Die Päpstin, Teil 5: Die Autorin kennt das Wort „Nonne“!

Als Johanna in dem Boot gefunden wird, ist sie so krank, dass sie gar nicht mitbekommt, wer genau sie findet; erst eine Woche später wacht sie wieder in einem wohlhabend eingerichteten Raum bei einem jungen Ehepaar mit einer kleinen Tochter auf. Glücklicherweise stellt sich heraus, dass der junge Mann Arn ist, Magaldis’ ältester Sohn, der dank Johanna einige Jahre in der Klosterschule verbracht hat und inzwischen Gutsverwalter bei einem Grafen ist. Arn ist ihr immer noch zutiefst dankbar für das, was sie für ihn getan hat. Seine Mutter ist durch den Verkauf ihres speziellen Schimmelkäses, den Johanna damals vor ein paar Jahren dem Kloster empfohlen hat, inzwischen wieder zu Wohlstand gelangt und hat außerdem in zweiter Ehe einen wohlhabenden Bauern geheiratet. Arn und seine Frau Bona pflegen Johanna gesund; sie haben, als sie sie versorgt haben, natürlich entdeckt, dass sie eine Frau ist, aber beide scheinen ihr ihre Verkleidung nicht im Geringsten übel zu nehmen:

„‚Demnach wissen die Brüder immer noch nicht, daß Ihr eine Frau seid’, sagte Arn nachdenklich, als Johanna geendet hatte. ‚Wir dachten schon, daß man Eure wahre Identität entdeckt hat und daß Ihr deshalb fliehen mußtet. – Möchtet Ihr denn ins Kloster zurück? Ich würde Euch diese Möglichkeit niemals versperren. Eher würde ich auf der Folterbank sterben, als daß jemand auch nur ein Wort über Euer Geheimnis aus mir herausbekommt!’

Johanna lächelte. Arns männlichem Erscheinungsbild zum Trotz hatte er noch sehr viel von dem kleinen Jungen, als den sie ihn gekannt hatte.

‚Zum Glück’, sagte sie, ‚gibt es keinen Grund für ein solches Opfer. Ich bin rechtzeitig entkommen, und die Bruderschaft hat keinen Grund, mich zu verdächtigen. Aber… ich weiß nicht, ob ich ins Kloster zurückkehren möchte.’“ (S. 323)

Johanna verbringt einige Zeit bei Arn und Bona und ihrer kleinen Tochter Arnalda, der sie Unterricht erteilt. Sie will eigentlich nicht ins Kloster zurück; da ist die bleibende Gefahr, dass die anderen Mönche irgendwann ihre Identität entdecken könnten, und da ist Abt Rabanus:

„Er hatte ihr schon Probleme genug bereitet – und Gott allein wußte, welche Schwierigkeiten und Strafen sie noch erwarteten, falls sie ins Fuldaer Kloster zurückkehrte.

Außerdem drängte es Johanna nach Veränderung, nach neuen Ufern. In der Klosterbibliothek zu Fulda gab es kein Buch, das sie nicht schon gelesen hatte. Sie kannte jeden noch so kleinen Riß in der Wand des Schlafsaals. Und es lag Jahre zurück, daß sie morgens mit dem herrlichen Gefühl gespannter Erwartung erwacht war, daß irgend etwas Neues und Interessantes geschah. Sie sehnte sich danach, eine größere, weitere Welt zu erforschen.“ (S. 324f.)

Den Gedanken, zu Gerold zu gehen, verwirft sie: „Bestimmt war Gerold wieder verheiratet, und da wäre ihm ihr plötzliches Wiederauftauchen alles andere als willkommen. Außerdem hatte sie vor langer Zeit ein anderes Leben für sich selbst gewählt – ein Leben, in dem für die Liebe eines Mannes kein Platz war.“ (S. 325)

Ich möchte kurz daran erinnern, dass Johanna in einem Benediktinerkloster sowohl das Gelübde der Enthaltsamkeit als auch das Gelübde der stabilitas loci (Ortsbeständigkeit) abgelegt hat; sie hat sowohl geschworen, ehelos zu leben, als auch, ihr Leben lang in diesem Kloster zu bleiben.

Nachdem sie sich von ihrer Krankheit erholt hat, bietet Arn ihr an, dass sie auf dem Gut bei seiner Familie bleiben könnte – entweder als Frau oder in ihrer Verkleidung –, aber Johanna lehnt ab. Sie will stattdessen auf eine Pilgerreise nach Rom gehen; wir kommen dem Zielpunkt des Buches also allmählich näher. Zum Abschied schenkt sie der wissbegierigen kleinen Arnalda ihren Anhänger mit dem Bild der heiligen Katharina.

Es geht im Jahr 844 in Rom am päpstlichen Hof weiter. Anastasius, der ebenso wie Johanna inzwischen dreißig Jahre alt ist, hat sich weiter die Karrieleiter hoch gearbeitet und schreibt außerdem an einem großen Werk über das Wirken der Päpste, dem Liber Pontificalis. (Dazu, was an Anastasius’ Leben historisch richtig ist, in einem späteren Teil.) Papst Gregor IV. liegt auf dem Sterbebett und Anastasius’ Vater hat bereits durch „eine geschickte Verbindung von Diplomatie, Bestechung und Drohung“ (S. 332) arrangiert, wer zum nächsten Papst gewählt werden soll: Ein Kardinal namens Sergius, „der schwache und korrupte Abkömmling einer adeligen römischen Familie“ (ebd.). Der Plan ist, dass Sergius Anastasius später zum Bischof von Castellum ernennen soll, sodass der bei der nächsten Papstwahl, wenn er das Mindestalter erreicht hat, auf den Stuhl Petri aufsteigen kann.

Johanna lebt derweil in Borgo, dem römischen Viertel der Ausländer, an der Scola Anglorum, liest in der dazugehörigen Kirche die Messe, praktiziert im dazugehörigen Hospital als Arzt, und studiert in der Bibliothek die Bücher. Ihre Dienste als Arzt sind in Rom gefragt, „zumal die medizinische Wissenschaft nirgendwo sonst auf der Welt so weit fortgeschritten war wie im Frankenreich“ (S. 336). Aha. Ich hätte eher auf Byzanz oder so getippt. Sie führt jedenfalls ein angenehmes, ungebundenes Leben, das perfekt zu ihr passt.

Doch dann wird Papst Sergius krank.

Die römischen Ärzte sind alle einfach blöd (natürlich), und behandeln ihn nur mit Reliquien, Gebeten, Aderlässen und Brechmitteln, ohne dass sie ihm damit helfen können. Nun sind da zwei Männer, die aus unterschiedlichen Gründen nicht wollen, dass Sergius schon stirbt: Anastasius, der noch immer nicht das Mindestalter für die eigene Wahl zum Papst erreicht hat, und Benedikt, Sergius’ intriganter Bruder, der sich seit Sergius’ Wahl viel Macht an der Kurie hat verschaffen können. Anastasius schlägt Benedikt also vor, diesen ausländischen Arzt Johannes Anglicus kommen zu lassen, von dem man in Rom so viel hört, und so wird Johanna zu Sergius gerufen. Sie erkennt, dass er an der Gicht leidet, gibt ihm ein Heilmittel und verordnet ihm eine strenge Diät, und bald bessert sich sein Zustand.

Sergius ist meiner Ansicht nach die erste erträgliche Figur in diesem Roman. Er ist ein Papst, der sein Amt eigentlich gut ausfüllen will, sich aber leicht von seinem machtgierigen Bruder ausnützen und beiseitedrängen lässt; ihm ist die Keuschheit sehr wichtig, aber dafür verfällt er immer wieder der Völlerei, was ihm große Gewissensbisse verursacht; er kann mal aufbrausend sein, ist aber insgesamt vernünftig und freundlich. Johanna, die zu seinem Leibarzt ernannt wird, nimmt ihn als „gespaltenen Geist“ wahr: „Johanna erkannte bald, daß zwei Seelen in Sergius’ Brust wohnten – die eines zügellosen, vulgären und gemeinen Flegels und die eines kultivierten, intelligenten und freundlichen Mannes. (…) Doch in seinem Fall war es der Wein, der die Spaltung und Verwandlung hervorrief. In nüchternem Zustand war der Heilige Vater sanft und freundlich; hatte er jedoch getrunken, wurde er zu einem wahren Teufel.“ (S. 354)

Eine Stelle ist hier ganz interessant. Während Johanna das erste Mal bei Sergius ist, fragt er sie nach ihrem Beinamen, und sie erzählt ihm, dass ihr Vater aus England stammt und Missionar bei den Sachsen war:

„‚Die Sachsen.’ Sergius machte ein finsteres Gesicht. ‚Ein gottloses Volk.’

Mutter. In Johanna stieg die altvertraute Woge aus Liebe, Zärtlichkeit und Trauer auf. ‚Die meisten Sachsen sind jetzt Christen’, sagte sie herb, ‚jedenfalls, soweit man Menschen mit Feuer und Schwert vom wahren Glauben überzeugen kann.’

Sergius betrachtete sie mit scharfem Blick. ‚Seid Ihr etwa nicht der Meinung, daß die Kirche den Auftrag hat, die Heiden zu bekehren?’

‚Welchen Wert hat ein Versprechen, wenn es unter Zwang gegeben wurde? Wenn ein Mensch gefoltert wird, kann es sein, daß er alles sagt, was seine Peiniger hören wollen, nur um den Qualen ein Ende zu machen.’

‚Das ändert nichts daran, daß unser Herr Jesus uns geboten hat, in Frieden hinzugehen, allen Völkern im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes die frohe Botschaft zu verkünden und die Menschen zu taufen.’

‚Das stimmt’, räumte Johanna ein. ‚Aber…’ Sie hielt inne. Du tust es schon wieder! schalt sie sich. Wieder einmal ließ sie sich in ein unvernünftiges, unter Umständen gefährliches Streitgespräch verwickeln. Und diesmal mit keinem Geringerem als dem Papst.

‚Ja?’ sagte Sergius. ‚Nur weiter.’

‚Verzeiht mir, Heiligkeit. Eure Gesundheit ist noch angeschlagen.’

‚Nicht so sehr, daß ich keinen vernünftigen Gedanken fassen könnte’, erwiderte Sergius ungeduldig. ‚Sprecht weiter.’

‚Na ja’, Johanna wählte ihre Worte mit Bedacht, ‚bedenkt einmal die Reihenfolge des Gebots, das Jesus erteilt hat. Zuerst die Völker lehren und dann taufen. Christus hat uns nicht dazu ermahnt, das Sakrament der Taufe zu spenden, bevor der Glaube wahrhaftig in den Herzen der Menschen ist. Und bei Jesus ist von Feuer und Schwert als Instrumenten der Bekehrung und Mission nicht die Rede.’

Sergius betrachtete Johanna interessiert. ‚Ihr argumentiert geschickt. Wo habt Ihr studiert?’“ (S. 351)

Meine Güte! Als ob es für einen mittelalterlichen Theologen originell gewesen wäre, gegen Zwangsbekehrungen zu sein. Als ob der selige Alkuin gegenüber Karl dem Großen nicht dasselbe gesagt hätte. Als ob einer von Sergius’ Nachfolgern, Nikolaus I., nicht im Jahr 866 an die Bulgaren geschrieben hätte:

„In bezug auf diejenigen aber, die sich weigern, das Gut des Christentums anzunehmen, […] können Wir Euch nichts anderes schreiben, als daß Ihr sie zum rechten Glauben mehr durch Ermahnungen, Ermunterungen und Belehrung als durch Gewalt überzeugen sollt, daß sie eitel denken. […] Ferner darf ihnen, damit sie glauben, keinesfalls Gewalt angetan werden. Denn alles, was nicht aus eigener Absicht kommt, kann nicht gut sein [angeführt wird Ps 54,8; 119,108; 28,7]; Gott gebietet nämlich, daß freiwilliger Gehorsam, und nur von Freiwilligen geleistet werde: Denn hätte er Gewalt anwenden wollen, hätte seiner Allmacht keiner widerstehen können.“ (Papst Nikolaus’ Brief an die Bulgaren ist übrigens eine wahre Fundgrube: Darin spricht er sich z. B. auch gegen die Folter aus und erklärt, dass eine Ehe nur durch das Einverständnis von Braut und Bräutigam zustande kommt.)

Als ob die Ablehnung von Zwangstaufen im 9. Jahrhundert irgendetwas Neues, Unkonventionelles, potentiell Ketzerisches gewesen wäre!

Als es Sergius besser geht, animiert Johanna ihn, wieder selbst den Versammlungen des päpstlichen Hofes vorzustehen, statt diese Aufgabe Benedikt zu überlassen. Dabei wirft Sergius Benedikts korrupte Geschäfte durcheinander: Da ist etwa ein Kaufmann namens Mamertus, der ein altes, heruntergekommenes Waisenhaus nahe dem Lateran renovieren und zur Pilgerherberge umfunktionieren will; er hat Benedikt schon eine großzügige „Spende“ gegeben, damit er die Waisen hinauswerfen und das Gebäude bekommen kann; Sergius entscheidet jedoch, dass die Waisen bleiben sollen und das Waisenhaus mithilfe von Mamertus Spende für sie wieder instand gesetzt wird. Dabei scheint die Autorin zu glauben, bei Pilgerherbergen handle es sich um großen Gewinn abwerfende Luxushotels; so lässt sie Mamertus sagen: „Aber die neue Pilger-Unterkunft würde zum Stolz Roms, Heiligkeit! Jeder Graf, jeder Herzog, ja, selbst Kaiser und Könige würden dort mit Freuden schlafen!“ (S. 357)

Benedikt jedenfalls ist ganz und gar nicht mehr angetan von diesem neuen Leibarzt seines Bruders, der ihm seine Geschäfte zunichte macht, und schmiedet Pläne, ihn loszuwerden. Johanna wird bald darauf zu einer reichen jungen Dame in Trastevere gerufen, die angeblich krank sei. Zunächst wundert sie sich nicht; ihre Dienste sind im römischen Adel inzwischen sehr gefragt. Doch als sie zu ihrer Patientin, einer sehr attraktiven jungen Frau namens Marioza, kommt, ist diese kerngesund und versucht, sie zu verführen. Als ihre Bemühungen ohne Erfolg bleiben, reißt sie kurzerhand ihr Kleid auf, packt Johanna und drückt deren Kopf an ihre Brust, und im selben Moment stürmen päpstliche Gardisten herein, die Johanna, angeblich auf frischer Tat ertappt, festnehmen.

An dieser Stelle fällt Johanna ein, wer Marioza sein kann: „Benedicte! dachte Johanna. Das muß die Marioza sein, die gefeiertste Kurtisane Roms, die beinahe schon sagenhafte hetaera. Es hieß, daß einige der mächtigsten Männer der Heiligen Stadt zu ihren Kunden zählten.“ (S. 363) Ehe sie von den Gardisten weggeführt wird, wendet Johanna sich noch einmal an Marioza: „Ich weiß nicht, weshalb Ihr das tut oder für wen, aber ich gebe Euch einen guten Rat, Marioza: Macht Euer Glück nicht von der Gefälligkeit der Männer abhängig, denn sie werden sich als so flüchtig erweisen wie Eure Schönheit.“ (S. 363f.) Okay, das ist ja mal kein allzu schlechter Rat.

Auf dem Rückweg zum Lateranpalast denkt Johanna sich folgendes:

„Obwohl sie allen Grund gehabt hätte, konnte sie Marioza nicht hassen. Hätte das Schicksal sie selbst nicht auf einen anderen Weg geführt, wäre auch sie vielleicht zur Prostituierten geworden. In den Straßen Roms wimmelte es von Frauen, die ihren Körper für den Preis einer Mahlzeit anboten. Viele waren ursprünglich als fromme Pilgerinnen oder sogar als Nonnen in die Stadt gekommen, standen dann aber plötzlich ohne Unterkunft da und hatten nicht die finanziellen Mittel für die Reise zurück in die Heimat. Deshalb hatten sie, der Not gehorchend, zur schnellsten und einfachsten Möglichkeit des Broterwerbs gegriffen.

Von der Sicherheit der Kanzel aus wetterte der Klerus gegen diese ‚Handlangerinnen des Teufels’. Es sei besser, keusch zu sterben, erklärten die Priester, als in Sünde zu leben. Aber diese Leute, sagte sich Johanna, hatten nie am eigenen Leibe erfahren, was Hunger ist.“ (S. 364)

Hier haben wir den Beweis, der bisher gefehlt hat: In der Welt von „Die Päpstin“ existieren Nonnen. Donna W. Cross kennt den Begriff „Nonne“ und ihr ist bewusst, dass es zur Handlungszeit ihres Buches welche gab. Na also.

Irmengard

(Heilige Irmengard vom Chiemsee (nach 830-866). Die heilige Irmengard war eine Tochter Ludwigs des Deutschen und damit eine Enkelin Karls des Großen; sie war zuerst im Kloster Buchau und später in Frauenchiemsee Äbtissin. Bildquelle hier.)

Der ganze Absatz ist natürlich wieder mal Blödsinn. Man konnte sehr wohl ohne Geld auf Pilgerfahrt gehen; man musste eben zu Fuß gehen und nachts in Klöstern unterkommen; jedes Kloster nahm Pilger auf und stellte ihnen eine Mahlzeit und ein Bett zur Verfügung. Zudem wären gerade Frauen wohl kaum allein auf Pilgerreisen gegangen; allein schon aus Sicherheitsgründen schloss sich jeder Pilger mit etwas Verstand einer Pilgergruppe an (so hat es auch Johanna auf ihrer Reise nach Rom gehalten). Keine Äbtissin hätte eine einzelne Nonne allein nach Rom geschickt.

Übrigens kann ich persönlich mir, ganz unabhängig von irgendwelchen Moralfragen, vorstellen, dass das Leben einer Prostituierten auch nicht unbedingt angenehmer ist als das Hungern. Aber gut, ich kenne nur den Hunger, der davon kommt, dass man wegen einer chronischen Krankheit tagelang sehr wenig essen kann, und nicht den, bei dem man fürchten muss, zu verhungern, wenn man nicht bald etwas zu essen auftreibt; das mag schon noch ein gewisser Unterschied sein.

Jedenfalls nutzt Benedikt, der Marioza angeheuert hat, diesen Vorwand, um Johanna in den Kerker werfen zu lassen; Sergius bekommt sie gar nicht mehr zu Gesicht, sodass sie sich nicht gegen die falschen Anschuldigungen verteidigen kann.

Dann kommt ihr jedoch Sergius’ Krankheit zu Hilfe. Seine Gicht verschlimmert sich, weil er sich wieder falsch ernährt, und schließlich erleidet er einen Schock und sein Zustand verschlechtert sich dramatisch, als ihm eine schlimme Nachricht überbracht wird: Kaiser Lothar nähert sich mit einer Armee.

„Nach der Wahl Sergius’ zum Oberhaupt der christlichen Kirche hatte die Stadt Rom ihn sofort feierlich zum Papst geweiht, ohne das erforderliche Einverständnis des Kaisers einzuholen. Dies aber war ein Bruch eines seit dem Jahre 824 bestehenden Abkommens, welches Lothar das Recht des kaiserlichen jussio gewährte – dem Einverständnis mit der Wahl des Papstes vor dessen Weihe. Dennoch war Sergius’ ‚eigenmächtige’ Papstweihe weithin begrüßt worden; man betrachtete diesen Schritt als stolze Wiederbehauptung römischer Unabhängigkeit gegenüber der fernen fränkischen Krone. Andererseits war es ein eindeutiger und absichtlicher Affront Lothar gegenüber, wenngleich das jussio einen eher symbolischen denn faktischen Charakter besaß: Noch nie hatte der Kaiser einer Papstwahl seine Zustimmung verweigert, und niemand hätte je damit gerechnet, daß Lothar nun so nachdrücklich auf dieses Recht pochen würde.“ (S. 372) Es kommen schreckliche Berichte von den Plünderungen und Gräueltaten, die Lothars Armee auf ihrem Weg nach Rom anrichtet, und Flüchtlinge aus dem Norden strömen nach Rom.

Sergius ist also schwer krank und verzweifelt. Sein Bruder kommt auf die Idee, dem Kaiser 50.000 Gold-solidi überbringen zu lassen, um ihn zu beschwichtigen; Sergius stimmt zu; aber Benedikt verschwindet kurzerhand selbst mit den Geldtruhen und einigen Begleitern aus Rom. Sergius’ Haushofmeister Arighis weiß sich schließlich nicht mehr anders zu helfen und holt den Arzt Johannes Anglicus aus dem Kerker. Johanna kann dem kranken Papst klarmachen, dass sie ein Opfer von Benedikts Intrigen geworden ist.

„Sergius schwieg für längere Zeit. Schließlich sagte er mit schwankender Stimme zu Johanna: ‚Wenn das stimmt, ist Euch bitteres Unrecht geschehen.’ Verzweifelt wandte er den Blick ab. ‚Daß Lothar gegen Rom zieht, ist Gottes gerechte Strafe für all meine Sünden!’

‚Würde Gott Euch bestrafen wollen, könnte er es sich einfacher machen’, sagte Johanna. ‚Warum sollte er das Leben tausender Unschuldiger opfern, wo er Euch mit einem Schlag zerschmettern könnte?’

Sergius blickte sie erstaunt an. Wie bei vielen Mächtigen, war ihm angesichts der maßlosen Überschätzung der eigenen Bedeutung dieser Gedanke offenbar noch gar nicht gekommen.“ (S. 379)

Johanna versucht, Sergius zu überzeugen, dass Lothars Kommen keine Strafe, sondern eine Prüfung sei, und er für die Menschen von Rom stark sein müsse. Er ist jedoch verzweifelt:

„‚Was macht es schon aus, ob ich stark bin oder nicht?’ sagte Sergius hoffnungslos. ‚Wir können Lothars Heer nicht standhalten. Da müßte schon ein Wunder geschehen.’

‚Dann’, sagte Johanna geheimnisvoll, ‚laßt uns dieses Wunder bewirken.’“ (Ebd.)

Johanna hat einen Plan für Lothars Ankunft entwickelt. Zunächst einmal schickt man ihm eine festliche Abordnung entgegen: „Lothar hatte weder der Stadt Rom noch dem Papst seine Feindschaft auf irgendeine förmliche Weise erklärt; deshalb hatte man den Plan gefaßt, ihm einen festlichen Empfang zu bereiten, wie er einer Persönlichkeit von so außerordentlichem Rang zustand; sämtliche Würdenträger der Stadt sollten dem Kaiser ihre Reverenz erweisen. Vielleicht entwaffnete diese für Lothar unerwartete Begrüßung den Kaiser lange genug, so daß der zweite Teil von Johannas Plan wirken konnte.“ (S. 379f.) Tatsächlich folgen Lothar und seine Soldaten der Abordnung friedlich bis zum Petersdom, vor dem der dank Johanna wieder einigermaßen gesunde Sergius wartet. Und als Lothar und eine Gruppe seiner Soldaten dann die Stufen zum Petersdom hinaufsteigen, schwingen die offenen Türen wie von Geisterhand zu – was einen ziemlichen Eindruck auf die Franken macht, den der Papst noch zu verstärken weiß. „Sergius sprach fränkisch, um sicherzugehen, daß Lothars Soldaten ihn verstanden. ‚Hütet euch vor der Hand Gottes’, rief er mit Donnerstimme, ‚die euch den Weg zum heiligsten aller Altäre versperrt hat!’“ (S. 382) Als Lothar, der selber erschrocken ist und dem angesichts des Entsetzens seiner Soldaten nichts anderes übrig bleibt, Sergius mit einem Friedenskuss begrüßt, schwingen die Türen wieder nach außen auf.

Das Ganze war natürlich ein Trick – eine hydraulische Vorrichtung, die Johanna bereits einmal vor Jahren zusammen mit Gerold nach einer Vorlage in einem antiken Manuskript gebaut hat. Als Johanna die Türen aufgehen sieht, tauchen all ihre schmerzlichen Erinnerungen an Gerold plötzlich wieder auf…

Und somit muss auch Gerold mal wieder auftauchen, aber dazu dann im nächsten Teil.

Die Pfeiler des Glaubens, Teil 2: Zurückgelassene Kinder, geraubte Kinder, befreite Sklaven und eine Identitätskrise

Ich habe meine Besprechung von Ildefonso Falcones‘ Roman „Die Pfeiler des Glaubens“ an einer Stelle unterbrochen, an der es um den Aufstand der Morisken schlecht steht (https://nolitetimereweb.wordpress.com/2017/12/23/die-pfeiler-des-glaubens-teil-1-von-morisken-und-maertyrern/); das Heer um Aben Humeya* muss vor den Truppen des Marquis von Mondéjar in Richtung Ugijar fliehen. Sie lassen vorher noch einige gefangene Christinnen frei, um den Weg für Verhandlungen mit dem Marquis zu ebnen. Viele moriskische Frauen und Kinder bleiben in Juviles (Hernandos Heimatdorf) zurück, das kurz darauf von den christlichen Truppen eingenommen wird, während die Männer sich zurückziehen. Der Marquis ist tatsächlich offen für Verhandlungen und bietet den Morisken, die sich ergeben, eine Amnestie an, während die befreiten Christinnen eher noch auf Rache aus sind und die Soldaten, die hauptsächlich um der Beute willen gekommen sind, auf Plünderung.

(Aben Humeya alias Don Fernando de Válor, Illustration in „Los Monfies de las Alpujarras“, 1859; Quelle: Wikimedia Commons)

Hernando, der sich Sorgen um seine Mutter Aischa macht, trennt sich von der Armee der Morisken und kehrt heimlich nach Juviles zurück. Dort entsteht durch einen unglücklichen Zufall in der nächtlichen Dunkelheit ein Handgemenge zwischen den christlichen Soldaten und ein paar wenigen Morisken, und in dem Chaos dann ein Gemetzel unter den gefangenen moriskischen Frauen und Kindern auf dem Dorfplatz. Hernando findet seine Mutter und seine beiden Halbbrüder und zieht auf der überstürzten Flucht aus dem Ort noch ein Mädchen mit, das er in der Dunkelheit für eine seiner beiden Halbschwestern hält. Außerhalb von Juviles stellt sich jedoch heraus, dass es sich um ein fremdes Mädchen namens Fatima handelt, das auch einen Säugling bei sich hat. Der Abschnitt endet mit dem Satz: „In der Dunkelheit konnte Hernando Fatimas große mandelförmige schwarze Augen zwar nur schwer erkennen, aber er nahm durchaus das Funkeln in ihrem Blick wahr, das die tiefe Nacht erhellte.“ (S. 102. Und hier bin ich mir schon wieder nicht sicher, ob Falcones unter Dunkelheit dasselbe versteht wie ich.)

Raissa und Zahara jedenfalls sind in Juviles zurückgeblieben. Und Hernando, Aischa, Musa, Aquil und Fatima mit ihrem Sohn Humam ziehen weiter nach Ugijar, ohne offenbar auch nur in Betracht zu ziehen, umzukehren, um herauszufinden, was mit den beiden geschehen ist. Allmählich habe ich den Verdacht, dass Falcones Hernandos Halbgeschwister (die durchgehend als „Stiefgeschwister“ betitelt werden – was natürlich auch die Schuld der Übersetzung sein könnte) nur deshalb eingeführt hat, weil er es irgendwie logisch fand, dass, da die Leute damals viele Kinder bekommen haben, Aischa Kinder mit Ibrahim haben müsste, und dass er für sie sonst keine Rolle in der Handlung übrig hat. Auch Musa und Aquil wird in den folgenden Kapiteln nicht viel Beachtung geschenkt.

In Ugijar treffen sie Ibrahim wieder, der sich nur kurz dafür interessiert, dass seine Töchter wahrscheinlich tot oder aber allein in Gefangenschaft sind, und dann ein umso größeres Interesse an der erst dreizehnjährigen, aber sehr attraktiven Fatima entwickelt. Fatima erfährt unterdessen, dass ihr Mann, der auch ihr Kindheitsfreund war und nur wenige Jahre älter als sie selbst, bei den Kämpfen umgekommen ist. Obwohl sie durchaus um ihn trauert, dauert es nicht lange, bis sie und Hernando einander näher kommen, was man sich, seien wir ehrlich, hat denken können, sobald Fatima aufgetaucht ist. Zunächst wird allerdings nichts daraus, da Ibrahim sein Möglichstes tut, um die beiden zu trennen, und sie sogar bedroht; genau genommen wird er gewalttätig gegenüber Aischa, sobald die beiden Teenager Kontakt zueinander suchen, was recht effektiv funktioniert, um sie davon abzuhalten.

Hernando trifft auch Aben Humeya und gewinnt die Gunst des jungen Königs, da er sich mit der Pflege verletzter Maultiere und Pferde auskennt und da er bei einer Flucht den königlichen Schatz rettet. Die Morisken müssen noch mehrmals von Ort zu Ort fliehen, können dann aber auch wieder Gebiete zurückerobern; insgesamt zieht sich der Aufstand noch länger hin, als ich erwartet hatte. Hier mal ein Lob an Falcones: Er schildert den Krieg sehr realistisch als ein kompliziertes, langwieriges, unübersichtliches Hin und Her, bei dem sowohl der Marquis von Mondéjar und der Marquis von Los Vélez, als auch Aben Humeya und andere Anführer der Morisken, als auch die jeweiligen Anführer und ihre jeweiligen Soldaten oft nicht auf einer Linie sind. Aben Humeyas Soldaten laufen ihm zunächst reihenweise davon, um sich dem recht gnädigen Marquis von Mondéjar zu ergeben, kehren dann aber auch wieder zurück, als ihnen klar wird, dass es dem auch nicht gelingt, seine Soldaten davon abzuhalten, auf eigene Faust plündernd und mordend und vergewaltigend durch die Bergdörfer der Alpujarras zu ziehen. Zudem wendet sich das Blatt zugunsten der Morisken, als die Barbareskenstaaten und der osmanische Sultan endlich Hilfe schicken. Freilich lassen diese sich die Waffenlieferungen gut bezahlen und an Kämpfern kommen nicht sehr viele.

Und hier findet sich eine interessante Stelle. Der Sultan hat u. a. zweihundert Janitscharen geschickt, und der Leser erhält ein paar Hintergrundinformationen über diese Krieger:

„Die Janitscharen bildeten eine Eliteeinheit, die nur dem Sultan unterstand, und galten als äußerst loyal und unbezwingbar. Sie erhielten eine lebenslange Bezahlung und genossen im Vergleich zur übrigen Bevölkerung besondere Privilegien. Sie hatten sogar eine eigene Rechtsprechung. Ein Bey durfte keinen Janitscharen verurteilen oder bestrafen, sie waren ausschließlich ihrem Agha verpflichtet, und Urteile wurden stets in Geheimverfahren gefällt. Diese Eliteeinheit war eine privilegierte Kaste für sich. Sie gingen gnadenlos gegen die Bevölkerung vor, raubten, was ihnen zwischen die Finger kam, und vergingen sich an Frauen und Kindern – ungestraft, denn ein Janitschar war selbst für einen Bey unantastbar!“ (S. 164)

(Sitzender Janitschar, Zeichnung von Gentile Bellini, um 1480; Quelle: Wikimedia Commons)

Das ist, wie gesagt, recht interessant und dürfte im Großen und Ganzen stimmen; was auch interessant ist, aber im Buch nicht erwähnt wird, ist der Werdegang so eines Janitscharen: Im Rahmen der Knabenlese (https://de.wikipedia.org/wiki/Knabenlese) wurden christlichen Familien im Osmanischen Reich (Serben, Kroaten, Bosniern, Albaniern, Bulgaren, Rumänen, Griechen, Armeniern, Georgiern, etc.) regelmäßig einige ihrer Söhne genommen; in einer Region konnten alle paar Jahre oder auch jährlich die zuständigen Beamten und Soldaten auftauchen, sich die Taufregister vorlegen lassen, und Knaben auswählen (z. B. aus jeder 40. Familie; die Zahlen schwankten), die sie dann mitnahmen, nach Istanbul brachten, zum Islam zwangsbekehrten und einer rigorosen Ausbildung unterwarfen. Bestenfalls konnten diese Jungen dann zum Janitschar aufsteigen. Die Sultane bemühten sich tatsächlich sehr, die Loyalität dieser ihrer Privatarmee sicherzustellen; die Janitscharen, die rechtlich gesehen den Status von Sklaven hatten, wurden dafür erzogen, nur für Sultan und Reich zu leben, durften bis ins späte 16. Jahrhundert nicht heiraten und lange Zeit auch nichts vererben. Andererseits erhielten sie eben auch gewisse Privilegien. Und da die Sultane sich zwangsläufig auf die Janitscharen verlassen mussten, erstritten sich diese mit der Zeit so einige weitere Privilegien und erlangten auch große politische Macht; schließlich ermordeten sie Sultane oder setzten diese ab, wenn es ihnen passte. Als die Herrscher schließlich genug von ihrer ehemals so nützlichen Privatarmee gehabt hatten, beschloss Mahmud II. 1826 ihre Auflösung. Eine Rebellion der Janitscharen dagegen wurde niedergeschlagen, und die Überlebenden wurden hingerichtet oder verbannt. Der Sultan sprach vom „Wohltätigen Ereignis“. (https://de.wikipedia.org/wiki/Janitscharen)

(Darstellung der Knabenlese in einer Miniatur im Süleymanname, 1558; Quelle: Wikimedia Commons)

Auch Korsaren aus den Barbaresken-Staaten sind übrigens bei den neu angekommenen Verbündeten (hier mehr zu diesen Piraten, die die christlichen Mittelmeerstaaten bis ins frühe 19. Jahrhundert bedrohten: https://de.wikipedia.org/wiki/Barbaresken-Korsaren); und einer von ihnen, Barrax, quartiert sich und seine Männer zeitweise im selben Haus ein, in dem auch Hernando, seine Mutter, Fatima und die Tiere, für die Hernando verantwortlich ist, untergebracht sind. Und hier erwähnt Falcones immerhin einen weiteren Grund für die Feindschaft zwischen spanischen Christen und Morisken: „Seit jeher konnten die Korsaren aus den Barbareskenstaaten bei ihren Raubzügen vor der spanischen Mittelmeerküste mit der Hilfe der dort lebenden Morisken rechnen. Viele Korsaren, vor allem die Männer aus Tetuan und Algier, waren selbst Morisken. Sie waren in al-Andalus geboren und machten jetzt auf ihren Fahrten Gefangene, die sie mit der Unterstützung ihrer Familien und Freunde später als Sklaven verkauften.“ (S. 171)

Hernando freilich ist nicht besonders begeistert von der Praxis, Gefangene als Sklaven zu verkaufen. Ihm wird an dieser Stelle der Handlung aufgetragen, sich aus einem Raum voller gefangener Christinnen in Aben Humeyas Anwesen eine auszusuchen und sie auf dem Markt zu verkaufen, um damit Futter für die Pferde bezahlen zu können. Er entdeckt dort Isabel, Gonzalicos Schwester, wieder und nimmt sie mit; statt sie zu verkaufen, versteckt er sie jedoch und bringt sie später heimlich aus dem Ort und zu christlichen Soldaten um den Marquis von Los Vélez. Nach seiner Rückkehr findet er eine andere Möglichkeit, um an das notwendige Geld zu kommen: Er bedroht und erpresst einen Händler namens Salah, der zugegebenermaßen zuvor Hernando erpressen wollte, da er die Sache mit Isabel bemerkt hatte.

Mit Hernandos und Fatimas Romanze geht es dann schließlich doch voran, da Ibrahim für einige Zeit mit dem Kommandanten Aben Aboo (eigentlich Ibn Abbuh) abwesend ist. Man erfährt, dass sie oft „Zeit miteinander [verbrachten“, „Momente der Zweisamkeit [suchten]“, „plauderten“ und „sich an die Ereignisse der letzten Monate [erinnerten]“. Eins dieser Gespräche wird sogar über eine ganze Drittelseite beschrieben. Fatima erzählt Hernando, dass ihre Gefühle für ihren Ehemann eher freundschaftlicher Natur waren – „Aber jetzt weiß ich, dass es noch andere Gefühle gibt.“ (S. 190). Wie romaaaannnntisch!

Ernsthaft: Über Fatima weiß man an dieser Stelle der Handlung nicht sehr viel. Ihr Charakter und ihre Gefühle sind nicht besonders klar. Hernandos Charakter wird aus seinen Handlungen allmählich deutlicher – er ist impulsiv, mutig, nicht unbedingt dumm, handelt entschieden, kann skrupellos gegenüber Menschen sein, die ihn bedrohen, hat aber auch Verantwortungsbewusstsein und Mitgefühl, und ist sich über seine Identität nicht im Klaren. Fatima sieht man nicht viel tun, sie hat z. B. auch keine charakteristische Art, zu sprechen, und es wird selten aus ihrer Perspektive erzählt. Sie ist verliebt in Hernando, sie kann mal nachtragend sein, wenn es ein Missverständnis gibt, und hört sich dann lange keine Erklärung an, sie ist ganz nett und kümmert sich ganz gut um ihren Sohn; das weiß man von ihr. (Alles in allem also die typische weibliche Figur einer Liebesgeschichte.) Aber was genau sie an Hernando mag, was er an ihr mag, was die beiden gemeinsam haben… keine Ahnung. Aber okay. Fatima ist immer noch erst dreizehn Jahre alt und Hernando ist vielleicht fünfzehn oder so; und Teenagerromanzen müssen ja keine tiefergehenden Anlässe haben. Mit dreizehn habe ich vielleicht für einen Lehrer geschwärmt und die Jungs aus meiner Klasse alle doof gefunden.

Schließlich arrangiert Aischa zusammen mit Fatima ein nächtliches Treffen für das Liebespärchen, damit die zwei miteinander schlafen können, und ich verstehe beim besten Willen nicht, wieso. Ich bin mir nicht sicher, welche moralischen Bedenken ich einer Moriskin des 16. Jahrhunderts unterstellen sollte; bekanntlich waren die Leute auch damals nicht alle so streng, wie es die islamische und die christliche Lehre theoretisch vorgeben. Aber davon abgesehen sehe man sich mal an, was sie hinterher zu den beiden sagt, als sie mit ihnen darüber spricht, dass sie heiraten sollen: „‚Was die Brautgabe angeht‘, sprach sie an Hernando gerichtet weiter, ‚du hast drei Monate, um sie zu beschaffen. Ihr habt Beischlaf gehalten, ohne verheiratet zu sein, deshalb könnt ihr erst heiraten, wenn Fatima dreimal die Regel hatte, es sei denn… Wenn sie in Umständen sein sollte, könnt ihr erst nach der Geburt heiraten.'“ Wieso hat Aischa den beiden also nicht einfach gleich gesagt, sie sollen heiraten? (Oder wieso könnten sie ihre Liebesnacht nicht verheimlichen?) Immerhin riskieren sie auf diese Weise, dass Ibrahim zurückkehrt, ehe sie verheiratet sind – was auch geschieht.

Zuvor allerdings wird noch Aben Humeya, der zu einem tyrannischen Lebemann geworden ist, von seinen eigenen Leuten ermordet; kurz vor seinem Tod ruft er den christlichen Gott an. Aben Aboo wird zum neuen König von al-Andalus ausgerufen, und Ibrahim ist inzwischen dessen enger Vertrauter. Aber es kommt noch schlimmer: Kurz nach deren gemeinsamer Rückkehr wird entdeckt, dass der Händler Salah christliche sakrale Gegenstände – Heiligenstatuen, Priestergewänder usw. – in seinem Keller versteckt hält, wohl um sie später zu Geld zu machen, und unglücklicherweise wird Hernando, der den Händler eben mit diesem Wissen erpresst hat, zusammen mit Salah in dem Keller angetroffen. Die beiden werden als angeblich zum christlichen Glauben Abgefallene zum Tod verurteilt; Hernando wird nur dadurch gerettet, dass der Korsar Barrax Aben Aboo bittet, ihn ihm stattdessen als Sklaven zu verkaufen. Freilich tut er das nicht aus Nächstenliebe, sondern um einen neuen Lustknaben zu bekommen. Hernando verweigert sich dem Korsar allerdings und erhält seltsamerweise gleichzeitig den Eindruck aufrecht, er sei ein Christ, was wohl beides irgendwie zusammenhängen soll. „Jetzt musste er so tun, als wäre er ein Christ, um Barrax nicht in die Hände zu fallen…“ (S. 206) Bitte? Seit wann ist es notwendig, religiöse/moralische Vorbehalte vorzutäuschen (die ein Muslim übrigens ebenso anführen könnte), um sich gegen irgendwelche sexuellen Avancen zu wehren? Ja, Barrax denkt sich einmal „Zahllose junge Christen führten in Algier ein angenehmes Leben als Gespielen der Türken und Barbaresken, nachdem sie vom Christentum abgefallen waren und sich zum wahren Glauben bekehrt hatten“ (S. 205), und offensichtlich will er bei Hernando ebenfalls beides erreichen, aber Hernando müsste das Spiel schließlich nicht mitmachen. Ich kapiere Hernando nicht.

Jedenfalls wird er in seiner Zeit als Barrax‘ Sklave in eine neue Identitätskrise gestürzt. Ein paar Mal fragt er sich, zu welcher Religion er sich eigentlich zugehörig fühlen soll: „Oder war er vielleicht doch ein Christ? Aber ihm stand nicht der Sinn nach Glaubensfragen.“ (S. 206) Tatsächlich werden die Glaubensfragen nicht wirklich näher durchdacht, oder auch nur im Einzelnen gestellt. Fragen wie „Ist die Bibel oder der Koran das glaubwürdigere Buch?“ werden an keiner Stelle angeführt, und Hernando fragt sich immer nur „Was bin ich?“, weniger „Was glaube ich und warum?“; die Religion erscheint hier eher als eine Angelegenheit der persönlichen Identität, wie Heimat oder Kultur oder Familie; es geht mehr um Zugehörigkeit als um Überzeugungen.

Unterdessen findet Ibrahim, der mittlerweile zum hauptsächlichen Schurken der Geschichte** avanciert ist – grausam und feige zugleich, egozentrisch, hasserfüllt gegenüber Hernando und despotisch gegenüber seiner ganzen Familie -, weitere Dinge, mit denen er Fatima bedrohen kann, und zwingt sie damit, ihn zu heiraten. Sie ist übrigens noch immer „keine vierzehn Jahre alt“ (S. 210). Keine Ahnung, wie viel Zeit zwischen den einzelnen Punkten der Handlung verstreicht.

Jetzt wendet sich das Kriegsglück wieder zugunsten der Christen; Don Juan de Austria (der Don Juan de Austria von der Seeschlacht von Lepanto***) kommt im Auftrag seines Halbbruders, König Philipps II. von Spanien, mit weiteren Truppen zu Hilfe. Schließlich nehmen die Morisken Kapitulationsverhandlungen auf, was ihre ausländischen Verbündeten gleich mal dazu veranlasst, sich wieder ins Ausland abzusetzen, und der König erlässt ein neues Angebot zur Amnestie. Auch er kann Frieden im Inneren ganz gut gebrauchen, da der Sultan die Zeit, in der Spanien mit seinen inneren Angelegenheiten beschäftigt ist, nutzt, um Zypern und Dalmatien anzugreifen, und Papst Pius V. den König dazu drängt, doch endlich Truppen dorthin zu schicken. (Was zur Seeschlacht von Lepanto führen wird!)

(Paolo Veronese, Die Schlacht von Lepanto; Quelle: Wikimedia Commons)

In einer der letzten Schlachten des Krieges nimmt Barrax einen verwundeten christlichen Adligen gefangen und trägt Hernando auf, diesen gesund zu pflegen, damit er für ihn Lösegeld verlangen kann, bevor er mit seinen Leuten ebenfalls Spanien verlässt. Der Gefangene, der mitbekommen hat, dass Hernando ein Christ sein soll, überredet diesen jedoch zur gemeinsamen Flucht.**** Hernando lässt den Adligen (dessen Namen er übrigens noch immer nicht erfahren hat) schließlich auf einem Maultier ziehen und kehrt selbst ins nächtliche Heerlager zurück, um nach Aischa und Fatima zu suchen; bevor er sich auf den Weg zu denen macht, sucht er allerdings noch Barrax‘ Zelt auf, schlägt diesem den Kopf ab und stopft ihn in einen Sack. Der Hauptgrund dafür ist wohl, dass Barrax nach Hernandos Flucht einen Jungen aus seinem Gefolge hat töten lassen, weil der die Flucht nicht bemerkt und verhindert hat; Hernando sieht die Leiche, als er ins Lager zurückkommt. Dann findet er seine Mutter und Musa; Ibrahim ist mit Fatima, Humam und Aquil schon geflohen, um sich den Christen zu ergeben. In dem Erlass des Königs wird jedem Krieger, der eine Waffe abliefert, für sich und zwei Angehörige zusätzlich zu ihrem Leben auch die Freiheit versprochen, daher hat Ibrahim einen Teil der Familie zurückgelassen. (Fatima hofft, dass ihr noch sehr junger Sohn vielleicht nicht gezählt werden wird.) Hernando flieht nun mit Aischa und Musa ebenfalls zu Don Juan de Austrias Feldlager.

Dort treffen sie zunächst auf Andrés, den jungen Sakristan aus Juviles, der das Massaker an den Christen dort überlebt hat, und dieser erzählt den Soldaten voller Zorn, wie Aischa damals den Dorfpfarrer getötet hat. Diese bestehen jedoch darauf, dass die Amnestie für alle Verbrechen gilt und dass nichts getan werden soll, was die Bedingungen des Erlasses bricht und die Morisken wieder aufstachelt; Don Juan hat seine Soldaten offensichtlich besser im Griff als der Marquis von Mondéjar. Außerdem kommt es natürlich gut an, dass Hernando den Kopf eines Korsaren mitbringt. In dem Heerlager treffen sie auch Ibrahim wieder, der sich mit Fatima gerade in eine Liste hat eintragen lassen, und als auch Aischa sich als seine Frau bezeichnet, bezichtigen die anwesenden Geistlichen ihn natürlich sofort der Bigamie. Ibrahim versucht, sich damit herauszureden, dass man ihn falsch verständen hätte und Fatima seine Schwiegertochter, Hernandos Frau, wäre, und die Beamten geben sich damit zufrieden, die Angelegenheit für ein Missverständnis aufgrund von Sprachschwierigkeiten zu halten.

Die Familie wird mit anderen Morisken für einige Monate in die Gegend von Granada gebracht, und dort heiraten Fatima und Hernando in einer kirchlichen Zeremonie. Zuvor müssen sie noch die Beichte ablegen, und das ist eine dieser Szenen, bei denen ich mich frage, wie die Spanier es damals für eine irgendwie sinnvolle Idee halten konnten, die Morisken mit solchem Druck dazu zu bringen, sich weiterhin wie Christen zu verhalten (da sie getauft waren), obwohl sie wissen konnten, dass sie im Geheimen weiterhin den Islam praktizieren würden. Ich kann nachvollziehen, wieso man die Morisken als Fünfte Kolonne der gerade erst vertriebenen Besatzer sah; ich kann sogar noch irgendwo nachvollziehen, wieso man sie deshalb aus Spanien ausweisen wollte. Aber sie dazu zu zwingen, sich taufen zu lassen und dann eine Lüge zu leben – die sie ja auch nicht loyaler machte? Ja, diese Szene hier wird ziemlich klischeehaft geschildert, in einem Roman über Kirchengeschichte muss schließlich irgendwann der Beichtstuhl als Ort der Unterdrückung (oder auch der sexuellen Belästigung) auftauchen („‚Soll das etwa alles sein?‘ zischte der Priester im Beichtstuhl, nachdem Fatima fertig war. […] ‚Ich kann leider weder Reue noch Bußfertigkeit erkennen.'“ S. 248); aber die Tatsache bleibt, dass hier ziemlich grausam mit dem Gewissen von Menschen umgegangen wird.

Später müssen sie dann zusammen mit einigen Tausend Morisken in einer langen Kolonne, bewacht von Soldaten, nach Córdoba ziehen, und auf dem kalten Marsch stirbt Humam.

Teil I des Buches – dem Falcones, was ich in meinem ersten Teil zu erwähnen vergessen habe, den Titel „In Allahs Namen“ gegeben hat, endet bei der Ankunft in Córdoba mit den Worten „Es war der 12. November 1570.“ (S. 252) Teil II trägt dann den Titel „Im Namen der Liebe“ – dazu im nächsten Post.

 

[Update: Weiter geht’s hier: https://nolitetimereweb.wordpress.com/2018/01/03/die-pfeiler-des-glaubens-teil-3-falcones-wird-voruebergehend-zum-gesinnungsethiker-und-die-inquisition-verfolgt-ketzer/ ]

 

* Falcones verwendet durchgehend die christliche Verhunzung „Aben Humeya“ des Namens „Ibn Umayya“, obwohl fast alle Szenen, in denen der König von al-Andalus auftritt, sich hauptsächlich unter Muslimen abspielen. In der direkten Rede bei anderen muslimischen Figuren heißt er dann allerdings wieder „Ibn Umayya“. Keine Ahnung, was das soll; eigentlich blickt Falcones ja aus der Perspektive der Morisken auf die Geschehnisse.

** Die anderen Mächte des Bösen, die für die Handlung an sich vielleicht noch eine größere Rolle spielen, sind eher gesellschaftliche Institutionen, oder aber auch unpersönliche „Kräfte“ wie „gegenseitiger Hass auf Andersgläubige“, die sich in verschiedenen Figuren auf unterschiedliche Weise manifestieren, wobei diese Figuren nicht zwangsläufig völlig böse sein müssen. Ibrahim ist bis jetzt die böseste Persönlichkeit.

*** Es gehört zwar eigentlich nicht hierher, aber man muss die Gelegenheiten eben nutzen:

Lepanto

White founts falling in the courts of the sun,
And the Soldan of Byzantium is smiling as they run;
There is laughter like the fountains in that face of all men feared,
It stirs the forest darkness, the darkness of his beard,
It curls the blood-red crescent, the crescent of his lips,
For the inmost sea of all the earth is shaken with his ships.
They have dared the white republics up the capes of Italy,
They have dashed the Adriatic round the Lion of the Sea,
And the Pope has cast his arms abroad for agony and loss,
And called the kings of Christendom for swords about the Cross,
The cold queen of England is looking in the glass;
The shadow of the Valois is yawning at the Mass;
From evening isles fantastical rings faint the Spanish gun,
And the Lord upon the Golden Horn is laughing in the sun.

 

Dim drums throbbing, in the hills half heard,
Where only on a nameless throne a crownless prince has stirred,
Where, risen from a doubtful seat and half attainted stall,
The last knight of Europe takes weapons from the wall,
The last and lingering troubadour to whom the bird has sung,
That once went singing southward when all the world was young,
In that enormous silence, tiny and unafraid,
Comes up along a winding road the noise of the Crusade.
Strong gongs groaning as the guns boom far,
Don John of Austria is going to the war,
Stiff flags straining in the night-blasts cold
In the gloom black-purple, in the glint old-gold,
Torchlight crimson on the copper kettle-drums,
Then the tuckets, then the trumpets, then the cannon, and he comes.
Don John laughing in the brave beard curled,
Spurning of his stirrups like the thrones of all the world,
Holding his head up for a flag of all the free.
Love-light of Spain—hurrah!
Death-light of Africa!
Don John of Austria
Is riding to the sea.

 

Mahound is in his paradise above the evening star,
(Don John of Austria is going to the war.)
He moves a mighty turban on the timeless houri’s knees,
His turban that is woven of the sunset and the seas.
He shakes the peacock gardens as he rises from his ease,
And he strides among the tree-tops and is taller than the trees,
And his voice through all the garden is a thunder sent to bring
Black Azrael and Ariel and Ammon on the wing.
Giants and the Genii,
Multiplex of wing and eye,
Whose strong obedience broke the sky
When Solomon was king.

 

They rush in red and purple from the red clouds of the morn,
From temples where the yellow gods shut up their eyes in scorn;
They rise in green robes roaring from the green hells of the sea
Where fallen skies and evil hues and eyeless creatures be;
On them the sea-valves cluster and the grey sea-forests curl,
Splashed with a splendid sickness, the sickness of the pearl;
They swell in sapphire smoke out of the blue cracks of the ground,—
They gather and they wonder and give worship to Mahound.
And he saith, “Break up the mountains where the hermit-folk can hide,
And sift the red and silver sands lest bone of saint abide,
And chase the Giaours flying night and day, not giving rest,
For that which was our trouble comes again out of the west.
We have set the seal of Solomon on all things under sun,
Of knowledge and of sorrow and endurance of things done,
But a noise is in the mountains, in the mountains, and I know
The voice that shook our palaces—four hundred years ago:
It is he that saith not ‘Kismet’; it is he that knows not Fate ;
It is Richard, it is Raymond, it is Godfrey in the gate!
It is he whose loss is laughter when he counts the wager worth,
Put down your feet upon him, that our peace be on the earth.”
For he heard drums groaning and he heard guns jar,
(Don John of Austria is going to the war.)
Sudden and still—hurrah!
Bolt from Iberia!
Don John of Austria
Is gone by Alcalar.

 

St. Michael’s on his mountain in the sea-roads of the north
(Don John of Austria is girt and going forth.)
Where the grey seas glitter and the sharp tides shift
And the sea folk labour and the red sails lift.
He shakes his lance of iron and he claps his wings of stone;
The noise is gone through Normandy; the noise is gone alone;
The North is full of tangled things and texts and aching eyes
And dead is all the innocence of anger and surprise,
And Christian killeth Christian in a narrow dusty room,
And Christian dreadeth Christ that hath a newer face of doom,
And Christian hateth Mary that God kissed in Galilee,
But Don John of Austria is riding to the sea.
Don John calling through the blast and the eclipse
Crying with the trumpet, with the trumpet of his lips,
Trumpet that sayeth ha!
      Domino gloria!
Don John of Austria
Is shouting to the ships.

 

King Philip’s in his closet with the Fleece about his neck
(Don John of Austria is armed upon the deck.)
The walls are hung with velvet that is black and soft as sin,
And little dwarfs creep out of it and little dwarfs creep in.
He holds a crystal phial that has colours like the moon,
He touches, and it tingles, and he trembles very soon,
And his face is as a fungus of a leprous white and grey
Like plants in the high houses that are shuttered from the day,
And death is in the phial, and the end of noble work,
But Don John of Austria has fired upon the Turk.
Don John’s hunting, and his hounds have bayed—
Booms away past Italy the rumour of his raid
Gun upon gun, ha! ha!
Gun upon gun, hurrah!
Don John of Austria
Has loosed the cannonade.

 

The Pope was in his chapel before day or battle broke,
(Don John of Austria is hidden in the smoke.)
The hidden room in man’s house where God sits all the year,
The secret window whence the world looks small and very dear.
He sees as in a mirror on the monstrous twilight sea
The crescent of his cruel ships whose name is mystery;
They fling great shadows foe-wards, making Cross and Castle dark,
They veil the plumèd lions on the galleys of St. Mark;
And above the ships are palaces of brown, black-bearded chiefs,
And below the ships are prisons, where with multitudinous griefs,
Christian captives sick and sunless, all a labouring race repines
Like a race in sunken cities, like a nation in the mines.
They are lost like slaves that sweat, and in the skies of morning hung
The stair-ways of the tallest gods when tyranny was young.
They are countless, voiceless, hopeless as those fallen or fleeing on
Before the high Kings’ horses in the granite of Babylon.
And many a one grows witless in his quiet room in hell
Where a yellow face looks inward through the lattice of his cell,
And he finds his God forgotten, and he seeks no more a sign—
(But Don John of Austria has burst the battle-line!)
Don John pounding from the slaughter-painted poop,
Purpling all the ocean like a bloody pirate’s sloop,
Scarlet running over on the silvers and the golds,
Breaking of the hatches up and bursting of the holds,
Thronging of the thousands up that labour under sea
White for bliss and blind for sun and stunned for liberty.
Vivat Hispania!
Domino Gloria!
Don John of Austria
Has set his people free!

 

Cervantes on his galley sets the sword back in the sheath
(Don John of Austria rides homeward with a wreath.)
And he sees across a weary land a straggling road in Spain,
Up which a lean and foolish knight forever rides in vain,
And he smiles, but not as Sultans smile, and settles back the blade….
(But Don John of Austria rides home from the Crusade.)

 

(G. K. Chesterton)

 

**** Dieser Gefangene ist übrigens – neben Gonzalico – so ziemlich meine Lieblingsfigur in diesem Buch: Er hat eine authentische Persönlichkeit; er verhält sich tollkühn, frohgemut, ehrbewusst; er sagt theatralische Sachen wie: „Meine Stahlklinge aus Toledo hat bislang noch jedes maurische Eisen durchschlagen“ (S. 230) oder „Bei den Nägeln des Kreuzes Christi!“ (ebd.). Er ist übrigens verwundet worden, als er seinen Soldaten Deckung geben wollte, und er bringt Hernando sogar dazu, kurz über „Glaubensfragen“ nachzudenken:

„‚Ich werde für Christus sterben [gemeint ist: wenn wir auf der Flucht erwischt werden]‘, flüsterte der Gefangene.

Er hatte diese Worte schon einmal gehört, von Gonzalico. Aus ihnen sprach die gleiche Demut, die gleiche Hingabe. Und was war mit dem Islam? Bedeutete Islam nicht Demut und Hingabe? Und…

‚Aber wir werden nur sterben, wenn Gott es so bestimmt hat. Wir sind freie Menschen, wir können kämpfen‘, unterbrach der Christ Hernandos Gedanken.

Hernando verzog das Gesicht.“ (S. 225)

Das klingt doch vielversprechend!