Christliche Kultur am Sonntag: „Du selbst bist die Antwort“

Bei christlichen Sachbüchern findet man bekanntlich relativ leicht gute Sachen; bei Romanen, Filmen oder Kinderbüchern sieht es allerdings manchmal schwieriger aus, auch wenn einige vermutlich gern mehr davon besäßen. Dabei gibt es eigentlich auch hier viel Gutes, wenn man näher hinschaut, und weil nicht allen alles bekannt ist, dachte ich, ich stelle meinen Lesern hier mal jede Woche kurz ein Werk vor – hauptsächlich katholische Sachen, aber wenn es von guter Qualität ist, auch mal was aus anderen Konfessionen; nicht nur Hochkultur, sondern auch eher Populärkultur (aber halbwegs gut gemacht soll es sein); und sowohl solches mit explizit religiösen Inhalten (im Einzelfall auch mal, wenn es von persönlich nicht sehr frommen Menschen kommt), als auch Werke von überzeugten Christen ohne explizite Botschaft. Viele werden bestimmte Klassiker schon kennen, aber andere vielleicht noch nicht.

Und weil ich ja auch nicht alles kennen kann: Wer ein katholisches Lieblingsbuch, einen Film o. Ä. hat, von dem er schon immer mal mehr Leuten erzählen wollte, darf mir gern über die „Contact“-Seite schreiben und vielleicht ergibt sich ein Gastbeitrag.

 

Erst einmal: Entschuldigung, dass in den letzten Wochen keine Beiträge gekommen sind – manchmal ist man ein bisschen im Stress. Jetzt sollte es wieder normal weitergehen.

 

Heute: C. S. Lewis: „Du selbst bist die Antwort“ (Originaltitel: „Till we have faces“)

Dieser Roman ist meiner Meinung nach eins von Lewis‘ besten Werken (auf jeden Fall besser als die Perelandra-Trilogie, und sogar besser als Narnia), und komischerweise eins der am wenigsten bekannten. (Der deutsche Titel gibt übrigens einen falschen ersten Eindruck; er klingt sehr nach „Selbstfindung“, dabei ist es ein Satz, den die Ich-Erzählerin am Ende an jemand anderen richtet.)

Der Autor beschreibt die Geschichte vor dem Beginn des Buches so:

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Es handelt sich bei dem Roman um eine Nacherzählung der griechischen Sage von Amor und Psyche, und zwar aus der Sicht von Psyches ältester Schwester. Das Ganze spielt in der Antike, in einem kleinen Fürstentum irgendwo nördlich von Griechenland. Die Ich-Erzählerin Orual beginnt ihre Geschichte aufzuschreiben, als sie alt ist und auf ihr Leben zurückblickt, und zwar als Anklage gegen die Götter. Das erste Kapitel beginnt so:

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Orual erzählt  zuerst von ihrer Kindheit als älteste Tochter des Königs von Glome, mit ihrem jähzornigen Vater, ihrer hübschen flatterhaften jüngeren Schwester Redival und dann ihrer jüngsten Halbschwester Istra, die auf Griechisch, das ihnen ihr Erzieher, ein griechischer Sklave und Philosoph, den alle wegen seiner roten Haare nur den Fuchs nennen, beibringt, Psyche genannt wird. Istra/Psyche (um die sich vor allem Orual und der Fuchs kümmern, da ihre Mutter schon im Kindbett gestorben ist, und ihr Vater, freundlich ausgedrückt, nicht begeistert davon ist, nur Töchter zu haben), ist von Anfang an ein besonderes Kind, und als sie älter wird, beginnen die Menschen von Glome, sie zu verehren und kommen mit Krankheiten zu ihr, damit sie ihnen die Hände auflegt. Aber als dann einiges Unglück auf einmal Glome trifft, und die Priester der Göttin Ungit ein Menschenopfer verlangen und darauf kommen, dass Psyche die Götter beleidigt haben könnte, wendet sich das Blatt. Der höchste Priester setzt tatsächlich durch, dass Psyche in ein nahes Gebirge gebracht und dort als Opfer für den Gott des Berges an einen Baum gekettet zurückgelassen wird. Orual ist völlig verzweifelt, Psyche dagegen, die immer schon eine seltsame Sehnsucht nach der Welt der Götter gespürt hat, deutlich gefasster.

Ihre trauernde ältere Schwester geht einige Zeit später ins Gebirge, um zu sehen, ob sie wenigstens Überreste ihrer Schwester begraben kann. Aber sie trifft Psyche sehr lebendig an, und die erzählt ihr, dass sie mit dem Gott des Berges vermählt worden sei, und will ihr ihren Palast zeigen – den Orual nicht sehen kann. Sie sagt ihr auch, ihr Gemahl käme nur nachts zu ihr und sie dürfe ihn nicht sehen und keine Lampe in ihr Schlafgemach bringen. Orual will alles nicht glauben und kehrt schließlich nach Hause zurück. Sie überzeugt sich selbst, dass etwas Finsteres dahinterstecken müsse und schließlich kommt sie ein zweites Mal zu Psyche und droht ihr, sich selbst zu töten, wenn Psyche nicht eine Lampe, die sie ihr mitgebracht hat, nachts anzündet, um den Gott anzusehen…

In dem Buch geht es um einen gewissen Konflikt zwischen dem Kult des Priesters, für den heilige Orte dunkle Orte sind und Religion im Kern irrational ist, und den rationalen Maximen des griechischen Philosophen von der göttlichen Natur, und letzten Endes darum, wo beide Unrecht haben, aber Orual will eigentlich gar nichts mit der Welt des Göttlichen zu tun haben, und darum geht es ganz zentral.

Lewis hat ja auch in seinen theologischen Werken einiges dazu geschrieben, inwiefern es in den Legenden und Kulten des Heidentums schon Ahnungen von der wahren Religion gab, und dieser Roman führt das in einer mythologischen Weise aus, was ihn teilweise etwas seltsam macht (v. a. gegen Ende), aber letztlich passt das alles zusammen. Zwischendurch ist der Roman dunkel und traurig und hart, und das Ende ist dann wahnsinnig schön. Tatsächlich ist das eins der wenigen Bücher, bei denen ich an manchen Stellen jedes Mal heulen muss.

 

Why should the games go on?

Vor ein paar Wochen fand ja in Halle eine dieser seltsamen Veranstaltungen statt, die es schon in Chemnitz gegeben hat: Konzert nach Mord. #HalleZusammen nannte sich das Ganze; „Wir sind mehr“ hieß es vorher in Chemnitz. Ein bisschen „Zeichen setzen“, eine kurze Erwähnung der Opfer noch, und natürlich etwas gemäßigt-fröhliches Feiern.

Aber auch wenn Konzerte anlässlich Terror/Mord ein eher neuer Trend sind, wird ja schon seit Ewigkeiten nach jedem Terroranschlag irgendwas dazu gesagt, dass „wir uns nicht verunsichern lassen“, „wir den Terror nicht gewinnen lassen“, „das Leben weitergeht“, und die Einstellung ist ja nicht gerade neu. 1972 wurden bekanntlich die Olympischen Spiele in München nach dem palästinensischen Attentat nach kurzer Unterbrechung gleich wieder fortgesetzt. Elf tote israelische Geiseln, ein toter Polizist – egal, „The games must go on“.

Was eigentlich ein sehr seltsamer Weg ist, damit umzugehen, meines Erachtens.

Sicher wird und kann nicht das ganze Leben in einem ganzen Land auf einmal stillstehen nach jedem Terroranschlag. Terroranschläge sind (Verzeihung für den flapsigen Vergleich) in einer Hinsicht so ähnlich wie verworrene Aussprüche von Papst Franziskus: Es gibt zu viele, um jeden einzeln zu kommentieren, und viel Originelles wird man eh nicht mehr dazu sagen können, weswegen es auch niemandem, der nicht qua Amt dazu verpflichtet ist, etwas dazu zu sagen, vorzuwerfen ist, solche, die ihn nicht betreffen, mehr oder weniger an sich vorüberziehen zu lassen. [Der Vergleich war vielleicht doch etwas respektlos gewählt; das tut mir leid.]

Aber dieses inszenierte Weiterfeiern? Inwiefern heißt es „den Terror gewinnen lassen“, wenn man erst einmal um die Opfer trauert? Der Terror hat doch zu dem Zeitpunkt längst gewonnen – er hat getötet. Diese Kaltschnäuzigkeit, dieses Getue, als wäre „unsere“ (immer dieser vereinnahmende Plural!) Reaktion wichtiger als die eigentlichen Opfer. Die Leute, die zur Gruppe der Opfer gehören, die Ortschaft des Anschlags, die Zeugen – wieso sollten die nicht lieber trauern? Hysterisch auf einem „I’m not owned!“ gegenüber den Terroristen zu bestehen ist doch Augenwischerei. Wenn man sich nicht eingestehen will, wo der Feind schon gesiegt hat, wie will man dann gegen ihn kämpfen?

„The games must go on“ hat doch noch nie so recht Sinn gemacht. Wo steht geschrieben, dass sie weitergehen müssten, dass ein Stabhochsprung- oder Sprintwettbewerb nicht wegen einigen schrecklichen Morden abgesagt werden darf? Wenn Terror oder Mord passiert ist, hat es um die Opfer und ihre Familien zu gehen (und dann darum, in Zukunft zu verhindern, dass es noch mehr Opfer gibt). Nicht um andere Leute, die sich nicht die Laune verderben lassen wollen.

Vielleicht ist dieses Urteil zu hart gegenüber den jeweiligen Organisatoren und Teilnehmern und ihren Motiven. Aber es kommt mir doch wie eine sehr falsche Reaktion auf gewaltsame Tode vor, erstmal ein Konzert zu veranstalten.

Und vielleicht betrifft das ganze Thema nicht nur solche Tode, sondern auch normale, wo es nicht gerade sinnvoll ist, Angehörigen (z. B.) zu sagen „XYZ hätte nicht gewollt, dass du trauerst“. Wieso sollte der Tote einen nicht um ihn trauern lassen wollen? Ein realer Verlust darf real betrauert werden. Vielleicht haben die alten Trauerzeiten und Trauerkleider doch Sinn gemacht.

(Das waren ein paar Gedanken, die ich mir schon länger gemacht habe, aber vielleicht passt die verspätete Veröffentlichung zum Allerseelentag vor kurzem.)

Millais - Das Tal der Stille.jpg

(John Everett Millais, The Vale of Rest. Gemeinfrei.)       

Von Synkretismus und der Amazonassynode

Update: Möglicherweise ist das Bischof-Kräutler-Zitat (er habe nie einen Indio getauft) nicht authentisch.

 

Fassen wir gewisse Ereignisse bei der Amazonassynode in Rom mal zusammen:

  • In den Vatikanischen Gärten findet am 4. Oktober in Anwesenheit des Papstes ein komisches Ritual statt, das viele Katholiken ziemlich irritiert. Dabei werfen sich Leute vor zwei Holzfiguren auf den Boden, die nackte schwangere Frauen darstellen (und nicht besonders hübsch gemacht sind, freundlich ausgedrückt). Der Papst sitzt dabei, legt seine Notizen für eine Ansprache beiseite, und spricht nur ein Vaterunser; außerdem segnet er eine der Statuen, die man ihm bringt. Das Ganze wirkt auf viele neopagan und synkretistisch, das Wort Götzendienst macht die Runde, die Statuen seien möglicherweise Darstellungen der „Pachamama“, „Mutter Erde“ (eigentlich eine Gottheit aus den Anden, nicht dem Amazonasgebiet). Liberalere Stimmen in den katholischen Medien und sozialen Medien behaupten, die Figuren hätten den Besuch Marias bei Elisabeth dargestellt, der Titel „Unsere Liebe Frau von Amazonien“ schwirrt herum.
  • Am 16. Oktober widerspricht bei einer Pressekonferenz ein Vatikansprecher, Giacomo Costa. Es sei nicht die Jungfrau Maria, wer hätte gesagt, es wäre die Jungfrau Maria? Es gäbe hier nichts zu wissen, es sei eine weibliche Figur, die das Leben repräsentiere, „weder heidnisch noch heilig“ (obwohl man sich vor ihr auf den Boden geworfen hat wie Muslime beim Gebet??) . Auch laut einem weiteren Pressesprecher, Ruffini, repräsentierten die Figuren „das Leben“, nicht die Gottesmutter.
  • Am 21. Oktober taucht ein Video auf, das zeigt, wie zwei Personen die Holzfiguren aus der römischen Kirche, in der sie inzwischen stehen, mitnehmen und in den Tiber werfen. Auf liberaler Seite ein Riesenaufschrei: Respektlosigkeit, Rassismus gegenüber den Indigenen. Auf konservativer und traditionalistischer Seite zum Teil Jubel, zum Teil ein paar Vorbehalte (wie: die hätten das nicht anonym machen sollen, das löst das eigentliche Problem nicht, man dürfe nicht stehlen (obwohl das ja definitiv nicht unter die Definition von Diebstahl fällt, die im Katechhismus steht*)…)
  • Am 25. Oktober meldet sich der Papst selbst zu Wort. Die Figuren seien wiedergefunden worden und befänden sich bei der Polizei; er entschuldige sich als Bischof der Diözese für den Diebstahl. Das Erstaunliche: Der Papst selbst nennnt die Dinger „Pachamama-Statuen“. (Manche postulieren, er habe sie ja bestimmt nur so genannt, weil sie unter diesem Namen in den Medien bekannt geworden seien.) Außerdem sagt er, der Polizeichef habe vorgeschlagen, sie bei der Abschlussmesse der Synode aufzustellen, wozu er sagt, man werde sehen, er delegiere das an den Staatssekretär.
  • Am 26. Oktober steht eine der Figuren in der Synodenhalle.

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(Hier im Bild unten mittig im Boot.)

Ich will gar nicht wissen, wie es morgen weitergeht.

 

Was soll man dazu noch sagen?

Erstens, ja, „das Leben“ oder die „Mutter Erde“ auf diese Weise darzustellen und anzubeten ist absolut antichristlich. Das ist Pantheismus (Vergöttlichung der nur von Gott geschaffenen Welt) und Götzendienst. Da hilft auch nicht der Einwand, auch in älteren Kirchen fände man allegorische Frauengestalten, die z. B. die Gerechtigkeit darstellen. Vor diesen Statuen wirft man sich nicht nieder und bringt man keine Gaben dar. Das tut man nur vor Wesen, die wirklich ansprechbar sind und einem Bitten gewähren können. Die Erde/Natur kann das nicht; und sie ist übrigens auch nicht perfekt, sondern gefallen und enthält ziemlich viel Brutalität – Tod, Schmerzen, Parasitismus, das Recht des Stärkeren… (Einen solchen Vorgang könnte man vielleicht eher noch mit dem „Kult der Vernunft“ bei der Französischen Revolution vergleichen als mit normalen Statuen der Iustitia oder Prudentia, und selbst dieser Vergleich ist schief.) Selbst wenn man argumentieren wollte, es ginge nur um Verehrung, wie bei den Heiligen, nicht um Anbetung, wie bei Gott, zieht das nicht, weil man die Erde nicht auf diese Weise verehren kann – und der Vorgang sah schon sehr nach Anbetung aus. Ja, es gab schon manchmal Unklarheiten, ob eine Tradition in einem heidnischen Land wirklich Götzendienst ist oder ob Christen sie – vielleicht abgewandelt – übernehmen können, wie bei dem Streit um die chinesischen Riten (ob chinesische Christen sich weiterhin vor den Bildern ihrer Ahnen verbeugen dürften). Aber das Verbeugen vor den Ahnenbildern konnte einfach als Erfüllung des Gebots „Ehre Vater und Mutter“ gesehen werden und wurde von vielen Chinesen so gesehen, und es war in der Kirche immer klar, dass ein wirklicher Kult gar nicht gehen würde. Hier wollen manche nicht mal die Frage zulassen, ob das Ganze  evtl. problematisch sein könnte.

Zweitens muss man schließlich auch den Kontext sehen. In Lateinamerika haben Synkretismus, Pan- und Polytheismus und weiße und schwarze Magie eine gewisse Tradition und kommen in letzter Zeit stärker wieder (auch in neu erfundenen Varianten), während die Menschen der Kirche davonlaufen. (Im Vergleich dazu ist der dortige starke Zulauf zu den Evangelikalen und Pfingstkirchen ja noch weniger schlimm.) Alles deutet darauf hin, dass die Gruppe REPAM sich hier ein neues „Mutter-Erde-Bild“ zusammenerfunden hat, das auf diversen idealisierten heidnischen Traditionen basiert (und in das jeder diverse Vorstellungen hineindeuten kann).

Drittens, alle Äußerungen vonseiten des Vatikans und der vorrangigen Synodenorganisatoren lassen darauf schließen, dass sie wirklich nichts gegen einen solchen Pantheismus haben, dass sie kein Problem mit einem synkretistischen Naturkult haben und keinen Widerspruch darin sehen, eine personifizierte „Mutter Erde“ an die Seite von Gott dem Vater zu stellen, was zumindest gravierendes schuldhaftes Unwissen über ihre eigene Religion zeigt. Schon das Instrumentum Laboris geht in diese Richtung. Zuallermindest im Sinn von „Lass sie doch machen, zu erwarten, dass sie das aufgeben, wäre mangelnder Respekt vor ihrer Kultur“, eher noch im Sinn einer Faszination damit, weil diese Bischöfe und nicht-missionierenden Missionare wie Kräutler (seit Jahrzehnten Bischof am Amazonas; „Ich habe noch keinen Indio getauft und werde auch keinen taufen“) mit ihrem eigenen katholischen Glauben wohl nicht mehr viel anfangegn können, und nicht glauben, dass er wirklich ein Geschenk und eine befreiende Wahrheit für jeden Menschen wäre.

[In Wirklichkeit ist es ja ziemlich rassistisch, zu glauben, manche Menschengruppen könnten Christus (oder Seine Ratschläge) nicht kapieren. Witzigerweise sind sich antikolonialistische Linke und rechte Ethnopluralisten da wieder einig:

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Das kommt eben davon, wenn man selbst nicht wirklich glaubt.]

Viertens, die Gruppe, die die Figuren hergebracht und die Rituale veranstaltet hat, geht nicht an die Presse und äußert sich nicht. Das könnte sie mit hundertprozentiger Sicherheit; man würde ihnen die Mikrofone sofort unter die Nase halten. Sie könnten sich auch an die Synodenväter wenden oder ein eigenes Youtubevideo machen. Wenn es Marienstatuen wären, kann man wohl annehmen, dass sie sich geäußert hätten.

 

Fazit: Der Papst macht sich offensichtlich keine Sorgen darum, dass er Leute dazu verführt, Synkretismus und Pantheismus für gut zu halten, und Gott beleidigt, indem er das Aufstellen offensichtlicher Idole an geweihten Plätzen duldet. Dem Auftrag, die Brüder zu stärken, ist er ja noch nie besonders gut nachgekommen – aber ein neuer Tiefpunkt ist das.

Und wie immer gibt es immer noch Katholiken, die alle anderen Katholiken, die es wagen, deswegen Kritik oder auch nur Fragen zu äußern, für das eigentliche Problem halten. Aber das ist ja ein typisches Problem, wenn man einen missbräuchlichen Vater hat: Man will nicht wahrhaben, wie schlecht er einen wirklich behandelt, und die Geschwister dürfen es deswegen nicht aussprechen.

Und leider bleibt uns immer noch keine andere Möglichkeit, als auf Pius XIII. zu warten. Naja, oder vielleicht doch mal das ein oder andere Idol in einen Fluss zu werfen, wenn sich einer traut. Oder vielleicht doch in den Holzofen, dann kann man es nicht mehr herausholen.

 

Update 1: Die Figuren wurden während der Abschlussmesse immerhin in der Synodenaula gelassen, nicht im Peterdom aufgestellt.

Update 2: Ein gutes Beispiel für die verworrenen Gedanken liberaler Katholiken bietet der Journalist und Papstbiograph Austen Ivereigh, der die Aktion mit den Statuen allen Ernstes damit verteidigt, dass hier kein Götzendienst (Anbetung eines geschaffenen Dings – Statuen) betrieben worden sei, sondern nur Götzendienst (Anbetung eines geschaffenen Dings – Erde).

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*Der Katechismus definiert den Diebstahl so: „Das siebte Gebot untersagt den Diebstahl, der darin besteht, daß man sich fremdes Gut gegen den vernünftigen Willen des Besitzers widerrechtlich aneignet.“ Es ist kein vernünftiger Wunsch, Götzen zu besitzen (im Gegenteil, der Besitz schadet einem eher), geschweige denn sie in eine Kirche zu stellen. Wenn der Nachbar einem ein Schild mit Beleidigungen in den Garten stellen würde, wäre es kein Diebstahl, es wegzuwerfen, und es wäre auch kein Diebstahl, dem dementen zittrigen Opa sein Jagdgewehr wegzunehmen, damit er sich nicht in den Fuß schießt.

Christliche Kultur am Sonntag: „Die Chroniken von Narnia“

Bei christlichen Sachbüchern findet man bekanntlich relativ leicht gute Sachen; bei Romanen, Filmen oder Kinderbüchern sieht es allerdings manchmal schwieriger aus, auch wenn einige vermutlich gern mehr davon besäßen. Dabei gibt es eigentlich auch hier viel Gutes, wenn man näher hinschaut, und weil nicht allen alles bekannt ist, dachte ich, ich stelle meinen Lesern hier mal jede Woche kurz ein Werk vor – hauptsächlich katholische Sachen, aber wenn es von guter Qualität ist, auch mal was aus anderen Konfessionen; nicht nur Hochkultur, sondern auch eher Populärkultur (aber halbwegs gut gemacht soll es sein); und sowohl solches mit explizit religiösen Inhalten (im Einzelfall auch mal, wenn es von persönlich nicht sehr frommen Menschen kommt), als auch Werke von überzeugten Christen ohne explizite Botschaft. Viele werden bestimmte Klassiker schon kennen, aber andere vielleicht noch nicht.

Und weil ich ja auch nicht alles kennen kann: Wer ein katholisches Lieblingsbuch, einen Film o. Ä. hat, von dem er schon immer mal mehr Leuten erzählen wollte, darf mir gern über die „Contact“-Seite schreiben und vielleicht ergibt sich ein Gastbeitrag.

 

Heute: C. S. Lewis: „Die Chroniken von Narnia“

Lewis‘ nicht nur für Kinder geeignete Kinderbücher gehören ja zu den bekanntesten Klassikern der christlichen Literatur. Der erste Band mit dem englischen Titel „The Lion, the Witch and the Wardrobe“ (erschienen 1950), auf Deutsch unter dem etwas unscheinbareren Titel „Der König von Narnia“ herausgekommen, handelt von den vier Geschwistern Peter, Suse, Edmund und Lucy, die während des 2. Weltkriegs aufs Land ins Haus eines alten Professors geschickt werden, um vor den Bombenangriffen auf England sicher zu sein, und da einen Zugang zu einem magischen Land namens Narnia entdecken, wo eine Hexe herrscht, die macht, dass es immer Winter, aber niemals Weihnachten ist. Die Ankunft der vier Geschwister erfüllt eine Prophezeiung, und jetzt kehrt auch der Löwe Aslan zurück, mit dem zusammen sie die Hexe bekämpfen sollen. Ein Problem: Edmund ist einmal allein in Narnia gewesen, hat die Hexe getroffen, und sich von ihr einwickeln lassen.

Als nächster Band der Reihe erschien „Prinz Kaspian von Narnia“, in dem die vier ein zweites Mal nach Narnia kommen, wo inzwischen hunderte von Jahren vergangen sind und das meiste aus den alten Zeiten vergessen oder nur noch Mythos ist; dann kamen „Die Reise auf der Morgenröte“ und „Der silberne Sessel“, die weitere Abenteuer in Narnia erzählen (jetzt kommen auch zwei weitere Kinder aus unserer Welt vor). Danach brachte Lewis eine Geschichte heraus, die nur in Narnia, d. h. hauptsächlich in den Nachbarländern von Narnia, spielt (mit dem sehr hübschen englischen Titel „The horse and his boy“ – dt. „Der Ritt nach Narnia“; sie beginnt mit einer Flucht von zwei sprechenden Pferden und zwei Kindern aus dem Reich der Kalormenen nach Narnia), als vorletztes eine Vorgeschichte, in der Narnia erschaffen wird (hier taucht der alte Professor Kirk als Kind auf, und man erfährt, woher die Hexe kam; engl. Titel „The Magician’s Nephew“, dt. „Das Wunder von Narnia“); und als letztes „Der letzte Kampf“ – und hier geht es um das Ende der narnianischen Welt. Meiner bescheidenen Meinung nach werden ja besonders „Der Ritt nach Narnia“, „Der silberne Sessel“ und „Der letzte Kampf“ deutlich zu wenig geschätzt.

Lewis ist für seine relativ offene Symbolik in den Büchern von manchen kritisiert worden (Aslan steht für Jesus, was nicht schwer zu erraten ist, wenn man die christliche Religion kennt); aber die Symbolik passt einfach, und Aslan und andere Figuren sind keine bloßen Nacherzählungen, sondern völlig authentische Teile dieser Geschichten.

Was die Verfilmungen angeht, die Walden Media zu den ersten drei Bänden produziert hat, ist „Der König von Narnia“ ziemlich gut geraten, „Prinz Kaspian von Narnia“ immerhin nicht schlecht, und „Die Reise auf der Morgenröte“ hat mit dem Buch nur noch wenig zu tun.

(Karte der Welt von Narnia von David Bedell.)

Christliche Kultur am Sonntag: „Die Sprache des Herzens“

Bei christlichen Sachbüchern findet man bekanntlich relativ leicht gute Sachen; bei Romanen, Filmen oder Kinderbüchern sieht es allerdings manchmal schwieriger aus, auch wenn einige vermutlich gern mehr davon besäßen. Dabei gibt es eigentlich auch hier viel Gutes, wenn man näher hinschaut, und weil nicht allen alles bekannt ist, dachte ich, ich stelle meinen Lesern hier mal jede Woche kurz ein Werk vor – hauptsächlich katholische Sachen, aber wenn es von guter Qualität ist, auch mal was aus anderen Konfessionen; nicht nur Hochkultur, sondern auch eher Populärkultur (aber halbwegs gut gemacht soll es sein); und sowohl solches mit explizit religiösen Inhalten (im Einzelfall auch mal, wenn es von persönlich nicht sehr frommen Menschen kommt), als auch Werke von überzeugten Christen ohne explizite Botschaft. Viele werden bestimmte Klassiker schon kennen, aber andere vielleicht noch nicht.

Und weil ich ja auch nicht alles kennen kann: Wer ein katholisches Lieblingsbuch, einen Film o. Ä. hat, von dem er schon immer mal mehr Leuten erzählen wollte, darf mir gern über die „Contact“-Seite schreiben und vielleicht ergibt sich ein Gastbeitrag.

 

Heute: „Die Sprache des Herzens“ (Film)

Der Filmtitel ist unnötig kitschig, aber der Film selbst, der auf der Lebensgeschichte von Marie Heurtin (1885-1921) basiert, doch ziemlich gut.

Er spielt Ende des 19. Jahrhunderts in Frankreich. Die junge Schwester Marguerite lebt in einem Kloster, das taube Mädchen unterrichtet. Eines Tages kommt ein Mann aus der Umgebung zum Kloster und bittet die Oberin, sich auch um seine Tochter Marie zu kümmern, die von Geburt an taub und blind gleichzeitig ist, ziemlich verwahrlost ist und auf keine Weise kommunizieren kann. Die Oberin lehnt zuerst ab; das Kloster könnte das nicht leisten. Aber später bittet Schwester Marguerite sie, ihr doch zu erlauben, Marie ins Kloster zu holen, und sie erlaubt es schließlich. Schwester Marguerite holt Marie also und versucht, ihr beizubringen, mit Zeichensprache zu kommunizieren, wobei sie die Zeichen mit den Fingern fühlen soll. Monatelang sind ihre Versuche vergeblich; Marie versteht nichts und wehrt sich mit Händen und Füßen gegen alles, was mit ihr geschieht. Aber dann kommt der Durchbruch und Marie lernt rapide, wie sie sich verständigen kann; sie und Schwester Marguerite werden Freundinnen, und sie kann sich ihren Eltern mitteilen, die zu Besuch kommen.

Aber dann ist da noch ein Problem: Schwester Marguerite hat eine schwere Lungenkrankheit.

„Die Sprache des Herzens“ ist ein sehr ruhiger Film, der zu einem großen Teil innerhalb des Klosters spielt. Er hat ein paar kleinere Mankos (z. B. muss ganz klischeehaft die Oberin eines Klosters natürlich ein bisschen gestreng und unnahbar sein), aber insgesamt ist er doch sehr schön, und eins der wenigen Beispiele für einen Film, der in der Vergangenheit in einem Kloster spielen kann und dabei ohne plumpe Vergangenheits- und Kirchenkritik auskommt. Vor allem die zwei Hauptdarstellerinnen sind bemerkenswert.

 

Moraltheologie und Kasuistik, Teil 7c: Sakramente und Kirchengebote – Fasten und Unterstützung der Kirche

Die praktische moraltheologische Bildung der Katholiken muss dringend aufgebessert werden – ich hoffe, da werden meine Leser mir zustimmen. Und ich meine hier schon auch ernsthafte Katholiken. In gewissen frommen Kreisen wird man heutzutage ja, wenn man Fragen hat wie „Muss ich heute Abend noch mal zur Sonntagsmesse gehen, wenn ich aus Nachlässigkeit heute Morgen deutlich zu spät zur Messe gekommen bin?“ oder „Darf ich als Putzfrau oder Verwaltungskraft in einem Krankenhaus arbeiten, das Abtreibungen durchführt?“ oder „Wie genau muss ich eigentlich bei der Beichte sein?“ mit einem „sei kein gesetzlicher Erbsenzähler!“ abgebügelt. Und das ist nicht hilfreich. Gar nicht. Weil das ernsthafte Gewissensfragen sind, mit denen manche Leute sich wirklich herumquälen können. Und andere Leute fallen ohne klare Antworten in einen falschen Laxismus, weil sie keine Lust haben, sich ewig mit diesen Unklarheiten herumzuquälen und meinen, Gott werde es eh nicht so genau nehmen, und wieder andere in einen falschen Tutiorismus, wobei sie meinen, die strengste Möglichkeit wäre immer die einzig erlaubte.

 Auf diese Fragen kann man sehr wohl die allgemeinen moraltheologischen Prinzipien – die alle auf das Gebot der Gottes- und Nächstenliebe zurückgehen – anwenden und damit zu einer konkreten Antwort kommen. Man muss es sich nicht schwerer machen, als es ist. Und nochmal für alle Idealisten: „Das und das ist nicht verpflichtend“ heißt nicht, dass man das und das nicht tun darf oder es nicht mehr empfehlenswert oder löblich sein kann, es zu tun. Es heißt nur, dass die Kirche (z. B. in Gestalt des Beichtvaters) nicht von allen Katholiken verlangen kann, es zu tun.

 Zu alldem verweise ich einfach mal noch auf einen meiner älteren Artikel. Weiter werde ich mich gegen den Vorwurf der Gesetzlichkeit hier nicht verteidigen.

 Jedenfalls, ich musste öfters lange herumsuchen, bis ich zu meinen Einzelfragen Antworten gefunden habe, und deshalb dachte mir, es wäre schön, wenn heute mal wieder etwas mehr praktische Moraltheologie und Kasuistik betrieben/kommuniziert werden würde; aber manches, was man gerne hätte, muss man eben selber machen, also will ich in dieser Reihe solche Einzelfragen angehen, so gut ich kann, was hoffentlich für andere hilfreich ist. Wenn ich bei meinen Schlussfolgerungen Dinge übersehe, möge man mich bitte in den Kommentaren darauf hinweisen. Nachfragen sind auch herzlich willkommen. Wenn es an die kleinteilige Kasuistik, sprich, die Bewertungen, was verpflichtend oder nicht verpflichtend, schwere oder lässliche oder überhaupt keine Sünde ist („schwerwiegende Verpflichtung“ heißt: eine Sünde, die wirklich dagegen verstößt, ist schwer), stütze ich mich auf den Katechismus der katholischen Kirche, den hl. Thomas von Aquin, den hl. Alfons von Liguori, und/oder Theologen wie Adolphe Tanquerey oder Heribert Jone; ganz besonders aber auf letzteren. Eigene Spekulation werden i. d. R. als solche deutlich gemacht. Alle diese Bewertungen betreffen die objektive Schwere einer Sünde; subjektiv kann es immer Schuldminderungsgründe geben.

Wer nur knappe & begründungslose Aufzählungen von christlichen Pflichten und möglichen Sünden sucht, dem seien diese beiden Beichtspiegel empfohlen. Wer nach genaueren Erläuterungen zu einzelnen Stichworten sucht, dem könnte Karl Hörmanns Lexikon der christlichen Moral helfen.

https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/1/19/St_Alphonsus_Liguori.jpg

 (Der hl. Alfons von Liguori (1696-1787), der bedeutendste kath. Moraltheologe des 18. Jahrhunderts. Gemeinfrei.)

Alle Teile hier.

 

Heute der letzte Teil zu den Kirchengeboten. (Für die Grundsätze bzgl. der kirchlichen Gebote siehe Teil 7a.)

 

Neben der Sonntagspflicht, den gebotenen Feiertagen, der jährlichen Beichte und der Osterkommunion haben wir noch dieses Kirchengebot:

Die Fasten- und Abstinenzbestimmungen der Kirche sind einzuhalten.

Hier muss man erst einmal zwischen diesen beiden Dingen unterscheiden:

Fasten heißt: Nur einmalige Sättigung am Tag; d. h. eine volle Mahlzeit am Tag ist erlaubt und dazu zwei kleine Stärkungen zu den beiden anderen Essenszeiten, die zusammen nicht größer sind als die eine volle Mahlzeit. (Ein Beispiel dafür: Ein Müsliriegel am Morgen, ein Teller Fischstäbchen mit Kartoffeln am Mittag, eine Semmel am Abend.) Weitere Zwischenmahlzeiten sind nicht erlaubt, aber Getränke schon, auch wenn sie einen geringen Nährwert haben (wie z. B. bei Apfelschorle); Getränke, die eigentlich Flüssignahrung sind, wie Milch, Smoothies etc. gehen allerdings nicht. (Alkoholisches ist erlaubt.)

Abstinenz heißt: Verzicht auf Fleisch und Fleischprodukte. Produkte, die nur entfernt aus tierischen Stoffen hergestellt wurden, aber nicht mehr eigentlich als Fleisch bezeichnet werden können und keinen Fleischgeschmack haben, also etwa tierische Gelatine enthalten oder in tierischem Fett frittiert wurden, gehören aber nicht dazu. Verboten ist das Fleisch von Säugetieren und Vögeln (sog. warmblütige Tiere); Fisch gehört bekanntlich nicht dazu, sondern gilt gerade als Fastenspeise; und Amphibien wie Frösche, Reptilien wie Schildkröten, oder Schnecken, Muscheln, Krustentiere gelten auch nicht als Fleisch im Sinn der Fastenbestimmungen. (Im Lauf der Kirchengeschichte gab es an manchen Orten ein paar weitere Ausnahmen für einzelne Tierarten, wie z. B. Biber und Otter – es ging hier weniger um biologische Klassifizierungen als einfach darum, bestimmte Dinge zum Verzicht festzulegen.)

Im Katechismus heißt es im Absatz über die Kirchengebote zum Sinn und Zweck der Fasten- und Abstinenzbestimmungen:

„Das fünfte Gebot (‚Du sollst die gebotenen Fasttage halten‘) sichert die Zeiten der Entsagung und Buße, die uns auf die liturgischen Feste vorbereiten; sie tragen dazu bei, daß wir uns die Herrschaft über unsere Triebe und die Freiheit des Herzens erringen [Vgl. CIC, cann. 1249-1251; CCEO, can. 882].“

Es geht also darum, frei zu werden von bestimmten hinderlichen Anhänglichkeiten (auch solchen, die nicht unbedingt Sünde sind), sich bestimmte feste Zeiten zu nehmen, um sich wieder mehr auf Gott zu konzentrieren, sich klarzumachen, dass Er das Wichtigste ist, und natürlich auch, Buße für eigene Sünden zu tun (und vielleicht stellvertretende Sühne zu leisten für fremde); Bußzeiten sind Zeiten der Wiedergutmachung für Schlechtes, und des Opferns für Gott. Die Zeiten des Fastens bereiten auf die Zeiten des Feierns vor.

Der CIC enthält die genaueren Fastenbestimmungen (und Begründungen dafür):

Can. 1249 — Alle Gläubigen sind, jeder auf seine Weise, aufgrund göttlichen Gesetzes gehalten, Buße zu tun; damit sich aber alle durch eine bestimmte gemeinsame Beachtung der Buße miteinander verbinden, werden Bußtage vorgeschrieben, an welchen die Gläubigen sich in besonderer Weise dem Gebet widmen, Werke der Frömmigkeit und der Caritas verrichten, sich selbst verleugnen, indem sie die ihnen eigenen Pflichten getreuer erfüllen und nach Maßgabe der folgenden Canones besonders Fasten und Abstinenz halten.

Can. 1250 — Bußtage und Bußzeiten für die ganze Kirche sind alle Freitage des ganzen Jahres und die österliche Bußzeit.

Can. 1251 — Abstinenz von Fleischspeisen oder von einer anderen Speise entsprechend den Vorschriften der Bischofskonferenz ist zu halten an allen Freitagen des Jahres, wenn nicht auf einen Freitag ein Hochfest fällt: Abstinenz aber und Fasten ist zu halten an Aschermittwoch und Karfreitag.

Can. 1252 — Das Abstinenzgebot verpflichtet alle, die das vierzehnte Lebensjahr vollendet haben; das Fastengebot verpflichtet alle Volljährigen [d. h. ab 18] bis zum Beginn des sechzigsten Lebensjahres. Die Seelsorger und die Eltern sollen aber dafür sorgen, daß auch diejenigen, die wegen ihres jugendlichen Alters zu Fasten und Abstinenz nicht verpflichtet sind, zu einem echten Verständnis der Buße geführt werden.

Can. 1253 — Die Bischofskonferenz kann die Beobachtung von Fasten und Abstinenz näher bestimmen und andere Bußformen, besonders Werke der Caritas und Frömmigkeitsübungen, ganz oder teilweise an Stelle von Fasten und Abstinenz festlegen.

Abstinenz von Fleischspeisen ist also weltkirchlich vorgeschrieben für alle Freitage des Jahres (da am Freitag Jesu Tod gedacht wird) und Aschermittwoch und Karfreitag für alle Katholiken ab 14 Jahren; in Deutschland haben es die Bischöfe aber gemäß Can. 1253 erlaubt, den Fleischverzicht am Freitag durch ein Ersatzopfer (Einschränkung beim Konsum anderer Dinge, Spenden, sonstige Hilfe für den Nächsten, Sprechen eines Gebets o. Ä.) zu ersetzen. Irgendetwas davon muss aber sein. (Es sei denn, am Freitag ist ein Hochfest – was übrigens zu unterscheiden ist vom gebotenen Feiertag; es gibt auch Hochfeste, die keine gebotenen Feiertage sind. Hochfest schlägt Freitag, und Festtage sind keine Fasttage.)

Am Aschermittwoch und Karfreitag müssen Katholiken zwischen dem 18. und dem 60. Geburtstag zusätzlich zur Abstinenz auch fasten. Früher waren mehr Fasttage vorgeschrieben (ganze Fastenzeit, Quatembertage usw.); heute sind es wirklich nur noch diese zwei; jedenfalls für Katholiken des westlichen lateinischen Ritus, in den verschiedenen östlichen Rituskirchen mögen jeweils andere Regeln gelten.

(Interessanterweise galt übrigens das Fastengebot früher erst ab 21, das Abstinenzgebot aber schon ab 7 Jahren. Was sich nicht alles sonst noch ändert.)

Auch für Tradis, die oft oder immer die alte Messe besuchen, gelten die neuen Fastenbestimmungen (Liturgie und Kirchrecht sind zwei verschiedene Sachen); aber wer mehr tun will als vorgeschrieben (z. B. an den Quatembertagen fasten oder zumindest kein Fleisch essen oder auf etwas anderes verzichten), darf natürlich mehr tun (sündigt aber nicht, wenn er selbstgesteckte Vorsätze dann nicht schafft).

Es gibt natürlich auch Ausnahmen bei diesen Bestimmungen zu Fasten und/oder Abstinenz, nämlich kurz gesagt dann, wenn es notwendig ist:

– bei Krankheit: Fasten und Abstinenz soll nicht der Gesundheit schaden; chronisch Kranke, akut Kranke und gerade erst Genesende sollen also lieber auf ihre Gesundheit schauen als zu fasten. Unter „Krankheit“ können auch Essstörungen fallen, in die jemand nicht durchs Fasten zurückfallen will, und andere psychische Störungen (wenn jemand z. B. eine zwanghafte Angst davor entwickelt, die Fastenbestimmungen nicht genau genug zu halten).

– während Schwangerschaft und Stillzeit, wo es wichtig ist, genug zu essen und alle Nährstoffe zu bekommen.

– wenn man sonst seinen Standespflichten (also v. a. beruflichen und familiären Pflichten) nicht nachkommen kann – z. B. wenn man am Aschermittwoch gerade eine Prüfung schreibt und sich hungrig nicht konzentrieren kann, oder wenn man schwer körperlich arbeiten muss. Den normalen aushaltbaren Hunger muss man aber aushalten – vor allem, da wir nur noch zwei vereinzelte Tage für das wirkliche Fasten haben, keine sechs Wochen am Stück mehr.

– am „fremden Tisch“, also wenn man z. B. bei Freunden zu Gast ist, als Austauschschüler in einer fremden Familie lebt, oder auch in einer Werkskantine, wo man sich nicht aussuchen kann, was es gibt (und vielleicht das einzige vegetarische Essen nicht verträgt o. Ä.).

– auf Reisen, zumindest bei anstrengenden Reisen oder wenn man nicht viel Auswahl bei dem Essen hat, das man sich auf der Reise besorgen kann.

Heribert Jone z. B. zählt in seiner „Katholischen Moraltheologie“ (Zitate wie immer rückübersetzt aus der französischen Übersetzung) folgende Personen auf, die nach seinem Urteil als entschuldigt vom Fasten (unterschieden von der Abstinenz) gelten – hier hat er freilich auch noch die alten, längeren Fastenzeiten im Blick, die zu seiner Zeit galten:

„Kranke, Genesende, schwache Personen, sehr nervenschwache [= psychisch kranke] Personen, jene, denen das Fasten starke Kopfschmerzen bereitet oder die es am Schlafen hindert, schwangere und stillende Frauen, wahrscheinlich auch Frauen, die ihre Regel haben, Arme, die nicht genug für eine volle Mahlzeit auf einmal haben [hier sind wohl v. a. Bettler gemeint], Leute, die schwere Arbeiten zu tun haben, z. B.: Landwirte, Schmiede, Steinmetze, vorausgesetzt, dass sie tatsächlich den größeren Teil des Tages über arbeiten (sie sind allerdings auch entschuldigt, wenn sie ein oder zwei Tage von der Arbeit ausruhen), Professoren, Lehrer, Studenten, Prediger, Beichtväter, Ärzte, Richter etc… wenn das Fasten sie daran hindert, ihren Standespflichten gebührend nachzugehen, jene, die eine ermüdende Reise zu Fuß oder mit dem Auto machen […].“

Zu den von der Abstinenz Entschuldigten zählt er u. a.:

„Kranke, Genesende, schwangere Frauen, wenn Fleischspeisen notwendig für sie sind (einige Autoren erlauben Frauen in diesem Zustand sogar, einige Happen Fleisch zu essen, wenn sie nur eine starke Lust darauf verspüren; stillende Frauen brauchen auch oft Fleisch), Arbeiter, die außerordentlich schwere Arbeiten auszuführen haben, vor allem, wenn die Arbeiten ihren Hunger erhöhen, z. B. jene, die im Walzwerk, in den Minen arbeiten; Arme, die sich nicht genug andere Nahrung beschaffen können; verheiratete Frauen, Kinder, Dienstboten, wenn der Hausherr keine anderen als Fleischspeisen erlaubt (aber die Dienstboten müssen sich eine andere Stellung suchen; wenn sie allerdings bei einer anderen Stellung größeren moralischen Gefahren ausgesetzt wären, können sie jene behalten, die sie haben).“

Außerdem bemerkt er:

„Wenn man aus Zerstreutheit an einem Tag der Abstinenz Fleischspeisen zubereiten hat lassen, hat man nicht das Recht, sie zu essen, wenn man sich leicht andere Speisen beschaffen kann und die Fleischspeisen ohne große Umstände für einen anderen Tag aufgehoben werden können. Wenn es sich aber um eine kleine Menge Fleisch handelt, die nicht als Materie für eine schwere Sünde genügen würde, erlaubt es der Umstand der Zerstreutheit, dieses Fleisch zu essen, ohne eine lässliche Sünde zu begehen. – Wenn der Hausherr von der Abstinenz entschuldigt (oder dispensiert) ist, sind dadurch nicht sämtliche anderen Familienmitglieder berechtigt, Fleisch zu essen, aber oft wird es moralisch unmöglich sein, zwei verschiedene Gerichte zuzubereiten, also die ganze Familie von der Abstinenz entschuldigt sein.“

Hier spricht er freilich auch wieder aus Sicht einer anderen Zeit, in der man mit Essen sparsamer umgehen musste und selten zweierlei Gerichte kochen konnte.

An sich binden die Fasten- und Abstinenzbestimmungen wie die übrigen Kirchengebote unter schwerer Sünde; aber wenn jemand sie ganz geringfügig übergeht (z. B. an einem Fastentag zusätzlich zu den erlaubten Mahlzeiten einmal noch ein Stück Traubenzucker in den Mund steckt, oder an einem Abstinenztag eine kleine Scheibe Wurst probiert; oder auch, wenn jemand sich aus einer gewissen Nachlässigkeit dabei verschätzt, ob er einen ausreichenden Entschuldigungsgrund hat, um Fasten/Abstinenz zu lassen) ist die Sünde bloß lässlich. (Wenn jemand aber z. B. an einem Fastentag die Fastenbestimmungen mehrfach geringfügig übergeht, um zusammengenommen so viel essen zu können wie sonst, macht das nicht mehrere lässliche Sünden, sondern eine auf Raten begangene schwere.)

Jedenfalls gilt grundsätzlich auch für die normalen Freitage: Wenn jemand kein Freitagsopfer bringt (ob Abstinenz oder etwas anderes) ist das eine schwere Sünde. Leider haben viele Katholiken den Eindruck, die Freitagsabstinenz gäbe es gar nicht mehr, nur noch das Fasten und die Abstinenz an Aschermittwoch und Karfreitag, was natürlich ihre Schuldfähigkeit verringert oder aufhebt, aber nichts Gutes über den Stand der Katechese und diese bischöfliche Regelung an sich sagt. Der Gedanke dahinter war ja ursprünglich, den Leuten Gelegenheit zu geben, freier und kreativer Opfer zu bringen, aber so ganz geklappt hat das wohl nicht.

Wenn jemand z. B. am Freitag Fleisch isst und sonst kein Opfer bringt, weil er nicht daran gedacht hat, dass Freitag ist, ist das natürlich keine Sünde.

Die Fastenzeit vor Ostern ist wie die anderen Bußzeiten dazu da, sich mehr auf Gott zu konzentrieren, auf Verzicht, Sühne, Buße für begangene Sünden, Gebet, Werke der Nächstenliebe. Dazu gibt es aber nicht ganz so klare kirchliche Bestimmungen, die unter schwerer Sünde verpflichten würden; das steht eher im Ermessen des Einzelnen. Man kann, was den Verzicht angeht, wenn man will, z. B. fasten, Abstinenz halten, auf bestimmte andere Dinge verzichten… In einem Text zu den „Weisungen zur Bußpraxis“, den man beim Bistum Augsburg herunterladen kann, heißt es beispielsweise: „Alljährlich bereitet sich die Kirche in einer vierzigtägigen Bußzeit auf die österliche Feier des Todes und der Auferstehung des Herrn vor. In dieser Zeit suchen wir Christen uns und unseren Lebensstil so zu ändern, dass durch Besinnung und Gebet, Verzicht, Versöhnung und Nächstenliebe Christus wieder mehr Raum in unserem Leben gewinnt. Jeder Christ soll je nach seiner wirtschaftlichen Lage ein für ihn spürbares Geldopfer für die Hungernden und Notleidenden in der Welt geben.“

Auch in der Fastenzeit wird an Sonntagen und Hochfesten nicht gefastet.

 

Dann gibt es noch ein weiteres Kirchengebot, wenn es auch streng genommen in der Aufzählung im Katechismus nicht zu den 5 Kirchengeboten gehört, die sich mit der Heiligung von Festzeiten, der Buße und Ähnlichem befassen. Dieses Gebot ist:

Man muss die Kirche finanziell nach seinen Möglichkeiten unterstützen.

Der Katechismus sagt dazu:

„Die Gläubigen sind auch verpflichtet, ihren Möglichkeiten entsprechend zu den materiellen Bedürfnissen der Kirche beizutragen [Vgl. CIC, can. 222].“

Im entsprechenden Kanon des CIC heißt es:

„Can. 222 — § 1. Die Gläubigen sind verpflichtet, für die Erfordernisse der Kirche Beiträge zu leisten, damit ihr die Mittel zur Verfügung stehen, die für den Gottesdienst, die Werke des Apostolats und der Caritas sowie für einen angemessenen Unterhalt der in ihrem Dienst Stehenden notwendig sind.

§ 2. Sie sind auch verpflichtet, die soziale Gerechtigkeit zu fördern und, des Gebotes des Herrn eingedenk, aus ihren eigenen Einkünften die Armen zu unterstützen.“

Auch das ist an sich eine Verpflichtung unter schwerer Sünde (auch wenn hier natürlich lässliche Sünden möglich sind, wenn jemand nur ein bisschen geizig ist); jeder, der zur Kirche gehört, muss auch materiell etwas zu ihr beitragen, sofern er kann. (Wer kein eigenes Einkommen/Vermögen hat, oder gerade genug zum Leben, ist prinzipiell nicht dazu verpflichtet.)

In Deutschland ist diese Pflicht mit der Zahlung der Kirchensteuer, die sich ja nach dem Level des jeweiligen Einkommens (8 bzw. 9% der Einkommenssteuer – was sich auf nicht sehr viel Geld beläuft, wenn man es durchrechnet) richtet – und vielleicht kleinen Spenden bei der Kollekte in der Messe, und den üblichen Stolgebühren bei manchen kirchlichen Feiern – prinzipiell erfüllt. Darauf verlässt sich die Kirche für die Deckung der nötigen Ausgaben (Gehälter für Priester, Pfarramtssekretäre, Pastoralreferenten, Strom, Heizung, Renovierungskosten für Kirchen und Pfarrhäuser, usw. usf.).

Die Kirchensteuer nicht zu zahlen dürfte eine schwere Sünde des Ungehorsams sein – ja, auch wenn man denselben Betrag an kirchliche Einrichtungen seiner Wahl spendet. Die zuständigen Bischöfe haben das Recht, zu verlangen, wie genau man die Kirche unterstützen soll; wenn sie das Geld falsch verwenden, darf man ihnen die Zahlung genauso wenig verweigern, wie man dem deutschen Staat Steuern hinterziehen darf, weil er die falsch ausgibt. Steuerzahlungen darf man nicht einem Staat, der auch Schlechtes damit tut, sondern nur einem grundsätzlich unrechtmäßigen Staat verweigern; ähnlich ist es mit der Kirche, und da die, als von Gott eingesetzte Institution, gar nicht grundsätzlich unrechtmäßig werden kann, darf man ihr die Zahlungen nicht verweigern. (Das ist übrigens gut biblisch: Sowohl Jesus als auch Paulus forderten dazu auf, dem römischen Staat Steuern zu zahlen, obwohl beide von ebendiesem Staat hingerichtet werden sollten.)

(Offiziell vor dem Staat aus der Kirche auszutreten, was man tun muss, um die Kirchensteuer nicht zahlen zu müssen, ist natürlich noch schlimmer als der bloße Ungehorsam; das ist objektiv eine Glaubensverleugnung, ein schismatischer Akt, selbst wenn das nicht die eigene Intention dabei ist.)

Was ist, wenn man nicht in einem Land mit festgelegter Kirchensteuer lebt? Hier wird man eben einfach ein wenig mehr spenden müssen (und hier werden vielleicht auch die Stolgebühren u. Ä., mit dem sich die Kirche einen Teil ihres Unterhalts verschafft, ein wenig höher sein).

Ich werde mich in einem späteren Teil allgemein mit der Frage des Almosengebens befassen; für die Unterstützung der Kirche und das Spenden überhaupt gilt jedenfalls: Wie viel man geben muss, hängt davon ab, was man verdient, was man für seine Familie braucht, was man schon durch verpflichtende Steuern und Abgaben zu guten Zwecken und kirchlichen Einrichtungen beiträgt (das ist ja je nach Land nicht mal so wenig), was die Kirche bzw. sonstige Bedürftige benötigen, und welche Richtlinien die Bischöfe des jeweiligen Landes aufgestellt haben. Das, was man früher „standesgemäßer Unterhalt“ nannte – worunter neben Essen, Kleidung etc. auch so etwas wie Miete / Raten fürs Haus, Wasser, Strom, Familienauto, Versicherungen, das ein oder andere Freizeitvergnügen, mal ein Urlaub usw. fallen würden – darf man sich selber jedenfalls leisten; die Frage der schweren Sünde kommt hier jedenfalls nicht auf (wenn es nicht gerade um extreme Notsituationen geht, denen niemand sonst außer einem selbst abhelfen kann).

Aber man muss zur Kirche etwas beitragen, damit, wie gesagt, z. B. Priester ihren Lebensunterhalt haben, Kirchen instand gehalten werden können, usw. Für die Frage, wie viel der einzelne geben muss, ist es vor allem interessant, ob die Kirche ihr Auskommen hätte, wenn alle einen solchen Anteil ihres (überschüssigen) Einkommens, wie man ihn gibt (nicht eine solche Geldsumme, sondern einen solchen prozentualen Anteil), geben würden; wenn ja, passt es. (Der hl. Alphons war bzgl. des Almosengebens generell übrigens der Ansicht, wer – im Normalfall, außerhalb extremer Notsituationen, denen sonst keiner abhelfen kann – zumindest 2% seines Überflusses gebe, begehe zumindest keine schwere Sünde; das kann man vielleicht auch auf diesen Bereich übertragen.)

Mehr zu tun als unbedingt nötig ist natürlich immer nicht schlecht.

Es gibt ab und zu Katholiken, die von einigen Freikirchlern die Ansicht übernommen haben, jeder Christ müsse genau den zehnten Teil seines Einkommens spenden. Das entspricht nicht der Lehre der Kirche; das Gebot des Zehnten stammt aus dem alttestamentlichen Zeremonialgesetz, das im Neuen Bund an sich aufgehoben ist – auch wenn der Wert vielleicht interessant ist und es im Mittelalter durch kirchliche Gesetze den Kirchenzehnten gab. Die Kirche kann jedenfalls festlegen, was genau sie hier verlangt, und den Zehnten verlangt sie heutzutage nicht.

(Zu den Prinzipien bzgl. der Unterstützung der Kirche und der historischen Entwicklung ihrer Einkommensarten ist vielleicht auch dieser Text aus der Catholic Encyclopedia interessant, und zum Almosengeben und den genaueren Verpflichtungen dabei dieser hier.)

Christliche Kultur am Sonntag: „Der satanarchäolügenialkohöllische Wunschpunsch“

Bei christlichen Sachbüchern findet man bekanntlich relativ leicht gute Sachen; bei Romanen, Filmen oder Kinderbüchern sieht es allerdings manchmal schwieriger aus, auch wenn einige vermutlich gern mehr davon besäßen. Dabei gibt es eigentlich auch hier viel Gutes, wenn man näher hinschaut, und weil nicht allen alles bekannt ist, dachte ich, ich stelle meinen Lesern hier mal jede Woche kurz ein Werk vor – hauptsächlich katholische Sachen, aber wenn es von guter Qualität ist, auch mal was aus anderen Konfessionen; nicht nur Hochkultur, sondern auch eher Populärkultur (aber halbwegs gut gemacht soll es sein); und sowohl solches mit explizit religiösen Inhalten (im Einzelfall auch mal, wenn es von persönlich nicht sehr frommen Menschen kommt), als auch Werke von überzeugten Christen ohne explizite Botschaft. Viele werden bestimmte Klassiker schon kennen, aber andere vielleicht noch nicht.

Und weil ich ja auch nicht alles kennen kann: Wer ein katholisches Lieblingsbuch, einen Film o. Ä. hat, von dem er schon immer mal mehr Leuten erzählen wollte, darf mir gern über die „Contact“-Seite schreiben und vielleicht ergibt sich ein Gastbeitrag.

 

Heute: Michael Ende: „Der satanarchäolügenialkohöllische Wunschpunsch“

Die Handlung dieses Kinderbuchs (geeignet schätzungsweise für Kinder ab ca. 10 Jahren) setzt am Nachmittag des Silvestertages in der Villa des bösen Zauberers Beelzebub Irrwitzer ein, der unangenehmen Besuch von einem höllischen Zwangsvollstrecker erhält. Irrwitzer hat seinen Teil eines Vertrages mit dem Teufel nicht erfüllt und im vergangenen Jahr nicht genug böse Taten vollbracht, und jetzt droht ihm selbst Böses. Der Grund für seinen Rückstand: Der Rat der Tiere hat ihm einen Spion ins Haus geschickt, einen Kater, der sich Maurizio di Mauro nennt. Obwohl der böse Zauberer (der Bescheid wusste, was vor sich ging, es aber nicht wagte, die ganze Tierwelt wissen zu lassen, dass er einer von denen ist, die ihr so sehr schaden) es geschafft hat, den nicht allzu klugen Kater einzuwickeln und ihn glauben zu machen, er sei ein großer Wohltäter, hat ihn dessen Anwesenheit bei seinen bösen Geschäften doch sehr gestört.

Aber er hat noch eine Frist bis Mitternacht, und nachdem der höllische Beamte vorläufig wieder fort ist, kommt Irrwitzers Tante, die Geldhexe Tyrannja Vamperl ins Spiel, die dasselbe Problem hat (bei ihr ist es ein Rabe namens Jakob Krakel, der allerdings nicht ganz so leichtgläubig ist wie der Kater Maurizio). Tyrannja hat eine Idee, wie sie und ihr Neffe ihren Rückstand noch aufholen können, nämlich, indem sie gemeinsam den satanarchäolügenialkohöllischen Wunschpunsch brauen, der Wünsche wahr werden lassen kann. Sie machen sich hastig ans Werk, während Jakob, der auch zu der Villa gekommen ist, Maurizio davon überzeugen kann, dass die Hexe und der Zauberer tatsächlich böse sind, und die beiden Tiere sich an den Versuch machen, das Unterfangen zu verhindern. Am Ende ist es jemand vom Himmel, der ihnen dabei zu Hilfe kommt: Der zuständige Tagesheilige Sankt Silvester persönlich.

Nicht nur die Darstellung des Bösen und Guten ist sehr gut gelungen, es gibt an einer Stelle auch eine hübsche kurze Darlegung des hl. Silvester, was Gut und Böse eigentlich ist. Außerdem sind die beiden Tiere sehr sympathische Protagonisten, und Michael Ende schreibt natürlich wie immer wunderbar. Meiner Meinung nach übertrifft der „Wunschpunsch“ die „Unendliche Geschichte“ eindeutig.

Christliche Kultur am Sonntag: Dean Koontz (Leserempfehlung)

Bei christlichen Sachbüchern findet man bekanntlich relativ leicht gute Sachen; bei Romanen, Filmen oder Kinderbüchern sieht es allerdings manchmal schwieriger aus, auch wenn einige vermutlich gern mehr davon besäßen. Dabei gibt es eigentlich auch hier viel Gutes, wenn man näher hinschaut, und weil nicht allen alles bekannt ist, dachte ich, ich stelle meinen Lesern hier mal jede Woche kurz ein Werk vor – hauptsächlich katholische Sachen, aber wenn es von guter Qualität ist, auch mal was aus anderen Konfessionen; nicht nur Hochkultur, sondern auch eher Populärkultur (aber halbwegs gut gemacht soll es sein); und sowohl solches mit explizit religiösen Inhalten (im Einzelfall auch mal, wenn es von persönlich nicht sehr frommen Menschen kommt), als auch Werke von überzeugten Christen ohne explizite Botschaft. Viele werden bestimmte Klassiker schon kennen, aber andere vielleicht noch nicht.

Und weil ich ja auch nicht alles kennen kann: Wer ein katholisches Lieblingsbuch, einen Film o. Ä. hat, von dem er schon immer mal mehr Leuten erzählen wollte, darf mir gern über die „Contact“-Seite schreiben und vielleicht ergibt sich ein Gastbeitrag.

 

Heute: Dean Koontz (Autor u. a. der „Odd Thomas“-Serie)

Diesmal eine Leserempfehung, für die ich herzlich danke: Leser Oliver hat einen neueren Autor aus dem Bereich Fantasy/Thriller zu empfehlen, der übrigens auch außerhalb christlicher Kreise ziemlich erfolgreich ist (mehrfach auf Platz 1 der New-York-Times-Bestseller-Liste):

‚Eines der katholischsten Werke der Populärkultur ist die Odd Thomas Serie von Dean Koontz.
 Koontz ist Katholik, mit einem Faible für die alte Messe, und bringt seit Ende der 90er seinen Katholizismus immer mehr in seinen Werken zur Geltung.
 In seinen Büchern ist er nur selten explizit katholisch, sondern lässt seine Helden katholische Werte verkörpern.‘

Oliver hat auch auf mehrere Interviews mit Koontz und Artikel über sein Werk (u. a. hier, hier und hier) hingewiesen, die ziemlich Lust machen, seine Bücher zu lesen (ich hab mir tatsächlich gleich mal eins bestellt und bin ziemlich gespannt darauf).

Moraltheologie und Kasuistik, Teil 7b: Sakramente und Kirchengebote – alles rund um die Kommunion

Die praktische moraltheologische Bildung der Katholiken muss dringend aufgebessert werden – ich hoffe, da werden meine Leser mir zustimmen. Und ich meine hier schon auch ernsthafte Katholiken. In gewissen frommen Kreisen wird man heutzutage ja, wenn man Fragen hat wie „Muss ich heute Abend noch mal zur Sonntagsmesse gehen, wenn ich aus Nachlässigkeit heute Morgen deutlich zu spät zur Messe gekommen bin?“ oder „Darf ich als Putzfrau oder Verwaltungskraft in einem Krankenhaus arbeiten, das Abtreibungen durchführt?“ oder „Wie genau muss ich eigentlich bei der Beichte sein?“ mit einem „sei kein gesetzlicher Erbsenzähler!“ abgebügelt. Und das ist nicht hilfreich. Gar nicht. Weil das ernsthafte Gewissensfragen sind, mit denen manche Leute sich wirklich herumquälen können. Und andere Leute fallen ohne klare Antworten in einen falschen Laxismus, weil sie keine Lust haben, sich ewig mit diesen Unklarheiten herumzuquälen und meinen, Gott werde es eh nicht so genau nehmen, und wieder andere in einen falschen Tutiorismus, wobei sie meinen, die strengste Möglichkeit wäre immer die einzig erlaubte.

 Auf diese Fragen kann man sehr wohl die allgemeinen moraltheologischen Prinzipien – die alle auf das Gebot der Gottes- und Nächstenliebe zurückgehen – anwenden und damit zu einer konkreten Antwort kommen. Man muss es sich nicht schwerer machen, als es ist. Und nochmal für alle Idealisten: „Das und das ist nicht verpflichtend“ heißt nicht, dass man das und das nicht tun darf oder es nicht mehr empfehlenswert oder löblich sein kann, es zu tun. Es heißt nur, dass die Kirche (z. B. in Gestalt des Beichtvaters) nicht von allen Katholiken verlangen kann, es zu tun.

 Zu alldem verweise ich einfach mal noch auf einen meiner älteren Artikel. Weiter werde ich mich gegen den Vorwurf der Gesetzlichkeit hier nicht verteidigen.

 Jedenfalls, ich musste öfters lange herumsuchen, bis ich zu meinen Einzelfragen Antworten gefunden habe, und deshalb dachte mir, es wäre schön, wenn heute mal wieder etwas mehr praktische Moraltheologie und Kasuistik betrieben/kommuniziert werden würde; aber manches, was man gerne hätte, muss man eben selber machen, also will ich in dieser Reihe solche Einzelfragen angehen, so gut ich kann, was hoffentlich für andere hilfreich ist. Wenn ich bei meinen Schlussfolgerungen Dinge übersehe, möge man mich bitte in den Kommentaren darauf hinweisen. Nachfragen sind auch herzlich willkommen. Wenn es an die kleinteilige Kasuistik, sprich, die Bewertungen, was verpflichtend oder nicht verpflichtend, schwere oder lässliche oder überhaupt keine Sünde ist („schwerwiegende Verpflichtung“ heißt: eine Sünde, die wirklich dagegen verstößt, ist schwer), stütze ich mich auf den Katechismus der katholischen Kirche, den hl. Thomas von Aquin, den hl. Alfons von Liguori, und/oder Theologen wie Adolphe Tanquerey oder Heribert Jone; ganz besonders aber auf letzteren. Eigene Spekulation werden i. d. R. als solche deutlich gemacht. Alle diese Bewertungen betreffen die objektive Schwere einer Sünde; subjektiv kann es immer Schuldminderungsgründe geben.

Wer nur knappe & begründungslose Aufzählungen von christlichen Pflichten und möglichen Sünden sucht, dem seien diese beiden Beichtspiegel empfohlen. Wer nach genaueren Erläuterungen zu einzelnen Stichworten sucht, dem könnte Karl Hörmanns Lexikon der christlichen Moral (Achtung: es setzt nicht das aktuelle Kirchenrecht voraus) helfen.

https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/1/19/St_Alphonsus_Liguori.jpg

 (Der hl. Alfons von Liguori (1696-1787), der bedeutendste kath. Moraltheologe des 18. Jahrhunderts. Gemeinfrei.)

Alle Teile hier.

 

Heute zum nächsten Kirchengebot, der Osterkommunion, sowie zur eucharistischen Nüchternheit, zum Umgang mit den eucharistischen Gestalten u. Ä. (Für die Grundsätze bzgl. der kirchlichen Gebote siehe Teil 7a.)

Die Eucharistiefeier, bei der das Kreuzesopfer Jesu von neuem gegenwärtig und wirksam wird, ist der Höhepunkt und die Quelle des christlichen Lebens; die Kommunion ist die innigste Vereinigung mit Jesus und schenkt einem viele Gnaden. Die eucharistischen Gestalten, also Brot und Wein, die noch ihre äußere Gestalt behalten haben, also fürs Auge, für den Tastsinn, für eine chemische Analyse wie Brot und Wein wirken, sind tatsächlich nicht mehr Brot und Wein, sondern Jesus (Transsubstantiation – die Substanz wird verwandelt, während die Akzidentien bleiben).

Man muss nicht in jeder Messe, an der man teilnimmt, kommunizieren; auch der betende Mitvollzug des eucharistischen Opfers ist schon einiges; dennoch ist die Kommunion etwas sehr Wichtiges.

„Ich bin das Brot des Lebens. Eure Väter haben in der Wüste das Manna gegessen und sind gestorben. So aber ist es mit dem Brot, das vom Himmel herabkommt: Wenn jemand davon isst, wird er nicht sterben. Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel herabgekommen ist. Wer von diesem Brot isst, wird in Ewigkeit leben. Das Brot, das ich geben werde, ist mein Fleisch für das Leben der Welt. Da stritten sich die Juden und sagten: Wie kann er uns sein Fleisch zu essen geben? Jesus sagte zu ihnen: Amen, amen, ich sage euch: Wenn ihr das Fleisch des Menschensohnes nicht esst und sein Blut nicht trinkt, habt ihr das Leben nicht in euch. Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, hat das ewige Leben und ich werde ihn auferwecken am Jüngsten Tag. Denn mein Fleisch ist wahrhaft eine Speise und mein Blut ist wahrhaft ein Trank. Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, der bleibt in mir und ich bleibe in ihm. Wie mich der lebendige Vater gesandt hat und wie ich durch den Vater lebe, so wird jeder, der mich isst, durch mich leben. Dies ist das Brot, das vom Himmel herabgekommen ist. Es ist nicht wie das Brot, das die Väter gegessen haben, sie sind gestorben. Wer aber dieses Brot isst, wird leben in Ewigkeit.“ (Joh 6,48-58)

Marienstern kommunion.jpg

(Kommunionausteilung, Buchmalerei aus einem mittelalterlichen Graduale, Kloster St. Marienstern. Gemeinfrei.)

 

Das dritte der fünf Kirchengebote ist daher:

Ab der Erstkommunion muss man mindestens einmal im Jahr, und zwar i. d. R. in der Osterzeit, kommunizieren; außerdem in Todesgefahr.

Im Katechismus heißt es im Absatz über die Kirchengebote:

„Das dritte Gebot (‚Du sollst wenigstens zur österlichen Zeit sowie in Todesgefahr die heilige Kommunion empfangen‘) gewährleistet ein Mindestmaß für den Empfang des Leibes und Blutes des Herrn. Dabei wird auf die Verbindung mit den Festen der Osterzeit, dem Ursprung und Zentrum der christlichen Liturgie, Wert gelegt [Vgl. CIC, can. 920; CCEO, cann. 708; 881,3].“

Im CIC, also dem Codex des Kanonischen Rechtes, wird das genauer ausgeführt:

 „Can. 920 — § 1. Jeder Gläubige ist, nachdem er zur heiligsten Eucharistie geführt worden ist, verpflichtet, wenigstens einmal im Jahr die heilige Kommunion zu empfangen.

2. Dieses Gebot muß in der österlichen Zeit erfüllt werden, wenn ihm nicht aus gerechtem Grund zu einer anderen Zeit innerhalb des Jahres Genüge getan wird.“

Ein „gerechter Grund“ ist leichter zu finden als etwa ein „schwerwiegender Grund“ oder gar ein „sehr schwerwiegender Grund“; das heißt in der Kirchenrechtssprache eigentlich: „nicht einfach so ohne jeden Grund, aber es muss kein drastischer Ausnahmefall sein“. Also: An sich in der Osterzeit, aber wenn es da begründetermaßen nicht klappt, eben zu einem zu anderen Zeitpunkt.

(Ein gerechter Grund könnte vielleicht so etwas sein wie „Ich müsste vorher noch beichten und der Priester, bei dem ich regelmäßig beichte, kommt erst kurz nach der Osterzeit aus der Reha zurück“ oder „ich wollte gegen Ende der Osterzeit kommunizieren und war ausgerechnet dann krank“.)

Mit der österlichen Zeit ist nicht nur die Osterwoche, sondern die Zeit zwischen Aschermittwoch und Pfingstsonntag gemeint, also eine relativ lange Zeit.

Die jährliche Kommunion ohne jeden Grund zu unterlassen ist eine schwere Sünde.

Man darf, ja, man soll sogar natürlich öfter kommunizieren; seit dem hl. Pius X. wird sogar die tägliche Kommunion empfohlen; etwa wöchentlich oder nicht viel seltener könnte das Normalmaß sein. In der kirchlichen Instruktion Redemptionis Sacramentum von 2004 heißt es: „Es ist sicherlich am besten, wenn alle, die an der Feier der heiligen Messe teilnehmen und die notwendigen Bedingungen erfüllen, die heilige Kommunion empfangen.“ (RS 83)

Allerdings ist es keine Sünde, nur einmal jährlich zu kommunizieren (ob z. B. deshalb, weil sich jemand unwürdig fühlt, oder weil er an Glutenintoleranz leidet und zu schüchtern ist, um den Pfarrer zu bitten, unter der Gestalt des Weins kommunizieren zu dürfen, oder aus sonst einem Grund). Empfehlenswert ist es aber eben auch nicht. Man braucht die Stärkung durch die hl. Kommunion nun mal; wer im Stand der Gnade ist, tut gut daran, in jeder Messe, die er besucht, auch zur Kommunion zu gehen, oder sich als Kranker ab und zu die Krankenkommunion bringen zu lassen, wenn das angeboten wird. (Wenn jemand nicht die Möglichkeit zur Kommunion hat, z. B. weil er in einem Land lebt, wo es fast keine Priester gibt, oder wenn er krank ist und die Angehörigen den Priester nicht rufen, oder der nicht kommen kann, begeht er natürlich überhaupt keine Sünde.)

In Todesgefahr (also z. B. für Schwerkranke oder jemanden, der vor einer gefährlichen Operation steht) gilt:

„Can. 921 — § 1. Gläubige, die sich, gleich aus welchem Grund, in Todesgefahr befinden, sind mit der heiligen Kommunion als Wegzehrung zu stärken.

§ 2. Auch wenn sie am selben Tag durch die heilige Kommunion gestärkt worden sind, ist es trotzdem sehr ratsam, daß jene, die in Lebensgefahr geraten sind, nochmals kommunizieren.

§ 3. Bei andauernder Todesgefahr wird empfohlen, daß die heilige Kommunion mehrmals, an verschiedenen Tagen, gespendet wird.

Can. 922 — Die heilige Wegzehrung für Kranke darf nicht allzu lange aufgeschoben werden; wer mit der Seelsorge betraut ist, hat sorgfältig darauf zu achten, daß die Kranken damit gestärkt werden, solange sie noch voll bei Bewußtsein sind.“

 

Zur Gelegenheit des Kommunionemfangs sagt der CIC:

„Can. 918 — Es wird mit Nachdruck empfohlen, daß die Gläubigen in der Feier der Eucharistie selbst die heilige Kommunion empfangen; wenn sie jedoch aus gerechtem Grund darum bitten, ist sie ihnen außerhalb der Messe zu spenden; dabei sind die liturgischen Riten zu beachten.“

Hier geht es natürlich vor allem um die Krankenkommunion, z. B. für Menschen in Krankenhäusern und Altenheimen.

Und:

„Can. 923 — Die Gläubigen können in jedwedem katholischen Ritus am eucharistischen Opfer teilnehmen und die heilige Kommunion empfangen, unbeschadet der Vorschrift des can. 844.“

Damit ist gemeint, dass man in jeder der 23 katholischen Rituskirchen, also nicht nur der lateinischen Kirche, sondern auch einer der unierten Ostkirchen (aber nicht der vom Papst getrennten Ostkirchen) die Eucharistie empfangen kann.

 

Wer nicht im Stand der Gnade ist (also noch nicht gebeichtete schwere Sünden auf dem Gewissen hat), darf im Normalfall erst dann kommunizieren, wenn er vorher gebeichtet hat. Ich zitiere noch einmal den vorigen Artikel zur Beichte:

„Wenn man sich schwerer Sünden schuldig gemacht hat, muss man, wie gesagt, vor dem Kommunionempfang beichten.

„Can. 916 — Wer sich einer schweren Sünde bewußt ist, darf ohne vorherige sakramentale Beichte die Messe nicht feiern und nicht den Leib des Herrn empfangen, außer es liegt ein schwerwiegender Grund vor und es besteht keine Gelegenheit zur Beichte; in diesem Fall muß er sich der Verpflichtung bewußt sein, einen Akt der vollkommenen Reue zu erwecken, der den Vorsatz miteinschließt, sobald wie möglich zu beichten.“

D. h. etwa, ein Priester, der die Messe feiern muss, aber vorher nicht zur Beichte gehen kann, darf die Messe feiern und kommunizieren, muss aber vorher vollkommene Reue erwecken und hinterher dann möglichst bald beichten, also z. B. wenn er dann zwei Tage später Gelegenheit hat, zur Beichtgelegenheit in der Nachbarpfarrei zu gehen oder dort einen Termin auszumachen.

Was genau heißt „sobald wie möglich“? Jone sagt dazu, dass es innerhalb von drei Tagen sein muss, sofern das ohne größere Schwierigkeiten (wie z. B. langer Anfahrtsweg zur nächsten Beichtgelegenheit) möglich ist.

Aber wie gesagt, das gilt nur, wenn man aus schwerwiegendem Grund schon kommuniziert hat.

(Ein schwerwiegender Grund für Laien könnte z. B. sein, wenn jemand, der zur katholischen Kirche konvertiert, aber schon gültig getauft ist (z. B. in der evangelischen Kirche), zu dessen Konversion also eine Beichte, nicht die Taufe, gehört, zum ersten Mal zur Beichte geht, wobei dann wenige Tage später der Gottesdienst für seine Aufnahme in die Kirche und seine Erstkommunion angesetzt ist, und zwischendrin eine schwere Sünde begeht, aber vor dem Gottesdienst keine Gelegenheit mehr zu einer weiteren Beichte hat. In diesem Fall darf er bei seiner Erstkommunion auch zur Kommunion gehen.)“

Wem allerdings nach seiner letzten Beichte eingefallen ist, dass er eine schwere Sünde zu erwähnen vergessen hat, der ist im Stand der Gnade und darf zur Kommunion gehen; er muss die vergessene Sünde erst bei der nächsten regelmäßigen Beichte noch erwähnen.

Eine Kommunion, wenn man sicher weiß, dass man im Stand der Todsünde ist (und das Gebot bzgl. des Kommunionempfangs im Stand der Todsünde kennt), ist sakrilegisch. (Wenn man zweifelt, ob man im Stand der Gnade ist, darf man die Kommunion empfangen.)

Zu alldem hat der Apostel Paulus geschrieben:

„Wer also unwürdig von dem Brot isst und aus dem Kelch des Herrn trinkt, macht sich schuldig am Leib und am Blut des Herrn. Jeder soll sich selbst prüfen; erst dann soll er von dem Brot essen und aus dem Kelch trinken. Denn wer davon isst und trinkt, ohne den Leib zu unterscheiden, der zieht sich das Gericht zu, indem er isst und trinkt. Deswegen sind unter euch viele schwach und krank und nicht wenige sind schon entschlafen. Gingen wir mit uns selbst ins Gericht, dann würden wir nicht gerichtet. Doch wenn wir jetzt vom Herrn gerichtet werden, dann ist es eine Zurechtweisung, damit wir nicht zusammen mit der Welt verdammt werden.“ (1 Kor 11,27-32)

Redemptionis Sacramentum stellt klar:

„80. Die Eucharistie soll den Gläubigen gereicht werden auch «als Gegenmittel, durch das wir von der täglichen Schuld befreit und vor Todsünden bewahrt werden»,[160] wie in verschiedenen Teilen der Messe hervorgehoben wird. Der an den Anfang der Messe gesetzte Bußakt hat zum Ziel, alle darauf vorzubereiten, die heiligen Mysterien in rechter Weise zu feiern;[161] er hat jedoch «nicht die Wirkung des Bußsakramentes»[162] und kann nicht als Ersatz für das Bußsakrament im Hinblick auf die Vergebung schwerer Sünden betrachtet werden.

Eine sakrilegische Kommunion erfüllt das Gebot der Osterkommunion nicht.

Wenn jemand im Augenblick der Kommunion abgelenkt ist oder mit einem nicht-idealen, leicht schuldbaren Motiv kommunziert (wie etwa: um nicht aufzufallen), ist das laut Jone eine lässliche Sünde, solange die Kommunion nur nicht wegen einer nicht-gebeichteten schwerern Sünde sakrilegisch ist.

 

Bei der Kommunion ist außerdem die eucharistische Nüchternheit einzuhalten. Im CIC heißt es:

 „Can. 919 — § 1. Wer die heiligste Eucharistie empfangen will, hat sich innerhalb eines Zeitraumes von wenigstens einer Stunde vor der heiligen Kommunion aller Speisen und Getränke mit alleiniger Ausnahme von Wasser und Arznei zu enthalten.

2. Ein Priester, der am selben Tag zweimal oder dreimal die heiligste Eucharistie feiert, darf vor der zweiten oder dritten Zelebration etwas zu sich nehmen, auch wenn nicht ein Zeitraum von einer Stunde dazwischenliegt.

3. Ältere Leute oder wer an irgendeiner Krankheit leidet sowie deren Pflegepersonen dürfen die heiligste Eucharistie empfangen, auch wenn sie innerhalb der vorangehenden Stunde etwas genossen haben.

Der Zeitraum sollte relativ leicht einzuhalten sein; bei sehr langsam zelebrierenden Priestern kann man sogar bis kurz vor Messbeginn noch etwas essen (es geht um eine Stunde vor dem Kommunionempfang, nicht vor Messbeginn).

Da früher eine längere Zeit der Nüchternheit vorgeschrieben war, hier die Erinnerung: Auch wenn man eine Messe im alten Ritus besucht, gelten die Nüchternheitsbestimmungen des neuen Codex des Kanonischen Rechtes. Kirchenrecht und Liturgie sind zwei verschiedene Sachen.

Die eucharistische Nüchternheit dient dazu, Respekt vor dem Herrn zu zeigen, den man empfangen wird.

Um davon befreit zu sein, genügt es, „irgendeine Krankheit“ zu haben; es muss nicht wegen der Krankheit absolut unerlässlich notwendig sein, zu dieser Zeit etwas zu essen. Kranke (und Alte und Pflegende) sollen hier quasi nicht noch weiter belastet werden.

Man bricht die eucharistische Nüchternheit, wenn man wirklich etwas Verdauliches absichtlich von außen in den Mund aufnimmt und dann schluckt – nicht, wenn man etwas schluckt, das einem noch zwischen den Zähnen gesteckt hat, oder sich mit Mundwasser den Mund ausspült und das wieder ausspuckt, oder etwas Flüssigkeit oder Staub in die Nase bekommt, oder eine Schneeflocke verschluckt. Hustenbonbons dürften als Medikamente zählen (außer jemand hat keinen Husten und kaut sie nur als Süßigkeit).

Notwendigkeit (z. B. die, die Messe zu feiern/fortzusetzen, wenn einem zerstreuten Priester verspätet einfällt, dass er vergessen hat, dass er nichts hätte essen dürfen; oder die, die Gefahr einer Profanierung des Sakraments zu vermeiden, z. B. wenn man im Fall eines Bombenangriffs auf die Stadt die Hostien in der Kirche schnell konsumiert) entschuldigt von der eucharistischen Nüchternheit.

 

Weitere Punkte zum Umgang mit der Eucharistie:

Unter Skrupulanten ist es ziemlich verbreitet, sich wegen winzigen Hostienkrümeln o. Ä. Sorgen zu machen – was wenn einer in meiner Hand zurückgeblieben ist, oder zwischen meinen Zähnen steckengeblieben und dann beim Zähneputzen herausgespült und im Abfluss gelandet ist, oder wenn dem Priester vielleicht ein Krümel heruntergefallen sein könnte, da eben sah etwas am Rand meines Blickfeldes so aus, als hätte da etwas sein können, sollte ich vielleicht nach der Messe an dieser Stelle den Boden kontrollieren? Oder oder oder. Aber auch gesunde Nichtskrupulanten können sich hier Sorgen machen und Fragen haben – etwa, wie man reagieren sollte, wenn, wie das vor einigen Jahren passiert ist, jemand eine angeblich konsekrierte Hostie auf Ebay anbietet?

Daher hier zwei Grundsätze:

1) Es kann Jesus nicht  mehr wehtun, was auch immer mit der Hostie oder dem Wein passiert. Dass wir die eucharistischen Gestalten ehrfürchtig behandeln müssen, gilt eher um unseret- als um Seinetwillen; weil es angebracht ist, vor Gott Ehrfurcht zu haben, nicht, weil wir Ihm sonst schaden könnten. Auch Gotteslästerung schadet ja nicht Gott, sondern unseren Seelen; sie ist trotzdem falsch, so wie es falsch ist, sich heimlich privat beleidigend über jemanden zu äußern, der nie davon erfahren und keinen Nachteil davon haben wird.

Wenn man also ohne weiteren Anlass fürchtet, dass der alte Priester, weil ihm die Hände öfter etwas zittern, möglicherweise Krümel fallen gelassen haben könnte, muss man nicht nach jeder Messe dableiben und dann den Boden nach möglichen Hostienkrümeln absuchen; erstens wäre das uferlos, zweitens kann man dabei evtl. Staub und Dreck nicht so leicht davon unterscheiden, und Dreck muss man sich wirklich nicht in den Mund stecken (ich spreche aus Erfahrung), und drittens ist das eben nicht nötig, um Jesus die erforderliche Ehrfurcht zu erweisen. Die erfordert vor allem, dass wir Ihn nicht ehrfurchtslos behandeln, wenn wir selber Ihn in die Hand oder den Mund bekommen. Wenn man allerdings mitbekommen würde, wie z. B. jemand sich eine Hostie in die Tasche steckt (das soll etwa bei ahnungslosen Leuten, die sich zu einer Hochzeits- oder Weihnachtsmesse in die  Kirche verirrt haben und automatisch mit vor zur Kommunion gegangen sind und dann aus irgendeinem Grund keine Lust gehabt haben, die Hostie normal zu konsumieren, schon vorgekommen sein), und sich sicher wäre, da richtig gesehen zu haben, wäre es absolut angebracht, denjenigen anzusprechen und von ihm zu verlangen, den Herrn herauszugeben. Aber man muss definitv nicht sämtliche Leute beim Kommunionempfang beobachten, um zu kontrollieren, dass so etwas nicht passiert, dafür ist man einfach nicht zuständig (wenn man dazu neigt, sich wegen so etwas Sorgen zu machen, sollte man vielleicht sogar bewusst gar nicht hinsehen; das lenkt einen nur von der eigenen Kommunion ab); genausowenig, wie man kontrollieren sollte, ob irgendwelche weißen Punkte auf dem Kirchenboden möglicherweise Hostienkrümel (oder aber Dreck, Staub, Papier, was auch immer) sein könnten. Der hl. Alphons von Liguori soll einmal zu einem in dieser Hinsicht skrupulösen jungen Priester gesagt haben, er solle gewöhnliche und vernünftige Sorgfalt dafür aufwenden, die heiligen Gefäße bei der Messe zu reinigen, und den Rest den Engeln überlassen. Jesus ist ja nicht verlassen, wenn ein Mensch Ihn schuldlos übersieht.

Zudem bzgl. Hostienkrümeln zu bedenken: Die im westlichen Ritus verwendeten Hostien krümeln normalerweise nicht, weil sie ungesäuert sind (in östlichen Riten, die gesäuertes Brot verwenden, wäre mehr Sorgfalt nötig).

Was angeblich konsekrierte Hostien bei Ebay angeht, gilt, dass man die nicht retten muss, weil es auch ein Betrug mit unkonsekrierten Backoblaten sein könnte und man solche Erpresseraktionen nicht ermutigen muss, und dem Herrn kann dabei ja nichts geschehen. (Man dürfte sie natürlich kaufen (und dann einem Priester bringen).)

2) Jesus ist solange präsent, wie die äußeren Gestalten von Brot und Wein präsent sind. Wenn also eine Hostie am Rand angeschimmelt ist, ist Er noch da, wenn da nur noch Schimmel und kein Brot mehr ist, dann nicht mehr. Es gibt spezielle kirchliche Regeln, wie man mit angeschimmelten Hostien, oder schon gewandeltem  Wein, in den eine Fliege gefallen ist, oder einem Altartuch, über das ein Priester den Wein verschüttet hat, oder einer Hostie, die ein Kranker wieder hervorgewürgt hat u. Ä. umzugehen hat; hier sind aber generell Priester zuständig. Prinzipiell muss man das nicht mehr irgendwie konsumieren, sondern es geht darum, das Ganze möglichst ehrfurchtsvoll – tut mir leid, mir fällt kein besseres Wort ein – zu entsorgen; zum Beispiel die angeschimmelte Hostie in Wasser aufzulösen (sobald die Gestalt des Brotes dann nicht mehr da ist, ist Jesus eben nicht mehr da) und das Wasser an einem speziellen Ort in der Sakristei, dem sog. Sacrarium, einem Loch, das in die Erde führt, wegzugießen.

Es gibt dafür also Regeln, aber es muss auch praktikabel sein; und Gott verlangt menschliche, keine übermenschliche Sorgfalt.

Die eucharistischen Gestalten bleiben auch im Magen bzw. im Mund, wenn da noch Krümel zwischen den Zähnen steckenbleiben, nicht ewig präsent; 10-15 Minuten nach der Kommunion kann man wieder essen, die Zähne putzen, den Mund ausspülen usw., ohne sich Sorgen wegen Entehrung der eucharistischen Gestalten machen zu müssen.

Über die Gefäße und Altartücher heißt es in Redeptionis sacramentum:

„119. Nach der Kommunionausteilung kehrt der Priester zum Altar zurück, reinigt am Altar oder am Kredenztisch über dem Kelch die Patene oder die Hostienschale, reinigt dann den Kelch gemäß den Vorschriften des Meßbuches und trocknet ihn mit dem Kelchtüchlein. Wenn ein Diakon anwesend ist, kehrt er mit dem Priester zum Altar zurück und reinigt die Gefäße. Es ist aber erlaubt, daß der Priester oder der Diakon die zu reinigenden Gefäße, vor allem wenn es viele sind, auf dem Altar oder dem Kredenztisch, angemessen bedeckt, auf einem Korporale stehen läßt und sofort nach der Messe, nachdem das Volk entlassen wurde, reinigt. Auch der rechtmäßig beauftragte Akolyth hilft dem Priester oder dem Diakon beim Reinigen und Zusammenstellen der sakralen Gefäße am Altar oder am Kredenztisch. Wenn kein Diakon anwesend ist, bringt der rechtmäßig beauftragte Akolyth die sakralen Gefäße zum Kredenztisch, wo er sie auf gewohnte Weise reinigt, trocknet und zusammenstellt.[209]

120. Die Hirten sollen dafür Sorge tragen, daß die Altartücher, besonders jene, auf die die heiligen Gestalten gelegt werden, immer sauber bleiben und gemäß überliefertem Brauch häufig gewaschen werden. Es ist zu begrüßen, daß das Wasser der ersten Reinigung, die mit der Hand vorzunehmen ist, in das Sacrarium der Kirche oder an einen geziemenden Ort auf die Erde gegossen wird. Danach kann auf gewohnte Weise eine weitere Säuberung vorgenommen werden.“

Dann zum Thema bewusste Hostienschändung. Der CIC sagt:

„Can. 1367 — Wer die eucharistischen Gestalten wegwirft oder in sakrilegischer Absicht entwendet oder zurückbehält, zieht sich die dem Apostolischen Stuhl vorbehaltene Exkommunikation als Tatstrafe zu; ein Kleriker kann außerdem mit einer weiteren Strafe belegt werden, die Entlassung aus dem Klerikerstand nicht ausgenommen.“

„Tatstrafe“ bedeutet, dass die Exkommunikation automatisch eintritt, nicht erst verhängt werden muss (sondern höchstens festgestellt). „Dem Apostolischen Stuhl vorbehalten“ heißt, dass, wenn jemand eine solche Tat beichtet, der Beichtvater erst an den Vatikan schreiben müsste, damit derjenige losgesprochen werden kann. Dieses Gesetz richtet sich z. B. gegen Satanisten, die die Eucharistie entehren.

Wer z. B. nach einer Messe meinte, irgendein winziger weißer Punkt an seiner Hose könnte möglicherweise von der Hostie kommen, weil er Handkommunion gemacht und seine Hände später daran abgestreift hat, aber möglicherweise auch nur ein Staubkorn sein, und ihn dann nicht weiter beachtet hat, der hat sich definitiv keine Exkommunikation zugezogen. Selbst z. B. ein Priester, der aus Unachtsamkeit gegen den Kelch gestoßen ist und das Blut Christi über dem Altartuch verschüttet hat, hat das nicht. Letzteres ist zwar wohl meistens eine Sünde, aber dann eine der Unachtsamkeit, nicht des bewussten Sakrilegs.

Redemptionis Sacramentum sagt zur Auslegung dieses Canons (Hervorhebung von mir):

„Jedwede Handlung, durch welche die heiligen Gestalten mutwillig und schwerwiegend entehrt werden, muß diesem Fall zugerechnet werden. Wenn daher jemand gegen die genannten Normen handelt, indem er zum Beispiel die heiligen Gestalten in das Sacrarium oder an einen unwürdigen Ort oder auf den Boden wirft, zieht er sich die festgesetzten Strafen zu.[195] Darüber hinaus sollen alle daran denken, daß nach Abschluß der Spendung der heiligen Kommunion innerhalb der Meßfeier die Vorschriften des Römischen Meßbuches zu befolgen sind; was eventuell vom Blut Christi noch übrig ist, muß vom Priester oder, gemäß den Normen, von einem anderen Diener sofort gänzlich konsumiert werden; die konsekrierten Hostien, die übriggeblieben sind, müssen entweder am Altar vom Priester konsumiert oder an den für die Aufbewahrung der Eucharistie bestimmten Ort gebracht werden.[196]“ (Redemptionis Sacramentum 107)

 

Sowohl in jeder Hostie (sogar in jedem noch als Brot erkennbaren Hostienkrümel) als auch in jedem Schluck (sogar in jedem Tropfen) Wein ist Jesus nach der Wandlung voll und ganz gegenwärtig (das ist kirchliches Dogma), weshalb es genügt, die Kommunion unter einer Gestalt zu empfangen. Manchmal, z. B. am Gründonnerstag, ist mancherorts zwar die Kommunion unter beiderlei Gestalt auch für die Laien üblich, aber sonst ist das nicht üblich und auch nicht nötig – einerseits aus praktischen Gründen, andererseits, um das Dogma einzuschärfen, damit die Leute nicht meinen, sie würden mit der Hostie nur den halben Jesus bekommen. Sicher ist es von zentraler Bedeutung, dass Brot und Wein verwendet werden; das stellt auch Jesu Tod dar, bei dem Sein Leib und Sein Blut getrennt wurden. Aber dafür genügt es, dass beides gewandelt wird und der Priester unter beiderlei Gestalt kommuniziert.

Noch einmal der CIC:

„Can. 925 — Die heilige Kommunion ist allein unter der Gestalt des Brotes zu reichen oder, nach Maßgabe der liturgischen Gesetze, unter beiderlei Gestalt, jedoch im Notfall auch allein unter der Gestalt des Weines.

[…]

Can. 927 — Auch im äußersten Notfall ist es streng verboten, die eine Gestalt ohne die andere oder auch beide Gestalten außerhalb der Feier der Eucharistie zu konsekrieren.

Und noch einmal Redemptionis Sacramentum:

„100. Um den Gläubigen die Fülle der Zeichenhaftigkeit im eucharistischen Gastmahl klarer bewußt zu machen, werden in den Fällen, die in den liturgischen Büchern erwähnt sind, auch die christgläubigen Laien zur Kommunion unter beiden Gestalten zugelassen, wobei eine entsprechende Katechese über die dogmatischen Grundsätze, die vom Ökumenischen Konzil von Trient festgelegt wurden, vorausgehen und beständig weitergeführt werden muß.[186]

101. Damit den christgläubigen Laien die heilige Kommunion unter beiden Gestalten gespendet werden kann, sind die Umstände entsprechend zu berücksichtigen, über die in erster Linie die Diözesanbischöfe zu urteilen haben. Diese Art der Kommunionspendung ist gänzlich auszuschließen, wenn auch nur die geringste Gefahr der Profanierung der heiligen Gestalten besteht.[187] Für eine eingehendere Regelung haben die Bischofskonferenzen Normen zu erlassen, die vom Apostolischen Stuhl durch die Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung rekognosziert werden müssen, vor allem im Hinblick auf «die Art, den Gläubigen die heilige Kommunion unter beiden Gestalten auszuteilen, sowie die Ausweitung dieser Befugnis».[188]

102. Der Kelch soll den christgläubigen Laien nicht gereicht werden, wo die Zahl der Kommunikanten so groß ist,[189] daß es schwierig wird, die für die Eucharistie notwendige Menge an Wein abzuschätzen und die Gefahr besteht, daß «am Ende der Feier eine Menge des Blutes Christi übrigbleibt, die über das rechte Maß hinausgeht, das konsumiert werden kann»;[190] ebenso nicht, wo der Zugang zum Kelch nur schwer geregelt werden kann oder wo eine entsprechende Menge an Wein erforderlich wird, deren sichere Herkunft und Qualität nur schwer festgestellt werden kann, oder wo keine angemessene Zahl an geistlichen Amtsträgern oder außerordentlichen Spendern der heiligen Kommunion mit geeigneter Ausbildung vorhanden ist, oder wo ein beträchtlicher Teil des Volkes aus verschiedenen Gründen beharrlich nicht zum Kelch hinzutreten will, so daß das Zeichen der Einheit in gewisser Weise verloren geht.

103. Die Normen des Römischen Meßbuches kennen die Regelung, daß in den Fällen, in denen die Kommunion unter beiden Gestalten ausgeteilt wird, «das Blut Christi direkt aus dem Kelch oder durch Eintauchen der Hostie oder mit einem Röhrchen oder mit einem Löffel getrunken werden kann».[191] Was die Kommunionspendung für die christgläubigen Laien betrifft, können die Bischöfe die Kommunion mit einem Röhrchen oder einem Löffel ausschließen, wo dies nicht örtlicher Brauch ist, wobei aber immer die Möglichkeit der Kommunionspendung durch Eintauchen der Hostie bestehen bleibt. Wenn diese Form zur Anwendung kommt, sollen allerdings Hostien verwendet werden, die nicht zu dünn und nicht zu klein sind, und der Kommunikant darf das Sakrament vom Priester nur mit dem Mund empfangen.[192]

104. Es ist dem Kommunikanten nicht erlaubt, selbst die Hostie in den Kelch einzutauchen oder die eingetauchte Hostie mit der Hand zu empfangen. Die Hostie, die eingetaucht wird, muß aus gültiger Materie bereitet und konsekriert sein; streng verboten ist die Verwendung von nicht konsekriertem Brot oder anderer Materie.

105. Wenn ein einziger Kelch zur Spendung der Kommunion unter beiden Gestalten an konzelebrierende Priester oder Christgläubige nicht ausreicht, steht dem nichts entgegen, daß der zelebrierende Priester mehrere Kelche verwendet.[193] Es ist nämlich daran zu erinnern, daß alle Priester, die die heilige Messe zelebrieren, zur Kommunion unter beiden Gestalten verpflichtet sind. Der Zeichenhaftigkeit wegen ist es zu begrüßen, daß ein größerer Kelch zusammen mit anderen kleineren Kelchen verwendet wird.

106. Es ist jedoch gänzlich zu vermeiden, daß das Blut Christi nach der Wandlung aus einem Gefäß in ein anderes gegossen wird, damit nichts passiert, was diesem so großen Mysterium unangemessen ist. Um das Blut des Herrn aufzunehmen, dürfen niemals Flaschen, Krüge oder andere Gefäße verwendet werden, die den festgesetzten Normen nicht voll entsprechen.“

 

In Redemptionis Sacramentum heißt es über den genaueren Ablauf der Kommunionspendung, über außerordentliche Spender, Mund- und Handkommunion usw.:

„88. Die Gläubigen sollen die sakramentale eucharistische Kommunion gewöhnlich während der Messe und zu dem im Ritus der Feier vorgeschriebenen Zeitpunkt empfangen, also direkt nach der Kommunion des zelebrierenden Priesters.[172] Es obliegt dem zelebrierenden Priester, eventuell unter Mithilfe anderer Priester oder Diakone, die Kommunion auszuteilen; er darf die Messe nicht fortsetzen, bevor die Kommunion der Gläubigen beendet ist. Nur dort, wo eine Notlage es erfordert, können außerordentliche Spender dem zelebrierenden Priester nach Maßgabe des Rechts helfen.[173]

89. Damit «die Kommunion auch dem Zeichen nach klarer als Teilnahme am Opfer erscheint, das gefeiert wird»,[174] ist es wünschenswert, daß die Gläubigen sie in Hostien empfangen, die in derselben Messe konsekriert wurden.[175]

90. «Die Gläubigen empfangen die Kommunion kniend oder stehend, wie es die Bischofskonferenz festgelegt hat», deren Beschluß vom Apostolischen Stuhl rekognosziert werden muß. «Wenn sie stehend kommunizieren, wird empfohlen, daß sie vor dem Empfang des Sakramentes eine angemessene Ehrerbietung erweisen, die von denselben Normen festzulegen ist».[176]

91. Bezüglich der Austeilung der heiligen Kommunion ist daran zu erinnern, daß «die geistlichen Amtsträger […] die Sakramente denen nicht verweigern» dürfen, «die zu gelegener Zeit darum bitten, in rechter Weise disponiert und rechtlich an ihrem Empfang nicht gehindert sind».[177] Jeder getaufte Katholik, der rechtlich nicht gehindert ist, muß deshalb zur heiligen Kommunion zugelassen werden. Es ist also nicht gestattet, einem Christgläubigen die heilige Kommunion beispielsweise nur deshalb zu verweigern, weil er die Eucharistie kniend oder stehend empfangen möchte.

92. Obwohl jeder Gläubige immer das Recht hat, nach seiner Wahl die heilige Kommunion mit dem Mund zu empfangen,[178] soll in den Gebieten, wo es die Bischofskonferenz erlaubt und der Apostolische Stuhl rekognosziert hat, auch demjenigen die heilige Hostie ausgeteilt werden, der das Sakrament mit der Hand empfangen möchte. Man soll aber sorgfältig darauf achten, daß der Kommunikant die Hostie sofort vor dem Spender konsumiert, damit niemand mit den eucharistischen Gestalten in der Hand weggeht. Wenn eine Gefahr der Profanierung besteht, darf die heilige Kommunion den Gläubigen nicht auf die Hand gegeben werden.[179]

93. Es ist notwendig, die kleine Patene für die Kommunion der Gläubigen beizuhalten, um die Gefahr zu vermeiden, daß die heilige Hostie oder einzelne Fragmente auf den Boden fallen.[180]

94. Es ist den Gläubigen nicht gestattet, die heilige Hostie oder den heiligen Kelch «selbst zu nehmen und noch weniger von Hand zu Hand unter sich weiterzugeben».[181] Außerdem ist in diesem Zusammenhang der Mißbrauch zu beseitigen, daß die Brautleute bei der Trauungsmesse sich gegenseitig die heilige Kommunion spenden.

95. Ein christgläubiger Laie, der «die heiligste Eucharistie schon empfangen hat, darf sie am selben Tag nur innerhalb einer Feier der Eucharistie, an der er teilnimmt, ein zweites Mal empfangen, unbeschadet der Vorschrift des can. 921 § 2».[182]

96. Zu verwerfen ist der Brauch, daß entgegen den Vorschriften der liturgischen Bücher während oder vor der Meßfeier nicht konsekrierte Hostien oder andere eßbare oder nicht eßbare Dinge nach Art der Kommunion ausgeteilt werden. Dieser Brauch entspricht nicht der Tradition des römischen Ritus und bringt die Gefahr mit sich, bei den Christgläubigen Verwirrung zu stiften bezüglich der Lehre der Kirche über die Eucharistie. Wenn an einigen Orten aufgrund einer Konzession die besondere Gewohnheit besteht, Brot zu segnen und nach der Messe auszuteilen, soll dieser Brauch durch eine gute Katechese sorgfältig erklärt werden. Es dürfen aber keine anderen ähnlichen Praktiken eingeführt und für den genannten Brauch auf keinen Fall nicht konsekrierte Hostien verwendet werden.“

Es sind also prinzipiell meistens alle Kombinationen aus stehend/kniend und Mundkommunion/Handkommunion erlaubt. Die kniende Mundkommunion wäre eigentlich die Standartvariante, aber es ist keine Sünde, wenn jemand die seit der Liturgiereform ebenfalls an den meisten Orten per Indult erlaubte stehende Handkommunion vorzieht – ob nun deshalb, weil er es nicht mag, wenn andere an seinen Mund fassen, weil er zu schüchtern ist, um mit knieender Mundkommunion auffallen zu wollen, weil er es einfach so gewohnt ist… Die Handkommunion ist erlaubt und drückt keine Verunehrung aus. (Wobei hier deutlich wird, dass die Handkommunion ein bisschen problematischer werden könnte als das Stehen (das ja immer erlaubt war für die, die nicht knien können, und das keine zusätzliche Gefahr der Entehrung des Sakraments mit sich bringt, während das bei der Handkommunion zumindest ein bisschen der Fall ist). Und freilich ist die Einstellung mancher Leute falsch, die meinen, die knieende Mundkommunion wäre quasi zu ehrfürchtig.)

Zu den Kommunionspendern, also den Personen, die die Kommunion austeilen, heißt es in Redemptionis Sacramentum außerdem, dass an sich Bischof, Priester und Diakon ordentliche Spender sind und der Akolyth (eine Beauftragung, die für gewöhnlich Priesteramtskandidaten im Lauf ihrer Seminarzeit erhalten) kraft Amt außerordentlicher Spender ist, und weitere außerordentliche Spender (die gewöhnlichen Kommunionhelfer, die man kennt) beauftragt werden können, wenn eine Notsituation es für einen begrenzten Zeitraum (ad tempus) (oder in Ausnahmefällen für eine einzelne Messe/Krankenkommunion (ad actum)) erfordert; solche Kommunionhelfer werden nicht auf unbegrenzte Zeit beauftragt und dürften eigentlich auch nicht in jeder Pfarrei beauftragt werden, nur damit die Kommunionausteilung zwei Minuten kürzer dauert oder um Laien irgendwie im Altarraum zu beteiligen; das ist, auch wenn es ständig vorkommt, an sich zumindest ein leichter liturgischer Missbrauch. Wenn die Austeilung aber sehr lang dauern würde, weil die Gemeinde groß ist, oder ein Priester schon gebrechlich ist und sich deshalb möglichst bald wieder hinsetzen muss, oder auch für die Krankenkommunion, wenn ein Priester es zeitlich nicht schafft, zu allen Kranken selbst zu gehen, wäre es etwas anderes; für solche Situationen wären außerordentliche Spender ja gedacht. Sie sind eben wirklich nur Notfallassistenz für den eigentlichen Spender, den Priester.

(Es ist keine Sünde, von einem unnötigerweise eingeteilten außerordentlichen Spender die Kommunion zu empfangen; aber man sollte sich selbst wohl eher nicht unnötigerweise dazu einteilen lassen, wenn man es vermeiden kann, auch wenn das wohl keine schwere Sünde wäre.)

„154. «Zelebrant, der in persona Christi das Sakrament der Eucharistie zu vollziehen vermag, ist», wie schon erwähnt, «nur der gültig geweihte Priester».[254] Daher kommt die Bezeichnung «Diener der Eucharistie» im eigentlichen Sinn nur dem Priester zu. Aufgrund der heiligen Weihe sind Bischof, Priester und Diakon die ordentlichen Spender der heiligen Kommunion,[255] denen es deshalb zukommt, bei der Feier der heiligen Messe den christgläubigen Laien die Kommunion auszuteilen. So soll ihr Dienstamt in der Kirche richtig und voll zum Ausdruck gebracht werden und das sakramentale Zeichen seine Erfüllung finden.

155. Über die ordentlichen Amtsträger hinaus gibt es den rechtmäßig beauftragten Akolythen, der kraft seiner Beauftragung außerordentlicher Spender der heiligen Kommunion auch außerhalb der Meßfeier ist. Wenn es ferner echte Notsituationen erfordern, kann nach Maßgabe des Rechts[256] vom Diözesanbischof auch ein anderer christgläubiger Laie ad actum oder ad tempus als außerordentlicher Spender beauftragt werden; dazu ist die für diesen Fall vorgesehene Segensformel anzuwenden. Dieser Akt der Beauftragung hat aber nicht notwendig eine liturgische Gestalt, und wenn er eine solche hat, darf er in keiner Weise der heiligen Weihe angeglichen werden. Nur in besonderen, unvorhergesehenen Fällen kann eine Erlaubnis ad actum vom Priester gewährt werden, der der Eucharistiefeier vorsteht.[257]

156. Diese Aufgabe ist streng im Sinn ihrer Bezeichnung zu verstehen, es geht also um außerordentliche Spender der heiligen Kommunion, nicht aber um «besondere Spender der heiligen Kommunion» oder um «außerordentliche Diener der Eucharistie» oder um «besondere Diener der Eucharistie»; durch solche Bezeichnungen wird ihre Bedeutung in ungebührlicher und falscher Weise ausgeweitet.

157. Wenn gewöhnlich eine Anzahl geistlicher Amtsträger anwesend ist, die auch für die Austeilung der heiligen Kommunion ausreicht, können keine außerordentlichen Spender der heiligen Kommunion beauftragt werden. In Situationen dieser Art dürfen jene, die zu einem solchen Dienst beauftragt worden sind, ihn nicht ausüben. Zu verwerfen ist das Verhalten jener Priester, die an der Zelebration teilnehmen, sich aber nicht an der Kommunionausteilung beteiligen und diese Aufgabe den Laien überlassen.[258]

158. Der außerordentliche Spender der heiligen Kommunion darf die Kommunion nur dann austeilen, wenn Priester oder Diakon fehlen, wenn der Priester durch Krankheit, wegen fortgeschrittenen Alters oder aus einem anderen ernsten Grund verhindert ist, oder wenn die Gläubigen, die zur Kommunion hinzutreten, so zahlreich sind, daß sich die Meßfeier allzusehr in die Länge ziehen würde.[259] Dies muß aber so verstanden werden, daß eine gemäß den örtlichen Gewohnheiten und Bräuchen kurze Verlängerung ein völlig unzureichender Grund ist.

159. Einem außerordentlichen Spender der heiligen Kommunion ist es niemals erlaubt, jemand anderen zur Spendung der Eucharistie zu beauftragen, wie zum Beispiel einen Elternteil, den Ehepartner oder das Kind eines Kranken, der kommunizieren möchte.

160. Der Diözesanbischof soll die Praxis der letzten Jahre in dieser Sache von neuem überdenken und gegebenenfalls korrigieren oder genauer festlegen. Wo aus einer echten Notlage heraus viele solche außerordentliche Spender beauftragt werden, hat der Diözesanbischof besondere Normen zu erlassen, mit denen er unter Berücksichtigung der Tradition der Kirche über die Ausübung dieser Aufgabe nach Maßgabe des Rechts Anordnungen trifft.“

Dem liegen diese Vorschriften des CIC zugrunde:

„Can. 910* — § 1. Ordentlicher Spender der heiligen Kommunion ist der Bischof, der Priester und der Diakon.

§ 2. Außerordentlicher Spender der heiligen Kommunion ist der Akolyth wie auch ein anderer Gläubiger, der nach Maßgabe des can.230, § 3 dazu beauftragt ist.

Can. 911 — § 1. Die Pflicht und das Recht, die heiligste Eucharistie als Wegzehrung zu den Kranken zu bringen; haben der Pfarrer, die Pfarrvikare, die Kapläne und der Obere einer Gemeinschaft in klerikalen Ordensinstituten oder Gesellschaften des apostolischen Lebens für alle, die sich im Haus aufhalten.

§ 2. Im Notfall oder mit der wenigstens vermuteten Erlaubnis des Pfarrers, des Kaplans oder des Oberen, die nachher davon in Kenntnis zu setzen sind, ist dazu jeder Priester oder andere Spender der heiligen Kommunion verpflichtet.“

 

Zur gültigen bzw. zur erlaubten Materie für die Eucharistie heißt es in Redemptionis Sacramentum:

„48. Das Brot, das für die Feier des hochheiligen eucharistischen Opfers verwendet wird, muß ungesäuert, aus reinem Weizenmehl bereitet und noch frisch sein, so daß keine Gefahr der Verderbnis besteht.[123] Daraus folgt, daß Brot, das aus einer anderen Substanz, wenn auch aus Getreide, bereitet ist, oder Brot, dem eine vom Weizen verschiedene Materie in so großer Menge beigemischt ist, daß es gemäß dem allgemeinen Empfinden nicht mehr als Weizenbrot bezeichnet werden kann, keine gültige Materie für den Vollzug des eucharistischen Opfers und Sakramentes darstellt.[124] Es ist ein schwerer Mißbrauch, bei der Zubereitung des für die Eucharistie bestimmten Brotes andere Substanzen, wie zum Beispiel Früchte, Zucker oder Honig, beizufügen. […]

50. Der Wein, der für die Feier des hochheiligen eucharistischen Opfers verwendet wird, muß naturrein, aus Weintrauben gewonnen und echt sein, er darf nicht verdorben und nicht mit anderen Substanzen vermischt sein.[127] Bei der Meßfeier muß ihm ein wenig Wasser beigemischt werden. Es ist sorgfältig darauf zu achten, daß der für die Eucharistie bestimmte Wein in einwandfreiem Zustand aufbewahrt und nicht zu Essig wird.[128] Es ist streng verboten, Wein zu benützen, über dessen Echtheit und Herkunft Zweifel bestehen: Denn bezüglich der notwendigen Bedingungen für die Gültigkeit der Sakramente fordert die Kirche Gewißheit. Es darf kein Vorwand zugunsten anderer Getränke jedweder Art zugelassen werden, die keine gültige Materie darstellen.“

Es ist also nicht möglich, für an Zöliakie leidende Personen komplett glutenfreie Hostien zu nehmen (glutenreduzierte sind allerdings möglich) oder aus Rücksicht auf Alkoholiker Traubensaft statt Wein zu nehmen; diese Materie würde einfach nicht Leib und Blut Christi werden. Dementsprechend betroffene Personen könnten also unter der Gestalt, die sie nicht vertragen, einfach nicht kommunizieren, aber dann eben unter der anderen.

Nicht mehr ganz frisches Brot, oder Brot mit geringfügigen Zusätzen, wäre aber immerhin noch gültige, wenn auch unerlaubte Materie.

Der CIC sagt ebenfalls:

„Can. 924 — § 1. Das hochheilige eucharistische Opfer muß mit Brot und Wein, dem ein wenig Wasser beizumischen ist, dargebracht werden.

§ 2. Das Brot muß aus reinem Weizenmehl bereitet und noch frisch sein, so daß keine Gefahr der Verderbnis besteht.

§ 3. Der Wein muß naturrein und aus Weintrauben gewonnen sein und darf nicht verdorben sein.

[…]

Can. 926 — Bei der Feier der Eucharistie hat der Priester gemäß der alten Überlieferung der lateinischen Kirche ungesäuertes Brot zu verwenden, wo immer er das Opfer darbringt.

 

Normalerweise dürfen nur Katholiken, die nicht mit Exkommunikation oder Interdikt belegt und im Stand der Gnade sind, nur von katholischen Spendern die Eucharistie empfangen.

Exkommunizierten (z. B. Abtreibungsärzten, die sich durch ihren Beruf die Tatstrafe der Exkommunikation zuziehen), Interdizierten, Katholiken, die beharrlich die katholische Lehre leugnen oder in einer anderen schweren offenkundigen Sünde hartnäckig verharren (z. B. Wiederverheiratet-Geschiedenen, in einer homosexuellen Partnerschaft Lebenden o. Ä.) darf (bzw. muss sogar) ein Spender, der sie kennt und von diesem Hindernis weiß, die Kommunion verweigern. Aus dem CIC:

„Can. 915 — Zur heiligen Kommunion dürfen nicht zugelassen werden Exkommunizierte und Interdizierte nach Verhängung oder Feststellung der Strafe Sowie andere, die hartnäckig in einer offenkundigen schweren Sünde verharren.“

Die schwere Sünde muss „offenkundig“, also bekannt, äußerlich wahrnehmbar sein, und derjenige muss „hartnäckig“ darin verharren, also die Sünde nicht nur einzelne Male begangen und dann bereut haben, sondern dabei bleiben. (Hier genauere Unterscheidungen und Erklärungen zu diesen Bedingungen.)

Wenn ein Priester allerdings in der Beichte die Absolution verweigern musste und der Pönitent dann trotzdem zur Kommunion vor geht, darf der Priester sie nicht verweigern (um das Beichtgeheimnis zu wahren).

Auch Nichtkatholiken muss ein Priester im Regelfall die Kommunion verweigern, und Katholiken dürfen nicht einfach in einem nichtkatholischen Gottesdienst zur Kommunion gehen. Allerdings gibt es hier für Einzelfälle Ausnahmeregelungen.

Im CIC heißt es:

„Can. 844 — § 1. Katholische Spender spenden die Sakramente erlaubt nur katholischen Gläubigen; ebenso empfangen diese die Sakramente erlaubt nur von katholischen Spendern; zu beachten sind aber die Bestimmungen der §§ 2, 3 und 4 dieses Canons sowie des can. 861, § 2.

§ 2. Sooft eine Notwendigkeit es erfordert oder ein wirklicher geistlicher Nutzen dazu rät und sofern die Gefahr des Irrtums oder des Indifferentismus vermieden wird, ist es Gläubigen, denen es physisch oder moralisch unmöglich ist, einen katholischen Spender aufzusuchen, erlaubt, die Sakramente der Buße, der Eucharistie und der Krankensalbung von nichtkatholischen Spendern zu empfangen, in deren Kirche die genannten Sakramente gültig gespendet werden.

§ 3. Katholische Spender spenden erlaubt die Sakramente der Buße, der Eucharistie und der Krankensalbung Angehörigen orientalischer Kirchen, die nicht die volle Gemeinschaft mit der katholischen Kirche haben, wenn diese von sich aus darum bitten und in rechter Weise disponiert sind; dasselbe gilt für Angehörige anderer Kirchen, die nach dem Urteil des Apostolischen Stuhles hinsichtlich der Sakramente in der gleichen Lage sind wie die genannten orientalischen Kirchen.

§ 4. Wenn Todesgefahr besteht oder wenn nach dem Urteil des Diözesanbischofs bzw. der Bischofskonferenz eine andere schwere Notlage dazu drängt, spenden katholische Spender diese Sakramente erlaubt auch den übrigen nicht in der vollen Gemeinschaft mit der katholischen Kirche stehenden Christen, die einen Spender der eigenen Gemeinschaft nicht aufsuchen können und von sich aus darum bitten, sofern sie bezüglich dieser Sakramente den katholischen Glauben bekunden und in rechter Weise disponiert sind.“

D. h. ein Katholik, der keinen katholischen Priester erreichen kann, darf z. B. bei einem russisch-orthodoxen, armenischen oder koptischen Priester die Eucharistie empfangen (wie auch die Beichte und die Krankensalbung); allerdings nie bei einem protestantischen oder anglikanischen Pastor, der ja keine gültige Weihe hat.

Ein katholischer Priester darf z. B. einem russisch-orthodoxen, armenischen oder koptischen Gläubigen, der ihn von sich aus darum bittet und ansonsten die normalen Bedingungen für den Sakramentenempfang erfüllt, die Kommunion spenden (und die Absolution und die Krankensalbung). Bei Personen aus Gemeinschaften, die keine gültig geweihten Priester und gültigen Sakramente mehr haben (also vorrangig die Protestanten) ist das dagegen nur möglich, wenn der Protestant zumindest in Bezug auf das einzelne Sakrament den katholischen Glauben teilt und in Todesgefahr oder einer anderen „schweren Notlage“ ist. (Wenn ein Lutheraner mit seiner katholischen Frau zur Kirche geht und sich ausgeschlossen vorkommt, wenn er nicht auch zum „katholischen Abendmahl“ gehen darf, ist definitiv keine schwere Notlage gegeben, und für gewöhnlich ja auch nicht der erforderliche Glaube.) Einem Ungetauften darf er nie diese Sakramente spenden.

Dieses Kirchengesetz ist übrigens nichts ganz Neues; auch der CIC von 1917 enthielt für Notfälle Bestimmungen zur Sakramentenspendung an Christen aus anderen Konfessionen, die guten Glaubens ihrer schismatischen Konfession anhängen. Hier kommt eben der Grundsatz „salus animarum suprema lex“ (das Heil der Seelen ist das oberste Gesetz) ins Spiel.

Allerdings ist es nie erlaubt, dass ein katholischer und ein orthodoxer Priester, oder gar ein katholischer Priester und ein protestantischer Pastor, gemeinsam Eucharistie feiern.

In der Enzyklika Ecclesia de Eucharistia, die der hl. Papst Johannes Paul II. 2003 veröffentlicht hat, heißt es über die Möglichkeit, jemandem die Kommunion zu verweigern, und über die nie erlaubte Konzelebration mit nichtkatholischen Klerikern:

„Es ist offensichtlich, daß das Urteil über den Gnadenstand nur dem Betroffenen zukommt, denn es handelt sich um ein Urteil des Gewissens. Aber in den Fällen, in denen ein äußeres Verhalten in schwerwiegender, offenkundiger und beständiger Weise der moralischen Norm widerspricht, kommt die Kirche nicht umhin, sich in ihrer pastoralen Sorge um die rechte Ordnung der Gemeinschaft und aus Achtung vor dem Sakrament in Pflicht nehmen zu lassen. […]

Die Eucharistie ist die höchste sakramentale Darstellung der Gemeinschaft in der Kirche. Deshalb ist es notwendig, daß sie im Kontext der Unversehrtheit auch der äußeren Bande der Gemeinschaft gefeiert wird. Weil sie in besonderer Weise »die Vollendung des geistlichen Lebens und das Ziel aller Sakramente«78 ist, müssen die Bande der Gemeinschaft in den Sakramenten wirklich bestehen, besonders in der Taufe und in der Priesterweihe. Es ist nicht möglich, einer Person die Kommunion zu reichen, die nicht getauft ist oder die unverkürzte Glaubenswahrheit über das eucharistische Mysterium zurückweist. Christus ist die Wahrheit und legt Zeugnis ab für die Wahrheit (vgl. Joh 14,6; 18,37); das Sakrament seines Leibes und seines Blutes erlaubt keine Heuchelei. […]

Die kirchliche Gemeinschaft der eucharistischen Versammlung ist Gemeinschaft mit dem eigenen Bischof und mit dem Papst. Der Bischof ist in der Tat das sichtbare Prinzip und das Fundament der Einheit in seiner Teilkirche.80 Es wäre daher ein großer Widerspruch, wenn das Sakrament der Einheit der Kirche schlechthin nicht in Gemeinschaft mit dem Bischof gefeiert würde. Der heilige Ignatius von Antiochien schrieb: »Jene Eucharistie wird als sicher erachtet, die unter dem Bischof oder dem, den er damit beauftragt hat, gefeiert wird«.81 Weil »der Bischof von Rom als Nachfolger Petri das immerwährende, sichtbare Prinzip und Fundament für die Einheit der Vielheit von Bischöfen und Gläubigen«82 ist, bildet die Gemeinschaft mit ihm in gleicher Weise eine innere Notwendigkeit für die Feier des eucharistischen Opfers. […]

44. Weil die Einheit der Kirche, welche die Eucharistie durch das Opfer und den Empfang des Leibes und Blutes des Herrn verwirklicht, unter dem unabdingbaren Anspruch der vollen Gemeinschaft durch die Bande des Glaubensbekenntnisses, der Sakramente und des kirchlichen Leitungsamtes steht, ist es nicht möglich, die eucharistische Liturgie gemeinsam zu feiern, bevor diese Bande in ihrer Unversehrtheit nicht wiederhergestellt sind. […]

45. Wenn die volle Gemeinschaft fehlt, ist die Konzelebration in keinem Fall statthaft. Dies gilt nicht für die Spendung der Eucharistie unter besonderen Umständen und an einzelne Personen, die zu Kirchen oder kirchlichen Gemeinschaften gehören, die nicht in der vollen Gemeinschaft mit der katholischen Kirche stehen. In diesem Fall geht es nämlich darum, einem schwerwiegenden geistlichen Bedürfnis einzelner Gläubiger im Hinblick auf das ewige Heil entgegenzukommen, nicht aber um die Praxis einer Interkommunion, die nicht möglich ist, solange die sichtbaren Bande der kirchlichen Gemeinschaft nicht vollständig geknüpft sind. […]

Es ist notwendig, diese Bedingungen genau zu befolgen. Sie sind unumgänglich, auch wenn es sich um begrenzte Einzelfälle handelt. Die Ablehnung einer oder mehrerer Glaubenswahrheiten über diese Sakramente, etwa die Leugnung der Wahrheit bezüglich der Notwendigkeit des Weihepriestertums zur gültigen Spendung dieser Sakramente, hat zur Folge, daß der Bittsteller nicht für ihren rechtmäßigen Empfang disponiert ist. Und umgekehrt kann ein katholischer Gläubiger nicht die Kommunion in einer Gemeinschaft empfangen, der das gültige Sakrament der Weihe fehlt.98″ (EE 37-46)

Zur Krankenkommunion heißt es in Redemptionis Sacramentum:

„132. Niemand darf die heiligste Eucharistie entgegen der Rechtsnorm nach Hause oder an einen anderen Ort mitnehmen. Außerdem muß man sich vor Augen halten, daß das Entwenden oder Zurückbehalten zu sakrilegischem Zweck oder das Wegwerfen der konsekrierten Gestalten zu den graviora delicta gehören; es ist der Kongregation für die Glaubenslehre vorbehalten, davon loszusprechen.[225]

133. Ein Priester oder ein Diakon oder ein außerordentlicher Spender, der bei Abwesenheit oder Verhinderung des ordentlichen Amtsträgers die heiligste Eucharistie zu einem Kranken für die Kommunionspendung bringt, soll von dem Ort, an dem das Sakrament aufbewahrt wird, auf möglichst direktem Weg zur Wohnung des Kranken gehen und von allen profanen Aufgaben absehen, damit jede Gefahr der Profanierung vermieden und dem Leib Christi die größtmögliche Ehrfurcht erwiesen wird. Außerdem ist immer der Ritus der Krankenkommunion zu befolgen, wie er im Römischen Rituale vorgeschrieben wird.[226]“

 

Zur Erstkommunion sagt der CIC:

„Can. 913 — § 1. Damit die heiligste Eucharistie Kindern gespendet werden darf, ist erforderlich, daß sie eine hinreichende Kenntnis und eine sorgfältige Vorbereitung erhalten haben, so daß sie das Geheimnis Christi gemäß ihrer Fassungskraft begreifen und den Leib des Herrn gläubig und andächtig zu empfangen in der Lage sind.

§ 2. Kindern jedoch, die sich in Todesgefahr befinden, darf die heiligste Eucharistie gespendet werden, wenn sie den Leib Christi von gewöhnlicher Speise unterscheiden und die Kommunion ehrfürchtig empfangen können.

Can. 914 — Pflicht vor allem der Eltern und derer, die an Stelle der Eltern stehen, sowie des Pfarrers ist es, dafür zu sorgen, daß die Kinder, die zum Vernunftgebrauch gelangt sind, gehörig vorbereitet werden und möglichst bald, nach vorheriger sakramentaler Beichte, mit dieser göttlichen Speise gestärkt werden. der Pfarrer hat auch darüber zu wachen, daß nicht Kinder zur heiligen Kommunion hinzutreten, die den Vernunftgebrauch noch nicht erlangt haben oder die nach seinem Urteil nicht ausreichend darauf vorbereitet sind.“

Nur Kinder aus östlichen Rituskirchen dürfen unter 7 Jahren, d. h. wenn sie noch nicht den Vernunftgebrauch besitzen, schon die Kommunion empfangen; lateinischen Kindern ist das vor ihrer Erstkommunion, die nach Erreichen des Vernunftgebrauchs stattzufinden hat, nicht erlaubt.

In Redemptoris Sacramantum heißt es:

„87. Der Erstkommunion der Kinder muß immer eine sakramentale Beichte und Lossprechung vorausgehen.[169] Außerdem soll die Erstkommunion immer von einem Priester gereicht werden, und zwar nie außerhalb der Meßfeier. Von Ausnahmefällen abgesehen, ist es wenig passend, die Erstkommunion bei der Messe vom Letzten Abendmahl am Gründonnerstag zu spenden. Man soll vielmehr einen anderen Tag wählen, wie etwa den 2. – 6. Sonntag in der Osterzeit oder das Hochfest des Leibes und Blutes Christi oder einen Sonntag im Jahreskreis, denn der Sonntag wird mit Recht als Tag der Eucharistie betrachtet.[170] Zum Empfang der heiligen Eucharistie sollen keine Kinder hinzutreten, «die den Vernunftgebrauch noch nicht erlangt haben» oder nach dem Urteil des Pfarrers «nicht ausreichend darauf vorbereitet sind».[171] Wenn es aber vorkommt, daß ein Kind in einer Ausnahmesituation bezüglich seines Alters für den Empfang des Sakramentes als reif erachtet wird, soll ihm die Erstkommunion nicht verwehrt werden, wenn es nur hinreichend vorbereitet ist.“

 

 

Mehr Anthropozentrismus wagen!

Auf kaum etwas reagieren grünlinke Säkularisten so allergisch wie auf die Idee, der Mensch könnte die – wie man mal so sagte – „Krone der Schöpfung“ sein. Eigentlich ist es zwar etwas seltsam, dass Leute, die jedem Abweichler von ihren Ideen gern „Menschenfeindlichkeit“ vorwerfen, selber oft Abscheu vor ihrer eigenen Spezies haben und meinen, „die Erde“ wäre ohne uns besser dran; aber gut, wer will schon Logik erwarten.

Apologetik betreibende Christen reagieren auf solche christentumsfeindlichen Grüngesonnenen dann meistens mit dem Hinweis, dass der Auftrag an Adam und Eva „Seid fruchtbar und mehrt euch, füllt die Erde und unterwerft sie und waltet über die Fische des Meeres, über die Vögel des Himmels und über alle Tiere, die auf der Erde kriechen!“ (Gen 1,28) keine Tyrannenherrschaft meine, sondern dass das Herrschaftsideal der Bibel Fürsorge einschließe, entsprechend auch Gen 2,15: „Gott, der HERR, nahm den Menschen und gab ihm seinen Wohnsitz im Garten von Eden, damit er ihn bearbeite und hüte.“ (und verwenden Begriffe wie „Krone der Schöpfung“ selber grundsätzlich nicht). Das mit der Herrschaft als Auftrag zum Behüten ist ja auch nicht falsch. Aber es ist vielleicht doch ein Schritt zu weit auf den Gegner zu, wenn man nur das betont.

Es stimmt eben wirklich, dass der Mensch der krönende Abschluss von Gottes Schöpfung ist, und mehr wert als Tiere und Pflanzen, weil er keine bloß tierische Seele, sondern eine vernunftbegabte Seele hat, einen freien Willen statt Instinkten, das Wahre, Gute und Schöne erfassen kann und nicht nur vor sich hin lebt; weil Gott ihm kein bloß natürliches Ziel – leben, trinken, fressen, schlafen, Junge zeugen – gegeben, sondern ihn zu einem übernatürlichen Ziel erwählt hat (Ihn, Gott, zu erkennen, zu lieben und Ihn ewig im Himmel zu schauen).

Für Modernisten heißt „minderwertig“ immer gleich „wertlos“. Tiere sind minderwertig, aber natürlich nicht wertlos, sie haben ihren eigenen Wert in sich. Aber sie haben eben auch einen Nutzwert für den Menschen; Gott sagt im Buch Genesis zu Noah und dessen Söhnen nach der Sintflut ziemlich deutlich: „Furcht und Schrecken vor euch soll sich auf alle Tiere der Erde legen, auf alle Vögel des Himmels, auf alles, was sich auf dem Erdboden regt, und auf alle Fische des Meeres; in eure Hand sind sie gegeben. Alles, was sich regt und lebt, soll euch zur Nahrung dienen. Das alles übergebe ich euch wie die grünen Pflanzen.“ (Gen 9,2f.) Sicher sagt er bei derselben Gelegenheit auch: „Siehe, ich richte meinen Bund auf mit euch und mit euren Nachkommen nach euch und mit allen Lebewesen bei euch, mit den Vögeln, dem Vieh und allen Wildtieren der Erde bei euch, mit allen, die aus der Arche gekommen sind, mit allen Wildtieren der Erde überhaupt.“ (Gen 9,9f.) Die Tiere sind also nicht nur zum Essen da, sondern haben auch ihre eigene Rolle in der Schöpfung und Gott bedenkt sie – aber sie sind auch zum Essen da. Tiere leben nur im Augenblick und der Verlust ihres Lebens ist für sie nicht dasselbe wie für Menschen. Metzger, Jäger und Landwirte tun mit ihrem Beruf also nichts Falsches und müssen sich nicht vor irgendwelchen „Tierschützern“ rechtfertigen. Die Herrschaft des Menschen über die Tierwelt schließt das Nutzen derselben ein; darin unterscheidet sie sich tatsächlich von anderer Herrschaft über gleichwertige Geschöpfe (z. B. staatlicher Herrschaft, oder der „Herrschaft“ von Eltern über ihre minderjährigen Kinder), die zuallererst für die Beherrschten da ist.

Klingt das kalt? Vielleicht, wenn einem nicht bewusst ist, wozu das scheinbar so nette grünliche Denken führt.

Zunächst etwas Banales: Radikale Tierschützer fordern gerne „Tierrechte“ und setzen Schlachtung mit Mord gleich. Mit so einem Denken kommen sie natürlich im Tierreich selber nicht weit. Da gibt es Raubtiere, die von anderen Tieren leben, Vergewaltigungen, Mütter, die ihre Jungen totbeißen, blutige Revierkämpfe – ohne dass sich ein Tier deswegen ein schlechtes Gewissen macht oder auch nur machen könnte. Tieren kann man keine Rechte wie Menschen geben, weil man ihnen auch keine Pflichten geben kann, weil man sie unmöglich dazu bringen könnte, Rechte anderer Tiere zu beachten. Tierschutz geht, Tierrechte nicht. Es ist gut, keine Tierquälerei zu betreiben und keine ganzen Tierarten auszurotten (um die Vielfalt von Gottes schöner Schöpfung zu bewahren); aber dieselben Rechte wie Menschen können Tiere nun mal nicht haben; auch kein individuelles, heiliges Recht auf Leben.

Jetzt aber der eigentliche Punkt: Wer Tierrechte fordert, erhöht meistens nicht die Tiere, sondern zieht die Menschen zu ihnen herab. Das Paradebeispiel, das man immer wieder hervorziehen kann, ist der australische Philosoph Peter Singer, der die (ja, nachgeburtliche, nicht nur vorgeburtliche, wie bei inkonsequenteren Leuten dieses Schlages) Tötung behinderter Kinder für gut hält, und Schimpansen mehr Rechte zuschreibt als Neugeborenen. Klar; wer keinen grundsätzlichen Unterschied zwischen unsterblichen, gottebenbildlichen Menschenseelen (auch, wenn sie in diesem irdischen Leben durch einen Gehirndefekt daran gehindert sind, die Vernunftfähigkeiten ihrer Seele auszuüben, wie das auch komatöse, schlafende und betrunkene Menschen zeitweise sind) und Tierseelen sieht, der hält Behinderte für ebenso wenig wert wie Tiere und meint, sie einschläfern zu dürfen. Es ist offensichtlich, dass es keinen Sinn macht, Tieren ein absolut heiliges Recht auf Leben, das man nur durch eigene schwere Schuld (z. B. im Fall von Notwehr gegen einen Mörder) verwirken kann, zu geben; also dürfen Menschenleben auch nicht mehr heilig sein.

Dann ist da die Tatsache, dass solche Leute oft bereit sind, Menschenleben zu opfern oder sie für nicht so wichtig zu halten, wenn es um Tierleben geht. Da wäre der Fall des Gorillas Harambe, der 2014 im Zoo von Cincinnati (USA) erschossen wurde, um einen dreijährigen Jungen zu retten, der in den Wassergraben des Geheges gelangt war, und den der Gorilla brutal am Bein mit sich durch das Wasser gezogen hatte. Man kann sich kaum vorstellen, was es weltweit für einen Aufschrei gab und wie der Zoo sich verteidigen musste, weil die Zoowärter es tatsächlich für dringend genug hielten, ein kleines Kind zu retten, um einen Gorilla zu erschießen (wobei viele nicht mal kapieren wollten, dass Betäubungspfeile zu lange gebraucht hätten, um ein 200 Kilo schweres Tier zu betäuben).

Es gibt sogar Leute, die um der „Erde“ (was auch immer sie damit genau meinen) willen bereit wären, ihre Kinder abzutreiben, weil mehr Menschen ja für mehr Klimawandel sorgen würden. (Dass das eine Milchmädchenrechnung ist, ist ein anderes Thema; ohne neue Kinder könnte es ja auch keine klugen Köpfe geben, die klimafreundliche Technologien entwickeln können; und beim Klimawandel werden sowieso eher schädliche Auswirkungen auf den Menschen als auf „die Erde“ befürchtet. Aber das am Rande, weil es nicht der Punkt ist.)

Dann ist da der unglaubliche Hass, den Leute von PETA & Co. auf diejenigen hegen können, die bei ihrer Ideologie nicht mitgehen oder gar z. B. als Metzger oder Jäger arbeiten. Der WWF hat in Afrika und Asien sogar Anti-Wilderer-Truppen finanziert, die, wie sich Anfang diesen Jahres herausgestellt hat, Wilderer systematisch gefoltert haben.

Wie Chesterton mal in etwa gesagt hat: Wo Tiere angebetet werden, gibt es Menschenopfer.

Wir müssen die grüne Misanthropie jedenfalls nicht mitmachen; es gibt keinen Grund, sich schlecht dafür zu fühlen, ein Mensch zu sein. Sicher sind Menschen zu Schlechterem fähig als Tiere – aber genau deshalb, weil sie auch zu Besserem fähig sind. Sie haben einen freien Willen, treffen Entscheidungen, für Treue oder Verrat, für Wahrheit oder Lüge. Und wie es so schön heißt: Corrutio optimi pessima; die Verderbnis des Besten ist das Schlechteste. Deswegen wäre es trotzdem an sich das Beste gewesen.

Und manche Menschenfeinde, die sich z. B. lieber Hunde anschaffen als eine Familie, ziehen Tiere doch nur vor, weil die weniger kompliziert sind als Menschen und man in die leichter hineinprojizieren kann, was einem passt. Ein Hund widerspricht einem nicht und stellt einen nicht zur Rede.

Wer Tiere liebt, muss zu Menschen keine Liebe haben; sogar Hitler liebte seinen Hund Blondi. (Godwin’s Law muss man auch mal vorzeitig erfüllen.)

(Bundesarchiv B 145 Bild-F051673-0059.)

Tiere lieben ist an sich natürlich gut – solange man sie ihrer Natur entsprechend liebt und sein lässt, wie sie sind, und keine „besseren Menschen“ aus ihnen zu machen versucht. Deswegen hier noch ein schönes Bild:

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