Moraltheologie und Kasuistik, Teil 7b: Sakramente und Kirchengebote – alles rund um die Kommunion

Die praktische moraltheologische Bildung der Katholiken muss dringend aufgebessert werden – ich hoffe, da werden meine Leser mir zustimmen. Und ich meine hier schon auch ernsthafte Katholiken. In gewissen frommen Kreisen wird man heutzutage ja, wenn man Fragen hat wie „Muss ich heute Abend noch mal zur Sonntagsmesse gehen, wenn ich aus Nachlässigkeit heute Morgen deutlich zu spät zur Messe gekommen bin?“ oder „Darf ich als Putzfrau oder Verwaltungskraft in einem Krankenhaus arbeiten, das Abtreibungen durchführt?“ oder „Wie genau muss ich eigentlich bei der Beichte sein?“ mit einem „sei kein gesetzlicher Erbsenzähler!“ abgebügelt. Und das ist nicht hilfreich. Gar nicht. Weil das ernsthafte Gewissensfragen sind, mit denen manche Leute sich wirklich herumquälen können. Und andere Leute fallen ohne klare Antworten in einen falschen Laxismus, weil sie keine Lust haben, sich ewig mit diesen Unklarheiten herumzuquälen und meinen, Gott werde es eh nicht so genau nehmen, und wieder andere in einen falschen Tutiorismus, wobei sie meinen, die strengste Möglichkeit wäre immer die einzig erlaubte.

 Auf diese Fragen kann man sehr wohl die allgemeinen moraltheologischen Prinzipien – die alle auf das Gebot der Gottes- und Nächstenliebe zurückgehen – anwenden und damit zu einer konkreten Antwort kommen. Man muss es sich nicht schwerer machen, als es ist. Und nochmal für alle Idealisten: „Das und das ist nicht verpflichtend“ heißt nicht, dass man das und das nicht tun darf oder es nicht mehr empfehlenswert oder löblich sein kann, es zu tun. Es heißt nur, dass die Kirche (z. B. in Gestalt des Beichtvaters) nicht von allen Katholiken verlangen kann, es zu tun.

 Zu alldem verweise ich einfach mal noch auf einen meiner älteren Artikel. Weiter werde ich mich gegen den Vorwurf der Gesetzlichkeit hier nicht verteidigen.

 Jedenfalls, ich musste öfters lange herumsuchen, bis ich zu meinen Einzelfragen Antworten gefunden habe, und deshalb dachte mir, es wäre schön, wenn heute mal wieder etwas mehr praktische Moraltheologie und Kasuistik betrieben/kommuniziert werden würde; aber manches, was man gerne hätte, muss man eben selber machen, also will ich in dieser Reihe solche Einzelfragen angehen, so gut ich kann, was hoffentlich für andere hilfreich ist. Wenn ich bei meinen Schlussfolgerungen Dinge übersehe, möge man mich bitte in den Kommentaren darauf hinweisen. Nachfragen sind auch herzlich willkommen. Bei den Bewertungen, was verpflichtend oder nicht verpflichtend, schwere oder lässliche oder überhaupt keine Sünde ist („schwerwiegende Verpflichtung“ heißt: eine Sünde, die wirklich dagegen verstößt, ist schwer), stütze ich mich u. a. auf den hl. Thomas von Aquin, ab und zu den hl. Alfons von Liguori, und auf Theologen wie Heribert Jone (1885-1967); besonders auf letzteren. Eigene Spekulationen werden (wenn ich es nicht vergesse) als solche deutlich gemacht. Alle diese Bewertungen betreffen die objektive Schwere einer Sünde; subjektiv kann es Schuldminderungsgründe geben. Zu wissen, ob eine Sünde schwer oder lässlich ist, ist für die Frage nützlich, ob man sie beichten muss, wenn man sie bereits getan hat; daher gehe ich auch darauf ein; in Zukunft muss man natürlich beides meiden.

Wer nur knappe & begründungslose Aufzählungen von christlichen Pflichten und möglichen Sünden sucht, dem seien diese beiden Beichtspiegel empfohlen. (Bzgl. dem englischen Beichtspiegel: Wenn hier davon die Rede ist, andere zu kritisieren, ist natürlich ungerechte, verletzende Kritik gemeint, nicht jede Art Kritik, und bei Ironie/Sarkasmus ist auch verletzende Ironie/Sarkasmus gemeint.)

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 (Der hl. Alfons von Liguori (1696-1787), der bedeutendste kath. Moraltheologe des 18. Jahrhunderts. Gemeinfrei.)

Alle Teile hier.

Heute zum nächsten Kirchengebot, der Osterkommunion, sowie zur eucharistischen Nüchternheit, zum Umgang mit den eucharistischen Gestalten u. Ä. (Für die Grundsätze bzgl. der kirchlichen Gebote siehe Teil 7a.)

Die Eucharistiefeier, bei der das Kreuzesopfer Jesu von neuem gegenwärtig und wirksam wird, ist der Höhepunkt und die Quelle des christlichen Lebens; die Kommunion ist die innigste Vereinigung mit Jesus und schenkt einem viele Gnaden. Die eucharistischen Gestalten, also Brot und Wein, die noch ihre äußere Gestalt behalten haben, also fürs Auge, für den Tastsinn, für eine chemische Analyse wie Brot und Wein wirken, sind tatsächlich nicht mehr Brot und Wein, sondern Jesus (Transsubstantiation – die Substanz wird verwandelt, während die Akzidentien bleiben). „Ich bin das Brot des Lebens. Eure Väter haben in der Wüste das Manna gegessen und sind gestorben. So aber ist es mit dem Brot, das vom Himmel herabkommt: Wenn jemand davon isst, wird er nicht sterben. Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel herabgekommen ist. Wer von diesem Brot isst, wird in Ewigkeit leben.“ (Joh 6,48-50)

Man muss nicht in jeder Messe, an der man teilnimmt, kommunizieren; auch der betende Mitvollzug des eucharistischen Opfers ist schon einiges; dennoch ist die Kommunion etwas sehr Wichtiges.

Marienstern kommunion.jpg

(Kommunionausteilung, Buchmalerei aus einem mittelalterlichen Graduale, Kloster St. Marienstern. Gemeinfrei.)

Das dritte der fünf Kirchengebote ist daher:

Ab der Erstkommunion muss man mindestens einmal im Jahr, und zwar i. d. R. in der Osterzeit, kommunizieren; außerdem in Todesgefahr.

Im CIC, also dem Codex des Kanonischen Rechtes, wird das genauer ausgeführt:

 „Can. 920 — § 1. Jeder Gläubige ist, nachdem er zur heiligsten Eucharistie geführt worden ist, verpflichtet, wenigstens einmal im Jahr die heilige Kommunion zu empfangen.

2. Dieses Gebot muß in der österlichen Zeit erfüllt werden, wenn ihm nicht aus gerechtem Grund zu einer anderen Zeit innerhalb des Jahres Genüge getan wird.“

Ein „gerechter Grund“ ist leichter zu finden als etwa ein „schwerwiegender Grund“ oder gar ein „sehr schwerwiegender Grund“; das heißt in der Kirchenrechtssprache eigentlich: „nicht einfach so ohne jeden Grund, aber es muss kein drastischer Ausnahmefall sein“. Also: An sich in der Osterzeit, aber wenn es da begründetermaßen nicht klappt, eben zu einem zu anderen Zeitpunkt.

(Ein gerechter Grund könnte vielleicht so etwas sein wie „Ich müsste vorher noch beichten und der Priester, bei dem ich regelmäßig beichte, kommt erst kurz nach der Osterzeit aus der Reha zurück“ oder „ich wollte gegen Ende der Osterzeit kommunizieren und war ausgerechnet dann krank“.)

Mit der österlichen Zeit ist nicht nur die Osterwoche, sondern die Zeit zwischen Aschermittwoch und Pfingstsonntag gemeint, also eine relativ lange Zeit.

Die jährliche Kommunion ohne jeden Grund zu unterlassen ist eine schwere Sünde.

Man darf, ja, man soll sogar natürlich öfter kommunizieren; seit dem hl. Pius X. wird sogar die tägliche Kommunion empfohlen; etwa wöchentlich oder nicht viel seltener könnte das Normalmaß sein.

Allerdings ist es keine Sünde, nur einmal jährlich zu kommunizieren (ob z. B. deshalb, weil sich jemand unwürdig fühlt, oder weil er an Glutenintoleranz leidet und zu schüchtern ist, um den Pfarrer zu bitten, unter der Gestalt des Weins kommunizieren zu dürfen, oder aus sonst einem Grund). Empfehlenswert ist es aber eben auch nicht. Man braucht die Stärkung durch die hl. Kommunion nun mal; wer im Stand der Gnade ist, tut gut daran, in jeder Messe, die er besucht, auch zur Kommunion zu gehen, oder sich als Kranker ab und zu die Krankenkommunion bringen zu lassen, wenn das angeboten wird. (Wenn jemand nicht die Möglichkeit zur Kommunion hat, z. B. weil er in einem Land lebt, wo es fast keine Priester gibt, oder wenn er krank ist und die Angehörigen den Priester nicht rufen, oder der nicht kommen kann, begeht er natürlich überhaupt keine Sünde.)

In Todesgefahr (also z. B. für Schwerkranke oder jemanden, der vor einer gefährlichen Operation steht) gilt:

„Can. 921 — § 1. Gläubige, die sich, gleich aus welchem Grund, in Todesgefahr befinden, sind mit der heiligen Kommunion als Wegzehrung zu stärken.

§ 2. Auch wenn sie am selben Tag durch die heilige Kommunion gestärkt worden sind, ist es trotzdem sehr ratsam, daß jene, die in Lebensgefahr geraten sind, nochmals kommunizieren.

§ 3. Bei andauernder Todesgefahr wird empfohlen, daß die heilige Kommunion mehrmals, an verschiedenen Tagen, gespendet wird.

Can. 922 — Die heilige Wegzehrung für Kranke darf nicht allzu lange aufgeschoben werden; wer mit der Seelsorge betraut ist, hat sorgfältig darauf zu achten, daß die Kranken damit gestärkt werden, solange sie noch voll bei Bewußtsein sind.“

Zur Gelegenheit des Kommunionemfangs sagt der CIC:

„Can. 918 — Es wird mit Nachdruck empfohlen, daß die Gläubigen in der Feier der Eucharistie selbst die heilige Kommunion empfangen; wenn sie jedoch aus gerechtem Grund darum bitten, ist sie ihnen außerhalb der Messe zu spenden; dabei sind die liturgischen Riten zu beachten.“

Hier geht es natürlich vor allem um die Krankenkommunion, z. B. für Menschen in Krankenhäusern und Altenheimen.

Und:

„Can. 923 — Die Gläubigen können in jedwedem katholischen Ritus am eucharistischen Opfer teilnehmen und die heilige Kommunion empfangen, unbeschadet der Vorschrift des can. 844.“

Damit ist gemeint, dass man in jeder der 23 katholischen Rituskirchen, also nicht nur der lateinischen Kirche, sondern auch einer der unierten Ostkirchen (aber nicht der vom Papst getrennten Ostkirchen) die Eucharistie empfangen kann.

Wer nicht im Stand der Gnade ist (also noch nicht gebeichtete schwere Sünden auf dem Gewissen hat), darf im Normalfall erst dann kommunizieren, wenn er vorher gebeichtet hat. Ich zitiere noch einmal den vorigen Artikel zur Beichte:

„Wenn man sich schwerer Sünden schuldig gemacht hat, muss man, wie gesagt, vor dem Kommunionempfang beichten.

„Can. 916 — Wer sich einer schweren Sünde bewußt ist, darf ohne vorherige sakramentale Beichte die Messe nicht feiern und nicht den Leib des Herrn empfangen, außer es liegt ein schwerwiegender Grund vor und es besteht keine Gelegenheit zur Beichte; in diesem Fall muß er sich der Verpflichtung bewußt sein, einen Akt der vollkommenen Reue zu erwecken, der den Vorsatz miteinschließt, sobald wie möglich zu beichten.“

D. h. etwa, ein Priester, der die Messe feiern muss, aber vorher nicht zur Beichte gehen kann, darf die Messe feiern und kommunizieren, muss aber vorher vollkommene Reue erwecken und hinterher dann möglichst bald beichten, also z. B. wenn er dann zwei Tage später Gelegenheit hat, zur Beichtgelegenheit in der Nachbarpfarrei zu gehen oder dort einen Termin auszumachen.

Was genau heißt „sobald wie möglich“? Der Moraltheologe Heribert Jone sagt dazu, dass es innerhalb von drei Tagen sein muss, sofern das ohne größere Schwierigkeiten (wie z. B. sehr langer Anfahrtsweg zur nächsten Beichtgelegenheit) möglich ist.

Aber wie gesagt, das gilt nur, wenn man aus schwerwiegendem Grund schon kommuniziert hat.

(Ein schwerwiegender Grund für Laien könnte z. B. sein, wenn jemand, der zur katholischen Kirche konvertiert, aber schon gültig getauft ist (z. B. in der evangelischen Kirche), zu dessen Konversion also eine Beichte, nicht die Taufe, gehört, zum ersten Mal zur Beichte geht, wobei dann wenige Tage später der Gottesdienst für seine Aufnahme in die Kirche und seine Erstkommunion angesetzt ist, und kurz vor dem Aufnahmegottesdienst eine schwere Sünde begeht, aber vor dem Gottesdienst keine Gelegenheit mehr zu einer weiteren Beichte hat. In diesem Fall darf er bei seiner Erstkommunion auch zur Kommunion gehen.)“

Wem allerdings nach seiner letzten Beichte eingefallen ist, dass er eine schwere Sünde zu erwähnen vergessen hat, der ist im Stand der Gnade und darf zur Kommunion gehen; er muss die vergessene Sünde erst bei der nächsten regelmäßigen Beichte noch erwähnen.

Eine Kommunion, wenn man sicher weiß, dass man im Stand der Todsünde ist (und das Gebot bzgl. des Kommunionempfangs im Stand der Todsünde kennt), ist sakrilegisch. (Wenn man zweifelt, ob man im Stand der Gnade ist, darf man die Kommunion empfangen.)

Zu alldem hat der Apostel Paulus geschrieben:

„Wer also unwürdig von dem Brot isst und aus dem Kelch des Herrn trinkt, macht sich schuldig am Leib und am Blut des Herrn. Jeder soll sich selbst prüfen; erst dann soll er von dem Brot essen und aus dem Kelch trinken. Denn wer davon isst und trinkt, ohne den Leib zu unterscheiden, der zieht sich das Gericht zu, indem er isst und trinkt. Deswegen sind unter euch viele schwach und krank und nicht wenige sind schon entschlafen. Gingen wir mit uns selbst ins Gericht, dann würden wir nicht gerichtet. Doch wenn wir jetzt vom Herrn gerichtet werden, dann ist es eine Zurechtweisung, damit wir nicht zusammen mit der Welt verdammt werden.“ (1 Kor 11,27-32)

Eine sakrilegische Kommunion erfüllt das Gebot der Osterkommunion nicht.

Wenn jemand im Augenblick der Kommunion abgelenkt ist oder mit einem nicht-idealen, leicht schuldbaren Motiv kommunziert (wie etwa: um nicht aufzufallen), ist das laut Jone eine lässliche Sünde, solange die Kommunion nur nicht wegen einer nicht-gebeichteten schwerern Sünde sakrilegisch ist.

Bei der Kommunion ist außerdem die eucharistische Nüchternheit einzuhalten. Im CIC heißt es:

 „Can. 919 — § 1. Wer die heiligste Eucharistie empfangen will, hat sich innerhalb eines Zeitraumes von wenigstens einer Stunde vor der heiligen Kommunion aller Speisen und Getränke mit alleiniger Ausnahme von Wasser und Arznei zu enthalten.

2. Ein Priester, der am selben Tag zweimal oder dreimal die heiligste Eucharistie feiert, darf vor der zweiten oder dritten Zelebration etwas zu sich nehmen, auch wenn nicht ein Zeitraum von einer Stunde dazwischenliegt.

3. Ältere Leute oder wer an irgendeiner Krankheit leidet sowie deren Pflegepersonen dürfen die heiligste Eucharistie empfangen, auch wenn sie innerhalb der vorangehenden Stunde etwas genossen haben.

Der Zeitraum sollte relativ leicht einzuhalten sein; bei langsam zelebrierenden Priestern kann man sogar bis kurz vor Messbeginn noch etwas essen (es geht um eine Stunde vor dem Kommunionempfang, nicht vor Messbeginn).

Da früher eine längere Zeit der Nüchternheit vorgeschrieben war: Auch wenn man eine Messe im alten Ritus besucht, gelten an sich die Nüchternheitsbestimmungen des neuen Codex des Kanonischen Rechtes; Kirchenrecht und Liturgie sind zwei verschiedene Sachen. Man kann natürlich wegen der Angemessenheit eine längere Zeit einhalten; früher waren drei Stunden vor der Kommunion vorgeschrieben.

Die eucharistische Nüchternheit dient dazu, Respekt vor dem Herrn zu zeigen, den man empfangen wird.

Um davon befreit zu sein, genügt es, „irgendeine Krankheit“ zu haben; es muss nicht wegen der Krankheit absolut unerlässlich notwendig sein, zu dieser Zeit etwas zu essen. Kranke (und Alte und Pflegende) sollen hier quasi nicht noch weiter belastet werden.

Man bricht die eucharistische Nüchternheit, wenn man wirklich etwas Verdauliches absichtlich von außen in den Mund aufnimmt und dann schluckt – nicht, wenn man etwas schluckt, das einem noch zwischen den Zähnen gesteckt hat, oder sich mit Mundwasser den Mund ausspült und das wieder ausspuckt, oder etwas Flüssigkeit oder Staub in die Nase bekommt, oder eine Schneeflocke verschluckt. Hustenbonbons dürften als Medikamente zählen (außer jemand hat keinen Husten und kaut sie nur als Süßigkeit).

Notwendigkeit (z. B. die, die Messe zu feiern/fortzusetzen, wenn einem zerstreuten Priester verspätet einfällt, dass er vergessen hat, dass er nichts hätte essen dürfen; oder die, die Gefahr einer Profanierung des Sakraments zu vermeiden, z. B. wenn man im Fall eines Bombenangriffs auf die Stadt die Hostien in der Kirche schnell konsumiert) entschuldigt von der eucharistischen Nüchternheit.

Weitere Punkte zum Umgang mit der Eucharistie:

Unter Skrupulanten ist es ziemlich verbreitet, sich wegen winzigen Hostienkrümeln o. Ä. Sorgen zu machen – was wenn einer zwischen meinen Zähnen steckengeblieben und dann beim Zähneputzen herausgespült und im Abfluss gelandet ist, oder wenn dem Priester vielleicht ein Krümel heruntergefallen sein könnte, da eben sah etwas am Rand meines Blickfeldes so aus, als hätte da etwas sein können, sollte ich vielleicht nach der Messe an dieser Stelle den Boden kontrollieren? Oder oder oder. Aber auch gesunde Nichtskrupulanten können sich hier Sorgen machen und Fragen haben – im Extremfall z. B., wie man etwa reagieren sollte, wenn, wie das vor einigen Jahren passiert ist, jemand eine angeblich konsekrierte Hostie auf Ebay anbietet?

Daher hier zwei Grundsätze:

1) Es kann Jesus nicht  mehr wehtun, was auch immer mit der Hostie oder dem Wein passiert. Dass wir die eucharistischen Gestalten ehrfürchtig behandeln müssen, gilt eher um unseret- als um Seinetwillen; weil es angebracht ist, vor Gott Ehrfurcht zu haben, nicht, weil wir Ihm sonst schaden könnten. Auch Gotteslästerung schadet ja nicht Gott, sondern unseren Seelen; sie ist trotzdem falsch, so wie es falsch ist, sich heimlich privat beleidigend über jemanden zu äußern, der nie davon erfahren und keinen Nachteil davon haben wird. Das ist eben eine Beleidigung, eine Verachtung, eine Entehrung.

Wenn man also ohne weiteren Anlass fürchtet, dass der alte Priester, weil ihm die Hände öfter etwas zittern, möglicherweise Krümel fallen gelassen haben könnte, muss man nicht nach jeder Messe dableiben und dann den Boden nach möglichen Hostienkrümeln absuchen; erstens wäre das uferlos, zweitens kann man dabei evtl. Staub und Dreck nicht so leicht davon unterscheiden, und Dreck muss man sich wirklich nicht in den Mund stecken (ich spreche aus Erfahrung), und drittens ist das eben nicht nötig, um Jesus die erforderliche Ehrfurcht zu erweisen. Die erfordert vor allem, dass wir Ihn nicht ehrfurchtslos behandeln, wenn wir selber Ihn in den Mund bekommen. Wenn man allerdings mitbekommen würde, wie z. B. jemand sich eine Hostie in die Tasche steckt (das soll etwa bei ahnungslosen Leuten, die sich zu einer Hochzeits- oder Weihnachtsmesse in die  Kirche verirrt haben und automatisch mit vor zur Kommunion gegangen sind und dann aus irgendeinem Grund keine Lust gehabt haben, die Hostie normal zu konsumieren, schon vorgekommen sein), und sich sicher wäre, da richtig gesehen zu haben, wäre es absolut angebracht, denjenigen anzusprechen und von ihm zu verlangen, den Herrn herauszugeben. Aber man muss nicht sämtliche Leute beim Kommunionempfang beobachten, um zu kontrollieren, dass so etwas nicht passiert, dafür ist man einfach nicht zuständig (wenn man dazu neigt, sich wegen so etwas Sorgen zu machen, sollte man vielleicht sogar bewusst gar nicht hinsehen; das lenkt einen nur von der eigenen Kommunion ab); genausowenig, wie man kontrollieren muss, ob irgendwelche weißen Punkte auf dem Kirchenboden möglicherweise Hostienkrümel (oder aber Dreck, Staub, Papier, was auch immer) sein könnten. Der hl. Alphons von Liguori soll einmal zu einem in dieser Hinsicht skrupulösen jungen Priester gesagt haben, er solle gewöhnliche und vernünftige Sorgfalt dafür aufwenden, die heiligen Gefäße bei der Messe zu reinigen, und den Rest den Engeln überlassen. Jesus ist ja nicht verlassen, wenn ein Mensch Ihn schuldlos übersieht.

Was angeblich konsekrierte Hostien bei Ebay angeht, gilt, dass man die nicht retten muss, weil es auch ein Betrug mit unkonsekrierten Backoblaten sein könnte und man solche Erpresseraktionen nicht ermutigen muss. (Man dürfte sie natürlich kaufen (und dann einem Priester bringen).)

2) Jesus ist solange präsent, wie die äußeren Gestalten von Brot und Wein präsent sind. Wenn also eine Hostie am Rand angeschimmelt ist, ist Er noch da, wenn da nur noch Schimmel und kein Brot mehr ist, dann nicht mehr. Es gibt spezielle kirchliche Regeln, wie man mit angeschimmelten Hostien, oder schon gewandeltem  Wein, in den eine Fliege gefallen ist, oder einem Altartuch, über das ein Priester den Wein verschüttet hat, oder einer Hostie, die ein Kranker wieder hervorgewürgt hat u. Ä. umzugehen hat; hier sind aber generell Priester zuständig. Prinzipiell muss man das nicht mehr irgendwie konsumieren, sondern es geht darum, das Ganze möglichst ehrfurchtsvoll – tut mir leid, mir fällt kein besseres Wort ein – zu entsorgen; zum Beispiel die angeschimmelte Hostie in Wasser aufzulösen (sobald die Gestalt des Brotes dann nicht mehr da ist, ist Jesus eben nicht mehr da) und das Wasser an einem speziellen Ort in der Sakristei, dem sog. Sacrarium, einem Loch, das in die Erde führt, wegzugießen.

Es gibt dafür also Regeln, aber es muss auch praktikabel sein; und Gott verlangt menschliche, keine übermenschliche Sorgfalt.

Die eucharistischen Gestalten bleiben auch im Magen bzw. im Mund nicht ewig präsent; 10-15 Minuten nach der Kommunion kann man wieder essen, die Zähne putzen, den Mund ausspülen usw., ohne sich Sorgen wegen Entehrung der eucharistischen Gestalten machen zu müssen.

Dann zum Thema bewusste Hostienschändung. Der CIC sagt:

„Can. 1367 — Wer die eucharistischen Gestalten wegwirft oder in sakrilegischer Absicht entwendet oder zurückbehält, zieht sich die dem Apostolischen Stuhl vorbehaltene Exkommunikation als Tatstrafe zu; ein Kleriker kann außerdem mit einer weiteren Strafe belegt werden, die Entlassung aus dem Klerikerstand nicht ausgenommen.“

„Tatstrafe“ bedeutet, dass die Exkommunikation automatisch eintritt, nicht erst verhängt werden muss (sondern höchstens festgestellt). „Dem Apostolischen Stuhl vorbehalten“ heißt, dass, wenn jemand eine solche Tat beichtet, der Beichtvater erst an den Vatikan schreiben müsste, damit derjenige losgesprochen werden kann. Dieses Gesetz richtet sich z. B. gegen Satanisten, die die Eucharistie entehren. Z. B. ein Priester, der aus Unachtsamkeit gegen den Kelch gestoßen ist und das Blut Christi über dem Altartuch verschüttet hat, hat sich keine Exkommunikation zugezogen. Das ist zwar wohl meistens eine Sünde, aber dann eine des unachtsamen Umgangs mit den heiligen Gestalten, nicht des bewussten Sakrilegs.

Redemptionis Sacramentum sagt zur Auslegung dieses Canons (Hervorhebung von mir):

„Jedwede Handlung, durch welche die heiligen Gestalten mutwillig und schwerwiegend entehrt werden, muß diesem Fall zugerechnet werden. Wenn daher jemand gegen die genannten Normen handelt, indem er zum Beispiel die heiligen Gestalten in das Sacrarium oder an einen unwürdigen Ort oder auf den Boden wirft, zieht er sich die festgesetzten Strafen zu.[195] Darüber hinaus sollen alle daran denken, daß nach Abschluß der Spendung der heiligen Kommunion innerhalb der Meßfeier die Vorschriften des Römischen Meßbuches zu befolgen sind; was eventuell vom Blut Christi noch übrig ist, muß vom Priester oder, gemäß den Normen, von einem anderen Diener sofort gänzlich konsumiert werden; die konsekrierten Hostien, die übriggeblieben sind, müssen entweder am Altar vom Priester konsumiert oder an den für die Aufbewahrung der Eucharistie bestimmten Ort gebracht werden.[196]“ (Redemptionis Sacramentum 107)

Sowohl in jeder Hostie (sogar in jedem noch als Brot erkennbaren Hostienkrümel) als auch in jedem Schluck (sogar in jedem Tropfen) Wein ist Jesus nach der Wandlung voll und ganz gegenwärtig (das ist kirchliches Dogma), weshalb es genügt, die Kommunion unter einer Gestalt zu empfangen. Die Kommunion unter beiderlei Gestalt ist normalerweise nicht üblich und auch nicht nötig – einerseits aus praktischen Gründen, andererseits, um das Dogma einzuschärfen, damit die Leute nicht meinen, sie würden mit der Hostie nur den halben Jesus bekommen. Sicher ist es von zentraler Bedeutung, dass Brot und Wein verwendet werden; das stellt auch Jesu Tod dar, bei dem Sein Leib und Sein Blut getrennt wurden. Aber dafür genügt es, dass beides gewandelt wird und der Priester unter beiderlei Gestalt kommuniziert.

Noch einmal der CIC:

„Can. 925 — Die heilige Kommunion ist allein unter der Gestalt des Brotes zu reichen oder, nach Maßgabe der liturgischen Gesetze, unter beiderlei Gestalt, jedoch im Notfall auch allein unter der Gestalt des Weines.

[…]

Can. 927 — Auch im äußersten Notfall ist es streng verboten, die eine Gestalt ohne die andere oder auch beide Gestalten außerhalb der Feier der Eucharistie zu konsekrieren.

Dazu Redemptionis Sacramentum:

103. Die Normen des Römischen Meßbuches kennen die Regelung, daß in den Fällen, in denen die Kommunion unter beiden Gestalten ausgeteilt wird, «das Blut Christi direkt aus dem Kelch oder durch Eintauchen der Hostie oder mit einem Röhrchen oder mit einem Löffel getrunken werden kann».[191] Was die Kommunionspendung für die christgläubigen Laien betrifft, können die Bischöfe die Kommunion mit einem Röhrchen oder einem Löffel ausschließen, wo dies nicht örtlicher Brauch ist, wobei aber immer die Möglichkeit der Kommunionspendung durch Eintauchen der Hostie bestehen bleibt. Wenn diese Form zur Anwendung kommt, sollen allerdings Hostien verwendet werden, die nicht zu dünn und nicht zu klein sind, und der Kommunikant darf das Sakrament vom Priester nur mit dem Mund empfangen.[192]

104. Es ist dem Kommunikanten nicht erlaubt, selbst die Hostie in den Kelch einzutauchen oder die eingetauchte Hostie mit der Hand zu empfangen. Die Hostie, die eingetaucht wird, muß aus gültiger Materie bereitet und konsekriert sein; streng verboten ist die Verwendung von nicht konsekriertem Brot oder anderer Materie.

105. Wenn ein einziger Kelch zur Spendung der Kommunion unter beiden Gestalten an konzelebrierende Priester oder Christgläubige nicht ausreicht, steht dem nichts entgegen, daß der zelebrierende Priester mehrere Kelche verwendet.[193] Es ist nämlich daran zu erinnern, daß alle Priester, die die heilige Messe zelebrieren, zur Kommunion unter beiden Gestalten verpflichtet sind. Der Zeichenhaftigkeit wegen ist es zu begrüßen, daß ein größerer Kelch zusammen mit anderen kleineren Kelchen verwendet wird.

106. Es ist jedoch gänzlich zu vermeiden, daß das Blut Christi nach der Wandlung aus einem Gefäß in ein anderes gegossen wird, damit nichts passiert, was diesem so großen Mysterium unangemessen ist. Um das Blut des Herrn aufzunehmen, dürfen niemals Flaschen, Krüge oder andere Gefäße verwendet werden, die den festgesetzten Normen nicht voll entsprechen.“

Dann zur Art und Weise des Empfangs:

Es sind prinzipiell gemäß dem jetzigen Kirchenrecht meistens alle Kombinationen aus stehend/kniend und Mundkommunion/Handkommunion erlaubt. Die kniende Mundkommunion wäre aber eigentlich die Standartvariante, die stehende Handkommunion ist nur per Indult erlaubt, und gerade die Handkommunion könnte noch deutlich problematischer werden als das Stehen (das ja immer erlaubt war für die, die nicht knien können). Sicher kann man eben doch nicht ausschließen, dass bei der Handkommunion Hostienkrümel an der Hand zurückbleiben, während sie bei der Mundkommunion auf der Patene landen würden, die man dem Kommunizierenden unters Kinn hält; ich habe Priester sagen hören, dass auch bei der alten Messe immer einzelne Partikel darauf zurückbleiben, und könnte daher niemandem guten Gewissens zur Handkommunion raten. Die knieende Mundkommunion ist auf jeden Fall die der Eucharistie angemessenste Haltung, und grundfalsch ist die Einstellung der Leute, die meinen, die knieende Mundkommunion wäre quasi zu ehrfürchtig.

Zu den Kommunionspendern, also den Personen, die die Kommunion austeilen, heißt es in Redemptionis Sacramentum außerdem, dass an sich Bischof, Priester und Diakon ordentliche Spender sind und der Akolyth (eine Beauftragung, die für gewöhnlich Priesteramtskandidaten im Lauf ihrer Seminarzeit erhalten) kraft Amt außerordentlicher Spender ist, und weitere außerordentliche Spender (die gewöhnlichen Kommunionhelfer, die man kennt) beauftragt werden können, wenn eine Notsituation es für einen begrenzten Zeitraum (ad tempus) (oder in Ausnahmefällen für eine einzelne Messe/Krankenkommunion (ad actum)) erfordert; solche Kommunionhelfer werden nicht auf unbegrenzte Zeit beauftragt und dürften eigentlich auch nicht in jeder Pfarrei beauftragt werden, nur damit die Kommunionausteilung zwei Minuten kürzer dauert oder um Laien irgendwie im Altarraum zu beteiligen; das ist, auch wenn es ständig vorkommt, ein liturgischer Missbrauch. Wenn die Austeilung aber extrem lang dauern würde, weil die Gemeinde so groß ist, oder ein Priester schon gebrechlich ist und sich deshalb möglichst bald wieder hinsetzen muss, oder auch für die Krankenkommunion, wenn ein Priester es zeitlich nicht schafft, zu allen Kranken selbst zu gehen, wäre es etwas anderes; für solche Situationen wären außerordentliche Spender gedacht. Sie sind eben wirklich nur Notfallassistenz für den eigentlichen Spender, den Priester.

Es ist keine Sünde, von einem unnötigerweise eingeteilten außerordentlichen Spender die Kommunion zu empfangen; aber man sollte sich selbst nicht unnötigerweise dazu einteilen lassen.

Dem liegen diese Vorschriften des CIC zugrunde:

„Can. 910* — § 1. Ordentlicher Spender der heiligen Kommunion ist der Bischof, der Priester und der Diakon.

§ 2. Außerordentlicher Spender der heiligen Kommunion ist der Akolyth wie auch ein anderer Gläubiger, der nach Maßgabe des can.230, § 3 dazu beauftragt ist.

Can. 911 — § 1. Die Pflicht und das Recht, die heiligste Eucharistie als Wegzehrung zu den Kranken zu bringen; haben der Pfarrer, die Pfarrvikare, die Kapläne und der Obere einer Gemeinschaft in klerikalen Ordensinstituten oder Gesellschaften des apostolischen Lebens für alle, die sich im Haus aufhalten.

§ 2. Im Notfall oder mit der wenigstens vermuteten Erlaubnis des Pfarrers, des Kaplans oder des Oberen, die nachher davon in Kenntnis zu setzen sind, ist dazu jeder Priester oder andere Spender der heiligen Kommunion verpflichtet.“

Zur gültigen bzw. zur erlaubten Materie für die Eucharistie heißt es in Redemptionis Sacramentum:

„48. Das Brot, das für die Feier des hochheiligen eucharistischen Opfers verwendet wird, muß ungesäuert, aus reinem Weizenmehl bereitet und noch frisch sein, so daß keine Gefahr der Verderbnis besteht.[123] Daraus folgt, daß Brot, das aus einer anderen Substanz, wenn auch aus Getreide, bereitet ist, oder Brot, dem eine vom Weizen verschiedene Materie in so großer Menge beigemischt ist, daß es gemäß dem allgemeinen Empfinden nicht mehr als Weizenbrot bezeichnet werden kann, keine gültige Materie für den Vollzug des eucharistischen Opfers und Sakramentes darstellt.[124] Es ist ein schwerer Mißbrauch, bei der Zubereitung des für die Eucharistie bestimmten Brotes andere Substanzen, wie zum Beispiel Früchte, Zucker oder Honig, beizufügen. […]

50. Der Wein, der für die Feier des hochheiligen eucharistischen Opfers verwendet wird, muß naturrein, aus Weintrauben gewonnen und echt sein, er darf nicht verdorben und nicht mit anderen Substanzen vermischt sein.[127] Bei der Meßfeier muß ihm ein wenig Wasser beigemischt werden. Es ist sorgfältig darauf zu achten, daß der für die Eucharistie bestimmte Wein in einwandfreiem Zustand aufbewahrt und nicht zu Essig wird.[128] Es ist streng verboten, Wein zu benützen, über dessen Echtheit und Herkunft Zweifel bestehen: Denn bezüglich der notwendigen Bedingungen für die Gültigkeit der Sakramente fordert die Kirche Gewißheit. Es darf kein Vorwand zugunsten anderer Getränke jedweder Art zugelassen werden, die keine gültige Materie darstellen.“

Es ist also nicht möglich, für an Zöliakie leidende Personen komplett glutenfreie Hostien zu nehmen (glutenreduzierte sind allerdings möglich) oder aus Rücksicht auf Alkoholiker Traubensaft statt Wein zu nehmen; diese Materie würde einfach nicht Leib und Blut Christi werden. Dementsprechend betroffene Personen könnten also unter der Gestalt, die sie nicht vertragen, einfach nicht kommunizieren, aber dann eben unter der anderen.

Nicht mehr ganz frisches Brot, oder Brot mit geringfügigen Zusätzen, wäre aber immerhin noch gültige, wenn auch unerlaubte Materie.

Der CIC sagt ebenfalls:

„Can. 924 — § 1. Das hochheilige eucharistische Opfer muß mit Brot und Wein, dem ein wenig Wasser beizumischen ist, dargebracht werden.

§ 2. Das Brot muß aus reinem Weizenmehl bereitet und noch frisch sein, so daß keine Gefahr der Verderbnis besteht.

§ 3. Der Wein muß naturrein und aus Weintrauben gewonnen sein und darf nicht verdorben sein.

[…]

Can. 926 — Bei der Feier der Eucharistie hat der Priester gemäß der alten Überlieferung der lateinischen Kirche ungesäuertes Brot zu verwenden, wo immer er das Opfer darbringt.

Normalerweise dürfen nur Katholiken, die nicht mit Exkommunikation oder Interdikt belegt und im Stand der Gnade sind, nur von katholischen Spendern die Eucharistie empfangen.

Exkommunizierten (z. B. Abtreibungsärzten, die sich durch ihren Beruf die Tatstrafe der Exkommunikation zuziehen), Interdizierten, Katholiken, die beharrlich die katholische Lehre leugnen oder in einer anderen schweren offenkundigen Sünde hartnäckig verharren (z. B. Wiederverheiratet-Geschiedenen, in einer homosexuellen Partnerschaft Lebenden o. Ä.) darf (bzw. muss sogar) ein Spender, der sie kennt und von diesem Hindernis weiß, die Kommunion verweigern. Aus dem CIC:

„Can. 915 — Zur heiligen Kommunion dürfen nicht zugelassen werden Exkommunizierte und Interdizierte nach Verhängung oder Feststellung der Strafe Sowie andere, die hartnäckig in einer offenkundigen schweren Sünde verharren.“

Die schwere Sünde muss „offenkundig“, also bekannt, äußerlich wahrnehmbar sein, und derjenige muss „hartnäckig“ darin verharren, also die Sünde nicht nur einzelne Male begangen und dann bereut haben, sondern dabei bleiben. (Hier genauere Unterscheidungen und Erklärungen zu diesen Bedingungen.)

Wenn ein Priester allerdings in der Beichte die Absolution verweigern musste und der Pönitent dann trotzdem zur Kommunion vor geht, darf der Priester sie nicht verweigern (um das Beichtgeheimnis zu wahren).

Auch Nichtkatholiken muss ein Priester im Regelfall die Kommunion verweigern, und Katholiken dürfen nicht in einem nichtkatholischen Gottesdienst zur Kommunion gehen. Allerdings gibt es hier für Einzelfälle nach dem neuen Kirchenrecht Ausnahmeregelungen. Dieses Kirchengesetz ist nichts ganz Neues; auch der CIC von 1917 enthielt für Notfälle Bestimmungen zur Sakramentenspendung an Christen aus anderen Konfessionen, die guten Glaubens ihrer schismatischen Konfession anhängen, speziell für die Erteilung der Absolution in der Todesstunde. Hier kommt eben der Grundsatz „salus animarum suprema lex“ (das Heil der Seelen ist das oberste Gesetz) ins Spiel. Allerdings fasste der alte CIC diese Notfälle definitiv um einiges enger, und traditionalistische Gemeinschaften sehen die Neuregelungen kritisch, weil hier eben doch die Gefahr besteht, dass man so tut, als wäre die Kirchengemeinschaft da.

Im CIC heißt es:

„Can. 844 — § 1. Katholische Spender spenden die Sakramente erlaubt nur katholischen Gläubigen; ebenso empfangen diese die Sakramente erlaubt nur von katholischen Spendern; zu beachten sind aber die Bestimmungen der §§ 2, 3 und 4 dieses Canons sowie des can. 861, § 2.

§ 2. Sooft eine Notwendigkeit es erfordert oder ein wirklicher geistlicher Nutzen dazu rät und sofern die Gefahr des Irrtums oder des Indifferentismus vermieden wird, ist es Gläubigen, denen es physisch oder moralisch unmöglich ist, einen katholischen Spender aufzusuchen, erlaubt, die Sakramente der Buße, der Eucharistie und der Krankensalbung von nichtkatholischen Spendern zu empfangen, in deren Kirche die genannten Sakramente gültig gespendet werden.

§ 3. Katholische Spender spenden erlaubt die Sakramente der Buße, der Eucharistie und der Krankensalbung Angehörigen orientalischer Kirchen, die nicht die volle Gemeinschaft mit der katholischen Kirche haben, wenn diese von sich aus darum bitten und in rechter Weise disponiert sind; dasselbe gilt für Angehörige anderer Kirchen, die nach dem Urteil des Apostolischen Stuhles hinsichtlich der Sakramente in der gleichen Lage sind wie die genannten orientalischen Kirchen.

§ 4. Wenn Todesgefahr besteht oder wenn nach dem Urteil des Diözesanbischofs bzw. der Bischofskonferenz eine andere schwere Notlage dazu drängt, spenden katholische Spender diese Sakramente erlaubt auch den übrigen nicht in der vollen Gemeinschaft mit der katholischen Kirche stehenden Christen, die einen Spender der eigenen Gemeinschaft nicht aufsuchen können und von sich aus darum bitten, sofern sie bezüglich dieser Sakramente den katholischen Glauben bekunden und in rechter Weise disponiert sind.“

D. h. ein Katholik, der keinen katholischen Priester erreichen kann, dürfte in dringenden Fällen z. B. bei einem russisch-orthodoxen, armenischen oder koptischen Priester die Eucharistie empfangen (wie auch die Beichte und die Krankensalbung); allerdings nie bei einem protestantischen oder anglikanischen Pastor, der ja keine gültige Weihe hat.

Ein katholischer Priester darf z. B. einem russisch-orthodoxen, armenischen oder koptischen Gläubigen, der ihn von sich aus darum bittet und ansonsten die normalen Bedingungen für den Sakramentenempfang erfüllt, die Kommunion spenden (und die Absolution und die Krankensalbung). Bei Personen aus Gemeinschaften, die keine gültig geweihten Priester und gültigen Sakramente mehr haben (also vorrangig die Protestanten) ist das dagegen nur möglich, wenn der Protestant zumindest in Bezug auf das einzelne Sakrament den katholischen Glauben teilt und in Todesgefahr oder einer anderen „schweren Notlage“ ist. (Wenn ein Lutheraner mit seiner katholischen Frau zur Kirche geht und sich ausgeschlossen vorkommt, wenn er nicht auch zum „katholischen Abendmahl“ gehen darf, ist definitiv keine schwere Notlage gegeben, und für gewöhnlich ja auch nicht der erforderliche Glaube.) Einem Ungetauften darf er nie diese Sakramente spenden.

Außerdem ist es nie erlaubt, dass ein katholischer und ein orthodoxer Priester, oder gar ein katholischer Priester und ein protestantischer Pastor, gemeinsam Eucharistie feiern.

Zur Krankenkommunion heißt es in Redemptionis Sacramentum:

„132. Niemand darf die heiligste Eucharistie entgegen der Rechtsnorm nach Hause oder an einen anderen Ort mitnehmen. Außerdem muß man sich vor Augen halten, daß das Entwenden oder Zurückbehalten zu sakrilegischem Zweck oder das Wegwerfen der konsekrierten Gestalten zu den graviora delicta gehören; es ist der Kongregation für die Glaubenslehre vorbehalten, davon loszusprechen.[225]

133. Ein Priester oder ein Diakon oder ein außerordentlicher Spender, der bei Abwesenheit oder Verhinderung des ordentlichen Amtsträgers die heiligste Eucharistie zu einem Kranken für die Kommunionspendung bringt, soll von dem Ort, an dem das Sakrament aufbewahrt wird, auf möglichst direktem Weg zur Wohnung des Kranken gehen und von allen profanen Aufgaben absehen, damit jede Gefahr der Profanierung vermieden und dem Leib Christi die größtmögliche Ehrfurcht erwiesen wird. Außerdem ist immer der Ritus der Krankenkommunion zu befolgen, wie er im Römischen Rituale vorgeschrieben wird.[226]“

Zur Erstkommunion sagt der CIC:

„Can. 913 — § 1. Damit die heiligste Eucharistie Kindern gespendet werden darf, ist erforderlich, daß sie eine hinreichende Kenntnis und eine sorgfältige Vorbereitung erhalten haben, so daß sie das Geheimnis Christi gemäß ihrer Fassungskraft begreifen und den Leib des Herrn gläubig und andächtig zu empfangen in der Lage sind.

§ 2. Kindern jedoch, die sich in Todesgefahr befinden, darf die heiligste Eucharistie gespendet werden, wenn sie den Leib Christi von gewöhnlicher Speise unterscheiden und die Kommunion ehrfürchtig empfangen können.

Can. 914 — Pflicht vor allem der Eltern und derer, die an Stelle der Eltern stehen, sowie des Pfarrers ist es, dafür zu sorgen, daß die Kinder, die zum Vernunftgebrauch gelangt sind, gehörig vorbereitet werden und möglichst bald, nach vorheriger sakramentaler Beichte, mit dieser göttlichen Speise gestärkt werden. der Pfarrer hat auch darüber zu wachen, daß nicht Kinder zur heiligen Kommunion hinzutreten, die den Vernunftgebrauch noch nicht erlangt haben oder die nach seinem Urteil nicht ausreichend darauf vorbereitet sind.“

Nur Kinder aus östlichen Rituskirchen dürfen unter 7 Jahren, d. h. wenn sie noch nicht den Vernunftgebrauch besitzen, schon die Kommunion empfangen; lateinischen Kindern ist das vor ihrer Erstkommunion, die nach Erreichen des Vernunftgebrauchs stattzufinden hat, nicht erlaubt.

In Redemptoris Sacramantum heißt es:

„87. Der Erstkommunion der Kinder muß immer eine sakramentale Beichte und Lossprechung vorausgehen.[169] Außerdem soll die Erstkommunion immer von einem Priester gereicht werden, und zwar nie außerhalb der Meßfeier. Von Ausnahmefällen abgesehen, ist es wenig passend, die Erstkommunion bei der Messe vom Letzten Abendmahl am Gründonnerstag zu spenden. Man soll vielmehr einen anderen Tag wählen, wie etwa den 2. – 6. Sonntag in der Osterzeit oder das Hochfest des Leibes und Blutes Christi oder einen Sonntag im Jahreskreis, denn der Sonntag wird mit Recht als Tag der Eucharistie betrachtet.[170] Zum Empfang der heiligen Eucharistie sollen keine Kinder hinzutreten, «die den Vernunftgebrauch noch nicht erlangt haben» oder nach dem Urteil des Pfarrers «nicht ausreichend darauf vorbereitet sind».[171] Wenn es aber vorkommt, daß ein Kind in einer Ausnahmesituation bezüglich seines Alters für den Empfang des Sakramentes als reif erachtet wird, soll ihm die Erstkommunion nicht verwehrt werden, wenn es nur hinreichend vorbereitet ist.“

Moraltheologie und Kasuistik, Teil 7a: Sakramente und Kirchengebote – Grundsätzliches & alles rund um die Beichte

Die praktische moraltheologische Bildung der Katholiken muss dringend aufgebessert werden – ich hoffe, da werden meine Leser mir zustimmen. Und ich meine hier schon auch ernsthafte Katholiken. In gewissen frommen Kreisen wird man heutzutage ja, wenn man Fragen hat wie „Muss ich heute Abend noch mal zur Sonntagsmesse gehen, wenn ich aus Nachlässigkeit heute Morgen deutlich zu spät zur Messe gekommen bin?“ oder „Darf ich als Putzfrau oder Verwaltungskraft in einem Krankenhaus arbeiten, das Abtreibungen durchführt?“ oder „Wie genau muss ich eigentlich bei der Beichte sein?“ mit einem „sei kein gesetzlicher Erbsenzähler!“ abgebügelt. Und das ist nicht hilfreich. Gar nicht. Weil das ernsthafte Gewissensfragen sind, mit denen manche Leute sich wirklich herumquälen können. Und andere Leute fallen ohne klare Antworten in einen falschen Laxismus, weil sie keine Lust haben, sich ewig mit diesen Unklarheiten herumzuquälen und meinen, Gott werde es eh nicht so genau nehmen, und wieder andere in einen falschen Tutiorismus, wobei sie meinen, die strengste Möglichkeit wäre immer die einzig erlaubte.

 Auf diese Fragen kann man sehr wohl die allgemeinen moraltheologischen Prinzipien – die alle auf das Gebot der Gottes- und Nächstenliebe zurückgehen – anwenden und damit zu einer konkreten Antwort kommen. Man muss es sich nicht schwerer machen, als es ist. Und nochmal für alle Idealisten: „Das und das ist nicht verpflichtend“ heißt nicht, dass man das und das nicht tun darf oder es nicht mehr empfehlenswert oder löblich sein kann, es zu tun. Es heißt nur, dass die Kirche (z. B. in Gestalt des Beichtvaters) nicht von allen Katholiken verlangen kann, es zu tun.

 Zu alldem verweise ich einfach mal noch auf einen meiner älteren Artikel. Weiter werde ich mich gegen den Vorwurf der Gesetzlichkeit hier nicht verteidigen.

 Jedenfalls, ich musste öfters lange herumsuchen, bis ich zu meinen Einzelfragen Antworten gefunden habe, und deshalb dachte mir, es wäre schön, wenn heute mal wieder etwas mehr praktische Moraltheologie und Kasuistik betrieben/kommuniziert werden würde; aber manches, was man gerne hätte, muss man eben selber machen, also will ich in dieser Reihe solche Einzelfragen angehen, so gut ich kann, was hoffentlich für andere hilfreich ist. Wenn ich bei meinen Schlussfolgerungen Dinge übersehe, möge man mich bitte in den Kommentaren darauf hinweisen. Nachfragen sind auch herzlich willkommen. Bei den Bewertungen, was verpflichtend oder nicht verpflichtend, schwere oder lässliche oder überhaupt keine Sünde ist („schwerwiegende Verpflichtung“ heißt: eine Sünde, die wirklich dagegen verstößt, ist schwer), stütze ich mich u. a. auf den hl. Thomas von Aquin, ab und zu den hl. Alfons von Liguori, und auf Theologen wie Heribert Jone (1885-1967); besonders auf letzteren. Eigene Spekulationen werden (wenn ich es nicht vergesse) als solche deutlich gemacht. Alle diese Bewertungen betreffen die objektive Schwere einer Sünde; subjektiv kann es Schuldminderungsgründe geben. Zu wissen, ob eine Sünde schwer oder lässlich ist, ist für die Frage nützlich, ob man sie beichten muss, wenn man sie bereits getan hat; daher gehe ich auch darauf ein; in Zukunft muss man natürlich beides meiden.

Wer nur knappe & begründungslose Aufzählungen von christlichen Pflichten und möglichen Sünden sucht, dem seien diese beiden Beichtspiegel empfohlen. (Bzgl. dem englischen Beichtspiegel: Wenn hier davon die Rede ist, andere zu kritisieren, ist natürlich ungerechte, verletzende Kritik gemeint, nicht jede Art Kritik, und bei Ironie/Sarkasmus ist auch verletzende Ironie/Sarkasmus gemeint.)

https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/1/19/St_Alphonsus_Liguori.jpg

 (Der hl. Alfons von Liguori (1696-1787), der bedeutendste kath. Moraltheologe des 18. Jahrhunderts. Gemeinfrei.)

Alle Teile hier.

Im letzten Teil, der das 3.  Gebot betrifft, habe ich schon eins der Kirchengebote erwähnt, nämlich die Sonntagspflicht; in diesem Teil und den beiden nächsten soll es um die übrigen gehen. Die Kirchengebote helfen, dabei, die Gottesliebe, die die ersten drei der 10. Gebote vorschreiben, zu leben. (Nach den Kirchengeboten geht es mit den übrigen sieben Geboten und der Nächstenliebe weiter.)

Ein paar Grundsätze zu Kirchengeboten:

(Hier wiederhole ich noch einmal ein paar Dinge aus dem letzten Teil.)

Es gibt fünf hauptsächliche Kirchengebote, die der Katechismus hier darstellt. Dabei heißt es: „Der verpflichtende Charakter dieser von den Hirten der Kirche erlassenen positiven Gesetze will den Gläubigen das unerläßliche Minimum an Gebetsgeist und an sittlichem Streben, im Wachstum der Liebe zu Gott und zum Nächsten sichern.“ Diese fünf Gebote, die die Kirche entsprechend wichtig nimmt, verpflichten unter schwerer Sünde.

Als Katholik hat man erkannt, dass Jesus, Gottes Sohn, die Kirche eingesetzt und ihr Autorität über und Verantwortung für uns verliehen hat. Die Hirten der Kirche, d. h. die Bischöfe, sind in direkter Linie die Nachfolger der Apostel und können uns als solche Befehle erteilen. Natürlich können sie nicht alles Mögliche befehlen – vor allem dürfen sie nichts Unzumutbares und nichts moralisch Falsches befehlen. Aber grundsätzlich sind wir Laien ihnen Gehorsam und Respekt schuldig. Und, wie der Katechismus sagt: Dass z. B. der Messbesuch, die Beichte oder das Fasten hin und wieder verpflichtend sind, hilft einem, das Minimum an Pflege der Gottesbeziehung nicht zu vernachlässigen. Wenn man zur Messe gehen muss, hat man keine andere Wahl, als es zu überwinden, dass man sich dabei komisch vorkommt oder lieber ausschlafen würde, und kann dann von der Nähe zu Gott dort profitieren.

(Zu dieser Begründung ließe sich noch mehr sagen, aber hier ist nicht die passende Gelegenheit; hier soll es vor allem darum gehen, was diese Gebote praktisch im Einzelnen bedeuten.)

Die Kirchengebote gelten nur für Katholiken, d. h. für jeden, der irgendwann einmal katholisch getauft oder nach der Taufe in die katholische Kirche aufgenommen wurde; i. d. R. gelten sie ab 7 Jahren, da man davon ausgeht, dass Kinder ab  diesem Alter  den Vernunftgebrauch besitzen (außer, wenn das Gegenteil feststeht, z. B. bei einer geistigen Behinderung). S. dazu im CIC:

„Can. 11 — Durch rein kirchliche Gesetze werden diejenigen verpflichtet, die in der katholischen Kirche getauft oder in diese aufgenommen worden sind, hinreichenden Vernunftgebrauch besitzen und, falls nicht ausdrücklich etwas anderes im Recht vorgesehen ist, das siebente Lebensjahr vollendet haben.“

Ein Kirchenaustritt vor dem Staat ändert nichts an dieser Verpflichtung; er ist einfach eine schwere Sünde, da er ein öffentlich erklärter Abfall von der katholischen Kirche und von den Bischöfen verboten ist. (Er wäre auch dann eine objektiv schwere Sünde, wenn man nur austreten würde, um die Kirchensteuer zu sparen, und auch dann, wenn man die Kirchensteuer nicht zahlen will, da man (korrekterweise) meint, die Bischöfe würden sie falsch verwenden, und stattdessen dieselbe Summe an eine katholische Organisation seiner Wahl spenden will – nicht so sehr wegen dem Verweigern des Geldes, sondern weil man eben vor dem Standesbeamten erklärt, kein Katholik mehr sein zu wollen. Dazu mehr in Teil 7c.) Ein Kirchenaustritt macht eine Wiederversöhnung mit der Kirche nötig, aber er macht einen eigentlich nicht zum Nichtkatholiken. Semel catholicus, semper catholicus; einmal katholisch, immer katholisch.

Die Kirchengebote gelten für vom Prinzip her noch nicht für Nichtkatholiken, die sich darauf vorbereiten, katholisch zu werden.

Bei Kirchengeboten werden im Kirchenrecht manchmal Gründe genannt, die von einer Verpflichtung entbinden. Dabei ist zu beachten: Ein „gerechter Grund“ ist relativ einfach zu finden („nur mit gerechtem Grund“ heißt so viel wie „nicht ohne Grund“), ein „schwerwiegender Grund“ gelegentlich und ein „sehr schwerwiegender Grund“ nur selten.

Es gibt, wie gesagt, 5 hauptsächliche Kirchengebote für Laien (Priester haben noch mehr Vorschriften zu befolgen, die Laien gar nicht betreffen). Heute zum zweiten Kirchengebot, das die Beichte betrifft. Der CIC definiert dieses Sakrament folgendermaßen:

„Can. 959 — Im Sakrament der Buße erlangen die Gläubigen, die ihre Sünden bereuen und mit dem Vorsatz zur Besserung dem rechtmäßigen Spender bekennen, durch die von diesem erteilte Absolution von Gott die Verzeihung ihrer Sünden, die sie nach der Taufe begangen haben; zugleich werden sie mit der Kirche versöhnt, die sie durch ihr Sündigen verletzt haben.“

Und:

„Can. 960 — Das persönliche und vollständige Bekenntnis und die Absolution bilden den einzigen ordentlichen Weg, auf dem ein Gläubiger, der sich einer schweren Sünde bewußt ist, mit Gott und der Kirche versöhnt wird; allein physische oder moralische Unmöglichkeit entschuldigt von einem solchen Bekenntnis; in diesem Fall kann die Versöhnung auch auf andere Weisen erlangt werden.“

Erst einmal: Wieso ist die Beichte überhaupt nötig? Reicht es nicht, dass jemand Gott liebt und ihm die Sünde leid tut; heißt es nicht in der Bibel, dass die Liebe Sünden zudeckt? Nun; der hl. Thomas schreibt dazu:

„Fällt jemand in Sünden, so ist die erste Voraussetzung die Reue oder Buße, damit Liebe, Barmherzigkeit, Glaube ihn von der Sünde lösen. Die Liebe nämlich verlangt, daß man das Gegenteil vom geliebten Gegenstande haßt und über die diesem zugefügte Beleidigung Schmerz empfindet. Der Glaube fordert, daß der Sünder danach verlangt, durch die Kraft des Leidens Christi, welche in den Sakramenten wirkt, gerechtfertigt zu werden von seinen Sünden. Die Barmherzigkeit legt auf, daß der Mensch seinem eigenen Sündenelende durch die Reue oder Buße abhelfe; denn ‚elend macht die Menschen die Sünde‘, heißt es Prov. 14.; und: ‚Erbarme dich deiner Seele und gefalle Gott‘ (Ekkli. 30.).“ (Summa Theologiae III,84,5)

Die Liebe zu Gott ist es, die es fordert, seine Sünden zu bekennen und Buße zu tun, und sich dabei, auf welche Weise man das tut, nach Gottes (und Seiner Kirche) Anordnungen zu richten. Jesus hat die Beichte mit klaren Worten eingesetzt: „Am Abend dieses ersten Tages der Woche, als die Jünger aus Furcht vor den Juden bei verschlossenen Türen beisammen waren, kam Jesus, trat in ihre Mitte und sagte zu ihnen: Friede sei mit euch! Nach diesen Worten zeigte er ihnen seine Hände und seine Seite. Da freuten sich die Jünger, als sie den Herrn sahen. Jesus sagte noch einmal zu ihnen: Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch. Nachdem er das gesagt hatte, hauchte er sie an und sagte zu ihnen: Empfangt den Heiligen Geist! Denen ihr die Sünden erlasst, denen sind sie erlassen; denen ihr sie behaltet, sind sie behalten. (Joh 20,19-23) Auch der Apostel Jakobus schreibt dementsprechend: „Darum bekennt einander eure Sünden und betet füreinander, damit ihr geheilt werdet!“ (Jak 5,16) Und der Apostel Johannes: „Wenn wir unsere Sünden bekennen, ist er treu und gerecht; er vergibt uns die Sünden und reinigt uns von allem Unrecht.“ (1 Joh 1,9)

Nun also das Kirchengebot:

Gebeichtet werden müssen schwere Sünden (nach Art und Zahl) wenigstens einmal im Jahr (und bevor man wieder die hl. Kommunion empfängt).

Dazu  heißt es im Katechismus: „Das zweite Gebot (‚Du sollst deine Sünden jährlich wenigstens einmal beichten‘) sichert die Vorbereitung auf die Eucharistie durch den Empfang des Sakramentes der Versöhnung, das die in der Taufe erfolgte Umkehr und Vergebung weiterführt [Vgl. CIC, can. 989; CCEO, can. 719]“

Und im CIC wird das Ganze genauer ausgeführt:

 „Can. 988 — § 1. Der Gläubige ist verpflichtet, alle nach der Taufe begangenen schweren Sünden, deren er sich nach einer sorgfältigen Gewissenserforschung bewußt ist, nach Art und Zahl zu bekennen, sofern sie noch nicht durch die Schlüsselgewalt der Kirche direkt nachgelassen sind und er sich ihrer noch nicht in einem persönlichen Bekenntnis angeklagt hat.

2. Den Gläubigen wird empfohlen, auch ihre läßlichen Sünden zu bekennen.

 Can. 989 — Jeder Gläubige ist nach Erreichen des Unterscheidungsalters verpflichtet, seine schweren Sünden wenigstens einmal im Jahr aufrichtig zu bekennen.“

Jetzt dazu, was dieses Kirchengebot im Einzelnen bedeutet:

In der Taufe werden alle Sünden vergeben, die Beichte ist nur dafür da, wenn jemand nach der Taufe, nachdem er also schon ein Kind Gottes und der Kirche geworden ist, wieder sündigt; vorherige Sünden müssen also nicht gebeichtet werden.

Zur Beichte gehören 1) die Reue (die den guten Vorsatz, nicht mehr zu sündigen, einschließt, sich aber nicht darin erschöpft; ihm geht der Schmerz über die Sünde, die bewusste Verabscheuung der Sünde voraus), 2) das Bekenntnis, das die Reue nach außen trägt, und 3) die Buße/Genugtuung, die eine gewisse Wiedergutmachung (gemäß der eigenen Fähigkeit) ist.

Man muss nur die schweren Sünden beichten; wenn man keine schweren Sünden begangen hat, muss man prinzipiell gar nicht beichten gehen. (Empfehlenswert ist es trotzdem.)

Verpflichtend ist die Beichte der schweren Sünden, die man auf dem Gewissen hat, einmal im Jahr. Ja, wirklich nur einmal im Jahr. Freilich ist es sehr empfehlenswert, schwere Sünden nicht ewig mit sich herumzuschleppen, vor allem, da man solange nicht zur Kommunion gehen kann, aber man ist nicht verpflichtet, sie gleich zu beichten, geschweige denn, in den nächsten zwei Tagen irgendwo einen Priester abzupassen, der einem die Beichte abnehmen kann. (Empfehlenswert ist es, nach einer schweren Sünde zur nächsten, oft wöchentlich stattfindenden Beichtgelegenheit in der Pfarrei zu gehen oder, wenn die Pfarrei so etwas nicht anbieten sollte, bald einen Termin mit einem Priester auszumachen. Auch die regelmäßige Beichte ungefähr einmal im Monat, auch wenn man sich keiner schweren Sünden schuldig gemacht hat, ist sehr zu empfehlen. Aber das ist nicht verpflichtend.)

Freilich sollte man, wenn man denn in den Himmel kommen will, nach einer schweren Sünde vollkommene Reue erwecken – die wird, zusammen mit dem Vorsatz, die Sünde noch zu beichten, solange genügen; wenn man durch einen unglücklichen Zufall vorher stirbt, gilt das auch. (Ach ja: Man hat manchmal das vage Gefühl, sich nach einer schweren Sünde nicht sofort zu Gott zurückwagen, sondern noch ein wenig abwarten zu sollen; das ist eine Falle des Teufels. Gott will einen sofort zurück, also Reue gleich nach der Sünde erwecken.)

Vollkommene Reue (Liebesreue, lat. contritio) meint eine Reue, die aus der Liebe zu Gott und dem Wissen, ihn mit einer schlechten Tat beleidigt zu haben, hervorgeht (nicht eine, die dabei so vollkommen ist, dass es nicht mehr besser geht). Unvollkommene Reue (Furchtreue, lat. attritio) geht aus Furcht vor Gottes strafender Gerechtigkeit hervor, aus dem Wissen, dass Er das Gute belohnt und das Böse straft und man wirklich Böses getan hat. („Wenn es die Hölle nicht gäbe, würde ich natürlich wieder sündigen“ genügt allerdings nicht.) Die Furchtreue ist schon mal ein Anfang, auf jeden Fall keine Sünde und genügt in der Beichte für die Vergebung der Sünden. (Wieso genügt in der Beichte etwas, das sonst nicht genügt? Ich weiß es nicht genau. Vielleicht, weil Gott es uns anrechnen will, wenn wir uns immerhin überwinden müssen, die Sünden laut zu bekennen, oder einfach, weil Er sich nun mal entschieden hat, die Sakramente in der Gemeinschaft der Kirche zu Seinen Gnadenmitteln zu machen?) Liebesreue kann aber auch zusammen mit einer gewissen Restfurcht vor der Hölle existieren, letztere wird einem vielleicht immer bleiben. Liebesreue ist eine Sache des Willens, nicht des Gefühls; man muss keine starken Gefühle haben, um wirklich zu bereuen, man muss es nur ehrlich meinen und sich ehrlich Besserung vornehmen. (Siehe zu diesem Thema auch Teil 2.) Auch in der Beichte nicht genügen würde die sog. eitle Reue / Strohreue, die nur darin besteht, sich wegen einer Sünde vor den Menschen zu schämen, weil sie dem  eigenen Ansehen schadet.

Dabei, einen Akt der Liebesreue zu setzen, kann dieses Gebet aus dem Anhang zum Kompendium des Katechismus der katholischen Kirche behilflich sein: „Mein Gott, aus ganzem Herzen bereue ich alle meine Sünden, nicht nur wegen der gerechten Strafen, die ich dafür verdient habe, sondern vor allem, weil ich dich beleidigt habe, das höchste Gut, das würdig ist, über alles geliebt zu werden. Darum nehme ich mir fest vor, mit Hilfe deiner Gnade nicht mehr zu sündigen und die Gelegenheiten zur Sünde zu meiden. Amen.“

Auch Gebete wie die vor und nach der Gewissenserforschung in diesem hier herunterzuladenden Beichtspiegel aufgeführten können helfen.

Zur vollkommenen Reue gehört, wie gesagt, der Vorsatz, die Sünden zu beichten; aber das muss kein Vorsatz sein, sie sobald wie möglich zu beichten; prinzipiell genügt die nächste kirchenrechtlich vorgeschriebene Beichte.

Üblich ist die Beichte, wenn jemand nur jährlich beichtet, in jeder Fastenzeit vor Ostern (da die Kommunion in der Osterzeit verpflichtend ist, s. den nächsten Artikel); aber wenn jemand z. B. schon vor der Fastenzeit gebeichtet und seitdem keine schweren Sünden mehr begangen hat, genügt auch das.

Man muss alle schweren Sünden nach Art und Zahl bekennen, was als „materielle Vollständigkeit“ der Beichte bezeichnet wird. Der hl. Thomas sagt zu dem Grund dazu:

„Ich antworte, dass der Arzt, der Medizin für den Körper verschreibt, nicht nur die Krankheit kennen sollte, für die er verschreibt, sondern auch den allgemeinen Zustand des Kranken, da eine Krankheit durch eine zusätzliche verschlimmert wird, und eine Medizin, die zu einer Krankheit passen würde, mit Bezug auf eine andere schädlich wäre. Dasselbe kann mit Bezug auf Sünden gesagt werden..“ (Summa Theologiae, Suppl. 9,2, übersetzt aus der englischen Übersetzung)

Eine schwere Sünde ist eine wissentlich und willentlich in einer wichtigen Sache begangene Sünde; nur diese Sünden zu beichten ist, wie gesagt, verpflichtend. Lässliche Sünden muss man nicht beichten, auch wenn es sehr hilfreich sein kann, zumindest die wichtigsten unter ihnen zu erwähnen; zweifelhaft schwere müssen prinzipiell nicht gebeichtet werden (egal, ob jemand zweifelt, ob er etwas getan hat; ob etwas, das er getan hat, eine schwere Sünde war; oder ob er zweifelt, ob er etwas, das er getan hat und das eine schwere Sünde war, schon einmal gebeichtet hat); hier helfen aber vielleicht auch die Regeln zur Abwägung in Zweifelsfällen. Zweifelhaft schwere Sünden zu beichten ist grundsätzlich sehr zu empfehlen. Katholiken, die wissen, dass sie zur Laxheit neigen, sollten sie eher beichten, Skrupulanten sollten das u. U. eher unterlassen oder  sich jedenfalls nicht dazu gedrängt sehen, weil sie bei fast allen Sünden zweifeln und nur ganz eindeutig schwere bekennen müssen, um die Skrupulosität loszuwerden. Man kann den Beichtvater auch fragen, ob eine Sünde schwer war, dann weiß man es für die Zukunft. (Wir kommen ja alle meistens mit immer denselben Sünden wieder in den Beichtstuhl.)

Gedacht ist die Beichte für Sünden, nicht für bloße Unvollkommenheiten. Wenn man also unbewusst etwas Falsches getan hat (z. B. am Freitag das Fasten einfach vergessen hat) oder bloß etwas Besseres, das man hätte tun können, nicht getan hat (z. B. nur 5 € gespendet hat, obwohl man sich gedacht hat, dass man auch 10 € spenden könnte), ist das keine ausreichende Materie für die Beichte, da Unvollkommenheit, nicht Sünde. Man darf solche Unvollkommenheiten nennen, wenn man will, damit der Beichtvater den Seelenzustand besser kennenlernt, aber wenn jemand nur solche Unvollkommenheiten nennen könnte, käme gar keine Beichte zustande.

Schon einmal gebeichtete Sünden dürfen nochmals gebeichtet werden, wenn jemand das will, aber verpflichtend ist das nie. Skrupulanten ist von der Wiederholungsbeichte abzuraten.

Man muss die Sünden nach ihrer Art beichten – und zwar so, wie man sich ihrer zur Zeit des Begehens der Sünden bewusst war – man muss sog. „artverändernde Umstände“ angeben. Das heißt eigentlich nur, dass man klar sagen muss, was für eine Kategorie Sünde es war. Sagen wir, jemand sagt „Ich habe mit einer Person geschlafen, mit der ich nicht verheiratet bin“, verschweigt dabei aber den „artverändernden Umstand“, dass diese andere Person ihrerseits verheiratet ist; dann lässt er den Priester glauben, es habe sich um einfache Unkeuschheit gehandelt, während es in Wirklichkeit um Ehebruch geht. Oder sagen wir, jemand sagt „Ich habe eine Lüge erzählt“, während er in Wahrheit einen Meineid vor Gericht abgelegt hat, der einen Unschuldigen belastet hat. Das geht nicht. Man muss nicht ins Detail gehen – „Ich habe einmal mit meinem Freund geschlafen“ genügt dem Priester; der muss nicht wissen, dass man ja eigentlich geplant hatte, da stark zu bleiben, aber dann war man am letzten Samstagabend bei ihm zu Hause, und unerwarteterweise war man ganz allein, und man hat sich dann überreden lassen, weil usw. – aber man muss sagen, was für eine Sünde es eigentlich war.

Man muss die schweren Sünden nach ihrer Zahl angeben. Das muss nicht  zwangsläufig die genaue Zahl sein – vielleicht weiß man die nicht mehr. Aber eine ungefähre Angabe muss da sein. Es macht eben einen Unterschied, ob man eine Sünde etwa 100-150 Mal im Lauf der letzten drei Jahre, ungefähr fünf oder sechs Mal, oder nur ein einziges Mal begangen hat. (Wenn man länger in einer Art Zustand der Sünde gelebt hat, also wenn man z. B. in den letzten vier Jahren nur an Weihnachten und Ostern in der Kirche war, kann man auch sagen, dass man in den letzten vier Jahren nur an Weihnachten und Ostern in der Kirche war, und muss sich nicht ausrechnen, an wie vielen Sonntagen und gebotenen Feiertagen exakt man die Messe versäumt hat; aber der Umfang der Sünde muss jedenfalls für den Beichtvater klar werden.)

Besonders, wenn es um Art und Zahl der Sünden geht, muss man daher auch dem Priester antworten, wenn er nachfragt (was er vielleicht tut, weil man sich etwas vage angehört hat, oder weil er nicht weiß, ob man Bescheid weiß, dass man diese oder jene artverändernden Umstände, die vielleicht noch da sein könnten, noch angeben müsste; oder auch, weil er wissen will, ob man bereit ist, Schaden wiedergutzumachen und sicherstellen will, dass man bereut; oder einfach, weil er einem mit seinem Rat helfen will, eine Sünde in Zukunft zu meiden…). Wenn er nach Mitschuldigen fragt, muss man ihm nicht antworten.

Can. 979 — Der Priester hat, sofern Fragen zu stellen sind, mit Klugheit und Behutsamkeit vorzugehen, dabei sind Verfassung und Alter des Pönitenten zu berücksichtigen, nach dem Namen eines Mitschuldigen darf er nicht fragen.

Es ist eine schwere Sünde, bei einer wichtigen Sache zu lügen, nach der man legitimerweise gefragt wird; in diesem Fall wäre die Beichte genauso ungültig, wie wenn man Art oder Zahl der Sünden in dem Wissen, dass man sie beichten muss, von vornherein verschwiegen hat.  Auch wenn man eine schwere Sünde absichtlich ganz verschwiegen hat, wäre die Beichte natürlich ungültig. Die gebeichteten Sünden sind in so einem Fall also nicht vergeben, und man hat eine neue schwere Sünde begangen. Das wäre eine sakrilegische Beichte. Wenn man bei einem schwerhörigen Priester beichtet, speziell aus dem Grund, dass man hofft, dass er eine schwere Sünde nicht verstehen wird, gilt dasselbe.

Wichtig für Skrupulanten: Das gilt nur bei einer bewussten Täuschung betreffs Art und Zahl der schweren Sünden! Es war keine ungültige Beichte, wenn man sich hinterher denkt, dass man eine Zahl vielleicht zu niedrig  geschätzt hat, oder irgendeinen Nebenumstand oder eine Folge nicht erzählt hat, von denen man nicht eindeutig wusste, dass sie zur Bestimmung der Art der Sünde gehören, oder sich aus Aufregung verhaspelt hat und sich hinterher denkt, dass der Priester einen dann vielleicht nicht verstanden haben könnte und man sich nochmal hätte wiederholen müssen, o. Ä.

Wenn man eine schwere Sünde unabsichtlich vergessen hat, war die Beichte gültig, die Sünden sind vergeben (auch die vergessene), und man darf zur Kommunion gehen, aber man muss die vergessene Sünde in der nächsten Beichte (also spätestens in einem Jahr; man muss dann nicht so schnell wie möglich wieder beichten) dann noch erwähnen.

In der Beichte geht es eben darum, einfach klar auszusprechen, was man getan hat, ohne es entweder zu verharmlosen oder zu dramatisieren – das hilft auch, sich den Zustand der eigenen Seele  klar vor Augen zu führen.

Eine Beichte ist auch sakrilegisch und ungültig, wenn man gar keine Reue oder keinen Vorsatz hat, eine Sünde in Zukunft bleiben zu lassen. Sicher kann es mal sein, dass man sich zu 98% sicher ist, dass man einer Versuchung in absehbarer Zukunft wieder auf den Leim gehen wird, aber solange man zum Zeitpunkt der Beichte den Vorsatz hat, sie zu meiden, genügt das. Wenn man nur beichtet, weil man eben vor der kirchlichen Trauung noch mal beichten soll und dabei irgendetwas aufzählt, was einem gerade einfällt, und das man morgen wieder zu tun beabsichtigt, ist das etwas ganz anderes – das ist eine ungültige, sakrilegische Beichte.

Can. 987 — Damit ein Gläubiger die heilbringende Hilfe des Bußsakraments empfängt, muß er so disponiert sein, daß er sich unter Reue über seine begangenen Sünden und mit dem Vorsatz zur Besserung Gott zuwendet.“

Die Reue muss sich zumindest auf die Gesamtheit der noch nicht in früheren Beichten bekannten schweren Sünden beziehen (wobei einem nicht jede einzeln in dem Moment, wo man sich bemüht, die Reue zu erwecken, explizit vor Augen  stehen muss). Der Vorsatz zur Besserung muss ernsthaft sein und einschließen, dass man angerichteten Schaden wiedergutmacht, die wirklich notwendigen Mittel anwendet, um schwere Sünden in Zukunft zu meiden, und die nächste Gelegenheit zur schweren Sünde (das meint Gelegenheiten, bei denen man realistischerweise davon ausgehen muss, dass man wahrscheinlich wieder sündigen wird; eine entferntere Gelegenheit ist hier nicht gemeint) meidet (soweit es einem möglich ist und wenn es nicht notwendig ist, eine solche Gelegenheit zu riskieren). Wenn jemand es nicht schafft, alle lässlichen Sünden wirklich zu bereuen, sich nicht eingestehen will, dass etwas Lässliches eine Sünde war, o. Ä., tut das der bloßen Gültigkeit der Beichte keinen Abbruch. Die lässlichen Sünden stören zwar die Beziehung zu Gott, trennen aber nicht von ihm,  und solange nur die schweren weg sind, die wirklich von ihm trennten, genügt das erst einmal. Für die Beichte muss man erst einmal nur die schweren überhaupt beachten. Aber natürlich ist es auch gut, auf die lässlichen zu schauen und sich hier um Besserung zu bemühen.

Die Gültigkeit der Beichte hängt nicht davon ab, ob man hinterher ein Gefühl von Ruhe und Frieden hat oder nicht.

Von der Pflicht zur materiellen Vollständigkeit der Beichte, also der vollständigen Aufzählung aller schweren Sünden nach Art und Zahl, entschuldigt (was nur in seltenen Notfällen gegeben ist) physische oder moralische Unmöglichkeit; wenn diese Unmöglichkeit nicht mehr besteht, muss man das Bekenntnis  bei der nächsten Beichte nachholen.

Physische Unmöglichkeit kann z. B. sein: Jemand ist sehr krank / steht kurz vor einer OP / liegt im Sterben und es ist nicht mehr genug Zeit, alle Sünden zu beichten oder er ist nicht mehr fähig, zu sprechen, sodass der Priester ihm gleich die Lossprechung gibt, nachdem er seine Reue irgendwie deutlich gemacht hat (wenn er dazu noch fähig ist, sonst eben auch so).

Moralische (praktische) Unmöglichkeit ist gegeben, wenn das Bekenntnis bestimmter Sünden mit außerordentlichen Schwierigkeiten verbunden ist, die nicht an der Beichte selbst hängen, und wenn man sich nicht einfach jetzt an einen anderen Beichtvater wenden kann. Eine übergroße Scham vor der Beichte o. Ä. entschuldigt also nicht; aber zum Beispiel eine Gefahr der Verletzung des Beichtgeheimnisses /  der Rufschädigung (wenn man also z. B. beim Beichten merkt, dass noch jemand mithören kann und man daran nichts ändern kann, muss man nicht mehr weiter alle Sünden vollständig aufzählen). Auch Gefahr von Ärgernis oder neuer Sünde entschuldigt; bei 6.-Gebot-Sünden darf man nach Ansicht einiger Theologen zu große Genauigkeit vermeiden, um sich nicht wieder alles vor Augen zu rufen und wieder in unkeusche Gedanken zu geraten (wobei eine Aufzählung nach Art und Zahl normalerweise machbar sein sollte). Ein Grund liegt auch vor, wenn ein Priester beichtet und etwas über jemand anderen erklären müsste, was er nur aus einer Beichte weiß; das Beichtgeheimnis darf er nicht verletzen. Großer geistlicher oder zeitlicher Schaden gilt auch; ein Beichtvater kann z. B. schwer leidende Skrupulanten von der Pflicht zur materiellen Vollständigkeit entbinden, wenn die Gewissenserforschung für sie psychisch sehr schädlich ist und sie sich endlos damit quälen. Adolphe Tanquerey schreibt dazu: „In gewissen Fällen hochgradiger Skrupulosität befehle man den Beichtkindern, sich mit dieser allgemeinen Anklage zu begnügen: ‚Ich klage mich aller seit meiner letzten Beichte begangenen Sünden und aller jener meines vergangenen Lebens an.'“

Für eine materiell vollständige Beichte muss man gewöhnliche Mittel zur Gewissenserforschung anwenden; eine außerordentliche Anstrengung ist nicht verpflichtend. Ein ordentliches Mittel wäre z. B. der Gebrauch irgendeines gut katholischen Beichtspiegels. Wenn man aus schwerwiegend schuldbarer Nachlässigkeit eine schwere Sünde nicht erwähnt hat – also eine, die einem, wenn man kurz überlegt hätte, sofort eingefallen wäre, wobei man z. B. vor der Beichte sein Gewissen gar nicht oder fast gar nicht erforscht hat und sich gedacht hat, es würde einem schon auf  die Schnelle das Wichtigste einfallen, sobald man im Beichtstuhl ist – war  die Beichte ungültig. Wenn man aus leichter Nachlässigkeit schwere Sünden vergessen hat, also z. B. kurz über den Beichtspiegel drüber gegangen ist und dabei nicht allzu intensiv sein Gedächtnis durchforscht hat, war sie gültig. Wenn jemand sich schon praktisch sicher  ist, keine Todsünden seit der letzten Beichte begangen zu haben, ist er streng genommen gar nicht zu einer ausführlichen Gewissenserforschung verpflichtet. Man soll einfach normale Sorgfalt anwenden, die man auch in anderen Dingen anwenden würde.

Streng genommen ist niemand verpflichtet, eine Liste seiner Sünden  aufzuschreiben,  auch wenn er weiß, dass er, wenn er es nicht tut, welche vergessen wird (wegen der Gefahr, dass er eventuell den Zettel verlieren und andere ihn finden könnten => Beichtgeheimnis). Natürlich kann ein Beichtzettel sehr hilfreich sein, wenn man ihn benutzen will.

Tanquerey gibt speziell Skrupulanten zur Beichtvorbereitung diesen Rat: „Die hl. Beichte wird ihnen oft zu noch größerer Qual. Es ist demnach von Wichtigkeit, sie ihnen leicht zu machen. Man [gemeint ist der Beichtvater] erkläre ihnen deshalb: ‚1) Sie sind nur zur Anklage der sicher begangenen Todsünden verpflichtet. 2) Von den lässlichen Sünden nennen Sie nur jene, die Ihnen nach fünf Minuten langer Erforschung einfallen werden. 3) Auf die Reue verwenden Sie sieben Minuten. Während dieser Zeit bitten Sie Gott darum und erwecken dieselbe im Herzen, und Sie werden sie haben.‘ Sie wenden dagegen ein: ‚Aber ich fühle sie doch nicht!‘ – Antwort: ‚Das ist nicht nötig. Die Reue ist ein Akt des Willens, gehört somit nicht dem Gefühlsleben an.'“

Nach der Beichte muss man die aufgetragene Buße verrichten, die sowohl eine gewisse Wiedergutmachung für die Vergangenheit als auch ein Heilmittel für die Zukunft sein soll.

„Can. 981 — Je nach Art und Zahl der Sünden hat der Beichtvater unter Berücksichtigung der Verfassung des Pönitenten heilsame und angemessene Bußen aufzuerlegen; der Pönitent ist verpflichtet, diese persönlich zu verrichten.“

Die Buße soll sich nach der Schuld, aber auch der Fähigkeit des Pönitenten, und danach, wozu er schon bereit ist, richten.

Heribert Jone schreibt über das Verrichten der Buße (rückübersetzt aus der französischen Übersetzung seiner „Katholischen Moraltheologie“):

„Es ist eine schwere Sünde, eine schwerwiegende Buße, die sub gravi [unter schwerer Sünde verpflichtend] für schwere Sünden auferlegt wurde, nicht zu erfüllen; wenn der Pönitent diese schlechte Absicht schon vor der Absolution hatte, ist die Beichte ungültig. – Es ist eine lässliche Sünde, eine leichte Buße, die für schwere oder lässliche Sünden auferlegt wurde, nicht zu erfüllen. – Wenn die Buße nicht vollständig oder nicht genau so, wie sie auferlegt wurde, erfüllt wird, begeht man nur dann eine schwere Sünde, wenn man etwas Wichtiges auslässt. Dementsprechend begeht jener, der als Buße einen Rosenkranz auf Knien zu beten hatte, nur eine lässliche Sünde, wenn er ihn im Stehen betet, oder auch, wenn er willentlich einige Aves übergeht. – Man begeht keine Sünde, wenn man eine Buße nicht erfüllt, die nicht mehr der aktuellen Praxis entspricht oder die ungerechtermaßen hart ist. In diesem Fall ist es das Beste, diese Buße in der folgenden Beichte von einem Beichtvater abändern zu lassen. [Mit der aktuellen Praxis ist gemeint, dass die Bußpraxis früher härter war; heute muss man z. B. auch für eine sehr schwere Sünde nicht mehr fünf Jahre Kirchenbuße verrichten oder eine Wallfahrt ins Heilige Land machen, wie das vor 1000 Jahren noch vorkommen konnte.]   

Wenn er (ob schuldhaft oder nicht) vergessen hat, welche Buße man ihm auferlegt hat, ist der Pönitent an sich zu nichts verpflichtet. Man muss ihm allerdings raten, zurückzukommen und seinen Beichtvater aufzusuchen, um ihn zu fragen, welche Buße er ihm auferlegt hat. Wenn man glaubt, dass der Beichtvater sich nicht mehr daran erinnern wird, kann man in der nächsten Beichte seinen allgemeinen Seelenzustand irgendeinem Beichtvater enthüllen und von ihm eine neue Buße erbitten.“

Wenn die Buße in etwas besteht, das man auch sonst schon macht (z. B. wenn einem aufgetragen wird, den Rosenkranz beten, und man ihn sowieso wöchentlich betet), kann man sie bei dieser Gelegenheit erfüllen, wo man dasselbe sowieso getan hätte. Das gilt  aber nicht, wenn es um kirchlich vorgeschriebene Dinge geht; wenn der Beichtvater einem den Besuch einer Messe aufträgt, genügt  nicht die nächste verpflichtende Sonntagsmesse, sondern man muss zu einer zusätzlichen gehen.

Ablenkung bei einem Bußgebet ist nur lässliche Sünde.

Solange der Beichtvater keinen Zeitpunkt für die Buße festgelegt hat, ist kein bestimmter Zeitpunkt verpflichtend und man kann sie, ohne damit eine Sünde zu begehen, auch etwas länger aufschieben; außer wenn man ernsthaft Gefahr läuft, sie zu vergessen, sie nicht mehr erfüllen zu können, oder dass sich ihr Wert bedeutend verringert.

Man kann seine Buße nicht durch etwas anderes ersetzen, auch nicht durch etwas  Besseres (man soll sich hier schließlich danach richten, was der Beichtvater für das Heilsamste hält); aber man kann einen Beichtvater bitten,  sie einen ersetzen zu lassen.

Die Buße bedeutet zwar nicht, dass man hier die Kraft hätte, seinen Sünden selber zu sühnen – das hat Christus am Kreuz getan – aber man schließt sich hier quasi dem Leiden Christi an und tut, was man kann.

Wenn man sich schwerer Sünden schuldig gemacht hat, muss man, wie gesagt, vor dem Kommunionempfang beichten.

„Can. 916 — Wer sich einer schweren Sünde bewußt ist, darf ohne vorherige sakramentale Beichte die Messe nicht feiern und nicht den Leib des Herrn empfangen, außer es liegt ein schwerwiegender Grund vor und es besteht keine Gelegenheit zur Beichte; in diesem Fall muß er sich der Verpflichtung bewußt sein, einen Akt der vollkommenen Reue zu erwecken, der den Vorsatz miteinschließt, sobald wie möglich zu beichten.“

D. h. etwa, ein Priester, der die Messe feiern muss, aber vorher nicht zur Beichte gehen kann, darf die Messe feiern und kommunizieren, muss aber vorher vollkommene Reue erwecken und hinterher dann möglichst bald beichten, also z. B. wenn er dann zwei Tage später Gelegenheit hat, zur Beichtgelegenheit in der Nachbarpfarrei zu gehen oder dort einen Termin auszumachen.

Was genau heißt „sobald wie möglich“? Jone sagt dazu, dass es innerhalb von drei Tagen sein muss, sofern das ohne größere Schwierigkeiten (wie z. B. langer Anfahrtsweg zur nächsten Beichtgelegenheit) möglich ist.

Aber wie gesagt, das gilt nur, wenn man aus schwerwiegendem Grund schon kommuniziert hat.

(Ein schwerwiegender Grund für Laien könnte z. B. sein, wenn jemand, der zur katholischen Kirche konvertiert, aber schon gültig getauft ist (z. B. in der evangelischen Kirche), zu dessen Konversion also eine Beichte, nicht die Taufe, gehört, zum ersten Mal zur Beichte geht, wobei dann wenige Tage später der Gottesdienst für seine Aufnahme in die Kirche und seine Erstkommunion angesetzt ist, und zwischendrin eine schwere Sünde begeht, aber vor dem Gottesdienst keine Gelegenheit mehr zu einer weiteren Beichte hat. In diesem Fall darf er bei seiner Erstkommunion auch zur Kommunion gehen.)

Wenn man eine Generalabsolution empfangen hat (also wenn z. B. eine Gruppe Menschen bei einer Flutkatastrophe oder einem Schiffsuntergang in Todesgefahr war und ein anwesender Priester die Generalabsolution erteilt hat, weil keine Zeit für einzelne Bekenntnisse war) gilt dieselbe Regel, wie wenn man Sünden vergessen hat zu beichten; die Vergebung ist da, aber das Bekenntnis muss bei Gelegenheit nachgeholt werden. Im CIC heißt es über die Generalabsolution:

„Can. 961 — § 1. Mehreren Pönitenten gleichzeitig kann ohne vorangegangenes persönliches Bekenntnis die Absolution in allgemeiner Weise nur erteilt werden:

1° wenn Todesgefahr besteht und für den oder die Priester die Zeit, die Bekenntnisse der einzelnen Pönitenten zu hören, nicht ausreicht;

2° wenn eine schwere Notlage besteht, das heißt, wenn unter Berücksichtigung der Zahl der Pönitenten nicht genügend Beichtväter vorhanden sind, um die Bekenntnisse der einzelnen innerhalb einer angemessenen Zeit ordnungsgemäß zu hören, so daß die Pönitenten ohne eigene Schuld gezwungen wären, die sakramentale Gnade oder die heilige Kommunion längere Zeit zu entbehren; als ausreichend begründete Notlage gilt aber nicht, wenn allein aufgrund eines großen Andrangs von Pönitenten, wie er bei einem großen Fest oder einer Wallfahrt vorkommen kann, nicht genügend Beichtväter zur Verfügung stehen können.

§ 2. Das Urteil darüber, ob die gemäß § 1, n. 2 erforderlichen Voraussetzungen gegeben sind, steht dem Diözesanbischof zu; dieser kann unter Berücksichtigung der Kriterien, die mit den übrigen Mitgliedern der Bischofskonferenz abgestimmt sind, feststellen, wann solche Notfälle gegeben sind.

Can. 962 — § 1. Damit ein Gläubiger die sakramentale Absolution, die gleichzeitig mehreren erteilt wird, gültig empfängt, ist nicht nur erforderlich, daß er recht disponiert ist; er muß sich vielmehr gleichzeitig auch vornehmen, seine schweren Sünden, die er gegenwärtig nicht auf diese Weise bekennen kann, zu gebotener Zeit einzeln zu beichten.

§ 2. Die Gläubigen sind, soweit möglich auch beim Empfang der Generalabsolution, über die Erfordernisse gemäß § 1 zu belehren; der Generalabsolution ist, selbst bei Todesgefahr, wenn die Zeit dafür ausreicht, die Aufforderung voranzuschicken, daß sich jeder bemüht, einen Akt der Reue zu erwekken.

Can. 963 — Unbeschadet der Verpflichtung nach can. 989 hat der, dem durch Generalabsolution schwere Sünden vergeben werden, bei nächstmöglicher Gelegenheit, sofern nicht ein gerechter Grund dem entgegensteht, ein persönliches Bekenntnis abzulegen, bevor er eine weitere Generalabsolution empfängt.“

Man kann sich den Beichtvater prinzipiell frei wählen; aber wenn man sonst ohne Beichte sterben oder lange im Stand der Todsünde bleiben müsste, muss man bei dem beichten, der gerade da ist.

Als Ort der Beichte ist normalerweise der  Beichtstuhl gedacht, aber aus einem gerechten Grund (wie „der Pönitent  fühlt sich wohler dabei“ oder „es ist gerade kein Beichtstuhl da“) geht es auch außerhalb. Für die Gültigkeit der Beichte spielt der Ort keine Rolle.

Der Priester ist bei der Beichte an das Beichtgeheimnis gebunden; dessen Bruch ist aus keinem denkbaren Grund erlaubt und wäre eine sehr schwere Sünde. Der hl. Thomas sagt dazu:

„Ich antworte, dass jene Dinge, die in den Sakramenten äußerlich getan werden, die bezeichnen, die innerlich geschehen: womit die Beichte, bei der ein Mensch sich einem Priester unterwirft, ein Zeichen der inneren Hingabe ist, mit der er sich Gott unterwirft. Nun verbirgt Gott die Sünden derer, die sich Ihm durch die Buße unterwerfen; weshalb das auch im Sakrament der Buße dargestellt sein sollte, und dementsprechend verlangt das Sakrament, dass das Bekenntnis verborgen bleibt, und wer ein Bekenntnis bekanntmacht, sündigt durch die Verletzung des Sakraments. Außerdem gibt es andere Vorteile bei dieser Geheimhaltung, da hierdurch die Menschen mehr zur Beichte hingezogen werden, und ihre Sünden mit größerer Einfachheit bekennen. (Summa Theologiae, Suppl. 11,1, übersetzt aus der englischen Übersetzung) Außerdem sagt er, dass „das, was man durch die Beichte weiß, ist, als ob man es nicht wisse, da ein Mensch es nicht als Mensch weiß, sondern so, wie Gott es weiß“.

Das Beichtgeheimnis gilt wirklich in allen Fällen; der Beichtvater darf z. B. bei einem selbstmordgefährdeten Pönitenten niemandem von dieser Gefahr erzählen, er darf einen Mörder nicht der Polizei ausliefern. Auch ein indirekter Bruch (d. h. Worte oder Handlungen, aus denen andere auf den Inhalt einer Beichte schließen können) ist Sünde (die in einzelnen Fällen, wenn es sehr indirekt und unbeabsichtigt passiert ist, nur lässlich sein kann, sonst aber auch schwer ist). Auch vor Gericht darf ein Priester deswegen nichts über etwas sagen, von dem er nur aus der Beichte weiß, und darf, wenn er als Zeuge befragt wird, sagen „Dazu kann ich nichts sagen“ oder sogar „Dazu weiß ich nichts“ (mit dem mentalen Vorbehalt „…was ich sagen dürfte“).

Can. 983 — § 1. Das Beichtgeheimnis ist unverletzlich, dem Beichtvater ist es daher streng verboten, den Pönitenten durch Worte oder auf irgendeine andere Weise und aus irgendeinem Grund irgendwie zu verraten.

2. Zur Wahrung des Geheimnisses sind auch, falls beteiligt, der Dolmetscher und alle anderen verpflichtet, die auf irgendeine Weise aus der Beichte zur Kenntnis von Sünden gelangt sind.

Und:

„Can. 1388 — § 1. Ein Beichtvater, der das Beichtgeheimnis direkt verletzt, zieht sich die dem Apostolischen Stuhl vorbehaltene Exkommunikation als Tatstrafe zu; verletzt er es aber nur indirekt, so soll er je nach Schwere der Straftat bestraft werden.

§ 2. Dolmetscher und andere in can.983, § 2 genannte Personen, die das Geheimnis verletzen, sollen mit einer gerechten Strafe belegt werden, die Exkommunikation nicht ausgenommen.“

Das alles gilt auch bei einer nur begonnenen und dann abgebrochenen Beichte, bei einer sakrilegischen Beichte, oder einer mit verweigerter Absolution (aber nicht, wenn einer  bloß in den Beichtstuhl gekommen ist, um sich über den Priester lustig zu machen und gar nicht wirklich beichtet, und auch nicht bei einem normalen seelsorgerlichen Gespräch, wobei das natürlich im Normalfall auch vertraulich ist). Ein Beichtvater muss also z. B. einem Pönitenten, dem er die Absolution verweigern musste, und der danach gleich in der Messe zur Kommunion nach vorn kommt, die Kommunion spenden, um nicht zu enthüllen, dass ihm die Absolution verweigert wurde (für die unwürdige Kommunion ist allein der Pönitent verantwortlich). Das Beichtgeheimnis gilt weiterhin nach dem Tod des Pönitenten.

Der Priester darf nicht einmal den Pönitenten selber hinterher wieder auf etwas ansprechen, das er in der Beichte erfahren hat, wenn der das nicht ausdrücklich und aus freiem Willen erlaubt. Mit dessen Erlaubnis darf er Wissen aus der Beichte aber sogar weitergeben (z. B. wäre es denkbar, dass ein Pönitent einen Priester bittet, an seiner Stelle mit jemandem zu reden, von dem er gestohlen hat, und das Gestohlene zurückzugeben).

(Der Pönitent selbst ist gar nicht an das Beichtgeheimnis gebunden.)

Das alles gilt für Wissen, das einer nur aus der Beichte hat; wenn er auch aus einer anderen Quelle von einer Sünde weiß (z. B. den Pönitenten bei seinem Diebstahl zuvor schon beobachtet hat), gilt das Beichtgeheimnis dafür streng genommen nicht (wobei hier auch normale Erwägungen bzgl. Diskretion ins Spiel kommen); allerdings darf er nie preisgeben, dass er die Sünde auch noch gebeichtet bekommen hat, sondern muss so handeln, als wüsste er nur auf die andere Weise davon.

Nicht nur das Weitergeben des Wissens aus der Beichte ohne ausdrückliche Erlaubnis des Pönitenten ist verboten, auch der Gebrauch desselben ist strengen Regeln unterworfen:

Can. 984 — § 1. Ein Gebrauch des aus der Beichte gewonnenen Wissens, der für den Pönitenten belastend wäre, ist dem Beichtvater streng verboten, auch wenn jede Gefahr, daß etwas bekannt werden könnte, ausgeschlossen ist.

(Ein bloßer Gebrauch ohne jede Weitergabe des Wissens, der dem Pönitenten angenehm wäre, ist erlaubt; z. B. darf der Beichtvater aufgrund von Wissen aus der Beichte in Zukunft freundlicher zu ihm sein oder besonders für ihn beten; wobei man hier natürlich auch vorsichtig sein sollte, damit nicht irgendwie noch indirekt das Beichtgeheimnis verletzt wird.)

Außerdem:

§ 2. Wer eine leitende Stellung einnimmt, darf die Kenntnis von Sünden, die er zu irgendeiner Zeit aus der Entgegennahme einer Beichte erlangte, auf keine Weise bei der äußeren Leitung gebrauchen.

Außerdem gibt es noch eine Regelung für Klöster und Priesterseminare:

Can. 985 — Der Novizenmeister und sein Gehilfe sowie der Rektor eines Seminars oder einer anderen Erziehungseinrichtung dürfen sakramentale Beichten ihrer Alumnen, die sich im selben Haus aufhalten, nur hören, wenn die Alumnen in Einzelfällen von sich aus darum bitten.

Damit soll verhindert werden, dass etwa der Rektor eines Priesterseminars zu viel persönliches Wissen über die Seminaristen bekommt, für die er verantwortlich ist und über die er Autorität ausübt, und in Versuchung gerät, gegen Can. 984 § 2 zu verstoßen. Die Beichte ist etwas Intimes, Persönliches; hier lädt man seine Sünden gegenüber Jesus ab; das ist nichts, worauf einen eine Autoritätsperson später wieder ansprechen oder wonach sie einen bewerten darf.

Wenn ein Priester, der oft Beichten hört, vage erzählt, dass man in der Beichte öfter mal Sündenkategorie X zu hören bekommt, ist das kein Bruch des Beichtgeheimnisses; hier kann schließlich unmöglich auf individuelle Beichten geschlossen werden.

Eine Beichte mithilfe eines Dolmetschers oder Gebärdendolmetschers ist möglich, oder anstatt eines Gebärdendolmetschers für Stumme auch eine Beichte über das Aufschreiben der Sünden. Allerdings ist niemand verpflichtet, einen Dolmetscher heranzuziehen oder in so einem Fall seine Sünden aufzuschreiben (wegen der größeren Gefahr des Bruchs des Beichtgeheimnisses); wenn er keinen Priester findet, der seine Sprache/Gebärdensprache versteht, darf er die Beichte aufschieben. Diese Lösungen sind auch nur für Ausnahmefälle gedacht. Im CIC  heißt es:

„Can. 990 — Niemand darf daran gehindert werden, mit Hilfe eines Dolmetschers zu beichten; dabei sind aber Mißbräuche und Ärgernisse zu vermeiden und die Vorschrift des can. 983, § 2 zu beachten.“

Wenn man keinen Beichtvater hat, der einen versteht, aber z. B. wegen einer Krankheit in Todesgefahr ist oder eben einfach beichten will, darf man einfach durch Zeichen zeigen, dass man Sünden auf dem Gewissen hat, die man bereut, und der Priester darf einen dann lossprechen.

Eine Beichte aus der Ferne – über Telefon oder Internet – ist nicht möglich. Man muss am selben Ort wie der Beichtvater sein und ihm sein Bekenntnis ablegen. (Wobei manche Theologen spekuliert haben, ob eine Beichte übers Telefon im Notfall, wenn z. B. der Priester nicht rechtzeitig zu einem Sterbenden gelangen kann, möglicherweise gültig sein könnte, aber das ist wohl eher nicht der Fall; erlaubt ist das jedenfalls nicht.)

Für eine gültige Absolution ist auf der Seite des Beichtvaters Folgendes nötig: Er muss gültig geweiht sein, von der Kirche die Beichtvollmacht haben, die Intention haben, einen loszusprechen, und etwa die richtigen Worte verwenden.

Es genügt nicht, einfach nur gültig geweiht zu sein, er muss auch die ausdrückliche Beichtvollmacht von der Kirche erhalten haben (nähere Erklärungen hier). Wenn ein katholischer Priester, der nicht mit Kirchenstrafen belegt ist, irgendwo anbietet, Beichte zu hören, wird man davon ausgehen können, dass er diese Befugnis hat. Seit dem Jahr der Barmherzigkeit haben sie auch die Piusbrüder (ob ihre Beichten vorher gültig waren, ist eine umstrittene Frage, aber sie selber bringen gute Gründe dafür vor); schismatische Priester (orthodoxe Priester, Sedisvakantisten usw.) haben sie nicht.

Wenn Priester die Beichtvollmacht nicht haben,  greift in manchen Fällen das Prinzip „supplet ecclesia“ – die Kirche ersetzt die im Einzelfall fehlende Vollmacht. Das gilt z. B., wenn ein frisch für einen Posten ernannter Priester meint, seine Beichtvollmacht gelte schon ab dem 1.8., aber wegen irgendeines Missverständnisses gilt sie erst ab dem 1.9. Wenn er also im August guten Glaubens Beichten hört, sind die gültig. Das gilt z. B. nicht, wenn einem Priester die Beichtvollmacht bekanntermaßen entzogen wurde und er und der Pönitent das wissen.

Can. 144 — § 1. Bei einem tatsächlich vorliegenden oder rechtlich anzunehmenden allgemeinen Irrtum und ebenfalls bei einem positiven und begründeten Rechts- oder Tatsachenzweifel ersetzt die Kirche für den äußeren wie für den inneren Bereich fehlende ausführende Leitungsgewalt.

§ 2. Dieselbe Norm wird auf die in cann. 882, 883, 966 und 1111, § 1 genannten Befugnisse angewandt.

Eine Ausnahme gibt es, wenn nämlich jemand in Todesgefahr (also todkrank, tödlich verwundet, Soldat in einem Kriegsgebiet o. Ä.) ist:

Can. 976 — Jeder Priester absolviert, auch wenn er die Befugnis zur Entgegennahme von Beichten nicht besitzt, jegliche Pönitenten, die sich in Todesgefahr befinden, gültig und erlaubt von jedweden Beugestrafen und Sünden, auch wenn ein Priester mit entsprechender Befugnis zugegen ist.

Das gilt also für jeden gültig geweihten Priester (also auch z. B. für koptische oder  orthodoxe Priester, oder für laisierte katholische Priester; allerdings natürlich nicht für evangelische oder anglikanische Pfarrer, und auch nicht für Frauen in schismatischen Gruppierungen, die sich als „Priesterinnen“ bezeichnen, da die nicht gültig geweiht sind).

Die Intention ist praktisch immer gegeben. Der Priester muss nur die Intention haben, „das zu tun, was die Kirche tut, wenn sie losspricht“ – er muss nicht an das richtige Konzept davon glauben, was die Kirche hier tut oder was genau überhaupt die Kirche ist. Wenn ein Priester seinen Glauben innerlich aufgegeben hat, und nur auf seinem Posten bleibt, weil er nicht arbeitslos werden will, und meint, in der Beichte passiere real überhaupt nichts, hat er normalerweise trotzdem die Intention, das zu tun, was die Kirche tut, wenn sie losspricht, wenn er im Beichtstuhl sitzt und die Lossprechung erteilt – was seiner Meinung nach nichts ist, aber darauf kommt es nicht an. Dass die Intention gegeben sein muss, heißt eigentlich nur, dass die Lossprechungsformel nicht von selber magisch wirkt. Wenn ein Priester z. B. die Absolutionsformel sagen würde, um jemandem zu zeigen, wie eine Beichte aussieht, oder wenn er sie in einem Theaterstück als Schauspieler sagen würde, würde hier keine Sündenvergebung geschehen.

Bei den richtigen Worten wird es kniffliger. Die Formel an sich lautet (ohne das  einleitende Gebet, das der Priester auch sprechen sollte): „So spreche ich dich los von deinen Sünden, im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.“  (Ego te absolvo a peccatis tuis in nomine Patris et Filii et Spiritus Sancti.) Es gibt ja ab und zu – glücklicherweise selten – Priester, die da kreativ werden. „Also darf ich Ihnen jetzt versichern, dass Gott mit Barmherzigkeit auf alles schaut, was Sie belastet“ oder „Also darf ich dich jetzt lossprechen von deinen Sünden“ oder „Gott vergibt Ihnen Ihre Sünden“ wäre etwa keine gültige Absolution. Was vorhanden sein muss:

  • Sicher muss „ich spreche dich/Sie/euch los“ (ego te absolvo) vorhanden sein – nicht „so darf ich dich nun lossprechen“ oder „ich kann dich lossprechen“ oder „fühlen Sie sich jetzt frei von allem Schlechten“ oder „Jesus spricht dich los“. „Ich löse dich/Sie/euch“ oder „ich spreche dich/Sie/euch frei“ wäre gültig, weil man „absolvo“ ebenso damit übersetzen kann; die Bedeutung ist die gleiche. Er muss jedenfalls sagen, dass er selbst, dem diese Aufgabe von Gott und der Kirche übertragen ist, losspricht.
  • Möglicherweise muss „von deinen/Ihren/euren Sünden“ (a peccatis tuis) – nicht „von Ihren Schwächen und Fehlern“ oder „von dem, was Sie hier vor Gott gebracht haben“ oder „von allem, was nicht so gut gelaufen ist“ – zur Gültigkeit auch vorhanden sein.
  • „Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes“ (in Nomine Patris et Filii et Spiritus Sancti)  ist für die bloße Gültigkeit nicht nötig.

Wenn ein liberal eingestellter – oder vielleicht ein alter und sehr vergesslicher – Priester eine ungültige Formel verwendet, ist es am besten, ihn höflich zu fragen, ob er das bitte noch einmal in den vorgegebenen Worten sagen könnte, das sei einem wichtig (oder so). Wenn man dafür nicht schlagfertig genug war oder er sich einfach geweigert hat? Dann bleibt einem nichts anderes übrig als Liebesreue und beizeiten eine andere Beichte bei einem anderen  Priester. Der Priester wird sich vor Gott verantworten müssen, und am besten sollte man seinen Vorgesetzten (Pfarrer, Bischof, Generalvikar, Ordensoberer…) informieren, weil er nicht das Recht hat, auf diese Weise willkürlich mit Gläubigen umzuspringen.

Was ist, wenn einem einfällt, dass eine Beichte vor Jahren ungültig gewesen ist oder gewesen sein könnte? Keine Panik. Die Sünden sind spätestens bei der darauffolgenden gültigen Beichte automatisch mitvergeben worden – das zählt wie vergessene Sünden. Wenn man noch im Einzelnen weiß, was sie waren, und sich sicher ist, dass die Beichte ungültig war, muss man sie in der nächsten Beichte noch einmal bekennen. Ansonsten darf man es lassen.

Bitte keine Panik wegen möglicherweise ungültiger Beichten. Gott lässt uns ja nicht fallen, weil wir an einen idiotischen Beichtvater geraten.

Priester sind verpflichtet, den Gläubigen die Beichte zu ermöglichen:

„Can. 986 — § 1. Jeder, dem von Amts wegen die Seelsorge aufgetragen ist, ist zur Vorsorge dafür verpflichtet, daß die Beichten der ihm anvertrauten Gläubigen gehört werden, die in vernünftiger Weise darum bitten; des weiteren, daß ihnen an festgesetzten Tagen und Stunden, die ihnen genehm sind, Gelegenheit geboten wird, zu einer persönlichen Beichte zu kommen.

§ 2. In einer dringenden Notlage ist jeder Beichtvater verpflichtet, die Beichten von Gläubigen entgegenzunehmen, und in Todesgefahr jeder Priester.“

Wenn ein Priester gerade keine Zeit hat und es nicht dringend ist, ist er nicht streng verpflichtet, die Beichte eines Gläubigen zu hören; aber es ist auf jeden Fall wichtig, dass er dafür sorgt, dass jeder mal Gelegenheit zur Beichte hat, und es dürfte eine Sache der Nächstenliebe sein, auch zu einem unpassenden Zeitpunkt eine Beichte zu hören, wenn er darum gebeten wird (man weiß ja auch im Vorhinein oft nicht, ob der Pönitent über etwas Dringliches sprechen muss oder sonst vielleicht nicht wiederkäme).

Darf ein Priester die Absolution verweigern? So einfach nicht. Aber das kann dann erlaubt oder sogar nötig sein, wenn für ihn klar ist, dass der Pönitent nicht bereut, oder er deutliche Zweifel an der Reue hat.

„Can. 980 — Wenn der Beichtvater keinen Zweifel an der Disposition des Pönitenten hat und dieser um die Absolution bittet, darf diese weder verweigert noch aufgeschoben werden.“

Darf der Priester z. B. von einem Bankräuber oder Mörder verlangen, sich der Polizei zu stellen, bevor er ihn losspricht? Prinzipiell nicht. Er kann ihm sagen, wenn er wirklich bereut, soll er das tun, und ihm dementsprechend zureden, aber zur Bedingung für die Lossprechung machen kann er es nicht einfach.

Es gibt einzelne Sünden, von denen ein normaler Priester (außer, wenn der Pönitent in Todesgefahr ist) nicht lossprechen kann, sondern nur ein Bischof oder sogar nur der Heilige Stuhl; wenn ein Pönitent so etwas beichten würde, würde der Priester also einen Brief an die zuständige Stelle schreiben. Zu diesen Sünden, die dem Heiligen Stuhl  vorbehalten sind, gehören Hostienschändung oder ein körperlicher Angriff auf den Papst – also nichts, wovon der Durchschnittskatholik betroffen sein wird. Die Vornahme einer Abtreibung wird mit der automatisch durch die Tat eintretenden Exkommunikation bestraft, aber davon darf in diesem Fall in den meisten Ländern jeder Beichtvater lossprechen.

Außerdem gibt es einen Sonderfall:

„Can. 977 — Die Absolution des Mitschuldigen an einer Sünde gegen das sechste Gebot des Dekalogs ist ungültig, außer in Todesgefahr.“

Das 6. Gebot betrifft Unkeuschheitssünden; d. h. etwa, ein Priester kann eine Frau, mit der er eine Affäre gehabt hat, nicht lossprechen  (außer sie liegt im Sterben); dafür muss sie bei jemand anderem beichten.

Vielleicht sollte man im Zusammenhang mit der Beichte auch noch einen weiteren Sonderfall, das Verbrechen der sollicitatio in confessione, erwähnen:

„Can. 1387 — Ein Priester, der bei der Spendung des Bußsakramentes oder bei Gelegenheit oder unter dem Vorwand der Beichte einen Pönitenten zu einer Sünde gegen das sechste Gebot des Dekalogs zu verführen versucht, soll, je nach Schwere der Straftat, mit Suspension, mit Verboten, mit Entzug von Rechten und, in schwereren Fällen, mit der Entlassung aus dem Klerikerstand bestraft werden.“

Früher machte es das Kirchenrecht sogar zu einer strengen Verpflichtung für den Pönitenten, einen solchen Beichtvater innerhalb eines Monats beim Bischof oder beim Heiligen Stuhl anzuzeigen, wenn irgend möglich; diese Verpflichtung ist inzwischen weggefallen, vermutlich, weil man Opfer nicht zusätzlich dadurch unter Druck setzen wollte; aber natürlich ist es immer noch wichtig, dass ein Priester, der zu so etwas fähig ist, angezeigt wird.

Weil das ein ziemlich schwerwiegendes Verbrechen ist, gelten allerdings auch strenge Gesetze für verleumderische Anklagen:

„Can. 1390 — § 1. Wer einen Beichtvater wegen der in can. 1387 genannten Straftat fälschlich bei einem kirchlichen Oberen anzeigt, zieht sich die Tatstrafe des Interdiktes zu, und, wenn es sich um einen Kleriker handelt, auch die Suspension.“

„Can. 982 — Wer bekennt, fälschlich einen unschuldigen Beichtvater bei der kirchlichen Autorität des Vergehens der im Zusammenhang mit der Beichte geschehenen Verführung zu einer Sünde gegen das sechste Gebot des Dekalogs bezichtigt zu haben, darf erst absolviert werden, wenn er vorher in aller Form die falsche Anzeige zurückgezogen hat und bereit ist, angerichteten Schaden wiedergutzumachen.“

Und das war es soweit; man könnte noch mehr über die Pflichten von Beichtvätern bei diesem Sakrament sagen, aber dieser Artikel war ja hauptsächlich zur Info für Laien gedacht. Beim nächsten Mal zu ein paar Dingen bzgl. der hl. Kommunion.

Was tun als Skrupulant ohne regelmäßigen, vertrauenswürdigen Beichtvater?

Der klassische Rat der Kirchenlehrer und Theologen für Skrupulanten ist bekanntlich: sich einen Beichtvater suchen und dem gehorchen. Wenn der Beichtvater einem sagt, man hat keine Sünde begangen, dann akzeptiert man das Urteil unhinterfragt und sucht nicht zur Sicherheit noch einen zweiten Priester auf, den man fragen kann. Man ersetzt das eigene, gestörte Urteil, zumindest für einige Zeit, durch das Urteil eines anderen und übt sich in Demut und Gehorsam.

Das ist so weit ein guter Rat; aber leider nicht immer einer, der so leicht umgesetzt werden kann, jedenfalls heute nicht mehr so leicht wie früher. Wenn man zur Beichte zu einem „liberalen“ Priester gehen muss, bei dem man froh sein kann, wenn er die Absolutionsformel ohne Änderungen spricht, wird man den nach der Aufzählung der Sünden nicht um weiteren Rat bitten, geschweige denn, seinen Ratschlägen gehorchen wollen, sondern sich lieber nur schnell die Lossprechung holen und wieder aus dem Beichtstuhl verschwinden. Und mit gutem Grund.

Jetzt könnte man natürlich sagen „such dir doch einen guten Beichtvater“. Aber das ist manchmal nicht so einfach, und manchmal geht es fürs erste gar nicht. Vielleicht lebt man in der Diaspora auf dem platten Land ohne Auto und hat in der näheren Umgebung keinen Priester, dem man so weit vertrauen würde und der Zeit für einen hat, vielleicht wird der bisherige Beichtvater in eine weiter entfernte Pfarrei versetzt, oder man hat einfach noch zu viel Angst, um irgendeinen Priester zu fragen. Aus welchem Grund auch immer: Manchmal muss man sich fürs erste auf andere Weise behelfen.

Zudem kann man nicht ständig, wenn man wegen irgendetwas in Panik ist, den Beichtvater nerven; es ist auch dann, wenn man einen Beichtvater hat, gut, wenn man selbst daran arbeitet, die Skrupulosität zu überwinden. Was also tun?

In diesem Fall muss man sich zunächst mal konsequent selbst dazu zwingen, die allgemeinen Regeln für Skrupulanten einzuhalten. Vor allem (ich wiederhole hier auch einiges, was ich in diesem alten Post vom Beginn meiner Bloggerzeit schon gesagt habe):

  • Zweifel verachten. Das ist die wichtigste Regel für Skrupulanten überhaupt: Wenn man zweifelt, ob man eine schwere Sünde begangen hat, wird sie nicht als schwere Sünde gezählt; wenn man Zweifel hat, ob eine Beichte gültig war, wird sie als gültig gezählt; wenn man Zweifel hat, ob man verpflichtet ist, etwas zu tun, muss man sich nicht verpflichtet fühlen. Punkt.
  • Der Gedanke „Aber vielleicht betrüge ich mich selbst und bin gar nicht skrupulös / es ist nicht wirklich zweifelhaft, ob diese Sünde schwer war / in meinem Fall gelten diese Regeln nicht, weil es da ganz besondere Umstände gibt, an die die, die diese Regeln aufgestellt haben, vielleicht nicht gedacht haben“ ist typisch für alle Skrupulanten. Ignorieren. Nein, man ist kein Sonderfall. Die Kirchenlehrer wussten schon Bescheid.

Betreffs Beichte und Kommunion:

  • Die Kirche schreibt nur vor, einmal im Jahr die schweren Sünden zu beichten. Ja, tatsächlich, nur einmal im Jahr. Wenn man eine (mutmaßlich) schwere Sünde begangen hat, muss man nicht schauen, dass man in den nächsten zwei Tagen zur Beichte kommt; nein, man begeht keine weitere Sünde, wenn man länger wartet. Sinnvoll ist es, in regelmäßigen Abständen zu beichten (z. B. einmal im Monat).
  • Man muss nur die Sünden, bei denen man schwören könnte, dass sie schwer sind, beichten. Wenn man zweifelt, ob man eine Tat begangen hat, oder ob eine begangene Tat eine Sünde war, muss sie nicht gebeichtet werden.
  • In der Beichte sind nicht sämtliche Details notwendig; man muss nur das nennen, was die Art und (so weit man sie weiß, eine ungefähre Schätzung genügt) Zahl der schweren Sünden betrifft.
  • Bereits gebeichtete Sünden werden nicht noch einmal gebeichtet.
  • Eine Beichte ist nur dann ungültig, wenn man eine sicher schwere Sünde absichtlich und bewusst verschwiegen hat, oder vorhatte, eine sicher schwere Sünde weiterhin zu begehen. „Ich glaube, meine Reue war nicht stark genug“ ist kein Grund, an der Gültigkeit der Beiche zu zweifeln.
  • Man sollte sich immer wieder daran erinnern, dass Liebesreue genügt, um in den Himmel zu kommen, solange man noch nicht zur Beichte gekommen ist, d. h. Reue über die Sünde, weil man Gott beleidigt hat, der in höchstem Maß unsere Liebe verdient, gekoppelt mit dem Vorsatz, zumindest die schweren Sünden und die nächste Gelegenheit zur schweren Sünde zu meiden. Diese Reue ist eine Sache des Willens, es macht nichts, wenn man es nicht fertigbringt, dabei etwas zu fühlen. Man sollte auch nicht zögern, sie zu erwecken, weil man sich z. B. unwürdig fühlt, gleich wieder Gottes Vergebung zu erlangen. Gott will einen sofort zurück bei sich haben. Gut ist es, sie jeden Abend beim Abendgebet zu erwecken. (Bei der Erweckung der Liebesreue hilft z. B. ein Gebet wie der Akt der Reue aus dem Kompendium des Katechismus: „Mein Gott, aus ganzem Herzen bereue ich alle meine Sünden, nicht nur wegen der gerechten Strafen, die ich dafür verdient habe, sondern vor allem, weil ich dich beleidigt habe, das höchste Gut, das würdig ist, über alles geliebt zu werden. Darum nehme ich mir fest vor, mit Hilfe deiner Gnade nicht mehr zu sündigen und die Gelegenheiten zur Sünde zu meiden. Amen.“)
  • Das Bußgebet nach der Beichte wird nicht wiederholt, auch wenn man glaubt, dass man beim ersten Mal nicht andächtig genug war. Es wird aus keinem Grund wiederholt. (Die Sünde ist im Übrigen schon mit der Absolution weg.)
  • (Die Nicht-Wiederholungs-Regel gilt auch sonst für alle Gebete, die man verrichtet.)
  • Keine Generalbeichten ablegen. Wenn es unbedingt sein muss, dann einmal und nie wieder. Auch nicht bei einem anderen Beichtvater. Nie wieder.
  • Wenn man in der Stunde vor der Kommunion (vor der Kommunion, nicht vor Beginn der Messe) nicht mit voller Absicht Essen in den Mund steckt und es kaut und schluckt, oder mit voller Absicht etwas trinkt (was nicht Wasser und Medizin ist, das ist erlaubt), indem man eine Flasche oder ein Glas an die Lippen nimmt und schluckt, kann man das Fasten vor der Kommunion nicht brechen. Eine verschluckte Schneeflocke oder ein verschluckter Krümel, den man schon länger zwischen den Zähnen hatte, zählen zum Beispiel nicht. Das Fastengebot gilt im Übrigen für ältere Menschen und für Kranke (nicht nur für akut, sondern auch für chronisch Kranke) nicht.
  • Wenn man sich nicht so sicher ist, dass man darauf schwören könnte, dass man eine noch nicht gebeichtete schwere Sünde auf dem Gewissen hat: zur Kommunion gehen. Nicht vorsichtshalber wegbleiben; man braucht die Nähe zu Jesus.
  • Wegen möglichen Hostienbröseln an den Lippen oder Zähnen sollte man sich nicht zu viele Gedanken machen. Zunächst mal: Das tut Jesus selbst nichts. Natürlich müssen wir das Allerheiligste ehrfürchtig behandeln, aber nicht deshalb, weil wir Jesus schaden könnten, wenn wir es nicht tun. Und wenn trotz aller Sorgfalt (und Gott verlangt keine übermenschliche, sondern praktisch leistbare, menschliche Sorgfalt) doch einmal ein winziger Krümel unbemerkt außen an den Lippen hängen bleibt o. Ä., ist das kein Sakrileg.
  • Es ist allerdings keine Skrupulosität, wenn man die Handkommunion aus Ehrfurcht vor Jesus lieber vermeidet.
  • Als Laie ist man nicht dafür zuständig, zu überwachen, dass der Priester sorgfältig genug mit dem Allerheiligsten umgeht. Wenn man eindeutig sieht, dass ihm eine Hostie auf den Boden fällt und er nicht reagiert – natürlich, dann muss jemand eingreifen. Aber wenn man meint, aus dem Augenwinkel gesehen zu haben, dass er am Altar mit dem Ärmel über die Hostien gestreift sein und jetzt vielleicht einen Krümel am Ärmel hängen haben könnte: Nein, man ist nicht zuständig, ihn nach der Messe darauf anzusprechen.
  • Manchmal hat man als Skrupulant Angst davor, dass irgendjemand anders bei der Kommunion eine Hostie nicht essen, sondern in die Tasche stecken und mitnehmen könnte, o. Ä. Am klügsten ist es, wenn diese Angst einen plagt, bei der Kommunion gar nicht umherzuschauen und, sobald man wieder in der Bank ist, die Augen zu schließen, um sich auf die eigene Begegnung mit Jesus konzentrieren zu können.
  • Ein Sakrileg gemäß Can. 1367 („Wer die eucharistischen Gestalten wegwirft oder in sakrilegischer Absicht entwendet oder zurückbehält, zieht sich die dem Apostolischen Stuhl vorbehaltene Exkommunikation als Tatstrafe zu“) meint eine absichtliche, schwere Verunrehrung des Allerheiligsten. Damit sind solche Verbrechen gemeint, wie hier von Einbrechern in eine Kirche aus Nîmes berichtet. Wer – zum Beispiel – nach der Messe irgendwo auf dem Kirchenboden einen kleinen weißen Punkt sieht, sich fragt, ob das ein Hostienkrümel sein könnte, sich aber nicht sicher ist, weil es auch ein Steinchen sein könnte, und dann heimgeht und nichts tut, hat kein solches Sakrileg begangen und ist deshalb nicht exkommuniziert.

Außerdem ist zu beachten:

  • Das Beste ist nicht immer das einzig Richtige. Im Bereich des Erlaubten gibt es oft mehrere Optionen, und auch wenn eine besser ist als andere, heißt das nicht, dass man eine Sünde begeht, wenn man eine andere wählt. Nur das Verbotene ist verboten; nur das Verpflichtende ist verpflichtend. Man sollte sich vor der „Aber-ich-könnte-ja-noch-mehr-tun“-Falle hüten.
  • Das Unmögliche ist grundsätzlich nicht verpflichtend. Es gibt zudem nicht nur „physische Unmöglichkeit“ (also absolute Unmöglichkeit), sondern auch „moralische Unmöglichkeit“, d. h. etwas kann praktisch unzumutbar sein. Bsp.: Jemand mit einer posttraumatischen Belastungsstörung, der furchtbar in Panik gerät, wenn er eine Kirche betritt, wäre genauso von der Sonntagspflicht entschuldigt, wie jemand, der physisch nicht aus dem Haus kommt, weil er krank ist. Natürlich gibt es auch gewisse Unterschiede: Von manchen Pflichten kann man sich wegen weniger schlimmer Dinge entbunden sehen (z. B. von der Pflicht, zur Sonntagsmesse oder zur Arbeit zu gehen), von manchen nicht so leicht (z. B. von der Pflicht, sein eigenes Kind zu versorgen). Aber das Prinzip bleibt. (Das heißt nicht, dass es keine Regeln geben würde, die immer und überall gelten – aber diese völlig ausnahmslos immer und überall geltenden Regeln sind dann Regeln, die sich auf in sich schlechte Handlungen beziehen, also Unterlassungspflichten festlegen. Die Unterlassung einer in sich schlechten Handlung (wie z. B. Mord, Glaubensverleugnung, Ehebruch…) ist immer möglich, die Erfüllung einer Handlung dagegen nicht immer.)

Betreffs anderer spezieller Fragen:

  • Intrusive blasphemische Gedanken ignorieren, oder es gleich Jesus anvertrauen, wie sehr sie einen belasten. Die sind keine Sünde (Sünde liegt im Willen), sondern eine unfreiwillige Belastung.
  • Gedanken, Wünsche und Fantasien, die man nicht willentlich herbeiholt / da behält / sich an ihnen freut, können keine Sünde sein. Gefühle, die man nicht willentlich herbeiholt / da behält / sich an ihnen freut, können keine Sünde sein.
  • Man sollte nicht darüber nachgrübeln, ob man Gedanken, Wünschen, Fantasien oder Gefühlen innerlich zugestimmt hat. Wenn man grübeln muss, zweifelt man; und Zweifel zählen bekanntlich nicht. Außerdem würden die belastenden Gedanken durch das ganze Grübeln erst recht wieder hochkommen. Man kann Reue für die mögliche Sünde erwecken und das Ganze dann gut sein lassen.
  • Es ist besser, sich nicht zu viele Gedanken um die eigene Berufung machen und darum, ob man Gottes Willen in der Hinsicht verpassen könnte. Es muss nicht immer nur einen Weg geben; oft legt Gott einem auch mehrere vor und lässt einem die freie Auswahl. Es ist auch nicht schlimm, wenn man einen Beruf hat, bei dem man das Gefühl hat, nichts Nützliches für Gott / die Kirche zu tun. Auch diese Art von Berufen muss auf der Welt gemacht werden und damit leistet man etwas Gutes für die Welt. Und man sollte, wenn man wegen bestimmten äußeren Umständen (z. B. gesundheitlichen Problemen) ein Berufsziel oder eine Berufung nicht erreichen kann, auch wenn man meint, das wäre das, wofür man ansonsten am besten geeignet gewesen wäre, sich darum erst recht keine Gedanken machen. Und man sollte im Gedächtnis behalten: Gott kann immer noch andere Wege finden, auch wenn man einen guten Weg bereits verpasst hat.
  • Es ist nötig, sich klarzumachen, dass der eigene Einfluss auf andere begrenzt ist. Man fühlt sich als Skrupulant oft gedrängt, andere auf ihre (möglichen) Sünden hinzuweisen, um ihnen zu helfen. Bevor man das tut, sollte man sich aber klar machen, dass die allermeisten Menschen auf Ermahnungen, jedenfalls von Leuten, die ihnen nicht sowohl nahestehen als auch ihre wichtigsten Überzeugungen teilen, nicht besonders aufnahmebereit reagieren, und vielleicht eher genervt sein und noch weniger auf einen hören werden, wenn man das zu oft versucht. Jemandem, der nicht vom Katholizismus überzeugt ist, braucht man mit Dingen, die er nicht nachvollziehen kann, oft gar nicht erst zu kommen. Außerdem: Jeder hat einen freien Willen. Letztlich ist es zwar möglich, anderen Leuten dabei zu helfen, in den Himmel zu kommen, ihnen diesen Weg ein wenig leichter zu machen, aber sie sind letztlich selbst dafür verantwortlich, wo sie am Ende landen; Gott gibt allen eine reale Chance und sie müssen sie selbst ergreifen; das kann ihnen niemand abnehmen.
  • Wegen einer psychischen Störung gemachte Versprechungen/Gelübde gegenüber Gott binden nicht.

Wenn man einzelne Gewissensfragen selbst, ohne Beichtvater, bewerten muss, hilft evtl. Folgendes:

  • Generell wird das erste, was man tut, sein, Bücher/Internetseiten, von denen man weiß oder meint, dass sie nicht im Konflikt mit der kirchlichen Lehre stehen, zu Rate zu ziehen. Manchmal braucht man einfach Antworten auf konkrete Fragen, und das ist auch normal und gut so; aber das sollte kein endloses, panisches Suchen werden; irgendwann muss einfach Schluss sein. Genau dieses endlose, panische Suchen soll die Beichtvater-Regel eigentlich verhindern; und wenn man keinen Beichtvater hat, muss man sich selbst irgendein Limit setzen. Gott verlangt von uns nicht mehr als normales, angemessenes Forschen danach, was das Richtige ist (man muss schließlich auch noch Energie dafür haben, es zu tun). Man sollte es daher gut sein lassen, nachdem man eine oder zwei vertrauenswürdige Quellen zu Rate gezogen hat.
  • Die Fragen sollte man so bewerten, wie man sie bewerten würde, wenn jemand anderer sie einem unterbreiten und einen um Rat fragen würde. Das hilft einem, wieder zu einem objektiveren Urteil zu finden. Wenn eine Freundin einem dieselbe Situation unterbreiten würde, was würde man ihr dann sagen?
  • Es kann auch helfen, vertrauenswürdige Freunde um Rat zu fragen. Wenn man alles laut erklären muss, sieht man die Situation vielleicht dadurch schon klarer; und sie wissen vielleicht mehr und können einem weiter helfen. Sie stecken nicht so tief drin und und blicken objektiver darauf.
  • Entscheidungen sollte man treffen, während man klar denken kann, nicht während man gerade in Panik ist, und sich dann später, wenn man in Panik gerät, daran halten.

Und immer dran denken: Wenn man sich dann trotzdem einmal irrt, rechnet Gott einem das nicht als Schuld an.

Ein paar weitere Ratschläge, die bei der Besserung der allgemeinen Situation helfen könnten:

  • Leiden kann man aufopfern, auch psychisches Leiden (und zwar egal, wie schlimm oder wie trivial es einem vorkommt). Dann wird daraus noch etwas Gutes, und so trickst man den Teufel aus.
  • Kurze Stoßgebete im Lauf des Tages beten.
  • Sich ab und zu in eine Kirche vor den Tabernakel setzen und einfach eine Zeit lang bei Jesus sein, ohne etwas zu tun. Nach der Sonntagsmesse, vor der Sonntagsmesse, am Werktag, wenn die Kirche leer ist… irgendwann eben, wann man gerade Zeit hat.
  • In der Bibel lesen. Gottes Wort hilft und tröstet.
  • Das Stundengebet oder zumindest einen kleinen Teil davon beten. Auch das hilft und tröstet. (Das gibt es als App, im Internet sowie in Buchform.)
  • Sich kleine Vorsätze machen, wenn man etwas ändern will, vor allem, wenn man im Moment nicht die Kraft für große Veränderungen hat. „Ich will jeden Samstagabend die Vesper beten“ hält man eher ein als „ich will jeden Tag Laudes, Vesper und Komplet beten“, und dann ist man auch nicht entmutigt. Kleine Fortschritte sind wesentlich besser als gar keine. Es kommt einem trivial und lächerlich vor, was man sich vornimmt? Na und? Soll man lieber nichts verändern? Außerdem: Sich konkrete Vorsätze machen. Also statt „ich will mehr in der Bibel lesen“ lieber „ich will jeden Sonntag, bevor ich ins Bett gehe, ein Kapitel in der Bibel lesen“.
  • Geduld haben. Gott arbeitet an einem ein Leben lang.
  • Sich einen oder mehrere Heilige suchen, vor denen man keine Angst hat – solche, bei denen man das Gefühl hat: die wären freundlich und gut zu mir. Ich hätte z. B. vor dem hl. Padre Pio eher Angst als vor dem hl. Franz von Sales, dem hl. Joseph, dem hl. Petrus, oder dem hl. Thomas. Natürlich müsste man eigentlich vor keinem Heiligen Angst haben; aber wenn man sie doch hat, sucht man sich eben erst einmal andere Patrone; die Auswahl ist schließlich groß genug. Übrigens ist der hl. Aphons von Liguori der Patron der Skrupulanten und die hl. Dymphna die Patronin der psychisch Kranken im Allgemeinen; der hl. Ignatius von Loyola könnte auch helfen. Fürsprecher sind gut.
  • Zum eigenen Schutzengel beten. Gott hat einen eigenen Engel abgestellt, um einen zu beschützen; wieso sich nicht mal an den wenden?
  • Es mit der Herz-Jesu-Verehrung probieren.
  • Sich der eigenen Würde als Christ bewusst werden. Wir sind Kinder Gottes, Tempel des Heiligen Geistes, Glieder des Leibes Christi, der durch uns handeln will. Wir sind getauft und „besiegelt durch die Gabe Gottes, den Heiligen Geist“ in der Firmung. Gott ist mit uns.
  • Wenn man Angst vor der Beichte entwickelt: Sich ein wenig „Auszeit“ nehmen, in der man versucht, zur Ruhe zu kommen, und sich dann ruhig auf die Beichte vorbereiten. Sich einen festen Termin setzen, und sich, wenn möglich, mit einem Freund oder Familienmitglied verabreden, um gemeinsam hinzugehen – da ist die Hemmschwelle größer, es wieder abzusagen, wieder zurückzuschrecken. Oder einen Beichttermin mit dem Priester ausmachen, dafür gilt das Gleiche. Wenn man niemanden hat, mit dem man sich dazu verabreden kann, oder sich nicht traut, extra einen Termin auszumachen – nicht so schlimm, dann versucht man es eben auf andere Weise. Sich deswegen weiter zu stressen, hilft nicht. Dann: Versuchen, überpünktlich zu sein, wenn es so weit ist; vielleicht schon eine halbe Stunde vorher in die Kirche zu kommen und noch vor dem Tabernakel zu sitzen. Wenn man dann vor Angst Bauchschmerzen bekommt und sich der Aufbruch verzögert, hat man damit immer noch einen zeitlichen Puffer. Und wenn es wieder einmal nicht geklappt hat: Nicht verzweifeln. Es ist nie zu spät. Gott gibt uns nie auf.

Käthe Kollwitz, Betende Frau (Femme en prière).jpg

(Käthe Kollwitz, Betende Frau. Gemeinfrei.)

Ein kurzer Nachtrag zu der Sache mit Amoris Laetitia – Über Unbarmherzigkeit

Als ich den vorletzten Beitrag hier geschrieben habe – den zu Amoris Laetitia und dem Kommunionempfang für Wiederverheiratete -, habe ich an manchen Stellen ziemlich lange überlegt, wie ich etwas ausdrücken soll, und habe dann mehrmals noch etwas geändert bzw. am Ende des Artikels hinzugefügt. Ist das hier zu hart ausgedrückt? Wie würde ein Betroffener, der das liest, das wohl aufnehmen? Sollte ich auf das und das noch genauer eingehen?

Ist ein schwieriges Thema. Normalerweise schreibe ich ja weniger über Themen, die die Leute direkt konkret angehen und momentan hitzig diskutiert werden, und mehr über Sachen, die einfach interessant sind – die bevorstehende Heiligsprechung von Papst Paul VI., den Unterschied zwischen Denethor und Faramir aus „Der Herr der Ringe“, die Interpretation irgendwelcher Bibelstellen, Romane von Robert Hugh Benson, meine neu entdeckte Liebe zu Polen oder richtige Kommasetzung, solches Zeug eben.

Wahrscheinlich war es auch nicht wirklich nötig, dass ich mich jetzt auch noch in der Debatte um AL zu Wort gemeldet habe – aber, na ja, wenn man einen Blog betreibt, neigt man eben immer dazu, alle seine Gedanken darauf kundzutun, ob sie nun jemandem nützen oder nicht. Aber auch wenn schon viel dazu geschrieben wurde, ich finde das Thema schon irgendwie wichtig. Und einen Punkt dazu habe ich in meinem Beitrag noch nicht genauer erklärt, daher will ich ihn nun nachtragen, weil ich finde, dass er doch auch noch Beachtung verdient.

Wenn es um dieses ganze Thema geht, dann ist immer sehr schnell der Vorwurf an die Kirche (oder strenge Katholiken wie mich) bei der Hand, unbarmherzig zu sein, Menschen zu verurteilen, und so weiter. Dieser Vorwurf kommt natürlich hauptsächlich daher, dass die Menschen, die ihn vorbringen, einfach das katholische Eheverständnis nicht teilen, und es wahrscheinlich überhaupt nie erklärt bekommen haben, woran die derzeitige Verkündigung in der deutschen Kirche nicht so ganz unschuldig ist. (Hier übrigens noch einmal der Link zu meinem Artikel über einen Grund, aus dem die Ehe unauflöslich ist. Meine Argumentation in aller Kürze: Die Ehe ist ein Bund, der eine neue Familie begründet, und Familie ist unauflöslich und begründet die lebenslange Pflicht zu Liebe und Treue. So, wie die eigenen Kinder immer die eigenen Kinder bleiben werden, ist es auch mit dem Ehemann oder der Ehefrau – selbst, wenn man die Kinder aus irgendeinem Grund zu Pflegeeltern oder in irgendeine Einrichtung geben sollte, was man nur aus ganz besonders dringenden Gründen tun sollte, bleiben sie die eigenen Kinder. Trennungen reißen wirklich eine Familie auseinander.) Sie begreifen nicht, was an Ehebruch überhaupt so schlimm sein soll; sie sehen ihn gar nicht als Sünde, sondern als etwas vollkommen Akzeptables, das die Kirche gefälligst auch endlich akzeptieren soll; solange sie das nicht tut, ist sie natürlich unbarmherzig und böse.

Aber einher mit diesem Vorwurf geht bei solchen Kirchenkritikern paradoxerweise – meistens unbewusst, nehme ich an – auch oft eine Unbarmherzigkeit und ein Verurteilen gegenüber anderen Arten von Menschen. Zum Beispiel denen, die, aus Treue zu Gott, sich nach einer Trennung wieder mit ihrem Partner zusammengerauft haben und wieder einen gemeinsamen Weg gefunden haben, anstatt den einfachen Weg zu gehen, wegen ihrer Schwierigkeiten getrennt zu bleiben und zu sagen, ist doch nicht so schlimm so. Oder denen gegenüber, die vielleicht jetzt nicht mehr die Möglichkeit haben oder für die es keine vernünftige Lösung wäre, wieder in ihre eigentliche Ehe zurückzukehren, aber die sich keinen neuen Partner suchen oder mit ihrem zweiten Partner enthaltsam leben. Oder denen gegenüber, die zwar nichts davon tun, aber anerkennen, dass ihr Leben im Moment falsch läuft und daher akzeptieren, dass sie im Moment, wenn sie ehrlich gegenüber Gott sein wollen, nicht die Kommunion empfangen können. (Letzteres ist zwar noch nicht wirklich gut – man enthält sich hier selbst die Gemeinschaft mit Gott vor, von der man weiß, dass man sie braucht, und die man haben könnte, wenn man den Mut aufbringen würde, sein Verhalten zu ändern – aber es ist ein wichtiger erster Schritt.) Solchen Menschen bringen Menschen, die selbst nicht bereit sind, das zu tun, sondern die Lehre der Kirche als einfach nur „unbarmherzig“ aburteilen und ihre Änderung verlangen, oft kein Verständnis entgegen. Wieso macht die sich das Leben so schwer? Ihr Mann hat sie verlassen, na, wieso will sie dann partout keinen neuen Partner suchen – weil ihr das von dieser Kirche da eingeredet wurde oder wie? Will sie unbedingt unglücklich bleiben? Unbarmherzig, überheblich, hält sich wohl für was Besseres, was soll das. So, wie Menschen, die alle Religionen für gleich gültige Wege zu Gott halten und Mission als etwas ganz Schlimmes ansehen und stattdessen nur interreligiöse Zusammenarbeit verlangen, Konvertiten, die in ihrer neu angenommenen Religion glücklich sind, oft nur Unverständnis oder schlimmstenfalls Verachtung entgegenzubringen scheinen, so bringen Menschen, die die Änderung der kirchlichen Lehre und Praxis verlangen, denen, die sich daran halten wollen und diese Lehre und Praxis in ihrem Leben als gut und im Endeffekt heilbringend erkannt haben, oft anscheinend nur Unverständnis oder schlimmstenfalls Verachtung entgegen. Die stören. Die passen nicht ins Bild.

Man lese mal diesen Brief einer geschieden-wiederverheirateten Frau, die seit einiger Zeit bewusst nicht zur Kommunion geht, den Bischof Stefan Oster mit ihrem Einverständnis anonym veröffentlicht hat, und dann gleich darunter den ersten Leserkommentar. Aus dem Kommentar: „Armutszeugnis für die Kirche … immer und immer wieder suggeriert, dass sie schuldig ist – solange bis sie es selbst glaubt und sich kasteit.“ Usw. Die Ironie daran ist irgendwie, dass im Brief der Frau selbst schon solche Reaktionen beschrieben wurden, unter denen sie offenbar auch ein bisschen leidet: „Mein Gedanke dahinter: Wenn ich mir bewusst bin, dass ich gegen das Gebot: ‚Du sollst nicht ehebrechen‘ verstoße, ich daran nichts ändern kann und will, dann muss ich dieses Opfer bringen -aus Respekt vor dem hl. Sakrament der Ehe, und der Heiligkeit der Kommunion. Hinzu kommt, dass ich meinen Kinder vermitteln will: Das ‚Ja‘ zweier Menschen füreinander vor Gott ist heilig und endgültig. Ob es ankommt bei ihnen? Ich hoffe es! In der Praxis war und ist das ein ‚Spießrutenlauf‘. Es ist ja wie ein öffentliches Schuldeingeständnis. Von meinem Umfeld hör ich so Sätze wie: ‚Geh lass dich doch nicht einschüchtern von der Kirche!‘ ‚Du warst ja gar nicht schuld an der Scheidung!‘ ‚Das ist doch ein überholtes Verbot in der heutigen Zeit!‘ usw. Es fällt mir immer noch schwer, öffentlich dagegen zu argumentieren. Im Herzen weiß ich, dass die Enthaltsamkeit [von der Kommunion] richtig und heilsam für mich ist. Es ist wie Heilfasten: Es fällt am Anfang sehr schwer. Aber nach und nach gehen in Gedanken Türen auf. Es eröffnen sich mir Erkenntnisse die ich sicher noch mit einem Seelsorger aufarbeiten muss und ich hoffe auf die Barmherzigkeit Gottes, dass er mir  meine Schuld vergibt.“

Ein ehrlicher, selbstkritischer Blick auf sein eigenes Leben, Reue und das Bewusstsein, auch nicht immer alles richtig gemacht zu haben und nicht immer nur der Kirche die Schuld geben zu können, die Erkenntnis, dass Ehrlichkeit mit Gott einem persönlich größeren Frieden bringt und einen auf einen guten Weg führt, das ist denen, die gerne der Kirche an allem die Schuld geben wollen, ein Dorn im Auge. Und während man solchen Menschen wie der oben erwähnten Frau noch „mitleidsvoll“ eine Art von Stockholm-Syndrom unterstellen kann, kann man dagegen persönlich nicht betroffenen Katholiken / Kirchenmännern, die einfach die Lehre der Kirche verteidigen, weil sie ihnen wichtig ist und sie einen Sinn dahinter sehen, leicht als vollkommen unbarmherzige, kalte, regelfixierte Pharisäer aburteilen. Sorry, aber wenn man Kardinal XY als „unbarmherzig“ verurteilt, dann ist das eben auch eine Art von Verurteilung. Sollte man ihm nicht zuerst einmal unterstellen, dass er für seine Meinung auch andere Gründe haben könnte als kaltschnäuzige Selbstherrlichkeit und Gleichgültigkeit gegenüber den Leiden der Wiederverheirateten?

Okay, ich weiß selber sehr gut, dass man es mit Selbstkritik und Reue auch übertreiben kann – ich habe hier auf diesem Blog nicht ohne Grund öfter über Skrupulosität geschrieben, eine geistliche Krankheit, die sich ja vor allem durch endlose und grundlose / überzogene Selbstvorwürfe auszeichnet. Aber das Gewissen kann nicht nur zu zart sein, sondern auch zu stumpf. Beides sind Extreme, die zu vermeiden sind. Und die Lehre der Kirche hat ihren Sinn, und es rächt sich, wenn man sie ignoriert, so wie es sich rächt, wenn man jahrelang nicht zum Zahnarzt gehen will. Ich weiß auch, dass man, wenn man die Lehre erklären will, vielleicht manchmal als verurteilend und unbarmherzig erscheinen kann (wenn das in diesem Artikel der Fall war, bitte ich dafür um Vergebung – das ist nicht meine Absicht), und dass einzelne konservativen Katholiken das tatsächlich nicht nur scheinen, sondern auch sein können. Das gibt es in allen Gruppen. Aber die Gebote Gottes an sich – und wenn man die Bibel ehrlich liest, wird man sehen, dass Gott da sehr klar ist (ich habe in meinem Artikel über die Ehe, den ich oben verlinkt habe, gleich am Anfang alle relevanten Stellen aufgeführt) – sind eben an sich nicht unbarmherzig, sondern der Weg zu Freiheit und Glück, auch wenn man das im Moment schwer sehen kann. Die Wahrheit wird euch frei machen, hat Christus gesagt. (Joh 8,32) Wunschdenken macht unfrei. Immer. Egal, wie schwierig die Situation ist; wenn man sich nicht an die Wahrheit hält, kommt man nicht weiter. Nur die Wahrheit wird frei machen.

Und hey: Es ist wirklich nicht so schlimm, sich einzugestehen, dass man Dinge falsch gemacht hat, dass man, um es auf Katholisch zu sagen, ein Sünder ist. Sind wir alle. Das klingt wie eine Binsenweisheit, aber Binsenweisheiten stimmen eben. Keiner tut immer sein Bestes, keiner ist immer ein guter Mensch, wir sind alle irgendwie kaputt und selbstsüchtig. Ich bin es, du bist es, dein Nachbar und meine Cousine dritten Grades sind es. Das dürfen wir uns ruhig eingestehen.