Die frühen Christen (bis 200 n. Chr.), Teil 10a: Die Auferstehung des Fleisches

Wer wissen will, was es mit dieser Reihe auf sich hat, möge bitte diese kurze Einführung hier lesen; knapp gesagt: ich habe Zitate aus christlichen Schriften vom Jahr 95 bis ca. 200 n. Chr. gesammelt, um einen Eindruck von der frühen Kirche zu vermitteln. (In der Einführung findet sich eine Liste mit allen herangezogenen Werken mitsamt ihrer Datierung.)

Alle bisher veröffentlichten Teile gibt es hier.

Bibelstellen zum Vergleich (Auswahl): 1 Kor 15; Ez 37,1-14; Lk 24,38-43; Joh 11,24; 2 Tim 2,18; Mt 27,52f.; Joh 12,24; 1 Kor 6,14-20.

Die ersten Christen redeten wesentlich häufiger als die heutigen über das Thema der „Auferstehung des Fleisches“ – mittlerweile ist ja sogar in der deutschen Übersetzung des Credos der Ausdruck „Auferstehung des Fleisches“ durch „Auferstehung der Toten“ ersetzt worden, was nicht direkt falsch, aber doch verschleiernd ist. Viele Christen sind sich heute gar nicht mehr so bewusst, dass wir eigentlich an mehr glauben als ein Weiterleben der Seele. Aber doch, das tun wir. Der Mensch besteht aus Körper und Seele, beides für sich ist unvollständig. Die Seele – da nicht materiell, nicht aus Teilen bestehend, also nicht zerstörbar – ist unsterblich und lebt weiter, wenn der Körper sich von ihr trennt und zerfällt. Sie wird gleich nach dem Tod gerichtet und kommt entweder in den Himmel (= zur beseligenden Anschauung Gottes) oder in die Hölle (bzw. vor dem Eintritt in den Himmel evtl. noch für eine Reinigungszeit ins Fegefeuer). Aber am Jüngsten Tag wird Gott auch die Körper wieder herstellen – in verwandelter Weise, jetzt unzerstörbar – und sie werden sich wieder mit den zu ihnen gehörenden Seelen vereinigen, sodass die Menschen wieder vollständig sind. Das Gericht über alle Menschen wird noch einmal öffentlich gemacht werden, und die einen werden dann mit Seele und Leib in der Hölle und die anderen mit Seele und Leib im Himmel sein.

Die frühen Christen machten immer wieder deutlich, dass es ihnen eben um eine wirkliche, leibliche, wundersame Auferstehung geht, so wie Jesus schon den Anfang gemacht hat, der auch mit Seele und Leib auferstanden ist, und seine Menschheit (aus Seele und Leib bestehend) mit in den Himmel genommen hat. (Die Evangelien zeigen das ja auch immer wieder: Jesus zeigt den Jüngern nach seiner Auferstehung, dass er eben kein bloßer Geist ist, sondern angefasst werden kann und sogar essen kann.)

Jetzt also die frühchristlichen Texte dazu:

Papst Clemens von Rom schreibt um 95 n. Chr.:

„Erwägen wir, Geliebte, wie der Herr fortwährend uns zeigt, dass es eine künftige Auferstehung geben werde, zu deren Anfang er den Herrn Jesus Christus selbst machte, da er ihn von den Toten erweckte.“ (1. Clemensbrief 24,1)

Im sog. 2. Clemensbrief, der aber vielleicht nicht von Clemens stammt, sondern ein paar Jahrzehnte später entstanden ist, heißt es:

„Und keiner von euch sage, dass dieses Fleisch nicht gerichtet wird und nicht aufersteht. Bedenket, worin seid ihr erlöst worden, worin ging euch das Licht auf, wenn nicht während eures Wandels in diesem Fleische? Deshalb müssen wir dieses Fleisch behüten wie einen Tempel Gottes. Wie ihr nämlich im Fleische berufen worden seid, so werdet ihr auch im Fleische (zu ihm) kommen. Wenn nämlich Christus, der Herr, unser Erlöser, der zuerst Geist war, Fleisch geworden ist und so uns berufen hat, so werden auch wir in diesem Fleische unseren Lohn bekommen.“ (2. Clemensbrief 9,1-5)

Tatian schreibt ca. um 170 n. Chr.:

„Und deshalb hegen wir den Gauben, daß nach der Vollendung aller Dinge auch die Leiber auferstehen werden, nicht, wie die Stoiker meinen, indem nach bestimmten zyklischen Perioden dieselben Dinge immer wieder zwecklos entständen und vergingen, sondern überhaupt nur einmal, nach Vollendung der gegenwärtigen Zeit, und zwar dazu, um einzig und allein die Menschen des Gerichtes wegen zu versammeln. Es richten uns aber nicht Minos und Rhadamanthys, vor deren Tod, wie man fabelt, keine Seele gerichtet worden sei, sondern Richter wird Gott der Schöpfer selbst sein. Mögt ihr uns auch für Schwätzer und Possenreißer halten, uns kümmert das nicht, da wir dieser Lehre Gauben geschenkt haben. Denn wie ich nicht war, bevor ich wurde, und deshalb auch nicht wußte, wer ich sein würde, sondern nur potentiell in der fleischlichen Materie existierte, dann aber, da ich ja nicht von Anfang an war, erst infolge meiner Geburt die Überzeugung von meiner Existenz erlangte: ebenso werde ich, der Gewordene und durch den Tod wieder Ausgelöschte und von keinem mehr Erschaute, abermals sein, wie ich ja dereinst, da ich nicht von Anfang an existiert habe, auch erst zum Leben geboren werden mußte. Ob auch Feuer mein Fleisch vernichte, das All nimmt die in Dampf verwandelte Materie auf; ob ich in Strömen oder in Meeren zugrunde gehe oder von wilden Tieren zerfleischt werde, in der Schatzkammer eines reichen Herrn werde ich geborgen. Der arme Gottesleugner freilich kennt die dort niedergelegten Schätze nicht; Gott aber, der Herrscher, wird, wann er will, die ihm allein sichtbare Potenz in den früheren Zustand zurückversetzen.“ (Tatian, Rede an die Bekenner des Griechentums 6)

Interessant sind auch die Paulusakten, die wohl aus der 2. Hälfte des 2. Jahrhunderts stammen, und die auch den apokryphen sog. 3. Korintherbrief enthalten, der nicht von Paulus stammt, aber dessen Autor auch einige Stellen aus den kanonischen Paulusbriefen mehr oder weniger übernimmt. Damals hatten verschiedene gnostische Sekten einige Anhänger; die Gnostiker waren Esoteriker, die der Meinung waren, dass man durch ein bestimmtes Wissen aus der Welt erlöst würde, und die die materielle Schöpfung für das Werk von untergeordneten Wesen, nicht Gott, hielten, und alles Materielle für schlecht hielten. Die christlichen Gnostiker, die auch diese besondere Figur Jesus für sich beanspruchen wollten, aber eigentlich sonst nicht sehr viel mit den anderen Christen gemeinsam hatten, behaupteten, Jesus wäre zwar ein überirdisches Wesen, aber wäre nicht wirklich Mensch geworden, sondern nur in einer menschlichen Gestalt erschienen (sog. Doketismus), und lehnten das Alte Testament, das Gott als Schöpfer der Welt bezeichnet, ab. Der Autor von 3 Korinther hielt es offenbar für nötig, einen noch deutlicheren Text als die schon vorhandenen neutestamentlichen Texte zu produzieren, und ihn Paulus zuzuschreiben, um die Gnostiker zu widerlegen:

„[Denn es] waren in [großer] Betrübnis die Korinther [wegen] Paulus, daß er aus der Welt gehen würde, ehe es an der Zeit wäre. Denn es waren Männer nach Korinth gekommen, Simon und Kleobius, die sagten, daß es keine Auferstehung des Fleisches gäbe, sondern (nur) die des Geistes, und daß der Körper des Menschen kein Gebilde Gottes sei; und von der Welt (sagten sie), daß Gott sie nicht geschaffen habe, und daß Gott die Welt nicht kenne; und daß Jesus Christus nicht gekreuzigt, sondern nur Schein gewesen sei und daß er nicht aus Maria noch aus dem Samen Davids geboren sei. Mit einem Wort: vieles war es, was sie in Korinth [verkündet?] haben, indem sie [viele andere] betrogen [… und] sich selber. [Deswegen] als [die Korinther] gehört hatten, [daß Paulus in Philippi wäre,] schickten sie einen [Brief an Paulus] nach Macedonien [durch] Threptus [und] Eutychus [die Diakonen]. Der Brief aber war [von dieser Gestalt]:

(Brief der Korinther an Paulus)

Stephanus und die Presbyter, die mit ihm sind, Daphnus, Eubulus, Theophilus und Xenon grüßen den Paulus [den Bruder] im Herrn.

Es sind zwei Männer nach Korinth gekommen, namens Simon und Kleobius, die verkehren etlicher Glauben durch verderbliche Worte, welche du prüfen sollst. Denn niemals haben wir solche Worte weder von dir noch von anderen Aposteln gehört; vielmehr was wir von dir und jenen empfangen haben, das bewahren wir. Da nun der Herr Erbarmen uns erweist, daß wir, während du noch im Fleische bist, solches noch einmal von dir hören sollen, so schreibe uns oder komme zu uns. Wir glauben nämlich, wie es der Theonoe offenbart ist, daß dich der Herr befreit hat aus der Hand des Gesetzlosen. Was sie sagen und lehren ist nun folgendes: Man dürfe nicht, behaupten sie, sich auf die Propheten berufen, und Gott sei nicht allmächtig, und es gäbe keine Auferstehung des Fleisches, und nicht sei die Schaffung des Menschen Gottes (Werk), und nicht sei der Herr ins Fleisch gekommen, auch nicht von Maria geboren, und die Welt sei nicht Gottes, sondern der Engel. Deswegen, Bruder, wende jeden Eifer auf, hierher zu kommen, damit die korinthische Gemeinde ohne Ärgernis bleibe und die Torheit jener offenbar werde. Lebe wohl im Herrn!

Es überbrachten die Diakone das Schreiben nach Philippi, Threptus und Eutychus, und übergaben es dem Paulus, der im Gefängnis war wegen der Stratonike, der Frau des Apollophanes; und er begann viele Tränen zu vergießen und zu klagen und rief aus: ‚Besser wäre es für mich, zu sterben und bei dem Herrn zu sein, als im Fleische zu sein und solche Reden zu hören, so daß Betrübnis über Betrübnis über mich kommt, und solches leidend angebunden zu sein und (sehen zu müssen, wie) die Geräte (Machenschaften?) des Bösen voranlaufen!‘ Und so schrieb Paulus unter Leiden den folgenden Brief.

(Brief des Paulus an die Korinther)

Paulus, der Gefangene Jesu Christi, an die Brüder in Korinth – Gruß! Während ich in vielen Bedrängnissen bin, wundere ich mich nicht, wenn so schnell die Meinungen des Bösen Boden gewinnen. Denn [mein] Herr Jesus Christus wird schnell kommen, da er verworfen wird von denen, die seine Worte verfälschen. Ich habe euch ja im Anfang überliefert, was ich von den Aposteln vor mir empfangen habe, die allezeit mit dem Herrn Jesus Christus zusammengewesen waren, nämlich daß unser Herr Jesus Christus von Maria aus dem Samen Davids geboren ist, indem der heilige Geist aus dem Himmel vom Vater in sie herabgesandt war, damit er in die Welt käme und alles Fleisch durch sein eigenes Fleisch erlöse und damit er uns Fleischliche von den Toten auferwecke, wie er selbst sich als Urbild erwiesen hat. Und weil der Mensch von seinem Vater geschaffen ist, deswegen wurde er auch, als er verloren gegangen war, gesucht, auf daß er lebendig gemacht würde durch die Annahme zur Kindschaft. Denn der allmächtige Gott, der Himmel und Erde gemacht hat, sandte zuerst die Propheten den Juden, daß sie ihren Sünden entrissen würden; er hatte nämlich beschlossen, das Haus Israel zu retten, deshalb sandte er einen Teil vom Geist Christi in die Propheten, welche die irrtumslose Gottesverehrung verkündeten zu vielen Zeiten. Aber da der Fürst, der ungerecht war, selbst Gott sein wollte, legte er Hand an sie und tötete sie, und so fesselte er alles Fleisch der Menschen an die Begierden [an seinen Willen, und die Vollendung der Welt trieb dem Gericht entgegen]. Aber Gott, der Allmächtige, der gerecht ist und sein eigenes Geschöpf nicht verstoßen wollte, sandte den [heiligen] Geist [durch Feuer] in Maria, die Galiläerin, die von ganzem Herzen glaubte, und sie empfing im Leibe den heiligen Geist, damit in die Welt Jesus einträte, damit der Böse, durch dasselbe Fleisch, durch das er sein Wesen trieb, besiegt, überführt wurde, daß er nicht Gott sei. Denn durch seinen eigenen Leib hat Jesus Christus alles Fleisch gerettet [und zum ewigen Leben geführt durch den Glauben], indem er den Tempel der Gerechtigkeit darstellte in seinem Leibe, durch den wir erlöst sind. Sie sind also nicht Kinder der Gerechtigkeit, sondern Kinder des Zorns, die sie die Vorsehung Gottes zurückstoßen, indem sie [fern vom Glauben] behaupten, Himmel und Erde und alles, was in ihnen ist, seien nicht Werke des Vaters. Sie selbst sind also Kinder des Zorns, denn sie haben den verfluchten Glauben der Schlange. Von denen wendet euch ab und vor ihrer Lehre fliehet! [Denn ihr seid nicht Söhne des Ungehorsams, sondern der geliebtesten Kirche. Deswegen ist die Zeit der Auferstehung gepredigt worden].

Die euch aber sagen, es gäbe keine Auferstehung des Fleisches, für die wird es keine Auferstehung geben, die nicht an den so Auferstandenen glauben. Denn, ihr Korinther, nicht wissen sie Bescheid über das Säen von Weizen oder anderen Samen, daß sie nackt in die Erde geworfen werden und wenn sie vergangen sind, stehen sie wieder auf nach dem Willen Gottes als ein Leib und bekleidet. Und nicht allein wird der Leib, der (in die Erde) geworfen ist, auferweckt, sondern (auch) vielfältig gesegnet. Und wenn man nicht nur von den Samenkörnern das Gleichnis hernehmen darf, [sondern von edleren Leibern], so wißt ihr ja, daß Jona, des Amathios Sohn, da er den Niniviten nicht predigen wollte, [sondern geflohen war,] von einem Walfisch verschlungen wurde, so und nach drei Tagen und drei Nächten hat Gott das Gebet des Jona aus der tiefsten Hölle erhört und nichts von ihm wurde verdorben, weder ein Haar noch ein Augenlid. Um wieviel mehr wird er euch, ihr Kleingläubigen, die ihr an Christus geglaubt habt, auferwecken, wie er selbst auferstanden ist. Und wenn ein auf die Gebeine des toten Propheten Elisa von den Kindern Israels geworfener Körper eines Menschen auferstand, so werdet auch ihr, die ihr auf den Körper und die Gebeine und den Geist des Herrn geworfen seid, an jenem Tage auferstehen mit unversehrtem Leibe.

Wenn ihr nun etwas anderes aufnehmt, so fallt mir nicht zur Last; denn ich habe diese Fesseln an mir, daß ich Christus gewinne, und seine Wundmale an meinem Leibe, daß ich gelange zur Auferstehung von den Toten. Und wer immer in dieser Regel, die er durch die seligen Propheten und das heilige Evangelium empfangen hat, bleibt, wird Lohn empfangen, [und wenn er von den Toten aufersteht, das ewige Leben erlangen]. Wer aber hiervon abweicht, – Feuer gibt es für ihn und für die, welche darin vorangegangen sind, die da sind Menschen ohne Gott, Otterngezücht; von denen wendet euch ab in der Kraft des Herrn, und Friede, [Gnade und Liebe] wird mit euch sein. Amen.“ (Paulusakten 8, in: Edgar Hennecke u. Wilhelm Schneemelcher (Hrsg.): Neutestamentliche Apokryphen in deutscher Übersetzung. 2. Band. Apostolisches, Apokalypsen und Verwandtes, 4. Aufl., Tübingen 1971, S. 257-260)

Irenäus von Lyon schreibt um 180 n. Chr. einige schöne Stellen zur Auferstehung des Fleisches:

„Das aber ist unser Glaube, daß Gott auch unsere sterblichen Leiber, die die Gerechtigkeit bewahrten, auferwecken, unversehrbar und unsterblich machen wird. Denn Gott ist mächtiger als die Natur. Er will es, weil er gut ist; er kann es, weil er mächtig ist; er tut es, weil er unendlich gütig ist.“ (Irenäus, Gegen die Häresien II,29,2)

„Töricht in jeder Hinsicht sind die, welche die gesamte Anordnung Gottes verachten, die Heiligung des Fleisches leugnen und seine Wiedergeburt verwerfen, indem sie behaupten, daß es der Unvergänglichkeit nicht fähig sei. Wird aber dies nicht erlöst, dann hat uns der Herr auch nicht mit seinem Blute erlöst, noch ist der eucharistische Kelch die Teilnahme an seinem Blute, das Brot, das wir brechen, die Teilnahme an seinem Leibe. Blut stammt nämlich nur von Fleisch und Adern und der übrigen menschlichen Substanz, die das Wort Gottes in Wahrheit angenommen hat. Mit seinem Blute erlöste er uns, wie auch der Apostel sagt: ‚In ihm haben wir die Erlösung, durch sein Blut Nachlaß der Sünden.‘ Und da wir seine Glieder sind, werden wir durch seine Schöpfung ernährt werden, und er selbst gewährt uns seine Schöpfung: läßt seine Sonne aufgehen und regnen, sagt, daß er uns den Kelch von seiner Schöpfung als sein eigenes Blut reiche, mit dem er unser Blut erquickt, und versichert, daß das Brot seiner Schöpfung sein eigener Leib ist, mit dem er unsere Leiber erhebt.

Wenn nun also der gemischte Kelch und das zubereitete Brot das Wort Gottes aufnimmt und die Eucharistie zum Leibe Christi wird, woraus die Substanz unseres Fleisches Erhebung und Bestand erhält, wie können sie dann sagen, das Fleisch könne nicht aufnehmen die Gabe Gottes, die in dem ewigen Leben besteht, da es doch von dem Blute und Fleische des Herrn genährt wird und sein Glied ist? So sagt auch der selige Apostel Paulus in dem Briefe an die Epheser: ‚Wir sind Glieder seines Leibes, aus seinem Fleisch und seinem Gebein.‘ Das sagt er nicht von einem geistigen und unsichtbaren Leibe — denn ‚ein Geist hat weder Bein noch Knochen‘ — sondern von einem wahrhaft menschlichen Organismus, der aus Fleisch, Nerven und Knochen besteht, der von dem Kelch seines Blutes ernährt und von dem Brot seines Leibes erhoben wird. Und wie das Holz der Weinrebe, in der Erde wurzelnd, zu seiner Zeit Frucht hervorbringt, und wie das Weizenkorn in die Erde fällt, sich auflöst und vielfältig aufersteht durch den Geist Gottes, der alles umfaßt — und alsdann kommt dieses weisheitsvoll in den Gebrauch der Menschen, nimmt auf das Wort Gottes und wird zur Eucharistie, welche der Leib und das Blut Christi ist — so werden auch unsere Körper aus ihr genährt, und wenn sie in der Erde geborgen und dort aufgelöst sein werden, dann werden sie zu ihrer Zeit auferstehen, indem das Wort Gottes ihnen verleiht, aufzuerstehen für die Herrlichkeit Gottes des Vaters. Er umgibt dieses Sterbliche mit Unsterblichkeit, schenkt dem Verweslichen aus Gnade seine Unverweslichkeit, da die Kraft Gottes in der Schwäche vollkommen wird, damit wir nicht in Undankbarkeit gegen Gott uns jemals hochmütig aufbliesen, gleich als ob wir das Leben aus uns selbst hätten. So sollte die Erfahrung uns lehren, daß wir aus seiner Größe, nicht kraft unserer Natur ewig fortdauern, so sollten wir Gottes Herrlichkeit, wie sie ist, uns vor Augen halten und unsere eigene Schwäche nicht verkennen. Sollten wissen, was Gott vermag, und was der Mensch Gutes empfängt, sollten niemals irre gehen in der wahren Erkenntnis der Wirklichkeit, d. h. des Verhältnisses zwischen Gott und den Menschen, Ja freilich, deswegen hat Gott zugelassen, daß wir in Erde uns auflösen, damit wir allseitig erzogen, in Zukunft in allem gewissenhaft seien und unsere Stellung zu Gott nicht verkännten.“ (Irenäus, Gegen die Häresien V,2,2-3)

„Es verachten also die Macht Gottes und betrachten nicht, was das Wort ist, die die Schwachheit des Fleisches, aber nicht die Kraft dessen, der es von den Toten auferweckt, berücksichtigen. Wenn Gott nämlich das Sterbliche nicht lebendig macht und das Vergängliche nicht zur Unvergänglichkeit zurückführt, dann ist er dazu nicht imstande. Daß er aber dies alles vermag, das haben wir gleich anfangs betrachtet. Nahm er doch Staub von der Erde und machte den Menschen. Aber viel schwieriger und unglaublicher ist es, aus nicht existierenden Knochen und Nerven und Venen und den übrigen menschlichen Organen den Menschen zum Dasein und Leben und Denken zu bringen, als das bereits Gewordene und später nur in Erde Aufgelöste aus den angegebenen Gründen wieder zu erneuern, da es doch nur dort hinübergegangen ist, von wo der Mensch, der noch nicht war, seinen Ursprung genommen. Der nämlich den, der noch nicht war, wann es ihm beliebte, ins Dasein rief, der wird noch vielmehr die, welche schon waren, nach seinem Wohlgefallen in das von ihm geschenkte Leben zurückrufen. Und siehe, das Fleisch ist fähig, Gottes Kraft aufzunehmen und festzuhalten. Zeigte es doch schon anfangs Gottes Kunst, indem das eine zum Auge wurde und sah, das andere zum Ohr and hörte, das andere Hand und arbeitete, das andere Nerven, um die Glieder von allen Seiten eng zusammenzuhalten, das andere Arterien und Venen, um das Blut and den Geist durchzuleiten, das andere verschiedenes Eingeweide, das andere Blut, das Bindeglied zwischen Leib und Seele, Doch, es ist ja nicht möglich, das ganze künstliche Gliedergefüge des Menschen aufzuzählen, das nicht ohne viel Weisheit zustande kam. Was aber teilnimmt an der Kunst und Weisheit Gottes, das nimmt auch teil an seiner Kraft.

Folglich ist das Fleisch von der künstlichen Weisheit und Kraft Gottes nicht ausgeschlossen. Wenn nun aber seine Kraft, die das Leben verleiht, in der Schwachheit vollkommen wird, d. h. in dem Fleische, dann mögen doch die, welche behaupten, das Fleisch könne das von Gott verliehene Leben nicht aufnehmen, uns sagen, ob sie dieses behaupten als solche, die jetzt leben und am Leben teilnehmen, oder ob sie als gänzlich leblose sich selbst gegenwärtig für tot erklären! Wenn sie aber tot sind, wie bewegen sie sich denn und sprechen und machen das übrige, was doch nicht Werke der Toten, sondern der Lebendigen sind? Wenn sie aber jetzt leben und ihr ganzer Leib am Leben teilnimmt, wie wagen sie dann zu sagen, das Fleisch könne das Leben nicht halten und daran teilnehmen, obwohl sie zugestehen, daß sie gegenwärtig das Leben haben? Das verhält sich fürwahr so ähnlich, als ob jemand, der einen Schwamm voll Wasser oder eine brennende Fackel in der Hand hielte, sagen wollte, der Schwamm kann kein Wasser, die Fackel kein Feuer fassen. Ebenso sagen diese, daß sie leben, sagen, daß sie Leben in ihren eigenen Gliedern in sich tragen, und dann widersprechen sie sich und behaupten, daß ihre Glieder nicht fähig sind, das Leben aufzunehmen. Wenn aber das gegenwärtige Leben, das doch viel schwächer ist als jenes ewige Leben, dennoch soviel vermag, daß es unsere sterblichen Glieder belebt, wie sollte dann das ewige Leben, das doch stärker ist als dieses, das Fleisch nicht beleben, das doch schon geübt und gewohnt ist, das Leben zu tragen! Daß nämlich das Fleisch fähig ist, das Leben aufzunehmen, zeigt sich doch darin, daß es lebt. Es lebt aber, insofern Gott es will. Daß aber Gott auch imstande ist, ihm das Leben zu verleihen, ist klar, da doch jener uns das Leben gibt. Wenn nun Gott imstande, ist, sein Geschöpf zu beleben, und das Fleisch fähig ist, das Leben zu empfangen, was sollte dann dieses hindern, an der Unvergänglichkeit teilzunehmen, die in einem glückseligen, endlosen Leben besteht, das Gott verleiht.“ (Irenäus, Gegen die Häresien V,3,2-3)

„Gott aber wird in seinem Geschöpfe verherrlicht werden, indem er es seinem Knecht gleichgestaltet und entsprechend anpaßt. Denn durch die Hände des Vaters, d. h. durch den Sohn und den Geist, wird der Mensch, aber nicht bloß ein Teil des Menschen, ein Ebenbild Gottes. Seele und Geist können wohl ein Teil des Menschen sein, aber nie der Mensch. Der vollkommene Mensch ist die innige Vereinigung der Seele, die den Geist des Vaters aufnimmt, mit dem Fleische, das nach dem Ebenbilde Gottes geschaffen ist. Deshalb sagt auch der Apostel: ‚Weisheit reden wir unter Vollkommenen‘, indem er die vollkommen nennt, die den Geist Gottes empfangen haben und durch den Geist wie er selber in allen Sprachen reden. Hören wir doch auch von vielen Brüdern in der Kirche, daß sie prophetische Charismen haben, in allerhand Sprachen durch den Geist reden, das Verborgene der Menschen zu ihrem Vorteil ans Licht bringen und die Geheimnisse Gottes erklären. Diese nennt der Apostel auch geistig wegen ihrer Teilnahme am Geist, aber nicht etwa, weil sie des Fleisches entkleidet und beraubt wären, sondern nur aus dem angegebenen Grunde. Wollte nämlich jemand die Substanz des Fleisches, d.h. das körperliche Gebilde, streichen und nur den Geist allein bestehen lassen, dann hätten wir damit nicht mehr einen geistigen Menschen, sondern bloß den Geist des Menschen oder den Geist Gottes. Wenn nun dieser Geist sich vermengt mit der Seele und mit dem Körper vereint, dann entsteht der geistige und vollkommene Mensch, der nach dem Bild und Gleichnis Gottes erschaffen wurde. Fehlt aber der Seele der Geist, dann ist ein solcher Mensch nur psychisch, und da er fleischlich geblieben ist, wird er unvollkommen sein; er trägt zwar das Bild Gottes in seinem Körper, aber die Ähnlichkeit mit Gott nimmt er nicht an durch den Geist. Wenn aber solch ein Mensch schon unvollkommen ist, dann kann man auch nicht mehr von einem Menschen reden, wenn man noch das Bild wegnimmt und den Körper verachtet. Das ist dann höchstens ein Teil vom Menschen oder sonst irgend etwas anderes als der Mensch, wie wir schon gesagt haben. Denn das bloße fleischliche Gebilde ist kein vollkommener Mensch, sondern nur sein Leib und ein Teil des Menschen. Ebensowenig ist die Seele an sich der Mensch, sondern eben nur Seele und ein Teil des Menschen, noch ist der Geist der Mensch, sondern bloß Geist und kann nicht Mensch genannt werden. Die innige Vereinigung aber von all diesen macht den vollkommenen Menschen aus. […]

Daher nennt er auch das körperliche Gebilde einen Tempel Gottes. ‚Wisset ihr nicht‘, sagt er, ‚daß ihr ein Tempel Gottes seid und der Geist Gottes in euch wohnt? Wenn jemand den Tempel Gottes schändet, den wird Gott verderben. Denn der Tempel Gottes ist heilig, und das seid ihr.‘ Also nennt er deutlich den Körper einen Tempel, in welchem der Geist wohnt. So sprach auch der Herr von sich: ‚Löset diesen Tempel, und in drei Tagen werde ich ihn aufrichten.‘ Dies aber, heißt es, sagte er von seinem Leibe. Doch nicht nur als Tempel, sondern als Tempel Christi bezeichnet er unsere Körper, wenn er den Korinthern sagt: ‚Wisset ihr nicht, daß eure Leiber Glieder Christi sind? Werde ich also die Glieder Christi nehmen und sie zu Gliedern einer Hure machen?‘ Das sagt er nicht von irgend einem andern, geistigen Menschen, denn der umarmt nicht eine Hure; sondern unsere Körper nennt er Glieder Christi, wenn unser Fleisch in Heiligkeit und Reinheit verharrt, wogegen sie zu Gliedern einer Hure werden, wenn es eine Hure umarmt. Und deswegen sagt er: ‚Wenn jemand den Tempel Gottes schändet, wird ihn Gott verderben.‘ Da ist es gewiß eine sehr große Gotteslästerung, zu sagen, daß der Tempel Gottes, in dem der Geist des Vaters wohnt, und die Glieder Christi an der Erlösung keinen Anteil hätten, sondern verloren gingen! Daß nun unsere Leiber nicht kraft ihrer Wesenheit, sondern kraft der Macht Gottes auferstehen, sagt er den Korinthern: ‚Der Leib aber gehört nicht der Hurerei, sondern dem Herrn und der Herr dem Körper. Gott aber hat den Herrn auferweckt, auch uns wird er auferwecken durch seine Kraft.'“ (Irenäus, Gegen die Häresien V,6,1-2)

„Wie also Christus in der Substanz des Fleisches auferstanden ist und seinen Jüngern die Male der Nägel und die Öffnung der Seite zeigte — das aber sind die Anzeichen des Fleisches, das von den Toten auferstand— so wird er auch uns, heißt es, auferwecken durch seine Kraft. […] Denn derart sind die animalen Körper, die an der Seele, der Anima, teilnehmen, daß sie durch den Verlust derselben sterben; wenn sie dann aber durch den Geist auferstehen, werden sie geistige Körper, sodaß sie durch den Geist immerwährendes Leben haben.“ (Irenäus, Gegen die Häresien V,7,1-2)

„Die also das Pfand des Geistes haben, den Lüsten des Fleisches nicht dienen, sondern sich dem Geiste unterwerfen und in allem vernünftig wandeln, die nennt der Apostel mit Recht geistig, weil der Geist Gottes in ihnen wohnt. Unkörperliche Geister aber werden die geistigen Menschen nicht sein, sondern unsere Wesenheit, d. h, die Vereinigung von Seele und Fleisch, vollendet durch die Aufnahme des göttlichen Geistes den geistigen Menschen. Die aber den Rat des Geistes verwerfen, den Lüsten des Fleisches dienen, unvernünftig leben und zügellos sich in ihre Begierden stürzen, da sie keinen Hauch vom göttlichen Geiste besitzen, sondern nach Art der Schweine und Hunde leben, die nennt mit Recht der Apostel fleischlich, da sie nichts anders als Fleischliches kennen. Und die Propheten vergleichen aus ebendemselben Grunde mit den unvernünftigen Tieren diejenigen, welche so unvernünftig wandeln. ‚Hengste, rasend nach Weibern, sind sie geworden, ein jeder von ihnen wiehert nach der Frau seines Nächsten.‘ Und wiederum: ‚Der Mensch, da er in Ehre war, ist ähnlich geworden dem Vieh.‘ Aus eigener Schuld nämlich ist er dem Vieh ähnlich geworden, weil er sich einem unvernünftigen Leben ergeben. Und dementsprechend sagen auch wir von solchen Menschen, daß sie unvernünftiges Vieh und tierisch geworden sind!“ (Irenäus, Gegen die Häresien V,8,2)

„Denn dieser Seele Auferstehung geht an den Gläubigen vor sich, indem der Leib wiederum die persönliche Seele empfängt und mit ihr in der Kraft des Hl. Geistes aufersteht und einzieht in das Gebiet des Reiches Gottes.“ (Irenäus, Erweis der apostolischen Verkündigung 42)


(Auferstehung der Toten, Fresko aus der antiken Synagoge in Dura Europos.)

Theophilus von Antiochia schreibt etwa zur selben Zeit:

„Und nun deine Leugnung der Auferweckung der Toten. Du sagst nämlich: Zeige mir auch nur einen, der von den Toten auferweckt worden ist, damit ich sehe und glaube. Fürs erste: Was ist es Großes, wenn du das glaubst, das du gesehen hast? Und dann glaubst du auf der einen Seite, daß Herakles, der sich verbrannt hat, jetzt lebt, und daß Asklepios, der vom Blitze erschlagen worden, wieder sei auferweckt worden; auf der andern Seite bist du voll Unglauben den Aussprüchen Gottes gegenüber. Ich dürfte dir auch einen Verstorbenen, der von den Toten erweckt worden ist und lebt, vorzeigen, und du würdest auch da nicht glauben. Gott nun gibt dir viele Beweisgründe hierfür, auf daß du ihm glaubest. Denn betrachte gefälligst, wie die Jahreszeiten, die Tage, die Nächte ebenfalls endigen und wieder erstehen. Findet nicht auch bei den Samen und Früchten eine Wiederauferstehung statt, und zwar zum Nutzen der Menschen? Zum Beispiel das Getreidekorn oder das Korn anderer Samen wird in den Boden gelegt, erstirbt zuerst und zerfällt, dann aber wird es wieder auferweckt und wird zur Ähre. Bringen nicht ferner die Wald- und Fruchtbäume nach göttlicher Anordnung zu ihrer Zeit ihre Früchte, da, wo zuvor nichts sich zeigte und zu sehen war? Ferner sogar verschluckt manchmal ein Sperling oder irgendein anderer Vogel einen Apfel- oder Feigen- oder irgendeinen andern Kern, setzt sich auf einen felsigen Hügel oder auf ein Grabdenkmal, und gibt ihn dort wieder von sich; und der Kern schlägt Wurzeln und wächst zum Baume heran, obwohl er zuvor verschluckt worden und durch soviel Wärme durchgegangen ist. Das alles wirkt die göttliche Weisheit, um auch hierdurch zu zeigen, daß Gott die Macht hat, die allgemeine Auferstehung aller Menschen zu bewirken. Wenn du aber ein noch wundervolleres Schauspiel sehen willst, das zum Beweis der Auferstehung geschieht, nicht bloß auf Erden hier, sondern am Himmel, so betrachte die Auferstehung des Mondes, die allmonatlich eintritt: wie er nämlich abnimmt, verschwindet und wieder aufersteht. Höre weiter, o Mensch, auch von der Tatsache der Auferstehung, die in dir selbst vorgeht, wenn du sie auch nicht merkst. Du bist nämlich vielleicht schon einmal in eine Krankheit gefallen und hast dadurch die Fülle deines Körpers, die Kraft und das gute Aussehen verloren; aber du hast von Gott wieder Erbarmen und Heilung erlangt und damit wieder dein volles Fleisch, das gute Aussehen und die Kraft gewonnen. Und wie du zuvor nicht gewußt hast, wohin dein Fleisch gekommen, als es verschwunden war, so weißt du auch jetzt nicht, woher es dir wieder geworden oder gekommen ist. Du wirst freilich sagen: ‚Aus der Nahrung und den in Blut verwandelten Säften.‘ Gut! aber dies ist auch ein Werk Gottes, der es so eingerichtet hat, und nicht irgend eines anderen.“ (Theophilus, An Autolykus 13)

Die Heiden verachteten diesen Glauben und zerstörten deshalb die Leichname von ihnen getöteter Christen. Gallische Christen im 2. Jahrhundert schrieben, wie der Kirchenhistoriker Eusebius von Cäsarea um 300 zitiert, folgendes in einem Brief nach Kleinasien:

„‚Nachdem die Leiber der Märtyrer auf alle mögliche Weise geschändet worden waren und sechs Tage unter freiem Himmel gelegen hatten, wurden sie von den Frevlern verbrannt und ihre Asche in die nahe Rhone geworfen, damit auch kein Restchen mehr auf der Erde davon übrig bliebe. Ihr Handeln entsprang dem Wahne, Herr über Gott zu werden und die Auferstehung der Märtyrer zu verhindern. Diese sollten, wie sie sagten, mit nichten Hoffnung auf eine Auferstehung haben auf die vertrauend sie eine fremde, neue Religion bei uns einführen, die Qualen verachten und bereitwillig und freudig in den Tod gehen. Nun wollen wir sehen, ob sie auferstehen und ob ihr Gott ihnen helfen und sie aus unserer Hand erretten kann‘!'“ (Bericht gallischer Christen, zitiert in Eusebius, Kirchengeschichte V,1)

In der Petrusoffenbarung, einem Text über das Weltende, der sich als von Petrus geschrieben ausgibt, sagt Jesus zu den Jüngern:

„Und am Tage der Entscheidung des Gerichtes Gottes werden alle Menschenkinder vom Osten bis zum Westen vor meinem Vater, dem ewig Lebendigen, versammelt werden, und er wird der Hölle gebieten, daß sie ihre stählernen Riegel öffnet und alles, was in ihr ist, zurückgibt. Und den wilden Tieren und Vögeln wird er gebieten, daß sie alles Fleisch, was sie gefressen haben, zurückgeben, indem er will, daß die Menschen (wieder) sichtbar werden; denn nichts geht für Gott zugrunde und nichts ist ihm unmöglich, da alles sein ist. Denn alles (geschieht) am Tage der Entscheidung, am Tage des Gerichtes mit dem Sprechen Gottes, und alles geschieht, wie er die Welt schafft, und alles, was darin ist, hat er geboten, und alles geschah; ebenso in den letzten Tagen, denn alles ist Gott möglich, und also sagt er in der Schrift: ‚Menschenkind, weissage über die einzelnen Gebeine und sage zu den Knochen: Knochen zu den Knochen in Glieder, Muskel, Nerven, Fleisch und Haut und Haare darauf‘. Und Seele und Geist soll der große Urael [ein Engel] auf Befehl Gottes geben. Denn ihn hat Gott bestellt bei der Auferstehung der Toten am Tage des Gerichtes. Sehet und bedenkt die Samenkörner, die in die Erde gesät sind. Wie etwas Trockenes, das seelenlos ist, sät man sie in die Erde. Und sie leben auf, bringen Frucht, und die Erde gibt (sie) wieder wie ein anvertrautes Pfand. Und dieses, was stirbt, was als Same in die Erde gesät wird, lebendig wird und dem Leben zurückgegeben wird, ist der Mensch. Wie viel mehr wird Gott die an ihn Gläubigen und von ihm Erwählten, um derentwillen er (die Erde) gemacht hat, auferwecken am Tage der Entscheidung, und alles wird die Erde wiedergeben am Tage der Entscheidung, weil sie an ihm zugleich mit gerichtet werden soll und der Himmel mit ihr.“ (Petrusoffenbarung 4, in: Edgar Hennecke u. Wilhelm Schneemelcher (Hrsg.): Neutestamentliche Apokryphen in deutscher Übersetzung. 2. Band. Apostolisches, Apokalypsen und Verwandtes, 4. Aufl., Tübingen 1971, S. 473f.)

In der Epistula Apostolorum, einer Schrift, die sich als Brief der zwölf Apostel ausgibt, sagt Jesus zu den Jüngern:

„‚Wahrlich, ich sage euch, wie mich der Vater von den Toten auferweckt hat, gleicherweise werdet auch ihr im Fleisch auferstehen, und er wird euch emporsteigen lassen über die Himmel an den Ort, von dem ich von Anfang an zu euch geredet habe, den euch bereitet hat, der mich gesandt hat. Und deshalb habe ich alle Barmherzigkeit vollendet: ohne gezeugt zu werden, bin ich von Menschen geboren (oder: gezeugt) und, ohne Fleisch zu haben, habe ich Fleisch angezogen und bin aufgewachsen, damit (ich) euch, die ihr im Fleisch gezeugt werden, (wiedergebäre,) und ihr in der Wiedergeburt die Auferstehung in eurem Fleisch erhaltet, einem Gewande, das nicht vergehen wird, mit allen, die hoffen und glauben an den, der mich gesandt hat; denn so hat mein Vater an euch Wohlgefallen gefunden, und denen, welchen ich will, gebe ich die Hoffnung des Reiches.‘ […]

Nachdem er dies zu uns gesagt hatte, sprachen wir zu ihm: ‚O Herr, steht es wirklich dem Fleisch bevor, mit der Seele und dem Geist (zusammen) gerichtet zu werden, und wird (die eine Hälfte davon) im Himmelreich ruhen und die andere ewiglich, indem sie (noch) leben, gestraft werden?‘ […]

Er antwortete und sagte zu uns: ‚Wahrlich, ich sage euch, das Fleisch jedes Menschen wird auferstehen mit seiner Seele [lebendig] und seinem Geiste.'“ (Epistula Apostolorum 21-24 (äthiopische Version), in: Edgar Hennecke u. Wilhelm Schneemelcher (Hrsg.): Neutestamentliche Apokryphen in deutscher Übersetzung. 1. Band. Evangelien, 4. Auflage, Tübingen 1968, S. 138f.)

Die frühen Christen (bis 200 n. Chr.), Teil 9: Endzeit, Wiederkunft Christi und Weltgericht

Wer wissen will, was es mit dieser Reihe auf sich hat, möge bitte diese kurze Einführung hier lesen; knapp gesagt: ich habe Zitate aus christlichen Schriften vom Jahr 95 bis ca. 200 n. Chr. gesammelt, um einen Eindruck von der frühen Kirche zu vermitteln. (In der Einführung findet sich eine Liste mit allen herangezogenen Werken mitsamt ihrer Datierung.)

Alle bisher veröffentlichten Teile gibt es hier.

Bibelstellen zum Vergleich (Auswahl): Mt 24-25; Lk 21; Mk 13; Offb; 1 Kor 15,51-53; 1 Thess 4,15-17; 2 Thess 2; Dan 7.

Über die Wiederkunft Christi, die stetige Wachsamkeit wegen des unbekannten Zeitpunkts, die Schwierigkeiten der Endzeit, die Tyrannei des Antichrists vor der Wiederkunft des Herrn usw. finden sich etliche Aussagen bei den frühen Christen. Sie glaubten auch (ebenso wie Christen heute) daran, dass dann die leibliche Auferstehung der Toten (wobei ihre Körper sich wieder mit ihren Seelen vereinen) und das Jüngste Gericht, bei dem die Guten und Bösen öffentlich vor allen geschieden werden, folgen werden.

In der Didache, einer Gemeindeordnung von ca. 100 n. Chr., heißt es ganz am Ende über die Prüfungen und Leiden der Endzeit und dann über die Wiederkunft Christi:

„‚Wachet‘ für euer Leben; ‚eure Lampen sollen nicht ausgehen und der Gurt um eure Lenden‘ soll sich nicht lockern, ’seid vielmehr bereit, denn ihr wisset nicht die Stunde, in der unser Herr kommt‘. Ihr sollt fleißig zusammenkommen, indem ihr nach dem strebet, was euren Seelen zukommt; denn es wird euch die ganze Zeit des Glaubens nichts nützen, wenn ihr nicht in der letzten Stunde vollkommen seid. Denn in den letzten Tagen werden sich mehren die falschen Propheten und die Verderber, und die Schafe werden zu Wölfen umgewandelt, und die Liebe wird verwandelt werden in Hass. Wenn nämlich die Gesetzwidrigkeit sich steigert, werden sie einander hassen, verfolgen und ausliefern, dann wird erscheinen der Verführer der Welt, wie der Sohn Gottes wird er auch ‚Zeichen und Wunder tun‘, und die Erde wird in seine Hände überliefert werden, und er wird Greuel verüben, wie sie von Ewigkeit her noch nicht geschehen sind. Dann wird das Geschlecht der Menschen kommen in das Feuer der Prüfung, und ‚viele werden Ärgernis nehmen‘ und zugrunde gehen; die aber ausharren in ihrem Glauben, werden von dem (durch die Verführer) Verfluchten selbst ‚gerettet werden‘. ‚Und dann werden die Zeichen der Wahrheit erscheinen; zuerst das Zeichen, dass der Himmel sich auftut, dann das Zeichen des Trompetenschalles‘ und das dritte: die Auferstehung der Toten, aber nicht aller, sondern, wie gesagt ward: ‚Kommen wird der Herr und alle Heiligen mit ihm‘. ‚Dann wird die Welt den Herrn kommen sehen auf den Wolken des Himmels‘.“ (Didache 16)

Papst Clemens von Rom schreibt um 95 n. Chr.:

„Wahrhaftig, schnell und plötzlich wird sein Wille Vollendung finden, da ja auch die Schrift selbst hierfür Zeugnis gibt: ‚Schnell wird er kommen und nicht zögern, und plötzlich wird einziehen der Herr in seinen Tempel und der Heilige, den ihr erwartet‘.“ (1. Clemensbrief 23,5)

Bischof Ignatius von Antiochia schreibt um 107 n. Chr. in seinen Briefen folgendes:

„Die letzten Zeiten sind da; deshalb wollen wir auf der Hut sein und Furcht haben vor Gottes Langmut, dass sie uns nicht zum Gerichte werde. Entweder müssen wir Furcht haben vor dem kommenden Zorn oder die gegenwärtige Gnade lieben, eins von beiden, nur dass wir in Christus Jesus erfunden werden zum wahren Leben.“ (Brief des Ignatius an die Epheser 11,1)

„Lerne die Zeiten kennen. Den erwarte, der über der Zeit ist, den Zeitlosen, den Unsichtbaren, der unseretwegen sichtbar geworden, den Unbetastbaren, den Leidenlosen, der unseretwegen gelitten hat, der auf alle Arten unseretwegen geduldet hat.“ (Brief des Ignatius an Polykarp 3,2)

Justin der Märtyrer schreibt um 150 n. Chr. in einer Schrift, in der er den christlichen Glauben gegenüber den Heiden verteidigt:

„Die Propheten haben nämlich ein zweimaliges Kommen Christi vorhergesagt, das eine, das schon der Geschichte angehört, als das eines mißachteten und leidensfähigen Menschen, das andere aber, wenn er ihrer Verkündigung gemäß in Herrlichkeit vom Himmel her mit seiner Engelschar erscheinen wird, wenn er auch die Leiber aller Menschen, die je gelebt haben, wieder auferwecken und die der Würdigen mit Unverweslichkeit bekleiden, die der Ungerechten aber in ewiger Empfindungsfähigkeit mit den bösen Geistern ins ewige Feuer verweisen wird.“ (Justin, 1. Apologie 52)

In einer Fortsetzung dieser Schrift schreibt er:

„Darum, nämlich um der zarten Saat des Christentums willen, das Gott als Grund für den Fortbestand der Natur ansieht, verzögert er den Untergang und die Zerstörung der ganzen Welt, durch die dann auch die bösen Engel, Dämonen und Menschen ihr Ende finden würden. Wenn das nicht wäre, so könntet auch ihr nicht mehr solches tun und euch von den bösen Dämonen als Werkzeuge gebrauchen lassen; es hätte vielmehr das herniederfahrende Feuer des Gerichtes schonungslos allein ein Ende gemacht, wie einst die große Flut, die niemanden übrig ließ als den Noe allein mit den Seinen; so nennen wir jenen, während er bei euch Deukalion heißt, von dem dann wieder so viele Menschen entstammt sind, teils schlechte, teils gute.“ (Justin, 2. Apologie 6)

Und in einem Dialog mit einem Juden namens Tryphon sagt er:

„Wenn sich aber zeigt, daß seine Leidensmacht von solchen Wundern begleitet wurde und begleitet ist, wie groß sind erst die Wunder, wenn er in Herrlichkeit erscheint? Denn, wie Daniel offenbarte, wird er als Menschensohn auf den Wolken unter Begleitung von Engeln kommen.“ (Justin, Dialog mit Tryphon 31,1)

Auf die jüdische Ansicht, dass Jesus nicht der Messias gewesen sei, weil er nicht in Macht und Herrlichkeit gekommen sei, erwidert er, dass von den Propheten sowohl ein Leiden als auch ein Triumph des Messias vorhergesagt worden war:

„Die Toren, nicht verstehen sie, was immer wieder dargetan worden ist, daß es nämlich nach den Prophezeiungen zwei Parusien von ihm gibt; bei der einen leidet er, ist er der Herrlichkeit und der Ehre beraubt und wird er gekreuzigt gemäß der Verkündigung; bei der anderen wird er in Herrlichkeit vom Himmel erscheinen. Diese tritt dann ein, wenn der Mann der Apostasie, der auch gegen den Höchsten Ungehöriges predigt, auf Erden Sündhaftes gegen uns Christen wagt, die wir von dem Gesetze und dem Worte, das aus Jerusalem durch Jesu Apostel ausging, Gottesverehrung gelernt und zu dem Gotte Jakobs und dem Gotte Israel unsere Zuflucht genommen haben.“ (Justin, Dialog mit Tryphon 110,2)

Im 2. Clemensbrief heißt es:

„Wisset nämlich, dass bereits der Tag des Gerichtes kommt wie ein glühender Ofen, und ein Teil der Himmel wird schmelzen, und die ganze Erde (wird sein) wie Blei, das auf dem Feuer schmilzt, und dann werden sichtbar werden die geheimen und offenen Werke der Menschen.“ (2. Clemensbrief 16,3)

„Denn der Herr hat gesagt: ‚Ich komme, um alle Völker, Stämme und Sprachen zu versammeln.‘ Damit meint er den Tag seines Erscheinens, wenn er kommen und uns erlösen wird, jeden nach seinen Werken. Und sehen werden seine Herrlichkeit und seine Macht die Ungläubigen, und sie werden verwundert anstaunen das Weltreich Jesu und sagen: Wehe uns, da du warst, und wir wussten es nicht und glaubten nicht und gehorchten nicht den Presbytern, die uns von unserem Heile predigten; und ihr Wurm wird nicht sterben und ihr Feuer nicht erlöschen, und sie werden am Pranger stehen für jegliches Fleisch. Er meinte jenen Tag des Gerichtes, wenn sie diejenigen sehen werden, die unter uns gottlos lebten und die Gebote Jesu Christi übertraten. Wenn aber die Gerechten, die Gutes taten, die Prüfungen bestanden und die Lüste der Seele hassten, sehen, wie die vom Ziele Abgeirrten, die in Wort und Tat Jesus verleugneten, mit schrecklichen Qualen durch das unauslöschliche Feuer gepeinigt werden, werden sie ihren Gott verherrlichen und sprechen: Gute Hoffnung wird sein für den, der Gott aus ganzem Herzen gedient hat.“ (2. Clemensbrief 17,4-7)

Irenäus von Lyon schreibt um 180 n. Chr.:

„Aber für alle zumal ist er der Erhalter und Ernährer, der König und Richter. Denn niemand wird seinem Gerichte entrinnen, nicht Jude noch Heide und kein Sünder aus den Reihen der Gläubigen und kein Engel. Diejenigen, welche jetzt seiner Güte nicht vertrauen, werden im Gerichte seine Macht erkennen, gemäß dem Worte des Apostels: ‚Du weißt nicht, daß die Güte Gottes dich zur Buße führt, sondern sammelst in Halsstarrigkeit und Unbußfertigkeit des Herzens den Zorn für den Tag der Rache und der Offenbarung der Gerechtigkeit Gottes, der jedem vergelten wird nach seinen Werken.'“ (Irenäus, Erweis der Apostolischen Verkündigung 8)

„Auferstanden und erhöht verharrt er zur Rechten des Vaters bis zur vom Vater festgesetzen Stunde des Gerichts über alle seine Feinde nach ihrer Unterwerfung. Die Zahl seiner Feinde in ihrer Gesamtheit besteht aus den abgefallenen Engeln, Erzengeln, Mächten und Thronen, welche die Wahrheit mißachten.“ (Irenäus, Erweis der apostolischen Verkündigung 85)

Über den Antichrist, der in der Endzeit auftreten soll, schreibt Irenäus:

„Weiterhin erweist sich auch aus dem, was unter dem Antichrist geschehen soll, daß der Apostat und Räuber als Gott verehrt werden und als König ausgerufen werden will, obwohl er doch ein Sklave ist. Indem nämlich jener alle Kraft des Teufels annehmen wird, wird er nicht als gerechter König kommen, nicht als gesetzmäßiger in der Unterwerfung unter Gott, sondern als ein ungerechter, gesetzloser, gottloser, als Apostat, Übeltäter, Menschenmörder und Räuber, der die Apostasie des Teufels in sich rekapituliert. Die Götzen wird er abtun und sich selbst als Gott ausgeben, sich als den einzigen Götzen erheben, der in sich den mannigfachen Irrtum der übrigen Götzenbilder enthält, damit die, welche in mancherlei Greueln den Teufel anbeten, ihm in dem einen Götzen dienen. Von ihm spricht der Apostel in dem zweiten Thessalonicherbriefe, wenn er sagt: ‚Zuerst muß der Abfall kommen und der Mensch der Sünde, der Sohn des Verderbens, offenbar werden, der bekämpft und sich erhebt über alles, was Gott heißt oder als Gott verehrt wird, so daß er sitzet im Tempel Gottes, indem er sich selbst zeigt, gleich als ob er Gott sei.‘ Deutlich also hat der Apostel seine Apostasie kundgetan und verkündet, dass er sich über alles, was Gott heißt, erheben wird, oder was als Gott verehrt wird, d. h. über alle Götzenbilder — denn diese werden von den Menschen so genannt, sind es aber nicht —, und daß er nach Tyrannenart versuchen wird, sich als Gott zu zeigen.

Ferner lehrt er auch offenkundig, was wir schon vielfach gezeigt haben, daß der Tempel zu Jerusalem auf Anordnung des wahren Gottes erbaut wurde. Denn der Apostel nennt für seine Person ihn ausdrücklich den Tempel Gottes. Wir haben aber im dritten Buche gezeigt, daß die Apostel für ihre Person niemand Gott nennen als den, welcher in Wahrheit Gott ist, den Vater unseres Herrn, auf dessen Befehl der Tempel in Jerusalem aus den angegebenen Gründen gebaut worden ist. Hier wird der Feind sitzen und versuchen, sich als Christus auszugeben, wie der Herr spricht: ‚Wenn ihr aber sehen werdet den Greuel der Verwüstung, welcher durch den Propheten Daniel verkündet ist, der auf dem heiligen Orte steht, wer es liest, verstehe es, dann mögen fliehen, die in Judäa sind, auf die Berge, und wer auf dem Dache ist, steige nicht herab, etwas aus dem Hause zu holen. Es wird nämlich dann eine große Angst sein, wie sie nicht geschehen ist vom Anfang der Welt bis jetzt, noch geschehen wird.'“ (Irenäus, Gegen die Häresien V,25,1-2)

Außerdem schreibt er über die Zahl 666, die in der Offenbarung des Johannes (Offb 13,18: Wer Verstand hat, berechne den Zahlenwert des Tieres. Denn es ist die Zahl eines Menschennamens; seine Zahl ist sechshundertsechsundsechzig“) mit dem Antichrist verbunden wird (im Griechischen konnten die Buchstaben auch Zahlen bedeuten, und jeder Name konnte daher auch als Zahl, nämlich als Quersumme seiner einzelnen Buchstaben, gelesen werden).

„Wenn daher am Ende die Kirche plötzlich erhöht werden wird, dann wird, wie geschrieben steht, ‚eine Trübsal sein, wie sie von Anfang an nicht gewesen ist, noch sein wird‘. Das ist nämlich der letzte Kampf der Gerechten, in welchem die Sieger mit Unverweslichkeit gekrönt werden.

Deshalb ist das ‚kommende Tier‘ die Zusammenfassung aller Ungerechtigkeit und allen Truges, damit in ihm der Abschluß und die Summe aller apostatischen Macht in den Feuerofen geworfen wird. Entsprechender Weise nun wird auch sein Name die Zahl 666 aufweisen, indem sie in sich alle Bosheit zusammenfaßt, die vor der Sintflut gewesen ist und eine Folge der Apostasie der Engel war. Noe nämlich war 600 Jahre alt, als die Sintflut über die Erde hereinbrach und die Empörung der Erde wegen des ganz verdorbenen Geschlechtes hinwegschwemmte, das zu Noes Zeiten lebte. Und dann rekapitulierte es auch den gesamten Greuel der Götzenbildner nach der Sintflut und die Ermordung der Propheten und die Verbrennung der Gerechten. Denn das von Nabuchodonosor errichtete Götzenbild war 60 Fuß hoch und 6 Ellen breit; und seinetwegen wurden Ananias, Azarias und Misael, die es nicht anbeteten, in den Feuerofen geworfen, indem sie durch ihr Schicksal auf die Verbrennung der Gerechten am Ende der Zeiten hinwiesen. Das Bild als solches aber wies hin auf die Ankunft jenes, der von allen Menschen überhaupt als der Einzige angebetet werden wollte. Die 600 Jahre des Noe also, unter dem die Sintflut wegen der Apostasie hereinbrach, und die Ellenzahl des Bildes, dessentwegen die Gerechten in den Feuerofen geworfen wurden, weist auf die Namenszahl dessen hin, in dem alle Apostasie, Ungerechtigkeit, Bosheit, Pseudoprophetie und List der sechstausend Jahre rekapituliert wird, derentwegen die Feuerflut hereinbrechen wird.“ (Irenäus, Gegen die Häresien V,29,1-2)

„So also verhält sich die Sache, und in allen bewährten und alten Handschriften findet sich diese Zahl; und die, welche Johannes von Angesicht zu Angesicht gesehen haben, bezeugen es, und die Rechnung lehrt es, daß die Namenszahl des Tieres nach griechischer Zählung in den einzelnen Buchstaben die Zahl 666 ergibt, in der die Zehner gleich den Hunderten und die Hunderte gleich den Einern sind. Die Zahl 6, dreimal wiederholt, stellt die Rekapitulation der gesamten Apostasie im Anfang, in den mittleren Zeiten und am Ende dar. So weiß ich nicht, wie einige irrtümlicher Weise, die Zahl um 50 vermindernd, auf 616 gekommen sind. Doch vermute ich einen Fehler der Abschreiber, die den gewöhnlichen griechischen Buchstaben, der 60 bedeutet, für Jota, d. h. 10, genommen haben. Dann haben die einen das ohne Untersuchung angenommen, die andern schlecht und recht den Zehner beibehalten; andere aber wagten dann in ihrer Unwissenheit, auch Namen aufzusuchen, welche diese falsche und irrtümliche Zahl aufweisen. Die nun arglos und in Einfalt dies getan haben, denen wird es Gott Ja verzeihen. Die aber eitlen Ruhmes halber Namen mit dieser falschen Zahl aufstellen, und den von ihnen erfundenen Namen als den Namen desjenigen ausgeben, der da kommen soll, die werden nicht straflos ausgehen, da sie sich selbst und ihre Anhänger verführt haben. Zunächst besteht ihre Strafe darin, daß sie eben von der Wahrheit abgewichen sind und das nicht Seiende als wirklich annehmen; sodann wird notwendig keine geringe Strafe den treffen, der zu der Schrift etwas hinzusetzt oder von ihr etwas fortnimmt. Und schließlich besteht keine geringe Gefahr für die, welche sich fälschlich einbilden, seinen Namen zu wissen. Wenn er nämlich in Wirklichkeit einen andern Namen haben wird, als sie glauben, dann werden sie leicht von ihm verführt werden, so als ob der noch gar nicht da wäre, vor dem sie sich geziemend hüten sollten. […]

Wissen sie aber die von der Schrift angegebene zuverlässige Zahl, d. h. 666, dann mögen sie zunächst die Teilung des Reiches unter die 10 Könige abwarten. Wenn dann diese regieren und anfangen, ihre Sachen auszuführen und ihr Reich zu mehren, und alsdann unvermutet der kommt, der die Herrschaft an sich reißt und die Vorgenannten in Schrecken setzt und den Namen mit der genannten Zahl führt, dann mögen sie diesen in Wahrheit als den Greuel der Verwüstung erkennen. […]

Sicherer und gefahrloser ist es also, die Erfüllung dieser Prophetie abzuwarten, als allerlei Namen zu vermuten und zu weissagen. Gibt es doch viele Namen der genannten Zahl, und somit kommt die Sache nicht weiter. Denn wenn es viele Namen gibt, welche diese Zahl aufweisen, dann bleibt immer die Frage offen, welchen von diesen er führen wird. Dies sagen wir nicht aus Mangel an solchen Namen, sondern aus Gottesfurcht und Liebe zur Wahrheit. Der Name Eythanos hat die gesuchte Zahl, doch wollen wir darüber nichts sagen. Lateinos hat auch die Zahl 666, und es ist sehr wahrscheinlich, daß das letzte Reich so heißen wird. Denn die Lateiner herrschen heute, doch wollen wir uns dessen nicht rühmen. Aber am meisten von allen Namen, die sich bei uns vorfinden, ist der Name Teitan glaubwürdig, die erste Silbe mit den beiden griechischen Vokalen e und i geschrieben. Er weist die genannte Zahl auf und hat sechs Buchstaben, indem jede Silbe aus drei Buchstaben besteht, und ist alt und abgelegen. Denn keiner von unsern Königen hieß Titan, noch trug einer von den griechischen oder barbarischen Götzen diesen Namen. Trotzdem gilt er bei vielen als göttlich, so dass bei den Modernen die Sonne Titan genannt wird, und enthält auch einen gewissen Hinweis auf Rache und einen Rachebringer, weil jener sich den Anschein gibt, die schlecht Behandelten zu rächen. Und auch sonst ist es ein alter, glaubwürdiger, königlicher oder vielmehr tyrannischer Name. Da also der Name Titan soviel Gründe für sich hat, so hat nach all dem es eine gewisse Wahrscheinlichkeit, daß der, welcher kommen wird, vielleicht Titan genannt wird. Doch wollen wir uns nicht in Gefahr begeben und den Anschein erwecken, als ob wir über den Namen des Antichrists etwas Bestimmtes wüßten. Läge nämlich für die Verkündigung desselben im gegenwärtigen Zeitpunkt eine Notwendigkeit vor, dann wäre er gewiß durch den gemeldet worden, der die Apokalypse geschaut hat. Das ist aber vor gar nicht langer Zeit geschehen, sondern soeben erst am Ende der Regierung des Domitian.

Diese Namenszahl offenbarte er, damit wir uns vor seinem Kommen hüten und wissen, wer er ist. Seinen Namen aber hat er verschwiegen, weil er nicht würdig ist, vom Hl. Geiste verkündet zu werden. Wäre er verkündet worden, dann würde er vielleicht für lange bleiben. Nun aber ‚war er und ist nicht, er wird aufsteigen aus dem Abgrunde und geht ins Verderben‘, gleich als ob er nicht wäre. So ist auch sein Name nicht verkündet worden, denn was nicht ist, davon wird auch der Name nicht verkündet. Wenn aber dieser Antichrist alles auf dieser Welt verwüstet haben wird, indem er drei Jahre und sechs Monate regierte und in dem Tempel zu Jerusalem thronte, dann wird der Herr vom Himmel in den Wolken in der Herrlichkeit des Vaters kommen. Jenen wird er samt seinem Anhang in den Feuerpfuhl werfen, für die Gerechten aber wird er die Zeiten des Reiches herbeiführen, d. h. die Ruhe, den heiligen siebenten Tag; wiederherstellen wird er die dem Abraham versprochene Erbschaft, und in diesem Reiche werden nach dem Worte des Herrn ‚viele vom Aufgang und Untergang kommen und mit Abraham, Isaak und Jakob zu Tische sitzen‘.“ (Irenäus, Gegen die Häresien V,30,1-4)

Interessant ist auch die „Offenbarung des Petrus“. Entstanden vermutlich in der ersten Hälfte des 2. Jahrhunderts, gab sie sich als Schrift des Apostels Petrus aus. Ihr Status war umstritten; der Kanon Muratori erkennt sie als Teil der Bibel an; letztlich wurde sie aber nicht in den Kanon aufgenommen. Dennoch wurde sie als rechtgläubig betrachtet.

In diesem Text ist Jesus mit den Aposteln auf dem Ölberg und erklärt ihnen Dinge über das Weltgericht, die Hölle und den Himmel. Dabei zitiert die Petrusapokalypse die kanonischen Evangelien und schmückt deren Texte aus. Ein falscher Messias (der Antichrist) wird für die Endzeit angekündigt, der vor der Wiederkunft Jesu auftreten soll. Ausführlich geht es dann um die leibliche Auferstehung der Toten, und darum, dass alle, die so auferstanden sind, zum Gericht zitiert werden. Ebenso wie bei Paulus wird hier auch eine Bekehrung vieler Juden am Ende der Zeiten vorhergesagt.

„Und indem er auf dem Ölberg saß, traten zu ihm die Seinigen, und wir beteten ihn an und flehten einzeln ihn an und baten ihn, indem wir zu ihm sagten: ‚Tue uns kund, was die Zeichen deiner Parusie [Wiederkunft] und des Endes der Welt sind, damit wir erkennen und merken die Zeit deiner Parusie und die nach uns Kommenden unterweisen, denen wir das Wort deines Evangeliums predigen und die wir in deiner Kirche einsetzen, damit sie, wenn sie es hören, sich in acht nehmen, daß sie merken die Zeit deiner Parusie.‘ Und unser Herr antwortete uns, indem er zu uns sagte: ‚Gebt acht, daß man euch nicht verführe und daß ihr nicht Zweifler werdet und anderen Göttern dienet. Viele werden kommen in meinem Namen, indem sie sagen: ‚Ich bin Christus.‘ Glaubet ihnen nicht und nähert euch ihnen nicht. Denn die Parusie des Gottessohnes wird nicht offenbar sein, sondern wie der Blitz, der scheint vom Osten bis zum Westen, so werde ich kommen auf der Wolke des Himmels mit großem Heer in meiner Herrlichkeit; indem mein Kreuz vor meinem Angesicht hergeht, werde ich kommen in meiner Herrlichkeit; indem ich siebenmal so hell wie die Sonne leuchte, werde ich kommen in meiner Herrlichkeit mit allen meinen Heiligen, meinen Engeln, wenn mein Vater mir eine Krone aufs Haupt setzt, damit ich richte die Lebendigen und die Toten und jedem vergelte nach seinem Tun.

Und ihr – nehmet von dem Feigenbaum das Gleichnis davon: Sobald sein Sproß hervorgekommen und seine Zweige getrieben sind, wird eintreten das Ende der Welt.‘ – Und ich, Petrus, antwortete ihm und sagte zu ihm: ‚Deute mir betreffs des Feigenbaums, [und] woran wir das erkennen, denn alle seine Tage hindurch sproßt der Feigenbaum und jedes Jahr bringt er seine Frucht [und] seinen Herren. Was bedeutet (also) das Gleichnis vom Feigenbaum? Wir wissen es nicht.‘ Und es antwortete mir der Meister und sagte zu mir: ‚Verstehst du nicht, daß der Feigenbaum das Haus Israel ist? Wie ein Mann in seinem Garten einen Feigenbaum gepflanzt hatte und der brachte nicht Frucht. Und er suchte seine Frucht lange Jahre. Und da er sie nicht fand, sagte er zu dem Hüter seines Gartens: ‚Reiß diese Feige aus, damit sie uns nicht unser Land unfruchtbar sein läßt!‘ Und der Gärtner sagte zu Gott: ‚Wir Diener (?) wollen ihn (vom Unkraut) reinigen und den Boden unter ihm umgraben und ihn mit Wasser begießen. Wenn er dann nicht Frucht bringt, wollen wir sogleich seine Wurzeln aus dem Garten entfernen und einen anderen an seiner Statt pflanzen.‘ Hast du nicht begriffen, daß der Feigenbaum das Haus Israel ist? Wahrlich, ich sage dir, wenn seine Zweige getrieben haben am Ende, werden lügnerische Christusse kommen und die Hoffnung erwecken (mit den Worten): ‚Ich bin der Christus, der ich (einst) in die Welt gekommen bin.‘ Und wenn sie die Bosheit seines Tuns sehen, werden sie sich abwenden hinter ihnen her und den verleugnen, dem unsere Väter Lobpreis sagten (?), die den ersten Christus kreuzigten und damit schwer sündigten. Dieser Lügnerische ist aber nicht Christus. Und wenn sie ihn verschmähen, wird er mit Schwertern (Dolchen) morden, und es wird viele Märtyrer geben. Alsdann werden die Zweige des Feigenbaumes, d. h. des Hauses Israels, treiben, allein es werden viele durch seine Hand Märtyrer werden, sie werden sterben und Märtyrer werden. Henoch und Elias werden gesandt werden, um sie zu belehren, daß das der Verführer ist, der in die Welt kommen und Zeichen und Wunder tun muß, um zu verführen. Und deshalb werden diese, welche durch seine Hand gestorben sind, Märtyrer und werden gerechnet zu den guten und gerechten Märtyrern, welche Gott in ihrem Leben gefallen haben.‘

Und er zeigte mir in seiner Rechten die Seelen von allen (Menschen) und auf seiner rechten Handfläche das Bild von dem, was sich am jüngsten Tage erfüllen wird; und wie die Gerechten und die Sünder geschieden werden, und wie diejenigen tun (?) werden, die rechten Herzens sind, und wie die Übeltäter für alle Ewigkeit ausgerottet werden. Wir sahen, wie die Sünder in großer Betrübnis und Trauer weinten, bis alle, die es mit ihren Augen sahen, weinten, seien es Gerechte oder Engel oder auch er selbst. Ich aber fragte ihn und sagte zu ihm: ‚O Herr, erlaube mir, daß ich inbetreff dieser Sünder dein Wort sage: ‚Es wäre ihnen besser, sie wären nicht geschaffen‘.‘ Und der Heiland antwortete mir und sagte zu mir: ‚O Petrus, warum redest du so, ‚das Nichtgeschaffensein wäre ihnen besser‘? Du bist es, der wider Gott streitet. Du würdest dich seines Gebildes nicht mehr erbarmen als er; denn er hat sie geschaffen und hat sie dahin gebracht, wo sie (vorher) nicht waren (wohl = und hat sie aus dem Nichtsein ins Dasein gebracht). Und weil du gesehen hast die Klage, welche die Sünder treffen wird in den letzten Tagen, darum ist dein Herz betrübt, aber ich will dir ihr Tun zeigen, mit dem sie sich an dem Höchsten versündigt haben.

Sieh jetzt, was sie treffen wird in den letzten Tagen, wenn der Tag Gottes kommt. Und am Tage der Entscheidung des Gerichtes Gottes werden alle Menschenkinder vom Osten bis zum Westen vor meinem Vater, dem ewig Lebendigen, versammelt werden, und er wird der Hölle gebieten, daß sie ihre stählernen Riegel öffnet und alles, was in ihr ist, zurückgibt. Und den wilden Tieren und Vögeln wird er gebieten, daß sie alles Fleisch, was sie gefressen haben, zurückgeben, indem er will, daß die Menschen (wieder) sichtbar werden; denn nichts geht für Gott zugrunde und nichts ist ihm unmöglich, da alles sein ist. Denn alles (geschieht) am Tage der Entscheidung, am Tage des Gerichtes mit dem Sprechen Gottes, und alles geschieht, wie er die Welt schafft, und alles, was darin ist, hat er geboten, und alles geschah; ebenso in den letzten Tagen, denn alles ist Gott möglich und also sagt er in der Schrift: ‚Menschenkind, weissage über die einzelnen Gebeine und sage zu den Knochen: Knochen zu den Knochen in Glieder, Muskel, Nerven, Fleisch und Haut und Haare darauf‘. Und Seele und Geist soll der große Urael [ein außerbiblischer Engelsname] auf Befehl Gottes geben. Denn ihn hat Gott bestellt bei der Auferstehung der Toten am Tage des Gerichtes. Sehet und bedenkt die Samenkörner, die in die Erde gesät sind. Wie etwas Trockenes, das seelenlos ist, sät man sie in die Erde. Und sie leben auf, bringen Frucht, und die Erde gibt (sie) wieder wie ein anvertrautes Pfand. Und dieses, was stirbt, was als Same in die Erde gesät wird, lebendig wird und dem Leben zurückgegeben wird, ist der Mensch. Wie viel mehr wird Gott die an ihn Gläubigen und von ihm Erwählten, um derentwillen er (die Erde) gemacht hat, auferwecken am Tage der Entscheidung, und alles wird die Erde wiedergeben am Tage der Entscheidung, weil sie an ihm zugleich mit gerichtet werden soll und der Himmel mit ihr.

Und es wird geschehen am Tage des Gerichtes derer, die abgefallen sind vom Glauben an Gott und die Sünde getan haben: Feuerkatarakte werden losgelassen, und Dunkel und Finsternis wird eintreten und die ganze Welt bekleiden und einhüllen, und die Wasser werden sich verwandeln und gegeben werden in feurige Kohlen und alles in ihr (d. Erde?) wird brennen, und das Meer wird zu Feuer werden; unter dem Himmel ein bitteres Feuer, das nicht verlöscht, und fließt zum Gericht des Zorns. Und die Sterne werden zerfließen durch Feuersflammen, als ob sie nicht geschaffen wären, und die Festen des Himmels werden aus Mangel an Wasser dahingehen und werden wie ungeschaffen. Und nicht (?) mehr werden sein die Blitze des Himmels, und durch ihre Zauberei werden sie die Welt erschrecken (vielleicht: Der Himmel wird zu Blitzen werden, und seine Blitze werden die Welt erschrecken). Und der Geist der Leichname wird ihnen gleichen und auf Befehl Gottes Feuer werden. Und sobald die ganze Schöpfung sich auflöst, werden die Menschen im Osten nach Westen fliehen [und die im Westen] nach Osten fliehen; und die im Süden werden nach Norden fliehen und die im [Norden nach] Süden, und überall wird sie der Zorn schrecklichen Feuers treffen. Und indem eine unverlöschliche Flamme sie treibt, bringt sie sie zum Zorngericht in den Bach unverlöschlichen Feuers, der fließt, indem Feuer darin flammt, und indem seine Wogen sich eine von der anderen im Sieden trennen, entsteht viel Zähneknirschen der Menschenkinder.

Und alle werden sehen, wie ich auf ewig glänzender Wolke komme und die Engel Gottes, die mit mir sitzen werden auf dem Thron meiner Herrlichkeit zur Rechten meines himmlischen Vaters. Der wird eine Krone auf mein Haupt setzen. Sobald das die Völker sehen, werden sie weinen, jedes Volk für sich. Und er wird ihnen befehlen, daß sie in den Feuerbach gehen, während die Taten jedes einzelnen von ihnen vor ihnen stehen. [Es wird vergolten werden] einem jeden nach seinem Tun. Betreffs der Erwählten, die Gutes getan haben, sie werden zu mir kommen, indem sie den Tod verzehrenden Feuers nicht sehen werden (?). Die Bösewichter, Sünder und Heuchler aber werden in den Tiefen nicht verschwindender Finsternis stehen, und ihre Strafe ist das Feuer, und Engel bringen ihre Sünden herbei; und bereiten ihnen einen Ort, wo sie für immer bestraft werden, je nach ihrer Versündigung.“ (Petrusoffenbarung 1-6, in: Edgar Hennecke u. Wilhelm Schneemelcher (Hrsg.): Neutestamentliche Apokryphen in deutscher Übersetzung. 2. Band. Apostolisches, Apokalypsen und Verwandtes, 4. Aufl., Tübingen 1971, S. 472-475.)

(Anschließend werden einzelne Sündergruppen und ihre Strafen aufgezählt; u. a. finden sich da Mörder, Ehebrecher, Eltern, die ihre Kinder abgetrieben haben, Christenverfolger, unbarmherzige Reiche. Dann geht es noch um den Lohn der Auserwählten. Aber zu genauen Vorstellungen von Himmel und Hölle in einem anderen Teil.)

In der Epistula Apostolorum, einer Schrift, die sich als Brief der Apostel ausgibt, sagt Jesus den Jüngern nach Seiner Auferstehung folgendes:

„Und er sprach zu uns: ‚Wahrlich, ich sage euch, ich werde kommen wie die Sonne, die erglänzt, so werde ich, indem ich siebenmal mehr als sie in Herrlichkeit leuchte, während ich auf dem Flügel der Wolke getragen werde in Glanz und indem mein Kreuz vor mir einhergeht, auf die Erde kommen, daß ich richte die Lebendigen und die Toten.

Und wir sprachen zu ihm: ‚O Herr, wie viel Jahre noch?‘ Und er sprach zu uns: ‚Wenn das hundertundfünfzigste Jahr vollendet ist, zwischen Pfingsten und Pascha wird stattfinden die Ankunft meines Vaters.‘ Und wir sprachen zu ihm: ‚O Herr, jetzt hast du zu uns gesagt: Ich werde kommen – und wiederum hast du gesagt: es wird kommen, der mich gesandt hat.‘ Und er sprach zu uns: ‚Ich bin ganz im Vater und der Vater in mir.'“ (Epistula Apostolorum 16(27)-17(28), in: Edgar Hennecke u. Wilhelm Schneemelcher (Hrsg.): Neutestamentliche Apokryphen in deutscher Übersetzung. 1. Band. Evangelien, 4. Auflage, Tübingen 1968, S. 134f.)

Und:

„Wahrlich ich sage euch: ‚Das Fleisch wird auferstehen mit der Seele lebendig, damit sie bekennen und gerichtet werden mit dem Werk, was sie getan haben, es sei Gutes oder Böses, auf daß es werde zu einer Auswahl und Darstellung für die, welche geglaubt und getan haben das Gebot meines Vaters, der mich gesandt hat. Darauf wird das gerechte Gericht stattfinden; denn so will es mein Vater, und er sprach zu mir: Mein Sohn, am Tage des Gerichts sollst du dich vor dem Reichen nicht scheuen und den Armen nicht schonen, sondern übergib einen jeden gemäß seiner Sünde ewiger Bestrafung. Denjenigen aber, die mich geliebt haben und mich lieben und welche mein Gebot getan haben, werde ich Ruhe im Leben verleihen im Reiche meines himmlischen Vaters. Siehe, schaut, was für eine Macht er mir verliehen hat, und er hat mir gegeben, daß, … was ich will und wie ich gewollt habe, … und denen ich Hoffnung erweckt habe.“ (Epistula Apostolorum 26(37), in: Ebd., S. 140f.)

Und:

„Und er sprach zu uns: Dann werden die Gläubigen und auch die, welche nicht glauben werden, ein Horn am Himmel sehen und das Gesicht großer Sterne, die, während es Tag ist, sichtbar sind, und einen Drachen, indem er vom Himmel bis zur Erde reicht und indem Sterne, die wie Feuer sind, herabfallen und große Hagelschlossen von heftigem (?) Feuer, und wie Sonne und Mond miteinander streiten, und beständig der Schrecken von Donner und Blitzen, Donnerkrachen und Erdbeben wie Städte einstürzen und bei ihrer Zerstörung Menschen sterben, beständig Dürre infolge Ausbleiben des Regens, eine große Pest und ein ausgebreitetes und häufiges schnelles Sterben, so daß denen, die sterben, das Begräbnis fehlen wird; und es wird das Hinausgehen (=Hinausgetragenwerden) von Kindern und Verwandten auf einem Bett (=Bahre) geschehen. Und der Verwandte wird sich seinem Kinde nicht zuwenden noch die Kinder ihrem Verwandten, und ein Mensch wird sich seinem Nächsten nicht zuwenden. Die Verlassenen aber, welche verlassen wurden, werden auferstehen und die sehen, welche sie verlassen haben, indem sie sie hinausbrachten, weil Pest (war). Alles ist Haß und Bedrängnis und Eifersucht, und dem einen wird man nehmen und dem anderen schenken, und wie dies wird sein, was nach diesem kommt.

Dann wird mein Vater wegen der Bosheit der Menschen in Zorn geraten; denn zahlreich sind ihre Versündigungen, und der Schauder vor ihrer Unreinheit ist sehr wider sie in der Verderbnis ihres Lebens. […]

Und er sprach zu uns: ‚In jenen Jahren und Tagen (wird) Krieg über Krieg (sein), und die vier Ecken der Welt werden erschüttert werden und werden sich gegenseitig bekriegen. Und darauf (wird eintreten) eine Wolkenbewegung, Finsternis und Dürre und Verfolgung derer, die an mich glauben und (trotzdem) der Bosheit folgen und eitle Lehre lehren. Und diesen wird man folgen und wird sich ihrem Reichtum, ihrer Verworfenheit, ihrer Trunksucht und ihrem Bestechungsgeschenk unterwerfen, und Ansehen der Person wird unter ihnen herrschen.“ (Epistula Apostolorum 34(45)-37(48), in: Ebd., S. 145-147.)

Über Endzeit und Antichrist heißt es im Barnabasbrief:

„Das vollkommene Ärgernis ist nahe gerückt, von dem in der Schrift steht, wie Henoch sagt. Dazu nämlich hat der Herr die Zeiten und die Tage abgekürzt, damit sein Geliebter sich beeile und zu seinem Erbe gelange. Es sagt aber auch der Prophet so: ‚Zehn Königsherrschaften werden herrschen auf Erden, und danach wird ein kleiner König aufstehen, der drei von den Königen auf einmal erniedrigen wird.‘ Ähnlich sagt über denselben Punkt Daniel: ‚Und ich sah das vierte Tier, böse und stark und wilder als alle Tiere des Meeres, und wie aus ihm herauswuchsen zehn Hörner und wie aus ihnen ein kleines Nebenhorn wuchs und wie es auf einmal drei der großen Hörner erniedrigte.'“ (Barnabasbrief 4,3-5)

Wie zu allen Zeiten gab es auch damals schon Vermutungen, wer konkret der Antichrist sein könnte oder wann konkret er kommen werde; der Kirchenhistoriker Eusebius erwähnt folgendes:

„Um diese Zeit gab Judas, ein anderer Schriftsteller, in einer Abhandlung über die siebzig Wochen Daniels eine Chronographie bis zum zehnten Jahre der Regierung des Severus. Er glaubte, das vielbesprochene Erscheinen des Antichrist sei schon damals nahe gewesen. So sehr hatte die damals gegen uns wütende Verfolgung die Gemüter der Massen erregt.“ (Eusebius, Kirchengeschichte VI,7)

(Diese Verfolgung fand ca. um 200 n. Chr. herum statt.)

Die christlichen Sibyllinen (dichterische Weissagungen) sagen über die Endzeit und das Jüngste Gericht folgendes (dabei kommt auch der nicht in der Bibel erwähnte Engelsname Uriel vor):

„Und Gott wird alsdann ein großes Zeichen vollführen.
Denn es erglänzt ein Stern einem leuchtenden Kranze fast ähnlich,
Glänzend und überall leuchtend herab vom strahlenden Himmel
Und nicht wenige Tage hindurch; denn vom Himmel wird er dann
Zeigen am Siegerkranz den Menschen, die ihn sich erkämpfen.
Dann aber kommt auch die Zeit des festlichen großen Triumphzugs
In die himmlische Stadt, und zwar sämtlichen Menschen gemeinsam
Wird auf Erden er sein und den Ruhm der Unsterblichkeit haben.
Und es wird jedes Volk alsdann in unsterblichen Kämpfen
Ringen um herrlichen Sieg; denn nicht wird einer dann schamlos
Dort einen silbernen Kranz um Geld sich können erwerben;
Denn als Ordner des Kampfs mit strenger Gerechtigkeit waltet
Christus: den Besten verleiht er den Kranz, und die Märtyrerkrone
Allen, die treu und beharrlich den Kampf bis zum Tode durchkämpften.
Auch jungfräulichen Seelen, die rühmlich durchmaßen die Laufbahn,
Gibt er den Preis und jedem, der Recht und Gerechtigkeit übte,
Unter den Menschen zumal und den Völkern anderer Länder,
Welche untad’lig gelebt und Gott den Einen erkannten.
Denen jedoch, die lieben die Eh‘ und der Buhlerei fremd sind,
Gibt er reiche Geschenke dazu und ewige Hoffnung.
Denn eine jegliche Seele der Menschen ist göttliche Gabe,
Und kein Recht hat der Mensch, sie mit allerlei Schmach zu beflecken.
Dies ist der Kampf, dies ist das Bemühen und solches der Kampfpreis;
Das ist des Lebens Tür und das der Unsterblichkeit Eingang,
Welchen der himmlische Gott den gerecht befundenen Menschen
Setzte als Siegespreis. Die eher ruhmreich erhalten
Jenen Kranz, die werden durch diesen Eingang hindurchgehen.
Wenn aber einst auf der ganzen Welt dies Zeichen erscheinet,
Kinder von der Geburt an ergraut sind an ihren Schläfen,
Dann überkommt Pest, Hunger und Krieg als Drangsal der Menschen,
Wechsel der Zeiten und Kummer und Leid und zahllose Tränen.
Ach, wie vieler Kinder in allen Ländern verzehren
Jammervoll klagend die Eltern, das Fleisch in die Mäntel gehüllet
Sie im Mutterschoß der Erde bestatten, besudelt
Ganz von Blut und von Staub; ihr elenden, feigen Gesellen,
O des letzten Geschlechts unglückliche Menschen, ihr Frevler,
Merket ihr nicht, verblendetes Volk, sobald zu gebären
Aufhört der Weiber Geschlecht, daß nahe die Ernte?
Nah ist Vernichtung und Ernte, sobald gleich Gottes Propheten
Lügner erscheinen auf Erden und predigen unter den Menschen.
Und auch Beliar kommt und tut viel Zeichen und Wunder
Unter den Menschen. Und dann wird große Verwirrung entstehen
Unter den Frommen und Treuen; Vernichtung der Auserwählten,
Auch der Hebräer erfolgt. Doch gewaltige Wut überkommt sie,
Wenn das Volk, in zwölf Stämme geteilt, von Osten erscheinet,
Um zu suchen das Volk, das Assyriens Sproß hat vernichtet,
Der vereinten Hebräer. Die Heiden dann gehen zugrunde.
Und dann werden beherrschen die übermütigen Menschen
Auserwählte und treue Hebräer, nachdem sie geknechtet
All ihre Feinde wie vordem, da niemals die Kraft sie verlassen.
Und der Höchste im Himmel, der alles und jegliches schauet,
Wird die Menschen in Schlummer versenken, die Lider beschwerend.
O glückselige Knechte, die wachsam, wenn er erscheinet,
Findet der Herr, die den bleiernen Schlaf von den Lidern verscheuchten
Stets sein Kommen erwartend mit nimmer ermüdenden Augen.
Früh wird’s sein oder spät, vielleicht auch mitten am Tage,
Einmal kommt er gewiß und so, wie ich sage, geschieht es.
Schlummernden wird er erscheinen, wenn einst am sternenreichen Himmel
Alle Gestirne am hellichten Tag werden allen sich zeigen
Samt den zwei Leuchten in rasch verlaufender Folge der Zeiten.
Und dann fährt der Thesbite vom Himmel herab auf die Erde,
Lenkend den himmlischen Wagen, und gibt drei Zeichen den Menschen,
Welche die Erde bewohnen, die Zeichen des endenden Lebens. […]
Weh den Unseligen, weh! die den Tag des Grauens erleben!
Denn stockfinstere Nacht umhüllt den unendlichen Erdkreis,
Mitternachtslande zugleich und Morgen und Abend und Mittag.
Dann aber wird ein mächtiger Strom von brennendem Feuer
Fließen vom Himmel herab und vernichten die herrliche Schöpfung:
Trocknes Land und Meer, des Ozeans bläuliche Fluten,
Seen und Flüsse und Quellen, den unerbittlichen Hades
Und das Himmelsgewölbe. Der Mond und die leuchtende Sonne
Fließen zusammen in eins, und alles wird Wüste und Öde;
Denn vom Himmel herab in den Ozean fallen die Sterne.
Sämtliche lebenden Menschen da werden mit Zähnen knirschen,
Brennend im Strom voller Schwefel und von dem anstürzenden Feuer
In der gewaltigen Flur, und Asche wird alles verhüllen.
[Und es veröden zugleich die sämtlichen Weltelemente:
Luft und Erde und Meer, Licht, Himmel und Tage und Nächte]
Nimmer durcheilen die Luft unzähliger Vögel Geschlechter,
Nicht mehr ziehn in den Fluten die Scharen der schwimmenden Fische,
Kein beladenes Schiff fährt über die schaukelnden Wogen,
Nimmer durchschneiden am Pflug die Stiere mit Furchen das Erdreich;
Aufhört das Rauschen der Bäume von Winden geschüttelt. Doch alles
Klumpt sich in eins zusammen und trennt sich zur Läuterung wieder.
Wenn aber nun die unsterblichen Boten des ewigen Gottes,
Michael, Gabriel, kommen zusammen mit Raphael, Uriel,
Die da wissen genau, was vordem Böses begangen
Jeglicher Mensch: die führen sodann aus nebligem Dunkel
Alle die Seelen heran zum Richterstuhl des großen
Ewigen Gottes und Herrn; denn unvergänglich allein ist
Er, der Beherrscher des Alls, und Er ist Richter der Menschen.
Seele und Atem hierauf und Stimme verleiht den Entschlaf’nen
Neuerdings Gottes Geheiß; die Gebeine, verbunden zu Gliedern
Mancherlei Zwecken gemäß, im Fleische die kräftigen Sehnen,
Adern und Haut, die die Muskeln umspannt, das frühere Haupthaar.
Wunderbar kräftig gefügt, beseelt und frei sich bewegend,
werden der Sterblichen Leiber an einem Tage erstehen.
Unerbittlich und unzerreißbar, erbarmungslos ist
Hades‘ Riesenverschluß der ganz aus Erz gefertigten Tore:
Doch Uriel, der gewaltige Bote zerreißt sie und öffnet,
Alle Gestalten voll Trauer er führt zum Gottesgerichte:
Jene Schattenbilder der längst vergang’nen Titanen
Und der Giganten [Anmerkung: mit Titanen und Giganten werden einige der frühesten Menschen gemeint sein], und welche die Sintflut hatte verschlungen,
Und die auf hoher See vernichtet die Woge des Meeres,
Und die die Tiere und Schlangen und Vögel haben zerrissen,
All die wird er jetzt rufen zum Throne des göttlichen Richters;
Wiederum all die Gestalten, die fleischvernichtendes Feuer
Hatte verbrannt, die sammelt und stellt er vor Gottes Gerichtsstuhl.
Wenn er die Toten erwecket, nachdem er ihr Schicksal erfüllet,
Und auf dem himmlischen Thron sich gesetzet und eine gewaltige Säule
Festgefügt Sabaoth Adonai, der Donn’rer der Höhe,
Dann in den Wolken der Ewige selber zum Ewigen kommet,
Christus in all seinem Glanz mit all seinen heiligen Engeln,
Und er setzt sich dem Großen zur Rechten und richtet vom Thron das
Leben der Frommen und auch der gottlosen Männer Gesinnung.
Moses erscheint, der Große, der Freund des unsterblichen Gottes,
Fleischumkleidet, und Abraham selbst, der Große, wird kommen,
Isaak und Jakob zugleich, Elias und Josua, Daniel,
Jonas und Habakuk auch, und die die Hebräer erschlugen.“
(Christliche Sibyllinen II,34-248, S. 504-507)

Und:

„Jedes Geschöpf auf Erden erwartet den Richttag in Angstschweiß.
Endlich erscheint vom Himmel herab der ewige König,
Seiner Verheißung getreu, was Fleisch ist auf Erden, zu richten.
Und es erblicken sodann die Sterblichen, seien sie gläubig,
Seien sie Feinde des Glaubens, am Ende der Zeiten den Höchsten:
Christum, gefolgt von der Heiligen Schar, der alles, was Fleisch ist,
Richtet, sobald verdorrt ist das Land und Dornen nur sprießen.
Ihre armseligen Götzen verwerfen die Menschen, mit Abscheu,
Spähendes Feuer verzehrt den Himmel, die Erd‘ und des Meeres
Tosende Flut und verbrennt die Kerkertore des Hades.
Und an das Licht der Freiheit gelangt von den Toten ein jeder,
So sich im Leben bewährt; die Bösen erwartet das Feuer.
Gründlich und offen bekennt, was er heimlich gesündigt, ein jeder.
Ohne Erbarmen durchleuchtet der Herr des Herzens Geheimnis.
Tausende heulen vor Wut, man hört das Knirschen der Zähne.
Traurig verbleichen die Sterne, der Glanz der Sonne verliert sich.
Ebenso schwindet der Mond. Es wankt das Himmelsgewölbe.
Schluchten und Täler erblickst du nicht mehr, die Berge versinken:
Scheidet ja doch auch Menschen nicht mehr der leidige Rangstreit.
Offenes Land ersetzt die Gebirge, und keines der Meere
Hat jetzt Schiffe zu tragen. Die Erde ist dürr und vertrocknet.
Nicht mehr murmelt der Quell, die rauschenden Ströme versiegen.
Eines nur störet die Stille des Tods: der Klang der Trompete.
Ruchlose Greuel beklagt sie, beklagt den Jammer der Menschheit.
Lüstern nach menschlichem Fleisch gähnt furchtbar des Tartarus Rachen.
Öffentlich flehn um gnädigen Spruch die stolzesten Herrscher.
Schwefliger Dampf, dem Feuer gesellt, ergießt sich vom Himmel.
Ein verläßliches Zeichen, ein kenntliches Siegel indessen
Richtet die Gläubigen auf: das Kreuz, die Säule der Hoffnung;
Kraft verleiht es den Frommen, zum Ärgernis dient es den Bösen,
Rettet und heilt die Erwählten in zwölffach sprudelnder Quelle,
Eint als eiserner Stab in der Hand des Hirten die Völker.“
(Christliche Sibyllinen VIII,217-248, in: Ebd., S. 519)

Und:

„Der Bedrückten nimm dich stets an und hilf dem Erschöpften,
Bring dieses lebende Opfer doch mir, dem lebendigen Gotte,
Jetzt nur säend ins Wasser, damit auch ich dir einst gebe
Unvergängliche Früchte; das ewige Leben sollst du haben,
Unverwesliches Leben, wenn alle ich prüfe im Feuer.
Alles werde ich schmelzen und wieder zur Läuterung scheiden,
Werde den Himmel erschüttern, die Schlünde der Erde eröffnen,
Und dann will ich die Toten erwecken, das Schicksal lösend
Und den Stachel des Todes, und alsbald komm‘ ich zum Gerichte,
Um zu richten das Leben der frommen und gottlosen Menschen;
Und da werd‘ ich dem Widder den Widder, dem Hirten den Hirten,
Und den Stier dem Stier gegenüberstellen zur Prüfung.
Alle, die waren erhöht, überführt bei dem großen Verhör, und
Jedem den Mund verstopften, um selber voll Neid und voll Mißgunst
Alle, die Gutes getan, gleichermaßen zu knechten und schinden,
Schweigen ihnen gebietend, doch nur dem Gewinne nachjagten,
Die werden alle, bei mir nicht bewährt, jetzt abtreten müssen.
Nicht mehr sagst du in Zukunft voll Trauer: ‚Wird’s morgen wohl sein?‘
Oder: ‚Ist’s gestern gewesen?‘ Nicht sorgst du für mehrere Tage;
Frühling, Sommer und Winter und Herbsteszeit gibt es nicht mehr,
Auch keinen Abend und Morgen; verlängern werd ich den Tag jetzt,
Aber auf ewig ersehnt wird das Licht des gewaltigen Gottes.“
(Christliche Sibyllinen VIII,407-428, in: Ebd., S. 523f.)