Beziehungstipps für Christen (oder so)

Gelegentlich einmal stellt man fest, dass Freunde oder Bekannte Beziehungsstress haben, der vermeidbar gewesen wäre, oder dass allgemein Leute sich im Unklaren sind, was sie selbst von einer guten Beziehung erwarten oder wie sie eine finden sollten. Und da macht man sich doch mal Gedanken über das Thema, auch anhand von eigenen vergangenen Erfahrungen. Also, hier ein paar Tipps, die vielleicht manchen ein bisschen helfen könnten. Diesen Text habe ich mit einem männlichen Freund abgesprochen, um nicht nur meine weibliche Perspektive hineinzubringen. Ergänzungen/Korrekturen in den Kommentaren zu dieser persönlichen Ideensammlung sind sehr willkommen!

Ich beziehe mich hier auf Dating unter ernsthaften Christen, speziell Katholiken. Ich will nicht wissen, wie es auf Tinder aussieht, und das muss uns alle auch nicht interessieren.

Im Vorfeld:

Man kann nicht immer kontrollieren, welche Menschen man trifft und wie sie auf einen reagieren. Aber man kann sich selbst zu einer Person machen, die eine gute Ehe führen kann. Und das sollte man auch tun, bevor man mit dem Dating beginnt; ein gewisses Maß an Reife ist sinnvoll.

Es ist z. B. gut, wenn man chronische Sünden im Bereich des 6. Gebots (zumindest solche wie Pornographie und Selbstbefriedigung) einigermaßen überwunden hat (womit ich nicht sagen will, man dürfe nicht heiraten, wenn man das noch nicht geschafft hat). Seien wir realistisch: Die wenigsten Männer heutzutage werden niemals solche Sünden begangen haben, schon zwölfjährige Jungs werden durch ihre Smartphones leicht zu so etwas verführt und stecken dann bald in einer Sucht fest, und auch manche Frauen sind davon betroffen. (Es ist aber im Gegensatz dazu schon realistisch, jemanden zu finden, der/die noch Jungfrau ist, was nicht als Verurteilung für die gemeint ist, die es nicht mehr sind.) Aber diese Sünden lassen sich überwinden. Die Ehe macht die Keuschheit sicher etwas leichter, sonst hätte der hl. Paulus sie nicht dafür empfohlen, aber auch in der Ehe kann es gezwungenermaßen längere Phasen der Abstinenz geben, z. B. während einer Krankheit oder nach der Geburt eines Kindes, und es ist gut, wenn man damit umgehen kann.

Wenn man jemanden kennenlernen will, muss man sich auch Gelegenheiten verschaffen. Nach der Kirche oder beim Gemeindefest mit Leuten reden, auf einen Ausflug der Jugendgruppe mitgehen, im Internet Kontakte knüpfen… Man kann nicht abwarten und davon ausgehen, dass die Leute an der Haustür klopfen.

Natürlich sollte man von vornherein nur ernsthafte Katholiken in Betracht ziehen; wenn man merkt, dass man einen Atheisten etwas zu attraktiv findet, kann man den Kontakt minimieren und sich diese Probleme ersparen. Und noch ein Hinweis aus persönlicher Erfahrung: Beziehungen werden generell schwierig, wenn man zu wenig gemeinsam hat; das gilt, wie gesagt, vor allem für die Religion, aber auch für solche untergeordneten Dinge wie Herkunft und Kultur. Wenn man eine Beziehung mit einem Inder oder Südamerikaner eingeht, können die verschiedenen Kulturen auch dann für einige Reibereien sorgen, wenn der katholisch ist. Und auch in Ländern, die noch katholischer sind als Deutschland, z. B. den Philippinen oder Polen, gibt es genug Leute, die schon noch irgendwie gläubig sind, aber z. B. ganz selbstverständlich die Pille nehmen. Und generell: Dass jemand katholisch ist, ist notwendig, aber nicht ausreichend; nicht alle halbwegs ernsthaften Katholiken sind auch schon gute Menschen oder für einen persönlich geeignet.

Am Anfang, wenn man jemanden erst kennenlernt und noch nicht einmal das erste Date hatte, muss man alles noch nicht so ernst nehmen. Man tastet sich heran; kein Grund, gleich den Hochzeitskuchen zu bestellen. Natürlich ist Dating auf die Ehe ausgerichtet, aber es ist ein längerer Weg. Man kann es ruhig angehen lassen, mehrere Leute kennenlernen und sich nett unterhalten, bis es dann mit einer Person ernster wird.

Was man generell tun sollte:

Das Allerwichtigste in Beziehungsdingen ist dann, immer offen, direkt und ehrlich zu sein. Damit erspart man sich sehr viele Verletzungen.

Wenn ein Mann offensichtlich Interesse an einer engeren Freundschaft mit einer Frau hat, aber sie nicht weiß, ob er jetzt noch mehr will, verunsichert sie das. Manchmal verhalten Männer sich so, weil sie erst noch abwarten wollen, sich nicht zu früh verletzbar machen wollen, und es noch so aussehen lassen wollen, dass sie es plausibel leugnen könnten, verliebt zu sein. Ein bisschen abwarten ist auch in Ordnung, aber irgendwann kommt die Zeit, wo ein Mann sagen sollte „hey, ich finde dich toll, wollen wir mal ein richtiges Date haben und schauen, ob mehr draus werden könnte?“. Ja, es kann sein, dass sie dann Nein sagt. Aber das ist immer noch besser, als wenn sie ein halbes Jahr später den Mut aufbringt, zu fragen, ob er irgendwie in sie verliebt ist, und verschämt erklärt, dass sie ihn eigentlich einfach nicht attraktiv findet… Man spart sich die Zeit. Der Mann kann sich gleich nach einer anderen Frau umschauen, und sie muss nicht das Gefühl haben, dass sie mit ihm spielt. Die beiden können Freunde bleiben (ja, manchmal geht das) oder einfach auseinander driften; man beendet die Sache im Guten. Und vielleicht sagt sie ja auch: Ja. Und drei Jahre später bringt man dann das erste Kind zur Taufe. Zu langes Zögern hätte ihn unattraktiv gemacht.

Auch die Frauen sollten ehrlich und offen sein. Eine Frau sollte z. B., wenn sie einen Mann attraktiv und nett und interessant findet, nicht darauf warten, dass er ihre Gedanken liest. Nicht nur zu ihm hingehen und Andeutungen machen, sondern ihn einfach mal direkt fragen! „Hey, wollen wir uns mal treffen?“ ist nicht so schwer – oder meinetwegen auch „Hey, willst du mich nicht mal bitten, mit dir auszugehen?“. Männer können einfach begriffsstutzig sein und gar nicht merken, dass sie bei einer Frau eine Chance hätten, auch wenn die mit dem Zaunpfahl winkt. Ja, ein bisschen Eigeninitiative ist erlaubt, auch wenn man keine Feministin ist. (Aber wenn man dafür zu schüchtern ist, ist es immerhin besser, zu flirten und Andeutungen zu machen, als gar nichts zu tun; das macht es ihm leichter, den ersten Schritt zu wagen. Ach ja, und ein Tipp an die Jungs: Wenn sie oft von sich aus schreibt oder einen anspricht, dann ist das schon mal ein gutes Zeichen – kein unfehlbares Zeichen, aber ein gutes Zeichen.)

Wie es nicht sein sollte.

Das gilt auch im Gegenzug bei Ablehnungen. Wenn eine Frau einen Mann – obwohl er vielleicht nett ist und ok aussieht – einfach nicht attraktiv findet, oder sich nicht vorstellen kann, mit ihm zusammenzuleben, weil sie einfach seine ganze Art irritiert, sollte sie ihn nicht hinhalten à la „vielleicht verliebe ich mich im Lauf der Zeit noch in dich“, weil sie ihn nicht verletzen will. Sie sollte auch nicht früher Gefühle zeigen, als sie eigentlich fühlt, sondern z. B. einfach sagen, wenn sie sich unsicher ist. Lange gehegte enttäuschte Hoffnungen können viel verletzender sein als ein frühes „Nein“ oder „ich weiß noch nicht“.

Wenn man jemanden nicht mag, sollte man ihn das freilich niemals in demütigender Weise spüren lassen. Es ist ihm vielleicht schon schwer genug gefallen, einen überhaupt anzusprechen.

Man hat auch ehrlich zu meinen, was man zu jemandem sagt, mit dem man schon zusammen ist. Wenn man sagt „nein, du brauchst mir nichts zum Geburtstag zu schenken, ich weiß, dass du gerade nicht viel Geld hast“, darf man dann nicht beleidigt sein, wenn der Freund einem tatsächlich nichts schenkt. Hey, er hat darauf vertraut, dass man ehrlich ist und aus Liebe auf ein Geschenk verzichten will. (Allerdings, Tipp an die Jungs: In einem solchen Fall wird es von dem Mädchen trotzdem geschätzt, wenn man vielleicht eine kleine Geburtstagsüberraschung hat, die nichts kostet.)

Wenn man sich zu Priesterberuf oder Ordensleben hingezogen fühlt und ernsthaft anfängt, sich darauf vorzubereiten, sollte man sich nicht gleichzeitig noch die Option offenhalten, eine Beziehung zu beginnen. Ein Seminarist sollte sich auf seine priesterliche Berufung konzentrieren und nicht nebenbei schauen, ob die Mädchen, die er im Kirchenchor kennenlernt, vielleicht doch ganz attraktiv wären. Wenn das Priesteramt sich doch nicht als seine Berufung herausstellt, kann er sich dann noch nach einem Mädchen umsehen; aber man sollte nicht zweigleisig fahren. So wie man ja auch nicht die Augen nach anderen Mädchen offenhält, wenn man mit einer fest zusammen und evtl. schon verlobt ist; auch wenn es im Einzelfall schon ok sein kann, wenn man die Beziehung abbricht, weil man sich unerwarteterweise total in eine andere verliebt hat. Im Gegenzug sollten auch die Mädchen sich von den Seminaristen fernhalten und sich nicht damit herausreden, dass der, für den sie schwärmen, ja noch kein Zölibatsversprechen abgelegt hat. Auch was keine offensichtliche Sünde ist, muss nicht sinnvoll sein. (Das alles gilt natürlich nicht, wenn man erst mit dem Gedanken spielt und sich fragt, ob man für Ehe oder Priestertum besser geeignet wäre.)

Außerdem sollten beide Seiten nicht zu anspruchsvoll, aber auch nicht zu anspruchslos sein.

Man sollte nicht mit dem Gedanken „Ich kann ihn/sie ändern“ eine Beziehung anfangen. Menschen ändern sich oft nicht, man muss sie nehmen, wie sie kommen, und bei ihren Fehlern davon ausgehen, dass es keinen grundlegenden Wandel geben wird. Und man ist nicht verpflichtet, eine Beziehung mit jemandem anzufangen, um ihn dazu zu bringen, ein besserer Mensch zu werden, sich für Gott zu interessieren und dergleichen. Flirt to convert ist eine ganz schlechte Idee. Dabei sollte man auch beachten: Der Partner soll irgendwann Vater/Mutter der eigenen Kinder sein, und die brauchen ein gutes Vorbild, nicht jemanden, der noch zu bekehren ist. Sie sollen auch ein gutes Verhältnis ihrer Eltern zueinander erleben.

Man sollte sich auch nicht zwingen wollen, sich in jemanden zu verlieben, weil man sich irgendwie denkt, dass der theoretisch so ein guter Partner wäre.

Man sollte aber auch nicht erwarten, dass man jemanden finden wird, der absolut perfekt ist und dessen Eigenschaften einen nie irritieren. Menschen sind nicht perfekt. Wenn der andere ein guter Katholik ist, man gut zusammenpasst, sich gut vorstellen kann, zusammenzuleben und gemeinsam Kinder großzuziehen, sich auch lange genug kennt, und etwas gegenseitige Anziehung da ist, ist es genug.

Und man sollte sich dabei keine Sorgen machen, „ob ich meine Berufung verfehle“. Gott legt uns öfter verschiedene gute Möglichkeiten vor, aus denen wir auch frei wählen können, und wenn wir dann etwas Gutes wählen und etwas noch Besseres verfehlen, hält Er uns das nicht vor und lenkt trotzdem unser Schicksal in gute Bahnen. Man muss nicht zwanghaft auf Zeichen und Hinweise achten, ob Gott will, dass man genau mit dem und dem zusammenkommt. Es ist wirklich eine freie Entscheidung, die Gott einem überlässt; man muss sich selbst entscheiden, ob man jemanden heiratet oder das vielleicht einfach nicht will.

Bevor man sich aber wirklich auf Verlobung und Hochzeit einlässt, sollte man auf Warnhinweise achten, die vielleicht erst nach einiger Zeit auftauchen, z. B.:

  • Stimmen ihre Handlungen nicht mit ihren Worten überein? Ist sie unzuverlässig, launisch, unberechenbar?
  • Ist sie manipulativ, lügt sie häufiger?
  • Ist er kriminell?
  • Verlangt er von einem, schlimme Geheimnisse zu bewahren?
  • Behandelt sie ihre Familie oder auch einfach die Bedienung im Restaurant herablassend und arrogant?
  • Ist er extrem eifersüchtig, kontrollierend, jähzornig, hat man Angst vor ihm oder ist während des Zusammenseins mit ihm ständig auf der Hut? Greift er im Extremfall sogar zu körperlicher Gewalt? Wer einmal dazu fähig war, dem sollte man so schnell nicht wieder trauen.
  • Hat sie einen betrogen? Untreuen Leuten sollte man normalerweise keine zweite Chance geben, auch wenn sie Besserung versprechen.

Jemand kann in anderen Dingen sehr anziehend sein, vielleicht ist er liebevoll, macht sich Sorgen, überrascht einen immer wieder mit netten Dingen, aber wenn er so extrem eifersüchtig ist, dass er Wutausbrüche hat, wenn man mit anderen Männern auch nur redet, macht das alles zunichte. Einen vergifteten Apfel isst man nicht, auch wenn das Gift nur ein geringer Bestandteil des Apfels ist.

Wenn man erst einmal verheiratet ist, kann man die Beziehung nicht mehr so einfach beenden und neu anfangen. Eine Trennung ist im Extremfall natürlich möglich, aber man bleibt trotzdem an denjenigen gebunden. Aber wenn man es noch nicht ist, hat man sich noch nicht verpflichtet und kann die Sache beenden, auch aus wesentlich banaleren Gründen, z. B. weil man wenig Gemeinsamkeiten hat oder sich gegenseitig auf die Nerven geht.

Hilfreich ist hier auch der Rat von Familie und Freunden. Wenn man selbst zu verliebt ist, um Warnhinweise deutlich genug zu sehen, können sie einem die Augen öffnen. Dabei sollte man ehrlich mit ihnen sein, und die Dinge nicht schönreden.

Man sollte sich zum Zeitpunkt der Hochzeit lange genug kennen; man muss den Partner nicht fünf Jahre lang hinhalten, aber eine Verlobung nach zwei Monaten und Hochzeit noch mal zwei Monate später wäre doch ein bisschen schnell.

Unter Christen sollte es selbstverständlich sein, dass Sex vor der Ehe nicht geht. Aber (und das ist auch vielen Katholiken nicht bewusst): Nach der Lehre der katholischen Kirche sollte man auch andere Handlungen meiden, die auf sexuelle Erregung ausgerichtet sind, also z. B. langwieriges Herummachen – das macht es einem auch leichter, weitergehende Sünden zu vermeiden. Kurze Küsse auf die geschlossenen Lippen, Umarmungen, Händchenhalten, also Berührungen, die einfach nur Zärtlichkeit und Zuneigung zeigen, sind dagegen gut und erlaubt. Man sollte sich auch von Gelegenheiten zu Sünden fernhalten, also z. B. möglichst nicht zu zweit allein an Orten sein, an denen man nicht von anderen überrascht werden könnte.

Außerdem: Lieben heißt grundsätzlich: Jemandem Gutes wollen. Man sollte fähig sein, dem anderen wirklich Gutes zu wollen, auch wenn das heißt, dass man nicht zusammenkommt, und sich jemanden suchen, der ebenfalls dazu fähig ist.

Was Frauen brauchen/wollen:

Frauen tut es wirklich gut, einen starken Mann zu haben – das ist einfach so. Körperliche Stärke ist gut und nett, aber es braucht mehr: Ein selbstbewusster Mann, der ihr auch sagt, wenn sie Schmarrn macht, gemein ist oder eine falsche Meinung hat. Ein ruhiger, gefestigter Mann, der sich nicht von allem aus der Ruhe bringen lässt. Ein belastbarer Mann, der ihr gut helfen kann, wenn sie krank ist oder gerade ein Kind bekommen hat. Ein mutiger Mann, der sie verteidigen würde, wenn ein anderer Mann sie auf der Straße begrapschen würde. Ein Mann, der wüsste, was zu tun ist, wenn eine Überschwemmung oder ein Stromausfall passiert. Ein Mann, der ihre Kinder beschützen würde, ihnen aber auch Grenzen setzen würde, der zu ihr stehen würde, wenn sie den Kindern etwas verbieten müsste.

Er muss nicht immer stark sein. Eine anständige Frau wird ihrem Mann auch helfen wollen, wenn es ihm gerade mal schlecht geht, und ihm auch heraushelfen, wenn er wegen einer Depression oder Krankheit oder Sucht in ein tiefes Loch fällt. Aber eine gewisse grundsätzliche Stärke zum Zeitpunkt der Hochzeit sollte er haben.

Es ist nun mal so: Frauen wollen gerne einen Mann, zu dem sie aufsehen können, und der ein wenig klüger oder talentierter oder erfahrener ist als sie. Es muss nicht viel sein; man soll ja auch noch Gemeinsamkeiten haben. Aber es ist gut, wenn es da ist.

Manchmal fühlen sich Frauen leider zu einem Mann hingezogen, der etwas „Gefährliches“ hat, weil sie das unterbewusst mit Stärke assoziieren. Das ist nicht besonders klug, und von zwielichtigen und unberechenbaren Typen sollte man sich wirklich fernhalten. Kein „er ist bestimmt nur missverstanden und ich kann seine gute Seite zum Vorschein bringen“. Einfach nein.

Was Männer brauchen/wollen:

Männern tut es gut, wenn sie eine Frau haben, die sie respektiert, der sie vollkommen vertrauen können, die liebevoll ist und die keine Spielchen mit ihnen spielt. Eine treue Frau, bei der einer nicht damit rechnen muss, dass sie mit anderen Männern flirtet, weil sie sich rächen will. Eine Frau, die einfach liebevoll und zärtlich sein kann, ihm zuhört, ihm helfen will, und deutlich macht, dass sie nie über ihn lachen oder seine Geheimnisse herumerzählen wird. Eine Frau, die nicht ständig genervt ist oder ihn herumkommandieren will. Eine Frau, die es respektiert, wenn er etwas besser weiß, und die auch mal interessiert zuhören kann, wenn er sich Spezialwissen angeeignet hat, das sie nicht hat. Eine verantwortungsbewusste Frau, die ohne langwieriges Herumgerede eigene Fehler zugeben kann. Es ist leider so, dass der Feminismus ziemlich die Einstellung verbreitet hat, dass Frauen ständig irgendwie über Männer auftrumpfen sollen und Männer ständig armselig oder lächerlich sind. Von dieser Vergiftung durch den Feminismus muss man sich lösen. Es tut einer Beziehung wirklich gut, wenn man jemanden einfach unironisch liebt und respektiert.

Außerdem: Eine Dramaqueen geht nicht. Wenn sie herumschreit und ihn heruntermacht, wenn sie sich gerade ärgert, oder wenn sie passiv-aggressiv und manipulativ wird, ist sie nicht verlässlich.

Beidseitiges:

Natürlich sollten auch Frauen eine gewisse Stärke entwickeln, und auch Männer treu, liebevoll und respektvoll sein. Ich habe gerade nur davon geredet, wonach sich beide manchmal besonders sehnen und was besonders nötig ist. Rücksichtnahme, Wahrhaftigkeit, eigenständiges Denken, Gerechtigkeit und Bereitschaft zum Verzeihen und dazu, die eigenen Fehler und Sünden zuzugeben, tut den Rest. Und vielleicht ein bisschen Humor.

Unter- und Überordnung:

Nach der katholischen Lehre (die einfach aus der Bibel folgt) ist es eine Tatsache, dass der Mann das Familienoberhaupt ist und die Frau ihm eine gewisse Unterordnung und einen gewissen Gehorsam schuldet. Das gilt nicht bei missbräuchlichen, völlig blödsinnigen, klar schädlichen oder sündhaften Befehlen (wie immer); aber grundsätzlich gilt es schon. Häufig wird man Kompromisse finden, aber im Zweifelsfall hat der Mann das letzte Wort, und er trägt die Gesamtverantwortung für die Familie.

Dein Freund oder Verlobter ist noch nicht dein Mann; ihm schuldest du noch keinen Gehorsam. Aber jetzt ist die Zeit, auszutesten, ob er jemand ist, dem du genug vertrauen könntest, um ihm für die Zukunft Gehorsam zu versprechen. Gehorsam bei wichtigeren Dingen könnte z. B. in solchen Fällen ins Spiel kommen:

  • „Auch wenn du meinst, dass du dich bei einer Hausgeburt wohler fühlen würdest und du zu Recht Vorbehalte gegen manche Ärzte hast, ich erlaube dir das nicht: Du gehst zur Geburt ins Krankenhaus. Wenn etwas schief geht und es für dich und unser Kind um Leben und Tod geht, muss sofort ein Arzt da sein. Ich versuche trotzdem, dir das so angenehm wie möglich zu machen.“
  • „Ich weiß, du würdest lieber hier wohnen bleiben, weil deine Familie in der Nähe ist, aber hier wird es mit der Kriminalität wirklich zu schlimm, und da und da haben wir eine gute katholische Schule, wenn unser Kind nächstes Jahr eingeschult wird. Das ist für unsere Kinder jetzt wichtiger, also werden wir umziehen.“
  • „Deine Mutter behandelt dich ständig schlecht, mischt sich in alle unsere Angelegenheiten ein und ist auch kein guter Einfluss für unsere Kinder. Beschränke den Kontakt mit ihr endlich auf das Nötigste. Wenn du ihr nicht sagst, dass sie uns nicht mehr jedes Wochenende besuchen soll, sage ich es ihr.“

Könnte ich ihm vertrauen, dass er genug gesunden Menschenverstand hat? Meine Belange und Einwände ausreichend in Betracht zieht? Feste Entscheidungen treffen kann, statt ständig in seinen Meinungen zu schwanken? Das Beste für mich will und Gott an die erste Stelle setzt? Er muss nicht perfekt sein, aber im Großen und Ganzen sollte er vernünftig und gerecht sein.

Umgekehrt darf auch der Mann schauen: Kann sie kluge Ratschläge geben? Mir sagen, wenn ich etwas falsch mache? Aber auch Kompromisse eingehen, und im Zweifelsfall mal meine Meinung akzeptieren? Kaum ein Mann wird eine Frau ohne eigene Meinung wollen, aber es ist legitim, eine haben zu wollen, die nicht immer Recht behalten muss.

Attraktivität:

Oberflächliche Attraktivität ist nicht alles – ja, es kommt tatsächlich auf die inneren Werte an. Aber wir alle finden es leichter, jemanden und dessen innere Werte näher kennenzulernen, wenn er oder sie auf den ersten Blick attraktiv wirkt. Sowohl Männer als auch Frauen haben sowohl ihre ererbten Instinkte als auch die Fähigkeit zum vernünftigen Denken und dazu, mal über diese Instinkte hinwegzusehen; beides muss man in Betracht ziehen.

Übergewicht, vor allem starkes Übergewicht, ist das Unattraktivste, und das kann fast jeder verlieren, der nicht gerade spezielle Medikamente nimmt oder Krankheiten hat. (Und wenn letzteres auf jemanden zutrifft, ist es gut, wenn er offen damit umgeht.) Dann noch ein anständiger Haarschnitt, normale ordentliche Kleidung und gute Körperhygiene, und die meisten Leute werden zumindest durchschnittlich und ok aussehen. Auch schlechte Zähne und schlechte Haut lassen sich zumindest meistens bis zu einem gewissen Grad verbessern. Und ein solches durchschnittliches, gepflegtes, normales Aussehen sollte für andere Leute, die nicht zu oberflächlich sind, auch genügen. Bonus: Vor allem Männer sehen noch besser aus, wenn sie öfter Sport machen (das zeigt sich nicht nur an den Armmuskeln, sondern auch am Gesicht), und bei Frauen dürfte Weiblichkeit attraktiv sein, also z. B. lange Haare oder Flechtfrisur und Röcke, aber kein trashiges Aussehen – er sollte nicht das Gefühl haben, dass sie allen Männern ihre Reize präsentiert. Und in gewisser Weise zeigt das auch ein paar innere Werte, zumindest Sekundärtugenden – dass man sich anstrengen kann, dass man sich nicht gehen lässt, dass man es mit der Eitelkeit aber nicht übertreibt.

Freilich: Gerade wenn man selber eher durchschnittlich oder unterdurchschnittlich attraktiv ist, braucht man auch beim Partner nicht übermäßig anspruchsvoll zu sein. Man wünscht sich, dass der andere einen so akzeptiert, wie man ist; also sollte man mit gutem Beispiel vorangehen. Es ist auch ok, wenn man sich in dieser Hinsicht mit jemandem „zufrieden gibt“, wenn die Freunde einem sagen, dass man vielleicht „noch was Besseres hätte finden können“. (Das ist auch keine Beleidigung des anderen, wenn man sich selber denkt, dass man sich mit ihm zufrieden gibt, obwohl man noch was Besseres hätte finden können. Vielleicht denkt sich der andere auch, er gibt sich mit einem zufrieden – und ein bisschen Demut schadet keinem.)

Auch durch seine Handlungen und Leistungen wirkt man attraktiv. Die Männer legen anscheinend gar nicht so viel Wert auf erfolgreiche Frauen; aber christliche Frauen werden sich eher zu Männern hingezogen fühlen, die schon einen guten Job haben oder in absehbarer Zeit einen haben werden, als zu solchen, die schon das dritte Studium abgebrochen haben und ihr Leben einfach nicht auf die Reihe bekommen. Es ist nun mal unser Ideal, dass der Mann die Familie versorgt, und die Frau sich um Haushalt und mehrere Kinder kümmern kann; da ist es normal, dass man jemanden mag, mit dem dieses Ideal leichter möglich ist. Natürlich: Man sollte als Frau auch nicht Männer ausschließen, die vielleicht einen schlechter bezahlten Job haben, sodass man selber noch Teilzeit arbeiten müsste oder sich kein eigenes Haus leisten könnte und Wohngeld beantragen müsste o. Ä. Wir sind auch nicht zu erhaben für einen Müllmann oder eine Putzkraft. Und es wird nun mal zurzeit schwieriger, eine große Familie mit einem Gehalt zu ernähren, dafür können die Männer nichts. Man sollte als Frau auch auf seinen Teil vorbereitet sein, und zu einem selbstständigen und verantwortungsbewussten Menschen werden – sich mit Haushalt und Finanzen auskennen, eine sinnvolle Ausbildung machen, mit der man zum Familieneinkommen beitragen könnte, sich ein bisschen mit Babies auskennen, vielleicht schon wissen, wie NFP geht, o. Ä.

Tipps für Männer: Aufmerksam sein! Wenn man sie fragt „wie geht es dir“ und sie antwortet „na ja, passt schon“ – lieber noch mal nachfragen, ob das denn heißt, dass es ihr nicht so wirklich gut geht. Und wenn sie in der Woche zuvor erzählt hat, womit sie beschäftigt ist, ruhig noch mal fragen, wie es inzwischen damit läuft. Frauen schätzen Aufmerksamkeit. Sie schätzen es auch, wenn ein Mann besonders zuvorkommend ist und z. B. die Tür aufhält. Sie erwarten solche Gesten nicht mehr unbedingt – was logisch ist, da Feministinnen Männer dafür anzicken -, und wenn es jemand dann trotzdem tut, sind sie freudig überrascht. Außerdem: Am Anfang Geduld für Small Talk haben. Und noch ein Tipp: Frauen unterschätzen manchmal, dass auch Männer, die 1,75 m groß und nicht arg trainiert sind, merklich stärker sind als sie, weil sie das letzte Mal in der Grundschule mit vorpubertären Jungs ihre Kräfte gemessen haben. Wenn man ein Mädchen beeindrucken will, kann man ihr z. B. mal spaßeshalber anbieten, mit ihr Armdrücken zu machen. (Aber nicht auf allzu angeberische Weise!) Es ist gut möglich, dass sie einen dann gleich ein gutes Stück attraktiver findet, weil sie plötzlich den Eindruck hat, dass der sie wirklich beschützen könnte.

Tipps für Frauen: Männer bekommen oft nicht viele Komplimente und auch nicht immer viel Bestärkung. Starke Männerfreundschaften sind seltener geworden, weil irgendwie des Schwulseins verdächtig, und weil es nicht mehr so viele reine Männergruppen gibt, in denen sie sich entwickeln können. Ein ehrliches Kompliment kann einem Mann wirklich guttun. Wichtig: Ehrliche Komplimente, die man hundertprozentig unterschreiben kann, keine netten Worte, die man nicht so meint. Es kann ihm auch sehr guttun, wenn man ihm einfach mal zuhört, wenn er über seine Interessen redet, Männer fachsimpeln gern – und ein halbstündiger Vortrag über mittelalterlichen Burgenbau kann sehr interessant sein.

Es gibt diesen Dating-„Markt“, auf dem man seine Chancen maximieren kann, das ist eben so. Aber das ist zumindest nicht allzu schlimm, solange gewisse Regeln gelten – vor allem, dass mit offenen Karten gespielt wird, jeder nur einen Partner bekommt, und man den später nicht mehr eintauschen kann.

Nicht verzagen:

Man muss nicht gleich mit 20 heiraten, auch wenn das schön ist. Mit 27 reicht es auch noch, oder mit 32. Es ist auch nicht schlimm, wenn man schon 39 ist; auch wenn man seinen Stammbaum durchgeht, wird man die ein oder andere Ururgroßmutter finden, die das getan hat. Und wenn man gar keinen findet – na ja, schon ziemlich viele einsame Junggesellen und alte Jungfern sind uns in den Himmel vorausgegangen, wo es kein Heiraten mehr geben wird. Am Ende ist doch Gott allein das Wichtigste. (Das ist so, auch wenn es klischeehaft klingt.)

Zum kommenden Winter

Irgendein weiser Mensch (ich weiß tatsächlich nicht mehr, wer) hat einmal gesagt: Der Unterschied zwischen rechten Verschwörungstheorien und Schlagzeilen in den Mainstreammedien sind zwei Wochen. Da wir von unserer Regierung inzwischen heftige Beteuerungen bekommen, dass niemand die Absicht hat, einen Blackout zu verursachen, also die Stromversorgung ungefähr so sicher ist wie die Rente (der WDR beruhigt inzwischen schon damit, dass es statt Stromausfällen ja auch geplante Stromabschaltungen geben könnte), wäre es wahrscheinlich ganz sinnvoll, sich mal ganz unverschwörungstheoretisch die Tipps des Bundesamts für Katastrophenschutz anzuschauen, und ein bisschen vorzusorgen. Ich jedenfalls habe mir den Gaskocher besorgt und angefangen, Wasser und Essen einzulagern. Ja, unser Hauptproblem ist, dass man sich nicht klarmacht, dass es wirkliche harte Probleme in Deutschland geben kann – als wäre es ein Naturgesetz, dass die BRD wohlhabend sein und funktionieren muss.

Und wenn man damit fertig ist, schadet es wohl nicht, das ein oder andere Rosenkranzgesätz dafür zu beten, dass unsere Politiker den ein oder anderen launischen Anfall von halbwegs sinnvollen Ideen haben, und in den kommenden Monaten nicht allzu viele Menschen pleite gehen, arbeitslos werden oder in ihren Wohnungen frieren. Aber hey, vielleicht werden wir kommenden Winter Gelegenheiten für christliche Nächstenliebe bekommen – oder wenigstens anderen Anlass bieten, christliche Nächstenliebe zu üben. Und das ist gar nicht so zynisch gemeint, wie es vielleicht klingt. Wir müssen eben irgendwie durchstehen, was kommt, und hoffentlich alle nicht ganz allein.

Die Grundfehler der Moderne

Es gibt gewisse Grundsätze, die vielen falschen Ideologien zugrundeliegen, und die sich irgendwie im Kopf der Leute vermischen und als unbemerkte Axiome wieder auftauchen, als wären sie völlig selbstverständliche Fakten. Heute – bzw. seit 200 bis 300 Jahren – sind das meistens folgende:

  • Der Relativismus: Man ist gegen die Realität; man glaubt, sich die Welt selbst machen zu können. „Wenn das für dich so ist, dann ist es so“, „jedem seine Wahrheit“. Dabei funktioniert die Welt gerade nicht so. Sie tritt einem entgegen, ob man es will oder nicht, und man muss mit ihr klarkommen. Natürlich kann man seine Einstellung zu ihr ändern, aber auch die eigene Einstellung ist eine objektive Sache, nur eben eine, die man selbst im Griff hat, und sie sollte sich danach richten, ob man an der Welt wirklich etwas Gutes oder etwas Schlechtes bemerken kann. Die Wirklichkeit pfeift darauf, was man über sie denkt, sie ist einfach da; und sie rächt sich, wenn man sich über sie belügt und die falsche Einstellung zu ihr hat. Man muss natürlich mit Menschen mit anderen Einstellungen klarkommen, aber das ist so, wie man mit Unfällen klarkommen muss; Uneinigkeit über die Wahrheit wird deshalb nicht gut, und manche Konflikte lassen sich auch nicht vermeiden. Geeintsein in der Wahrheit ist das, wonach man streben muss.
  • Der Egalitarismus: Man setzt Gerechtigkeit mit Gleichheit gleich; wenn es in der Welt keine Gleichheit gibt, muss man sie zwangsweise herstellen. Dabei erfordert Gerechtigkeit oft keine Gleichheit, sondern eher „suum cuique“ („jedem das Seine“; im Lateinersinne); und solange alle genug haben, können auch manche mehr als genug haben.
  • Der Liberalismus: Man sieht die Menschen als Einzelwesen, die evtl. zusammenkommen, wobei jeder so gut wie möglich seine Unabhängigkeit bewahren soll, nicht als soziale Wesen, die von Anfang an zu einer Gemeinschaft gehören. Dabei wird kein Mensch ohne andere Menschen geboren, und kein neugeborener Mensch kann ohne andere überleben.
  • Der Humanismus: Man glaubt, dass der Mensch sich im Grund selbst gehört. Der Mensch hat in dieser Sicht keinen höheren Zweck. Er soll freilich anderen nicht schaden und seine Umgebung nicht weiter weiter stören, aber soll ansonsten einfach machen, was er will. Vielleicht soll er seine Fähigkeiten zur Entfaltung bringen, aber dabei ist er selbst im Zentrum. Dabei haben wir alle Fähigkeiten nur von Gott und hängen beständig von Ihm ab. Im Grunde genommen muss jemand, der in diesem Sinne Humanist ist, bald sehr zynisch und enttäuscht werden; denn oft genug sind wir Menschen einfach erbärmlich. Aber trotzdem liebt Gott uns eben, und mit seiner Hilfe können wir groß werden, wenn wir uns auf Ihn und andere ausrichten. Der Mensch wird wirklich groß, wenn er sich selbst vergisst und auf etwas außerhalb seiner selbst ausrichtet. Typisch für diese Sorte Humanismus ist auch, dass man nichts dagegen hat, wenn Menschen sich selbst schaden – sollen sie doch. Dabei schuldet man die Liebe auch sich selbst, weil das gut ist, und weil man nicht nur für sich selbst, sondern auch für Gott und die anderen lebt.
  • Der Nihilismus oder universale Pessimismus (ganz klar zu unterscheiden vom alltäglichen Pessimismus): Man geht irgendwie davon aus, dass das Böse und das Nichts wirklicher, tiefer seien als das Gute und das Sein, und gibt sich dabei als zynischer Realist. Dabei ist genau das Gegenteil logisch zwingend. Das Böse ist immer nur ein Mangel oder eine Verdrehung; es kann nicht in sich selber bestehen. Eine Krankheit existiert nicht für sich [auch ein Bakterium ist ja nicht die Krankheit], sondern ein gutes Wesen wird von einer Krankheit befallen. Eine böse Tat wird nicht getan, weil sie böse ist, sondern weil sie Nutzen oder Freude (also etwas Gutes) bringen soll. Das Böse ist immer nur parasitär am Guten; das Gute ist das Ursprüngliche, das sich also auch am Ende durchsetzen muss.
  • Der Materialismus: Das Materielle wird irgendwie als realer und auf jeden Fall vorrangiger gesehen als das Geistige. Dabei gibt es keinen Anlass dafür. Nur das Leben und der Geist ermöglichen es überhaupt, materialistische Gedanken zu haben.

Mit anderen Worten: Es geht vor allem darum, sich selbst zu belügen und Gott zu vergessen. Das alles zeigt sich in sehr vielen Facetten, aber am deutlichsten wahrscheinlich in der Haltung zum Tod. Er wird irgendwie möglichst ignoriert, und die Vorstellungen, was danach kommt (wenn man sich mal diese Frage stellt), sind sehr vage – wenn du meinst, du wirst auf diese und jene Weise weiterleben, dann, schön, dann ist das für dich so, oder wenn du meinst, danach kommt nichts mehr, auch gut – und irgendwie hat ja alles eh keinen Sinn.

Aber wenn man auf diese Fehler achtet, kann man viele weitere Fehlschlüsse meiden.

Dinge, die ich gelernt habe

Es gibt immer wieder Dinge, bei denen man sich denkt: Hätte ich das und das doch früher gewusst oder jedenfalls verinnerlicht. Aber auch solche, bei denen man sich sagt: Bin ich froh, dass ich das früh genug beigebracht bekommen habe. Quasi diese Lebensweisheiten, die einem immer wieder helfen.

Mir ging es z. B. so bei folgenden Dingen:

  • Tägliches, konzentriertes Beten ist WIRKLICH wichtig. WIRKLICH WIRKLICH WIRKLICH. Und wenn es nur fünf Minuten sind. Wenn man etwas vernachlässigt, sollte es nicht das Gebet sein.
  • Vielen Menschen geht es wirklich nicht gut, und man sieht es ihnen nicht unbedingt an.
  • Es dauert lange, bis man Menschen wirklich kennt – sowohl ihre guten als auch ihre schlechten Eigenschaften.
  • Man muss sich nicht zu allem eine Meinung bilden. Wenn man nicht genug gesicherte Informationen hat, kann man auch einfach abwarten und Tee trinken.
  • Vorurteile sind manchmal böswillige Verleumdungen, und manchmal einfach Erfahrungswerte. Gruppen von Menschen erwerben sich genauso einen Ruf wie Einzelmenschen.
  • Man muss sich nicht entschuldigen dafür, auf Nummer sicher zu gehen, auch wenn man sich denkt, andere könnten dann denken, man vertraut ihnen nicht. Wenn sie wollen, dass man sich sicher fühlt, nötigen sie einen nicht zu vorschnellem Vertrauen.
  • Es ist wirklich besser, geringste Fortschritte zu machen als gar keine.
  • Man hat absolut keine Verpflichtung, es sich schwerer zu machen als nötig.
  • Es ist sehr wichtig, Menschen zu haben, die einem sagen, wenn man was falsch macht. Man braucht keine Freunde, die einem ständig in alles hineinreden, aber sehr wohl Freunde, die immer ehrlich mit einem sind, und die einen auf Fehler ansprechen.
  • Christen sind im Durchschnitt wirklich merklich netter und vertrauenswürdiger und eine angenehmere Gesellschaft als Nichtchristen – man erkennt den Baum tatsächlich an seinen Früchten. Und man muss sich trotzdem nicht wundern, dass sie alle ihre Fehler haben, und auch nicht darüber, unter ihnen ein paar Arschlöcher oder Nervensägen und vereinzelt Verbrecher zu finden.
  • Die meisten Menschen sind nicht sehr böswillig – wirklich nicht -, aber sehr beeinflussbar und nicht immer verlässlich und manchmal gemein und dumm.
  • Treue und Ehrlichkeit sind extrem wichtig, und dazu gehört auch die Verschwiegenheit; Dinge, die andere nicht wissen müssen, kann man auch einfach für sich behalten. Man muss nicht alles mit irgendwelchen Bekanntschaften bereden oder im Internet ausbreiten. Umgekehrt kann man selber auch auf Neugier verzichten; man muss nicht alles von anderen wissen, auch wenn es harmlos ist.
  • Wenn man was will, sollte man es einfach sagen, statt so zu tun, als wollte man es gar nicht, um zuvorkommend gegenüber anderen zu sein – wenn alle jeweils sagen, was sie am liebsten hätten, kann man dann einen Kompromiss finden oder einer kann immer noch sagen, dass er es ok findet, zu verzichten. Aber sich gegenseitig von vornherein mit der Rücksichtnahme überbieten zu wollen und nichts Klares zu sagen ist nicht hilfreich und selbst eine Art von Eitelkeit.
  • Man sollte generell nie von anderen erwarten, dass sie die eigenen Gedanken lesen können. Lieber einfach offen sein und davon ausgehen, dass andere Leute begriffsstutzig sind.
  • Wille und Tat sind immer wichtiger als das Gefühl. Wenn man bei etwas Gutem ein Gefühl der Unlust hat, aber es trotzdem tut, ist es erst recht verdienstvoll. Wenn man bei etwas Schlechtem ein schlechtes Gefühl hat, aber es trotzdem tut, wird die Tat nicht weniger schlimm.
  • Es ist eine ganz blöde Idee, etwas, das man als sinnvoll erkannt hat, nicht zu tun, nur weil nervige Menschen, von deren Meinung man nichts hält, einem raten, es zu tun.
  • Unsere Vorfahren waren ganz normale Menschen, und oft normaler als wir.
  • Vagheit und Zweideutigkeit ist oft schlimmer als Lüge.
  • Klischeehafte Aussagen wie „Gott hat alles in der Hand“ und „Gottes Wege sind unergründlich“ sind sehr viel tröstlicher als manche meinen, jedenfalls wenn sie nicht nur so dahingesagt werden, sondern jemand sie wirklich so meint. Weil sie nun mal stimmen. Vielleicht tut es manchen Leuten besser, wenn andere einfach still für sie da sind und sich nicht an tröstenden Worten versuchen, aber ich finde solche klischeehaften Tröstungen sehr hilfreich.
  • Wenn die Medien v. a. seit der Sexuellen Revolution einem einreden wollen, der Familie zu misstrauen und sein Glück ohne sie zu suchen, hat sich das in der Praxis meistens wie eine Missbrauchstaktik zur Isolierung von den Menschen, denen man wirklich am Herzen liegt, ausgewirkt; wie es bei Sekten und Triebtätern eben für gewöhnlich passiert. Eine liebende Familie gehört zu den wichtigsten Dingen, die man haben kann. (Deswegen ist es auch so extrem schlimm, wenn man eine nicht liebende Familie hat.)
  • Scheidung-und-Wiederheirat ist wirklich vom Teufel und macht so vieles kaputt, auch wenn viele das nicht realisieren, wenn sie sich scheiden lassen. Eine Ehe begründet eine Familie, und die lässt sich nicht einfach auseinanderreißen.
  • Viele Freundschaften (oder besser: Kameradschaften) sind zeitlich begrenzt; man versteht sich gut, und macht Dinge zusammen, wenn man sich oft sieht, und man unterstützt und hilft sich vielleicht auch, auch in wichtigen Dingen, aber wenn man nicht mehr zusammenkommt, verliert sich das. Das ist auch in Ordnung; Kameradschaft ist auch etwas sehr Gutes. Aber es ist noch nicht dasselbe wie die besonderen Freundschaften, wo man wirklich vertraut wird und bewusst den Kontakt hält, und die sollte man sehr schätzen.
  • Ärzte sind ziemlich oft oberflächliche Pfuscher, die sich keine Mühe machen wollen, weshalb man auch immer darauf drängen sollte, dass sie etwas machen, sowohl in Bezug auf wirkliche Symptomlinderung als auch in Bezug auf die Wurzel des Problems, und zweite Meinungen einholen sollte; Heilpraktiker sind vor allem ahnungslos und auch keine wirklich Alternative.
  • Sozialpädagogen und Journalisten ist nicht zu trauen, fast so wenig wie Politikern.
  • Linke, Atheisten und Abtreibungsbefürworter (ja, genau diese Gruppen) haben sehr wenig Probleme mit Halbwahrheiten und extremen Verdrehungen und manchmal auch einfach offenen Lügen; und auch Menschen aus nichteuropäischen Kulturen, auch wenn sie keine linken Atheisten sind, lügen leicht mal offen bei Kleinigkeiten. Und das kann einen wirklich zur Weißglut bringen.
  • Wer nicht logisch denken will, den wird man auch nicht dazu bringen, indem man ihm die Logik immer wieder vorkaut; und wer einen missverstehen will, wird einen auch missverstehen.
  • Und zuletzt: Wir können fröhlich und stark sein, denn Gott ist mit uns.

Und jetzt die Frage an die Leser: Was wären eure Lebensweisheiten oder Erfahrungen? So etwas sammelt man ja gerne.

Papst Franziskus und geistliche Misshandlung

Ich weiß, ich habe mich hier schon öfter über den derzeitigen Papst aufgeregt, aber ab und zu will man über manche Aspekte noch mal was sagen.

Manche Menschen werden die Symptome kennen, wenn sie von einem Chef oder einer Mutter oder einem Schwiegervater ständig schlecht behandelt werden: Emotionale Misshandlung. Solche Leute verhalten sich etwa so:

  • sie geben einem ständig das Gefühl, minderwertig zu sein
  • sie setzen einen vor anderen herunter
  • sie machen „Witze“ über einen, und wenn man nicht lacht, heißt es, „stell dich nicht so an, war doch nur ein Witz“
  • man kann es ihnen nie recht machen
  • ihre Wutausbrüche sind manchmal unvorhersehbar und man ist um sie herum ständig wachsam, um sie nicht zu reizen
  • sie benennen einen mit Schimpfnamen
  • sie verbreiten Verleumdungen über einen; das kann auch so aussehen, dass, wenn man anfängt, ihr Verhalten nicht mehr einfach hinzunehmen, sie verbreiten, man wäre verrückt und empfindlich und würde sich immer sofort angegriffen fühlen, wenn sie einem helfen wollen usw.
  • sie wollen einen einschüchtern, z. B. mit lautem Herumschreien, oder durch Drohungen, oder indem sie etwas zerstören, das einem wichtig ist
  • sie hören gar nicht zu, wenn man mit ihnen reden will, behandeln einen verächtlich, setzen die Anliegen, die einem wichtig sind, herunter
  • sie lügen einen so oft an, leugnen z. B., in einem früheren Streit etwas gesagt zu haben, bis man selber ganz verunsichert wird und sich fragt, ob man verrückt wird („Gaslighting“)
  • sie kontrollieren einen und treffen alle Entscheidungen; wenn man z. B. nicht sofort ans Handy geht, wenn sie anrufen, überhäufen sie einen hinterher mit Vorwürfen
  • sie versuchen, einen emotional zu erpressen
  • sie zeigen einem die kalte Schulter, ignorieren einen, weigern sich, einem irgendwelche Zeichen der Zuneigung zu zeigen, wenn man nicht tut, was sie wollen
  • wenn man sie dann mal brauchen würde, helfen sie einem nicht, sondern erklären, man sei selber verantwortlich, oder ignorieren einen einfach
  • sie halten einen von den Leuten fern, denen man tatsächlich wichtig ist
  • gelegentlich haben sie gute Phasen, sind gut gelaunt, aber man weiß nie so recht, wie lange das dauert

Dabei ist ein Streit natürlich nicht gleich emotionale Misshandlung. Fast alle Menschen sind ab und zu launisch, ungerecht, genervt oder werfen jemandem ein Schimpfwort an den Kopf. Und manchmal sind harte Worte und dergleichen auch angebracht. Wenn der Sohn das Auto zu Schrott gefahren hat, ist es wohl kaum emotionaler Missbrauch, wenn seine Mutter ihn gehörig ausschimpft; wenn die 15jährige Tochter mit einem älteren Typen ausgeht, der schon mal im Jugendknast saß, haben die Eltern jedes Recht, ihr diesen Umgang zu verbieten und sie in nächster Zeit strenger zu kontrollieren.

Es kommt auf das größere Muster an. Emotionale Misshandlung ist ständig und ungerecht. Es sind nicht immer alle Symptome vorhanden, aber die Symptome häufen sich. Solche Leute haben es auf bestimmte einzelne Personen abgesehen, behandeln andere vielleicht viel besser (z. B. die Mutter, die eine ihrer beiden Töchter ständig lobt und vorzieht, und die andere ständig herabsetzt). Das Opfer fühlt sich ständig unglücklich und minderwertig. Emotionale Misshandlung ist nicht immer leichter zu ertragen als körperliche; manchmal wünschen sich Opfer, lieber geschlagen als so behandelt zu werden, oder werden sowohl geschlagen als auch emotional misshandelt, und finden die Schläge weniger schlimm.

So, und jetzt vergleichen wir das mal damit, wie Franziskus (und seine Anhänger! denn natürlich stellen sich die Leute in der Weltkirche auf dieses Klima ein, und manche nutzen die Gelegenheit zum Mobbing) seit Jahren Traditionalisten und Konservative behandeln:

  • Er schimpft in etlichen öffentlichen Predigten über uns, egal, ob der Anlass gerade passt oder nicht, und verleiht uns Schimpfnamen („rigide“, „Klerikalisten“, „Formalismus“, „geistiges Heidentum“).
  • Er ignoriert die Leute, die ihm nicht passen, und geht nicht auf ihre Anliegen ein; die können nur böswillig sein. Die Dubia-Kardinäle haben bis heute keine Antwort bekommen; Kardinal Zen – der es in Hongkong mit Chinas brutaler Diktatur zu tun hat – bekommt keine Audienz, während er in Rom ist.
  • Dagegen zieht Franziskus seine Lieblinge vor, auch solche, die sich Finanzskandale oder sexueller Übergriffe schuldig gemacht haben, z. B. Bischof Zanchetta aus seinem Heimatland Argentinien, für den er sogar einen neuen Posten im Vatikan geschaffen hat (und der inzwischen in Argentinien zu viereinhalb Jahren Gefängnis verurteilt worden ist, die er aber als Hausarrest absitzen darf). Vor den Medien stellt er sich gern als Bekämpfer von Missbrauch dar – in der Realität sieht es völlig anders aus.
  • Er bestraft uns hart (wofür eigentlich?), während er den Progressiven alles durchgehen lässt. Wir bekommen durch Traditionis Custodes gesagt, dass wir die Messe nicht mehr so feiern dürfen, wie sie über tausend Jahre lang gefeiert wurde, und ein Priester, der die Messe auf einer Luftmatratze im Meer feiert, also billigend in Kauf nimmt, dass der Leib des Herrn im Wasser landen kann, bekommt von seiner Diözese höchstens ein leichtes „Dududu, das macht man aber nicht“ zu hören. Katholiken, die unbedingt zur Messe wollen, sind das Problem; aber Gotteslästerer darf man nicht verurteilen.
  • Er erlaubt keine Kritik. Sobald jemand Franziskus kritisiert, wird ihm von dessen Anhängern vorgeworfen, er habe keine Papsttreue, sei eigentlich nicht mal mehr richtig katholisch – und das von Leuten, die meistens seit Jahrzehnten für Kondome und Frauenweihe werben. Kardinäle, die nicht begeistert genug auf Linie sind, werden schnell von ihren Posten im Vatikan abgesetzt; Burke und Müller können ein Lied davon singen (und Kardinal Müller erklärte auch später noch seine Loyalität zu Papst Franziskus).
  • Gaslighting: Man versucht, uns glauben zu machen, es wäre völlig normal, wenn Franziskus mit zweideutigen Aussagen solche grundlegenden Lehren wie die Unauflöslichkeit der Ehe infragestellt, das sei nur eine Weiterentwicklung, und das habe es schon immer gegeben.

Häufig gibt sich das Opfer von Misshandlung selbst die Schuld oder sucht nach mildernden Umständen und Entschuldigungsgründen für den Täter. So auch unsere Seite: „Na ja, aber schaut mal, diese radikalen Traditionalisten sind echt so unfreundlich zu Franziskus, wir müssen ihm trotzdem unsere Ehrfurcht zeigen…“ Es gibt keinen Anlass, sich so zu verhalten. Nicht wir verhalten uns falsch, er tut das; und wenn manche Leute seine schlechten Eigenschaften schon früh bemerkt haben und für ihn vielleicht auch etwas schnell harte Worte hatten, dann rechtfertigt das trotzdem nicht sein Verhalten.

Man redet sich auch schön, was der Täter noch mehr oder weniger gut macht. „Papst Franziskus ist immerhin klar gegen Abtreibung, hat das sogar mit Auftragsmord verglichen!“ Das erinnert daran, wenn sich ein Kind mit blauen Flecken am ganzen Körper denkt, hey, wenigstens wirft mich mein Vater nicht auf die Straße hinaus und verbietet mir nicht, mir Essen aus dem Kühlschrank zu holen. Banale Selbstverständlichkeiten bejubelt man nur, wenn man erleichtert ist, dass die Situation nicht noch schlimmer ist.

In der Überschrift habe ich von geistlicher Misshandlung, nicht einfach von emotionaler Misshandlung gesprochen. Geistliche Misshandlung ist eine schlimmere Form davon. Da wird z. B. nicht nur mit Liebesentzug, sondern auch mit der Hölle gedroht, oder dem Schisma, oder beidem. Wer Amoris Laetitia nicht feiert, ist quasi schon ein Schismatiker; wer „rigide“ ist, verweigert sich dem Heiligen Geist. Was Franziskus sagt, ist ein göttliches Orakel; ganz egal, dass der Papst gemäß der Kirchenlehre nicht dazu da ist, neue Lehren zu erfinden, sondern einfach nur dazu, die Überlieferung zu bewahren. Liberale geben sich schadenfreudig und hacken auf die Konservativen ein, mit Argumenten, die sie vorher nie verwendet hätten. „Dem Papst gehorcht man“, „ihr hört nicht auf das Wirken des Heiligen Geistes“, etc. blabla – wie das eben bei geistlicher Manipulation aussieht. (Nein, von Gehorsam und Hölle zu reden ist nicht gleich Manipulation, das sage ich gar nicht, es ist oft genug gerechtfertigt und eine gut gemeinte Warnung; aber hier geht es um die unehrliche und böswillige Verwendung der Argumente.)

Misshandlung geht auch oft einher mit Vernachlässigung. Und „geistliche Vernachlässigung“ ist eigentlich ein ziemliches Understatement dafür, was seit 2013 abgelaufen ist. Gläubige sind verwirrt und ratlos und werden eher noch von der Kirche weggetrieben und der Papst kümmert sich nicht darum, irgendeinen Menschen zu Jesus zu bringen.

Bei Franziskus ist es sehr extrem. Aber auch die vorigen Päpste waren in dieser Hinsicht nicht komplett schuldlos. Auch sie haben ein gewisses Maß an Misshandlung durch andere Bischöfe und Theologen zugelassen und sich wohl nicht so wirklich fähig gefühlt, diese Entwicklung wieder zu stoppen. Sie waren eher wie ein Vater, der, wenn die Mutter ein Kind misshandelt, schon immer mal wieder etwas dagegen sagt und das Kind in Schutz nimmt, und ihm seinerseits Zuneigung zeigt, aber nicht grundlegend einschreitet. Die Päpste haben seit dem 2. Vatikanum in einigen Dingen die Leute wüten lassen, die den Glauben durch ihre eigenen Ideologien ersetzen wollten.

Es tut irgendwie weh, das zu sagen, aber das gilt ab und zu auch für Benedikt XVI. und Johannes Paul II. Ja, sie hatten in manchen Dingen selbst irrige (wenn auch noch nicht häretische) Ansichten (z. B. dazu, wie weit Ökumenismus gehen sollte – s. die Gebetstreffen in Assisi), aber diese Ansichten waren wahrscheinlich wenigstens ehrliche Irrtümer. Aber sie haben auch bei Dingen, bei denen sie selbst immer die richtige Linie vertreten haben, zugelassen, dass andere die Kirche unterminieren. Jorge Maria Bergoglio wurde von Johannes Paul II. zum Bischof und Kardinal gemacht. Ich selber habe Benedikt viel zu verdanken; er hat mir ca. 2011 geholfen, richtig zum Glauben zu finden. Aber er hatte am Ende nicht die Kraft, seine Herde weiterhin vor den Wölfen zu schützen. Er war diplomatisch, milde, geduldig; und am Ende hat er sich zurückgezogen, obwohl wir ihn noch brauchten, und es nicht garantiert war, dass das Konklave einen guten nächsten Papst wählt.

Vielleicht überschätze ich hier, wie viel Macht ein Papst hat. Er ist immer darauf angewiesen, dass andere seine Anweisungen umsetzen und ihm die richtigen Informationen weitergeben. Aber hätten die vergangenen Päpste nicht wenigstens strenger auf die Kriterien der Ernennung zum Bischof schauen können, und sicherstellen können, nur wirklich lehramtstreue Kandidaten zuzulassen?

Aber egal, wie wir ihn diese Situation gekommen sind, jetzt ist sie nun mal da. Und bei emotionaler Misshandlung hilft es generell:

  • sich von den Tätern abzugrenzen und ihnen Grenzen zu setzen
  • sich Freunde zu suchen, mit denen man seine Sorgen teilen kann; ein bisschen Verständnis und Unterstützung kann Wunder wirken
  • möglichst wenig Kontakt zu den Tätern zu haben

Wir können uns nicht von der Kirche trennen, weil solche Leute in ihr an der Macht sind, genausowenig, wie wir erklären können, unser leiblicher Vater wäre nicht unser Vater, wenn er uns misshandelt. Aber wir können den Papst und seine Leute mehr oder weniger ignorieren. Wir können uns in Tradi-Gemeinden zusammenfinden, wo man sich einfach einig ist, dass ungerechte Befehle nicht beachtet werden und man auf Traditionis Custodes pfeift, und im Übrigen vor allem an Gott denkt statt an Seinen Stellvertreter, der sich vor Ihm wird verantworten müssen.

(Diejenigen Leute, die mittlerweile Zweifel bekommen, ob Franziskus wirklich gültig gewählt worden sein kann oder nicht vielleicht später sein Amt verloren haben kann, wären etwa wie misshandelte Kinder, die einen Vaterschaftstest verlangen, weil sie sich denken, wenn ihr Vater sie so misshandelt, wäre er vielleicht gar nicht ihr Vater. Es mag in der Theorie Fälle geben, in denen so etwas passieren kann, aber im Zweifelsfall ist der allgemein als gültig anerkannte Papst nun mal Papst, Punkt; und wir müssen uns gar nicht darum kümmern, ob es so ist, um seinen Misshandlungen entgehen zu können. Wir können uns auch so von ihm fernhalten.)

Also: „Fröhlich sein, Gutes tun, und die Spatzen pfeifen lassen.“ Irgendwann wird auch diese Krisenzeit beendet sein, allerspätestens mit der Wiederkunft unseres Herrn. Bis dahin muss man eben auch mal dem Papst „ins Angesicht widerstehen“ (Gal 2,11).

Vorfreude auf den Himmel

Es gibt solche Tage – zum Beispiel einen schönen Sonntagmorgen im Sommer, wenn man umgeben von lauter lieben Menschen zur Messe geht und dann den Herrn in der hl. Kommunion empfängt -, da ist man einfach glücklich und fröhlich und geborgen, und denkt sich: Wie schön muss das erst im Himmel sein.

Ich bin mittlerweile so weit, dass ich weniger Angst vor Gott habe und mehr Vorfreude auf den Himmel, jedenfalls viel mehr als früher. Er meint es ja wirklich gut mit uns, und wir haben uns Ihm angeschlossen. Im Himmel werden wir Ihn wirklich sehen, wie Er ist, dann wird alles Fragen vorbei sein. Und ich denke mal, dass wir (auch wenn das eine ziemlich nebensächliche Angelegenheit im Vergleich dazu sein wird, Gott zu sehen) uns alle gegenseitig in Gott sehen werden, wie wir sind. Da wird man dann plötzlich sehen, wer alles für einen gebetet hat, oder was für Früchte die eigenen Gebete getragen haben. Da wird man sich wiedererkennen und endlich wirklich verstehen. Die schönen Momente hier unten sind nur ein Vorgeschmack, da erhascht man einen Blick auf die große Wirklichkeit, die wirklicher ist als das alles.

Ich habe nicht das Gnadenprivileg, oft besondere Hochgefühle beim Gebet zu erleben, und bin im inneren Gebet sowieso sehr ungeübt (das muss sich ändern). Aber manchmal habe ich das Gefühl, dass Gott mir etwas zeigt oder sagen will. Jesus, wie Er in der Hostie bei uns ist, das hat so etwas von friedlichem, schlichtem, verborgenem Schweigen und Warten. Und wenn man eine Kuhweide im Abendlicht und den Waldrand dahinter sieht, dann denkt man sich etwas Ähnliches: Gott hält ruhig seine Hand darüber und lässt die Dinge wachsen.

Und wir müssen auch nur noch etwas Geduld haben, bis wir dann schließlich im Himmel sind und die Vollendung all dieser Dinge sehen.

John Everett Millais, Das Tal der Stille.

Die Bibel und „Stille Post“

Manchmal denke ich mir, dass das Spiel „Stille Post“ mehr dazu beigetragen hat, falsche Vorstellungen über Jesus und die Bibel zu säen als alle sonstigen Scheinargumente von Atheisten und Kirchenfeinden.

Die Vorstellung ist quasi: „Eigentlich können wir ja gar nichts über Jesus wissen. Diese Texte über ihn wurden immer und immer wieder abgeschrieben, dabei geht was verloren, dann lässt einer was weg, das ihm nicht passt, oder dichtet was hinzu – am Ende hat das Ergebnis wie beim Spiel Stille Post nichts mehr mit den ursprünglichen Aussagen gemein.“

Der Vergleich ist freilich etwa so stichhaltig wie die Aussage „Schokoladeneis schaut aus wie Schlamm, also schmeckt es auch so“. Wenn man sich Stille Post und die Arbeit antiker und mittelalterlicher Schreiber anschaut, fallen einem doch zuallererst die Unterschiede auf:

  • Bei Stille Post wird extra geflüstert, damit derjenige vielleicht etwas falsch versteht; man will, dass irgendein lustiges falsches Ergebnis herauskommt. Beim Abschreiben der Bibel hatte der Schreiber die Schrift klar vor sich.
  • Bei Stille Post darf niemand nachfragen, wenn er etwas beim ersten Mal nicht verstanden hat. Der Schreiber konnte jederzeit auf das Manuskript vor ihm schauen und kontrollieren, ob er auch kein Wort vergessen hatte.
  • Bei Stille Post geht es genau in einer Linie vom Anfang bis zum Ende. Wenn dabei einer einen Fehler macht, wird dieser Fehler zwangsläufig bis zum Ende weitergegeben; die nachfolgenden Spieler können sich nicht noch einmal an den ersten Spieler wenden, oder an fünf verschiedene Spieler, die das Wort alle direkt vom ersten Spieler gehört haben. Beim Abschreiben der Bibel war es ganz anders. Die ersten Schriften wurden etliche Male abgeschrieben und dann verteilt, dann wurden diese Manuskripte wiederum von verschiedenen Schreibern abgeschrieben. Es bildete sich ein riesiger Stammbaum an Manuskripten heraus. Ein Schreiber konnte entweder ältere Schriften noch einmal kontrollieren, oder parallele Schriften der Seitenstränge. Wenn die jüngeren Schriften irgendwie nicht zusammenpassten, konnte man schauen, was sie gemeinsam hatten (was also wohl authentisch sein musste) und worin sie voneinander abwichen (was zweifelhafter war). Bei Stille Post sind Fehler einkalkuliert; beim Abschreiben von Manuskripten kann ein späterer Schreiber offensichtliche Fehler (wie ein falsch geschriebenes oder ausgelassenes Wort) wieder korrigieren. Es gibt ja diese berühmte englische Bibelausgabe, in der im 6. Gebot („Du sollst nicht ehebrechen“) das Wort „nicht“ vergessen wurde. Falls jemals jemand die Bibel von diesem Manuskript abgeschrieben hat, wird er wohl fähig gewesen sein, diesen Fehler zu korrigieren. Durch bloße Leichtsinnsfehler schleicht sich in solchen langen Büchern kein falscher Sinn ein, dann müssten es schon bewusste Fälschungen sein. Aber auch bewusste Fälschungen wären hier nicht einfach.
  • Bei Stille Post ist es keinem besonders wichtig, etwas haargenau so weiterzugeben, wie es gesagt wurde; im Gegenteil, man will ja über irgendein lustiges Ergebnis lachen. Bei der Bibel wachte dagegen die ganze Kirchengemeinschaft über die unveränderte Weitergabe dieser heiligen Schriften. Wenn ein Kleriker es gewagt hätte, sie nach seinem Belieben umzuschreiben, wären ihm sofort hundert andere Kleriker an die Gurgel gesprungen. Wir sehen das ja auch heute noch: Es gibt kleine Abweichungen z. B. zwischen protestantischen und katholischen Übersetzungen, auch wo diese dieselben Urtexte übersetzen, und die Theologen debattieren diese Abweichungen leidenschaftlich. Diese Abweichungen sind auch bekannt, sie können nicht versteckt werden; einer, der eine neue tendenziöse Übersetzung erstellt, kann nicht alle bisherigen Manuskripte zerstören. Er kann vielleicht seine Leser täuschen, aber nicht alle seiner Gelehrtenkollegen. Es geht aber nicht nur darum, dass man erwischt werden könnte; auch die eigene Scheu vor den heiligen Texten hätte Schreiber daran gehindert, etwas zu verfälschen. Sie sahen ihre Tätigkeit als Dienst an Gott. Das ist etwa so wie heute bei Gesetzestexten; wenn ein Anwalt etwas durchsetzen will, das nicht im Gesetz steht, interpretiert er vielleicht daran herum bis zum Gehtnichtmehr, aber er lässt sich nicht einfach eine verfälschte Ausgabe von BGB oder GG drucken.

Aber gab es früher nicht öfter Fälschungen?, könnte man einwenden. Die Konstantinische Schenkung, die monita secreta… Freilich gab es die; es gibt sie auch heute noch. Aber eher in dem Sinn, dass man eine neue Schrift herbeizauberte, von der dann behauptet wurde, sie sei schon viel älter und wäre in einem alten Klosterarchiv gefunden worden oder in der geheimen Korrespondenz der politischen Gegner. Das Umschreiben bereits weit verbreiteter Schriften wäre viel schwieriger gewesen. So hielten es auch die Sekten, die im 2., 3., 4. Jahrhundert ihre eigenen Evangelien schrieben; sie fügten neue hinzu, und schrieben nicht die alten um. Natürlich hatte nicht jeder Dorfpriester fünfzig verschiedene Bibeln vor sich auf dem Schreibtisch liegen, die er vergleichen konnte, aber Priester, Klöster und Bischöfe hatten bekanntlich Kontakt miteinander. Es konnte gut vorkommen, dass es einem Kleriker nicht auffiel, wenn eine Zeile in einer Ahnenliste im Alten Testament fehlte, weil der Schreiber geschlampt hatte, aber wenn jemand eine wichtige neue Lehre in einem Evangelium eingefügt hätte, wären doch ein paar Leute stutzig geworden.

Tatsache ist, wir haben ja auch eine ziemlich große Zahl von Bibelmanuskripten aus der Antike. Die sind nicht alle lückenlos, aber sie stimmen alle überein. Allein die Liste der antiken Papyri (also Pergamentabschriften nicht mitgezählt) mit Texten des Neuen Testaments ist ziemlich ansehnlich. Und auf einem Fetzen aus dem Jahr 125 n. Chr. stehen dieselben Verse des Johannesevangelium, die ich auch in meinem griechischen Neuen Testament in der Nestle-Aland-Ausgabe sehen kann. Es gibt natürlich ein paar Abweichungen (die in solchen modernen Ausgaben auch alle klitzeklein aufgeführt sind). Da sind so außerordentliche Sachen dabei wie etwa, dass im einen Manuskript „Jesus Christus“ und im anderen „Christus Jesus“ steht.

Es gibt ein paar sehr wenige größere Abweichungen; die mit Abstand größten sind, dass in manchen Manuskripten der Schluss des Markusevangeliums fehlt und in manchen die Geschichte mit der Ehebrecherin in Joh 8. Vielleicht ließ der hl. Markus sein Evangelium zunächst am leeren Grab enden, wo der Engel den Frauen die Auferstehung verkündet, und dachte sich später, in einer neueren „Ausgabe“ könnte er es doch so machen wie die anderen Evangelisten, die mittlerweile ihre Evangelien veröffentlicht hatten, und auch noch eine kurze Zusammenfassung der Erscheinungen des auferstandenen Jesus anfügen. Aber die Auferstehung steht so oder so drin.

Und, das kann man nicht oft genug betonen: Es gibt keine einzige katholische Lehre über Jesus, die allein an irgendeiner zweifelhaften Stelle in den Evangelien hängt, die in manchen Manuskripten fehlt. Es gibt schlicht keine.

Es gibt ein paar Texte in der Bibel, die in unterschiedlichen Überlieferungssträngen ein paar mehr Unterschiede aufweisen; die Psalmen zum Beispiel. Es gibt auch ein paar Bücher, deren Zugehörigkeit zur Bibel zeitweise umstritten war; der 2. Petrusbrief zum Beispiel. Aber auch hier steht keine christliche Lehre auf dem Spiel, und auf die Evangelien trifft schon mal beides nicht zu.

Es ist eine Tatsache, dass die Evangelien, als sie nicht lange nach Jesu Tod um 30 n. Chr., nämlich irgendwann um 40, 50, 60 n. Chr. (Johannes evtl. später)*, geschrieben wurden, so aussahen, wie sie uns auch jetzt vorliegen. Da kann man sie sich jetzt ansehen und sein Urteil darüber fällen, was man von dem Jesus hält, den sie präsentieren, aber man kann nicht behaupten, dieser Jesus wäre eine durch Fehler und Fälschungen im Lauf der Jahrhunderte aufgebaute Karikatur.

Papyrus Bodmer II mit dem Johannesevangelium, um 200 n. Chr.

* Bei der Datierung hilft die Apostelgeschichte, die Lukas als Fortsetzung seines Evangeliums schrieb. Sie endet Anfang der 60er, als Paulus als Gefangener in Rom ist, und erwähnt seinen Märtyrertod nicht mehr, ein immerhin ziemlich wichtiges Ereignis; der logische Schluss ist, dass sie eben Anfang der 60er geschrieben wurde, als er noch nicht tot war. Das Lukasevangelium würde dann auf ungefähr 60 datieren, Matthäus und Markus dürften älter sein. Heute werden alle diese Schriften gerne auf 70-80 n. Chr. datiert, da Jesus die Zerstörung Jerusalems im Jahr 70 n. Chr. voraussagt, und die heutigen Textkritiker davon ausgehen, Er hätte kein zukünftiges Ereignis voraussagen können, und man hätte Ihm diese Aussage im Nachhinein in den Mund gelegt. Dass Jesus nicht der Sohn Gottes sei und die Zukunft nicht habe wissen können, ist aber eine weltanschauliche Behauptung, die man nicht als neutraler Historiker zum Maßstab machen kann, um einen Text zu datieren; wenn, dann muss man nach anderen Hinweisen suchen. (Tatsächlich wäre es sogar, wenn man Jesus nicht für den Sohn Gottes hält, gut möglich, anzunehmen, Er hätte einfach vorausgeahnt, dass auch Jerusalem irgendwann, wahrscheinlich in nicht allzu ferner Zukunft, Krieg und Zerstörung erleben würde; das war keine allzu fernliegende Vorhersagung.) Jesus war ca. 30 n. Chr. hingerichtet worden; die Frühdatierung würde also bedeuten, dass die Evangelien mit höchstens solchem zeitlichen Abstand dazu geschrieben wurden, wie wir ihn zum Mauerfall haben, die Spätdatierung würde einen ähnlichen Abstand wie den von uns zur 68er-Bewegung.

Was Frauen und Kinder dem deutschen Staat wert sind

Ich weiß nicht genau, wie oft ich in den letzten Jahren die Überschrift gelesen habe: „Vergewaltiger bekommt Bewährung“. Gerade eben ist wieder ein (mutmaßlich 16jähriger) Afghane wegen der Vergewaltigung einer 11jährigen zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden. Besonders beliebt scheinen diese Strafen bei Tätern mit – wie sagt man – anderem kulturellen Hintergrund zu sein.

Man muss es einfach sagen: Für den deutschen Staat sind seine Leute nichts mehr wert. Wenn auch nur ein Täter bei Vergewaltigung mit bloßer Bewährung davonkommt, ist eine Grenze überschritten. Der Staat sorgt dafür, dass brutale Triebtäter über ihn lachen, und sich weitere Opfer suchen. (Das führt auch den „Erziehungsgedanken“ im Jugendstrafrecht ad absurdum – was erzieht so jemanden eher, ein paar Jahre Gefängnis oder ein paar Gespräche mit dem Bewährungshelfer?) So etwas wie Sicherheit geht diesem Staat am Arsch vorbei; Politiker haben ja ihre Personenschützer und ihre abgeschotteten Wohnsitze. Die Verletzung und Traumatisierung eines kleinen Mädchens verdient für ihn keine Strafe. Auch im Kleinen sieht man es jeden Tag; keiner interessiert sich dafür, wie es z. B. deutschen Kindern an „Brennpunktschulen“ geht, und ob sie gemobbt oder sexuell bedrängt oder bedroht werden.

Die deutsche Gesellschaft ist da noch humaner eingestellt, aber hilft auch nicht viel. Muss irgendein Albaner oder Afghane oder Nigerianer auch nur befürchten, dass Passanten eingreifen, wenn er eine Frau belästigt, oder dass die Familie eines 14jährigen Mädchens, das er anmacht und dem er falsche Versprechungen macht, sie von ihm fernhält? Nein. Er registriert sehr gut, wie viel deutsche Mädchen ihren eigenen Leuten wert sind, und verhält sich dementsprechend. Natürlich; hier gibt es mildernde Umstände: Notwehr oder Nothilfe wird vom deutschen Staat gerne mal bestraft, und man findet oft nicht genug Leute, die helfen, wenn auf der anderen Seite die 50 Cousins auftauchen, und man traut sich nicht, Teenagern etwas zu verbieten, weil das ja böse wäre. Aber mittlerweile sollten einige Leute da klüger geworden sein und sich wenigstens teilweise anders verhalten.

Es darf so nicht weitergehen. Und wer sich nicht traut, einzugreifen, wenn „junge Männer“ ein Mädchen auf der Straße bedrängen, sollte sich wenigstens trauen, heimlich sein Kreuzchen bei der AfD zu machen, damit etwas mehr Druck für eine andere Politik gemacht wird. So viel wird man als Frau wohl gerade noch verlangen dürfen.

Die frühen Christen (bis 200 n. Chr.), Teil 12: Engel

Wer wissen will, was es mit dieser Reihe auf sich hat, möge bitte diese kurze Einführung hier lesen; knapp gesagt: ich habe Zitate aus christlichen Schriften vom Jahr 95 bis ca. 200 n. Chr. gesammelt, um einen Eindruck von der frühen Kirche zu vermitteln. (In der Einführung findet sich eine Liste mit allen herangezogenen Werken mitsamt ihrer Datierung.)

Alle bisher veröffentlichten Teile gibt es hier.

Bibelstellen zum Vergleich (Auswahl): Lk 1-2; Mt 1-2; Mt 4,11; Mt 18,10-11; Mt 13,49; Jud 1,9; Tob 12; Gen 16,7-12; Gen 19; Gen 21,17f.; Gen 28,12; 1 Kön 19,5-7; 2 Kön 19,35; Ps 34,8; Dan 3,49f.; Dan 14,34-39; Apg 10; Apg 12; Offb.

In den letzten Teilen ging es schon um Endzeit, Auferstehung, Himmel, Hölle usw; und zu den Bewohnern des Himmels zählen ja nicht nur die erlösten Menschen, sondern auch die Engel, reine Geistwesen, die schon vor den Menschen erschaffen wurden. Das Wort „Engel“ bedeutet „Gesandter, Bote“ und zeigt an, was die Engel in Bezug auf uns manchmal sind, nämlich Gesandte Gottes. In der Bibel tauchen sie immer wieder in dieser Rolle auf, und auch bei den frühen Christen ist der Engelglaube eine Selbstverständlichkeit. Es gibt auch von Gott abgefallene Engel, die Dämonen, zu denen auch der Teufel gehört (er ist kein ebenbürtiger Gegner Gottes, sondern nur ein abtrünniges Geschöpf); aber zu ihnen im nächsten Teil. Hier erst einmal ein paar Beispiele für den Glauben an die gut gebliebenen Engel.

Angel with a lamp, 1885 - 1896 - Viktor Vasnetsov - WikiArt.org
(Viktor Vasnetsov, Engel mit einer Lampe.)

Athenagoras von Athen schreibt um 176/177 n. Chr., dass die Engel über die Schöpfung wachen:

„Doch bleibt der theologische Teil unserer Lehre nicht dabei stehen, sondern wir lehren auch eine Menge von Engeln und Dienern, welche Gott, der Schöpfer und Bildner der Welt, durch sein Wort verteilt und aufgestellt hat, damit sie über die Elemente und die Himmel, über die Welt, die Dinge in der Welt und deren Ordnung wachen.“ (Athenagoras, Bittschrift für die Christen 10)

Im „Hirten des Hermas“ (spätestens Mitte des 2. Jh.s) spielen Engel eine zentrale Rolle. Der römische Christ Hermas erhält Offenbarungen von einem Engel der Buße, außerdem wird einmal ein Engel der Strafe erwähnt, und in mehreren Visionen helfen Engel dabei, die Kirche aufzubauen. Dann kommt auch eine Stelle, an der Hermas gesagt wird, dass ein guter und ein böser Engel den Menschen gute bzw. schlechte Eingebungen bringen:

„‚So höre mich denn‘, fuhr er weiter, ‚an über den Glauben. Zwei Engel sind bei dem Menschen, einer der Gerechtigkeit und einer der Schlechtigkeit.‘ ‚Wie nun‘, unterbrach ich, ‚wie nun soll ich, o Herr, ihre Wirkungen erkennen, da doch beide Engel in mir wohnen?‘ ‚Höre‘, erwiderte er, ‚und lerne sie kennen. Der Engel der Gerechtigkeit ist zart, schamhaft, milde und ruhig; wenn nun dieser in deinem Herzen sich regt, spricht er sogleich mit dir über Gerechtigkeit, Keuschheit, Heiligkeit, Genügsamkeit, über jegliche gerechte Tat und über jede rühmliche Tugend. Wenn all dies in deinem Herzen sich regt, dann wisse, dass der Engel der Gerechtigkeit mit dir ist. Denn das sind die Werke des Engels der Gerechtigkeit, diesem also vertraue und seinen Werken. Betrachte nun auch die Werke des Engels der Schlechtigkeit. Er ist vor allem jähzornig, verbittert und unverständig, seine Werke sind böse und verführen die Diener Gottes; wenn also dieser sich in deinem Herzen regt, dann erkenne ihn an seinen Werken.‘ ‚Ich verstehe nicht, o Herr, wie ich ihn erkennen soll.‘ ‚So höre‘, sprach er. ‚Wenn ein Jähzorn an dich kommt oder eine Erbitterung, dann wisse, dass er in dir ist; ferner wenn Begierden kommen, allerlei zu treiben, und mannigfache Ausgaben für reichliche Tafelgenüsse, häufiges und übermäßiges Trinken, für allerlei Leckerbissen und unnötige Dinge, Begierden nach Frauen und Reichtümern; ein übermäßiger Stolz und Prahlerei, und alles, was diesen verwandt und ähnlich ist: wenn also derlei Gedanken in deinem Herzen aufsteigen, dann wisse, dass der Engel der Schlechtigkeit in dir ist. Wenn du dann seine Werke erkannt hast, dann sage dich los von ihm und vertraue ihm nicht, weil seine Werke schlecht und den Dienern Gottes schädlich sind. Nun hast du die Wirkungen beider Engel. Lerne sie kennen und vertraue dem Engel der Gerechtigkeit.“ (Hirte des Hermas 2,6,2,1-6)

Auch der Barnabasbrief (vor 130 n. Chr.) unterscheidet zwischen guten und bösen Engeln:

„Nun wollen wir aber übergehen zu der anderen Erkenntnis und Lehre. Es gibt zwei Wege der Lehre und der Macht, nämlich den des Lichtes und den der Finsternis Der Unterschied zwischen den beiden Wegen aber ist groß. Auf dem einen sind nämlich aufgestellt lichttragende Engel Gottes, auf dem anderen aber Engel des Teufels. Und jener ist Herr von Ewigkeit zu Ewigkeit, dieser aber ist der Fürst dieser gegenwärtigen, gottlosen Zeit.“ (Barnabasbrief 18)

Auch Irenäus von Lyon schreibt um 180 n. Chr. etwas über die Engel. Es gibt eine klare Abgrenzung zwischen den Engeln und ihrem Schöpfer:

„Daß nämlich Engel und Erzengel, Throne und Herrschaften von dem allerhöchsten Gott durch sein Wort geschaffen und gemacht sind, das hat Johannes deutlich kundgetan. Denn nachdem er von diesem Worte Gottes gesagt hat, daß es im Vater war, fügt er hinzu: ‚Alles ist durch dasselbe gemacht worden, und ohne dasselbe ist nichts gemacht worden.‘ […] Daß er aber alles aus freiem Willen und nach seinem Gutdünken gemacht hat, bezeugt wiederum derselbe David, indem er sagt: ‚Unser Gott hat oben im Himmel und auf Erden alles gemacht, wie er es wollte.‘ Schöpfer aber und Geschöpfe, Ursache und Wirkung sind verschiedene Dinge. Er nämlich ist unerschaffen, ohne Anfang und ohne Ende, gebraucht nichts und genügt sich selbst und verleiht allem übrigen das Dasein. Was aber von ihm erschaffen worden ist, hat einen Anfang genommen. Was aber einen Anfang genommen hat, kann auch wieder aufgelöst werden, ist untergeordnet und bedarf dessen, der es erschuf. Also muß auch bei denen, die sich wenn auch nur ein geringes Unterscheidungsvermögen bewahrt haben, ein verschiedener Ausdruck gebraucht werden, so daß der Gott, welcher alles gemacht hat, samt seinem Worte allein rechtmäßig Gott und Herr genannt wird, das Erschaffene aber an diesem Ausdruck keinen Anteil haben noch darauf Anspruch erheben darf, da er allein dem Schöpfer zukommt.“ (Irenäus, Gegen die Häresien III,8,3)

Die Engel dienen immerzu Gott, aber nicht, weil Er sie nötig hätte, und auch unter ihnen gibt es gewisse Hierarchien:

„Die Welt nun aber wird von sieben Himmeln umgeben, in denen die Mächte, die Engel und die Erzengel wohnen und die Pflicht des Dienstes gegen Gott den Allmächtigen, den Schöpfer aller Dinge, erfüllen; nicht als bedürfte er sie, sondern sie sollen nicht untätig, ohne Nutzen und Segen sein. Reichlich ist deswegen das Innewohnen des Geistes Gottes, und vom Propheten Isaias werden sieben Formen Seines Dienstes aufgezählt, welche ruhen auf dem Sohn Gottes, d. h. auf dem Wort bei seiner Ankunft als Mensch. Er sagt: ‚Es wird auf ihm ruhen der Geist der Weisheit und des Verstandes, der Geist des Rates und der Stärke und der Frömmigkeit, es wird ihn erfüllen der Geist der Gottesfurcht.‘ Somit ist der erste Himmel von oben her, der die andern umschließt, die Weisheit, der zweite hernach der des Verstandes, der dritte der des Rates, der vierte, von oben gerechnet, der der Kraft, der fünfte der der Wissenschaft, der sechste jener der Frömmigkeit, der siebente ist die Feste über uns, die voll ist von der Furcht des Geistes, der die Himmel erleuchtet. Als ein Bild davon ließ Moses den siebenarmigen Leuchter immer im Heiligtum strahlen, gemäß dem, was das Wort geoffenbart hatte: ‚Du sollst ihn genau nach dem Urbild herstellen, welches du auf dem Berge gesehen hast.‘

Nun wird dieser Gott verherrlicht von seinem Worte, welches sein ewiger Sohn ist, und vom Heiligen Geist, welcher die Weisheit des Vaters von allem ist. Und ihre Mächte, die des Wortes und der Weisheit, die Cherubim und Seraphim genannt werden, preisen Gott mit unaufhörlichem Lobgesang, und jegliches Geschöpf, das nur im Himmel ist, bringt Gott, dem Vater von allem, Lobpreis dar. Er hat die ganze Welt durch das Wort gebildet — und auf der Welt sind auch die Engel — und der ganzen Welt schrieb er die Gesetze vor, bestimmte für jedes seinen festen Stand, dessen gottgesetzte Grenze es nicht überschreiten darf, und so vollführt ein jedes die ihm übertragene Aufgabe.

Den Menschen aber bildete er mit eigener Hand. Er verwandte dazu den feineren und zarteren Stoff der Erde und verband in [weisem] Maße miteinander die Erde und seine Macht. Denn er hat dem Geschöpfe seine Form gegeben, damit es in seiner Erscheinung Gottes Bild sei. Als Abbild Gottes setzte er den von ihm erschaffenen Menschen auf die Erde. Damit er Leben empfange, hauchte er in sein Angesicht den Lebensodem, auf daß der Mensch sowohl seiner ihm eingehauchten Seele nach und in seiner Leibesbildung Gott ähnlich sei. Er war folglich frei und Herr über sich selbst durch Gottes Macht, damit er über alles, was auf Erden ist, herrsche. Und dieses große Schöpfungswerk der Welt, das alles in sich barg, von Gott schon vor der Schöpfung des Menschen zubereitet, wurde dem Menschen zum Wohnsitz gegeben. Und es fanden sich an ihrer Stelle und mit ihren Arbeitsleistungen die Diener dieses Gottes, der alles schuf. Und ein Hauswalter hatte als Schützer dieses Gebiet inne, der über die Mitknechte gesetzt war. Die Knechte waren die Engel, der Walter und Schützer aber der Fürst der Engel [ein Erzengel]. (Irenäus, Erweis der Apostolischen Verkündigung 9-11)

Rose Briar // acheiropoietos: Archangel Victor Vasnetsov | Archangels,  Archangel michael, Christian art
(Viktor Vasnetsov, Erzengel.)