang hinab in den See. Es waren etwa zweitausend Tiere und alle ertranken. Die Hirten flohen und erzählten es in der Stadt und in den Dörfern. Darauf eilten die Leute herbei, um zu sehen, was geschehen war. Sie kamen zu Jesus und sahen bei ihm den Mann, der von der Legion Dämonen besessen gewesen war, bekleidet und bei Verstand. Da fürchteten sie sich. Die es gesehen hatten, berichteten ihnen, wie es mit dem Besessenen und den Schweinen geschehen war. Darauf baten die Leute Jesus, ihr Gebiet zu verlassen. Als er ins Boot stieg, bat ihn der Mann, der zuvor von den Dämonen besessen war, dass er bei ihm sein dürfe. Aber Jesus erlaubte es ihm nicht, sondern sagte: Geh nach Hause und berichte deiner Familie alles, was der Herr für dich getan und wie er Erbarmen mit dir gehabt hat! Da ging der Mann weg und verkündete in der ganzen Dekapolis, was Jesus für ihn getan hatte, und alle staunten.“ (Markus 5,1-20)
  • „Als sie [Jesus, Petrus, Jakobus und Johannes] zu den anderen Jüngern zurückkamen, sahen sie eine große Menschenmenge um sie versammelt und Schriftgelehrte, die mit ihnen stritten. Sobald die Leute Jesus sahen, liefen sie in großer Erregung auf ihn zu und begrüßten ihn. Er fragte sie: Warum streitet ihr mit ihnen? Einer aus der Menge antwortete ihm: Meister, ich habe meinen Sohn zu dir gebracht. Er ist von einem stummen Geist besessen; immer wenn der Geist ihn überfällt, wirft er ihn zu Boden und meinem Sohn tritt Schaum vor den Mund, er knirscht mit den Zähnen und wird starr. Ich habe schon deine Jünger gebeten, den Geist auszutreiben, aber sie hatten nicht die Kraft dazu. Da sagte er zu ihnen: O du ungläubige Generation! Wie lange muss ich noch bei euch sein? Wie lange muss ich euch noch ertragen? Bringt ihn zu mir! Und man führte ihn herbei. Sobald der Geist Jesus sah, zerrte er den Jungen hin und her, sodass er hinfiel und sich mit Schaum vor dem Mund auf dem Boden wälzte. Jesus fragte den Vater: Wie lange hat er das schon? Der Vater antwortete: Von Kind auf; oft hat er ihn sogar ins Feuer oder ins Wasser geworfen, um ihn umzubringen. Doch wenn du kannst, hilf uns; hab Mitleid mit uns! Jesus sagte zu ihm: Wenn du kannst? Alles kann, wer glaubt. Da rief der Vater des Knaben: Ich glaube; hilf meinem Unglauben! Als Jesus sah, dass die Leute zusammenliefen, drohte er dem unreinen Geist und sagte: Ich befehle dir, du stummer und tauber Geist: Verlass ihn und kehr nicht mehr in ihn zurück! Da zerrte der Geist den Knaben hin und her und verließ ihn mit lautem Geschrei. Er lag da wie tot, sodass alle Leute sagten: Er ist gestorben. Jesus aber fasste ihn an der Hand und richtete ihn auf und er erhob sich. Jesus trat in das Haus und seine Jünger fragten ihn, als sie allein waren: Warum konnten denn wir den Dämon nicht austreiben? Er antwortete ihnen: Diese Art kann nur durch Gebet ausgetrieben werden.“ (Markus 9,14-29)
  • Jesus trägt auch den Jüngern auf: „Heilt Kranke, weckt Tote auf, macht Aussätzige rein, treibt Dämonen aus!“ (Matthäus 10,8)
  • „Und er setzte zwölf ein, damit sie mit ihm seien und damit er sie aussende, zu verkünden und mit Vollmacht Dämonen auszutreiben.“ (Markus 3,14f.)
  • Er spricht auch über die Dämonen: „Als die Pharisäer das hörten, sagten sie: Nur mit Hilfe von Beelzebul, dem Herrscher der Dämonen, treibt er die Dämonen aus. Doch Jesus wusste, was sie dachten, und sagte zu ihnen: Jedes Reich, das in sich gespalten ist, wird veröden und eine Stadt und eine Familie, die in sich gespalten ist, wird keinen Bestand haben. Wenn also der Satan den Satan austreibt, dann ist Satan in sich selbst gespalten. Wie kann sein Reich dann Bestand haben? Und wenn ich die Dämonen durch Beelzebul austreibe, durch wen treiben dann eure Söhne sie aus? Deswegen werden sie eure Richter sein. Wenn ich aber im Geist Gottes die Dämonen austreibe, dann ist das Reich Gottes schon zu euch gekommen. Wie kann einer in das Haus des Starken eindringen und ihm den Hausrat rauben, wenn er nicht zuerst den Starken fesselt? Erst dann kann er sein Haus plündern.“ (Matthäus 12,24-29)
  • Und: „Wenn ein unreiner Geist aus einem Menschen ausfährt, durchwandert er wasserlose Gegenden, um eine Ruhestätte zu suchen, findet aber keine.Dann sagt er: Ich will in mein Haus zurückkehren, das ich verlassen habe. Und er kommt und findet es leer, sauber und geschmückt. Dann geht er und nimmt sieben andere Geister mit sich, die noch schlimmer sind als er selbst. Sie ziehen dort ein und lassen sich nieder. Und die letzten Dinge jenes Menschen werden schlimmer sein als die ersten. Dieser bösen Generation wird es genauso gehen.“ (Matthäus 12,43-45)

Über Besessenheit hört man heute oft: Na ja, damals konnten die Menschen das eben noch nicht unterscheiden; sie hielten schwere psychische Erkrankungen oder Epilepsie für Besessenheit durch unreine Geister – aber die gibt es ja gar nicht.

Nun, sicher war das medizinische Wissen vor zweitausend Jahren noch nicht so groß wie heute. Sicher kann damals mal jemand Epilepsie für Besessenheit gehalten haben. Aber das heißt nicht, dass es gar keine Besessenheit gab. Auch heute noch, wo kirchliche Exorzisten (Priester, die von Bischöfen beauftragt sind, Befreiungsgebete über Menschen zu sprechen, die von dämonischer Besessenheit oder Bedrängung betroffen sind) genau prüfen, ob eine natürliche Erklärung möglich ist, sprich, statt einer Besessenheit oder Bedrängung eine physische oder psychische Erkrankung vorliegt, gibt es immer noch Fälle, in denen das keine ausreichende Erklärung ist. Solche Fälle sind selten; Exorzisten berichten, dass die wenigsten Menschen, die zu ihnen kommen, tatsächlich besessen sind (http://www.kath.net/news/62886 ; https://www.catholicnewsagency.com/news/us-exorcists-demonic-activity-is-on-the-rise-45102 („I’ve only seen three possessions in the last three years“)), aber es gibt sie.

Wir als Christen wissen durch Gottes Offenbarung, dass es rein geistige Geschöpfe gibt, die unsterblich, sehr intelligent (nicht allwissend!) und sehr mächtig (nicht allmächtig!) sind. Diese Geschöpfe nennen wir Engel. Sie haben einen freien Willen wie wir, können sich also für Gott oder gegen Ihn entscheiden, und einige von ihnen haben sich unwiderruflich von Ihm abgewandt; sie nennt man die gefallenen Engel oder Dämonen. Die Dämonen versuchen nun auch, andere Geschöpfe, nämlich die Menschen, von Gott, den sie hassen, abzubringen – in der Regel durch geistige Versuchungen; schließlich sind sie geistige Wesen, und das ist das eigentlich Gefährliche an ihnen. Der einzige Weg, auf dem sie uns ganz von Gott  abbringen können, ist, indem sie uns dazu bringen, Sünden zu begehen. Aber gelegentlich schaffen sie es offenbar auch, eine andere Art von Einfluss über einen Menschen zu gewinnen – z. B. dann, wenn der sich durch okkulte Praktiken (Totenbeschwörung, Geisterbefragung, automatisches Schreiben, solche Dinge) selbst für den Einfluss von Geistern geöffnet hat. (Da kommen nicht immer die, die man rufen möchte.)

Man kann, wenn man will, annehmen, dass zu Jesus auch mal Menschen gebracht wurden, von denen man glaubte, dass sie besessen wären, denen aber in Wahrheit etwas anderes fehlte (Epilepsie, Psychose), und dass Er sie vielleicht einfach heilte, ohne die Leute langwierig über ihren Irrtum aufzuklären. Die Evangelisten berichten an einigen Stellen einfach kurz, dass Er viele Besessene und Kranke heilte, ohne  ins Detail zu gehen. Aber Er ging ganz offensichtlich sehr wohl davon aus, dass dämonische Besessenheit möglich war, und bei einigen Geschichten, die ausführlich erzählt sind, befahl Er ganz klar Dämonen, einen Menschen zu verlassen. Er trug Seinen Jüngern auf, Dämonen auszutreiben. Er sprach darüber, wie Dämonen sich verhalten – dass es Unsinn sei, zu sagen, Er treibe Dämonen mit anderen Dämonen aus; dass Dämonen, wenn sie mal einen Menschen verlassen, keinen besseren finden, und dann bei ihrer Rückkehr merken, dass er noch immer ihrem Einfluss offen steht, gerne mit mehreren anderen Dämonen zurückkommen. Letzteres könnte man, wenn man wollte, noch bildlich auslegen, aber insgesamt kommt man nicht drum herum: Jesus ging davon aus, dass Dämonen existieren, und dass dämonische Besessenheit existiert.

Wir haben dann zwei Möglichkeiten: Auch davon auszugehen, dass Dämonen existieren und dass dämonische Besessenheit existiert, oder zu sagen, dass Jesus sich geirrt hat. Wäre es möglich, dass Jesus sich hier geirrt hat? Er hatte immerhin auch eine menschliche Natur, wäre es daher möglich, davon auszugehen, dass Er in seiner menschlichen Natur falsche Annahmen Seiner Zeitgenossen übernahm? Nun, Er hatte eine menschliche Natur, aber menschliche und göttliche Natur sind in Ihm nicht getrennt (auch nicht vermischt, aber… es ist kompliziert). Wie genau Jesu menschliche Seele es erlebte, mit dem allwissenden göttlichen Logos verbunden zu sein: darauf habe ich keine ausgefeilten Antworten, und man könnte sicher ewig darüber diskutieren und spekulieren. Aber sie waren (und sind) jedenfalls verbunden. Daher sehe ich nicht, wie man logischerweise sagen könnte, Jesus hätte sich in einer solchen Sache geirrt und selbst nicht mitbekommen, was Er bei „Dämonenaustreibungen“ eigentlich tat.

Eine Frage bliebe noch: Es wird in den Evangelien vereinzelt auch von Kindern erzählt, die besessen sind. Da wäre die Tochter der heidnischen Frau aus Matthäus 15,21-28 bzw. Markus 7,24-30 (deren genaues Alter allerdings nicht klar wird; sie könnte auch schon ein Teenager gewesen sein), und insbesondere der Junge, von dem sein Vater sagt, er hätte das schon „von Kind auf“ (Markus 9,21; griechisch „ek paidióthen“, „von Kindheit ab“). Aber ein Kind hat vermutlich nicht freiwillig und bewusst an irgendwelchen okkulten Ritualen teilgenommen – können Dämonen also auch „einfach so“ Menschen auf diese Weise bedrängen? Unter Umständen kann das durch Gottes Zulassung anscheinend möglich sein (so wie auch schwere Krankheiten Unschuldige treffen; hier möchte ich auch darauf hinweisen, dass Besessenheit nicht das Seelenheil angreift!). Auch aus dem Leben einiger Heiliger und Seliger (z. B. der sel. Angela von Foligno) wird berichtet, dass sie zwar nicht besessen waren, aber von Dämonen auf außergewöhnliche Weise bedrängt wurden, was sie selbst als Prüfung durch Gott sahen. Insgesamt ist es so etwas aber sicher, noch mehr als dämonische Besessenheit im Allgemeinen, sehr selten.

 

* Die wichtigste dieser Tücken: Die Welt ist nicht einmal von Gott eingerichtet worden, sodass sie dann für sich existieren würde, ohne ihn weiterhin zu benötigen, wie es mit einer Maschine und ihrem Erbauer der Fall ist; sie ist eher in der Weise von Ihm abhängig, wie eine Schaukel, die an einem Ast hängt, von diesem Ast abhängig ist, oder ein Haus, das auf einem bestimmten Fundament gebaut ist, von diesem Fundament.

** Edit: Jedenfalls nicht im strengen Sinne. Gott lenkt auch das gewöhnliche Schicksal der Welt durch indirekte Ursachen, die wir naturwissenschaftlich erklären können, und da kann es auch mal zu einem unwahrscheinlichen, aber nicht naturgesetzlich unerklärbaren Ereignis kommen, das z. B. auf ein Gebet eines Menschen hin passiert, und das wir dann als „wundersam“ bezeichnen würden.

Und ebenso bin ich in deiner Nähe gewesen

Der Engel aber nahm die beiden beiseite und sagte zu ihnen: Preist Gott und lobt ihn! Gebt ihm die Ehre und bezeugt vor allen Menschen, was er für euch getan hat. Es ist gut, Gott zu preisen und seinen Namen zu verherrlichen und voll Ehrfurcht seine Taten zu verkünden. Hört nie auf, ihn zu preisen.

 Es ist gut, das Geheimnis eines Königs zu wahren; die Taten Gottes aber soll man offen rühmen. Tut Gutes, dann wird euch kein Unglück treffen.

 Es ist gut, zu beten und zu fasten, barmherzig und gerecht zu sein. Lieber wenig, aber gerecht, als viel und ungerecht. Besser barmherzig sein als Gold aufhäufen.

 Denn Barmherzigkeit rettet vor dem Tod und reinigt von jeder Sünde. Wer barmherzig und gerecht ist, wird lange leben.

 Wer aber sündigt, ist der Feind seines eigenen Lebens.

 Ich will euch nichts verheimlichen; ich habe gesagt: Es ist gut, das Geheimnis eines Königs zu wahren; die Taten Gottes aber soll man offen rühmen.

 Darum sollt ihr wissen: Als ihr zu Gott flehtet, du und deine Schwiegertochter Sara, da habe ich euer Gebet vor den heiligen Gott gebracht. Und ebenso bin ich in deiner Nähe gewesen, als du die Toten begraben hast.

 Auch als du ohne zu zögern vom Tisch aufgestanden bist und dein Essen stehen gelassen hast, um einem Toten den letzten Dienst zu erweisen, blieb mir deine gute Tat nicht verborgen, sondern ich war bei dir.

 Nun hat mich Gott auch gesandt, um dich und deine Schwiegertochter Sara zu heilen.

 Ich bin Rafael, einer von den sieben heiligen Engeln, die das Gebet der Heiligen emportragen und mit ihm vor die Majestät des heiligen Gottes treten.

 Da erschraken die beiden und fielen voller Furcht vor ihm nieder.

 Er aber sagte zu ihnen: Fürchtet euch nicht! Friede sei mit euch. Preist Gott in Ewigkeit!

 Nicht weil ich euch eine Gunst erweisen wollte, sondern weil unser Gott es wollte, bin ich zu euch gekommen. Darum preist ihn in Ewigkeit!

 Während der ganzen Zeit, in der ihr mich gesehen habt, habe ich nichts gegessen und getrunken; ihr habt nur eine Erscheinung gesehen.

 Jetzt aber dankt Gott! Ich steige wieder auf zu dem, der mich gesandt hat. Doch ihr sollt alles, was geschehen ist, in einem Buch aufschreiben.“

(Tobit 12,6-20)

 

Ich mag das Buch Tobit sehr. Es beginnt mit Menschen, die schon selbstmordgefährdet sind, und es endet mit Hilfe durch einen Engel.

Eine der tröstlichsten katholischen Lehren ist für mich die Lehre von den Schutzengeln. Es ist offizielle Lehre der katholischen Kirche, dass jeder Mensch einen eigenen Schutzengel hat, einen mächtigen unsterblichen Geist, der von Gott extra dafür bestellt ist, sich um diesen einen Menschen zu kümmern. Dem lieben Gott sind wir wichtig, ja, kostbar.

Wenn es einem schlecht geht, ist es nie verkehrt, zum Schutzengel zu beten. Ja, man muss nicht unbedingt Erscheinungen und Wunder wie im Buch Tobit erwarten (obwohl man die streng genommen auch nicht ausschließen muss), aber hören wird der Schutzengel einen immer, und helfen wird er auf die eine oder die andere Weise.

 

(Bildquelle hier: http://brautdeslammes.blogspot.de/2011/07/der-engel-des-herrn.html)

 

PS: Dieses Buch wurde übrigens von Martin Luther aus der Bibel entfernt. Happy 2017!